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Freitag, 8. Mai 2026

Und das wichtigste verkackt die DFL

 Ihr hattet eine Aufgabe... einen vernünftigen Spielplan zu erstellen. Und stattdessen beschäftigt ihr euch mit den Abständen der Bälle neben dem Spielfeld. Gut, dass die Prioritäten richtig gesetzt wurden.

Worum geht es? Nun ja, um den Abstiegskampf. Und um die Ansetzungen im Abstiegskampf. Denn die haben es tatsächlich geschafft, dass St. Pauli, Wolfsburg und Heidenheim alle zu unterschiedlichen Zeiten spielen. Heidenheim spielt sogar erst am Sonntag. Und da muss ganz offen die Frage gestellt werden: Warum?

Also die 3 Mannschaften spielen gegen RB Leipzig, Bayern und den 1. FC Köln. Dass diese 3 Mannschaften am 32. Spieltag tief im Abstiegskampf stecken, sollte niemanden überraschen. Dass die 3 Gegner am Samstag um 15:30 Zeit hätten, steht seit dem 17.05.2025 fest... also da hat Leipzig mit der Niederlage in Stuttgart die Teilnahme an der Conference League verpasst. Was schon absurd ist, denn das wäre ja die Chance auf ein "Finale Heeme" gewesen. Mit Hermes House Band auf dem Fanfest...

Aber seit diesem Tag steht fest, dass keine der Gegner am Donnerstag im Europacup spielen würde. Der eigentliche Spielplan wurde natürlich erst am 2.6. veröffentlicht.  Die finalen Ansetzungen wurden am 27.03. festgezurrt. Da war Heidenheim noch weit abgeschlagen. Aber dass St. Pauli und Wolfsburg steckten mitten im Abstiegskampf. Zusammen mit den Kölnern. Und Werder Bremen. 

Da ist doch das naheliegendste, dass diese 5 Mannschaften die 4 Partien am Samstagnachmittag austragen. Ernsthaft, das ist eigentlich ein Skandal. Es sollte ein viel größeres Thema sein und von wesentlich mehr Leuten als nur dem Fanbündnis "Unsere Kurve" kritisiert werden.

Gerade die Konstellation zwischen St. Pauli und Wolfsburg ist völlig absurd. Die trennt ja wirklich nur das Torverhältnis. Die Wölfe werden im Zweifelsfall genau wissen, welches Niederlage sie sich gegen die Bayern leisten können. Es kann also sein, dass die am Ende krampfhaft ein 0:5 verteidigen, weil sie genau wissen, dass dann am letzten Spieltag ein Unentschieden reicht.

Das diese beiden Mannschaften nicht zeitgleich spielen, ist unentschuldbar. Ich sage das mal ganz drastisch: Wer immer das zu verantworten hat, sollte dringend in eine Position befördert werden, in der er keine aktiven Funktionen mehr hat...

Dabei, das will ich an der Stelle nochmal festhalten, bin ich sogar ein großer Freund von den aufgeteilten Spieltagen zum Saisonende. Wenn man das clever machen würde, könnte man sicherlich mehr TV Gelder rausholen, ohne dass man, wie in der Relegation, den Wettbewerb verzerrt.

Das müsste aber nach klaren und nachvollziehbaren Regeln passieren. Also:
1.) Die Europacup Teilnehmer spielen Sonntag.
2.) Die Abstiegskandidaten spielen zeitgleich.
3.) Die Bayern spielen zeitgleich... also eigentlich wollte ich hier "Die Meisterschaftsanwärter" schreiben, es sind aber halt die Bayern.
4.) Um die Mannschaften, die in den Europacup einziehen, baut man den Rest.

Und dann verkauft man an Sky und DAZN die Rechte für die entsprechenden Konferenzen. Und selbst wenn dann die Abstiegs- und die Europacup-Konferenz am Ende gleichzeitig stattfinden müssen, könnte man eine extra Konferenz, die nur diese Spiele zeigt und nicht zum belanglosen Sommerfußball schalten muss, bestimmt gut verkaufen.

Die Logik dahinter ist grundsolide. 1.) Die Ruhetage zwischen den Spielen müssen gewahrt werden. 2.) Der Abstiegskampf gilt nicht zu Unrecht als "Existenzkampf". Da hängt, solange man kein Harakiri wie Dortmund zur Jahrtausendwende betreibt, das meiste dran. 3.)Der Meistertitel ist ja der eigentliche Grund, warum wir den ganzen Spaß machen. Und 4.) das Rennen um die Europacup-Plätze ist zumindest in der Theorie der unterhaltsamste Teil. Aber für die meisten wäre eine Teilnahme "nur" ein Bonus-Feature und nicht die Grundlage ihrer Existenz.

Dafür nimmt man sich im Zweifelsfall die Tabelle vom 25.03.. Die letzten 5 packt man, in die Samstagskonferenz. Die Mannschaft auf Platz 3 bis 5 in die 18:30 Champions League Konferenz. Und die Mannschaften auf den Plätzen 6 bis 8 spielen am Sonntag. Und wenn eine der Mannschaften aus den späteren Konferenzen auf eine aus den früheren trifft, so hat die frühere Priorität. Das kann dann natürlich dazu führen, dass der Tabellensechste schon weiß, welches Ergebnis er braucht, aber das ist, verglichen mit der derzeitigen Situation im Abstiegskampf, ein harmloses Problem.

Also ganz praktisch: Am Samstag um 15:30 spielen RB Leipzig - St. Pauli, Wolfsburg - Bayern, Köln gegen Heidenheim und vielleicht noch Hoffenheim gegen Bremen.

Dann freut man sich darüber, dass das ausbleibende Meisterrennen alles einfacher macht und setzt zu 18:30 als Gegenprogramm zur Sportschau die Fernduelle um die Champions League an. Hoffenheim - Bremen (was dann tatsächlich nur um ein paar Stunden verschoben werden müsste, der Aufwand wäre also überschaubar) und Stuttgart - Leverkusen. Und am Sonntag spielen, möglichst sogar zeitgleich, Hamburg - Freiburg, Dortmund - Frankfurt und Augsburg - Gladbach. Und dann kann man den belanglosen Sommerkick zwischen Mainz und Union Berlin sogar noch auf den Freitag legen.  Plötzlich hätte man ein echt spannendes Fußballwochenende, an dem der neutrale Fußballfan von Samstag bis Sonntag vor der Glotze hängt...

Am letzten Spieltag spielen dann alle am Samstag, aber man bastelt sich trotzdem 2 Konferenzen. Eine um 15:30 für die ganzen Europacup-Teilnehmer und eine um 18:30 um Wolfsburg, St. Pauli und Heidenheim. Und wenn mehr Mannschaften im Abstiegskampf stecken, als im Europa Cup Rennen, tauscht man das. Falls es jemals wieder ein spannendes Meisterschaftsrennen gibt, legt man das auf 18:30. Wenn das ganze aufgrund von Überschneidungen nicht aufgeht, macht man eine 15:30 Konferenz, verkauft aber die Rechte für die einzelnen "Unter-Konferenzen" an die entsprechenden Anbieter.

Wenn die Fernsehsender weiter denken, als von der Wand zur Tapete, wird ihnen auffallen, dass sie natürlich das eine oder andere Einzelspiel verlieren. Dafür können sie dann aber die entsprechenden Pakte an betroffene Fans verticken. Also von dem Special "Abstiegspaket" würden sie bestimmt an die 3 Wolfsburg-Ultras verkaufen. Obwohl, das sind ja Drillinge, die werden sich ein Abo teilen. Schlechtes Beispiel. Aber in Stuttgart würde man das "Wir begleiten den VfB im Rennen um die Champions League" Angebot super an den Fan bekommen. 

Die Fans werden natürlich erstmal heulen. Weil die immer heulen, wenn sich irgendwas ändert und weniger Spiele um 15:30 angepfiffen wird. Aber für die wäre das praktisch eine Verbesserung. Man könnte sich als Einstimmung auf sein eigenes Finish vorher den Abstiegskampf angucken und dann zum von der Kneipe ins Stadion ziehen. Oder man kann sich während des Abstiegsfrustsuffs noch angucken, wie andere Mannschaften um ihre Ziele kämpfen. Und der neutralen Zuschauer, dessen Mannschaft nur noch mit Sommerfußball beschäftigt wäre, kann sich beide Konferenzen nacheinander reinziehen und den kompletten Impact des Saisonfinales genießen, während er jetzt in der eher hektischen 9 Spiele Konferenz verloren geht.

Natürlich bräuchte diese Idee eine gewisse Flexibilität. Und das haben wir Deutsche halt nicht. Also wahrscheinlich würde alleine die Polizei eine kurzfristige Verlegung vom Hoffenheim - Bremen Spiel verhindern, weil sie dafür ihre Dienstpläne neu schreiben müssten. Das geht ja gar nicht.

Nur um zu beweisen, dass das aber geht: Die Premiere League hat das Spiel Chelsea - Nottingham kurzfristig auf Montag 16 Uhr angesetzt. Das wirkt wie eine ungewöhnliche Anstoßzeit, bis einem bewusst wird, dass der Montag in England ein Feiertag war. Anstatt dogmatisch darauf zu beharren, dass am Montag um 16 Uhr kein Fußball gespielt werden darf, haben sie einfach den Feiertag genutzt. Und am Ende generieren sie auch aufgrund solcher Aktionen einfach mehr Umsatz, als die Bundesliga. Für die Fans im Stadion ist jetzt 16 Uhr an einem Feiertag auch eher eine Verbesserung der Lage, weil auch die Gästefans entspannt hin und zurückkommen.

Natürlich muss man die komplette Kommerzialisierung der Premiere League nicht unbedingt als Vorbild nehmen. In Deutschland ist es ja irgendwie wichtig, dass man den Schein wahrt und so tut, als wäre Profifußball nicht der reinste Kommerz... auch wenn trotzdem alle das dreckige Geld nehmen, um den Spaß zu finanzieren.

Aber eine potenzielle Aufsplittung der letzten beiden Spieltag wäre jetzt nicht das Ende der Bundesliga Romantik. Im Gegenteil, wenn man, wie hier dargelegt, die Regeln ordentlich festlegen würde, könnte man dadurch die gerade anstehende Wettbewerbsverzerrung verhindern.

Nebenbei finde ich 2 Dinge faszinierend: Einerseits dass es mit Mainz gegen Union nur ein einziges bedeutungsloses Spiel gibt. Es geht einerseits doch noch für mehr Mannschaften um etwas, als ich gedacht hätte. Und der Spielplan fällt so günstig, dass es nur in einem Spiel für beide Mannschaften wirklich um was geht. 

Andererseits haben die echt 3 Sonntagsspiele für den 33. Spieltag angesetzt. Und klar, mein Loblied auf den SC Freiburg muss noch geschrieben werden... aber gingen die echt davon aus, dass 3 von 4 deutschen Teilnehmern ins Halbfinale der Europa und Conference League einziehen? 

Das ist uns seit den 70ern nicht mehr passiert. Dass man dieses so extrem unwahrscheinliche Szenario bei den Verträgen beachtet, es aber nicht schafft, einen vernünftigen Spielplan zu erstellen, sagt viel über den Fokus der DFL aus...

Dienstag, 13. Februar 2024

Und täglich grüßen die Tennisbälle

 Diese Woche taten sich die Fans von Union Berlin und dem VfL Wolfsburg hervor. Die einen ignorierten wie immer komplett, dass sie ohne ihren eigenen Investor in der 2. Liga gegen den Abstieg kämpfen müssten. Falls überhaupt, schließlich wurde Michael Kölmel 2003 auch als "Retter" betitelt. Aber Investoren sind das Böse!!!

Und Wolfsburg kann wenigstens behaupten, dass sie ohne die großen finanziellen Zuwendungen von VW in die Bundesliga aufgestiegen sind... aber seitdem wird da halt ordentlich reingepumpt und sie haben irgendwie eine Ausnahmeregelung zum 50PLUS1 zugesprochen bekommen... Das sind also genau diejenigen, die gegen Investoren protestieren sollten.

Wobei ich an der Stelle einschieben muss: So verlogen ich das finde: Ich habe kein Problem mit den Tennisbällen. Ein friedlicher und gewaltfreier Protest. Auch die Bedenken gegen eine weitere Zerstückelung des Spieltages kann ich nachvollziehen. Die Premiere League hat ja während der Pandemie bewiesen, wie schnell es plötzlich wesentlich mehr Anstosszeiten geben kann.

Was aber nicht geht, sind Gewaltdrohungen gegen einzelne Personen... Vor allem nicht gegen Martin Kind aus dem Hannover Block. Das ist so absurd, denn ohne Kind wären die alle gar nicht da, aber jetzt nehmen die den ins Fadenkreuz.

Kling übertrieben? Aber bedenkt: Als Kind als Präsident und Mäzen eingestiegen ist, stieg Hannover 96 gerade in die Regionalliga ab. Man spielte im Schnitt vor weniger als 10.000 Fans. Also in 8 von 9 Jahren. 

