Mittwoch, 4. März 2015

Brauchen wir das?

Ist ja die viel spannendere Frage. Also müssen wir wirklich für ein paar (Hundert) Millionen die Sportschau opfern. Und ja, wenn meine Theorie von gestern umgesetzt wird, wäre dass das Ende der relevanten Sportschau...

Der erste Punkt ist: Wir werden eh nicht an die Zahlen der Premiere League ran kommen... dass die überhaupt bezahlt werden, ist eigentlich irre... kann sich so ein Deal überhaupt rechnen? Also für die Fernsehstationen... Und ja, die haben diese Absurden Milliarden nur für den englischen Markt bezahlt, die internationale Vermarktung kommt erst noch... eigentlich kann man sich das gar nicht vorstellen... Aber die haben halt auch 2 Pay-Per-View Anbieter und wir nur einen...

Aber: Welchen Einfluss hat denn der TV Deal genau? Laut ESPN sind die 20 Premiere League Vereine eh schon unter den 40. Reichsten der Welt... Ändert sich da wirklich etwas, wenn sie jetzt alle unter den Top 30 sind? Und ja, viel weiter wird es nicht gehen...

Und mehr Geld als Borussia Dortmund hat Manchester City nicht erst seit dem neuen TV-Deal... trotzdem kam die Borussia in den letzten 2 Jahren in der Champions League weiter als der Scheich-Klub. Tendenz steigend.
Und wenn all die Oligachen- und Scheich-Projekte eines bewiesen haben, dann das Geld halt doch nur bis zu einem gewissen Niveau Tore garantiert. Man kann sich als Paris St.Germain einen Zlatan Ibrahimovic, der einem 25 Liga-Tore im Jahr garantiert, kaufen, aber ein Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo ist (trotz festgeschriebener Ablösesumme... Barca und Real könnte es nicht mal verhindern, wenn Paris den Weltfußballern jeweils 130 Mio im Jahr anbietet) nicht zu bekommen. Die bleiben lieber bei ihren erfolgreichen Vereinen...

Und genau diese Oligachen-Struktur wird den Geldvorteil am Ende wieder ausgleichen. Hat er bisher immer gemacht. Denn wenn die Premiere League etwas bewiesen hat, dann das Investoren keinen Bock auf langfristige Projekte wie eine ordentliche Jugendakademie haben... Die wollen nicht in 5 Jahren Erfolge, sondern jetzt gleich. Deswegen kaufen sie lieber Spieler, als sie auszubilden... und für diese Spieler werden absurde Ablösesummen bezahlt... das war auch schon immer so... Das wird auch so bleiben. Deswegen wird die Premiere League durch all das Geld nicht zwingend besser.

 Für einen Robbie Keane wurden in seiner Karriere 103 Millionen Euro Ablöse bezahlt... Und jetzt kommt's: Für 2 Champions League Tore in 9 Spielen!!! Der war noch nicht mal gut... Wenn der in Deutschland herumgereicht worden wäre, wie eine Edelhure und dann mal ein Jahr Champions League gespielt hätte, wäre er auf insgesamt 25 Millionen Euro Ablöse gekommen... wenn überhaupt... und trotzdem kein besserer Spieler...

Nur so als Vergleicht: Ein Adam Lallana kostete diesen Sommer 31 Millionen Euro. Da fragt ihr euch doch bestimmt auch: Wer? Genau... solche Spieler gibt es in der Bundesliga mit Sicherheit auch: Gutes Nationales Niveau, dass bei einem kleineren Verein geparkt und ausgebildet wird, bis es mit Mitte 20 den Sprung zum großen Klub wagt... bei uns heißen diese Spieler Lars Stindl und kosten 3 Millionen...

Nur weil Spieler in England übertrieben teuer sind und dort inzwischen ein separater Transfermarkt aufgemacht worden ist, heißt das nicht gleich, dass die Spieler dadurch gut sind... es heißt halt nur, dass da im restlichen Europa nur ganz wenige Werksvereine wie der VfL Wolfsburg überhaupt mit bieten können... und das auch nur, wenn es um ein absolutes Prestigeobjekt wie einen frisch gekürten, am Siegtor im WM Finale beteiligten, Nationalhelden geht... Aber ganz ehrlich: Wen stört's?

