Montag, 23. Dezember 2019

Warum diese Herbstmeister Statistik irrelevant ist

Oder warum RB Leipzig trotz der Herbstmeisterschaft eher nicht Meister wird.

Denn in Leipzig wird ja gerade eine angeblich relevante Zahl in den Raum geworfen: 67% aller Herbstmeister holten am Ende auch den Titel. 2/3 der Miete ist also eingefahren. Das sieht doch richtig gut aus.

Nun ja, man muss diese Statistik halt auch richtig interpretieren. Und dafür etwas genauer hingucken. Denn genau genommen gibt es in Deutschland halt die eine Mannschaft, die eh immer Meister wird... unabhängig davon, ob sie Herbstmeister wurden, oder nicht. Aber gerade wenn sie Herbstmeister wurden, konnte man die Saison praktisch abharken.

Das letzte Mal, dass die Bayern eine Herbstmeisterschaft verspielten, war 2011. Davor passierte es ihnen 1992/93. Anders ausgedrückt: Seit der Einführung der 3 Punkte Regelung verspielten die Bayern eine einzige Herbstmeisterschaft.

Nehmen wir mal genau die 3 Punkte Regelung als Rahmen. Auch wenn das relativ willkürlich ist, aber mein Blog, meine Regeln. Seit dem lagen die Bayern 14 mal nach dem Ende der Hinrunde vorne und wurden dann auch 13 Mal Meister. Das ist eine Quote von 92%. Das ist schon ziemlich überzeugend.

Jetzt kommt aber der unangenehme Teil: die 10 anderen Jahre sieht die Quote nicht annähernd so gut aus. 4 Mannschaften holten dann auch den Titel: Dortmund 96, Kaiserslautern 98, Bremen 2004 und nochmal Dortmund 2011.
Auf der anderen halt nicht so Habenseite verspielten Schalke 2001, Bayer Leverkusen 2002, Werder 2007, Hoffenheim 2009, wieder Leverkusen 2010 und zu guter Letzt Dortmund 2019 die quasi sichere Meisterschaft.

Anders ausgedrückt: In den Jahren, in denen nicht Bayern Herbstmeister wurde, holte dieser nur in 40% der Fälle auch die Schale...

Was lernen wir daraus? Die Dominanz der Bayern ist absurd hoch. Es ist unfassbar wie groß der Vorsprung zwischen denen und dem Rest ist. Das fällt einem halt auf, wenn die auf doppelt so viele Meisterschaften kommen, wie der Rest zusammen. Also seit der Einführung steht es Bayern 16, der Rest der Liga 8.

Zum anderen muss man halt auch die Dominanz der einen Mannschaft berücksichtigen, die Statistiken extrem verfälscht. Zumindest wenn man verlässliche und vernünftige Aussagen anhand der Statistik

Freitag, 20. Dezember 2019

Warum wollen uns alle einreden, dass Floran Kohfeldt ein guter Trainer sein muss?

Und wer überzeugt da eigentlich wen?

Dass Werder Bremen dass selber macht, kann ich ja noch nachvollziehen. Es ist halt deren Vereins-DNA alle paar Jahre einen Trainer zu finden, der dann jahrelang überragende Arbeit abliefert. Anderseits ist Florian Kohfeldt auch erst der 3. Trainer nach der Ära Thomas Schaaf... und bei Otto Rehagel hat es damals 4 "Fehlversuche" gebraucht, bis man den richtigen gesucht hat. Nach der Logik sollte man schnell von Kohfeldt weiterziehen und sich für die Rückrunde einen Interimstrainer suchen, damit es danach dann endlich wieder aufwärts gehen kann...

Aber wie gesagt: Dass Werder seinen Trainer stützt, halte ich ja für völlig normal. Dass aber der Kicker praktisch ein Loblied nach dem nächsten anstimmt und alles im Zweifelsfall für Kohfeldt auslegt...

Fangen wir mal mit den historischen Leistungen von Kohfeldt an. Die ja angeblich so herausragend sein sollen. Klar, als er die Mannschaft im Herbst 2017 zum frühzeitigen Klassenerhalt... mit einer überragenden Serie von 5 Spielen ohne Sieg. Nur um sich dann doch mit einem Dreier in die Sommerpause zu verabschieden. Man könnte auch sagen: Sobald der Klassenerhalt mit 10 Punkten Vorsprung gesichert war, war auch sofort die Luft raus und von Werder kam nichts mehr.

Und klar, er war besser als Alexander Nouri. Aber würde irgendjemand behaupten, dass man ein überragendes Trainertalent sein muss um dies zu schaffen?

Letzte Saison sollte es dann den großen spielerischen Fortschritt geben. Und genau genommen gab es die auch. Nach einer starken Hinrunde mit 31 Punkten lag man sogar auf Europacup Kurs. Aber wie auch im Vorjahr schaffte Kohfeldt es nicht, die Saison vernünftig Zuende zu bringen. Auch wenn es dieses Mal eher Februar war, in dem man kaum was gewinnen konnte.

