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Freitag, 23. Januar 2026

Das konsequente Schweigen verwundert mich doch

 Anscheinend macht Arsène Wenger seine Drohung wirklich war und zerstört den modernen Fußball. Und sorgt damit für ein Comeback seines ewigen Konkurrenten José Mourinho. Also zumindest für den "Wir parken den Bus vor dem Strafraum" Fußball, den Mourinho zelebriert hat.

Denn das Tageslicht Abseits soll wirklich kommen. Nicht nur das, es soll vielleicht sogar zur WM eingeführt werden. Weil es für mehr Tore sorgen soll. Wie bescheuert ist das denn bitte? 

Also ich bin ja allgemein sehr skeptisch, dass das den gewünschten Effekt haben wird. Denn mit dieser neuen Regel würde es praktisch unmöglich werden, funktionierende Abseitsfallen zu stellen. Und Abseitsfallen sind essenziell für ein funktionierendes Pressing, da sie dafür sorgen, dass man das Spielfeld klein halten kann. 

Mein Standardsatz zu dem Thema ist: Wenn diese Regeländerung kommt, wird es unmöglich sein, einen Kylian Mbappé zu verteidigen. Also werden sich noch mehr Mannschaft im eigenen Strafraum verbarrikadieren, weil das ihre einzige Chance ist.

Dass der gemeine Fan und Facebook Kommentator das nicht bedenkt, kann ich ja noch nachvollziehen. Aber wenn man sie darauf hinweist, kommt doch meistens ein "verdammt, da könntest du recht haben." Aber dass keiner von den echten Experten auf diese Problematik hinweist, ist schon absurd. Vom Kicker erwarte ich das ja schon länger nicht mehr und Didi Hamann ist mit dem Herbeireden einer Torkrise von Harry Kane abgelenkt. Aber haben wir wirklich niemanden, der da irgendwelche Bedenken hat und diese auch aussprechen will.

Am meisten irritiert es mich, dass alle Trainer schweigen. Vor allem die Carlo Ancelottis, die jetzt direkt betroffen wären, wenn das zur WM eingeführt wird. 

Wir müssen noch mal kurz festhalten, wie absolut bekloppt das ist, eine derartige Regeländerung vor einer Weltmeisterschaft einzuführen. Nur um das offensichtliche festzuhalten: Wir reden hier von dem wichtigsten und prestigereichsten Turnier der Welt. DEM Sportswashing Event schlechthin. Man sollte solch massive Regeländerungen eher kurz nach als direkt vor einem Turnier einführen, damit alle die entsprechende Zeit haben, sich anzupassen.

Denn selbst wenn meine Prognose daneben liegt und es tatsächlich zu einem attraktiveren Spiel führt: Alle Verteidiger der Welt müssen trotzdem auf jeden Fall an die über Jahrzehnte antrainierten Instinkte und Reflexe überarbeiten. Denn wenn sie wie gewohnt rausrücken, kassieren sie ja garantiert ein Gegentor. Das sind Dinge, die sich nicht über Nacht umstellen lassen. Und als Nationaltrainer hat man dann 2 Wochen Zeit, seinen Spielern diese neue Regel einzutrichtern. Zeit, die man eigentlich mit dem Einstudieren von Spielzügen verbringen wollte.

Meine persönliche Prognose, falls das wirklich zur Weltmeisterschaft kommt: Die ersten 2 Spieltage werden verdammt verrückt. Fehlgeschlagene Abseitsfallen führen dazu, dass die Stürmer relativ unbedrängt auf den Torwart zulaufen. Also zumindest in den Spielen, in den der Außenseiter sich nicht aus Prinzip hinten einigeln. Dann stellen die Trainer fest, dass das Harakiri ist und sortieren ihre Mannschaften wesentlich tiefer. Ab dem Viertelfinale sehen wir dann grausam statische Spiele, weil niemand sich mehr traut, auf Abseits zu spielen. 

Und hinterher werden alle nur darüber reden, wie bescheuert es war, eine derartige Regeländerung kurz vor einer Weltmeisterschaft einzuführen. Denn dann war es plötzlich doch "absehbar", dass dies das Turnier ruinieren wird. 

Ich bringe jetzt mal ein historisches Beispiel: Die legendäre Rückpass-Regel wurde 1992 eingeführt. Sie kostete einigen fußballerisch limitierten Torhütern ihren Stammplatz. Diese Regel wurde aber erst nach der Europameisterschaft eingeführt, damit eben alle Torhüter der Welt 2 Jahre Zeit haben, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen, bevor ein großes Turnier ansteht. Dasselbe Prinzip wird immer angewendet, wenn sich die Regeln bei Elfmetern ändern. Und das sind relativ gesehen minimalistische Änderungen, weil sie ja immer nur 2 Spieler betreffen.