Das Stadion war auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit und meistens nur zu einem Drittel gefüllt. Das letzte große Spiel war der Supercup aus dem Jahr 1992. Vor 21.000 Zuschauern. Kind orgenisierte die kreditfinanizierte Renovierung, damit das Stadion 2006 WM tauglich wurde. Unter seiner Führung gelang der Aufstieg von der Regionalliga in den Europacup. Und auch wenn Kind irgendwann endgültig vergrault wird, wird der Verein noch jahrzehntelang von seinem Wirken profitieren, einfach nur weil man ein modernes Stadion hat. Auch wenn man es jetzt nicht zur Europameisterschaft geschafft hat.

Nun werden all die Fans jetzt behaupten, dass sie natürlich auch ohne Kind in Massen in das dann noch baufälligere Stadion strömen würden. Die werden sich das sogar selber einreden. Dadurch wird es aber nicht zwingend wahr... Selbst Rot-Weiss Essen, also das Paradebeispiel für eine florierende Fanszene in der mittlerweile viertklassigen Regionalliga, kam dort nur selten auf 10.000 zahlende Zuschauer. 

Und versteht mich nicht falsch: Man kann und muss Kind kritisieren. Gerade wenn man von ihm ahbängig ist. Es ist legitim, sein Vorgehen gegen 50PLUS1 kann man ablehnen.

Aber ihn, wenn auch nur symbolisch, ins Fadenkreuz zu nehmen und zum Abschuss freizugeben, ist definitiv nicht legitim. Nebenbei führt das am Ende auch nur, dass sich "der Pöbel" von den Ultras abwendet. Noch unterstützt der die Proteste der Ultras. Noch sieht er deren Bedenken ein, auch wenn er eigentlich lieber entspannt Fußball gucken will.
Wenn der aber mit Gewaltdrohungen konfrontiert wird, wendet er sich von euch ab. Und dann merkt man plötzlich, dass die Ultras einfach weniger sind, als sie denken.

Kurz gesagt: Protestiert. Seit anstrengend, aber kreativ. Unterbrecht die Spiele. Sorgt von mir aus auch für einen Spielabbruch. Aber droht einfach niemanden ihn zu erschießen.

Freitag, 22. Dezember 2023

Wo der Kicker mich schon triggert

Weil der uns daran erinnert, dass da mal journalistisch hochwertige und kritische Arbeit geleistet wurde. Also vor 25 Jahren halt. Seitdem kommt da ja eher wenig bis nichts.

Aber eigentlich muss man dieses Jubiläum ja mal als Anlass nehmen, um auf die absurde Doppelmoral der Dortmund Fans hinweisen... um mich da richtig unbeliebt zu machen.

Denn die Fans einer Kommanditengesellschaft auf Aktien führen sich als die moralische Instanz und bewahrer der traditionellen Werte auf. Auch jetzt gerade wieder, wenn es um den Investor für die Bundesliga geht. Oder jedes Jahr, wenn RB Leipzig zu Gast ist. Es kann ja nicht sein, dass dieses ätzende Konstrukt und diese Werbeplattform in unserem Stadion spielen darf, dass von unseren Renditen erweitert wurde... ich meine natürlich durch unsern Schweiß und unsere Tränen.

Also wenn man wirklich die traditionellen Werte hochhalten will, dann muss man halt beim eigentlichen Sündenfall anfangen. Dann muss man sich mit dem Moment auseinandersetzen, an dem es nicht mehr nur um Fußball geht, sondern ein Produkt verkauft wird, welches Rendite verspricht. Und das ist nun mal der 31. Oktober 2000. Der Tag, an dem die Borussia Aktie an der Börse gehandelt und damit zum Spekulationsobjekt wurde.
Dieses "An der Börse gehandelt" ist auch ein entscheidender Zusatz, denn genau das geht eben beim FC Bayern nicht. Also abgesehen davon, dass die Bayern sich einfach auch etwas mehr Zeit gelassen haben. In Dortmund wurde das e.V. als erstes gestrichen.

Wobei das natürlich nur der 2. Schritt war. Denn zunächst hat die DFL ja im Jahr 1998 überhaupt die Möglichkeit erschaffen, dass auch Kapitalgesellschaften am Spielbetrieb teilnehmen können. Aber allein schon dass Dortmund als erste von dieser Möglichkeit gebraucht machten, kann darauf hinweisen, welche Rolle der Verein beim Schreiben dieser Regel gespielt hat. Die Borussia hat die Kommerzialisierung des Fußballs als Vorreiter aktiv vorangetrieben.

Widerstand im Namen der Traditionellen Werte sieht definitiv anders aus. Die Trophäen, die als Ergebnis der fortschreitenden Kommerzialisierung im Schrank stehen, werden trotzdem in Ehre gehalten. Der BvB darf das halt, weil sie zu den Guten gehören.

Jetzt muss sich de Ko.GaA halt für die weitere Kommerzialisierung einsetzen, weil man halt profitorientiert arbeiten muss. Also für die Aktienkurse. Und der einzige legitime Protest von Dortmund Fans wäre es, sich vom eigenen Verein abzuwenden und eine Dortmunder Borussia zu gründen. Oder zu Rot Weiß Essen zu gehen. Man hätte Wattenscheid retten können, indem man sich dort 30.000 Dauerkarten kauft. Oder nehmt einen Oberligisten aus Dortmund. Und dann guckt, wie weit so ein Verein alleine durch den Fan Support kommt.

Aber solange die all die Dortmund Fans weiter ins Stadion gehen, tragen sie dieses gesammte "Scheiß-System" mit. Und dann können sie nicht dagegen sein, dass andere auch mitspielen wollen. Die dürfen das nicht. Die sind böse!

Und diese ganze Verlogenheit wird gerade ja auch auf die Probe gestellt, weil ausgerechnet Dortmund, Stand 22.12.2023, von der Erweiterung der Champions League profitieren würde. Diese quasi Einführung der Superleague ist auch etwas, wo man konsequent dagegen sein müsste. Und konsequent wäre halt, dass man dann 2024 einfach nicht hingeht und die Spiele vor leeren Rängen abgehalten werden. Aber das wird nicht passieren. Man wird wieder grundlegend dagegen sein, aber für seinen eigenen "Verein" eine Ausnahme machen. Aber eigentlich müsste man hier die "Wenn wir uns über die Liga nicht qualifizieren, haben wir es nicht verdient, dabei zu sein." Schiene fahren.

Ganz ehrlich: Solange es bei unproblematischen Plakaten bleibt, habe ich da ja auch gar kein Problem mit. Aber wenn dann Menschen angegriffen werden. Also Menschen, die einfach nur friedlich Fußball gucken wollen, aber aus einer Gegend kommen, in der es das halt nicht gibt. Leipziger halt.
Und ich muss da nochmal erwähnen, dass ich Leute kenne, die damals dabei waren. Die 30 Jahre lang darauf gewartet haben, endlich mal als Fan einer Mannschaft in dieses wunderbare Stadion fahren und ein Fußballspiel genießen kann... und dann wird man mit Mülltonnen beworfen und es gibt 10 Verletzte.
Viele von denen sind danach auch einfach nicht mehr zu Auswärtsspielen gefahren, weil sei ja genau das nicht mehr wollten. Da hätten sie ja auch einfach zu Lok oder Chemie gehen können.

Also um mal diese immer wieder als Konsumenten verschmähten Fans zu vermenschlichen: Die wollen im Wesentlichen nur guten Fußball sehen. Also im Kern dasselbe, wie die Dortmund Ultras. Sie kommmen aber aus einer Stadt, in der das auf dem traditionellen Weg einfach nicht geht. Also weil die Vereinsstruktur nach der Wende so kaputt gemacht wurde, dass er Vorsprung niemals aufgeholt werden kann. Und weil die Fanszene so kaputt ist, dass man sich auch einfach nicht sicher fühlt.

Parallel zum Versagen von Lok und Chemie hat ausgerechnet Dortmund die Kommerzialsierung vorangetrieben, die es praktisch unmöglich macht, ohne extrene Investoren in die Bundesliga zu kommen. Also ja, es gibt die Ausnahmen aus Heidenheim oder Paderborn, aber die können sich halt auch nicht in der ersten Liga halten. Oh und Heidenheim hat gerade für den DFL Investor gestimmt...
Aber dass ein eingetragener Verein wie Mainz oder Freiburg sich als Stammgast in der Bundesliga etabliert, ging 2004 noch. Mittlerweile können sie sich in der Liga halten, weil sie einen extremen Vorsprung gegenüber der potenziel nachrückenden Konkurrenz haben. Und Union Berlin hat als e.V. halt trotzdem einen Investor im Hintergrund, ohne den die es nie in die Bundesliga geschafft hätten.

Und auf der dritten Ebene hat die Turbokommerzialisierung, die auch eindeutig vom BvB forciert und vorangetrieben wurde, den Sport als Werbeplattform für RB überhaupt erst interessant gemacht. Und man profitiert selber extrem von dieser Entwicklung, nachdem man sich fast die Finger verbrannt hat.
Eigentlich gibt es da nur 2 Wege: Entweder man akzeptiert, dass man als Dortmund Fan Teil der Kommerzialisierung ist und toleriert dann auch die Geister, die man rief... oder man wendet sich von dem Verein und der Bundesliga im allgemeinen ab, weil man diese Kommerzialisierung nicht länger mittragen will.
Dass die Bundesliga so durchkommerzialisiert ist, was sich auch einfach nicht mehr aufhalten lässt, ist halt auch Dortmund zu verdanken.

Aber weil Fußballfans nie rational agieren oder argumentieren, entscheiden sie sich für Option 3: Wir ignorieren all die Probleme im eigenen Umfeld und führen uns bei anderen als moralische Instanz auf.

Freitag, 19. Mai 2023

Wo ich mich letztens üebr die Unfähigkeit der DFL aufgeregt habe,

 Legen die direkt nach. Die scheinen sich echt keinerlei Gedanken zu machen, ob die Ansetzungen so Sinn ergeben. Ist ja auch nicht so, dass das am 33. Spieltag wichtig wäre.

Früher wurden nebenbei alle Spiele an diesem Spieltag um 15:30 angepfiffen, um mögliche Wettbewerbsverzerrungen zu verhindern. Dieses "früher" war nebenbei "vor Corona"... Das ist nicht zwingend notwendig, aber ein paar Gedanken könnte man sich schon machen. Also auch um den ganzen Spaß richtig zu vermarkten.

Denn sein wir ehrlich: Wenn man das vernünftig machen würde, hätte man eines der größten Sportevents des Jahres. Die ganzen Bezahlsender könnten in aller Ruhe ihre Abos verkaufen und die Sportkneipen würden die zweitbesten Umsätze des Jahres feiern... gefolgt von dem 34. Spieltag nächste Woche.

Also nur mal so theoretisch: Was würdet ihr alles absagen, um am Samstag um 15:30 eine Abstiegskonferenz mit Schalke, Stuttgart, Bochum, Hertha und Hoffenheim zu sehen? Also die Fünf Mannschaften, die so richtig in der Scheiße stecken und unbedingt punkten müssen. Alles in einer großen Abstiegskonferenz auf Premiere... Und dann legt man am Sonntag um 15:30 mit einer Konferenz um die Meisterschaft mit Dortmund und Bayern nach. Oder man legt die Konferenz direkt auf 18:30 und setzt da 2 Spiele gleichzeitig an, auch wenn (oder gerade weil) die Sportschau Quote darunter leiden würde. Man könnte den Bezahlsendern in der nächsten Verhandlungsrunde verkaufen, dass man sich wirklich Gedanken macht, wie man die meisten Umsätze aus dem Produkt ziehen kann.

Und klar, man muss den Kompromiss eingehen, dass Augsburg als theoretisch noch am Abstiegskampf beteiligte Mannschaft nicht in den 15:30 Slot legt, was nebenbei für eine Doppelansetzung um 18:30 spricht. Hier noch zwingend erwähnen muss, dass Augsburg den Klassenerhalt theoretisch schon vor dem Anpfiff auf der Couch sichern kann.

Noch viel fahrlässiger ist es ja, dass Stuttgart sich 22 Stunden lang auf sein mögliches Szenario einstellen kann: Muss man unbedingt gewinnen, weil Schalke und Bochum auch gewonnen haben? Oder reicht einem ein Unentschieden, um zumindest auf den Relegationsrang vorzurücken? Das ist ein massiver Unterschied und wird beeinflussen, wie man in der Schlussphase agiert.

Selbiges gilt halt auch für Borussia Dortmund, die sich auch eine Nacht lang mit dem möglichen Punktverlust der Bayern gegen RB Leipzig auseinandersetzen müssen. Oder halt den Gegner befreit mit 4:0 abschießen kann. Ein Ausrutscher der Bayern würde die Dortmunder in eine ganz andere Drucksituation bringen. Es wird massive Auswirkungen haben, ob Dortmund die Tabellenführung übernehmen kann und ob Augsburg schon gerettet ist. 

Und vor allem muss man hier nochmal eines erwähnen: Die Leute, die den Spielplan machen, wissen seit Monaten, dass es lediglich einen einzigen Fixpunkt gibt: Bayer Leverkusen gegen Borussia Mönchengladbach muss am Sonntagabend stattfinden. Und es ist seit Wochen absehbar, welche Mannschaften im Abstiegskampf stecken werden. Nur dass Dortmund noch im Meisterschaftskampf steckt, ist eine Überraschung... Damit konnte niemand wirklich rechnen.

