Donnerstag, 30. Juli 2015

Saisonvorschau: Hertha BSC Berlin

Ausgangslage: Wie lange kann ein Dead Coach Bounce eigentlich anhalten? Hertha's Komplette Strategie scheint auf "Hoffentlich möglichst lange" ausgelegt zu sein.
Und ja, Pal Dardai hat die Mannschaft erst Mal stabilisiert. Aber sein wir ehrlich: So wie das Verhältnis zwischen den "Stars" und Jos Luhukay gewesen sein muss, hätte selbst ein Wischmob diesen Effekt gehabt.
Aber vor allen Dingen... hat Dardai auch einfach nicht mehr gemacht. Am 27. Spieltag hatte man mit einem Sieg gegen Paderborn den Klassenerhalt so gut wie sicher. Schließlich hatte man 7 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Da hätte man ja schon mal anfangen können, an all den schönen Dingen, von denen Dardai so spricht, zu arbeiten... also mehr Ballbesitz, mehr Tempo, mehr Torchancen...
Stattdessen... gewann man keines seiner letzten 7 Partien... Euer Retter startet also mit einer Serie von 7 Sieglosen Spielen in die Saison. Wisst ihr, wer seinen Verein auf ähnliche Weise gerettet hat? Robin Dutt Werder Bremen in der Saison 2012/13. Dieses Vorbild war nach 9 weiteren sieglosen Spielen entlassen... Ich muss zugeben, dass ich Dardai einen ähnlichen Werdegang zutraue...

Wer soll's richten? Da geht das Problem ja schon weiter... Michael Preetz halt. Und wenn der eines eindrucksvoll nachgewiesen hat, dann das er nur bedingt dazu in der Lage ist, mit bescheidenen Mitteln ein bundesligataugliches Team aufzustellen... Wenn er das könnte, wäre die Hertha nicht unter ihm schon 2 mal abgestiegen.
Vor allem, dass sie jetzt darauf setzen, dass die de facto Fehleinkäufe wie Salomon Kalou dieses Jahr besser werden...
Die einzigen relevanten Verstärkungen sind Vladimir Darida und Mitchell Weiser: Der eine ist gerade als Führungsspieler abgestiegen, der andere hat nachgewiesen, dass er in einer hervorragenden Mannschaft durchaus (in belanglosen Spielen) mitlaufen kann... wenn es für ihn selbst quasi im alles geht, weil der Vertrag ausläuft. Von beiden muss die Hertha jetzt irgendwie erwarten, dass sie vorne weg marschieren. Denn wenn sie es nicht tun, wird das eine richtig harte Saison werden...
Dass man dann auch noch den erklärten Wunschspieler des Trainers (den er zufällig auch in der Nationalmannschaft trainiert hat) verpflichten will... ich würde einem Dardai ja nur bedingt solche sogar recht teuren Wünsche erfüllen...

Wen werden sie vermissen? Das ist ja der große Vorteil an einer eigentlich absoluten aber doch nicht total enttäuschenden Saison: Hinter laufen einem nicht die Leistungsträger weg. Das viel größere Problem: Eigentlich würde man gerne noch viel mehr Spieler vermissen, die sind aber alle noch da. Was dann dazu führt, dass man die gesamte Vorbereitung über mit Abfindungsverhandlungen beschäftigt ist, damit man die Spieler wenigstens halbwegs los wird. Konstruktives Arbeiten sieht für mich irgendwie anders aus...

Leischtungschträgscher: Alles bleibt am Ende an Michael Preetz hängen. Und ja, ich bin weiterhin nicht davon überzeugt, dass der ein guter Bundesligamanager ist. Die Hertha hat aber ein ganz großes Problem: Er ist halt auch die Vereinsikone schlecht hin. Der Rekordtorschütze der Berliner... und wenn er das nicht wäre, wäre er auch schon längst weg... eines ist ziemlich sicher: Beim nächsten Abstieg ist er es. Aber genau genommen müsste die Hertha ihn entlassen, um diesen Abstieg zu verhindern... Das werden sie aber nicht tun. Ein Teufelskreis.

Best Case Szenario: Bereits um 15:45 ist es allen ziemlich klar: Das wird so nichts. Zumindest heute nicht. Und wohl auch nicht langfristig. Schließlich liegt man in Augsburg nach 15 Minuten 0:3 zurück... ein Nürnberg-esquer Start sozusagen. Und genau so sehen auch die Konsequenzen aus. Mit dem Duo Andreas Rettig und (ab dem 8. Spieltag) Thomas Schaaf wird die Mannschaft aber zumindest stabilisiert. Und mit klugen Wintertransfers so weit gestärkt, dass man wirklich von einer Entwicklung sprechen kann. Die danach stetig anhält. Im Jahr 2023 startet man dann erstmals seit Ewigkeiten in der Champions League... und das ohne deswegen durchzudrehen. Im Jahr 2031 wird man dann zum ersten Mal seit 100 Jahren Meister...

