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Montag, 16. März 2026

Die Bayern lassen Niko Kovac plötzlich sachlich aussehen.

 Starke Leistung. Ein Plottwist, der so nicht zu erwarten waren. Schließlich genießen die Bayern eine komfortable Führung in der Liga, da sollte man Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern doch gelassen zur Kenntnis nehmen. Stattdessen meldet sich direkt Uli Hoeneß lautstark zum Thema. Gut, das ist irgendwie auch seine Aufgabe. Wenn der sich nicht ein Mal im Jahr völlig unsachlich meldet, müsste man sich ja auch Sorgen machen, ob es dem noch gut geht. Und die "Abteilung Attacke" wird halt nicht gebraucht, wenn es keine Konkurrenz mehr gibt. 

Aber was die ganze Sache völlig absurd macht, ist der Einspruch, den die Bayern eingelegt haben. Das ist ein Real Madrid Move. Und ja, das ist in diesem Kontext die schlimmste Beleidigung, die mir einfällt. Jetzt mal ganz sachlich gesehen: Die Gelb-Rote Karte bedeutet nur, dass Luis Diaz mal ein Spiel Pause bekommt. Gegen Union Berlin, eine Mannschaft, die man auch ohne Diaz und Jackson besiegen muss. Und wenn man gegen Union so unmotiviert auftritt, dass die eine Chance haben, wird das nicht an den Sperren liegen. Bei dem absurd vollen Spielplan und dem Luxuskader ist es doch nichts Schlimmes, wenn ein Spieler wie Diaz mal zwangsweise auf die Tribüne rotiert.  

Vor allem war zu 100 % absehbar, dass der Einspruch abgelehnt wird. Also das mag jetzt eine schockierende Nachricht für die Bayern sein, aber das war nicht der erste unberechtigte Platzverweis dieser Saison. De facto gab es davon schon so viele, dass selbst das IFAB schon reagiert hat. Nächste Saison könnte diese Situation halt überprüft werden. Dass man solche Änderungen nicht innerhalb einer Saison umsetzen kann, liegt irgendwie auch an der Fairness. Wenn eine gewisse Sachlage trotz VAR noch in die Kategorie der Tatsachenentscheidung fällt, muss diese Sachlage auch konsequent angewendet werden.

Wenn jetzt nur und ausgerechnet die Bayern es schaffen, durch einen Einspruch eine Sperre abzuwenden, müsste man tatsächlich von einem Bayern-Bonus reden. Und der vielleicht nachvollziehbare Anlass für den Einspruch wurde bereits geklärt, es gibt also nichts zu diskutieren.

Also fast nichts. Wenn die Bayern jetzt den Einspruch einreichen würden, weil sie darauf verweisen, dass sie eine Challenge genommen hätten, wenn sie diese Möglichkeit hätten... Ja, man könnte den Einspruch nutzen, um eine sinnvolle Diskussion anzuregen. Man könnte das "Gelb-Rot ist sehr hart, das würde ich jetzt nicht mehr so geben." mit einem "Wir hätten ihn da gerne selbst zur Review Area geschickt" kombinieren. Das ist, wie so oft, eines der Paradebeispiele für Challenges. Aber die Bayern heulen ja lieber sinnlos rum, anstatt konstruktive Diskussionen anzuschieben.

Wirklich ekelig wird es, wenn Max Eberl das ein Geständnis von Christian Dingert als "sehr ehrenvoll" bezeichnet. Nur um ihn dann ganz ehrenlos von hinten ins Kreuz zu springen und den Einspruch einzulegen. Kein "Wir akzeptieren das, weil Fehler im Fußball passieren", sondern ein "Das war ein Fehler gegen UNS, da muss man alle Hebel in Bewegung setzen." Und das führt halt auch dazu, dass wir jetzt noch tagelang über diesen Fehler reden, anstatt die Situation abzuschließen.

Nebenbei macht er das in einer Zeit, in der ein Deniz Aytekin öffentlich darauf hinweist, dass der Hass gegen Schiedsrichter im Zuge des VAR-Problems weiter zunimmt. Die Aussagen von Kovac in den letzten Monaten und die Aktion der Bayern jetzt tragen dazu ihren Teil bei. Und Dingert kann ja nichts dafür, dass er sich die Szene nicht nochmal angucken darf. 

Ganz sachlich wird die Aktion von Eberl jetzt nur eine Konsequenz haben: Es wird sich kein Schiedsrichter mehr vor eine Kamera stellen und sagen "Das war ein Fehler." Denn wenn er das macht, gibt es zwar erstmal die Schulterklopfer, aber er muss davon ausgehen, dass ihm mit der anderen Hand ein Messer in die Rippen gesteckt wird. Und wenn die Schiedsrichter das selbst nicht so sehen, wird die DFL es veranlassen. 

Da ist es doch schön, dass Hoeneß und Eberl ihren kleinen Beitrag dazu leisten, dass diese Hassspirale weiter eskalieren kann. Ich hätte ja auch nichts anderes von einem Hoeneß erwartet. Nur um mal festzuhalten, wie bescheuert das Vorgehen der Bayern ist: Didi Hamann bringt da plötzlich eine sachliche Aussage zu dem Thema, der man zustimmen muss... also außer man ist Hardcore Bayern Fan...

Montag, 2. September 2024

Worst of des "Warum wurde Kompany noch nicht entlassen?" Wochenendes

 Das ist doch unentschuldbar. Nicht nur, dass die Bayern nach 2 Spieltagen immer noch nicht von Platz 1 grüßen... die stehen HINTER dem 1. FC Heidenheim. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte.

Aber Heidenheim ist auch... Tabellenführer. In welche Realität sind wir denn hier abgedriftet? Also selbst nach 2 Spieltagen sollte das eigentlich unmöglich sein und zu einem permanenten Systemabsturz führen. Und da haben wir noch gar nicht darüber geredet, dass Bayer Leverkusen verloren hat.

Dass wir aber noch in "unserer" und "der richtigen" Realität sind, erkennt man an 2 Dingen: Erstens: Es wird immer noch über Handspiel und den VAR diskutiert. Es versteht weiterhin niemand, was jetzt ein Handspiel ist und wann der Videoassistent eingreifen darf oder muss. Und das war ja auch nach dem ersten Spieltag so. Und jetzt geht es direkt so weiter.

Das zweite beruhigende Merkmal: Bundesligaprofis meckern fleißig weiter. Ich habe ja urlaubsbedingt vom ersten Spieltag nichts gesehen, damit dauerte es nur 7 Minuten, bis auf meinem Bildschirm Kingsley Coman, Thomas Müller und Joshua Kimmich den Schiedsrichter bedrängten, weil der in der 95. Minute natürlich den zweiten fragwürdigen Handelfmeter gab. Alle 3 sind Stars... aber eben kein Kapitän. Gelb sahen sie nicht.

Gerade das Meckern der Bayern-Spieler ist so absurd. Also klar, der Elfmeter ist fragwürdig. Aber die führen 2:0 und nach dem Elfmeter wird ziemlich direkt abgepfiffen. Man sollte genügend Klasse in den eigenen Reihen haben, dass Freiburg nie wieder an den Ball kommt. Im schlimmsten Fall gewinnen die also nur 2:1 und nicht 2:0. Was überhaupt keinen Unterschied macht. Und wenn die nach der 95. Minute noch 2 Gegentore kassieren, liegt das eher daran, dass man sich selbst durchs Meckern abgelenkt hat, als durch die fragwürdige Entscheidung des Schiedsrichters.

Auch Victor Boniface hätte verwarnt werden müssen, da sich lautstark beschwerte, weil es für seinen heftigen Treffer im Gesicht des Gegners nur Gelb gab. Hier wird es halt doppelt absurd: Auch wenn man Boniface keine Absicht unterstellen kann, so kann er für die grobe Fahrlässigkeit direkt mit Rot vom Platz gestellt werden. Er sollte froh sein, dass es nur Gelb gab. Dass er dann noch Meckern darf, obwohl das ja mit großer Ankündigung untersagt worden ist, ist einfach nur lächerlich. 

Nach dem 2:2 durch Jonny Burkhardt beschweren sich 3 Stuttgarter beim Schiedsrichter über ein angebliches Handspiel. In der ersten Reihe steht der bereits verwarnte Julian Chabot, der, kurz nachgeschaut, nicht als Kapitän geführt wird.

Und dann beschwert sich Marvin Duksch, weil er einen auch eher als lächerlich einzustufenden Elfmeter nicht bekommt. Gut, war ein angebliches Handspiel, da sieht eh niemand durch und da kann man sich immer beschweren.

Auf der anderen Seite hat Marco Rose sehr schnell Gelb-Rot bekommen. Was absurd ist, weil wir hier ja von demselben Schiedsrichter reden, bei dem Boniface vergeblich um einen Platzverweis gebettelt hat. Also Matthias Jöllenbeck wusste durchaus, dass er aufs Meckern sehr schnell Gelb zeigen kann. Und dass er dies auch 2-mal nacheinander machen kann. Nur bei Boniface hat er es sich halt doch nicht getraut. Obwohl, zumindest nach dem Eindruck der Sportschau Bilder ein "Na gut, wenn du unbedingt willst, schicke ich dich halt doch zum Duschen, da hast du deine 2. Gelbe Karte" die richtige Reaktion gewesen wäre.

Das waren direkt 4 Szenen, die es laut neuster Ankündigung nicht mehr geben soll. Keiner dieser Spieler wurde dafür verwarnt. Das sind aber auch 2 Dinge, auf die ich gleich hingewiesen habe: 1.: Es gab gar keine neue Regel. Es gab nur die Anweisung, die vorhandenen Regeln endlich mal anzuwenden. 2.: Der Erfolg wird maßgeblich davon abhängen, ob und wie lange die Schiedsrichter das durchziehen. 

Da kann man die schöne neue Regel auch direkt in die Tonne treten. Was wirklich schade ist, denn die EM hat ja gezeigt, wie viel angenehmer das Spiel für uns Zuschauer wird, wenn so was konsequent unterbunden wird. Aber anscheinend trauen sich unsere Schiedsrichter dann doch nicht, einem Müller auch konsequent Gelb zu geben oder einen Spieler wegen solcher Aktionen vom Platz zu stellen. Das ist eine verpasste Chance.

Aber es wird ja auch weitestgehend ignoriert. Also weder Jöllenbeck noch Robert Hartmann oder Tino Gerach und Christian Dingert haben in ihrer Kicker Bewertung einen Anschiss bekommen, weil sie die ganz klare und eindeutige Anweisung von Fifa und DFB ignoriert haben. 

Man hätte den Fußball grundlegend verändern können und es für alle Beteiligten inklusive der Profis, die dank der zusätzlichen Sperren ihre dringend benötigten Regenerationspausen bekommen. Aber anscheinend besteht doch kein wirkliches Interesse daran und wir gucken lieber weiterhin weinenden Kleinkindern beim Kicken zu... Und es sind noch 4 Jahr Olympiade... bis wir das nächste mal mitbekommen, dass dies in anderen Sportarten viel besser läuft, weil dort das, was jetzt kurzzeitig angekündigt wurde, einfach umgesetzt und respektiert wird, wird noch viel Zeit vergehen.

Mittwoch, 10. April 2024

Warum gibt es das nicht wöchentlich?

 Das frage ich mich, glaube ich, auch nicht zum ersten Mal.

Also nachdem ich mich gestern gefragt habe, warum niemand vernünftig über den nicht gegebenen Elfmeter für Robin Koch diskutiert wird, gab es eine wirklich fragwürdige Entscheidung.

Eine Entscheidung, bei der Harry Kane hinterher tatsächlich zugab, dass er dafür einen Elfmeter haben wollen würde, wenn ihm das passiert. Und da kann dann der Kicker nicht einfach schweigen. Also holt man nach 13 Monaten wieder Lutz Wagner aus dem Keller und lässt den auf Kicker.de schreiben. Weil der schon vor 13 Monaten bewiesen hat, dass er die Regeln im Zweifelsfall pro Deutschland auslegt, deswegen kann man ihn das machen lassen.

Nebenbei fällt mir dabei auf, dass auch ich nicht von der "Vereinsbrille" verschont bin. Denn für mich ist das ein klarer Elfmeter, weil ich halt prinzipiell gegen die Bayern bin. Aber im Gegensatz zu all den anderen ist mir das bewusst. Und ich verweise auf Kanes Aussage, und verdeutliche den Bayern-Fans damit, dass sie auf der Gegenseite einen klaren Elfmeter gesehen hätten.
Deswegen bin ich auch so fasziniert, dass der Kicker selbstbewusst von "richtig in der Nachspielzeit nicht auf Elfmeter zu entscheiden" schreibt. Die müssen auch einfach regelmäßig beweisen, dass sie keinerlei journalistischen Anspruch haben, sondern einfach nur Fans von deutschen Mannschaften sind. Denn die sachlich richtige Einschätzung bleibt: Da hätte man Elfmeter geben können, es nicht zu tun ist aber durchaus vertretbar. Da hatten die Bayern auch ein wenig Glück.

Und letzter Einschub: Als ich ein Mal gegen A-Jugend Bundesligisten in der Kreisklasse spielen durften (die kurze Variante: Die A-Jugend von Hansa Rostock wechselte zum FSV Bentwisch und spielten deswegen ein Jahr gegen "uns", wo sie durchmarschierten), gab es genau den Elfmeter, den Arsenal produziert hat. So viel zum "Kinderfehler"...