Ich finde es absolut faszinierend, dass die DFL über externe Investoren nachdenkt, während sie nicht mal so einfache Sachen selber regeln können, um die Umsätze zu steigern. Und ich wage sogar zu behaupten, dass kaum ein Traditionsfan ein großes Problem mit einer exklusiven Abstiegskonferenz am Samstagnachmittag hätte... gefolgt von der möglichen Entscheidung im Meisterschaftsrennen. Die würden alle vor den Geräten hängen.

Ich frage mich halt echt, wie viel Geld DAZN auf den Tisch gelegt hätte, um am Sonntag dieses Meisterschaftsfinale zu zeigen. Und Sky würde dafür ja mit der hochemotionalen Abstiegskonferenz entlohnt werden. Und das sind ja auch Dinge, die man weitestgehend sicher planen kann. Also dass man den Tabellenersten und Zweigen am 33. Spieltag am Sonntag spielen lässt, kann man de facto im Juni ankündigen. Und dass die letzten 5 Mannschaften, so weit es möglich ist, dafür am Samstag um 15:30 anstoßen lässt, kann man ebenfalls frühzeitig bekannt geben. Die Woche vor dem 34. Spieltag sollte traditionell "frei" sein, man muss da also wenig Rücksicht auf die Europacup-Teilnehmer nehmen. Einzig und allein falls 2 Mannschaften in die "kleinen Europacup Halbfinale" einziehen, bekommt man Probleme, aber das ist halt zuletzt in den Siebzigern passiert.

Dann verhandelt man mit Sky und DAZN und fragt sie, wie viel sie für dieses Spektakel zahlen würden. Und DAZN muss ausrechnen, wie wahrscheinlich es ist, dass der Meister schon lange fest steht, aber das ist dann halt deren Risiko. Am letzten Spieltag bietet man beiden Anbietern an, dass sie jeweils eine Sonderkonferenz aufmachen dürfen: Eine, in der es nur um den Abstieg geht, die andere für die Meisterschaft. Dann muss ich als neutraler Fan entscheiden, welche Entscheidung mich mehr interessiert und schalte dann beim entsprechenden Anbieter ein.

Wenn man bedenkt, wie viel Geld die damals für die Relegation draufgelegt haben, dürfte da doch einiges an Geld zusammenkommen. Aber anscheinend macht sich niemand diese Gedanken.

Donnerstag, 4. Mai 2023

Wie unfähig ist eigentlich die DFL?

 Die hatten eine einzige Aufgabe. Und jetzt flucht der 1. FC Köln auf Bayer Leverkusen und einen Regionalpolitiker, weil die ihren Scheiß nicht auf der Reihe haben. Als könnte Leverkusen was dafür. Und ja, man sollte viel mehr die DFL hinterfragen, als Leverkusen kritisieren. Und als Köln... ich sage mal so: In anderen europäischen Ligen gibt es da mehr Solidarität, wenn es um das Verlegen von Ansetzungen vor wichtigen Europacup Spielen gibt. Für Barca wurde das zum Beispiel regelmäßig gemacht.

Also um das mal kurz aufzuschlüsseln: Die konkrete Anstoßzeit wurden am 23.3.2023 angesetzt. Da wusste man bereits, dass

1. ) Die Woche davor der DFB-Pokal ansteht, aber sowohl die Kölner als auch die Werkself haben sich mit identischen Ergebnissen in der ersten Runde aus diesem Wettbewerb verabschiedet. Sie waren also in der englischen Woche vorher nicht im Einsatz, man konnte die Partie also ganz entspannt überall hinlegen.

2. ) Wussten alle, dass sich die Kölner bereits nach der Gruppenphase aus der Conference League verabschiedet haben. Die haben also wirklich nur noch die Liga und man muss da auf nichts Rücksicht nehmen.

3. ) Es stand die Ansetzung von Leverkusen gegen Union Saint-Gilloise bereits fest. Also es stand auf jeden Fall fest, dass eine deutsche Mannschaft nur noch eine Runde von einem Halbfinale Anfang Mai entfernt waren. Dass es da terminliche Probleme geben wird, hätte man ahnen können.

4. ) Wer ein grundlegendes Verständnis von Geografie und Fußball-Geschichte hat, der weiß, dass Köln gegen Leverkusen ein sogenanntes Derby ist. Ein Spiel, welches man durch Flutlichtatmosphäre weiter aufwerten kann. Und vor allem können die Fans beider Vereine nach dem Feierabend problemlos aus Köln anreisen, was bei einem Spiel wie Werder Bremen gegen Bayern München nicht möglich wäre. 

Sprich: Wenn man seinen Job ordentlich macht, setzt man dieses Spiel direkt am Freitagabend an, dann erspart man sich die ganze Diskussion. Aber das Mindeste, was man hätte machen müssen, ist ja: Dieses Spiel auf den Samstag zu legen. So wie man das bei den Bayern selbstverständlich gemacht hat. Es würde doch niemand auf die Idee kommen, die Bayern vor einem Champions League Spieltag am Sonntag antreten zu lassen... Aber wenn da kein N am Ende ist, macht man das einfach?

Nebenbei könnte man auch mal infrage stellen, ob es vernünftig ist, einen der 3-4 Hauptprotagonisten im Abstiegskampf schon am Freitag antreten zu lassen. Und auch das war ja absehbar. Also, dass Schalke da mitmischen wird. Für die direkte Konkurrenz wird es Auswirkungen haben, wie diese Partie ausgeht. Deswegen wäre es auch fairer, wenn die möglichst am Samstag spielen. Zumindest, wenn das einfach machbar wäre.

Vielleicht übersehe ich da ja irgendwas. Aber falls das so ist (da sind wir wieder bei der Kicker.de Kritik), teilen mir die Medien die Gründe, warum man das Spiel nicht gleich am Freitag ansetzen könnte, nicht mit. Als kritisches Medium sollte man sich viel mehr damit beschäftigen, wie die DFL das so verkacken konnte.

Montag, 27. Juli 2020

Passives Abseits Leser wissen es exklusiv: Es wird mehr Corona Fälle geben

Normalerweise wird hier ja gerne darauf hingewiesen, wie oft ich mit mehr oder weniger extremen Thesen Recht behalten habe. Dann mach ich mir nen Bier auf und beweihräuchere mich an meiner Weitsicht. Aber hin und wieder greift man auch daneben. Und dann greift man im Fall von Pal Dardai bei der Anerkennung des Fehlers wieder ins Klo... ups.

Und genau so einen Fall hatten wir auch gerade wieder. Es war ja meine persönliche Überzeugung, dass wir vor Saisonende über einen erneuten Abbruch reden müssen, weil es weitere Covid-19 Fälle geben wird. Weil das Hygienekonzept viel zu optimistisch angelegt wurde und es keinerlei Pläne gab, was passiert, wenn es einen positiven Fall gibt. Und die Fälle bei Dynamo Dresden gaben mir ja recht. Dass die DFL vorher nicht mit den örtlichen Behörden darüber geredet hat, was passiert, wenn es positive Fälle gibt, war unfassbar naiv. Und deswegen versucht Dresden jetzt zu klagen. Das hätten die gleich machen sollen... oder auf ein Aussetzen der Relegation pochen... aber Weitsicht war noch nie Dresdens Stärke. Die können halt nur so weit gucken, wie das Dynamo Licht gibt... und jeder, der sein Fahrradlicht noch mit so einem Teil betrieben hat, weiß, dass das nicht sonderlich viel Licht gibt...

Aber abgesehen von diesem einen wirklich unfairen Fall... kamen wir perfekt durch den Re-Start. Die Fans haben sich weitestgehend (also bis auf den Klassenerhalt bei Union Berlin) vorbildlich verhalten. Das liegt bestimmt auch daran, dass die Bayern-Fans eine Meisterschaft nicht mehr wirklich auf der Straße feiern, ist halt Buisness as usual... Und ja, ich habe irgendwie auch befürchtet, dass die Ultras einen Abbruch herbeiführen werden und das dann als wichtigen Protest gegen die Kommerzialisierung auslegen. Das hätten die auch gekonnt. Aber sie haben halt doch drauf verzichtet und stattdessen "nur" Plakate im Stadion aufgehangen.

Aber bevor ihr verächtlich nach Liverpool guckt, sollte euch eines bewusst werden: Wenn Borussia Dortmund Meister geworden wären, hätte es dieselben Schlagzeilen auch im Ruhrgebiet gegeben. Und wenn Bielefeld wirklich existieren würde, hätten die da auch den Aufstieg entsprechend gefeiert.

Aber selbst wenn... wären diese Fälle ja für die geschlossene Leistungsgesellschaft egal gewesen. Also in Berlin wurde ja gefeiert, weil das Saisonziel sicher war. Und man raffte sich trotzdem zu einer ordentlichen Leistung am letzten Spieltag auf. Ein wirkliches Eingreifen in die in die Tabelle gab es deswegen nicht.

Hier ist halt meine Frage: Lag das wirklich am Hygienekonzept der DFL, oder war das einfach nur "Glück"? Also das Vorreiterprojekt aus Deutschland ist ja von vielen anderen Nationen dann so übernommen worden. Also bei unseren Nachbarn aus der Schweiz wurde vor 2 Wochen über einen erneuten Abbruch diskutiert, weil es beim FC Zürich 10 Coronafälle gab und sie deswegen mit ihrer Reservemannschaft antreten mussten. Der FC Zürich hat wenig überraschend die letzten 4 Spiele allesamt verloren. Immerhin verspielt man so "nur" die Europa League und nicht gleich den Klassenerhalt.

In Russland durfte der FK Rostow ein Mal ausschließlich mit Jugendspielern antreten, weil die eigene Profimannschaft noch in Quarantäne war und die Show halt wieder losgehen musste. Man verlor 1:10. Auch wenn deren weiterer Saisonverlauf die Frage mit sich bringt: Hätte Dynamo Dresden vielleicht auch einfach ein Spiel mit der Jugendmannschaft abschenken sollen und dadurch den Terminkalender entspannen?
Nebenbei, als kleiner Fun Fact, rettete der FK Sotchi, also der Gegner der Jugendmannschaft, sich praktisch mit genau diesem Spiel. Wenn die da nur Unentschieden spielen, fehlen ihnen Plus 9 Tore und 2 Punkte, dann sind sie hinter Samara. Nur um mal zu erwähnen, wie krass die Corona Auswirkungen auf die Erstliga Tabellen im Ausland sind.

Oh und die Aufstiegsfrage in Spanien kann gerade schlecht geklärt werden, weil CF Fuenlabrada gerade in einem Hotel in La Coruna in Quarantäne sitzt... 

Die hatten ja auch alle ein Hygienekonzept. Ob das jetzt nicht so gut umgesetzt worden ist... oder ob wir in Deutschland als gesamte Gesellschaft und unabhängig von der DFL dafür gesorgt haben, dass das bei uns "gut" ging... das ist halt die Frage nach dem Huhn und dem Ei.

Also unser derzeitig größtes Corona Problem ist ja, dass wird auf Grund der dann irgendwann ergriffenen Maßnahmen zu gut durch die Krise kamen... und die Regierung sich deswegen jetzt Vorwürfe von Verschwörungstheoretikern machen lassen muss. Ich bin schon 2 Mal über solche Demos gestolpert und musste dann unbedingt sicher stellen, dass die mich nicht heimlich als Demonstrant mit zählen... Aber man kann ja an anderen Ländern gut erkennen, wie sich die Krise entwickelt hätte, wenn die Gesundheit nicht an erste Stelle steht, sondern die Wiederwahl... Und ja, in den USA verläuft der Start der MLS wesentlich schlechter als die Bundesliga. Da wurden direkt einige Mannschaften komplett ausgeschlossen, weil sie zu viele Corona Fälle hatten.

In erster Instanz sollten wir alle froh sein, dass es bei "uns" so glatt gelaufen ist. Und wir sollten nur wegen der "Erfolge" im Land nicht leichtsinnig werden. Also ehrlicher Weise muss man ja sagen "noch leichtsinniger"...
Dass die deutsche Fußballsaison vernünftig durchgezogen werden konnte, ist ein Grund zum Durchatmen, aber es ist kein Anlass seine Masken wegzuwerfen und exzessiv zu feiern.

Bleibt gesund und nehmt Rücksicht auf andere. So als motivierende Botschaft am Ende...

Dienstag, 2. Juni 2020

"JEIN ZUM RASSISMUS!"

Denn zu einem wirklichen "Nein" können wir uns halt doch nicht durchringen.

Also klar, von der Fifa vorbereitete Botschaften vor einem WM-Halbfinale vorzutragen, ist natürlich wunderbar... wobei die Fifa wahrscheinlich auch mit Sanktionen droht, sobald man nur ein einzelnes Wort umbaut und minimal vom Originaltext abweicht...

