Montag, 15. April 2024

Worst of des "Die größte Herausforderung der Wekself" Wocheendes

Die marschierten ja so souverän durch die Bundesliga, dass die größten Herausforderungen nicht auf dem Platz passierten. Das fiel ja schon beim Platzsturm in der 83. Minute an. Der Moment, in dem Florian Wirtz über einen Wechsel zum Rekordmeister nachgedacht hat, weil ihm das doch ein bisschen zu heiß wurde. Das dürfte nebenbei der erste Platzsturm in der Geschichte der Bundesliga gewesen sein... Alles für den Spielabbruch!

Was auch wesentlich besser gewesen wäre. Nächste Woche wäre sachlich gesehen echt besser gewesen. Und ob Werder Bremen jetzt 3 Punkte geschenkt bekommt, oder nicht, ist auch egal. Aber Leverkusen ist jetzt noch im kollektiven Vollrausch... und muss Donnerstag schon wieder Leistung bringen. Da dürfen die dann nicht verkatert sein. Gibt's da was von Ratiopharm? 

Das ist halt der Unterschied zwischen einer Meisterschaft der Bayern im April: Die würden jetzt mit alkoholfreiem Weißbier feiern, weil ihnen absolut bewusst ist, dass sie unter der Woche die nächste Herausforderung auf dem Spielplan haben. Und weil die sich auch nicht so wirklich freuen, wenn sie "nur" deutscher Meister werden.
Nebenbei ist es auch faszinierend, dass selbst der ultimative und originale Plastikklub am Ende solche emotionalen Ausbrüche auslöst, während eine weitere Meisterschaft bei einem der Traditionsklubs nur ein Schulterzucken hervorruft.

Oh und die wichtigsten Fragen lauten ja: Dürfen die Damen der Bayern jetzt alleine auf den Balkon? Die werden schließlich Meisterin. Und zuletzt wirkte es ja schon so ein bisschen, als würden die auch eingeladen werden, weil die Bayern sich schämen, wenn die "nur eine" Trophäe präsentieren. Und passen die Bayern jetzt trotzdem den Briefkopf an? Kann Harry Kane bei denen am letzten Spieltag für 30 Sekunden eingewechselt werden, damit der seinen ersten Titel bekommt?

Werder Bremen ist, der Vollständigkeit halber, seit 8 Spielen sieglos. Seit dem Überraschungssieg gegen die Bayern am 18. Spieltag konnten sie nur 2 von 10 Spielen gewinnen. Das nennt man "Die Bilanz eines Absteigers"... außer man spielt in der Bundesliga, da ist es egal. Wie auch dieses Spiel, so emotional es für Bayer war, formal egal war.

Genauso wie Augsburg - Union am Freitag, auch wenn Unions Trainer jetzt doch wieder den Abstiegskampf ausrufen muss. Ich habe ja allerhöchsten Respekt vor der Arbeit, die beide Vereine abliefern, aber frage ich mich, wer sich dieses Spiel freiwillig an einem Freitagabend anguckt... Und Diogo Leite dachte sich wohl dasselbe und kam zu dem Schluss: Wenn niemand zuguckt, kann ich auch was richtig Dummes machen.

Und der Sonntag wurde mit Freiburg - Darmstadt abgerundet. 3 belanglose Spiele an diesem Wochenende, 18 für die Saison.

Faszinierender Weise waren am Samstag alle Spiele irgendwie relevant. Auch wenn uns beim 3:0 von Stuttgart gegen Frankfurt nochmal deutlich gemacht wurde, wie groß der Unterschied zwischen Rang 6 und Rang 3 ist. Denn Stuttgart gewann ja ohne größere Anstrengungen mit 3:0. 

An der Stelle muss natürlich zugegeben werden, dass der 1.FSV Mainz den Abstiegskampf wieder "spannend" macht. Dazu muss ich mich morgen ausführlich äußern. Wobei (Spoiler) die ja auch "nur" den Kampf um die Relegation wieder spannend machen. Und dort setzt sich dann eh der VfL Bochum dank eines Tores von Keven Schlotterbeck durch. Die einzige offene Frage ist, ob der vorher wieder ein Eigentor schießt...

Als Nächstes muss man sich dann fragen, ab wann Köln "nur noch um die Ehre" spielt. Natürlich haben die gerade ihre beste Saisonleistung gegen die Bayern abgerufen... so wie gerade alle ihre beste Saisonleistung gegen genau die abrufen. Der Unterschied zum Rest ist halt, dass sie trotzdem nichts geholt haben.

Mittwoch, 10. April 2024

Warum gibt es das nicht wöchentlich?

 Das frage ich mich, glaube ich, auch nicht zum ersten Mal.

Also nachdem ich mich gestern gefragt habe, warum niemand vernünftig über den nicht gegebenen Elfmeter für Robin Koch diskutiert wird, gab es eine wirklich fragwürdige Entscheidung.

Eine Entscheidung, bei der Harry Kane hinterher tatsächlich zugab, dass er dafür einen Elfmeter haben wollen würde, wenn ihm das passiert. Und da kann dann der Kicker nicht einfach schweigen. Also holt man nach 13 Monaten wieder Lutz Wagner aus dem Keller und lässt den auf Kicker.de schreiben. Weil der schon vor 13 Monaten bewiesen hat, dass er die Regeln im Zweifelsfall pro Deutschland auslegt, deswegen kann man ihn das machen lassen.

