Freitag, 20. Januar 2017

Vorschau auf den Jahresauftakt

Der Freitag Abend:
SC Freiburg - Bayern München: Es ist schon faszinierend, wie fixiert wir auf den Rekordmeister sind... das führt zu völlig absurden Ergebnissen. Zum Beispiel: Dass eines von 2 Live-Spielen im Jahr, die in den Öffentlich-Rechtlichen gezeigt werden, aus dem Breisgau kommt... obwohl es an diesem Wochenende garantiert spannendere Duelle gibt... Also es ist davon auszugehen, dass jedes andere Duelle spannender wird als dieses 0:3+X Ich erwähn's ja nur: Wenn man will, dass sich das ändert, darf man nicht einschalten...

Der Samstag Nachmittag:
FC Schakle 04 - FC Ingolstadt 04: Ist dies das wichtigste Saisonspiel der Rückrunde? Ich sage mal so: Beide müssen das Spiel gewinnen, wenn sie ihre Saisonziele nicht frühzeitig aufgeben wollen... und ja, für mich als Über-Reaktionist legt dieses Spiel fest, ob der Walpurgis-Finger "for real" ist oder ob wir nur einen kurzen "Dead Coach Bounce" erlebt haben... Im letzteren Fall wird der Abstiegskampf dieses Jahr sehr traurig.

Darmstadt 98 - Borussia Mönchengladbach: Denn... sein wir ehrlich... Thorsten Frings kann bei seinem ersten Cheftrainer-Job gar nicht verlieren... so ist das halt, wenn man einen Verein übernimmt, der sich vorher auf Norbert Meier verlassen musste... Was nicht mal direkt gegen Meier geht... aber bei dessen Ruf wird er halt nur noch von designierten Tabellenletzten angesprochen... Und zieht danach zum Tabellen-Dreizehnten der 2. Liga weiter...
Oh und ja, es ist das ultimative "Dead Coach Bounce" Spiel, weil beide Mannschaften auf einen neuen Trainer setzen... für Darmstadt ist es allerdings nichts ungewohntes sich auf so einen Gegner einzustellen...

VfL Wolfsburg - Hamburger SV: Ich würde mir ja gerne einreden, dass der Verlierer über Monate unten drinnen stecken wird... gehe aber von einem Unentschieden aus...
Das absolute Highlight der Winterpausen-Interviews lieferte nebenbei Megrim Mavraj: Der sagte mehr oder weniger, dass der HSV ja ein ganz toller Verein ist, weil man schon zur Vertragsunterschrift genau weiß, dass derjenige, der einen verpflichtet hat (Dietmar Beiersdorfer) nicht mehr da sein wird, wenn man am Bahnhof ankommt... und bei Mavraj klingt das nach was Schönem... Alen Halilovic wird an der Stelle hoffen, dass ihm das niemand übersetzt hat...

Werder Bremen - Borussia Dortmund: Wo wir schon bei Abstiegskampfprognosen sind: Wenn man sich die Ausfälle im Zentrum der Hanseaten so anguckt... muss man irgendwie davon ausgehen, dass die von Dortmund so heftig abgeschossen werden, dass sie erst zum Saisonende und dann auf einem Relegationsplatz wieder zu sich finden...

FC Augsburg - TSG 1899 Hoffenheim: Ob sie in Hoppenheim gerade zum ersten Mal Michael Pfeifer verfluchen (For the Record: Der Mann schafft es sogar Pavel Kaderabek nach seiner Meinung zur Deutschen Nationalmannschaft zu fragen...). Schließlich hat der jetzt so lange Jogi Löw eingeredet, dass das alles Spieler auf diesem absurd hohen Niveau sind, dass selbst die Scouts der Bayern ihm das mittlerweile glauben und sich 2 dieser Spieler holt... Bei einer sachlichen Berichtserstattung und einer neutralen Nominierungspolitik wäre ihnen das nicht passiert.... da wären die nach Leverkusen gegangen...

Das Spitzenspiel am Abend:
RB Leipzig - Eintracht Frankfurt: Wer zu Saisonbeginn darauf gewettet hätte, dass dies das Duelle 2. gegen 4. sein wird... hätte jetzt ausgesorgt, weil er überall als Experte angeheuert werden müsste... Damit will ich mir natürlich nur einreden, dass ich ja nicht als einziger einen Abstiegskampf für Frankfurt prognostiziert habe. Und ja, solche Eingeständnisse klingen besser, wenn man sie in Fremdwörter verpackt...
Oh und die DFL gibt auch im neuen Jahr RB die besten Sendeplätze... just saying: Zum Saisonende werden sie die Mannschaft sein, die am wenigsten um 15:30 gespielt hat...

Der Sonntag:
Bayer Leverkusen - Hertha BSC Berlin: Bei all der Mühe, die sich Rudi Völler dabei gibt Roger Schmidt im Amt zu halten, muss der ja echt überzeugt von dessen Fußballideal (welches in Leverkusen kaum zu sehen war) sein... Oder Schmidt hat irgendwelche hochpeinlichen Nacktfotos von Rudi auf dem Rechner liegen... Entscheidet selbst, was wahrscheinlicher ist...

1.FSV Mainz 05 - 1.FC Köln: Dieses Spiel wird der ultimative Beweis sein: Es ist zwar schön, wenn 2 Bundesligisten absolut seriöse Arbeit abliefern... aber es führt am Ende irgendwie nur dazu, dass sich keiner für dich interessiert und dein Spiel eine Randnotiz im Wochenendplan wird...

Dienstag, 17. Januar 2017

Das schöne an dem neuen Hoeneß ist ja

Der ist so schön geläutert. So richtig bescheiden geworden ist er. Und er kann mit der Verantwortung seiner abgesessenen Strafe auch echt gut umgehen und konzentriert sich deswegen auf sich und seinem Verein und hält sich aus dem Rest raus. Auch wenn es um die "Abteilung Attacke" irgendwie Schade ist...

Ach was soll's, dass kann man sich nicht wirklich einreden. Uli Hoeneß hat anscheinend gar nichts gelernt.

