Montag, 18. März 2019

Worst of des "Die Bayern bauen ihren Vorsprung aus" Wochenendes

Man muss schon zugeben: Wie die Bayern in der Bundesliga auftreten, seitdem sie mit der Borussia Punktgleich sind, ist beeindruckend. Schon in Gladbach hatte man das Gefühl, dass die Bayern wirklich das Ziel haben, sich die Tabellenführung schon bei der Gelegenheit zu holen. In den folgenden beiden Spielen wurden aus 2 Toren Rückstand 7 Tore Vorsprung. So konnte man Dortmund überholen, ohne dass die dafür Punkte liegen ließen.

Gerade die Überzeugung mit denen die Bayern auf das nächste Tor gehen, ist beeindruckend. Dies wird vor allem bei den Ergebnissen der 2. Halbzeit deutlich: Bevor man die Gelegenheit hatte Punktgleichheit zur Borussia herzustellen, gewann man den 2. Abschnitt seit der Niederlage gegen Bayer immer schmucklos mit 1:0. Am Ende standen dort dann die Arbeitssiege, die für Niko Kovac halt symbolisch steht.
Seit dem das Torverhältnis allerdings relevant werden könnte, erzielten die Bayern in 3 Spielen 10 Tore nach dem Seitenwechsel. Sie gehen jetzt immer konsequent auf das nächste Tor, bis der Gegner richtig gedemütigt worden ist. Dabei sind sie gnadenlos. Und das wird so lange anhalten, bis sie irgendwann auch mehr Punkte als der BvB haben werden.
Am deutlichsten zeigte sich diese Gier in der Einwechslung von Offensivtalent Alphonso Davies für den Linksverteidiger David Alaba: Beim Stand von 5:0 bringt Kovac nicht nur ein Talent, dass ja jede Gelegenheit nutzen muss um sich zu beweisen... sondern er bringt auch einen Offensivspieler für einen Verteidiger. So was wird normalerweise bei Rückstand als ganz klares Signal für die Spieler bewertet. Kovac bringt solche Signale mittlerweile auch bei deutlichen Führungen.

Aber... da kommt natürlich das große Aber. So faszinierend dieses derzeitige Selbstverständnis in der Bundesliga ist, so wird die Gesamtsaison der Bayern doch an dem einen Spiel hängen, an denen ihnen genau dieses gefehlt hat. Denn das Heimspiel gegen Liverpool stand im krassen Gegensatz zu den Ligaspielen, von denen es umrahmt worden ist: Die Bayern wirkten eher ängstlich. Sie spielten nicht selbstbewusst aufs Tor des Gegners, sie spielten um keines zu fangen. Und dann wollte man mal gucken, was so geht. Oder direkt gesagt: Genau dieses "Mia san Mia" hat komplett gefehlt.

Am deutlichsten kann man den faktischen Qualitätsverlust der Bayern am 4. James Tor gegen Mainz festmachen. Klar, sieht cool aus. Hat man aber als Bayern-Fan schon 98 Mal gesehen... weil ja gefühlt jedes Arjen Robben Tor genau so gefallen ist: Er zieht von rechts nach innen und mit links ab. Der entscheidende Unterschied zwischen James und Robben: Letzterer war auch in der Lage in entscheidenden Champions League Spielen solche Aktionen anzufangen und erfolgreich zu Ende zu bringen. James bringt so was, was es darum geht die Tordifferenz in einem Fernduell auszubauen.

Und da landet man auch bei der eigentlichen philosophischen Frage, die sich die Bayern stellen müssen: Wird James nochmal den Sprung zum absoluten Leistungsträger auf Champions League Niveau vollziehen? Und wenn nicht, lohnt es sich dann den Jungen für verdammt viel Geld zu verpflichten? Denn ich sage das mal so: Leute, die das 5:0 gegen Mainz mit einer überragenden Einzelleistung erzielen, kriegt man auch für weniger Geld.


Und sonst so?
Oj ja: Regelkunde für Fortgeschrittene: Also habt ihr euch auch gedacht: Schön, dass die Regelkommision erst Mal das unwichtige eindeutig klärt, die Handspielregel, die aber ständig diskutiert wird, nicht lösen kann? Und dachtet ihr dann auch: Naja, wie oft wird es schon passieren, dass die Hand bei der Entstehung eines Tores ins Spiel kommt? Und dann stellte die Bundesliga mit dem Spiel VfL Wolfsburg - Fortuna Düsseldorf ein Lehrbuchspiel für genau die geänderte Regel zusammen: Also sowohl das 1:1, als auch das 4:2 waren nach derzeitiger Regelauslegung korrekte Tore... ab Sommer werden sie aber nicht mehr gegeben, weil (beim 1. definitiv, beim 2. nicht ganz so eindeutig) bei der Entstehung eine Hand am Ball war. Und wenn dir das als Angreifer passiert und daraus dann eine Torchance entsteht, muss die Aktion abgepfiffen werden.
Das ist einerseits gut, denn es ist einfach und eindeutig. Es ist andererseits schlecht, weil alle Experten von Kicker bis zur Sportschau von einer vertretbaren Entscheidung sprechen...
Und es hat natürlich wieder niemand den Weitblick sich diese Szene anzugucken und dem gemeinen Fan zu erklären, dass genau hier die Regeländerung im Sommer greift und derartige Situationen dann eindeutig geklärt sind.
Was dann nebenbei zu der Absurdität führt, dass für Angreifer offiziell andere Regeln gelten als für Verteidiger. Also wenn einem Abwehrspieler der Ball so an die Hand springt wie Weghorst beim 1:1, darf er ihn hinterher ungestraft klären, obwohl auch er einen Vorteil aus dem Handspiel hat. Bei einem Angreifer muss es aber zwingend abgepfiffen werden.

