Dienstag, 11. August 2026

Im Westen nichts Neues... jetzt auch mit Osterweiterung, Teil 1: Die Ausgangslage

 Das frustende an der derzeitigen Lage der Bundesliga ist ja, dass es gerade auch kein realistisches Szenario gibt, wie jemand die Bayern ernsthaft herausfordern soll. Aber bevor wir als quasi Saisonvorschau in die Details gehen, warum die Politik von Borussia Dortmund und RB Leipzig dieses Problem im Sommer weiter manifestieren, müssen wir erstmal ein paar Grundlagen schaffen. Denn es gibt da ein faszinierendes Narrativ, das alle ignorieren.

Wenn in der allgemeinen "Mainstream" Bundesliga-Vorschau des Kicker-Sonderheftes wird tatsächlich darauf hingewiesen, dass es schon ein Problem ist, dass die Meisterschaft quasi schon entschieden ist, bevor der erste Ball rollt. Man wäre ja schon froh, wenn die Bayern nicht an allen 34 Spieltagen auf Platz 1 stehen. Das macht die Liga halt langweilig und berechenbar.

Aber hier ist das eigentliche Problem, welches an der Stelle verschwiegen wird: Nicht nur der erste Platz ist bereits vergeben. Auch die Plätze 2 und 3 liegen relativ fest in der Hand von Leipzig und Dortmund. 

RB Leipzig hat es in seiner Konstrukthistorie nur 2 Mal geschafft, nicht unter den Top 4 zu landen. Die KGaA aus Dortmund landete in den letzten 16 Jahren 2 Mal nicht unter diesen ach so wichtigen Top 4. Und das eine Mal reichte, dank der letzten Europacup Reform, Platz 5 für die Teilnahme an der Champions League. Wir sind da also auch schon bei 11 Jahren Königsklasse infolge. Das macht die Liga dann auch kaputt.

Hier ist was Absurdes: Wenn man die beiden schlechten Saisons von RB abzieht, sammelten sie jedes Jahr zwischen 58 und 67 Punkten. Das relativiert die "Ole Werner hat die 4. beste RB Saison aller Zeiten abgeliefert" Geschichte ein wenig... Also wenn man im Schnitt 62,2 Punkte sammelt, sind 65 Punkte jetzt einfach nicht überragend. RB hat in 7 ihrer 10 Bundesligajahre zwischen 65 und 67 Punkten geholt... da werden sie auch dieses Jahr wieder landen. Und übernächstes. Und das Jahr darauf. Das wird dann für irgendwas zwischen Platz 2 und 4 reichen. Je nachdem, wie Borussia Dortmund sich anstellt.

Dortmund holte in den letzten 11 Jahren 2 Mal weniger als 60 Punkte. Sie holten 3 Mal über 70. Das ist nicht ganz so konstant, wie RB, weil es mehr Ausreißer nach oben gibt. Aber diese Ausreißer sind am Ende egal, weil die Bayern trotzdem im Schnitt 12 Punkte mehr holen. 

Es ist aber nicht nur so, dass die Bayern zu gut für diese Liga sind. Auch RB und Dortmund sind es sachlich gesehen. Deren Saison müsste extrem katastrophal verlaufen, damit sie die Champions League verpassen. Und es ist auch extrem wahrscheinlich, dass sie das schon vor dem letzten Spieltag eintüten. Seitdem die Bundesliga den 4. Startplatz sicher hat, musste Dortmund nur ein einziges Mal am letzten Spieltag gewinnen, um in die Königsklasse einzuziehen. 2024/25 war das. Da waren sie sogar noch auf Schützenhilfe angewiesen. Im Jahr davor nahm der 5. Startplatz am Ende jegliche Spannung aus der Spitzengruppe. Dazu kommt natürlich das Meisterschaftsfinale 2023, welches Leroy Sané entschied. 2017/18 sah es am Ende knapp aus, weil man punktgleich mit Leverkusen ins Ziel trudelte, aber da konnte man sich halt eine Niederlage am letzten Spieltag leisten. Da ging es wenigstens um halbwegs was. Aber in 8 von 9 Jahren hat Dortmund sein Saisonziel vor dem letzten Spieltag zementiert. Und nur in einem der 9 Jahre gab es am Ende noch die Möglichkeit "nach oben" etwas Besonderes zu erreichen. 

