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Mittwoch, 27. Mai 2026

Passives Abseits Hall of Shame: Wolfsburg verspielt alle Sympathien...

Doch, wirklich. Und ich hätte auch nicht gedacht, dass da geht.

Also stellt euch mal vor, ihr bastelt euch einen Millionenkader. Also ganz praktisch bastelt ihr euch ein Transferminus von 50 Millionen in 2 Jahren. Dann holt ihr euch noch einen jungen und aufstrebenden Trainer, der das Potenzial dieses Kaders zu entfalten.

Anstatt um den Einzug in die Conference League zu kämpfen, verkackt man den Saisonauftakt. Aber gut, dass ein neuer, junger Trainer nicht funktioniert kann ja passieren, auch wenn es kein gutes Licht auf den Entscheidungsprozess im Sommer wirft. Das Paul Simonis Projekt wurde so schon nach 10 Spieltagen auf Platz 14 abgebrochen. Und man entschied sich für die logische Variante: Der Beförderung des Jugendtrainers Daniel Bauer. Bis zur Winterpause ist das ja auch OK. Und der Dead Coach Bounce führte ja auch zu 7 Punkten in 3 Spielen. Aber das 3:4 zum Jahresausklang gegen den SC Freiburg machte jetzt nicht unbedingt Mut für die Rückrunde. Trotzdem entschied man sich dann doch dafür, dem jungen Trainer diesen offensichtlich schwierigen Kader langfristig anzuvertrauen, auch wenn es da schon Anzeichen gab, dass das nicht die Dauerlösung sein wird.

Das klappte natürlich nicht. Es gab nur einen Sieg in 10 Spielen und somit musste man die nächste Notlösung auspacken. Und die war noch uninspirierter als die letzte: Dieter Hecking. Spätestens da war klar: Das ist ein faszinierender Autounfall. Heckings Zeit als Bundesligatrainer ist halt seit 10 Jahren vorbei. Der hat es schon letzte Saison geschafft, einen Abstieg zu betreuen. Da wird er das doch bestimmt dieses Jahr wieder hinbekommen.

Trotzdem ging ich davon aus, dass Wolfsburg sich schon noch retten wird. Denn die Konkurrenz war ja alles andere als Angst einflößend. Ganz praktisch rettete Werder Bremen sich mit einem Sieg in den letzten 7 Spielen. In Köln sammelte man 1 Sieg in den letzten 11 Spielen. Das waren jetzt keine hohen Hürden, die man irgendwie überwinden musste.

Wolfsburg selber holte in der gesamten Rückrunde halt nur 2 Siege, also musste man in die Relegation. Das ist zwar emotional anstrengend, aber in 9 von 10 Fällen gewinnt das der Bundesligist. Das sollte also auch machbar sein. Man hat ja mehr Geld auf der Bank sitzen, als die Paderborner in den gesamten Kader gesteckt haben. Also um das mal ganz praktisch vorzurechnen: Für die Einwechselspieler Paredes, Wind, Lindström, Shiogai und Amoura alleine hat der VfL Wolfsburg in der Summe 43,75 Millionen Euro an Ablöse und Leihgebühr bezahlt. Der Paderborner Kader ist insgesamt 40 Millionen Euro wert... Um es drastisch auszudrücken: Selbst der Hamburger SV hat das am Ende immer hinbekommen.

Das sind jedenfalls die "Vorleistungen" der Wölfe vor der Relegation. Dann schafft man es im Hinspiel vor den eigenen Fans ein Spiel anzubieten, bei denen sich der neutrale Zuschauer fragt, welche Sportart das eigentlich sein sollte. Zitat aus dem Kicker-Ticker: "Ansonsten bietet das Relegationshinspiel wenig Anlass zur Aufregung, beide Mannschaften scheuen das Risiko."

Aber daran hat es ja nicht gelegen. Die allgemeine Reaktion nach dem Relegationsrückspiel war dann ein "ABER DER SCHIEDSRICHTER!" Wenn der nur etwas mehr Fingerspitzengefühl gezeigt hätte, wäre Wolfsburg noch in der Bundesliga.

Und da keiner von den Medien sich das traut, sage ich das jetzt so: Alter, fickt euch! 

Selbst wenn die erste Gelbe Karte ganz schön hart war. Dann muss ich als Profi meine Spielweise anpassen und kann nicht so in den Zweikampf gehen, wie Maehle das direkt danach macht. Deswegen verdient man ja Millionen Euro im Jahr. Allein schon die Schuld für den Platzverweis beim Schiedsrichter zu suchen und nicht direkt anzumerken, dass der eigene Spieler sich da unfassbar dumm anstellt, ist grenzwertig.

Aber nach so einer Saison mit dem Finger auf den Schiedsrichter zu zeigen, ist einfach nur erbärmlich. Kein "Wir haben es halt nicht geschafft, das in 34 Spieltagen zu regeln." 
Und natürlich ist es ein bisschen unfair, dass Dieter Hecking so direkt und als Erstes darauf angesprochen wird. Aber er ist auch ein sehr erfahrener Trainer. Er hätte das Interview mit einem "Wir sind nicht heute und damit nicht wegen dieser einen Schiedsrichterentscheidung abgestiegen, sondern weil wir vorher in 35 Spielen richtig schlecht waren." anfangen können. Also wenn seine Erfahrung schon auf dem Platz wenig bis nichts gebracht hat, dann hätte er sie doch wenigstens im Umgang mit den Medien nutzen können.

Auch Diego Benaglio zeigt wenig Reflextion und Selbstkritik, sondern schaut lieber in Richtung Schiedsrichter. Ich zumindest habe aus Wolfsburg noch kein einziges Eingeständnis des eigenen Versagens gehört. 

Im klassischen VW Stil wird Dieter Hecking für seine tragende Rolle im erfolgreichen Projekt Abstieg befördert. Vom Trainer zum Geschäftsführer. Das Lustigste daran: Den "seine Trainerkarriere wäre dann wohl vorbei" Satz gab es 2020 schon, als er in Nürnberg diese Rolle übernahm... und am Ende scheiterte. Realistischer wäre da doch eher ein "Und damit hat der VfL Wolfsburg auch schon eine passende Notlösung da, falls man für den Aufstieg einen Interimstrainer braucht"... 

Aber nur um das nochmal festzuhalten: Wenn Dieter Hecking in Nürnberg einen guten Job als Geschäftsführer gemacht hätte, wäre er schon nicht in Bochum als Trainer zurückgekehrt. Wenn Hecking seinen Job dort ordentlich gemacht hätte, wäre er nie als Trainer für die Wolfsburger verfügbar gewesen. Wenn er jetzt die Mission Klassenerhalt geschafft hätte... Aber dieses 3fache Versagen hat ihn jetzt die Beförderung eingebracht. So sieht ein vernünftiger Neuanfang aus...

Nachtrag: Wir müssen natürlich von einem 4fachen Versagen sprechen, weil Dieter Hecking ja die Saison als Trainer in Bochum begonnen hat und nach einem Sieg aus 5 Spielen entlassen wurde... Aber hey, vielleicht ist es auch ein Fortschritt, dass Wolfsburg immerhin nicht den Trainer Dieter Hecking behält...

Freitag, 21. Oktober 2022

Oliver Bierhoff, Vollidiot der Woche. Oder Hall of Shamer der Woche.

 Oder Liebling der Katarischen Scheichs der Woche. Denn die Haltung, die Oliver Bierhoff gerade öffentlich eingefordert hat, ist ja genau die Haltung, die die Veranstalter sehen wollen: Konzentriert euch aufs Sportliche. Plant bloß keine Proteste. Wäre ja schlimm, wenn die an Stellen passieren würden, die man nicht einfach ausblenden kann. Und das Dümmste, was seit langem zu dem Thema gesagt worden ist: Überlasst das politische dem Präsidenten.

Nun muss ich vorher zugeben, dass die gleich anstehende Kritik an Bernd Neuendorf ein wenig zu hart ausfallen wird. Vielleicht ist der noch gar nicht völlig korrupt. Vielleicht bleibt der ja sogar integer, falls er es jemals war. Ernsthaft, der Neuendorf ist für mich ein derart unbeschriebenes Blatt, es fällt mir echt schwer den einzuordnen. Also wenn ich den reden höre, finde ich ihn angenehm sympathisch. Aber meine allgemeine Skepsis gegen derartige Funktionäre ist halt so hoch, dass ich nicht mehr glaube, dass er als integre Person in diese Position gekommen wäre. Aber man soll ja den Optimismus nicht verlieren.

Oliver Bierhoff sagt jetzt, dass die Vollidioten, die dafür verantwortlich sind, dass wir in dieser Scheiße stecken, sich vor Ort äußern sollen. Der Verband, der seit Jahren von einer Steuerrazzia in die nächste stolpert. Der jahrelang Robert Koch mit durchgeschleppt hat, obwohl alle wussten, dass der eher toxisch als hilfreich ist. 

Der Verband, der seit Jahren zu den Zuständen im Katar oder bei der Fifa im Allgemeinen geschwiegen hat. Der ja auch von den Zuständen bei der Fifa selber profitiert hat. Der fleißig mit gemauschelt und sich selber eine WM gekauft hat. Wenn die jetzt was sagen, weist halt nur jemand darauf hin, dass 2006 auch nicht alles so glattgelaufen ist. Oder ist es so glattgelaufen, weil vorher ordentlich geschmiert wurde? Aber ja, dass auch das Sommermärchen am Ende gekauft war, war einer der größten Überraschungen der Neuzeit. Also ich war schon fasziniert, wie überrascht alle waren, als das Offensichtliche rauskam.

Dieser Verband soll jetzt der Vorreiter in Sachen Menschenrechte in Katar werden? Die sollen jetzt ganz plötzlich ihr Gewissen finden und alles offen ansprechen? Und damit sollen die auch noch Erfolg haben?

Wenn wir eine Lise Klaveness in unseren Reihen hätten. Die hat schon vorher auf Fifa Kongressen offen angesprochen, wie furchtbar es ist, dass dieses Turnier so stattfindet. Und die darf logischerweise gar nicht erst einreisen. Der DFB stand da mit betretener Miene daneben. Man hat ein wenig genickt, aber sich nicht wirklich getraut selber etwas zu sagen. Man vertraut halt nicht den Aussagen von Amnesty International, sondern muss erstmal selber vor Ort gucken, ob da wirklich Sklaverei betrieben wird. 

Wenn wir diesen Leuten die Kritik an den Zuständen vor Ort überlassen, können wir es auch gleich lassen.

Donnerstag, 3. Juni 2021

Passives Abseits Hall of Shame: Alluhüte auf!

 Oder ist das gar keine Verschwörungstheorie, weil es am Ende doch zu offensichtlich ist? Weil es einfach keine andere logische Erklärung gibt?

Also es ist ja keine wirkliche Überraschung, dass Schalke 04 sich "mit Wetten auf die Zukunft" ein Millionengrab geschaufelt hat. Das klingt halt wie etwas, dass ein von Clemens Tönnies geführter Verein macht. 

Die wirkliche Überraschung ist doch, dass Christian Heidel für den Höhepunkt dieser Entwicklung verantwortlich ist. Der hat die meisten Verträge, die jetzt problematisch für Schalke sind, abgeschlossen. Der hat den Verein zugrunde gewirtschaftet...

Wie sein Autohaus, welches still und heimlich auch insolvent gegangen ist... hmm...

Aber wenn ihr diesen alten Artikel aus der FAZ lest, in der aufgeführt wird, dass Heidel Excel-Tabellen mit den Gehältern geführt hat und eben nicht nur die Millionenablöse gesehen hat, sondern auch die entstehenden Folgekosten mit eingerechnet hat... dann wundert es einen schon, wie dieser Mann all diese Vorsicht über Bord werfen konnte, als er auf Schalke anheuerte... 

Dass genau dieser Mann völlig absurde Punktprämien vergab, die jetzt auch noch in der 2. Liga gelten. Die gesparte Ablöse komplett einfach in Handgelder steckte... 

Wir reden hier von einem der besten Bundesliga-Manger aller Zeiten. Dem Uli Hoeneß von Mainz 05. Dem Beweis, dass man einen Verein auf einem gesunden Fundament nach oben führen kann, auch wenn es bei diesem "oben" dann in der Bundesliga natürlich seine Grenzen gibt. Wie konnte dieser Mann all das, was ihn ausmacht, so schnell vergessen und verraten?

Es sei denn... nun ja... das war alles sein Masterplan. Kurz bei Schalke ordentlich abkassieren, dann 6 Monate auf Mallorca entspannen und danach einfach die Rückkehr zu seinen Mainzern organisieren... und schon hat er sich eines lästigen Konkurrenten entledigt. Und jetzt kann er dann wieder seriös arbeiten. Gleichzeitig hat er dafür gesorgt, dass das Mindestziel Klassenerhalt in 2021 und 2022 einfacher zu erreichen ist, weil er dafür gesorgt hat, dass Schalke keine bundesligataugliche Mannschaft hat.