Wie immer schlage ich an der Stelle meine persönliche einfach umsetzbare Lösung vor: Gebt einfach auf derartige Handspiele immer einen indirekten Freistoß. Denn das "Problem" ist nicht, dass die Regel zu schwammig ist, das Problem ist, dass die Strafe viel zu hart ist. Aber gut, ich wiederhole mich.

Freitag, 15. März 2019

Nun also doch.

Domenico Tedescos erste Reaktion dürfte ein "NEIN! ICH HATTE DOCH NOCH SO VIEL VOR!" gewesen sein... er wollte doch noch
... als erster Schalker in 3 Heimspielen in Folge ohne Torerfolg bleiben.
... in 3 aufeianderfolgenden Spielen mehr Gegentore kassieren, als in dem Duell davor.
... 2 Sportdirektoren in einer einzigen Krise entlassen und somit seinen Posten retten.

Und jetzt lassen die den einfach nicht... sonder Huub Stevens übernimmt. Ein Trainer, der vor 4 Monaten am Herzen operiert worden ist... Es ist doch wirklich toll, dass es dem Mann wieder gut geht. Also wahrscheinlich war das Spiel gegen Manchester City halt der ultimative Härtetest: Wenn man sich das Spiel am Stück angucken kann, ohne dass das Schalker-Herz aussetzt, kann man den Verein auch wieder trainieren...

Es ist schon faszinierend, dass Jochen Schneider die einzig richtige Entscheidung trifft, dabei aber trotzdem schlecht aussieht. Denn das Tedesco noch das Training am Morgen leitet und danach dann ersetzt wird, ist zumindest ungeschickt. So muss er sich bereits vor seiner offiziellen Amtsübernahme vom Kicker vorwerfen lassen, dass er "vieles zu schön" redet... nur auf Schalke wird der neue starke Mann bereits kritisiert, bevor er wirklich im Amt ist.

Und sein wir kurz ehrlich: Es war ja nicht nur der einmalige Ausrutscher gegen eine der besten Mannschaften der Welt. Es war das 2. Mal in diesem Monat, dass die Schalker komplett auseinander gebrochen sind. Da muss man sich schon fragen, was der Trainer eigentlich tagsüber so macht. Und vor allem natürlich, ob es vernünftig war seine eigentlichen Stützen wie Fährmann und Naldo so zu demontieren. Was ja nichts schlimmes ist... Tedesco ist halt genau genommen immer noch ein Azubi. Er hat jetzt zum ersten Mal eine Herrenmannschaft für mehr als ein paar Monate übernommen... und dabei dann gelernt, dass man da nicht mehr die alten Säcke zwangsweise raushauen muss, sondern dass die wichtig bleiben. Warum die Schalker sich jetzt, in ihrer angeblichen Position als Spitzenmannschaft, von einem Azubi trainieren ließen... Also ich sag das mal so: Es gab gute Gründe, warum Tuchel und Klopp sich ihre ersten Sporen in Mainz verdient haben und erst nach jahrelanger Erfahrung in Dortmund einen Posten bekommen haben... Aber Schalke dachte sich "3 Monate in Aue sollten doch reichen..."

Das eigentliche absolute Highlight ist nebenbei Schneiders "In der vergangenen Saison konnte er eine sehr positive sportliche Entwicklung einleiten"... ähm... genau genommen profitierte Tedesco ausschließlich von der Schwäche der Konkurrenz und es gab eine rein tabellarische Entwicklung. Da aber die meisten Vereine ausschließlich auf diese gucken, ist niemanden aufgefallen, dass sie schon letzte Saison einen, wie Uli Hoeneß das ausdrücken würde, "Scheißdreck" gespielt haben.

Aber... Schneiders Ausführungen sind gar nicht das Dümmste Zitat der Woche. Das kommt natürlich von Jogi Löw, der uns eindrucksvoll belegt, warum er sonst keine Pressekonferenzen bei der Bekanntgabe des Kaders gibt: ""Ich finde es befremdend, wenn manche über Respekt und Wertschätzung urteilen, obwohl sie gar nicht beim Gespräch dabei waren." Ähm... liebster und höchstgeschätztester Jogi... Thomas Müller war der erste, der sich über mangelnden Respekt aufgeregt hat. Weil sie es anscheinend nicht geschafft haben, ihm ihren Standpunkt angemessen zu vermitteln. Darauf hin sprangen dann die anderen auf den "Respektlos" Zug auf. Unter anderem auch Boateng und Hummels. Wollen sie mir jetzt also sagen, dass die 3 bei den Gesprächen gar nicht dabei waren? Interessant.
Und ja, wenn Müller sich mit einem "Der Trainer hat mir in einem ausführlichen Gespräch dargelegt, warum er diese Entscheidung getroffen hat und ich konnte es nachvollziehen" geantwortet hätte, hätte niemand die Stilfrage gestellt. Aber die Spieler selber fühlten sich nicht angemessen behandelt. Und verbreiteten diesen Standpunkt in die Öffentlichkeit. Deswegen urteilen "wir" jetzt über ihre Vorgehensweise...
Aber hey, wo ich schon mal dabei bin: Danke, dass sie dafür gesorgt haben, dass unsere absolut überragende Generation "Nur" Weltmeister wurde und nicht noch mehr Titel geholt hat. Das ist eine grandiose Trainerleistung, vor der ich den allerhochschten Reschpekt habe. Das wird meiner Meinung nach viel zu selten gewürdigt.

