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Montag, 23. Juni 2025

Die Berichtserstattung über die Klub WM ist herrlich verlogen

Prelude: 3 Tage habe ich zwischenzeitlich im Krankenhaus verbracht. Hauptsächlich deswegen habe ich mich mehr mit der Klub-WM beschäftigt, als ich vorhatte. Denn die Alternativen waren: Lineares Fernsehen zu genießen, was ich seit bestimmt 15 Jahren nicht gemacht habe. Aber ich konnte mich wenigstens selbst fürs Programm entscheiden, wenn es auch noch 10 Stunden RTLII gegeben hätte... Danke, Arte.

Option 2: ich scrolle mich durch die sozialen Medien, die komplett von rechten Trollen und Flat Earthern verseucht sind. Selbst einem zynischen Arschloch wie mir ist das irgendwann zu hässlich. Und politische Nachrichten will man ja gerade auch lieber ausblenden, wenn man auf Schmerzmitteln in einem Zimmer eingesperrt ist. Also doch Sport. Bedeutet: also doch Klub-WM.

Und da fällt dann auf, dass die Europäer ihre Meinung vor dem Turnier schon fertig hatten: alles sinnlos. Da wird dann von Hass geschrieben, wovon wir ja in diesen Zeiten dringend noch mehr brauchen. Das Ganze ist natürlich ein Desaster. Gleichzeitig schafft man es aber nicht mal, halbwegs anständige Live-Ticker zur Verfügung zu stellen. Also es mussten ja Spiele wegen diversen Unwetterwarnungen pausiert werden. Passiert halt in Zeiten des Klimawandels. Selbst bei einem Turnier in Deutschland. Auf Kicker.de stand dann aber nur "abgebrochen". Warum konnte man nicht herausfinden. Das soll das beste Sportmagazin in Deutschland sein? Wie erbärmlich. Haben die keine Praktikanten mehr?

Natürlich hat das Turnier zahlreiche Probleme. Wie alles im Profifußball. Nächsten Sommer werden auch Spiele in der Mittagssonne angesetzt werden, damit wir Europäer die sehen können. Da wird sich die Hitze auch auf die Qualität der Spiele auswirken. Und die Einheimischen sind vom Turnier ausgeschlossen, weil sie ja um 12 arbeiten müssen. Nur wird es dann niemanden interessieren.

Das einzige neue Problem ist ja, dass die Stadien eine Nummer zu groß sind. In 40.000 Mann Arenen würde das alles unproblematisch wirken. Also abgesehen von Boca Juniors, die die Hütte echt voll machen. Aber jetzt tun alle so, als wären 35.000 im Durchschnitt "niemand". Damit wäre man 8. in der Bundesliga-Tabelle... Aber diese Relativierung wird ja bewusst verschwiegen.

Und dann wurde über den sportlichen Teil nach dem ersten Bayern-Spiel geurteilt. Weil diese die Amateure aus Auckland mit 10:0 abgefertigt haben, ist das gesamte Turnier unnötig.

Kurzer Realitätsabgleich: Die Europäer haben im interkontinentalen Vergleich nach 2 absolvierten Spieltagen eine bescheidene Bilanz: 11 Siege, 4 Unentschieden, 3 Niederlagen. Nur so als Verglech: Die Südamerkaner kassierten ihre erste Niederlage im 10. Spiel... Wenn man bedenkt, wie krass unterschiedlich die finanziellen Voraussetzungen sind, ist das absurd. Selbst Giganten wie Paris St. Germain und der FC Chelsea haben bereits verloren. Nur die Bayern, Manchester City und Juventus  starten mit 2 Siegen. Die letzten beiden hatten halt extremes Losglück. Und auch die Bayern mussten sich gegen Boca mehr strecken, als ihnen lieb war. Nach dem überraschenden, aber überragenden, Ausgleich von Miguel Merentinel war man sichtlich angeknockt.

Boca ist sowieso die faszinierendste Mannschaft des Turniers, nicht nur wegen der Fans. Das ist eine richtig asoziale Tretermannschaft. Die wehren sich mit allem, was sie in die Wagschale werfen können und testen die Linie des Schiedsrichters permanent aus. Torhüter Augustin Marchesin ging in beiden Spielen in der 75. Minute ohne Gegnereinfluss zu Boden, nur um eine Behandlungspause zu kreieren und den Spielfluss zu unterbrechen. Asozial? Bestimmt. Unsportlich? Nur bedingt, denn sie versuchen ja nur die krassen wirtschaftlichen Unterschiede auszugleichen. Und darum geht es mittlerweile doch im Profisport. Wenn man bedenkt, wie viele Bundesligisten sich brav ihrem Schicksal ergeben und sich fast widerstandslos abschießen lassen... Die könnten sich dieses Spiel mal angucken, wenn sie Ideen brauchen, wie man sich richtig wehrt.

Aber anstatt die großartige Verteidigungsleistung zu würdigen, wie der geschlagene Luis Enrique es tat, wird lieber gehated. Aber wenn mir jemand vorher gesagt hätte, dass die Europäer so schlecht starten, hätte ich sie ausgelacht. Und dass der 2. Anzug nicht reicht, um die hoch motivierten Mannschaften der anderen Kontinente im Vorbeigehen zu schlagen, ist eine spannende Erkenntnis. Und ja, in den letzten Tagen scheint man ein wenig die Kurve zu bekommen, weil sich die Erkenntnis, dass das doch kein Spaziergang wird, durchgesetzt hat.

Auch das erste Spiel von Boca Juniors gegen Benfica Lissabon wäre sofort ein Klassiker, wenn man die Berichtserstattung ernst nehmen würde: Volle Hütte, super Stimmung, 3 Platzverweise und mit Ángel Di María und Nicolas Otamendi klauen ausgerechnet 2 Weltmeister den Argentiniern 2 Punkte. Dieses komplett einzigartige Spiel mit all seinen besonderen Emotionen rechtfertigen dieses Turnier für mich.

Und wenn ihr jetzt mit "ja, aber die Korruption, die Belastung und die Menschenrechte!!!" Klar, wenn man das konstant anspricht, darf man darüber jetzt auch jammern. Aber wenn man den Champions League Sieg der Qataris zu einem Fußball-Märchen verklären will und da den ganzen Scheiß komplett ausblendet, sollte auch jetzt die Fresse halten. Denn die reformierte Champions League mit demnächst 6 Mannschaften aus der Premiere League ist genauso schlimm, wie die Klub-WM. Aber weil davon ausschließlich Europäer profitieren, frisst man das anstandslos.

Denn wirklich verwerflich ist das alles nur, wenn andere Menschen als wir Europäer von etwas profitieren. 

Freitag, 13. Dezember 2024

Das Hamann Mysterium

 Kurz gesagt: Warum hat der Mann noch einen Job? Ganz einfach: Weil er verdammt gut in seinem Job ist.

Das klingt erstmal absurd. Denn kein anderer Experte wird so oft kritisiert, wie Didi Hamann. Von den Verantwortlichen der Bayern, die natürlich ihre Spieler schützen. Von anderen Experten, die ihm direkt widersprechen. Und unter jeder Kommentarspalte, wenn eine seiner Hot Takes wieder viral geht.

Um da mal selber ein Hot Take loszulassen: Seine Aussagen wirken auf mich oft wie KI Generiert. Der tippt vor der Live-Sendung bei ChatGPT die Frage ein "Wie kann ich zu diesem Spiel oder jenem Spieler was richtig krasses sagen, was alle triggert?" Und ChatGPT so: Harry Kane trifft in den wirklich wichtigen Spielen nicht.

Dass Kane in der K.O. Phase der Champions League auf 4 Tore kommt, ist da egal. Denn wirklich wichtig waren ja die Rückspiele gegen Dortmund und Leverkusen...

Sein neustes Beispiel: Jamal Musiala und Florian Wirtz passen einfach nicht zusammen. Das hat man ja im Sommer gesehen. Dass das 2 verdammt junge Spieler sind, die noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung sind, ignoriert er genau so, wie den Fakt, dass beide alle Positionen in der offensiven Dreierreihe spielen können.

Hier muss man auch einen technischen Aspekt einwerfen: Wie bei einer guten Verschwörungstheorie gibt es einen kleinen, wahren Kern. Also praktisches Beispiel: Die ganzen Studien zum Klimawandel sind doch bezahlt!!! Ja, es gab Studien, die von der Wirtschaft in Auftrag gegeben wurden, damit Ergebnisse herausgefunden werden, die denen passen. Und wenn die Ergebnisse nicht passen, werden sie geheim gehalten. Nur kommen diese Studien halt von Ölkonzernen und nicht von den Grünen. Ein weiteres bekanntes Beispiel sind großen Tabakfirmen, die ebenfalls jahrelang die Gefahr von Zigaretten verheimlichen wollten. Das, was jetzt "Den Grünen" vorgeworfen wird, ist halt durchaus auch mal passiert.

Zurück zu Hamann: Ja, Kane war im Rückspiel gegen Dortmund und Leverkusen schlecht. Ja, das Zusammenspiel von Musiala und Wirtz während der EM blieb hinter den Erwartungen zurück. Deswegen haben diese Aussagen einen gewissen Zusammenhang zur Wirklichkeit. Man muss sich halt nur auf 2 Wochen konzentrieren und die restlichen 50 ignorieren, dann passt das schon. Auch wenn eine sachliche Analyse eher ein "Selbst Musiala und Wirtz müssen sich einspielen, deswegen ist die Nations League zum Testen doch verdammt wichtig" wäre. Aber mit sachlichen Takes sorgt man nicht für Umsatz.

Jetzt macht Hamann vor allem eins: Er sorgt für Takes, die Viral gehen. Und genau das will Sky, denn dadurch kommt man ja ins Gespräch. Dabei gilt wieder: Es gibt keine schlechte Presse. Praktisches Beispiel: Rammstein sind dank der Vorwürfe gegen Lindemann mit all ihren Alben wieder in den Charts eingestiegen. Die haben davon profitiert, dass ihrem Liedsänger sexuelle Übergriffe vorgeworfen wurden.

Und Hamann ist der eine Experte, den jeder in diesem Land kennt. Der Mann wird ständig auf allen Plattformen zitiert. Einfach nur, weil seine Aussagen so krass sind, dass alle darauf reagieren. Dass die meisten mit "Was für ein Spinner" antworten, ist sowohl Sky, als auch der Welt egal. Sie haben es nicht nur geschafft, dass man auf ihre Artikel klickt, sondern auch noch, dass Leute kommentieren, was die Artikel weiter verbreitet. Für die ist Hamann ein Heiland.

Das ist nüchtern gesehen auch nichts Neues. Also ich habe mich schon vor Jahren aufgeregt, warum alle Netzer und Delling als Duo feiern, wenn die als Experten eigentlich furchtbar war. Also man hat da ganz selten etwas neues gelernt, während man denen zugehört hat. Aber die waren halt unterhaltsam, wenn sie gegeneinander gesitchelt haben... obwohl die privat richtig gut miteinander klar kamen... Aber die waren auch damals schon darauf angelegt, dass sie viral gehen, und nicht darauf aus, Fußball sachlich zu erklären. Nur war es damals halt schwerer, "viral zu gehen", wenn es die Videos nur verpixelt gab...

Neu ist nur der technische Aspekt, dass jeder Hamann Kommentar kommentiert wird. Hier noch eine lustige Episode aus den Sozialen Medien: Dort pusht Chip.de regelmäßig den Artikel, dass immer mehr Vegane Speisen in den Stadien angeboten werden. Die Leute, die selber vegan essen, nicken da kurz zustimmend und scrollen weiter. Deswegen sind dann 80 % der Kommentare negativ. Weil die Leute dann auch nicht verstehen, dass dies ein Zusatzangebot ist und die Wurst deswegen nicht aus dem Stadion verschwindet. Und dann fragt jemand ernsthaft "Wie oft wollt ihr diese Studie noch pushen?" Die sachliche Antwort: Solange ihr da draufklickt und damit interagiert, wird es immer wieder geschaltet und gepusht. Wenn das alle schulterzuckend mit einem "Ist halt so, wen interresiert's" zur Kenntnis nehmt, werden diese Posts auch irgendwann verschwinden.

Das würde auch bei Hamann helfen. An dem Tag, an dem Max Eberl jegliche Aussagen von Hamann einfach ignoriert. An dem wir alle einfach anerkennen, dass weghören die einzige Lösung ist. Und klar, mein kleiner und irrelevanter Beitrag hilft da jetzt kurzfristig auch nicht, denn ich interagiere jetzt ja auch mit Hamann. Deswegen habe ich dieses Thema das ganze Jahr vor mir hergeschoben und habe seinen Namen (ein Hoch auf die Suchfunktion) in den letzten 12 Monaten 2 Mal verwendet. So kommen wir nie in die Charts. Obwohl ich ja eigentlich der ursprüngliche Hamann-Hater bin, weil ich den mit Carsten Ramelow gleichgestellt habe... also als Spieler, der zur unfähigsten Generation aller deutsches Fußballer gehörte. An der Stelle ist es faszinierend, dass Hamann als Experte das komplette Gegenteil des Spielers ist, der allgemein eher eine Spaßbremse und ein absurder Bürokrat im Mittelfeld war, als jemand, der ins Risiko ging.

