Donnerstag, 28. Mai 2026

Erinnert ihr euch noch an den März?

 An diese eine ominöse Woche, in der wir uns alle gefragt haben, ob die Premiere League vielleicht gar nicht so gut ist. Der Kicker schrieb damals von "Riesen-Problemen". All das, weil man seine Hinspiele nicht komplett dominiert hat.

Alle muss man natürlich wieder mal relativieren. Ein kleines gallisches Dorf hat damals schon darauf hingewiesen, dass das eine absurde Überreaktion ist. #PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher

2 Monate später hat diese so krass schwächelnde Premiere League schonmal 2 der 3 europäischen Wettbewerbe gewonnen. Nur das Lospech verhinderte nebenbei, dass wir ein rein englisches Finale in der Europa League erleben durften, da Aston Villa im Halbfinale auf Nottingham Forest traf.

Das wäre nebenbei das 2. rein englische Finale infolge gewesen. Hierbei muss eines dringend bedacht werden: Die Premiere League stellt lediglich 2 Teilnehmer in diesem Wettbewerb. Das bedeutet: Das letzte Mal, dass eine "europäische" Mannschaft einen Teilnehmer aus England aus diesem Wettbewerb kegeln konnte, war im Viertelfinale 2024Atalanta Bergamo besiegte überraschend Liverpool und Bayer Leverkusen setzte sich gegen West Ham United durch. Das ist verdammt lange her.

Nebenbei haben die Engländer sich 3 der 5 Conference League Titel geholt. Und es ist ja nicht mal so, dass das zwingend die "Superreichen Scheichklubs" sind, die diese Wettbewerbe gewinnen. Es ist eher so, dass selbst Teams wie Tottenham und Nottingham, die in der Premiere League im Abstiegskampf stecken, trotzdem in Europa unbesiegbar sind. Der Abstand dieser Liga zum Rest ist einfach nur krass.

Im Wesentlichen gibt es so 5 Vereine, die in der Champions League mit den besten Mannschaften aus England mithalten können: Paris St. Germain, Real Madrid, Barcelona, Bayern und Atlético Madrid. Vielleicht noch Inter Mailand, aber deren 2 Finalteilnahmen kamen nur zustande, weil man den Engländern in der K.O. Phase aus dem Weg gehen konnte... Aber Ehre, wem Ehre gebührt: Die haben Arsenal in der Gruppenphase geschlagen. Dieses Jahr gab es aber 2 Niederlagen. Borussia Dortmund konnte bei seinem überraschenden Finaleinzug ebenfalls den Engländern in der K.O. Phase aus dem Weg gehen. Und gewann 2 Mal gegen Newcastle United

Mittlerweile wäre es einfach eine Sensation, wenn eine englische Mannschaft gegen Dortmund ausscheidet. Das muss man einfach mal so anerkennen.

Nebenbei muss der AFC Bournemouth plötzlich als Favorit auf den Europacup Titel geführt werden. Das ist quasi deren FC Augsburg. Aber wer soll die realistisch stoppen, außer der AFC Sunderland? Es ist einfach nur krass, wie die Premiere League gerade nochmal eskaliert. Die einzige gute Nachricht ist ja, dass Aston Villa sich doch auch über die Liga für die Champions League qualifiziert hat. So bleibt uns eine weitere Saison mit 6 Champions League Startern erspart. Lucky us.

Aber hier muss man nochmal festhalten: Für Bournemouth und Sunderland ist der Weg über die Europa League in die Champions League der einfachere... Kein leichter, da man ja doch auf Milan, Juventus oder Bayer Leverkusen treffen kann, aber der einfachere...

Und es gibt ja keinerlei Anzeichen, dass sich das irgendwie wieder einpendelt. Der Abstand der Premiere League zum Rest wird nur weiter wachsen. Für Crystal Palace ist es eben kein Problem, einen Jean-Philippe Mateta aus Mainz zu verpflichten. Für Mainz ist es aber schwierig, einen halbwegs vergleichbaren Ersatz zu finden. Und so wird das jetzt jeden Sommer weitergehen. 

Vor allem sollte man sich dessen bewusst sein, falls es wirklich mal eine einzige Runde in der K.O. Phase gibt, wo nicht alles nach Plan läuft. Oder falls es wirklich mal das eine Jahr gibt, in dem die Liga "nur einen einzigen" Halbfinalisten stellt. Das würde eine absolute Ausnahme sein.

Gerade die jetzt neue Dominanz in der Europa League ist ja schon faszinierend. Also den Wettbewerb hatten die Engländer halt immer sehr stiefmütterlich behandelt. Da schickt man seine B-Elf und guckt, wie weit man kommt. Man hat dem FC Sevilla seine Dominanz dort gegönnt. Lasst die doch spielen. Jetzt hat man sich doch 4 der letzten 10 Titel gesichert. Vorher gab es eine Phase, in der man tatsächlich nur einen von 15 Titeln geholt hat. Ich prognostiziere mal: So eine lange Durststrecke wird diese Liga nie wieder erleben.

Mittwoch, 27. Mai 2026

Passives Abseits Hall of Shame: Wolfsburg verspielt alle Sympathien...

Doch, wirklich. Und ich hätte auch nicht gedacht, dass da geht.

Also stellt euch mal vor, ihr bastelt euch einen Millionenkader. Also ganz praktisch bastelt ihr euch ein Transferminus von 50 Millionen in 2 Jahren. Dann holt ihr euch noch einen jungen und aufstrebenden Trainer, der das Potenzial dieses Kaders zu entfalten.

Anstatt um den Einzug in die Conference League zu kämpfen, verkackt man den Saisonauftakt. Aber gut, dass ein neuer, junger Trainer nicht funktioniert kann ja passieren, auch wenn es kein gutes Licht auf den Entscheidungsprozess im Sommer wirft. Das Paul Simonis Projekt wurde so schon nach 10 Spieltagen auf Platz 14 abgebrochen. Und man entschied sich für die logische Variante: Der Beförderung des Jugendtrainers Daniel Bauer. Bis zur Winterpause ist das ja auch OK. Und der Dead Coach Bounce führte ja auch zu 7 Punkten in 3 Spielen. Aber das 3:4 zum Jahresausklang gegen den SC Freiburg machte jetzt nicht unbedingt Mut für die Rückrunde. Trotzdem entschied man sich dann doch dafür, dem jungen Trainer diesen offensichtlich schwierigen Kader langfristig anzuvertrauen, auch wenn es da schon Anzeichen gab, dass das nicht die Dauerlösung sein wird.

Das klappte natürlich nicht. Es gab nur einen Sieg in 10 Spielen und somit musste man die nächste Notlösung auspacken. Und die war noch uninspirierter als die letzte: Dieter Hecking. Spätestens da war klar: Das ist ein faszinierender Autounfall. Heckings Zeit als Bundesligatrainer ist halt seit 10 Jahren vorbei. Der hat es schon letzte Saison geschafft, einen Abstieg zu betreuen. Da wird er das doch bestimmt dieses Jahr wieder hinbekommen.

Trotzdem ging ich davon aus, dass Wolfsburg sich schon noch retten wird. Denn die Konkurrenz war ja alles andere als Angst einflößend. Ganz praktisch rettete Werder Bremen sich mit einem Sieg in den letzten 7 Spielen. In Köln sammelte man 1 Sieg in den letzten 11 Spielen. Das waren jetzt keine hohen Hürden, die man irgendwie überwinden musste.

Wolfsburg selber holte in der gesamten Rückrunde halt nur 2 Siege, also musste man in die Relegation. Das ist zwar emotional anstrengend, aber in 9 von 10 Fällen gewinnt das der Bundesligist. Das sollte also auch machbar sein. Man hat ja mehr Geld auf der Bank sitzen, als die Paderborner in den gesamten Kader gesteckt haben. Also um das mal ganz praktisch vorzurechnen: Für die Einwechselspieler Paredes, Wind, Lindström, Shiogai und Amoura alleine hat der VfL Wolfsburg in der Summe 43,75 Millionen Euro an Ablöse und Leihgebühr bezahlt. Der Paderborner Kader ist insgesamt 40 Millionen Euro wert... Um es drastisch auszudrücken: Selbst der Hamburger SV hat das am Ende immer hinbekommen.

Das sind jedenfalls die "Vorleistungen" der Wölfe vor der Relegation. Dann schafft man es im Hinspiel vor den eigenen Fans ein Spiel anzubieten, bei denen sich der neutrale Zuschauer fragt, welche Sportart das eigentlich sein sollte. Zitat aus dem Kicker-Ticker: "Ansonsten bietet das Relegationshinspiel wenig Anlass zur Aufregung, beide Mannschaften scheuen das Risiko."

Aber daran hat es ja nicht gelegen. Die allgemeine Reaktion nach dem Relegationsrückspiel war dann ein "ABER DER SCHIEDSRICHTER!" Wenn der nur etwas mehr Fingerspitzengefühl gezeigt hätte, wäre Wolfsburg noch in der Bundesliga.

Und da keiner von den Medien sich das traut, sage ich das jetzt so: Alter, fickt euch! 

Selbst wenn die erste Gelbe Karte ganz schön hart war. Dann muss ich als Profi meine Spielweise anpassen und kann nicht so in den Zweikampf gehen, wie Maehle das direkt danach macht. Deswegen verdient man ja Millionen Euro im Jahr. Allein schon die Schuld für den Platzverweis beim Schiedsrichter zu suchen und nicht direkt anzumerken, dass der eigene Spieler sich da unfassbar dumm anstellt, ist grenzwertig.

Aber nach so einer Saison mit dem Finger auf den Schiedsrichter zu zeigen, ist einfach nur erbärmlich. Kein "Wir haben es halt nicht geschafft, das in 34 Spieltagen zu regeln." 
Und natürlich ist es ein bisschen unfair, dass Dieter Hecking so direkt und als Erstes darauf angesprochen wird. Aber er ist auch ein sehr erfahrener Trainer. Er hätte das Interview mit einem "Wir sind nicht heute und damit nicht wegen dieser einen Schiedsrichterentscheidung abgestiegen, sondern weil wir vorher in 35 Spielen richtig schlecht waren." anfangen können. Also wenn seine Erfahrung schon auf dem Platz wenig bis nichts gebracht hat, dann hätte er sie doch wenigstens im Umgang mit den Medien nutzen können.

Auch Diego Benaglio zeigt wenig Reflextion und Selbstkritik, sondern schaut lieber in Richtung Schiedsrichter. Ich zumindest habe aus Wolfsburg noch kein einziges Eingeständnis des eigenen Versagens gehört. 

Im klassischen VW Stil wird Dieter Hecking für seine tragende Rolle im erfolgreichen Projekt Abstieg befördert. Vom Trainer zum Geschäftsführer. Das Lustigste daran: Den "seine Trainerkarriere wäre dann wohl vorbei" Satz gab es 2020 schon, als er in Nürnberg diese Rolle übernahm... und am Ende scheiterte. Realistischer wäre da doch eher ein "Und damit hat der VfL Wolfsburg auch schon eine passende Notlösung da, falls man für den Aufstieg einen Interimstrainer braucht"... 

Aber nur um das nochmal festzuhalten: Wenn Dieter Hecking in Nürnberg einen guten Job als Geschäftsführer gemacht hätte, wäre er schon nicht in Bochum als Trainer zurückgekehrt. Wenn Hecking seinen Job dort ordentlich gemacht hätte, wäre er nie als Trainer für die Wolfsburger verfügbar gewesen. Wenn er jetzt die Mission Klassenerhalt geschafft hätte... Aber dieses 3fache Versagen hat ihn jetzt die Beförderung eingebracht. So sieht ein vernünftiger Neuanfang aus...

Nachtrag: Wir müssen natürlich von einem 4fachen Versagen sprechen, weil Dieter Hecking ja die Saison als Trainer in Bochum begonnen hat und nach einem Sieg aus 5 Spielen entlassen wurde... Aber hey, vielleicht ist es auch ein Fortschritt, dass Wolfsburg immerhin nicht den Trainer Dieter Hecking behält...

Donnerstag, 21. Mai 2026

Rapid Reaction zur verwirrenden Kadernominierung

 Ist das noch "Schnell", wenn man erst auf die Nominierungen wartet und dann reagiert? 

Hauptsächlich bin ich ja verwirrt, dass Julian Nagelsmann nach 3 Jahren im Amt die Kommunikation so verkackt. Also das ist ja ein moderner, immer noch junger Trainer. Das bedeutet, der hat mehrere Medienberater. Und das ist ja auch nicht sein erstes Turnier.

Dass er die Deniz Undav Situation so schlecht vermittelt hat, war schon bemerkenswert. Dass er jetzt bei der Kadernominierung wieder so bescheiden kommuniziert, muss einen einfach verwundern. Dabei geht es nicht mal so sehr um die Manuel Neuer Rückkehr. Dazu kommen wir gleich. Aber dass der Kader so scheibchenweise geleakt wurde, ist wirklich ungewöhnlich. Wobei das lustigste das falsche Leak zur Said El Mala war.

Nur um das nochmal festzuhalten: Diesen Prozess zu moderieren und kontrollieren ist quasi die wichtigste Aufgabe für Nagelsmann zwischen den Turnieren. Und da ist er ganz sachlich gescheitert.