Donnerstag, 14. März 2019

Das hätte ja echt nicht besser laufen können...

Also allein schon, dass die Bayern sich jetzt einreden: Mit Thomas Müller wäre das nicht passiert. Weil das ja genau der Spieler ist, der seit Jahren in genau solchen Spielen den Unterschied ausmacht. Also behält Müller seine Rolle in der Mannschaft, um dann irgendwann 2021 wie Franck Ribery zu enden... bei dem jetzt endgültig allen aufgefallen ist, dass es für ihn auf diesem Niveau nicht mehr reicht.
Das sind genau die Konstellationen, die ich liebe. Deswegen erfreue ich mich ja gerade auch an jeder starken Leistung von Lewis Holtby und Aaron Hunt: Damit uns diese Kandidaten nächstes Jahr wieder als Hoffnungsträger in der Bundesliga vorgestellt werden.

Und ja, vielleicht wäre das Angriffsspiel der Bayern mit Müller besser gewesen. Oder zumindest nicht weniger schlecht. Schließlich hieß der einzige gefährliche Angreifer der Bayern Joel Matip... Sowohl im Hin-, als auch im Rückspiel, war er für jeden gefährlichen Abschluss der Bayern-Offensive verantwortlich.

Dass sich dann noch Manuel Neuer aus reiner Solidarität mit seinen Kollegen vor den Augen des Bundestrainers als nächsten Streichkandidaten präsentierte... Langsam wird es offensichtlich, dass Marc Andre ter Stegen derzeit der bessere Torhüter ist...

Aber Solidarität wird ja in der Bundesliga eh gerade groß geschrieben. Frei nach dem Motto: Wenn die Champions League nicht im FreeTV gezeigt wird, spielen wir da auch nicht mit... zumindest nicht dann, wenn es in die spannende Phase geht. Zum ersten Mal seit 2006 ist keine einzige Deutsche Mannschaft unter den ersten 8 in Europa... was gar nicht sooo dramatisch wäre, wenn die 8 Teams halt aus von Investoren gedopten Spitzenteams bestehen würde... Wenn aber Mannschaften wie der FC Porto und Ajax Amsterdam noch im Lostopf sind.

An der Stelle muss dringend darauf hingewiesen werden, dass hier frühzeitig darauf hingewiesen wurde, dass den Bayern eine enttäuschende Saison bevorsteht, wenn sie wirklich glauben, dass sie in der Champions League weit kommen können. Und dass sie Losglück brauchen würden, damit nicht spätestens im Viertelfinale Schluss ist. Jetzt hatten sie Lospech... Und die Debüt Saison von Niko Kovac könnte trotz der beiden noch möglichen (wenn nicht sogar eigentlich sicheren) Titel als Enttäuschung wahr genommen werden, nur weil man vorher extrem überzogene Ansprüche hatte. #PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher.

Mein Persönliches Highlight war da nebenbei Ian Rushs "Ich mag Thomas Müller, ich sah ihn bei Weltmeisterschaften. Er ist ein guter Spieler." vom Montags-Interview: Auch der englische "Experte" hält große Stücke auf Müller, weil er ihn vor 5 Jahren ein gutes Turnier spielen sah... Dass das verdammt lange her ist, fällt auch hier wieder keinem auf...

Aber hey... am Ende des Tages kann man ja immer noch mit dem Finger auf die Schalker zeigen und sie auslachen... die haben mittlerweile den Punkt erreicht, an dem selbst ein 0:4 gegen RB Leipzig am Samstag noch nach einer Wende aussehen würde. Und ja, Domenico Tedescos Team hat 15 Gegentore in 3 Spielen kassiert... und ist trotzdem irgendwie noch im Amt. Einfach weil ihn halt niemand entlassen kann, wenn man keinen Sportdirektor hat... So kann er eine historische Leistung an die andere knüpfen. Großartiges Timing.
Und ja, Schalke ist dann bei 5 Spielen mit mindestens 3 Gegentoren in Serie... Das sind so Statistiken, bei denen selbst die Über-Experten aus Hannover und Nürnberg sagen: "Strafft euch mal". Ok, zugegeben, der Hauptgrund, warum Hannover uns Nürnberg nicht auf eine derartige Serie kommen, ist der Fakt, dass sie gegeneinander gespielt haben... aber sein wir ehrlich: So wie sich Schalke derzeit präsentiert, wäre es nicht ausgeschlossen, dass selbst diese beiden Truppen 3 Tore gegen sie erzielen...

Damit ist von der großen "Guckt mal, wir haben fast alle gewonnen" Auftakteuphorie nur noch Eintracht Frankfurt übrig... die irgendwie an Inter Mailand vorbei müssen... Ich würde es ihnen ja sogar gönnen, so ist es nicht. Aber selbst wenn Frankfurt weiter kommt, ist die Gesamtbilanz der Bundesliga nur noch schlechter als in den Vorjahren... Und das, obwohl sie uns das ganze Jahr lang erzählen wollten, dass es mit der Liga wieder aufwärts geht... Der Internationale Vergleich hat das gerade eindrucksvoll widerlegt. Mit 3:17 Toren hat "uns" die Premiere League abgeschossen.

Bonus Best of: Cristiano Ronaldo. Immer wenn ich mir denke "Der ist zu alt für den Scheiß"... haut er halt doch so ein Spiel raus und schießt (wie immer) Atletico Madrid aus dem Wettbewerb. Der Mann mag nicht mehr jede Woche Weltklasse Leistungen anbieten, aber er ist trotzdem immer wieder in der Lage solche Leistungen abzuliefern. Mit 34 Jahren. Völlig absurd. Ich ziehe meinen digitalen Hut.