Aber die Rückpass-Regel wurde halt 1992 geändert. Damals saßen da noch Leute, die das Interesse des Fußballs vertreten haben. Und es wurde vernünftig gehandelt. Das ist leider lange vorbei.

Auch wenn es absurd klingt: Dass die Gianni Infantino jetzt so kurz vor dem Turnier überhaupt über so eine drastische Regeländerung nachdenkt, ist auch ein Symptom für die komplett kaputte Fifa. Vernünftig geführte Verbände würden derartige Ideen auf "Nach der WM" verschieben. Aber Infantino verspricht sich mehr Spektakel, also muss das jetzt durchgedrückt werden...

Mittwoch, 5. Juli 2023

War Wenger nicht mal einer von den Guten?

 Das ist offensichtlich lange her. Also als er Berater bei der Fifa wurde, hatte man ja zumindest kurz die Hoffnung, dass da jemand mit wirklicher Expertise mitmischt und vernünftige Regeländerungen einbringt. Ihm hätte ich zugetraut, dass er eine praktische Lösung für die ganzen Handelfmeter findet.

Und vielleicht wäre er sogar in der Lage, den Funktionären Contra zu geben. Aber das Gegenteil ist der Fall, der Mann ist voll auf Fifa Linie. Was genau genommen wenig überrascht, denn wenn es anders wäre, hätten die ihn nie angestellt.

Aber wenigstens sinnvolle Regeländerungen wird er doch einbringen. Ähm nein, stattdessen arbeitet er jetzt aktiv daran, denn attraktiven Fußball zu zerstören. Wenn ich das nicht mehr trainieren darf, dürft ihr das auch nicht mehr sehen! Oder so.

Die Regeländerung, die Arsene Wenger vorgeschlagen hat, klingt auf den ersten Blick harmlos: Man steht dann nur noch im Abseits, wenn alle Körperteile, mit denen man regulär ein Tor erzielen kann, dichter am gegnerischen Tor sind, als der vorletzte Verteidiger. Das soll dann die ganzen Diskussionen eindämmen und für ein attraktiveres Spiel sorgen.

Also um das zu verdeutlichen: Wenn der durchstartende noch seine Achillesferse auf Höhe des eine Abseitsfalle stellenden Verteidigers hat, kann er dann alleine aufs Tor zurennen. Kling doch geil. 50 % mehr Tore verspricht sich die Fifa.

Das Problem daran ist aber: Ein Kylian Mbappé ist schon kaum zu verteidigen, wenn er nur auf der gleichen Höhe starten darf. Wenn man den ganz praktisch einen halben Meter Vorsprung gibt, hat man gar keine Chance mehr.
Und da sagt Wenger dann: Das ist doch gut so, wir wollen ja mehr Tore. Die bittere Realität wird aber anders aussehen. Denn wenn man nicht mehr auf Abseits spielen kann, weil es praktische unmöglich ist, dann wird man einfach keine Abseitsfallen mehr stellen. Dann wird der klassische Kreisklassen-Libero sein Comeback in der höchsten Liga geben. Dann werden sich Mannschaften zwangsweise am eigenen 16er verbarrikadieren, weil das die einzige Chance ist, schnelle Stürmer zu verteidigen. Und das soll dann attraktiver sein?

Oder verkürzt ausgedrückt: mehr Mourinho, weniger Guardiola. Bei allem Respekt vor dem Trainer Mourinho: Das kann doch nicht gewollt sein. 

Und ja, funktionierende Abseitsfallen sind die Grundlagen für jedes Pressingsystem. Denn man muss das Spielfeld extrem klein halten, um mit 11 Leuten effektiv am gegnerischen Strafraum zu pressen. Und der einfachste Weg, diesen Druck auszuhebeln, sind dann lange Bälle. Und da sind wir dann wieder bei dem Punkt, dass der Angreifer auf einmal einen entscheidenden Vorsprung geschenkt bekommt. Das Risiko in einen langen Ball zu laufen, wird so viel größer, dass sie die Chance des Pressings für viele Mannschaften nicht mehr lohnen wird.

Und die Umschaltmomente werden so viel gefährlicher, dass eher vorsichtige Trainer ihre Mannschaft gar nicht mehr rausrücken lassen, wenn sie selber einen Konter starten können. Das ist dann einfach viel zu gefährlich. Und die meisten Trainer sind eher vorsichtig.

Diese Idee soll jetzt ja in Europa getestet werden. Ich hielt das ja für eine dieser Sommerloch-Nachrichten, aber sie kommt anscheinend wirklich. Hoffentlich übertreibe ich da mit meinem Pessimismus, aber es wird den Fußball nicht so verändern, wie Wenger sich das erträumt.