Nebenbei fällt mir dabei auf, dass auch ich nicht von der "Vereinsbrille" verschont bin. Denn für mich ist das ein klarer Elfmeter, weil ich halt prinzipiell gegen die Bayern bin. Aber im Gegensatz zu all den anderen ist mir das bewusst. Und ich verweise auf Kanes Aussage, und verdeutliche den Bayern-Fans damit, dass sie auf der Gegenseite einen klaren Elfmeter gesehen hätten.
Deswegen bin ich auch so fasziniert, dass der Kicker selbstbewusst von "richtig in der Nachspielzeit nicht auf Elfmeter zu entscheiden" schreibt. Die müssen auch einfach regelmäßig beweisen, dass sie keinerlei journalistischen Anspruch haben, sondern einfach nur Fans von deutschen Mannschaften sind. Denn die sachlich richtige Einschätzung bleibt: Da hätte man Elfmeter geben können, es nicht zu tun ist aber durchaus vertretbar. Da hatten die Bayern auch ein wenig Glück.

Und letzter Einschub: Als ich ein Mal gegen A-Jugend Bundesligisten in der Kreisklasse spielen durften (die kurze Variante: Die A-Jugend von Hansa Rostock wechselte zum FSV Bentwisch und spielten deswegen ein Jahr gegen "uns", wo sie durchmarschierten), gab es genau den Elfmeter, den Arsenal produziert hat. So viel zum "Kinderfehler"...

Anyhow, ich frage mich jetzt dasselbe, wie damals: Warum macht Lutz Wagner in seiner Rolle als "Leitender Koordinator des DFB für Regelauslegung" das nicht jede Woche? Warum erklärt er uns in einer wöchentlichen Kolumne nicht, wieso der VAR hier eingriff und da nicht? Warum es bei Koch keinen Elfmeter war und ob das so richtig war. Damit man eine vernünftige Gesprächsgrundlage hat. Und damit man auch weiß, wie die DFL und der DFB diese Szenen einschätzen.

Die einfache Antwort lautet: Weil er dann die eigenen Schiedsrichter kritisieren müsste und er dann als Nestbeschmutzer gilt. Denn der Einzige, der dies regelmäßig im aktuellen Sportstudio macht, ist Manuel Gräfe. Und der gilt bei den Kollegen als "Persona non grata".
Ernsthaft, wenn ihr mit Schiedsrichtern über Gräfe redet, bekommt ihr eine komplett gegensätzliche Meinung zur restlichen Öffentlichkeit. Was eigentlich alles über die Kritikfähigkeit dieser Gilde aussagt.

Wobei die Lage ja noch viel schlimmer ist. Denn die anderen ausländischen Gilden darf man ja kritisieren, nur die eigene nicht. Über einen jungen schwedischen Schiedsrichter zu urteilen, ist da kein Problem. Einen Niederländer öffentlich anzuzählen, weil er eine Entscheidung gegen die Deutschen getroffen hat, ist eine logische Konsequenz. Aber wenn ein Mann aus Wangen schwer nachvollziehbare Entscheidungen trifft, ist halt niemand verfügbar, der das einordnen kann. Das ist und bleibt einfach nur erbärmlich.

Und schade, weil die Schiedsrichter ja genau diejenigen wären, die eine sachliche Diskussionsgrundlage für die heiß diskutierten Entscheidungen des Wochenendes geben könnten. Aber wir haben weiterhin keine Ahnung, wie sie die Szene vom Freitag einschätzen. Obwohl das so viel wichtiger wäre, als die Frage nach dem absurden Handelfmeter...

Deswegen drehen sich die Diskussionen ja auch weiterhin im Kreis. Wir haben in den letzten 5 Jahren weder beim VAR noch beim Handspiel wirkliche Fortschritte erreicht. Aber wir haben diese Fragen auch nie aus einer sachlich neutralen Position betrachten und auseinandernehmen lassen.

Lutz Wagner wird jetzt wieder für ein Jahr schweigen, bis dann im nächsten Viertelfinale die nächste fragwürdige Entscheidung gegen eine deutsche Mannschaft getroffen wird. Dann hat sein Handy plötzlich wieder Empfang und er kann ganz selbstverständlich eine Kolumne dazu schreiben...

Dienstag, 9. April 2024

Worüber schon wieder gar nicht geredet wird

 Obwohl man dringend darüber reden sollte... ist der nicht gegebene Elfmeter für Eintracht Frankfurt. Und vor allem die Reaktion von Robin Koch nach dem Spiel im Sportschau Spielbericht: "Muss mich wahrscheinlich einfach fallen lassen, dann gibt's bestimmt Elfmeter."

Was für eine vernichtende Aussage über den VAR: Es sind sich alle einig, dass es auf diese Situation einen Elfmeter geben muss, aber es gibt ihn nicht, weil sich der Spieler nicht theatralisch genug verhält. Und trotz des VARs, der ja eigentlich für mehr Gerechtigkeit sorgen soll, werden die fairen Spieler, die den Abschluss suchen, bestraft und die Schauspieler, die aus jeder Berührung ein Drama machen, weiterhin belohnt.

Dabei, und da klinge ich ja wie eine kaputte Schallplatte, hätte der VAR genau das abschaffen können. Wenn es oft genug in Situationen wie am Freitag Elfmeter gibt, während die Schiedsrichter beim theatralischen Abheben häufiger sagen "Das ist mir zu inszeniert, das reicht mir nicht", dann würden die Spieler auch viel konsequenter den Abschluss suchen. Und dann hätte der VAR auch eine ganz andere Akzeptanz, weil er für eine Verbesserung des Spieles gesorgt hätte.

Stattdessen gibt es immer noch Stürmer, die sich an Schwalben versuchen. Im verflixten SIEBTEN Jahr nach der Einführung. Obwohl allen Spielern bewusst sein sollte, dass selbst eine "erfolgreiche Schwalbe" durch den VAR Eingriff korrigiert werden würde. Einfach nur, weil wir als Fußball Gemeinschaft zu dumm sind.