Ich kann mir aber auch durchaus vorstellen, dass dies eine bewusste Entscheidung von Hamann ist und er diese Rolle am Ende nur spielt. Der könnte einfach verstanden haben, dass man so am einfachsten Reaktionen hervorruft und dass sich niemand wirklich für sachliche und tiefgründige Analysen interessiert... für die er bei Sky auch einfach keine Zeit hätte. Der halt halt Stephen A. Smith und Skip Bayless studiert und verstanden. Das waren 2 Amerikanische Sportexperten, die für genau die krassen Takes bekannt sind, die Hamann jetzt auch verbreitet. Und die Millionen verdient haben, weil sie sich im amerikanischen Fernsehen angeschrien haben. Beide lagen eigentlich so oft daneben, dass sie von jeglicher Diskussion ausgeschlossen werden sollten. Stattdessen wurde Smith zum Gesicht von ESPN und Bayless zum Gesicht von Fox Sports. So funktionieren die Medien halt und genau das muss man verstehen.

Wenn man aber zumindest verstanden hat, dass Hamann auch nur seinen Job macht, fällt es einem einfacher, diese Aussagen mit einem milden Lächeln zur Kenntnis zu nehmen. Und wenn das alle irgendwann machen, wird das auch vorbei gehen.

Und wenn ihr bewusst was gegen Hamann machen wollt, dann klickt ihr einfach auf die Beiträge mit den tiefgründigen Analysen. Kommentiert dort, damit der Algorhytmus verwirrt ist. Hier ist ein Beispielvideo, in dem erklärt wird, wie eine an sich irrelevante Regeländerung das (Aufbau-)Spiel verändert hat. Ihr könnt da auch "Hamann ist ein Vollidiot" reinschreiben, denn es ist dem egal, was ihr schreibt.

Vor allem ist auch wichtig, dass Hamann nicht das Problem ist, sondern nur ein Sympthom für ein größeres Priblem: In unseren Medien geht es mehr darum, richtig und sachlich zu berichten, sondern möglichst krasse Schlagzeilen zu produzieren. Don't hate the player, hate the game.

Dienstag, 2. Mai 2023

Passives Abseits Leser wissen es früher: Challenges! Bitte Jetzt!

 Ernsthaft? Hat es eigentlich irgendjemanden überrascht, dass der VfL Bochum gegen Borussia Dortmund gepunktet hat? Selbst dem Kicker ist aufgefallen, dass der Tabellenführer dieses Jahr, um nur etwas zu übertreiben, so gut wie nie gewinnt. Zumindest, wenn es sich nicht um den FC Bayern handelt. Oder Union Berlin. Es ist wieder mal der Nachweis, dass es nur eine Variante gibt, wie der Rekordmeister den Titel nicht schon wieder holt: Wenn sie am 34. Spieltag patzen.

Lustigerweise führt der Kicker auch aus, dass Borussia auch ihre Tabellenführung in der Saison 2019/20 sofort wieder verspielte. Aber selbst die kriegen ja nicht raus, wann Dortmund das letzte Mal eine Tabellenführung verteidigt hat. Wobei das gar nicht sooo schwierig ist, es war am 2. Spieltag der bereits angesprochenen Saison. 

Das eigentlich Traurige ist ja, dass die Borussen jetzt die Schuld bei dem Schiedsrichter suchen können, weil sie ja 3 Mal krass benachteiligt wurden. Ok, alle sachlichen Kritiker sprechen nur von einem Vorfall, aber wer will schon sachlich auf die Dinge gucken.

Aber das ist der größte Teil des Problems: Dortmund Vorstandsabteilung sehen sich hinterher als großes Opfer, weil sie Fehlentscheidungen sehen, wo gar keine waren. Und dann fragt Sebastian Kehl sich, was hier wohl los wäre, wenn das dem FC Bayern passiert wäre... Worauf der Kommentator eiskalt mit "Vielleicht hätte er ein Tor mehr geschossen." antwortet. Vielleicht? Eher wahrscheinlich.

Denn man muss auch einfach mal festhalten: bei einem Abstiegskandidaten musst du auch trotz einer krassen Fehlentscheidung gegen dich gewinnen, wenn du Meister werden willst. Und das eigentliche Problem war halt, dass von den Dortmundern in Halbzeit 2 viel zu wenig kam. Manuel Riemann musste in Halbzeit 2 halt nur 2 Bälle abwehren. Das ist viel zu wenig. Es ist ja nicht so, dass man an einem herausragenden Torhüter gescheitert ist, sondern man hat es nicht geschafft einen im besten Falle durchschnittlichen Torwart wirklich zu fordern. Man hat sich gegen die schlechteste Abwehr der Liga viel zu wenige Großchancen erspielt. Und das ist das eigentliche Problem. Damit müsste man sich viel mehr beschäftigen.

Aber dass die Dortmunder auf 3 krasse Fehlentscheidungen gesehen haben wollen... macht das Spiel zu einem Lehrbuchbeispiel für die Challenges. Gebt einfach jeder Mannschaft 2 Mal pro Spiel die Gelegenheit, eine Fehlentscheidung zu überprüfen. Wenn sie beide Male recht behalten hat, bekommen sie noch eine dritte Chance. Dafür wird der Kölner Keller abgeschafft, denn der Schiedsrichter geht dann ja eh auf Wunsch in die Review Area. Das würde ALLE VAR Probleme lösen.

Und man könnte anhand des Lehrbuchbeispiels Dortmund auch erklären, wie eklatant es sich auswirken kann, wenn man wegen angeblicher Ungerechtigkeiten seine Challenges wegwirft. Also Dortmund hätte ja anscheinend den Zweikampf vor dem 1:0 zwischen Hofmann und Can überprüfen lassen. Anstatt dies mit 180er-Puls und wahrscheinlich feuchter Aussprache zu machen, könnte Erdin Terzic das dann aber in aller Ruhe vermitteln: Hey, wir haben das so gesehen, gucke dir das mal an. Was alleine schon für einen wesentlich respektvolleren Umgang miteinander führen könnte, eigentlich sogar müsste.

Dann guckt sich Stegemann das Bild nochmal an und wir gehen mal von der Sportschau Analyse "Den muss man nicht pfeifen" aus. Damit zählt das Tor dann trotzdem und Dortmund hat nur noch eine Challenge. Diese verwenden sie dann natürlich für den Elfmeter, der ja auch als krasse Fehlentscheidung eingeschätzt wurde. Also von allen Beteiligten inklusive des Schiedsrichters. Nun verschießt Dortmund diesen Elfmeter aber, um das Gedankenexperiment fortzuführen. Und weil Elfmeter abwehren das einzige ist, was Riemann wirklich beherrscht. Vor allem müssen wir halt mit einem 1:1 in das letzte Handspiel gehen. Da kann der BvB dann keine Challenge mehr fordern, weil sie das ja beim ersten Versuch verspielt haben. Die Dortmunder würden dann lernen, dass man seine Möglichkeiten nicht leichtsinnig wegwerfen sollten und würden das nächste Mal vielleicht sachlicher auf die entsprechenden Szenen gucken.

Wenn man dann noch hinzufügt, dass jedes "Der Spieler rennt mit Schaum vorm Mund zum Schiri" von dem mit einem "Willst du das überprüfen lassen? Bist du sicher? Nein? Gut, dann geht es weiter" deeskaliert werden würde. Das ganze Spiel wäre so viel angenehmer. Ich verweise da gerne auf das olympische Beachvolleyball Turnier, wo es mir extrem aufgefallen ist, dass die Spieler*innen ganz ruhig und sachlich zu den Schiedsrichter*innen gegangen sind und ihnen erklärt haben, was sie überprüft haben wollen. Ganz ohne jegliche Aggressionen oder Beleidigungen... Und die nötige Disziplin im Umgang mit den Schiedsrichtern müssten die Trainer ihren Spielern einprügeln, sobald die ein Mal mit leichtfertigen Forderungen diese Möglichkeit verspielt haben.

Dass man darüber diskutieren sollte, ist jetzt ja selbst dem Kicker aufgefallen. Nach 5 Jahren. Großartig. Das ist ja für mich immer das enttäuschende an unseren angeblichen Fachmagazinen: Die sollten eigentlich die Vorreiter bei solchen Diskussionen sein. Dasselbe betrifft ja auch das Handspiel, wo ich seit Jahren darauf warte, dass mal jemand erwähnt, dass einen Elfmeter dafür zu vergeben einfach hart ist und man eine angemessene Strafe finden muss. Und ja, erst wenn der Schritt angegangen wird, werden wir eine Lösung für die Handspielproblematik finden. Aber das eigentliche Problem wird ja von niemanden benannt, deswegen kann man da auch nicht an Lösungen arbeiten.

Auch bei neuen Ansätzen zum VAR müsste da eigentlich viel früher viel mehr kommen als ein "Die Regelhüter der Fifa wollen das eh nicht, deswegen müssen wir uns keine Gedanken machen." Amerikanische Medien können das nebenbei, auch wenn da nicht immer alles so ernst gemeint ist. Aber demonstrativ diskutiert TheRinger.com hier darüber, ob die NFL ihre Draftregeln ändern sollte. Also nur als aktuelles Beispiel.

Wann hat der Kicker das letzte Mal irgendeine derartige Diskussion losgetreten? Oder federführend geführt? Das muss Jahre her sein. Die verwalten halt auch nur den Status Quo und feiern sich dann ein Mal im Jahr, weil sie das eine Mal beim beinah Konkurs von Borussia Dortmund wirklich investigativen Journalismus betrieben haben. Und das wollen die Besten sein, die wir haben.

Der "So funktionieren Challenges bei anderen Sportarten, das sind die Auswirkungen und so könnte man das im Fußball implementieren" Artikel hätte man vor 3 Jahren schreiben müssen. Und dann verweist man immer wieder darauf, wenn es mal wieder Probleme gibt und erwähnt, dass ein Challenge System diese Situation einwandfrei gelöst hätte. Denn es ist ja seit 3 Jahren offensichtlich, dass das mit dem VAR so nicht funktionieren wird. Stattdessen wartet man darauf, dass so ein VAR-Fehler eventuell die Meisterschaft entscheidet und macht dann wenigstens mal eine Umfrage zu dem Thema. Man rennt halt nur hinterher, anstatt vorzudenken.

Mittwoch, 1. Dezember 2021

Die Ballon d'Or Wahl erfüllt ihren Zweck

Sie macht genau das, was sie machen soll: Das relative Medienloch im November und Dezember schließen.

Also um das mal kurz festzuhalten: Wir hatten es schon fast. Also dieses sinnlose "Wir stimmen doppelt ab, obwohl am Ende in 9 von 10 Fällen eh derselbe gewinnt" hatten wir fast überwunden. Denn von 2010 bis 2015 wurden der Ballon d'Or und die Wahl zum Fifa-Weltfußballer des Jahres zusammengelegt. Dann fiel den Journalisten auf "Oh, da haben wir dann ja weniger Einfluss... und eine Gala weniger gibt es auch... wir brauchen mehr Galanächte, in denen wir uns neben unsere Idole stellen dürfen!"... Also wurde das wieder getrennt.

Also nur um mal zu erwähnen, wie absurd die Trennung dieser beiden Wahlen ist: 2004 hat es das letzte Mal jemand geschafft, nur einen der beiden Preise zu gewinnen. Ronaldinho gewann die Wahl zum Weltfußballer des Jahres, Andriy Schewtschenko holte sich dafür den Ballon d'Or. Jetzt wird es nach dem Kollektiven "Wie kann man nur Lionel Messi wählen!!!" Aufschrei nach 16 Doppelsiegern wieder anders ausgehen. 

Und nur um mal festzuhalten, warum diese Wahl jetzt abgehalten wird: Sachlich gesehen wäre es am sinnvollsten nach der Saison und den internationalen Turnieren abzustimmen. Aber genau jetzt gibt es ein gewisses Nachrichtenloch.