Aber kommen wir mal zu Oliver Baumann und Manuel Neuer. Hier muss man fairerweise sagen, dass Nagelsmann nur verlieren konnte. Das Neuer der beste Deutsche Torhüter ist, stellt ja kaum jemand infrage. Falls doch: An durchschnittlichen Tagen ist der immer noch besser als Baumann. An den herausragenden Tagen ist er deutlich besser. Diese herausragenden Tage werden seltener, aber es gibt sie noch.

Wenn ihr euch nebenbei fragt, was passiert ist... nun ja, das Spiel Hoffenheim - Stuttgart. Denn da wurde deutlich, dass Baumann derzeit eher der drittbeste Torhüter im Land ist. Als Nummer 1 in dieser Torhüternation muss er da 2 der Gegentore verhindern.

Was mich jetzt am meisten verwirrt, ist ja das "Baumann hat ja die Qualifikation gespielt, der hat sich das verdient!" Argument. Hier ist das Grundproblem: Baumann hat diese Quali nur gespielt, weil Marc-André ter Stegen verletzt ausfiel. Jetzt tun aber alle so, als wäre es 2 Jahre lang der Plan gewesen, mit Baumann ins Turnier zu gehen.

Und natürlich hat Nagelsmann vor der Neuer-Rückkehr versucht, Baumann stark zureden. Aber das war ja auch alternativlos. Genaugenommen hat aber schon die Positionierung pro ter Stegen deutlich gemacht, dass man Baumann nur bedingt zutraut, so ein großes Turnier zu spielen. Erst im April wurde wirklich deutlich, dass man nicht mit ter Stegen planen kann. Im Januar hat er ja extra den Verein gewechselt, damit er die nötige Spielpraxis bekommt, um als Nummer 1 ins Turnier zu gehen. Trotzdem tun jetzt viele so, als wäre Baumann 2 Jahre lang der unumstrittene Stammtorwart gewesen.

Nebenbei muss man auch mal festhalten, dass dieses "Er hat uns als sicherer Rückhalt durch die Qualifikation geführt" absolut nichts Beeindruckendes ist. Das hätte Michael Zetterer wahrscheinlich auch geschafft. Also Zetterer ist laut Kicker-Noten der schlechteste Torhüter der Saison, deswegen nehme ich ihn. Nebenbei... stand Baumann bei der Niederlage in der Slowakei zum Auftakt im Tor. Das war jetzt nicht primär seine Schuld, aber "er hat uns Stabilität verliehen" sieht irgendwie anders aus. Und wir müssen nochmal festhalten, dass es nicht darum geht, die Luxemburg oder Nordirland hinter sich zulassen, sondern Spanien und Frankreich zu schlagen. Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass Baumann in so einem Spiel den Unterschied ausmachen kann.

Hinter der ganzen Debatte steht natürlich wieder die Überhöhung der Bundesliga. Denn es tun jetzt alle wieder so, als würde Nagelsmann einen Weltklasse-Torhüter auf die Bank setzen, weil Baumann eine starke Hinrunde in der besten Liga der Welt gespielt hat. Dabei hat er, realistisch gesehen, nur eine durchwachsene Rückrunde in einer guten, aber international von den Bayern getragenen, Liga gespielt. Und ich sage das mal so: Es ist kein Zufall, dass Baumann noch nie seine Leistungsvermögen auf dem allerhöchsten Champions League Niveau nachweisen konnte und durfte. Und es ist auch kein Zufall, dass er eine Teilnahme an diesem Wettbewerb zum Saisonende verspielt hat. Fun Fact: bei seiner einzigen Teilnahme dort hat er in 6 Spielen 14 Gegentore kassiert. Baumann ist halt "nur" ein guter Bundesligatorwart. Nicht mehr und nicht weniger. Aber das reicht halt nicht, um zwingend im Tor der deutschen Nationalmannschaft zu stehen. 

Denn das letzte Mal, dass "wir" "nur einen guten Bundesligatorhüter" zu einem Turnier im Kasten hatten, war... 1998 mit Andreas Köpke. Der ist da aber auch die absolute Anomalie. Es gab sonst keinen guten Torhüter, der sich konstant für die falschen Vereine entschieden hat, wie Köpke. Danach gab es Kahn, Lehmann und Neuer. Davor gab es Illgner, Schumacher und Meier. Die haben zusammen 11 Europacup-Siege geholt. Und Toni Schumacher als einziger, der sonst keinen internationalen Titel holen konnte, stand zumindest im UEFA-Cup Finale. Er verlor gegen Real Madrid
Baumann ist, bei allem Respekt, halt eher auf Augenhöhe mit Eike ImmelOliver Reck und Timo Hildebrandt. Alles keine schlechten Torhüter, aber eben nicht gut genug, um Deutschland in ein wichtiges Turnier zu führen. 

Zurück zu Neuer: Der hat halt auch einen völlig absurden Erfahrungsschatz. Er weiß als einziger im Kader, wie man eine WM erfolgreich bestreitet... UND wie man sie verkackt. Er ist der einzige Torhüter, für den es völlig normal ist, in einem wichtigen K.O. Spiel zu stehen und dort abzuliefern. Darauf zu verzichten, wenn Neuer selber Bock hat, wäre schon leichtsinnig.

Und das dümmste Argument ist die fehlende Abstimmung. Denn Baumann ist der einzige Hoffenheim Spieler im Kader. Neuer spielt dagegen Tah, Kimmich, Pavlovic, GoretzkaMusiala und Karl zusammen. Das sind nebenbei alles Spieler, die, wenn sie offen und ehrlich antworten würde, die Rückkehr von Neuer begrüßen dürften. Also falls sich jemand fragt, wie "die Mannschaft" das aufnehmen wird... es gibt da einen relativ großen Bayern Block und nur ganz wenige Spieler, die eine bedingungslose Loyalität zu Baumann haben. Die meisten werden froh darüber sein, dass Neuers Rückkehr ihre Chance auf einen Weltmeistertitel erhöht.

Und natürlich ist es nicht mehr ausgeschlossen, dass Neuer doch einen haltbaren Ball durchlässt. Oder dass er Arda Güler ein Tor vorlegt. Aber das wahrscheinlichste Szenario bleibt, dass neuer ein solides bis starkes Turnier hinlegen wird. Während bei Baumann das realistische Limit bei "solide" liegen würde. 
Ganz sachlich gesehen hat Nagelsmann da alles richtig gemacht. Er hat nach dem verletzungsbedingten Ausfall der eigentlichen Nummer ein ter Stegen seinen Ersatzmann öffentlich stark geredet. Aber als sich dann die Möglichkeit eröffnete, den besten deutschen Torhüter zu nominieren, hat er zugeschlagen. Denn am Ende geht es nicht darum, Baumann's Seele zu streicheln, sondern die bestmöglichen deutschen Kader zu nominieren.

Nebenbei bin ich ja relativ sicher, dass diese "Rückkehr zu Turnieren" relativ normal werden wird. Also Toni Kroos hat das ja vor ziemlich genau 2 Jahren auch schon vorgemacht. Da hat nebenbei niemand rumgeheult, dass irgendein "Quali-Spieler" seinen Stammplatz räumen musste. Der Rahmenterminkalender wird halt immer extremer. Dass da die Ü30 Spieler relativ frühzeitig sagen, dass sie statt der Qualifikation lieber in den Ski-Urlaub fahren, sollte niemanden überraschen. Dass es bei diesen Spielern dann aber wieder richtig kribbelt, wenn das Turnier vor der Haustür steht, überrascht aber auch nicht. Der einzige Grund, warum dies jetzt so hochkocht, ist der Fakt, dass wir die Torhüterposition irgendwie anders behandeln, als Feldspieler.
Aber wenn sich jetzt der Innenverteidiger vorm Torwart ändert, machen wir uns irgendwie weniger Sorgen... 

Montag, 18. Mai 2026

Der langweiligste und der spannendste letzte Spieltag seit...

 Nun ja... seit langem.

Also lasst uns mal eines kurz festhalten: Der Bundesliga-Abschluss war von gähnender Langeweile geprägt. Und das ist das Schlimmste, was einer Liga passieren kann.

Um das mal ganz praktisch festzuhalten: Es gab nur eine einzige Veränderung in der Tabelle: Der Hamburger SV hat 2 relativ belanglose Tabellenplätze verloren, weil man nur Unentschieden gespielt hat. Weder im Abstiegskampf, noch im Kampf um die europäischen Plätze, gab es irgendwelche relevanten Veränderungen. 
Das letzte Mal ist uns ähnliches in der Saison 2017/18 passiert. Damals überholte immerhin Hoffenheim die Dortmunder. Das war auch irrelevant, weil Dortmund trotzdem 4. wurde. Und dann haben wir noch den letzten Spieltag der Saison 2013/14, an dem sich buchstäblich gar nichts an der Tabelle geändert hat...

Aber hier ist das lustigste: Selbst in der Saison ist in der 2. Halbzeit mehr passiert, als dieses Jahr. Denn Bayer Leverkusen erzielte sein zwingend benötigtes Siegtor in der 53. Minute
Und 2017/18 fehlte Leverkusen in der 90. Minute nur 2 Tore, um Dortmund noch von Platz 4 zu verdrängen. Man kassierte stattdessen 2 Tore, aber halt auch, weil man gnadenlos auf den eigenen Treffer ging und das Verteidigen einstellte.

Dieses Jahr war alles sehr früh entschieden. Weil sich auch alle Kandidaten so dumm wie möglich anstellten. Der berechnendste Satz kommt aus dem Kicker-Ticker zum Spiel Eintracht Frankfurt - VfB Stuttgart: "Selbst wenn Stuttgart das Spiel hier noch komplett aus der Hand geben sollte, würde die CL-Qualifikation nach aktuellem Stand dennoch klar sein. Gladbach führt 3:0 gegen Hoffenheim, Leverkusen kommt aktuell nicht über ein Unentschieden gegen den HSV hinaus." 

Das war der Status in Sachen Champions League: Hoffenheim legte eine ultimative "Macht ihr das mal" Leistung. Leverkusen übte ebenfalls keinerlei Druck aus. Also konnte Stuttgart ganz entspannt den 2-Tore-Vorsprung verspielen... 

Im Sinne der Gleichberechtigung schloss sich der FC Augsburg den Hoffenheimern an und verlor ebenfalls 0:4... Und RB Leipzig entschied sich gegen einen vernünftigen Saisonabschluss und verlor mit 1:4 gegen Freiburg. Damit war auch "Das Rennen" um die Conference League frühzeitig entschieden. Also gut, endgültig wird das am Mittwoch entschieden. Aber Spannung sieht auf jeden Fall anders aus.

Nebenbei zeigte das Spiel in Freiburg auch eines dieser Grundprobleme des letzten Spieltages. Denn oftmals spielen Mannschaften, für die es um alles geht, gegen sorglose Mannschaften. In Leipzigs Fall führte dies dazu, dass man David Raum schonte... Ich hab mal kurz in den Spielplan von RB geguckt. Da steht nichts mehr im Kalender. Raum wurde buchstäblich geschont, damit er sich vor der WM nicht noch verletzt.
Ich will Raum da auch gar keinen Vorwurf machen, aber es verdeutlicht halt, wie unterschiedlich die Herangehensweise an so einen letzten Spieltag oftmals ist. Denn selbst wenn Raum gespielt hätte, dann doch mit einer "Hauptsache ich verletze mich nicht" Einstellung.

Aber kommen wir zum eigentliche Gewürz: dem Abstiegskampf. Der musste ja episch werden. 3 punktgleiche Mannschaften! Und auch ein fast identisches Torverhältnis. Aber Heidenheim kassierte vor der Pause 2 Gegentore und war damit praktisch frühzeitig raus.

Dann kam der große Auftritt von Nikola Vasilj. Der ist für mich der Spieler des Spieltages. Note 0,5. Denn Vasilj war der beste Verteidiger des FC St. Pauli. Er hielt seine Mannschaft mit mehreren guten Paraden im Spiel. Gleichzeitig war er der beste Angreifer von Wolfsburg und hatte bei den wichtigsten Toren der Saison seine Finger im Spiel. Der beste Spieler für beide Mannschaften zu sein, hat so noch niemand geschafft. 
Mein persönliches Highlight war, wie Vasilj am Ende bei einer Ecke nach vorne stürmte. Denn was im eigenen Strafraum brandgefährlich ist, muss ja auch am anderen Ende des Platzes funktionieren...

Wenn man sich ein wenig und kritisch mit Fußball beschäftigt, war das Spiel nach 38 Minuten entschieden. Denn St. Pauli ist sachlich gesehen offensiv einfach zu schwach, um 2 Tore in 45 Minuten zu erzielen. Sie haben halt 29 Tore erzielt... und absurderweise 5 dieser Tore gegen Borussia Dortmund. 2 Treffer in einer Halbzeit erzielte man zuletzt am 23. Spieltag gegen Werder Bremen. Seitdem schaffte man es auch nicht mehr, 2 Tore in einem Spiel zu erzielen. Das St. Pauli also plötzlich 2 Tore erzielt, anstatt weiterhin kollektiv einen auf "Gomez der Woche" zu machen, war praktische ausgeschlossen. Spätestens das 2:1 in der 64. machte definitiv den Deckel drauf.

Wer also nicht eingeschaltet hat, hat nichts verpasst.