Worst Case Szenario: Das Blinde Huhn und das Korn. Wer das Huhn ist, sollte offensichtlich sein, das Korn ist jedenfalls Dardai. Der lässt in seiner 2. Saison brillanten Tempofußball spielen... der Rest der Liga ist davon genau so geschockt wie Preetz. So wird Hertha völlig überraschend Wintermeister... und Preetz in genau diesem Winter zum Präsidenten gewählt. Das ist doch genau der Moment, zuzuschlagen und die sicheren Champions League Millionen zu investieren... in Rafael van der Vaart, der für 10 Millionen kommt...
 Nach einer normal sterblichen Rückrunde beendet die Hertha die Saison auf Platz 7, Dardai wird Pep Guardiolas Nachfolger und Preetz ist unkündbar... vdV ist dafür unverkäuflich...

Mittwoch, 29. Juli 2015

Saisonvorschau: Hamburger SV

Ausgangslage:
Ok, ich will ganz ehrlich sein... ich habe keinen Bock auf diese Vorschau. Und jeder Hamburg sollte an dieser Stelle aufhören zu lesen.

Ernsthaft, letzte Warnung...

Denn sein wir ehrlich: Es gibt 17 Vereine, die es zu 100% verdient haben, Bundesliga zu spielen. Und es gibt Hamburg. Diesen Drecksverein, der sich dennoch Dino nennen darf. Der als einziger unabsteigbar ist...
Und boah, musste da dieses Jahr nachgeholfen werden...

Am 32. Spieltag erzielt der HSV den vielleicht entscheidenden Ausgleich... in der Nachspielzeit. Und eins steht mal fest: Den kleinen Pissvereinen aus Braunschweig und Paderborn wäre das Einsteigen gegen den Torwart definitiv abgepfiffen worden... völlig zurecht. Dass der SC Freiburg hinterher auch noch einen Elfmeter hätte bekommen müssen, kann man schon fast ignorieren (da auch Hamburg einer verweigert worden ist...)

Am 34. Spieltag trifft man dann auf Schalker im "Eigentlich hätten wir gerne einen anderen Trainer" Modus... zugegeben, so haben sie de facto seit dem Ausscheiden gegen Real Madrid gespielt und das Paderborn das nicht nutzen konnte, ist deren eigene Schuld... Aber wenn die Schalker für ihren Trainer gespielt hätten...

Vor allem: Ohne diese beiden Ereignisse landet der HSV nicht auf den Relegationsplatz... der schon an sich was den Wettbewerb betrifft eine eher fragliche Veranstaltung ist. Wer nachdem er gegen jeden 2 Mal gespielt hat 3. Letzter ist, hat den Abstieg einfach mal verdient... aber hey, wir müssen den HSV ja retten... zum 2. Mal in Folge...

Und wie sie das geschafft haben... einfach nur erbärmlich: In der 70. Minute dringt Reinhold Yabo in den Strafraum ein... und wird dort von Johann Djourou am Fuß getroffen... Yabo ist aber ein absoluter Vollidiot ein fairer Sportsmann und lässt sich nicht fallen. Unsere Schiedsrichter sind aber leider so trainiert, dass sie nur pfeifen, wenn Spieler theatralisch fallen... Obwohl man das eigentlich im Sinne der Regeln gar nicht muss... und ja, wenn dieses Jahr die Stürmer bei jeder kleinen Berührung umfällt... denn der Dumme wird ja für seine Fairness bestraft...
Und ja, wenn Yabo es auf den Elfmeter anlegt, liegt Hamburg in der Relegation im eigenen Stadion mit 0:2 zurück...

Aber selbst das reichte ja noch nicht... Im Rückspiel brauchte man wieder die Hilfe der Schiedsrichter. Die einen in der Nachspielzeit einfach mal einen höchstens fragwürdigen (und das auch nur, wenn man die HSV Brille auf hat) Freistoß pfeifen, der zum 1:1 verwandelt wird.

Und ja, der Sportlich legitime und faire Wettkampf namens Bundesliga wurde durch diese Pfiffe ad absurdum geführt. Und diese Entscheidungen waren genau die, wegen denen ich immer gegen die Relegation war: Da hängt die Ligazugehörigkeit auf ein Mal von der Interpretation des Schiedsrichters ab...