Also genau genommen gibt es an den letzten 2 Champions League Spieltagen 2 interessante Partien. Wobei man hier auch sagen muss: Spannend bedeutet nur: Wer qualifiziert sich gerade so fürs Achtelfinale, um da dann hochkant rauszufliegen? Die Tabellenlage sieht genau so aus: Alle Titelfavoriten sind schon sicher in der nächsten Runde. Der FC Barcelona hat sich offensichtlich aus diesem Kreis verabschiedet. Deswegen dürfen sie jetzt das eine spannende Duell austragen. Oder müssen, je nach Betrachtungsweise. Die andere spannende Frage ist, ob Villarreal oder Atalanta Bergamo weiterkommt. Das sind auch alles keine Titelanwärter. Und es gibt die grandiose Gruppe G, wo man sich schon fragen muss, ob da nicht alle ausscheiden können. Wobei die viel spannendere Frage doch lautet, wie der VfL Wolfsburg es geschafft hat, da auf Platz 4 zu liegen, aber dazu gleich mehr.

Das sind aber alles keine Themen, mit dem man die Schlagzeilen füllt. Ein völlig sinnlose Lewandowski vs Messi Debatte dagegen: das ist pures Gold. Da hat jeder eine Meinung zu. Dann kann man all diejenigen, die nicht mit der Wahl übereinstimmen, interviewen und deren Meinung dann groß auf die Titelseite drucken. Also wenn der "Deutsche" nicht gewonnen hat, macht man das genau so. Gleichzeitig geht man dem eigentlich wichtigen Problem als deutscher Journalist aus dem Weg.

Was mich an der Stelle am meisten stört, ist ja der Fakt, dass alle so tun, als hätte Messi gar nichts geleistet. Also im Gegensatz zu Lewandowski, der "nur" 41 Tore in der Bundesliga geschossen hat, hat Messi internationale Erfolge vorzuweisen: Er hat tatsächlich endlich seinen großen Titel mit Argentinien geholt. Nachdem er jahrelang so dicht dran gewesen, aber immer im Finale gescheitert ist. Aber das hat natürlich niemand gesehen. Also zunächst mal hier ein 7 Minuten Video, wie Messi während der Copa Messi Dinge macht. Und dann hier ein paar interessante Zahlen: 5 Assist, 4 Tore sind da das offensichtliche. Aber wenn man sich die Serie zu auch tiefergehenden Statistiken anguckt, stellt man einfach fest, dass Messi bei der Copa besser war als jeder Spieler der EM. Also außer Simon Kjaer. Kjaer hat während des Turniers mehr Leben gerettet als Messi, Pedri hat mehr Pässe im letzten Drittel gespielt. Ansonsten liegt Messi immer vorne. 

Aber da pult man ja auch in einer fiesen Wunde: Die Europameisterschaft war eigentlich Scheiße. Die letzten 3 Spiele endeten in Antiwerbung und Elfmeterschießen. Deswegen wurde ja auch Gianluigi Donnarumma zum besten Spieler des Turniers gewählt. Nicht, weil der absolut überragend war, sondern weil auf dem Platz einfach niemand absolut überragend war. Vor allem in den letzten Spielen nicht mehr.

Nur um das mal festzuhalten: Lewandowski hat es geschafft, bei der Europameisterschaft in der Vorrunde auszuscheiden... obwohl nur 8 von 24 Mannschaften nach Hause fahren müssen. Polen schaffte es nicht, sich gegen die Slowakei und Schweden durchzusetzen. Und klar, 3 Tore hat er erzielt, aber der Mannschaftserfolg dahinter fehlte vollkommen... Und ja, wenn Polen das Viertelfinale erreicht und sich da halbwegs ordentlich präsentiert, geht die Wahl anders aus. Das haben sie aber nicht geschafft.

Genauso hat es "Lewy" nicht geschafft in allen anderen Wettbewerben zu glänzen. In der Champions League scheiterten sie im Viertelfinale. Deswegen kommt er "nur" auf 5 Tore in 6 Spielen. Klar, er war im entscheidenden Moment verletzt, aber in den wichtigen Spielen da zu sein, ist halt so eine Grundvoraussetzung, um individuelle Trophäen zu holen. Trotzdem ist die Champions League Bilanz am Ende identisch zu der von Messi. Also abgesehen davon, dass Messi noch 2 Torvorlagen gesammelt hat.

Im Pokal scheiterte Lewandowski nebenbei an Holstein Kiel in der 2. Runde. Also nur um mal zu verdeutlichen, dass der in der Saison 2020/21 (worum es bei dem Titel ja eigentlich geht) wirklich nur in einem Wettbewerb geglänzt hat.

Jetzt ist halt die spannende Frage, ob diese eine Meisterschaft mit den 41 Toren und 7 Vorlagen mehr wert ist als der dritte Platz in der Liga von Messi mit 41 Scorerpunkten, umrahmt von einem Pokalsieg in Spanien mit 2 Treffern im Finale UND einem internationalen Titel auf Nationalmannschaftsebene. Ich sag das mal so: Selbst wenn die Bundesliga richtig gut wäre, könnte man das so sehen.

 

Damit kommt aber diese große rosa Elefant, den man nicht länger ignorieren kann. Auch wenn der Kicker und Co das weiterhin versuchen: Die Bundesliga ist keine richtig gute Liga mehr. Also alles außer die Bayern ist international nur noch zweitklassig. Anders kann man es nicht bezeichnen, wenn der VfL Wolfsburg es nicht schafft sich gegen Lille, Salzburg und Sevilla durchzusetzen. Oder wenn Dortmund an Sporting Lissabon und Ajax Amsterdam scheitert. Oder wenn RB Leipzig Probleme hat Brügge hinter sich zu lassen. Also alle 3 müssten eigentlich wesentlich souveräner dastehen. 

Gegen solche Gurkentruppen würde Messi 50 Tore erzielen. Immer noch. Das muss man auch einfach mal so zugeben. Zumindest bei den internationalen Journalisten ist diese Erkenntnis mittlerweile angekommen. Die Deutschen ignorieren sie weiterhin, deswegen ist es für sie ein Skandal, dass man die Leistungen ihrer Helden in ihrer Liga international nicht würdigt.

Es ist einfacher, die Leistungen eines Messis zu ignorieren, anstatt sich mit der Qualität der eigenen Liga ernsthaft auseinanderzusetzen.

Und natürlich, das soll an der Stelle auch nicht verschwiegen werden, stehen auch gerade 3 von 5 spanischen Mannschaften vor dem Abstieg in die Europa League. Aber der entscheidende Unterschied ist halt: Wenn Sevilla wirklich "absteigt", sind sie hinterher DER TITELFAVORIT. Villarreal nimmt ja nur Teil, weil sie diesen Wettbewerb gewonnen haben. Wenn die Deutschen sich gerade noch so in diesen Wettbewerb retten, muss man davon ausgehen, dass die sich irgendwo in der Pampa blamieren werden.

Überlegt einfach mal: Wann hat das letzte Mal eine andere Mannschaft als Bayern einen internationalen Titel für die Bundesliga gewonnen? Die erschreckende Antwort lautet: Das war im letzten Jahrtausend! Aber dann gleich doppelt. 

Und wem das noch nicht reicht: Mit Werder Bremen (Europa League 2009) und Dortmund (Champions League 2013 und Europa League 2002) gab es überhaupt nur 3 Finalteilnehmer. Nur so zum Vergleich: Spanien hat in diesem Jahrtausend 9 Mal den Champions League Titel geholt. Dazu 4 Mal das Finale verloren. Mit Valencia, Atletico Madrid, Barca und Real stellten sie 4 unterschiedliche Finalteilnehmer. In der Europa League kommen sie auf weitere 10 Titel, 3 verlorenen Finalen und 6 unterschiedlichen Finalteilnehmern. Insgesamt standen 9 unterschiedliche Vereine in einem internationalen Finale. Das ist fast die halbe Liga. Nur um mal zu verdeutlichen, wie krass die Bundesliga, abgesehen von den Bayern, im internationalen Vergleich hinterherhinkt. Und beim Ballon d'Or geht es halt auch immer darum, die Leistungen in einen internationalen Vergleich zu setzen.

 

Oh und als letzte Randnotiz: Der eigentliche Skandal ist natürlich, dass Lewandowski letztes Jahr nicht gewonnen hat. Da war er definitiv dran. Da haben sich die Journalisten allerdings gesagt "Online abstimmen? Dann gibt es ja keine Gala, keine Selfies mit den Idolen und keine heiße Schlacht am kalten Buffet, dann sagen wir die Wahl lieber ab!" 

Also nur um mal zu verdeutlichen, wie sehr es den Journalisten bei dieser ganzen Sache nur darum geht, sich im Licht der Stars zu sonnen. Es geht denen nicht darum, dass der ihrer Meinung nach beste Spieler der Saison gewählt wird, sondern darum, dass sie sich neben ihrem Lieblingsspieler ablichten lassen dürfen.

Montag, 9. August 2021

Eine kleine Ode an die Öffentlich Rechtlichen

 Und damit auch an die GEZ Gebühren. Und ja, ich verspreche, es wird trotzdem hauptsächlich um Fußball gehen.

Die GEZ Gebühren sind ja gerade dann doch erhöht worden. Und jetzt alle so "Ach, nein! Wirklich! Oh!" Und ich weiß nicht, wie es bei euch aussieht, aber in meinem Umfeld... jammern da überraschend viele. Verständlich, es ist ja eine Zwangsabgabe und damit genau genommen verboten. Und ja, man kann darüber reden, dass man die GEZ Gebühren auf eine Steuer umlagert, damit jeder entsprechend seines Einkommens einzahlt. Aber damit Steuern entsprechend dem Einkommen berechnet werden... dafür müsste man ja die Linke wählen. Das kann ja auch nicht gewollt sein.

Anyhow: Ich höre ja hauptsächlich 2 Grundausrichtungen. Die einen sagen, sie wollen das Programm halt krass beschneiden. Also nicht ganz auf "Nur Nachrichten zeigen..." Denn das ist ja die AfD Linie, und auf der will man nicht liegen. Vor allem wird einem dann bewusst, dass die kritischsten Sendungen wie die Anstalt oder die Heute Show abgeschafft werden. Der Linke Kulturelle Ablasshandel. 

Dazu kommen verschiedenste investigative Formate wie Monitor. Dass die AfD all das abschaffen will, erscheint erstaunlich logisch, aber der Rest des Landes sollte nicht darauf verzichten...

Es ist nebenbei eine Meisterleistung, auf die selbst Joseph Goebbels stolz wäre, dass unsere durchgehend konservativ geleiteten Medien genau so viel alternatives Programm zeigen, dass sie als Links-Grün-Versifft gelten, obwohl sie eigentlich 80 % der Zeit sehr konservative Standpunkte vertreten. Also gerade im ZDF sitzen ganz offensichtlich zu viele alte weiße Männer. Also das Bundesverfassungsgericht hat darüber genau so geurteilt. 

Und dann habe ich ja noch das andere Totschlag Argument gegen einen reinen Nachrichtensender: Arte und 3Sat. Also klassische Kultursender, die ebenfalls über die GEZ finanziert werden. Und darauf will natürlich keiner verzichten. Kultur ist ja was ganz Tolles, auch wenn es sich nicht selber finanziert. Das wollen wir natürlich auch erhalten.

Ich halte, so gerne ich Arte gucke, dass ja für arrogant. Also wenn man Kultursendungen fördern will, muss man gegen Tier-Dokus protestieren. Denn Kultur heißt ja nicht mehr als "Vom Menschen gemacht"... Und auch wenn ich dafür überhaupt nichts übrig habe, so sind Tatort und der Musikantenstadl (und ja, die verlinke ich nicht) eben auch ein deutsches Kulturgut. Eines, welches wesentlich mehr GEZ zahlende Menschen interessiert, als mir lieb ist. Aber lass die doch machen. Deutschlands Rhythmusgefühl reicht halt nur zum Mitklatschen im Musikantenstadl, da kann man dann nicht erwarten, dass die ARD gute Musiksendungen fördert.

 

Kommen wir aber zum ganz großen neuen Feindbild: dem Fußball. Dass die öffentlich rechtlichen Sender Geld in diese korrupten Verbände steckt, nur um dieses durch kommerzialisierte Scheiße zu fördern. DAS muss doch abgeschafft werden. Sowohl bei den Nationalmannschaften, als auch bei der Bundesliga. Das muss doch nicht vom Steuerzahler finanziert werden.

Aber auch hier gilt: Fußball ist Kulturgut. Und dieses Gut muss halt auch für diejenigen, die sich kein Pay-TV leisten können oder wollen, geschützt werden. Also man kann ja an der Champions League gut nachvollziehen, was passieren würde, wenn der Fußball aus dem öffentlich rechtlichen verschwinden würde. Dann kann ich mir angucken, wie Mario Basler mit seinen Freunden beim Weißbier darüber redet, was gerade auf dem Spielfeld, welches sie nicht zeigen dürfen, passiert. Da habe ich doch richtig Bock drauf.