Also vergleichen wir das mal mit dem Aufstiegsrennen in der 3. Liga. Dort erzielte Rot Weiß Essen in der 92. Minute den entscheidenden Treffer zum Aufstieg zur Relegation. Und direkt danach traf Bulic in Duisburg den Pfosten. Ein Treffer dort hätte Essen wieder auf Platz 4 geschubst. So sieht ein spannendes Finale aus.

All das wurde dann noch von der 2. Liga getoppt. Das war mal eine Konferenz. Also fangen wir im völlig absurden Abstiegskampf an: Fürth konnte mit dem 3:0 Sieg gegen Düsseldorf auf den Relegationsrang springen. Wenn Fürth noch ein 4. Tor erzielt hätte, wäre das der direkte Klassenerhalt gewesen. Wenn Düsseldorf stattdessen das 1:3 erzielt hätte, wären die wieder an Fürth vorbeigezogen. Das macht die letzte Szene, in der Kastenmeier vorne mitmischt und Hrgota dann den Ball nicht ins leere Tor bekommt, so intensiv.
Arminia Bielefeld machte in der 2. Halbzeit einen gewaltigen Sprung von Platz 17 auf Platz 13, weil die Hertha nach einer ordentlichen ersten Halbzeit den Betrieb komplett einstellte.

Und im Aufstiegskampf kassierte Hannover in der 83. Minute den schmerzhaften Treffer, der ihnen die Teilnahme an der Relegation kostete. Das Spiel endete 3:3.

Diese anderen Ligen verdeutlichten nochmal, wie absurd langweilig das Bundesliga-Finale war. Mir ist ja bewusst, dass ich mit so Sätzen wie "Das schlechteste" oder "Das schlimmste" häufig um mich werfe. Aber dieses Jahr stimmt es definitiv.

Nebenbei sichert Wolfsburg sich den Klassenerhalt mit 2 Siegen in der gesamten Rückrunde. Also klar, nur die Relegationsteilnahme, aber da setzt sich beinahe immer der Bundesligist durch. Werder Bremen feiert den Klassenerhalt mit 4 sieglosen Spielen infolge. In Köln sind es 5... und nur 1 Sieg aus den letzten VIERZEHN Spielen. Also falls noch jemand irgendwelche Beweise braucht, dass die Mannschaften da unten, abgesehen von Heidenheim, wirklich komplett unfähig waren. Heidenheim waren die einzigen, die sich in den 8 Spielen wirklich gegen den Abstieg gewehrt hatten... Also in 7 der letzten 8 Spiele, am 34. Spieltag sind sie dann doch eingebrochen...

Alles in allem wird man über diese Saison wohl nie wieder sprechen. Es gab eine langweilige, frühzeitig entschiedene Meisterschaft und einen weitgehend emotionslosen Abstiegskampf. Für die Liga bleibt zu hoffen, dass dies die Ausnahme bleibt.

Montag, 11. Mai 2026

Simpson-Pusey gibt den Skeptikern dann Recht

Also am Samstag gab es ja den erwartbaren Stillstand,. VfL Wolfsburg dachte sich wahrscheinlich: Wenn wir einfach nicht das 1:0 schießen, schalten die Bayern auch nie den Gang hoch. Dann erzielen die keine 5 Tore und wir sind in der komfortablen Ausgangssituation, die wir haben wollen. 

Und St. Pauli hat sich wenigstens ein wenig bemüht, ist aber auch einfach nicht gut genug, um RB Leipzig ernsthaft herauszufordern.

Also feierte der 1. FC Köln den Klassenerhalt am Samstagabend auf der Couch. Oder im Club. Leihspiele Jahmai Simpson-Pusey feierte auf jeden Fall so heftig, dass er das Anschwitzen verpasste und deswegen aus dem Kader gestrichen wurde. Ob er dieses Anschwitzen auch verpasst hätte, wenn die Kölner zeitgleich mit der Konkurrenz gespielt hätten? Oder, um es an einem anderen Beispiel festzumachen, ob die Kölner dann auch Dominique Heintz und Florian Kainz vor dem Spiel verabschiedet hätten? 

Für mich persönlich stehen solche Verabschiedungen ja auch immer für einen gewissen Spannungsabfall. Wolfsburg selbst hat ja bewusst darauf verzichtet, weil man solche Aktionen nicht bringt, wenn man mitten im Abstiegskampf steckt. 

Köln sichert sich nebenbei stilecht den Klassenerhalt mit einem Sieg aus 13 Spielen. Das macht diese ganze Geschichte zur einen Hypothese, denn die sind derzeit einfach die schlechteste Mannschaft der Bundesliga. Aber dass man diesen Spekulationen Tür und Tor öffnet, ist schon bedenklich.

Wie schlimm das Enden kann, hat nebenbei die Regionalliga gezeigt. Dort einigten sich Greifswald und Lok Leipzig nach 85 Minuten auf ein Unentschieden und stellte jegliches Fußballspielen ein. Beide Mannschaften wussten aufgrund der Ergebnisse vom Vortag, dass ihnen das für den Moment reicht. Auch wenn ich das von der Loksche ganz schön entspannt finde, schließlich sind sie jetzt punktgleich mit Carl Zeiss Jena und müssen am letzten Spieltag gewinnen. Obwohl man nur eines der letzten 5 Spielen gewinnen konnte. So kann man die Aufstiegsspiele auch boykottieren.

Das eigentliche Highlight kommt vom NOFV-Präsident Hermann Winkler. Der warf den beiden Mannschaften "unsportliches, unfaires Verhalten" vor. Dass er selbst den Spielplan, der dieses Szenario ermöglicht hat, abgesegnet hat, blendet er einfach komplett aus.
Du willst, dass sich die Mannschaften in der Schlussphase nicht "absprechen"? Dann setze die letzten Spieltage zeitgleich an und dieses Problem kommt nicht auf. Aber es ist leichter, den Spielern Vorwürfe zu machen, anstatt sich selbst zu hinterfragen.

Aber zurück in den Bundesliga-Abstiegskampf. Denn dank der Heidenheimer, die sich ja als einzige gegen den Abstieg wirklich wehren, haben wir jetzt das spannende Szenario, dass bei St. Pauli gegen Wolfsburg beide Mannschaften gewinnen müssen. Das ist für den neutralen Zuschauer eine großartige Situation. Stellt euch wirklich mal vor, die DFL würde diese beiden Spiele am Samstag um 18:30 anpfeifen. Da würde ich mir ein VPN für kaufen...

Wie ernst der Rest der Liga den Abstiegskampf nehmen, konnte man ja Yukinari Sugawara erkennen. Der dachte sich anscheinend: "Jetzt, wo das mit dem Klassenerhalt quasi durch ist, kann ich mich ja auf die WM konzentrieren, da hole ich mir mal eine Rote Karte ab"... in der 2. Minute. Mit einem fiesen Tritt gegen den Ivorer Bazoumana Touré. Spielen die während der WM gegeneinander? Dabei spielt die Elfenbeinküste nur gegen Deutschland

Das sportliche Highlight des Spieles war aber das 1:0 der Hoffenheimer nach einer schnell ausgeführten Ecke. Der Balljunge spielte da mal wieder eine entscheidende Rolle. Der Unterschied zu RB Leipzig ist halt: Wenn das Werder passiert (oder Hoffenheim so macht) interessiert das keine Sau. Im Kicker-Ticker wird aber nur von einer schnell ausgeführten Ecke gesprochen. Und hinterher gibt es diese Perle: "Was für ein gebrauchter Nachmittag bislang für die Bremer, die sich zwei katastrophale Aussetzer erlaubten und nun mit einem Mann weniger 0:1 zurückliegen. Ansonsten ist der Auftritt ganz ordentlich." Also abgesehen davon, dass es Scheiße war, war es gar nicht schlecht.

Jedenfalls sehen wir hier, dass der Vorgang am letzten Wochenende, über den sich plötzlich so aufgeregt wurde, wirklich eigentlich ganz normal ist. Besser kann man nicht verdeutlichen, wie künstlich die Aufregung letzte Woche wirklich war... 

Freitag, 8. Mai 2026

Und das wichtigste verkackt die DFL

 Ihr hattet eine Aufgabe... einen vernünftigen Spielplan zu erstellen. Und stattdessen beschäftigt ihr euch mit den Abständen der Bälle neben dem Spielfeld. Gut, dass die Prioritäten richtig gesetzt wurden.

Worum geht es? Nun ja, um den Abstiegskampf. Und um die Ansetzungen im Abstiegskampf. Denn die haben es tatsächlich geschafft, dass St. Pauli, Wolfsburg und Heidenheim alle zu unterschiedlichen Zeiten spielen. Heidenheim spielt sogar erst am Sonntag. Und da muss ganz offen die Frage gestellt werden: Warum?

Also die 3 Mannschaften spielen gegen RB Leipzig, Bayern und den 1. FC Köln. Dass diese 3 Mannschaften am 32. Spieltag tief im Abstiegskampf stecken, sollte niemanden überraschen. Dass die 3 Gegner am Samstag um 15:30 Zeit hätten, steht seit dem 17.05.2025 fest... also da hat Leipzig mit der Niederlage in Stuttgart die Teilnahme an der Conference League verpasst. Was schon absurd ist, denn das wäre ja die Chance auf ein "Finale Heeme" gewesen. Mit Hermes House Band auf dem Fanfest...

Aber seit diesem Tag steht fest, dass keine der Gegner am Donnerstag im Europacup spielen würde. Der eigentliche Spielplan wurde natürlich erst am 2.6. veröffentlicht.  Die finalen Ansetzungen wurden am 27.03. festgezurrt. Da war Heidenheim noch weit abgeschlagen. Aber dass St. Pauli und Wolfsburg steckten mitten im Abstiegskampf. Zusammen mit den Kölnern. Und Werder Bremen

Da ist doch das naheliegendste, dass diese 5 Mannschaften die 4 Partien am Samstagnachmittag austragen. Ernsthaft, das ist eigentlich ein Skandal. Es sollte ein viel größeres Thema sein und von wesentlich mehr Leuten als nur dem Fanbündnis "Unsere Kurve" kritisiert werden.

Gerade die Konstellation zwischen St. Pauli und Wolfsburg ist völlig absurd. Die trennt ja wirklich nur das Torverhältnis. Die Wölfe werden im Zweifelsfall genau wissen, welches Niederlage sie sich gegen die Bayern leisten können. Es kann also sein, dass die am Ende krampfhaft ein 0:5 verteidigen, weil sie genau wissen, dass dann am letzten Spieltag ein Unentschieden reicht.

Das diese beiden Mannschaften nicht zeitgleich spielen, ist unentschuldbar. Ich sage das mal ganz drastisch: Wer immer das zu verantworten hat, sollte dringend in eine Position befördert werden, in der er keine aktiven Funktionen mehr hat...

Dabei, das will ich an der Stelle nochmal festhalten, bin ich sogar ein großer Freund von den aufgeteilten Spieltagen zum Saisonende. Wenn man das clever machen würde, könnte man sicherlich mehr TV Gelder rausholen, ohne dass man, wie in der Relegation, den Wettbewerb verzerrt.

Das müsste aber nach klaren und nachvollziehbaren Regeln passieren. Also:
1.) Die Europacup Teilnehmer spielen Sonntag.
2.) Die Abstiegskandidaten spielen zeitgleich.
3.) Die Bayern spielen zeitgleich... also eigentlich wollte ich hier "Die Meisterschaftsanwärter" schreiben, es sind aber halt die Bayern.
4.) Um die Mannschaften, die in den Europacup einziehen, baut man den Rest.

Und dann verkauft man an Sky und DAZN die Rechte für die entsprechenden Konferenzen. Und selbst wenn dann die Abstiegs- und die Europacup-Konferenz am Ende gleichzeitig stattfinden müssen, könnte man eine extra Konferenz, die nur diese Spiele zeigt und nicht zum belanglosen Sommerfußball schalten muss, bestimmt gut verkaufen.

Die Logik dahinter ist grundsolide. 1.) Die Ruhetage zwischen den Spielen müssen gewahrt werden. 2.) Der Abstiegskampf gilt nicht zu Unrecht als "Existenzkampf". Da hängt, solange man kein Harakiri wie Dortmund zur Jahrtausendwende betreibt, das meiste dran. 3.)Der Meistertitel ist ja der eigentliche Grund, warum wir den ganzen Spaß machen. Und 4.) das Rennen um die Europacup-Plätze ist zumindest in der Theorie der unterhaltsamste Teil. Aber für die meisten wäre eine Teilnahme "nur" ein Bonus-Feature und nicht die Grundlage ihrer Existenz.

Dafür nimmt man sich im Zweifelsfall die Tabelle vom 25.03.. Die letzten 5 packt man, in die Samstagskonferenz. Die Mannschaft auf Platz 3 bis 5 in die 18:30 Champions League Konferenz. Und die Mannschaften auf den Plätzen 6 bis 8 spielen am Sonntag. Und wenn eine der Mannschaften aus den späteren Konferenzen auf eine aus den früheren trifft, so hat die frühere Priorität. Das kann dann natürlich dazu führen, dass der Tabellensechste schon weiß, welches Ergebnis er braucht, aber das ist, verglichen mit der derzeitigen Situation im Abstiegskampf, ein harmloses Problem.