Und ob es den großen spielerischen Fortschritt wirklich gab... oder Max Kruse einfach nur auffiel, dass er eine richtig starke Saison abliefern muss, wenn er ablösefrei zu einem Champions League Kandidaten wechseln will... im Englischen nennt man das "Contract Year Phenomenon". Am Ende kam er auf 22 Scorerpunkte und war bester Torschütze und bester Vorlagengeber. Wie viel Einfluss Kohfeldt wirklich auf die Motivation hatte... vielleicht lag es daran, dass er seinen Ausnahmespieler zum Kapitän gemacht hat und ihm, was echt auch keine Kunst ist, alle Freiheiten gab, die er so braucht. Oder aber Kruse beschloss selber, dass er diese Saison mal richtig Dampf macht, damit er hinterher die Millionen absahnen kann. Faszinierender Weise ist er jetzt bei einem Tor in der türkischen Liga...
Und dieses Jahr stellt Werder fest, dass sie ohne ihren Fixpunkt nichts auf die Reihe bekommen. Sind wir uns sicher, dass Werder ohne Kruse letzte Saison nicht auch auf Platz 16 gelandet wäre?
Vor allem tun jetzt alle so, als wäre es eine überragende Trainerleistung gewesen mit diesem Verein im gesicherten Mittelfeld zu landen. So als würden wir von Düsseldorf oder Paderborn reden. Im Wesentlichen hat er eine ordentliche Saison abgeliefert, nicht mehr und nicht weniger.

Aber die Freisprüche für Kohfeldt gehen ja noch weiter. Im heutigen Kicker wird echt die Frage gestellt, ob es dem Trainer "anzulasten" ist, dass sich die Talente "zuletzt eher zurück entwickelten"... ähm... Wem soll man das sonst anlasten? Dem Platzwart?

Und es ist ja nicht so, dass ein einzelnes Talent nicht den erhofften oder erwarteten nächsten Schritt in der Karriere gemacht hat. So was kann halt passieren. Aber weder Johannes, noch Maximilian Eggestein oder Marco Friedl oder Sargent Joshua oder Milos Veljkovic haben sich entwickelt. Und genau genommen ist das, und nicht die Verletztenmisere, das eigentliche Problem. Denn wenn ich darauf hoffen muss, dass mein 34 jähriger Kapitän die Saison verletzungsfrei übersteht, weil keiner der nachkommenden Verteidiger einen relevanten Entwicklungsschritt, der kommen musste, gemacht hat... dann kriege ich halt ein Problem.
Die einzige Ausnahme ist an der Stelle Milot Rashica. Aber wenn man sich die anderen so anguckt, kann man sich schon fragen, ob der sich wirklich wegen Kohfeldt entwickelt hat.
Nur so als Vergleich: Nur weil Heiko Herrlich in Leverkusen die Entwicklung des überragenden Talentes Kai Havertz nicht verhindern konnte, macht ihn das nicht zu einem überragenden Trainer... Vielleicht ist es bei Kohfeldt ähnlich und er trägt die Verantwortung dafür, dass 4 von 5 Talente nicht vom Fleck kommen.

Und die Mannschaft sowohl als Gruppe, als auch individuell weiterzuentwickeln ist doch die Aufgabe des Trainers.

Dazu kommt natürlich noch die hypothetische Frage ob es sich hier wirklich nur um Verletzungspech handelt... oder doch auch um ein strukturelles Fitnessproblem. Das ist halt die Frage nach dem Huhn und dem Ei. Und selbst Leute mit einer medizinischen Fachausbildung dürfte da zu keiner eindeutigen Antwort kommen.

Im Wesentlichen macht Kohfeldt echt immer noch dasselbe wie im letzten Jahr. Er hat es immer noch nicht geschafft einen Sargent so viel besser zu machen, dass der an einem Ü40er Angreifer vorbeizieht. Er hatte auch letztes Jahr einige heftige Pleiten im Angebot.  Nur hat er dieses Mal keinen überragenden Offensivakteur, der seine Probleme überdeckt.

Aber Kohfeldt hat es halt irgendwie geschafft vom DFB als "Trainer des Jahres 2018" ausgezeichnet zu werden. Und wer wenn nicht der DFB hat Ahnung von überragenden Trainern, die beschäftigen seit Jahren Jogi Löw... Also vertrauen alle auf deren Expertise und legen sich fest, dass Kohfeldt nicht der Schuldige ist...

Samstag, 14. Dezember 2019

Hat sich schon jemand bei Basaksehir bedankt?

Das wäre mal fällig.

Und ja, ich wollte das eigentlich schon gestern machen. Aber besser spät, als nie. Also hier ist es:

Danke, du komischer Türkischer Verein mit den unausschreiblichen Namen. Danke, dass ihr Borussia Mönchengladbach aus der EuroLeague geschmissen habt.

Warum?

Nun ja, erst Mal zu dem offensichtlichen: Ihr erspart der DFL ein absurdes Terminproblem: Wenn Gladbach die Vorrunde der Europa League überstanden hätte, gäbe es auf ein Mal 4 Teilnehmer an der K.O. Phase. Was auch nur bedeutet: Wir müssten unsere 4 am Donnerstag aktiven Mannschaften auf 3 Spiele am Sonntag oder Montag verteilen.
An der Stelle sollte man auch noch mal Barcelona lobend erwähnen, die, obwohl es für sie um nichts mehr ging, dafür gesorgt haben, dass Dortmund ins Achtelfinale der Champions League einzieht. Und ja, es gab diese Woche ein Szenario, dass zu 5 Euro League Teilnehmern geführt hätte. Was ein absolutes Terminchaos ausgelöst hat.