Dienstag, 12. März 2019

Ist es am Ende egal, wie man im Oktober spielt?

Also gucken wir uns mal völlig random die Tabelle vom 13. Spieltag und die damit verbundenen Storylines an: Damals war Borussia Dortmund auf dem Weg zur souveränen Meisterschaft. Die Bayern mussten eigentlich gerade froh sein, dass sie zurück auf die Champions League Plätze geklettert sind, was Niko Kovac definitiv den Job gerettet haben dürfte. Nur ganz wenige Trainer überleben beim Rekordmeister 2 Spieltage in Folge auf einem Platz, der nicht die Qualifikation für die Gruppenphase sichert. Das ist genau der Moment, an dem die Bayern normalerweise aktiv werden. Und ja, Kovac hatte damit auch offiziell Glück, dass der 4. Platz mittlerweile einen direkten Startplatz garantiert. Niemand kann abschätzen, wie die Uli Hoeneß reagiert hätte, wenn man zwischenzeitlich relevanten Rückstand auf das Minimalziel aufgebaut hätte...

Hinter den Dortmundern hatte sich eigentlich die andere Borussia eingenistet. Und die fühlten sich da zwischenzeitlich so wohl, dass sie sich mit der Meister-Frage beschäftigen sollten. Das war damals schon absurd, ist aber passiert.

Ebenfalls in dieser Phase manövrierte Bayer Leverkusen sich in die Position, in der es eigentlich egal sein sollte, wie sie jetzt weiterspielen, weil weder nach oben, noch nach unten, etwas geht. Sie entschieden sich, im Gegensatz zu den Schalkern, die an sich in der selben Position waren, für einen Trainerwechsel. Jetzt... könnten sie auf ein Mal Gladbach noch abfangen, was zum Jahreswechsel illusorisch erschien.

Am ganz anderen Ende der Tabelle spielte gerade die Fortuna aus Düsseldorf, abgesehen von einem absurden Punkt gegen die Bayern, wie ein designierter Absteiger. Sie standen noch hinter den Nürnbergern, die als einziges Kellerkind ihre Form anscheinend konstant halten können. Davor sah es so aus, als könnte es echt ein Rennen um die anderen beiden (theoretischen) Abstiegsplätze geben.

Jetzt... Sind die Bayern Tabellenführer und Düsseldorf ist so gut wie gerettet. Wer darauf Ende November gewettet hätte, wäre jetzt sicherlich reich.

Noch viel faszinierender ist es ja, wenn man sich das große, also internationale Bild anguckt. Wenn man sich gefragt hat, wer nach der Gruppenphase die Titelfavoriten auf den Champions League Titel waren... fielen ziemlich schnell Juventus Turin wegen Cristiano Ronaldo, Paris St.Germain wegen Neymar, Liverpool wegen Salah und Barca wegen Messi. Und weil diese 4 Kandidaten ihre Liga souverän anführten. Aber jetzt im März... Paris ist schon ausgeschieden. Turin steht vor einer echt schweren Aufgabe. Barca spielt nur noch gegen Real Madrid wirklich souverän, da muss man sich schon fragen, ob das die eigene Stärke oder die Schwäche der Liga ist, die sie zur Meisterschaft tragen... und Liverpool hat nicht nur seinen Vorsprung auf Manchester City verspielt, sondern irgendwie auch seinen klaren Favoritenstatus gegen die Bayern...

Gerade das Verhältnis zwischen Bayern und Liverpool macht es deutlich, wie extrem die Formkurven sein können. Und wie krass sich die Schwankungen auswirken.
Und gerade die Bayern haben, wenn wir das Objektiv noch weiter stellen, jetzt auf Ein Mal auf Grund ihres schwachen Oktobers einen riesigen Vorteil. Denn Jahrelang war ja das Hauptproblem der Bayern, dass sie sich in der Liga langweilen und deswegen die Spannung verlieren. Die Liga gewinnt man halt im Vorbeigehen, aber man schafft es nicht, die Sinne so zu scharf zu halten, dass man auch die Champions League gewinnen kann.
Dieses Jahr ist man dazu gezwungen jede Woche ordentliche Leistungen abzuliefern. Gerade das Spiel gegen Wolfsburg ist da ein gutes Beispiel: Bisher waren die Bayern noch nicht zu solchen Demontagen in der Lage. Aber die Bayern hatten in diesem Spiel auch diese gewisse Geilheit und Wolfsburg 6:0 abzuschießen... vor allem, weil sie ja davon ausgingen, dass ein 4:0 nicht für die Tabellenführung reichen könnte, ein 6:0 aber schon. Und mit dieser Spannung geht man jetzt ins Achtelfinale.
Ob das dann wirklich reicht, ist eine andere Frage. Aber es hat den Bayern in der Vorbereitung auf diese Schlüsselspiel jedenfalls nicht geschadet, dass sie vorher schon auf Betriebstemperatur arbeiten mussten.

