Sonntag, 28. Juni 2026

Fußball ist so ein dummes Spiel

Und so kann aus einem beschissenen Kick plötzlich ein "Spektakel" werden. Einfach nur, weil beide Mannschaften zu unfähig sind, um zu verteidigen. Selbst wenn der Gegner es nicht mal versucht, anzugreifen...

Also ganz ehrlich: Das war schon groteskes Kino. Gerade in der 2. Halbzeit. Aber schon vorher. Der Kicker hat da ja einen "munteren Schlagabtausch" gesehen, obwohl es schon in der ersten Halbzeit verdammt viele Phasen gab, in denen die Österreicher den Ball im Mittelkreis ziellos hin und her spielten. Aber dann dachte David Alaba sich: och, jetzt sind mal die anderen dran, wir geben den Ball mal an die weiter.

Nur stellte sich Oussama Benbout unfassbar dumm an. Davor hebt Aissa Mandi erst das Abseits auf und lässt sich dann einen 37 Jahre alten Arnautovic wegrennen. Und Ramy Bensebaini bewies, dass er ein Dortmunder Führungsspieler ist, in dem er den Arm hob und sich dann beschwerte, anstatt seinem Torwart und seinem Verteidiger zu helfen. 

Das mag jetzt unfair sein, sich bei diesem Tor auf Bensebaini einzuschießen, aber er sollte doch wissen, dass sein eigentlicher Stammtorwart verletzt ist. Und dass Zidane Jr. gerade auf die Bank versetzt wurde... dass es also der dritte Torwart ist, der da im Kasten ist. Das ist ein Mann, der in genau solchen Momenten die Hilfe seiner erfahrenen Mitspieler braucht... aber Bensebaini, der genau das ist, verlässt sich darauf, dass das schon geregelt wird.

Dieses Tor kam nur zustande, weil sich Algerien unfassbar dumm anstellte. Vorher lag der Expected Goal Wert bei ghana-esquen 0,05... für beide Mannschaften. Danach passierte etwas Faszinierendes: Algerien spielte plötzlich mit. Also 15 Minuten lang spielten sie tatsächlich auf das Tor des Gegners. Es wurde tatsächlich ein Fußballspiel. Der Ausgleich bewies aber nur, dass die Österreicher genauso schlecht verteidigen könnten, wie die Algerier. Phillip Mwene verliert da einen Zweikampf mit der Eckfahne. Und das ist keine Übertreibung. Rafik Belghali stolpert danach durch den Strafraum. Es gibt mehrere Österreicher, die da eigentlich einen Zweikampf führen müssten, aber alle hatten anscheinend Angst davor, noch dümmer als Mwene auszusehen... und plötzlich stand es 1:1.

Die 2. Halbzeit begann dann mit 10 Minuten Ballgeschiebe und einem Fernschuss... bis Österreich aus dem Nichts ein Mal das Tempo anzog und die Algerier damit komplett überforderte. Auch diesen Ball hätte Manuel Neuer nebenbei gehalten. Also die 2026er-Version.  Algerien machte aber exakt dasselbe wie in der ersten Halbzeit: Sie bewiesen, dass sie durchaus Fußball spielen können... und erzielten eine sauber heraus gespieltes 2:2. 

Wer jetzt dachte: Wenn beide Mannschaften absolut nicht verteidigen können, dann muss es doch eine aufregende Schlussphase geben... hat irgendwie recht. Aber sachlich gesehen stellten beide Mannschaften nach der 2. Trinkpause das Spiel ein. Es gab nur noch ganz wenige, ganz zaghafte Versuche, irgendwie in die gegnerische Hälfte zu kommen. Algerien spielte sich im Mittelkreis den Ball hin und her. So kommt man am Ende auf 754 Pässe. Also um das Hin und Her Geschiebe in Relationen zu setzen: In der 90. Minute blendete die Fifa eine Grafik ein, dass Algerien 667 Pässe gespielt hat. Und den 3 folgenden Minuten spielten sie 87 weitere. Und dann spielten sie aus dem Nichts einen Pass nach vorne... damit hatte Österreich nicht gerechnet. Algerien wahrscheinlich auch nicht. Die wollten doch eigentlich nur eine Spielunterbrechung provozieren, damit Farés Gehdjemis eingewechselt werden kann. Der sollte seine ersten WM-Sekunden bekommen... doch plötzlich stand es 3:2, obwohl niemand die Absicht hatte, ein Tor zu erzielen. 