Aber fast noch viel wichtiger: Basaksehir hat die Bundesliga richtig spannend gemacht. Denn auf ein Mal ist "Gladbach zieht das durch" ein überraschend realistisches Szenario. Also zumindest realistischer als vorher.

Also um kurz 2 Quervergleiche zu ziehen: Eintracht Frankfurt hätte ja letzte Saison am Ende fast eine brutale Zeche für ihren überragenden Einsatz auf internationalen Paket bezahlt. Denn am Ende landete man mit 7 sieglosen Spielen in Folge gerade so auf Platz 7. Was wieder alles über das allgemeine Niveau der Bundesliga aussagt: Der letzte Europacup Teilnehmer ist einfach derjenige, der es nicht verhindern kann auf Platz 7 zu landen. Aber Meister wird man so nicht. Nicht mal in der Bundesliga.

Aber wie wird man denn Meister, wenn man nicht Bayern heißt? Nun ja, gucken wir uns doch mal das Letzte Beispiel an: So unvorstellbar das für die Liverpool Fans sein mag (Jürgen Klopp hat die bisher jedes Jahr in ein internationales Finale geführt...), aber Dortmunds internationale Erfolge waren in Klopps Anfangszeit überschaubar. Selbst in der ersten Meistersaison scheiterte man an Paris und Sevilla in der Gruppenphase.Das Endergebnis sollte allen bekannt sein: Dortmund konnte seinen riesigen Vorsprung verteidigen und den großen Einbruch verhindern.

Und wo wir schon dabei sind: Auch der VfL Wolfsburg verabschiedete sich 2009, wenn auch erst nach der Vorrunde, vor dem Frühjahr aus dem internationalen Geschäft. Nur um danach dann eine epische Rückrunde mit 14 Siegen auszupacken und Überraschungsmeister zu werden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Gladbach Meister wird, ist jetzt also drastisch gestiegen. Und selbst wenn sie es nicht werden, sollten sie zumindest so lange oben mitmischen, dass das Saisonfinale dieses Jahr spannend werden dürfte. Und all das wegen einer verkackten Nacht im Dezember...

Mittwoch, 4. Dezember 2019

Was mich an der aktuellen "Poliziekosten" Diskussion ja am meisten irritiert

Und Vorsicht, jetzt wird es politisch. Also so richtig politisch.

Also laut Montags-Kicker weist Roger Lewentz auf der Innenministerkonferenz darauf hin, dass sich die DFL "mit Blick auf die steigenden Milliardenumsätze" an den Polizeikosten beteiligen könnte. "Eine bundeseinheitliche Gebührenordnung ist vorstellbar." Was nicht alle so sehen, andere wollen das Polizei-Monopol beim Staat lassen.

Und gestern streiten sich dann Karlheinz Rummenigge und Marco Bode über ihr Solidaritätsverständnis. Jeder aus seiner egoistischen Sichtweise. So, dass er weniger bezahlen muss.

Wisst ihr, was das faszinierende daran ist: Es gibt in diesem Land bereits eine bundeseinheitliche Gebührenordnung, die zumindest grob auf Solidaritätsbasis funktioniert. Also so, dass die die mehr haben zumindest theoretisch mehr bezahlen, als die, die nichts haben. Und durch diesen Beitrag wird dann der Staatsapparat finanziert. Also die Millionengehälter für Uschis Berater, ohne die hier alles zusammenbrechen würde. Diese Gebührenordnung nennt man ganz praktisch "Steuern".

Hier wurde ja schon mal grob vorgerechnet, dass ein Verein wie Werder Bremen verdammt viele Steuern für die Stadt Bremen generiert. Dass das von Werder Seite noch niemand erwähnt hat, ist schon irgendwie komisch.

Dass jetzt selbst die Innenministerkonferenz, auch wenn sie indirekt praktisch von einer Steuer sprechen, den Begriff an sich meiden. Weil der Ruf dieser Zwangsabgaben halt verdammt schlecht ist. Wir glauben halt, dass mehr Steuern Arbeitsplätze vernichtet... oder so.

Praktisch gesehen wäre es kein Problem Veranstaltungen mit einem garantiert erhöhtem Polizeiaufkommen (also Bundesligaspiele, Oktoberfeste und Nazi-Festivals) mit einer entsprechenden Steuer zu belegen, durch die die Polizeieinsätze finanziert werden. Die kann so hoch angesetzt werden, dass sie der DFL mit ihrem Milliardenumsätzen nicht mal schadet und trotzdem alle kosten deckt. Die Regierung kann das morgen beschließen, wenn sie das wollen.

Oder man macht es wie die Franzosen und hebt den Spitzensteuersatz an. Alle Bundesligaprofis zahlen den... Da kommt auch einiges an Kohle zusammen.

Oder sie rechnen durch, dass die Polizeikosten bereits durch all die Steuern, die solche Veranstaltungen generieren, bezahlt werden. Wenn man zu diesem Schluss kommt, kann man die Debatte dann auch beenden. Und jedes Mal, wenn ein "Zivilist" mit dem "Warum verschwenden wir dafür Steuergelder" Argument kommt, kann man dann mit dem "Wir haben das durch gerechnet, die zahlen mehr Steuern als du" kontern.

