Dienstag, 24. Juli 2018

Was hat denn bitte der Hoeneß genommen?

Zu tief in Horst Seehofers Glas geguckt?

Ich meine ernsthaft, WTF? Der hat es geschafft, dass sein eigener Haus und Hof Blog sich gegen ihn wendet...
Dass Özil bei der EM ein gutes Viertel- und Halbfinale gespielt hat, hat dem Uli Hoeneß wahrscheinlich einfach niemand mitgeteilt... wahrscheinlich erinnert der sich nur an die verschossenen Elfmeter...
Und genau das ist ja Özils Problem. Hoeneß kippt genau das Benzin ins Feuer, an dem Özil am Ende verzweifelt ist. Dessen Argumentation wird genau dadurch nur noch bestätigt: Wir sehen immer nur die schlechten Leistungen des Dreckstürken, was er alles gut gemacht hat, ignorieren wir. Danke, dass sie Özil bestätigen... Dass Hoeneß Wahrnehmung sich mit der betrunkenen Mehrheit deckt, ist der Grund, warum wir diese Diskussion führen müssen...
Und es ist natürlich auch wieder Munition für all die rechten Giftmischer. Genau das, was wir jetzt gerade brauchen.

Vor allem, es ist der Hoeneß... der selber als staatlich anerkannter Steuerhinterzieher sich ausgiebig darüber ausgeheult hat, wie schlimm ihn doch die Medien behandelt haben. Schlüsselzitat:

"Aber was in den letzten 14 Monaten auf einen Mann und seine Familie, der am Boden lag und liegt, an Häme, an Pranger niedergeprasselt ist, das konnten meine Familie und ich keinen Tag länger ertragen."

Vielleicht sollte sich der Hoeneß mal daran erinnern, wie es ihm aus eigener Perspektive (meine Wahrnehmung war natürlich eine andere) ergangen ist, nachdem er einen wesentlich dramatischeren "Fehler" begangen hat als Özil. Vielleicht sollte er mal darüber reflektieren, wie er sich damals gefühlt hat, als er durchs Dorf getrieben wurde... Und das sein eigenes Schuldbewusstsein am Ende auf Augenhöhe mit Özils ist und in einem "Freispruch wäre normal gewesen" endet... Also gerade der Typ sollte doch genau wissen, wie es ist, wenn man seinen eigenen Fehler als völlig überbewertet ansieht...

Und ja, ich packe das immer wieder aus, wenn der Hoeneß sich zu sozialen Themen äußert: Der Mann hat jegliches Recht sich als Moralische Instanz aufzuspielen verloren.

Vielleicht sollte der Typ auch einfach mal vor seiner eigenen Vereinstür kehren... Also nur so als Gedanke... Wir haben gerade eine WM erlebt, bei der die Profis des VfB Stuttgarts mehr Tore erzielt haben, als die des FC Bayerns... bei denen Leute wie Robert Lewandowski, Jerome Boateng und Thiago Özils Nicht-Leistungen in den Schatten gestellt haben... Oder nehmen wir einfach mal... Thomas Müller, der den letzten beiden Turnieren jeweils schlechter abgeschnitten hat als Özil... aber man stelle sich vor, jemand würde mit Hoeneß mit der Theorie konfrontieren, dass Müller nicht mehr ins Nationalteam gehört... Der würde mit "So ein verdienter Spieler" anfangen... genau das ist Özil halt auch... Nur dass auf dem einen verdienten Spieler ständig rumgehackt wird und auf den anderen nicht...
Und an der Stelle funktioniert halt auch das "lasst uns nur über das sportliche reden" nicht. Denn wenn Özil Stefan Meier heißen würde und guter Christ wäre, hätten weder wir noch er das Problem, über welches wir jetzt diskutieren... Und ja, dann hätte er sich auch mit einem Russischen Diktator ablichten lassen dürfen. Weil Stefan Meier natürlich russische Vorfahren hat und keine türkischen...

Weder Hoeneß, noch ich, können halt nachvollziehen, wie es ist in einer derart exponierten Stellung einen Migrationshintergrund zu haben. Und wenn man sich jahrelang darin gesonnt hat, dass die Nationalmannschaft als Musterbeispiel der Integration gilt (Siehe unser guter Nachbar Boateng...), dann kann man jetzt, wo es mal nicht läuft, nicht behaupten, dass das alles kein Thema ist... Denn gelungen Integration zeigt sich ja gerade in den schwierigen Momenten...

Und natürlich kann man die Özil-Aussagen kritisch betrachten... aber halt nicht so... Das war echt das Dümmste, was man zu diesem komplexen Thema sagen konnte...

1 Kommentar:

  1. Und dieser Beitrag toppt den vorangegangenen Beitrag noch. Den sollte Herr Hoeness dann doch mal zu lesen bekommen.

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