Dienstag, 7. Mai 2019

Wir müssen aufhören über den VAR oder das Handspiel zu diskutieren

Und dem eigentlichen Problem ins Gesicht sehen:

Unsere Schiedsrichter sind richtig schlecht geworden. Und das war eigentlich seit Jahren abzusehen.

Also genau genommen... sind die Namen, die in den Hoyzer Skandal verwickelt waren, auch heute noch relevant. Felix Zwayer war "Kronzeuge"... Oh und ist nebenbei für seine Verwicklung in die Geschichte für ein Halbes Jahr gesperrt worden, weil er Bestechungsgeld angenommen hat, auch wenn der DFB das lieber geheim halten wollte...
Und Lutz Micheal Fröhlich, der ebenfalls Insiderwissen zu dem Skandal hat, ist heute "Sportlicher Leiter der Schiedsrichter"... aber dazu später mehr.

Denn das ist ja nicht die einzige Baustelle, die andeutet, dass etwas falsch läuft. Da ist ja auch noch die hässliche Geschichte Amerell, die nahelegt, dass der Auf- und Abstieg der Schiedsrichter auch außerhalb des Platzes entschieden werden...

Und ja, das ist und bleibt irgendwie das Grundproblem: es gibt nach wie vor keinerlei Transparenz beim DFB. Die haben ihr eigenes Bewertungssystem, bei dem Zwayer irgendwie ein Weltklasse Schiedsrichter sein soll... aber niemand weiß genau, wie der DFB zu diesem Schluss kommt.

Natürlich weiß der gemeine Fan inzwischen, wenn er es denn will, wie der Bewertungsbogen des DFBs für seine Schiedsrichter aussieht... Aber wie der DFB selber die Leistungen seiner Spiel leitenden Angestellten einschätzt, bleibt ein Geheimnis. Warum eigentlich?
Dafür gibt es (wenn auch nur gegenüber der Bild geäußerte, aber der Link führt nicht dahin, keine Angst) Vorwürfe, dass Manipulationen bei den Bewertungen veranlasst worden sind und dass die Schiedsrichterlisten nicht unbedingt nach sachlichen Kriterien zusammengestellt worden sind...

Dann ist da auch noch, um ein ganz hässliches Fass auf zumachen, der Selbstmordversuch von Babak Rafafti.
Man muss da halt auch aufhören, von zusammenhanglosen Einzelfällen zu reden, sondern solche Vorfälle mal in Verbindung zueinander setzen... Also Rafati stieg zufälliger Weise genau nach der Saison auf, nach der ein Hoyzer aussortiert werden musste... und ein Felix Zwayer zufälliger Weise gesperrt war... ernsthaft, es gibt keine Leistungsdaten für Zwayer für die Saison 2005/06 und das ist Rafatis Debütsaison in der Bundesliga...

Danach wurde dann der laut Meinung verdammt vieler schlechteste Bundesligaschiedsrichter (er "gewann" diese Auszeichnung 4 mal) zum Fifa-Schiedsrichter befördert... weil beim DFB anscheinend komplett andere Maßstäbe angewendet werden, als bei allen anderen, die sich mit Fußball beschäftigt. Und anschließend hat er, laut eigener Aussage, die Kritiken seiner Vorgesetzten nicht verkraftet und dadurch brachen seine Depressionen durch. Mir stellt sich da ja die Frage, wie ein Schiedsrichter, der regelmäßig vor versammelter Mannschaft zur Sau gemacht wird, trotzdem weitere Beförderungen bekommt...
Dabei geht es nicht um die persönliche Tragödie von Rafati... sondern um die Frage, wie so ein Mensch vom DFB in eine Situation befördert werden kann, in der er dann so überfordert ist, dass es zu einem Selbstmordversuch kommt. Da muss doch vorher von DFB Seite einiges schief gelaufen sein.
Vielleicht hätte es Rafati einfach geholfen, wenn er noch eine Weile Zweitligaschiedsrichter geblieben wäre... vielleicht sogar für den Rest seiner Karriere, das wäre ja auch keine Schande. Es gibt ja auch Fußballer, bei denen es nicht für die allerhöchsten Spielklassen reicht, warum sollte dies bei Schiedsrichtern anders sein.
Aber aus irgendwelchen nicht nachvollziehbaren Gründen war der Aufstieg Rafatis bis zur höchstmöglichen Position nicht zu verhindern. Meine Lieblingstheorie ist ja, dass Rafati unbedingt als Vorbild für den wunderbar integrierenden DFB herhalten musste... also als Quoten-Araber. Aber wie könnte man bei einem derart transparenten System auf solche Ideen kommen?

