Donnerstag, 10. November 2022

Worst of einer auch einfach nur komischen englischen Woche

 Also auch nur, weil sie halt so direkt vor der WM stattfindet. Das fühlt sich alles einfach nicht richtig an. Falls ihr es vergessen habt, vor einem großen Turnier laufen die letzten 4 Spieltage normalerweise so:

Die Bayern stehen als Meister fest. Also seit Mitte April. Vielleicht gibt es nach 30 Spieltagen noch eine Mannschaft, die sich rechnerisch noch Hoffnungen machen darf, aber realistisch gesehen sind 6+X Punkte Vorsprung ein sicheres Polster.

Gleichzeitig stehen 3 der 4 Champions League Teilnehmer bereits fest. Dahinter kämpfen dann 4 Mannschaften darum, dass sie möglichst nicht in die Europa League müssen. Und Eintracht Frankfurt gibt sich als einzige Mannschaft wirklich Mühe, weil die wissen, wie geil dieser Wettbewerb sein kann.

Im Tabellenkeller ist eine Mannschaft hoffnungslos abgeschlagen. Die andere hofft noch auf die Relegation. Davor befinden sich 4 Mannschaften im Abstiegskampf. Wer den am wörtlichsten nimmt, muss halt runter oder darf sich in der Relegation retten.
Aber: Diese Mannschaften sind halt auch für die WM ziemlich egal, weil sie in 90 % der Fälle keine relevanten Spieler zum Turnier schicken. Ein paar Ausnahmen gibt es natürlich, sie heißen Lukas und Podolski...

Dazu kommt, die meisten Mannschaften schon aus dem Europacup ausgeschieden sind, weil dort halt nur noch die Halbfinale ausstehen... und daran nimmt halt nur die Eintracht teil. Vielleicht noch die Bayern, aber wahrscheinlicher ist es, dass die Eintracht da noch ran muss.

Aber wenn wir uns die Tabelle des 30. Spieltag vor der EM angucken und sie dann mit der Abschlusstabelle vergleichen, dann hat es damals 3 relevante Veränderungen gegeben: Dortmund hat sich doch noch in die Champions League gerettet. Köln rutschte auf den Relegationsrang. Und Werder Bremen vollendete ihre Mission Nordderby 2022. Danach kommt dann schon das "Wer muss in die Conference League" Rennen zwischen Gladbach und Union, dass niemanden interessiert hat.

Dieses Jahr dagegen... ist nur Köln schon aus dem europäischen Wettbewerb ausgeschieden. Die Meisterschaft wurde erst eine Woche vor der WM entschieden. Im Abstiegskampf wehrt sich zumindest Bochum in den Heimspielen. Und selbst Schalke hat einen überlebenswichtigen Sieg geholt, anstatt völlig den Anschluss zu verlieren. Aber es gibt definitiv kein "Wir lassen die Saison auslaufen und unsere Stars konzentrieren sich auf die WM"... also außer bei den Bayern, die Thomas Müller "für die WM schonen"... Denn der íst ja wichtiger, als Jamaal Musiala. Hoffentlich. Hoffentlich redet Hansi Flick sich ein, dass Müller in die Startelf muss...

Es ist einfach komisch sich in dieser Saisonphase mit WM Nominierungen zu beschäftigen. Also ganz praktisch: Normalerweise muss man ja zumindest eine starke Saison spielen, um in den deutschen Angriff zu rutschen. Also so 15 Saisontore erzielen. Es kann Niklas Füllkrug noch passieren, dass er wieder in seinen "normalen" Modus zurückschaltet und noch 2 Tore in der restlichen Saison erzielt. Dann würde niemand auf die Idee kommen, dass der unbedingt zur WM muss, weil er im Oktober einen Lauf hatte. Alle würden sich daran erinnern, dass das eigentlich ein Marius Ebbers Angreifer ist... aber jetzt könnte er Weltmeister werden. 

Gleichzeitig überschatten die WM Nominierungen alles, was an diesem Spieltag passiert ist, obwohl da tatsächlich etwas Interessantes passiert ist.
Also ja, die haben still und heimlich eine sinnvolle Änderung am Abseits vorgenommen. Und de facto festgelegt, dass eine einzige Ballberührung keine neue Spielsituation herstellt. PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher: Das habe ich in der Form 2021 gefordert. Da hat anscheinend beim DFB echt jemand gemerkt, dass die Regelauslegung vom damals kompletter Scheiß war. Jetzt bin ich verwirrt, seit wann treffen die sinnvolle Entscheidungen?

Ich hätte es mir natürlich gewünscht, dass es eindeutiger festgelegt wird. Also mit einem "Die erste Ballberührung einer Mannschaft stellt noch keine neue Spielsituation her, alles andere danach machen dies." Wenn ich mir als Verteidiger dann den Ball ans eigene Bein schieße und der von dort zum einschussbereiten Gegner springt, werde ich für meinen technischen Fehler bestraft. Gleiches gilt beim Anschießen eines Mitspielers. Wenn ich den Ball mit einer sauberen Grätsche zum Torschützen befördere, gibt es Abseits. Das wäre einfach und für alle nachvollziehbar. Und damit voll im Sinne des eigentlichen Regelwerkes.

