Donnerstag, 28. Juli 2016

Das hätte alles schlimmer laufen können...

Könnt ihr euch noch an die Panik erinnern, als Mats Hummels seinen Wechselwunsch öffentlich gemacht hat? Ausgerechnet zu den doofen Bayern? Die kaufen doch die Bundesliga kaputt und und bauen ihre Dominanz dadurch weiter aus... Damit steht der Meister der nächsten 5 Jahre auch schon fest...

Ich habe ja an der Stelle gleich gesagt, dass das eine Überreaktion ist. Und argumentiert, dass dieser Wechsel sogar etwas gutes für die Bundesliga sein könnte...

2 Monate später... sieht es doch genau danach aus. Also ich weiß nicht wie es euch geht... aber ich habe mega Bock auf diese neue Dortmunder Mannschaft. Auf einen Mario Götze, der endlich wieder richtig Lust auf Fußball hat... auf einen Andre Schürrle unter seinem ursprünglichen Mentor. Auf 2 der heißesten Talente, die Europa im Offensivbereich zu bieten hat.

Dortmund ist durch den Hummels Transfer nicht wirklich schlechter geworden. Klar, Meister werden die trotzdem nicht. Also sagen wir das so: Ob die Meister werden können entscheidet sich immer noch in München. Wenn Thomas Müller seine EM Form beibehält und andere damit ansteckt, hat Dortmund ne Chance, wenn nicht, dann nicht.
Aber zuzusehen, wie sich diese Dortmunder Mannschaft finden wird... wie weit sie international für Furore sorgen kann...

Und klar, die "alte" Dortmunder Mannschaft um Hummels, Gündogan und Mhkitaryan wäre auch gut gewesen. Deswegen waren die ja alle so teuer. Aber man hätte ihr Limit halt auch irgendwie schon gekannt: Zu gut um sich für die Europa League zu qualifizieren, obwohl dies der eine Wettbewerb wäre, den man gewinnen könnte...

Das aller wichtigste an den Verpflichtungen von Emre Mor und Ousmane Dembélé (und, wo wir schon dabei sind, Breel Embolo) ist doch folgendes: Die Bundesliga ist für die größten Talente Europas ein äußerst interessanter Anlaufpunkt. Und zwar nicht nur die übergroßen Bayern, die sich beinah jeden Spieler dieser Welt leisten können... sondern auch die Vereine dahinter.

Schuld daran sind natürlich... Sami Khedira und Mesut Özil... oh und all die Talente aus der Schweiz, die am direkten Wechsel nach England gescheitert sind... Aber die beiden deutschen Nationalspieler haben halt bewiesen, dass man auch für die größten Vereine der Welt interessant sein kann, wenn man einfach "nur" bei einem guten Bundesligisten spielt.
Dass man bei diesen Vereinen aber halt auch gut ausgebildet wird... und Spielpraxis bekommt... alles Dinge, die in Manchester irgendwie wesentlich rarer gesät sind...

 Aber hey, über all das kann man ja noch in der anstehenden Bundesliga-Vorschau philosophieren... Das wirklich aufbauende ist ja... der Blick nach Italien. Dort sind sie diesen Sommer nämlich schon so weit, wie wir hoffentlich nicht kommen werden:
Der Rekordchampion holt sich 4 Wochen vorm Saisonstart den besten Spieler der Liga für 90 Millionen. Klingt verdammt nach dem Hummels-Transfer? Ja...

Ist aber sachlich gesehen ganz anders. Als erstes ist da natürlich der Zeitpunkt zu sehen: Dortmund konnte sich über mehrere Wochen hinweg auf ihre Transferoffensive vorbereiten. Sie konnten das Geld rechtzeitig verplanen und sich so mit Dembélé und vor allem Raphael Guerreiro frühzeitig und deswegen günstig spannende Spieler holen.
Guerreiro hat garantiert durch den Europameister Titel seinen Wert nach oben getrieben... den könnte Dortmund jetzt schon gewinnbringend nach England verkaufen.
Das andere, viel größere Problem: Selbst wenn man das Geld im Mai bekommen hätte... ist man immer noch Italiener... man spielt vor maroden, halbleeren Stadien... Vor Fans, die man am liebsten nach Russland oder Kroatien exportieren würde... In einer Liga, die international deutlich an Boden verloren hat...

Guckt euch einfach mal genauer an, welche Spieler heutzutage nach Italien wechseln. Spieler wie Khedira, die nach Verletzungen wieder auf die Beine kommen müssen, gehen wenigstens noch zu Juventus... als einziger ordentlicher Verein. Die anderen wie Gonzalo Higuain oder Mario Gomez sind bei den ganz großen Vereinen aussortiert worden und suchen deswegen nach Anschluss... das mag bei Higuain politisch motiviert gewesen sein. Die Grundthese bleibt die selbe:
Der letzte von großen Vereinen umworbene Spieler, der sich dann pro Italia entschieden hat, war... Aturo Vidal... Das ist jetzt auch schon wieder 5 Jahre her...