Aber ja, der HSV ist immer noch Bundesligist... und da sich Arschlöcher gerne zusammen tun, haben sie auch noch Emir Spahic verpflichtet... und die DFL? Belohnt sie auch noch... anstatt sie am Sonntag um 1 gegen Darmstadt starten zu lassen, dürfen sie am Freitag in München die Saison eröffnen... als offizielles "Ja, wir mussten nachhelfen, aber wir freuen uns trotzdem so sehr, dass ihr noch bei uns mitspielt" Geschenk...
Ich habe noch nie so sehr auf einen Zweistelligen Sieg der Bayern gehofft. Damit Hamburg vom ersten bis zum letzten Spieltag auf Platz 18 steht. So dass am Ende dieser Saison nicht mal unter günstigsten Umständen Zweifel darüber aufkommen, wo dieser Verein "in einer gerechten Welt" hingehört.

Aber das wird nicht passieren. Ich bin ja nicht naiv... und dass der Fußball-Gott, wenn es ihn gibt, ein extrem zynisches Arschloch ist, haben die letzten 2 Jahre bewiesen. Der HSV wird 9. und auf Jahre hinweg nicht mehr in derart bedrohliche Situationen kommen... Bleibt zu hoffen, das wenigstens das große Opfer diese Scharade dieses Jahr ihren verdienten Aufstieg nachholen können. Dass wäre zumindest ein Hauch von Gerechtigkeit...

Dienstag, 28. Juli 2015

Saisonvorschau: FC Ingolstadt 04

Ausgangslage: Augsburg 2.0? Das würde in Ingolstadt wohl jeder auf den ersten Blick sofort so unterschreiben. Und ja, die Gemeinsamkeiten zwischen Augsburg und Ingolstadt sind enorm.
Beide Vereine kommen nicht zufällig aus Bayern... und ja, dort ist die wirtschaftliche Potenz einfach eine andere.
Und beide spielten 5 Jahre 2. Liga und stiegen am Ende eines natürlichen Wachstumsprozesses auf. Allein schon deswegen ist Ingolstadt nicht mit der absurden Überraschungsgeschichten aus Darmstadt zu vergleichen: Ingolstadt hat die Voraussetzung erste Liga zu spielen.

Wer soll's richten? Da geht der muntere Augschburg Vergleich auch schon weiter: Ramazan Özcan, Tobias Levels, Marvin Matip, Almog Cohen, Elias Kachunga, Mathew Leckie und Tomas Pekhart kommen dem übermäßig Fußball-interessierten Vollfan irgendwie bekannt vor. Aber halt auch nur irgendwie. Sie wurden halt von diversen Bundesligisten gewogen und als eigentlich zu leicht befunden. Und damit ähnelt auch der Kader erstaunlich dem der ersten Augsburger Bundesligasaison um Jentzsch, Callsen-Bracker und Baier.
Was ja auch logisch ist: Im Gegensatz zu Darmstadt hat man halt auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten diese (für Zweitligisten) recht kostspieligen Profis zu verpflichten. Auch wenn Geld keine Tore schießt, so hilft es doch ungemein dabei...

Leischtungschträgscher: Aber halt nur bis zu einem gewissen Punkt. Was halt viele im aktuellen Augsburg-Hype vergessen: Der Weg dahin war verdammt eng. Und es war mehrmals kurz vor knapp. Und ja, die Augsburger standen nicht nur ein Mal vor der Wahl "Entlassen wir unseren Trainer, oder ziehen wir es durch?" Sie haben damals die richtige Entscheidung getroffen. Können die Ingolstädter das auch? Was ist da eigentlich genau die richtige Entscheidung?

Wen werden sie vermissen? Ernsthaft... woher soll ich das wissen? Ernsthaft: Wer aus dem Stegreif 2 Spieler nennen kann, die letztes Jahr in Ingolstadt gespielt haben und jetzt gewechselt sind... braucht dringend andere Hobbys...

Best Case Szenario: Es ist echt knapp... bis zur 92. Minute des 34. Spieltages hält Ingolstadt zumindest den Relegationsrang. Und ist damit nach einer turbulenten Saison eigentlich voll im Soll... aber dann kommt da dieser ominöse Elfmeterpfiff in Augsburg... und Hamburg kriegt einen Elfmeter, obwohl keiner ihrer Spieler überhaupt in Strafraumnähe ist, einen Elfmeter zugeschoben, der sie am Ende auf Platz 16 und Ingolstadt in die 2. Liga schiebt... anders kann man das gar nicht ausdrücken...
Aber Ingolstadt hat selbst bei den 9 Niederlagen in Serie im Herbst an Ralph Hasenhüttl festgehalten. Und die Mannschaft ist gemeinsam mit ihrem Coach gewachsen. So geht sie in fast unveränderter Form als Top Favorit 2016/17 in die Zweitligasaison und schafft im Sommer das eigentlich unmögliche: Sie schlagen den HSV in der Relegation.