Ralf Rangnick brachte Saša Kalajdžić und Österreich war verzweifelt alles nach vorne... Um tatsächlich nochmal belohnt zu werden. Was für ein faszinierendes Ende. Also tatsächlich. Und die armen Iraner. Aber hier muss man nochmal eines festhalten: War es nur wegen des völlig absurden Endes ein großartiges Spiel? Also der Kicker gibt dem "Spektakel" eine 1,0... obwohl der Kicker auch einen Expected Goals Wert von 3,16 "abdruckt". Also für beide Mannschaften zusammen. Man gibt offen zu, dass die Tore völlig unerwartet und völlig unnötig vielen. Der Kicker erkennt auch an, dass beide Mannschaften "doch lieber wieder hinten rum" spielten. Und das schon in der ersten Halbzeit. Hier ist eine weitere Perle aus dem Kicker-Ticker: "Weiterhin spielen die Algerier im Mittelfeld hin und her. Daraus entsteht keine Torgefahr. Österreich steht relativ tief und läuft gemächlich knapp hinter der Mittellinie an". 

Und versteht mich nicht falsch: Die Partie war deutlich besser, als ich erwartet hatte. Also ich hatte ja ausschließlich auf belangloses Ballgeschiebe gesetzt. Aber es war trotzdem ein Spiel, das mindestens zu 50 % aus Leerlauf bestand. Wo die Fans im Stadion mehrmals deutlich hörbar gepfiffen haben, weil halt wirklich NICHTS passierte. Und die 6 Tore sind nicht gefallen, weil beide Mannschaften zielstrebig nach vorne spielten, sondern weil sie sich unfassbar unfähig anstellten.

Ich finde es faszinierend, wie sich angebliche Fachjournalisten von diesen 6 Toren blenden lassen, die 20 Minuten vor den letzten beiden Toren aber komplett ausblenden. Und auch wie die Tore vorher gefallen sind, interessiert niemanden. Um das mal festzuhalten: Viele Tore bedeuten nicht, dass ein Spiel gut war. Und ein Spiel mit so viel Leerlauf und Ballgeschiebe kann eigentlich nie die Note 1 bekommen. Also als 2. "Die Kicker Spielbewertungen sind willkürlich und sinnlos" Rant dieser WM. Eine sachliche Zusammenfassung wäre eher "Die dramatische Schlussphase und die 6 Tore können den kompletten Leerlauf, der das Spiel lange Zeit prägte, nicht komplett vergessen machen. 2,5."

Für die Fifa ist das aber großartig. Die können aus den brauchbaren 20 Minuten einen All-Time-Classic machen und können mindestens 4 Jahre lang ignorieren, dass der Modus sachlich gesehen unfair ist, weil die Mannschaften in den "späten" Gruppen einen entscheidenden Vorteil haben. 

Aber kommen wir zum Iran. Die haben es tatsächlich geschafft, mit 3 Unentschieden auszuscheiden. #PassivesAbseitsLeserwissenesexklusiv. Also ich hatte ja vor der WM (und sicherlich auch vor der letzte EM) behauptet, dass man mit 3 Unentschieden quasi sicher weiterkommt. Hier muss man eines festhalten: Die Wahrscheinlichkeit, dass man mit 3 Toren und einem ausgeglichenen Torverhältnis weiterkommt, liegt bei laut Football Meets Data 96 %. Und es mussten haufenweise absurde Ereignisse zusammenkommen, damit der Iran am Ende ausscheidet. Da war "Manuel Neuer patzt beim 1:2" noch das wahrscheinlichste Ereignis. Aber das ist auch Teil der Wahrheit: Wenn Deutschland sein eigentliches Leistungsvermögen auf dem Platz bringt, wäre der Iran jetzt noch dabei. Auch wenn der DR Kongo sein Spiel in den letzten 20 Minuten nicht komplett dreht... Und wenn Kalajdžić nicht in allerletzter Sekunde zum Volkshelden wird... Dazu musste der Irak in Unterzahl 5 Tore gegen den Senegal kassieren.  