Für mich persönlich ist die Lage ja einfach, auch wenn es drastisch wirkt: Wenn der DFB sich jetzt dazu entschließt, Weston McKennie, Marcus Thuram, Jaydon Sancho und Achraf Hakimi in irgendeiner Form zu sanktionieren, können sie sich auch den Werbespott, den sie ein Mal im Jahr drehen lassen, abschaffen.
Denn sobald jemand diesen Werbespott irgendwie mit Leben füllen will, sagen die Sesselfurzer halt doch "Lasst das lieber".

Das sind nebenbei genau die Aktionen, für die wir die Amerikaner immer auslachen. Wie, ihr nutzt eure exponierte Stellung um von eurer Meinungsfreiheit Gebrauch zu machen und ein wichtiges Thema anzusprechen? Schämt euch! Das gehört sich nicht! SHUT UP AND DRIBBLE!

Und was ist denn das schlimmste, was einem bei so einer Aktion passieren kann? Dass Rassisten nicht mehr einschalten? Dass Donald Trump eine Twitter Sturm loslässt und die DFL als "failing operation" beschimpft? Worauf man dann ganz lässig mit einem "Immerhin kann bei uns schon wieder Profisport betrieben werden, weil wir die Corona Krise halbwegs im Griff haben... wie sieht es dann da bei euch aus" antworten kann.
Ernsthaft, allein schon weil Trump sich dann in den Sozialen Netzwerken über die Bundesliga auslassen könnte, sollte man solche Aktionen fördern. Und den amerikanischen Ligen hat die Gratis-Werbung auch nicht geschadet...

Das faszinierendste ist ja Leute wie Fritz Keller, die sich einerseits mündige Spieler wünschen, aber andererseits dann auch ein Problem damit haben, dass die Spieler sich politisch auf dem Platz äußern... entweder oder.

Das eigentliche Problem ist natürlich dasselbe, wie auch bei den christlichen Botschaften, mit denen man nach dem Torjubel die Gefühle des militanten Hindus verletzten könnte. Oder des Chinesen, wenn man "Free Hongkong" brüllt.

Ich persönlich hätte dafür als DFL und DFB ja eine ganz einfache Lösung: Man sagt seinen Spielern, dass man derartige Jubelarien, solange sie mit dem Grundgesetz vereinbar, nicht homophob oder rassistisch sind, nicht verfolgen werden. Dass teilen wir dann auch den Fernsehstationen mit, durchtrainierte junge Männer lieber nicht oberkörperfrei rumlaufen sehen... und die müssen ihre Spiele dann halt "amerikanisch" gucken...

Falls ihr euch fragt, was ich damit meine: Seit "Nipplegate" werden amerikanische Liveveranstaltungen mit minimaler Verzögerung... weil Amerika das Land der Freiheit ist... Und wenn dann ein Kulturkreis mit unseren Jubelzeremonien ein Problem haben, dann können sie halt das Bild von dem Fanblock mit den entblößten Bierbäuchen einblenden... Jeder, wie er mag. Alles, was die brauchen, ist ein 10 Sekunden Delay und jemand, der einen Knopf bedient der den Fanblock einblendet, sobald irgendwas unpassendes zu sehen ist. Problem gelöst.

Und natürlich darf die Fifa dann bei ihren eigenen weltoffenen Veranstaltungen selber festlegen, welche Form des grenzenlosen Jubels sie erlauben und was nicht. Da hat halt jeder sein eigenes Hausrecht. Aber warum müssen die so was für alle Länder und aller Verbände einheitlich regeln? Gerade wenn man bedenkt wie viele unterschiedliche Kulturkreise man da abdecken muss.

Um nochmal den Bogen zu den Rassismus-Gegnern zu schlagen: Falls die DFL die Spieler wirklich sanktioniert, würde ich mir ja von denen folgende Reaktion erwünschen: Wenn sie das nächste Mal gefragt werden, ob sie sich an einer "Strich durch Vorurteile" Kampagne beteiligen will, sagt man laut und deutlich "Nein Danke, so was machen wir nur mit Leuten, die uns auch unterstützen, wenn wir unsere Position nutzen um Missstände anzusprechen" sagen... und noch fix was eigenes auf die Beine stellen.

Denn wenn man wirklich gegen Rassismus sein will, dann muss man halt die Individuen, die diese Haltung nach außen tragen, unterstützen und nicht abstrafen.

Donnerstag, 21. Mai 2020

Es ist wieder so weit

Wir haben den Zeitpunkt des Jahres erreicht, in dem hier die Abschaffung der Relegation gefordert wird. War ja auch aller höchste Zeit.

Wobei es dieses Mal, ich bin ja kompromissbereit, nur um ein einmaliges Aussetzen der Relegation gehen würde. Also ernsthaft, dass der  Scheißt jetzt trotz Corona unbedingt durchgezogen werden muss, ist mal wieder absoluter Wahnsinn. Vor allem wenn man bedenkt, dass die erst jetzt geklärt haben, wer das jetzt übertragen soll...

Der Grund, warum es absoluter Wahnsinn ist Dynamo Dresden und deren Zwangsquarantäne. Denn langsam wird ja deutlich, wie die Auswirkungen dieser Pause und der daraus folgenden Spielabsagen sind. Das Ergebnis: 9 Spiele in 29 Tagen. Mit effektiv 7 Tagen Vorbereitung. Das ist ein völlig absurder Plan.

Lustige Nebennotiz: Die DFL hat ja den Vereinen den guten Tipp gegeben, ihre Kader möglichst breit aufzustellen, damit sie auf solche Sondersituationen angemessen reagieren können... ähm... denen ist bewusst, dass es für eine Profimannschaft praktisch unmöglich ist sich während der Saison in der Breite zu verstärken? Die einzige Möglichkeit lautet: Seinen Kader mit Jungprofis, die überfordert sein werden, aufzufüllen. Guter Tipp.

Jedenfalls gibt es praktisch nur einen einzigen Grund, warum Dynamo unbedingt auf diese 9 Spiele kommen muss: Es gibt praktisch keine Möglichkeit die Saison noch um eine Woche nach hinten zu verlegen, weil in dieser Woche ja bereits die Relegation ausgetragen werden muss.

Nun werden einige darauf hinweisen, dass die Verträge ja am 30.6. auslaufen und die Saison deswegen an genau dem Wochenende beendet werden muss. Das würde natürlich stimmen. Aber dass die Relegationsteilnehmer dann nur mit ihrer halben Mannschaft auflaufen können, ist ja auch egal.
Anders ausgedrückt: Man hätte praktisch eine Lösung dafür gefunden die Zweitliga Saison um eine Woche zu verlängern. Und für die auslaufenden Verträge hätte man eine angemessene Lösung gefunden, mit der alle Einverstandgen gewesen wären.
Also praktisch sollte ein Spieler mit auslaufenden Vertrag für die Idee, dass er eine Woche Extraschichten schiebt, dafür aber sein Verletzungsrisiko sinkt, begeistern lassen.

Die vernünftige Lösung wäre also gewesen... Den Re-Start und das Ende der Zweitligasaison um 1 Woche nach hinten zu verschieben. Dadurch bei Dynamo den Druck vom Kessel zu nehmen, da sie dann ein Spiel weniger nachholen müssen. Und wenn es hinterher keine Interaktion zwischen 1. und 2. Liga gibt, ist es ja auch kein Problem, wenn die asynchron enden.

Und hey. wahrscheinlich hätten es sogar die TV-Anbieter verstanden, wenn dieses eine Mal auf Grund der höheren Umstände auf die Relegation verzichtet wird. Aber wie immer wurde darüber nicht mal nachgedacht.

Völlig absurder Weise wären Dynamos Chancen auf den Klassenerhalt wahrscheinlich sogar gestiegen, wenn es 3 direkte Absteiger geben würde. Obwohl dieser Vorschlag erst Mal dazu führt, dass sie einen weiteren Platz gut machen müssen. Da bringt einem direkt zum nächsten Detail:

WARTE WAS? Die wollen auch die Relegation zwischen Zweiter und Dritter Liga durchziehen? Was konsumieren die eigentlich? Also nur um den Idioten mal beim Zählen zu helfen: Es stehen noch 11 Spieltage in der Dritten Liga aus. Es gibt noch keinen Plan, wie der Re-Start der Dritten Liga aussieht. Aber vor Juni dürfte das nichts werden. Dann haben wir 30 Tage um 11 Spieltage durchzuziehen, damit man rechtzeitig zur angedachten Relegation fertig wird. Dafür müsste man alle 2,7 Tage spielen. Erscheint das irgendwie sinnvoll?

Das ist wieder einer dieser "Warum hat das niemand angesprochen?" Details. Warum gab es nicht mal den "Lasst uns mal über Auf- und Abstieg ohne Relegation für dieses Jahr reden" Vorschlag? Können wir mal mit den TV Stationen (oder mit unseren Rechtsanwälten) reden, wie viel uns das wirklich kosten würde?

Aber hey, man muss halt alle Hebel in Bewegung setzen, damit Werder Bremen trotz Florian Kohfeld die Klasse halten kann... Und buchstäblich alle möglichen Konflikte wurden einfach ignoriert oder bei Seite geschoben...

Montag, 11. Mai 2020

Leipzig raus aus Sachsen!

Warte, kommt mir das nicht irgendwie bekannt vor? Oh, natürlich... Es ist die Grundforderung Der Partei Die Partei in Leipzig... Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet der Fußball ihnen jetzt eventuell hilft...

Verwirrt? Gut. Dann geht es auch wie mir bei den aktuellen Entwicklungen in Sachen Neustart. Denn die belegen nur, wie wenig Gedanken sich die DFL wirklich gemacht hat.

Also das Gesundheitsamt in Dresden hat dann die hier gestellte "Wie viele Corona Fälle darf eine Mannschaft haben, bevor..." Frage mit 2 beantwortet. Nun bin ich mir an der Stelle nicht ganz sicher, ob die nur für Dresden, oder für ganz Sachsen entscheiden. Wenn letzteres der Fall ist, wäre es echt sinnvoller, wenn RB Leipzig bis zum Saisonende nach Köln umzieht. Da scheint man mit Corona Fällen bei Fußballmannschaften entspannter umzugehen...

Mich fasziniert es ja, dass die DFL anscheinend nie mit den Gesundheitsämtern gesprochen hat. Man hätte sich da zumindest mal eine grobe Orientierung einholen können, wie deren Reaktionen auf positive Befunde aussehen. Und nur um das noch mal zu verdeutlichen: Wenn die wirklich geglaubt haben, dass sie ohne einen einzigen positiven Corona Befund durch die Saison kommen... dann sollten die geschlossen wegen Inkompetenz zurücktreten.

Was die ganze Sache noch absurder macht, ist ja der Fakt, dass die DFL in Person von Christian Seifert jetzt kein Problem damit hat, dass die gesamte Dresdener Mannschaft jetzt 2 Wochen in Quarantäne muss...
Berichtigt mich, wenn ich falsch liege, aber Dresden kann jetzt 2 Wochen lang kein Training organisieren. Noch nicht mal in kleinen Gruppen. Und sie haben nicht genügend Fitnessgeräte für angemessenes Heimtraining... Aber die DFL will einfach nur das nächste Spiel gegen Hannover (und eventuell das gegen Fürth) verlegen...

Also alle anderen kriegen 2 Wochen Vorsprung im Mannschaftstraining und Dresden kriegt dafür mehr englische Wochen... also zusätzlich zu dem Rückstand noch weniger Gelegenheiten diese Rückstände aufzuholen... Soll das wirklich der Plan sein? Hat Dresden unter diesen Voraussetzungen überhaupt eine Chance auf den Klassenerhalt?

Die großartigste Perle von Seifert ist ja das "Es gibt sicherlich eine Größe, dann ist es irgendwann nicht mehr machbar." Aber solange es nur Dresden betrifft, die dann deswegen absteigen, ist es ja noch keine relevante Größe.
Also stellt euch einfach mal vor es würde den Hamburger SV betreffen. Die müssten jetzt 2 Wochen kollektiv in Quarantäne und dürften dann hinterher ohne angemessenes Training in den Aufstiegskampf eingreifen. Wie groß wäre der nationale Aufschrei, dass das ja übelste Wettbewerbsverzerrung ist. Aber Dresden ist halt nur einer dieser kleinen Pissvereine. Who cares.

Und ich ging davon aus, dass wir erst nach dem Derby Dortmund - Schalke über einen Abbruch reden müssen, weil die Fans der Gewinnermannschaft spontane Straßenfeste veranstalten... Aber es ging doch noch viel schneller als erwartet.

Und alles, weil man sich anscheinend einfach keinen Plan gemacht hat, was passiert, wenn es doch einen positiven Fall gibt. Aber hey, das wird bestimmt der einzige Fall werden.
Eigentlich hätte die DFL schon vor der Ankündigung des Neustarts mit den örtlichen Gesundheitsämtern klären müssen, was bei einem positiven Befund passieren soll. Jetzt sollte es dringend nachgeholt werden. Einfach nur, damit alle Bescheid wissen und man entsprechend planen kann...
Aber wahrscheinlich wäre das Ergebnis gewesen, dass man das Ganze so halt nicht machen kann. Und das man sich halt doch in den Gemeinden treffen muss, bei denen man nach einem positiven Befund nicht alles auf den Kopf stellen muss. Man hätte also die "Können wir wirklich überall spielen, oder sollten wir den Rahmen klein halten" Debatte, die hier bereits mehrfach angerissen worden ist und die alle anderen führen, einfach mal durchgehen sollen.
Aber wenn man als Leuchtturmprojekt unbedingt als erste Liga wieder spielen will, hat man für solche Diskurse einfach keine Zeit. Da richtet man sein gesamtes Konzept lieber an einem illusorischen Idealfall aus.