Denn das ist jetzt auch die neue Erkenntnis und der Fortschritt zum letzten Rant zu diesem Thema: Robin Kochs Reaktion ist ja das berühmte "Pfeifen im Walde". Dass er das so rausgehauen hat, geht komplett unter, obwohl es das wichtigste Thema des Wochenendes sein sollte.

Kicker.de erwähnt den Fehler von Robert Hartmann in dessen Bewertung. Aber das strukturelle Problem dahinter, wird nicht erwähnt.
Auf Sport1 findet man nichts dazu, und falls es im Doppelpass diskutiert wurde, dann nicht so heftig, dass es viral ging.
Die Memes beschäftigen sich auch lieber mit Nico Schlotterbecks "Gomez der Woche" Gedenkfehlschuss.
Die anderen Trainer schweigen auch konsequent.

Ernsthaft, stellen wir uns mal kurz vor, ein Christian Streich würde das jetzt aufgreifen "Isch bin schja nischt betroffne, deschwegen kann isch jetzt mal sagen"... Der könnte die Debatte in Gang bringen, warum es solche Fehlentscheidungen immer noch gibt. Warum wir unsere Spieler immer noch zu Schauspielern erziehen, obwohl das niemand sehen will. Er war ja als Trainer selbst bei seinen eigenen Schützlingen gegen solche Einlagen und gilt als moralische Instanz. Aber weil es nicht um seinen Vorteil geht, würde es wirklich nur ums Prinzip gehen. Und er hat ja auch sonst nichts zu tun, weil seine eigene Saison praktisch durch ist. Der hätte die Zeit und ist in der Position, trotzdem kommt von ihm auch nix. Wie von allen.

Und solange diese Debatte nicht plakativ und laut geführt wird, werden sich die Schiedsrichter auch nicht anpassen. Da ist es dann nur ein "individueller Fehler" von Hartmann und kein strukturelles Problem.

Koch wird sich das nächste Mal in einer vergleichbaren Situation theatralisch fallen lassen. Und niemand kann ihn einen Vorwurf machen, wenn er dann so handelt. Und alle anderen Spieler, die diese Szene sehen, werden sich auch anpassen. Das ist einfach schade.

Montag, 8. April 2024

Worst of des "Nun also auch Heidenheim" Wochenendes

 Oder: Wie man bei einem Charaktertest versagt.

Halten wir mal eines fest: Wenn Bayern einen 2-Tore-Vorsprung bei einem Aufsteiger verspielt und das Spiel trotzdem noch verliert, hat das wenig mit Thomas Tuchel und seinem feststehenden Abgang zu tun. Das ist eine reine Kopfsache der Spieler. Denn die individuelle Qualität ist ja durchaus vorhanden, um, bei allem Respekt, Heidenheim zu schlagen. Um sich nach dem Anschlusstreffer zu straffen, das 3:1 zu erzielen und das Ding souverän nach Hause zu fahren. Ganz früher hätten sich die Bayern von dem Anschlusstreffer so provoziert gefühlt, dass sie denen aus Prinzip 6 Tore eingeschenkt hätten.

Aber dass man sich relativ widerstandslos 2 weitere Tore einschenken lässt... war eigentlich unvorstellbar. Und ich bleibe dabei: Wenn es nur 3 Punkte auf Leverkusen wären, wäre ihnen das auch nicht passiert. 

Jetzt passiert ihnen das direkt nach einer provokanten Brandrede über die mangelnde Einstellung von Führungsspieler Joshua Kimmich. Das ist ja genau die Reaktion, die er sich erwünscht hätte. Also wenn es ihm darum ging, nachzuweisen, dass er keinen wirklichen Führungsanspruch hat. Ich habe ja bereits vor einem Monat angemerkt, dass Kimmich jetzt als Rechtsverteidiger liefern muss. Dass er nachweisen muss, wenigstens für die Rolle als Rollenspieler gut genug zu sein. Sonst wird er im nächsten Sommer durch irgendjemand anderes ersetzt wird. Mittlerweile würde es mich eher überraschen, wenn Kimmich im Sommer bleiben darf. Schließlich kommt Josip Stanisic zurück und alles, was Kimmich auf dem Platz gerade anbietet, hat der doch auch im Angebot. Nur macht der halt neben den Platz nicht das Maul auf, was ihn zum passenderen Spieler für die Bayern machen dürfte.

Das würde nebenbei genau meinen Komiknerv treffen: Stanisic übernimmt zumindest als Teilzeitkraft den Posten als Rechtsverteidiger, spielt da so 20 Bundesligaspiele im Jahr und wird irgendwann alleiniger Rekordmeister... Er dürfte ja diesen Sommer seine 4. Meisterschaft infolge holen. Und danach stehen dann 10 weitere Meisterschaften mit dem FC Bayern an... Dann wird immer erwähnt werden, wie er in dieser einen absurden Saison bei der Konkurrenz gespielt hat. Und dass er für die Champions League nicht gut genug ist und deswegen immer im Viertelfinale Schluss ist, fällt keinem auf, weil die Erinnerung an die eine titellose Saison zu präsent ist. Dass er bei keiner der 14 Meisterschaften ein wirklicher Leistungsträger, sondern immer nur Mitläufer, war, fällt halt keinem auf.

Die wirklich wichtige Frage ist: Fällt das Kimmich selber jetzt auf? Denn, und auch das muss festgehalten werden, es ist ja keine Schande bei den Bayern nur ein Rollenspieler zu sein. Er muss diese Rolle nur auch annehmen. Die ersten ernstzunehmenden Tests nach den einfachen Siegen gegen Mainz und Darmstadt gingen definitiv in die Hose.