Anyhow, ich frage mich jetzt dasselbe, wie damals: Warum macht Lutz Wagner in seiner Rolle als "Leitender Koordinator des DFB für Regelauslegung" das nicht jede Woche? Warum erklärt er uns in einer wöchentlichen Kolumne nicht, wieso der VAR hier eingriff und da nicht? Warum es bei Koch keinen Elfmeter war und ob das so richtig war. Damit man eine vernünftige Gesprächsgrundlage hat. Und damit man auch weiß, wie die DFL und der DFB diese Szenen einschätzen.

Die einfache Antwort lautet: Weil er dann die eigenen Schiedsrichter kritisieren müsste und er dann als Nestbeschmutzer gilt. Denn der Einzige, der dies regelmäßig im aktuellen Sportstudio macht, ist Manuel Gräfe. Und der gilt bei den Kollegen als "Persona non grata".
Ernsthaft, wenn ihr mit Schiedsrichtern über Gräfe redet, bekommt ihr eine komplett gegensätzliche Meinung zur restlichen Öffentlichkeit. Was eigentlich alles über die Kritikfähigkeit dieser Gilde aussagt.

Wobei die Lage ja noch viel schlimmer ist. Denn die anderen ausländischen Gilden darf man ja kritisieren, nur die eigene nicht. Über einen jungen schwedischen Schiedsrichter zu urteilen, ist da kein Problem. Einen Niederländer öffentlich anzuzählen, weil er eine Entscheidung gegen die Deutschen getroffen hat, ist eine logische Konsequenz. Aber wenn ein Mann aus Wangen schwer nachvollziehbare Entscheidungen trifft, ist halt niemand verfügbar, der das einordnen kann. Das ist und bleibt einfach nur erbärmlich.

Und schade, weil die Schiedsrichter ja genau diejenigen wären, die eine sachliche Diskussionsgrundlage für die heiß diskutierten Entscheidungen des Wochenendes geben könnten. Aber wir haben weiterhin keine Ahnung, wie sie die Szene vom Freitag einschätzen. Obwohl das so viel wichtiger wäre, als die Frage nach dem absurden Handelfmeter...

Deswegen drehen sich die Diskussionen ja auch weiterhin im Kreis. Wir haben in den letzten 5 Jahren weder beim VAR noch beim Handspiel wirkliche Fortschritte erreicht. Aber wir haben diese Fragen auch nie aus einer sachlich neutralen Position betrachten und auseinandernehmen lassen.

Lutz Wagner wird jetzt wieder für ein Jahr schweigen, bis dann im nächsten Viertelfinale die nächste fragwürdige Entscheidung gegen eine deutsche Mannschaft getroffen wird. Dann hat sein Handy plötzlich wieder Empfang und er kann ganz selbstverständlich eine Kolumne dazu schreiben...

Montag, 22. August 2022

Worst of des "Ist es echt schon wieder März?" Wochenendes

 Ist es gar nicht? Warum fühlt es sich dann so an, als wäre die Meisterschaft schon entschieden?

Dabei läuft doch eigentlich alles nach Plan. Also zumindest für Kapelle Petra, die Gladbach auf Platz 1 in ihrer Stecktabelle packen konnten. Oh und realistisch gesehen ist Union Berlin der Bayern-Verfolger Nummer 1. Was eigentlich erwartbar war, schließlich reden wir von dem Verein, der sich rein tabellarisch jedes Jahr verbessert. Da ist es nur überraschend, dass die so schnell zum Bayern-Jäger Nummer 1 wurden. Aber ja, die können ihr Meister-Merchandise für die Saison 2026 schon mal in den Druck geben...

Das eigentliche Problem ist natürlich, dass die eigentlichen Verfolger so gar kein Interesse an einem spannenden Meisterrennen haben. Borussia Dortmund ist angeblich der erste Verein, der in der 89. Minute 2:0 führt und trotzdem noch verliert... gegen einen Aufsteiger. Der mit Niclas Füllkrug und Marvin Duksch 2 "Marius Ebbers Angreifer" aufstellt. Aber sobald die auch nur einen dieser 2 Angreifer durch einen richtigen Stürmer ersetzen, ist Dortmund komplett überfordert.

Nebenbei... wollte ich da nochmal einen Matts Hummels Rant nachlegen. Denn der hat sich während der Vorbereitung lautstark darüber aufgeregt, dass die ganzen Jungstars im Training wie die Vollidioten in die Zweikämpfe gehen. Wenn ihr wissen wollt, warum Dortmund nie wieder Meister werden wird, guckt euch diesen Trainingsausschnitt an.
Also 1. sollte Matts Hummels selber gerade in jedem Training kratzen und beißen, denn Dortmund hat in diesem Transfersommer ja ein eindeutiges "Eigentlich sollst du kein Stammspieler mehr sein" Statement abgegeben. Dazu hat Hummels einen auslaufenden Vertrag.
2.: Es ist ja noch nicht mal ein schlimmer Tritt. Also als ich das gelesen habe, hab ich mit irgendeiner extremen Grätsche gerechnet. Aber sich so aufzuregen, weil dir jemand auf den großen Zeh tritt.

Aber genau das sind halt die Führungsspieler in Dortmund: Ein Haufen alter Säcke, die nicht (mehr) gut genug für die ganz großen Aufgaben sind und die es sich in dieser Mannschaft sehr bequem gemacht haben. Nun kann Hummels natürlich behaupten, dass er ja beim Stand von 2:0 ausgewechselt wurde. Das ist aber auch nichts, womit man sich als Führungsspieler rühmen sollte. Und dadurch wird die Richtung, die die Führungsspieler in Dortmund vorgeben, nicht richtiger.

Bei RB Leipzig wundert es mich gerade, dass da anscheinend Jogi Löw den Trainerposten übernommen hat, ohne dass das mitgeteilt wurde. Also die Art und Weise, wie die ihre Spiele verlieren, erinnert mich stark an Deutschland bei der WM 2018: Viel Ballbesitz, uninspiriert beim Spiel in die Spitze und dann lässt man sich immer wieder auskontern. Und klar, das ist ein strukturelles Problem, welches man lösen kann. Aber für eine spannende Meisterschaft hätte man das im Sommer erledigen müssen. 

Und dann ist da noch der Tabellenletzte aus Leverkusen. Was halt wirklich absurd ist: Die kommen bei 51 Torschüssen auf 1 Treffer. Sie haben nebenbei Rafa Gikiewiczs Stammplatz gesichert. Und dieses Wochenende schoss Patrick Schick seinen "Sturmpartner" Sardar Azmoun an. Oder wie der Kicker das sogar beschreibt: Azmoun klärt für Hoffenheim. Und auf ein Mal sitzt Gerardo Seoane auf einem heißen Stuhl. Obwohl er wenig dafür kann, dass die Starstürmer sich so komplett unfähig anstellen. Wer hätte gedacht, dass die Lucas Alario so vermissen werden?

Aber wo sonst im Großen und Ganzen alles wie immer läuft... muss sich ja auch im kleinen nichts ändern. Von daher: Täglich grüßt der VAR.
Nebenbei finde ich es faszinierend, dass die Bayern-Fans es sich jetzt so hindrehen, dass Sadio Mané ach so sympathisch ist, weil er sein eigenes Handspiel zugegeben hat... Also nein, er ist nicht zum Schiedsrichter gegangen, er hat das seinen eigenen Mitspielern signalisiert. Trotzdem wartete er auf die Analyse des VARs, weil man ja nie wissen kann, was dabei rauskommt. Beim Stand von 0:3 für die Bayern. So ein sympathischer Mensch. 

Also nur um das mal ganz sachlich zu bewerten: Mané war sich vollkommen bewusst, dass er den Ball mit der Hand gespielt hat und dass das Tor eigentlich nicht zählen kann. Sympathisch wäre es gewesen, wenn er das sofort dem Schiri signalisiert und uns allen die minutenlange Überprüfung erspart. Ganz großer Sportsgeist wäre es gewesen, wenn er das bei einem Rückstand macht. Darauf zu spekulieren, dass der VAR das nicht aufklärt und der Treffer trotzdem gilt, ist mehr so ein Lewandowksi-Move.

Aber gut, da hat der VAR ja wenigstens richtig entschieden. Wie man als Schiedsrichter den Kölner Ausgleich stehen lassen kann, bleibt das eigentliche Rätsel. Also da hat man die Möglichkeit sich das nochmal anzugucken. Und man sieht eindeutig, dass der im Abseits stehende Spieler das Sichtfeld des Torhüters und damit auch das Spielgeschehen beeinflusst. Falls sich noch jemand fragt, warum der VAR scheitern muss. Vor allem, weil bei solchen Szenen definitiv schon anders entschieden worden ist. Und genau das sollte der VAR doch verhindern: Dass identische Szenen unterschiedlich bewertet werden. Zumindest, wenn es um einfache Entscheidungen wie das Abseits geht.
Klar, als Kölner Fan behauptet man, dass Kevin Trapp doch eh nie an den Ball gekommen wäre. Aber zumindest wäre er engagierter in die Ecke gesprungen, wenn er den Ball früher sieht.

Nebenbei dauerte es 5 Minuten, bis die hinterher nach Meinung der Experten falsche Entscheidung bestätigt wurde. 5 MINUTEN! So viel Zeit haben nicht mal die Engländerinnen bei ihrem lächerlich lange verzögerten Eckball von der Uhr genommen. Also nicht mal annähernd. Und das ist ja das eigentliche Problem: Kaum jemand (also außer die Frankfurt Fans natürlich, die gleich und sofort die glasklare Abseitsstellung gesehen haben) hätte sich beschwerte, wenn diese Entscheidung ohne VAR so gefallen wäre. Wenn das Schiedsrichtergespann die halt auch sehr knappe Abseitsentscheidung übersieht. Oder wenn sie das Abseits sieht, aber nicht erkennt, inwieweit das Blickfeld des Torhüters beeinflusst wurde. Aber wenn solche Fehlentscheidungen trotz der technischen Möglichkeiten nicht korrigiert werden. Oder genauer genommen nur manchmal korrigiert werden. Und das noch nach 5 Jahren mit diesem Experiment. 

Wobei man an der Stelle auch nochmal festhalten muss, dass das kein VAR, sondern ein Qualitätsproblem ist. Also dass deutsche Schiedsrichter viel zu oft vor dem Bildschirm stehen und dann als Einzige keine Fehlentscheidung sehen. Nun muss man Martin Petersen zugutehalten, dass er noch ein sehr junger Schiedsrichter ist. Und dass er laut Kicker Bewertung gerade seine erste 5 erhalten hat. Und ja, so sehr ich mich über die Beurteilung von Schiedsrichterebene auf internationaler Ebene aufrege... wenn es um Spiele zwischen 2 deutschen Mannschaften geht, vertraue ich dem Kicker noch. Da haben die halt keine Nationalisten-Brille auf. Aber auch Petersen sollte sich jetzt selber mal fragen, warum er an der Stelle so entschieden hat und was ihn davon abgehalten hat, diesen Fehler zu korrigieren.

Und wenn es wirklich ein "bedauerlicher Einzelfall" wäre, dass man die Entscheidung nach VAR Eingriff nicht nachvollziehen kann. Aber es passiert halt alle 14 Tage. Aber dass man eigentlich über die strukturellen Probleme im Schiedsrichterwesen reden müsste, ist ja auch keine neue Forderung....

Donnerstag, 22. April 2021

Worst of der "Vielleicht doch noch ein guter Tag" englischen Woche

 Es ist schon ganz großes Kino. Da verabschiedet sich Schalke 04 an einem Dienstagabend bei einem Geisterspiel in der BND-Zentrale aus der Bundesliga... und Matthias Opdenhövel beendet die Sportschau mit "Vielleicht war es doch ein guter Tag für den Fußball"... AUF JEDEN! Und dann dachten sich der Schalker Anhang: Wenn all die anderen Fanlager gerade so positiv auffallen, können wir ja Jagd auf unsere Spieler machen... passt doch gut zum Zeitgeist.

Wirklich faszinierend war ja die emotionale Reaktion der Spieler, denen es doch gefühlt bis vorgestern scheißegal war, ob Schalke absteigt oder nicht. Aber wenn es dann doch in ihrer Vita steht, kommen dann doch plötzlich die Tränen. Oder man hat wenigstens jetzt den Anstand Emotionen zu zeigen, nachdem man sich vorher so leblos in sein Schicksal ergeben hat. Das ist doch mal ein Fortschritt.

Aber hey, immerhin haben sie mit Gerald Asamoah jemanden zu den Interviews geschickt, dem man abnimmt, dass ihn dieser Abstieg trifft.

Nebenbei gibt es hier eine schöne Trivia Frage: Was haben Fabian Klos und Christian Günter gemeinsam? Beide erzielten die Hälfte ihrer Bundesligatore gegen Schalke 04. Und so wie Klos sich beim Elfmeter präsentierte, wollte er sicherstellen, dass diese Quote nicht noch drastischer ausfällt...