Und seine "Zerstörung von Schalke" war im Gegensatz zu den Rezo-Zerstörungen so effektiv, dass es unklar ist, ob sich der Verein davon jemals wieder erholen wird.

Also ich frage mich gerade wirklich, wie viele Dortmund-Fans im Fußball Manager von Fifa, Anstoss oder Sega Schalke ausgewählt haben und mal geguckt haben, ob sie den Verein in Grund und Boden wirtschaften können... und wie lange es dauert, bis sie entlassen werden. Dann spielen sie das Spiel mit anderen Vereinen weiter, nur um zu gucken, wie nachhaltig ihr Werk wirklich war... (Aus eigener Erfahrung als Bayern-Trainer kann ich euch sagen: Wichtig ist, dass man immer 11 Spieler aufstellt, auch wenn man nur 8 Vollpfosten verpflichten konnte, sonst wird man sehr schnell entlassen...)

Heidel hat genau das im echten Leben gemacht. Der hat Jon Bois und Kofis Fumble Dimension ins wirkliche Leben übertragen. Was für ein Teufelskerl.

Wenn es nicht Schalke wäre, könnte es einem fast Leid tun, dass sie den miesen Verschwörungen dieses Scharlatans auf den Leim gegangen sind. Aber es ist halt doch nur Schalke, die kriegen am Ende, was sie verdienen...

Aber was Heidel in Gelsenkirchen vollbracht hat, sollte als eine der größten Managerleistungen aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Und im Gegensatz zum Wirecard Chef muss Heidel danach nicht mal untertauchen, sondern kann lächelnd im Vorstand seines eigentlichen Vereins sitzen. Hoffentlich veröffentlicht Heidel irgendwann seine Memoiren, in denen er uns im Detail erklärt, wie er Schalkes Niedergang am Reißbrett plante...

Sonntag, 23. Mai 2021

Passives Abseits Hall of Shame: Herzlichen Glückwunsch Werder!

 Euer letztes Bundesligator könnte zum "Tor des Monats" im Mai gewählt werden. War ein wirklich schöner Distanzschuss von Niclas Füllkrug. Und das war doch das einzige Saisonziel, welches man unbedingt erreichen wollte.

Der Einbruch am letzten Spieltag war ja nur eine wunderbare Schlusspointe einer jahrelangen Entwicklung. Also ich würde mal behaupten: Der letzte Verein, der so zielgerichtet auf einen Abstieg hingearbeitet hat, war Hannover 96. Die dafür ebenfalls einen Hall of Shame Eintrag bekommen haben. Werder Bremen lässt diesen "geplanten Abstieg" von Hannover wie einen Unfall aussehen.

Das Grundproblem, welches hier schon oft erörtert wurde, ist und bleibt, dass Werder sich mit viel zu wenig viel zu zufriedengegeben hat. Florian Kohfeldt wurde zum Übertrainer verklärt, weil er den Europapokal knapp verpasst hat. Ein 8. Platz ist halt nicht überragend, sondern nur anständig. Und keine Leistung, für die man dann 23 Monate lang unantastbar bleiben muss. Aber bei Werder ist genau das passiert.

Man hätte die letzte Saison, in der man sich schon nur durch 2 Unentschieden (immerhin nutzte man sich dank der Europapokal Arithmetik, Saisonziel erreicht...) in der Relegation rettete, vernünftig analysieren müssen. Vor allem hätte man die Vorsaison, die man mit Platz 8 beendete, richtig einordnen müssen: Das Genie hinter dem Offensivfußball aus der Saison 2018/19 war nicht Kohfeldt, sondern Max Kruse. Der wollte sich unbedingt für die Champions League bewerben und hat eine dementsprechend starke Saison hingelegt. Contract Year Phenomenon nennen die Amerikaner das. Nur das dieses Mal nicht der Spieler mit einem fetten Vertrag belohnt wurde, sondern der Trainer.

Und man kann ja gerade bei Union Berlin wunderbar nachvollziehen, welchen Einfluss ein Kruse auf eine mittelmäßige Bundesligamannschaft hat.

Ich habe mich ja schon beim verlinkten Hannover Artikel auf "Game of Thrones" bezogen. Machen wir das wieder. Kohfeldt ist halt wie Benioff und Weiss: Als die sich auf das Werk von Georg R.R. Martin berufen konnten, sahen sie wie Genies aus. Als sie selber Dialoge und Plotlines für die Show erschaffen mussten, weil sie das Originalmaterial aus der Buchserie überholt haben, stießen sie sehr schnell an ihre Grenzen. Die nachlassende Qualität wurde aber zunächst einfach ignoriert und die wenigen Kritiker als notorische Nörgler abgetan... bis die Serie dann in der totalen Katastrophe "Season 8" endete... Und die Kritiker fragten sich nur, warum alle plötzlich so entsetzt sind, die Katastrophe wurde doch vorher angekündigt... Man hätte nur aufpassen müssen.

Genauso lief es jetzt doch bei Werder. Und ja, der Einzige, der darauf hingewiesen hat, dass Kohfeldt einfach nicht so gut ist, wie alle behaupten... war ich. Passives Abseits Leser wissen es früher. Faszinierender Weise kam eine detaillierte, im Nachhinein bestätigte, Einordnung des Trainers Kohfeldts vor genau einem Jahr raus. Wenn Frank Baumann meinen Blog lesen würde, hätte sich Werder einiges ersparen können. Genug Selbstbeweihräucherung, vor allem, weil ich ja selber wirklich lieber widerlegt worden wäre.

Die wirklich schlechte Nachricht für Werder ist ja, dass Frank Baumann nicht von sich aus zurücktritt... und Entlassungen sind halt echt nicht deren Stil. Es ist also durchaus vorstellbar, dass Baumann wirklich den Neuaufbau in Angriff nehmen soll, damit Werder sich dann nächstes Jahr dafür feiern kann, dass man den Aufstieg knapp verpasst hat. Während der Hamburger SV wieder an einem vorbeizieht (und Vierter wird...)

Der HSV ist auch ein interessanter Vergleich. Denn natürlich kann man denen Aktionismus und eine schädliche, aus dem Inneren kommende, Unruhe vorwerfen. Aber die haben wenigstens ALLES versucht um den Niedergang abzuwenden. Wahrscheinlich haben sie sogar zu viel versucht. Werder ist dagegen mit einer absurden Entspanntheit abgestiegen. 

Mit einem Vorstand, der schulterzuckend danebenstand und sich dachte "Das wird schon irgendwie werden." Der es immer verweigerte im größeren Kontext zu denken und die gezeigten Leistungen richtig einzuordnen Paradebeispiel: Ein 0:0 in einem Heimspiel gegen nur 3 Auswärtstore im Jahr erzielende Leverkusener wurde gefeiert. Und man ging halt davon aus, dass es schon mindestens 2 dümmere Mannschaften geben wird.

Der Trainer war zunehmend überfordert und schaffte es über Jahre nicht einen halbwegs vernünftigen Ersatz für Max Kruse zu entwickeln. Und Werder hat sich halt in die Lage gewirtschaftet, dass man solche Spieler entwickeln und nicht mehr verpflichten kann. So blieb dann Yuya Osako ein elementarer Bestandteil der Angriffsbemühungen, obwohl bei dem keine wirklichen Fortschritte zu erkennen waren. Aber irgendwie glaubten halt alle, dass der mittlerweile 31-jährige nochmal einen wirklichen Sprung nach vorne machen kann und zum Fixpunkt in einer Bundesliga-Offensive werden kann. Oder Kohfeldt hat wirklich einen guten Bundesligastürmer in ihm gesehen. Am Ende überschätzte man die 2 Tore gegen sich auflösende Kölner am letzten Spieltag der letzten Saison gnadenlos. Das war nebenbei laut Kicker das einzige "gute Bundesligaspiel", welches Osako seit dem 10.11.2019 in seinem Lebenslauf stehen hat. Und ja, der ist gut in die Saison gestartet. Aber er ist dann unter Kohfeldts Führung komplett eingebrochen. Da ist entweder der Trainer nicht in der Lage ein ordentliches System um vielleicht an sich gute Spieler zu entwickeln. Oder er hält einfach zu lange an untauglichen Spielern fest. 

Auch die "Lösung" für die Offensivprobleme ist interessant: Man lieh sich Davie Selke aus. Einen Rückkehrer als Hoffnungsträger. Dass Selke sowohl bei Hertha als auch bei RB Leipzig gescheitert ist und aussortiert wurde, ignorierte man einfach. Das lag ja daran, dass diese Vereine keinen guten Trainer hatten, der Selkes Stärken einbauen konnte. Die eine gute Nachricht für Werder ist ja, dass sie jetzt nicht die 10 Millionen Euro Ablöse für Selke überweisen muss. Aber hey, als letzten relevanten Beitrag im Werder-Trikot sicherte er sich den Titel "Gomez der Woche"... beim Stand von 1:0 für Gladbach ließ er halt eine 100%ige Chance liegen...

Am Ende kommt eine Mannschaft raus, die ganz gelassen 2 Punkt aus den letzten 12 Spielen holte. Nach dem 23. Spieltag war man eigentlich schon gerettet. 9 Punkte Vorsprung bei einem Spiel weniger sind eigentlich nicht zu verspielen. Nur so als Vergleich: Der Abstand zu Platz 7 waren nur 8 Punkte. Aber anstatt sich mit einem starken Saisonfinish das Selbstvertrauen für höhere Ziele in der nächsten Saison zu holen, schaltete man in den entspannten Verwaltungsmodus. Oder man brach komplett ein, je nachdem wie man es sehen will. Egal was es am Ende war, Kohfeldt konnte es nicht verhindern, was seine Aufgabe war.

Nebenbei ist das "Nachlassen zum Saisonende" ja kein neues Phänomen. Letztes Jahr holte man in der Rückrunde 3 Siege. Den ersten gegen am Ende absteigende Düsseldorfer. Den nächsten gegen bereits abgestiegene Paderborner, die halt mit der Liga am Ende überfordert waren. Einen gegen schon gerettete Kölner am letzten Spieltag. Im Wesentlichen rettete man sich mit 2 Siegen aus 18 Spielen (inklusive Relegation). Und diese 2 Siege kamen gegen in dem Moment nicht bundesligataugliche Gegner. Aber hey, bei diesen Siegen erzielte man überragende 11 Tore. Aber wie immer verweigerte man es, diese Ergebnisse ordentlich einzusortieren und ließ sich blenden...

In der Saison 2017/18 "rettete" man sich mit einer Serie von 5 sieglosen Spielen in Folge, bevor man am letzten Spieltag bedeutungslose 3 Punkte gegen Mainz einfuhr. Wirklich stark war man zum Saisonende ausschließlich 2018/19. Also, auch wenn ich mich wiederhole, in der einen Saison, in der Max Kruse richtig Bock hatte.

Dabei wäre es doch ein Anzeichen für gute Trainingsarbeit, wenn sich die Mannschaft im Verlauf der Saison steigert und ein starkes Saisonfinish hinlegt. Werder ist das in 4 Jahren ein Mal geglückt. Und dann gucken alle überrascht, wenn Kohfeldt auch im 4. Jahr den Bock nicht umstoßen kann. 

Das wirklich bezeichnende in dieser Serie von 12 Spielen mit 2 Punkten ist ja... die Leistung von Ralf Fährmann. Also während Werder auf einem guten Weg war das bessere Torverhältnis zu verspielen und mit 0:4 zurücklag, trieb Fährmann die Kölner in den Wahnsinn. Es würde mich nicht überraschen, wenn der zum Spieler des Spieltages gekürt wird. Oder zumindest in die Elf des Tages kommt. Und nachdem er sich dann doch einmal geschlagen geben musste, stürmte er wild entschlossen nach vorne und hätte nach eine Ecke fast noch den Ausgleich erzielt.

Bezeichnender kann die Bundesliga-Geschichte von Werder nicht enden (und genau das könnte ja bei der finanziellen Lage des Vereines jetzt passiert sein): Ein Schalker, dessen Mannschaft im Jahr 2021 sonst überhaupt nichts gerissen hat, ist am Ende der einzige, der sich gegen den Abstieg der Bremer stemmt. Mit allem was er hat und dem Mut der Verzweiflung.

Um nochmal festzuhalten wie erbärmlich das Saisonfinish von Werder war: Wenn Fährmann am Ende das 1:1 köpft, wäre es nur fair gewesen, wenn die Werder-Profis ihre gesamte Prämie für den Klassenerhalt an ihn überweisen... und man hätte über eine Statue vorm Stadion nachdenken müssen. Von Werder selber kam derweil bis es praktisch viel zu spät war gar nichts...