So oder so wäre es ein sachliches und definitives Ende dieser an sich sinnlosen Debatte.
Aber es ist echt faszinierend, wie viel Angst man in diesem Land vor Steuern hat. Wie dieser Begriff von allen Beteiligten krampfhaft vermieden wird. Und dadurch kann man die eigentlich nötige Debatte nicht führen: Zahlt die Bundesliga genug Steuern auf alles, was die so machen, oder nicht?

Montag, 2. Dezember 2019

Worst of des "Der Dead Coach Bounce kommt an seine Grenzen" Wochenendes

Man konnte ja an diesem Wochenende wunderbar feststellen, wie lange so ein "Dead Coach Bounce" anhält und wann der Effekt verpufft. Am deutlichsten und schnellsten ging das bei Jürgen Klinsmann. Der hauchte den Dortmundern echt 20 Minuten lang neues Leben ein, bevor sie dann doch wieder in den Lucien Favre Lethargie Modus schalteten.
Es ist natürlich ein bisschen blöd für die Hertha, die ja eigentlich darauf gesetzt haben, dass ihre Mannschaft einen Motivationsschub bekommen würde. Aber praktisch spielten die dieselbe "Bemüht, aber glücklos" Grütze wie vorher unter Ante Covic. Und wo der kurzfristige Effekt ausgeblieben ist, muss Klinsi jetzt durch vernünftige und sachliche Arbeit Veränderungen herbei führen... aber dafür hat er ja einen Performance Manager eingestellt...

Auch Hansi Flicks "Ich habe noch nie ein Profispiel als Cheftrainer verloren" Serie ging in dem Moment zu Ende, wo er erstmals auf einen Gegner traf, der sich wehrte. Und das trotz Überzahl in der Schlussphase. Noch wird natürlich das "Flick wird unterschätzt, der ist viel besser, als wir alle denken" Narrativ bedient. Aber wenn das so weiter geht, muss er sich am nächsten Wochenende fragen lassen, wie er eigentlich Robert Lewandowski kaputt gemacht hat. Der Pole ist schließlich seit desaströsen 194 Minuten ohne Treffer in der Bundesliga. Wird man die Nachspielzeit mit eingerechnet, sind es sogar 200 Minuten. Offensichtlich hat der Pole keinen Bock auf Hansi Flick... oder ist in einer fundamentalen Krise...

Die eigentlich spannende Frage: Wurden bei den 1356 Minuten, die Thomas Müller auf ein Bundesligator gewartet hat, nur mit 90 Minuten pro Partie gerechnet? Oder mit den 94, die realistischer sein dürften? Wie hat es ein Müller eigentlich geschafft, als Bayern-Angreifer so lange ohne Treffer zu bleiben? Ich meine, dieses Wochenende hat doch nachgewiesen, dass er nur grob Richtung Tor schießen muss, damit so ein Ball mal reinfällt... hat er das wirklich 1356 Minuten lang nicht versucht? Kann es am Ende sein, dass Thomas Müller einfach nachgelassen hat und gar nicht mehr so gut ist? Warum hat uns das keiner gesagt?
Oh und nur so nebenbei: Dass war das 88. Bundesligaspiel, in dem Müller getroffen hat... Und es war das erste Mal, dass er nach einem Treffer als Verlierer vom Platz ging. Das ist eine ziemlich absurde Statistik, die man einfach mal teilen muss...

Bleibt noch die absurde Geschichte, dass es im Jahr 2019 trotz Videobeweis noch Schiedsrichter gibt, die auf eine Schwalbe reinfallen. Das sind so Dinge, die einfach nicht mehr passieren sollten. Die völlig inakzeptabel sind. Aber die vor allem eines beweisen: Das Problem ist nicht der VAR, das Problem ist die Qualität der deutschen Schiedsrichter. Warum hat uns das keiner gesagt?

Und zu schlechter Letzt müssen wir über einen neuen Trend in der Bundesliga reden: Die neue Angewohnheit der Spieler bereits vor der Pause vom Platz zu fliegen. Ernsthaft, diese Bewegung kommt aus dem nichts, wird aber schlagartig zum neuen Trend, Angefangen hat damit Jerome Boateng am 10. Spieltag in Frankfurt. Da konnte man das noch als Teil der Demontage von Niko Kovac betrachten. Letzte Woche erwischte es dann Marcel Tisserand, Rune Jarstein, Ridle Baku. Faszinierender Weise gewannen Wolfsburg und Mainz trotz langer Unterzahl... Vielleicht gab es deswegen diese Woche mit Mats Hummels, Andre Hahn und Rafael Czichos 3 weitere Nachahmer. Deren Mannschaften verloren nebenbei allesamt auch nicht. Und gerade Andre Hahns Platzverweise hatte etwas von "Ihr kriegt hier keinen Vorteil, weil ihr in Unterzahl spielt, das kann ich verhindern!"
Ernsthaft, wie oft ist es in der Bundesligageschichte vorgekommen, dass an 2 aufeinander folgenden Spieltagen jeweils 3 Spieler vor der Pause vom Platz gestellt worden sind? Und dass dann nur eine der 6 Mannschaften ihr Spiel zu Zehnt verloren hat? Manchmal ist die Bundesliga wirklich nur absurd...