Mittwoch, 9. November 2022

Jürgen Klopp ist schon ein bisschen bigot.

 Also Jürgen Klopp ist ja gerade derjenige, der sich zum angeblichen Wohle der Spieler über die Terminhatz aufregt.

Zunächst mal muss man bei dieser Problematik auch nochmal diese ominöse Covid Pandemie bedenken. Ihr wisst schon, diese "Kleinigkeit", die die letzten 2 Jahre komplett ruiniert hat. Die auch den Fußball für 10 Wochen lahmgelegt hat. Und falls ihr euch jetzt denkt: Das ist doch Ewigkeiten her, das hat doch keinen Einfluss mehr...

Bedenkt bitte einfach, wie viel 10 Wochen komplett ohne Fußball sind. Also die Bundesligasaison endet normalerweise Mitte Mai. Und die neue startet Mitte August. Das sind also am Ende "nur" 15 Wochen... in denen aber weiter Champions League, DFB-Pokal und in jedem 2. Jahr ein großes Turnier ausgetragen wird. Und dann kommt da noch zwingend notwendiger Kleinscheiß wie die Supercups dazu, die ja auch unbedingt ausgetragen werden.

Und ja, alleine schon die 2 Pokalrunden vor und nach der Bundesligasaison kürzen die Pause auf 13 Wochen. Dazu kommt dann noch der unnötige Kleinscheiß wie die Supercups. Dafür muss jeweils Platz im Rahmenterminkalender geschaffen werden.

Beachten wir jetzt noch, dass der wirklich notwendige, uns aber nicht betreffende Kleinscheiß wie die Champions League Qualifikation durchgeführt werden muss, damit die Meister der kleinen Nationen wenigstens die Illusion bekommen, dass sie an dem Wettbewerb teilnehmen und es gar keine Superleague ist... Dann wird die Sommerpause im europäischen Fußball auf 3-4 Wochen herunter gekürzt. Da wird einem bewusst, wie viel 10 Wochen in dem der Ball komplett ruhen musste, wirklich sind.

Und dazu kommt dann halt der wirklich große Elefant im Raum: die um ein Jahr verlegte Europameisterschaft. Ohne die hätte man als DFL oder Premiere League die 2021er-Saison 2 bis 3 Wochen früher starten können. Das hätte man dann dieses Jahr wiederholt und schon hätte man sich den Raum erschaffen um den Spielern vor der WM eine etwas größere Pause zu gönnen. Aber das ging halt einfach nicht. Dafür kann dann halt auch keiner etwas. Und ja, dass die Saison an die Turniere im Sommer angepasst werden, ist etwas völlig Normales. Da gibt es jedes Mal Verschiebungen um einige Wochen. Das wäre mit einem 2-Jahres-Plan machbar gewesen.

Wofür man natürlich etwas kann, ist der Fakt, dass all der eigentlich irrelevante Kleinscheiß ausgetragen werden musste. Inklusive der Klub-WM. Da hätte man den pickepacke vollen Terminkalender zumindest ein wenig ausdünnen können. Aber das waren ja alles essenziell wichtige Spiele für die Kontostände der teilnehmenden Vereine. Da kann man halt nichts machen.

Was die ganze Sache halt noch bekloppter macht, ist ja der Fakt, dass Liverpool in diesem Sommer ein Testspiel gegen Manchester United ausgetragen hat... in Thailand. Ganz persönlich halte ich es ja für unverantwortlich in der derzeitigen Lage solche Reisen im Sommer zu planen. Und wer das trotzdem macht, hat das Recht aufs Jammern für den Rest des Jahres verspielt. Denn weniger Flugmeilen und Autogrammstunden, dafür mehr Training hätte vielleicht die eine oder andere Muskelverletzung verhindern können.

Ich hab das ja hier schon letztens mit der Personalie Sadio Mané angesprochen. Aber ich will an der Stelle nochmal einen Schritt weiter gehen und frage mich: Ab wann sagen die Spieler: "Leute, lasst das?" Also weil ja mittlerweile auch Spieler darüber klagen, wie schlimm und hoch die Dauerbelastung ist. Völlig zurecht. Aber der pragmatischste Hebel wäre es doch, auf die wirklich unnötigen Reisen zu verzichten und zumindest die Vorbereitung so effektiv wie möglich zu gestalten.

Aber hier kommt natürlich das Problem: Das hätte finanzielle Konsequenzen. Denn das große Problem ist ja, dass es sich wirtschaftlich lohnt diese Reisen in den Sommer zu veranstalten. Man müsste als Mannschaft also schon sagen: Wir verzichten auf 3 % unseres Gehaltes, damit wir uns diesen Scheiß ersparen können. Und ja, 3 % ist da eine willkürliche Zahl. Aber dafür kann man dann als nächsten bei den Prämien für die Champions League etwas draufpacken. Also mit einem "Wir gehen davon aus, dass uns die besseren Grundlagen aus dem Sommer im März und April helfen werden... und dass der Verein mehr davon hat in der Champions League weit zu kommen..."