Wenn es dann überhaupt noch Zusammenfassungen gibt, werden die im Wesentlichen aus Werbeblöcken bestehen. Oder es gibt dann nur noch die 2 Minuten Zusammenfassung auf Youtube. Und versteht mich nicht falsch: Dass es die mittlerweile gibt, ist ein wirklicher Fortschritt. Aber das sollte halt nicht alles sein, womit man die jungen Menschen zu diesem Sport bringt.

Praktisch würde eine Abschaffung der Bundesliga-Sportschau dazu führen, dass sich die Jugend der Internetkriminalität hingeben und nach illegalen Streams suchen muss, wenn sie mit dem Fußball in Kontakt kommen wollen. Oder sie müssen darauf hoffen, dass ihre Eltern reich genug für ein Sky Abo sind und dieses als wichtig erachten. Und ein DAZN Abo...

Noch viel schlimmer sähe es bei den großen Turnieren im Sommer aus. Denn das sind buchstäblich die am meisten gesehenen Sendungen im Fernsehjahr... selbst, wenn Jogi Löw sich alle Mühe gibt, um diese Quoten zu drücken.

Vor allem haben wir ja spätestens seit 2006 eine wirkliche und auch schöne Public Viewing Kultur entwickelt. Man guckt die Spiele nicht alleine, sondern auf Fanmeilen oder in Klubs und Kneipen. Denn selbst die kleinen und gemütlichen Kneipen zeigen ja die Europameisterschaft. Selbst die Eisdiele am Bakenberg stellt einen Fernseher auf und Bier in den Kühlschrank. Was mich nebenbei direkt zu der Frage bringt, warum diese Eisdiele nicht in Mines Eiscreme erwähnt wird. SKANDAL!

Und wisst ihr, woran das liegt? Also dass die Europameisterschaft überall gezeigt wird, nicht Mine's Faupax... An den GEZ Gebühren. Also als jemand, der in seiner Freizeit einen Klub betreibt, kann ich euch sagen: Die Übertragungsrechte (solange man das Wort Fifa oder Uefa beid der Werbung nicht erwähnt und keinen Eintritt nimmt), gibt es für nen Appel und nen Ei. Man bezahlt da auch pauschal pro Raum, den man hat. Die meisten haben einen. Das Geld hat man nach dem ersten Deutschland Spiel wieder drin, denn dann ist es das erste Mal "richtig voll". Danach fängt man an Gewinne zu machen. Und die ersten 3 Spiele konnte ja nicht mal Jogi Löw verhindern.

Noch besser hat das nebenbei der ORF geregelt. Also der österreichische Rundfunk. Da muss man erst eine Gebühr abgeben, wenn man mehr als 2.000 Leute als Gäste erwartet, sonst gibt es die Übertragung für lau. Woher ich das weiß? Nun ja, wir wollten auch die Spiele zeigen, die es nur bei Magenta gab, auch wenn das komplette Gurkenspiele waren. Wenn man "Alle Spiele, alle Tore" bewerben will, muss man auch alles zeigen. Aber die Preise, die Magenta für die Übertragungsrechte verlangt haben, wirkten halt sehr abschreckend. Am Ende haben wir darauf verzichtet.

Was auch nur bedeutet: Wenn die ARD und das ZDF aus den Turnierübertragungen aussteigen, bedeutet dies das Ende der Kneipenabende mit Fußballübertragung. Und die Fanmeilen werden Eintritt verlangen müssen. Das kann man aus egoistischen Motiven so wollen, weil einen selber Fußball so gar nicht interessiert. Man sollte aber auch mal anerkennen, dass es verdammt viele Menschen gibt, die sich genau dafür interessieren. Und das ist halt auch eine Kultur, die durch die GEZ Gebühren gefördert wird.

Donnerstag, 29. Juli 2021

Der Kicker Kommentar verpasst mal wieder den entscheidenden Punkt

 Also zunächst mal ist es sowieso absurd, der Deutschen Fußballmannschaft um Stefan Kuntz jetzt einen Vorwurf zu machen, nur weil sie das neue "Wir scheiden vor dem Viertelfinale aus" Konzept von Jogi Löw auch auf die olympische Ebene gehoben haben. Man muss halt auch festhalten: Die Erfolge der U21 sind gerade die Ausnahme von der Regel. Die restlichen Mannschaften (inklusive der Frauenauswahl, die sich nicht qualifizieren konnte) enttäuscht halt am laufenden Band, da passt das erneute Vorrundenaus doch wunderbar ins Bild.

Aber der Fußball hat halt eine Ausnahmestellung, weil das größte Sportevent eben nicht das wichtigste für die Spieler ist. Das haben sie mit den amerikanischen Profiligen NFL, NBA, MLB und NHL gemeinsam. Das sind so ziemlich die einzigen Sportarten, bei denen sich die Spieler gegen die Olympiade und für die Liga entscheiden.

Also bei der NHL ist es so schlimm, dass deren Saison nicht mal unterbrochen wird, wenn die Winterolympiade stattfindet. Beziehungsweise die sind so dumm, dass muss man mal so deutlich sagen. Denn so eine Olympiade ist ja auch immer eine weltweite Werbemaßnahme für den Sport, auch wenn die Besitzer der NBA da eher im Hoeneß Modus agieren und diesen Fakt ignorieren. So kann der derzeit beste Deutsche Basketballspieler Dennis Schröder nicht an dem Basketball Turnier teilnehmen... wegen der enormen Versicherungsanforderungen. Basketball ist aber halt auch einer der wenigen Sportarten, bei denen eine Verletzung während des Turniers dazu führen könnte, dass man richtig viel Geld verliert.

Nebenbei könnte die Ignoranz der Eishockey-Liga einer der Gründe sein, warum sie gerade ihren Status als "Große amerikanische Sportliga" verspielen.

Also als praktisches Beispiel: Die NBA und ihre Besitzer ignorieren halt auch einfach, wie krass der Einfluss des 1992 Dream Teams, als erstmals eine Profi-Mannschaft geschickt wurde, die dann alles zerstört hat, war. Die einfachste Rechnung ist da immer, dass Dirk Nowitzki ohne diesen Einfluss Tennisspieler geworden wäre... Und 92 war es wirklich noch eine absolute Ausnahme, wenn ausländische Profis eine entscheidende Rolle in der besten Basketballliga der Welt gespielt haben... mittlerweile ist es normal. Und durch einheimische Profis erschließt man halt auch am besten die jeweiligen Märkte. Deswegen gab es zwischenzeitlich mal den Trend sich einen Quotenasiaten zu holen. Klingt rassistisch, da aber Zhang Xizhe kein einziges Bundesligaspiel für den VfL Wolfsburg absolviert hat, kann man diesen Transfer doch als genau das bezeichnen: Einen Promostunt.

Jetzt aber zum eigentlichen: Die Peinlichkeit Olympia-Kader der deutschen Fußballabteilung. Also man muss halt nochmal festhalten, dass der Fußball wirklich die einzige Sportart ist, die diese Werbung nicht braucht. Nur hier sind ein Weltmeister- oder Europameister-Titel mehr wert als eine Goldmedaille. Und da muss man dann auch einfach mal akzeptieren, dass man als Spieler, gerade nach einer noch stressigeren Corona-Saison, einfach mal absagen. Das ist auch kein Schlag ins Gesicht der anderen Athleten.

Es gab allerdings doch einen Schlag ins Gesicht der anderen Athleten. Denn obwohl alle wussten, dass dieses Turnier sportlich eher irrelevant ist, während auf anderen Sportstätten Lebensträume erfüllt worden und Höchstleistungen erbracht werden, zeigte die ARD im Standardprogramm: Deutschland - Saudi-Arabien. Ein Spiel, welches praktisch keinen interessierten sollte.

Dabei muss ich zugeben, dass ich in dem Moment gerade Vollversammlung hatte, aber als ich kurz in der Pause einschaltete, lief wirklich gerade wieder Fußball im Ersten. Schon wieder, so direkt nach der EM. Ich habe dann demonstrativ meine Fernbedienung benutzt und auf einen der Alternativstreams geschaltet. Aber dass ich das machen musste, um wirklich Olympia zu sehen.

Der Schlag ins Gesicht der anderen Athleten ist, dass dieses minderwertige Turnier sofort wieder ins Zentrum gerückt wurde, solange Deutschland mitgespielt hat. Und ihr werdet jetzt ja auch genau nachvollziehen können, wie stark das nachlässt, sobald Deutschland ausgeschieden ist.

Auch dass der Kicker nicht gesagt hat: Dieses Turnier ist irrelevanter als die Copa America, wir schenken ihm also auch genau dieselbe Aufmerksamkeit. 

Und nur um mal festzuhalten, wie gering die Aufmerksamkeit für die Copa ist: Es gibt unter "Fußball" keinen eigenen Unterpunkt für die Copa. Wenn ich auf die Kicker Seite will, muss ich Copa Kicker.de googlen. Das soll angeblich unter "Int.Fußball" zu finden sein, aber wenn ich mich da durchklicke, werden mir nur die nationalen Ligen angezeigt. Endlich mal wieder ein "Die Kicker Online Seite ist Scheiße" Rant.

Aber ja: Ein kurzer Ergebnisdienst bis zum Halbfinale und vollen Fokus auf die anderen, tollen Sportarten wäre die richtige Entscheidung gewesen. 

Also als ganz praktisches Beispiel: Ich habe das Schreiben gerade für 20 Minuten unterbrochen, um mir die Zusammenfassung des Vorrundenspiels China - Russland der Volleyball Damen anzugucken. Wirklich höchstklassiger Volleyball mit einem spannenden Spielverlauf. Noch so frisch, dass ich es nicht in der Mediathek finde. Aber derartige Festspiele gibt es halt buchstäblich jeden Tag. Irgend so ein spannendes und hochwertiges Spiel wird man auf jeden Fall suchen. Egal ob jetzt Handball, Hockey, Wasserball oder Basketball. 

Auch wenn Deutschland sich irgendwie durch diese Gruppe gemogelt hätte, wäre es trotzdem und weiterhin angemessen gewesen in der Sendezeit solche Zusammenfassungen zu zeigen. Das ist die eigentliche Respektlosigkeit. Also wenn eine Sportart für sich entscheidet, dass Olympia irrelevant ist, dann sollen die das tun. Dann sollte man denen aber auch möglichst wenig Aufmerksamkeit zukommen lassen und sich stattdessen wirklich auf die Sportler konzentrieren, die sich 4 Jahre lang auf diesen Moment vorbereitet haben.

Dienstag, 30. Oktober 2018

Die einzige Option heute abend ist...

Nicht einschalten. Was anderes machen. Den DFB Pokal in den Öffentlich Rechtlichen ignorieren.

Denn wenn wir am Ende doch alle wieder einschalten um zu sehen, wie Bayerns B-Elf eine Amateurmannschaft auseinander nimmt, wird die ARD uns das weiterhin zeigen. Oder aber es gibt einen absoluten Grottenkick und wir gucken uns das absolute Elend an...

Und ja, das "Vielleicht wird es ja spannend" Szenario läuft genau darauf hinaus: Die Bayern haben überhaupt keinen Bock und 0 Esprit, schießen aber doch irgendwann das entscheidende Tor. Und das wird uns dann als "ein toller Pokalfight" verkauft.

Wenn Axel Balkausky jetzt bekannt gibt, dass die Bayern ja nur die 3. Wahl war... Werden sich Hoeneß und Rummenigge über diese Respektslosigkeit aufregen. Aber genau genommen ist dies Teil des Problems. Denn es sollte eigentlich nur die 7. Wahl sein. Allerdings fällt einem dann auf, wie beschissen die Voraussetzungen dieses mal einfach sind.

Denn die Kombination von relativen Lospech, einem ungünstigen Bundesligaspielplan und dem Rahmenterminkalender sorgen dafür, dass alle spannenden Spiele am Mittwoch ausgetragen werden sollten. Gladbach - Leverkusen, Leipzig - Hoffenheim und Köln - Schalke hätte man jeweils eine Mannschaft, die im Donnerstag - Sonntag - Dienstag Rhythmus spielen müssten, was nicht gewollt sein kann. Außer Schalke, aber die mussten halt am Sonntag antreten, weil ihr Gegner aus der Europa League antrat. Was am Ende ein großen Glück ist, denn am Ende kann niemand wirklich wollen, dass Köln - Schalke im Free TV gezeigt wird. Köln dürfte eine der wenigen Mannschaften sein, die Schalke auf ihr Niveau runter ziehen um zu gewinnen und nicht anders herum...

Aber gut, daran, dass alle wirklich spannenden Spiele am Mittwoch stattfinden müssen, kann man halt nichts ändern. Das Warum dahinter will aber natürlich auch niemand aussprechen: Da es mittlerweile fast ausschließlich englische Wochen gibt, hat man erstaunlich wenig Freiraum bei den Ansetzungen seiner Partien. Aber darüber, dass der internationale Rahmenterminkalender zu voll ist, reden wir ja nur, wenn die Nationalmannschaften spielen.