Also ganz praktisch: Am Samstag um 15:30 spielen RB Leipzig - St. Pauli, Wolfsburg - Bayern, Köln gegen Heidenheim und vielleicht noch Hoffenheim gegen Bremen.

Dann freut man sich darüber, dass das ausbleibende Meisterrennen alles einfacher macht und setzt zu 18:30 als Gegenprogramm zur Sportschau die Fernduelle um die Champions League an. Hoffenheim - Bremen (was dann tatsächlich nur um ein paar Stunden verschoben werden müsste, der Aufwand wäre also überschaubar) und Stuttgart Leverkusen. Und am Sonntag spielen, möglichst sogar zeitgleich, Hamburg - FreiburgDortmund - Frankfurt und Augsburg - Gladbach. Und dann kann man den belanglosen Sommerkick zwischen Mainz und Union Berlin sogar noch auf den Freitag legen.  Plötzlich hätte man ein echt spannendes Fußballwochenende, an dem der neutrale Fußballfan von Samstag bis Sonntag vor der Glotze hängt...

Am letzten Spieltag spielen dann alle am Samstag, aber man bastelt sich trotzdem 2 Konferenzen. Eine um 15:30 für die ganzen Europacup-Teilnehmer und eine um 18:30 um Wolfsburg, St. Pauli und Heidenheim. Und wenn mehr Mannschaften im Abstiegskampf stecken, als im Europa Cup Rennen, tauscht man das. Falls es jemals wieder ein spannendes Meisterschaftsrennen gibt, legt man das auf 18:30. Wenn das ganze aufgrund von Überschneidungen nicht aufgeht, macht man eine 15:30 Konferenz, verkauft aber die Rechte für die einzelnen "Unter-Konferenzen" an die entsprechenden Anbieter.

Wenn die Fernsehsender weiter denken, als von der Wand zur Tapete, wird ihnen auffallen, dass sie natürlich das eine oder andere Einzelspiel verlieren. Dafür können sie dann aber die entsprechenden Pakte an betroffene Fans verticken. Also von dem Special "Abstiegspaket" würden sie bestimmt an die 3 Wolfsburg-Ultras verkaufen. Obwohl, das sind ja Drillinge, die werden sich ein Abo teilen. Schlechtes Beispiel. Aber in Stuttgart würde man das "Wir begleiten den VfB im Rennen um die Champions League" Angebot super an den Fan bekommen. 

Die Fans werden natürlich erstmal heulen. Weil die immer heulen, wenn sich irgendwas ändert und weniger Spiele um 15:30 angepfiffen wird. Aber für die wäre das praktisch eine Verbesserung. Man könnte sich als Einstimmung auf sein eigenes Finish vorher den Abstiegskampf angucken und dann zum von der Kneipe ins Stadion ziehen. Oder man kann sich während des Abstiegsfrustsuffs noch angucken, wie andere Mannschaften um ihre Ziele kämpfen. Und der neutralen Zuschauer, dessen Mannschaft nur noch mit Sommerfußball beschäftigt wäre, kann sich beide Konferenzen nacheinander reinziehen und den kompletten Impact des Saisonfinales genießen, während er jetzt in der eher hektischen 9 Spiele Konferenz verloren geht.

Natürlich bräuchte diese Idee eine gewisse Flexibilität. Und das haben wir Deutsche halt nicht. Also wahrscheinlich würde alleine die Polizei eine kurzfristige Verlegung vom Hoffenheim - Bremen Spiel verhindern, weil sie dafür ihre Dienstpläne neu schreiben müssten. Das geht ja gar nicht.

Nur um zu beweisen, dass das aber geht: Die Premiere League hat das Spiel Chelsea - Nottingham kurzfristig auf Montag 16 Uhr angesetzt. Das wirkt wie eine ungewöhnliche Anstoßzeit, bis einem bewusst wird, dass der Montag in England ein Feiertag war. Anstatt dogmatisch darauf zu beharren, dass am Montag um 16 Uhr kein Fußball gespielt werden darf, haben sie einfach den Feiertag genutzt. Und am Ende generieren sie auch aufgrund solcher Aktionen einfach mehr Umsatz, als die Bundesliga. Für die Fans im Stadion ist jetzt 16 Uhr an einem Feiertag auch eher eine Verbesserung der Lage, weil auch die Gästefans entspannt hin und zurückkommen.

Natürlich muss man die komplette Kommerzialisierung der Premiere League nicht unbedingt als Vorbild nehmen. In Deutschland ist es ja irgendwie wichtig, dass man den Schein wahrt und so tut, als wäre Profifußball nicht der reinste Kommerz... auch wenn trotzdem alle das dreckige Geld nehmen, um den Spaß zu finanzieren.

Aber eine potenzielle Aufsplittung der letzten beiden Spieltag wäre jetzt nicht das Ende der Bundesliga Romantik. Im Gegenteil, wenn man, wie hier dargelegt, die Regeln ordentlich festlegen würde, könnte man dadurch die gerade anstehende Wettbewerbsverzerrung verhindern.

Nebenbei finde ich 2 Dinge faszinierend: Einerseits dass es mit Mainz gegen Union nur ein einziges bedeutungsloses Spiel gibt. Es geht einerseits doch noch für mehr Mannschaften um etwas, als ich gedacht hätte. Und der Spielplan fällt so günstig, dass es nur in einem Spiel für beide Mannschaften wirklich um was geht. 

Andererseits haben die echt 3 Sonntagsspiele für den 33. Spieltag angesetzt. Und klar, mein Loblied auf den SC Freiburg muss noch geschrieben werden... aber gingen die echt davon aus, dass 3 von 4 deutschen Teilnehmern ins Halbfinale der Europa und Conference League einziehen? 

Das ist uns seit den 70ern nicht mehr passiert. Dass man dieses so extrem unwahrscheinliche Szenario bei den Verträgen beachtet, es aber nicht schafft, einen vernünftigen Spielplan zu erstellen, sagt viel über den Fokus der DFL aus...

Donnerstag, 7. Mai 2026

Und dann verteidigt Paris das ganz souverän runter

 Das dürfte niemand auf seinem Champions League Bingo gehabt haben: ein relativ langweiliges 1:0 nach 90 Minuten. Und dann noch ein Geniestreich von Harry Kane

Im Wesentlichen liefen die Bayern 90 Minuten lang einem 2-Tore-Rückstand hinterher. Und dann fiel ihnen viel zu wenig ein... dabei haben sie in den letzten 2 Wochen doch ausgiebig trainiert, wie man das macht. 
Und ja, wenn man die absurden Rückstände gegen Mainz und Heidenheim in diesem Kontext sieht, ergibt es auf einmal verdammt viel Sinn... die wollten sich einfach bestmöglich auf dieses Szenario in der Champions League vorbereiten. Die Bundesliga ist halt mittlerweile nur noch ein Trainingsplatz für den Rekordmeister...

Viel wichtiger ist natürlich, dass wir jetzt eine neue Auslegung der Handspielregel kennengelernt haben. Denn das ein Verteidiger seinen eigenen Mitspieler derart anschießt, war eigentlich nicht vorhersehbar. Und dass es dann keinen Elfmeter gibt, wusste anscheinend nicht mal Manuel Gräfe. Obwohl er formell gesehen nur behauptet, dass Joao Neves die Hand absichtlich dort hingehalten hat. Weil er ja verhindern wollte, dass der Ball geklärt wird... oder so.

Nebenbei könnt ihr jetzt tatsächlich seriösen Journalismus vom Clickbait unterscheiden. Hier muss man wirklich mal lobend Kicker.de erwähnen, die noch während des Spiels die Erklärung "druckten", warum es eben keinen Elfmeter gab. Andere verbreiten dagegen die auch noch gekürzte Aussage vom Gräfe, weil sie genau wissen, dass sie damit die getriggerten Kommentatoren anziehen... und nur darum geht es am Ende. Ich hacke ja viel und häufig auf dem Kicker rum, aber hier zeigte sich, dass sie halt doch nicht die Schlimmsten sind...

Man muss natürlich festhalten, dass die 2 Szenen in der 30. Minute sehr unglücklich für die Bayern waren. Aber ich nehme jetzt beim Handspiel mal die Gegenposition ein und hoffe an der Stelle mal, dass die IFAB da jetzt nicht einknickt. 
Für mich ist bei einer Regel ja immer wichtig, dass sie eindeutig und konstant umsetzbar ist. Das ist hier gegeben. Man könnte natürlich jetzt das Konzept auch auf den Kopf stellen und festlegen, dass das Spiel immer unterbrochen werden muss, wenn man die Hand eines Mitspielers anschießt. 
Aber wir haben jetzt auch den einen Moment abgegriffen, in dem das plötzlich relevant ist. Denn das man seinen eine Meidbewegung machenden Mitspieler im Strafraum an der Hand trifft, passiert halt höchstens ein Mal im Jahr. Eher noch seltener. 

Die Szene von Konrad Laimer ist verdammt schwer einzuordnen, weil es direkt danach halt noch den "Handelfmeter" gab. Es war halt so hektisch, dass man die entscheidende Wiederholung nicht zu sehen bekommt. Aber es könnte schon sein, dass Laimer minimal die Hand zur Hilfe nimmt, um den Ball zu kontrollieren. Ich sag das mal so: Wenn ein Pariser Angriff mit so einem Pfiff gestoppt wird, sind die Bayern Fans froh, dass der aufmerksame Schiedsrichter dies wahrgenommen hat...

Aber ich gebe den Bayern Fans, dass das sehr unglücklich lief. Also ich kann voll nachvollziehen, dass sich die Bayern Fans die nächsten 12 Monate darüber aufregen werden. Das waren schon schwer nachvollziehbare Entscheidungen.

An der Stelle muss man mal festhalten, dass es genau genommen nur einen einzigen Grund gab, warum das Spiel nur 1:1 ausging und kein Fußballfest wurde: Manuel Neuer entschied sich doch, an diesem Halbfinale teilzunehmen. Der entscheidende Kontext hier: Die ersten 6 Torschüsse, die Paris im Halbfinale abgab, waren allesamt drin. Danach zeigte Neuer dann plötzlich 4 gute bis sehr gute Paraden.

Das ist nebenbei das echt sonderbare am 40-jährigen Neuer: Hin und wieder kommt er noch an die alte überragende Form ran. Als Paradebeispiel sei hier das Hinspiel gegen Real Madrid genannt. Aber dann hat er, wie im Rückspiel des Viertelfinales, unterirdische Auftritte dabei. Und dazwischen ist er ganz häufig einfach nur ein menschlicher Torhüter.

Und versteht mich nicht falsch: Keiner der 6 Gegentreffer im Halbfinale waren "ein Torwartfehler". Aber Manuel Neuer von 2014 hätte trotzdem mindestens 2 dieser Tore verhindert. Eher 3. Neuer war halt der eine Torwart, der "unhaltbare Bälle abwehren" normal aussehen ließ. Jetzt haben sie "nur noch" einen guten Torhüter.

Was praktisch schlecht ist, denn in den letzten Wochen dürfte es deutlich geworden sein, dass Vincent Kompany einen überragenden Torhüter braucht, um seine Spielphilosophie auf höchstem Niveau umzusetzen. In der Bundesliga fällt das meistens nicht auf. Aber schon gegen Real kassierte man 4 Gegentore. Selbst gegen Atalanta Bergamo waren es 2. Genaugenommen stand die Null nur gegen Union Saint-Gilloise und Club Brügge. Insgesamt gab es 20 Gegentore in 14 Spielen. 

Und nur um festzuhalten, dass das kein Champions League Problem ist, sondern halt "nur" in der Champions League am Ende auffällt: Mainz hat in 2 Spielen 5 Tore gegen die Bayern erzielt... der SC Freiburg und Augsburg sind bei je 4. Selbst die eigentlich immer in Ehrfurcht erstarrenden Dortmunder kommen auf 3...
Kurzer Einschub: Da bin ich unsachlich und gemein. Die Dortmunder schießen allgemein überraschend viele Tore gegen die Bayern. Letztes Jahr waren es auch 3. Und in dem einen Jahr, wo sie wirklich nur 2 Tore erzielt haben, konnten sie mit diesen 2 Toren das Spiel sogar gewinnen. Und ganz ohne eigenen Treffer blieben sie zuletzt 2019/20... 

Aber dass die Bayern zu viele Gegentore kassieren, wurde viel zu lange einfach nur ignoriert, weil sich alle an der beeindruckenden  Offensivreihe berauscht haben. Aber am Ende spielt da immer noch ein Joshua Kimmich im Defensiven Mittelfeld... Und ein Upamecano, Tah, Laimer und Stanisic in der Viererkette. Das sind auch gute Spieler, keine Frage. Aber sie sind halt eine Klasse unter Kane, Musiala, Olise und Luis Diaz. Oder halt doch schlechter, als das, was Paris oder Arsenal auf diesen Positionen aufstellt. 

Ich habe mich davon ja selber auch blenden lassen, aber am Ende ist nur Bayerns Offensive wirklich auf dem Niveau eines Titelanwärters. Jetzt ist es natürlich spannend, ob die Bayern da im Sommer doch was machen.

Denn was die Bayern am Ende brauchen, ist ein Javi Martínez. Also ein defensiver Mittelfeldspieler, der wirklich defensiv denkt. Das eigentliche Problem an der Stelle ist aber: Man sucht damit de facto einen Nachfolger für Joshua Kimmich. Zumindest wenn man, wie ich, einem Aleksandar Pavlović zutraut, dass er für Jahre eine zentrale Rolle bei den Bayern übernehmen kann.