Worst Case Szenario: Nichts ist mehr so, wie es war... zumindest im Sommer 2016. Klar, die Klasse hat man gerade so gehalten... aber zu welchem Preis? Der Erfolgstrainer Hasenhüttl musste im Oktober gehen. Der Sportdirektor Thomas Linke folgt Anfang Januar. All die Spieler, die gerade so geradeaus laufend die Klasse gehalten haben, verlassen im Sommer den Verein. Und 2017 steigt Ingolstadt als Tabellenletzter ab... Und von dem sagenhaften Niveau, dass sie unter Linke erreicht haben, träumen sie auch 20 Jahre später noch... während Linke und Hasenhüttl längst als Duo auf Schalke deutscher Meister wurden... DAS hätte einzig und allein Ingolstadt verhindern können...

Montag, 27. Juli 2015

Saisonvorschau: SV Darmstadt 98

Was? Es sind nur noch 3 Wochen... da fängt man doch lieber zu früh an. als zu spät fertig zu werden...

Ausgangslage: Könnt ihr euch noch an den SC Paderborn erinnern? Den selbst ernannten krassesten Außenseiter aller Zeiten? Lang ist's her... und vor allem: es hat so gar nicht lange gedauert, bis ein noch krasserer Außenseiter in der Bundesliga startet. Wer hätte das gedacht?
Aber ja, der SV Darmstadt 98 war vor 2 Jahren so am Arsch (und ja, es wird die ganze Saison Arschlose Witze regnen...), dass sie eigentlich für die Regionalliga planen mussten. Und ja, der gemeine Fußball Fan wird wissen, dass man als Mannschaft eigentlich nicht in 2 Jahren von der Regionalliga in die Bundesliga aufsteigen kann... Die Kickers Offenbach werden sich bis heute in den Arsch beißen, dass sie damals nicht die Lizenz zusammengekratzt haben...
Und alle, die sich jetzt denken: Da wird sich halt irgendein Scheich einen Spaß erlaubt haben und sich den am Boden liegenden mehr oder weniger Traditionsverein als Hobby geleistet haben... von wegen... die Darmstädter investierten seit dem de facto Abstieg 1 Millionen Euro Ablöse... 900.000 davon in diesem Sommer. 

Wer soll es richten? Dirk Schuster? Muss ja... Und ja irgendwie assoziieren wir diese aufstrebenden Verein immer mit ihren jungen und aufstrebenden Trainern... auch wenn am Ende bei einem Mike Büskens rauskommt, dass der gar nicht sooo gut ist... Schuster wird brillante Arbeit ableisten müssen, damit sie überhaupt eine Chance haben...

Wen werden sie vermissen? Hmm... müssen Romain Brégerie und Leon Balogun den Darmstädtern nicht dankbarer sein? Schließlich wurden sie dort aufgenommen, als sie komplett am Boden lagen und sie keiner mehr wollte... und zwar in der 2. Liga... jetzt wechseln sie zur direkten Konkurrenz... Oder muss Darmstadt ihren Söldnern dankbar sein, dass sie auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit gehen? Denn sein wir ehrlich: Wer sich bei den Darmstädter Leistungsträgern bedienen muss, ist selber am Arsch. Denn das sind Spieler, denen vor 12 Monaten die Zweitligatauglichkeit abgesprochen worden ist... und wenn wir eines aus den Bundesliga-Versuchen von St.Pauli, Braunschweig, Düsseldorf und Fürth gelernt haben, dann dass die Aufstiegshelden Boll, Kruppke, Lambertz und Büskens auf dem höheren Niveau ganz schnell an ihre Grenzen gestoßen sind. Und genau das dürfte Brégerie und Balogun auch passieren. Sprich: Darmstadt könnte ihnen ihnen die Klasse halten, sie würden aber auch mit ihnen Absteigen. Den einen unumstrittenen Bundesliga-Leistungsträger, dessen Abgang man absolut nicht ersetzen kann, haben sie in Darmstadt einfach nicht.

Leischtungschträgscher: Die sitzen nicht in Darmstadt... sondern in Nürnberg, Kaiserslautern, München und Leipzig... dass Darmstadt mit ihren absolut lächerlichen Mitteln an all diesen Mannschaften vorbeiziehen konnte... ist eine der großartigsten Leischtungen der 2.Liga... von den Managern der Traditionsvereine natürlich...