Und mittlerweile ist es ja allen bewusst, dass die Bayern neue Führungsspieler brauchen. Das bedeutet aber auch, dass die alten Führungsspieler den Platz räumen müssen. Aber hey, für Dortmund wird es reichen...
Es ist auch wirklich krass, wie extrem der Leistungsabfall nach der niederschmetternden Niederlage gegen Leverkusen war. Also abgesehen von dem mittlerweile überraschenden Sieg gegen RB Leipzig dank des späten Treffers von Harry Kane, hat man wirklich nur gegen Mainz und Darmstadt gewonnen. Also Mannschaften, die nur bedingt bundesligatauglich sind. Und man muss an der Stelle nochmal zwingend feststellen: bis zu diesem Duell mit Bayer, in dem einfach deutlich wurde, dass die Werkself dieses Jahr deutlich besser ist, haben die Bayern eine gute Saison gespielt. Und die hatten ja die Option, die Saison einfach vernünftig und konzentriert zu Ende zu spielen. Aber anscheinend hatten die da so gar keinen Bock drauf. Und das sagt mehr über den Charakter dieser Mannschaft als über ihren Trainer aus.

Aber gut, Platz 2 ist halt nicht der Anspruch der Bayern, da überlässt man den lieber dem VfB Stuttgart.

Die Stuttgarter haben ihren Gratissieg gegen Borussia Dortmund eingefahren. Das klingt jetzt übertrieben... aber beinah jede Mannschaft, die die Bayern schlägt, rutscht doch hinterher in eine Krise. Die einzige Mannschaft, die auch nachlegen konnte, war doch Werder Bremen. (Und ja, selbst Bayer rutschte in eine Ergebniskrise, die haben danach gegen Heidenheim und Mainz "nur" 2:1 gewonnen. Schämt euch!)
Selbst wenn es nicht Dortmund gewesen wären, die ja traditionell nicht nachlegen, wäre es eigentlich erwartbar gewesen, dass Stuttgart dieses Spiel gewinnt. Und wenn Dortmund jetzt die Bochumer Serie nachspielt, ist Platz 4 auch entschieden.

Bochum hat sich aber formell wirklich im Abstiegskampf angemeldet, weil sie gegen die Mannschaft, die im gesamten Spiel weniger Tore erzielt, als Bayer in der Schlussphase, 2 späte Tore kassiert hat. Selbst ein Gegentor hätte quasi zum Klassenerhalt gereicht. Stattdessen herrscht jetzt plötzlich doch Panik. Jetzt wird ernsthaft darüber diskutiert, ob man den Trainer entlassen muss... zum schlecht möglichsten Zeitpunkt. Denn die designierten Dead Coach Bounce Spiele gegen Mainz, Darmstadt und Köln hat man ja gerade hinter sich. Jetzt geht es gegen Heidenhei... nevermind, die sichern sich nächste Woche den Klassenerhalt. Unabhängig davon, ob da Peter Neururer auf der Bank sitzt, oder ob der als Feuerwehrmann in München übernehmen muss... 

Es wäre nebenbei absurd lustig, wenn Bochum absteigt, WEIL sie die Bayern geschlagen haben. Also weil die Fans das Spiel unterbrochen hatten, denn weil Julian Bernat nicht verfügbar war, mussten ja die Tennisbälle als Schuldige für Uli Hoeneß herhalten. Aber ernsthaft: Wenn Bochum gegen die Bayern verliert, wird Letsch vor den Spielen gegen Darmstadt und Köln entlassen. Und dann holt man da mit dem neuen Besen die 4 Punkte, die man gebraucht hätte.

Aber hey, das Spiel gegen Heidenheim ist auf einmal verdammt wichtig. Das ist gut. Denn gerade bei Köln gegen Bochum wurde einem wieder bewusst, wie finster die aktuelle Saison ist. Eigentlich sollten wir die Gefühlsexplosion der Schlussphase derzeit jedes Wochenende bekommen. Momenten, in denen man selbst als neutraler Zuschauer nur mit "WOW!" reagieren kann. Aber davon gab es an diesem Wochenende nur 2. Die Schlussphase in Köln und der wunderschöne Treffer von Guirassy gegen Dortmund.

Drumherum hatten wir mir Frankfurt - Werder, Mönchengladbach - Wolfsburg, Hoffenheim - Augsburg, Bayern - Heidenheim und Union - Leverkusen 5 völlig belanglose Spiele. Wir sind, für diejenigen, die mitzählen, bei 15 dieser Ansetzungen.

Montag, 1. April 2024

Worst of des "Auch du. Dortmund?" Wochenendes.

Wie schlimm ist die Lage? Selbst Borussia Dortmund gewinnt mittlerweile in München. Zum ersten Mal seit 2014 gewinnt die Borussia ein Bundesligaspiel in der Allianz-Arena. Wenn man den Supercup ignoriert (und ich tendiere dazu, sinnlose Spiele zu ignorieren) 15 Pflichtspiele infolge gegen den Rekordmeister nicht gewonnen. Wenn man den Supercupsieg von 2019 hinzuzieht, muss man halt auch die anderen Supercup Niederlagen betrachten... und dann waren es auch 11 sieglose Partien und 10 Niederlagen. Das ist also der größte Herausforderer für den Rekordmeister. Wer solche Konkurrenten hat...

Oder anders ausgedrückt: Seit 2019 haben mit Holstein Kiel und dem 1. FC Saarbrücken ein Zweit- und ein Drittligist genau so oft gegen die Bayern gewonnen, wie die Dortmunder. Aber jetzt, wo es egal ist, ist es ihnen endlich gelungen.