Kimmich hatte ja meiner Meinung immer das Problem, dass für ihn als Zentrumsspieler auf allerhöchstem Niveau die Luft dünn wird. Er schafft es nicht, in diesen Spielen als defensiver Stabilisator aufzutreten. Aber das Problem taucht halt nur in 5 Spielen im Jahr wirklich auf. Gegen Real, Paris und Arsenal London. In diesen 5 Spielen hat man aber 13 Gegentore kassiert... Das ist mehr als die Hälfte der gesamten Gegentore im Wettbewerb.

Ich finde es an der Stelle faszinierend, dass Kimmich laut Kicker Noten sowohl gegen Real als auch gegen Paris "gut bis ordentlich" gespielt haben soll. Und mit dem Ball hat er das auch. Aber als defensiver Stabilisator, was ja als Kapitän und defensiver Mittelfeldspieler auch sein Aufgabengebiet ist, hat er nicht funktioniert. Also um es drastisch auszudrücken: Kimmich musste hinterher am Mikrofon erklären, wie man 6 Gegentore in 2 Spielen kassieren konnte... aber auf die Idee, dass er selbst irgendwas mit diesen 6 Gegentoren zu tun haben könnte, kam niemand...

Und ja, in dem einen Jahr, in dem Kimmich die Champions League gewonnen hat, musste er als Rechtsverteidiger auflaufen. Nächstes Jahr werde ich das wieder auf dem Schirm haben. 

Dienstag, 5. Mai 2026

Die DFL ist einfach nur... weird.

 Und ja, ich bin gerade ein wenig im Verzug. Anyhow.

Erinnert ihr euch an NoelDeutschlands berühmtester Balljunge, der quasi den Hockey-Assist zum Tor von Jamal Musiala gegeben hat. Der wurde dafür hinterher von ganz Deutschland gefeiert und bekam einen von der gesamten Mannschaft signierten Ball. Großes Kino, 

Die Reaktion der DFL: Eine schnellere Spieleröffnung und mehr Tore? Das wollen wir nicht sehen! Also hat man im März die Regeln für die Balljungen bis ins Detail geklärt. Da wird dann bis auf die Dezimeter geklärt, wie weit die "Ballstationen" voneinander entfernt stehen müssen. Und das insgesamt 19 Bälle "einsatzbereit" sein müssen.
Gerade letzteres finde ich immer lustig, wenn Spieler dann "DEN SPIELBALL" mit nach Hause nehmen, wenn sie einen Hattrick erzielt haben. So wie Patrick Schick das am Wochenende gemacht hat. Dass er überhaupt eines der 3 Tore mit dem jetzt zu Hause rumliegenden Ball erzielt hat, ist statistisch schon unwahrscheinlich. Dass er alle 3 Treffer mit diesem einen Ball erzielt hat, ist praktisch ausgeschlossen. Bei "nur" 37 Ballkontakten ist es sogar möglich, dass er da jetzt einen Ball im Regal hat, den er auf dem Spielfeld nie berührt hat.

Aber zurück zu den Balljungen. An der Stelle muss man Einschieben, dass die Idee natürlich aus der Premiere League kommt. Wie immer, denn das sind ja quasi die einzigen, die auf die Anweisungen des IFAB scheißen, obwohl ihr Verband da drin sitzt, und einfach Regeländerungen vornehmen. Und auch von der UEFA gibt es da klare Anweisungen. Es ist also nicht nur die DFL so dumm.

Und versteht mich nicht falsch: Regeln, die verhindern, dass Balljungen Zeitspiel betreiben oder die Spieler der Gastmannschaft provozieren können, sind super sinnvoll. Da gib es in dem Artikel genügend Negativbeispiele für. Für die Gäste sind diese "Ballstationen" eine wichtige Neuerung. Aber nur weil es die gibt und die sinnvoll sind, muss ich doch den Balljungen nicht verbieten, den Torhütern einen Ball zuzuwerfen. Das ist ja kein "Entweder/Oder". Der Balljunge kann ja den Ball von der Station nehmen und schnell zuwerfen, wenn dies im beidseitigen Interesse ist. Solange er ihn nicht für die Gastmannschaft blockiert, sollte das doch kein Problem sein.

Natürlich ist das ein gewisser Heimvorteil. Aber ist das wirklich schlimm? Denn die Statistik zeigt, dass dieser Vorteil immer unwichtiger wird. Letztes Jahr lag die Siegquote erstmals unter 40 %. Bei über 50 % lag sie zuletzt vor über 20 Jahren. Den cleveren Mannschaften jetzt die Möglichkeit zu geben, im eigenen Stadion das Spiel schnell wieder aufzunehmen, ist jetzt nicht die dümmste Möglichkeit, diesen Heimvorteil wieder herzustellen.

Und natürlich muss man an der Stelle einschieben, dass hauptsächlich die Spitzenteams davon profitieren werden. Dass St. Pauli das Spiel unbedingt schnell machen will, kommt eher selten vor. Aber auch da sage ich: Warum sollte man den Mannschaften, die progressiven und attraktiven Fußball spielen wollen, unnötige Knüppel zwischen die Beine werfen? Das ist doch eigentlich genau das, was wir sehen wollen.

Ich behaupte mal auch ganz dreist, dass die meisten Bundesligisten auf diese Anweisung scheißen. Also im Kicker-Artikel wird ja explizit Manuel Neuer erwähnt. Das lustigste ist ja, dass RB jetzt so tut, als würde das in ihrem Stadion nicht passieren, während Kaspar Hjumland behauptet, nie was von dieser Regel gehört zu haben. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass Ole Werner als einziger Trainer darauf besteht, dass seine Mannschaft diese neue Anordnung strikt und bewusst umsetzt. Aber er ist jetzt halt die betroffene Partei, also jammert er lieber über eine Regel, an die sich seine eigene Mannschaft wahrscheinlich nicht hält. Zumindest in der Hinsicht ist hier also gar nichts Besonderes passiert...

Montag, 27. April 2026

Worst of des "St. Pauli scheitert an Schritt 1" Wochenendes

 Gewinne beim Tabellenletzten... Das wäre ja auch zu viel verlangt gewesen... Jegliche "Der Abstiegskampf wird spannend" basierte ja darauf, dass Pauli und Wolfsburg am Wochenende drei Punkte holen. Beiden ist dies nicht gelungen. Damit haben alle Mannschaften von Platz 15 bis 11 einen riesigen Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht, obwohl keiner von ihnen gewinnen konnte. Es gibt wirklich nur noch theoretische Szenarien, wie der Hamburger SV und der 1. FC Köln noch direkt absteigen. Und wie Union, Gladbach und Werder noch auf den Relegationsrang rutschen. Denn die haben ja nicht nur 6 und 5 Punkte Vorsprung, sie haben auch noch das bessere Torverhältnis. Abgesehen von Union sogar das deutlich bessere Torverhältnis. Wolfsburg und St. Pauli müssen nicht nur die nächsten beiden Spiele gewinnen... man muss sie mit 3:0 Toren gewinnen. Oder darauf hoffen, dass die Berliner sich entsprechend heftige Klatschen einfangen.

Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass die beiden noch gegen RB Leipzig und Bayern München spielen? Natürlich hat der Rekordmeister im ersten offiziell belanglosem Spiel der Saison gegen Mainz gezeigt, dass sie durchaus für 45 Minuten in den "Ist uns Scheißegal" Modus schalten können. Sie haben aber auch nachgewiesen, wie scheißegal das wirklich ist, weil sie ja in der 2. Halbzeit die Maschinerie hochfahren und das Spiel noch drehen können. Wie soll der VfL Wolfsburg gegen diesen Gegner hoch gewinnen?

Im Wesentlichen haben wir jetzt 2 Wochen "Geplänkel" vor uns und dann hoffentlich ein packendes Finale am letzten Spieltag. Das "Worst-Case-Szenario" wäre nebenbei echt ein Sieg von St. Pauli gegen Mainz und eine Niederlage der Wölfe in Freiburg. Was echt gar nicht so unwahrscheinlich ist. Wenn das passiert, könnte der Abstiegskampf am 32. Spieltag komplett entschieden sein. Denn die Bayern werden sich nicht die Blöße geben und so krass in den Abstiegskampf eingreifen, nur weil ein ehemaliges Aufsichtsratsmitglied Vorstand von VW ist... 

Aber hey, Ehre, wem Ehre gebührt: Union Berlin sichert sich praktisch den Klassenerhalt mit einem Sieg in 9 Spielen. Gladbach schafft es mit einem Sieg aus 7 Spielen. Der Hamburger SV ist bei einem Sieg in 10 Spielen... und die haben ein richtig knackiges Restprogramm. Aber sie müssen sich für nichts entschuldigen...

Also nur um festzuhalten, dass eine Aufholjagd durchaus möglich gewesen wäre, wenn man selbst Punkte geholt hätte: Die Konkurrenz ist fast kollektiv am "schwächeln". Sein wir nett und nennen es nur schwächeln... 

Gerade Gladbach muss man hier wieder hervorheben. Die spielen zwar relativ häufig Unentschieden, warten aber seit 5 Spielen auf einen Sieg. Davor startete man das Jahr mit 7 sieglosen Spielen infolge. Und man startete die Saison mit 8 sieglosen Spielen... Das ist jetzt also die dritte epische Serie dieser Saison. Effektiv war man nur in den 6 Wochen von November bis Anfang Dezember wirklich Wettbewerbsfähig... Aber das reicht halt auch: 5 Spiele mit 4 Siegen und einem Unentschieden.

Wenn uns nicht mal der Abstiegskampf "rettet", wird es verdammt viele bedeutungslose Spiele geben. Mainz gegen die Bayern war da wenigstens ein unterhaltsamer Auftakt. Aber ganz praktisch war es vollkommen egal, wie dieses Spiel am Ende ausgeht. Nächstes Wochenende kommen dann Werder gegen Augsburg dazu. Also ja, es gibt theoretische Szenarien, wie Platz 9 für den Europacup reicht, wenn Freiburg und die Bayern europäische Trophäen gewinnen. Und Atlético Madrid mit 2 Niederlagen im Halbfinale scheitert. 

Und Gladbach gegen Dortmund dazu. Das Spiel findet am Sonntag statt, Gladbach weiß da also schon, wie St. Pauli gespielt hat. Da könnte der Klassenerhalt also wirklich nur noch rechnerisch möglich sein, wenn das Spiel angepfiffen wird. Und Dortmund hat die Champions League sicher.

Danach haben wir dann noch 2 weitere komplette Spieltage vor uns. Das wird aufregend... 

Freitag, 24. April 2026

Was euch natürlich niemand über den Abstiegskampf erzählt

 Ist ja, wie verdammt langweilig und quasi entschieden der bereits ist. Selbst der von mir sehr geschätzte Manu Thiele tappt in die "In der Bundesliga ist der Abstiegskampf extrem spannend. Viele Klubs hängen unten drin" Falle.

Das ist wieder der Moment, wo man erkennt, welche Experten hauptsächlich wollen, dass ihr dran bleibt und wer euch wirklich die gesamte Lage und ihren Kontext erklärt. Das Erste, was hierbei wichtig ist: In 12 der letzten 13 Jahre setzte sich der Bundesligist in der Relegation durch. Der Leistungsunterschied zwischen dem drittbesten Zweitligisten und dem drittschlechtesten Bundesligisten ist einfach zu groß, um wirklich von einem fairen Wettbewerb zu reden. Vielleicht ist St. Pauli wirklich individuell schwach genug besetzt, dass der Drittligist dieses Jahr wieder mal eine echte Chance hat. Beim Rest wäre es schon eine Überraschung, wenn es 2 spannende Spiele werden. Ein Abstieg wäre eine echte Sensation.

Aber das will euch natürlich niemand erzählen, weil dann auffallen könnte, wie unfair die Relegation wirklich ist... und das man für ein paar Millionen Euro an Fernsehgeldern den 3. Aufstiegsplatz abgeschafft hat. Die sind froh, dass die Ultras sich andere, irrelevantere Schlachtfelder ausgesucht haben und lieber gegen die Montagsspiele, als gegen die Relegation gekämpft haben.

Damit Werder Bremen, der Hamburger SV, Borussia Mönchengladbach oder der 1. FC Köln wirklich absteigen, müssten die 7 Punkte Vorsprung verspielen. In 4 Wochen. Das ist beinah unmöglich. Also tatsächlich... Wir nennen sie ab sofort geschlossen "Die Klassenerhalts-Kandidaten".

Ich bin dann mal die Tabellen dieses Jahrtausends durchgegangen. Da kann man dann die epischen Aufholjagden nachvollziehen. 2015/16 hat Eintracht Frankfurt 4 Punkte Rückstand aufgeholt, um sich in der Relegation zu retten. 2012/13 waren es bei Hoffenheim 6 Punkte aufs noch erreichbare rettende Ufer. 2002/03 konnte Bayer Leverkusen Arminia Bielefeld noch abfangen, obwohl die scheinbar komfortable 5 Punkte Vorsprung hatten... und 12. in der Tabelle waren. Und... das war es. Also selbst die 5 Punkte, die St. Pauli noch aufholen müsste, um die Konkurrenz wenigstens in die Relegation zu zerren, wären eine absolute Seltenheit. Das ist uns in diesem Jahrtausend ZWEI Mal passiert. 7 Punkte konnten in den letzten 25 Jahren nie aufgeholt werden.