Best Case Szenario: Darmstadt steigt ab... und trotzdem weiterhin auf. Schließlich ist ein Stadion, dass man auch heutzutage noch so nennen kann, schon in Planung. Und der gesamte Verein nimmt die Erfahrung (und die Finanziellen Spritzen) der Bundesliga komplett in sich auf. Zwar ist man 2016 nur noch ein Zweitligist, aber man ist ein besserer Zweitligist, als man es je zuvor war...
Und hey, am Ende haben sie ein historisches Alleinstellungsmerkmal: Sie sind damit der einzige Verein in der deutschen Fußball-Geschichte, der in jeder seiner 3 Saisons abgestiegen ist... und damit der Anti-HSV, der 3 Jahre in Folge hätte absteigen müssen...

Worst Case Szenario: Die DFL hat einen Fehler gemacht. Der Lizenzentzug für Kickers Offenbach vor 2 Jahren war in keinster Weise korrekt. Die einzige mögliche Entscheidung um diesen Schaden zu beheben, ist... den Offenbachern die Lizenz der Darmstädter zu erteilen... Und Darmstadt stattdessen das Startrecht der Offenbacher zuzuschieben. Klar, es ist ein riesiges Chaos... aber anders geht es halt nicht... Andererseits ist Darmstadt damit die einzige Mannschaft, die in 2 Jahren von der Regionalliga in die Bundesliga und zurück in die Regionalliga durchmarschiert...

Freitag, 24. Juli 2015

Ein kurzer Reality Check für die Zweitligisten

Schließlich startet diese heute in die neue Saison.

Und damit können all die Traditionsfans wieder jammern, dass ihnen die bösen Retortenvereine ja die Plätze in der Bundesliga wegnehmen.

Um da mal kurz ein wenig auszuholen: Ich habe einen guten Kumpel. Der ist eigentlich richtig intelligent. Aber der hat halt 2 Probleme: er ist Bayer und TSV 1860 München Fan. Also letzteres war er, nach jahrelangem Streit hat er das jetzt aufgeben. Aber er war so richtig fanatisch. Also auf dem "Ich fahr auch mal zu einem Spiel der 2. Mannschaft" Niveau.

Vor allem hat er immer auf RB Leipzig geflucht. Und immer wieder behauptet, dass die ja den Fußball kaputt machen... worauf ich ihm erwidert habe, dass 1860 das ganz alleine und viel besser geschafft hat. Und ja, ich habe ihm ins Gesicht gesagt, dass sein ach so toller Verein jetzt ebenfalls ein Retortenprodukt ist: Ein Spielzeug eines unberechenbaren Scheiches. Und ja, ohne Ismaik würde es 1860 als Profiverein nicht mehr geben... Genau so wie es RB ohne Mateschitz nicht geben würde...

Vor allem aber hat RB Leipzig auf all die Traditionsvereine kaum Einfluss. Gerade 1860 als Extrembeispiel, weil die kurz vorm Abstieg in die 3. Liga standen... Für alle Anhänger in Kaiserslautern, Nürnberg, Duisburg und Bochum: Darmstadt 98 ist an euch vorbeigezogen... die standen vor 2 Jahren in der Regionalliga. Mainz und Augsburg haben euch lange überholt. Selbst Paderborn hat es hinbekommen, ein Jahr Bundesliga zu spielen... Jetzt auch noch Ingolstadt... die entgegen weitläufiger Gerüchte finanziell gar nicht sooo gut aufgestellt sind...

Gerade die aktuellen Beispiele beweisen doch eins: Die Traditionsvereine scheitern nicht am Geld der anderen, sondern an ihrer eigenen Inkompetenz. Jeden Spieler der Darmstädter und Ingolstädter hätte man als Kaiserslautern oder 1860 ebenfalls verpflichten können. Keiner von denen war in irgendwelchen Relationen teuer (Ingolstadt zahlt in diesem Sommer zum ersten Mal 1 Millionen Euro Ablöse für einen Spieler). Und bei dem Ruf, den diese Vereine immer noch genießen, wären die meisten Spieler auch eher nach Kaiserslautern als nach Darmstadt gegangen. Man hat diese Spieler aber einfach nicht gefunden. Andere dagegen schon. Deswegen stehen andere jetzt besser da. Und andere Vereine finden trotz schlechterer Voraussetzungen ständig bessere Spieler. Das ist dann einfach kein Zufall mehr.