Da fällt mir spontan auf, dass ich dieses Thema eigentlich schon 2014 angeschnitten habe. Damals habe ich die Theorie aufgestellt, dass die Bayern ihre WM Helden in den ersten Wochen der Saison pausieren (und ein vernünftiges Aufbautraining nach einer angemessenen Pause absolvieren) lassen sollten, damit sie dann in der entscheidenden Phase der Saison frisch und frei im Kopf sind. Was sie seit diesem 5 Jahre alten Beitrag irgendwie immer nicht waren. Damals habe ich es auf die Zusatzbelastung WM geschoben. Aber vielleicht sollten die Bayern das einfach allgemein so halten: Wir lassen unsere erste Garnitur erst auflaufen, wenn die Konkurrenz 6 Punkte Vorsprung hat, damit wir dann nicht völlig unterfordert in den März gehen müssen... Oder sie verstoßen in jedem nicht Turnier Jahr genau so gegen die Lizenzbedingungen, dass ihnen 6 Punkte abgezogen werden... Irgendwie muss man sich ja eine Konkurrenz erschaffen... Und nachdem man dann die ersten beiden Auswärtsspiele dank einiger dummer Eigentore verloren hat, fängt man an seriös zu spielen...

Und ob man seine Saisonziele erreicht oder nicht, wird ja eh frühestens im März entschieden. Da sollte man halt seinen gesamten Saisonplan darauf auslegen, dass man im Frühjahr gut in Form ist und nicht im Oktober....

Montag, 11. März 2019

Worst of der richtig bescheuerten Konzepte

Verneigen wir uns erst Mal vor Domenico Tedesco, dem ultimativen Konzepttrainer, der endgültig verstanden hat, wie "Coaching" funktioniert.

Also um das mal ganz sachlich zu erklären: Tedesco nutzte das schon durch mangelhafte Leistungen auf dem Platz entstandene Chaos um seine Mannschaft zu einem absoluten Tiefpunkt in einem Heimspiel gegen Düsseldorf zu coachen. Dass es hinterher Pro Tedesco Demonstrationen in Dortmund gegeben haben soll, ist natürlich nur ein Postillion-Gerücht...
Aber auf Grund der selbst geschaffenen Führungslosigkeit nach Christian Heidels Rücktritt konnte er natürlich nicht entlassen werden. Legte aber selbe die Messlatte so dermaßen niedrig an, dass selbst eine Niederlage mit 4 Gegentoren bei alles andere als berauschenden Bremern als deutliche Trendwende wahr genommen wird. Das gibt Tedesco ja auch selber offen zu. Aber da Jochen Schneider ja nicht mehr als eine Trendwende gefordert hat, kann er jetzt schlecht den Trainer entlassen, der ihm genau das geliefert hat...
Und als nächstes stehen Spiele bei Manchester City und RB Leipzig an... Also ja, Tedesco hat sich in eine Situation manövriert, in der er 1 Punkt aus 3 Spielen bei 10 Gegentoren als Fortschritt verkaufen kann. Auf dem Niveau muss man erst Mal arbeiten.
Nun könnte man natürlich behaupten, dass das ein dummes Konzept ist. Worauf ich natürlich sofort in meiner Plattenkiste nach dieser einen absurden Vinyl, die ich besitze, grabe, um den Klapptext zu zitieren: "it's just too bad that most of ya'll are working with stupid concepts." Die Geschichte von Schalke 04 kann man kaum besser in einem englischen Satz zusammenfassen...

Apropos Richtig bescheuerte Konzepte: Es ist dann endlich raus, welchen Plan der 1.FC Nürnberg verfolgt. Der eSportler in mir nennt das gerne die "Let them think we are Noobs" Taktik: Man stellt sich erst Mal so richtig dumm an, bis der Gegner einen nicht mehr ernst nimmt und DANN schlägt man völlig überraschend zu. Das Dumme an der Taktik ist, dass die Gegner dann meistens so viel Vorsprung haben, dass dieses "Zuschlagen" keine wirklichen Auswirkungen mehr hat. Man muss quasi genau den richtigen Moment zwischen Christian Methenias "Deutschland rechnet nicht mehr mit uns" und dem dann eiskalten Zuschlagen finden. Und ich sag das mal so: wenn die Mannschaft, die noch vor dir steht, die Flinte bereits öffentlich ins Korn geworfen hat, hast du wahrscheinlich diesen Zeitpunkt verpasst.
Oder um es an einem anderen Beispiel deutlich zu machen: Fortuna Düsseldorf hat diese Taktik in der Hinrunde perfektioniert. Mit dem 1:7 aus dem Hinspiel gegen Eintracht Frankfurt als absolutes Lehrbeispiel für eine gnadenlos überforderte Mannschaft... die danach dann gegen Bayern und Dortmund 4 Punkte holte... wohl auch, weil beide dachten: Wenn selbst Frankfurt die abschießt, können wir die auch im Vorbeigehen schlagen.
Den Punkt gegen Dortmund haben die Nürnberger ja auch schon geholt. Sie haben nur nicht begriffen, dass sie danach dann auch richtig loslegen müssen, wenn die Taktik funktionieren soll...
Ungefähr so, wie Augsburg das nach ihren Offenbarungseid gegen Freiburg gemacht haben: Die holen danach eiskalt 4 Punkte gegen 2 Champions League Anwärter. Irgendwie macht sich hier gerade das Gefühl breit, dass die "Let them think, that we are Noobs" Taktik wirklich das leitende Konzept für die aktuelle Bundesliga ist... Also selbst die Bayern haben das ja diesen Herbst angewendet... Und bei den Bayern ist, im Gegensatz zum Rest, eine gewisse Absicht in ihrem Vorgehen zumindest nicht gänzlich ausgeschlossen..