Aber selbst dann hat man ein Niedersachsen-Nicht-Derby als reines Bundesligaduell. Was dann plötzlich der größte Werbefail der Medienabteilung von Hannover 96 sein könnte. Denn selbst die bewerben das Spiel als ein "Ist nicht relevant, ihr könnt was anderes gucken."

Und Borussia Dortmund - Union Berlin. Dass diese Spiel auch am Mittwoch stattfinden muss, ist genau genommen nicht zu entschuldigen. Denn Union hätte bei entsprechender Planung einfach am Samstag spielen können. Und klar, das Spiel ist unwesentlich spannender als Rödlinghausen - Bayern. Aber es sind wenigstens ist es unwesentlich spannender. Man könnte halt mal 2 Traditionsvereine gegeneinander spielen sehen. Ein bisschen auf den Ostalgie-Faktor setzen. Und auf die allgemein recht hohe Beliebtheit des Alternativvereins aus Berlin.

Das Fernsehgeld als Belohnung für das jahrelang vorbildliche Verhalten des Vereins und seiner Fans. Das hätte man ja nicht explizit so sagen müssen, man hätte es aber mitschwingen lassen können. In dem man zum Beispiel darauf hinweist, wie schön die Stimmung im Dortmunder Stadion ist, wenn die Dortmunder Ultras nicht damit beschäftigt sind die Erfolgsfans des Gegners zu verhöhnen und auch die Gästefans eine Choreo präsentieren wollen. Aber die ARD geht davon aus, dass ein Schlachtfest der Bayern immer noch mehr Zuschauer zieht.

Und da kommen wir dann zum Ausgangspunkt: Die einzige Variante dies zu ändern, ist: Heute abend den Fernseher und (vor allem, da wird wirklich gezählt) Livestream auszulassen. Dass ist quasi eine der wenigen Momente im Leben, wo man einfach mal RTL2 einschalten sollte. Denn am Ende entscheiden wir das immer noch mit unserem Kollektiven Konsumverhalten...
Aber sein wir ehrlich: Das wird am Ende nicht passieren. Die Quoten werden so angemessen sein, dass sie ARD sich bestätigt fühlen. Und in der nächsten Runde kriegen wir dann Wehen Wiesbaden - Bayern aufgetischt. Und wir werden auch dass dann wieder konsumieren...
So sind wir halt... Wenn Fußball läuft, schalten wir ein, egal, ob es bessere Optionen geben würde...

Dienstag, 31. Juli 2018

Wenn man gedacht hat, der Höhepunkt sei erreicht...

Wird die Mesut Özil-Debatte noch mal absurder. Ja, das geht. Auf einen einzigen Weg:

Jetzt versuchen uns die alten, weißen Männer zu erklären, was Rassismus ist... und noch viel schlimmer: Dass sie das besser beurteilen können als die Spieler mit Migrationshintergrund. Weil sie... Statistiken gelesen haben?

Also hier kurz die "Money Quotes" aus dem Montags-Kicker:
Heribert Bruchhagen, 69 Jahre: "Reinhard Grindel in die Nähe des Rassismus zu bringen, ist absurd." Der Bruchhagen muss es ja wissen, der ist schon so oft Opfer der Alltagsrassismus geworden. Also als HSV Vorstand...
Lothar Matthäus, 57 Jahre: "Sportlich ist Özils Rücktritt kein Verlust." Auch da ist Matthäus echter Experte, weil er ja selber weiß, wie es ist, wenn man eigentlich komplett durch ist und trotzdem noch ein großes Turnier spielt... Gut, Matthäus war damals wesentlich älter als Özil... aber Details...
Rainer Holzschuh, 74 Jahre: "Als ob ein Mensch wie Özil, der, in Deutschland aufgewachsen, als talentierter Fußballer gehegt und gepflegt wurde (...) die Probleme der Migration und des Rassismus glaubwürdig skizzieren könnte." Besser als der Kicker-Cheredakteur. Und nebenbei haben all die Einwände niemanden gestört, als Özil als Paradebeispiel für gelungene Integration galt... Und genau dies ist das Problem, welches Özil hat: Wenn es den Leuten passt, dass er ein Imigrantenkind ist, stellen sie es in den Vordergrund, wenn es ihnen nicht passt, sprechen sie ihm die Kompetenz ab... Und genau das ist auch Rassismus. Entweder Özil war jahrelang Vorbild der Integration, dann kann er sich zu dem Thema äußern und seine Wahrnehmung und sein Urteil muss respektiert werden... oder wir müssen unsere Berichtserstattung der letzten 10 Jahre komplett korrigieren. Beides ist halt verdammt schwierig.

Rassismus ist eben nicht nur ein Nazi Mob, der einen Afrikaner durch die Straßen jagt und tötet. Oder die "Fans", die Schwarze Spieler mit Affengeräuschen begrüßen... Rassismus ist auch, wenn identische Situationen auf Grund des unterschiedlichen Aussehens der handelnden Personen anders beurteilt werden...
Und dass der Kicker das diesen Sommer extrem macht, will er sich halt bis heute nicht eingestehen.

Lasst uns da mal als weiteres Indiz einen Blick auf die Kicker Rangliste werfen... da haben wir gerade 3 Kandidaten: einer heißt Thomas Müller und war durchaus der Beste von den 3. Das will ich nicht in Frage stellen... aber Internationale Klasse? Weil er in einem Freundschaftsspiel gegen Spanien, welches nicht in die Bewertung fallen sollte, ein Traumtor erzielt hat? Da verzeihen wir ihm natürlich die bescheidene WM... Und den Fakt, dass er gegen Real Madrid und den FC Sevilla genau so effektiv war, wie Robert Lewandowski. Aber nur einer der beiden muss sich Vorwürfe gefallen lassen, dass er in den entscheidenden Spielen nichts gerissen hat... Das ist natürlich nicht der vorbildlichste aller Deutschen. Der kann ja nichts dafür... Da sind wir halt solidarisch...
(Und ja, ich verstehe nicht, wie Müller und Franck Ribery, der seit 3 Jahren auf ein Tor auf der internationalen Bühne wartet, internationale Klasse darstellen sollen... Der Kicker hat an der Stelle halt sein eigenes "Die Bundesliga ist nicht mehr so gut" Narrativ wieder komplett vergessen... Und ja, ich erwähne Müller hauptsächlich deswegen, weil ich am Ende im großen Bild auf ihn zurück komme.

Aber gut, dass Müller der beste dieser Kandidaten ist, sehe ich sofort ein. Aber danach... wird es völlig absurd:
Denn dann behauptet der Kicker tatsächlich, dass Julian Draxler eine genau so gute (also im Blickfeld endende) Halbserie wie Mesut Özil gespielt hat. Warte, was? Der Ersatzspieler in einer Gurkenliga war genau so gut wie der Stammspieler in der Premiere League, der mit seinen Leistungen in der K.O. Phase einen entscheidenden Anteil an der Halbfinal-Teilnahme in der Europa League hatte? Kann mir das jemand erklären? Der eine spielte in der K.O. Phase insgesamt 20 Minuten, der andere sammelte derweil (wenn auch im schlechteren Wettbewerb) 5 Torvorlagen... Und brachte bis zu seiner Verletzung in der besseren Liga die besseren Leistungen... Oh und eine bessere WM hat er auch noch gespielt... auch wenn das keiner wahrnehmen will.
Natürlich habe ich auch behauptet, dass das Nachlassen von Özil, welches keiner in Frage stellen will, einer der Gründe ist, warum Arsenal London nur noch in der Europa League spielt, weil der Mann halt keine internationale Klasse mehr liefert. Aber sachlich betrachtet gehört der Mann (was nebenbei auch Bodo Illgner so sieht) in den weiteren Kreis. Genau so wie er gegen Südkorea keine 5 verdient gehabt hat...
Und mal wieder schafft es der Kicker nicht, die persönlichen Geschehnisse abseits des Fußballs (also den Fakt, dass der Junge halt Deutsch-Türke ist) auszublenden... dafür blenden sie lieber die Leistungen in der Europa League aus. Das ist einfacher... Und dann kann man sich eine Erklärung zusammen basteln...
Oder um einen deutlicheren Rahmen aufzumachen: Will mir wirklich jemand erzählen, dass Özil im letzten Halbjahr schlechter war als Lewis Holtby, Kai Havertz und Maximilian Eggestein? Ja, der Kicker will das... 

Aber es gibt hier ja keinen Rassismus. Hat es nie gegeben. Zumindest nicht im Wahrnehmungskreis der greisen, weißen Männer, die ja die Deutungshoheit für sich beanspruchen... Deswegen (jetzt kommt der Bogen) muss sich Thomas Müller jetzt ja aus reinen Leistungsgründen die selben Urteile über sich ergehen lassen, wie wie Mesut Özil. Oh, warte... nur einer von denen wird als überflüssig und nutzlos betrachtet... von allen Seiten... (also Uli Hoeneß, dem Kicker und Lothar Matthäus).

Stellen wir uns mal vor, ein Müller würde über einen Rücktritt nachdenken... Dann würden alle mit einem "Tu's nicht!" um die Ecke kommen. Das Abstimmungsergebnis im Kicker würde bei 90% pro Müller ausfallen...
Oder es wäre vor der WM (wie im Fall Özil im Kicker geschehen) davon geschrieben worden, dass dies seine Abschiedsvorstellung sein könnte, weil er zuletzt einfach nicht die Leistung gebracht hat, die eine weitere Nominierung rechtfertigt. Der Journalist wäre sofort entlassen worden... (Ok, der Stern hat es sich erlaubt vom Problemkind Müller zu schreiben... als einzige und erst nach dem 2. Spiel) Dabei hat Müller vor 2 Jahren eine schlechtere EM gespielt... und mindestens eine genau so beschissene Weltmeisterschaft. Trotzdem würde niemand die Bedeutung von Müller für die Nationalmannschaft in Frage stellen. Im Gegensatz: Im großen "Wer könnte zurücktreten" Gemurmel ist sein Name nie gefallen... obwohl es leistungstechnisch mehr als angebracht wäre... Aber der ist halt der sympathische Deutsche...
Und genau das ist auch Rassismus: 2 Spieler bringen dieselbe Leistung, werden aber völlig unterschiedlich beurteilt.

Guckt euch einfach mal die Liste mit den Nationalspielern, die mehr als 90 Länderspiele absolviert haben, an. Und dann fragt euch wer von denen die meiste Kritik über all die Jahre einstecken musste. Wessen Leistungen immer wieder in Frage gestellt wurden, weil einem "die Körpersprache" nicht gefällt. Erinnert euch einfach an die Public Viewing Abende in eurer Stadt und fragt euch, wer dringend ausgewechselt werden sollte, weil er "heute nichts bringt" und "mal wieder abtaucht"... Fragt euch wer all die Jahre am häufigsten hinterfragt worden ist... (also während der Karriere, nicht danach... Und wegen ihrer fußballerischen Leistungen und nicht wegen ihres Privatlebens...)
Die Antwort lautet. Der einzige muslimische Migrant auf dieser Liste. Der einzige, den man definitiv ansieht, dass kein arisches Blut in seinen Adern fließt... Das ist kein Zufall. Und ich nehme mich selbst da ja auch nicht aus... Ich gebe durchaus zu, dass ich Özil stellenweise und unbewusst kritischer betrachtet habe als andere Spieler.

Und genau deswegen kann sich Özil zu diesem Thema äußern. Denn selbst als gehegter und gepflegter Fußballer wird man in der Öffentlichkeit anders beurteilt, wenn man Deutsch-Türke ist.
Auch wenn keiner in Frage stellen sollte, dass er über das Ziel hinaus geschossen hat. Das kann man durchaus erwähnen und kritisieren. Ihm aber jegliche Kompetenz zu dem Thema abzusprechen und dadurch zu versuchen, seine Vorwürfe komplett lächerlich zu machen... oder man schiebt die Aussagen seinen Berater zu, der eine völlig absurde Agenda haben soll... nur damit man sich selber nicht hinterfragen muss... Das ist kein Lösungsansatz, sonder bestätigt Özils Aussagen nur.

Und ja, der Kicker hat sich bis heute nicht im Ansatz hinterfragt, ob er nicht selber seinen Beitrag dazu geleistet hat, dass der Özil sich so fühlt, wie er sich fühlt. Obwohl er das über all die Jahre definitiv gemacht hat. Aber wie immer hat keiner Bock drauf sich mal an die eigene Nase zu fassen. Aber die sind ja derzeit intensiv damit beschäftigt die Schuld auf Özil zu schieben, denn dann sehen sie selber besser aus.

