Ihr hattet eine Aufgabe... einen vernünftigen Spielplan zu erstellen. Und stattdessen beschäftigt ihr euch mit den Abständen der Bälle neben dem Spielfeld. Gut, dass die Prioritäten richtig gesetzt wurden.
Worum geht es? Nun ja, um den Abstiegskampf. Und um die Ansetzungen im Abstiegskampf. Denn die haben es tatsächlich geschafft, dass St. Pauli, Wolfsburg und Heidenheim alle zu unterschiedlichen Zeiten spielen. Heidenheim spielt sogar erst am Sonntag. Und da muss ganz offen die Frage gestellt werden: Warum?
Also die 3 Mannschaften spielen gegen RB Leipzig, Bayern und den 1. FC Köln. Dass diese 3 Mannschaften am 32. Spieltag tief im Abstiegskampf stecken, sollte niemanden überraschen. Dass die 3 Gegner am Samstag um 15:30 Zeit hätten, steht seit dem 17.05.2025 fest... also da hat Leipzig mit der Niederlage in Stuttgart die Teilnahme an der Conference League verpasst. Was schon absurd ist, denn das wäre ja die Chance auf ein "Finale Heeme" gewesen. Mit Hermes House Band auf dem Fanfest...
Aber seit diesem Tag steht fest, dass keine der Gegner am Donnerstag im Europacup spielen würde. Der eigentliche Spielplan wurde natürlich erst am 2.6. veröffentlicht. Die finalen Ansetzungen wurden am 27.03. festgezurrt. Da war Heidenheim noch weit abgeschlagen. Aber dass St. Pauli und Wolfsburg steckten mitten im Abstiegskampf. Zusammen mit den Kölnern. Und Werder Bremen.
Da ist doch das naheliegendste, dass diese 5 Mannschaften die 4 Partien am Samstagnachmittag austragen. Ernsthaft, das ist eigentlich ein Skandal. Es sollte ein viel größeres Thema sein und von wesentlich mehr Leuten als nur dem Fanbündnis "Unsere Kurve" kritisiert werden.
Gerade die Konstellation zwischen St. Pauli und Wolfsburg ist völlig absurd. Die trennt ja wirklich nur das Torverhältnis. Die Wölfe werden im Zweifelsfall genau wissen, welches Niederlage sie sich gegen die Bayern leisten können. Es kann also sein, dass die am Ende krampfhaft ein 0:5 verteidigen, weil sie genau wissen, dass dann am letzten Spieltag ein Unentschieden reicht.
Das diese beiden Mannschaften nicht zeitgleich spielen, ist unentschuldbar. Ich sage das mal ganz drastisch: Wer immer das zu verantworten hat, sollte dringend in eine Position befördert werden, in der er keine aktiven Funktionen mehr hat...
Dabei, das will ich an der Stelle nochmal festhalten, bin ich sogar ein großer Freund von den aufgeteilten Spieltagen zum Saisonende. Wenn man das clever machen würde, könnte man sicherlich mehr TV Gelder rausholen, ohne dass man, wie in der Relegation, den Wettbewerb verzerrt.
Das müsste aber nach klaren und nachvollziehbaren Regeln passieren. Also:
1.) Die Europacup Teilnehmer spielen Sonntag.
2.) Die Abstiegskandidaten spielen zeitgleich.
3.) Die Bayern spielen zeitgleich... also eigentlich wollte ich hier "Die Meisterschaftsanwärter" schreiben, es sind aber halt die Bayern.
4.) Um die Mannschaften, die in den Europacup einziehen, baut man den Rest.
Und dann verkauft man an Sky und DAZN die Rechte für die entsprechenden Konferenzen. Und selbst wenn dann die Abstiegs- und die Europacup-Konferenz am Ende gleichzeitig stattfinden müssen, könnte man eine extra Konferenz, die nur diese Spiele zeigt und nicht zum belanglosen Sommerfußball schalten muss, bestimmt gut verkaufen.
Die Logik dahinter ist grundsolide. 1.) Die Ruhetage zwischen den Spielen müssen gewahrt werden. 2.) Der Abstiegskampf gilt nicht zu Unrecht als "Existenzkampf". Da hängt, solange man kein Harakiri wie Dortmund zur Jahrtausendwende betreibt, das meiste dran. 3.)Der Meistertitel ist ja der eigentliche Grund, warum wir den ganzen Spaß machen. Und 4.) das Rennen um die Europacup-Plätze ist zumindest in der Theorie der unterhaltsamste Teil. Aber für die meisten wäre eine Teilnahme "nur" ein Bonus-Feature und nicht die Grundlage ihrer Existenz.
Dafür nimmt man sich im Zweifelsfall die Tabelle vom 25.03.. Die letzten 5 packt man, in die Samstagskonferenz. Die Mannschaft auf Platz 3 bis 5 in die 18:30 Champions League Konferenz. Und die Mannschaften auf den Plätzen 6 bis 8 spielen am Sonntag. Und wenn eine der Mannschaften aus den späteren Konferenzen auf eine aus den früheren trifft, so hat die frühere Priorität. Das kann dann natürlich dazu führen, dass der Tabellensechste schon weiß, welches Ergebnis er braucht, aber das ist, verglichen mit der derzeitigen Situation im Abstiegskampf, ein harmloses Problem.
Also ganz praktisch: Am Samstag um 15:30 spielen RB Leipzig - St. Pauli, Wolfsburg - Bayern, Köln gegen Heidenheim und vielleicht noch Hoffenheim gegen Bremen.