Aber da sind wir wieder bei dem uralten Grundproblem: Wir wollen halt nur weniger arbeiten, aber nicht weniger Geld. Da sind Fußballer dann doch nur Menschen. Und für die eigene Gesundheit auf Geld zu verzichten, ist halt keine Option...

Montag, 7. November 2022

Worst of des "Auch keinen Bock auf die WM?" Wochenendes

 Ich frage mich ja, ob die Leute, die gerade die Werbeblöcke gestalten, komplett den Sinn ihres Lebens hinterfragen. Also ja, es war faszinierend: Die Sportschau begann dieses Wochenende mit ihren "Vorfreude auf die Weltmeisterschaft" Botschaften. Also über das spezielle Weihnachts-WM-Shirt hinaus. Und dann guckt man sich die Stimmung in den Stadien an und denkt sich: Selten ging eine Werbeaktion so sehr an der Zielgruppe vorbei.

Denn diejenigen, die das ja eigentlich ansprechen sollte, haben halt so gar kein Bock auf diese WM. Und selbst wenn sie es heimlich doch gucken, so werden sie sich nicht die üblichen, unnötigen Merchandiseartikel holen. Also abgesehen von dem Deutschland-Trikot. Das muss halt doch sein.

Ich muss ganz ehrlich zugeben: Die Stimmung gerade ist schon seltsam. Das fängt halt damit an, dass es total komisch ist, sich nach dem 13. Spieltag mit Nominierungen und verletzungsbedingten Absagen zu beschäftigen. Also mittlerweile reichen ja kleine Verletzungen um die Teilnahme in Gefahr zu bringen. Nebenbei fand ich es echt nett von Hansi Flick, dass er im Fall von Timo Werner von einem "herben Verlust" spricht. Werners Image ist doch so schlecht, dass ganz Deutschland sich denkt: Gut, dass der Chancentod nicht mitkommt. Nachher hätte der Thomas Müller auf die Bank verdrängt...

Aber das eigentliche Problem bleiben halt die toten Sklavenarbeiter. Wir haben, und das hätte ich nicht erwartet, echt den Punkt erreicht, an dem der gemeine Fußballfan sagt: Macht das ohne mich! An dem die wirtschaftlich dank der Pandemie immer noch stark angeschlagene Kneipenszene sagt: Wir gehen lieber pleite, als dieses dreckige Geld mitzunehmen. Auch das offizielle Public Viewing, welches ja während so einer WM schon das Stadtbild prägt, wurde zumindest in meiner Heimat abgesagt.

Ist denen allen bewusst, dass die Alternativveranstaltung im Sommer morgens um 9 angepfiffen wird? Also falls die heimlich den Plan haben, im Sommer demonstrativ die Frauen WM zu zeigen: Die findet in Australien und Neuseeland statt und hat für Partymeilen ganz bescheidene Anstosszeiten...

Aber ja, die Fifa hat das unfassbare geschafft: Uns als riesige Fußballnation die Lust an dieser WM zu nehmen. Das ist eine historische Leistung. Nebenbei wollte ich mal daran erinnern, dass wir kurzzeitig gehofft haben, es würde alles besser werden, wenn der Sepp Blatter weg ist...

Das eigentlich traurige ist ja: Am Ende wird das egal sein. Die Fifa wird uns trotzdem erzählen, dass das alles super war. Und genügend Gewinn wird die Veranstaltung auch abwerfen.

Aber gut, zum eigentlichen: Youssoufa Moukoko MUSS MIT ZUR WM!!! Zwingend! Also ja, muss er. Das ist aber keine Neuigkeit. Der Junge ist halt zu gut für sein Alter. Und im schlimmsten Falle nimmt man ihn als Lehrling mit der Trikotnummer 23 mit. Denn dass der spätestens zur WM 2026 einer der Fixpunkte der Offenisve ist, wird ja kaum zu vermeiden sein. Nebenbei wird es schwer für Hansi Flick werden, die nächsten Turniere zu versauen, wenn die Offensivabteilung der nächsten 16 Jahre aus Moukoko, Wirtz, Musiala und Havertz bestehen wird. Aber er hat mein vollstes Vertrauen, er wird das hinkriegen.

Aber an der Stelle muss man eindeutig sagen: solche Entscheidungen sollte man nicht vom Spiel gegen den VfL Bochum abhängig machen. Denn bei allem Respekt: die sind halt nur sehr bedingt bundesligatauglich. Um es diplomatisch auszudrücken. Und das ist auch wirklich kein Vorwurf, dass die letztes Jahr die Klasse gehalten haben, war eine riesige Leistung. Aber jetzt sind sie an dem Punkt, an dem sie den Abgang von Sebastian Polter nicht kompensieren können. Und dann steckt man halt richtig tief in der Scheiße.