Das dritte Problem ist halt... dass Neapel jetzt einen Angreifer sucht... Und der wesentliche Grund, warum dieser Hype um die Falsche 9 aufkam... war ja, dass es halt kaum brauchbare Mittelstürmer gab... aber verdammt viele kleine und wendige Stürmer...
Als Dortmund erfahren hat, dass ihr Abwehrchef ging... war ihre erste Reaktion ein "Naja, dann macht das halt der Bender, das passt schon"... als Dortmund Robert Lewandowski verloren hat, sind sie in eine Schockstarre verfallen, die sie auf den Letzten Platz gebracht hat..
Im wesentlichen... muss der SSC jetzt hoffen, dass Mario Gomez noch Bock auf Italien hat... oder ob er aus politischen Gründen andere Ligen bevorzugt...
Das ist realistisch gesehen der einzige verbleibende (bei der EM nachgewiesene) Topstürmer, der in diesem Sommer noch den Verein wechseln wird...

Das Ergebnis ist halt nicht nur, dass der Meister in Italien quasi vor dem ersten Spieltag feststeht. Das viel schlimmere Ergebnis ist, dass die einzige andere interessante Mannschaft ihren Flair verloren hat. Und da stimme ich mit Francesco Totti überein, der den Wechsel ein "Desaster" nennt. Denn er macht die Serie A nur noch unattraktiver, als sie eh schon war... was echt eine Meisterleistung ist...

Montag, 25. Juli 2016

Wenn Sandro Wagner das am heißesten debatierte Thema ist...

Muss ganz offensichtlich Sommerpause sein... Aber ja, die Frage, ob Sandro Wagner internationale Klasse repräsentieren kann... ist die spannendste, die wir gerade haben.

Ich muss da mal ganz unsachlich das Urteil vorweg nehmen: Auf jeden Fall... also... dass Sandro Wagner zu den 5 besten Stürmern der Saison gehörte... und auch einfach deutlich besser war als die Kandidaten "Im weiteren Kreis"... ist halt die ultimative letzte Pointe dieser Saison.

Für mich persönlich war es die grausamste Bundesligasaison, die ich jemals bewusst verfolgt habe... Das Rennen um die Meisterschaft war gefühlt am 3. Spieltag beendet... Es gab kein Rennen um den Vize-Titel... Platz 3 war ebenfalls endgültig am 30. Spieltag vergeben... Platz 4 am 32...
Die einzige spannende Frage in der oberen Tabellenhälfte war... wer wird Siebter und muss damit als erster in die Europa League starten? Yeah...

Und der Abstiegskampf bestand halt aus 3 Traditionsvereinen, die sich jeweils möglichst dumm angestellt haben... von denen es am Ende aber natürlich trotzdem nur einen getroffen hat...

Am Besten wird diese Saison mit dem Titel "Das Jahr, in dem Sandro Wagner Internationale Klasse repräsentiert hat" zusammengefasst... und ja, man sollte da auch nie wieder drüber reden...

Das eine ganz große Problem ist natürlich, dass ganz viele nicht verstehen, worum es in der Rangliste eigentlich geht. Obwohl der Kicker das jedes Jahr am Anfang ein Mal abdruckt. Es geht nicht ums Potenzial eines Spielers. Also der Frage, ob Julian Weigl mal internationale Klasse als Spieler repräsentieren könnte... Es geht nicht darum, die Leistungen zu bestätigen, wie Stefan Kuntz das gerne sehen würde...
Es geht einzig uns allein darum, die Leistungen des letzten Halben Jahres zu bewerten.

Und ja, Sandro Wagner muss diese Leistungen jetzt bestätigen... wenn er Nationalstürmer werden will. Dafür muss man in diesem Land halt konstant internationale Klasse nachweisen... Immerhin hat der dafür schon mal den ersten richtigen Schritt gemacht... in dem er nach Hoffenheim gewechselt ist... da wird ihn zumindest jemand in die Nationalmannschaft schreiben wollen...
 Aber das letzte Halbe Jahr war halt wirklich herausragend. 10 Tore und 3 Vorlagen in 17 Spielen... darunter Tore gegen Bayer, die Bayern, Wolfburg und Hertha... es ist ja nicht so, dass er gegen desaströse Stuttgarter und Hannoveraner jeweils 3 Tore erzielt hätte... er hat auch gegen die richtig guten Mannschaften konstant getroffen... Und das halt mit einem eher unterdurchschnittlichen Supporting Cast...
Also ich wage mal ganz dreist zu behaupten, dass ein Robert Lewandowski in seiner derzeitigen Verfassung keine 10 Tore für Darmstadt erzielt hätte...

Dass sich nebenbei alle (also 85% der Umfragenteilnehmer) über Wagners Einstufung beschweren... aber keiner ein Problem mit Claudio Pizarro hat... der gefühlt exakt dieselbe Rückrunde gespielt hat...

Das wirklich spannende an der Debatte ist aber eine ganz andere: Für wie stark halten wir die Bundesliga eigentlich? Also die 85% halten die anscheinend für eine Gurkenliga. In der man keine Internationale Klasse nachweisen kann, wenn man für eine der 12 Gurkenmannschaften, die nicht ums Internationale Geschäft spielen oder an diesem teilnehmen, spielt. Oder zumindest mal in jüngeren Jahren gespielt hat, sie Pizarro...

Ich sag das mal so: Wenn man in einer der 3 besten Ligen der Welt ein derart überragendes Halbjahr gespielt hat... Es ist ja nicht so, dass er in Holland 10 Tore erzielt hat und jetzt vor dem Sprung in eine große Liga steht.