Und wie egal was war, bewiesen die Bayern hinterher: Thomas Tuchel gratuliert zum Titel, ohne dass er sofort entlassen wird. Joshua Kimmich spricht von einem "Freundschaftsspiel". Man habe "quasi das Gefühl gehabt, es geht um nichts"... Ähm... kurzer Realitätscheck: Es geht um nichts. Und es wird auch um nichts mehr gehen. Also außer im Duell gegen die Kölner am 29. Spieltag. In den restlichen Bundesligaspielen treten die Bayern bei Mannschaften an, für die es um wenig bis nichts geht, während die Bayern auf Platz 2 fixiert sind.

Und mit Leverkusen - Hoffenheim, Frankfurt - Union, Mönchengladbach - Freiburg, Bremen - Wolfsburg und Stuttgart - Heidenheim gab es 5 Partien, in denen es in der Summe nur um die theoretische Chance zur Teilnahme der relativ belanglosen Conference League ging. Also um nix. Das war jetzt schon der halbe Spieltag. Insgesamt sind wir bei 11 derartigen Spielen. Auch wenn ich das bereits eingerechnete Bochum Spiel gegen Freiburg vielleicht nochmal revidieren muss, die betteln förmlich darum, doch noch in den Abstiegskampf zu rutschen. Aber damit sind wir immer noch bei bereits 10 belanglosen Spielen nach 27 Spieltagen...

Gerade das Duell Stuttgart - Heidenheim verdeutlicht, wie schlimm die Lage ist. Das war an sich ein großartiges Spiel. Heidenheim holte einen 2-Tore-Rückstand auf, nur um dann die eigene Führung in letzter Minute und Unterzahl wieder abzugeben. Das ist eigentlich das Material für einen Bundesligaklassiker, der auf Jahrzehnte in jede Saisonrückschau gehört. Der bei HisTORie immer wieder ausgepackt wird, wenn die beiden aufeinander treffen. Aber meine Reaktion war ein leichtes Lächeln und ein Schulterzucken.
Wie heftig wären die Reaktionen auf dieses Spiel ausgefallen, wenn beide Mannschaften fürs Erreichen ihrer Ziele dringend einen Sieg gebraucht hätten? Wie viele Spieler beider Mannschaften wären weinend zusammengebrochen, wie es Manuel Riemann dieses Wochenende getan hat, weil sein Patzer den Sieg kostete? So gab es nur ein "hat leider nicht geklappt". Aber realistisch hat man eine weitere Woche rumgebracht und hat immer noch 7 Punkte Vorsprung auf Platz 5.

Wobei, ganz egal war der Klassiker ja doch nicht. Schließlich ist das Rennen um Platz 4 der einzige wirklich spannende Kampf diesseits von Platz 16. Der ehemalige Mainzer Marco Rose dachte sich, dass er seinen ehemaligen Kollegen etwas Gutes tun kann... ein Punkt reicht denen ja, um Boden auf Dortmund gutzumachen. Darauf war ja eigentlich verlass. Aber denkste, die Dortmunder gewinnen einfach.

Dass RB Leipzig nicht gewinnen konnte, lag aber ausschließlich an Robin Zentner. Dieser hat ein überragendes Spiel abgeliefert. Der Torhüter mit der schlechtesten "Paradenquote"  unter den Stammspielern. Mats Hummels liefert gefühlt mehr Paraden als Zentner. Zum ersten Mal seit dem 19. Spieltag der Saison 2021/22 wird der eine 1, in sein Notenheft bekommen. Zumindest gehe ich davon aus, die Kicker-Noten sind noch nicht raus. Das waren 61 Spiele infolge ohne herausragende Leistung. Er dürfte damit der 6. Mainzer in der Elf des Tages werden. Also nur um zu verdeutlichen, dass es absolut nicht abzusehen war, dass Zentner 9 Paraden in einem Spiel abliefert.

Fußball ist halt manchmal einfach absurd. Denn ab und zu wächst dann ein im besten Falle durchschnittlicher Bundesligatorhüter über sich hinaus. Noch absurder wird es, wenn den Leipzigern am Ende 2 Punkte zu Platz 4 fehlen und sie in die Europa League müssen, weil Zentner ausgerechnet gegen sie einen unerwarteten und extrem glücklichen Punkt festhielt. Aber ja, Dortmund hat sich im letzten spannenden Renner in der oberen Tabellenhälfte einen überraschenden und nicht erwartbaren Vorteil erspielt.

Im Abstiegskampf es, mal wieder, den absoluten Stillstand: Die 4 letzten der Tabelle spielten jeweils unentschieden. Das ist einerseits schlecht für Bochum, weil sie zu Hause gegen den Tabellenletzten nicht gewinnen konnten. Andererseits bringt es sie dem eigentlichen Ziel näher, da man immer noch 6 Punkte Vorsprung und 90 Minuten weniger auf der Uhr hat. Das eigentliche Ziel lautet natürlich: Die Klasse mit 12 sieglosen Spielen infolge zuhalten.

Nebenbei haben die letzten 4 in der Tabelle seit dem überraschenden Sieg der Bochumer gegen die Bayern ein einziges Spiel gewonnen. Und das in einem direkten Duell. Das bedeutet in der Summe 1 Sieg in 18 Spielen. Also nur um zu verdeutlichen, wie weit weg von "wirklich konkurrenzfähig" die 4 tatsächlich sind.