Das erste Mal dachte ich das, als er sich zum Verteidiger von Franz Beckenbauer in der großen "Der gefallene Kaiser" Ausgabe des Kickers aufschwingen wollte... wo ich auch nur dachte: Ja, klar, wenn jemand eine versteckte Bonuszahlung moralisch erklären kann, ist das genau der Uli... Und genau an der Stelle würde ich mich an seiner Stelle auch ins Gespräch bringen. Aber gut, da ging es wenigstens um eine Bayern-Legende, also hat er vor der eigenen Tür verteidigt...

Sonst so...

Also irgendwie hat man das Gefühl, dass Hoeneß im Juni noch in Isolationshaft saß und nicht so sonderlich viel mitbekommen hat... zumindest scheint er der einzige zu sein, der geglaubt hat, Borussia Dortmund würde dieses Jahr zu großen Attacke auf die Bayern blasen. Ja, genau die Borussen, die von seinen Bayern einen anscheinend doch richtig großen Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommen haben. Mit (und ja, ich habe da auch schon anderes behauptet, aber Marc Bartra ist einfach nicht so gut) Matts Hummels hätten die ja echt eine Chance (also auch weil die Bayern mehr "schwächeln" als ich erwartet habe)... aber die Bayern haben ja sicher gestellt, dass es dazu nicht kommt... oder, um bei Hoeneß Wahrnehmung zu bleiben, Hummels hat selber bei ihm angerufen und drum gebettelt, dass er doch zum Rekordmeister kommen darf...

Aber weil ihm das ja nicht reicht... macht er den Rest der Liga dumm, weil sie ein moralisch verantwortliche Entscheidung getroffen haben... und auch ganz andere Mittel haben als die Bayern, die halt in Katar geladene Gäste sind.
Gut, nun muss man natürlich auch fest halten, dass der Hoeneß halt Bayer ist... also dass dessen Ministerpräsident wahrscheinlich heimlich vom Frauenbilder der Scheichs da unten träumt...
Das wäre nebenbei mal eine geile Variante gewesen, die "Diskussionen" anzustoßen, was ja Hoeneß Anspruch ist: Ja, wir kommen weiterhin zu euch, aber wir bringen unsere auch recht erfolgreiche Frauenmannschaft mit.

Aber ja, Hoeneß macht jetzt dem Rest der Liga indirekt Vorwürfe, weil sie die moralisch anständige Entscheidung treffen wollten oder mussten nicht in einem Skalventreiber Staat zu reisen. Und ja, der Wikipedia Artikel zum Thema "Arbeitsmigranten in Katar" klingt richtig böse.
Der einfachste Konter wäre an der Stelle: "Immerhin können wir ausschließen, dass beim Bau unseres Hotelgeländes unschuldige Menschen umgekommen sind... dafür frieren wir im Zweifelsfall auch gerne." Aber schön, dass die Bayern wieder (wie Hoeneß es beschreibt) "klüger als andere Teams" war.
Oder halt moralisch gar keine Ansprüche hat... Und ja, so ist das halt, bei dem einen Verein mit einem Präsidenten, der aus einer Haftanstalt "rekrutiert" worden ist... Keeping it Gangsta.

Und dann ist da noch die Sache, in der Hoeneß RB Leipzig als "neuen Feind" beschreibt. Das ist in Zeiten, wo uns einzelne Bewegungen und Parteien aus einer gesamten Religionsgruppe ein Feindbild kreieren will, irgendwie unangemessen. Aber das ist ihm wenigstens selber aufgefallen.

Und ja, ich wollte Hoeneß eigentlich eine Chance geben. Ich wollte nicht unnötig auf dieser rechtlich ja auch abgeschlossenen Geschichte rumhacken. Mein letzter Offizieller Beitrag zu dem Thema ist 2014 geschrieben worden...

Jetzt... scheitert er allerdings sehr konstant an dem einen Anspruch, den ich an ihm hatte: Dass er sich als neuer Bayern-Präsident nicht zum Sprachrohr der Fußballnation macht. Sich also ständig zu anderen Vereinen äußert... Dazu fehlt einem verurteilten Steuerhinterzieher meiner Meinung nach die moralische Grundlage.
Soll er sich doch um seinen Verein kümmern. Und wenn ihm das zu langweilig ist, muss er sich halt nen anderes Hobby suchen.

Meine Persönliche Hoffnung ist ja, dass sich Uli Hoeneß bei der Rückkehr aus seinem persönlichen Sommer eine richtig fette Grippe eingefangen hat und 2 Wochen lang das Bett hüten muss... Das wären immerhin mal 2 Wochen, in denen er keinen unangebrachten Scheiß labert.

Montag, 16. Januar 2017

Das ist mir doch alles zu konstruiert.

Und zu weit weg von den Fakten vor Ort.

Das waren die beiden Vorwürfe nach meinem Prognose zum Stadionausbau. Und gerade zum ersten Kommentar kann ich nur sagen: Stimmt. Ich mache mir kritische Gedanken zu den Konstruktionsplänen in Leipzig... Die auch noch in der Frühphase sind. Und bei denen der Architekt komplett ignoriert wird. Natürlich ist das konstruiert. Vor allem habe ich aber halt das Gefühl, dass sich viel zu wenige Gedanken über die eventuell aufkommenden Probleme machen und das ganze auf der "Wird schon funktionieren" Basis entscheiden. Im wesentlichen hoffe ich ja wirklich darauf, dass ich von der Wirklichkeit widerlegt werde, denn das wäre für alle Beteiligten das Beste.

Aber bevor wir zu den angebliche fehlenden Fakten kommen: Ich habe meine Meinung zum Stadionumbau seit November (also als ich das erste Mal über dieses Thema mit Freunden diskutiert habe) komplett auf den Kopf gestellt. "Damals" hab ich noch gesagt, dass ein Stadionneubau völlig übertrieben ist. Ein Ausbau auf 50.000+ Zuschauer reicht vollkommen. So schnell kann RB gar nicht so groß werden, dass sie mehr brauchen.

Was habe ich seit dem gemacht? Ich habe mich mit den Menschen unterhalten. Also Menschen, die selber gar nicht zum Spiel gehen, sondern entweder auf der Ecke wohnen oder beruflich da zu tun haben. Die haben mir gesagt: "Mit 43.000 Leuten geht das noch... aber wenn das mehr werden... Ziehen wir um."