Nebenbei erwähne ich an der Stelle auch immer, dass St. Pauli und Wolfsburg am letzten Spieltag gegeneinander spielen. Zum Glück, denn so, wie die Tabelle gerade aussieht, könnte dies das einzige relevante Spiel werden. Aber das bedeutet auch, dass beide vor dem 34. Spieltag 5 Punkte aufholen müssen, damit Wolfsburg dann am letzten Spieltag am Millerntor gewinnt. Und sie sollten auch noch hoch gewinnen, denn die "Konkurrenz" hat das deutlich bessere Torverhältnis. Wenn die also nur ein Unentschieden holen, wird die ganze Rechnung hinfällig.

Im Wesentlich wird das an diesem Wochenende entschieden. Also Wolfsburg muss gegen Gladbach und Pauli in Heidenheim gewinnen. Wenn man darauf 5 Euro wettet, bekommt man 33 Euro ausgezahlt... Dann muss ja auch noch Pauli die Wochen darauf gegen Mainz oder RB Leipzig gewinnen. Und Wolfsburg gegen Freiburg und die Bayern. Die Auszahlung für die wahrscheinlicheren Siegen liegt bei 215,80 €. Also Stand Freitag 17 Uhr via BWin... Aber wenn man den Experten so zuhört, ist das eine sichere Anlage. Denn es soll ja angeblich noch Spannung in den Abstiegskampf kommen.

Aber ganz realistisch geht es nur noch um Wolfsburg und St. Pauli. Alle anderen Vereine, die angeblich noch unten drin stecken, werden nächstes Jahr Bundesliga spielen. 

Und natürlich willst du den Gang in die Relegation vermeiden... auch wenn das eigentlich ein Reingewinn ist, den man in dem Heimspiel erwirtschaftet. Aber seinen Fans will man das natürlich nicht antun. Und es wäre schon extrem arrogant, jetzt schon vom Klassenerhalt zu reden, wenn es nur 5 Punkte auf diesen Relegationsrang sind. Dass die Klassenerhalts-Kandidaten sich selbst noch nicht als "gerettet" betrachten, ist durchaus vernünftig. Aber dass die Experten in den Fernsehsesseln und Redaktionen das alles verschweigen, ist schon erbärmlich.

Denn hier ist das Lustigste: Selbst wenn ich daneben liege, ist diese Prognose extrem wichtig und wertvoll. Wenn einer dieser beiden Vereine sich noch aus ihrer prekären Lage befreien können, erleben wir eine historische Aufholjagd, wie wir sie selten sehen. Viel wichtiger: wenn einer der Klassenerhalts-Kandidaten noch absteigt, sei es direkt oder über die Relegation, erleben wir einen historischen Einbruch. Und diesen Kontext, der verdammt wichtig ist, um das Geschehen einzuordnen, habt ihr jetzt schon. #PassivesAbseitsLeserwissenesfürher... UND exklusiv.

Ich behaupte ja immer, dass es gar nicht so wichtig ist, als Experte immer richtigzuliegen. Es ist wichtig mit seinen Prognosen den Kontext zu erklären, damit die Zuschauer wissen, worauf sie achten müssen, damit die außergewöhnlichen Ereignisse eintreten. Und diese Ereignisse wissen sie dann richtig zu schätzen.

Aber in der Medienrealität versuchen die Leute euch nicht den Kontext zu erklären, sondern sie wollen euch nur irgendwie an den Geräten halten. Und dafür müssen sie irgendwie Spannung generieren. Das könnt ihr am Samstag, um noch eine Prognose abzugeben, sowohl bei der Konferenz, als auch in der Sportschau beobachten. 

Donnerstag, 16. April 2026

Die Vertragsverlängerung von Nico Schlotterbeck

 Das war schon ein episches Event. Wie sehr muss man eigentlich die Verhandlungen verkacken, dass die eigenen Fans auf die Bekanntgabe einer Verlängerung mit Pfiffen reagieren? Wie konnte das denn passieren?

Das Grundproblem ist hier natürlich die Ausstiegsklausel. Also noch nicht mal die Ausstiegsklausel an sich, sondern dass sie schon ab diesem Sommer greift. Ausstiegsklauseln sind wirklich relativ normal, da müssen wir uns nichts vormachen. Und ja, auch Harry Kane hatte so eine in seinem Vertrag, was mich auch ein wenig überrascht.

Aber hier ist das entscheidende Problem: Die Ausstiegsklausel bei Nico Schlotterbeck greift schon ab diesem Sommer. Wenn auch sie nur für 3 Vereine gilt. Aber Real Madrid ist dabei, und die könnten nach der Vorstellung gestern durchaus Hilfe in der Verteidigung gebrauchen. Auch Liverpool wird genannt und auch die werden im Sommer Geld für deutliche Verstärkungen in die Hand nehmen.

Normalerweise gelten solche Ausstiegsklauseln ab 2027 oder 2028. Das wäre ein starkes Statement auch von Schlotterbeck gewesen: "Egal, wie die Weltmeisterschaft ausgeht, ich werde mindestens bis zur EM in Dortmund bleiben." Und machen wir uns nichts vor: Am Ende geht es jetzt für Schlotterbeck nur um die WM. Wenn Deutschland erfolgreich abschneidet und Schlotterbeck ins Team des Turniers gewählt wird, holt Real den. Und dann wird Schlotti sagen, dass man einer Mannschaft wie Liverpool nicht absagen kann.

Für mich als zynischer Zuschauer ist das natürlich perfekt. Denn jetzt steht quasi schon fest, wie Schlotterbecks restliche Karriere in Dortmund verlaufen wird. Es gibt ja tatsächlich nur 2 Szenarien.

Szenario 1.: Schlotterbeck macht noch den Schritt zum Weltklasse-Verteidiger. Wie immer gehe ich mit diesem Begriff sehr sparsam um. Aber wenn er den Schritt geht, ist die Frage nicht "ob", sondern nur "wann" er den Verein verlässt. Und die Antwort lautet "Unverzüglich"...

Szenario 2: Schlotterbeck wird der nächste Julian Brandt. Im Jahr 2030 führt er die Mannschaft dann als Kapitän aufs Feld, weil er halt irgendwie schon immer da war. Er ist aber auch nur noch da, weil sich die wirklich großen Klubs nicht für ihn interessieren. Und im Sommer 2031 wechselt er dann ablösefrei irgendwo hin. Wahrscheinlich zu einem Verein, der im Ausland um die Champions League Teilnahme mitspielen kann. Vielleicht wird er sogar mal Meister in Italien. Und bei seinem Abschied werden sich alle denken, dass da doch irgendwie mehr gegangen wäre, wenn er sein gesamtes Potenzial ausgeschöpft hätte.

Vielleicht verlängert man den Vertrag dann sogar noch einmal. Dann sogar ohne Ausstiegsklausel, weil sich niemand für einen Ü30er Verteidiger aus Dortmund interessiert. Und hey, vielleicht stemmt er sogar mal als Kapitän den DFB-Pokal in den Himmel. Das hängt halt davon ab, wie ernst die Bayern diesen Wettbewerb nehmen. Meister wird, wie bereits letzte Woche angekündigt, bis 2031 nur der FC B...

Das ist und bleibt halt das Grundproblem der Dortmunder. Und genaugenommen auch beim Rest der Liga. Sobald die Spieler in ihren Reihen auch nur andeuten, dass sie wirklich Weltklasse sind, kommt jemand und bietet verdammt viel Geld. Die letzte Ausnahme, die mir einfällt, ist halt Florian Wirtz, der eine Ehrenrunde mit Leverkusen absolvierte, obwohl er eigentlich schon 2024 den Schritt zu einem größeren Verein wagen konnte. Aber er wollte halt vorher als Stammspieler Champions League spielen und ist nach wie vor verdammt jung. Er ist wirklich gut beraten und nicht nur auf die schnelle Gehaltserhöhung aus.

Es ist ja auch faszinierend, wie viele ehemalige Bundesligaspieler in diesem Champions League Viertelfinale mitgemischt haben: Wirtz, Hugo Ekitiké, Dominik Szoboszlai und Jeremie Frimpong spielen für Liverpool. Ousmane Dembélé geht mittlerweile für Paris St. Germain auf Ballon d'Or jagt. Dani Olmo und Robert Lewandowski greifen für Barca an. João Cancelo "verteidigt" für sie. Piero Hincapie und Kai Havertz verwalten die Vorsprünge für ArsenalJude Bellingham, Antonio Rüdiger und Daniel Carvajal jammern kollektiv für Real Madrid. 12 Spieler... und nur 2 von ihnen kamen vom FC Bayern. Und die ganzen jungen Hüpfer kommen nicht vom Rekordmeister, sondern von der "Konkurrenz".

Die Bundesliga könnte locker eine Mannschaft ausbilden, die die Bayern, selbst in ihrer derzeitigen Verfassung, herausfordern könnte. Aber sie können diese Spieler nicht halten. Sie verlängern "nur" mit den Schlotterbecks dieser Welt...

Dienstag, 14. April 2026

Die Baumgart Entlassung ist schon konsequent

 Also logische Konsequenz. Es war halt absehbar.

Was soll ich sagen... #PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher. Dass die Ära Steffen Baumgart genau so verlaufen wird, wie sie verlief, habe ich hier direkt nach der Verpflichtung angekündigt.

Es gab halt etwa 1 1/2 Jahre lang unansehnlichen, aber intensiven Fußball. Man war spielerisch limitiert, aber konnte meistens kämpferisch überzeugen. Auch wenn da die Tendenz am Ende deutlich nach unten ging. Baumgart durfte die Offensive nach seinen Vorstellungen umbauen, indem er Benedict Hollerbach durch Oliver Burke ersetzte. Weniger Feinschliff, mehr Athletik. Fun Fact: Burke war mit 1,85 m der kleinste der 3 regelmäßig eingesetzten Stürmer. 

Eine spielerische Weiterentwicklung gab es nicht. Aber wer bei Baumgart eine spielerische Entwicklung erwartet, hat in den letzten 10 Jahren nicht aufgepasst. Baumgart lässt eine gewisse Art von Fußball spielen. Und er hat es ja auch geschafft, Union von den Abstiegsplätzen fernzuhalten. Die offensichtliche Frage war aber immer: Wie lange wird das bei einem ambitionierten Investorenklub in der Hauptstadt reichen? Die Antwort: 15 Monate.

Nebenbei war die "Ära Baumgart" ja auch kein Fehler. Und er ist keinesfalls "gescheitert", wie viele jetzt behaupten. Er hat die Mannschaft stabilisiert, als sie in den Abstiegskampf zu rutschen drohte. Aber Union ist halt ein Verein, der dich entlässt, wenn der Abstiegskampf am Horizont droht.

Also Baumgart hat den Verein ja übernommen, als man "nur noch" 6 Punkte Vorsprung vor dem Relegationsrang hatte. Zum Auftakt verlor er gegen Heidenheim. Jetzt hat er nur noch 7 Punkte Vorsprung und wieder gegen Heidenheim verloren... Da muss man dann die Notbremse ziehen.

Nebenbei ist Baumgart der "Anti-Horst-Steffen". Also Steffen wurde ja bei Werder Bremen entlassen, weil er es nicht geschafft hat, gegen die Mannschaften in der oberen Tabellenhälfte zu punkten. Und gegen Mannschaften aus Hamburg. Aber gegen die anderen Mannschaften aus der unteren Zone punktet man relativ konstant. Das bliebt auch unter Daniel Thioune so, der gegen St. Pauli und RB Leipzig verliert, aber gegen Heidenheim, Union und Wolfburg gewinnt.

Baumgart's Unioner haben absurderweise gegen Leipzig, Leverkusen und Freiburg gewonnen. Dazu kommt ein Unentschieden gegen den VfB Stuttgart. Die 7 Punkte Vorsprung kommen aus den Spielen gegen die Champions League Anwärter. Aber dafür gab es Niederlagen gegen Heidenheim und Gladbach

Das spricht dafür, dass Baumgart gut darin ist, seine Mannschaft gegen einen deutlich besseren Gegner ein- und aufzustellen, aber dass es Probleme gibt, wenn seine Mannschaft selbst das Spiel machen muss.
Die grundlegende Frage bleibt aber im Raum: Wenn abzusehen war, dass Union mehr erwartet, als Baumgart normalerweise liefert, warum hat man den überhaupt geholt? Man hat sich bei einer der wichtigsten Fragen nur von den Emotionen blenden lassen, anstatt sachlich zu betrachten, dass Baumgart für die Visionen, die man an der alten Försterei hat, nicht der richtige Mann ist.

Mein erster Gedanke war nebenbei: Hätte man das nicht im Sommer sauber einen Neuanfang mit einem neuen Coach starten können? Muss man jetzt wirklich das "Risiko" eines "Dead Coach Bounce" auf sich nehmen, anstatt im Sommer mit einem neuen Wunschkandidaten neu anzufangen? 7 Punkte sind doch relativ viel, da wird man schon nicht in den Abstiegskampf rutschen, selbst wenn man beinah alles verliert. 