Mit Bielefeld sind wir dann auch beim eigentlichen Abstiegskampf angekommen. Also bei den Mannschaften, die diesen Begriff im Gegensatz zu Schalke nicht wörtlich annehmen, sondern aktiv gegen den Abstieg kämpfen. Da gab es einen überraschenden Beitrag von RB Leipzig. Die dachten sich wohl: Wenn wir schon die Meisterschaft nicht spannend gestalten können, bringen wir wenigstens etwas Würze in den Tabellenkeller. Obwohl Leipzig am Ende wie immer spielte: Bei RB muss man in dieser Saison immer damit rechnen, dass sie zu verschwenderisch mit ihren Chancen umgehen.

Auch Werder Bremen scheint sich zu denken: Abstiegskampf? Da sind wir dabei, das wird prima! 6 Niederlagen in Folge sind ein neuer Vereinsrekord. Und das überrascht mich dann schon. Also dass es noch neue Negativrekorde gibt, die Florian Kohfeldt aufstellen kann. Ich dachte echt, der hätte sich schon alle gesichert. Wir lachen ja sonst immer darüber, dass die Mainzer genau die Aufholjagd gestartet haben, von der auf Schalke geredet wurde... Inzwischen hat Mainz die Bremer überholt. Wie hat es dieser Übertrainer eigentlich geschafft seine Mannschaft schon wieder in diese Situation zu manövrieren.

Nur um das mal festzuhalten: Der Abstiegskampf besteht aus Schalke, Köln, Hertha, Werder und dem BND. All diese Vereine sollten eigentlich ganz andere Möglichkeiten haben und müssen nicht unbedingt ganz unten reinrutschen. Ok, außer Bielefeld. Aber bei den anderen 4 Kandidaten ist doch schon wieder die geballte Inkompetenz am Werkeln.

Wobei ich am an der Stelle auch noch Mainz 05 erwähnen muss. Nur weil die vor Werder stehen, sind sie noch nicht durch. Schließlich brauchen die noch einen Sieg und spielen noch gegen 3 Champions League Kandidaten und Borussia Dortmund... Wenn man das Nachholspiel gegen die Hertha verliert, kann es einem plötzlich passieren, dass man gar keine Punkte mehr holt.

Kommen wir zu den eigentlichen Konstanten: Eric Maxim Choupo-Moting zum Beispiel. Diesem Geniestreich von Hasan Salihamidzic. Denn Choupo-Moting hat in seinen letzten 5 Spielen 4 Tore erzielt. 2 davon gegen Paris St. Germain. Und er kostete 0 Cent Ablöse. Still und heimlich hat Salihamidzic doch den perfekten Lewandowski-Ersatz gefunden, der sich mit seiner Rolle hinter dem Starstürmer zufriedengibt, aber dann trotzdem Leistungen bringt, wenn es auf ihn ankommt. 

Denn am Ende ist Bayern nicht wegen der Transferpolitik von Hasan gegen Paris ausgeschieden, sondern weil man im Hinspiel 3 Gegentore kassiert hat. Diese kassiert man, weil man es nicht geschafft hat um Spieler wie Neuer, Pavard, Süle, Alaba, Hernandez, Kimmich und Goretzka ein stabiles und funktionierendes Defensivsystem aufzubauen. Das Personal dafür hätte man durchaus. Aber als Trainer kann man da natürlich nichts machen. Es ist ja nicht dessen Aufgabe ein derartiges System zu installieren. Ist halt nen Software-Problem, da kann man nichts machen.

Lutz Michael Fröhlich, Vollidiot der Woche. Zumindest auf nationaler Ebene. Warum haben wir in den entscheidenden Positionen hauptsächlich Vollpfosten sitzen? Also für ein wenig Kontext: Lutz Michael Fröhlich ist der "Leiter Elite-Schiedsrichter". Er steht hier demonstrativ für den DFB, der Manuel Gräfe in den Zwangsruhestand schickt. Laut Kicker sehen diese Deppen "neun Top-Referees". Also nachdem Gräfe, Guido Winkmann und Markus Schmidt im Ruhestand sind. Dass Gräfe der einzige verbliebene Weltklasseschiedsrichter ist, haben die anscheinend nicht mitbekommen. Allein schon für diese Einschätzung sollten diese Menschen sofort zurücktreten, denn es verdeutlicht, dass sie ihrer Aufgabe einfach nicht gewachsen sind.

Aber das sind halt dieselben, die uns seit Monaten erzählen wollen, dass wir nur über bedauerliche Einzelfälle reden, wenn der VideoAsisstentReferee nicht funktioniert. Dass es an diesem Spieltag schon wieder 3 dieser Einzelfälle gab... ist halt tragisch, da kann man aber nichts machen.

Nur um mal die nicht nachvollziehbaren (und in Zeiten des VARs auch nicht zu entschuldigenden) Fehlentscheidungen aufzuzählen: Robert Schröder muss Martin Hinteregger in der 31. Minute vom Platz stellen. Marco Fritz darf nach der Sichtung der Bilder nicht zu dem Schluss kommen, dass Robin Zentner den Ball in der 45. Minute unter Kontrolle hatte. (Fun Fact: Mit Fitz und Felix Zwayer waren 2 der angeblichen Top-Referees direkt an dieser Szene beteiligt... Gute Leute.) Marco Reus darf auch nicht für den Versuch einen Elfmeter zu schinden belohnt werden.

Den VAR haben wir doch eingeführt, dass genau solche eindeutigen Fehlentscheidungen korrigiert werden. Oder im Fall von Schröder die richtige Entscheidung bestätigt wird. Aber Fröhlich sieht auch dann kein strukturelles Problem, wenn es 3 derartige Fehler in 8 Spielen gibt. Dafür er müsste halt auch seine eigene Position überdenken, dann könnte er Zusammenhänge erkennen. Da ist es einfacher den Gräfe in den Ruhestand zu schicken, auch wenn das der einzige Schiedsrichter ist, der den Laden zusammenhält. Solange im DFB solche Köpfe die Entscheidungen treffen, wird der VAR nie funktionieren, weil diejenigen, die die Probleme angehen müssten, sich konsequent weigern überhaupt Probleme zu sehen.

Auf einmal verstehe ich Thorsten Fischer, der ja alle Sponsorenverträge mit dem DFB kündigen wollte. Jetzt, als Zweitligist, kriegt der halt mit, in was für einen Scheißverein seine Firma da Sponsorengelder gepumpt hat... Und fragt sich wahrscheinlich, warum sonst niemanden aufgefallen ist, dass es ein strukturelles Qualitätsproblem im Schiedsrichterwesen gibt.

Das ist nebenbei derselbe DFB, der Oliver Bierhoff nicht entlässt, obwohl der sich weigert mit der offensichtlich besten Lösung Ralf Rangnick zu verhandeln... Die Bundestrainersuche sollte längst beendet sein, aber der Olli duldet halt keine fähigen Köpfe neben sich, also wartet er auf Flick.

Derselbe DFB ist in der Spitze vollkommen zerstritten und gibt auch da einfach nur ein unwürdiges Bild ab. Aber zum Glück sind wir gerade alle mit anderem Scheiß beschäftigt, da fällt das keinem auf...

Aber hey, wenn ein schwerkranker Rollstuhlfahrer ohne Maske ein Spiel im Stadion sieht, dann schaut der DFB da genau hin. Dafür hat man dann Kapazitäten...

Montag, 8. März 2021

Worst of des "Schon wieder Schalke" Wochenendes

 Also selbst ich, der den Schalkern den Abstieg ja gönnt, denke mir mittlerweile: Reicht das nicht langsam? Können die nicht mal aufhören neue Tiefpunkte zu erreichen? Und Schalke so: Nö.

Dieses Wochenende vergab der Kicker die Spielnote 6 für das angebliche Bundesligaspiel Schalke - Mainz. Zum ersten Mal seit 2012. Zum zweiten Mal in der Schalker Vereinsgeschichte. Damit ist Schalke jetzt der einzige Verein, die an 2 derart grausamen Bundesligaspielen beteiligt war.

Und wenn man ganz ehrlich ist, haben die Schalker nur Glück, dass die Konkurrenz normalerweise besser ist als Mainz, die halt auch ihren Beitrag zum Fehlpassfestival geleistet haben. Denn selber hat man ja diese Saison extrem wenig zum Bundesliganiveau beigetragen. Die eigene Leistung war schon häufiger genauso schlecht (oder noch schwächer) wie an diesem Wochenende. Nur verhinderten da dann immer die Gegner, dass das Spiel genauso furchtbar und unerträglich war.

Faszinierender Weise hatte die DFL den Humor dieses Spiel als "Werbung für die Liga" auf den Freitagabend zu legen... Während eines immer noch anhaltenden Lockdowns. Man hatte quasi die Freie Auswahl zwischen "Diesen Scheiß gucken" oder "Den Fernseher ausschalten"... zumindest als sportbegeisterter Mensch.

Das absurdeste ist dann aber das Interview, welches Arnd Zeigler nochmal vorgeführt hat. Wie man sich nach einem Dead Coach Bounce Spiel beim Tabellenvorletzten so selbstgefällig und fast schon zufrieden präsentieren kann... während man gerade die vielleicht letzte Chance verpasst hat, nochmal Bewegung in den Abstiegskampf zu bringen. Die mangelnde Fitness ist da nur ein Teil des Problems. Es scheint verdammt vielen Spielern mittlerweile schlicht egal zu sein, ob Schalke absteigt. Die gammeln jetzt noch die letzten 3 Monate ab und warten auf die Vertragsangebote im Sommer. Irgendjemand wird die schon verpflichten... Das ist zumindest der Eindruck, den man vermittelt.

Dabei war das Spiel doch genau genommen ein Erfolg. Also zumindest hat Dimitrios Grammozis das beste Trainerdebüt des Jahres auf Schalke. David Wagner begann die Saison ja mit einem beeindruckenden 0:8. Manuel Baum halbierte die Gegentore beim Debüt... was so semi-gut ist, da es ja immer noch bedeutet, dass man 0:4 verloren hat. Das 0:1 von Huub Stevens fühlt sich wie ein echter Fortschritt an, bis einem bewusst wird, dass es ein Heimspiel gegen Arimina Bielefeld war... Bei Christian Gross's Debüt gab es dann als Kompromiss ein 0:3 gegen Hertha. Grammozis mag das schlechteste Bundesligaspiel seit 9 Jahren betreut haben, aber immerhin holte er beim Debüt einen Punkt... Wenn Schalke noch 6 Mal den Trainer wechselt, gewinnen sie vielleicht sogar nochmal...

Paulo Otavio und die allgemeinen Überreaktionen. Ok, eines vorne weg: Für diese Grätsche musse es Rot geben. Es ist eine dieser Aktionen, bei denen man sich fragen muss: Kann man eigentlich 2 Mal vom Platz fliegen. Aber man muss halt an der Stelle auch mal festhalten: Das war jetzt nicht das schlimmste Foul, welches wir je gesehen haben. Das geht weiterhin an Paolo Guerrero. Denn es gibt einen feinen, aber entscheidenden Unterschied: Während Guerrero mit offener Sohle auf den Unterschenkel von Sven Ulreich zielt, stellt Otavio mit seiner Schere sicher, dass der Gegner zwar fällt, sich aber wahrscheinlich nichts bricht. Wer jetzt also meint, dieser Fall fällt unter Körperverletzung, muss sich die Szene nochmal genau angucken. Und sollte auch feststellen, dass Munas Dabbur sofort wieder aufspringen kann.

Also klar, Rot. Und auch als nicht letzter Mann gibt es für so ein Einsteigen Rot. Aber es mit Guerrero's Tritt gleichzusetzen, ist übertrieben. Ist aber praktisch selbst Zeigler passiert.

Das eigentlich großartigste ist ja das Ende der Szene, welche beim DAZN Bericht schon rausgeschnitten wird, es aber doch zumindest im Standbild in die Youtube-Version von Zeiglers geschafft hat. Denn da sehen wir einen Wolfsburger Spieler zum Schiedsrichter rennen und ihn... ja was... davon zu überzeugen, dass das doch nur Gelb war? Was will ich als unbeteiligter Mitspieler da beim Schiedsrichter? Aber da sind wir wieder bei dem allgemeinen Unrechtsempfinden von Fußballern, die sich selbst bei klar richtigen Entscheidungen eindeutig benachteiligt fühlen. Dieser Konditionierung sich beim Schiedsrichter zu beschweren ist so fest verankert, dass sie selbst bei derartigen Fouls greift.

Und dieses Problem wurde halt an diesem Wochenende gleich doppelt deutlich. Einerseits bei Marco Reus, der absolut überzeugt davon ist, dass Emre Can sich nicht hat leichtfertig fallen lassen, sondern von der gigantischen Wucht eines Leroy Sanés umgeworfen worden ist. Dass Can da keinen Freistoss schinden wollte, sondern wirklich fallen musste. Und dass da "eine Fehlentscheidung das Spiel entschieden" hat. Und bei der Meinung bleiben sie auch in Dortmund, nachdem ihnen alle Experten erklären, dass man da halt nicht pfeifen muss... und das vorher ein ähnlicher Fall gegen Kimmich auch nicht abgepfiffen wurde. Fußballer sind da halt wie Kleinkinder in der Trotzphase.