Oder um es anders zu verdeutlichen: Bayer Leverkusen hat jetzt 23 Tore in den letzten 10 Minuten erzielt. Das sind mehr Tore, als Köln oder die Mainzer über die gesamte Spielzeit geschossen haben. Nur um festzuhalten, wie gierig und gut diese Werkself ist. Oder wie schlecht die Mainzer und Kölner sind. Aber einer von denen wird am Ende über die Relegation die Klasse halten.

Letzter Nachtrag zum Wochenende: der VfL Wolfsburg hat ja gerade die Kovac-Brüder entlassen. Und was haben sie daraus gelernt? Anscheinend nichts, denn jetzt haben sie stattdessen Ralph Hasenhüttl und seinen Sohn auf der Bank, weil das mit dem Nepotismus so gut geklappt hat. Patricks Qualifikation? Frei nach Fettes Brot: "Ähm... Papa's Sohn."
Also ganz ehrlich: Der Junge kann mit seinen 26 Jahren de facto nur auf eine gescheiterte Karriere als Fußballprofi zurückschauen. Er war zuletzt Ergänzungsspieler bei Hallescher FC. Als Leipziger kann ich dazu nur sagen: Das einzige, was schlimmer ist, als in Halle zu spielen, ist ja in Halle auf der Bank zu sitzen. Und klar, er musste seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen beenden... aber diese Karriere hat ihn am Ende in die Hölle geführt.
Jetzt ist er also 26 und hat nichts Vernünftiges gelernt... außer wie man auf der Bank sitzt. Er hat angeblich noch "die Spielerdenke". Das ist laut seinem eigenen Vater, die einzige Qualifikation. Trotzdem konnte er anscheinend den Marcel Schäfer davon überzeugen, dass er den unbedingt braucht.

Und hey, vielleicht erweist sich Patrick als der nächste Thomas Tuchel oder der nächste Jürgen Klopp. Trotzdem beginnt diese Karriere mit ganz klarer Vetternwirtschaft. Wobei das Blutband hier ja noch viel dicker ist. Wenn es nur der Vetter wäre, würde es niemanden auffallen. Ich bin skeptisch, dass das eine gesunde Grundlage ist, um ein Millionenunternehmen zu führen...

Mittwoch, 27. März 2024

Was für eine Revolutionäre Idee!

 Dass das echt so ungefähr 7 Jahre und 3 Bundestrainer gebraucht hat, um darauf zu kommen... Das hätte man früher mal ausprobieren können.

Hey! Lasst einfach mal die besten Deutschen Spieler aufstellen und dann gucken, was passiert. Lasst das einfach 2 Mal infolge machen, damit die sich einspielen können. Und hinterher alle so "WIR HOLEN DEN TITEL!!!" Wahnsinn.

Das völlig absurde an den ganzen Experimenten ist ja: Florian Wirtz, Jamal Musiala und Kai Havertz haben vor dieser Länderspielpause ganze 20 Minuten zusammengespielt. In der 2. Halbzeit gegen die Ukraine wurden alle 3 nacheinander eingewechselt. Das Ergebnis: Havertz erzielte ein Tor und holte einen Elfmeter raus... ohne dass die 3 wirklich harmonierten. Trotzdem wurde aus einem 1:3 noch ein 3:3 gemacht. Die logische Konsequenz: Das machen wir nie wieder, da das Erfolg verspricht. Da stellen wir doch lieber einen Havertz als Linksverteidiger auf.
Also dass Havertz bis vor kurzen mehr Zeit als Linksverteidiger, als gemeinsam mit Musiala und Havertz, verbracht hat,ist völlig absurd.

Als Bonusstatistik: Kroos, Gündoğan und die 3 Riesentalente standen noch nie gemeinsam auf dem Rasen, weil Kroos sich ja eine Pause gegönnt hat. Aber auch nur mit Gündoğan gab es diese Konstellation noch nie, da er das Spiel gegen die Ukraine ausgesetzt hat, weil er zu erfolgreich mit der Vereinsmannschaft war. 

Und wenn man es sich ganz sachlich anguckt, dann sind Wirtz, Musiala, Havertz, Kroos und Gündoğan stand jetzt die individuell besten Offensivspieler des Landes. Und das waren sie auch schon im Sommer 2023. Man kann sich jetzt nur darüber streiten, wer von denen der beste ist. Dafür steht aber fest, dass Havertz der Schlechteste ist. Aber "der Schlechteste" bedeutet hier auch nur: Er hat ein Champions-League-Finale mit einem Siegtor entschieden und ist Stammspieler beim aktuellen Tabellenführer in der Premiere League. Nur um nochmal festzuhalten, dass das vorhandene Potenzial in der Offensive immer noch verdammt hoch ist. Man hat sich aber konsequent geweigert, die Qualität auf den Platz zu bringen. Also die Trainer haben sich konsequent geweigert, das einfach mal zu versuchen.

Natürlich kann Gündoğan nicht auf seiner Idealpositionen spielen, denn eine Doppel-6 mit Kroos wäre schon dicht dran an Harakiri. Und bei Barca ist er ja ins Zentrale Mittelfeld zurückgerückt, dafür hat er aber auch bei Man City nachgewiesen, dass er in offensiverer Rolle funktioniert. Deswegen muss, als nächste logische Konsequenz, ein Havertz in die Spitze rücken, was auch nicht ideal ist. Aber das ist immer noch besser, als einen von denen als Linksverteidiger aufzustellen... oder auf die Bank zu setzen. Denn abgesehen von Wirtz, der seine erste "internationale Saison" spielt, haben diese Spieler alle nachgewiesen, dass sie auf gehobenem Niveau entscheidend agieren können.

Und so sinnvoll es ist, einen wuchtigeren Niclas Füllkrug in der Hinterhand zu haben: Der ist eben individuell nicht auf demselben Niveau, deswegen sollte man ihn auch in der Hinterhand halten.