Anders ausgedrückt: Das war das eine Mal in 100 Turnieren, dass man mit dieser Bilanz ausscheidet. Und natürlich passiert es dem Iran... Das ist doppelt bitter, weil der Iran selber erst ein Abseitstor erzielte und dann den Siegtreffer um Zentimeter verpasste. Wenn die sich darauf verlassen hätten, dass ein Unentschieden reicht, aber sie haben auf Sieg gespielt... und trotzdem wurden sie am Ende mit dem Ausscheiden bestraft. Es gibt halt kein Karma im Fußball... 

Mittwoch, 24. Juni 2026

Worst of des "It is too big to fail" 2. Spieltages

 Das Urteil ist dann durch. Also spätestens in dem Moment, wo laut gejubelt wurde, als das Feindbild Nummer 1 aus dem Iran im gegnerischen Strafraum auftauchte. Selbst wenn man die Menschen aus dem Land nicht einreisen lässt, finden die Fans einen Weg ins Stadion. Auch wenn es hilft, dass Los Angeles eine der größten iranischen Kommunen außerhalb des Heimatlandes hat. Teherangeles. Fußball gucken bildet.

Und auch wenn die aufgerufenen Preise für die Anreise eigentlich absurd sind, finden Fans einen Weg ins Stadion. Selbst wenn das Land an sich die Einreise so unangenehm wie möglich macht, kommen die Schotten und saufen ganz Boston leer. Und schaffen es damit zu Jon Oliver. Nicht als "Our Main Story tonight", da ging es nur um Wildschweine, aber noch ist ja auch nicht Finale. Den dreifachen Umsatz eines gewöhnlichen St. Patricks Day haben die gemacht. St. Patricks Day ist quasi deren Herrentag, wo sich der gesamte männliche Teil des Landes sinnlos betrinkt. Aber wahrscheinlich vertragen die Amis doch einfach nichts, schließlich trinken die hauptsächlich Bud Light... das einzige Bier, dass die Schotten verschmähten.

Nebenbei rudern die Norweger Rolltreppen hoch. Und die Australier singen "Donald Trump is a Sex Offender". Die WM kann also doch politisch sein. Aber ja, trotz aller skeptischer Prognosen, auch von den örtlichen Hotels, sind die Fans da. Und trotz der absurden Preise sind die Stadien voll. Für mich ist das der offizielle Beweis, dass man auch eine WM in der Antarktis austragen könnte, die Fans würden kommen.

Fußballerisch geht es jetzt ja eigentlich los. Also wäre es früher jetzt losgegangen, weil am 3. Spieltag die wirklich spannenden Spiele starten. Stattdessen listet ESPN schon 18 Mannschaften auf, die die K.O. Phase sicher erreicht haben. Oder quasi sicher, denn mit 4 Punkten kann man eigentlich nicht ausscheiden... außer jeder in der gesamten Gruppe hat am Ende 4 Punkte, dann ist das was anderes. 

Wirklich spannend wird ja, meiner Meinung nach, das Duell Frankreich Norwegen. Also wollen am Ende beide dieses Spiel doch lieber verlieren? Wäre vielleicht vernünftiger. Denn der Verlierer spielt, stand jetzt, gegen die Elfenbeinküste und danach gegen Brasilien. Der Gewinner spielt gegen Schweden und Deutschland. Danach gibt es ein "relativ leichtes" Viertelfinale und dann ein Halbfinale gegen Spanien... Deutschland hat den Gruppensieg ja schon sicher. Und natürlich ist es Ewigkeiten her, seitdem Deutschland ein Achtelfinale gewonnen hat... Aber Brasilien war zuletzt auch 2014 richtig gut. Mich würde es nicht wundern, wenn Didier Deschamps sich da zum 2. Platz rotiert. Einfach nur, weil Deschamps allgemein bekannt dafür ist, dass er am 3. Spieltag all seinen Reservisten ihre Minuten gibt. So hat er beim letzten Turnier gegen Tunesien verloren. Für Frankreich gibt eigentlich nichts zu gewinnen.

Nebenbei wird die Trainerleistung von Deschamps auch unterschätzt. Man denkt ja immer, dass das Talent das regelt und er die mit seiner, nennen wir es optimistisch, sachlichen Herangehensweise das Team eher hemmt. Aber selbst ein Kylian Mbappé arbeitet in diesem Team relativ seriös nach hinten. Vielleicht sollte Real Madrid Deschamps holen, denn da funktioniert das so überhaupt nicht.