Das ist halt vor allem lächerlich, wenn man bedenkt, dass der gemeine Fußballfan doch will, dass solche Szenen nicht ständig abgepfiffen werden. Und wenn man bedenkt, dass die Borussen von ihren eigentlichen Problemen ablenken. Denn dass sie einen 2:0 Vorsprung noch vor der Halbzeit abgeben, hat nichts mit dem Schiedsrichter zu tun.

Und nur um zu beweisen, dass so was auch nicht mit dem Alter besser wird: Florian Kohfeldt sieht ebenfalls als einziger eine klare Fehlentscheidung und fragt sich, warum der VAR nicht eingreift, wenn es im Strafraum zu einem an sich normalen Luftzweikampf kommt. Und hier sie mal wieder darauf hingewiesen, dass der Torhüter im Zweikampf keine Sonderrechte genießt. Nicht mal im 5 Meter Raum. Das hat sich irgendwann so eingeschlichen, steht aber nirgends geschrieben. Auch hier gilt im Wesentlichen: Werder muss das souveräner verteidigen und kann Jiri Pavlenka da nicht so alleine lassen. Aber obwohl alle anderen sagen, dass das ein korrekter Treffer war, bleibt Kohfeldt bei seiner "Muss man abpfeifen und überprüfen" Meinung.

Und das, obwohl er sich endlos aufgeregt hätte, wenn dieselbe Szene im gegnerischen Strafraum abgepfiffen werden würde. Denn da kennt Kohfeldt das Regelwerk auf ein Mal und weiß, dass man als Angreifer durchaus in einen Zweikampf mit dem Torwart gehen darf.

Das zeigt halt auch nur wieder, wie kompliziert Diskussionen über die Schiedsrichter sind. Denn an und für sich haben die Schiedsrichter dieses Wochenende einen richtig guten Job gemacht. Selbst Sven Jablonski (btw, dessen Eltern haben definitiv einen ganz fiesen Humor. Und der ist als Junge garantiert als Svenja gehänselt worden...) von der Sportschau kritisierter Elfmeter wird dann im Kicker als richtig bestätigt. Und das war die einzige wirklich kritische Entscheidung. Die schlechteste Leistung kam von Florian Badstübner und der bekam immer noch eine 4. Wann hatten wir zuletzt einen Spieltag, an dem es eine einzige 4 als schlechteste Bewertung gab? 

Aber geredet wird am Ende über die Fehlentscheidungen aus dem Champions League Finale von 2012... die nicht mal von einem Bundesligaschiedsrichter getroffen wurden. Wie oft die Bayern vorher schon Glück im Duell gegen Dortmund hatten. Und, dass Werder Bremen durch eine Fehlentscheidung verloren hat. Selbst an einem Wochenende, an denen die fast alles richtig Entscheiden, wird nur über potenzielle Fehler gesprochen. Und weder Reus noch Kohfeldt haben hinterher die Größe, ihre Fehleinschätzungen einzugestehen und dadurch die Schiedsrichter zu stärken.

Eine sachliche Debatte über die Schiedsrichter ist halt unmöglich, wenn jeder immer auf seinen emotionalen Standpunkten verharrt... 

Donnerstag, 25. Februar 2021

Die Chance wurde dann direkt vergeben.

Ist aber fairerweise auch schwierig. Und wir wollen mal nicht nur so wirken, als würden wir krampfhaft nach Argumenten suchen, um unser Narrativ zu belegen und alles andere ignorieren.

Denn bei den Leistungen der Schiedsrichter wird wieder eines deutlich: Machen sie ihre Sache gut bis ordentlich, redet keiner darüber. Also als praktisches Beispiel sei hier wieder Dr. Felix Brych und sein Team inklusive VAR. Also in Realgeschwindigkeit wurde auf hauchdünnes Abseits entschieden, der VAR korrigierte dies und das Tor zählte. Hätte der Linienrichter die Fahne nicht gehoben, wäre das Tor auch überprüft worden, weil es halt verdammt eng war. Aber dank VAR zählte das Traumtor. Nur darüber redet hinterher keiner.

Das ist ein bisschen wie in bei Paderborn - Dortmund. Also dass da der VAR in der Nachspielzeit für große Emotionen und mehr Gerechtigkeit gesorgt hat, war nach der Verlängerung, die ohne ihn gar nicht möglich gewesen wäre, schon wieder vergessen. Vielleicht sollten wir uns auch einfach mal die Zeit nehmen und die positiven VAR Eingriffe entsprechend würdigen, anstatt sie als selbstverständlich zu betrachten.

Wo ich gerade im Flow bin: Es wäre wirklich spannend, wenn man Steffen Baumgart im Nachhinein und mit ein wenig Abstand mal zu dem VAR Eingriff beim Elfmeter fragt. Ob er dann vielleicht anerkennt, das der VAR durchaus auch Gutes bewirken kann, ja in diesem Spiel sogar Gutes bewirkt hat.

Jedenfalls ist am Ende nur über eine Schiedsrichterleistung diskutiert worden... der das Spiel angeblich ruiniert hat. Und dieser Schiedsrichter ist natürlich Tobias Stieler

Auch hier fällt dann wieder sofort auf, dass die "Kann man geben" Entscheidung extrem durch die Vereinsbrille von Atalanta Bergamo aufgebauscht wird. Was dann wiederum für Klicks und Umsatzzahlen sorgt, weshalb sich die Medien auf den "Selbstmord für den Sport" stürzen. Faszinierend ist hier auch, wie spitzzüngig der Kicker auf Gasperinis Forderung, Schiedsrichter müssen auch mal gespielt haben, um den Unterschied zwischen einem Tackling und einem Foul zu erkennen. Der Kicker kontert mit einem: "was Gasperini offensichtlich selbst nicht gelang." 

Ich würde solche Spitzen ja lieben... wenn sie auch direkt kommen, wenn sich die Bayern das nächste Mal ungerecht behandelt fühlen. Oder sonst irgendeine deutsche Profimannschaft. Es ist einfach gegen italienische Trainer scharf zu schießen, die das einerseits nicht verstehen und die einem andererseits keine Interviews geben...

Die größere Kritik, die mir aus dem Internet an Stielers Leistung entgegenschlägt, ist dabei ja gar nicht der Platzverweis, sondern die fehlende klare Linie. Was jetzt wirklich sehr spekulativ wird, denn ich habe halt nur die 2:30 Zusammenfassung gesehen und die Kommentare sind halt weit weg von neutral. Es wäre an der Stelle echt schön, wenn der Kicker mal Noten für die Leistungen der Schiedsrichter im Achtelfinale geben würde. Das sind immerhin die 16 besten Teams Europas... da kann man schon von recht wichtigen Spielen reden. Und bei den Spielen mit Deutscher Beteiligung geht das doch auch... 

Aber die Forderung der "klaren Linie" zeigt doch wieder das eigentliche Problem mit dem Regelwerk: Es ist genaugenommen so schwammig formuliert, dass jeder Schiedsrichter für sich festlegen muss, wie eng er dieses Werk jetzt anwendet. Und was wir dann von ihm verlangen, ist, dass er seine eine Linie konsequent durchzieht und nicht nach dem erst strengen Platzverweis immer wieder ein Auge zudrückt. Wichtig ist, dass man die Regeln über 90 Minuten (und idealerweise darüber hinaus, damit man als Spieler vorher eine Ahnung hat, worauf man sich einlässt) konstant anwendet. Auch wenn man es zum Beispiel beim Thema "Meckern" konstant falsch macht.

 Aber es ist halt schon auffällig, dass am Ende über den deutschen Schiedsrichter diskutiert wird. Dass es wieder der Deutsche Schiedsrichter war, dem die nötige Souveränität fehlte. Und natürlich wird die Leistung von Stieler erst langfristig wirklich beurteilt werden... also man kann mal darauf achten, ob der dieses Jahr noch mal Champions League pfeifen darf. Brych wird garantiert dürfen. Aber er ist nach wie vor der einzige, bei dem man davon ausgehen kann, dass er weiter nominiert wird. Da sind wir dann wieder bei dem Problem, was hier gerade ständig diskutiert wird...

Montag, 8. Februar 2021

Worst of des "Wieder ein bedauerlicher Einzelfall" Wochenendes

 Wer hätte das gedacht... es ist schon wieder passiert. Damit konnte ja keiner rechnen. Ein Schiedsrichter trifft eine glasklare Fehlentscheidung und der Video Assistent Referee greift nicht ein. Wer hätte damit denn rechnen können? 

Da wird dann natürlich auch das nächste Problem deutlich: Wenn alle Schiedsrichter für krasse Fehlentscheidungen 4 Wochen aus dem Verkehr gezogen werden, muss Robert Hoyzer reaktiviert werden...

Das faszinierendste ist ja, dass Peter Bosz und Pellegrino Matarazzo die Regel ändern wollen. Weil ja das ständige Ändern der Regel in den letzten Jahren so viel Klarheit gebracht hat. 

Also ja, eine Regeländerung würde etwas bringen: Gebt für solche Handspiele indirekte Freistöße und für die "Es wird ein Tor verhindert" Handspiele Elfmeter.

Aber weitere Regeländerungen werden nichts bringen, wenn der Schiedsrichter auf dem Feld und der Schiedsrichter im Keller bei eindeutigen Sachlagen diese Regeln nicht anwenden.

Und dieses Mal ist es ja keine Interpretationsfrage. Also Arnd Zeigler hat ja aufgedeckt, dass man wirklich gehört hat, wie der Paderborner Ingelsson den Ball berührt. Da ist dann nur noch die Frage zu klären, warum das eine "Deliberate Play" sein soll und ein wesentlich klarer gespielter Ball am folgetag nicht. Spannender Weise gibt es auch da bei Zeigler eine unbefriedigende aber nachvollziehbare Antwort drauf. Also weil die eine Aktion ein Torschuss gewesen sein soll, die andere nicht, wird der verzweifelte Abwehrversuch anders bewertet. Also ja, da kann man sagen: Die Regel ist Scheiße, macht die einfacher und nachvollziehbarer. Indem der erste Ballkontakt keine neue Spielsituation herstellt. 

Aber die Lage in Stuttgart ist eine komplett andere: Wenn du mit der Hand da oben rumfuchtelst, musst du damit rechnen, dass es Elfmeter gibt, wenn jemand deine Hand anschießt. Das ist eindeutig geklärt.

Die Trainer trauen sich aber halt auch nicht das eigentlich logische auszusprechen... wahrscheinlich, weil sie Angst vor einer Strafe haben. Aber irgendwann werden die merken, dass die Qualität der Schiedsrichter das Problem ist. Hoffentlich bevor die UEFA oder Fifa keinen Schiedsrichter zur EM oder WM nominiert...

Wo wir schon bei alten Kamellen sind: Die Uefa hat eine Lösung für das Einreiseproblem der Engländer gefunden: Man lässt beide Mannschaften einfach in einer Region spielen, wo die Pandemie nicht ganz so ernst genommen wird... Obwohl der R-Wert in Budapest gerade höher ist, als in Leipzig. Das Risiko einer Infektion wird also minimiert, wenn man die potenziell gefährlichen Kontakte in einer Region mit höheren Infektionszahlen trifft. Wenn das Gesundheitsamt in Leipzig Humor hat, ordnen sie hinterher 8 Tage Quarantäne für alle Beteiligten an, nur um zu verdeutlichen wie absurd das ist.

 

Ansonsten muss ich unbedingt das hier mit euch teilen. Die beste Werbung aller Zeiten. Schlangenölfabrikanten werben mit Borussia Dortmund und dem Slogan "Stabiles System"...

Das kann man sich nicht ausdenken...

Wir reden schon von den Dortmundern, bei denen Roman Bürki gerade seinen Stammplatz in Abwesenheit sichert, weil der Konkurrent Marvin Hitz nur noch unsicherer agiert. Bei denen Kapitän Marco Reus derzeit nur nach seinen Auswechslungen auffällt und nicht auf dem Platz. Die 4 Punkte hinter dem essenziell wichtigen Saisonziel Champions League Qualifikation liegen. An genau solchen Systemen richte ich doch meine Internetsicherheit aus.

Donnerstag, 4. Februar 2021

VARte was? Wirklich?

 Also zunächst mal das wichtigste vorne weg: War doch schön spannend. Also es war definitiv der Beweis, dass der DFB Pokal auch ohne die Bayern funktionieren kann. Ich hab ja schon befürchtet, dass es nur grausame Spiele auf bescheidenem Niveau geben würde. Am Ende war es sogar Werbung dafür andere Spiele zu zeigen, wenn die Bayern auch eine Option wären. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass wir ein enges, spannendes Spiel zu sehen bekommt, steigt, wenn die Bayern nicht spielen... Auch wenn ich selber zugeben muss, dass Bastian Schweinsteiger die Spannung am Dienstag schon herbeigeredet hat. Aber er hat Recht behalten, Dortmund ist so instabil, dass selbst eine 2:0 Führung gegen einen Zweitligisten nicht sicher ist. Im Großen und Ganzen lief das nebenbei alles für Union: Die Konkurrenten mussten sich auf schwierigsten Platzverhältnissen oftmals sogar durch eine Verlängerung quälen, während man selber auf der Couch regenerierte.