Donnerstag, 28. November 2019

Hall of Shame / Positionsbeschreibung: Schalke 04 Angreifer

Wisst ihr, was ich viel zu lange nicht gemacht habe und was dringend mal wieder dran ist? Unmotiviert auf Schalke 04 rumhacken.
Unmotiviert stimmt natürlich gar nicht, die Motivation kommt von meinem Stammleser der ersten Stunde Phil, der Mark Uth unter der Kategorie "Marius Ebbers Angreifer" einsortieren wollte. Was fachlich falsch ist, der ist ein:

SCHALKE 04 ANGREIFER!!!!

Ok, hier eine kurze Definition dieses Spielertyp: Wir reden von einem Stürmer, der seine Bundesligatauglichkeit bereits nachgewiesen hat. Idealer Weise, in dem er 10 Tore geschossen hat. An Toren kann man so was ja bei Stürmern relativ gut messen. Dann wechselt dieser Spieler mit einem gewissen Hype zu Schalke 04, erreicht dort aber nie wieder dieses Niveau. Es gibt in diesem Jahrtausend überraschend viele Spieler, auf die dies zutrifft und man muss die Regeln erstaunlich selten brechen.

Mark Uth: Das erste, was mir auffällt, ist ja: Mark Uths Fussballdaten.de Profil ist kaputt. Sein Wechsel nach Schalke hat hat ihn derart ruiniert, dass er seit 2016 keine Bundesligaspiele mehr absolviert haben soll... und dass er als Schalke II Spieler geführt wird. Ich hoffe mal, dass dies kein generelles Problem ist, denn Fussballdaten.de ist meine Primärquelle...
Auf Transfermarkt.de bekommt man dann raus, dass Uth 14 Tore in seiner letzten Saison für Hoffenheim erzielt hat. Wikipedia teilt uns dann mit, dass es seit dem 2 Tore von ihm im Schalker Trikot gab. Ein beeindruckender Leistungsabfall, den man als Ausnahme abheften könnte, wenn es davon nicht so viele geben würde.

Apropos Ausnahmen. Der nächste ist eine:
Breel Embolo: Alle waren sich ziemlich sicher, dass Breel Embolo eines dieser "Die können nicht scheitern" Talente ist. Einer dieser Spieler, die selbst Heiko Herrlich nicht versauen kann. Dann ging er nach Schalke. Und zugegebener Weise wurde ihm das Bein gebrochen. Auf ziemlich brutale Weise in seiner Debütsaison. Dass Embolo aber selbst 2 Jahre danach noch nicht wieder auf die (hust, hust) Beine kam, könnte dann auch an Schalke liegen. Und natürlich ist diese Nominierung auch mit der Hoffnung verbunden, dass Embolo dieses oder nächstes Jahr für Gladbach die 10 Tore Marke knackt, denn technisch gesehen kann ich ihn erst danach auf diese Liste packen.

Guido Burgstaller: Und all so häh? Der hat doch nur für Schalke in der Bundesliga gespielt? Und das sogar in der ersten Saison ziemlich gut! Stimmt. Es beweist aber nur, wie komplex die Schalke 04 Angreifer DNA ist. Natürlich muss Burgstaller erst Mal nachweisen, dass er kein einfacher Marius Ebbers Angreifer ist. Das wäre ja zu einfach. Also erzielt er direkt 9 Tore in der ersten Halbserie. Und dann 11 in seiner ersten vollen Saison. Damit halt Schalke doch endlich den Stürmer für die nächsten Jahre gefunden! Nun ja... mittlerweile versuchen die irgendwie Platz in ihrem Budget frei zu schaufeln, damit sie im Winter einen neuen Angreifer verpflichten können... weil Burgstaller seit 1 1/2 Jahren... nun ja... wie ein Spieler auftritt, der vor 1 1/2 als Hoffnungsträger für den Schalker Angriff verpflichtet worden ist...

Eric Maxim Chupo-Moting: Erinnert ihr euch noch an den? Also an die Mainzer Version, die, wenn sie fit war, 10 Tore pro Saison erzielte. Also 2 Mal... Als Schalker Fan war man ein Mal dicht dran, aber nach 2 weiteren weitgehend ereignislosen Jahren ging Chupo-Moting ablösefrei nach England. Und heute spielt er, als einer der absurdesten Plottwist, seinen Part in einer der teuersten Offensivreihen aller Zeiten bei Paris St.Germain. Klar, als Ergänzungsspieler, aber wenn jemand einem Schalker Fan gesagt hätte: 2020 spielen Chupo-Moting und Julian Draxler zusammen in Paris. Hätte der gesagt "Auf keinen Fall, der eine ist unsere Zukunft und wird für immer bleiben..."

Chinedu Obasi: Das hätte man kommen sehen können. Schließlich war Obasis eine Gute Saison schon eine Weile her in der 2. Liga. Aber er war Teil dieser absurden Hoffenheimer Himmelstürmer und genoss deswegen einen guten Ruf. Und hey, Schalke kann sogar behaupten, dass er sich auf Schalke verbessert hat. Immerhin traf er in der Rückrunde ein Mal.
Hmm... wer hätte 2009 gedacht, dass Obasi nur ein "Marius Ebbers Angreifer" ist? Da schien so viel mehr möglich... Aber dann kam halt Schalke...