Montag, 23. Juli 2018

Mesut Özil ist doch ein perfekt integrierter Deutsche

Gebt dem den nächsten Bambi...
Der ist so deutsch, dass es für ihn keinen Zusammenhang zwischen Politik und Politikern gibt... Das kann auch nur jemand glauben, der bewusst nur Angela Merkel als Kanzlerin erlebt hat... die ja die Trennung zwischen sich und der Politik perfektioniert hat...

Und ganz ehrlich: Das ist der einzige Vorwurf, den ich jetzt dem Mesut Özil mache: Dass er nicht anerkennen will, das ein Treffen mit einem Staatspräsidenten immer auch ein politisches Thema ist... denn alles, was Politiker in ihrem Leben machen hat halt einen Einfluss auf ihren "Arbeitsbereich".

Wenn das Özils eigene Ansichten sind (und nicht das vom Berater empfohlene Statement), wovon man bei der Intensität des 3. Parts zwingend ausgehen muss... dann muss man sich eigentlich bei ihm bedanken, dass er während der WM geschwiegen hat... denn wie viel Unruhe hätte er in das Turnier gebracht, wenn er vor Ort vom "Krisenmanagement bei Mercedes" gesprochen hätte... Dann hätte der Sponsor auf ein Mal darauf bestanden, dass der Spieler nach Hause geschickt wird...
Oder wenn er während des Turniers Richtung Reinhard Grindel geschossen hätte... um diesen vorzuwerfen, dass der sich nur in Özils Präsenz sonnt, wenn es ihm gerade passt und dass der politisch für alles Stand, was die aktuelle Generation an Nationalspielern überwinden wollte... Gerade das "Wenn wir Gewinnen, bin ich Deutscher, und wenn wir verlieren Immigrant" Gefühl können wir halt gar nicht nachvollziehen.

Und ja, aus Özils Sicht ist es nicht nachvollziehbar, dass dieselbe Aktion wie 2011 im Jahr 2018 auf ein Mal so große Wellen schlägt. Und einen Özil trifft es halt auch, wenn all die Ressentiments aus seiner Jugend wieder ausgegraben werden. Denn in einer Sache hat er definitiv Recht: Dieses einfach Foto hat viel zu große Wellen geschlagen. Und das liegt nicht daran, dass Özil dazu nicht äußern wollte, sondern eher daran, dass wir uns als Gemeinschaft zurück entwickelt haben: Im Jahr 2018 haben wir dank Horst und Alice wieder ein Klima, in dem man sich als Özil dafür rechtfertigen muss, dass man 2 Herkunftsländer hat. Und in dem man dafür angegriffen wird, dass man beiden Ländern Respekt zollen will. Da waren wir 2011 einfach weiter.

Das faszinierendste ist ja, dass der Kicker (ohne den letzten Teil gelesen zu haben... der der heftigste ist... vielleicht bringt sie das zum einlenken) jetzt einem Özil vorwirft keinerlei Selbstkritik zu zeigen... also zum einen reagiert man halt so, wenn man gefühlt von allen als Fußabtreter benutzt wird. Das löst halt eine gewisse Trotzreaktion aus... zum anderen: Wo bleibt denn die Selbstkritik vom Kicker? Das Eingeständnis, dass man sich selbst zu sehr auf dieses Foto versteift hat, welches eigentlich keinen Einfluss auf die Mannschaft haben sollte. Anstatt mal zu sagen: Ok, nach dem Foto mit dem deutschen Präsidenten und dem gemeinsamen Statement mit dem Deutschen Staatsoberhaupt kümmern wir uns wieder um Fußball...
Wenn der Kicker sich selber kritisch hinterfragen würde, könnte er an dem Punkt kommen, dass Özil recht hat... dass er, als bester Offensivspieler im Spiel gegen Südkorea, zumindest wenn man die sachlichen Parameter anwendet, eine 5 bekommen hat, weil er halt der Scheiß-Türke ist (und weil Mats Hummels seine Vorlage nicht genutzt hat...). Dass man es als ehemaliges Fachmagazin nicht geschafft hat die Emotionale Debatte auszublenden, wenn man die Leistungen auf dem Platz sachlich bewerten soll, könnte man einfach mal eingestehen. Dass man seinen Beitrag dazu geleistet hat... einer der Gründe ist, warum Özil sich so fühlt, wie er sich fühlt... Dass man sich an der Treibjagd munter (wenn auch nicht so drastisch wie die anderen) beteiligt hat... aber nein, Özil ist derjenige, der Selbstkritik zeigen muss... Natürlich. Der ist ja auch der einzige, der einen Fehler begangen hat...

Wie kann man eigentlich so dreist sein und von anderen Fordern, was man bei sich selbst verweigert?

Samstag, 23. Juni 2018

Es ist faszinierend, wie wir uns wieder komplett die Sicherungen raushauen

Ja, es ist wieder so weit: Wir sehen Berichte über die Deutsche Mannschaft im HeuteXpress... also ja, die haben in der Halbzeit eh schon verdammt wenig Sendezeit und verbringen die dann noch damit, dass sie dieselben Bilder zeigen, die den gesamten Tag schon in ZDF liefen... Und keinen stört's...

Nur um das mal deutlich zu machen: Dass der Satz "Von den Krediten für Griechenland hat Deutschland profitiert" so nebenbei fehlt... nachdem damals, als das beschlossen worden ist, alle rassistischen Vorurteile hinterm Ofen hervor gekrochen kamen, hätte man schon hinterher mal aufarbeiten können, dass "wir" am Ende dann doch "davon" am meisten profitiert haben... und dann sollte man den Gauland als EU-Kritiker mal danach fragen, was er von diesen Statistiken hält... Aber das geht natürlich nicht, wenn man unbedingt zeigen muss, wie Manuel Neuer die Fahne eines Fans unterschreibt... Der ist dafür extra nochmal umgedreht! Was für ein Held!!!

Und ja, genau genommen liegt es in der Journalistischen Verantwortung an den Übertragungstagen seines Senders in den Nachrichten komplett auf Fußball zu verzichten (Wichtig an der Stelle: Wenn die ZDF überträgt, sollte die Tagesschau auch über Fußball informieren, aber eben nicht, wenn der Sender eh schon 10 Stunden Fußball zeigt... und die Leute, die das gucken, eh nur wegen Fußball da sind... Und wo wir schon dabei sind: Die Tagesschau kriegt es jetzt auch gerade hin... geht doch.)
Dabei sind wir ja noch am Anfang des Turniers... Falls Deutschland nicht das dritte Opfer des ultimativen "GehdochHeme" Tipps aus Schweden wird (die können am 2. Spieltag den 3. Titelfavoriten raus kegeln...), kommt die wirkliche Eskalation erst noch, wenn dann wieder Bilder von den dann doch aufgemachten Fanmeilen in den Nachrichten gezeigt werden... Genau das wird passieren...

Aber nicht nur die Nachrichten drehen ja mal wieder komplett durch... auch unser ehemaliges Fachmagazin der Kicker trennt sich von jeglichem journalistischen Anspruchs...
Und ja, das ging technisch gesehen schon mit dem Titelblatt vor dem Turnier los... als sich Jogi "Der Visionär" Löw auf dem Titelblatt feiern lassen durfte... Dass aber ein Spiel später derselbe Löw mit einem "Packt er das" abgebildet... während das Bild komplett Schwarz in Schwarz gehalten wird. Also falls euch oder dem Kicker-Redakteur das nicht bewusst war: Das ist das Bildformat, welches man nutzt, wenn jemand verstorben ist. Sie haben also Löw wegen einer Niederlage im offiziellen Trauerflor abgebildet... Wenn das keine Überreaktion ist...
Und natürlich ist wird diese Reaktion subtil ausgelöst. Aber sie ist vorhanden...

Wem das nicht als "Beweis" reicht, dass es schon wieder an jeglicher journalistischer Distanz fehlt, der gönne sich folgenden Satz aus dem Artikel über Mesut Özil: "Sein größter verdienst war es vielleicht, dass er bei der EM 1996 nach einem Trainingszweikampf mit Christian Ziege noch vor dem ersten Gruppenspiel angeschlagen abreiste und somit dem Triumph in Wembley nicht im Weg zu stehen."
Ein Wunderbarer Satz. Den man als Blogger über Mario Basler als Reaktion auf dessen unsachliche Kritik an Özils Körpersprache genau so bringen kann. Und als Journalist kann man auch sachlich darauf hinweisen, dass Özil im Vergleich zu Basler der bedeutendere und erfolgreichere Nationalspieler ist.
Aber weil die Retourkutsche ins persönliche geht... wirkt das ganze auf ein Mal so, als wäre der Kicker-Redakteur (welcher von den 6en vor Ort das jetzt wirklich war, wird sicherheitshalber geheim gehalten) persönlich beleidigt, weil es jemand gewagt hat, seinen Lieblingsspieler zu kritisieren.

Genau deswegen ist das Halten der Journalistischen Distanz ja so verdammt wichtig: Damit man nicht das Gefühl bekommt, dass der Schreiberling eine persönliche Agenda hat, die auf die Berichtserstattung Einfluss nimmt. Und natürlich ist es praktisch unmöglich komplett distanziert zu bleiben. Aber man sollte diese Mauer nicht so offensichtlich einreißen. Denn damit disqualifiziert man sich quasi selbst, weil man offensichtlich nicht in der Lage ist sachlich zu bleiben.

Deswegen werden normaler Weise die "Meinungen" deutlich von den "Reportagen" getrennt. Im Kicker meistens durch den Hellblauen Hintergrund, der explizit dafür genutzt wird. Es ist halt nur ungeschickt, wenn man Teile seiner Leitartikel mit diesem Hintergrund versehen müsste...

Und da sind wir noch nicht mal bei den schlimmsten angekommen... Julian Brandt musste sich dafür rechtfertigen, dass er nach dem Spiel für ein Selfie gelächelt hat... Und die Debatte hat es bis zum Stern gebracht... Allein schon diese Niederlage als "peinlich" zu bezeichnen, ist grenzwertig. Es ist ja nicht so, dass man gegen Saudi Arabien oder Panama verloren hat... Und eine Niederlage gegen Mexiko ist halt kein Grund jemanden zu beerdigen... oder nie wieder zu Lachen... oder von "peinlich" zu reden... Aber so sind wir halt...

Dabei ist das Lächeln von Brandt mehr als angebracht... er ist schließlich neben Marco Reus der große Gewinner dieses Spiels...

Mittwoch, 14. März 2018

It's that Time of the Year again

Damit meine ich nicht mal das "Die Bayern können mal wieder im März Meister werden" Zeit... genau genommen ist die Überschrift ja auch falsch, denn die Phase, die uns jetzt bevor steht, kommt ja nur alle 2 Jahre. Und in der Extremität sogar nur alle 4 Jahre...

Aber ja, jetzt sind stehen wieder die Tage im Kalender, in dem man nur recht vorsichtig auf Kicker.de vorbei schaut... weil man irgendwie fast täglich das Gefühl hat, dass irgendeine Verletzung die WM Träume eines Starspielers ruiniert...

Bei Neymar wurde sogar kurz darüber diskutiert, ob ein Champions League Achtelfinale nicht wichtiger ist... aber er flog dann doch nach Brasilien um sich operieren zu lassen... und hoffentlich für die WM wieder fit zu werden...

Harry Kane's Knöchel steht ebenfalls vor einem spannenden Kampf gegen die Zeit. Und wir haben erst März... Das ganz wird nicht besser werden...

Ich frage mich ja an der Stelle immer: Ist das wirklich schlimmer geworden? Also genau genommen kann man ja mittlerweile zu jedem Turnier eine Mannschaft aus leider verletzten Spielern zusammen stellen, die zu den Titelfavoriten gehören würde. Was aber schwer zu beurteilen ist: Ist dies eine neue Entwicklung?

Also ich sag das mal so: Als ich 1996 angefangen habe große Turniere ernsthaft zu verfolgen... war es quasi unmöglich vor dem Turnierbeginn eine derartige Mannschaft zusammenzustellen... weil man die Starspieler des Gegners vor der Europameisterschaft nicht wirklich kannte.
Die Berichtserstattung fokussierte sich auf die Leute, die dabei waren und dort dann zu den prägenden Stars wurden. Und die Namen der Ausfälle waren mehr eine anonymisierte Blacklist.

Was halt auch an der Zeit lag. Man kann sich das heute kaum vorstellen, aber damals war es halt nicht das normalste der Welt alle Spiele der Champions League und alle Ligen der Welt über Sky und das Internet zu verfolgen.
Und natürlich kannte man zur Jahrtausendwende auch schon die ganz großen Namen wie Ronaldo und Rivaldo. Man musste aber oft ein ganzes Jahr darauf warten die irgendwo wirklich spielen zu sehen... weshalb ich mich ja auch bis heute an das ominöse Nebelspiel Hertha BSC Berlin - Barcelona erinnere: Man wartete damals gefühlt wochenlang auf diesen einen Termin und dann gab es da nicht mal was zu sehen...