Ganz ehrlich: Für die Beurteilung der Frage, ob Moukouko der Nationalmannschaft schon bei dieser WM helfen kann, ist die Leistung gegen eine´Mannschaft die so tief in der Scheiße steckt, irrelevant. Das kann man ja ganz praktisch an dem 1:0 erkennen. Also klar, ein geiler Schuss. Aber erstens darf er sich vorher nie so im Zweikampf durchsetzen. Wer ist da eigentlich der Jugendspieler? Zweitens kommt dieser Schuss ziemlich mittig. Also ich will jetzt nicht von einem Torwartfehler sprechen, weil die Namen, die ich gleich nenne, nicht der allgemeine Maßstab sind... aber Manuel Neuer hält den. Marc Andre ter Stegen auch. Aber das sind die irrelevanten Namen. Viel wichtiger: Thibaut Courtois und Alisson auch. Und bei der Optimierung des WM-Kaders geht es hauptsächlich um genau diese Frage: Wer macht in den engen Spielen den Unterschied aus?

Aber wenn man dies so offen anspricht, spricht man halt auch eine unangenehme Wahrheit aus: Die Bundesliga ist halt einfach nicht so gut. Also gerade im Keller, der Bochum ist ja noch nicht mal abgeschlagen Tabellenletzter. Und mit einem "Wir sind eigentlich nicht mehr gut" lockt man halt niemanden vor den Fernseher. Oder verkauft man keine Abos. Und deswegen spricht das niemand aus.

Niklas Füllkrug hat nebenbei praktisch dasselbe Problem: Nur, weil der jetzt gerade in der Bundesliga einen Lauf hat, bedeutet dies nicht, dass er die internationale Klasse besitzt, die man am Ende bei einer WM gerade in der Offensive braucht.

Nebenbei finde ich es faszinierend, dass jetzt alle hinterfragen, ob die spanische Liga noch wirklich gut ist... weil die ein Jahr in der Gruppenphase verkackt haben. Aber jetzt mal ganz ehrlich: Bisher ist eine Mannschaft (Atletico Madrid) komplett ausgeschieden... Weil Seoane einen Deal mit dem Teufel abgeschlossen hat... Ernsthaft, der wird das "Du bist nach der Hinrunde 14., aber beendest die Champions League Gruppe vor Atletico" Angebot angenommen haben, weil er davon ausging, dass man dann halt ins Achtelfinale kommt...

Jedenfalls werden, wenn man sich gerade mal die Auslosung der Champions League anguckt, genau so viele Spanier im Viertelfinale stehen, wie Deutsche... Also Eintracht Frankfurt und Real Madrid halt. Und dann werden "uns" die Spanier in der Europa League auseinander nehmen. Das ist zumindest der realistisch erwartbare Verlauf des Europacup-Frühjahres. Jetzt schon Panik zu schieben, weil sie einmalig die Vorrunde verkackt haben, ist völlig übertrieben.

Die Bundesliga hat dagegen eine jahrelange Statistik, die besagt, dass man ausschließlich die Bayern wirklich ernst nehmen muss. Vielleicht kommt RB Leipzig irgendwann dazu. Aber für alle anderen Mannschaften ist realistisch gesehen das Viertelfinale das absolute Maximum. Danach braucht man schon verdammt viel Losglück. 

Und ja, ich schreibe das alles nur, damit Frankfurt mich widerlegt... Und Union Berlin die Europa League gewinnt. Damit "wir" dann nächste Saison 5 Champions League Teilnehmer haben. 

Aber sachlich gesehen ist es eher zu erwarten, dass die angeblich so schwachen Spanier am Ende beide Titel holen...

Montag, 31. Oktober 2022

Worst of des "Jetzt haben die auch noch Bayern Dusel" Wochenendes

 Also die Berliner. Der eine oder andere ältere Oberligafan wird sich an die "gute, alte Zeit" erinnert haben, als halt so lange gespielt worden ist, bis Berlin das wichtige Tor erzielt hat. Also BFC Dynamo natürlich.

Aber ganz ehrlich: Wie konsequent die unter der Woche durch Europa gereisten Unioner nach dem Ausgleich weiter auf Sieg gespielt haben, war schon beeindruckend. Alle Mannschaften, die nicht Werder Bremen oder Bayern München heißen, wären da mit dem Unentschieden zufrieden gewesen. Union wollte seine private Party an der Tabellenspitze weiterfeiern und dafür brauchten sie halt schon noch einen Treffer. Und selbst der VAR.

Apropos; Und täglich grüßt der VAR. Da müssen wir ja diese Woche schon wieder reden. Wobei wir hier wieder festhalten müssen: Die Technik hat seine Aufgabe wunderbar erledigt. Dank der Kameras waren alle kritischen Szenen weitestgehend aufzuschlüsseln. Mein persönliches Highlight des Wochenendes war ja der Gesichtsausdruck von Alexander Hack, nachdem der Elfmeter sofort gegeben wurde. Der konnte es ja selber gar nicht glauben, dass nicht sofort gepfiffen wurde, wusste aber auch, dass das gleich repariert wird.