Am Ende... hat der Hamburger SV nur seit dem 16.02.2011 zielgerichtet darauf hin gearbeitet, dass man einen 4:0 Sieg am Millerntor als großartige Revanche gefeiert wird. OK, dafür musste man erst Mal absteigen, was schwer genug war. Und dann noch in den Wochen davor extrem unsicher auftreten. Aber am Ende hat es sich doch gelohnt. Tolles Konzept.
Langfristig werden die HSV Fans darauf setzen, dass die Euphorie über den ersten Derbysieg seit 2002 den absoluten Tiefpunkt ihrer Vereinsgeschichte darstellt. Also dass dieser Sieg in einem Zweitligaspiel errungen wurde, man selbst dort 2 Versuche brauchte, den Sieg so dringend benötigte und sich so dermaßen darüber freut, sollte dem HSV nie wieder passieren...

Aber wo wir uns schon bei den Abgründen des Fußballs sind... gibt es da noch den einen Verein, der all diese Konzepte noch eindeutig in den Schatten stellt. Der selbst die Selbstzerstörerische Außendarstellung von Hannover 96 "gut" aussehen lässt. Die Rede ist natürlich vom

Chemnitzer FC, Vollidiot der Woche: Und alle: "IHR KOMMT AUS KARL MARX STADT! IHR SEID VERLIERER- BABY! ORIGINAL OSTLER!"
Ich kenne ja Leute aus der Stadt, die sich gerne darüber beschweren, dass man nur nach Chemnitz guckt, wenn von Nazis die Rede ist. Aber ganz ehrlich: Ihr macht es einem auch verdammt schwer. Also klar, teilweise könnt ihr gar nichts dafür. Also dass man sich Sorgen macht, dass eine gewisse Beate wieder auf ihre alten Freundinnen treffen könnte, wenn sie nach Chemnitz verlegt wird, ist wahrscheinlich unsachlich.
Aber "wir" können halt auch wenig dafür, dass euer fußballerisches Aushängeschild sich offen mit bekannten Neonazis solidarisiert und deren Tod betrauert. Vom Stadionsprecher bis zum Führungsspieler. Wie das so bei guten Ossis ist, wusste im Verein natürlich niemand von nichts.
Aber Daniel Frahn ist natürlich "weit davon entfernt", dessen Gedankengut zu teilen. Er wollte einfach nur... ähm... dessen Lebenswerk ehren?
Nebenbei passiert das ganze ein Halbes Jahr, nachdem ganz Deutschland aus den völlig falschen Gründen nach Chemnitz geguckt hat. Und sich danach natürlich schnell wieder abgewendet hat. Denn wer will denn schon dem wirklichen Problem ins Auge sehen... Und ja, es gibt in diesem Land Orte, die nach der Wende komplett abgehängt worden sind. Und in diesen Orten stellt die AfD 30 Jahre später die stärkste Partei. Da gibt es einen kausalen Zusammenhang. Als Lösung müsste man Orte wie Chemnitz zurück ins sozial-kulturelle Leben des Landes holen. Aber das wäre ja anstrengend. Wenig überraschend war Feine Sahne Fischfilet die eine Band von dem "Wirsindmehr" Festival, die das verstanden hat und auch auf ihrer Tour in Chemnitz vorbeischaute. Was direkt zu einer Bombendrohung führte... Aber zurück zum unsportlichen:
Was ich mich jetzt ja frage: Was hat sich der Chemnitzer FC dabei gedacht? Haben die wirklich gehofft, dass das schon keiner bemerken wird? Dass die örtlichen Sportreporter darüber hinwegsehen werden? Dass die Aktion dann kein Beben auslösen wird?
Wir reden nebenbei von einem Verein, der gerade ein Insolvenzverfahren hinter sich hat... Und dem jetzt völlig überraschender Weise die Sponsoren abspringen. Wer hätte das gedacht? Natürlich habe ich keine Ahnung von Finanzen, aber das kann keine gute Kombination sein. Oder anders ausgedrückt: Ein richtig bescheuertes Konzept.
Oh und als Bawful Bonus Feature ist Thomas Sobotzik Teil des Vorstandes der Chemnitzer. Dessen Wikipedia-Bild ihn im St.Pauli Trikot zeigt. Der hat damit seit diesem Wochenende offiziell beim Linksaußen und beim Rechtsaußen der deutschen Fußballvereine gearbeitet. Das ist auch mal ein Lebenswerk...

Freitag, 8. März 2019

Der Kollektive Köllner Modus in der Bundesliga ist schon faszinierend.

Wie sich alle einreden, dass es ja gar nicht so schlimm sei und die Ansätze ganz in Ordnung. Also natürlich alle, außer Hannover 96, da sehen sie der Lage ehrlich ins Auge.

Absurd wird es halt, wenn die eine Mannschaft mit noch weniger Punkten sich einreden will, dass eine Siegesserie ja möglich sei, weil a) Fortuna Düsseldorf es ja auch geschafft hat. und man b) gegen RB Leipzig ja gar nicht mal so schlecht ausgesehen hat. Dabei ist die bittere Wahrheit: RB hat das Spiel am Ende im Vorbeigehen gewonnen. Ohne jemals wirklich in den höchsten Gang zu schalten. Und Nürnberg hatte trotzdem, abgesehen vom Elfmeter, keine Chance.
Und ja, es ist davon auszugehen, dass RB das Tempo angezogen hätte, wenn der Elfmeter im Tor und nicht an der Latte gelandet wäre. So mussten sie nicht mal drüber nachdenken. Und nach der Führung hat man Nürnberg angreifen lassen und sich daran belustigt, wie unfähig diese Versuche am Ende waren. Was eigentlich unter Mobbing fallen sollte...
Es ist halt echt lustig, weil halt niemand wirklich was vom Trainerwechsel in Nürnberg mitbekommen hat. Also zumindest nicht, was die öffentliche Wahrnehmung betrifft. Die Aussagen sind jetzt dasselbe Pfeifen im Wald, welches vorher dem Köllner vorgeworfen worden ist. Nur ist das Pfeifen jetzt in einer anderen Tonlage.