Kann es sein, dass Wagner dieses Niveau nie wieder erreichen wird? Durchaus. Er wäre aber garantiert nicht der erste Bundesligaprofi, der im besten Halbjahr seiner Karriere internationale Klasse erreicht hat... und davor und danach nie wieder. Ich würde spontan drauf tippen, dass Lars Ricken eine ähnliche Bilanz vorzuweisen hat...
Manchmal hat ein Spieler halt mal einen überragenden Lauf.
Und ganz ehrlich: Die Leistungen von Darmstadt und Wagner im besonderen waren das einzig wirklich (positiv) faszinierende an der letzten Saison. Keiner konnte sich erklären, wie und warum das funktionieren konnte... aber dass es funktioniert hat, konnte halt auch keiner in Frage stellen.

Jetzt kann er sich diese Rangliste (die ja auch eigentlich völlig bedeutungslos ist... außer dass wir gerne diskutieren...) zu Hause einrahmen... und seinen Kindern und Enkeln von dem einen Halbjahr erzählen, in dem er internationale Klasse repräsentierte... in einer Saison, über die man sonst eher schweigen sollte...

Montag, 18. Juli 2016

Was macht eigentlich Matthias Sammer?

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr diesen einen etwas komplexeren Gedankengang habt? Ihr euch den dann für die Sommerpause aufheben wollt... und dann von der Realität überholt werdet?

So ungefähr geht es mir, seit dem ich das Erste Mal den "Was macht eigentlich Matthias Sammer?" Gedanken in meinem Kopf hatte... Das war vor seinem leichten Schlaganfall...

Das lustige daran ist ja: Das werden einem selbst die Bayern-Spitzen nicht genau beantworten können...
Sammer ist genau genommen kein guter Manager. Die Bilanz "seiner" Transfers ist eher dürftig. Erst seit dem Michael Reschke die Scoutingabteilung übernommen hat, finden die Bayern die Kingsley Comans und nicht mehr die Sinan Kurts... Und aus dem Kurt kann noch ein richtig guter Spieler werden. Trotzdem wird er nicht als guter Transfer für die Bayern in die Geschichtsbücher eingehen...

Aber... die Bayern hatten unter seiner Führung trotzdem die erfolgreichste Phase seit den 70ern. Das mag auch an der guten Vorarbeit gelegen haben (schließlich war man schon vor Sammer nur eine verteidigte Ecke vom Champions League Titel entfernt. Mit ihm und Pep Guardiola war man nur gegen spanische Mannschaften schlagbar. Der Rest der Welt war keine Konkurrenz.

Und das wirklich faszinierende an dieser Bayern Mannschaft ist ja, dass sie nicht nachgelassen haben. 4 Jahre am Stück. Bis zu dem EM Sommer 2016 wurden sie anscheinend von dieser einen Niederlage angetrieben... oder halt... von Matthias Sammer...

Denn wenn es eines gibt, worüber kein Zweifel besteht, dann das Sammer gut im Antreiben ist. Zu gut.

Gucken wir mal auf Sammers "anderen" Karrieren.
Als Spieler war er der erste abkippende Sechser des deutschen Fußballs... lange bevor es solche Begriffe überhaupt gab. Damals nannte man das noch "Libero vor der Abwehr"... und ja, der Einfluss von Sammer lässt sich erst Jahre später wirklich erkennen... der war ein echter Visionär auf dem Rasen.
Und schon als Spieler prägte Sammer die erfolgreichste Phase in der Geschichte seines Vereins. Man muss sich überhaupt mal die Erfolge von Sammer angucken... Europameister 1996 (trotz Berti Vogts), 3 Facher Deutscher Meister mit dem VfB Stuttgart und Borussia Dortmund... oh und 2facher DDR Meister... wir wollen ja nichts unterschlagen... Und ganz im Wesentlichen: Champions League und Weltpokalsieger 1997.
Und jetzt kommt der Kicker: All das, ohne jemals für die Bayern gespielt zu haben. Sucht mal einen weiteren Spieler raus, der ohne das Bayerntrikot auf 3 Deutsche Meisterschaften und den Landesmeisterpokal kommt. Lasst uns just for fun den Uefa Cup noch dazu nehmen. Da wird es vielleicht ein paar Borussen um Jupp Heynckes und Berti Vogts geben. Aber selbst der überragende Günter Netzer fällt nicht in diese Kategorie.
Viel wichtiger: seit den 70ern und der Ausnahmegeneration der Gladbacher... gibt es keinen deutschen Profi, der eine vergleichbare Bundesligakarriere hingelegt hat. Und das muss man nicht mal googlen, das kann man einfach so behaupten. Man beweise mir das Gegenteil...