Nehmen wir ein etwas ungenaues Beispiel: TSG 1899 Hoffenheim. Also sogar ein Verein, der eigentlich keine Spieler aus finanziellen Gründen abgeben muss... Im Jahr 2010 musste man Carlos Eduardo, als sein Herz und seine Seele an einen (deswegen ist das Beispiel ungenau) finanziell übermächtigen Mittelklasse Klub aus Russland abgeben... nicht weil Rubin Kasan die bessere Perspektive oder wärmeres Klima zu bieten hatte... sondern bereit war, wesentlich mehr Geld zu bezahlen...
Für dieses unersetzliche Puzzlestück holte man Gylfi Sigurdsson und Roberto Firmino... den einen der beiden konnte man wieder nach England zurück verkaufen, und machte deswegen keine Miesen... der andere ist mittlerweile besser als Eduardo... Keiner der beiden kostete wirklich viel Ablöse... Und wenn Firmino in diesem oder nächsten Sommer weiter zieht, wird Hoffenheims Scoutingabteilung den nächsten Offensiven Mittelfeldspieler suchen und finden, der den Engländern einfach nicht auffällt... und 3-4 Jahre später verkauft man den dann wieder... bevorzugter Weise nach England...

Welchen Profi, der wie Sigurdsson dem Ruf des großen Geldes bei Mittelmäßigen Vereinen gefolgt ist, vermisst die Bundesliga denn wirklich?

Und falls ihr wirklich glaubt, dass die Spitzenverein einfach den Markt an Weltklasse-Fußballern leer kaufen wird und die alle samt bei sich parken werden... vergesst ist. Aus einem einfachen Grund: Die Champions League... und da werden weiterhin nur 4 englische Mannschaften dran teilnehmen... von denen eine in schöner Regelmäßigkeit (also häufiger als die Deutschen) in der Gruppenphase hängen bleibt...
Und wovon reden ALLE Profifußballer? Sie wollen die Champions League Hymne hören. Bevorzugt im März... und als Stammspieler. Deswegen wird sich ein Stindl gegen Stoke City und für Schalke 04 entscheiden. Oder ein Schürrle für Wolfsburg und gegen Tottenham... Die Deutschen Mannschaften geben dir eine realistische Chance, als Stammspieler in einem Champions League Achtelfinale aufzulaufen... hey, selbst Kevin Prince Boateng hat das geschafft...

Sorgen muss sich die Bundesliga erst machen, wenn die F.A. es schafft, Jugendakademien in die Lizenzbedingungen zu schreiben... ein Chelsea London, dass sich Spitzenspieler kaufen UND einen eigenen Mario Götze ausbilden kann? Das sollte einem Angst bereiten. Solange sie nur sinnlos Millionen in Mittelklasse-Spieler pulvern, wird ihnen all das Geld der Welt nichts bringen.

Die Bundesliga ist die Beste Ausbildungsliga der Welt. Und: Wir haben mit dem FC Bayern einen Verein, der jedes Jahr um den Champions-League Titel mitspielt. Einer der absoluten Spitzenvereine, der sich sogar die Spieler kaufen kann, an die Paris und Man City nicht rankommt. Denn sobald die Bayern in so einen Poker einsteigt, überwiegt die Chance auf den Titel die paar Millionen, die man mehr bekommt... meistens... Und wer sich wirklich fürs Geld entscheidet, wird den Bayern nicht fehlen...
Dazu hat man mit Borussia Dortmund  einen Verein, der für die Besten der Besten der Besten ausbildet. Wo sind die letzten BvB-Stützen hingewechselt? Real Madrid, Manchester United und Bayern München... also Champions League Titel Anwärter... Ein Marco Reus wäre auch nicht zu Man City gewechselt, sondern nur zur Creme-de-la-Creme.
Wenn man dann noch bedenkt, dass selbst Werder Bremen und der VfB Stuttgart Stammspieler für die Königlichen ausbilden kann... Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil, den man gegenüber der Premiere League hat... und der ist mehr Wert als die 100 Millionen mehr, die ein Samstags-20:30-Spiel bringen würde...
Was mich zur meiner ursprünglichen Frage zurückbringt: Brauchen wird das? Nö, das brauchen wir nicht.

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