Jedenfalls steht es jetzt schon fest, dass Jahn Regensburg und Holstein Kiel im Viertelfinale gegeneinander spielen und ins Elfmeterschießen gehen. Bucht es genau jetzt.

Kommen wir aber zum eigentliche: Was ist denn bitte schon wieder mit unseren Schiedsrichtern los? Also nur um mal festzuhalten, dass wir kein VAR-Problem haben, sondern ein Qualitätsproblem. Was auch keine Neuigkeit ist. Mit richtig guten Schiedsrichtern könnte man auch den VAR problemlos einführen. Aber die haben wir anscheinend nicht.

Also um das mal kurz festzuhalten: Wenn Tobias Stieler beim 3:2 der Dortmunder eine neue Spielsituation erkannt haben will und das richtig sein soll, Robert Hartmann bei einem eindeutigeren Klärungsversuch in Regensburg keine neue Spielsituation erkennt, was auch richtig sein soll, dann arbeiten beide mit unterschiedlichen Regelwerken. Und das kann nicht sein. Einer der beiden hat richtig Scheiße gebaut. Wir müssen mal herauskriegen, wer.

Also ganz ehrlich: Der DFB und die DFL müssen da jetzt reagieren. Sie müssen eindeutig dazu stehen, dass die Regel wie gestern erörtert Scheiße ist, aber konsequent so angewendet werden muss, dann führen beide Rettungsversuche zu neuen Spielsituationen. Oder sie sagen, dass eine Rettungsaktion nicht zwingend zu einer neuen Spielsituation führt, dann muss der Kicker Stielers Note von 2,5 auf 4,5 korrigieren.

Gerade wo beide Szenen so direkt nacheinander passierten. Und das 2 faktisch identische Situationen (Ein Klärungsversuch bringt den Ball zu einem im Abseits stehenden Spieler) zu unterschiedlichen Entscheidungen führen, kann so einfach nicht passieren. Also nicht im professionellen Sport, wo es ja auch immer um Millionen geht. Das ist auch kein Ermessensspielraum wie beim Handspiel. 

Es wäre wirklich spannend, welche Regelauslegung der DFB jetzt für die richtige hält. Und für alle Abwehrspieler der Liga eine wichtige Information. Vor allen Dingen müssen derartige Fehlentscheidungen auch Konsequenzen für die Schiedsrichter haben, die man auch mal offiziell benennen dürfte. Also einer der beiden darf ganz offiziell für 4 Spieltage pausieren.

Am krassesten ist das natürlich für Steffen Baumgart. Wenn der diese Szene gestern gesehen hat, wird sein Puls nochmal so richtig hochgegangen sein. Denn der kann jetzt behaupten, dass er aufgrund der Willkür von Stieler aus dem Pokal geflogen ist. Und das ist ja wohl die bitterste Variante um auszuscheiden.

Vor allem sollten wir halt wieder mal nicht über den VAR reden. Der ist ganz offensichtlich nicht das Problem, sondern nur das Symptom. Ein bisschen wie Donald Trump als Präsident in den USA: Nur weil die Situation um diese inzwischen nicht mehr neue Entwicklung so extrem ist, fällt einem auf, wie kaputt das System eigentlich ist. Und das System sind hier halt die Schiedsrichter, die einfach nicht mehr gut genug sind.

Genau darüber müssen wir eigentlich seit Jahren reden. Aber der DFB arbeitet ja wie das Innenministerium, wenn es um Probleme bei Rechtsradikalen in der Polizei und Bundeswehr geht: Das sind alles bedauerliche Einzelfälle. Im Großen und Ganzen gibt es da gar keine Probleme. Das es jede Woche mindestens einen bedauerlichen Einzelfall mit VAR-Beteiligung gibt... ist doch reiner Zufall. Da kann man nichts machen.

Es wäre zum Beispiel mal ein wirklicher Fortschritt, wenn der DFB nach einer Pokalrunde ein Protokoll veröffentlicht, in dem er alle kritischen Entscheidungen bewertet. Wo dann jeder nachlesen kann, was nach DFB Meinung die korrekten Entscheidungen waren und wo man selber Fehler sieht. Die NBA macht das seit Jahren mit jeder in der Schlussphase getroffenen Entscheidung und es hat den Referees nicht geschadet. 

Dann muss man ergebnisoffen die Debatte führen, wie man die Schiedsrichter wieder auf das gehobene internationale Niveau hebt, welches sie definitiv mal hatten. Nicht nur mit Felix Brych als Ausnahmeerscheinung, sondern flächendeckend. . Nur um das mal festzuhalten: Brych, Felix Zwayer und Denniz Aytekin sind die 3 aktiven Fifa Schiedsrichter mit mehr als 20 Europacup Einsätzen... Und Zwayer ist auf dieser Liste, obwohl er in schöner Regelmäßigkeit zum schlechtesten Bundesligaschiedsrichter gewählt wird. Dass der Mann immer noch als Topschiedsrichter geführt wird, ist ein Teil des Problems und nicht die Lösung.

Hier ist eine schockierende Statistik: laut Wahretabelle.de sind Dingert, Dankert, Stieler, und Zwayer 4 der 7 schlechtesten Schiedsrichter. Wobei man an der Stelle festhalten muss, dass Dingert bei Kicker.de wesentlich besser abschneidtet. 1,6 Notenpunkte besser. Allerdings scheint es allgemein schwieriger zu sein bei dieser Seite gute Noten zu bekommen. Und wie immer ist das Onlineportal von Kicker.de absoluter Müll und lässt mich nicht alle Schiedsrichter und deren Durchschnittsnoten auf einer Seite auflisten. Und auf das Profil von Dingert komme ich am einfachsten, wenn ich direkt bei Google seinen Namen und Kicker.de eintippe. Es ist immer wieder faszinierend, wie unbrauchbar deren Onlineportal ist, wenn man mehr als Ergebnisse abrufen will... Aber damit haben wir das auch für diese Woche erledigt. 

Und wenn der Kicker mir nicht helfen will, muss ich andere Quellen nehmen. Und die kommen zu dem Schluss, dass unsere Fifa Schiedsrichter gerade mal richtig schlecht pfeifen. Aber das konsequent und konstant.

Wenn man ganz ehrlich ist, ist Brych gerade der einzige, der wirklich für höhere internationale Aufgaben in Betracht gezogen wird. Jetzt zeigt sich an der Stelle wieder mein Alter... aber es gab mal eine Phase, da wurde sich in diesem Land darüber aufgeregt, dass jedes Land maximal einen Schiedsrichter zu den großen Turnieren im Sommer schicken durfte. Weil Deutschland da mit Heynemann, Merk, Stark, Krug, Fandel mehrere brauchbare Kandidaten haben. Mittlerweile schicken wir Zwayer als VAR und versagt dann so richtig.

Gerade bei den Turnieren im Sommer zeigt sich der Werteverfall der Deutschen Schiedsrichter doch am krassesten. Früher hatte man den großen Nachteil, dass Deutschland immer mindestens ins Halbfinale kam, was dazu führte, dass als Schiedsrichter nicht fürs Finale nominiert werden konnte. Deswegen ist Markus Merk der einzige Schiedsrichter, der je ein Finale bei diesen Turnieren pfeifen durfte. Aber dann wollte Jogi Löw dem Deutschen Schiedsrichterwesen mal einen Gefallen tun und plante die Heimreise nach der Gruppenphase. Damit die so selten besungenen Helden in Schwarz auch mal in der entscheidenden Phase mitmischen durften... und Felix Brych... wurde von seinem VAR Zwayer krass hängen gelassen und nach der Gruppenphase nach Hause geschickt. 

Das wäre in vorherigen Generationen undenkbar gewesen. Deswegen pfiff Merk auch das Halbfinale im Jahr 2000. Damals dachte man sich als UEFA "Dann haben wir wenigstens einen weiteren fähigen Schiedsrichter im Halbfinale, gut für uns"... 

Mittlerweile gibt es überhaupt nur einen Kandidaten, der überhaupt für solche Turniere infrage kommt, während man früher aufgrund von Quoten fähige Schiedsrichter zu Hause lassen musste. Und dieser eine Schiedsrichter ist selbst dann nicht gefragt, wenn Deutschland frühzeitig ausscheidet. 

Ich sag das mal so: Wenn selbst die Ffia und Uefa erkannt haben, dass unsere Schiedsrichter nichts mehr taugen, muss die Lage wirklich schlimm sein.

Dienstag, 7. Juli 2020

Rapid Relegation Reaction

Immerhin... die allergrößte Peinlichkeit hat Werder Bremen sich in der 94. Minute erspart: Den Klassenerhalt in der Relegation ohne selbst erzieltes Tor zu schaffen. Das wäre auch mehr als passend gewesen, schließlich hat Bremen, wenn man die Spiele gegen hilflose Paderborner und vollkommen unmotiviererte Kölner (aka 2 Spiele am Rande der Wettbewerbsverzerrung) rausrechnet, in der Bundesligasaison 31 Tore erzielt. Das ist ein Wert, der praktisch nie zum Klassenerhalt reicht (außer man ist der Hamburger SV).
Nebenbei passierte einem all das, während man von einem überragenden Trainer, der für ansehnliches Offensivspiel steht, trainiert wurde... Trotzdem erzielte man vor dem Köln Spiel im Jahr 2020 in 8 Heimspielen EIN EINZIGES TOR! Eines.
Und weil das alleine nicht reichte, blieb das vom Offensivgenie Florian Kohfeldt trainierte Team gegen einen aufstrebenden Zweitligisten 180 Minuten lang ohne eigenen Treffer.
Das sind alles Dinge, bei denen man zugeben muss: Nicht mal der HSV hat das geschafft...

Und das bringt mich zu dem eigentlichen Skandal dieser Relegation. Also ja, auch der HSV hat es mal geschafft, nur dank der auswärts erzielten Tore die Klasse zu halten. Aber die haben wenigstens in einem ausverkauften Stadion vor einer hitzigen Kulisse gespielt. Nicht vor kurzzeitig 50 Fans, die wieder aus dem Stadion gebracht werden mussten.

Nur um das mal festzuhalten: Werder Bremen hält auf Grund der Auswärtstore eines Geisterspieles die Klasse. Nachdem die Bundesliga mit im Durchschnitt 2,3 Heimsiegen pro Spieltag eindeutig nachgewiesen haben, dass der Heimvorteil in der Corona Krise vollkommen irrelevant ist.

Ich bin ja praktisch seit Einführung der Relegation dafür, dass der Zweitligist einen relevanten Vorteil bekommt. Einfach als Anerkennung dafür, dass statistisch gesehen 3 von 4 Relegationsteilnehmer (Kiel, Union und Heidenheim definitiv) ihre historisch beste Saison gespielt haben. Dieser Vorteil wäre für mich sehr einfach zu definieren und umzusetzen: Steht es nach Hin- und Rückspiel Unentschieden, steigt der Zweitligist auf. Und ja, die "Europapokal Auswärtstor Regel" wird dafür auch ausgesetzt.

Es wäre auch einfach fairer, wenn der Zweitligist bei 2 torlosen Unentschieden den Aufstieg feiert. Also rein logisch gesehen. Denn der hat ja, wie schon erwähnt, eine herausragende Vorleistung gebracht. Während der Bundesligist meistens die schlechteste Saison seit 50 Jahren spielt. Wenn man dann also dem Bundesligisten eine weitere Chance gibt, sollte man wenigstens auch diesen Verein dazu zwingen, das Spiel aktiv zu gestalten. Das Geschehen selbst in die Hand zu nehmen. Was man auf Grund seiner deutlich besseren finanziellen Möglichkeiten auch eh können sollte.

Fun Fact: Mit dieser Regelung wäre der HSV 2 Mal an der Relegation gescheitert. Und jetzt Werder. Aber ich bin ja der einzige, der glaubt, dass man den Abstieg verdient hat, wenn man die schlechteste Saison seiner Vereinsgeschichte spielt...

Nebenbei wollte ich mal erwähnt haben, dass selbst die Schnarchnasen von der Uefa erkannt haben, dass die Auswärtstorregel nicht mehr zeitgemäß ist. Also selbst wenn Fans im Stadion sind. Ohne ist es vollkommen albern deswegen die Klasse zu erhalten. Wenn selbst die Uefa so was erkennt und ändern will... warum kriegt es dann die DFL nicht hin... Und ja, es wäre kein Problem gewesen beim Re-Start bekannt zu geben, dass die Relegation, wenn sie schon statt finden muss, dieses Mal ohne "Auswärtstor-Regel" kommt und es bei Gleichstand in die Verlängerung geht... weil der Heimvorteil "Fanunterstützung" halt ausfällt. Aber die denken ja mal wieder nur bis zur eigenen Nasenspitze...

Aber hey, immerhin wurde die Leihe von Davie Selke verlängert... und man muss 11 Millionen Euro Ablöse für Bittencourt und Toprak zahlen, hat sein Transferbudget praktisch schon aufgebraucht... Anders ausgedrückt: Wenn Kohfeldt nicht deutliche Fortschritte macht, wird das nächste Saison kaum besser werden.
Oder... die Gerüchte in Hoffenheim Bewahrheiten sich und dort hat man wirklich Interesse an diesem Jahrhunderttalent. Das könnte echt die eleganteste Lösung sein: Man kann den Trainer wegloben, Kohfeldt kann in einem neuen Umfeld und mit einem besseren Kader wirklich nachweisen, ob er so gut ist, wie viele glauben und Bremen kann den Neustart mit sagen wir Markus Weinzierl wagen. Also sie müssen darauf hoffen, dass sie die Augsburger Version von Weinzierl bekommen.