Wirklich grotesk wird es dann, wenn die DFL plötzlich Regeln fürs Jubeln aufstellt... Also ein kurzer Ellenbogenkontakt sei dann erlaubt... ähm... WHAT THE FLYING FUCK? Wieso lassen wir Leute Entscheidungen treffen, die anscheinend noch nie ein Bundesligaspiel gesehen haben?

Also für diese Ahnungslosen: Wenn Robert Lewandowski sich in einem Ringkampf gegen Neven Subotic durchsetzt um den hereingeschlagenen Eckball ins Netz zu köpfen... ist es kein Problem, wenn er hinterer Flankengeber Serge Gnabry umarmt. Das Problem ist, dass er sich vorher im körperliche Zweikampf gegen wahrscheinlich mehrere Verteidiger durchsetzen musste. Und Gnabry hatte halt mit all den Subotic im Verlaufe des Spieles ebenfalls seine Berührungspunkte. So läuft das halt in der Bundesliga.
Falls die Führungsriege das wirklich nicht mitbekommen hat: Fußball ist ein Vollkontaktsport. Ein Lewandowski liefert sich quasi ständig Ringkämpfe mit verschiedensten Verteidigern. Außer er spielt gegen Werder "Social Distancing" Bremen... Der Torjubel ist da echt das geringste Problem.

Und ja, die einzige Grundlage, auf der dieser Spaß funktionieren kann, ist die Annahme, dass Leute mit negativen Testergebnissen (also alle, die auf dem Platz stehen) andere nicht anstecken können. Wenn das nicht funktioniert, gibt es eh bald positive Testwellen und einen Abbruch. Aber Umarmungen beim Torjubel werden auf die Ausbreitung keinen relevanten Einfluss haben.

In positiven Befunden... ähm Nachrichten: Anscheinend ist es mittlerweile immerhin bei den Bundesligisten angekommen, dass man seine praktisch ins Risiko gehende Belegschaft mal befragen müsste, ob sie das eigentlich wollen. Und ihnen die Option zu geben im Zweifelsfall zu Hause zu bleiben. Immerhin. Eigentlich hätte man zu erst mit denen klären müssen, ob sie da mitmachen, aber besser spät als nie.

Aber der DFL fällt jetzt schon der Fakt auf die Füße, dass sie verdammt viele kritische Punkte einfach nur bei Seite geschoben haben um unbedingt wieder zu spielen. Am Ende dürfte dabei raus kommen, dass die anderen, die eine gründlichere Vorbereitung durchgezogen und mehr kritische Punkte vorher geklärt haben, die Saison dafür dann auch zu Ende spielen können.
Denn Stand Jetzt steuern wir einem erneuten Abbruch entgegen.

Dienstag, 5. Mai 2020

Kill the messenger

Selbst wenn die Nachricht das eigentlich wichtige ist.

Und ja, natürlich ist es unfassbar dumm, dass Solomon Kalou sein ominöses Video geteilt hat. Ein besonderes Lob geht hier an Jens Clasen, der mit einem "und wir dachten, Grundschüler wären das größte Problem" konterte. Und vom Niveau her hat Clasen da vollkommen recht, solche Bilder hätte man eher an den Schulen als in den Kabinen erwartet...
Wobei hier nochmal auf Rudy Gobert verwiesen werden sollte, um zu verdeutlichen, dass Kalous leichtfertiger Umgang mit Covid-19 kein Einzelfall unter Profis ist.
Aber dass dieses Problem jetzt nur die sofortige Suspendierung Kalous zur Folge hat... hey, vielleicht war das ja genau dessen Plan. Er spielt schließlich sportlich praktisch keine Rolle mehr und war damit durchaus auch unzufrieden. Jetzt kann er, der finanziell ausgesorgt hat, sich die Corona-Phase einfach entspannt von der Couch aus ansehen. Gut, das wäre ein richtig böser Masterplan, ist also eher unwahrscheinlich.

Aber nur um das mal ganz deutlich zu sagen: Das Problem ist nicht, dass Kalou ein Video aus der Hertha Kabine gepostet hat. Das Problem sind eher die Zustände in dieser Kabine... und an denen ist nicht nur Kalou alleine Schuld. Zu einem ordentlichen Handshake gehören immer 2... und Vedad Ibisevic scheint ja keineswegs irritiert zu sein, dass Kalou so auf ihn zukommt. Oder sich dagegen zu wehren. Also wenn gerade jemand auf mich so zukommen würde, gäbe es ein "get the fuck off me!"... Aber wenigstens ein irritierter Blick wäre vielleicht angemessen gewesen.

Und das eigentlich schlimme sind ja die Bilder vom Covid-19 Test... weil halt deutlich wird, dass die mit einfachen Mundschutz und bloßen Handschuhen durchgeführt wird, während wir irgendwie doch davon ausgingen, dass man dafür Schutzanzüge trägt. Ob das sinnvoll ist oder nicht, sei mal dahin gestellt. Aber wir gingen irgendwie davon aus, dass es da extremere Sicherheitsvorkehrungen geben würde.

Stellt euch einfach mal folgende Frage: Wären die "Zustände" in der Berliner Kabine akzeptabel, wenn sie nicht online gepostet worden wären? Wenn die Antwort "ja" lautet, ist eine Suspendierung eine völlig Überreaktion. Wenn nicht, muss halt wesentlich mehr passieren.

Das ist nebenbei eine der Fragen, die beim anvisierten Neustart noch gar nicht angesprochen worden sind: Was macht man, wenn sich Vereine oder Fans nicht an die Hygienemaßnahmen halten? Das sollte vorher eindeutig geklärt werden. Gibt es "nur" eine Geldstrafe, oder doch härtere Maßnahmen wie Sperren oder einen Punktabzug um zu verdeutlichen, wie ernst die Lage ist?

Also nehmen wir mal ein praktikables Szenario: Alle Spieler begeben sich für 6 Wochen in quasi Quarantäne in Hotels, so dass sie jenseits der Spiele wirklich keinerlei physischen Kontakt mit der Außenwelt haben. So dass eine mögliche Covid Pandemie garantiert innerhalb des Profis-Kreises bleibt. Vielleicht ist ja nicht allen ganz bewusst, dass dies wahrscheinlich die einzige Möglichkeit ist die Saison zu Ende zu spielen, denn es wird vor dem Saisonende weitere positive Befunde geben. Und ja, das sind absolut brutale Voraussetzungen für die Spieler. Oder es ist ein Segen für die heimlich gestressten Familienväter.

Die Frage ist jetzt: Wie geht die DFL dann damit um, wenn sich ein Spieler für sagen wir die Geburt eines Sohnes heimlich aus dem Hotel ausbüchst? Oder um mit seinen Freunden in einer Shisha Bar eine zu qualmen. Was wesentlich absurder klingen würde, wenn es nicht praktisch schon passiert wäre...
Und auch wenn rauskommt, dass sich an Hygienemaßnahmen innerhalb der Stadien oder Vereinsgelände nicht gehalten wird, muss die DFL halt eigentlich reagieren. Und sie sollte vorher einen klaren Plan haben, wie sie reagieren.

Wenn man das dann noch mit dem Birger Verstraete Interview vergleicht, in dem ein Spieler quasi genau das macht, was man von Ibisevic hätte erwarten müssen... wenn auch auf dem falschen Weg: Verstraete drückt im Wesentlichen aus, dass er sich bei den Zuständen in Köln gerade sehr unsicher fühlt... Und er erklärt uns auch, warum er so unsicher ist, da seine Freundin zur Risikogruppe gehört. Was ein guter Grund ist. Verstraete ist im Wesentlichen der erste Spieler, der deutlich sagt: Ich würde lieber nicht spielen und die Saison abbrechen. Garniert mit einem "Wenn jeder Spieler anonym entscheiden könnte, bin ich sehr gespannt, wie eine Abstimmung ausgehen würde."


Das Ergebnis: Verstraete wird öffentlich zurück gepfiffen.

Das wäre nebenbei mal eine sehr spannende Idee. Also die Menschen, die tatsächlich ins Risiko gehen müssen, damit wir unseren Aggressionsaufbau dämmenden Spaß haben, mal befragen, wie weit sie dafür gehen würden... Und ihnen verschiedene Optionen von "Wir spielen gar nicht, bis es einen Impfstoff gibt, verzichten aber auch entsprechend auf unser Gehalt" zu "Wir gehen zur Not auch in Quarantäne". Und dann gibt es für jeden "Mein Kopf ist nicht beim Fußball" Verstraete einen "Dann beißen wir in den sauren Apfel" Lukas Hradecky... Wie das Gesamtergebnis aussieht, wäre aber wirklich relevant.

Oh und dann ist da noch der andere Elefant in dem Raum: Also wenn jemand positiv getestet wird, muss er ja für 14 Tage in Quarantäne. Was, bei den garantiert anstehenden englischen Wochen bedeutet, er verpasst 3 bis 4 Spiele. Da kommt dann eine wirklich relevante Frage auf: Wie viele Corona Ausfälle darf es geben, bevor die Saison doch abgebrochen wird? Und muss man diese Frage für die gesamte Liga, oder doch eher für einzelne Vereine klären.

Also nehmen wir mal, weil ja gerade alles gegen sie läuft, Werder Bremen und stellen uns kurz vor, dass Milot Rashica positiv getestet wird. Und, weil wir schon dabei sind, Davy Klaassen. Wenn man es genau nimmt, kann Werder Bremen sich in dem Moment vom Spielbetrieb zurück ziehen, denn ohne diese beiden Spieler haben sie eh praktisch keine Aussichten auf den Klassenerhalt.
Und all die Bremer so "Warum trifft es gerade uns, die sich beim Verteidigen von Standardsituationen doch schon vor Covid-19 ans Social Distancing gehalten haben?"
Und ja, ich habe seit 6 Wochen auf diesem Witz gesessen und echte Befürchtungen gehabt, dass ich ihn nirgendwo anbringen kann, falls die Saison doch abgebrochen wird... Deswegen musste der da jetzt rein...

Jedenfalls ist es für die DFL verdammt wichtig, dass man sich vorher darauf einigt, wie man mit solchen Befunden praktisch umgeht. Wie viele dieser "Krankschreibungen" ein Bundesligist aushalten muss. Damit Werder nicht am Ende einen "Wir sind gar nicht wegen unseres Verteidigungskonzepts, welches auf den Grundlagen von Social Distancing basierte, sondern wegen den Krankschreibungen abgestiegen" Mythos aufbauen kann.

Gleichzeitig sollte man auch ein "Bedeuten die 5 positiven Tests vom Wochenende jetzt, dass wir die Saison doch abbrechen müssen" Debatte vermeiden.
Machen wir mal eine vereinfachte Rechnung mit 40 "Systemrelevanten" Mitarbeitern bei einem Bundesligisten auf. Also Spieler, Trainer, Ärzte und Physiotherapeuten. Dann sind das 720 Menschen, die getestet werden müssen. Wenn es dann "nur" 3 positive Fälle gibt, sind das was... 0,4% aller Tests.
Genau dieses Narrativ will uns die DFL ja gerade verkaufen. Das ist einem aber egal, wenn einem 3 Leistungsträger für 14 Tage fehlen... Und da müsste halt vorher geklärt werden, wie viele Corona Ausfälle (zusätzlich zu den regulären Verletzungen... und die werden bei englischen Wochen ohne wirkliche Saisonvorbereitung eher zu- als abnehmen) ein Bundesligist verkraften muss, bevor wir dieses Humanexperiment doch abbrechen. Also nur, damit das vorher geklärt ist und alle Bescheid wissen.

Aber hey, vielleicht bin ich ja nur viel zu pessimistisch. Vielleicht hat die DFL das ja alles schon intern ausdiskutiert und entsprechende Pläne in der Schublade, die sie auspacken, sobald es grünes Licht von der Politik gibt. Oder vielleicht führen sie diese Debatten auch noch zwischen dem "Go" und dem wirklich Startschuss. Nachdem ich mitbekommen habe, wie sich Uefa und DFL beim Ausbruch der Krise präsentiert haben, gibt es da aber gewisse Zweifel...

Aber hey, wenn wir Salomon Kalou einfach suspendieren, gehen all die Probleme bestimmt auch weg...

Freitag, 13. März 2020

Jetzt haben wir den Salat

UPDATE: Jetzt wissen es auch die Kicker.de Leser... also abgesehen von der fehlenden Selbstreflektion/ Journalistenschelte liest man jetzt bei Karlheinz  Wild quasi dasselbe wie hier in den letzten 2 Tagen...