Dann freut man sich darüber, dass das ausbleibende Meisterrennen alles einfacher macht und setzt zu 18:30 als Gegenprogramm zur Sportschau die Fernduelle um die Champions League an. Hoffenheim - Bremen (was dann tatsächlich nur um ein paar Stunden verschoben werden müsste, der Aufwand wäre also überschaubar) und Stuttgart - Leverkusen. Und am Sonntag spielen, möglichst sogar zeitgleich, Hamburg - Freiburg, Dortmund - Frankfurt und Augsburg - Gladbach. Und dann kann man den belanglosen Sommerkick zwischen Mainz und Union Berlin sogar noch auf den Freitag legen. Plötzlich hätte man ein echt spannendes Fußballwochenende, an dem der neutrale Fußballfan von Samstag bis Sonntag vor der Glotze hängt...
Am letzten Spieltag spielen dann alle am Samstag, aber man bastelt sich trotzdem 2 Konferenzen. Eine um 15:30 für die ganzen Europacup-Teilnehmer und eine um 18:30 um Wolfsburg, St. Pauli und Heidenheim. Und wenn mehr Mannschaften im Abstiegskampf stecken, als im Europa Cup Rennen, tauscht man das. Falls es jemals wieder ein spannendes Meisterschaftsrennen gibt, legt man das auf 18:30. Wenn das ganze aufgrund von Überschneidungen nicht aufgeht, macht man eine 15:30 Konferenz, verkauft aber die Rechte für die einzelnen "Unter-Konferenzen" an die entsprechenden Anbieter.
Wenn die Fernsehsender weiter denken, als von der Wand zur Tapete, wird ihnen auffallen, dass sie natürlich das eine oder andere Einzelspiel verlieren. Dafür können sie dann aber die entsprechenden Pakte an betroffene Fans verticken. Also von dem Special "Abstiegspaket" würden sie bestimmt an die 3 Wolfsburg-Ultras verkaufen. Obwohl, das sind ja Drillinge, die werden sich ein Abo teilen. Schlechtes Beispiel. Aber in Stuttgart würde man das "Wir begleiten den VfB im Rennen um die Champions League" Angebot super an den Fan bekommen.
Die Fans werden natürlich erstmal heulen. Weil die immer heulen, wenn sich irgendwas ändert und weniger Spiele um 15:30 angepfiffen wird. Aber für die wäre das praktisch eine Verbesserung. Man könnte sich als Einstimmung auf sein eigenes Finish vorher den Abstiegskampf angucken und dann zum von der Kneipe ins Stadion ziehen. Oder man kann sich während des Abstiegsfrustsuffs noch angucken, wie andere Mannschaften um ihre Ziele kämpfen. Und der neutralen Zuschauer, dessen Mannschaft nur noch mit Sommerfußball beschäftigt wäre, kann sich beide Konferenzen nacheinander reinziehen und den kompletten Impact des Saisonfinales genießen, während er jetzt in der eher hektischen 9 Spiele Konferenz verloren geht.
Natürlich bräuchte diese Idee eine gewisse Flexibilität. Und das haben wir Deutsche halt nicht. Also wahrscheinlich würde alleine die Polizei eine kurzfristige Verlegung vom Hoffenheim - Bremen Spiel verhindern, weil sie dafür ihre Dienstpläne neu schreiben müssten. Das geht ja gar nicht.
Nur um zu beweisen, dass das aber geht: Die Premiere League hat das Spiel Chelsea - Nottingham kurzfristig auf Montag 16 Uhr angesetzt. Das wirkt wie eine ungewöhnliche Anstoßzeit, bis einem bewusst wird, dass der Montag in England ein Feiertag war. Anstatt dogmatisch darauf zu beharren, dass am Montag um 16 Uhr kein Fußball gespielt werden darf, haben sie einfach den Feiertag genutzt. Und am Ende generieren sie auch aufgrund solcher Aktionen einfach mehr Umsatz, als die Bundesliga. Für die Fans im Stadion ist jetzt 16 Uhr an einem Feiertag auch eher eine Verbesserung der Lage, weil auch die Gästefans entspannt hin und zurückkommen.
Natürlich muss man die komplette Kommerzialisierung der Premiere League nicht unbedingt als Vorbild nehmen. In Deutschland ist es ja irgendwie wichtig, dass man den Schein wahrt und so tut, als wäre Profifußball nicht der reinste Kommerz... auch wenn trotzdem alle das dreckige Geld nehmen, um den Spaß zu finanzieren.
Aber eine potenzielle Aufsplittung der letzten beiden Spieltag wäre jetzt nicht das Ende der Bundesliga Romantik. Im Gegenteil, wenn man, wie hier dargelegt, die Regeln ordentlich festlegen würde, könnte man dadurch die gerade anstehende Wettbewerbsverzerrung verhindern.
Nebenbei finde ich 2 Dinge faszinierend: Einerseits dass es mit Mainz gegen Union nur ein einziges bedeutungsloses Spiel gibt. Es geht einerseits doch noch für mehr Mannschaften um etwas, als ich gedacht hätte. Und der Spielplan fällt so günstig, dass es nur in einem Spiel für beide Mannschaften wirklich um was geht.
Andererseits haben die echt 3 Sonntagsspiele für den 33. Spieltag angesetzt. Und klar, mein Loblied auf den SC Freiburg muss noch geschrieben werden... aber gingen die echt davon aus, dass 3 von 4 deutschen Teilnehmern ins Halbfinale der Europa und Conference League einziehen?
Das ist uns seit den 70ern nicht mehr passiert. Dass man dieses so extrem unwahrscheinliche Szenario bei den Verträgen beachtet, es aber nicht schafft, einen vernünftigen Spielplan zu erstellen, sagt viel über den Fokus der DFL aus...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen