Montag, 17. Mai 2021

Worst of des "Nun also doch Panik!" Wochenendes

Frank Baumann, Vollidiot der Woche. Oder des Monats... oder der Saison.

Also dass der jetzt doch entscheidet, dass Florian Kohfeldt nicht mehr der Richtige ist. Obwohl das doch schon vor 3 Wochen offensichtlich war. Oder, wenn man es ganz drastisch nimmt, vor Saisonbeginn... 

Spätestens als Kohfeldts Name bei der großen Trainerrotation nicht ein Mal gefallen ist, hätte es einem doch dämmern können, dass dem Rest der Liga schon aufgefallen ist, was Passives Abseits Leser seit Ewigkeiten wissen: Der Mann ist einfach nicht so gut, wie alle dachten. Nur bei Werder wurde diese Entwicklung konsequent ignoriert.

Und damit habe ich ja nur bedingt ein Problem. Wenn die in Bremen wirklich davon überzeugt waren, dass Kohfeldt die beste Option für eine Rettung ist, dann müssen sie es halt auch durchziehen. Und beim letzten Gipfel kam man ja zu dieser Überzeugung. Und durch das Ausscheiden im Pokal, immerhin nach Verlängerung, wurde diese Überzeugung ja irgendwie bestätigt. Aber dann bricht sie nach nur 90 Minuten komplett zusammen.

Dabei war die erste Halbzeit doch das Beste, was Werder seit langem angeboten hat. Also ich ging echt davon aus, dass Werder sich selbst daran beweihräuchert, dass man in Überzahl ja doch etwas besser war als Augsburg. Und den Platzverweis von Groß kann man dem Trainer ja nicht anlasten, schließlich hat er ihn in der Halbzeit extra darauf hingewiesen, keine Dummheiten zu machen. 

Wobei ja das eigentlich größere, strukturelle Problem ist, dass Christian Groß plötzlich der erfahrenste Recke sein soll. Ein Groß kann vielleicht den Führungsspieler in deiner Regionalmannschaft geben, aber dass er dies jetzt auch in der Bundesliga machen muss, zeigt eindeutig den Qualitätsverlust in der Hansestadt auf. Und für den ist halt irgendwie auch Frank Baumann verantwortlich.

Dass er einerseits verweigert anzuerkennen, dass Kohfeldt diese Mannschaft nicht besser macht, anderseits auch kein wirklich gutes Spielermaterial zur Verfügung stellt... UND dann noch als 3. nicht einsehen will, dass diese Mannschaft dringend einen Feuerwehrmann braucht. Nur um, weil er ja noch nicht genug Scheiße gebaut hat, vorm letzten Spieltag doch noch eine Kehrwende zu vollziehen und mit Thomas Schaaf 3 Schritte zurückzugehen... 

Also nur um zu verdeutlichen, dass Werders Probleme nicht dadurch gelöst werden, dass Kohfeldt mit 13 Monaten Verspätung endlich entlassen werden. Frank Baumann ist die Person, die zu verantworten hat, dass die Ansprüche bei Werder ständig weiter heruntergeschraubt werden. Der würde nächste Saison doch hervorheben, dass man zwar abgestiegen ist, aber immerhin nicht den Negativrekord von Tasmania Berlin gebrochen hat. Das ist doch auch keine Selbstverständlichkeit.

Und ja, mir macht das alles auch keinen Spaß. Denn Werder war immer einer der sympathischsten deutschen Vereine. Und Frank Baumann steht ja wie kein 2. für diese Werder-Familie. Für das behagliche, aber auch dafür konstant und mit Ruhe etwas aufzubauen. Der ist ja nicht zufällig Kapitän der Meistermannschaft... aber er ist auch nicht zufällig der einzige von der Achse Ismael-Ernst-Baumann-Borowski-Micoud-Ailton, der danach nicht woanders, meistens bei größeren Vereinen, nach höherem strebte. Micoud ging zurück nach Bordeaux, der Rest wechselte zu den Bayern oder zu Schalke 04. Nur Baumann blieb dem Verein treu. Es wäre wirklich schön gewesen, wenn genau dieser Baumann Werder jetzt zurück an die Spitze führt und damit eine weitere Baumann-Ära prägt. Aber das wird wohl nichts werden. Gerade weil Baumann halt Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollte, als Erfolge verkaufen will. Mit der Einstellung kommt man in der Bundesliga halt nicht weit. 


Und sonst so? Machen wir mal den Abstiegskampf fertig, auch wenn das direkt das nächste Segment einleitet. Es lautet:

Ohne eigenes Zutun.

Herzlich willkommen in der Bundesliga, in der man seine Ziele ohne eigenes Zutun erreicht. So verabschiedeten Mainz und Hertha sich stilecht aus dem Abstiegskampf, weil die anderen nicht gewinnen konnten oder wollten. Herthas faktische "Nicht-Leistung" ist bei 5 Spielen in 13 Tagen definitiv zu entschuldigen. Und sie haben es ja auch geschafft. Genauso wie Ruben Vargas, der sich nach 13 Minuten dachte "Och komm, ist doch nur Werder, das kriegt ihr auch ohne ich hin"... er sollte ja auch Recht behalten.

Herthas Nicht-Leistung ist vor allem aus einem Grund interessant: Der 1.FC Köln behauptete hinterher "nicht wie ein Abstieger" gespielt zu haben. Hier muss ich eindeutig mal sagen: Doch, haben sie. Sie haben es nicht geschafft eine Mannschaft, die ein viel extremeres Programm abspulen musste, unter Druck zu setzen. Es war ja nicht mal so, dass ein überragender Alexander Schwolow seine Mannschaft im Spiel gehalten hätte. Gerade in der 2. Halbzeit, als bei den Herthanern der Tank leer sein musste, hatte man trotzdem nie das Gefühl, dass die Kölner jetzt wirklich das Tor erzwingen können. Da waren keine Chancen der Kategorie "Muss man machen" dabei. Eher im Gegenteil, die Angriffsbemühungen lassen sich mit "viel zu harmlos" zusammenfassen. Und genau das macht am Ende doch Absteiger aus: Dass sie vor dem Tor viel zu harmlos sind. 

Aber klar, auch in Köln klammern sie sich halt an jeden Funken Hoffnung. Und immerhin geht es jetzt gegen Schalke 04, die sich ja wirklich frühzeitig dafür entschieden haben nicht in den Abstiegskampf einzugreifen. Das werden sie ja auch am letzten Spieltag durchziehen, oder?

Andererseits... haben sie ja auch gerade völlig überraschend in den Champions League Kampf eingegriffen, in dem sie Eintracht Frankfurt besiegt haben... und zum 2. Mal in dieser Saison erzielten sie 4 Tore. Also nur um das mal festzuhalten: RB Leipzig kommt ebenfalls nur auf 2 Bundesligaspiele mit 4 erzielten Treffern. Wenn man den statistischen Rahmen eng genug setzt, ist Schalke genauso gut wie der Vize-Meister...

Aber das wirklich traurige für die Schalker ist ja, dass sie jetzt Borussia Dortmund in die Champions League geschossen haben... Selbst wenn sie gewinnen, bauen sie nur Scheiße.

Das bringt uns dann auch zu: Ohne eigenes Zutun, Teil 2: Europa Cup Edition

Dem VfL Wolfsburg genügte ein Unentschieden um sich die Teilnahme an der Champions League endgültig zu sichern. Bayer Leverkusen holte ebenfalls nur einen eher schmeichelhaften Punkt, darf aber trotzdem garantiert in die Europa League... könnt ihr euch noch an eine Zeit erinnern, in der man gewinnen musste, um seine Saisonziele zu erreichen? 

Nebenbei muss auch erwähnt werden, dass Borussia Dortmund nicht nur die Champions League Plätz erreicht haben... sie haben sich die Teilnahme sogar frühzeitig gesichert. Das erschien eigentlich unmöglich, als man am 27. Spieltag gegen Frankfurt verloren hat und 7 Punkte hinter Platz 4 lag. Aber zum Glück hat man mit Marco Rose den richtigen Trainer verpflichtet um eine Kettenreaktion auszulösen, die im Wechsel von Adi Hütter und dem Einbruch der Frankfurter mündete. Und bei allem Respekt vor Edin Tersic: Wenn die Rose nicht verpflichten, dann bricht die Eintracht wohl nicht so ein und dann spielt Dortmund nächstes Jahr Europa League und muss Erlin Haaland verkaufen. 

Das sollten die Dortmund Fans jetzt zwingend im Hinterkopf behalten, wenn sie jetzt heimlich darüber nachdenken, ob man nicht doch eher Tersic behalten sollte: Michael Zorc hat durch die Rose Verpflichtung die Saison von 2 direkten Konkurrenten ruiniert. Allein schon deswegen ist dies der perfekte Trainerwechsel.

Wirklich faszinierend ist halt, wie jetzt die Gegner der Abstiegskandidaten am letzten Spieltag bewertet werden. Also offensichtlich sollte eigentlich Schalke der einfachste Gegner sein, aber die können ja befreit aufspielen und haben nichts zu verlieren. Aber Stuttgart und Gladbach "droht" die Europa Conference League. Gladbach eventuell sogar bei einem Unentschieden, wenn Union Berlin verliert. Das sind also Mannschaften, die richtig viel verlieren könnten... wenn sie gewinnen. Das sollten sie doch lieber lassen.

Und ja, mein Tipp bleibt: Gladbach sichert sich mit einem Unentschieden Platz 7. Schalke gewinnt völlig unmotiviert und verzerrt dadurch den Abstiegskampf... zugunsten von Werder Bremen, die in die Relegation dürfen und dort dann mit 2 Unentschieden die Klasse halten. Bucht die Tippscheine jetzt, bevor sie diese Kombi-Wette vom Markt nehmen, weil zu viele auf diese Ereignisse Geld gewettet haben. Diese Angaben kommen wie immer ohne Gewehr...

Hassan Salihamidžić im Bayern-Boss Modus. Eine der spannendsten Fragen ist ja, ob die nächste Generation an Führungskräften Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß ersetzen können. Hassan hat jedenfalls schon mal die "Regeln sind für die anderen" Arroganz direkt übernommen. Und so wollten die Bayern als einzige ihre Familien mit ins Quarantäne-Trainingslager mitnehmen. Das Landratsamt stellte dann aber fest, dass es nicht erlaubt ist Angehörige mitzubringen, "die mit der Durchführung des Trainingsbetriebs nichts zu tun haben."

Die Bayern sind ja während der Pandemie noch nicht oft genug negativ aufgefallen, weil sie für sich Sonderrechte beanspruchen... Also versuchen sie jetzt als Einzige die Quarantäne auszutricksen... Und falls ihr euch fragt, wie schlimm es ist? Nun ja, so schlimm: Der NDR macht eine 30 Minütige Doku mit dem Titel "Wie Bayern München sein Image ruiniert"... Da fällt mir ein:

Robert Lewandowski, Gomez der Woche: Also ganz ehrlich, es war noch nie jemand so dicht am Original, wie Lewandowski, der den Ball lieber in die Arme des Torhüters stocherte, anstatt ihn über die Linie zu drücken... was definitiv einfacher gewesen wäre. Da fragt man sich schon, wie der Mann 40 Tore erzielt hat...
Es würde ja genau meinen Komiknerv treffen, wenn Lewandowksi jetzt wegen dieses peinlichen Fehlschusses Gerd Müllers Rekord "nur" einstellt aber nicht bricht. Anderseits würde das auch nur bedeuten, dass der Pole noch ein ganz klares Ziel für die nächste Saison hat... da passt es mir dann doch besser, wenn er nächste Woche 3 Tore erzielt und danach dann nachlässt...

Mittwoch, 12. Mai 2021

Ganz kurz ein ganz altes Fettes Brot Zitat:

Die Dummheit siegt, weil ja der Klügere nachgibt.

Also ja, Fritz Keller hat aufgegeben. Die verkrustete alte Machtstruktur hat ihren Willen bekommen und ist diesen Störenfried losgeworden. Und Dr. Rainer Koch stellt nur sicher, dass er im Zweifelsfall nicht mehr haftbar ist. Der Mann ist eben doch kein Freisler, der noch in Berlin war, als die Stadt von 958 alliierten Bombern angeflogen wurde. So was würde Koch nie passieren, bevor es wirklich ernst für ihn wird, bringt der sich doch in Sicherheit. Der ist schließlich Jurist, der weiß, wie das geht...

Es ist schon traurig, dass der DFB in genau dem Moment, wo man ihn am dringendsten braucht, sich so selbst zerlegt. Also sowohl die Frage, wie es in der Pandemie für die Kinder weiter gehen kann und wie die so schnell, aber sicher, wie möglich wieder nspielen können, als auch die Frage, wie man sich als DFB zur WM in Qatar positioniert, müssten die absolute Priorität genießen. Aber das geht halt alles erst, wenn der Laden aufgeräumt wurde. Und das wird weiterhin nur verhindert.

Allein deswegen sollte man dem DFB jetzt schon die Gemeinnützigkeit für 2021 aberkennen. Denn egoistische Grabenkämpfe können gar nicht gemeinnützig sein. Und man sollte den DFB diese Gemeinnützigkeit erst wieder anerkennen, wenn da nicht die machtgeile alte Männer, die sich selbst bereichern, was zu sagen haben.

Das reicht dann aber auch.

Dienstag, 11. Mai 2021

Ok, dann doch mal DFB.

Die haben sich lange genug im Windschatten der Super League verstecken können. Aber wie immer triggern mich am Ende die Leserbriefe im Kicker. Gefühlt lese ich den nur noch, um mich von Leserbriefen triggern zu lassen.

Wobei Konstantin Josuttis Beitrag ist gar kein klassischer Leserbrief. Der schreibt trotzdem: "Eine gesunde Struktur kann eine dysfunktionale Führungsperson eine Zeit lang abfedern (siehe die Präsidentschaft von Donald Trump in den USA)." Ähm... also gut zu wissen, dass Herr Josuttis anscheinend nicht Jon Oliver bei Youtube abonniert hat. Ich behaupte ja seit Jahren, dass Trump nicht das Problem ist, sondern nur das Symptom, an dem alle erkennen, wie kaputt das System wirklich ist, weil es halt nicht mehr zu ignorieren ist. Aber ein Land, in dem Gerrymandering von beiden Parteien im ganz großen Stil betrieben wird. In dem man den Popular Vote mit 3 Millionen Stimmen verliert und trotzdem Präsident werden kann... sagen wir es so: Verglichen mit der USA ist der DFB richtig gut aufgestellt.

Aber wo wir schon bei politischen Vergleichen sind: Da passt am ehesten der Bürgerkrieg in Syrien. Also da schießen ja auch mehrere grundlegend unsympathische Parteien aufeinander und jede von denen klammert sich an seine Macht. Als Außenstehender kann man eigentlich nicht wollen, dass da irgendwer gewinnt, aber zum Wohle der Bevölkerung hofft man einfach nur, dass da zeitnah irgendwer gewinnt und zumindest der Krieg vorbei ist. Oder man ignoriert es einfach, so gut es eben geht. Genau so ist doch die Lage beim DFB.

Und klar, im Moment ist die Lage wieder so schlimm, dass man es nicht mehr ignorieren kann. Also wir haben den Punkt, an dem Horst Seehofer zur Räson ruft. Also nachdem ich gestern schon mit dem Kaiser-Franz übereingestimmt hatte, muss ich heute dem Heimat-Horst zustimmen. In was für Zeiten leben wir? 

Gerade wenn Vize-Präsident Dr. Rainer Koch fragt, wem der Fußball gehört. Und wirklich glaubt, dass er den Rückhalt der Mitglieder hat, weil er den Rückhalt der Vorstände hat. Da merkt man einfach mal, wie weit weg von der Realität die sind. Also Koch spricht ja oft davon, dass es "um den Fußball" und "um die 25.000 Vereine" geht. Aber glaubt der echt, dass er bei einer Urabstimmung dieser 7,2 Millionen Mitglieder eine deutliche Mehrheit bekommen würde. Wahrscheinlich hat er gar nicht begriffen, dass seine 3 eigenen Stimmen dann irrelevant sind.

Am Ende war die Abstimmung doch auch deswegen geheim, damit die Mitglieder der Regionalverbände nicht herausbekommen können, ob ihr eigener Landesvater dieses korrupte System stützt. Also ich könnte mir schon vorstellen, dass die "Ja-Sager" Probleme bekommen würden, wenn sie zurück in die Heimat kommen.

Denn wenn wir mal die Kicker-Leserbriefe als vernünftigen Durchschnitt der Meinungen betrachten... dann sprechen sich alle ehrenamtlich engagierten Funktionäre eindeutig gegen Koch aus. Und ja, ich gehe davon aus, dass der Kicker die Gegenmeinung auch drucken würde, wenn es sie denn gäbe. 

Nebenbei kommt dann hier der wöchentliche Rant über die Kicker.de Seite und wie grausam die ist. Da finde ich diesen schönen Link, aber wie das Abstimmungsergebnis ausgegangen ist, wird mir nicht verraten. Wie immer danke für nichts.

Und ja, das hat verdammt viel damit zu tun, dass wir uns mittlerweile an Steuer-Razzien beim DFB gewöhnt haben. Die Steuerfahnder gucken häufiger in Frankfurt vorbei, als beim Abou-Chaker Clan. Hab ich schon gefragt, in was für Zeiten wir leben?

Natürlich war Fritz Kellers Beleidigung in Richtung Koch richtig heftig. Aber von außen hat man halt den Eindruck, dass er als einziger versucht diese verkrusteten Strukturen aufzubrechen und als Aufklärer zu wirken. Und alle anderen haben ihm nur Knüppel zwischen die Beine geworfen. Nun ist es natürlich schwer als Außenstehender zu beurteilen, ob dieser Eindruck wirklich der Realität entspricht. Aber allein schon, dass dieser Eindruck entstanden ist, sagt doch viel über die Zustände beim DFB aus. Und wenn man den ganzen Tag lang einen sinnlosen und frustrierenden Kampf gegen Windmühlen bestreiten muss, dann brennen einem halt mal die verbalen Sicherungen durch und man haut eine richtig heftige Beleidigung raus.

Das Beste wäre halt, wenn das Sportgerichtsverfahren zu folgendem Urteil kommt: "Herr Keller, wir müssen sie rügen, ihre Beleidigung war viel zu heftig, sie hätten Herrn Koch als korruptes Arschloch bezeichnen müssen. Das wäre angemessen gewesen. Weil die Aussage aber wirklich problematisch war, verurteilen wir sie zu 20 Stunden Sozialarbeit, abzuleisten in einer NS Gedenkstätte. Vielen Dank."

Nur um mal zu belegen, wie beschissen die Lage gerade ist: Der Kicker konnte mehrmals die "Hoeneß und Rummenigge müssten den Laden mal richtig aufräumen" Meinung drucken. Klar, schickt einen staatlich anerkannten Steuerhinterzieher zu einem Verband, bei dem regelmäßig Razzien wegen Steuerhinterziehung stattfinden. Das ist, als würde man einen Steuerhinterzieher zum Finanzminister machen... oh, warte, auch das war ein völlig normaler Vorgang in Deutschland. Und dann soll der "Menschenrechtsverletzungen sind eine andere Kultur" Kalle dem Verband wieder moralische Integrität verleihen. Oder der "Wir drücken die Champions League Reform gegen den Willen der Fans durch" Kalle. Oder halt der Präsident der ECA, die für alles steht, was der DFB nicht will.

Also nur um das nochmal festzuhalten: Rummenigge ist der Cheflobbyist der europäischen Spitzenvereine. Der kümmert sich nach wie vor und weiterhin darum, dass es seinem FC Bayern möglichst gut geht. Er hat gerade während Corona mehrere moralisch fragwürdige Äußerungen getätigt. Oder direkt ausgedrückt: Ein Mensch, der so tief im Arsch der Scheichs von Qatar steckt, dass er deren Scheiß nicht riecht, kann nicht DFB Präsident werden. Da kann man auch direkt Jens Lehmann nominieren.

Montag, 10. Mai 2021

Worst of des "Die Formalität ist erledigt." Wochenendes

Die Bayern sind Meister. Große Überraschung. Ganz stilecht wurden sie es natürlich vor dem eigenen Anpfiff, quasi beim Aufwärmen. Wenn das keine wunderbare Symbolik ist, weil ja die Bundesliga mittlerweile nicht mehr als ein Aufwärmprogramm für die Champions League ist.

Wobei ich an der Stelle schon mal das erstren WTF an den Kicker schicken muss. Denn die schreiben von einem frühen Aus in der Champions League. Ähm... hallo? Ernsthaft, die Bayern waren mal wieder unter den Top 8 Europas und sind dann knapp gescheitert. Wer da wirklich von einem frühen Ausscheiden spricht, legt die Messlatte so hoch, dass die Saison meistens in Enttäuschungen enden muss.

Aber das spiegelt ja auch nur das Grundproblem, welches ich hier dargelegt habe wieder: Mit Chelsea, Manchester City, Manchester United, dem FC Liverpool, Juventus Turin, Barca, Real Madrid und eben den Bayern gibt es 8 Vereine, die quasi das Halbfinale der höchsten Liga erreichen müssen. Bei einigen von denen ist es sogar finanziell Notwendig. Es gibt aber nur 4 Plätze. Deswegen brauchen die ja auch die Super League

Man könnte natürlich auch so Wirtschaften und Kommunizieren, dass schon das Erreichen der Top 8 als ordentliches Ergebnis dargestellt wird. Aber wer will das schon...

Der Rest der Liga... nun ja... eigentlich sollte Platz 4 ja vergeben sein, aber es ist Borussia Dortmund. Zum gefühlt 5. Mal in dieser Saison lese ich, dass die jetzt "endlich den Fußball spielen, den man erwarten konnte"... Bis jetzt war das immer genau der Moment, in dem sie rückfällig geworden sind. Es würde mich also nicht überraschen, wenn Eintracht Frankfurt mit 2 Unentschieden in die Champions League einzieht. Das wäre auch die deutscheste Art in der "besten Liga" Vierter zu werden.

Gleichzeitig versucht Borussia Mönchengladbach krampfhaft die Teilnahme an der Europa Conference League zu vermeiden. Da sollen doch die Osteuropäer scheinen, also schicken wir doch lieber Union Berlin... Gerade an diesem Wochenende lieferten die Gladbacher beeindruckende Argumente für die "Gerd Müller würde heute 80 Tore erzielen" These. Was auch nur bedeutet, dass es eine Frage gibt, in der ich mit Franz Beckenbauer übereinstimme. Gladbach hat also so kolossal versagt, dass ich einer Meinung mit dem Kaiser bin. DAS muss man erst Mal schaffen.

Wirklich spannend ist aber tatsächlich der Abstiegskampf. Auch wenn hier festzuhalten gilt: Es wäre wesentlich spannender, wenn der Tabellen-15. in die Relegation müsste. Dann würde nur das Torverhältnis den direkten Abstiegsplatz und das rettende Ufer trennen... und für den 1.FC Köln würde sich wenig ändern.

Ganz stilecht "plant" Werder Bremen anscheinend, mit 12 sieglosen Spielen in Folge über die Relegation den Klassenerhalt einzufahren. Es ist echt faszinierend, wie sie sich in Bremen für Selbstverständlichkeiten feiern und ihre Leistungen im luftleeren Raum beurteilen. Also schon das DFB-Pokal-Halbfinale: Das bisher alle Mannschaften nach der Bekanntgabe des Trainerwechsels eine Niederlage einstecken mussten und Werder die einzige Mannschaft war, die diese Unruhe nicht ausnutzen konnte, wird vollkommen ignoriert.

Jetzt feiert Florian Kohfeldt nach einem torlosen Unentschieden gegen Leverkusen "die kämpferische Leistung und die Mentalität, die an den Tag gelegt wurde." Sollte das nicht selbstverständlich sein? Vor allem wirkt man schon viel zu zufrieden, weil man in einem Heimspiel gegen Bayer wenig bis nichts zugelassen hat. Obwohl Bayer seit dem Hannes Wolf den Trainerposten übernommen hat, die Angriffsbemühungen weitestgehend eingestellt hat und nur noch mit 4 Offensivspielern auftritt. Aber hey, gegen eine Safety First Mannschaft steht man hinten gut, das ist doch schon mal ein Fortschritt.

Aber in Bremen sieht man halt nur den Tabellenplatz des Gegners und denkt sich "Geil, gegen eine Spitzenmannschaft einen Punkt geholt." Wenn man aber genauer hinguckt und bemerkt, dass die Werkserlf 2021 erst 3 Auswärtstore erzielt hat. Seit 4 Auswärtsspielen ist man schon ohne Treffer. Und ja, die Frage, wie man so Platz 6 hält, darf gestellt und mit "beste Liga" beantwortet werden. 

Dass Werder schon fast stolz darauf ist gegen eine derart inkompetente Mannschaft "nur" 4 Torchancen zuzulassen, zeigt halt das Grundproblem dieses Vereins: Man gibt sich nach wie vor mit viel zu wenig zufrieden und schraubt die Ansprüche so weit runter, dass irgendwann der Klassenerhalt als Sensation gefeiert wird. Ich habe letztens irgendwo (ich glaube auf Facebook) einen Kommentar gelesen, dass der Klassenerhalt für Werder ja "keine Selbstverständlichkeit" sei. Doch, ist er. Also Freiburg, Mainz, Augsburg, Köln, Bielefeld, Suttgart als Aufsteiger und Union Berlin haben alle wesentlich schlechtere Voraussetzungen als Werder. Von diesen 7 Mannschaften sollte man 5 locker hinter sich lassen. Das muss eigentlich der Anspruch in der Hansestadt sein. Ist es aber nicht.

Aber hey, am Ende hilft ihnen ja... der bedauerliche Einzelfall des Wochenendes. Dieses Mal kein Rassismus. Hey, Fußballdeutschland hat es geschafft 6 Tage ohne dämlich-rassistische Aussage auszukommen! Und es gibt auch keinen neuen Skandal aus dem DFB-Präsidium. Das muss man doch mal feiern dürfen. Am besten, in dem man zu den eigentlichen bedauerlichen Einzelfällen zurückkehrt:

Denn eines bleibt festzuhalten: Marco Fritz hat auf skandalöse Art und Weise in den Abstiegskampf eingegriffen. Unterstützt von Sören Storks. Während ich denen beim Elfmeter noch gönne. Also das kann man als eine dieser Stellen auslegen, wo die Entscheidung auf dem Platz stehen bleibt. Den muss man natürlich nur geben, wenn man durch die Köln Brille guckt, aber immerhin kann man ihn genau dann geben. Aber warum das Handspiel von Jonas Hector beim Stand von 1:2 nicht überprüft worden ist. Holy Shit. Genau diese Inkonsequenz ist doch der Grund, warum der VAR keine Akzeptanz findet. Es ist das Gegenbeispiel zur kontroversen, aber regel technisch richtigen, Entscheidung im DFB Pokal gegen Paderborn: An der einen Stelle wird so lange gesucht, bis man etwas findet, an der anderen wird die Review Area nicht mal betreten.

Und klar, am Ende ist es verdammt eng. Aber das ist halt wieder eine dieser Stellen, wo die Schiedsrichter eine exklusive Sicht auf das Regelwerk haben und als einzige ein Handspiel sehen. Und wir haben doch genau für solche Fehlentscheidungen im Saisonfinale den VAR eingeführt. Warum kommt er dann, wenn er am dringendsten gebrauch wird, nicht zum Einsatz?

Schalke 04: Ach, ich werde sie vermissen. DIE sinnloseste Debatte der letzten Woche war ja, ob es nicht Wettbewerbsverzerrung sein könnte, wenn Schalke sich jetzt gehen lässt und abschenkt. Da frage ich mich ja immer: Gucken die eine andere Bundesliga als ich? Also, wenn Schalke sich plötzlich zusammenreißen und ordentlichen Fußball spielen würde... DAS wäre Wettbewerbsverzerrung, denn das haben sie ja bisher konsequent vermieden. Und man muss die Saison schon in diesem Modus Anti-Operandi zu Ende bringen. Alles andere wäre unfair.

Und ja, was die in der ersten Halbzeit gegen Hoffenheim abgeliefert haben, war ein Skandal: Die Andeutung, dass es ja doch gegangen wäre, wenn man sich richtig bemüht hätte. Zum Glück war das nach 45 Minuten vorbei. Andererseits ging es gegen Hoffenheim. Stand jetzt hat Schalke 30 % seiner Tore gegen den Dorfverein erzielt. 6 von 20. Wenn die jede Woche gegen die spielen dürften, wäre sogar die Champions League drin.

Noch absurder wird es ja, wenn man die bayrische Provinz aus Augburg dazu zählt. Also gegen diese beiden Vereine erzielte man 9 seiner 20 Tore und holte damit 7 seiner 13 Punkte. Und wo ich schon dabei bin: Man lag ja als Schalke so gut wie nie in Führung. Also gegen Stuttgart von der 30. bis zur 56. Minute das 1:0 zu halten war ja schon fast DAS Saisonhighlight. Gegen (natürlich, die waren ja am Ende stolz gegen Schalke überhaupt was geholt zu haben) Werder führte man von der 38. bis zur 77. Minute. Und das war es schon. 65 Minuten.

Also außer man rechnet die Spiele gegen Hoffenheim und Augsburg mit ein, da führte man in Augsburg von der 52. bis zur 93. Minute. Und im Rückspiel seit der 4. Minute bis zum Abpfiff in der 94.. Und gegen Hoffenheim ging man beim historisches verhindernden Hinspielsieg in der 42. Minute in Führung. Und auch im Rückspiel sah es von der 12. bis zur 51. Minute gar nicht schlecht aus. Sprich: gegen diese beiden Mannschaften lag man insgesamt 208 Minuten lang in Führung. Das ist Stand jetzt 3,2-mal so lang, wie gegen den gesamten Rest der Liga.

Das ist eine dieser "Fußball ist mit Logik nicht zu erklären" Statistiken. Also es ist völlig absurd, wie schlecht Schalke im Vergleich mit dem Rest der Liga ist. Wenn es Augsburg und Hoffenheim nicht gegeben hätte, hätten die Schalker wirklich ALLE Tasmania Berlin Rekorde gebrochen. Aber gegen diese beiden Mannschaften sieht diese Trümmertruppe dann plötzlich zumindest statistisch wie eine kompetente Bundesligamannschaft aus... eine Mannschaft, die im 57 % ihrer Spielzeit in Führung liegt. Um diese 57 % weiter in Relationen zu setzen: In den restlichen 27 Spielen lag man 2,67 % der Spielzeit vorne. Da fehlen einem echt die Worte...

Aber dann fällt einem auf, dass Schalke im Jahr 2021 schon 6 Auswärtstore erzielt hat. Das sind, kurz hochgescrollt, DOPPELT so viele wie der Tabellensechste.

Freitag, 7. Mai 2021

Jetzt überschlagen sich die Ereignisse

Denn auf ein Mal lässt auch Dennis Aogo seinen Expertenposten ruhen. Denn auch der hat sich "unglücklich ausgedrückt"... 

Die Kernaussagen sind, um sie nur ein Mal wiederzugeben, „Wenn man Familie kriegt, dann hat man immer den Wunsch nach einer festen Bleibe, sodass man nicht immer irgendwie wie ein Zigeuner von A nach B reist.“ und "Trainieren bis zum Vergasen"... Ernsthaft? 

Zunächst muss hier mal grundlegend geklärt werden, warum die Fremdbezeichnung "Zigeuner" nicht mehr verwendet werden sollte: Die Sinti, die damit beschrieben werden, lehnen den Begriff ab. So einfach ist das. Also das "klassische Ethnologen-Beispiel" ist ja "Eskimo - Inuit". Beim Wort Eskimo wurde darüber diskutiert, ob das abwertend und respektlos gegenüber den Inuit ist. Deswegen haben die sich dagegen gewehrt, bis man dann herausbekommen hat, dass Eskimos eine größere Volksgruppe anspricht und keineswegs eine wertende Abgrenzung ist. Also Inuit heißt, wie 90 % aller Selbstbezeichnungen, "Mensch", Eskimo heißt wohl doch nur "Die, die eine andre Sprache sprechen."

Um das Ganze an einem theoretischen Beispiel festzumachen: Wenn wir jetzt (Ich nutze ganz bewusst lieber den Konjunktiv) die Engländer als Inselaffen bezeichnen würden. Wir sagen dann immer: Wir meinen das gar nicht böse, wir wollen nur zum Ausdruck bringen, dass sie sich von der EU abgewendet haben und auf ihrer Insel ihr eigenes Ding machen. Und natürlich nennen wir deren kulinarische Verbrechen dann "Inselaffensoße". Dann würden sich die Engländer darüber übelst aufregen und dafür sorgen, dass wir das wieder lassen. Ähnlich ist es mit den Zigeunern.

Jetzt kommt ja als Nächstes dazu, dass selbst ein "man will nicht wie die Sinti leben" immer noch böse diskriminierend wäre. Weil er sich eben eindeutig abwertend über den historischen Lebenswandel eines Volkes äußert. Wobei es noch schlimmer ist, denn er äußert sich über das Klischee eines Lebenswandels. Je genauer man hinguckt, umso schlimmer wird die Aussage. Vor allem, weil er halt nicht die "Das war doch nur nen Witz" Ausrede bringen kann... 

Und dann kommt noch das "bis zur Vergasung". Wie man als Deutscher in der Öffentlichkeit mit dieser KZ-Referenz leichtfertig umgehen kann. Anscheinend fielen die Trainingseinheiten des SC Freiburg immer genau auf die Geschichtsunterrichtstunden. Da kann man halt nichts machen. Aber hey, immerhin ist die Strafe da schnell festgelegt: ein Besuch in einer KZ-Gedenkstätte. Das Traurige daran: Man findet ganz sicher eine in seiner Nähe... weil es halt überall welche gibt. Da trifft er dann ja vielleicht sogar auf den Keller. Nur um festzuhalten, dass Aogo bei weitem nicht der einzige ist, der sich mal intensiver mit deutscher Geschichte und unangebrachten Vergleichen beschäftigen muss... Warum passiert das eigentlich gerade ausnahmslos ehemaligen Freiburgern? Das waren doch die Guten mit dem Weitblick...

Hier kommt jetzt das wirklich faszinierende: Aogos Zigeuner-Aussagen sind zum einen nicht neu. Und der andere Ausfall ist vom Dienstagabend... übertrieben ausgedrückt: Es war die Aussage, die Jens Lehmann zu seinem Glückwunsch ans Sky Team, dass Aogo ja kompetent ist und tolle Quoten besorgt, inspiriert hat.

Aber nur über einen der beiden Vorfälle wurde auf Kicker.de auf der Startseite berichtet. Zu Aogo's Aussagen gibt es dort kein Satz. Und wo ich schon dabei bin, mitzuzählen: Auch das Friedhelm Funkel sich verbal fast verdribbelt hat, wurde dort nur im Kleingedruckten erwähnt. Frei nach dem Motto: Das geht bestimmt weg, wenn man es ignoriert.

Wobei das ja am Ende nur Teil des Problems ist. Denn der Lehmann Fall ist ja so eskaliert, weil das Opfer sich gemeldet hat. Wenn der Zentralrat der Juden Aogos Aussage am Dienstag gehört und darauf reagiert hätte, wäre die Reaktion ebenfalls heftiger aufgefallen. Selbiges gilt, wenn der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma über das alte Aogo Video gestolpert wäre.

Aber der Aufschrei kommt halt immer erst, wenn sich ein Opfer meldet. Wobei, genau genommen wäre das schon ein Fortschritt, oftmals bekommt das Opfer dann ja nur ein "Jetzt stell dich nicht so an" und "War doch nicht so gemeint" zu hören...

Das kann man ja auch an seinen eigenen Verhaltensweisen fest machen. Aber jetzt wird es halt wirklich unangenehm. Aber wie oft sitzt man in einem homogenen Umfeld und hört Witze über abwesende "skurrile Minderheiten"... Und man sitzt entweder schweigend daneben oder lächelt verkniffen. 

Zeit für 2 im Bus von Dota.

Damit ist dann auch die Frage beantwortet, die ich mir vorgestern gestellt habe: Wenn Lehmann seinen rassistischen Witz an den Programmchef geschickt hätte, hätte es kein Opfer und damit auch keinen Aufschrei gegeben, obwohl der Spruch immer noch genau so Scheiße ist.

Aber genau genommen hat Lehmann auch nur das per WhatsApp geschrieben, was 1000-fach in Deutschen Wohnzimmern gesagt worden wäre, wenn man sich gerade für gemeinsame Fußballabende treffen dürfte.

Um dann an der Stelle mal ganz offen zu reden: Ich schreibe das auch nicht mit erhobenen Zeigefinger. Nach dem Lehmann Vorfall habe ich schon zum 2. Mal in diesem Jahr im Familienkreis darüber diskutiert, welche Witze man eigentlich im engsten Kreis bringen darf und was man doch eher lassen sollte. Wenn wir wirkliche Fortschritte erreichen wollen, dürfen wir halt nicht immer nur darauf warten, dass die Opfer sich beschweren, sondern früher eingreifen, damit es gar nicht erst dazu kommt, dass es diese Opfer gibt.

So, jetzt aber wieder Fußball... es sei denn, der DFB baut nochmal Scheiße... also wohl eher kein Fußball...

Donnerstag, 6. Mai 2021

Der Nächste Punktsieg für Salihamidzic

 Für den er auch wieder keinen Applaus bekommt. Aber still und heimlich. Also eigentlich.

DIE BAYERN KAUFEN DIE BUNDESLIGA KAPUTT!!!!1ELF!!!

Sein wir mal ganz kurz ehrlich: Es gab ein realistisches Szenario, wie die Vormachtstellung der Bayern aufgebrochen wird: Julian Nagelsmann formt mit ordentlichen finanziellen Mitteln eine Mannschaft, die ein wirklicher Herausforderer wird. Denn Nagelsmann macht seine Spieler offensichtlich besser. Nicht alle und nicht sofort, (siehe Hee-chan Hwang), aber doch meistens und nachhaltig. 

Also ich habe echt nicht verstanden, warum RB Leipzig ernsthaft darüber nachgedacht hat, Hwang zu verleihen, wenn es nichts Ungewöhnliches ist, dass junge Talente eine gewisse Anlaufzeit unter Nagelsmann brauchen UND sein Jahr in besonderen Maßen durch Covid ruiniert wurde. Da wäre meine Reaktion doch ein "Lasst den Jungen erst Mal eine ordentliche, komplette Vorbereitung unter Nagelsmann machen"...

Aber zurück zum Thema. Wenn Nagelsmann in Leipzig geblieben wäre, wäre er trotzdem vor 2025 ein Mal Meister geworden. Mindestens. Und das, ohne dass die Bayern großartig einbrechen würden. Auch wenn RB weiterhin 2 Starspieler pro Jahr abgeben müssen. Einfach, weil der Verein genügend großartige Talente findet und Nagelsmann die zu einer Mannschaft formen würde.

Das lässt sich ja auch ganz praktisch an dieser Saison ablesen. Denn obwohl man Timo Werner ersetzen musste und das praktisch nicht geschafft hat (RB wird doch deswegen dieses Jahr nicht Meister, weil ihnen ein Mittelstürmer von internationalem Format, der 20 Tore erzielt, fehlt), wird RB die beste Saison ihrer "Vereins"-Geschichte spielen und mehr als die 66 Punkte aus den letzten beiden Jahren holen.

An der Stelle wollte ich mal erwähnen, dass es Bayern-Fans gibt, die Leserbriefe an den Kicker schreiben, in dem sie die behaupten, dass die Bayern "in Nivaulosigkeit versinken", weil dieser Trainer "durch nichts bewiesen hat, dass er eine Mannschaft wie die des FC Bayern trainieren kann"... Ähm... ja genau.

Ob Jesse March das auch schaffen wird, steht in den Sternen. Genauso wie die Frage, ob Marco Rose wirklich gut genug ist um mit Dortmund die Meisterschaft zu holen. Und damit will ich nicht mal die Fähigkeiten von Rose infrage stellen. Der ist ein richtig guter Trainer. Nur: Das war Thomas Tuchel auch. Aber genau genommen haben nur die Trainer-Gottheiten Ottmar Hitzfeld und Jürgen Klopp die Borussia zur Meisterschaft geführt. Und Matthias Sammer, dem die ganz große Trainerkarriere verwehrt blieb, der aber trotzdem eine absolute Ausnahmeerscheinung ist, die aber an ihrer übertriebenen Intensität gescheitert sein könnte

Was ich damit sagen will: Als "guter Trainer" wird man in Dortmund halt nicht Meister. Wenn die einen Trainer wie Nagelsmann hätten, würden sich die Bayern Sorgen machen. Ob Rose das ist, muss sich erst noch zeigen.

Aber praktisch haben die Bayern, und damit Hasan Salihamidžić, genau den einen Transfer getätigt, der ihre Vormachtstellung auf weitere Jahre sichern dürfte. Sie haben nicht mal mit der Wimper gezuckt, als RB 25 Millionen Ablöse aufgerufen hat, weil das einer dieser perfekten Bayern-Transfers ist: Man stärkt sich selbst und schwächt die direkte Konkurrenz. Immerhin stärkt man auch sich selbst und schwächt nicht nur die Konkurrenz. 

Man kann diesen Coup wohl am ehesten mit der Verpflichtung vom schon erwähnten Ottmar Hitzfeld im Jahr 1998 vergleichen. Denn 5 Meisterschaften und ein Champions League Titel unter Nagelsmann würden mich weniger überraschen als ein Scheitern dieses Projektes.

Und damit, um den Bogen zur Überschrift zu schlagen, beweist Salihamidžić halt, dass er das Bayern-Gen wenig überraschend wirklich besitzt. Denn sobald sich ihm eine derartige Möglichkeit bietet, schlägt er eiskalt zu. Ihm sind dann auch bestehende Verträge komplett egal, es wird offen und ehrlich mit Nagelsmann geflirtet. Und da ihm auch voll bewusst ist, dass sich RB für kein Geld der Welt einen wirklichen Ersatzmann verpflichten können, weil Jürgen Klopp halt kein Interesse hat, war er auch gewillt jede Ablöseforderung zu erfüllen.

Das ist jetzt auch alles kein Vorwurf an die Bayern. Sie haben sich diese Position hart erarbeitet, da ist es auch nur ihr gutes Recht hart daran zu arbeiten, in dieser Position zu bleiben. Man sollte aber auch anerkennen, wer da gerade die Arbeit macht, anstatt Petitionen zu unterschreiben, dass dieser Mann entlassen werden muss...

Aber diejenigen, die diese Petition unterschrieben haben, werden jetzt ja auch glauben, dass Oliver Kahn die Verhandlungen geführt haben wird... Obwohl es extrem unwahrscheinlich ist, dass Nagelsmanns direkter Vorgesetzter nicht auch der Verhandlungsführer war...

Mittwoch, 5. Mai 2021

Das peinlichste an Lehmann ist ja

 sein peinlicher Rettungsversuch. Also wirklich. So was von erbärmlich.

Also selbst ein "Das war die Autokorrektur, ich wollte eigentlich Noten Bester schreiben... was kann ich dafür, dass die rassistisch ist" wäre ein sinnvollerer Ansatz gewesen. Auch wenn das bei genauerem Hinsehen immer noch extrem problematisch wäre, denn deine Autokorrektur lernt ja von dir und ändert das nur, wenn du "Quotenschwarzer" extrem häufig verwendest.

Praktisches Beispiel: Meine Rechtschreibprüfung zeigt mir dieses Wort als "Fehler" an...

Aber ernsthaft: Dennis Aogo "bringt bei Sky Quote", weil er so kompetent ist? Wirklich? So stammelt jemand, der ertappt wurde und sich irgendwie herausreden muss.

Also um das mal auf den Punkt zu bringen: Friedhelm Funkels Aussagen nach dem Leverkusen Spiel waren "unglücklich formuliert". Er hat aber gerade noch so die Kurve bekommen und eben nicht gesagt "Die haben halt nen paar Quotenschwarze, die für extrem hohes Tempo sorgen." Weil ihm irgendwie doch bewusst war, dass derartige Ausdrücke extrem falsch und verletzend sind. Wobei ich zum Thema Funkel auch mal sagen wollte, dass man schon mal auf den Rassismus hinweisen und es ansprechen muss, Funkel deswegen aber nicht sofort entlassen werden sollte. Aber wenn man solchen "kleinen Vergehen" nicht direkt Gegenwind gibt, dann verschiebt man die Grenze des Sagbaren immer weiter nach rechts.

Nebenbei... passiert das der Hertha gerade zum zweiten Mal. Denn auch schon Zsolt Petry wurde ja wegen diskriminierender Aussagen entlassen.

Und wo wir schon dabei sind, ist Nadiem Amiri auf dem Platz von seinen Gegenspielern rassistisch beleidigt worden.

Oh und dann hat Karl-Heinz Rummenigge neulich David Alaba als "schwarzen Beckenbauer" bezeichnet. Das sind auch Vergleiche, die eher unglücklich sind. Und klar, Rummenigge verweist darauf, dass er als erster "wieder auf diesem Niveau wie der Franz damals gespielt hat." Der nicht rassistische Vergleich wäre dann aber "Moderner Beckenbauer", denn das wollte er ja eigentlich sagen. Aber Kalle fängt halt doch sofort wieder mit der Hautfarbe an.

Aber das sind halt nur 5 bedauerliche Einzelfälle. Das sind immer noch weniger, als beim VAR, da gibt es also keine Probleme. Wir sind eine schöne, aufgeschlossene Fußballwelt. Hier gibt es nichts zu sehen. Bitte gehen Sie weiter.

Im Wesentlichen wird die deutsche Fußballwelt halt immer noch von alten, weißen Männern geprägt, da fällt man als Aogo sofort auf. Oder als Claudia Neumann, wenn eine Frau WM-Spiele kommentiert. Also nur um mal festzuhalten, dass sich auch die Basis am Ende nicht so sonderlich von Lehmann unterscheidet.

Denn Lehmann hat seine WhatsApp Nachricht halt nur an den Falschen gesendet. Und ein recht bekanntes Gesicht. Gedacht haben das beim Gucken bestimmt auch einige gemeine Fans vorm Fernseher.

Nebenbei frage ich mich ja, wie der Produktionschef (oder an wem auch immer diese Nachricht gehen sollte... wahrscheinlich war es ein alter, weißer Mann) reagiert hätte, wenn er das gelesen hätte. Wäre er auch an die Öffentlichkeit gegangen um den Rassisten zu entlarven? Hätte er das als dummen Witz abgetan, wie man ihn halt unter Kumpels macht? Oder hätte er mit einem "Stimmt Zwinkersmiley" geantwortet?

Hoffentlich hat sich Lehmann, der ja schon als Corona-Verharmloser aufgefallen ist, endgültig in der "Wir zerren den nie wieder vor eine Kamera" Ecke manövriert. Gemeinsam mit Christoph Metzelder. Das sind einfach hässliche Gesichter, die ich nie wieder als Experte hören will. Oder sonst irgendwie in einer relevanten, öffentlichen Position.

Wo ich Metzelder dann aber doch angesprochen habe, muss ich noch Max Kruse widersprechen. Also Kruse hat ja in einer emotionalen Reaktion gefordert, den lebenslang wegzusperren. Während ich dne Ruf nach einer härteren Strafe nachvollziehen kann, gilt hier absurderweise dasselbe, wie bei Maruc Thuram, für den Marcel Reif ja eine lebenslange Sperre gefordert hat: So was sieht das Deutsche Rechtssystem einfach nicht vor, da es auf die Wiedereingliederung in die Gesellschaft ausgelegt ist.

Also um das nochmal festzuhalten: Der Attentäter von Halle hat keine lebenslange Gefängnisstrafe bekommen. Der Attentäter von Hanau wird es auch nicht kriegen. So was dann für Metzelder zu fordern, ist einfach vollkommen sinnlos.