Franco di Santo: Gefühlt finanziert sich Werder Bremen ja dadurch, dass sie Spieler in ihrem System gut aussehen lassen und sie dann nach Schalke verkaufen, ohne das Schalke dadurch besser wird. Nirgends wurde dies so deutlich wie bei di Santo, für den Schalke nach seiner ersten ordentlichen Saison 8,5 Millionen Euro hinblätterte. Nur um als Gegenwert 5 Tore in 3 1/2 Jahren zu bekommen. So sieht ein ganz normaler Schalke-Transfer aus...

Ciprian Marica: Langsam gehen einem echt die dummen Sprüche aus. Vor allem, weil man im wesentlichen immer dasselbe schreibt. Aber das ist ja das faszinierende daran: Marica knackte 2010 die 10 Tore Marke, wechselte ein Jahr später nach Schalke... und war nach 2 Jahren auf Schalke (und 5 Toren) direkt 2 Monate arbeitslos.

Raffael: Dies ist ein doppelt faszinierendes Exemplar. Denn wenn man sich an die Berliner Version erinnert, kommen die Hertha Fans ins Schwärmen. Und in Gladbach ist er seit Jahren Fixpunkt in der Offensive. Auch wenn er inzwischen in ein gewisses Alter gekommen ist, in dem die Lichtblicke rarer werden. Dazwischen gab es 6 Monate im Schalker Trikot, die niemanden in Erinnerung bleiben... Ernsthaft, wenn ich Raffael und Schalke in der Bildersuche eintippe, ist das 3. Bild bereits im Gladbach Trikot. Insgesamt scheint es davon 5 zu geben. Es dürfte mehr Bilder von Raffael in Spielen gegen Schalke geben, als im Schalker Trikot...

Ailton: Eigentlich ist Ailton ja der Überklassiker. Er kam als Torschützenkönig vom Meister. Und er wurde auf Schalke nicht glücklich. Hier ist das faszinierende: In seiner einen Schalker Saison war er eigentlich richtig gut. Überlegt selber mal kurz, wie viele Angreifer in diesem Jahrtausend 14 Tore in einer Saison auf Schalke erzielt haben... Fallen euch mehr als 4 ein? Wird euch dann bewusst, dass einer der 4 Ailton ist? Aber trotzdem war er halt nach einer Saison schon wieder weg, weil ein torgefährlicher Stürmer halt so gar nicht nach Schalke passt... oh und praktisch gesehen halbierte er immer noch seine Torquote, das sollte also trotz der 14 Tore für eine Nominierung reichen. Oh und Ailton war nach seinem Wechsel zu Schalke nie wieder derselbe. Was ehrlicher Weise mehr an ihm gelegen haben dürfte, ich erwähne es trotzdem.

Und als Bawful Bonus Kandidat: Viktor Agali: Ok, Agali hat nur gefühlt in jedem seiner Hansa Jahre 18 Tore erzielt. Praktisch kam er insgesamt auf diese 18 Tore, aber so ist das halt als Fan. Trotzdem hat er mehr Tore für Hansa als für Schalke erzielt... deswegen wird er hier erwähnt. Außerdem habe ich damit meine Standart Hansa Referenz eingebaut...

Damit sind wir auch schon am Ende. Das Ende bedeutet: 9 Stürmer haben ihre Karriere durch einen Wechsel zu Schalke entweder aufs Spiel gesetzt oder ruiniert. Das ist eine beeindruckende Bilanz für einen einzelnen Verein. Da kommen nicht mal die Bayern-Talentverschwender ran (obwohl die eventuell als nächstes dran sind).

Das macht aber vor allem die Leistung von 3 Spielern noch viel herausragender: Ebbe Sand, Kevin Kuranyi und Klaas Jan Huntelaar. Das sind die 3 Angreifer, die nach Schalke gewechselt sind und danach konstant Leistungsträger waren. Die es geschafft haben für diesen Verein, der eigentlich jeglichen Esprit und jegliche Torgefahr aus seinen Angreifern heraus saugt, über 70 Tore zu erzielen. Das ist eine unfassbare sportliche Leistung, die man auch mal angemessen würdigen sollten.
Da fällt mir auf: Ist das jetzt eigentlich noch ne Positionsbeschreibung, oder ein Eintrag in die Hall of Shame? Passen wir die Überschrift an und machen beides draus...

Mittwoch, 27. November 2019

Passives Abseits vs Tradition: Teil 4: Was macht einen Traditionsverein eigentlich aus?

Um nochmal ein theoretisches Schema zu erschaffen, an dem man sich an praktischen Beispielen voran arbeiten kann.

Eigentlich sollte es doch verdammt einfach sein. Aber wenn man die Suche dann bei Google eingibt... findet man nur Fragen und keine Antworten...
Am besten ist der Satz "Ein Traditionsverein ist ein Verein, der auf eine Lange Tradition zurückblicken kann." Wenn man sich bei der grundlegenden Definition schon im Kreis drehen muss, hat man irgendwie ein Problem.

Als erstes landet man natürlich bei:
Ein Traditionsverein muss alt sein!

Da kommt aber auch sofort das erste Gegenbeispiel: Der 3. älteste Bundesligist ist die TSG 1899 Hoffenheim. Also ein Verein über den sich (bevorzugt die Dortmunder) Ultras gerne aufregen, obwohl ihr Verein 10 Jahre jünger ist. Und den sie wohl nie in ihren eigenen Reihen aufnehmen werden.  