Aber das ist wahrscheinlich auch wieder der Punkt, an dem Wenger schon als Trainer hauptsächlich ans Angreifen gedacht hat und sich relativ wenige Gedanken darüber machte, wie man da als Verteidigung reagieren wird. Das war ja auch schon als Trainer sein fataler blinder Punkt. Deswegen hat er gegen Mourinho auch nur 2 von 19 Spielen gewonnen: Der Portugiese hat sich vorher angeguckt, wie Arsenal angreift und beschlossen: Ok, das mache ich kaputt. Und dann hat er die humorlos gegen eine Wand laufen lassen und die Punkte eingefahren. 

Und jetzt denkt er beim Regeln erstellen halt auch ausschließlich daran, welche Möglichkeiten dies den Angreifern eröffnen wird, und bedenkt in keiner Sekunde, wie sich die verteidigenden Mannschaften darauf anpassen werden. Also um mal kurz zu erörtern, dass Wenger nicht unbedingt unfassbar dumm, sondern nur unfassbar naiv ist...

Mittwoch, 3. Februar 2021

Endlich wieder was mit ABSEITS!!!

 War ja auch mal Zeit.

Also als ich vor Ewigkeiten diesen Blog angefangen habe, waren Abseitsentscheidungen und die Regelauslegung das Thema Nummer 1. Das, was heute das Handspiel und der Video-Assistent-Referee sind. Die Älteren unter uns erinnern sich. Deswegen heißt dieser Blog auch so, wie er heißt.

Nun hat sich beim Abseits einiges getan. Oder andere Dinge sind wesentlich offensichtlicher geworden. Oder man hat sich daran gewöhnt, dass die Regel mal wieder komplett weltfremd ist.

Nebenbei, als kurzer Einschub, ist es echt faszinierend, wie der VAR all seine Elfmeter immer wieder verkackt. Also eigentlich war dieses Spiel mal wieder Werbung für diese neue Idee. Denn in der allerletzten Minute sorgt er für große Emotionen UND mehr Gerechtigkeit. Man stelle sich vor, diese Szene hätte sich vor ausverkauftem Haus abgespielt: 15.000 Zuschauer starren gebannt auf den Schiedsrichter und seinen Monitor. Handy herausziehen um selber nachzugucken ist nicht, weil alle an ihren Fingernägeln kauen. Und dann der kollektive Aufschrei, wenn der Schiedsrichter auf den Elfmeterpunkt zeigt. Und der erneute Jubel, wenn der Elfmeter zur Verlängerung führt. Ganz großes Gefühlskino... Aber hinterher flucht Steffen Baumgart nur darüber, warum der VAR ein paar Minuten später nicht nachvollziehbarer Weise nicht eingegriffen hat. Wobei diese Entscheidung ja korrekt gewesen sein soll.

Und das ist das eigentliche Problem, über das halt jetzt nicht geredet wird: Wenn Stieler in diesem Moment regelkonform gehandelt hat, dann ist diese Regel Scheiße. Kompletter, absoluter, unfassbarer Bullshit.

Warum? Nun ja: Der offensiv und aggressiv auftretende Außenseiter wird für diese Spielweise bestraft. Wer denkt sich solche Regeln aus? Die Spielweise von Paderborn sollte vom Regelwerk gefördert werden und nicht das "Wir mauern mit 10 Mann am eigenen Strafraum". Aber wenn Paderborn das macht, kriegen sie zumindest dieses Gegentor nicht.

Und das ist ja das völlig absurde: Die verzweifelte Abwehraktion von Svante Ingelsson stellt eine neue Spielsituation her? Das kann doch nur jemand behaupten, der selber nie gegen einen Ball getreten hat. Also, selbst wenn er mit der Aktion die Flugbahn des Balles verändert hätte, wäre das immer noch...

Kurzes theoretisches Szenario: Spieler X steht 5 Meter im Abseits. Ich gehe in einen Luftzweikampf mit Spieler Y, gewinne diesen gerade so... aber lenke den Ball direkt zu Spieler X. Der schießt den Ball regelkonform ins Tor. Ich werde dafür bestraft, dass ich meinen Zweikampf technisch gesehen gewonnen habe. Der Gegner zieht einen krassen Vorteil aus einer Abseitsstellung. Das kann doch nicht gewollt sein.

Nun ist es einfach über Regeln zu fluchen und schwierig konstruktive Vorschläge zu machen. Moment, ist es nicht. Die Lösung wäre einfach, man schreibt beim Handspiel ab. Ja, wirklich. Also beim Offensiven Handspiel.