Und genau die Leute haben mir auch gesagt, dass es jetzt schon ein absolutes Chaos ist, wenn man da auf nen Samstagnachmittag durch will und die Jahnallee gesperrt ist. Als Fußballfan stört einem das nicht so, weil die ja alles für einen absperren. Genau so wenig wie es einem an nem Rosenmontagsumzug oder bei ner Pegida Demo stört, wenn man da als Teilnehmer mitmacht. Da denkt man halt relativ selten dran. Und wie sehr dein Umfeld durch solche Events eingeschränkt wird, kriegst du erst mit, wenn man selber als Privatperson diese Events kreuzt.

Das nächste Problem, was halt auch keiner bedenken will: Ab nächster Saison werden da Spiele um 20:45 angepfiffen. Wochentags. Da kollidiert das Park and Ride System dann mit Ruhestörungen. Wir reden quasi davon, dass SO WAS gefühlt alle 14 Tage passiert. Und ja, für den Fußballfan in mir ist das wunderschön. (Random Thought: Warum hat den Glasgow Rangers Fans niemand gesagt, dass man RB boykottieren muss?) Ich bin aber nicht sicher, ob ich das regelmäßig am Dienstag und Mittwoch Nacht vor meiner Haustür haben will, wenn ich um 6:30 aufstehen muss...

Und ja, diejenigen, mit denen ich noch nicht drüber gesprochen habe, sind die Stadträte. Aber hey, wenn ich (was frühestens in März der Fall sein wird) mal die Zeit habe zu ner Öffentlichen Sitzung zu gehen, werde ich genau das machen: Die mal fragen, ob sie eigentlich nen Plan haben, wie die Verkehrssituation an einem Mittwoch um 11 Uhr gelöst werden soll. Weil es mich selbst halt auch wirklich interessiert.

Nebenbei habe ich auch bewusst nicht angesprochen, wie An- und Abreise mit Autos geregelt wird. Ich würde halt nie auf die Idee kommen zu so einem Event mit nem Auto zu fahren. Deswegen kann ich mich auch nicht annähernd dazu äußern, ob die Situation in Leipzig da vergleichbar mit anderen Stadien ist. Und wie gut oder schlecht man da mit nem Auto hin und weg kommt.
Mein persönlicher Anreisetipp ist nebenbei: Nehmt nen Fahrrad und parkt das an der Sportwissenschaftlichen Fakultät. Aber das nur so am Rande.


Aber kommen wir mal zu den ominösen Fakten. Die sind, wenn man sich die 3 anstehenden Stadionprojekte anguckt, sogar recht einfach.
In Leipzig soll die RB Arena mitten im Zentrum auf 57.000 Mann ausgebaut werden.
In Freiburg soll das neue Stadion in unmittelbarer Nähe zum Flugplatz gebaut werden. Flughäfen sind normaler Weise (auch wenn ich garantiert nicht er einzige bin, der nicht mal wusste, das Freiburg überhaupt einen hat) die Orte, die relativ weit abseits liegen (wegen der Lärmbelästigung) und die gut ans öffentliche Verkehrssystem angeschlossen sind (mit einer eigenen S-Bahn Linie). Also in Leipzig ist letzteres auf jeden Fall gegeben, über die Lärmbelästigung der Anwohner nach dem Ausbau zum Drehkreuz der DHL wird noch gestritten...
Oder sie setzen doch das Konzept an der Messe um, aber auch Messegelände haben meistens die Eigenschaft, dass sie gut vernetzt sind.
Und zu guter Letzt will die Hertha ein Stadion bauen, das hauptsächlich schneller fertig wird als deren Flughafen... Obwohl sie gerade erst ganz am Anfang von der Planung stehen. Was aber bei dieser Planung sehr interessant ist: Die überlegen nach Brandenburg zu ziehen. Und wenn ihr euch den Artikel durchlest, wird euch der eine Absatz auffallen, in dem es schon jetzt um die Planung der Haltestellenanbindungen geht. Das ist dort quasi eines der ersten Dinge, die geklärt werden müssen. Und wir reden von Berlin, die gerade den Bau eins Flughafens so absolut über episch verkacken. Aber hier scheinen sie so was zu bedenken.
Vor allem natürlich, weil sie die Erfahrungswerte mit der Alten Försterei, die lediglich über die Straßenbahn erreichbar ist, schon gesammelt haben. Und ja, in Berlin, einer der chaotischsten Städte, die ich kenne (Immer, wenn ich da bin, streiken die Bahnführer... nur so am Rande), gilt 1 Km zur S-Bahnhaltestelle bei einem Zweitligisten als "grauenvoll". GoogleMaps hat mir für Leipzig die dreifache Strecke zur nächsten S-Bahn angegeben.

Was lernen wir, wenn wir diese 3 Projekte vergleichen? Die Stadt Leipzig ist die einzige, die ein derartiges Projekt in Zentrumsnähe im Jahr 2017 genehmigt. Also sie sind sogar die einzigen, die überhaupt darüber nachdenken. Bei allen anderen gibt es da ein kategorisches "Nein!".
Man wird ja mal fragen dürfen, warum die anderen Städte sich dagegen entschieden haben... und ob deren Entscheidung nicht weise war...

Und ja, es gibt auch jetzt in der Bundesliga andere Stadion, die sehr Zentrumsnah liegen. Aber der Metropolit wird die Orte, in dem diese Stadien stehen, kaum als Stadt bezeichnen, sondern als Wohnsiedlung neben einer Automobilfabrik. Und vor allem sind diese Stadion auf 30.000 Mann ausgelegt. Das ist halt ein elementarer Unterschied.
Oder sie liegen im Ruhrgebiet, wo du halt auch einfach keinen wirklich guten Ort für ein Stadion mehr hast, weil dort alles irgendwie ein große Stadt und damit auch alles irgendwie Zentrumsnah ist. Und ja, Schalke und Dortmund sind die einfachsten Gegenbeispiele. Aber diese beiden Stadien kommen mit eigener U-Bahn-Haltestelle und Autobahnabfahrt. Vor allem: genau so müsste das ausgebaute oder neue Leipziger Stadion eigentlich auch angeschlossen werden. Das ist aber nicht machbar.
Gerade Gelsenkirchen ist ja eine Stadt, bei der man mal nachfragen könnte, wie und warum sie sich damals für einen Neubau und den Abriss des alten Parkstadions entschieden haben. Denn das ist ja genau die Entscheidung, vor der Leipzig gerade steht.