Und ja, natürlich gehe ich davon aus, dass Werder sich in der Relegation trotzdem gerettet hätte, egal gegen wen es geht. Aber meine extreme Ablehnung gegen diesen kommerziellen Auswuchs ist ja auch mehr als gut dokumentiert... Immerhin hatte Werder den Anstand diesen letzten Rettungsring nicht schon wieder zu ergreifen.

Dienstag, 24. November 2020

Passives Abseits Hall of Shame: Können diese Tasmania Berlin Vergleiche einfach mal aufhören?

 Bitte! Danke!

Also gerade werden ja beliebte Bilderserien mit dem Titel "Schalke nähert sich Tasmania Berlin" online gestellt. Bestimmt nicht nur bei Kicker.de, aber halt auch da. 

Lasst es uns einfach sagen, wie es ist: Schalke ist gerade die schlechteste Bundesligamannschaft aller Zeiten. 24 Spiele sieglose Spiele in Serie sind unerreicht. Ob man jetzt Tasmania noch einholt, ist dabei vollkommen irrelevant. 

Und dass es gerade 2 Mannschaften gibt, die praktisch gesehen eine gesamte Halbserie nicht gewonnen haben, belegt, dass der Tabellenkeller noch nie so absurd schwach war wie jetzt gerade. Wann spielen die eigentlich gegeneinander? Am letzten Spieltag der Hinrunde? Als hätten die gewusst, was kommt... Dieses Spiel sollte die DFL auf jeden Fall auf Samstag 18:30 legen. Ein derart schlechtes Spiel dürfte es noch nie gegeben haben...

Obwohl, jetzt wo ich das gesagt habe, gewinnen wahrscheinlich beide am Wochenende und ruinieren diese Geschichte...

Jedenfalls zurück zur Perspektive Tasmania Berlin: Also ja, diese Mannschaft beendete die Saison mit uneinholbaren 8 Punkten aus 34 Spielen. Auf die 3 Punkte Regelung umgerechnet wären es auch nur 10 Punkte gewesen. Aber hier ist ein Detail, welches an der Stelle gerne vergessen wird: Der einzige Grund, warum Tasmania überhaupt Bundesliga spielte, war der Zwangsabstieg der Hertha in der Vorsaison. Und die Sonderrolle Berlins in der Deutschen Geschichte als geteilte Stadt. Also im Wesentlichen wollte der Springer Verlag unbedingt, dass es in Berlin trotz der finanziellen Unregelmäßigkeiten bei der Hertha Bundesligafußball gibt. Also wurde das Teilnehmerfeld auf 18 Mannschaften erweitert um weitere Problemen und Klagen aus dem Weg zu gehen.

Also um das mal festzuhalten: Die Tasmania spielte 1965 in der Stadtliga Berlin... und wurde dort auch nur Dritter. Tennis Borussia Berlin scheiterte als Meister deutlich an der Aufstiegsrunde. Und der Spandauer SC verzichtete lieber, anstatt das seinen Spielern anzutun. Also musste Tasmania aufsteigen...

Eine Mannschaft, die aus Halbprofis bestand, welche direkt aus dem Urlaub kamen. Denn die finale Entscheidung fiel erst Anfang August... Man hatte also 4 Wochen Zeit um ohne finanziellen Spielraum aus Halbprofis Bundesligaspieler zu formen. Und auch keinerlei Möglichkeiten diese Mannschaft zu verstärken. Deswegen sehen die Startaufstellung vom letzten Berlin Liga und ersten Bundesliga Spiel so ähnlich aus: 8 Spieler standen in beiden Fällen auf dem Platz...

Das ist eine völlig absurde Situation, die es so in Deutschland nie gegeben hat und im Profisport wohl auch nie wieder geben wird. Also als praktisches Beispiel: Das wäre, als hätte man auf den Abstieg des Hamburger SVs spontan den Altonaer FC 93 für die Bundesliga nominiert... 4 Wochen vor Bundesligastart. Weil der FC St.Pauli als 2. Beste Hamburger Mannschaft sagt: "Wir spielen lieber Derby als Bundesliga..."

Natürlich war diese Mannschaft gnadenlos überfordert. Und natürlich stellte sie Rekorde auf, die praktisch uneinholbar waren. So ist das halt, wenn man spontan einen Regionalligisten in der Bundesliga mitwurschteln lässt.

Also selbst die Überraschungsaufsteiger der letzten Jahre wie Fürth, Paderborn und jetzt Bielefeld, die ja praktisch auch von den anderen Vereinen weit entfernt waren oder sind, hatten wesentlich bessere Voraussetzungen als die Berliner damals. Deswegen sollte man auch die Berliner nie als Referenzwert nehmen, wenn man historisch schlechte Leistungen einordnen will.

Das muss man vor allen Dingen bedenken, wenn man die derzeitigen Negativserien der Schalker und Kölner betrachtet. Gerade bei den Schalkern. Denn Schalke erlebt gerade die längste Serie ohne Sieg aller seriös geführten Bundesligisten. Es gab historisch nichts vergleichbares.

Ich würde sogar behaupten, dass es im Profisport allgemein wenig vergleichbares gab. Gerade wenn man bedenkt, dass Schalke vor 3 1/2 Jahren Vizemeister wurde und an den Champions League Töpfen naschte. Also gerade die Schalker sollten in der Lage sein einen Kader zusammenzustellen, der zumindest hin und wieder ein Bundesligaspiel gewinnt...

Nun ist es an der Stelle schwierig, diese Serie in historischen Kontext zu setzen, weil... nun ja... es halt Unentschieden gibt. Also diese schöne Bilderserie zeigt euch die längsten Niederlagenserien der Geschichte des Profisports... und es kommt Andrea Pirlo vor. Ja, der Andrea Pirlo, der damals den diesen simplen und doch genialen Pass auf Grosso spielte... nur um den Schalker Spielern Mut zu machen, dass sie trotz der derzeitigen Misere noch was reißen können... und weil es immer Spaß macht das 0:1 von damals zu verlinken...

Wo war ich? Ach ja: Brescia Calcio: Also ja, die verloren mehr Spiele am Stück als Schalke, holten aber taktisch geschickt ihre 2 Siege am 15. und 19. Spieltag. Man musste also nicht so lange auf einen Sieg warten, wie die Schalker.

Bleibt der AFC Sunderland mit 20 Premiere League Niederlagen in Folge... die sich allerdings über 2 1/2 Jahre hinzogen... weil... nun ja... man meistens absteigt, wenn man 20 Spiele in Folge nicht gewinnt. Aber auch die gewannen am 18. Spieltag gegen Liverpool, beendeten die Saison als "nur" mit 20 Spielen ohne Sieg... und gewannen am 3. Spieltag der 2.Liga Saison. Schalke hat also auch diese Mannschaft schon eingeholt.

Bleibt also der Blick in andere Sportarten und auf die Philadelpia 76ers und Cleveland Cavaliers. Die einzigen NBA Mannschaften mit längeren Niederlagenserien. Hierbei muss man allerdings sofort anmerken, dass die NBA einen dafür belohnt, wenn man richtig schlecht ist. Also man bekommt dann die Chance sich den Moukoko der jeweiligen Talentgeneration zu sichern. Gerade die 76ers haben damals bewusst versucht richtig schlecht zu sein. Das war ihr Plan für mehrere Jahre. Schalkes wollte eigentlich zeitnah zurück ins Internationale Geschäft...

Bleiben... die Tampa Bay Buccaneers aus der NFL... die 26 Spiele in Folge verloren haben. Wobei man an der Stelle erwähnen muss, dass die Buccaneers eine neu gegründete Franchise waren und kein etablierter Traditionsverein... aber beinah 2 Jahre ohne jeglichen Sieg zu bleiben ist trotzdem beeindruckend.

Aber das ist so das allgemeine Kompetenzniveau, mit dem sich Schalke gerade eigentlich vergleichen muss: Mannschaften, die absichtlich schlecht zusammengestellt wurden, weil dies der beste Plan für die Zukunft im Amerikanischen Sport ist. Und das wirklich beängstigende: Schalke hat noch die Möglichkeiten diese Mannschaften einzuholen.

Was mich ja zu der spannenden Frage bringt, was jetzt genau die "unterschiedliche Auffassung" war, die eine weitere Zusammenarbeit von Jochen Schneider und Michael Reschke unmöglich machte. Also ich bin mir ziemlich sicher, dass einer der beiden mit einer "Wir sollten alles unternehmen, um die Buccaneers Serie noch zu knacken, wo wir doch schon so kurz davor sind" Haltung in die letzten Gespräche gegangen ist. Und der andere wollte dies auf keinen Fall... Jetzt fragt mich aber nicht, auf welcher Seite des Anspruches Sportvorstand Schneider stand...

Donnerstag, 28. November 2019

Hall of Shame / Positionsbeschreibung: Schalke 04 Angreifer

Wisst ihr, was ich viel zu lange nicht gemacht habe und was dringend mal wieder dran ist? Unmotiviert auf Schalke 04 rumhacken.
Unmotiviert stimmt natürlich gar nicht, die Motivation kommt von meinem Stammleser der ersten Stunde Phil, der Mark Uth unter der Kategorie "Marius Ebbers Angreifer" einsortieren wollte. Was fachlich falsch ist, der ist ein:

SCHALKE 04 ANGREIFER!!!!

Ok, hier eine kurze Definition dieses Spielertyp: Wir reden von einem Stürmer, der seine Bundesligatauglichkeit bereits nachgewiesen hat. Idealer Weise, in dem er 10 Tore geschossen hat. An Toren kann man so was ja bei Stürmern relativ gut messen. Dann wechselt dieser Spieler mit einem gewissen Hype zu Schalke 04, erreicht dort aber nie wieder dieses Niveau. Es gibt in diesem Jahrtausend überraschend viele Spieler, auf die dies zutrifft und man muss die Regeln erstaunlich selten brechen.

Mark Uth: Das erste, was mir auffällt, ist ja: Mark Uths Fussballdaten.de Profil ist kaputt. Sein Wechsel nach Schalke hat hat ihn derart ruiniert, dass er seit 2016 keine Bundesligaspiele mehr absolviert haben soll... und dass er als Schalke II Spieler geführt wird. Ich hoffe mal, dass dies kein generelles Problem ist, denn Fussballdaten.de ist meine Primärquelle...
Auf Transfermarkt.de bekommt man dann raus, dass Uth 14 Tore in seiner letzten Saison für Hoffenheim erzielt hat. Wikipedia teilt uns dann mit, dass es seit dem 2 Tore von ihm im Schalker Trikot gab. Ein beeindruckender Leistungsabfall, den man als Ausnahme abheften könnte, wenn es davon nicht so viele geben würde.

Apropos Ausnahmen. Der nächste ist eine:
Breel Embolo: Alle waren sich ziemlich sicher, dass Breel Embolo eines dieser "Die können nicht scheitern" Talente ist. Einer dieser Spieler, die selbst Heiko Herrlich nicht versauen kann. Dann ging er nach Schalke. Und zugegebener Weise wurde ihm das Bein gebrochen. Auf ziemlich brutale Weise in seiner Debütsaison. Dass Embolo aber selbst 2 Jahre danach noch nicht wieder auf die (hust, hust) Beine kam, könnte dann auch an Schalke liegen. Und natürlich ist diese Nominierung auch mit der Hoffnung verbunden, dass Embolo dieses oder nächstes Jahr für Gladbach die 10 Tore Marke knackt, denn technisch gesehen kann ich ihn erst danach auf diese Liste packen.

Guido Burgstaller: Und all so häh? Der hat doch nur für Schalke in der Bundesliga gespielt? Und das sogar in der ersten Saison ziemlich gut! Stimmt. Es beweist aber nur, wie komplex die Schalke 04 Angreifer DNA ist. Natürlich muss Burgstaller erst Mal nachweisen, dass er kein einfacher Marius Ebbers Angreifer ist. Das wäre ja zu einfach. Also erzielt er direkt 9 Tore in der ersten Halbserie. Und dann 11 in seiner ersten vollen Saison. Damit halt Schalke doch endlich den Stürmer für die nächsten Jahre gefunden! Nun ja... mittlerweile versuchen die irgendwie Platz in ihrem Budget frei zu schaufeln, damit sie im Winter einen neuen Angreifer verpflichten können... weil Burgstaller seit 1 1/2 Jahren... nun ja... wie ein Spieler auftritt, der vor 1 1/2 als Hoffnungsträger für den Schalker Angriff verpflichtet worden ist...