Und jetzt kommt der nächste Kicker: Matthias Sammer war gar nicht so überragend. Also das war schon ein guter Fußballer, aber kein Lionel Messi... trotzdem gewann er als letzter Deutscher den Ballon d'Or. Als einer von 2 Defensivspielern in den letzten 25 Jahren.
Sammer war halt schon als Spieler ein Besessener. Ein krampfhaft vom Erfolg Besessener. Man muss sich einfach nur noch mal vor Augen führen, wie Sammer die Mannschaft 96 zum Europameistertitel getrieben hat. Eine Mannschaft, die am Ende (Zufall?) mehr verletzte als fitte Spieler hatte...
Er war die Art Spieler, die für das erreichen der Sportlichen Ziele auf nichts Rücksicht nahm. Das bekamen teilweise Mit- und Gegenspieler oder die Schiedsrichter zu spüren (Motzki Sammer wäre zu einem epischen Meme geworden, wenn es damals schon Social Media gegeben hätte...). Vor allem aber bekam es der eigene Körper zu spüren.
Der 4.10.1997 sollte eigentlich ein ganz normaler Bundesligaspieltag gewesen sein... zumindest war nicht davon auszugehen, dass an diesem Tag etwas besonderes passieren würde... Weil halt noch keiner wusste, dass Sammer ausgerechnet in Bielefeld das letzte Bundesligaspiel seiner Karriere absolvierte. Einen Monat nach seinem 30. Geburtstag.
Danach hat er sich zwar noch 2 Jahre lang durch die Reha geschunden (weil der Profi Sammer halt auch nicht anders konnte...), aber am Ende hat sein Kapital also der Körper nach gefühlt unzähligen Knieoperationen aufgegeben.
Und ja, am Ende waren es die Keime, die Sammer sich bei einer Operation eingefangen hat. Aber nur um mal zu verdeutlichen, dass Verletzungen und Operationen keine Ausnahme in seiner Karriere waren: Seit seiner Debüt-Rückrunde bei Borussia Dortmund absolvierte Sammer nicht ein Mal 30 Bundesliga Spiele ein einer Saison. Weil er seinen Körper immer so weit ans Limit trieb, dass dieser sich Verletzungspausen gönnen musste.

Das wirklich faszinierende war allerdings... dass das mit den Verletzungen als Trainer nicht besser wurde. Weil er halt die Spieler so geschunden hat, wie er es von sich selbst gewohnt war. Ging ja auch sehr erfolgreich los. Nachdem er 2000 über Nacht zum Co-Trainer aufstieg, sicherte er sich erst die Klasse und wurde danach 2002 zum jüngsten Meistertrainer aller Zeiten. Und Julian Nagelsmann muss sich echt ran halten, wenn er den Rekord knacken will... wahrscheinlicher ist, dass das einer für die Ewigkeit ist... Es übernehmen halt nur ganz selten Mannschaften mit 34 eine Mannschaft mit diesem Potenzial. Oh und "nebenbei" führte er Dortmund ins Uefa Cup Finale... Ein aufsteigender Stern am Trainerhimmel...

Aber es zeigte sich auch die hässliche Seite von Sammers Intensität. Die letzten Jahre als Borussen Trainer sind bei mir als die Jahre der Kreuzbandrisse. Am Besten dargestellt durch dieses Tor von Otto Addo, dass er direkt nach dem sich sein Kreuzband verabschiedet hat, erzielte...
Natürlich findet man dazu keine ordentlichen Statistiken. Man findet nur ein Artikel, in dem nebenbei erwähnt wird, dass sich Thorsten Frings UND Evanilson in einem belanglosen Spiel der Vorbereitung 2003 jeweils das Kreuzband gerissen haben... Und gefühlt ging bei Addos Kreuzbandriss ein "Nicht schon wieder" und "nicht noch einer" durch die Deutschen Wohnzimmer...
Dazu kommen die 13 Monate Pause vom Kapitän Christoph Metzelder in genau dieser Saison. Eine derartige Häufung von schweren Verletzungen kann auch einfach kein Zufall sein...
Ich muss zugeben, dass ich irgendwie dachte, dass Sammer mehr als eine richtig Böse Knieoperation in seiner aktiven Karriere hatte, weil er als Trainer ständig mit diesem Problem konfrontiert worden ist...
Sammer forderte halt als Trainer eine Intensität, die er als Spieler vor gelebt hat... Die aber auch einen extremen Verschleiß mit sich bringt. Und er scheiterte als Dortmundtrainer an genau den selben Problemen wie als Dortmund-Spieler: Operationen am Knie.

Und Sammer hat das ja anscheinend nach seiner 2. Station in Stuttgart (wo er nach einer Saison entlassen worden ist) selber gemerkt. Anders ist es eigentlich nicht zu erklären, dass er als eigentlich aufstrebender Meistertrainer mit 38 Jahren effektiv seine Trainerkarriere beendete...

Und sich für einen entspannten Schreibtischjob entschied... was nebenbei schon sein Mentor Ottmar Hitzfeld zwischenzeitlich so gemacht hat.
Natürlich war der erste Schreibtischjob auch zu entspannt. Und ein Sammer hatte dort zu wenig Einfluss, weil er halt ständig gegen die Clique um den unantastbaren Jogi Löw ankämpfen musste...
Also wechselte er auf den perfekten Posten für ihn: Er sollte beim FC Bayern eigentlich einfach nur seine Intensität vorleben... ohne dabei die Spieler kaputt zu machen.
Und ja, Sammer ist einer der wenigen Menschen, denen ich glaube, dass sie ihren Job buchstäblich 24 Stunden 7 Tage die Woche machen. Denn am Ende füllte Sammer diesen Job so lange aus, bis mal wieder der eigene Körper aufgab... dieses Mal mit leichten Hirnblutungen...

Es entsteht da ein gewisses Muster. Was wirklich tragisch ist. Denn ich hätte den Spieler Sammer gerne noch 4 Jahre lang gesehen. Und der Junge Trainer hatte auch vielversprechendes Potenzial.
Die Arbeit als Manager im gemachten Nest ist natürlich schwer zu bewerten. Aber es kann durchaus sein, dass Sammers Einfluss auf die Mannschaft erst deutlich wird, wenn er auf ein Mal nicht mehr da ist...
Alles in allem ist Sammer eine der faszinierendsten Persönlichkeiten im Deutschen Fußball... aber leider muss man an der Stelle wahrscheinlich sagen: gewesen. Denn Sammer ist halt auch zu intelligent um den Zusammenhang zwischen seiner Einstellung und den Reaktionen der Körper zu ignorieren. Deswegen würde mich ein Comeback bei einem anderen Verein echt überraschen.