Das ist ja das, was mich so ärgert: Wir hatten ja zur WM 2006 eine riesen Ausbauwelle, die Teil des Problems ist, weil das Stadion, was im Falle eines Neubaus dann keiner mehr braucht, damals für 90 Millionen ausgebaut worden ist. Womit ja auch indirekt der Grundstein für die Gründung von RB gelegt worden ist, denn du hast dieses moderne Stadion (in unmoderner Lage), aber lauter inkompetente Vereinsführungen, die mit dem Ding nichts anfangen können.

Jetzt... könnte man aber als Stadt Leipzig 13 Jahre nach der großen Ausbauwelle mal nachfragen, wie das bei den anderen Städten so gelaufen ist. Man könnte mal versuchen, an die Berichte aus München zu kommen, wie viel die Stadt in die Infrastruktur stecken musste um die Allianz Arena anzuschließen.
Man könnte auch in diesen Städten bei den Verkehrsverbünden und der Polizei nachfragen, wie das eigentlich so läuft, wenn man jedes Wochenende 55.000 Leute abwickeln muss. Denn Fakt ist auch: Leipzig hat ziemlich wenig Erfahrung im Umgang mit so vielen Leuten auf so kleinem Raum. Andere Städte machen das seit 10 Jahren alle 14 Tage. Wir hatten dies das letzte Mal vor 50 Jahren...

Im Gegensatz zu 2004, wo wir alle ganz schnell und ganz plötzlich WM taugliche Arenen herbei zaubern mussten und jegliches zögern einem Verzicht auf die WM Teilnahme als Stadt bedeutet hätte, sind Zeit und Erfahrungswerte jetzt vorhanden. Und man könnte anhand der Erfahrungswerte planen.

Die Stadt Leipzig scheint aber halt nur den einfachen Ausweg zu suchen. Die Lösung anzuwenden, die ihnen jetzt am wenigsten Aufwand macht: Wenn das Stadion an RB verkauft ist, ist es nicht mehr unser Problem das Ding auszubauen und der Rest wird schon irgendwie werden. Nachhaltige Planungen und Entscheidungen sehen irgendwie anders aus.

Wenn ich jetzt lese, dass der Stadtrat das Stadion über die Straßenbahnhaltestellen und einem Fußweg zum Hauptbahnhof für "verkehrlich gut erschlossen" hält... Allein schon das meine Rechtschreibprüfung dieses Wort "verkehrlich" beanstandet, macht mir sorgen. Wenn du den Satz dem Bürgermeister in Gelsenkirchen vorlegst, lacht der laut. "Eure Fans sollen was? Zum Hauptbahnhof laufen? Und das nennt ihr gut?"
Und an der Stelle sage ich halt: Für 43.000 Fans mag das sogar noch stimmen. Ich habe aber das Gefühl, dass sich noch niemand Gedanken darüber gemacht hat, wie sich 15.000 zusätzliche Menschen auswirken.
Und das sollte man schon mal machen, bevor man so ein Bauvorhaben genehmigt...

Freitag, 13. Januar 2017

Der Afrika-Cup: Endlich mal wieder so ein richtig schönes Turnier

Geradezu Oldschool. Also ohne beste Gruppendritte und ohne Dreiergruppen. Sondern ganz klassisch mit 2 Parallelspielen am letzten Spieltag. Und wer am Ende Zweiter ist, kommt einfach weiter.

Ach ja, wie schön einfach das doch früher war.

Der Afrika Cup kommt sogar echt mit Prämienstreiks in Guinea-Bissau. Also erst Mal kommt der Afrika Cup an und für sich mit Guinea-Bissau. Und seid ganz ehrlich: bis ihr euch mit dem Afrika Cup beschäftigt habt, wusstet ihr nicht mal, dass es ein Land mit diesem Namen gibt. Geschweige denn wo es liegt... Wahrscheinlich irgendwo neben Andorra...

Oh und all die Afrikanischen Stars kommen nach Hause und lassen da mal so richtig die Diva raus hängen. Spielen genau so, wie sie es auch in ihren Vereinen am liebsten würden... nur dürfen sie da halt nicht.

Was mich auch direkt zu der Frage bringt: Spielt Kevin Prince Boateng eigentlich gerade wieder für Ghana oder ist er gerade wieder suspendiert? Oder gar zurück getreten? Also vom Rücktritt des Rücktritts zurück getreten.

Am anderen Ende stöhnen natürlich die europäischen Vereine: Schon wieder Afrika Cup... also muss man schon wieder auf "seine" Leistungsträger verzichten. Diese dummen Nationalmannschaften. Dass die sich auch echt alles rausnehmen...

Dabei... hat sich am Afrika Cup doch gar nichts getan. Also der wird zum 31. Mal ausgetragen. Theoretisch sollte es diese Probleme doch seit 1957 geben... Ok, damals wurde das Turnier mit 3 Mannschaften ausgetragen... aber seit 1996 steht die Teilnehmerzahl konstant bei 16 Mannschaften...
Trotzdem stöhnen die Fußballmannschaften erst jetzt...

Dafür gibt es natürlich mehrere Gründe. Zum einen... ist Jogi Löw Schuld. Ja, wirklich, genau der. Während er bei Türken und Hoffenheimern immer sicher stellt, dass die nicht zu anderen Verbänden überlaufen, in dem er sie in belanglosen Pflichtspielen einsetzt... ist ihm das bei einem Joel Matip ziemlich egal. (Serdar Tasci ist frühzeitig zum Nationalspieler hochgelobt worden, Matip nicht... ich erwähn's ja nur...
Und ja, Doppelstaatsbürgerschaften sind ein "Problem" für den Fußball, den es erst als Folge der Globalisierung gibt.