An der Stelle muss ich zugeben, dass meine Offensive Handspiel Regel anders aussehen würde: Pfeift einfach sofort ab, sobald jemand den Ball in der gegnerischen Hälfte den Ball an die Hand bekommt. Konsequent und sofort. Aber wie wir vor einigen Wochen festgestellt hat, gibt es ja klare Regeln wie viele Spieler zwischen Handspiel und Torschuss am Ball gewesen sein müssen, damit das Tor zählt. 

Faszinierender Weise kam diese Regel ja letztens in der Bundesliga zur Anwendung. Ich glaube sogar 2 Mal an einem Wochenende. Allerdings finde ich jetzt das entsprechende Spiel nicht mehr. Wenn ich mich richtig erinnere, ist die Zahl 3. Also wenn der 3. Spieler nach dem Handspiel das Tor erzielt, zählt es, wenn schon der 2. den Ball über die Linie schiebt, zählt es nicht. Einfach und nachvollziehbar, weil man es an einer Hand abzählen kann.

Warum nutzt man nicht eine ähnliche Regel beim Abseits. Also die erste Ballberührung stellt noch keine neue Spielsituation dar und der Spieler steht weiterhin im Abseits. Wenn man dem Gegner allerdings mit dem 2. Kontakt in den Lauf legt, gilt das als eigene Inkompetenz und damit muss man dann leben. Einfach und nachvollziehbar. Und man kann dadurch die Debatte sparen, ob Ingelsson am Ball war oder nicht.

Und nur um das nochmal festzuhalten: in die Position einen durchstartenden Spieler mit einer derartigen Grätsche ins Spiel zu bringen kommt man nur, wenn man hoch verteidigt und aktiv am Spiel teilnimmt. Genau das, was wir sehen wollen. Das Regelwerk sollte immer so gestaltet werden, dass es mutiges Spiel nach vorne fördert. Diese einfach und nachvollziehbare Regeländerung würde dies tun, während sie den "Wir stehen mit 9 Mann am eigenen Strafraum und schicken dann unseren einen schnellen Angreifer" Mannschaft das Umschalten erschweren würde.

Da sich Baumgart aber in epischer Weise über den VAR beschwert, geht die Debatte am eigentlichen Problem vorbei. Auch wenn festzuhalten bleibt, dass die Ausführungen von Baumgart echt grandios waren. Das faszinierendste war, wie er dann plötzlich wieder ruhig und sachlich wurde, als er über den Rest des Spiels redete. Bleibt zu hoffen, dass der DFB einsieht, dass er recht hat und auf eine Strafe verzichtet... 

Was mich jetzt ja wirklich interessieren würde, ist Baumgarts Reaktion auf das "Stieler hat korrekt gehandelt"... damit dann mal jemand ausspricht was offensichtlich ist: Wenn das korrekt sein soll, ist die Regel bescheuert.

Dienstag, 25. Februar 2020

Arsene Wenger - Vollidiot der Woche.

Ok, eigentlich sind das natürlich die paar Deppen aus dem Gladbacher Fanblock. Wie man in Zeiten, in denen derartige Aufrufe zum Mord immer häufiger einfach mal umgesetzt werden (von noch größeren Idioten, aber die findet man immer) Plakate mit Fadenkreuzen über Dietmar Hopps Konterfei hochzuhalten... und sich dann irgendwie auf die Strafe der Dortmunder Fans, mit denen man sich solidarisieren wollte, zu schieben... In welchen Kellern leben solche Menschen, dass sie von Hanau nichts mitbekommen haben? Oder schafft man es einfach nicht zu reflektieren, was so außerhalb eines Stadions passiert.

Wo wir das aus dem Weg gebracht haben... Arsene Wenger. Der war mal ein Vordenker des Fußballs und Liebhaber des Schönen Spiels. Nach seiner letzten Aussage hoffe ich irgendwie, dass er Trainer bei den Bayern wird, anscheinend hat er jegliche Kompetenz verloren. Klingt übertrieben? Lasst es uns mal ansehen:

Wenger will als "Head of Global Developement" die Abseitsregel reformieren. Also komplett. Zitat: "Man ist nicht im Abseits, wenn ein Körperteil, mit dem man ein Tor erzielen kann, noch hinter dem letzten Verteidiger oder auf gleicher Höhe ist." 

Dieser Vorschlag ist so absurd, dass die Probleme, die die Sportschau anspricht, noch nicht mal relevant sind. Also dass es in einer Spielertraube quasi unmöglich macht zu entscheiden, ob ein Körperteil jetzt noch "onside" war oder nicht. Und das die Milimeter-Entscheidungen weiterhin bestehen bleiben würden. Viel schlimmer ist, dass dadurch alle Trainer zu José Mourinhos verkommen würden. Also verkommen müssten.

