Und ja, ich bin gerade ein wenig im Verzug. Anyhow.
Erinnert ihr euch an Noel? Deutschlands berühmtester Balljunge, der quasi den Hockey-Assist zum Tor von Jamal Musiala gegeben hat. Der wurde dafür hinterher von ganz Deutschland gefeiert und bekam einen von der gesamten Mannschaft signierten Ball. Großes Kino,
Die Reaktion der DFL: Eine schnellere Spieleröffnung und mehr Tore? Das wollen wir nicht sehen! Also hat man im März die Regeln für die Balljungen bis ins Detail geklärt. Da wird dann bis auf die Dezimeter geklärt, wie weit die "Ballstationen" voneinander entfernt stehen müssen. Und das insgesamt 19 Bälle "einsatzbereit" sein müssen.
Gerade letzteres finde ich immer lustig, wenn Spieler dann "DEN SPIELBALL" mit nach Hause nehmen, wenn sie einen Hattrick erzielt haben. So wie Patrick Schick das am Wochenende gemacht hat. Dass er überhaupt eines der 3 Tore mit dem jetzt zu Hause rumliegenden Ball erzielt hat, ist statistisch schon unwahrscheinlich. Dass er alle 3 Treffer mit diesem einen Ball erzielt hat, ist praktisch ausgeschlossen. Bei "nur" 37 Ballkontakten ist es sogar möglich, dass er da jetzt einen Ball im Regal hat, den er auf dem Spielfeld nie berührt hat.
Aber zurück zu den Balljungen. An der Stelle muss man Einschieben, dass die Idee natürlich aus der Premiere League kommt. Wie immer, denn das sind ja quasi die einzigen, die auf die Anweisungen des IFAB scheißen, obwohl ihr Verband da drin sitzt, und einfach Regeländerungen vornehmen. Und auch von der UEFA gibt es da klare Anweisungen. Es ist also nicht nur die DFL so dumm.
Und versteht mich nicht falsch: Regeln, die verhindern, dass Balljungen Zeitspiel betreiben oder die Spieler der Gastmannschaft provozieren können, sind super sinnvoll. Da gib es in dem Artikel genügend Negativbeispiele für. Für die Gäste sind diese "Ballstationen" eine wichtige Neuerung. Aber nur weil es die gibt und die sinnvoll sind, muss ich doch den Balljungen nicht verbieten, den Torhütern einen Ball zuzuwerfen. Das ist ja kein "Entweder/Oder". Der Balljunge kann ja den Ball von der Station nehmen und schnell zuwerfen, wenn dies im beidseitigen Interesse ist. Solange er ihn nicht für die Gastmannschaft blockiert, sollte das doch kein Problem sein.
Natürlich ist das ein gewisser Heimvorteil. Aber ist das wirklich schlimm? Denn die Statistik zeigt, dass dieser Vorteil immer unwichtiger wird. Letztes Jahr lag die Siegquote erstmals unter 40 %. Bei über 50 % lag sie zuletzt vor über 20 Jahren. Den cleveren Mannschaften jetzt die Möglichkeit zu geben, im eigenen Stadion das Spiel schnell wieder aufzunehmen, ist jetzt nicht die dümmste Möglichkeit, diesen Heimvorteil wieder herzustellen.
Und natürlich muss man an der Stelle einschieben, dass hauptsächlich die Spitzenteams davon profitieren werden. Dass St. Pauli das Spiel unbedingt schnell machen will, kommt eher selten vor. Aber auch da sage ich: Warum sollte man den Mannschaften, die progressiven und attraktiven Fußball spielen wollen, unnötige Knüppel zwischen die Beine werfen? Das ist doch eigentlich genau das, was wir sehen wollen.
Ich behaupte mal auch ganz dreist, dass die meisten Bundesligisten auf diese Anweisung scheißen. Also im Kicker-Artikel wird ja explizit Manuel Neuer erwähnt. Das lustigste ist ja, dass RB jetzt so tut, als würde das in ihrem Stadion nicht passieren, während Kaspar Hjumland behauptet, nie was von dieser Regel gehört zu haben. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass Ole Werner als einziger Trainer darauf besteht, dass seine Mannschaft diese neue Anordnung strikt und bewusst umsetzt. Aber er ist jetzt halt die betroffene Partei, also jammert er lieber über eine Regel, an die sich seine eigene Mannschaft wahrscheinlich nicht hält. Zumindest in der Hinsicht ist hier also gar nichts Besonderes passiert...