Aber sein wir ganz ehrlich: Das eigentliche Problem haben sich die Vereine selbst geschaffen.
Warum war es vor 1996 kein großartiges Problem wenn der Afrika Cup an stand? Nun ja... da sind wir wie so häufig beim legendären Bosman-Urteil. Und dem Freie Arbeitsplatzwahl für alle Europäer in Europa".
Das mag jetzt für jüngere unvorstellbar sein, aber 1996 durften pro Profimannschaft 3 Ausländer aufgestellt werden. Nach dem man erst jegliche EU Mitgliedern freie Arbeitsplatzwahl zugestehen musste (was man dann der Einfachheit halber auf die ganze UEFA ausgeweitet hat...), lockerte man zeitgleich auch die Regelungen für den Rest der Welt. Bis man dann, nachdem man festgestellt hat, dass es eigene Nationalmannschaft ruiniert, wenn man auf billigere Importe als Stammspieler setzt, sich auf eine Positivquote für Einheimische Spieler einigte... Was dann dazu führte, dass der zufällig gerade Deutsche Torwarttrainer als 4. Torhüter geführt worden ist.
Und ja, heute ist das unvorstellbar, aber selbst die großen Bayern haben das mit ihrem Bernd Dreher so gehandhabt: Der war von 2003 bis 2005 schon im Ruhestand, nur um dann nochmal einen "Profivertrag" für 3 Jahre zu unterschreiben...
Wenn man sich das nochmal zu Gemüte führt, wird einem auf ein Mal klar, wie die "Das werden wir unseren Kindern erklären müssen" Nationalspieler Generation zustande kam. Das sind halt auch alles Auswirkungen des Bosmanurteils... obwohl meistens nur über die explodierenden Gehälter und Ablösesummen geschrieben wird.

Um das mal zu verdeutlichen: 1996 rekrutierten sich 8 deiner Stammspieler aus dem Genpool der 80 Millionen Deutschen. Und die restlichen 3 aus dem der gesamten restlichen Welt.
Heutzutage... spielen hin und wieder 12 Spieler aus der Elfenbeinküste für den KSK Beveren in Belgien. Nicht über die gesamte Vereinsgeschichte hinweg, sondern in einer Saison...

Und diese Saison ist mit KAS Eupen ist die "Filalmannschaft Katars" in die erste Liga aufgestiegen... mit 14 theoretisch für den Afrika Cup spiel berechtigten Talenten. Um das mal zu verdeutlichen: In der Gesamten Bundesliga der Saison 1996 hat es keine 16 Afrikanische Spieler gegeben haben.
DER Pionier war Anthony Yeboah im Jahr 1990. Ist ja auch logisch: Wenn man nur 3 Ausländer aufstellen (und ich glaube 5 verpflichten) durftest, hast du diese wenigen Stellen natürlich an die Brasilianer vergeben, die dir richtig gute Spieler versprachen...

Ich will jetzt ja gar nicht die Zeit zurück drehen. Auch wenn die "Da spielt wirklich eine Italienische gegen eine Deutsche Klubmannschaft" Zeit vor 20 Jahren schon noch was anderes war. Aber die Zeiten sind vorbei und auch nicht mehr Zeitgemäß.

Ich wollte lediglich mal darauf hinweisen, dass dieses "Oh mein Gott, wir müssen schon wieder 25 Nationalspieler abstellen" Problem eines ist, was sich die großen Vereine mit ihrer Maßlosigkeit und dem Wegfallen jeglicher Beschränkungen selbst geschaffen haben. Und dass sie auch ganz extrem davon profitieren.
Das allgemeine Niveau im Vereinsfußball ist auf jeden Fall durch das Wegfallen solcher Beschränkungen gestiegen. Wenn es in Deutschland keine ordentlichen Linksverteidiger gibt, holt man sich halt 2 aus dem Ausland und löst das Problem.

Man sollte halt nicht mit ständig darüber jammern, dass diese "Errungenschaften" auch mit einigen Nachteilen kommt. Aber das werden die großen Vereine nie verstehen...

Donnerstag, 12. Januar 2017

Die Rache der Kleinen

Ja, was habt ihr denn gedacht? Natürlich machen die genau das... und das ganz große Problem: Die großen Vereine und Verbände, die jetzt über diesen Neuen Modus meckern, haben einfach keine Argumente...

Denn: Warum soll die ECA dürfen und die Fifa nicht? Vor allem, wo die Fifa wirklich behaupten kann, dass sie das für die Kleinen macht.

Also ja... da driften gerade 2 Kontinente voneinander weg und ich will mir gar nicht ausmalen, wie die endgültigen Konsequenzen dieser Reformen aussehen.

Aber wie wir die Fifa kennen, wird es kein Zurück geben. Genau so wenig wie bei der Champions League Reform. Wenn es eines gibt, was solche Lobbyisten-Verbände auszeichnet, dann das sie von ihren Errungenschaften nichts mehr abgeben wollen.

Dass man derzeit nicht über eine Vergrößerung des Teilnehmerfeldes für 20% mehr Umsatz nachdenken sollte, wenn man gerade in einem der größten Korruptionsskandale der Menschheitsgeschichte steckt, erschließt sich jedem anständigen Menschen. Nur findet man diese anscheinend auch bei der Fifa nicht mehr. Eigentlich sollten sie derzeit alle verfügbaren Kapazitäten in eine ordentliche Aufklärung stecken. Aber diese Reform ist ein ganz klares Zeichen: Es geht hier weiter wie bisher. Es wird immer noch hauptsächlich fürs eigene Konto gewirtschaftet. Und die "Kleinen" haben immer noch viel zu viel Einfluss...

Aber darum soll es dieses mal ja gar nicht gehen. Dazu ist ja eigentlich alles gesagt.

Selbst dass die Reform die Gruppenphase noch furchtbarer macht... was nebenbei nicht mal fest steht. Wenn man sich dafür begeistern kann, wie China gegen Ghana in einem Alles oder Nichts Spiel um die K.O. Phase kämpfen... dann wird diese neue Gruppenphase sogar spannender als die alte. Denn der letzte Spieltag wird ausschließlich aus solchen Partien bestehen.

Das eigentliche Problem ist: Dass die Interessen der Verbände und die Interessen der Vereine nicht mehr unter einem Hut zu kriegen sind.

Auf der einen Ebene haben die "Kleinen" viel zu wenig Mitspracherecht. Da wird uns dann eine Reform, die ausschließlich den großen Vereinen und ihren Verbänden etwas bringt, als beste Lösung für alle verkauft...
Und nebenbei machen die das einzige gute, was die korrupten alten Säcke in den letzten Jahren gemacht hat, wieder kaputt...

Die Reaktion der Kleinen? Wenn wir keine Chance mehr haben als Rumänien in die Champions League Gruppenphase zu kommen, dann sichern wir uns wenigstens einen einfacheren Weg zur WM Teilnahme.
Und ja, am Ende werde da die anderen Kleinen wesentlich mehr von haben als die kleinen Europäer. Aber auch das europäische Teilnehmerfeld wird ja um 3 oder 4 Teilnehmer erweitert. Hollands Teilnahme ist damit zum Beispiel schon fast gesichert.