Klingt übertrieben? Nun ja... denkt mal drüber nach. Spieler wie Timo Werner, Kylian Mbappé, Neymar, Lionel Messi, Ousmane Dembélé, Gareth Bale, Mo Salah, Sadio Mané, Kingsley Coman und Serge Gnabry sind jetzt schon kaum zu verteidigen. Also selbst wenn man auf gleicher Höhe starten darf, ist es mehr oder weniger Wahnsinn gegen solche Leute auf Abseits zu spielen. Zumindest für die normalsterblichen Fußballvereine. Deswegen steht man gegen solche Vereine ja gerne sehr tief.
Aber selbst ein Eric Thommy ist offensichtlich kaum zu halten, wenn er einen Vorsprung kriegt... und der spielt nur bei Fortuna Düsseldorf...

Jetzt stelle man sich vor, derartige Spieler kriegen einen viertel bis halben Meter Vorsprung. Die revolutionäre Taktik wäre: Bei Ballverlust langer Hafer nach vorne und der Stürmer sprintet los. So was gibt es ja in Umschaltsituationen heute schon. Nur ist auf Grund der Geschwindigkeit das Ganze nur zu verhindern... nun ja... in dem man einen oder 2 Verteidiger am 16er abstellt? Also den ganz klassischen Libero zurück bringt? Sich kollektiv 15 bis 20 Meter tiefer aufstellt? Also auch bei eigenem Ballbesitz, weil man sonst keine Chance hat diese Momente zu verteidigen?
Der Optimistischste Fall ist, dass jeder Torhüter zu Manuel Neuer, aber selbst der kann ja offensichtlich nicht alle Bälle perfekt ablaufen...

Oh und Flanken aus dem Halbfeld auch nur noch verteidigen kann, in dem man sich im 5 Meter Raum einbuddelt. Also ich verweise auf diese "ONSIDE" Twitter Grafik... Wie will man da als Verteidiger sonst eine Chance haben.

Das Ergebnis? Die Standard-Taktik wird ein 7-0-3 System. Also das, was Barca am Ende mit Neymar, Luis Suarez und Messi gespielt hat, nur noch überspitzter. Man vergräbt sich am eigenen Strafraum, weil man keine schnellen, nicht zu verteidigenden Gegenangriffe zulassen kann. Man prügelt den Ball dann lang auf seiner 3 Stürmer und rückt langsam nach, traut sich aber selbst bei eigenem Ballbesitz kaum aus dem Strafraum. Also ja, wie Mourinho damals gegen Barca, nur noch weniger spannend...
Weil ja auch Barca es sich nicht mehr leisten kann, geschlossen bis zur Mittellinie aufzurücken, da an dieser Mittellinie der eine schnelle Chelsea Angreifer auf den langen Ball wartet. Immer sprintbereit und mit einem Bein in der Gegnerischen Hälfte. Also es gibt im Extremfall keinen Grund, nicht wie ein 100 Meter Sprinter auf den Startschuss Ballgewinn zu warten...

Die Räume würden extrem groß werden. Konsequenten Angriffsfußball spielen zu lassen, wäre reiner Wahnsinn und Usain Bolts Traum einer Fußballerkarriere erfüllt sich doch noch. Hätte nie gedacht, dass Wenger heimlich davon träumt Usain Bolt aufzustellen und sehr britisch spielen zu lassen.

Fußball ist ja sowieso die Sportart, in der extrem viel Raum von extrem wenigen Menschen bearbeitet wird. Also verglichen mit Handball oder Basketball, als erstes Beispiel. Also wir haben 324 qm² pro Teilnehmer... Das erscheint mir zu viel, ich meine, kriege mal so viel Wohnraum in einer Deutschen Großstadt... Aber wenn ich 7.140 qm² (das kommt bei den Wikipedia Standard-Maßen von 105m*68m raus) durch 22 rechne, kommt das bei mir raus... Beim Handball (20*40 sind 800, durch 14 sind nur 57 qm²) kommt man auf bezahlbare Mietpreise...

Jedenfalls wird Fußball ja nur deswegen "spielbar", weil man die Fläche effektiv verkleinern kann. Durch Abseitsstellungen. Das ist zwar, je kurzsichtiger die Linienrichter sind, riskant... falls man überhaupt in einer Liga spielt, in der es genügend davon gibt. Aber je höherklassig man kommt, um so zuverlässiger funktioniert das. Und nur dadurch sorgt man dann dafür, dass man doch wieder Lösungen in Hohem Tempo auf kleinen Raum suchen muss, was ja genau der Moment ist, in dem Fußball spannend wird. Weil beide Mannschaften dafür sorgen können, dass der bespielbare Raum plötzlich doch eher nach einer Wohnung in Berlin als nach einem Landhaus in Brandenburg aussieht.