Eric Maxim Chupo-Moting: Erinnert ihr euch noch an den? Also an die Mainzer Version, die, wenn sie fit war, 10 Tore pro Saison erzielte. Also 2 Mal... Als Schalker Fan war man ein Mal dicht dran, aber nach 2 weiteren weitgehend ereignislosen Jahren ging Chupo-Moting ablösefrei nach England. Und heute spielt er, als einer der absurdesten Plottwist, seinen Part in einer der teuersten Offensivreihen aller Zeiten bei Paris St.Germain. Klar, als Ergänzungsspieler, aber wenn jemand einem Schalker Fan gesagt hätte: 2020 spielen Chupo-Moting und Julian Draxler zusammen in Paris. Hätte der gesagt "Auf keinen Fall, der eine ist unsere Zukunft und wird für immer bleiben..."

Chinedu Obasi: Das hätte man kommen sehen können. Schließlich war Obasis eine Gute Saison schon eine Weile her in der 2. Liga. Aber er war Teil dieser absurden Hoffenheimer Himmelstürmer und genoss deswegen einen guten Ruf. Und hey, Schalke kann sogar behaupten, dass er sich auf Schalke verbessert hat. Immerhin traf er in der Rückrunde ein Mal.
Hmm... wer hätte 2009 gedacht, dass Obasi nur ein "Marius Ebbers Angreifer" ist? Da schien so viel mehr möglich... Aber dann kam halt Schalke...

Franco di Santo: Gefühlt finanziert sich Werder Bremen ja dadurch, dass sie Spieler in ihrem System gut aussehen lassen und sie dann nach Schalke verkaufen, ohne das Schalke dadurch besser wird. Nirgends wurde dies so deutlich wie bei di Santo, für den Schalke nach seiner ersten ordentlichen Saison 8,5 Millionen Euro hinblätterte. Nur um als Gegenwert 5 Tore in 3 1/2 Jahren zu bekommen. So sieht ein ganz normaler Schalke-Transfer aus...

Ciprian Marica: Langsam gehen einem echt die dummen Sprüche aus. Vor allem, weil man im wesentlichen immer dasselbe schreibt. Aber das ist ja das faszinierende daran: Marica knackte 2010 die 10 Tore Marke, wechselte ein Jahr später nach Schalke... und war nach 2 Jahren auf Schalke (und 5 Toren) direkt 2 Monate arbeitslos.

Raffael: Dies ist ein doppelt faszinierendes Exemplar. Denn wenn man sich an die Berliner Version erinnert, kommen die Hertha Fans ins Schwärmen. Und in Gladbach ist er seit Jahren Fixpunkt in der Offensive. Auch wenn er inzwischen in ein gewisses Alter gekommen ist, in dem die Lichtblicke rarer werden. Dazwischen gab es 6 Monate im Schalker Trikot, die niemanden in Erinnerung bleiben... Ernsthaft, wenn ich Raffael und Schalke in der Bildersuche eintippe, ist das 3. Bild bereits im Gladbach Trikot. Insgesamt scheint es davon 5 zu geben. Es dürfte mehr Bilder von Raffael in Spielen gegen Schalke geben, als im Schalker Trikot...

Ailton: Eigentlich ist Ailton ja der Überklassiker. Er kam als Torschützenkönig vom Meister. Und er wurde auf Schalke nicht glücklich. Hier ist das faszinierende: In seiner einen Schalker Saison war er eigentlich richtig gut. Überlegt selber mal kurz, wie viele Angreifer in diesem Jahrtausend 14 Tore in einer Saison auf Schalke erzielt haben... Fallen euch mehr als 4 ein? Wird euch dann bewusst, dass einer der 4 Ailton ist? Aber trotzdem war er halt nach einer Saison schon wieder weg, weil ein torgefährlicher Stürmer halt so gar nicht nach Schalke passt... oh und praktisch gesehen halbierte er immer noch seine Torquote, das sollte also trotz der 14 Tore für eine Nominierung reichen. Oh und Ailton war nach seinem Wechsel zu Schalke nie wieder derselbe. Was ehrlicher Weise mehr an ihm gelegen haben dürfte, ich erwähne es trotzdem.

Und als Bawful Bonus Kandidat: Viktor Agali: Ok, Agali hat nur gefühlt in jedem seiner Hansa Jahre 18 Tore erzielt. Praktisch kam er insgesamt auf diese 18 Tore, aber so ist das halt als Fan. Trotzdem hat er mehr Tore für Hansa als für Schalke erzielt... deswegen wird er hier erwähnt. Außerdem habe ich damit meine Standart Hansa Referenz eingebaut...

Damit sind wir auch schon am Ende. Das Ende bedeutet: 9 Stürmer haben ihre Karriere durch einen Wechsel zu Schalke entweder aufs Spiel gesetzt oder ruiniert. Das ist eine beeindruckende Bilanz für einen einzelnen Verein. Da kommen nicht mal die Bayern-Talentverschwender ran (obwohl die eventuell als nächstes dran sind).

Das macht aber vor allem die Leistung von 3 Spielern noch viel herausragender: Ebbe Sand, Kevin Kuranyi und Klaas Jan Huntelaar. Das sind die 3 Angreifer, die nach Schalke gewechselt sind und danach konstant Leistungsträger waren. Die es geschafft haben für diesen Verein, der eigentlich jeglichen Esprit und jegliche Torgefahr aus seinen Angreifern heraus saugt, über 70 Tore zu erzielen. Das ist eine unfassbare sportliche Leistung, die man auch mal angemessen würdigen sollten.
Da fällt mir auf: Ist das jetzt eigentlich noch ne Positionsbeschreibung, oder ein Eintrag in die Hall of Shame? Passen wir die Überschrift an und machen beides draus...

Donnerstag, 5. April 2018

Höchste Zeit für einen Abschiedsbrief

Oder... heute in der Serie gnadenlos überschätzten Fußballer: Zlatan Ibrahimovic. (und ja, Teil 1 gab es damals zum Karriereende von Ronaldo...)

Und ja, ich weiß, ich sollte mich nicht von dem triggern lassen, aber was soll's...

Die selbst erklärte Gottheit Ibrahimovic hat sich laut Sportschau zum Cristiano Ronaldos Gemälde geäußert... Und gab ihm den Tipp, das mal aus 40 Metern zu versuchen...

Ich sag das mal so: Wenn Ibrahimovic noch relevant wäre, hätte Cristiano mit einem "Du solltest das mal in einem Champions League Viertelfinale versuchen." gekontert...

Denn auch Ibra hat ein absolutes Gemälde bei seiner Vorstellungsveranstaltung in den USA auf den Rasen gezaubert... Das Dumme daran ist, wie meistens bei ihm, dass ihn das in einer absoluten Gurkenliga gelingt... oder in Freundschaftsspielen...

Aber all diese Traumtore kommen, genau so wie seine zahllosen Meistertitel und Torjägerkanonen, mit einem entscheidenden Makel: In der Champions League spielte er genau genommen immer sehr sehr... menschlich. Wenn überhaupt. Jedenfalls in keinster Weise seinem Ego entsprechend...

Ich hab mir mal die Mühe gegönnt und einen genaueren Blick auf die Leistungsdaten von Ibrahimovic in der Champions League geworfen... Denn 48 Tore in 120 Spielen klingt doch gar nicht soo schlecht... Aber dann fragte ich mich mal: Wie viele Tore hat der Mann wohl in der entscheidenden Phase geschossen... Und wer diesen Blog kennt, der weiß, dass diese entscheidende Phase im Viertelfinale beginnt... also wenn man gegen andere Spitzenmannschaften antritt... Die Antwort ist schockierend übersichtlich...

2016 erzielte er ein Tor beim 2:2 gegen Manchester City für Paris St.Germain.
2013 erzielte er die zwischenzeitliche Führung beim 2:2 gegen Barcelona.
2012 traf er zum am Ende das Weiterkommen sichernde 4:0 gegen Arsenal London... Damals für den AC Milan.
Und 2010 traf er dopptelt. Wieder gegen Arsenal... damals für Barca... In einem Spiel, dass 2:2 endete... unter anderem, weil Ibra nach dem 2:2 seinen Dienst einstellte... Er hatte ja seine Schuldigkeit getan...
Jetzt kommt das schockierende: Das war's auch schon. Und in einem Halbfinale hat er nie getroffen... Im Finale hat er nie gestanden... 5 Tore in der relevanten K.O. Phase... ich sag das mal so... das machen Lionel Messi und eben Ronaldo in einer Saison.

Damit muss man auch mal die großartigste Leistung von Ibrahimovic in der Königsklasse erwähnen: Er schaffte es, die Dynastie um Messi, Xavi, Iniesta und Pep Guardiola zu stoppen... ok, er musste dafür zu Barca wechseln... für 60 Millionen plus Samuel Eto'o als Teil des wohl schlechtesten "Trades" aller Zeiten... (Random Fun Fact: Inter Mailand gewann mit Eto'o und ohne Ibra den Titel... (manch einer mag sich an das "Finale Dahoam erinnern...) Barca gewann ihn in der Saison davor und danach...

Besser kann man Ibrahimovic Karriere gar nicht zusammenfassen: ER war das einzige, was Barca in ihren besten Jahren aufhalten konnte... Dafür sollte man ihn ein Denkmal errichten... Also in Madrid.

Bezeichnenderweise (und das ist fast schon tragisch) holte er seinen einzigen echten internationalen Titel in seiner Heimatstadt Malmö... auf Krücken und mit gerissenem Kreuzband. So steht jetzt "Europa League Sieger 2017" in seiner Vita, obwohl er ab dem Viertelfinalspielen (in denen er natürlich auch Torlos blieb) nicht mehr zum Einsatz kam...

Und versteht mich bitte nicht falsch: Ich habe kein Problem damit, wenn Fußballer ein Ego haben und diese Persönlichkeit raushängen lassen. Eher im Gegenteil. Aber das Ego muss halt auch mit Leistungen unterlegt werden. In den entscheidenden Momenten. Und da ist Ibrahimovic Bilanz halt eher erbärmlich.

Und im Gegensatz zum ursprünglichen Eintrag in dieser "Das ist ab jetzt eine" Serie Ronaldo... gibt es bei Ibra kein "Was wäre wenn?" Also wie wäre die Karriere ausgegangen, wenn der Körper des Spielers mitgemacht hätte, was bei Ronaldo leider nie der Fall war (und was ich zugegebener Weise damals ziemlich ignoriert habe...)
Zlatan ist genau genommen das Beispiel, dass dein Ego deinem Erfolgt am Ende durchaus auch im Weg stehen kann.
Gerade die eine Saison bei Barca... wenn er da einfach nur sein Ego ein wenig zurück geschraubt (und sich am Gegenpressing beteiligt) hätte. Denn das Ibrahimovic überragend ist, wenn man ihm den Ball gibt, stellt ja gar keiner in Frage...
Wenn er sich in diese überragende Mannschaft eingeordnet hätte, hätte er jahrelang um den wichtigsten Vereinstitel (und damit auch um den einzigen relevanten internationalen Titel, den er als Schwede realistisch gesehen gewinnen kann)  mitspielen können. Aber er musste sein Ego in den Vordergrund stellen und sich mit dem Trainer zoffen... Einem Trainer, der mittlerweile (immer noch? nach der Klatsche gestern?) als einer der brillantesten aller Zeiten gilt...
Dass Zlatan dazu nicht bereit war... ist genau genommen Schade. Denn die hätten gemeinsam richtig genialen Fußball spielen können... aber einer wollte da halt nicht mitmachen...

Und 13 Meisterschaften wirken natürlich auf den ersten Blick überragend... Wenn man aber jeweils den reichsten Mannschaften der Liga beitritt, ist es auch nicht mehr so überraschend, dass man nationale Titel holt...
Anders ausgedrückt: Alexander Zickler ist in der Rangliste der deutschen Rekordmeister ganz weit vorne... Weil er halt jahrelang für die Bayern gespielt hat und danach zu RB Salzburg gewechselt ist. Dann kommt man halt am Ende auf 10 Meistertitel... es würde trotzdem niemand auf die Idee kommen, Zickler zu einem der Besten aller Zeiten zu erklären... Dabei... hat der sogar die Champions League gewonnen... (Damn, vielleicht sollte ich mal eine Serie mit dem Titel "Schlechteste Champions League Sieger aller Zeiten" eröffnen...)

Wenn man dann noch bedenkt, dass Ibrahimovic von 2005 bis im Endeffekt 2009 vom italienischen Wettskandal "profitierte"... (Wichtig hierbei: Das heißt nicht, dass er in den Skandal persönlich involviert war) weil er erst 2 Meistertitel einfuhr, die Juventus aberkannt worden sind und danach dann zu Inter Mailand wechselte und von dem Wiederaufbau bei Juve mit 3 Meistertiteln in Folge profitierte...

Dabei ist er offensichtlich einer der perfekten Stürmer um einen Meistertitel einzusammeln. Wenn man selber dominant spielt, dem Gegner sowieso schon individuell überlegen ist, kann Ibra derjenige sein, der dir die Spiele entscheidet...
Aber wenn es in den wirklich engen Duellen um die entscheidenden Titel geht... läuft er, wenn überhaupt nur mit...