Natürlich. Was hätte auch sonst passieren sollen. Es war ja nicht abzusehen. Aber spätestens jetzt wird deutlich, wie abgefuckt es ist, dass die Europapokal-Wettbewerbe durchgezogen worden sind.
Nicht wegen der beschissenen Stimmung in den Stadion... Das sind halt so Probleme, die die Rudi Völlers der Welt haben. Oder weil es auch eine gewisse Form der Wettbewerbsverzerrung ist, wenn Eintracht Frankfurt auf seine beeindruckende Stimmungskulisse verzichten muss. Aber ja, es ist schon ziemlich absurd, dass die 2 Tore, die Wolfsburg vor leeren Rängen kassiert hat, jetzt im Zweifelsfall "doppelt" gegen sie zählen. Und dass sie dann im Mai im Rückspiel vor einem feindlich gesinnten Publikum mit einem 1:0 ausscheiden würden. Aber who fucking cares.

Mikael Arteta wurde positiv auf Corona getestet. Also als erster, der wirklich an der internationalen Maschinerie beteiligt ist. Und jetzt... boah.

Das Worst Case Szenario ist ja, dass Arteta den Virus schon seit 2 Wochen mit sich rumschleppt. Das bedeutet praktisch... Alle Gegner von Arsenal der letzten 14 Tage sollten mal über einen Corona Test nachdenken. Also sich fragen, wo man in der Wirtschaftsmacht Europa so ein Ding herbekommt.

Und hier ist die extreme Katastrophe, für die die Uefa mitverantwortlich ist: Zu diesen Gegnern gehört Olympiakos Piräus. Eine Mannschaft, die gestern in Wolverhampton gespielt hat. Hey, die Uefa hat relatives Losglück, immerhin liegt das auch in England.

Also praktisch gesehen ist genau das der Grund, warum die NBA ihre Saison unterbrochen hat: Es hatten so viele Leute Kontakt mit Rudy Gobert, dass 4 Mannschaften nach einer Diagnose unter Quarantäne gestellt werden sollten. Aber hier wird immer noch darüber diskutiert, ob man vielleicht eine Absage in Erwähnung ziehen sollte. Go fuck yourself.

In Amerika, dem Land des Turbokapitalismus, wurden mittlerweile alle Sportveranstaltungen abgesagt. Teilweise ersatzlos. Um das mal festzuhalten: Die NCAA bezieht 75% ihrer Einnahmen aus der jetzt eigentlich anstehenden "March Madness". Die haben die Veranstaltung trotzdem abgesagt. Nicht, dass ich da Mitleid habe, das sind asoziale Arschlöcher, die 900 Millionen Dollar auf den Rücken von Amateuren machen, die sofort gesperrt werden, sobald sie 10.000 Dollar mit ihrem eigenen Gesicht verdienen. Was gerade zu einem Grundsatzurteil in California geführt hat. Es geht nur darum zu verdeutlichen, dass selbst die gierigsten und asozialsten Verbände mittlerweile ihre Eierlegende Wollmilchsau abgesagt haben. Und das ohne einen Infizierten in ihren Reihen. Einfach nur weil das Risiko zu groß ist, falls jemand positiv getestet wird...

Also alle außer die Uefa. Und die DFL.

Nur um noch mal auf die Panik Bremse zu treten: Es ist nicht davon auszugehen, dass Gobert, Donovan Mitchell oder Orteta an Corona sterben werden. Oder dass man als halbwegs gesund lebender Zivilist daran stirbt. Das Problem ist aber, dass der Virus extrem ansteckend ist. Und was sollte man machen, um eine Ausbreitung zu verhindern?

Nun ja... wie wäre es mit: Körperliche Auseinandersetzungen mit anderen Menschen vermeiden. Was ist ein Fußballspiel? Verdammt viel Körperkontakt zwischen 22 Menschen. Mindestens. Eher mehr. Und es ist mit Reisen verbunden. Verdammt vielen, internationalen Reisen. Auch das gehört zu den Dingen, die man eindämmen sollte.

Aber die DFL so: Ach, dieses Wochenende geht das noch. Wir machen erst ab Dienstag Pause. Warum? Damit wir, falls einer Positiv getestet wird, mehr davon haben? Bringt es wirklich irgendwas, diesen einen Spieltag noch zu absolvieren? Und dann reden die von der "Gesundheit der gesamten Bevölkerung"...
Oh und wo wir schon dabei sind: Der Kicker wirft Fans und Spieler "Verantwortungslosigkeit" vor. Sach mal geht's noch?
Also warum sollten die Fans vernünftiger sein als die Journalisten? Die haben das ganze "Wir ziehen das irgendwie durch" Narrativ mitgetragen, anstatt darauf verweisend, dass gerade internationale Fußballspiele für alle Beteiligten ein unnötiges und relativ hohes Risiko sind. Auf den Absage Zug sind die erst relativ spät aufgesprungen. Die ersten Meldungen dazu kamen von den Managern der Vereine, nicht von den Aufklärern hinter den Mikrofonen.
Wenn man über Verantwortungslosigkeit redet, muss man bei den Uefa Offiziellen anfangen. Die drücken sich ja vor einer Entscheidung, die längst hätte fallen müssen.

Nebenbei sind die Bilder vor dem Gladbacher Stadion nicht gefährlicher als die Bilder aus den Kölner Kneipen. Aber nur mit einem von beidem hat der Kicker ein Problem. Und ganz ehrlich: Die Fans, die sich Reihe an Reihe vor den Bus stellen und dann friedlich in eine Kneipe gehen, sind das geringste Problem. Ob man sich dabei oberkörperfrei zeigen muss, ist natürlich eine andere Frage. Aber dass auch ein paar Idioten zu Fußballspielen gehen, ist keine neue Erkenntnis, damit hätte man also rechnen müssen. Das ist nen bisschen wie... nen G7 Gipfel nach Hamburg zu verlegen anstatt in die Provinz und dann überrascht tun, wenn St.Pauli brennt...
An der Stelle muss man nicht die Leute zur Verantwortung ziehen, die sich mit der außerordentlichen Situation arrangiert haben und dann dumme Entscheidungen treffen, sondern diejenigen, die mit ihren Entscheidungen für diese Situation gesorgt haben.

Mittwoch, 4. Dezember 2019

Was mich an der aktuellen "Poliziekosten" Diskussion ja am meisten irritiert

Und Vorsicht, jetzt wird es politisch. Also so richtig politisch.

Also laut Montags-Kicker weist Roger Lewentz auf der Innenministerkonferenz darauf hin, dass sich die DFL "mit Blick auf die steigenden Milliardenumsätze" an den Polizeikosten beteiligen könnte. "Eine bundeseinheitliche Gebührenordnung ist vorstellbar." Was nicht alle so sehen, andere wollen das Polizei-Monopol beim Staat lassen.

Und gestern streiten sich dann Karlheinz Rummenigge und Marco Bode über ihr Solidaritätsverständnis. Jeder aus seiner egoistischen Sichtweise. So, dass er weniger bezahlen muss.

Wisst ihr, was das faszinierende daran ist: Es gibt in diesem Land bereits eine bundeseinheitliche Gebührenordnung, die zumindest grob auf Solidaritätsbasis funktioniert. Also so, dass die die mehr haben zumindest theoretisch mehr bezahlen, als die, die nichts haben. Und durch diesen Beitrag wird dann der Staatsapparat finanziert. Also die Millionengehälter für Uschis Berater, ohne die hier alles zusammenbrechen würde. Diese Gebührenordnung nennt man ganz praktisch "Steuern".

Hier wurde ja schon mal grob vorgerechnet, dass ein Verein wie Werder Bremen verdammt viele Steuern für die Stadt Bremen generiert. Dass das von Werder Seite noch niemand erwähnt hat, ist schon irgendwie komisch.

Dass jetzt selbst die Innenministerkonferenz, auch wenn sie indirekt praktisch von einer Steuer sprechen, den Begriff an sich meiden. Weil der Ruf dieser Zwangsabgaben halt verdammt schlecht ist. Wir glauben halt, dass mehr Steuern Arbeitsplätze vernichtet... oder so.

Praktisch gesehen wäre es kein Problem Veranstaltungen mit einem garantiert erhöhtem Polizeiaufkommen (also Bundesligaspiele, Oktoberfeste und Nazi-Festivals) mit einer entsprechenden Steuer zu belegen, durch die die Polizeieinsätze finanziert werden. Die kann so hoch angesetzt werden, dass sie der DFL mit ihrem Milliardenumsätzen nicht mal schadet und trotzdem alle kosten deckt. Die Regierung kann das morgen beschließen, wenn sie das wollen.

Oder man macht es wie die Franzosen und hebt den Spitzensteuersatz an. Alle Bundesligaprofis zahlen den... Da kommt auch einiges an Kohle zusammen.

Oder sie rechnen durch, dass die Polizeikosten bereits durch all die Steuern, die solche Veranstaltungen generieren, bezahlt werden. Wenn man zu diesem Schluss kommt, kann man die Debatte dann auch beenden. Und jedes Mal, wenn ein "Zivilist" mit dem "Warum verschwenden wir dafür Steuergelder" Argument kommt, kann man dann mit dem "Wir haben das durch gerechnet, die zahlen mehr Steuern als du" kontern.

So oder so wäre es ein sachliches und definitives Ende dieser an sich sinnlosen Debatte.
Aber es ist echt faszinierend, wie viel Angst man in diesem Land vor Steuern hat. Wie dieser Begriff von allen Beteiligten krampfhaft vermieden wird. Und dadurch kann man die eigentlich nötige Debatte nicht führen: Zahlt die Bundesliga genug Steuern auf alles, was die so machen, oder nicht?

Dienstag, 28. August 2018

Warum können "wir" das mit dem Videobeweis nicht?

Dafür muss es doch Gründe geben... also es kann doch nicht sein, dass der VAR in der Bundesliga zum großen Flughafen wird... Wir sind doch die gut organisierten Deutschen... wenn die korrupte Fifa und ihre Freizeitschiedsrichter aus Entwicklungsländern das hinbekommt... Vor allem mit haufenweise Deutscher Beteiligung... Kann doch nicht angehen?

Oder kann man es sachlich erklären? Hmm... versuchen wir es mal...

Also eine Sache wird man halt auch kaum in Frage stellen: Das Tempo bei einer Weltmeisterschaft ist einfach niedriger als in der Bundesliga. Auch wenn die gerade weit weg von der Weltspitze zu sein scheint, hat sie doch eine höhere Intensität in den Zweikämpfen als Marroko - Iran... was auch nicht wirklich überrascht. Und höheres Tempo führt halt auch zu mehr schwierigen Entscheidungen. Und ja, bis zum Viertelfinale ist eine WM einfach einfacher zu leiten als ein Bundesligaspiel.


Das erste Grundproblem des Videobeweises ist aber halt: Wir wenden den immer noch falsch an. Vergleichen wir einfach mal 2 Szenen: Zunächst hätten wir Vedad Ibisevic, der angeblich in der Entstehung des 1:0 Georg Margreitter gefoult hat... Weshalb der Videobeweis ausgelöst wurde und Nürnberg jetzt jammern darf... Auf der anderen Seite haben wir Diego Costa, der für Spanien Pepe aus dem Weg räumt um das zwischenzeitliche 1:1 zu erzielen... Was keine Überprüfung auslöst... was für unsere Deutschen Sportkommentatoren "unglaublich" ist. Und klar, das war eine Fehlentscheidung. Aber nicht jede Fehlentscheidung auf dem Platz löst den Videoassistenten aus... dann würde man ja gar nicht mehr zum spielen kommen...
Vergleichbar ist nebenbei auch das letzte Tor im DFB Pokalfinale, als auch völlig unmotiviert die Stimmung gekappt wurde, weil tief in der Frankfurter Hälfte eventuell ein Foul passiert ist.

Bei der WM gab es da eine einfache und nachvollziehbare Entscheidungsgrundlage: Wenn du selber noch 4 Chancen hast, das Tor zu verhindern, wie es bei den Nürnbergern ja war, dann suche die Schuld bei deinen eigenen Fehlern, nicht bei dem des Schiedsrichters. Und das war gut so.
Genau so sollte man das auch einfach kommunizieren: Der Videoassistent greift nur bei der direkten Toraktion und nicht bei der Entstehung ein. Mit allen anderen Fällen hat der VAR nichts am Hut.
Und solange das jeder weiß und man sich konstant drauf einstellen kann, kann damit auch jeder arbeiten. Das wichtige am VAR ist ja, dass er konstant arbeitet. Und nur in den wirklich entscheidenden Szenen eingreift. Gerade der Ibisevic-Margreitter Zweikampf war halt einfach nicht entscheidend. Und die ganze Debatte kommt nur auf, weil das Tor halt völlig unmotiviert überprüft wurde. Genau bei diesen Szenen will der Fan das halt nicht. Denn dann musst du wirklich jedes Tor überprüfen, denn irgendwas ist ja immer...