Wie ein ehemals renommierter Trainer auf die Idee kommen kann diese essenzielle Regel elementar auszuhebeln, bleibt mir ein Rätsel. Wenn ich so was in den Kicker Leserbriefen finde (und ja, ich habe das auch da letztens gefunden), schmunzele ich kurz. Aber wenn sich die Idee in den Köpfen von Leuten, die sich Gedanken um das Spiel machen sollten, breit macht...

Montag, 27. Februar 2017

Das Karlheinz Rummenigge so ein schlechter Verlierer ist...

Was würde ich nur ohne ihn machen...

Natürlich... hat der gute Kalle auch extrem wenig Erfahrungen mit Niederlagen... wie das so ist, als Bayern München Anhänger... man kommt einfach kaum dazu den Umgang mit solchen Momenten zu üben...

Und da man dann ja auch unwidersprochen seinen Bullshit verbreiten kann, fällt es einem selber wahrscheinlich gar nicht auf, wie viel Unsinn man da verbreitet... Aber ganz ehrlich, dass Rummenigge selber jetzt seinen absoluten Tiefpunkt als Bayern-Präsident selber und unmotiviert wieder auspackt... Ist irgendwie schon eine absurde Kombination von Kindergartenniveau und Elefantengehirn...

Vielleicht könnte man einfach mal Würde zeigen und anständig verlieren... aber warum sollte man...

Das faszinierende ist ja, dass die "Der Videoschiedsrichter erlaubt solche Fehlentscheidungen, wie sie in Madrid zu unseren Lasten getroffen wurden, ja gar nicht."Aussage absoluter Bullshit ist.

Gehen wir die 7 Fehlentscheidungen, wie sie der Kicker hinterher aufgezählt hat, noch mal durch und wenden den Videobeweis, so wie er jetzt funktioniert, auf ihn an:
Die Entscheidungen 1, 4 und 5 (also kurz zusammengefasst der früher fällige, falsche oder ausgebliebene Platzverweis für Vidal und Casemiro) betreffen halt den Videoschiedsrichter nicht. Es sind nur Gelb-Rote Karten, die aus irgendwelchen Gründen von der Überprüfung ausgeschlossen sind. Wenn der Schiedsrichter eine Tätlichkeit übersehen hätte... Oder für eine klare Rote Karte nur Gelb gezeigt hätte... dann könnte Kalle mit diesen Beispielen argumentieren. So sind das genau die Fälle, die wir nicht über den Videoschiedsrichter geregelt sehen wollen, weil sie dazu führen würden, dass jede Verwarnung überprüft werden muss... was Ewigkeiten dauert.

Der Abseitspfiff in der 66. Minute gegen Robert Lewandowski... ich sag das mal so... Kalle kann ja mal beim  1.FC Köln nachfragen, wie das läuft, wenn der Schiedsrichter fälschlicher Weise auf Abseits entscheidet.
Dagegen wird dann... das 2:1, welches die Verlängerung überhaupt ermöglicht, zurückgenommen... genau wegen Abseits.
Damit hat Rummenigge natürlich am Ende Recht: Der Videobeweis hätte ihm viele Nerven erspart, weil die Bayern ohne Verlängerung ausgeschieden wäre. Gut für ihn.

Natürlich hätten das 2:2 und das 2:3 auch nicht gezählt. Aber wir wären ja gar nicht in die Situation gekommen, diese zu brauchen.


Lustiger Weise (um wirklich mal nen Sinnvollen Gedanken zu äußern) zeigen gerade die "Abseitstore" ein ganz großes, weitgehend ignoriertes Problem mit der derzeitigen Umsetzung des Videobeweises, welches dringend gelöst werden muss: Wann pfeife ich eigentlich noch Abseits? Genau genommen am besten gar nicht mehr. Denn wenn die Großchance nicht genutzt wird, geht es mit Abstoß weiter. Wenn sie genutzt wird, greift der Videobeweis und verhindert die Fehlentscheidung.
Dass dies der richtige Ansatz wäre, beweist uns das Spiel Hannover - Köln. Dort werden dem 1.FC zunächst 2 Großchancen zurück gepfiffen, weil der Linienrichter die Angreifer im Abseits gesehen haben wollte... Nur damit der Videoassistent dann beim Abseitstor von Claudio Pizarro doch eingreift.
Eine sachlich gesehen definitiv unfaire Anwendung des Videobeweises. Denn er verhinderte 3 Großchancen für die Kölner. 2 zu unrecht... Aber das konnte man nach dem Pfiff ja nicht mehr ändern...