Nebenbei ist es echt lustig, dass die Relegation und das DFB Pokalfinale exakt gleich endeten: Mit einer minutenlangen Diskussion, ob das jetzt für einen Handelfmeter reicht oder nicht. Obwohl die Elfmeter vollkommen irrelevant waren. Ok, Werder hätte sich ein wenig besser fühlen können, wenn sie wenigstens ein Relegationsspiel gewonnen hätten. Das war aber die einzige Auswirkung dieser beiden Elfmeter. Obwohl... angeblich kann Bayer Leverkusen ja "stolz" auf seine Leistung sein, weil man immerhin 2 Tore gegen die Bayern erzielt hat, aber dazu morgen mehr.,.

Und während es in Heidenheim wenigstens nur eine Minute dauerte... vergingen in Berlin zwischen dem Handspiel und der Ausführung des Elfmeters 3 Minuten. Das ist einfach viel zu lange.
Absurder Weise hätte man auch einfach fix die Einstellung, die nachweist, dass die Abseitsentscheidung falsch war, einschieben können, den Vorteil nach dem fragwürdigem Handspiel weiter laufen lassen und dank der Torlinientechnologie den Treffer geben.
Also nur um das nochmal festzuhalten: Die haben 3 Minuten nach der Einstellung gesucht, die ein fragwürdiges Handspiel als Teil einer eh schon komplizierten Regel nachzuweisen... und wenn sie zu dem Schluss gekommen wären "War kein Handspiel", hätten sie dann noch 5 Sekunden gebraucht um die Abseitsstellung zu klären... Da wir in Deutschland sind, hätte man erst den Abstoß ausführen lassen, bevor der Schiedsrichter dann doch nochmal zurück zum Videowürfel geht... Weil wegen beste Liga und so.

Das sind die wirklichen Gründe, warum der VAR immer wieder so schlecht aussieht. Anstatt bei den einfachen und sinnvollen Entscheidungen einzugreifen, wird er bei Grauzonen und Unklarheiten angewendet. Und selten lag beides so dicht beieinander wie in diesen Sekunden.
Das echt keiner der Leute vor den Kameras auf die Idee kam: "Hey, lasst mal fix checken, ob das wirklich Abseits war, das kriegen wir schnell raus." Obwohl das offensichtlich die einfache und praktikablere Lösung war. Aber da landen wir wie immer beim Qualitätsproblem der Schiedsrichter: Ein guter VAR hätte den Schiedsrichter gefragt "Hat die Torlinientechnik angeschlagen? Ja? Dann lasst mal kurz das Abseits klären." Wir haben aber halt keine guten Schiedsrichter mehr.

Dienstag, 16. Juni 2020

Das Problem ist auch weiterhin nicht das Handspiel.. .Teil 537. Gefühlt.

Es sind nicht die Themen, die sich ändern, es sind die Namen, die sich ändern. Wobei, genau genommen ja nicht mal das.

Aber zum gefühlt 21. Mal in dieser Saison startet der Kicker seine große "Blicken sie bei den Handspielregeln noch durch?" Umfrage.

Das Problem daran ist halt: Der Anlass ist vollkommen albern. Denn die Regel für angreifende Spieler ist wunderbar eindeutig und wird konstant angewendet. Auch wenn es im Zweifelsfall man einen VAR braucht. Aber dieses Tor wird in 100 von 100 Fällen nicht mehr gegeben. Genau so funktioniert eine gute Regel.

Ob diese Regel jetzt gerecht ist, sei mal dahin gestellt. Alberner Weise soll sie jetzt ja angepasst werden, dass alles oberhalb des Trikotärmels nicht mehr als Hand gilt... Was dann dazu führt, dass alle plötzlich mit Longsleeves spielen. Guter Ansatz.

Und natürlich ist es unglücklich, dass Raphael Guerreiros "Traumtor" nicht zählte. Aber wenn ein traumhaft herausgespieltes Tor wegen einer Abseitsposition zurückgepfiffen werden muss, stellt ja auch keiner die Abseitsregel in Frage, nur weil das Tor schön gewesen wäre.

Nehmen wir mal ein anderes aktuelles Beispiel: Den Platzverweis für Dedryck Boyata. Es sind sich alle einig, dass dies "der Knackpunkt" des Spieles war. Und dass es keine böse Absicht von Boyata war, sondern nur sehr unglücklich gelaufen. Buchstäblich. Es sind sich alle einig, dass dies eine Harte Entscheidung war. Es würde aber niemand auf die Idee kommen, deswegen die Platzverweise für Notbremsen in Frage zu stellen. Er verhindert halt regelwidrig, wenn auch unabsichtlich, eine klare Torchance. Und für ihn dummer Weise direkt vor dem und nicht im Strafraum. Die logische Konsequenz ist halt der Platzverweis.

Das Problem ist aber halt ein ganz anderes: Die Dortmunder fühlen sich zum 4. Mal in Folge benachteiligt. Weil es halt einen Handelfmeter gibt, wenn einem Dortmunder der Ball im Strafraum an die Hand springt, aber keinen, wenn es einem Bayern-Profi passiert.

Aber auch hier ist genau genommen nicht die Handspiel Regel das Problem. Denn jeder, der keine Bayern-Fanbrille auf hat, sieht halt ein Strafbares Handspiel von Jerome Boateng. Also alle außer Tobias Stieler und Sascha Stegemann... nur sind das halt die entscheidenden Leute.

Die eigentliche Frage muss lauten: Warum hat der VAR bei dem einen Fall nicht eingegriffen? Warum gibt es keine Konstanz bei dieser nicht mehr wirklich neuen Institution? Das ist halt nicht nachvollziehbar. Und das ist halt mal wieder eine Qualitätsfrage.

Seit dem Re-Start gab es schon wieder 3-4 Szenen, bei denen man sich schon fragen muss: Wie kann es sein, dass da alle außer der VAR eine eindeutige Fehlentscheidung sehen? Warum sieht der VAR das anders? Traut der sich im Zweifelsfall einfach nicht einen renommierten Kollegen zu korrigieren?

Als eklatantestes Beispiel sei hier mal der Platzverweis für Benjamin Hübner genannt: Mit 2 Tagen Abstand sagen da alle, dass der Platzverweis eine Fehlentscheidung war (lustiger Weise war das in der Sportschau Zusammenfassung noch anders... aber Details). Trotzdem fragt niemand, warum der VAR diese anscheinend offensichtliche Fehlentscheidung, die durch die verkürzte Sperre von Hübner für nur ein Spiel ja bestätigt wird, nicht direkt korrigiert... dabei wäre das die viel interessantere Debatte.

Schritt 1 wäre hierbei ganz praktisch: Die Schiedsrichterkommission des DFBs und der DFL veröffentlichen selber nach jedem Spieltag zu den kritischen Szenen ein Statement. In diesem erklärt man entweder, warum der Schiedsrichter doch richtig lag, was ja durchaus sein kann, oder man steht eindeutig zu den Fehlentscheidungen. Also damit sich dann auch ein Stegemann nicht hinter dem "Och, war ja nicht so klar" verstecken kann.

Und wenn wir dann feststellen, dass auch DFL und DFB extrem unzufrieden mit den angebotenen Leistungen der Schiedsrichter sind, kann man darauf aufbauend die eigentlichen Probleme angehen: Eine Renovierung des Schiedsrichterwesens.

Denn wenn man die Schiedsrichterleistungen losgelöst vom offensichtlichen Symptom der Handspielregel analysiert, wird man feststellen, dass unsere Männer in Schwarz einfach nur seit einer ganzen Weile nicht mehr die Weltklasse darstellen, sie sie früher mal gehabt haben. Bis auf ganz wenige ausnahmen. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit den 4 großen Skandalen und Tragödien rund ums deutsche Schiedsrichterwesen der Moderne wurde hier bereits vor einem Jahr veröffentlicht. Und wenn man Dinge wie Hoyzer, Ammerich und Krug in Zusammenhang setzt, fällt einem auf, dass es keine Überraschung ist, dass unsere Schiedsrichter einfach mit gewissen Situationen überfordert sind. Und dass sich grundlegend im Schiedsrichterwesen etwas ändern muss.

Aber das wird anscheinend das nächste "Die Relegation gehört abgeschafft!" Also Dinge, die offensichtlich ungerecht sind, geändert werden sollten, aber einfach ignoriert werden, weil sich alle lieber auf scheinbar zusammenhanglose Einzelentscheidungen stürzen.

Montag, 5. August 2019

Die pessimistische Saisonvorschau: Eines wird sich definitivn icht ändern

Wir werden weiterhin über den Video Assistent Referee diskutieren... weil es so viel Spaß macht.

Die Saison hat noch nicht mal begonnen und dennoch haben wir bereits den ersten ""Unverständlich, wieso Daniel Siebert auf dem Platz vom Video-Assistenten nicht korrigiert wurde." Dabei ist Joshua Kimmichs "Es war keine Absicht" Aussage auch vollkommen egal ist. Noch besser ist das "Das wäre pure Dummheit gewesen"... ähm... eine Dummheit war es auch, obwohl er nicht bestraft worden ist.
Also das Kimmich trotz des deutlichen Rückstandes das Spiel unbedingt, also ohne Rücksichtnahme auf den Knöchel des Gegenspielers, schnell machen wollte... widerspricht sich direkt mit dem an sonsten aufgerufenen "Wir werden hinterher allen einreden, dass der Supercup egal ist" Narrativ.

Nun kann man Kimmich den unbedingten Siegeswillen positiv auslegen. Also aus Bayern-Sicht kann man hinterher sagen "Kimmich hat wenigstens bis zum Schluss versucht das Spiel zu drehen, auch wenn er dabei überdreht hat"... Das ändert aber auch nichts daran, dass es zu einer Strafe führen muss.

Aber da zeigt sich ja auch schon das nächste Problem. Also ich hätte ja Kimmich spätestens in dem Moment vom Platz gestellt, wo er sich über die gnädige Gelbe Karte aufregt. Denn die wahrscheinlichste Variante ist ja, dass das Schiedsrichtergespann sich dagegen entschied diese Situation jetzt unnötig zu eskalieren... nur um hinterher die Frage in den Raum zu werfen, für welchen Wettbewerb Kimmich dann eigentlich gesperrt wird. Und als "Dank" regt sich Kimmich erst auf dem Platz und dann hinterher in den Interviews über die komplett bedeutungslose Verwarnung auf...

Und, was das nächste Problem ist, er wird dabei natürlich von Hasan Salihamidzic mit einem "Für mich war es überhaupt keine Karte, nicht mal Gelb" unterstützt. Weil ein Teammanager ja zwingend und in jedem Moment seine Spieler schützen muss... auch wenn man sich dabei selbst lächerlich macht.

Das ist ja auch ein Teil des Problems, denn die Bayern-Fanatiker glauben dem Hasan das ja. Und diese Grundhaltung fließt halt allgemein in die Bewertung jeder Schiedsrichterleistung ein. Also ein Niko Kovac sagt im Kicker-Sonderheft wörtlich: "Wir haben im letzten Jahr sehr wenige Entscheidungen für uns gehabt, eher gegen uns." Jeder Werder-Fan, der vom Videoassistenten um eine mögliche Pokalfinale Teilnahme beraubt worden ist, wird bei dieser Einschätzung an die Decke gehen. Und wem das nicht reicht, der kann sich den Saisonauftakt des letzten Jahres noch mal angucken. Auch da bekamen die Bayern einen Elfmeter, den man als Videoassistent auch korrigieren kann. Und dann ist da noch die Schiedsrichterbeleidigung von Jerome Boateng, die von Kameras aufgenommen wurden, aber nicht beim VAR angekommen sind... Aber es wurden ja alle Entscheidungen gegen die Bayern getroffen. Also in dem Fall wirklich, weil es ein Mal in all den Jahren einen Handelfmeter gegen die Bayern gab und das ist dann genau die Szene, an die Kovac sich erinnert.

Genau diese Haltung der Offiziellen ist halt Teil des Problems. Entweder sie können die Szenen nicht sachlich beurteilen oder sie wollen es nicht. Was dann ja die Spieler in ihrem Rechtsbewusstsein weiter stärkt und den Fans die Zitate gibt, die sie brauchen, um ihre Stammtischdebatten zu befeuern.

Für eine sinnvolle Debatte über die Schiedsrichter, die halt auch einfach nicht besser werden, hätte es mehr gebracht, wenn Hasan hinterher sagt: Da haben wir Glück gehabt, über Rot hätten wir uns nicht beschweren können.
Das würde den Bayern nicht Schaden, aber zu einer sachlichen Debatte beitragen. Dann könnte er immer noch sagen: So ist halt Fußball, da gibt es viele Szenen, die ein Schiedsrichter in Sekundenschnelle interpretieren muss und so passiert es dann halt immer wieder, dass die gleiche Szene völlig unterschiedlich bewertet wird. Das Regelwerk ist aber auch bewusst so angelegt. Deswegen können wir uns über Rot nicht beschweren, aber es muss halt auch jeder akzeptieren, dass der Schiedsrichter dies anders gesehen hat und das es eben keine klare Fehlentscheidung war. Man kann da Rot geben, man kann es aber auch bei Gelb belassen.