Und ja, Zlatan ist eine der größten Persönlichkeiten des modernen Fußballs. Und er hatte auch die Voraussetzungen um zu einem der besten Spieler aller Zeiten zu werden. Aber er entschied sich irgendwann dagegen... was dazu führte, dass er am Ende zu einem gnadenlos überschätzen, weil international ziemlich erfolglosen Fußballer...

Donnerstag, 9. März 2017

Passives Abseits Hall of Shame: Häshtäg Flashback

Kennt ihr das? Wenn ihr morgens aufwacht, euch erst mal umguckt und euch dann denkt: Och nö, nicht schon wieder? Ich wollte doch auf jeden Fall verhindern, dass mir SO WAS noch mal passiert!!!

Und dann schiebt ihr natürlich sofort Flashbacks. Also ich mache das zumindest. Heute war so ein Tag...

Ich musste mich sofort an den Morgen des 26.Mai 2005 zurückversetzen. Damals wurde das Champions League Finale noch auf einen Mittwoch ausgetragen. Und meine Jugendlichkeit war als Zivildienstleistender (wie erkläre ich der Jugend von heute, was ein Zivildienst ist?) dazu verpflichtet, morgens um halb 6 das Bett zu verlassen...

Was macht man also als Naiver Mensch, wenn die eine Mannschaft in der ersten Halbzeit hoffnungslos unterlegen ist? Und als großen Hoffnungsträger Didi Hamann einwechseln muss... genau: Man geht ins Bett... nur um am nächsten Morgen über die unvermeidbare Bild Schlagzeile "Sensationelle Aufholjagd: Liverpool ist Champions League Sieger!!!" zu stolpern... und du denkst dir nur so: Och nee...

Aber in dem Moment schwörst du dir halt auch: So was passiert dir nie wieder. Solange das Spiel noch nicht abgepfiffen ist, gehst du auch nicht ins Bett... es kann ja noch was passieren... und die sprechen sich ja ab. Also gerade wenn du jetzt ins Bett gehst, passiert da noch was...

Und ja, genau so verlief der gestrige Abend... nur noch schlimmer... denn ursprünglich habe ich ja sogar die 2. Halbzeit von Barcelona gegen Paris  gesehen... aber nach dem 3:1 durch Edison Cavani war das Spiel halt durch. Da passiert doch eh nichts mehr. Barca war auch in der 79. Minute so am Boden... Das kurze wütende Aufbäumen nach dem Wirkungstreffer verlief halt im Sande...

Also Podcast zur Weltbilderweiterung angemacht, den noch ne Stunde gehört um dann einzuschlafen... und morgens von einem "wtf?!? Barca hat das echt gedreht?!?" geweckt zu werden... Och nee...

Warum erzähle ich euch das? Nun ja, zum einen will ich nicht übermäßig darauf rumreiten, wie geschickt der Kicker sich selbst in seinem Titelblatt eingebaut hat... und ja, das weltbewegende Ereignis dieser Woche war definitiv die Choreographie der Dortmunder Fans. Die sollte auf jeden Fall die Leistung von Barca überstrahlen... denn nur von dem einen wird man nächste Woche noch reden, da ist es doch auch richtig, dass das andere auch mal strahlen darf. Wenn sie das schon machen... hätten sie ja wenigstens auch die selbe Schlagzeile nutzen können wie 1963...

Aber eigentlich erzähle ich euch das aus einem anderen Grund. Der gar nicht mal so egoistisch ist:
Wenn ihr euch das nächste Mal ungerecht behandelt vorkommt... weil euer Verein hier mal wieder mit schlechtem Humor durch den Kakao gezogen wird... oder selbst ihr als Fans das Gefühl habt, dass er ja eigentlich Recht hat, dass aber nicht sagen könnt... Euch dann aber denkt: Das ist ja total unfair, man kann ja gar nicht zurückschießen... weil der Typ ja selber keinem Verein hat, an dem er wirklich hängt...

Nun ja... hier ist jetzt die Munition für euch. Schreibt einfach ein "Egal, dafür hast du "Mailand vs Liverpool" und "Barca vs Paris" VERSCHLAFEN!!!" Danach suche ich mir dann garantiert erst mal eine Stille Ecke um 1 bis 2 Stunden zu weinen...

Montag, 15. August 2016

Und der Rest der Welt so: NEIIIN!!!!

Tu's nicht!!! Du kannst uns doch nicht so hängen lassen!!! Poldi, wir brauchen dich!!! Ohne dich wird es doch langsam echt unfair... Nimm uns nicht alle Hoffnungen...

Und ein Franz Beckenbauer, der irgendwo ein "Es tut mir leid für den Rest der Welt, aber wir werden in den nächsten Jahren nicht zu besiegen sein." raus haut...

Ganz ehrlich... in meinem Kopf sitzt gerade ein Xavi vor einem Keyboard und arbeitet an seinem eigenen Abschiedsbrief... So nach dem Motto: Ich möchte mich persönlich bei Lukas Podolski für seine jahrelang überragenden Auftritte im Nationalteam bedanken. Ohne seine Leistungen im Finale der EM 2008 und des Halbfinales der WM 2010 wäre unsere legendäre Dominanz viel schwerer umzusetzen gewesen. Man stelle sich vor wir hätten damals gegen 11 gute Gegner antreten müssen. Auch dass wir dank seines noch viel überzeugenderen Auftrittes im Halbfinale 2012 gegen Italien antreten durften, hat uns extrem geholfen. Ich weiß nicht, ob wir das alles ohne Prinz Poldi geschafft hätten. Danke dafür.

Damit bleibt Poldis letzte große Leistung... wie er uns erklärt hat, dass wir uns alle ja mal hin und wieder am Sack kratzen. Genau das wird uns in 2 Jahren fehlen...

Immerhin muss man eines Lukas Podolski hoch anrechnen: Er erspart uns die Peinlichkeit, dass wir ihn in 2 Jahren "Rekordnationalspieler" nennen müssen... obwohl er in seinen letzten 30 Spielen insgesamt 120 Minuten auf dem Platz stand.
Ich meine ernsthaft: Wir hätten dann praktisch 2 Rekordnationalspieler führen müssen. Zum einen denjenigen, der auf Grund von Einwechslungen in den letzten 10 Minuten auf die meisten Spiele kommt. Zum anderen Lothar Matthäus, der selbst aus dem Urlaub kommend noch den Abwehrchef gegeben hat. Und damit wirklich am längsten für Deutschland auf dem Platz stand.
Und wenn ihr das für übertrieben haltet... dann sei darauf hingewiesen, dass seit dem Weltmeistertitel 2014 Lukas Podolski ein einziges Mal in der Startelf stand: Gegen Gibraltar. In diesen 13 Länderspielen wurde er allerdings 6 Mal in den letzten 10 Minuten eingewechselt. Nur um mal ganz sachlich festzuhalten, dass es einen gravierenden Unterschied zwischen Lukas P. und allen anderen Deutschen Nationalspielern mit mehr als 100 Spielen gibt...
Um das noch mal zu verdeutlichen: Ein Philipp Lahm kommt in 113 Länderspielen auf 9.903 Minuten im Nationalmannschaftstrikot...  Ein Podolski nur auf 7.953 in 129... das ist doch schon ein Unterschied... Matthäus kommt auf unfassbare 12.233. Jürgen Klinsmann "nur" auf 8.671 in 110... Thomas Häßler kommt als letzter Vergleichswert auf 7.717 Minuten in 102 Spielen.
Was sagen uns diese Zahlen? Nun ja... alle Nationalspieler mit 100 Spielen stand im Schnitt über 70 Minuten auf dem Platz... außer Poldi, bei dem sind es nur 61. Oder anders ausgedrückt: All diese Spieler waren bis in ihre letzten Jahre Stammspieler und Schlüsselfiguren... außer Poldi, der war einfach nur ein Ergänzungsspieler...
Und kann sich damit Rekord-Ergänzungsspieler nennen... und Weltmeister...

Wenn man dann noch bedenkt, dass er sein Debüt in einer der schwächsten deutschen Nationalmannschaften aller Zeiten gab. Podolski musste sich halt nicht einen Marco Reus, Andre Schürrle oder Mario Götze verdrängen um ins Team zu kommen (wie ein Leroy Sane das machen muss), sondern ihm wurde der Platz als Heiland quasi hinterher geworfen. Und er war danach dann auf Jahre konkurrenzlos. Hey, wahrscheinlich wäre er nie Nationalspieler geworden, wenn er 5 Jahre später oder 10 Jahre früher geboren worden wäre. Er war einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Und in 15 Jahren wird sich niemand mehr erklären können, wie dieser Spieler die 2. Meisten Einsätze im Nationalmannschaftstrikot hat. Man wird seine Leistungen mit den Leuten vergleichen, die um ihn herum stehen... Was (um ein weiteres Alleinstellungsmerkmal aufzuzeigen) im Gegensatz zu Poldi alles Spieler sind, die sich beim Rekordmeister FC Bayern durchgesetzt haben... Und dann werden die Experten vor dem unlösbaren Rätsel stehen und sich fragen: "Wie konnte das passieren?"
Und dann werde ich vorpreschen und schreien "Ich war dabei!!! Ich hab's Live gesehen!"

Aber anscheinend hat er jetzt sogar selbst erkannt, dass es einfach nicht mehr reicht. Festgestellt, dass er nur noch auf Grund längst vergangener Lorbeeren nominiert wird... und jetzt erspart er Jogi Löw endgültig den Schritt, den dieser schon vor der WM 2014 hätte durchziehen können... zumindest wenn es nach dem Leischtungschprinzschip gegangen wäre... Oh warte, dann doch eher 2010... aber egal, Details.

Ich muss zugeben: Es war eine gute Zeit. Podolski wird auf ewig mein Lieblings-Nationalspieler sein. Solange er dabei war, wusste man: Löw wird etwas unfassbar dummes und absolut nicht nachvollziehbares machen. Einfach mal eine gut funktionierende Elf umstellen um zu gucken, ob die Dinge nicht doch besser werden, wenn er Podolski aufstellt. Schaden kann's ja nicht.
Sich danach dann wundern, dass der bis dahin stark spielende, aber irgendwie demontierte Mario Götze danach plötzlich ohne jegliches Selbstvertrauen spielt... Und hinterher behaupten, dass er den Götze ja immer ganz besonders viel Vertrauen geschenkt hat...

Aber das ist nun ja endgültig vorbei. Da muss man dann halt noch mal all die guten alten Erinnerungen raus holen. Das gehört sich als Podolski Fan an einem Tag wie diesem einfach mal...

Mittwoch, 30. März 2016

Passives Abseits Hall of Shame: Der geplante Abstieg von Hannover 96

Ein episches Werk auf George R.R. Martin Niveau...Vor allem ein wirklich komplexes Werk, bei dem man nicht mal weiß, ob es eine Tragödie oder Komödie sein soll.

Im Zentrum steht dabei der Mann der eigentlich im Hintergrund agieren sollte: Martin Kind. Und da wird einem auch bewusst, wie weit diese Geschichte zurück geht.

Die Vorgeschichte von Martin Kinds Präsidentschaft ist nämlich essenziell um den Tragödien Teil zu verstehen. Kind war einer dieser Präsidenten, die in der Wirtschaft einen großartigen Job gemacht haben, aber vom Fußball genau genommen keine Ahnung haben.

Und ja, ohne Kind würde es keinen Bundesliga Fußball in Hannover geben. Trotzdem war er zwischenzeitlich auch eines der Haupt-Hindernisse für weiteren Fortschritt in dem Verein... Nur um mal ein ganz blödes Beispiel zu nennen: Er schaffte es, Ralf Rangnick in der Saison 2003/04 zu entlassen... bevor Hannover (damals in ihrer 2. Bundesligasaison) auf einem Abstiegsplatz gelandet war... Klar, bei einem Peter Neururer kann das die richtige Entscheidung sein... aber Ralf Rangnick war damals einer der klügsten Köpfe auf den Trainerbänken... einen dieser Trainer, die man einfach nicht so oft findet... und die man auch nicht ersetzen kann...

Die soll nur ein Beispiel sein, dass der junge Kind immer wieder zu schnell die Geduld verlor... Und während er bei den Trainern so ziemlich jeden abgehalfterten Nomaden wie Ewald Lienen und Peter Neururer beschäftigte, durften sich auf der vielleicht noch viel wichtigeren Positionen des Sportdirektors Namen wie Christian Hochstätter und Ricardo Moars versuchen... alles Leute, bei denen selbst Hardcore Fußball Nerds nachschlagen müssen, ob das mal Bundesligafunktionäre waren...
Was ja auch daran liegt, dass keiner von denen mehr als 3 Jahre im Amt war... Und ich sag das mal so: Alle 3 Jahre seinen Kurs komplett zu ändern, kann nur bedingt gewinnbringend sein...