Also nur um das mal festzuhalten: Der VAR hat Union Berlin 2 Tore aberkannt. Nur um nochmal allen Unionern zu verdeutlichen, wie absurd mein BFC Vergleich war: Das wäre in denen in der Zone nie passiert. Technisch gesehen funktioniert das Ding. Es ist halt nur das menschliche Versagen, welches immer wieder zu Diskussionen führt. Dann muss man aber doch darüber reden, warum die Schiedsrichter immer wieder so krasse Fehlentscheidungen treffen? Warum die Videoassistenten die vorhandenen Kameraeinstellungen nicht nutzen? Wir haben halt ein Qualitätsproblem an der Pfeife und das wird durch den VAR nur noch deutlicher. Also ja, dass die Frankfurter ihren Elfmeter nicht bekommen haben, war ein reines menschliches Versagen und kein technisches Problem des VARs.

Mal so als ganz einfachen Lösungsansatz: Warum schicken wir die alten Säcke, die immer gut waren, aber körperlich nicht mehr können (sollen), in den Kölner Keller? Wenn sie das denn wollen und nicht den Job beim ZDF bevorzugen. Gibt es irgendeinen Grund, dass man mit 48 Jahren solche Entscheidungen vor einem Fernseher nicht mehr beurteilen kann?

Aber kommen wir mal zu der einen Situation, die auch der VAR nicht auflösen konnte: War Sven Ulreich bei seiner (Zitat Kicker.de) "Torwart-typischen Aktion"wirklich am Ball oder nicht? Also die Flugbahn ändert sich ja nicht. Und er trifft Jonny Burkhardt im Gesicht. 

Und hier muss man das festhalten, was alle gerne ignorieren: Es gibt extrem wenige Torhüter spezifische Regeln. Also de facto nur, dass er die Hand im Strafraum benutzen darf, um einen Ball abzuwehren. Ansonsten müssen die sich an dieselben Einschränkungen halten, wie die restlichen Spieler. Das bedeutet halt auch: Wenn sie bei einer Abwehraktion zu spät kommen, den Ball deswegen verpassen und einen Gegenspieler am Körper treffen, dann ist das ein Foul. Schiedsrichter Benjamin Cortus wird nach der Sichtung der Bilder zu genau diesem Schluss gekommen sein.

Und im Wesentlichen reden wir hier über einen klaren Torwartfehler. Da sollte eigentlich der Fokus drauf liegen. Wenn Burkhardt ein Tor erzielen würde, wäre genau dies das Gesprächsthema. So kann Ulreich hinterher elegant davon ablenken, dass er unter diesen Ball hindurchgeflogen ist. Und es geben ihm auch noch alle "Experten" von Sportschau bis Kicker.de recht.

Ich dachte, wir hatten das "Die Torhüter dürfen sich wie die Axt im Strafraum benehmen" Thema nach dem Casteel - Gentner Zweikampf vor ein paar Jahren abgehandelt. Also als ein Torhüter für eine Aktion, die ihm überall sonst direkt Rot gegeben hätte, verteidigt wurde. Aber das war 2017, ein derartiges Langzeitgedächtnis kann ich von Leuten, die sich professionell mit Fußball beschäftigen, nicht erwarten. Anscheinend glauben immer noch alle, dass es einen "Ein Torhüter darf im Strafraum mit versuchter Körperverletzung davonkommen" Paragrafen gibt.

Und ja, das ist etwas ganz anderes, wenn er eindeutig den Ball spielt und danach unglücklich in den Gegner rauscht. Dann ist es immer noch ein unglücklicher Zusammenprall, aber in diesem Fall halt kein Foul. Und wenn jetzt jemand sagt: Er wollte doch den Ball spielen... ähm... das wollte Hack auch, er hat es halt nur nicht geschafft. 

Also um das nochmal festzuhalten: Wenn ich als Verteidiger im Strafraum zu einer Grätsche ansetze und dann mehr Gegner als Ball spiele, dann gibt es Elfmeter. Da redet auch niemand drüber. Wenn einem Torwart exakt dasselbe passiert, gelten dann auch dieselben Regeln.

Alexander Schwolow, Vollidiot der Dekade: Also falls ihr es verpasst habt: Schwolow kommt aus der Freiburger Fußballschule. Er entschied sich aber im Sommer 2020 für die bessere Perspektive in Berlin. Also nicht bei Union, wo er alles richtig gemacht hätte, sondern für die Hertha. Da wurde man aber nicht so richtig glücklich und deswegen wurde er an Schalke verliehen. Wo er wieder tief im Abstiegskampf steckt. Und angeblich muss er sich im nächsten Sommer schon den nächsten Strafraum suchen. Man muss an der Stelle festhalten, dass Schwolow in Freiburg nicht vom Hof gejagt wurde. Er wollte unbedingt weg. Und Freiburg war seit dem in jeder Saison deutlich vor ihrem ehemaligen Torhüter. Die spielen jetzt international. So wie das gerade aussieht, ist seine beste Chance auf eine Europacup-Saison... eine Rückkehr in den Breisgau als Ersatzmann. So krass muss man sich erstmal verwechseln. Aber hey, Freiburg hat 7 Millionen eingenommen und ihn durch Mark Flekken ersetzt, den man schon im Kader hatte. Besser kann es für die gar nicht laufen...