Solange aber die Verantwortlichen in Führenden Stellen kein Interesse daran haben die Schiedsrichterleistungen sachlich zu bewerten und zu kommentieren, wird die ganze Debatte nicht besser werden. Was super ist, so gibt es immer was zu schreiben...

Dienstag, 7. Mai 2019

Wir müssen aufhören über den VAR oder das Handspiel zu diskutieren

Und dem eigentlichen Problem ins Gesicht sehen:

Unsere Schiedsrichter sind richtig schlecht geworden. Und das war eigentlich seit Jahren abzusehen.

Also genau genommen... sind die Namen, die in den Hoyzer Skandal verwickelt waren, auch heute noch relevant. Felix Zwayer war "Kronzeuge"... Oh und ist nebenbei für seine Verwicklung in die Geschichte für ein Halbes Jahr gesperrt worden, weil er Bestechungsgeld angenommen hat, auch wenn der DFB das lieber geheim halten wollte...
Und Lutz Micheal Fröhlich, der ebenfalls Insiderwissen zu dem Skandal hat, ist heute "Sportlicher Leiter der Schiedsrichter"... aber dazu später mehr.

Denn das ist ja nicht die einzige Baustelle, die andeutet, dass etwas falsch läuft. Da ist ja auch noch die hässliche Geschichte Amerell, die nahelegt, dass der Auf- und Abstieg der Schiedsrichter auch außerhalb des Platzes entschieden werden...

Und ja, das ist und bleibt irgendwie das Grundproblem: es gibt nach wie vor keinerlei Transparenz beim DFB. Die haben ihr eigenes Bewertungssystem, bei dem Zwayer irgendwie ein Weltklasse Schiedsrichter sein soll... aber niemand weiß genau, wie der DFB zu diesem Schluss kommt.

Natürlich weiß der gemeine Fan inzwischen, wenn er es denn will, wie der Bewertungsbogen des DFBs für seine Schiedsrichter aussieht... Aber wie der DFB selber die Leistungen seiner Spiel leitenden Angestellten einschätzt, bleibt ein Geheimnis. Warum eigentlich?
Dafür gibt es (wenn auch nur gegenüber der Bild geäußerte, aber der Link führt nicht dahin, keine Angst) Vorwürfe, dass Manipulationen bei den Bewertungen veranlasst worden sind und dass die Schiedsrichterlisten nicht unbedingt nach sachlichen Kriterien zusammengestellt worden sind...

Dann ist da auch noch, um ein ganz hässliches Fass auf zumachen, der Selbstmordversuch von Babak Rafafti.
Man muss da halt auch aufhören, von zusammenhanglosen Einzelfällen zu reden, sondern solche Vorfälle mal in Verbindung zueinander setzen... Also Rafati stieg zufälliger Weise genau nach der Saison auf, nach der ein Hoyzer aussortiert werden musste... und ein Felix Zwayer zufälliger Weise gesperrt war... ernsthaft, es gibt keine Leistungsdaten für Zwayer für die Saison 2005/06 und das ist Rafatis Debütsaison in der Bundesliga...

Danach wurde dann der laut Meinung verdammt vieler schlechteste Bundesligaschiedsrichter (er "gewann" diese Auszeichnung 4 mal) zum Fifa-Schiedsrichter befördert... weil beim DFB anscheinend komplett andere Maßstäbe angewendet werden, als bei allen anderen, die sich mit Fußball beschäftigt. Und anschließend hat er, laut eigener Aussage, die Kritiken seiner Vorgesetzten nicht verkraftet und dadurch brachen seine Depressionen durch. Mir stellt sich da ja die Frage, wie ein Schiedsrichter, der regelmäßig vor versammelter Mannschaft zur Sau gemacht wird, trotzdem weitere Beförderungen bekommt...
Dabei geht es nicht um die persönliche Tragödie von Rafati... sondern um die Frage, wie so ein Mensch vom DFB in eine Situation befördert werden kann, in der er dann so überfordert ist, dass es zu einem Selbstmordversuch kommt. Da muss doch vorher von DFB Seite einiges schief gelaufen sein.
Vielleicht hätte es Rafati einfach geholfen, wenn er noch eine Weile Zweitligaschiedsrichter geblieben wäre... vielleicht sogar für den Rest seiner Karriere, das wäre ja auch keine Schande. Es gibt ja auch Fußballer, bei denen es nicht für die allerhöchsten Spielklassen reicht, warum sollte dies bei Schiedsrichtern anders sein.
Aber aus irgendwelchen nicht nachvollziehbaren Gründen war der Aufstieg Rafatis bis zur höchstmöglichen Position nicht zu verhindern. Meine Lieblingstheorie ist ja, dass Rafati unbedingt als Vorbild für den wunderbar integrierenden DFB herhalten musste... also als Quoten-Araber. Aber wie könnte man bei einem derart transparenten System auf solche Ideen kommen?

Dazu kommt dann jetzt die Einführung des Video Assistenten, bei denen einige Schiedsrichter der Alte Generation mit einem Prestigeprojekt allen beweisen wollten, dass das deutsche Schiedsrichterwesen immer noch herausragend im internationalen Vergleich ist... was gnadenlos gescheitert ist. Immerhin hat es dort schon Konsequenzen gegeben und ein Hellmut Krug trägt da keine Kompetenzen mehr. Immerhin etwas...

In der Summe kommen wir also auf 4 Skandale oder Tragödien in den letzten 15 Jahren. Und ja, ich bin mir nicht sicher, ob der VAR ein Skandal oder eine Tragödie ist. Er führt uns auf jeden Fall vor, dass unsere Schiedsrichter derzeit einfach überfordert sind. Und das man da mal über grundlegende Reformen nachdenken sollten... Möglichst Reformen, die für mehr Transparenz sorgen.

Aber da gibt es ja gute Nachrichten, die sind ja auf dem Weg... oh, warte, Lutz Michael Fröhlich gibt stattdessen bekannt, dass die Handspielregel "konsequent und berechenbar" ist. Und der Projektleiter für den Bereich Videoassistent Dr. Jochen Drees hat am 31. Spieltag ein "positives Wochenende" für die Schiedsrichter gesehen. Ist doch schön, dass sich die Führungspersonen so kritisch mit der Materie auseinandersetzen.

Gerade das Fröhlich's Aussage direkt am nächsten Wochenende schon wieder pulverisiert worden ist, ist einfach nur grotesk. Es kann halt niemand nachvollziehen, warum es im Fall Jerome Boateng ein Handspiel (und keinen Platzverweis für die Schiedsrichterbeleidigung, aber Details) gab, in den Fällen Karim Rekik, Kevin Stöger und Mario Grötze allerdings nicht. Und das, obwohl es im Fall Götze wohl eine Fehlentscheidung gewesen wäre... aber wenn wir den Maßstab an das Boateng-Handspiel "konsequent und berechenbar" angewendet hätten, hätte es 3 Handelfmeter mehr gegeben.

Ersthaft: Fröhlichs Aussagen zeigen uns doch, wie selbstgefällig und arrogant die Schiedsrichter-Führung immer noch ist, obwohl es dafür bei vernünftiger Selbst-Reflektion keinen Anlass gibt. Die stehen um Brennenden Haus und wollen uns erzählen, dass alles in Ordnung ist. Und ganz ehrlich: Der Fröhlich müsste für seine Aussage eigentlich direkt entlassen werden. Zumindest sollte er dem DFB mal deutlich und ausführlich erklären, wie er zu diesem Schluss kam, oder ob er es vielleicht nur als Schutzaussage für die Schiedsrichter so gesagt hat... was eine Erklärung wäre, aber immer noch fragwürdig ist.

Denn wenn die Führungsriege die derzeitigen Leistungen wirklich so unkritisch sieht, wie Fröhlich dies geäußert hat, ist es quasi ausgeschlossen, dass die nötigen Reformen auf den Weg gebracht werden. Und wir brauchen dringend Reformen, damit sich die schlechten Nachrichten für und über die Schiedsrichter nicht noch weiter häufen.

Und das es "unseren Schiedsrichtern" grundlegend an Qualität fehlt, sollte nicht, wie bei Manfred Ewalds Kommentar im Kicker unter "Drittens" angesprochen werden. Es sollte auf der Prioritäten-liste ganz weit nach oben gesetzt werden. Denn es ist die Grundvoraussetzung um die anderen Regelprobleme zu lösen.

Dienstag, 26. Februar 2019

Moralische Appelle werden nicht helfen

So nett der Ansatz von Jogi Löw ist... er wird damit nichts ändern. Denn solange die einzigen Konsequenzen eine Moralpredigt ist, werden sich die Profis nicht ändern. Es gibt wie immer nur eine Möglichkeit, die natürlich trotzdem keiner fordert... weil es ja um die Bayern geht... und da kann man ja nicht. Das wäre ja... gegen die Menschenrechte... oder so...

Lasst uns mal kurz auf die Unsportlichkeiten und deren Ausgang beim Rekordmeister gucken. Zunächst täuscht Javi Martinez gegen Liverpool eine Verletzung vor um Zeit zu schinden... und sein Trainer Niko Kovac ist so naiv, dass er das hinterher offen zugibt. Worauf hin dann niemand genau weiß, wie er mit dieser Ehrlichkeit umgehen soll...

Danach provoziert Robert Lewandowski mit einer theatralischen Schauspieleinlage einen je Sichtweise übertriebenen oder schlicht falschen Platzverweis. Woher wissen wir, dass der allgemeine Konsens ein "War übertrieben ist?" Nun ja.... Täter Karim Rekik wird nur für ein Spiel gesperrt, obwohl für Tätlichkeiten eigentlich 2-3 Spiele aufgerufen werden... Das ist halt quasi ein Freispruch, weil sich im Fußball halt kaum jemand traut solche Sperren komplett zurückzunehmen. Die F.A. macht es hin und wieder, der Rest hat Angst vor der Fifa und verteilt deswegen immer, selbst wenn alles dafür spricht, dass es zu hart ist, eine Sperre von einem Spiel aus. Aber wenn die wirklich zu dem Schluss gekommen wären, dass Rekik wirklich eine Tätlichkeit begangen hätte, hätten sie ihn definitiv länger gesperrt. Das kann man ja auch schön am praktischen Beispiel Costa Pereira verdeutlichen: Der bekommt ohne jegliche Vorgeschichte direkt 3 Spiele (praktisch sogar 4, weil er ja bereits 90 Minuten Nettospielzeit zugucken musste) Sperre für seine Tätlichkeit.

Und hier kommt jetzt die einzige Variante, wie man den Spielern solche Dummheiten austreibt: Man sperrt die Spieler, die mit ihren Einlagen einen unberechtigten Platzverweis provoziert haben, ebenfalls für ein Spiel. Und man sperrt auch Martinez für seine Unsportlichkeit im Rückspiel.

Aber fordert das irgendjemand? Wird wenigstens mal so nen Verfahren eröffnet, so dass wenigstens eine Drohkulisse aufgebaut wird? Natürlich nicht...

Und nur um zu beweisen, dass Letzteres gar nicht so absurd ist: Im Fall Sergio Ramos, der sich eine Gelbe Karte abholte um in einem unwichtigen Spiel seine Sperre abzusitzen und danach unbelastet in die Viertelfinale gehen zu können, wurde darüber nachgedacht, ob man die Sperre nicht verlängern sollte.
Nur wenn so was dann auch mal durchgezogen wird, werden sich die Fußballprofis ändern. Sperren sind da die einzige Sprache, die sie verstehen. Es ist bei einem Großteil der Trainer auch das Einzige, was sie zum Umdenken bringen wird: Wenn Martinez für sein Verhalten eine Sperre drohen könnte, würde Kovac ganz anders reagieren.

Aber wie immer scheitert es daran, dass wir alles wollen... außer gesperrte Stars. Die sollen unbedingt spielen. Auch wenn dieses "unbedingt" uns das Spiel kaputt macht. Wir drehen uns im Kreis. Die Einschläge werden kürzer, das Grundproblem bleibt dasselbe.

Natürlich sollte man sich auf eine Kompromisslösung einigen. Denn sein wir kurz ehrlich: Niemand von den Offiziellen beim DFB wird den Arsch in der Hose haben und einen Lewandowski sperren. Auch noch vor einem wirklich wichtigen Spiel. Und die Bayern, die andere Treter gerne als "geisteskrank" bezeichnen, aber gegen die Sperren ihrer eigenen Treter Einspruch einlegen, würden gegen diese Urteile klagen. Bei Uli Hoeneßs Gerechtigkeitsverständnis bis zum CAS. Nur um sich dann bei nächster Gelegenheit tierisch aufzuregen, wenn jemand einen Platzverweis für einen seiner Spieler provoziert...
Weil das Gerechtigkeitsverständnis (und Hoeneß ist hier nur das Musterbeispiel, er ist da genau genommen nicht schlimmer als alle anderen) von Offiziellen beim Fußball so fucked up ist, würde das zu einer riesigen Ansammlung von Klagen führen...