Zu der Zeit hätte ich keine wirkliche Ahnung gehabt. wer Harry Kane ist. Den Namen hätte ich vielleicht mal gehört, aber die Bedeutung einer derartigen Verletzung... Dementsprechend schwer ist es nachzuvollziehen, ob es "damals" auch derartige Verletzungen gab... und wie viele Spieler davon betroffen waren.

Aber abgesehen von der Präsenz der Spieler in den Medien haben die Medien selber natürlich auch eine ganz andere Präsenz. Was auch ein Teil des Problems ist. Denn ab sofort wird jede Männergrippe sofort von einem "Was bedeutet das für die WM Teilnahme?" begleitet werden. Sobald ein Spieler wegen eines abgebrochenen Fingernagels ausgewechselt, werden die Kommentatoren fragen, ob das bis zum Sommer wieder verheilt...

Ist ja auch logisch... man hat ja gerade in der Bundesliga sonst nichts, worüber man schreiben kann... Und irgendwie muss man die Seiten ja füllen.
Dabei ist es wirklich sachlich gesehen unmöglich abzuschätzen, ob und wie extrem Neymars und Kanes Verletzung sich auf ihre WM Teilnahmen auswirken. Weil Verletzungen halt immer noch das sachlich gesehen am schwierigsten abzuschätzende Problem im Fußball sind. Auch bei perfekter Medizinischer Betreuung ist es schwer abzuschätzen, wann ein Spieler wirklich wieder Einsatzfähig ist. Das prominentes aktuelle Beispiel ist da ja Manuel Neuer. Gefühlt sollte der doch schon wieder spielen... oder ist es normal, dass er noch einen ganzen Monat Reha braucht? Keine Ahnung.

Dass andere Problem neben der Reha ist ja, dass keine Abschätzen kann, wie gut ein Spieler nach einer Verletzung zurück kommt. Also irgendwer hat ja mal behauptet, dass man die gesamte Ausfallszeit nochmal drauf rechnen muss, bevor ein Spieler wieder 100% seiner Leistungsfähigkeit erreicht. Aber wenn das stimmen würde, dürften wir im Jahr 2020 das nächste Mal einen guten Marco Reus sehen... trotzdem rockt der schon wieder die Liga, als wäre er nie weg gewesen... Wie lange ein Spieler braucht um wirklich wieder seine Leistungen zu bringen kann niemand vorhersagen.

Wenn man das ganze dann noch mit Per Mertesackers bemerkenswerten Interview kombiniert... also der Aussage, dass sich zumindest sein Körper ein Mal im Jahr eine Verletzungs-Auszeit nehmen musste, damit sein Geist halbwegs klar kommt... Faszinierender Weise war Per im Sommer trotzdem immer fit... Obwohl die Sommer Turniere die schlimmste Zeit gewesen sein sollen...

So gesehen muss Kanes Verletzung (also für die WM, nicht für Tottenham) gar nicht so schlimm sein... es könnte den Engländern (gerade weil denen die Winterpause fehlt) echt helfen, dass sich der Körper ihres Top-Stürmers vor der WM seine Auszeit nimmt, damit er im Sommer dann wirklich funktionieren kann. Aber das kann man als Kicker.de natürlich so nicht schreiben...

Was lernen wir daraus? Nun ja, wir sollten derartige Nachrichten vorsichtig konsumieren. Denn eine wirklich sachliche Berichtserstattung kann und will in diesen Momenten niemand liefern. Und wenn dann die wirklichen Diagnosen veröffentlicht werden und die Operation erfolgreich verlaufen ist... dann kann man vielleicht die ersten "Schafft er es zur WM oder nicht" Prognosen wahrnehmen. Vorher sollte man die einfach ignorieren.

Mittwoch, 21. Juni 2017

Ist es nicht schön, zu den Guten zu gehören?

Da weiß man sicher, dass man auf der richtigen Seite steht. Und WIR sind definitiv die Gutesten. Guter geht es gar nicht...

Die andern... da kann man mal genauer hinschauen, ob es da nicht dreckige Wäsche unterm Bett gibt. Oder nicht richtig ausgefüllte Steuerbescheinigungen und Abrechnungen. Die andern halt... das sind halt die gierigen Arschlöcher, die trotz Millionengehältern immer noch nicht genug kriegen.

Und boah sind wir alle glücklich, dass das allgemeine Oberarschloch Jose Mourinho da jetzt auch mit drin steckt.

Aber ein Deutscher Nationalspieler... der würde so was ja nie machen. So was kommt bei uns einfach nicht vor. Denn... wir sind ja die Guten.

Ganz ehrlich... da erfährt man in einem ausführlichen Bericht in der Tagesschau (und ja, das ganze war auf Tagesschau.de früher und größer aufgearbeitet als auf Kicker.de), dass Cristiano Ronaldo Steuern hinterzogen haben soll... also in Uli Hoeneß Dimensionen... Was für ein Bösewicht...

Und jetzt "zieht" Jose Mourinho nach...

Wisst ihr aber, welcher Name bei beiden irgendwie fehlt? Mesut Özil... und ja, der eine oder andere mag sich nicht mehr daran erinnern, aber die ganze Geschichte ging mit einem Spiegel Artikel los. Und ja, verglichen mit den Forderungen an Cristiano Ronaldo sind die 2.017.152,18 Euro, die Özil nachzahlen soll... nun ja, immer noch 2 Millionen Euro...

Und man könnte als deutscher Nachrichtendienst durchaus auch mal erwähnen, dass solche Affären nicht nur bei den anderen Nationen passieren. Oder man könnte wenigstens auf die Spiegel Recherche verweisen. So wie man sich selbst ja auch immer feiert, wenn man irgendwas an Aufklärungsarbeit auf den Weg gebracht hat.

Aber da müsste man ja einen deutschen Nationalspieler beschmutzen... den wollen wir da lieber nicht in den Fokus rücken, der hat schließlich gerade Urlaub.

Stattdessen spekulieren wir lieber wild, ob Ronaldo jetzt aus Madrid flüchtet und sich seinem Partner in Crime in München anschließt.

Und ja, es geht bei den beiden Fällen nicht direkt um Mesut Özil. Es geht darum, ob und wie viel Geld im Profi-Fußball in Spanien in dunklen Kanälen verschwindet. Aber so zu tun, als ob uns das gar nicht betrifft... und dass das bei unseren Helden ja nie passiert ist oder passieren könnte...

Mittwoch, 24. Mai 2017

Rummenigge ist echt der Donald Trump unter den Fußball Präsidenten

Wenn er mal verliert, lässt ihn das niemals wieder los. Dann war das eine ganz böse Verschwörung. Ein riesiger Skandal. Und das muss bei jeder Gelegenheit noch mal erwähnt werden. Der Skandal ist Grund genug selbst das größte Spiel des Jahres zu boykottieren... Weil man selber halt nicht mitspielen darf...
Oder anders ausgedrückt: MIMIMIMIMI!!!

Ernsthaft, ich muss die Schlagzeile zurücknehmen, ich beleidige damit Trump...

Wirklich dreist ist da dieses "Ich vergesse nicht so schnell!" Ach ja? Also zumindest, wenn es ihm passt, vergisst er nicht so schnell. Denn das wirklich lächerliche ist: Er spricht selber den verschossenen Elfmeter zum eigentlichen 2:0 an.
Was er in seinem Anfall von Egomanie natürlich außen vor lässt... dass der Elfmeter die erste richtig krasse Fehlentscheidung dieses Halbfinales kam... Wie lächerlich kann man sich eigentlich machen?

Dass die Bayern nur wegen eines Abseitstores überhaupt in die Position kamen 2 weitere Fehlentscheidungen zu ertragen... oder dass es erst 2 weitere Fehlentscheidungen pro Bayern geben musste, damit Aturo Vidal fälschlicher Weise vom Platz gestellt werden konnte... Daran erinnert sich der Rummenigge nicht...
Die richtige Aussage vom Hoeneß wäre ein "Ich vergesse die Dinge, die mir nicht passen, sehr schnell, aber auf den Rest kann ich sehr gut rumreiten."

Und natürlich erinnert auch niemand von der Süddeutschen Zeitung ihn daran... oder vom Kicker, der die Kernaussagen des Interviews übernimmt, damit die SZ mehr Ausgaben verkaufen kann.

Wir haben bei der Berichtserstattung über Rummenigge offiziell den Punkt erreicht, an dem die Kommentarspalten unter den Berichten kritischer sind als die eigentlichen Artikel... Und ja, wir leben in einem Internet, in dem die Allgemeine Reaktion aufs "Bibiana Steinhaus pfeift ab der nächsten Saison Bundesligaspiele" ein "Oh mein Gott, das ist eine Frau... dabei sind doch selbst richtige Männer mit dieser Aufgabe schon überfordert..."

Da muss man sich als Journalist schon mächtig strecken um die Kommentarsektion besser aussehen zu lassen als sich selbst.

Nebenbei... passiert das auch nur dem Rummenigge. Der darf immer wieder ungestraft seinen geistigen Dünnschiss verbreiten. Wenn ein Hans-Joachim Watzke ein Champions League Spiel am Abend nach einem Terroranschlag ansetzt, werden kritische Meinungen gedruckt. Da wird noch Monate später ein Fritz von Thurn und Taxis nach gefragt. Ob er das Verhalten von Rummenigga nach dem Ausscheiden lächerlich findet, wird er nicht gefragt... obwohl es in dem Interview immer wieder um die Persönlichkeiten beim FC Bayern geht...

Wann kommt aber eigentlich der Rummenigge entlarvende Kommentar im Kicker? Haben die wirklich so viel Angst vor dem Mann? Was soll der tun? Euch nicht auf die Pressekonferenzen lassen? Ja, solche Drohungen kommen vor... gingen aber noch nie gut für denjenigen aus, der sie durchziehen wollte...

Im Gegenteil... man könnte man gegen Rummenigge einen Presseboykott verhängen und ihm sagen, dass man seinen Bullshit ein halbes Jahr lang nicht mehr drucken wird. Genügen Bullshit verbreitet hat er im letzten Jahr. Und ja, wenn irgendjemand anderes seine Aussagen kritisch darstellen würde, könnte ich genau das mal ein halbes Jahr machen... Ich nehme es mir ganz fest für die neue Saison vor...

Mittwoch, 29. März 2017

Immer, wenn du denkst, ein absoluter Tiefpunkt wäre erreicht

kommt Karl-Heinz Rummenigge um die Ecke und beweist, dass er noch einen drauf setzen kann...

Holy Shit, der Kalle... was geht eigentlich mittlerweile bei dem ab? Wie weit weg von der Realität ist der eigentlich inzwischen angekommen...

Dass sich die AfD an Nazi-Kampfbegriffen orientiert, ist ja noch nachvollziehbar. Das ist halt der geistige Nachfolger der NPD... aber der Präsident von Bayern München? Wirklich?

Und ja, Fake News ist nicht mehr, als die Übersetzung der Lügenpresse ins englische... Das hätte man sich vielleicht vorher mal überlegen sollen...

Aber selbst ohne den Zusammenhang zum ganz rechten Rand der Geschichte... ist es wirklich gerade angemessen, sich an Donald Trump zu halten? Das machen halt sonst nur die Leute, die an Demokratie und einer offenen Welt kein Interesse haben. Geert Wilders zum Beispiel. Das sind nicht die Leute, mit denen man als anständiger Mensch assoziiert werden will... Und man muss schon ziemlich ignorant sein um nicht zu merken an wessen geistigem Eigentum man sich da vergreift.

Und ja, nur demokratiefeindliche Extremisten diskreditieren grundlegend die Medien, die ihnen nicht gefallen. Der Rest der Welt versteht, dass unabhängige und unangenehme Medien ein entscheidender Baustein einer offenen und aufgeschlossenen Gesellschaft sind. Auch wenn die gerade Standpunkte vertreten, die einem persönlich nicht gefallen, weil man in diesen Ausführungen selber nicht gut bei weg kommt.

Und ja, die Medien haben, als sie die Champion League Reform kritisch hinterfragt haben, einfach nur ihren Job gemacht. Deren Job ist es halt auch unbequem zu sein.

Ich möchte mich an der Stelle bei allen egoistischen Arschlöchern der Welt entschuldigen, weil ich sie mit dem Rummenigge in einen Topf geworfen habe. Der Rummenigge ist offensichtlich noch viel schlimmer.