Wirklich absurd wird es dann, wenn ich von Podiumsdiskussionen lese, in denen es heißt, dass man die Liga auf 20 Mannschaften aufstocken muss, damit die Retortenvereine nicht zu viele werden... ist den Leuten eigentlich bewusst, dass dann erst Mal der Karlsruher SC aufgestiegen wäre? Gefolgt von Greuther Fürth? Es ist nicht so, dass die großen Traditionsvereine die ersten potenziellen und logischen Nachrücker wären...

Und vor allem: wie viele Retortenvereine gibt es denn? Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg, 1899 Hoffenheim und RB Leipzig. Wobei man Leverkusen als eigentlich größten Traditionsverein, der die meisten Olympiasieger dieses Landes hervorgebracht hat, ausklammern müsste. Die sind halt "nur" ein Werksverein mit verdammt viel Tradition.
Und Hoffenheim ist ebenfalls ein Sonderfall... der Dietmar Hopp ist halt bekloppt. Der lebt halt den Jugendtraum von vielen... Aber es gibt halt auch nur einen Menschen von 82 Millionen, der das wirklich durchgezogen hat... und da einen endlosen Haufen Geld reingepumpt hat. Es ist ja nicht so, dass er schon 30 Nachahmer gefunden hat, die allesamt in der 3. Liga spielen und auf den Durchbruch warten. Die andere Frage ist eher, warum sich die anderen Verein wie Waldhof Mannheim in einer wirtschaftlich derart starken Region so einbrechen konnten...

Und vor allem behaupte ich eines: Das werden in 10 oder 20 Jahren nicht mehr werden. Warum? Nun ja, wegen der Tradition. Für Adidas ist es halt einfacher, als Premium-Partner von Bayern München einzusteigen, als einen Konkurrenzverein "Adidas München" zu gründen.
Und der Deutsche Fußballmarkt ist ziemlich gesättigt. Abgesehen von Leipzig halt, da gab es ein großes Loch. Deswegen ist Red Bull ja auch hier. Alle anderen großen Ballungsgebiete von Berlin über Frankfurt und Hamburg bis München und dem Rhurpott haben eine derart fest verankerte (Spitzen-)Vereinsstruktur, dass es kaum Sinn ergibt, da einen Verein zu Gründen. Da die Städte (selbst die fußballtechnisch Inkompetenten) einen Bundesligisten und einen Kultverein stellen... Den Hamburger SV und den 1.FC St.Pauli... oder Hertha und Union...
Wenn ich in diesen Städten einen Konzernverein gründen würde, würde das keine Sau interessieren. Weil die Fußball interessierten Menschen schon Anhänger des einen oder anderen Vereines sind und ihnen dort auch Sport auf angemessenen Niveau geboten wird. Da bringt es dir echt mehr, einfach nur dein Logo aufs Trikot zu drucken. Und das wissen die großen Konzerne ja auch. Deswegen sitzen alle großen Konzerne ja schon in diversen Aufsichtsräten bei diversen Vereinen.

Jetzt die Liga auf Grund dieser Ausrede aufzustocken um die Inkompetenz der Zielvereine zu überdecken... erscheint mir doch bigott... Und all die Fans sollten es sich mal bewusst machen, woran ihre Vereine scheitern.

Anders ausgedrückt: Ich als Hansa Rostock Sympathisant gebe ja auch nicht RB Leipzig die Schuld, dass "wir" in der Dritten Liga spielen, wenn Zeitgleich Halle an "uns" vorbeigezogen ist... HALLE... dieser Pickel, der so weit am Arsch von Leipzig hängt, dass er offiziell zu Sachsen Anhalt gehört... Damit so was passieren konnte (und Hansa zum ersten Mal seit 20 Jahren ein Pflichtspiel in Halle verliert), mussten an der Ostsee zahllose Fehler begangen werden.

Donnerstag, 16. Juli 2015

Das große Problem mit den Rückennummern

Wo fängt man da eigentlich an?

Im Umfeld der Bayern überlegen sie gerade, ob sie Rückennummer 31 von Bastian Schweinsteiger nicht mehr vergeben sollten.

Eins mal vorne Weg: Das im amerikanischen Sport (auf quasi jedem Niveau) die Rückennummern bedeutender Spieler "retired" und nicht mehr vergeben werden, ist eine der coolsten kulturellen Gimmicks jenseits des Atlantiks. Es ist ungefähr vergleichbar mit dem Brauch, dass der Stadionsprecher hier bei jeder Gelegenheit nur die Vornamen ansagt und die Fans den Nachnamen zurückbrüllen. Was in Amerika vollkommen unbekannt ist...

Und in Amerika werden diese Nummern ja auch wirklich an die Hallen- oder Stadiondecke gehangen. In einer wunderbar emotionalen Zeremonie. Von dort aus schauen sie für immer auf die nachfolgenden Generationen herab.