Donnerstag, 14. Juli 2016

Die EM ist unser Kriegsersatz

Jetzt, wo der Spaß endlich vorbei ist, ohne dass jemand das Spielfeld zu einem echten Schlachtfeld umgebaut hat... kann man das ja mal sagen.

Man kommt ja in diesen Tagen nicht darum herum sich Gedanken über Europa zu machen. Den Briten sei Dank muss man sich dabei auch gleich um die EU kümmern...

Und bei der Gelegenheit... kann man die Integrative Kraft des Fußballs ja auch mal anders ausleben.

Wisst ihr, was ich den Brexit Gegnern am aller ehesten Vorwerfe: Dass sie es nicht geschafft haben, die EU als Friedensnobelpreis in den Vordergrund zu stellen. Und ja, ich weiß, die verkaufen eigentlich zu viele Waffen... aber sie haben sich das Ding trotzdem verdient.

Nehmt einfach mal die 7 Gründerstaaten der EWG. Und rechnet, weil es da dann lustiger wird, nochmal England mit drauf, auch wenn die erst 1973 offiziell mit eingetreten sind. Und jetzt sucht mal in der Geschichte 30 Jahre, in denen sich Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Belgien, Italien und England nicht aufs Maul gegeben haben... oder deren Vorgängerinstitutionen... und ja, da kann man entspannt bis zum römischen Reich zurückverfolgen... man wird kaum 30 Jahre finden.

Durchschnittlich haben sich unsere Vorfahren 2 Mal pro Lebensspanne gegenseitig bekämpft. Krass oder? Wir Europäer brauchen das anscheinend. Das wir uns ein Mal alle 30 Jahre prügeln, liegt in unserer DNA...
Mein Mitbewohner studiert ja Geschichte und von dem kommt der Satz, dass die Nationalmannschaftsspiele unsere Version des Krieges sind. Und der konnte mir ohne nachzuschlagen zu jeder Ansetzung der EM mindestens einen Krieg aufzählen...
Und ich so: Erzähl doch nicht, England gegen die Schweiz... die letzteren waren doch immer neutral... Und tatsächlich findet man die Guglerkriege... Und ja, wenn ich euch die Liste an Schlachten, die selbst das kleine und angeblich immer neutrale Schweiz geführt hat, wird euch schlecht...
England hat dagegen... gegen 22 Nationen auf der Welt keinen Krieg geführt. Und das auch nur, weil wir Andorra und Monaco als Nationen zählen...

Um mal 2 Beispiele zu nennen, wie absurd wir das mit dem Kriegstreiben übertrieben haben... In den Genfer Konventionen wurde irgendwann extra festgeschrieben, was man auf europäischen Boden alles im Krieg nicht machen darf... Und jetzt kommt der lustige Teil: Als sich alle schon einig waren, dass diese Regeln eingeführt werden müssen, wurden sie trotzdem noch ein paar Jahre aufgeschoben... weil man vorher nochmal ordentlich und gewissenlos Krieg führen wollte...

Das 2. genau so absurde Beispiel ist das Ende des ersten Weltkrieges. Danach waren sich eigentlich alle einig, dass man ein derart industrialisiertes Morden nie wieder erleben will. Und dann dauerte es unfassbare 21 Jahre bis ein noch viel schlimmerer Krieg angefangen wurde...

Man muss sich echt mal bewusst werden, wie Blutdürstig wir vor der Gründung der EWG waren. Und da muss auch kein europäischer Staat mit dem Finger auf andere zeigen, die nehmen sich da alle nicht viel. Ich selber bin 85er Jahrgang. Ich kenne also zumindest die letzten Auswirkungen des Kalten Krieges als letzter Konflikt im Herzen Europas. Wenn auch hauptsächlich aus Geschichten, aber diese haben bei mir wenigstens einen Realen Bezugspunkt. Ich kenne halt noch Menschen, die an der Deutsch-Deutschen Grenze ihren Militärdienst abgedient haben. Da kriegt das gute alte "Alle Soldaten wollen nach Haus" eine ganz neuen Bezug... Oder Menschen, die eine absurd lange Stasi-Akte haben. Oder Menschen, die sich vor der Wende Richtung Westdeutschland abgesetzt haben...

Die Generation die jetzt 16 ist, wird die erste europäische sein, die keinen Krieg im eigenen Land kennt. Und keine geschlossenen Grenzen. Also aufs Herz Europas bezogen, dass das ganze in Jugoslawien und der Ukraine anders aussieht, ist mir bewusst. Aber das ist eine riesige Leistung der EU... Man sollte auch niemals vergessen, wo wir als Europäer herkommen.

Aber, und da kommt jetzt endlich der Bogen: Auch des Fußballs. Denn 3 Jahre, nach dem allen bewusst wurde, das untereinander jetzt Krieg führen verdammt kompliziert wird... gab es das erste Kontinentale Kräftemessen in unserem allseits geliebten Volkssport. Natürlich war das nicht der ursprüngliche Plan... aber wir hatten damit wieder einen König von Europa. Und dieser Titel, auch wenn er gerade fest in der Hand der iberischen Halbinsel ist, wird seit dem munter herumgereicht.