Vor allem schuldet Rummenigge mir immer noch die ganz entscheidende Erklärung: Wie profitieren die Meister der kleinen Nationen davon, dass jetzt weniger von ihnen an die großen Fleischtöpfe kommen? Und dass ist reine Mathematik: Wenn 16 von 32 Teilnehmer der Gruppenphase von den 4 größten Nationen gestellt werden, müssen dafür konsequenter Weise die Meister anderer Ligen in die Europa League absteigen... Wo es wesentlich weniger Geld gibt.

Und nur weil Rummenigge innerhalb der ECA anscheinend so sehr mit einer Europäischen Superliga gedroht hat, dass all die kleinen Vereine diese Pille geschluckt haben... heißt dies nicht, dass diese Vereine von der Reform profitieren... Vor allem wenn diese neue Champions League doch genau diese Superliga wird.
Und ja, das Ergebnis der ach so tollen Reform wird nur sein, dass die Viertelfinalspiele der Champions League noch elitärer werden, als sie es eh schon sind. Dass wir mehr Kantersiege als Enge Duelle in den Achtelfinalen sehen werden... und genau das will Rummenigge ja: Das Viertelfinale für seine Bayern garantieren. Damit seine Bayern noch mehr Kohle scheffeln können.

Damit habe ich ja an sich auch gar kein Problem. Ich sehe sogar ein Stück weit ein, dass das seine Aufgabe als Vorstandsvorsitzender halt auch irgendwie seine Aufgabe. Er sollte aber einfach mal aufhören so zu tun, als würde es ihm um irgendwas anderes als die Sicherung der Bayrischen Dominanz gehen. Gerade wenn bei den Versuchen so ein Scheiß bei raus kommt.

Vor allem beweist die Ignoranz vom Rummenigge nur, weil weit weg von der Realität und einer Gesellschaftlichen Verantwortung die Fußball-Funktionäre mittlerweile sind. Und ja, ich halte es für extrem Gefährlich, wenn Begriffe wie Lügenpresse salonfähig werden. Ich finde es furchtbar, dass der amerikanische Präsident die Medien zum Feind des amerikanischen Volkes erklärt, weil die kritisch über ihn berichten. Aber das aller letzte, was wir gerade brauchen, ist einen Rummenigge, der dieses Vokabular vom rechten Rand der deutschen Gesellschaft ins Zentrum holt.

Und ja, in dem Moment, wo ein Björn Höcke oder ein Wilders dir auf die Schulter klopfen könnten, weil sie das Gefühl haben, dass du dich ihrer Sache verschrieben hast... solltest du vielleicht einfach mal anerkennen, dass du zu alt für den Scheiß bist und dich zurück ziehen solltest...

Was mich an der Stelle immer am meisten schockiert... ist ja, dass das alles so Widerspruchslos hingenommen wird. Dass der Kicker das alles unkommentiert druckt. Anstatt mal den Rummenigge direkt darauf hinzuweisen, was für einen Scheiß er da gerade wieder fabriziert hat. Und ihm ein "Dass kann doch nicht ihr ernst sein" zu entgegnen.

Dienstag, 14. März 2017

Medienkompetenztraining: Heute mit Aytekin und Collina

Und ja, es geht noch nicht mal darum, dass der Kicker so getan hat, als hätte es bis vorgestern wirklich noch "Bayern-Verfolger" gegeben...

Ich bin nach dem Jahrhundert-Comeback von Barca durch einen alten Freund auf eine offensichtlich und dringend zu führende Debatte gestoßen worden: Wird Pierluigi Collina Deniz Aytekin für den Rest der Champions League Saison sperren? Was sie ja nach der Leistung dringend müssen. Also die war ja so was von katastrophal!!!

Man muss dazu sagen: Dieser alte Freund ist Real Madrid Fan. Und hatte diese Information natürlich aus der seriösesten aller Quellen: Marca. Eines der Haus und Hof Blätter der Königlichen... Und die haben sich auch sehr subtil vom "could" zum "expected" bewegt. Ich wies meinen Freund an der Stelle auf die Parteilichkeit der spanischen Medien hin und bat ihn darum, mir eine neutrale Quelle zu nennen, in der von klaren Fehlern und einer möglichen Sperre berichtet wird. Und tatsächlich... konnte er mir ziemlich schnell ein Focus Online Video zuschicken... dass sich aber am Ende auch nur auf Marca beruft.
Was für mich total faszinierend ist. Denn seit dem melden sich plötzlich auch andere zu Wort und zitieren Marca... Und auf ein Mal kriegt dieser Artikel eine ganz neue Seriosität. Und Marca wird wahrscheinlich morgen schreiben: Selbst das Deutsche Sportportal Sport1 bestätigte...

Dabei hat Collina anscheinend nur mit Marca gesprochen. Und auch nur ein Mal. Jetzt verweisen die Zeitungen aber aufeinander... und auch wenn das im Kreis passiert, so wirkt es doch so, als hätte Collina eine offizielle Pressekonferenz abgehalten... Auch wenn er wahrscheinlich zwischen Tür und Angel etwas unverbindliches in Richtung des einen Journalisten genuschelt hat.
Dieses Phänomen des "Aufeinander im Kreis verweisen" kann man nebenbei auch immer gut bei Gerüchten auf dem Transfermarkt nachvollziehen. Da passiert das quasi jeden Tag: Zeitung X berichtet, dass irgendjemand irgendwen verpflichten will. Zeitung Y zitiert das. Zeitung Z zitiert Zeitung Y... um wiederum von X als Beleg verwendet zu werden...

Faszinierender Weise habe ich, bevor die Marca Haltung in den Deutschen Medien ankam, nur eine Aussage zu der Leistung von Aytekin gefunden. Und in der wurde er für seine "Starke Gesamtleistung in einem schwierigen Spiel" sogar gelobt... Auch wenn der Elfmeterpfiff natürlich angesprochen wird.

Bei dieser gesamten Debatte hält sich dann aber ein Medium überraschend weit raus: Der Kicker, der ja jeden Pfiff von Atkinson und Sidiropoulus unter die Lupe nimmt, erwähnt noch nicht mal, dass diese Jahrhunder-Aufholjagd von einem Deutschen gepfiffen wurde...  Ob dessen Leistung gut oder schlecht war, kriegt man so natürlich nicht raus.
Faszinierender Weise... wurde die Schiedsrichter-Debatte auch aus der Medienrundschau auf Kicker.de (die jetzt irgendwie verschwunden ist...) mit keinem Wort erwähnt... Also der Kicker stellt die Meinungen der französischen Medien zu einer französischen Kapitulation da... und selbst die sollen mit keinem Wort den Schiri erwähnt haben...

Dass der Kicker keine Beurteilung zur Leistung von Aytekin abgibt ist wirklich schade, denn eigentlich will ich es ja nur wissen. Ich hätte gerne eine sachliche Orientierungshilfe zur Bewertung dieser Szene. Weil ich es halt selber nicht entscheiden wollte... oder bis heute kann.

Also ja, dass Luiz Suarez da verdammt leicht fällt, wird spätestens in der Zeitlupe offensichtlich. Das kann man auch erwähnen, ohne dabei den Schiedsrichter an den Pranger zu stellen. Oder den Rest des Spiels kleinzureden... wie ESPNFC das hinkriegt. Fun Fact: Paris St.Germain spielte überragende 4 Pässe zwischen der 85. und 95. Minute zum eigenen Mann... und ja, da sind die 3 Anstöße mit dabei...

Stattdessen kriegen wir... Arsene Wenger, der meint man müsse die Uefa verklagen, weil sie keinen Videobeweis wollen...

Ok... fangen wir mal mit der Auswertung der Auswertung bei Arsene Wenger an. Ja, genau dem Arsene Wenger, der sich, nach dem er insgesamt mit 10:2 Toren abgefertigt worden ist, erst mal über den Schiedsrichter aufregt, der das Spiel getötet haben soll... Anstatt vielleicht mal zu erwähnen, dass es ziemlich dämlich ist auf seinen guten Torwart zu verzichten, wenn es gegen eine der besten Offensivreihen der Welt geht... Und ganz ehrlich: Auch wenn an der Stelle Abseits gepfiffen wird, scheidet Arsenal aus... nur mit 7:2 Toren, aber das macht den Braten doch nicht fett...
Aber Arsene hat halt eine ganz klare Agenda: Er will die allgemeine Debatte auf die Schiedsrichter lenken, damit seine eigene "Leistung" nicht mehr so auffällt. Da nimmt er den Elfmeter, der ihn selber nicht betrifft, natürlich gerne mit. An der Stelle wirkt er unparteiisch und damit soll es so wirken, als würde es ihm wirklich um die Sache und nicht nur um seinen Kopf gehen.

Marca ist halt Marca... also was man von den spanischen Medien so mitbekommt... gibt es da halt 2 klare Lager. Die einen nutzen jede Möglichkeit um Barca Leistungen zu diskreditieren (soweit das halt möglich ist) und Real Madrid groß zu schreiben, die anderen machen es genau anders herum.
Und ja, in einem fiktiven Szenario, in dem Real dringend ein Tor braucht, Karim Benzema im Strafraum fällt und Aytekins Pfiff ausbleibt, reagiert Marca genau so. Nur dieses Mal, weil es halt keinen Elfmeter gibt...
Das ist ja auch das wirklich faszinierende an dieser Situation: Gerade wenn man die Szene in Originalgeschwindigkeit sieht (was man ja machen muss um die Leistung und Entscheidung des Schiedsrichters zu bewerten), gibt es einfach keine Eindeutige Antwort auf die Frage "Fehlentscheidung oder Korrekt?" Das Ergebnis der Debatte hängt immer von der Vereinsbrille ab. Es ist halt sachlich betrachtet eine "Muss nicht, kann aber" Situation.

Und der Kicker? Nun ja, der hat anscheinend kein Interesse daran, dass die Leistungen der Deutschen Schiedsrichter auf internationaler Ebene hinterfragt werden. Also wir reden von dem Fachmagazin, dass eigentlich jedem Schiedsrichter eine Note gibt... zumindest wenn eine Deutsche Mannschaft beteiligt ist. Und das immer gerne erwähnt, wenn einer von "uns" international gut pfeift. Trotzdem blieb ein "Dies waren die kritischen Entscheidungen, so sehen wir das" Informationsartikel aus. Und ja, wenn Aytekin überragend gepfiffen hätte, wäre das garantiert im Fließtext erwähnt worden. Die Agenda des Kickers lautet also: Wir sind die beste Fußballnation, die am ordentlichsten organisiert ist und damit logischer weise auch die in kritischen Situationen unfehlbarsten Schiedsrichter hat... Und Indizien, die nicht mit unserem Weltbild übereinstimmen, werden ignoriert.

Am lustigsten sind ja die Reaktionen von Aytekin persönlich und der DFL. Denn die einen setzten den anderen am Sonntag einfach direkt wieder an... und der andere lieferte die beste Schiedsrichterleistung der Woche ab. Beides wäre wohl kaum möglich gewesen, wenn sich einer der beiden Parteien mit dem Elfmeterpfiff vom Mittwoch intensiv beschäftigt hätte... und sich mit möglichen Sperren auseinander setzen müsste...

Ich mag solche Medien-Experimente im Fußball ja. Weil sie da halt so wunderbar Harmlos sind. Deswegen warne ich euch auch so gerne, wenn "die" uns mal wieder einreden wollen, dass uns ein "richtig spannendes Finale" bevorsteht, auch wenn die Realität komplett anders aussieht...
 Da der Fußball halt in seinem eigenen Kosmos schwebt und uns in der Realität, abgesehen davon, dass er uns unterhält, selten berührt. Verglichen mit allen anderen Scheiß der so um einen herum passiert... Man kann quasi im Fußball Konsum Dinge trainieren, die man dann bei den wichtigen Vorfällen der Welt anwenden kann.

Da sind wir auch schon bei der heutigen Lektion des "Medienkompetenztrainings"... auch wenn es natürlich eher eine "Medienkompetenzvorlesung" war, aber Details.
Wenn ihr derzeit mit einer öffentlichen Meinung konfrontiert werdet, stellt euch einfach folgende Fragen:
1.) Woher kommen die Quellen dieser Aussage?
2.) Was ist das Ziel der öffentlichen Persönlichkeit?
3.) Was ist das Ziel des Mediums, welches diese Meinung transportiert?
Am einfachsten Nachvollziehbar ist es ja bei Donald Trump, der seine Informationen offensichtlich von Fox News bezieht, sich selbst als großartig und kompetent darstellen will... und je nach Medium dafür gelobt oder zerrissen wird. Aber auch jede andere Aussage, die durch unsere Medien verbreitet wird, müsste man eigentlich durch diese 3 Filter jagen, wenn man sich mit der Wirklichkeit beschäftigen will... Und das unabhängig davon, ob einem die transportierte Meinung eigentlich zusagt oder nicht.
Andererseits... wer will sich schon wirklich mit der Wirklichkeit beschäftigen? Also mehr als nötig?