Und dann haben sie ja noch diesen einen Punkt gegen Borussia Dortmund geholt. Weil die halt einfach nicht mehr gut sind.
Also die halt auch endgültig im Köllner Modus angekommen sind. Oder die Meisterschaft abgeschrieben haben, eines von beiden. Jedenfalls versuchen sie sich den Auftritt gegen Tottenham hinterher schön zu saufen. Netter Versuch. Aber zum einen ist Tottenham derzeit keinesfalls eine absolute Übermannschaft. Also um meine ursprünglichen Stammleser endgültig zu vergraulen: Selbst Arsenal holt gerade einen Punkt bei denen... Und Dortmund war gerade in den 2. Halbzeiten deutlich unterlegen. Also in genau der Phase, in der die Mannschaft mit der Winterpause einen Vorteil haben sollte, weil der Gegner Müde wird...
Aber man hörte hinterher aussagen wie "Wir haben in der ersten Hälfte ein fantastisches Spiel abgeliefert." Und diese Leistung soll "die Benchmark" sein... Ähm... Spoiler: Wenn Dortmund weiterhin so auftritt, wie gegen Tottenham, werden sie in München 0:3 verlieren und auch in den anderen Spielen so viele Punkte liegen lassen, dass sie garantiert nicht Meister werden. Das muss man auch mal so deutlich sagen: Wenn das Ziel Meisterschaft heißen soll, ist diese Leistung als Maßstab dafür zu wenig.

Dann muss man hinten wieder konsequenter verteidigen und vorne seine Chancen nutzen.

Dazu kommt natürlich, dass man halt das Spiel gegen einen Gegner der dies auch zulassen konnte, dominiert hat. Also Tottenhams eigenes Interesse das Spiel zu beherrschen, wenn man eigentlich nur nen 0:3 verteidigen muss, war halt begrenzt. Dass man trotzdem einen überragenden Torhüter brauchte um den Vorsprung nie in Gefahr kommen zu lassen... aber deswegen haben die halt einen Weltmeister im Tor und Dortmund die gerade nicht mehr Nummer 2 der Schweizer Nationalmannschaft.

Also ohne das man Bürki wirkliche Vorwürfe machen kann, bleibt halt festzuhalten: Eine Mannschaft hatte in beiden Spielen einen guten Torhüter, und diese Mannschaft ist weiter gekommen. Die andere hat einen vernünftigen Bundesligatorwart, aber halt auch nicht mehr.

Nebenbei haben Ajax und Manchester in Auswärtsspielen nachgewiesen, wie eine wirklich begeisternde Leistung aussieht. Während man das Dortmund Spiel ab der 48. Minute ausschalten konnte, ohne irgendwas zu verpassen. Und selbst wenn Harry Kane das Tor nicht macht, erzielt Dortmund da keine 3 Tore mehr.

Also ja, wenn Dortmund auch intern wirklich zufrieden mit diesem Spiel ist, ist die Meisterschaft entschieden. Hoffentlich betrachten sie das intern anders und sehen ein, dass sie alles in allem deutlich besser spielen müssen, wenn sie 2019 einen Titel holen wollen.

Mir ist nebenbei nicht ganz klar, ob dieses "Wir reden uns stark und unsere Leistungen schön" wirklich schlimmer geworden ist, oder ob es nur so wirklich deutlich wird, weil Köllner es in Nürnberg halt wirklich und offensichtlich übertrieben hat... und einem dann auffällt, dass erstaunlich viele (Borussia Mönchengladbach sei hier auch nochmal explizit erwähnt, die wähnen sich auch auf dem richtigen Weg, obwohl dieser Weg derzeit eher auf Platz 7 als auf Platz 4 enden dürfte...) andere Bundesligisten genau genommen auch nicht anders machen... Aber es fällt zumindest mir derzeit extrem auf.

Donnerstag, 7. März 2019

Jetzt ist es plötzlich "eine Frage des Stils"...

Es ist einfach nur faszinierend. Also wie recht der Kicker mir mit seinem Donnertags-Titelblatt gibt. Jetzt darf auch auf ein Mal ein Thomas Müller über den Bundestrainer fluchen. Klar, er macht das zivilisierter als andere... trotzdem macht er es über seine Sozialen Medien.

Dabei hätte doch gerade Thomas Müller ahnen können, was da auf ihm zukommt. Er ist schließlich seit Jahren in dem System Löw integriert. Er war dabei, als Thorsten Frings ausgemustert worden ist. Als Michael Ballack demontiert worden ist. Als Kevin Kuranyi wegen Nichtigkeiten rausgeschmissen worden ist. Und er war einer der Spieler, die Sandro Wagner auf dem Trainingsplatz trösten mussten, weil Löw seinen Lebenstraum per SMS zerstört hat. Und das, obwohl Wagner sich gar nichts hat zu Schulden kommen lassen. Wenn ihm Löw vorgehen wirklich überrascht, ist er extrem naiv. Oder wähnte sich halt auf der sicheren "Podolski"-Seite des Lebens.

Das ist vielleicht die eigentliche Nachricht: Es gibt keine Podolski-esquen Freifahrtscheine mehr. Hat ja nur 16 Jahre gedauert, bis Löw aufgefallen ist, dass das sich diese Philosophie nicht wirklich lohnt.