Und ja, wir nehmen den Fußball viel zu wichtig. Man muss sich nur mal anschauen, welchen Einfluss das "Wunder von Bern" auf das Deutsche Selbstbewusstsein hatte... als "Geburtsstunde der Bundesrepublik Deutschland". Ja, wir übertreiben es da sehr gerne.

Und ja, bei so einem großen Turnier geht es auch immer darum, etwas fürs Nationale Bewusstsein zu machen.
Wenn ihr jetzt behauptet: Der übertreibt doch vollkommen... darum geht es doch gar nicht... wir haben doch die Jubelarien der Isländer und Waliser viel zu sehr genossen, als dass du uns da jetzt einen Vorwurf machen kannst... Dann haben halt die dieses Mal mehr für ihr Selbstbewusstsein getan als wir. Man kann ja nicht jedes Mal selber dran sein, manchmal muss man halt zugucken, wie andere ihren Moment haben...

Geht aber mal ehrlich in euch: Wie oft ist um den 9.7. in eurem Umfeld das Wort "Diese Drecksfranzosen" gefallen? Vielleicht auch in abgeschwächter vorm... aber auf jeden Fall mit dem "WIR müssen DIE unbedingt schlagen"... oder dem "Es ist unfassbar, dass WIR gegen DIE verloren haben"... Und ja, Frankreich war die eine Nation, die wir seit 1939 immer erst Mal platt gemacht haben, wenn es denn los ging... Wie konnte uns DAS denn jetzt passieren?

Und ja, das ist auch alles ziemlich Harmlos. Ich will euch gar kein schlechtes Gewissen einreden. Früher hatte ich ja gerade mit dem während der Turniere aufkommenden "Party-Patriotismus" echte Probleme. Mittlerweile habe ich erkannt, dass es uns gut tut diese Ventil zu haben, in dem man das alles noch mal rauslassen kann...
Denn wenn man da nicht mal den Druck runter lässt, staut sich der in 30 Jahren ganz gewaltig auf...

Eine Europameisterschaft ist für mich ein riesiges Volksfest. In dem aber auch ganz deutlich die Unterschiede gefeiert werden.
Zum Glück haben wir nach den ersten furchtbaren Tagen mit Reichsflaggen und Straßenschlachten auch noch die Kurve bekommen und das ganze friedlich und harmonisch gestaltet. Und ja, da gab es mehr als genug großartige Videos.
Trotzdem... wird niemand auf die Idee kommen zu sagen "Das waren europäische Fans." Sondern es werden immer die Iren bleiben, die am großartigsten sind... Die sich gleichzeitig schon von den Nordiren abheben.

Denn so sehr ich die Idee eines friedlichen und einheitlichen Europas schätze (die ja nicht nur wegen des Brexits auf der Kippe stehen könnte... es brennt an ganz vielen Stellen, guckt euch einfach nur die Wahlergebnisse der AfD an...). Es wird für mich die ein kulturell einheitliches Europa geben. Weil das bedeuten würde, dass wir alle unsere kulturellen Eigenheiten aufgegeben hätten...

Um diesen Beitrag mit ganz viel Pathos zu beenden: Der Fußball hat das geschafft, woran die religiöse Grundordnung des Katholizismus, die befreienden Gedanken der Aufklärung und das industrialisierte Morden des 1. Weltkrieges gescheitert sind: Dass wir endlich einen ordentlichen und angemessenen Rahmen haben, in dem wir uns alle 4 Jahre aufs Maul geben können...

Montag, 11. Juli 2016

Wir haben einen angemessenen Europameister.

Und der hat sich sogar bemüht... nicht stets aber wenigstens ab und zu.

Das ist doch das wichtigste...

Und hey, die These dass Portugal in jeder anderen Sportart schon in der Vorrunde gescheitert wäre, kommt nicht von mir sondern steht so auf Kicker.de...

Das aller lustigste an dieser EM ist ja: Es ist noch nie ein Superstar so zum Sieg mitgeschleppt worden, wie Cristiano Ronaldo. Klar, der Junge hat das auch mal verdient... aber boah...
Also dass er ab der 110. Minute das erste Mal aktiv am Spiel gegen den Ball teilnimmt... als ausgewechselter Spieler hat der also mehr für die Defensive seiner Mannschaft getan als in all den Minuten zuvor auf dem Platz...
Und jetzt kommt das aller lustigste: Ohne die Verletzung von Ronaldo... wäre der Siegtorschütze Eder gar nicht in der 78. Minute eingewechselt worden... Dann wäre nämlich erst Mal Ricardo Quaresma dran gewesen... Es ist unvorstellbar, wie krass Ronaldo seiner Mannschaft durch seine Auswechslung geholfen hat...
So ist Portugal jetzt mit statistisch gesehen einen einzigen Sieg Europameister geworden... irgendwo sitzt Otto Rehakles und denkt sich: Da waren wir ja überzeugender...

Aber fest steht natürlich: Portugal hat dieses Finale nicht gewonnen... sondern Frankreich hat es verloren. Verdient verloren.