Ein weiteres praktisches Beispiel ist Lipsia Eutritzsch 93 e.V..  Von den habt ihr wahrscheinlich noch nie was gehört, aber ich sag das mal so: die fehlende Zahl vor dem 93 ist keine 19... Somit taucht er dann teilweise in den Listen der 5 ältesten Fußballvereinen Deutschlands auf. Diese sind nicht immer ganz eindeutig, weil einige nur reine Fußballvereine zählen, andere auch Fußballabteilungen.
Das wirklich relevante ist: Wenn es um die Leipziger Traditionsvereine geht, nennt man immer erst Mal Lok Leipzig und Chemie. Selbst in der Stadt kommt kaum jemand auf die Idee, Lipsia zu nennen. Und ja, ich habe 8 Jahre Fußball in Leipzig gespielt, herausgefunden, dass dieser Verein so verdammt alt ist, habe ich trotzdem gerade bei der Recherche für diese Serie.

Nebenbei ist keiner der Vereine von der Fussball.de Liste heute wirklich relevant. Am ehesten ist es der Kieler FV, aus dem dann Holstein Kiel hervorgegangen ist. Aber wenn man heute an Holstein Kiel denkt, denkt man doch zuerst an den aufstrebenden Verein aus dem Norden, der plötzlich an die Tür der Bundesliga klopfte und nicht an eine Mannschaft mit ellenlanger Geschichte.

Letztes Beispiel: In der letzten Socrates wurde der 2. Vorstand des ältesten immer noch existierenden Sportverein Deutschlands interviewt. Ihr kommt garantiert nie darauf, wie der heißt. Wobei natürlich auch dieser Verein ein 50 jähriges Loch in seiner Geschichte hat, weil er nach der Wende neu gegründet werden musste...

2. Ein Traditionsverein muss erfolgreich sein!
Natürlich nicht. Die klassische Tradition des FC Bayern Münchens ist überschaubar (also verglichen mit sagen wir 1860 München), aber sie sind halt verdammt erfolgreich und haben deswegen weltweit verdammt viele Fans. Das soll auch kein Vorwurf an die Fans sein, manche wollen halt hauptsächlich guten und erfolgreichen Fußball sehen.
Eigentlich sollte dieser Beitrag natürlich auch heißen: Ein Traditionsverein funktioniert ohne Erfolg. Eher im Gegenteil: Solange einem nie so richtig das Herz gebrochen wurde, ist man kein Traditionsfan.
Traditionsvereine zeichnen sich ja gerade dadurch aus, dass sie unabhängig von von kurzfristigen Erfolgen funktionieren. Am praktischsten lässt sich das gerade am 1.FC Kaiserslautern zu verdeutlichen: Praktisch ist dieser Verein das reinste Chaos. Er stolpert von einer Katastrophe in die Nächste. Und er ist mittlerweile dichter an der 4. als an der 1. Liga. Trotzdem bewegen sich zu jeden Heimspiel 20.000 Menschen ins Stadion... Um derzeit einen Abstiegskandidaten zu sehen.
Selbst wenn der Konkurs nicht mehr aufzuhalten ist und der Verein in der Kreisklasse wieder anfangen muss, wird er immer noch die Leute in der Pfalz bewegen.
Ähnliches ist ja damals bei Lok Leipzig passiert, die buchstäblich von der Kreisklasse bis in die Regionalliga marschiert sind. Die dabei aber auch einen erstaunlichen Rückhalt in der Stadt hatten.

Genau das hat mich ja so an den Aussagen von Dirk Zingler in der Saisonvorschau für Union Berlin so schockiert: Da macht sich ein Präsident sich Sorgen darum, dass sein Verein von der Landkarte verschwindet, wenn man sich nicht für Investoren öffnet. Dabei sollte man doch einer dieser Vereine sein, die, solange man seriös wirtschaftet, auch in der Regionalliga funktionieren können. Also die wahren Union Fans werden dann immer noch ins Stadion gehen und ihren Verein unterstützen. Eine derartige Institution kann gar nicht von der Landkarte verschwinden.

3. Ein Traditionsverein braucht eine eigene Identität. Auch jenseits des Platzes.
Wo wir schon bei Union sind: Der Verein bezieht seine Tradition halt als "Arbeiterverein". Als Gegenpol zu den etablierten Bonzen von BFC Dynamo und Hertha BSC. Diese Position macht den Mythos Union am Ende doch aus.
Das Klischee behaftete Beispiel ist da doch Schalke 04 als der ultimative "Kumpel-Klub". Mittlerweile wird praktisch keine Steinkohle mehr in Deutschland gefördert, aber das Image wird von den Schalkern weiter gepflegt. Was ich auch gar nicht kritisieren will, es fasziniert mich nur. Also das ein Verein, der am russischen Gashahn hängt, die Deutsche Kohleförderung glorifiziert... es führt aber zu:

4. Ein Traditionsverein muss tief in seiner Heimat verwurzelt sein.
Das ist ja etwas, was RB Leipzig auch in 100 Jahren noch nicht erreicht haben wird. Selbst wenn die dann Rekordmeister sein sollten. Dann wird es immer noch heißen: Ist schön, aber die Vereine, die das Stadtbild immer geprägt haben, waren andere. Ihr seid immer noch die Österreicher...