Ich erwähne die 4 Namen ja hauptsächlich, weil der Kicker es natürlich nicht tut. Also der Kicker schafft es dieses Vorgehen isoliert zu betrachten, anstatt mal die Perspektive etwas weiter zu stellen und zu sehen, dass Löw immer mal wieder nen Anfall kriegt und Leute scheinbar unmotiviert raus haut. Und dies dann meistens in nem ganz schlechten Stil macht. Aber der Kicker hat sich ja damals eindeutig auf die Seite von Löw geschlagen. Also gefühlt immer, aber explizit bei Sandro Wagner. Sich jetzt hinterher einzugestehen, dass einem bei kritischer Berichtserstattung schon früher hätte auffallen müssen, dass Löw ein Arschloch ist, würde ja auch bedeuten, dass man sich eingestehen muss, dass man auf kritische Berichtserstattung verzichtet hat. Und da hat keiner Bock drauf.

Und gerade im Vergleich zu Wagner hat Löw doch extreme Fortschritte gemacht. Also er hat sich bei dieser schwierigen Entscheidung extrem viel Zeit gelassen, aber als er sie dann treffen musste, hatte er den Arsch in der Hose und sie den Spielern in einem persönlichen 4 Augen Gespräch mitgeteilt. Mehr kann man nicht verlangen.

Nebenbei gibt es Bonuspunkte für den Chefreporter Oliver Hartmann, der von Müllers "Glanzjahren 2010 - 2016" schreibt. Ja, wie immer ignoriert der Kicker vollkommen, dass Müller schon bei der EM in Frankreich eigentlich grausam war. Und ja, ich verlinke explizit die Statistikabteilung von Kicker.de, die mir bestätigt, dass Wagner während der EM 4 mal die Note 4,0 oder schlechter bekam und einen einzigen Scorerpunkt sammelte. Wer dieses Turnier zu Müllers Glanzzeit hinzuzählt, hat sich offenbar nie mit Fußball beschäftigt. Aber das ist ja auch keine neue Erkenntnis.

Dass sie Überexperte Karlheinz Rummenigge jetzt darüber aufregt, dass diese Entscheidung zu einem für seinen Verein ungünstigen Moment getroffen worden ist... ich sag das mal so: Die Bayern hatten jahrzehntelang die Angewohnheit sich in für die Konkurrenz ungünstigen Momenten für deren Spieler zu interessieren. Also überlegt euch einfach mal, wie die sich derzeit über Timo Werner äußern.Und es überrascht mich echt, dass sie sich noch nicht für das eine oder andere Talent aus Dortmund interessieren... sie haben immer einen Fick drauf gegeben, ob das jetzt die Gegner stört oder nicht. Das ist echt der letzte Verein, der da Mitleid verdient.

Die ganz großen Leuchten des Expertentums nennen jetzt natürlich gleich weitere Namen, die aussortiert werden müssen... und landen da natürlich sofort bei Toni Kroos. Es ist unfassbar wie schlecht dieser Spieler in der Bewertung seiner Leistungen für Real Madrid wegkommt. Also Kroos ist halt einfach in einer anderen Kategorie als Thomas Müller. Der ist der vielleicht erfolgreichste Deutsche Vereinsspieler aller Zeiten. Besser als Franz Beckenbauer und Co, die "nur" 3 Mal die Champions League gewannen. Kroos ist jetzt schon bei 4ren. Und es ist ja nicht ausgeschlossen, dass er schon fertig ist. Kroos ist einer dieser Spieler, die sich mit Messi und Cristiano Ronaldo messen können. Oder eher mit Xavi und Iniesta, weil er halt auf einer nicht so auffälligen Position spielt. (Und ja, der einzige Grund, warum Xavi mit der Nationalmannschaft mehr Titel holte, ist der fähigere Trainer, der ihm Anweisungen gab... da kann man Kroos keinen Strick draus drehen...) Wenn er diese internationale Titelbilanz in Deutschland erzielt hätte, würden wir ihn für den größten aller Zeiten halten. Da er es "nur" im Ausland macht, fällt es uns halt nicht so auf...

Natürlich wird es spannend sein, ob Kroos den jetzt definitiv anstehenden Umbruch bei den Königlichen überlebt. Aber ausgeschlossen ist es nicht. Und natürlich hat der gerade einen "Hänger". Aber er hat auch vorher 3 Jahre in Folge die Champions League gewonnen.
Aber ihn jetzt so zu behandeln, wie Müller, dessen Hänger, je nachdem wie kritisch man ihn betrachtet, seit 2016 andauert... ist einfach absurd. Oder mit einem Boateng, der scheinbar mittlerweile einfach andere Prioritäten hat als sich komplett auf den Fußball zu konzentrieren.

Natürlich wird Kroos seine Position bei Real Madrid verteidigen müssen... oder sich bei Paris St.Germain eine neue erarbeiten. Aber im Gegensatz zu den andern 3en wird er im Sommer realistische Möglichkeiten haben seine Position in der Weltspitze zu bestätigen. Also selbst wenn er bei Madrid aussortiert wird, wird er einen neuen Verein finden, der weiterhin um den wichtigsten Titel im Vereinswettbewerb mitspielen will.
Bei Müller ignorieren alle halt seit Jahren, dass das mit ihm als Stammspieler genau genommen nicht mehr möglich ist. Und wenn ich mich als Trainer jetzt frage, wer von den beiden einer Deutschen Nationalmannschaft eher helfen kann... dann MUSS die Antwort Toni Kroos lauten.