Klar, Frankreich war die bessere Mannschaft. Und hatte auch die klareren Chancen. 2 Kopfbälle von Griezmann, der Abschluss von Sissoko im Strafraum, der Pfostentreffer von Gignac. Das Problem, dass ich mit diesen Chancen hatte: So absurd das klingt: Sie waren jeweils Überraschungsmomente... und keine Konsequenz.
Was meine ich damit? Nun ja, zwischen den Chancen passierte immer 20 Minuten lang nichts. Klar, das liegt auch daran, dass Portugal die am besten verteidigende Mannschaft des Turniers war. Frankreich als beste Offensive schaffte es aber nicht, konstant Druck auf sie aufzubauen. Und es fehlte gerade mit zunehmender Spieldauer die Überzeugung in den Aktionen.
Hier stellt man halt auch den Unterschied zwischen Didier Deschamps und Fernando Santos fest. Der Portugiese brachte progressiv und sehr früh (also in der 78. Minute) einen frischen Stürmer. Obwohl er wusste, dass er danach nicht mehr wechseln konnte.
Deschamps... gab das Zeichen zum Aufbruch erst nach dem Führungstreffer durch genau diesen frischen Stürmer.
Ich saß schon in der letzten Pause des Turniers da und habe lauthals geflucht, dass er JETZT Martial bringen muss. Für Sissoko oder Pogba. Denn die Portugiesen gewinnen das Ding entweder über eine dumme Standartsituation (da waren sie dicht dran)... oder über eine absurde Einzelaktion. Für beides brauchst du keine Doppelsechs... und beides verhinderst du am progressivsten, in dem du den Gegner in der eigenen Hälfte beschäftigst.
Klar, das wäre mutig gewesen... aber warum sollte man nicht auch mal mutig wechseln? Hat der Portugiese doch auch gemacht...

In meinen Augen hat Frankreich das Spiel verdient verloren. Was natürlich auch daran liegt, dass sie sich der beliebtesten Kreisklasse-Taktik der Welt bedient haben. Wie jetzt, die haben einen richtig guten Spieler? Den treten wir doch erst Mal geschickt kaputt. Und ja, beim Einsteigen von Dimitry Payet ging es ihm genau darum. Ronaldo zu zeigen, dass ihm das Spiel heute weh tun wird...
Also nicht, dass er ihn wirklich verletzten wollte. Aber dass Ronaldo danach behandelt werden muss, nimmt er in Kauf. Um ihn ein deutliches Zeichen mitzugeben.

Aber hey... für Frankreich als Nation hat sich das Turnier trotzdem gelohnt. Allein schon weil sich alle Motten aus dem Pariser Umfeld jetzt in dem einen Stadion getroffen haben. Das wird deren Alltag angenehm entspannen...

Ich frage mich ja, wie dieses Event aus Mottensicht in die Geschichte ihres Volkes eingehen wird. Nach dem Motto: Treffen sich 2 Motten in Toulouse... da fragen die sich als erstes, ob sie eigentlich damals im Stade de Fracne dabei waren. Beide behaupten natürlich "JA, natürlich!", weil dieses Festival der Motten durch die Mundpropaganda quasi Religiösen Status erreicht hat, so dass man sich als Motte gar nicht mehr leisten kann zu sagen "Verdammt, das habe ich verpasst..."
Ähm ja... das Spiel gestern war im wesentlichen so spannend, dass man sich über so was Gedanken machen konnte...

Freitag, 8. Juli 2016

Es ist unfassbar, wie viele Serien diese Deutsche Mannschaft durchbrochen hat...

Positive wie negative...

Am Ende blieb eigentlich nur die eine Serie bestehen: Wenn Jogi Löw bei einem Turnier antritt, kommt er immer mindestens bis ins Halbfinale...

Drum herum... hat sich so ziemlich alles verändert...

Das Beste vorne weg: Wir haben Italien geschlagen sind zumindest gegen Italien nicht ausgeschieden. Um mal was völlig absurdes festzustellen: Italien kann immer noch behaupten, dass sie gegen die Deutsche Nationalmannschaft bei großen Turnieren ungeschlagen ist. Denn technisch gesehen wird dieses Spiel als unentschieden gewertet.
Aber eines lässt sich nicht leugnen: Deutschland ist weiter gekommen und Italien ist ausgeschieden. Zum ersten Mal im 9. Versuch.

Aber selbst beim brechen dieser Serie... brachen die die nächste: Zum ersten mal nach 22 Treffer in Serie verschoss ein Deutscher bei einem Elfmeterschießen. Das muss man sich mal vorstellen: 4 Elfmeterschießen in Folge ohne eine einzige Fahrkarte... Da wird einem auf ein Mal auch bewusst, warum Deutschland bei Elfmeterschießen als unschlagbar gilt... was einem wieder zu der Frage bringt, warum Antonio Conte bei seinen Wechseln voll auf diese Karte gesetzt hat...

Die letzte völlig absurde Statistik druckte dann der Kicker als Statcurse am Donnerstag ab: Das letzte Mal, dass man bei einem großen Turnier gegen den Gastgeber verlor, war 1966... So was passiert dir als Deutscher alle 50 Jahre mal... Um das mal zu relativieren: Weltkriege haben wir in einer höheren Frequenz verloren...
Und es ist ja nicht so, dass "wir" durch unser absurdes Losglück den Gastgebern aus dem Weg gegangen wären... 9 Duelle in Folge gingen an Deutschland. Dieses ominöse "Wir" war so ziemlich das einzige, vor dem man als Gastgeber wirklich Angst haben sollte... nicht erst seit diesem legendären 7:1 gegen Brasilien...