Der 2. große Unterschied mag im ersten Moment absurd klingen... aber: Wir gucken die WM halt Emotionsloser. Also abgesehen von den 3 Deutschland-Spielen. Und bei den Deutschland-Spielen war der eine VAR Einsatz so offensichtlich, dass selbst der größte Hardcore Fan den Sinn der Aktion einsehen konnte.
Aber genau genommen war der Einsatz des VARs bei der WM gar nicht so perfekt, wie wir alle geglaubt haben... es war uns nur scheiß-egal, wenn irgend so ein Drecksland wie Serbien verpfiffen wurde, obwohl das eigentlich gar nicht gehen sollte... Wir berichten dann lieber darüber, wie absurd die Überreaktion von Mladen Kristajic doch war... und das ein Kriegsverbrechertribunal im Fußball nichts verloren hat... während die entscheidende Szene es nicht mal ins Youtube Video schafft.
Aber jetzt stellt euch mal vor Deutschland hätte einen aus unserer Sicht natürlich eindeutigen Elfmeter nicht bekommen... und der VAR hätte auch nicht eingegriffen... da wäre doch sofort ne Spontandemo in Chemnitz einberufen worden... Mit Linken und Rechten auf derselben Seite... Jürgen Kohler hätte sich mal wieder gefragt, warum eigentlich immer wir Deutschen bestraft werden... Und wir hätten eine endlos lange Debatte darüber geführt, wie sinnlos doch der Videoschiedsrichter ist, wenn er in solchen Momenten nicht eingreift... Diese Debatte hätten wir so lange und intensiv geführt, dass Horst ungestört seine Konzentrationslager hätte einführen können... also ohne eine Regierungskrise auszulösen... weil wir mit anderen Dingen beschäftigt gewesen wären...

Da es aber nur ein Land betraf, dass der gemeine Deutsche nicht auf einer Landkarte finden würde... (und ja, ich würde selber grob auf irgendwo in Jugoslawien zeigen, aber wo genau da Serbien ist...) ist es uns auch relativ egal, wenn die bei einer WM verpfiffen werden...
Nebenbei werden die Kroaten für den Rest ihres Lebens darüber diskutieren, warum der Freistoß vorm 1:0 gegeben wurde... und warum der VAR nicht beim Elfmeter eingegriffen hat... Aber der gemeine Deutsche ist sich ja noch nicht mal sicher, ob Kroatien ne Grenze zu Serbien hat oder nicht... So who cares?

Wenn dagegen ein Bundesligist, nehmen wir ausnahmsweise mal die Bayern, die Frage geklärt haben wollen: Ist der Strafraum eigentlich eine Liegewiese, und wenn ja für wen?
Dann hängt sich ganz Fußballdeutschland in die Debatte mit rein... und alle kommen zu dem Schluss: Für Franck Ribery auf jeden Fall... die einen, weil sie meinen, dass es ein ganz klarer Elfmeter ist, die anderen, weil sie sich fragen, warum der VAR nicht eingegriffen hat...

Da jeder Pissverein 40.000 Fans hinter sich hat... diskutieren also über jeden Pfiff immer mindestens 80.000 Fanatiker. Und die eine Hälfte sagt immer "Klare Fehlentscheidung"... obwohl es meistens eher eine "Kann Entscheidung" ist.
Dann wird die Entscheidung durch 50.000 Talkshows getrieben... und so der ganze Sonntag damit gefüllt. Und deswegen entsteht selbst bei richtigen VAR Einsätzen hinterher die große Debatte... weil natürlich die Talkshow-Sender auch ihr gesteigertes Interesse daran haben...


Das sind die beiden Hauptgründe, warum es in Deutschland bei diesem Phänomen keinen Fortschritt gibt. Und alles, was die DFL machen kann, ist mal (auch für die eigenen Schiedsrichter) eindeutig zu erklären, wann der Eingriff kommen kann: Bei der Torerzielung, bei Elfmetern, bei Platzverweisen und bei Spieler-Verwechslungen.
Und dann muss die DFL auch mal den Arsch in der Hose haben und sagen: "Den Zweikampf von Ibisevic zu überprüfen, war einfach falsch. Lasst das in Zukunft." Dann könnten sich alle besser orientieren...
Hoffentlich machen die das wenigstens intern... Denn solange die Bundesliga nicht die eindeutige und einfach Fifa Vorgabe übernimmt, wird die Debatte jedes Wochenende eskalieren...

Dienstag, 15. Mai 2018

Die Ansage der DFL ist so unfassbar Dumm

Unverantwortlich. Total bescheuert. Und das alles nur, weil... man Angst davor hat, dass der Zuschauerschnitt zu krass einbricht, wenn man Hamburg mit seinen 50.000 Zuschauern durch die 10.000 Kieler ersetzt.

Ernsthaft, diese Haltung regt mich auf. Und wenn Holstein Kiel im Jahr 2025 Insolvenz anmelden muss, sollten sie dann die DFL verklagen.

Klingt übertrieben? Ist es aber nicht mal, wenn man genauer hinguckt. Also machen wir das mal. Natürlich davon ausgehend, dass Wolfsburg in der Relegation versagen wird, was, zum Glück für die DFL, extrem unwahrscheinlich ist. Da hat man sich ja sicherheitshalber noch mal einen letzten Sicherheitsmechanismus eingebaut, der einen Aufstieg der Kleinen verhindern sollte.

Versuchen wir uns mal eine realistische Prognose über die Entwicklung in Kiel zu entwerfen, in dem wir uns die Vorgänger des dann Sensationsaufsteigers angucken. Und dann wird einem bewusst, dass die Bundesliga in diesem Jahrtausend eine erstaunlich geschlossene Gesellschaft ist.

Lediglich Mainz, Augsburg, Hoffenheim und Leipzig konnten wirklich zur Bundesligafamilie aufschließen. Hoffenheim und Leipzig sind da natürlich kein Vergleich. Wenn man einen großen Investor findet und der sich nicht total dämlich anstellt (Bitte hier Ismaik Witz einfügen), landet man halt in der Bundesliga.

Mainz hatte halt Jürgen Klopp und Christian Heidel... über Jahrzehnte. Und sie sind in den Jahren vor dem Aufstieg bereits 2 Mal auf Platz 4 gelandet. Mainz hat sich halt über Jahre hinweg (unter diesen beiden herausragenden Persönlichkeiten) zu einer der 22 besten Mannschaften Deutschlands entwickelt. Und ja, in diesem Jahrtausend beendeten sie eine Saison schlechter als auf Platz 4 in der 2. Liga.
Der Verein konnte anhand dieser Situation natürlich wachsen. So dass sie jetzt an dem Punkt angekommen sind, dass ihnen selbst ein Abstieg nicht wirklich weh tun sollte. Denn sie werden, wie ihr Vorgänger im Geiste der SC Freiburg, dann als haushoher Favorit für den Wiederaufstieg in die 2. Liga gehen.
Allein schon der Fakt, dass Kiel bereits seinen Schlüsseltrainer Markus Anfang verloren hat, macht eine Wiederholung der Mainzer Geschichte extrem unwahrscheinlich.

Augsburg ist das eine Absurdum. Denn das dieses Jahrtausend in der Bayernliga begonnen haben... und ja, die hatten mit Walter Seinsch auch einen "Investor" im weitesten Sinne. Aber ihr Horizont hätte eigentlich die 2. Liga sein sollen... Und vielleicht mal eine Ausnahmesaison in der Bundesliga... ungefähr so, wie sich Fortuna Düsseldorf in letzter Zeit präsentiert. Was dort passiert ist aber wirklich eine herausragende Geschichte, die man aber nie zur Regel erklären kann.

Dass Kiel einen dieser 4 Vereine nacheifert, ist extrem unwahrscheinlich. Die viel realistischen Vergleichskoordinaten sind doch... Paderborn, Fürth, Darmstadt und Braunschweig. 4 Vereine, die gerade das Saisonfinale jenseits der Bundesliga geprägt haben.
Auch wenn Fürth technisch gesehen eher der geistige Nachfolger von den Mainzern werden sollte... Also der Verein hat halt auch jahrelang um den Aufstieg mitgespielt, bevor es irgendwann mal tatsächlich geklappt hat.
Aber diese 4 Vereine schweben gerade irgendwo zwischen 2. und 3. Liga. Paderborn stand sogar schon mit mehr als einem Bein in der 4. Liga. Das ist das Szenario, auf welches Kiel sich vorbereiten muss.

Und wenn man den Bogen noch etwas weiter und zeitloser ansetzt und sich alle Mannschaften mit 4 oder weniger Bundesligasaisons in der Geschichte des deutschen Fußballs anguckt...Plus den 1.FC Saarbrücken... oder anders ausgedrückt: Alle Mannschaften ab Platz 34 in der Ewigen Bundesligatabelle. Dann geht es heute Dynamo Dresden am besten? Oder doch eher Ingolstadt? Genau genommen ist Ingolstadt die einzige Mannschaft in dieser Liste (neben, natürlich, RB Leipzig... wegen dem RB), die nach dem Aufstieg nicht zumindest zwischenzeitlich in die Drittklassigkeit abgestiegen ist...
Dagegen stehen 16 Mannschaften, die heute weit weg von der 2. Bundesliga stehen. Von diesen 16 Mannschaften spielen Fortuna Köln und Preussen Münster in der 3. Liga... Alle anderen sind irgendwo in der Belanglosigkeit der Regionalen Ligen verschwunden.

Nüchtern betrachtet bedeutet dies, dass Holstein Kiel in 5 Jahren eher in der 3. Liga als in der 1. Liga spielt. Und dann für diese Dritte Liga sein Stadion ausgebaut hat... Weil die DFL ihnen gesagt hat, dass sie das müssen... Damit könnten die DFL den Grundstein für den Konkurs des Vereines gelegt. Herzlichen Glückwunsch.

Und die 3. Liga beweist ja gerade, wie bescheuert es einfach nur ist Stadiongrößen in den Statuten festzulegen. Denn dort hat gefühlt jeder 3. Verein ein überdimensioniertes Stadion, dass er nie gefüllt kriegt... und bekommt deswegen finanzielle Schwierigkeiten, weil sich dieses Stadion zu besitzen einfach nicht rechnet. So wird am Ende jeder Abstiegskampf durch Konkursanmeldungen entschieden. Klingt solide.

Wenn das Stadion technisch aufgerüstet werden müsste, damit die Gästemannschaften auch warm duschen können.. oder wenn man eine vernünftige Übertragung auf Bundesliganiveau sichern müsste... aber all das ist ja vorhanden. Das einzige Problem an dem Stadion ist ja, dass zu wenig Leute rein passen... Welch Katastrophe!!!
Die einzigen, die dadurch wirklich einen Nachteil haben, sind die Kieler, die weniger Umsatz generieren. Deswegen werden sie sich ja selber zu gegebener Zeit um einen Ausbau kümmern. Also wenn sie sich als Verein in den beiden oberen Ligen etabliert haben...
Die Kieler müssen ja mit einem Ziel in ihre 1 bis 2 Bundesligajahre gehen: Daraus so viele Vorteile wie möglich zu sammeln und diese dann danach nutzen. Im Wesentlichen bedeutet das: Die Zusatzeinnahmen in sinnvolle Projekte stecken. Und da gibt es bestimmt andere Prioritäten als einen Stadionausbau, der ihnen aber vorgeschrieben wird...
Da wird aus dem "Im Erfolg macht man die schlimmsten Fehler" auf ein Mal ein "Im Erfolg wird man zu den schlimmsten Fehlern gezwungen"...

Am meisten regt mich ja die Meinung von Kicker-Redakteur Julian Franzke auf... der im Wesentlichen sagt: Wenn es in den Regeln steht, muss man das so machen... Dass sind diese Menschen, die nachts um 3 alleine, links blinkend, an einer Roten Ampel stehen und den Diesel für 4 Minuten laufen lassen. Obwohl jegliche Vernunft ihnen sagt, dass das Blödsinn ist und nur die Luft verpestet. Aber es steht ja in irgendeiner Regel, die jemand aufgestellt hat, der sich diesen Ort nie selber angesehen hat...

Und dann kommt die ganz große Perle. Ich zitiere aus dem Donnerstagskicker: "Wenn wie in Freiburg der Platz ein paar Meter zu kurz ist, tangiert das letztlich niemanden, so dass Nachsicht leichter fällt." Warum dürfen eigentlich ständig Leute beruflich über Fußball schreiben, die sich so wenig mit der Materie beschäftigen? Ernsthaft... Warum?
Also dass Freiburg mit Sondermaßen spielen darf ist definitiv eine größere Wettbewerbsverzerrung als wenn Kiel nur vor 10.000 Leuten spielt. Vielleicht sollte sich der Herr Franzke mal ein Bundesligaspiel in Freiburg angucken. Dass ist eine Mannschaft, die legendäres Pressing und schnelles Umschaltspiel vorlebt. Beides profitiert definitiv von kürzeren Wegen.

Nehmen wir einfach mal das Spiel gegen Dortmund als Paradebeispiel. Da spielt Freiburg eine Stunde lang in Unterzahl und verschiebt sich danach einfach nur vorm eigenen Strafraum. Man macht die Räume eng und verbarrikadiert sich vorm eigenen Strafraum. Natürlich hilft es da, dass man auf dem kleinsten Rasenplatz Deutschlands spielt. Da zählt dann jeder Meter, dann man nicht verteidigen muss, doppelt...
Ist es ein entscheidender Vorteil? Definitiv nicht. Aber es ist ein Heimvorteil, den Freiburg genießt, obwohl man damit gegen die ach so heiligen Statuten verstößt. Und das seit Jahrzehnten, ohne dass sich jemand daran stört...