Dazu kommt dann jetzt die Einführung des Video Assistenten, bei denen einige Schiedsrichter der Alte Generation mit einem Prestigeprojekt allen beweisen wollten, dass das deutsche Schiedsrichterwesen immer noch herausragend im internationalen Vergleich ist... was gnadenlos gescheitert ist. Immerhin hat es dort schon Konsequenzen gegeben und ein Hellmut Krug trägt da keine Kompetenzen mehr. Immerhin etwas...

In der Summe kommen wir also auf 4 Skandale oder Tragödien in den letzten 15 Jahren. Und ja, ich bin mir nicht sicher, ob der VAR ein Skandal oder eine Tragödie ist. Er führt uns auf jeden Fall vor, dass unsere Schiedsrichter derzeit einfach überfordert sind. Und das man da mal über grundlegende Reformen nachdenken sollten... Möglichst Reformen, die für mehr Transparenz sorgen.

Aber da gibt es ja gute Nachrichten, die sind ja auf dem Weg... oh, warte, Lutz Michael Fröhlich gibt stattdessen bekannt, dass die Handspielregel "konsequent und berechenbar" ist. Und der Projektleiter für den Bereich Videoassistent Dr. Jochen Drees hat am 31. Spieltag ein "positives Wochenende" für die Schiedsrichter gesehen. Ist doch schön, dass sich die Führungspersonen so kritisch mit der Materie auseinandersetzen.

Gerade das Fröhlich's Aussage direkt am nächsten Wochenende schon wieder pulverisiert worden ist, ist einfach nur grotesk. Es kann halt niemand nachvollziehen, warum es im Fall Jerome Boateng ein Handspiel (und keinen Platzverweis für die Schiedsrichterbeleidigung, aber Details) gab, in den Fällen Karim Rekik, Kevin Stöger und Mario Grötze allerdings nicht. Und das, obwohl es im Fall Götze wohl eine Fehlentscheidung gewesen wäre... aber wenn wir den Maßstab an das Boateng-Handspiel "konsequent und berechenbar" angewendet hätten, hätte es 3 Handelfmeter mehr gegeben.

Ersthaft: Fröhlichs Aussagen zeigen uns doch, wie selbstgefällig und arrogant die Schiedsrichter-Führung immer noch ist, obwohl es dafür bei vernünftiger Selbst-Reflektion keinen Anlass gibt. Die stehen um Brennenden Haus und wollen uns erzählen, dass alles in Ordnung ist. Und ganz ehrlich: Der Fröhlich müsste für seine Aussage eigentlich direkt entlassen werden. Zumindest sollte er dem DFB mal deutlich und ausführlich erklären, wie er zu diesem Schluss kam, oder ob er es vielleicht nur als Schutzaussage für die Schiedsrichter so gesagt hat... was eine Erklärung wäre, aber immer noch fragwürdig ist.

Denn wenn die Führungsriege die derzeitigen Leistungen wirklich so unkritisch sieht, wie Fröhlich dies geäußert hat, ist es quasi ausgeschlossen, dass die nötigen Reformen auf den Weg gebracht werden. Und wir brauchen dringend Reformen, damit sich die schlechten Nachrichten für und über die Schiedsrichter nicht noch weiter häufen.

Und das es "unseren Schiedsrichtern" grundlegend an Qualität fehlt, sollte nicht, wie bei Manfred Ewalds Kommentar im Kicker unter "Drittens" angesprochen werden. Es sollte auf der Prioritäten-liste ganz weit nach oben gesetzt werden. Denn es ist die Grundvoraussetzung um die anderen Regelprobleme zu lösen.

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