Das wirklich geniale an Infantinos Reform: Die großen Verbände können sich nicht mal über eine Zusatzbelastung aufregen. Denn man braucht ja immer noch 7 Spiele um Weltmeister zu werden. Ein extrem cleverer Zug. Denn jetzt können ihm die Jungs von der ECA nur die Gier nach mehr Geld vorwerfen. Worauf er dann antwortet: Ach, wenn das mein Handeln motiviert, ist das ein Problem? Wenn ihr das allerdings macht, ist es moralische einwandfrei.

Das wirkliche Problem: Wir brauchen eine Lösung. Also wenn die Größen des Vereinsfußballs und die Kleinen der Nationalmannschaften weiterhin nur in entgegengesetzte Richtungen ziehen, dann wird das Tischtuch irgendwann reißen.
Und ja, es kann niemand verhindern, dass die großen Vereine der Welt eine Privatliga aufmacht und dann in dieser frei von jeglichem Fifa-Einfluss arbeitet. Und die Fifa kann die Mannschaften in dieser Liga dann auch nicht mehr Sanktionieren. Das will aber halt eigentlich keiner. Deswegen hat die Uefa ja der ECA nachgegeben. Damit alle im Boot bleiben.

Jetzt muss allerdings doch irgendwie mehr passieren. Man müsste sich wirklich mal zusammensetzen und gemeinsam die Fahrtrichtung für die nächsten 25 Jahre festlegen. Wo dann auch beide Seiten Zugeständnisse machen und nicht jeder nur Meins! und Mehr! schreit.

Denn durch diese "Hauptsache ich kriege Meins!" sind wir jetzt in dieser beschissenen Konstellation.

Wenn jetzt, als spontanes Beispiel, die Fifa sagt: Wir lassen die 48 Teilnehmer, aber dafür finden wir für alle Verbände eine Variante, die Qualifikation zu verschlanken. Auch für Südamerika, wie immer das gehen soll (Auf ESPN.FC wurde eine Zusammenlegung von Nord- und Südamerika diskutiert... das klingt erst Mal absurd, wäre aber eine der wenigen Varianten die eingleisige Qualifikationsliga des CONMEBOL abzuschaffen.)
Das war ja nebenbei mein größte Kritik am neuen EM Modus: Dass man dann trotzdem die 5er Gruppen beibehalten hat, in denen dann selbst der Gruppendritte Chancen auf eine EM Teilnahme hat.
Und ja, wenn man jetzt dem FC Bayern sagt: "Ok, passt auf, man braucht immer noch 7 Spiele um Weltmeister zu werden, aber nur noch 6 bis 8 um sich zu qualifizieren... anstatt 12 bis 14. Dann wird Karlheinz Rummenigge auch zuhören.

Gleichzeitig müssen dann aber auch Zugeständnisse von der Vereinsseite kommen. Ein ernsthafter Versuch, dass die Schere zwischen den Superreichen und dem Rest nicht noch weiter auseinander geht. Wie auch immer das funktionieren soll... Man könnte damit anfangen, dass man nach der gekürzten Qualifikation nicht mehr über die Länderspieltermine jammert. Das wäre echt angenehm.

Verdammt, ich fühle mich wie ein Hippie, weil ich "Aufstehen, aufeinander zugehen" propagiere...

Dienstag, 10. Januar 2017

Leipzig begeht gerade den ersten krassen Fehler

Wer von denen? Genau: Alle beide.

Und hey, wenn man ne Weile quasi nichts geschrieben hat und seine "Kundschaft" zurück ins Boot holen will... schreibt man am besten über RB Leipzig... Erfahrungswerte.

Für den Leipziger in mir baut sowohl die Stadt Leipzig als auch der Verein RB gerade das erste Mal richtig Scheiße. Bisher war das ja eine wunderbare Symbiose: Die seit 20 Jahren nur leidenden Fußballfans bekamen endlich einen Verein, zum dem man gehen kann, wenn man guten Fußball sehen will. Die Stadt Leipzig kriegt einen weiteren Großinvestor, der auch in die Infrastruktur Kohle fließen lässt und mehr Arbeitsplätze geschaffen hat als der Verein Mitglieder hat (was natürlich keine Kunst ist, da reichen ja die 11 Stammspieler um dieses "Ziel" zu erreichen).
Und RB hat halt diesen hungrigen Wachstumsmarkt zu günstigsten Kondition ausgeliefert bekommen... Hier gibt es wirklich nur Profiteute (selbst Lok und Chemie ging es seit langem nicht mehr so gut wie heute)...

Dann... kam diese eine Nachricht, die die meisten RB Hasser sogar verpasst haben dürften: Die Stadt Leipzig verkauft sein Stadion an RB, damit die das Ding auf 57.000 Zuschauer ausbauen... Und das ist halt... eine Katastrophe für alle Beteiligten.

Also zum einen klingt 57.000 nach verdammt viel. Aber das ist wohl auch das absolute Maximum, was man aus dem alten Zentralstadion nach neuen Sicherheitsstandards machbar ist. Es gibt nämlich so viel, was man bei einem Ausbau bedenken muss: Das Ding wurde auf den Trümmern des Zweiten Weltkrieges erreichtet. Also buchstäblich. Das Fundament besteht aus dem "im Bombenkrieg enstandenden Trümmerschutt"...

Jetzt haben wir einen Verein, der bereits im 7. Jahr seines Bestehens ein 57.000 Zuschauer Stadion braucht. Also das aktuelle ist halt zu klein. Wenn man sich dann mal überlegt, wie wie viele Fans der Verein anzieht, wenn der Albtraum der Traditionsfans umgesetzt worden ist und RB ein international relevanter Verein ist... Ich behaupte jetzt mal: In spätestens 10 Jahren werden auch 57.000 nicht mehr reichen.