Dann habe ich aber auf den Spielplan des an der Stelle Konkurrenten geguckt. Und dann fiel mir auf, dass die Bayern quasi der letzte richtig schwere Verein war, den St. Pauli noch im Spielplan hatte. Jetzt steht nur noch das Duell mit dem Konstrukt aus Leipzig an... Und Spiele gegen Köln, Heidenheim, Mainz und Wolfsburg. Für Mainz wird es am 32. Spieltag nur noch um die "goldene Kamera" gehen. Also die bessere Platzierung in der Fernsehgelder-Tabelle. Aber gegen 3 der letzten 6 darf man noch spielen. 

Lustigerweise hat Union quasi dasselbe Restprogramm. Man spielt gegen Augsburg statt Heidenheim. Aber die restlichen Gegner sind exakt dieselben. Was aber ein schlechtes Zeichen für Baumgart gewesen wäre, da man ja von ihm "nur einen Sieg gegen Leipzig" erwarten kann. 

Die Konstellation mit den Mainzern ist nebenbei wirklich absurd. Also machen wir uns nichts vor: Die sind gerettet. Also es sind ja nicht "nur" die 8 Punkte auf St. Pauli. Es sind auch die 5 auf Bremen und die 3 auf Gladbach. Dass all diese Mannschaften plötzlich einen Lauf hinlegen, ist doch eher unwahrscheinlich.
Die haben aber auch noch spannende Europacup-Abende vor sich. Mindestens einen. Wenn alles normal läuft, eher noch 3. Im Idealfall sogar 4. Die spielen aber noch gegen Gladbach, St. Pauli, Union und Heidenheim. Und gegen die Bayern... Am Ende könnte der Alkoholpegel der Muskelkater in Mainz den Abstiegskampf entscheiden. 

Das ist aber auch die Stelle, an der jegliche Prognosen reine Kaffeesatzleserei werden. Also es ist unfassbar schwierig, einzuschätzen, in welcher Verfassung die einzelnen Mannschaften den Schlussspurt antreten werden. Der Spielplan von Werder Bremen wirkt relativ fies, vor allem weil die ja gegen die obere Hälfte so schlecht aussehen. Aber Hoffenheim ist gerade krass am Einbrechen und hat nur eines der letzten 7 Spiele gewonnen. Wie werden die auftreten, wenn die Champions League Chance endgültig verspielt wurde? Schaffen sie es in Augsburg, die Spannung hochzuhalten, wenn der Klassenerhalt gesichert wurde? Mich würde es nicht überraschen, wenn Augsburg den Klassenerhalt mit 10 Siegen ohne Sieg in Serie feiert. Das bedeutet dann, dass Bremen, Gladbach und Union noch "unerwartet" punkten... Oder spielt der VfL Wolfsburg plötzlich befreit auf, wenn der Abstieg auch rechnerisch besiegelt ist? Das wäre die lustigste Pointe der Saison: die gewinnen plötzlich gegen die Bayern und drucken "Real Madrid Besieger"-Besieger Shirts... Sie müssen ja nur 3 davon drucken, um den Markt abzudecken...

Dienstag, 7. April 2026

Die Bayern sind schon beängstigend gut

 Wo ich gestern die Bundesliga als ganzes so "mittelmäßig" geredet habe, muss das auch mal festgehalten werden. Also vor dem Spiel gegen Real Madrid. Denn zum ersten Mal seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, dass die Bayern auch da wirklich mithalten können. So gut sehe ich diese Bayern.

Für mich liegt das primär an 3 Faktoren: 1.) Harry Kane. Lange Zeit ging ich ja davon aus, dass die auf dem Transfermarkt doch eher konservativen Bayern keine 100 Millionen für einen Stürmer ausgeben werden. Aber um einen Weltklasse-Spieler zu bekommen, muss man diese Summen hinlegen. Bei Kane lag die reine Ablöse bei 95 Millionen. Dazu kommen mit Luis Díaz und Michael Olise 2 weitere teure Toptransfers. Die Bayern kopieren still und heimlich die Galakticos und holen jedes Jahr einen richtig teuren Star. Sie sind mittlerweile gewillt, die beachtlichen Summen, die auf dem internationalen Markt aufgefordert werden, auf den Tisch zu legen.

Aber Michael Olise und Díaz sind schon Punkt 2. Denn hier beweist Max Eberl, dass er der Aufgabe wirklich gewachsen war. Also das, was Nils Ole Book jetzt in Dortmund beweisen muss, hat hier endlich geklappt. Eberl trat seinen Job ja am 1.3.2024 an. Dass er dann direkt mit Olise einen Diamanten holt, der sich unfassbar gut entwickelt, ist beeindruckend. Aber vielleicht hat er da ja noch von der Vorarbeit der Vorgänger profitiert. Dass er dann mit Díaz nachlegt, ist beängstigend. Nach Jahren der Instabilität hat man jetzt wieder den besten Manager der Liga auf seiner Seite. Die Bayern haben ja eine ganze Weile nach einem wirklichen Nachfolger für Uli Hoeneß gesucht, jetzt könnten sie ihn endlich gefunden haben.

Mann muss nur mal die anderen Namen in der Top 10 Rekordtransfer Liste nehmen: Lucas Hernández, Matthijs de Ligt, Joao Palhinha und Corentino Tolisso waren Enttäuschungen. Leroy Sané war 5 Jahre da, man ließ ihn aber am Ende ablösefrei gehen. Insgesamt machte man an den Weiterverkäufen dieser Spieler 180,5 Millionen Euro Verlust. Und das waren ja alles keine "alten Säcke" wie Harry Kane, wo man einen Verlust im Weiterverkauf einrechnet. Das waren Spieler, die entweder 10 Jahre bleiben oder mit Profit weiterverkauft werden. Das hat bei keinem funktioniert.

Min-Jae Kim rotiert seit seiner Ankunft zwischen Bank und Startelf. Die 7 Einsätze in der Champions League sehen auf den ersten Blick gut aus, aber bei genauerem Hinsehen kam er 3 Mal in der Schlussphase von der Bank und durfte nur in den "Ist eigentlich egal" Spielen in die Startelf. Dayot Upamecano hat sich gefangen und bekam eine Vertragsverlängerung. Die gab es aber nur, weil ein neuer Verteidiger zu teuer gewesen wäre. Das sage nicht ich, sondern Eberl.

Und dann ist da natürlich noch Harry Kane, der ein Volltreffer war. Aber man muss hier mal kurz festhalten, dass Stand April 2026, Upamecano der einzige Top Ten Transfer ist, der seinen Vertrag verlängert hat. Und das keiner dieser Spieler auf dem Transfermarkt gewinnbringend weiterverkauft wurde. Natürlich werden Kane, Díaz und Olise diesen Negativlauf beenden, es verdeutlicht aber, wie bescheiden diese Bilanz in der Summe ist:

Denn in der Summe kann man nur mit 3 der 8 Top-Transfers "vor Eberl" wirklich zufrieden sein kann. Sané hat die ja immerhin das eine Mal am letzten Spieltag zur Meisterschaft geschossen. Alles in allem ist das keine gute Bilanz... Eberl ist bei 2 von 2.

Da ist das Bier aber noch gar nicht leer. Also das Schlimmste haben wir noch vor uns: Jamal Musiala, Aleksandar Pavlovic und Lennart Karl. Musiala ist schon Weltklasse. Karl und Pavlovic haben das offensichtliche Potenzial, diese zu erreichen. Alle drei kommen aus der eigenen Akademie. Pavlovic und Karl können sogar behaupten, dass sie nie einen anderen Verein hatten, da sie vor der U17 zum Rekordmeister kamen. Musiala wurde ja technisch gesehen von Chelsea geholt.

Das, was ich mir von den Dortmundern immer erhofft habe, ist jetzt bei den Bayern passiert: Sie haben eine starke Generation von Eigengewächsen. Nun ist Toni Kroos der offizielle Beweis, dass so ein "Eigengewächs" auch nicht immer ewig bleiben. Aber der kam ja technisch gesehen vom FC Hansa. In der Regel sie bleiben länger bei ihrem Heimatverein, als die Dortmunder Im- und Export Diamanten. 

Das ist auch etwas, was die Bayern Fans völlig falsch verstanden haben, als Lennart Karl leichtfertig von Real Madrid geträumt hat: Madrid ist wahrscheinlich der einzige Verein, der sich berechtigte Hoffnungen auf einen Karl Transfer machen darf. Wenn ihr Olise oder Díaz fragt, werden die da Real, Barca, Man City und Liverpool ins Spiel bringen. Arsenal London ist auch nicht mehr weit weg. Und aus Nostalgie Man United. Bei Karl muss man sich, wenn er seine Ansage ernst gemeint hat, nur bei einem einzigen Verein sorgen machen.

Selbst wenn Pavlovic "nur" zwischen Welt- und internationaler Klasse pendelt und Karl sich nur auf der internationalen Klasse einpendelt, habe die Bayern immer noch ihre moderne Version von Lahm, Schweinsteiger und Müller. Und zu deren Höhepunkt 2014 war man international Wettbewerbsfähig. 

Man muss hier mal wieder festhalten, dass ich mit dem Begriff "Weltklasse" sehr sparsam umgehe. Das ist die absolut höchste Kategorie, die nur für die wirklich Allerbesten verwendet werden sollte. Müller war für mich nie Weltklasse, aber er war trotzdem ein sehr guter und sehr wichtiger Spieler im System der Bayern. Schweinsteiger war es um 2014, aber nicht auf seine gesamte Karriere gesehen. Er hat ja auch gefühlte Ewigkeiten gebraucht, um seine Position im Defensiven Mittelfeld zu finden. Lahm war derjenige, der konstant und auf verschiedenen Positionen auf allerhöchstem Niveau abgeliefert hat. Der war ein Jahrzehnt lang wirklich Weltklasse.

Jetzt stellt euch das Best/Worst-Case-Szenario vor und die Bayern bekommen 3 Spieler von Lahm's Qualität und mit Lahm's Identifikation. Dann hätten die Bayern für die nächsten 10 Jahre ihren Kern im Mittelfeld gefunden und müssen "nur" noch die Ergänzungen für diese 3 Spieler finden. Und sie haben einen Manager, der diese Ergänzungen offensichtlich findet. Praktisch muss man nur einen Nachfolger für Harry Kane verpflichten und dann ist man im Wesentlichen herausragend aufgestellt.

Die Frage ist ja: Wie schlimm ist das jetzt für die Liga? Also einerseits bekommt man ein international relevantes Flaggschiff. Andererseits werden die Bayern mindestens 9 von 10 Meisterschaften holen, solange diese 3 fit und in Form sind. Sie dominieren ja jetzt schon, wo "der Alte" verletzt ist und die beiden anderen noch verdammt jung sind. Das wird nur noch schlimmer.

Auch wenn das eigentlich unmöglich erscheint: Die nächsten 10 Jahre könnten noch dominanter werden, als die letzten 10. Und irgendwann wird das dazu führen, dass der gemeine Fan abschaltet...

Montag, 6. April 2026

Was mich ja an der Undav Debatte so stört

Eines vorne Weg: Die Kommunikation von Julian Nagelsmann kann man kritisieren. Muss man aber nicht. Deniz Undav ist ein erwachsen, Multimillionär und Vollprofi. Wenn Nagelsmann jetzt mit den öffentlichen Ansagen dessen Gefühle verletzt hat, dann muss der das halt ertragen, wie ein richtiger Mann. Macht er ja auch. Aber die Experten im Land weinen für ihn. Und das sehr einseitig.

Wobei man ja auch da ein paar Dinge relativieren muss. Also Nagelsmann hat ja erst intern die zu erwartenden Rollen abgesprochen. Dann hat Undav nach seinem Treffer höhere Ansprüche gestellt und darauf hat Nagelsmann dann ebenfalls öffentlich reagiert. Derjenige, der das Thema also in die Öffentlichkeit getragen hat, war Undav. Und ja ein generisches "Ich will der Mannschaft helfen, egal in welcher Rolle" hätte uns die ganze Debatte erspart.

Wie einseitig die geführt wird, ist aber wieder faszinierend. Ich verlinke hier mal demonstrativ den Doppelpass Zusammenschnitt für die allgemeine Position zur Lage in den deutschen Medien. Nur die TZ hat sich getraut, da eine Gegenmeinung "zu drucken". Dabei ist es nicht nur Julian Nagelsmanns gutes Recht, Undav nur für die Rolle des Jokers einzuplanen... ich würde sogar behaupten, es ist seine Pflicht.

Jetzt komme ich mal mit einer für alle Experten in diesem Land: Die deutschen Schlüsselspieler in der Offensive heißen Florian Wirtz und hoffentlich Jamal Musiala. Auch ich will ja, dass die in Bestbesetzung scheitern... Das sind die talentiertesten und besten "Angreifer", die wir haben. Das sind die beiden, die für Weltklasse stehen. Also absolute und richtige Weltklasse, nicht dieses "Er hat in der Bundesliga viele Tore erzielt, also reden wir uns das ein". Und das sind einerseits keine Mittelstürmer, aber andererseits Spieler, die oft in den Strafraum ziehen.