Montag, 24. Oktober 2022

Worst of des "Eine Klatsche ist eine Klatsche" Wochenendes

 Und für Köln, Stuttgart, Hoffenheim und Bremen bekamen genau das: Eine Klatsche. Nun mögen die Ergebnisse ein wenig täuschen, aber weder die TSG, noch Werder waren wirklich dicht dran irgendwas zu holen. Sie hatten nur das "Glück", dass sich ihre Gegner mit 2 Treffern begnügten.

Dazu kommt noch, dass Augsburg auf dem besten Weg war, RB Leipzig die nächste Klatsche zu geben... bis Iago sich dazu entschied, das Spiel doch wieder spannend zu machen. Ich würde den ja zum Vollidioten der Woche erklären, aber genau die extreme Aggressivität, die Iago diesen Platzverweis eingebracht hat, ist der Hauptgrund, warum Augsburg sich überhaupt in der Liga hält: Die sind extrem eklig. Ohne diese Einstellung wären sie wohl nie mit 3:0 in Führung gegangen. Oder hätten die Bayern geschlagen. Dieses Wochenende hat es ihnen 2 Punkte gekostet, aber vorher hat es ihnen 14 Punkte gebracht. Da kann man sich aus Augsburgs Sicht jetzt nicht beschweren.

Außerdem... gibt es ja noch den VfL Wolfsburg, Vollidiot der Woche. Dabei gäbe es doch so einfache Lösungen: Im Flugzeug wäre ihnen das nicht passiert. Jetzt will man als Strafe keine 1. Klasse im ICE mehr buchen. Demnächst fahren die dann mit der Regionalbahn für 49 Euro zu den Auswärtsspielen...
Ich habe ja ein ganz anderes Problem: Wie schafft es ein Disziplinfanatiker wie Niko Kovac oder ein Masken tragender Kapitän wie Max Arnold da nicht, mal eine eindeutige Ansage zu machen. Also spätestens nach der dritten Aufforderung der Zugbegleiterin müssen doch die internen Strukturen greifen.
Aber hey, es ist doch immer ein gutes Zeichen, dass auch Profis sich wie asoziale Proleten aufführen können. Das macht die so viel menschlicher.

Union Berlin: Ernsthaft, überrascht das jetzt wirklich irgendjemanden hier? Natürlich endet der fantastische Lauf auf die einzig mögliche Weise: Bei dem einen Spiel, in dem sie der haushohe Favorit waren. Bei den an sich völlig überforderten Bochumern. Die letzte Woche von heute wieder hilflosen Stuttgartern überrannt worden sind. Die allgemein einfach nicht bundesligatauglich aussehen.

 Die jetzt in der Tabelle vor Schalke stehen. Aber Schalke ist laut Meinung einer Vereinslegende noch schlechter als im Abstiegsjahr. Ähm... Damals haben sie die Tasmania Rekorde gejagt. Sie waren die schlechteste Bundesliga der Moderne. Nur der Wuppertaler SV und eben die Tasmania holten mal weniger Punkte als die Knappen. SO schlimm kann es gar nicht sein.

Hat Schalke das Problem, dass die Konkurrenz besser ist, als vor 2 Jahren? Bestimmt. Selbst die Hertha scheint sich ja dieses Jahr gegen den Abstieg zu wehren. Wolfsburg und Leverkusen haben ganz andere Ansprüche. Und Stuttgart hat viel zu viel Potenzial. Da gibt es echt kaum offensichtliche Mannschaften, die man zwingend hinter sich lassen muss. Also außer Bochum, aber nicht mal das gelingt ja gerade.

Aber irgendjemand wird schon komplett einbrechen und sich dank absoluter Unfähigkeit im Abstiegskampf halten. Und damit die Hoffnungen der Schalker am Leben. Außerdem muss man ja nur 16. werden, um auf den Hamburger SV zu treffen.

Erik Maxim Coupo-Moting: Die Bayern haben die Lösung für all ihre Probleme gefunden: Ihren alten Ersatzstürmer. Damit können sie einfach so weiter spielen, wie in der Vorsaison mit Robert Lewandowski. Nur halt nicht ganz so gut. Da wird bei den anderen europäischen Spitzenmannschaften aber das ganz große Zittern losgehen. Ernsthaft, die Lage bei den Bayern ist einen eigenen Post wert, der kommt als nächstes.

Haben die Bayern sich ihre Probleme selber erschaffen?

 Also ja, haben sie. Offensichtlich. Ich finde es aber immer noch faszinierend, wie Vereine freiwillig ihre Saison und die Chance auf einen Champions League Titel sabotieren, weil sie im Sommer irgendwo auf der Welt Märkte erschließen wollen. Weil sie unbedingt Freundschaftsspiele in Washington D.C. austragen müssen.

Nebenbei frage ich mich, ab wann Trainer und Spieler, die ja ständig über eine zu hohe Belastung jammern, solche Trips boykottieren. Und ob sie dann auch gewillt sind, dafür auf Gehälter zu verzichten. Aber das formuliere ich irgendwann mal aus.

Jetzt mal zunächst die Bayern: Die hatten im Sommer ein richtig großes Problem: Ihr offensiver Fixpunkt wollte weg. Robert Lewandowski wollte sich halt unbedingt den Lebenstraum Spanien erfüllen, da war es ihm am Ende sogar egal, dass es gar nicht Real wurde. 

Das ganze Spiel war aber jahrelang auf Lewandowski ausgerichtet. Der Mann sorgt ganz alleine dafür, dass Thomas Müller wie ein richtig guter Offensivspieler aussah. Seitdem Lewy aber keinen Bock mehr hat, geht auch bei Müller weniger. Also klar, auf den ersten Blick sieht das alles noch grandios aus. Die meisten Spieler würden für 7 Scorerpunkte in 8 Spielen ihre Seeler verkaufen. Aber diese Punkte wurden halt explizit gegen Gegner gesammelt, die sich explizit nicht gewehrt haben: Frankfurt, Wolfsburg, Bochum und Leverkusen. In den engen Spielen war Müller weitestgehend unsichtbar. In der Champions League hat er auch nur gegen Pilsen und nicht gegen Barca oder Inter ein Tor erzielt.

Dass es gerade für ihn schwieriger werden würde, war ja abzusehen, schließlich kann man an seiner Länderspielkarriere sehr gut abschätzen, wie seine Leistungskurve abfällt, wenn er keinen klassischen Mittelstürmer mehr um sich herum hat.

Das ist auch dieses Mal kein Vorwurf an Müller. Aber es wurde mittlerweile im Rahmen der Länderspiele offen darüber geredet, ob der eigentlich noch gesetzt sein muss. Das wollte ich doch gar nicht, der muss bei der WM auf jeden Fall spielen. Also für mein Tippspiel, in dem Deutschland nicht Weltmeister wird.

Aber Müller ist halt definitiv derjenige, dessen Arbeitsplatz sich durch den Abgang des Weltklasse-Stürmers am deutlichsten verändert hat. Und er hatte halt auch wenig Zeit, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen.

Denn an der Stelle muss man festhalten: Hasan Salihamidžić Plan in diesem Sommer war richtig gut. Also er hat den einen Weltklasse-Stürmer durch einen anderen ersetzt. Wenn mir vor der Saison jemand gesagt hätte, dass man Lewandowski durch Sadio Mané ersetzt wird, hätte ich den für bekloppt gehalten: Solche Spieler wechseln doch nicht in die Bundesliga!

Aber wenn Erling Haaland und Romelu Lukaku (beide haben formell gesehen diesen Sommer die Trikots gewechselt, deswegen erwähne ich sie und Harry Kane nicht) keine Optionen waren, dann ist Mané der beste Mann, den man verpflichten konnte.

Das Problem ist halt, dass dieser Spieler eine ganz andere Anlage hat, als Lewandowski. Was nichts an sich Schlechtes sein muss. Nur hat man leider darauf verzichtet, diese Spielweise in sein System zu integrieren. Da sind wir wieder bei dem ursprünglichen Problem: Man bevorzugte es im Sommer in der Weltgeschichte herumzureisen.

Was bei Mané nochmal doppelt schlimm war, weil er noch mal fix nach Marokko düsen musste, um eine persönliche Ehrung entgegenzunehmen. So kommt er dann auf 18.000 Kilometer. Jetlag inklusive.

Es ist an sich schon Wahnsinn im dank Coronaverschiebungen und Winter-WM noch enger gestrickten Terminkalender solche Reisen zu planen. Und ja, die 9 Wochen, in denen der Ball komplett ruhen musste, wirken immer noch nach, weil niemand auf Ansetzungen verzichten wollte und der Ball sonst nie 9 Wochen ruht. Aber wenn man dann noch den wichtigsten Spieler, auf dem die ganze Vorbereitung ausgerichtet sein sollte, lieber in ein Flugzeug setzt, als auf den Trainingsplatz zu stellen, ist man irgendwie auch selber Schuld.

Das Hauptproblem ist halt, dass Mané nicht so wirklich in die neue Mannschaft integriert ist, was, wie dargestellt, erwartbar war.Julian Nagelsmann weist jetzt schon darauf hin, dass es nicht wirklich besser werden wird, weil ja praktisch gar nicht trainiert, sondern nur regeneriert, wird.

Man stelle sich ein kurzes Altenativszenario vor, in dem die Bayern in diesem Sommer in der Heimat bleiben. Oder zumindest in derselben Zeitzone. Und in der Mané, selbst wenn er nach Marokko reist, keinen Jetlag bekommt und nur 5.200 km fliegen muss. Man hätte wesentlich mehr trainieren und damit viele Probleme lösen können.

Nebenbei dürften diese Probleme im Winter nur noch schlimmer werden, wenn sie dann den Großteil ihres Kaders nach Katar schicken werden, während Union Berlin nur Genki Haraguchi abstellen muss. Die Unioner dürften also zunächst mal die erste richtige Pause seit Pandemiebeginn genießen und können sich danach dann geschlossen und zielgerichtet auf die Rückrunde vorbereiten. Der SC Freiburg dürfte einen ähnlichen Wettbewerbsvorteil genießen. Die Chancen auf eine Sensationsmeisterschaft stünden noch nie so gut.