Aber selbst wenn die 57.000 wirklich langfristig reichen und der Umbau auf dem Schutt machbar ist... Und ja, das sind wirklich verdammt große Zahlen. Das ganz große Problem ist aber: Die kriegst du in Leipzig einfach nicht weg.
Eine RedBull Arena, dass alle 2 Wochen komplett voll ist, ist für die Stadt jetzt schon ein absolutes Organisations-Chaos. Denn das Ding hieß früher nicht "Zentralstadion", weil es ins Zentrum des getrennten Deutschlands errichtet worden ist... Sondern weil es mitten in der Stadt steht. Im so genannten Waldviertel.
Heute würde niemand mehr auf die Idee kommen in so ein Gebiet ein derart großes Stadion zu errichten. Die Dinger baut man an Autobahnabfahrten und S-Bahnhaltestellen. Selbst ein gefühlter Dorfverein wie der SC Freiburg hat erkannt, dass sie Richtung Messe umziehen müssen, wenn sie weiter wachsen wollen...

Guckt euch das Ding einfach mal bei Google Earth an. Und dann vergleicht es mit der Commerzbank Arena in Frankfurt. Dann wird euch eines direkt auffallen: In Frankfurt ist das ganze Ding grün eingerahmt. Und man sieht im Nordwesten ordentliche Gleise in Reichweite. In Leipzig... seht ihr die Roten Dächer einiger Wohnblocks. Das Waldstraßenviertel ist "eines der größten geschlossen erhaltenen Gründerzeitviertel Europas". Und am Waldplatz steigt man auch aus, wenn man ins Stadion will... nicht aus einer S-Bahn... nein, aus der ganz normalen Straßenbahn...
Und ja, der gesamte "Fanverkehr" muss im wesentlichen über 2 Straßenbahnhaltestellen der LVB geregelt werden. Ich sehe nicht, wie das schief gehen könnte...

Was mich ja an dem Beyonce Knowles Konzert im Sommer am meisten an der Stadt Frankfurt beeindruckt hat (und ja, ich gebe es zu, ich will eigentlich gar nicht über RB und das Stadion schreiben, sondern suche nur nach einer Ausrede, wie ich von dem Konzert schwärmen kann): Wie gut die An- und Abreise über die öffentlichen Verkehrsbetriebe geregelt wurde. Da gibt es halt eine Extra S-Bahn-Haltestelle mit einem Extra Gleis. Dann werden die Fans in einen 200plusMeter Zug gestopft und zum Hauptbahnhof verfrachtet. Oder steigen in den 2 Haltestellen unterwegs aus. Und schon verteilen sich die 50.000 Leute, die so im Frankfurter Stadion rumgammeln, relativ schnell. Dazu gibt es dann noch eine Straßenbahnlinie, die zum Stadion rausfährt...

In Leipzig... ist das gesamte Park And Ride System auf die Straßenbahnen ausgelegt. UND es liegt mitten in einem Wohngebiet.
Hier gibt es an Bundesligaspieltagen eine Regel: Wenn RB Heimspiel hat und du keine Karte besitzt, meide den Waldplatz und sein Umfeld UM JEDEN PREIS. Plane deinen ganzen Tagesablauf so, dass du da nicht vorbeifahren musst. Denn dort ist alles dicht. Gefühlt den ganzen Tag... und das bei 43.000 Zuschauern... Pack da nochmal 14.000 drauf...
Das ist einfach von der Verkehrssituation nicht machbar.

Also ich weiß nicht genau, ob sich die Stadt Leipzig bewusst war, was sie da gerade entschieden haben: Sie haben sich gerade ihren eigenen "U-Bahnhof Fröttmaning" geschaffen. Falls ihr nicht genau wisst, wovon ich rede: Der Umbau der "U-Bahnstation Allianz-Arena" in München haben Stadt und Land nach Kostenvorsanschlag 400 Millionen Euro gekostet. Was es am Ende wirklich gekostet hat, ist heute nicht mehr nachvollziehbar... Ich kann an der Stelle eigentlich nur auf meinen "Financial Fair Play... Ja, klar sicher!" Beitrag aus dem Jahre 2012 und den Abschlussbericht der Bundesregierung zur WM 2006 verweisen, wenn ihr ungefähr rauskriegen wollt, wie viel Geld damals Deutschlandweit in die Infrastruktur um die Stadien gesteckt worden ist... es sind 3,7 Milliarden... (und Uli Hoeneß will euch wirklich erzählen, dass der Verein das Stadion "alleine" gebaut hat... ja klar...) In München war allerdings schon eine S-Bahn-Linie in Stadionnähe. In Leipzig müsste am Extra ein Liniennetz verlegen... Ins Wohnviertel...
Um das mal in Zahlen auszudrücken: Die dichteste S-Bahn-Haltestelle ist 3 Kilometer entfernt...

Der Architekt wird sich sagen: Ist ja kein Problem, machen wir Unterirdisch. Weil das letzte Mal Tunnel Bauen in Leipzig so günstig war... Und garantiert Problemlos verläuft... Bleibt zu hoffen, dass das Land einsieht, dass die Stadt Leipzig ganz dringend diese neue S-Bahn Linie braucht und dies ordentlich fördert... oh fuck, unsere Landesregierung sitzt bei Dynamo...

Du kannst halt jetzt keine vernünftigen Vorhersagen machen, was für Kosten auf die Stadt Leipzig zukommt, wenn sie 2 Mal im Monat 57.000 Menschen abtransportieren wollen... und dabei das Waldstraßenviertel erhalten wollen.

Die Lösung? Auf den ersten Blick ganz einfach: Man verkauft RB ein entsprechendes Grundstück beim Messegeländer oder am Drehkreuz Schkeuditz. Dass sind die Stellen in Leipzig, die jetzt schon so gut erschlossen sind, dass der Abtransport von Massen relativ einfach geregelt werden kann...

Dass schlimmste, was einem da passieren kann... Michael Kölmel (der das Stadion eigentlich betrieben und verkauft hat) zwingt die Stadt dazu, ihm die dann ziemlich wertlose Immobilie abzukaufen... und da Leipzig keine 2 40.000 Mann Arenen braucht, kann die Stadt das Stadion hinterher dann abreißen... Das würde aber immer noch die kostengünstigere Variante sein...

Und ja, das Zentralstadion wird damit wieder zu der Kapitalleiche, die es vor RB auch war... Selbst wenn man das Stadion aus Nostalgiegründen wie dem Denkmalschutz behält, kommt man allerdings immer noch günster bei weg, als wenn man die Infrastruktur im Umfeld des Stadions wirklich bundesligatauglich macht...