Und das ist eine ganz spannende Frage, die der Fußball als ganzes für sich klären müssen: Lassen wir in Abseitssituationen ab sofort weiter spielen und überprüfen sie im Zweifelsfalle nach dem erzielten Tor? Das wäre die faire Umsetzung, denn so könnte man relevante Fehlentscheidungen ausschließen. Es wäre aber auch das Ende jeder Emotion beim Torjubel, weil dann wirklich jeder 2. Treffer hinterher kontrolliert werden müsste.

Oder legt man fest, das Abseitsentscheidungen allgemein nicht "Reviewable" sind. Damit solche Situationen wie in Köln, dass der Videobeweis konstant zu Lasten einer Mannschaft ausgelegt wird, vermieden werden. Diese Entscheidung würde die Emotionen auf dem Platz schützen. Aber bei jedem Abseitstor würde hinterher die Diskussion losgetreten werden, ob das Sinnvoll ist.

Und es gibt keine gute Antwort. Fakt ist: Die Zwischenlösung "Wenn jemand wegen Abseits fälschlicher Weise zurück gepfiffen wird, hat er Pech, wenn er ein Abseitstor erzielt auch" kann nicht das Endergebnis sein.

Bevor jetzt jemand mit dem "Ist doch nur Abseits" kommt... geht mal kurz in euch und fragt euch, wie viele Hauchdünne Abseitsentscheidungen es jedes Wochenende... ich verweise spontan auf RB Leipzig gegen den Hamburger SV... in den es so hauchdünnes Abseits gab, dass selbst der Videobeweis nicht eingreifen konnte. (oder, für die Verschwörungstheoretiker unter uns, die DFL war damals noch im "Wir müssen den HSV irgendwie retten, die haben ja so sympathische Fans" Modus...)
Und solche Szene gibt es erschreckend häufig. Meistens werden sie einfach nur ignoriert, weil sie nicht Spiel entscheidend sind. Oder nicht in absoluter Strafraumnähe passieren. Und dann gibt es Spiele, in denen es 3 Mal innerhalb von 93 Minuten passiert.
Und das formuliere ich nicht mal als Vorwurf an die Linienrichter. Bei den Geschwindigkeiten, in denen Fußball mittlerweile gespielt wird und den gegensätzlichen Bewegungen von Angreifern und Verteidigern ist es unfassbar schwierig immer die richtigen Entscheidungen zu treffen, wenn ein 30 Meter Steilpass auf eine Abseitsfalle trifft. Im Wesentlichen verlässt man sich auf seine Erfahrungswerte. Und es ist faszinierend, wie oft diese Erfahrungswerte richtig liegen... Aber wenn "Oft genug richtig liegen" im Fußball reichen würde, hätten wir gar keinen Videobeweis. Denn das machen die Schiedsrichter ja allgemein...

Dass die Uefa an der Stelle sagt "Unser wichtigster Wettbewerb ist keine Laborratte"... erscheint auf ein Mal erstaunlich sinnvoll. Geradezu Alternativlos.
Und ja, wenn wir uns für eine allgemein akzeptierte Lösung bei Abseitsentscheidungen entschieden haben, kann man den Videobeweis nicht in der Champions League einführen. Und allgemein akzeptiert heißt an der Stelle, dass man sich wirklich geeinigt hat und das Abseits-Fass nicht jedes Mal, wenn die Entscheidungen zu seinen eigenen Lasten ausfallen, wieder auspackt.

Rummenigges Aktion hilft bei der eigentlich wichtigen Auseinandersetzung mit dem Problem mal wieder überhaupt nicht. Weil er wie immer das eingeschnappte Kind spielt, welches nur seinen eigenen Vorteil und seine eigene Position sieht. Anstatt mal einen sachlichen Diskurs zu führen, wo wir mit dieser Neuerung hinwollen...
Und ja, ein Diskurs über die Anwendung des Videoschiedsrichters beim Real - Bayern Rückspiel wäre extrem sinnvoll. Also dass man sich dieses Spiel wirklich nochmal anguckt und sich dann fragt: Wäre es vielleicht doch sinnvoll, dem Schiedsrichter schon bei möglichen Gelb-Roten Karten unter die Arme zu greifen? Oder muss man dann nicht auch die Gelben Karten, die langfristig zu einem Platzverweis führen können, überprüfen?
Und in dem man anhand dieses Spiels mit 4 entscheidenden Abseitsentscheidungen (2 für jede Mannschaft) mal das Problem erörtert, wie der Videobeweis mit diesen Szenen umgehen sollte. Aber all das halt sachlich, was ein Rummenigge anscheinend nicht kann oder will...