Die gute Nachricht für alle Franzosen und Engländer: Weil diese Idee jetzt so euphorisierend erfolgreich war, schaffen wir sie direkt wieder ab. Also nicht in der Offensive, aber im Tor. Dort soll nämlich trotz alledem Manuel Neuer im Tor stehen, obwohl ganz sachlich gesehen Marc-André ter Stegen der bessere Keeper ist. Versteht mich nicht falsch, Neuer ist immer noch gut. Aber die Zeiten, in denen er die Unhaltbaren konstant rausfischt, sind irgendwie vorbei. Und dann werden wir alle entsetzt gucken, wenn er den unhaltbaren im entscheidenden Moment nicht pariert. Oder vielleicht auch bei einem eventuell haltbaren unglücklich aussieht. Dabei hätte man doch aus dem letzten Heimturnier was lernen können...

Apropos, da fällt mir dann auf: Die spielen einfach nur das Sommermärchen von 2006 nach. Also falls ihr euch an den Film dazu erinnert: Der beginnt ja quasi ein halbes Jahr vor dem Turnier mit einer enttäuschten Mannschaft nach einem Freundschaftsspiel. Und ganz Deutschland war im "Wir scheiden eh nach der Vorrunde aus" Modus. Oder um einen der größten deutschen Lyriker zu zitieren: "Zuerst haben alle gedacht, dieser Klinsmann spinnt, als er sagte, wir wollen das Turnier gewinnen." Dann reichten aber einige wenige gute Spiele, um eine absurde Euphorie im ganzen Land auszulösen. So wie wir jetzt auch wieder im "Da kann doch was gehen" Modus sind... Was will ich damit sagen? Bestellt schonmal die Trikots des italienischen Linksverteidigers, die könnten im Sommer plötzlich ausverkauft sein...

Montag, 25. März 2024

Das traurigste ist ja, dass sich der Hass jetzt so offenbart.

 Das alles ohne irgendwelche Hemmungen. Und immer auf Kosten von Minderheiten oder fremden Menschen. Wir sind halt als Nation anscheinend doch homophobe und fremdenfeindliche Arschlöcher. Wer hätte das gedacht?

Wobei man hier natürlich sachlich einschieben muss, dass der sehr laute Teil der Gesellschaft sich jetzt öffentlich demaskiert und als homophobes und ausländerfeindliche Arschlöcher outen. So funktioniert das Internet halt: Es ist ein Katalysator für Hass und alles Schlechte in der Welt. 

Meine beiden "Lieblingsmemes" sind ja folgende: Die Aufstellung der 90er-Mannschaft mit dem Spruch: Das war noch eine richtige deutsche Mannschaft mit deutschen Trikots. Und erfolgreich... obwohl Bodo Illgner ein Trikot getragen hat, welches überraschend dicht am aktuellen Design ist. Andere haben dasselbe Bild, mit Zoom auf den Torhüter, genutzt, um darauf hinzuweisen, dass man "in solchen Trikot" durchaus Weltmeister werden kann.

Das 2. besteht aus dem guten Arier mit griesgrämigen Blick und dem Spruch "Von der 50er bis in die 90er". Daneben dann der Schönling, der sich im pinken Trikot die Haare macht, mit einem "... und heute."

Das zeigt auch einfach nur, wie dumm diese Menschen sind. Und das ist keine Übertreibung. Nehmen wir mal die 72er-Nationalmannschaft, die in diesem Bild zu den "guten Ariern" gezählt wird. Und das ist keine willkürliche Auswahl, weil sie von einigen als "die beste deutsche Nationalmannschaft aller Zeiten" betitelt wird. Noch besser, als die 74er-Weltmeisterelf. Was nebenbei beweist, dass es definitiv die erfolgreichste Generation war. 

Aber die 72er-Elf soll noch besser gewesen sein, weil sie den wesentlich schöneren Fußball gespielt haben. Denn die 74er haben sich durchs Turnier gequält. Sie haben gegen die DDR verloren und unterwegs den Trainer entmachtet. Und sie haben gegen bessere Holländer gewonnen. Mit anderen Worten: Sie waren so richtig Deutsch. Aber die 72er-Mannschaft war auf einem anderen Level. Die verzauberten die Fans und den Gegner.

Angeführt wurde sie von Franz Beckenbauer. Den nannte man nicht "den Kaiser", weil er so rustikal zu Werke ging, sondern weil er mit einer einzigartigen Eleganz und Gelassenheit die Außenrisspässe zelebrierte.

Man hatte Günter Netzer im Mittelfeld. Ein Rebell. Eine Stilikone. Der Mann hat nebenbei "Lover's Lane" als Nachtklub betrieben und dicke Schlitten gefahren.

Man hatte den fukking Afro von Paul Breitner. Das waren alles Schönspieler und Stilikonen. Hätte es damals schon sozialen Netzwerke gegeben, wären sie nach jedem Spiel "Schwuchteln" beschimpft worden. Bei einem Sieg durch die gegnerischen Fans... und bei einer Niederlage halt von den eigenen.