Das alles änderte sich aber im wesentlichen nach der Tragödie um Robert Enke. Ein Schicksalsschlag für den Verein, der die ganze Geschichte noch komplizierter macht.

Obwohl der Umschwung eigentlich erst mit der Verpflichtung von Mirko Slomka kam. Zum ersten Mal in seinem Leben verlor Kind nicht frühzeitig die Geduld. Sondern er hielt trotz der 6 Niederlagen am Stück zum Auftakt am Trainer fest... und ich wage mal zu behaupten, dass Slomka der erste Trainer war, der unter Kind 6 Spiele am Stück verlieren durfte, ohne entlassen zu werden.

Vor allem hatte man auf ein Mal eine einmalige Konstellation in Hannover: Man hatte mit Jörg Schmadtke und Slomka die entscheidenden Positionen im Verein wirklich gut besetzt. Ein Kongeniales Duo, dass sich perfekt ergänzte: Schmadtke war in der Lage, absolute Grützenspieler aus Norwegen zu verpflichten. Also Spieler, die nach Hannover kommen, dort aber unter dem Spezialisten in aus Grützenspielern ein Team zu formen übermäßig erfolgreich waren... lustiger Weise waren es die meisten nur unter dieser Konstellation. Ich verweise an der Stelle auf Didier Ya Konan, der nach seiner Hannover Zeit sogar Probleme hat, sich bei Zweitligisten durchzusetzen...

Schmadtke konnte Slomka genau die Spieler zur Verfügung stellen, die der für seinen Fußball brauchte. Uns Slomka ließ Schmadtke deswegen wie ein Genie aussehen...
Aber an der Stelle beginnt natürlich auch schon wieder die Tragik: Denn so gut die beiden zusammen arbeiteten... so schlecht verstanden sie sich zeitgleich. Ein absolutes Paradoxon: Wie können 2 Mitarbeiter, die nicht miteinander Reden, sondern nur über E-Mails Kontakt halten, so gut funktionieren?
Zumindest bis einer der beiden lieber zu einem Zweitligisten und Chaosverein wechselt... Und ja, es gab keinen vernünftigen Grund das erfolgreiche Projekt in Hannover zu verlassen um in Köln anzuheuern...

Aber genau genommen beginnt an der Stelle der Niedergang... und Kind kann nicht mal was dafür. Er hat damals alles versucht um beide Protagonisten zu halten. Jetzt musste er aber einen von ihn ersetzen...

Was aber gar nicht so schlecht gelang. Also auch wenn man nicht mehr um den Europapokal mitspielte, so war man immer noch ein etabliertes Mitglied der Bundesliga-Gesellschaft.

An der Stelle machte Kind aber den entscheidenden Fehler. In einem Anfall von persönlicher Hybris (wie sich das für ein Ordentliches Drama gehört) ging Kind davon aus, dass die 2 Jahre Europapokal zur Normalität im Verein werden sollten... anstatt sie als absolute Ausnahmeerfolge zu genießen, wollte er jetzt jedes Jahr über die europäischen Dörfer tingeln...

So entließ Kind den besten Trainer der Vereinsgeschichte, weil dieser nach der Hinrunde 2012 nur auf Platz 13 lag... also in einem für Hannover eigentlich völlig normalen Rahmen... So etwas sollte einem eigentlich nur auf Schalke passieren... Und ersetzte ihn durch den völlig unerfahrenen Tayfun Korkut...

So hatte man 2 Jahre nach dem erstmaligen Erreichen der Europa League auf ein Mal beide Trümpfe verloren... und sie durch einen Manager, der bisher nur im Freiburger Biotop funktioniert hat (Dirk Dufner) und einen Trainerlehrling, von dem man bis heute nicht abschätzen kann, ob das vielleicht mal ein guter Bundesligatrainer wird, ersetzt...
Wenig überraschend ging es mit dieser Konstellation nicht langfristig bergauf...

An der Stelle wird es aber völlig konfus... Man bekommt den Eindruck, dass der Autor dieser epischen Serie die Geschichte doch noch schnell zu Ende bringen muss, bevor sein Verlag ihn entlässt...
Zunächst ersetzte man Tayfun Korkut durch Michael Frontzeck. Was als Feuerwehrmann vielleicht sogar noch Nachvollziehbar war... schließlich hieß die Alternative Peter Neururer. Dass man aber völlig überraschend an Frontzeck festhielt... Schließlich dürfte Frontzeck einer der schlechtesten Bundsligatrainer der Moderne sein...
Dass dann noch Dufner, obwohl eigentlich fest stand, dass er den Verein zeitnah verlassen wird, mit der Zusammenstellung des neuen Kaders beauftragte...
Was eine unmögliche Aufgabe war, da man mit Lars Stindl und Leonard Bittencourt seine einzigen brauchbaren Offensivspieler abgegeben hatte...

Und nachdem das Transferfenster dann geschlossen war, ersetze man Dufner durch Martin Bader... einem Manager, der am ehesten dafür bekannt ist, dass er den 1.FC Nürnberg zum Abstieg geführt hat... 2 Mal...

Man hatte es also geschafft, sich innerhalb von innerhalb von 3 Saison sich von einer der besten Kommandobrücken zu einer der schlechtesten weiterzuentwickeln... Und gleichzeitig den eh schon recht dürftig besetzten Kader weiter zu schwächen... Good Job...

Dass Frontzeck dann noch zum dümmst-möglichen Zeitpunkt seinen Rücktritt erklärte... und Martin Bader mit einem neuen Trainer, der diesen Kader noch nie gesehen hat, nach den richtigen Verstärkungen für diesen Kader suchen musste... ist dann die allerletzte Krönung.

Das Ergebnis ist eine Mannschaft, mit der selbst ein anerkannter Fachmann auf der Trainerbank nichts holen kann... Und damit dann auch der Abstieg...

Einen Abstieg, auf den man im Zweifelsfall seit dem 23.April 2013 hingearbeitet hat... mindestens aber seit Dezember 2013... So viel Anlauf auf die Zweitklassigkeit haben bisher ganz wenige Vereine genommen...

Dienstag, 7. Oktober 2014

Passives Abseits Hall of Shame: Die Entlassung von Jens Keller

Oder anders ausgedrückt: NUR AUF SCHALKE...

Um mal so ein paar Dinge zu relativieren: Jens Keller wurde 11 Tage nach dem Sieg im größten deutschen Derby entlassen...
Wem das nicht reicht... er wurde ebenfalls 4 Monate nach der besten Rückrunde der Vereinsgeschichte rausgeschmissen...
Während er de facto in der neuen Champions League Saison noch ungeschlagen ist...
Nachdem er es als erster Schalker Trainer geschafft hat, sich 3 mal in Folge für die Champions League Gruppenphase zu qualifizieren...
Weil er nach 7 Spieltagen lächerliche 4 Punkte hinter dem erklären Saisonziel zurückliegt (und, was man ihm als einziges wirklich vorwerfen kann, aus dem DFB Pokal ausgeschieden ist)... was lächerlich wenig ist... selbst wenn man zur Winterpause 4 Punkte Rückstand hätte, könnte man das immer noch ganz locker aufholen... wenn man den Trainer stärkt...
Aber das hatte ja auf Schalke niemand vor... statt der verdienten Vertragsverlängerung ging er als "Lame Duck" in die neue Saison. Und ALLE rechneten damit, dass spätestens zur neuen Saison Thomas Tuchel übernimmt...
Unter diesen Umständen überhaupt so viel aus dieser Mannschaft herauszuholen... ist eine richtig starke Trainerleistung...

Ich hoffe mal, dass sich all die anderen Top-Trainer diese Verhältnisse auf Schalke genau angucken  und um Schalke einen großen Bogen machen... Denn das sind keine Neuigkeiten, Jens Keller hat den Job genau so bekommen, wie er ihn verloren hat... (ernsthaft, vergleicht mal meinen Post zum Ende der "Ära Stevens" mit dem heutigen... es ist haargenau dasselbe... und niemand hat irgendwas gelernt...) Ralf Rangnick und Mirko Slomka wurden bei ähnlicher "Erfolgslosigkeit" entlassen...

Klar, das Potenzial (vor allem von den Fans) ist riesig, aber man muss schon extrem bekloppt oder masochistisch veranlagt sein, wenn man sich diesen Verein als Trainer freiwillig antut...
Oder ein Ausländer... wobei... dass Schalke am Tag der Entlassung schon Roberto di Matteo am Start hat... die haben also schon Vertragsgespräche mit Nachfolgern geführt, bevor sie den Besten Trainer (gemessen an der letzten Rückrunde und den 3 Champions League Teilnahmen...) ihrer Vereinsgeschichte entlassen haben... SO. EIN. DRECKSVEREIN.

Und nur so nebenbei: Borussia Dortmund steht in der Tabelle hinter Schalke... hat aber die deutlich höheren Ansprüche... trotzdem hinterfragt dort niemand Jürgen Klopp... nun kann man natürlich auch behaupten, dass der auch viel mehr geleistet hat... der hatte aber auch viel mehr Zeit... Aber auch Jürgen Klopp hatte mal eine Phase, in der er 9 Spiele in Folge nicht gewonnen hat... und wenn Clemens Tönnies Dortmunds Präsident wäre, würde Klopp jetzt auch kurz vor der Entlassung stehen (oder er hätte die Sieglos-Serie nicht überlebt)... es gibt einen guten Grund, warum Schalke seit über 50 Jahren keine Meisterschaft mehr geholt hat... und die Fans oder die Wirtschaftlichen Voraussetzungen sind es nicht...

Der große Gewinner dürfte am Ende Jens Keller sein... denn der wird jetzt (gemeinsam mit Tuchel) jeden frei werdenden Trainerposten angeboten bekommen... und dann kann er in einem ruhigeren Umfeld seine Arbeit auf Schalke bestätigen... und das hat er sich verdient... bleibt zu hoffen, dass alle anderen guten Trainer einen großen Bogen um Schalke machen und auf seriöse Angebote warten...

Montag, 29. September 2014

Passives Abseits Hall of Shame: Die neuen Rekorde des HSVs

Weil es relaitv schwer ist, ein einfaches Worst Of zu schreiben, wenn man das gesamte Wochenende über gar nichts sehen konnte...

Bis jetzt haben sich die "neuen" Hamburger ja immer auf ihre persönlichen neuen Bestleistungen beschränkt. Und sein wir ehrlich... es ist auch verdammt schwierig, sich in der Geschichte des HSVs noch positiv bemerkbar zu machen... das war halt der Verein von Uwe Seeler, Kevin Keegan und Felix Magath. Einer von 3 deutschen Champions League Siegern (neben den Bayern und Dortmund...). Das einzige Gründungsmitglied der Bundesliga, dass noch nie abgestiegen ist... Und bis die Bayern so absurd überlegen wurden, hatten die Hamburger den Rekord für die "Längesten Serie ohne Niederlage"... dass ist verdammt lang her... Also dass der HSV mal mehr als 3 Spiele in Folge nicht verloren hat...

Aber hey, auch die heutige Generation um Heiko Westermann will natürlich Geschichte schreiben... und in die Rekordbücher der Bundesliga... deswegen liefern sie ja auch im Jahresrhytmus die "schlechteste Saison der Vereinsgeschichte" ab... und heften sich den höchsten Auswärtssieg der Paderborner Bundesligageschichte ans Revers.

Aber das ist natürlich alles Unbedeutend mit den Wahren Bundesligarekorden, die man so jagen kann... und einen der einfachsten hat man sich jetzt geholt: Seit Sonntag, den 28.9.2014 um genau 17:54 holte sich der HSV den Torlos-Startrekord vom VfL Bochum: 507 Minuten (und eine Trainerentlassung... und einen quasi schon wieder verpufften Dead Coach Bounce...) brauchte der HSV um überhaupt mal ein Tor zu erzielen... Und um das mal zu relativieren: Der Rekord der Bochumer war 35 Jahre alt... Gerüchteweise wollen die jetzt sogar einen Bundesligaaufstieg erzwingen, damit sie sich ihre Bestmarke zurückholen können...

Wirklich faszinierend wird diese Bilanz natürlich erst, wenn man bedenkt, dass der HSV lächerliche 13 Millionen in Pierre-Michel Lasogga und Nicolai Müller (also Offensivkräfte...) gesteckt haben... und da ist die Ausleihe von Lewis Holtby noch gar nicht mit eingerechnet...

Die eine gute Nachricht für den HSV: Weder der VfL Bochum 1979/80 noch Hansa Rostock, die bis gestern die 2. schlechteste Startserie in der Saison 2000/01 hatten, stiegen am Ende der Saison ab... anscheinend ist es der sicherste Weg zum Klassenerhalt, erstmal 4 1/2 Spiele gar nicht zu treffen... ist zumindest statistisch erwiesen...