Samstag, 7. Januar 2017

Nagelsmann ist seienr Zeit vorraus

Und diesem Blog trotzdem hinterher. Aber hey, man kann ja nicht alles können...

Also ja, Julian Nagelsmann ist der erste Trainer, der offen ausspricht, dass es mit den taktischen Fouls nicht so weiter gehen kann... dass diese viel härter bestraft werden müssen. Nur geht er dann dummer Weise in die völlig falsche Richtung und fordert... Zeitstrafen!!! Ja!!! Lasst uns das an sich so simple Regelwerk unnötig kompliziert machen!!!

Das wichtigste Zitat ist doch:
"Es bringt mir doch nichts, wenn ein gegnerischer Spieler nach dem achten taktischen Foul die Gelbe Karte sieht und irgendwann mal ein Spiel aussetzen muss."

Der entscheidende Denkfehler ist doch aber, dass erst das 8. taktische Foul die Gelbe Karte nach sich zieht. Man müsste die Schiedsrichter einfach mal dazu anhalten jedes taktische Foul auch entsprechend zu ahnden. Klar, dann ist man ganz schnell bei 8 Gelben Karten pro Spiel... aber die Akteure auf dem Feld werden sich ja auch anpassen. Das sind schließlich Profis. Und wenn sie wissen, dass es für das unterbrechen des Konters auch tief in der gegnerischen Hälfte Gelb gibt, dann lassen die das auch relativ schnell...

Und hätte ein Nagelsmann wirklich mehr davon, wenn er nach 8 taktischen Fouls  (also 8 unterbrochenen Angriffsmöglichkeiten) ein Mal für 5 Minuten eine Überzahl bekommt? So wertvoll sind 5 Minuten Überzahl einfach nicht, die kriegt man dann meistens ordentlich verteidigt... also wenn man sich vorher drauf einstellen kann, dass man dies muss, entwickelt man dafür garantiert einen Plan. Dann stellt man 5 Minuten lang das Angriffsspiel ein und verteidigt souverän... Die meisten Bundesligisten werden dies hinkriegen... einen Vorteil hat man also nur gegen... Werder Bremen...

Dass die taktischen Fouls mehr und mehr zum Problem werden, wurde hier nebenbei 2012 hier bereits ausführlich erörtert. Weil das Streichen jeglicher Vorstrafen für die Halbfinalspiele (nach dem Motto: Hauptsache die Besten können auf jeden Fall spielen) dazu geführt hat, dass es in einem EM Halbfinale 8 Verwarnungen gab. Jeweils im wesentlichen für das, was man als taktisches Foul ahndet.

Dieses Jahr war die EM so schon grottig genug, da musste man nicht unbedingt auf solche Kleinigkeiten achten um Probleme zu entdecken. Auch wenn 11 Gelbe Karten in 2 Halbfinalen nach einer üblen Treterei klingen... aber 8 von denen gab es ja für taktische Fouls...

Und ja, es wird jetzt niemand nochmal die Spiele der grausamen EM angucken, nur um diese These zu widerlegen...

Das Problem ist offensichtlich: Das unterbrechen des Spielflusses wird nicht annähernd hart genug bestraft. Viel zu oft kommt man vollkommen konsequenzfrei an sein Ziel: Den Gegenangriff unterbinden.

Der Grund liegt aber halt einfach daran, dass die Schiedsrichter all diese taktischen Fouls durchgehen lassen. Sie haben das rechtliche Mittel, diese zu bestrafen. Auch wenn die DFL dafür vielleicht noch mal eine grundlegende Schulung. Und wenn sich die Profis hinterher darüber beschweren, dass man ja nicht für jede Kleinigkeit Gelb zeigen muss... Und darüber heulen, dass man ja gar nicht mehr "körperlich" zu Werke gehen darf... dann zeigt man den Spielern sauber geführte, intensive Zweikämpfe im eigenen Abwehrdrittel und sagt ihnen: "Das geht doch immer noch Einwandfrei..."

Und ja, dies würde dazu führen, dass es für jedes 2. Foul im Spiel Gelb gibt. Das Spiel ist halt mittlerweile extrem von Taktik geprägt... es sei denn, man guckt HSV - Werder... da stolpern halt 22 Leute planlos über den Rasen.
Aber wenn das Spiel extrem von Taktik geprägt ist, dann müssen es doch die Fouls zwangsweise auch sein.

Was mich ja am meisten ärgert, ist ja, wie wenig sich die Bundesligaprofis darüber Gedanken machen müssen, ob sie hier mal ein taktisches Foul einsetzen können oder nicht. Ein taktisches Foul als Ausnahmemittel um wirklich mal einen kritischen Gegenangriff taktisch clever zu unterbinden, ist ja legitim. Aber nach jedem Ballverlust ein kleines Foul einbauen, ist es halt nicht... die Bundesliga tendiert eher zu Letzterem.

Guckt euch einfach mal nen Bundesligaspiel an. Und dann zählt selber mit, wie oft ein Spieler einfach nur ein leichtes Foulspiel begeht, nur um den Spielfluss zu unterbrechen. Also wenn meine Regeländerung (was ja eher eine Regelumsetzung ist) durchgeführt wird, wird es 2 Wochen Verwarnungen hageln und danach haben sich die Profis drauf eingestellt und der Spielfluss wird zu einem reißenden Strom.
Wenn sich Nagelsmann durchsetzt... werden wir uns daran gewöhnen müssen, dass Bundesligafußball nur noch in Ausnahmesituationen als 11 gegen 11 gespielt wird, weil ein Spiele pro Mannschaft im Schnitt gerade "intensive Anweisungen vom Trainer" bekommt...

Die einfache Lösung ist dieselbe wie immer: Einfach das vorhandene Regelwerk mit mehr Konsequenz durchsetzen. Da könnte man so viele Probleme einfach lösen...

Ich hab das ja in meinen ominösen Kreisligatagen selber mal erlebt. Also den einen Schiedsrichter, der fürs erste Mal "Ey, Schiri, das ist doch Gelb!" dem Spieler selber eine Verwarnung unter die Nase gehalten hat. Danach war 85 Minuten lang Ruhe auf dem Platz.
Genau so würde sich die Bundesliga entwickeln, wenn die Profis feststellen, dass es ab Sommer für die kleinen taktischen Foulchen ab sofort auch Gelb gibt.