Nehmen wir als Nächstes die wehende blonde Mähne, mit der Jürgen Klinsmann die Niederländer durcheinanderwirbelte. "Damals" war genau dieser Haarschnitt halt der neuste Scheiß, deswegen haben die Fußballer sie getragen. Oder es war der heiße Scheiß, weil die Fußballer so aufliefen. Aber auch Klinsmann trug eben nicht den militärisch korrekten 3 mm Schnitt. Und auch der wird sich bewusst dafür entschieden haben, die Haare genau so zu tragen und er wird sie entsprechend gepflegt haben. Nur haben wir uns halt als Gesellschaft weiterentwickelt. Damit sind die rebellischen Haare von damals nichts Besonderes mehr. Das verdeutlicht sich ja nirgends so gut, wie an dem Pilzkopf, den Netzer damals getragen hat. Als Anlehnung an die Beatles, falls das nicht offensichtlich ist. Dass das "damals" als "obszön" gilt, kann man anscheinend niemanden mehr erklären, denn selbst die Leute, die dabei waren, haben es mittlerweile vergessen. Mich würde es ja wirklich freuen, wenn zum Beispiel ein Uli Hoeneß da mal auf den Tisch hauen würde und für alle deutlich feststellt, dass auch die angeblich guten Generationen teilweise aus Rebellen und Stilikonen bestand.

Das ist nebenbei das wirklich faszinierende: Es wird entweder darüber gejammert, dass es keine echten Charaktere mehr gibt und alles so weichgespült wirkt. Die Aussagen werden vom Berater diktiert, alle spielen denselben Stiefel und keiner traut sich mehr was. 5 Minuten später regen sich wahrscheinlich dieselben Menschen darüber auf, dass Fußballer mit bunten Haarschnitten und Tätowierungen ihren Charakter zum Ausdruck bringen. Und wir lachen über das Kurzzeitgedächtnis von Goldfischen...

Die aktuelle Generation an Fußballnationalspielern hat ein einziges Problem: Sie haben 3 Turniere infolge kein einziges K.O. Spiel gewonnen. Eine derart desaströse Bilanz hat es noch nie gegeben. Also um das mal festzuhalten: Die warten seit dem 2.7.2016 auf einen Sieg in der K.O. Phase. Selbst "damals" brauchte man das Elfmeterschießen, statistisch gesehen war das ein Unentschieden... Und ja, ich ignoriere den Confed Cup, weil selbst die Fifa eingesehen hat, dass dieses Turnier belanglos ist.

Die nächste Chance zum Ausmerzen diese Scharte, gibt es planmäßig am 29.06.. Wenn die Humor haben, werden sie "nur" Dritter in der Gruppe und spielen dann am 2.7. gegen den Sieger der Gruppe E. Dann wären es auf den Tag genau 8 Jahre. 2922 Tage. Das hat es in der Nachkriegszeit noch nie gegeben. Also seit wir den Fußball als Kriegsersatzdroge gefunden haben.

Nur deswegen wird die deutsche Mannschaft jetzt für jeden Scheiß angefeindet. Wenn die erfolgreich spielen würden, wäre allen alles egal. Jetzt wird ihnen vorgeworfen, dass sie sich aufs Spielen konzentrieren sollten, anstatt ständig politische Nebenkriegsschauplätze aufzumachen... so als hätten die Spieler dieses Trikot designt. Die Idioten sind es, die hier den Nebenkriegsschauplatz aufmacht, weil ihr politische Bedeutung sucht, wo es keine gibt. Und weil sie sich durch pinke Trikots in eurer Männlichkeit bedroht fühlen.

Der letzte faszinierende Nachtrag für mich ist ja, dass bei diesem ganze "erfolgreiche Ariermannschaften" Gelaber die 2014er-Generation komplett außen vor gelassen werden muss. Und das, obwohl sie eine der erfolgreichsten Generationen aller Zeiten war. Die haben 5 Turniere infolge mindestens im Halbfinale gestanden. Von der Heim-WM 2006 bis zum Titel 2014. Diese Bilanz kann sich mit den 70er Jahren vergleichen. Und die Mannschaft stand für ein neues, modernes Deutschland. Und sie beweist halt nebenbei, dass die ganzen "Migranten" eben nicht das Problem sind. Man kann mit Podolski, Klose, Boateng, Khedira, Gomez, Mustafi und Özil erfolgreichen Fußball spielen.

Die sind nicht das Problem, Oliver Bierhoff war es eher. Und der Fakt, dass die Nationalmannschaft allgemein schlecht gemanagt wird... und das, wohl sie doch ausschließlich von alten, richtig deutschen Männern gemanagt wird. 

Random Fun Fact: Die 2014er-Weltmeister hatten mehr Spieler, die nicht in Deutschland geboren wurden (Klose und Podolski halt), als die aktuelle Generation... Denn selbst Jamal Musiala, der zur Hälfte Engländer ist, wurde in Stuttgart geboren. Und falls das nächste Mal jemand mit einem "Danke Merkel" um die Ecke kommt, weist bitte darauf hin, dass die Eltern der aktuellen (und auch der U-19 Europameister Mannschaft) Generation lange vor Merkel eingewandert ist. Und dass all diese Spieler auf deutschen Boden geboren wurden.

Dass die deutsche Nationalmannschaft nicht mehr so arisch aussieht, wie in den 90ern und vorher, liegt halt an der fortschreitenden Globalisierung. "Wir" haben halt von den zahllosen Gastarbeitern, die wir ins Land geholt haben, profitiert. Ein nicht unwesentlicher Teil unseres Reichtums basiert auf diesen billigeren Arbeitskräften. Teilweise bis heute, denn guckt mal auf die Spargelfelder oder in die private Altenpflege. Ein Sohn italienischer Gastarbeiter hat uns das schon 1992 vorgerechnet... Aber "wir" dachten anscheinend wirklich, dass "die" dann nach getaner Arbeit wieder nach Hause gehen, und nicht, dass die hier Familien gründen. Was erlauben die sich? Das war so nicht abgemacht! Aber genau deswegen ist "unsere Nationalmannschaft" jetzt so "bunt". Das ist einfach nur eine logische Konsequenz aus der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten 50 Jahre.