Aber: Die Amis hatten auch schon immer ein anderes Verhältnis zu Rückennummern. Die haben halt noch nie ihren Kader von 1 bis 22 durchnummeriert. Deswegen sind Rückennummern wie die 74 relativ normal. Im Fußball schreiben die Verbände vor, welche Rückennummern man vergeben darf. Was eigentlich total sinnlos ist.

Frankreich hat darüber nachgedacht, die Nummer 10 eines Zinedine Zidane nicht mehr zu vergeben... bis ihnen bewusst wurde, dass die Fifa und Uefa darauf bestehen, dass Frankreich diese Nummer beim nächsten Turnier auf ein Trikot druckt. Damit verpufft so eine Geste nach 2 Jahren.

Wirklich lustig wird die Debatte ja, wenn Lucas Scholl auf ein Mal mit der 31 auf dem Trainingsanzug gesichtet wird. Ist der etwas so dreist und schnappt sich sofort Schweinis legendäre Nummer? Jein... wie sich herausstellt würde die Bayern nicht nur Schweinis Nummer... sondern auch die von Scholls Sohn in der 2. Mannnschaft in den Ruhestand schicken. Und ja, er hat sich diese Nummer wahrscheinlich herausgesucht, weil Schweini eines seiner Vorbilder im Verein ist. Schweini sollte ja auch DAS Vorbild schlecht hin für alle Mittelfeldspieler beim FC Bayern sein. Schließlich hat er es (im Gegensatz zu einem Philipp Lahm) geschafft, sich ohne Lehrjahre bei einem anderen Verein beim Rekordmeister durchzusetzen. Zu einer Zeit, als das eigentlich unmöglich war.

Aber ja: Die Bayern haben ein eigenes Nummernsystem für jede ihrer Mannschaften. Es dürften derzeit also 5 Mann mit der Nummer 10 rumrennen, die eigentlich für Toni Kroos reserviert war... Das wäre nebenbei einer der Dinge, die ich sofort ändern würde: Ich würde meine Spieler von der U17 bis zu den ersten Herren durchnummerieren. Allein schon um dem B-Jugendlichen den "du wirst unsere nächste Nummer 10" Druck zu ersparen.
Aber ja: Auch dieser Fakt macht es schwieriger, Nummern an die Decke zu hängen.

Kommen wir aber zum eigentlichen: Wo fangen wir an? Denn ganz ehrlich: Wenn die Bayern eine Rückennummer nicht mehr vergeben sollten, dann ist das die Nummer 5... von Franz Beckenbauer. Oder die Nummer 1 von... ja wem eigentlich? Sepp Meier? Oliver Kahn? Welche Rückennummer gehörte eigentlich Uli Hoeneß?
Gerade die Bayern der 70er Jahre haben doch das Fundament dieses Vereins errichtet... und die Bayern der Jahrtausendwende dann das Haus drauf gebaut... in dessen Whirlpool Schweinsteiger es sich jetzt gut gehen lässt. Natürlich hat er auch das Recht im Whirlpool zu chillen, den hat er schließlich selber gebaut... Aber das Haus musste er nicht selbst errichten...

Und ja, Schweinsteiger ist ein guter und wichtiger Spieler in der Bayern-Geschichte. Der wird seinen Platz im internen Bayern Museum finden. Wobei er da schon an genügend Stellen hängen wird. Aber er ist historisch gesehen auch nur eine von vielen. Ihn jetzt mit dieser Geste über den Rest zu erheben, erscheint auch irgendwie unangebracht.

Dienstag, 14. Juli 2015

Manche Zusammenhänge sind echt lustig

Aber leider auch viel zu komplex, um sie in Zusammenhang zu bringen.

Rudi Völler ist zum Beispiel so ein Experte. Der gerne behauptet, dass Spieler heute mehr simulieren als früher. Und das früher alles besser war... Das lustigste ist ja die Reaktion: "Bist du früher mal umgefallen"... und "Der Cleber wäre bei dir am Boden gelegen."

Nun ja... gucken wir uns einfach mal die wichtigste Szene in Völlers Karriere an:
Lustig oder?

Yapp, derjenige, der sich heute hinstellt und jammert, dass die Spieler viel zu schnell umfallen, ist da in dem Moment einfach mal zu Boden gegangen und hat dafür einen Elfmeter bekommen. Wenn sie einen Argentinier fragen, wird der ihnen sagen: "Ein richtiger Mann bleibt das stehen."