Also um das nochmal festzuhalten: Die mangelnde Defensivarbeit von Mbappé und seiner Vereinskollegen in Paris und Madrid dürften der Hauptgrund sein, warum der Mann noch nie die Champions League gewonnen hat. Aber er hat schon in 2 WM-Finalen getroffen. Und Frankreich ist wieder der Topfavorit auf den Titel. Er wäre nebenbei der erste Spieler, der in 3 WM-Finalen trifft. Also falls ihr euch wundert, warum Mbappé in den "Beste WM Spieler aller Zeiten" Liste ganz weit oben steht.

Nebenbei ist jetzt dem Kicker zum 2. Mal aufgefallen, dass der Modus Scheiße ist... weil sie meine Argumente übernehmen. Also schon vor dem Curacao Spiel hieß es, dass Deutschland mit einem hohen Sieg praktisch weiter wäre, weil man mit 3 Punkten und einem guten Torverhältnis praktisch nicht ausscheiden kann. Jetzt warnt der Kicker vor "der Schande von Kansas". Denn jetzt haben wir die Konstellation, dass Algerien und Österreich mit einem Unentschieden sicher weiterkommen. Hätte uns doch jemand gewarn... oh warte... #PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher.

Wo wir schon dabei sind: Es gab die erste Unwetter-Unterbrechung. Und die ging so lange, dass es das erste "Parallelspiel" gab... und das erste Spiel ohne Trinkpause in der 2. Halbzeit. Frankreich nutze die Gelegenheit eiskalt und ruinierte all die "Zwischen der 66. und 69. Minute werden keine Tore fallen" Tippscheine. 
Viel wichtiger ist aber: Ich habe schon bei der Klub-WM darauf hingewiesen, dass die Fifa da einen Plan braucht. Also solche Unwetter passieren im amerikanischen Sommer halt relativ regelmäßig. Und es ist uns ja auch bei der EM in Deutschland passiert. Wenn es jetzt aber im Sinne des Wettbewerbes wichtig ist, dass beide Spiele zeitgleich stattfinden, dann ist es auch irgendwie wichtig, dass beide Spiele dann auch unterbrochen werden. Damit nicht ein Spiel eine Stunde später beendet wird, als das andere... Aber die Fifa scheint hier auf das Prinzip "Wird schon gut gehen" zu setzen... Obwohl wir genau dieses Szenario schon bei der Klub-WM erleben durften...

Aber es gibt nicht nur Schlechtes von der Fifa Seite. Denn die Fifa hat endlich Verwarnungen für Zeitspiel abgeschafft und bestraft derartige vergehen stattdessen mit Ballbesitz für den Gegner. Das sind auch Dinge, die ich hier seit Jahren vorgeschlagen habe. Bei dem derzeitigen Tempo werden wir noch in diesem Jahrhundert erleben, dass es für ein unabsichtliches Handspiel im Strafraum keinen Elfmeter, sondern einen indirekten Freistoß gibt. 
Geil war auch die Rote Karte für Miguel Almirón. Der hat anscheinend nicht mitbekommen, dass man die Gegner nicht mehr hinter vorgehaltener Hand beleidigen darf. Im Gegensatz zum Türken, die den Schiedsrichter sofort darauf aufmerksam machten und dafür sorgten, dass der VAR da eingreift. Und ja, auch das Verhalten der Türkei ist unsportlich. Eigentlich sollte man das Fordern von Karten ja auch mit Verwarnungen bedenken, aber das ist auch eine dieser Regeln, die nie angewendet wird.
Anyhow, ich finde es faszinierend, wie Fans dann mit einem "Die Regel ist dumm, denn sie führt dazu, dass ein Spieler oder ein Trainer Rot sieht, wenn diese die Taktik absprechen." Das ist so ein Grundproblem vom Fußball: Die Fans erschaffen bei an sich guten Regeländerungen völlig absurde Szenarien, die nichts mit der Realität zu tun haben. Also wenn jetzt 2 Spieler einer Mannschaft hinter vorgehaltener Hand die Freistoß-Variante absprechen, wird da kein Schiedsrichter Rot zeigen. Die Regel ist nur für die Interaktion mit Gegenspielern gedacht. Miguel Almirón wird in diesem Moment keine Taktikanweisungen mit seinem türkischen Gegenspieler geteilt haben. 
Aber anstatt zu sagen "Geil, jetzt kann man Spieler nicht mehr homophob beleidigen" (Und man muss hier nochmal festhalten, dass die Verteidigungslinie beim Präzedenzfall von Gianluca Prestianni lautete: Ich hab ihn gar nicht rassistisch beleidigt, das war nur homophob...