Mittwoch, 29. Januar 2014

Passives Abseits Hall of Shame: Die Abstiege des 1.FC Nürnbergs

Jetzt, wo die Option, dass Nürnberg ohne einen einzigen Sieg in die Relegation kommt und dann in der Relegation ohne eine einzige Niederlage absteigt, ungenutzt verstrichen ist... Der Beweis, dass dem Club genau das zuzutrauen ist. Und mit bisher 7 Abstiegen sind sie ja absolute Experten auf dem Gebiet des Absteigens...

Platz 4: Die Saison 2007/08: Eigentlich eine (für Nürnberger) ganz normale Abstiegssaison... Das letzte Mal auf einem Nichtabstiegsplatz stand man am 16. Spieltag. Vom 12. bis 34. Spieltag stand man also fast durchgägnig unter dem rettenden Strich. Gleichzeitig war man aber nur an einem einzigen Spieltag Tabellenletzter... Also quasi alles wie diese Saison... außer dass der Club an der Europa League teilnahm... Falls Augsburg noch irgendwelche Motivationsstützen gegen übertriebenes Engagement in dieser Rückrunde braucht...
Aber: Nürnberg war nicht nur Europa League Teilnehmer (was wahrscheinlich als Grund für den Absturz hinhalten könnte) sondern amtierender DFB-Pokal Sieger... Falls noch jemand einen Beweis braucht, dass Titel dieser Mannschaft nicht gut tun... solle er weiterlesen..

Platz 3: Die Saison 1993/94: Und es geht noch nicht mal darum, dass die Nürnberger erst letzten Spieltag auf einen Abstiegsplatz zurückfiel... es geht hier viel mehr um das Wie und Warum...
Falls die Hoffenheimer am Ende wirklich wegen eines Phantomtores absteigen sollte... sind sie nur billige Imitatoren...

Nicht nur kassierte Andreas Köpke ein Gegentor von Thomas Helmer, über das bis heute noch (oder gerade heute wieder) diskutiert wird... nein, die Nürnberger bekamen kurz vor Schluss (ja, man muss dafür sehr viel Werner Hansch ertragen) die Riesenchance zum Ausgleich durch einen Elfmeter...
Wenn man den reinmacht, wird man wahrscheinlich keinen Protest einlegen (obwohl, es ist der Club... wer wenn nicht die soll wegen eines erfolgreichen Protests am Ende Absteigen?), holt einen Punkt mehr... und genau der eine Punkt fehlt ihnen am Ende... Oh, und Bayern wäre mit einem 2:2 auch nicht Meister geworden... Das 0:5 im Nachholspiel besiegelte dann die Vize-Meisterschaft für den 1.FC Kaiserslautern... oh und den Abstieg der Nürnberger natürlich...

Platz 2: Die Saison 1968/69: Was soll man zu dieser Saison noch groß sagen... außer: So krass muss man erst Mal abstürzen... Noch viel krasser: So krass können eigentlich nur noch die Bayern abstürzen... Ob Pep Guardiola das hinkriegt? Das wäre auf jeden Fall mal eine Aufgabe für ein Trainergenie: Nürnberg stieg nicht nur als Amtierender Meister ab... Man stieg als Amtierender Rekordmeister ab... 
Ja, es gab eine Zeit, in der der FC Bayern nicht Rekordmeister war... Und all die Werder und Hamburg Fans, die heimlich glauben, ihr Verein müsste mal Absteigen, damit man einen richtigen Neuaufbau starten und den ganzen Verein ausmisten kann: Nürnberg wurde bis 1968 9 Mal Deutscher Meister... um sich von dem ersten Abstieg zu erholen, brauchte man 9 Jahre... seit dem ist man DIE Definition einer Fahrstuhlmannschaft... und muss ich erwähnen, dass man nie wieder Meister wurde? Sondern nur nochmal Pokalsieger? Und das nur (siehe oben) damit man behaupten konnte, als amtierender Meister UND als amtierender Pokalsieger abgestiegen zu sein... glaubt mir, das wollt ihr eurem Verein nicht wünschen.

Platz 1: Die Saison 1998/99: Nürnberg war eigentlich schon gerettet... Platz 12... dazu das um 5 Treffer bessere Torverhältnis... Wie viele Konjungtive sollen denn da bitte schön eintreten, damit es die Franken erwischt? 
Was soll man groß sagen, außer: Bei all den anderen Vereinen wurden Helden geboren, von denen man heute noch in den höchsten Tönen schwärmt... Und Nürnberg... bekam Frank Baumann, der in den letzten Sekunden den Ball frei vor dem Tor nicht über die Linie gedrückt bekommt?
Und ja, Nürnberg ist der einzige Club, der in der 89. Minute auf einen Abstiegsplatz zurückfällt, in der 90. Minute die 100%ige Chance zum Klassenerhalt bekommt... und dann versagt...
Nur mal so nebenbei: Dass Frank Baumann sich von dem Trauma nochmal erholen konnte und eine sehr gute Bundesligakarriere inklusive Double-Sieg als Kapitän in Bremen erlebte, kann man ihm nicht hoch genug anrechnen... da hätte man als Nürnberger Jugendspieler auch dran zerbrechen können...

Aber nach dieser Liste wird einem eines klar: Solange Nürnberg am Abstiegskampf teilnimmt, ist Spannung garantiert... und der Club ist am Ende der Depp...

Mittwoch, 15. Mai 2013

Erzgebirge Aue ist so ein Drecksverein

zumindest in der Chefetage.

Klar, normaler Weise interessiert mich die 2. Bundesliga offiziell nicht... Deswegen hat sich dieser Eintrag auch im ein Jahr verschoben... aber nach dem sie dieses Jahr SCHON WIEDER die selbe idiotische Entscheidung treffen...

Also der Reihe nach: für diejenigen von euch, die nicht wissen wo Aue liegt: Es handelt sich hier um ein Dorf an der Tschechischen Grenze. Das kann gut sein, wenn dieses Dorf im Bundesland Bayern liegt... Aue liegt dagegen auf der sächsischen Seite. 17 Tausend Einwohner schreien rein von der Infrastruktur nicht gerade nach Hochklassigen Fußball. Nur so zum Vergleich: Das Stadion des Dorfvereins TSG 1899 Hoffenheim steht in Sinsheim... einer Stadt mit 37.000 Einwohnern... und dieses Dorf liegt in einem der Industrie stärksten Gegenden Deutschlands. Und ja, es ist kein Zufall, dass Dietmar Hopp sein SAP dort gegründet hat...

Die Sächsisch-Tschechische Grenze dagegen? Gerüchteweise empfangen einige Menschen im tiefsten Sachsen bis heute kein Westfernsehen... und es hat ihnen auch noch niemand mitgeteilt, dass Adolf Hitler tot ist... (und ja, ich weigere mich den Fett zu drucken...)

Die Vereinsbosse bei Erzgebirge Aue sind dagegen der Meinung, dass Zweitligafußball in diesem Kaff eine Selbstverständlichkeit ist. Und keine an sich zu feiernde Ausnahme. Und schon der reine Abstiegskampf ist nicht zu tolerieren. Man muss schon einen sicheren Mittelfeld-Platz einfahren, um seinen Job zu behalten.

4 ungeschlagene Spiele in Folge (davon 2 gegen Braunschweig und Kaiserslautern, also Aufstiegskandidaten) reichten für Karsten Baumann nicht, um seinen Job zu retten. Weil 6 Tore in diesen 4 Spielen Offensiv eine zu dürftige Ausbeute war. Oh, und Aue lag 3 Punkte vor dem Relegations-Platz. 2 Spieltage und 0 Punkte später ist dieser Vorsprung aufgebraucht... Und auf ein Mal haben sie ein völlig unnötiges Herzschlagfinale. Fairer Weise dürfen sowohl die Auer als auch deren Konkurrent Dynamo Dresden gegen die fest stehenden Absteiger antreten.

Aber gut, vielleicht gab es ja wirklich zwischenmenschliche Probleme mit dem Trainer Frank Baumann... wenn da nicht die letzte Saison gewesen wäre... Damals wurde die Notbremse schon nach 22 Spieltagen gezogen. Aue war nach einen Unentschieden gegen die Aufstrebenden Braunschweiger 12. Also quasi im unteren Mittelfeld, was für die Auer ein Erfolg darstellen sollte...

Und was brachte der Trainerwechsel? Eine Rettung am letzten Spieltag. Bin mir ziemlich sicher, dass das nicht der Plan der Vereinsführung war...
Aber gut, vielleicht war ja auch Rico Schmitt... wie jetzt, führte die Auer nach ihren Abstieg 2008 zurück in die 2. Liga. Aber das reicht ja noch nicht mal: Im Jahr darauf erreichte er den größten Erfolg seit der Wende. Am Ende stand Platz 5. Was aber wohl das große Problem ist: Es gibt Leute in diesem Verein, die anscheinend davon ausgehen, dass Platz 5 normal gewesen wäre. Dass das die Möglichkeiten dieses Vereins darstellt. Und dementsprechend entlässt man seinen Trainer, wenn normale Leistungen abliefert. Und Normal heißt für Aue halt Abstiegskampf.

Und so entließ man seinen Jahrhunderttrainer lange bevor man auf einen Abstiegsplatz rutschen konnte. Und der Ausdruck Jahrhunderttrainer ist mit Absicht gewählt um einen brauchbaren Vergleich anzubringen: Es wäre ungefähr so, als würde Schalke 04 ihren Huub Stevens entlassen, lange bevor man aus den Champions League Rängen gerutscht ist. Einfach nur, weil man ja auf Platz 5 abrutschen könnte. Und damit habt ihrs: Aue wird noch schlechter geführt, als Schalke 04.
Und ich hoffe echt, dass der Verein endlich absteigt. Und am besten für ihren Größenwahn endgültig bezahlt und komplett in der Versenkung verschwindet. Ein Gefühl, dass selbst mich als Zyniker in der Form eher selten überfällt.

Dienstag, 14. Mai 2013

Passives Abseits Hall of Shame: Greuther Fürths Heimbilanz

Manche Dinge sind einfach zu groß für ein einfaches Worst of. Die Heimbilanz der Spielvereinigung Greuther Fürth gehört definitiv zu diesen Dingen. Oder um es mit den Worten von Megrim Mavraj auszudrücken: "Rekorde für die Ewigkeit sind im negativen Sinne etwas, das kriegst du nicht mehr los."

Und dies ist ein Rekord für die Ewigkeit. 50 Jahre hat es gedauert, bis jemand diese Leistung vollbracht hat: Eine ganze Saison ohne einen einzigen Heimsieg. Selbst Tasmania Berlin hat das nicht geschafft. Und wenn man eins garantiert nicht will, dann dass deine Bilanz mit "Selbst Tasmania Berlin hat das nicht geschafft" beginnt.

Nur nur so nebenbei Tasmania 1900 Berlin wurde aus rein politischen Gründen in die Bundesliga aufgenommen... und weil der Axel Springer Verlag darum gebeten hat. Es musste nach den Unregelmäßigkeiten bei Hertha BSC Berlin (und deren Zwangsabstieg) musste es einfach einen "Hauptstadtklub" geben. Und Union Berlin war damals keine Option.

Tasmania hatte nie die sportlichen Voraussetzungen, um in der Bundesliga mitzuhalten. Sie standen quasi an Spieltag 1 als sicherer Absteiger fest. (Natürlich ist dies ein Urteil, dass überraschend viele Neulinge zu hören bekommen... aber die gehörten vorher immer zu den Top-3 der 2. Bundesliga...) Die Fürther haben sich in einem fairen Wettbewerb über 34 Spieltage für die Bundesliga qualifiziert. Und sie haben das schon jahrelang versucht. Trotzdem haben sie eine schlechtere Heimbilanz als die Tasmanen... Weil sie trotz jahrelanger Arbeit einfach nicht auf die Bundesliga vorbereitet waren. Und weil sie darauf vertrauten, dass ihre es über Jahre hinweg nicht in die Liga schaffenden Spieler auf ein Mal doch gut genug sein können, um in der Liga mitzuhalten. Natürlich (siehe Düsseldorf, Fortuna) kann das funktionieren. Aber die Fortunen wussten, dass sie auf dem Transfermarkt ordentlich zulangen mussten, um eine Chance zu haben.

Fürth wiederum... setzte auf Gerald Asamoah. Ein Spieler, der so was von fertig ist, dass er nicht mal für die Amerika Reise der Deutschen Nationalmannschaft in Frage kommt... Nach der wahrscheinlichen Nominierung von Andreas Beck muss man das genau so ausdrücken. Dementsprechend war Fürth ungefähr so gefährlich wie eine Tüte Mücken. Die einfachste Variante gegen Fürth zu verteidigen, war ihnen einfach den Ball zu geben... Selbst als letzter Mann funktionierte das einwandfrei.