Jetzt soll Holstein Kiel an der anderen Stelle nicht 1 bis 2 Jahre in einem für sie angemessenen Stadion spielen dürfen?
Nebenbei... ist die spanische Liga auch nicht daran zu Grunde gegangen, dass der SD Eibar in einem 7083 Zuschauer fassenden Stadion spielt.
Diese Regel aufzustellen ist einfach nur total bescheuert. Sie durchzusetzen ist nur noch dümmer. Es sollte jeder Bundesligist für sich alleine entscheiden welche Stadionkapazität für ihn angemessen ist.

Im Wesentlichen beweist die DFL gerade, dass ihnen die Verpackung wichtiger ist, als der Inhalt. Hauptsache die Gurkenliga, zu der man mittlerweile verkommen ist, sieht gut aus und kann mit tollen Zuschauerzahlen punkten... und mit dem FC Bayern... denn mit allem anderen punktet man derzeit definitiv nicht mehr...

Mittwoch, 4. April 2018

Karl-Heinz Rummenigge ist ein schlechter Verlierer

Welch schockierende Erkenntnis... Die für die regelmäßigen Besucher dieses Blogs bestimmt völlig überraschend kommt...
Schließlich hat Kalle schon nachgewiesen, dass er an Niederlagen auf dem Fußballplatz gerne mal ein Jahr lang knabbert... und sich dann, was die Faktenlage betrifft, eher auf Augenhöhe mit der AfD bewegt, als mit seriöser Problembewältigung...

Und jetzt... hat der auf ein Mal eine Schlacht als Funktionär im Kampf um das 50+1 verloren... Wie fies von der DFL... da muss man sich natürlich sofort "geistig ein Stück von verabschieden"...
Wobei man da den Rummenigge ein wenig in Schutz nehmen muss... der kommt halt aus Bayern... und da heißt Demokratie halt: Wie bestimmen alles so, wie es der CSU am besten passt... Und das seit 60 Jahren... da kann man gerne mal verdrängen, das eine Demokratie eigentlich anders funktioniert...

Dabei spricht Kalle sogar viele richtige Dinge an... also ja, die DFL hat ein das Grundproblem, dass sie für 36 Profiklubs die möglichst beste Entscheidung treffen muss... und von diesen 36 spielen nur 7 international... (Davon 5 gewollt, die anderen beiden müssen halt teilnehmen...) Da kann es durchaus passieren, dass die anderen 29 (also die deutliche Mehrheit) Entscheidungen treffen, die für diese 7 ungünstig sind... Demokratie hieß ursprünglich halt mal: Wir entscheiden so, wie es die meisten und nicht die Reichsten wollen...
Und es ist durchaus auch möglich, dass bei solchen Veranstaltungen falsche Entscheidungen getroffen werden...

Dass Rummenigge allerdings Andreas Rettig "Populismus" vorwirft... ist eigentlich das Eingeständnis seiner Niederlage: Diese Schlacht hat er halt verloren. Deswegen ist er jetzt beleidigt.

Ganz ehrlich: Sowohl Rettig als auch Rummennigge sind... Politiker. Oder Lobbyisten. Oder beides, was ja mittlerweile geht. Solchen Leuten Populismus vorzuwerfen, ist absurd. Da kann man auch seinen Spielern vorwerfen, dass sie schwitzen... Und ja, das ist eine Hagen Rether Referenz: Aber das ist doch der Populist! Nein, das ist der Demagoge!

Dabei weiß Rummenigge selber doch ganz genau, dass Populisten ein vorhandenes Machtvakuum gerne ausnutzen um ihre Interessen durchzusetzen. Also seine Lobbyvereinigung hat ja genau dasselbe gemacht, als es im Zuge des Fifa Korruptionsskandals einen Interimspräsidenten bei der Uefa gab... und deswegen muss der 4. der Bundesliga jetzt nicht mehr in diese doofe Qualifikation, an der man scheitern könnte... Wie gesagt: Rummenigge weiß ganz genau, wie man dieses Spiel spielt. Er ist jetzt nur persönlich beleidigt, dass ein Mal im Leben andere das mit ihm gemacht haben, was er sonst immer mit ihnen durchzieht.
Und wenn ihr euch mal die letzten Aussagen von Rummenigge durchlest (folgt einfach den Links oben...), dann ist das eine Aneinanderreihung von Populistischer Kackscheiße.
Das werfe ich ihm ja noch nicht mal vor. Der Mann ist ein Spitzenfunktionär, der versucht seine Position auszunutzen um die Stimmung möglichst in die Richtung seines Vereins zu drehen. Es ist quasi seine Aufgabe ein Populist zu sein. Genau so wie es das, mit anderen Zielen, die Aufgabe vom Rettig ist.
Und da sich in den Deutschen Medien niemand traut ihm zu widersprechen oder kritisch nachzufragen, ist es "Populistische Interviews zu geben" halt seine beste Option.
Aber anderen den Vorwurf zu machen, weil sie dieselbe Taktik in ihrem Spezialgebieten anwenden... ist genau genommen albern...

Ehrlicher Weise müsste Rummenigge folgendes sagen: Ich habe die besagte Liga-Versammlung unterschätzt. Ich hätte da selber aufkreuzen sollen und keinen Mittelsmann schicken, der bei dieser Diskussion anscheinend vollkommen versagt hat. Das war mein Fehler, damit müssen wir jetzt arbeiten.
Und ja, Rummenigge wäre genau die Person gewesen, die man als Gegenpool für Rettigs Schauspiel gebraucht hätte. Und der uns dann in einer hitzigen Debatte ein wirkliches Spektakel geliefert hätte. Halt mal so einen richtigen Diskurs mit 2 Leuten auf Augenhöhe, die Versuchen die Stimmung in ihre Richtung zu drehen. Mit cleveren Redebeiträgen auf beiden Seiten... So wie man das von früher aus dem Bundestag kannte... Und so, wie die beiden es jetzt hinterher in den Medien machen... nur halt in Live, mit offenem Visier und Ergebnis.

Eigentlich ist das ja sogar was gutes... denn es stärkt indirekt die Rolle der DFL und seiner Tagungen... ich sag das mal so: Wenn die sich das nächste Mal treffen, werden Rummenigge und die 2 Vereine, die gar nicht anwesend waren, dabei sein. Rummenigge wird sich entsprechend vorbereiten... denn anscheinend werden auf diesen Sitzungen doch wichtige Dinge entschieden. Zu denen man nicht irgenjemanden schicken sollte, von dem der gemeine Fußball Fan noch nie was gehört hat. Und das wertet die DFL-Tagung definitiv auf, selbst wenn die Entscheidung in Sachen 50+1 beim nächsten Mal überdacht werden sollte...

Freitag, 23. März 2018

Wenn Christian Streich der DFL droht

Ein Teil der beliebten "Wir haben Glück, dass Fußball so ein schlecht gecoachter Sport ist."


Und faszinierender Weise... ist ausgerechnet Tayfun Korkut (oder wer auch immer in Stuttgart für die Standarts verantwortlich ist) der Mann, der den Stein ins rollen brachte... Denn der verwendete die "Air Bud" Logik (oder war es der Film, wo der Hund Baseball spielt? Egal): Wenn in den Regeln nicht explizit drin steht, dass es verboten ist, dann ist es erlaubt. Auch wenn es nach vernünftigem Ermessen keinerlei Sinn ergibt, einen Hund an einer Ballsportart teilnehmen zu lassen...

Oder 2 Leute definitiv ins Abseits zu stellen, damit sie den Laufweg der Verteidiger blocken... Also jeder Mensch, der sich mit Fußball beschäftigt, sieht die Absicht hinter dieser Aktion... und schließt dadurch aus, dass es sich um ein Passives Abseits handeln kann...

Leider... beschäftigen sich unsere Schiedsrichter eher weniger mit Fußball... und es ist ja nicht nur einer... es ist Benjamin Brand auf dem Platz, Felix Brych vor dem Monitor... und, jetzt wird es wirklich extrem, Lutz Michael Fröhlich als DFB-Schiedsrichterchef... selbst der oberste Boss meinte hinterher, dass die Regeln richtig angewendet wurden...

Ich will ja nichts sagen... aber wenn die 3 wirklich darauf beharren, dass den Gegner wegblocken eine Passive Aktion ist... dann müssen sie entlassen werden... denn dann sind sie offensichtlich ungeeignet für ihren Job... Sie sollten wenigstens im Nachhinein zugeben, dass sie die Situation falsch bewertet haben...

Wirklich absurd wird das ganze ja... dass Mario Gomez in der 32. Minute als Blocksteller genutzt wird und dann plötzlich für dieselbe Aktion ein Foul gepfiffen bekommt...

Aber ja... erst mal ein großes Lob für die Stuttgarter, die sich im Training mit dem Status Quo beschäftigt haben... und sich dann gesagt haben: Hey, versuchen wir das mal... Vielleicht klappt's ja... Im Regelwerk steht zumindest nicht explizit, dass es verboten ist.
So was bräuchten wir eigentlich viel mehr... Obwohl andererseits... Dass die Löcher im Regelwerk nicht ausgenutzt werden sorgt ja eher dafür, dass der Fußball ertragbar bleibt... Ich verweise an der Stelle gerne auf meinen ewig alten "Die Michael Ballack Regel mit Nebeneffekten" Beitrag, der erklärt, wie das Streichen von Gelben Karten vor einem Halbfinale zu einer Vielzahl an taktischen Fouls und damit zu einem unansehlichen Spiel führt...

Darauf, dass man durch die Auslegung des Passiven Abseits mit schnellen Flügelspielern die Abseitsfallen aushebeln kann, in dem man seinen langsamen Mittelstürmer im Strafraum parkt, aber nicht direkt anspielt, habe ich auch schon vor Jahren irgendwo hingewiesen... auf ein Mal ergibt eine Profikarriere von Usain Bolt verdammt viel Sinn... Der wäre ja ein Elite-Odonkor auf Speed...

Und wenn jetzt die Freiburger ankündigen, dass sie dass dann halt auch einüben... ok, das wird nur dazu führen, dass dieselbe Aktion bei den Freiburgern abgepfiffen wird... und DANN wird der Streich aber eskalieren...

Das ist ja auch der eigentliche Fehler vom Fröhlich: Der sollte jetzt den Arsch in der Hose haben und sagen: "Ja, das war eine Fehleinschätzung. Aber so was passiert halt." Denn letztendlich ist er es, der die Auslegung der Fifa-Regeln für die Bundesliga festlegt. Der seinen Schiedsrichtern auf dem Weg gibt, wie sie was zu interpretieren haben...

Und es wäre auch überhaupt kein Problem, daraus die "Christian Gentner Regelauslegung" zu machen... also wirklich an dem konkreten Beispiel zu erklären, warum so was nicht durchgehen kann... Das passiert in anderen Sportarten erstaunlich häufig...

Also am liebsten in der NFL... also ich bin letztens über den SB Nation Youtubekanal gestolpert... Checkt Jon Bois ChartPartys, they are pretty good. Aber für diesen Beitrag ist die "Weird Sport Rules" Serie die interessanteste. Im Wesentlichen lauten die Geschichten dort immer: Ein Trainer versuchte irgendeine Lücke im Regelbuch für sich auszunutzen. Und entweder es funktionierte und die Regel wurde deswegen geändert... oder es funktionierte nicht und die Regel erfüllte ihren Zweck, es gibt aber eine lustige Geschichte...

Natürlich fällt einem das in amerikanischen Sportarten wesentlich leichter... allein schon, weil die da im Wesentlichen machen können, was sie wollen... gerade die NFL hat haufenweise Regeln, die nach einzelnen Spielern und ihren Aktionen benannt wurden... Aber sie müssen sich halt auch nicht mit einem korrupten Dachverband abstimmen, wenn sie ihre Regeln ändern wollen... dies macht Dinge unkomplizierter...

Die spannenden Fragen für die Bundesliga lauten jetzt:
1.) Wie viele Mannschaften übernehmen diesen extrem cleveren Freistoßtrick? Genau genommen sollte die Antwort "18" lauten, aber irgendwo gibt es einen HSV, der ganz andere Sorgen hat... und am anderen Spektrum sind die Bayern, die so was zumindest in der Bundesliga nicht nötig haben.... Aber in den nächsten Wochen können wir beobachten, wer aufmerksame und flexible Trainer in seinen Reihen hat und wer nicht... Und ja, es ist, solange die Regelauslegung so festgelegt wird, das vernünftigste, selber so eine Variante einzustudieren... Die ist extrem einfach und verdammt schwer zu verteidigen...

2.) Wie werden andere Schiedsrichter dieselbe Aktion interpretieren... und wie oft wird dann doch auf Abseits entschieden werden? Oder anders ausgedrückt: Wie viele Schiedsrichter hören ihrem Chef eigentlich zu?

Und auf ein Mal gibt es doch wieder einen Grund die Bundesliga zu verfolgen... Immerhin etwas...