Großes Lob geht dabei an die Türkei, die es tatsächlich geschafft haben, als erste Mannschaft auszuscheiden. Was primär daran liegt, dass bei Punktgleichheit das direkte Duell als erster "Tiebreaker" genutzt wird. 

Wo wir schon bei den Kommentarspaltern sind: Ich wünschte mir, die würden sich einfach eine Scheibe bei Miroslav Klose abschneiden. Denn der hat, als großer Sportsmann, natürlich Lionel Messi zu seinem neuen Torrekord gratuliert... während die deutschen Fans auf die Elfmeter verweisen. Und auf die 6 Weltmeisterschaften, die Messi für diesen Rekord brauchte. Fehlt nur noch, dass die behaupten, dass Tore gegen Saudi-Arabien nicht zählen sollten... Anstatt einfach anzuerkennen, dass es völlig absurd ist, dass Messi in diesem hohen Alter noch so abliefert. 
Das ist wahrscheinlich die letzte Chance einen der 2 besten Fußballer aller Zeiten nochmal live spielen zu sehen... aber die deutschen Fans heulen lieber rum, weil da einem ihrer Helden ein Rekord gestohlen wurde. Das ist schon irgendwie bekloppt.

Zum Schluss noch etwas vom Antifußball: Das Spiel Ghana - England bewies, dass es doch so etwas wie Karma gibt. Denn der ghanaische Trainer beschwerte sich, meiner Meinung nach zurecht, dass es in der einen spannenden Szene keinen Elfmeter gab. Aber der VAR hat da anscheinend gerade einen Kaffee geholt. Oder einen Schnaps. Oder einen Kaffee mit Schuss... aber ganz ehrlich: Selbst Schuld. Denn das die Spiele Ghanas ohne Aufputschmittel unerträglich sind, liegt hauptsächlich an denen. Ghana hatte zum 2. Mal infolge zur Pause einen Expected Goal Wert von 0,0. Und England hatte lange Zeit auch keinen Bock. Irgendwo sitzt Gareth Southgate und denkt sich "Das sind meine Jungs. Ich bin so stolz"...
Ernsthaft, Bastian Schweinsteiger musste in der Pause einen Freistoß "analysieren", der anderthalb Meter über das Tor ging. Sein ehrlicher Satz: Was soll ich dazu sagen... der geht halt drüber. Das man sich als VAR in so einem Spiel andere Unterhaltung sucht, ist doch nachvollziehbar.

Freitag, 19. Juni 2026

Zeit für ein Worst Of.

 Es ist ja genug passiert. Also die WM hält, was sie verspricht... wenn man sich bescheidenen Fußball gewünscht hat.

Mein persönliches erstes Highlight war tatsächlich Haiti - Schottland. Selbst für jemanden, der dieses Jahr relativ viele Hansa Spiele gesehen habe, muss ich zugeben: Das war episch. Also Schottlands Angriffsplan bestand im Wesentlichen aus "Hoffentlich geht ein abgefälschter Schuss rein." Das hat nach 28 Minuten auch perfekt funktioniert. Und danach dachte man sich anscheinend "Mission Accomplished" und stellte jegliche Offensivbemühungen komplett ein. Also ernsthaft: Die weigerten sich bei den wenigen Kontergelegenheiten mit mehr als 3 Leuten nachzurücken.

Haitis Plan bestand dagegen aus "Umfallen, sobald man einen Kontakt im Strafraum spürt" und "Den Gegner den Ball an den Arm schießen". Die hatten so überhaupt keine Idee, wie sie die Schotten wirklich in Bedrängnis bringen können.
Das Lustigste daran: Das ZDF kündigt seine Zusammenfassung als "Der Außenseiter ist auf Augenhöhe" an... Das stimmt sogar. Weil Schottland auch unfassbar schlecht war. Trotzdem hatte Haiti kurz vor Schluss die Riesenchance zum Ausgleich. Aber der Angreifer war so irritiert, dass er in den "Gomez der Woche" Modus schaltet.