Da aber die großen Vereine hauptsächlich von solchen Egomanen geführt werden, gibt es auch wenig Hoffnung, dass die eigentlich wichtigen Fragen beim Videobeweis jemals gelöst werden... aber hey, immerhin unterhält mich der Kalle...

Mittwoch, 2. April 2014

Warum diskutieren wir eigentlich ständig über die Torlinientechnologie?

Und tun so, als würden in diesen Momenten die Meisterschaften entschieden?

Ganz ehrlich: Wie oft im Jahr entscheiden diese Millimeterentscheidungen Fußballspiele? Das Paradebeispiel war natürlich an diesem Wochenende bei dem Spiel VfL Wolfsburg - Eintracht Frankfurt: Ob Kevin Trapp den Ball in der 64. Minute wirklich vor der Linie halten konnte, hätte wohl nur die Torlinientechnologie entscheiden können... Dass Joselu 2 Minuten später nicht im Abseits stand, war dagegen durch die Fernsehbilder relativ schnell zu belegen.

Nun geht mal kurz in euch: Wie viele Spiele hätten durch die Einführung der Torlinientechnologie einen anderen Verlauf genommen? Hoffenheim - Leverkusen, klar. Aber wegen einen absurd unglücklichen Unfall 500.000 Euro in jedes Stadion zu stecken ergibt doch auch wenig Sinn. Vor allem, wenn ihr mal nachrechnet, wieviele knappe Abseitsentscheidungen es in dieser Saison gab...

Immerhin sind wir mittlerweile so weit, dass wir von knappen Abseitsentscheidungen sprechen und nicht wie (früher und gerade bei Weltmeisterschaften) von Metern. Trotzdem gibt es immer wieder Szenen, wo selbst die Fernsehkommentatoren nur mit einem "das war aber mit bloßem Auge nicht zu erkennen" und "im Zweifelsfall für den Angreifer" reagieren können. Und das hohe Tempo in der Bundesliga macht es quasi unmöglich diese Entscheidungen richtig zu treffen. Wahrscheinlich verlassen sich die Assistenten sogar auf ihre Erfahrungswerte...

Warum also wollen wir eine Torlinientechnologie einführen, die wir vielleicht 2 mal im Jahr brauchen... wenn wir den Schiedsrichtern viel mehr helfen würden, wenn wir ein Programm entwickeln, dass sofort anzeigt, wenn jemand im Abseits steht? Wird nicht mittlerweile eh jede Bewegung der Fußballer erfasst? Oder wie ermitteln die sonst die Laufleistungen? Kann man da nicht ein Programm schreiben, dass dem Assisten bescheid gibt, ob ein Spieler im Abseits steht oder nicht? Und der Assistent muss dann nur noch entscheiden, ob es passiv oder aktiv war? Technisch gesehen sollte das doch möglich sein, oder?

Und vor allem: Jetzt, wo das Kind (international) in den Brunnen gefallen ist, wird die Debatte doch eh kommen... Rechnen wir mal kurz die Wahrscheinlichkeiten durch: Zwischen Wembley 66 und Free State 2010 vergingen 44 Jahre... Rein Mathematisch dürfte es aber Ewigkeiten dauern, bis die Torlinien-Technik beim größten Turnier gebraucht wird. Aber: Es wird bei dieser WM jemand wegen einer knappen und falschen Abseitsentscheidung ausscheiden. Und dann wird dieser jemand laut fragen, warum das eine, selten vorkommende Problem durch die Technik gelöst wurde und das andere in jedem Spiel vorkommende nicht? Die Frage ist halt nur, ob dieser "Jemand" aus Brasilien oder Algerien kommt...

Und dann wird es noch 10 bis 20 Jahre (oder halt: bis es wirklich mal einen der großen Titelfavoriten trifft) dauern bis auch die Bürokraten erkannt haben, dass die Argumentation logisch ist. Das eine durch die Technik zu lösen und das andere nicht... ist reine Willkür. Wenn man den Fußball für technische Hilfsmittel öffnet, wird man die Debatte, wo das aufhören soll, nie wieder los.

 Als nächstes wird dann wahrscheinlich über den Videobeweis bei Platzverweisen diskutiert werden... Usw.-
Ich behaupte nebenbei nicht, dass wir diese Technologie unbedingt brauchen... ich behaupte nur, dass die Debatten über technische Hilfsmittel bei der Frage "Tor oder nicht Tor" nicht enden wird. Sondern wahrscheinlich erst, wenn der Schiedsrichter komplett abgeschafft worden ist... Ob diese Hilfsmittel dem Fußball dann wirklich weiter Helfen, bleibt unklar...