Aber hier ist das Problem: Die Bayern haben mit Eric Maxim Coupo-Moting doch eine Problemlösung in ihrem Kader. Und ja, die ersten Komiker fragen schon, ob Lewy den die ganzen Jahre nur aufgehalten. Hat er definitiv. Als der Deutsch-Kameruner hätte mit einem Stammplatz bestimmt 24 Tore pro Jahr erzielt.

Für die Bundesliga reicht dessen Niveau vollkommen aus. Und mit ihm als Mittelstürmer kann man auf die alten, antrainierten Verhaltensmuster zurückgreifen. Das wird reichen, um Meister zu werden. Man muss sich nur damit zufriedengeben, dass dies zu mit einem "frühen Ausscheiden" in der Champions League führen dürfte.

Denn sein wir mal ganz kurz ehrlich: Manchester City, Liverpool, Chelsea, Paris St. Germain und Real Madrid haben keine Angst vor Coupo-Moting. In diese Duelle mit einem 33-Jährigen eh auf diesem Niveau an seine Grenzen stoßenden Müller und einem guten Bundesligaangreifer zu gehen, ist sehr sehr naiv. Aber den Bayern geht es doch darum, sich mit diesen Mannschaften zu messen.

Nun wird dieser Champions League Sommer sowieso der extreme Wahnsinn und wahrscheinlich dadurch entschieden, welche Mannschaft die wenigsten Halbfinalteilnehmer im Dezember stellt. Was dann wieder den Bayern zugutekommen dürfte. Aber wenn es am Ende nicht reicht, weil Mané immer noch nicht richtig integriert ist, werden die Bayern nur auf die WM fluchen. Das ist halt viel einfacher, als die eigene Sommerplanung zu hinterfragen. Aber wenn man die Lage selbstkritisch analysieren würde, könnte man genau da anfangen.

Freitag, 21. Oktober 2022

Oliver Bierhoff, Vollidiot der Woche. Oder Hall of Shamer der Woche.

 Oder Liebling der Katarischen Scheichs der Woche. Denn die Haltung, die Oliver Bierhoff gerade öffentlich eingefordert hat, ist ja genau die Haltung, die die Veranstalter sehen wollen: Konzentriert euch aufs Sportliche. Plant bloß keine Proteste. Wäre ja schlimm, wenn die an Stellen passieren würden, die man nicht einfach ausblenden kann. Und das Dümmste, was seit langem zu dem Thema gesagt worden ist: Überlasst das politische dem Präsidenten.

Nun muss ich vorher zugeben, dass die gleich anstehende Kritik an Bernd Neuendorf ein wenig zu hart ausfallen wird. Vielleicht ist der noch gar nicht völlig korrupt. Vielleicht bleibt der ja sogar integer, falls er es jemals war. Ernsthaft, der Neuendorf ist für mich ein derart unbeschriebenes Blatt, es fällt mir echt schwer den einzuordnen. Also wenn ich den reden höre, finde ich ihn angenehm sympathisch. Aber meine allgemeine Skepsis gegen derartige Funktionäre ist halt so hoch, dass ich nicht mehr glaube, dass er als integre Person in diese Position gekommen wäre. Aber man soll ja den Optimismus nicht verlieren.

Oliver Bierhoff sagt jetzt, dass die Vollidioten, die dafür verantwortlich sind, dass wir in dieser Scheiße stecken, sich vor Ort äußern sollen. Der Verband, der seit Jahren von einer Steuerrazzia in die nächste stolpert. Der jahrelang Robert Koch mit durchgeschleppt hat, obwohl alle wussten, dass der eher toxisch als hilfreich ist. 

Der Verband, der seit Jahren zu den Zuständen im Katar oder bei der Fifa im Allgemeinen geschwiegen hat. Der ja auch von den Zuständen bei der Fifa selber profitiert hat. Der fleißig mit gemauschelt und sich selber eine WM gekauft hat. Wenn die jetzt was sagen, weist halt nur jemand darauf hin, dass 2006 auch nicht alles so glattgelaufen ist. Oder ist es so glattgelaufen, weil vorher ordentlich geschmiert wurde? Aber ja, dass auch das Sommermärchen am Ende gekauft war, war einer der größten Überraschungen der Neuzeit. Also ich war schon fasziniert, wie überrascht alle waren, als das Offensichtliche rauskam.

Dieser Verband soll jetzt der Vorreiter in Sachen Menschenrechte in Katar werden? Die sollen jetzt ganz plötzlich ihr Gewissen finden und alles offen ansprechen? Und damit sollen die auch noch Erfolg haben?

Wenn wir eine Lise Klaveness in unseren Reihen hätten. Die hat schon vorher auf Fifa Kongressen offen angesprochen, wie furchtbar es ist, dass dieses Turnier so stattfindet. Und die darf logischerweise gar nicht erst einreisen. Der DFB stand da mit betretener Miene daneben. Man hat ein wenig genickt, aber sich nicht wirklich getraut selber etwas zu sagen. Man vertraut halt nicht den Aussagen von Amnesty International, sondern muss erstmal selber vor Ort gucken, ob da wirklich Sklaverei betrieben wird. 

Wenn wir diesen Leuten die Kritik an den Zuständen vor Ort überlassen, können wir es auch gleich lassen.