Wenn man sich derartige Statistiken anguckt... wird einem bewusst, warum Deutschland überall als Turniermannschaft gilt... und warum man selbst in den schwachen Jahren nicht gegen die antreten wollte...

Aber diese Elf hatte ja eine entscheidende Schwäche: Den unmotivierten Einsatz der Hände... Wir hatten 2 eigentlich absurde Handelfmeter... also dass man als Deutscher Nationalspieler so mit der Hand zu Werke geht, ist schon lächerlich...
Und wir hatten Manuel Neuer, der die Hände, obwohl er dies gedurft hätte, nicht in letzter Konsequenz nutzen wollte...
Gerade Neuers Patzer... war wirklich faszinierend. Ich bin ja immer entsetzlich ruhig, wenn der Neuer eine Parade zeigen muss. Ich gehe gerade zu davon aus, dass er die eigentlich unhaltbaren hält... aber ich wusste irgendwie auch immer, dass seine Riskante Interpretation des Torwartspiels seiner Mannschaft irgendwann teuer zu stehen kommt. Eigentlich hätte das im WM Finale mit nem Platzverweis passieren sollen... aber der Reihe nach...
Und Neuer will den Ball halt fangen und wieder ins Spiel bringen. Wenn er den einfach weg faustet, passiert da nichts und Deutschland kann weiterhin auf den Ausgleich gehen... so ist das Ding dann halt durch.

Das wirklich faszinierendste für mich an diesem Spiel ist allerdings... wie die Fans einer Mannschaft die Realität ignorieren. Da kann ein Bela Rethy im Livekommentar nach 30 Sekunden anerkennen, dass der Elfmeter korrekt ist... Und auf ein Mal merken alle, dass der inkompetent ist... Und fluchen trotzdem weiterhin auf den Schiedsrichter.

Hinterher bescheinigt der Kicker Niccola Rizzoli ein gutes Spiel... und ich lese trotzdem auf meinem Facebook Account von sonst sachlichen Leuten, dass wir ja verpfiffen worden sind.
Das ist ja auch das tolle am Fanatismus: Da kommt man mit Logik einfach nicht gegen an. Und ich muss ja an der Stelle auch offen zugeben: Ich beneide diese Leute. Weil mir bei aller Liebe zum Fußball diese bedingungslose Hingabe für eine einzelne Mannschaft echt fehlt.

Donnerstag, 7. Juli 2016

Können wir uns darauf einigen, dass Gareth Bale der Beste Spieler dieses Turniers ist?

Und vor allen Dingen: Können wir uns genau so aufregen, wie 2014, als es Lionel Messi und kein Deutscher geworden ist, falls die jemand anderen wählen? Alles andere... wäre bigott

Und ja, der einzige ernst zu nehmende Konkurrent ist Antoine Griezmann... alle anderen Spieler sind außen vor.

Ich muss zugeben: Ich war lange nicht mehr so von einer Einzelleistung begeistert wie gestern Abend. Gerade weil es kein überragendes Spiel von Bale war... aber er eine überragende Einstellung gezeigt hat.
Es gab halt kein Aufstecken. Kein Kopf hängen lassen. Kein gestenreiches Beschweren über Gott und die Welt, die Schiedsrichter und Mitspieler...
Stattdessen war er wirklich überall zu sehen. Ließ sich teilweise zwischen die eigenen Innenverteidiger zurückfallen um das Spiel anzutreiben und den Ball selber nach vorne zu bringen.
Klar, die eigenen Versuche wie der Schuss in der 80. Minute rochen ein wenig nach Verzweiflung. Aber Bale kann wenigstens behaupten, dass er vorher alles andere probiert hat.
Und im Gegensatz zu einem Zlatan Ibrahimovic oder Cristiano Ronaldo, bei denen die Versuche sich in die Balleroberung einzuschalten immer irgendwie hilf- und planlos aussehen, weiß ein Bale als gelernter Linksverteidiger halt auch noch, wie man an der Außenlinie einen Gegner abgrätscht. Ganz großes Kino.

Bale hat halt bei diesem Turnier nachgewiesen, dass man sich als überragender Einzelkönner in eine unterdurchschnittliche Mannschaft einordnen kann... und diese dadurch auf ein für sie völlig absurdes Niveau heben kann.
Man braucht als Superstar gar keinen absoluten Sonderstatus. Man muss gar nicht seine 9 Feldspieler permanent für sich laufen lassen, damit man den einen genialen Moment auspacken kann...
Diese Variante kann auch durchaus erfolgversprechend sein, wie der andere Superstar mit seinem Kopfball, den man praktisch einfach nicht verteidigen kann, nachgewiesen hat. Bales Ansatz bei diesem Turnier ist für mich trotzdem der sympathischere...

Ohne Bale hätte Wales sich nicht mal für dieses Turnier qualifiziert. Ohne den ebenfalls ganz starken Aaron Ramsey und ihn hätte man nie Belgien aus dem Weg geräumt... Damit ist Bale auf jeden Fall der wichtigste und prägendste Spieler dieser EM.

Da liegt halt auch der entscheidende Unterschied zu Griezmann. Denn sein wir ehrlich: Frankreich hätte auch ohne den Wege gefunden, das Halbfinale zu erreichen.

Ich habe mich gestern wirklich die letzten 15 Minuten zurück gelehnt und genossen, wie Bale aufgetreten ist. Und das ist mir wirklich lange nicht mehr passiert.