Vielleicht, absurder Gedanke, versucht Nagelsmann einfach nur, diese beiden in die bestmöglichen Positionen zu bringen. Und den Rest baut er dann drumherum. Und Deniz Undav hat halt eine Heatmap, die sehr zentrumslastig ist. Optimisten sagen: Der hat seine Stärken im Strafraum. Kai Havertz und auch Nick Woltemade können aber auch zurückgezogen aufgestellt werden. Sie sind um einiges flexibler in ihrer Spielgestaltung. Und sie sind halt auch hilfreich, wenn sie gerade nicht treffen. Auf solche Spieler zu setzen, um die Stärken der wichtigsten Spieler zu unterstützen, ist erschreckend vernünftig.

Das ist nebenbei der nächste Punkt, den jetzt viele völlig falsch darstellen. Also es gibt ja genügend Leute, die darauf hinweisen, dass Undav durchaus spät treffen kann und Nagelsmann's "Wenn er vorher 70 Minuten marschiert ist" als widerlegt betrachten. Aber vielleicht hat Nagelsmann einfach andere Erwartungen ans "Marschieren" als ein Sebastian Hoeneß. Fairerweise habe ich zu wenig vom VfB Stuttgart gesehen, um zu beurteilen, wie aktiv ein Undav da pressen muss. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass man ihm da beim VfB mehr Freiheiten gewährt, weil er für deren Verhältnisse ein überragender Stürmer ist. In der Nationalmannschaft wird er diese Freiheiten nicht bekommen und muss dann wahrscheinlich mehr arbeiten, als er das im Alltag gewohnt ist.

Eines steht ja fest: Undav ist im Abschluss verdammt stark. Aber auch eben nur da. Ehrliche Frage: Wann hat Undav zuletzt ein gutes Bundesliga-Spiel gemacht, ohne zu treffen? Schlagen wir das mal nach. Also als "gut" gilt hier alles, was eine Kicker-Note von mindestens 2,5 hat. Die Antwort lautet: bei der 0:1 Niederlage gegen Heidenheim... in der letzten Saison.

Nebenbei ist es auch wieder faszinierend, wie hier die Bundesliga überhöht dargestellt wird. Ja, Deniz Undav hat in der Liga gerade eine überragende Quote. Schön für ihn und für den VfB. Aber sie sind halt auch gemeinsam im Europacup gescheitert. Am FC Porto. Im Achtelfinale. In der europäischen Zweitklassigkeit. 

In der Königsklasse steht Undav bei einem Tor und einer Vorlage in 6 Spielen. In der Premiere League sind es 5 Tore in 22 Spielen. Wir haben also einerseits einen Kai Havertz, der bei Arsenal, dem englische Tabellenführer, nach langer Verletzung wieder eine wichtige Rolle spielt. Und der bereits nachgewiesen hat, dass er ein Champions League Finale mit einem Treffer entscheiden kann. Der eine hat schon mal auf allerhöchstem Niveau den Unterschied ausgemacht. Der andere trifft nur in der Bundesliga. Jetzt erzählen mir alle, dass der andere unbedingt spielen muss.

Und ja, 2021 ist lange her und Havertz war zuletzt oft verletzt. Aber wenn der Junge bis zum Sommer wieder ins Laufen kommt, ist er deutlich besser als Undav. Dann schadet es nicht, dass er sich zumindest mit Wirtz schonmal einspielen konnte. Und wir haben ja während der letzten EM gelernt, dass auch großartige Spieler sich durchaus einspielen müssen und sich nicht unbedingt blind verstehen.

Vor allem muss man mal eines festhalten: Die Bundesliga ist im internationalen Vergleich nicht wirklich gut. Also Undav war gegen Borussia Dortmund eher grausam als gut. Dortmund ist gegen Atalanta Bergamo in der Zwischenrunde ausgeschieden. Einer Mannschaft, die dann gegen die Bayern komplett chancenlos waren. Was bringt es uns da, dass Undav gegen die restlichen Bundesligisten viele Tore erzielt?

Und ja, das ist eine grobe Vereinfachung, weil Undav ja im Hinspiel gegen Dortmund 3-fach getroffen hat. Es ist also nicht so, dass er nur gegen die Kleinen trifft. Aber Dortmund gehört diese Saison ganz sicher nicht zu den Top 10 Europas. Vielleicht gehören sie nicht mal zur Top 20. Aber sie sind mit Abstand die zweitbeste Mannschaft der Liga. Das bedeutet auch nur: Der Rest der Liga ist froh, wenn er in den Top 30 auftaucht. Aber wenn man als Experte darauf hinweist, dass die Bundesliga, abgesehen von den Bayern, im internationalen Vergleich eher mittelmäßig daher kommt, nimmt man sich seine eigene Relevanz. Also redet man sich lieber ein, dass Undav in die Startelf gehört, weil er in einer mittelmäßigen Liga häufig trifft.

Man muss das nebenbei hier nochmal festhalten: Das ein Star im Vereinstrikot in der Nationalmannschaft nur von der Bank kommt, ist etwas völlig Normales. Also ich nehme hier mal ein wirklich passendes Beispiel, weil wir in beiden Fällen von "Spätstartern" sprechen: Oliver Bierhoff hat vor der EM 1996 17 Tore in der Serie A erzielt. Er wurde trotzdem vor der EM als 3. oder 4. Option eingeplant. Hinter Jürgen Klinsmann, klar. Aber auch hinter Stefan Kuntz und Fredi Bobic. Das sind jetzt im internationale Vergleich nicht die relevantesten Namen. Trotzdem hat am Ende Bierhoff das Finale entschieden, obwohl er vorher 3 Spiele lang nur auf der Bank saß. 

Ihr werdet, gerade im Offensivbereich, wo sich Leistungen leichter erfassen lassen, immer wieder Spieler finden, die sich mit einer wesentlich kleineren Rolle anfreunden müssen. Das vorher klar und deutlich zu kommunizieren, damit sich ein Undav darauf einstellen kann, ist ein vernünftiger Ansatz.

Donnerstag, 26. März 2026

Die Rüdiger Debatte ist so dumm

So unfassbar dumm.

Und im Zentrum steht schon wieder... Mario Basler. Der hat es sich anscheinend zum Ziel gesetzt, Didi Hamann vom Thron zu stoßen. Wenn man auf dem Platz alles erreicht hat, muss man sich jetzt absurde Ziele setzen.

Basler hat jetzt seine DFB-Trainerlizenz zurückgegeben, weil der DFB Rüdiger für die Nationalmannschaft nominiert hat, nachdem der, und jetzt kommt es, als Verteidiger ein hartes Foulspiel begangen hat. Und weil er seine Gegner als Verteidiger gerne provoziert. 

Rüdiger hat sich dazu ja auch geäußert. Und er hat da einen verdammt wichtigen Satz gesagt: "Wir müssen wieder dahin kommen, dass es maximal unangenehm ist, gegen Deutschland zu spielen."

Das ist das völlig bekloppte an dieser Situation: Dieselben Leute, die sonst immer heulen, dass es keine Typen mehr gibt und "wir" zu viele brave Chorknaben haben, wollen jetzt den einen Typen, den diese Truppe hat, nicht im Trikot der Nationalmannschaft sehen.

Ja, Rüdiger provoziert mit teilweise übertriebenen Gesten. Er will seine Gegner einschüchtern. Und er schont weder seinen noch deren Körper. Genau das wollen "wir" doch eigentlich sehen. Genau das hat doch zuletzt so oft gefehlt. Er sagt eigentlich in dem Interview genau das, was "wir" sonst immer hören wollen: "Wir müssen als Einheit so unangenehm zu bespielen sein, dass der Gegner schon im Tunnel keinen Bock mehr hat." Wenn Joshua Kimmich diesen Satz sagen würde, gäbe es tosenden Applaus...

Nebenbei würde ich hier mal eine interessante Umfrage unter den Spielern in Spanien einbauen. Da wird auf die Frage "Welcher Spieler in La Liga wird am wahrscheinlichsten vom Platz fliegen?" (oder, um es verständlicher auszudrücken, wer ist euer Dominik Kohr) mit "Jeder Spieler von Getafe" geantwortet. Das ist in dem Moment wichtig, weil das letzte harte Foul von Rüdiger gegen Getafe war. Vielleicht hat "nur" der anscheinend nach einer Umfrage der Spieler unangenehmsten Mannschaft im Land ganz klare Grenzen gesetzt. So einen Spieler willst du in giftigen Duellen auf deiner Seite haben.

Noch viel lustiger: Während wir eine sinnlose Debatte über das "Sicherheitsrisiko" Antonio Rüdiger führen, fehlt sein Name bei der "Dominik Kohr Umfrage" komplett. Den Spielern, die sich ständig mit Rüdiger beschäftigen, fallen 13 Spieler ein, die laut ihrer Meinung ein größeres Sicherheitsrisiko darstellen. Und wir, die die spanische Liga kaum verfolgen, machen uns dann Sorgen über Rüdiger.

Fun Fact: 3,3 % geben zu, dass es wahrscheinlicher ist, dass sie gegen Real Madrid oder Barcelona vom Platz fliegen, als dass es Rüdiger trifft. Womit sie natürlich den Schiedsrichtern eine gewisse Bevorteilung und Einschüchterung vorwerfen. 

Rüdiger selbst ist nebenbei in seiner Karriere in 600 Spielen 7 Mal vom Platz geflogen. Das ist jetzt nicht übermäßig viel. Vor allem, wenn das viele "Jugendsünden" dabei sind: Seit 2017/18 steht plötzlich nur noch ein einziger Platzverweis in der Vita. Im Pokalfinale gegen Barcelona... In der 123. Minute. 12 Minuten nach seiner Auswechslung.

Also ja, er hat die Arschloch-DNA von Real Madrid voll aufgesogen. Er hat in diesem Moment bewiesen, dass er ein schlechter Verlierer ist. Aber ganz sachlich gesehen ist er seit dem 23.02.2017 nicht mehr "vom Platz geflogen". Er hat aber, mit dieser aggressiven Spielweise, 2 Champions League Titel gewonnen. Jeweils als Stammspieler. 2021 mit einer sehr guten Leistung

Nebenbei, nur der Vollständigkeit halber, ist Rüdiger in 81 Länderspielen noch nie vom Platz geflogen. Er kommt auch "nur" auf 14 Verwarnungen. Und ja, gegen Spanien im Viertelfinale hat er seine 2. Gelbe Karte gesehen und wäre deswegen im Halbfinale gesperrt gewesen... weil er 2 Gelbe Karten in 5 Spielen als Stammspieler in der Innenverteidigung gesehen hat. Hier muss man festhalten, dass Rüdiger in der Situation nur verhindert, das Dani Olmo in den Strafraum durchstartet. Kein böses, aber ein wichtiges Foul. Hier gibt es eine etwas bessere Sicht mit arabischen Kommentar. Man könnte quasi von einem Michael Ballack-esquen Einsteigen reden, wenn man Rüdiger wohlgesonnen wäre: Er opfert sich für die Mannschaft, um eine große Chance zu verhindern... auch wenn das eine persönliche Sperre bedeutet.
Dass es die erste Gelbe Karte fürs Meckern gab, ist da natürlich eher ungeschickt. Aber das war die eine EM, bei der die "Kapitänsregel" plötzlich umgesetzt wurde und da wurde dann nicht nur Rüdiger überrascht.

Noch viel wichtiger: Rüdiger verteidigt im Viertelfinale hinterher trotz der Verwarnung gegen die quirligen Spanier weitere 110 Minuten. Als Julian Nagelsmann in der 80. Minute als Ausdruck der Verzweiflung die Viererkette auflöst und Thomas Müller bringt, geht Jonathan Tah runter und nicht das angebliche Sicherheitsrisiko... Aber Rüdiger lässt auch nach der Auflösung der Viererkette und trotz Verwarnung wenig anbrennen. Es gibt verdammt wenige Verteidiger weltweit, denen man so was zutrauen könnte. 

Warum Rüdiger so kritisch gesehen wird, ist auch logisch: Er ist halt früh ins Ausland gewechselt, anstatt es sich bei den Bayern bequem zu machen. Toni Kroos musste sich ja nach seinem Wechsel auch ständig irgendwelchen Bullshit anhören... Oh und Rüdiger ist schwarz und Muslime, das macht es nicht besser.

Das ist auch wieder faszinierend, weil ja gerade eine Doku über Mesut Özil durch die Öffentlich Rechtlichen geht. Die muss ich auf meine To Do Liste setzen. Özil hat sich ja am Ende öffentlich darüber beschwert, dass er immer der dumme Migrant war, wenn es für die Nationalmannschaft nicht lief. Ich habe ja selber damals aufgezeichnet, wie absurd es war, dass alte weiße Männer ihrem ehemaligen Vorbild für Integration die Kompetenz abgesprochen haben, sich zu diesem Thema zu äußern...

Bei Özil konnte man sich ja wenigstens noch einreden, dass es "Schönspieler" in diesem Land immer schwerer hatten und diese kritische Haltung also relativ normal war. Rüdiger wird jetzt vorgeworfen, dass für kompromisslose Härte und konsequente Zweikampfführung steht. Also die deutschesten Tugenden, die man sich vorstellen kann. Auch Rüdiger ist eines dieser offensichtlichen Beispiele, dass Spieler, die nicht wie eine richtige deutsche Kartoffel aussehen, einen schwereren Stand haben, als ein richtiger Treter Deutscher.