Und dann das ganze: Früher wurde weniger getäuscht... Italien war in den 90ern als Schwalbenliga verschrien. Wenn ich euch heute erzähle, dass ein Filippo Inzaghi (also der italienische Vorzeigestürmer der 90er Jahre) jedes seiner knapp 200 Tore aus Abseitsverdächtiger Position erzielt hat und all seine Torvorlagen zu unrecht geschundene Elfmeter waren, werdet ihr mir das wahrscheinlich glauben. 

Oh und das Wort des Tages "Jankern" habe ich nicht wegen den aktuellen Stürmern erfunden. Leute, die sich darauf spezialisiert haben, im richtigen Moment dramatisch umzufallen, hat es schon immer gegeben... und wird es auch immer geben. Und solche Leute wurden auch von Trainer Rudi Völler aufgestellt. Er sollte sich also nicht so echauffieren.

Am Lächerlichsten wird es aber, wenn dann die "Journalisten" behaupten, dass bei ihm (also unserem Nationalhelden) natürlich der Verteidiger am Boden liegen würde. Wir müssen mal eines fest halten: Wenn der Rudi aus den 90ern heute noch spielen würde, würde permanent am Boden liegen. Und es würde ihm verdammt viel weh tun. Und er würde verdammt viel heulen. Denn was Fußballprofis in Zweikämpfen an Schlägen einstecken müssen, ist nicht mehr feierlich.

Ich muss mal dem "er trifft ihn doch nur mit der Hand im Gesicht, da muss man doch kein Gelb für geben" Argument der Alten eines entgegenbringen: Die Anzahl der Gesichtsverletzungen nimmt immer weiter zu. 

Das Paradebeispiel ist ja Mitch Langerak gegen Robert Lewandowski. Wenn es zu solchen Szenen kommt, sprechen die Leute gerne und schnell von Körperverletzung. Was absoluter Bullshit ist. Langerak kommt eine halbe Sekunde zu spät. Deswegen kommt er halt nicht an den Ball, sondern trifft Lewandowski. Aber er geht halt mit voller Geschwindigkeit zum Ball. Und volle Geschwindigkeit heißt im Profifussball halt: Der Gegner muss sich sein Gesicht neu richten lassen.

Und wollt ihr mal die andere Seite des "er kommt halt eine halbe Sekunde zu spät" Phänomens sehen... dann googlet mal Petr Cech Schwere Kopfverletzung. Stephen Hunt wollte ihn bestimmt auch nicht weh tun. Aber er bricht ihm halt den Schädel, Und Cech trägt seit dem seinen mittlerweile berühmten Helm. Das sollten alle Profis tun.

Und ja, Kopfverletzungen sind eine richtig gefährliche Sache. Die Langzeitschäden von Gehirnerschütterungen sind immer noch nicht nachhaltig erforscht. Nur so als Beispiel: Die Amerikanische Football Liga NFL hat nach 20 Jahren endlich eingesehen, dass die geistigen Langzeitschäden vieler ehmaligen Football Profis doch mit den permanenten zusammenstößen auf ihrem Arbeitsplatz zusammenhängt.

Das steht uns im Fußball auch noch bevor. Deswegen ist es auch sinnvoll in Kopfballduellen eher schneller als langsamer Gelb zu geben. Wir brauchen da eine Kultur, die ganz klar fest legt: Wenn ich im Luftduell (ob Absicht oder nicht ist dabei egal) meinen Gegner ins Gesicht schlage (und ja, auch die harmloseren Zweikämpfe ohne Ellenbogeneinsatz haben immer noch die Intensität eines Schlages...) kriege ich dafür Gelb. Wenn ich mit der Intensität eines Langerak zuschlage, riskiere ich eine Rote. Das müssen alle Profis wissen. Das muss auch hinterher bei den Analysen genau so gehandhabt werden: Die Hand war im Gesicht, das ist gefährlich für die Gesundheit des Spielers, deswegen gibt es Gelb... und da gibt es auch nichts zu diskutieren. Und wenn das ein Halbes Jahr lang konsequent durchgezogen wird, stellen sich die Profis beim Luftkampf auch drauf ein.

Es geht halt um die langfristige Gesundheit unserer Profis. Es geht darum, dass die nicht später Pflegefälle werden... oder spontan Tod umfallen. Googlet einfach mal Chronic Traumatic Encephalopaty. Und dann rechnet mal nach, wie viele Gehirnerschütterungen ein Lewandowski schon hatte... und rechnet mal hoch, wie viele das bis zum Karriereende noch werden. 

Fußball ist halt mittlerweile auch ein Vollkontaktssport. Und da wird man irgendwann mit solchen Problemen wie Langzeitschäden konfrontiert. Man sollte dies auf keinen Fall mit einem "Die simulieren heute viel zu viel" abwatschen.