Bei RB Leipzig sieht es ähnlich aus. 2024/25 verspielte man am letzten Spieltag die Teilnahme an der Conference League. Das dürfte als legendärstes Finale aller Zeiten in die Vereinsgeschichte eingehen. 2021/22 musste man gegen die bereits abgestiegenen Bielefelder ein Unentschieden holen, um die Champions League sicher einzutüten. Das schaffte man gerade so. 2017/18 sicherte man sich am letzten Spieltag die Europa League. Und das war's. In 10 Jahren Bundesliga gab es überhaupt nur 3 Jahre, in denen es am letzten Spieltag um irgendwas ging. Den Aufstieg in die zweite Liga sicherte man sich ebenfalls bereits am 33. Spieltag und so konnte man sich eine Niederlage am letzten Spieltag leisten. Im Jahr davor verpasste man den Aufstieg deutlich. Durch die dritte Liga marschierte man in nur einer Saison souverän. Das einzige wirklich "Herzschlagfinale" der Geschichte gab es bei den Aufstiegsspielen in der Regionalliga... Das ist verdammt lang her. 
Und ja, RB hat es dafür relativ regelmäßig ins Pokalfinale geschafft. Und diesen ja auch gewonnen. Die schaffen es also doch, die Saison nicht einfach so austrudeln zu lassen. In der Bundesliga können sie das aber beinah jedes Jahr. Und sie werden sich auch in Zukunft immer wieder auf das Pokalfinale konzentrieren können.

Die brutale Wahrheit lautet: Wir haben in der oberen Tabellenhälfte eine 3 Klassen Gesellschaft. Also zumindest jetzt, wo Florian Wirtz und seine Freunde Bayer Leverkusen verlassen hat. Und seine Freunde auch. Zu denen kommen wir aber am Ende der Serie. Wir haben die Bayern, die deutlich über allem thronen. Und dann haben wir Dortmund und Leipzig, die einen deutlichen Abstand zum Rekordmeister haben. Die sich aber gleichzeitig von "Rest der Liga" ebenfalls deutlich abgrenzen. Es ist also nicht nur Platz 1 fest vergeben. Auch von den 3 weiteren Champions League Rängen sind 2 in fester Hand. Und der Abstand dieser 2 zum Rest ist so gewaltig, dass man auch da nur in Ausnahmefällen ein enges Rennen erleben wird.

 Dann kommen Leverkusen, Frankfurt und 2 "Überraschungsmannschaften". Diese 5 Mannschaften streiten sich dann um den 4. Startplatz und um die anderen europäischen Wettbewerbe. Man muss sich langsam fragen, wie lange der SC Freiburg da noch als "Überraschung" gilt. Bayer Leverkusen beendete 15 der letzten 17 zwischen Platz 2 und 6. Sie wurden halt ein Mal Meister... und dann ein Mal nur Zwölfter. Seit diesem historischen Debakel landeten sie in 7 von 9 Jahren zwischen Platz 3 und 6. 

Frankfurt ist natürlich noch relativ neu in dieser Kategorie. Sie profitieren vom absurden Beyoncé-Bump, der sie spontan in die Champions League gespült hat. Sachlich gesehen haben sie in den letzten Jahren einfach extrem gut gescoutet und ihre Stürmer extrem teuer verkauft. Aber um sachliche Analysen geht es hier halt nicht... Wenn die so weiterarbeiten, werden auch sie in 4 von 5 Jahren international spielen. Und ja, Werder Bremen und Schalke 04 haben gezeigt, wie schnell man sich diese gute Aufbauarbeit ruinieren kann. Aber stand jetzt gehört Frankfurt ganz klar in die 3. Ebene der Mannschaften, die um Platz 4 bis 7 spielen. 

Hier muss man mal wieder festhalten, dass die Frage, wer jetzt in die Conference League muss, nur die Fans abholt, die wirklich in diesem Rennen involviert sind. Der Rest...

Also man würde sich bestimmt auf ein spannendes Finale einlassen, in dem Dortmund, Leipzig und 2 weitere Teams auf Augenhöhe um die Plätze 2 bis 5 kämpfen. Da würde man in jeder Konferenz auf die Blitztabelle gucken. Vielleicht würde sogar der eine oder andere sich das Sonntagsspiel vom Systemfeind aus Leipzig angucken... Man kann ja dem Gegner die Daumen drücken.

Realistisch gesehen wird es aber, abgesehen von den Hardcore-Konsumenten der jeweiligen Mannschaft, keinen Grund geben, warum man sich die Spiele der 3 besten deutschen Mannschaften angucken sollte. Außer man ist Fan von Real Madrid oder Barca und man will potenzielle Neuzugänge scouten. Denn eigentlich ist es auch völlig irrelevant, ob Dortmund mit 15 Punkten Rückstand auf die Bayern 2. oder 3. wird. Genauso egal ist es, ob Leipzig mit 10 Punkten Vorsprung auf Platz 5 2. oder 3. wird... 

Die Liga ist also nicht nur langweilig, weil die Bayern so dominant sind, sondern weil die anderen beiden Mannschaften einerseits der Konkurrenz enteilt sind, andererseits mit diesen Bayern nie mithalten können. Und da diese Mannschaften jedes Jahr an der "jetzt noch lukrativeren" Champions League teilnehmen dürfen, wird sich dieser Abstand nach unten nicht verkleinern. Gleichzeitig müsste sich grundlegend in der Personalpolitik was ändern, damit sie eine Chance haben, die Bayern zu bedrohen.

Zur Personalpolitik dieser Vereine kommen wir dann in den nächsten Teilen.