Aber hey, immerhin sorgte Asamoah für die wahrscheinlich einzige Standing Ovation, die ein Fürther Bundesligaprofi je kriegen wird... zu seiner Auswechslung auf Schalke.

Das wirklich finstere an diesem Rekord: er wird ab sofort immer zur Sprache kommen. Fragt da mal bei Tasmania nach. Wisst ihr noch, wer den Bundesliga-Punkte Rekord vor den Dortmundern hielt? Aber die schlechteste Mannschaft aller Zeiten, kennt quasi jeder. Und so bald eine Mannschaft (oder gar ein kompletter Neuling) mit 10 Sieglosen Heimspielen in eine Saison startet... werden immer sofort die Fürth Videos ausgepackt werden... Und selbst man über eine gesamte Saison keinen Heimsieg einfährt... wird es immer nur heißen: ach ja, die kopieren Fürth... aber die Fürther werden auf ewig das Original bleiben.

Vor allem, weil Fürth wohl so schnell nicht zurück kommen wird. Auf Jahre wird dort die 0 unter Siegen in der Ewigen Heimtabelle stehen. Was vor allen Dingen deswegen finster ist, weil die Auswärtsbilanz zum Klassenerhalt gereicht hätte... Man hat mehr Bundesligasiege bei Champions League Anwärtern als in der Trolli-Arena... (Nur so nebenbei: könnte man "Fürht zu Hause schlagen" nicht zur Grundbedingung machen, um Deutschland international zu vertreten? Zumindest als Champions Leage Anwärter sollte man das geschafft haben...)
Und auf ein Mal klingt es nicht mehr wie eine Floskel, wenn die Augsburger von einem brutal schweren Spiel sprechen... Gerüchteweise haben die Augsburger schon angefragt, ob sie nicht auf das Heimrecht verzichten könnten... aber die Düsseldorfer haben sich dagegen ausgesprochen... wegen der Chancengleichheit: jede Mannschaft kriegt nur ein Heimspiel gegen Fürth... wer das nicht gewinnt, ist selbst Schuld...

Freitag, 13. Juli 2012

Hall of Shame: Der größte Statcurse aller Zeiten

stammt natürlich vom größten Fußballphilosophen aller Zeiten. Franz Beckenbauer.Obwohl Beckenbauer ja genau genommen nur der Platon zu Sepp Herbergers Sokrates ist... Aber es hatte schon seine Berechtigung, dass Beckenbauer beim Denker Gipfel gegen die Griechen aufgestellt wurde... und nicht etwa Lothat Matthäus...
Und seinen wohl weisesten Satz sagte er auf dem absoluten Gipfel seiner Philosophenkarriere: Dem Weltmeitstertitel 1990. Eine ganze Welt wartete auf seine Weisheiten und Kaiser Franz lieferte.

"wir werden für die nächsten Jahre nicht zu besiegen sein."

Mal so nebenbei: erinnert sich noch irgendjemand an die Worte, die Berti Vogts nach dem letzten Triumph einer Deutschen Nationalmannschaft 1996 in England sagte? Oder sagte er da wie eigentlich immer sein "ich bin nicht der Mülleimer der Nation"? Aber hey, wenn jeder Schüler seinen Meister übertreffen würde... würde die Welt wegen übertriebener  Perfektion irgendwann implodieren...

Aber zurück zum Fußballphilosophen: Beckenbauers Worte waren keineswegs arrogant. Die Deutsche Mannschaft war bereits auf dem Gipfel. Und gleichzeitig weit weg von ihrem absoluten Zenit. Lothar Matthäus war 29. Und sollte 10 Jahre später als Messias wiedergeboren werden... Jürgen Klinsmann und Jürgen Kohler wurden 1996 sogar noch Europameister... Und zu diesem gut funktionierenden Team kamen dann über Nacht die Fußballer der DDR. Die besten dieser Jungs waren theoretisch gleich geschaltet (auch bekannt als Jogi-Löw-Führungsspieler), talentiert, taktisch gut geschult und seit jungen Jahren gedopt.
Realistisch gesehen waren es natürlich doch nur Matthias Sammer, Ulf Kirsten und Jens Jeremies... Aber wer sollte denn davon ausgehen, dass Beckenbauer die Mannschaft der DDR wirklich mal gescoutet hätte?
Wer sollte diese Mannschaft also schlagen können?
Nur so zum Vergleich: stellt euch vor, Spanien würde über Nacht Portugal annektieren... was würde Vincente del Bosque dann wohl sagen?

Franz Beckenbauer hielt die Mannschaft für so unschlagbar, dass er das Traineramt an Berti Vogts weitergab. Nur mal so nebenbei: Abgesehen von der Deutschen Mannschaft betreute der Bundesberti ein Jahr lang Bayer Leverkusen... und an sonsten jede Menge unschlagbare Entwicklungsländer von Kuwait bis Aserbaidschan... anders ausgedrückt: Jogi Löws Trainer-Karriere abseits der Nationalmannschaft war, verglichen mit Vogts, legendär...

1992 in Schweden waren es die direkt aus dem Urlaub kommenden Dänen, die als erste die Deutschen schlugen... Klar, eine legendäre Geschichte, aber eine einzige Niederlage kann man ja noch als Unfall betrachten... ist gerüchteweise sogar den Spaniern passiert...

1994 in den USA lernten die Deutschen dann, dass es nicht clever ist, Thomas Hässler und seine 1,66 in ein Kopfballduell mit Jordan Letchkovs lichtem Haupthaar zu schicken.
Auf einmal schickte uns Bulgarien nach Hause. Bulgarien... eine Mannschaft, die vorher nie (und seit dem auch nie wieder) was gerissen hat... Gefühlt war das der letzte Sieg, den die Bulgarische Nationalmannschaft jemal errungen hat... andererseits... mit wem will man sich noch messen, wenn man die Unbesiegbaren geschlagen hat?

1996 rettete man sich im Halbfinale gegen England ins Elfmeterschießen... die sicherste Variante das weiterkommen zu sichern... und im Halbfinale gegen Tschechien wurde aus dem Rollenspieler und Bankdrücker Oliver Bierhoff der Nationalheld, zukünftige Kapitän und Teammanager... alles in 26 Minuten... aber immerhin war dies das eine Turnier, in dem man wirklich unschlagbar war...

1998 zerlegte dann Kroatien mit Jürgen Klinsmann, Lothar Matthäus Thomas Hässler, Andreas Möller und Jürgen Kohler die letzten verbliebenen Weltmeister. Die ursprüngliche unschlagbare Mannschaft hätte endgültig abtreten sollen...

stattdessen kamen 2 EM Turniere ohne einen einzigen Sieg... selbst Lettland war mittlerweile ein zu hohe Hürde. Dazwischen natürlich der alles überstrahlende Vize-Weltmeister-Titel 2002... der allerdings mit einem dicken Sternchen versehen werden sollte... schließlich hätten die meisten Gegner (wie man selbst halt 2 Jahre später auch) Probleme gehabt Lettland zu schlagen. Bis zum Finale war die Ukraine der härteste Gegner der Deutschen... und auf die traf man in der Relegation...

In jüngster Zeit scheitert man wenigstens wieder an den großen Nationen... je 2 mal Italien und Spanien beendeten die Titelträume zwischen 2006 und 2012.
Kurz gesagt: die auf Jahre unbesiegbare Mannschaft scheiterte an Dänemark, Bulgarien, Kroatien, Portugals B-Elf, Brasilien, Tschechiens B-Elf, Italien, Spanien, Spanien und Italien... Der Mathematiker erkennt sofort, dass nächstes mal wieder Tschechiens B-Elf dran ist... und 2024 gibt es dann wieder einen Titel... leider ist Fußball keine Mathematik...

Unbesiegbar sieht auf jeden Fall anders aus... Aber das soll auch einfach nochmal verdeutlichen, wie besonders die Dominanz der Spanier derzeit wirklich ist. Eigentlich hatten die Deutschen alle Vorraussetzungen um zwischen 1990 und 1996 alles zu gewinnen. Aber am Ende scheiterte es an Kleinigkeiten, Eitelkeiten und dem einen oder anderen Gegner, der wie im Rausch spielte. Und natürlich dem größten Statcurse aller Zeiten...

Sonntag, 6. Mai 2012

Passives Abseits: Hall of Shame: Kölle Alaaf!!!

Ich weiß, eigentlich sollte ich in diesem Blog "neutral"sein und alle mit der selben Hähme überschütten... und natürlich hat die Hertha genau so um den Abstieg gebettelt, wie die Kölner... obwohl, die hatten wenigstens in jeder Phase der Saison einen Vorstand und einen Manager/Sportdirektor... einen höchst inkompetenten, aber anscheinend immernoch besser als gar keiner... ich habe gestern erfahren, dass der Fußballgott denselben zynischen Humor hat, wie ich... dementsprechend gut geht es mir...

Ernsthaft, ich hatte noch nie so viel Spaß im Abstiegskampf... was wahrscheinlich auch daran liegt, dass mein "eigener" Verein (Hansa Rostock, für diejenigen, die es interessiert) da oft genug selber mit drin steckte. Ich weiß, was ein Abstieg für eine ganze Region bedeuten kann (wobei es an der Ostsee noch einiges krasser sein dürfte, als in am Rhein... ihr habt noch den Dom, wir haben de facto nichts mehr..)

Man kann ja nicht mal behaupten, dass Köln es nicht versucht hätte, sich zu wehren. Oder dass die Bayern sich nicht richtig mühe gegeben hätten, Hoffnung zu verbreiten... Aber wenn man sich beim 0:1 selber über den Haufen rennt und das 2:0 nach dem ersten erfolgreichen Doppelpass seit 2 Monaten selber erzielt.... Ernsthaft: Bayern hat ein mal aufs Tor geschossen und führte trotzdem 2:0... und es war ihnen richtig gehen peinlich... und wie Franck Ribery den Assist zum 2:0 kriegt, bleibt ein Rätsel... der gehört Kevin McKenna...

ach, weil doch gerade die ersten beiden Tore so schön waren...


aber das war ja noch nicht mal alles... die Kölner Fans geben uns ein Abschiedsgeschenk, nach dem man die Kölner eigentlich in erster Instanz ein Jahr für alle Spiele der DFL Sperren müsste (oder wollt ihr mir wirklich sagen, das war weniger schlimm als die Auschreitungen von den Dynamo-"Fans" im DFB-Pokal?)... alles in allem eine "Schön, dass ihr da wart, aber kommt bitte nicht wieder" Vorstellung...

Aber für Köln ist das natürlich die große Chance mal richtig auszumisten... außer bei den Fans... aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die eher schlimmer werden, wenn die Liga (und die Sicherheitskontrollen) nachlassen... und wie schließt Köln mit dieser, ich nenn sie mal "Ära Podolski" ab? Stilecht: Sie wollen dessen Nummer 10, solange er noch aktiv ist und zurückkommen könnte, nicht mehr vergeben...

Ganz ehrlich, ich verstehe diese Begeisterung für Poldi nicht... bevor Poldi jemals gegen einen Ball getreten hat, war Köln einer der unabsteigbaren Bundesliga-Dinos... für die ersten beiden Abstiege 98 und 2002 konnte er nichts... aber danach hat er eine Ära geprägt, in der der 1.FC Köln in 9 Jahren 3 Mal abstieg... Als Traditionsverein mit einem ganz tollen Stadion und ganz tollen ganz vielen Fans... nicht, dass Poldi alleine für die Abstiege verantwortlich wäre (dieses Jahr war er endlich wirklich nicht nur ihr teuerster sondern auch bester Spieler), aber er personifiziert sie... dennoch scheinen sich die Fans nur an seine überragende 2.Liga Saison (in der er gefühlt jeden Monat das Tor des Jahres erzielt hat) gegen unterklassige Gegner zu erinnern... und an seine Heldentaten in der Nationalmannschaft... gegen unterklassige Gegner... Gegen Kritik und Pfiffe aus der eigenen Reihe ist er in Köln irgendwie Imun... selbst wenn er 10 Millionen Euro Ablöse im ersten Jahr mit 2 Bundesligatreffern zurückzahlt...

Am Ende haben sich 2 Jahre lang nur 3 Dümmere gefunden, dieses Jahr war das nicht mehr möglich... Aber Poldi wird weiterhin ein Held bleiben... auf Augenhöhe mit Toni Schumacher und Wolfgang Overath... Spielern, die für den 1.FC Köln de facto wirklich was gerissen haben... Und irgendwie kann ich mir nicht helfen... aber in 15 Jahren werden sie Poldi auf Grund seiner hohen Fachkompetenz zum Präsidenten wählen... das hat schon bei Overath nicht funktioniert...

Und dieser Abstieg ist die passenste, zwingesnte und gleichzeitig großartigste Pointe hinter seinem 2. Kölner Versuch... oh und ja, ich werde ihn vermissen...