Die Interessante Variante wäre: Die (dann definitiv gebrauchten) Profischiedsrichter gucken sich die Spiele am Montag nochmal an. Und dann werden die einzelnen Szenen neu bewertet und entsprechende Verwarnung ausgesprochen. Also einfaches (aber durch den VA abgeschafftes) Beispiel: Ein Spieler provoziert mit einer Schwalbe eine Verwarnung für seinen Verteidiger. Aber im Nachhinein wird klar, dass dies eine Fehlentscheidung war, woran man aber im Spiel nichts mehr ändern kann. Man kann aber wenigstens die Verwarnung für den Verteidiger im Nachhinein streichen (damit sie nicht auch noch zu einer Gelbsperre führt) und sie dem Angreifer (dem dann langfristig eben genau die Sperre droht) zuzuordnen. Und so arbeitet man dann die entsprechenden Szenen des Wochenendes ab und gibt dann am Montag Abend bekannt, wer alles eine Verwarnung in seinem Statistikbogen bekommen hat. Und da ist dann Robert Lewandowski (mit der Erklärung "unsportliche Schauspieleinlage) dabei. Genau so wie Martinez für die Champions League. Und klar, noch kann Lewandowski sagen "Tendiert mich nicht, ich habe bisher kaum Verwarnungen gesehen"... wenn er aber seine 2. oder 3. Verwarnung für Schauspieleinlagen bekommt, wird er darüber nachdenken, ob es das wirklich wert ist... Und selbst die Bayern dürften einsehen, dass eine Verwarnung für Lewandowski eine angemessene Sanktion gewesen wäre.

Gerade die Verwarnungen fürs Zeitspiel werden dann eskalieren. Was dann als nächstes die Anzahl der Gelbsperren in einer Saison eskalieren lassen wird. Aber Sperren sind halt die einzige Variante, wie man die Spieler erreichen wird.

Dienstag, 6. November 2018

Das Problem ist nicht der VAR

Heute in der beliebtesten Serie: Warum funktioniert der Video Assistent Referee bei uns einfach nicht? Und könnte das an uns liegen?
Es vergeht ja quasi kein Bundesligawochenende ohne Diskussionen über diese Neuerung. Diese Woche kam Bruno Labbadia zum "Da brauchen wir keinen Videoschiedsrichter". Ein Punkt, den jede Woche jemand anderes erreicht.

Und ja, die Fälle in Wolfsburg und auf Schalke zeigen uns auch nur, dass der VAR nicht verhindert, dass Fehler passieren. Das ist anders nicht zu erklären. Und so viel zur "Der Videoassistent wird die Diskussionen um Elfmeter eindämmen"...

Was aber nicht mehr so leicht erklärt werden kann, sind die Situationen und München und in Gladbach: Hier haben wir 2 Handspiele im Strafraum. Bei dem einen gibt es direkt Elfmeter. Bei dem anderen wird der VAR bemüht und auf Eckball entschieden...
Und hier ist das faszinierende: Der Kicker gibt an, dass beide Schiedsrichter richtig entschieden haben. Also bei den Düsseldorfern heißt es "Bei Ayhans Handspiel Elfmeter zu geben, war laut der seit Saisonbeginn geltenden Regelauslegung korrekt." Bei dem Freiburgern war es dagegen korrekt "das Handspiel von Gulde nicht als strafwürdig anzusehen."Wartet was?

Vielleicht sollten sich die Kicker-Redakteure das Foto in ihrer eigenen Printausgabe nochmal genau ansehen und sich in Erinnerung rufen, dass nicht Ayhans ausgestreckte, sondern die angelegte Hand angeschossen wurde... das ist jetzt spontan die einzige Erklärung, wie der Kicker zu diesem Schluss kommen kann... außer man geht schon wieder in die "Warum dürfen Ahnungslose hauptberuflich über Fußball schreiben" Richtung, die ich heute mal vermeiden wollte.

Bei Gulde springt der Ball dagegen gegen die ausgestreckte Hand. Aus derselben Entfernung und in wesentlich geringerer Geschwindigkeit... Also wenn einer der beiden Verteidiger eine theoretische Chance gehabt hätte den Arm aus dem Weg zu nehmen, dann wäre das definitiv der Freiburger gewesen.

Wir haben also 2 deckungsgleiche Aktionen am selben Wochenende. Und selbst unsere Journalisten kommen nach der Sichtung des Bildmaterials und der Interpretation derselben Regel zu unterschiedlichen Schlüssen. Und in genau dem Moment finden wir das eigentliche Problem, dass der VAR nicht lösen kann:
Wenn 2 Leute 2 identische Szenen analysieren und zu unterschiedlichen Regelauslegungen kommen können, dann ist die Regel Scheiße.

Denn genau genommen haben Regeln eine Aufgabe: Dass identische Szenen gleich bewertet werden. Also einfachstes Beispiel: Wenn ich als Feldspieler die Suarez mache und ein Tor mit der Hand verhindere, kriege ich dafür Rot. In der 3. Kreisklasse und im WM Halbfinale. Wenn ich aber aus kurzer Distanz angeschossen werde, gibt es, unabhängig von der eigentlichen Entscheidung des Schiedsrichters 3 Optionen: Klare Fehlentscheidung, die widerlegt wird, richtige Entscheidung, die bestätigt wird und keine klare Fehlentscheidung, deswegen kein Fall für den VAR. Welche Option bei welcher Interpretation des Schiedsrichters angewendet wird, wird gefühlt ausgewürfelt. Und das ja in beide Richtungen. Also es gibt Handspiele, wo der Schiedsrichter auf Weiterspielen entscheidet und der VAR mit "Das war ne klare Fehlentscheidung" eingreift. Und es gibt Elfmeter, die zurück genommen werden...

Dieselbe Debatte hatten wir nebenbei vor einem Jahr, als Schalke (gegen die Bayern) einen Handelfmeter verursacht und ein paar Wochen später für dieselbe Aktion nach eingreifen des VARs einen Eckball bekommt. Und das ist, gerade beim Handspiel, der eigentliche Diskurs, den wir führen müssen: Wie schaffen wir es eine Regel zu formulieren, die konstant angewendet werden kann?

Mein Vorschlag steht da auch schon länger als es den VAR gibt: Gebt für beide Handspiele einfach einen indirekten Freistoß, dass ist eine faire Bestrafung in einem Spiel, dass halt per Namen mit dem Fuß und nicht mit der Hand gespielt werden muss. Wann immer jemand einen Ball unabsichtlich an die Hand bekommt, gibt es diesen indirekten Freistoß. Das ist einfach und nachvollziehbar für jeden.

Aber wir regen uns ja lieber über den VAR auf, anstatt die eigentlichen Diskurse, die dessen Probleme lösen könnten, zu beheben... Und ja, die Handspiele im Strafraum sind die "Mutter aller Probleme": Wenn man dafür endlich mal eine brauchbare Regel finden würde, könnte man viele Ungerechtigkeiten und Diskussionsgrundlagen lösen... Aber solange wir da keine Grundlage finden, werden wir auch noch über den VAR schimpfen...

Freitag, 23. März 2018

Wenn Christian Streich der DFL droht

Ein Teil der beliebten "Wir haben Glück, dass Fußball so ein schlecht gecoachter Sport ist."


Und faszinierender Weise... ist ausgerechnet Tayfun Korkut (oder wer auch immer in Stuttgart für die Standarts verantwortlich ist) der Mann, der den Stein ins rollen brachte... Denn der verwendete die "Air Bud" Logik (oder war es der Film, wo der Hund Baseball spielt? Egal): Wenn in den Regeln nicht explizit drin steht, dass es verboten ist, dann ist es erlaubt. Auch wenn es nach vernünftigem Ermessen keinerlei Sinn ergibt, einen Hund an einer Ballsportart teilnehmen zu lassen...

Oder 2 Leute definitiv ins Abseits zu stellen, damit sie den Laufweg der Verteidiger blocken... Also jeder Mensch, der sich mit Fußball beschäftigt, sieht die Absicht hinter dieser Aktion... und schließt dadurch aus, dass es sich um ein Passives Abseits handeln kann...

Leider... beschäftigen sich unsere Schiedsrichter eher weniger mit Fußball... und es ist ja nicht nur einer... es ist Benjamin Brand auf dem Platz, Felix Brych vor dem Monitor... und, jetzt wird es wirklich extrem, Lutz Michael Fröhlich als DFB-Schiedsrichterchef... selbst der oberste Boss meinte hinterher, dass die Regeln richtig angewendet wurden...

Ich will ja nichts sagen... aber wenn die 3 wirklich darauf beharren, dass den Gegner wegblocken eine Passive Aktion ist... dann müssen sie entlassen werden... denn dann sind sie offensichtlich ungeeignet für ihren Job... Sie sollten wenigstens im Nachhinein zugeben, dass sie die Situation falsch bewertet haben...

Wirklich absurd wird das ganze ja... dass Mario Gomez in der 32. Minute als Blocksteller genutzt wird und dann plötzlich für dieselbe Aktion ein Foul gepfiffen bekommt...

Aber ja... erst mal ein großes Lob für die Stuttgarter, die sich im Training mit dem Status Quo beschäftigt haben... und sich dann gesagt haben: Hey, versuchen wir das mal... Vielleicht klappt's ja... Im Regelwerk steht zumindest nicht explizit, dass es verboten ist.
So was bräuchten wir eigentlich viel mehr... Obwohl andererseits... Dass die Löcher im Regelwerk nicht ausgenutzt werden sorgt ja eher dafür, dass der Fußball ertragbar bleibt... Ich verweise an der Stelle gerne auf meinen ewig alten "Die Michael Ballack Regel mit Nebeneffekten" Beitrag, der erklärt, wie das Streichen von Gelben Karten vor einem Halbfinale zu einer Vielzahl an taktischen Fouls und damit zu einem unansehlichen Spiel führt...

Darauf, dass man durch die Auslegung des Passiven Abseits mit schnellen Flügelspielern die Abseitsfallen aushebeln kann, in dem man seinen langsamen Mittelstürmer im Strafraum parkt, aber nicht direkt anspielt, habe ich auch schon vor Jahren irgendwo hingewiesen... auf ein Mal ergibt eine Profikarriere von Usain Bolt verdammt viel Sinn... Der wäre ja ein Elite-Odonkor auf Speed...

Und wenn jetzt die Freiburger ankündigen, dass sie dass dann halt auch einüben... ok, das wird nur dazu führen, dass dieselbe Aktion bei den Freiburgern abgepfiffen wird... und DANN wird der Streich aber eskalieren...

Das ist ja auch der eigentliche Fehler vom Fröhlich: Der sollte jetzt den Arsch in der Hose haben und sagen: "Ja, das war eine Fehleinschätzung. Aber so was passiert halt." Denn letztendlich ist er es, der die Auslegung der Fifa-Regeln für die Bundesliga festlegt. Der seinen Schiedsrichtern auf dem Weg gibt, wie sie was zu interpretieren haben...

Und es wäre auch überhaupt kein Problem, daraus die "Christian Gentner Regelauslegung" zu machen... also wirklich an dem konkreten Beispiel zu erklären, warum so was nicht durchgehen kann... Das passiert in anderen Sportarten erstaunlich häufig...

Also am liebsten in der NFL... also ich bin letztens über den SB Nation Youtubekanal gestolpert... Checkt Jon Bois ChartPartys, they are pretty good. Aber für diesen Beitrag ist die "Weird Sport Rules" Serie die interessanteste. Im Wesentlichen lauten die Geschichten dort immer: Ein Trainer versuchte irgendeine Lücke im Regelbuch für sich auszunutzen. Und entweder es funktionierte und die Regel wurde deswegen geändert... oder es funktionierte nicht und die Regel erfüllte ihren Zweck, es gibt aber eine lustige Geschichte...

Natürlich fällt einem das in amerikanischen Sportarten wesentlich leichter... allein schon, weil die da im Wesentlichen machen können, was sie wollen... gerade die NFL hat haufenweise Regeln, die nach einzelnen Spielern und ihren Aktionen benannt wurden... Aber sie müssen sich halt auch nicht mit einem korrupten Dachverband abstimmen, wenn sie ihre Regeln ändern wollen... dies macht Dinge unkomplizierter...

Die spannenden Fragen für die Bundesliga lauten jetzt:
1.) Wie viele Mannschaften übernehmen diesen extrem cleveren Freistoßtrick? Genau genommen sollte die Antwort "18" lauten, aber irgendwo gibt es einen HSV, der ganz andere Sorgen hat... und am anderen Spektrum sind die Bayern, die so was zumindest in der Bundesliga nicht nötig haben.... Aber in den nächsten Wochen können wir beobachten, wer aufmerksame und flexible Trainer in seinen Reihen hat und wer nicht... Und ja, es ist, solange die Regelauslegung so festgelegt wird, das vernünftigste, selber so eine Variante einzustudieren... Die ist extrem einfach und verdammt schwer zu verteidigen...

2.) Wie werden andere Schiedsrichter dieselbe Aktion interpretieren... und wie oft wird dann doch auf Abseits entschieden werden? Oder anders ausgedrückt: Wie viele Schiedsrichter hören ihrem Chef eigentlich zu?

Und auf ein Mal gibt es doch wieder einen Grund die Bundesliga zu verfolgen... Immerhin etwas...