Das ist natürlich etwas, was sich sehr schwer fassen lässt. Anders ausgedrückt: Gibt es eigentlich irgendwo eine Studie, die einen Zusammenhang zwischen erfolgreichen Traditionsvereinen und den Jugendmannschaften in der Stadt des Traditionsvereines untersucht? Meine persönliche, aber sehr subjektive (und eventuell etwas veraltete) Erfahrung ist ja, dass in Rostock und Umgebung jeder 15-jährige den Traum gehabt hat, dass er beim jährlichen Schützenfest der Hansa Jugend gegen den eigenen Verein von einem Scout entdeckt wird. Was natürlich nie passierte. Wie will man bei einem 0:18 gegen den jüngeren Jahrgang auch glänzen? Aber es führte halt dazu, dass jeder Verein bis zum hintersten Dorf von der D-Jugend hoch eine Jugendmannschaft für jeden Jahrgang gestellt hat.
Als es dann fürs Studium nach Leipzig ging, gab es regelmäßig Mannschaften ohne A-Jugend/U19 Mannschaft. Was suboptimal ist, wenn man in einer 2. Mannschaft spielt, die eigentlich davon lebt, dass jedes Jahr 3-4 Spieler nachrücken.
Und trotz des theoretischen Boom-Faktors Weltmeisterschaft im eigenen Land. Aber das war halt auch zu Hochzeiten des Traditionskrieges, als man als Fan des einen Vereins Angst haben musste, dass man auf seiner Weihnachtsfeier vom anderen Lager überfallen wird. Es fehlte halt dieser Lokale Magnet, zu dem sich jeder Fußballer der Stadt hingezogen fühlte und wegen dem man mit dem Kicken begann.
Um das zu verdeutlichen: Die A-Jugend Kreisklasse in Leipzig besteht nur noch aus 6 Mannschaften, weil eine bereits aufgegeben hat.
Andererseits... gibt es in Rostock anscheinend keine Kreisklasse mehr, sondern nur noch die "OSPA Landesklasse Staffel I"... Ich sag das mal so: Dass jetzt meine beiden Jugendvereine und der Verein meines Großvaters und Vaters in derselben niedrigsten Staffel spielen, obwohl letzterer eigentlich ziemlich weit weg liegt, beunruhigt mich etwas... wo war ich?
Oh ja, wenn ihr euch fragt, warum hier gerade so wenig veröffentlicht wird: Weil ich irgendwie zu viel Zeit mit solchen erst Mal sinnlosen Recherchen verbringe und dann hoffe, dass sie irgendwo reinpassen.

Jedenfalls sollte sich Strahlkraft eines Traditionsvereines auch in der Breite der Gesellschaft auffallen. Einerseits im Breitensport. Andererseits aber halt auch im Stadtbild. Einerseits natürlich durch ein Stadion und ein Vereinsgeländer, welches seit Ewigkeiten da ist, aber halt auch ausschließlich mit diesem Verein in Verbindung gebracht wird. Dazu kommen halt so Kleinigkeiten wie "Graffiti". Ich bin ja Freund von der absurden These, dass man in Rostock 80 Km in jede Richtung fahren kann und wenn es dort irgendwo ein Fußball-Graffiti gibt, ist es in 90% der Fälle eines von Hansa.
Und wenn ein Traditionsmannschaft ein Heimspiel austrägt, prägt es halt auch das ganze Stadtbild. Weil die Fans im gesamten Stadtbild präsent sind, was einem auch irgendwie das Gefühl vermittelt, dass die gesamte Stadt mitfiebert. Das zeigt halt, wie eng die Verbindung zwischen Traditionsverein und Stadt sind.

5. Traditionsvereine dürfen keinen Investor/ Mäzen haben.
Ist natürlich nur ein Scherz. Investoren haben so gar keinen Einfluss auf den Traditionsstatus eines Vereins. Ein 1860 München verliert ihn nicht, weil man am Tropf von Hasan Ismaik hängt.
Aber das wirklich faszinierende ist ja, wie viele abgestürzte Traditionsvereine in der letzten Kicker Serie (die kommt ja mittlerweile gefühlt ein Mal im Jahr) die klassische "Solange der Mäzen Geld hatte, ging es dem Verein gut, seit dem geht es bergab" Geschichte sind. Nehmen wir mal das aktuell dramatischste Beispiel: SG Wattenscheid 09: Klaus Steilmann führte diesen Verein als Quasi Vorbild von Dietmar Hopp in die Bundesliga. Und jetzt gingen dort endgültig die Lichter aus und der Spielbetrieb im Männerbereich wurde eingestellt. Was dann überregionale Wellen geschlagen hat, nachdem man vorher Wattenscheid einfach vergessen hatte. Und diese Wellen waren nicht im "Mäzenklub endgültig pleite gegangen" Duktus... sondern im "Hier stirbt ein Stück Fußballtradition". Und all die Leute, die Hopp kritisieren, haben Wattenscheid dann ihr Beileid ausgesprochen...

Warum? Nun ja, finden wir es gemeinsam im Verlauf der nächsten Ewigkeit raus. In dem wir uns mehrere Beispiele von Traditionsvereinen genauer angucken.