Ich finde es ja faszinierend, dass der Kicker dem Spiel irgendwie eine 3,5 gegeben hat. Weil es bis zum Schluss spannend war... es hätte ja noch was passieren können. Also um mal nachzuweisen, was für ein Bullshit diese Spielnoten sind: In der zweiten Halbzeit gab es bis zur Trinkpause keinen einzigen Torschuss von beiden Seiten. Nur von den Schotten, die wie erwähnt gar nicht nachrückten, ging so etwas wie Torgefahr aus. In der 94. Minute musste Angus Gun dann tatsächlich einen harmlosen Kopfball halten. Es war seine 2. Parade im gesamten Spiel. Und der Kicker so: War ganz nett, den es hätte ja was passieren können. 

Das faszinierendste: Das war nicht mal das schlechteste Spiel. Ghana hatte zur Pause einen Expected Goals Wert von 0,00. Wahrscheinlich hätte man noch 5 weitere Nullen einfügen können, bevor da die zaghafte 1 auftaucht. Ghana gewann das Spiel am Ende... Und obwohl hier am Ende sogar wirklich was passiert ist, hat der Kicker ein schlechteres Spiel gesehen...

Ich habe zu Forschungszwecken bei den schottischen Experten reingehört. Der sagte zur Pause echt: Hoffentlich bleibt das so. Denn er erklärte direkt, dass dieses Unentschieden die Chancen von Schottland auf ein Weiterkommen erhöht, das hier die beiden Außenseiter in der Gruppe gegeneinander spielen. Und die werden ja nicht gegen England oder Kroatien gewinnen. Jedes Unentschieden zwischen Außenseitern erhöht aber die Chance auf ein schottisches Weiterkommen mit 3 Punkten... Der hat der ersten Halbzeit damit eine 1,0 gegeben... 
Aber das beweist, wie absurd diese Gruppenphase ist. Als Fan muss man irgendwie darauf hoffen, dass es viele Gurkenspiele gibt, weil das ja die eigenen Chancen erhöht.  

Als Bawful Bonus Feature gewann Mexiko gegen Südkorea, weil die Asiaten eine absurde Slapstick-Vorlage produzierten. Sonst hätten beide Mannschaften noch stundenlang spielen können, ohne ein Tor zu erzielen...

Aber im Großen und Ganzen ist es faszinierend zu sehen, wie gut Christoph Kramers Aussage zu Italien gealtert ist. Also dass Kap Verde dabei ist, aber die Italiener nicht. Zunächst muss man an der Stelle nochmal eines festhalten: Dass Kramer nach dieser Aussage noch ein Job als Experte bei der WM hat, obwohl er offensichtlich nicht versteht, worum es bei einer WM geht, sagt alles über die Lage im Deutschen Fernsehen aus. Bei einer WM ging es nie darum, die X besten Teams zusammenzutrommeln, sondern darum uns ein Abbild des aktuellen Entwicklungsstandes in der Welt zu geben.

Nebenbei sind 33 % der Teilnehmer Europäer, obwohl dieser Sport mittlerweile auf der gesamten Welt gespielt wird. Vor allem sehen die afrikanischen Teilnehmer überraschend stark aus. Also außer TunesienSüdafrika hat das Auftaktspiel gegen den Gastgeber verloren. Das kann passieren. Nach dem Unentschieden gegen Tschechien stehen sie aber gar nicht so schlecht da. Oh und ja, gegen die Europäer holten sie einen Punkt. Genauso wie Kap Verde gegen Spanien. Die DR Kongo gegen PortugalÄgypten gegen Belgien. Und Marokko gegen Brasilien. Einzig Argentinien und Frankreich konnten ihrer Favoritenrolle gegen die Afrikaner gerecht werden. Das ist doch eine mehr als ordentliche Bilanz. Auch wenn es sich ganz klar damit erklären lässt, dass die Europäer noch am Fahr aufnehmen sind.

Nebenbei gibt es aber auch echt positive Entwicklungen. Also sportlich positive Entwicklungen. Dass das Zeitspiel endlich konsequent und zeitnah angezählt wird, ist großartig. Und das es endlich keine Gelben Karten mehr gibt, sondern Ballbesitz für die geschädigte Mannschaft. Wenn die Schiedsrichter dieses Werkzeug konsequent nutzen, erleben wir gerade das Ende des Zeitspiels. Das wirkt wie eine Kleinigkeit, aber es ist ein unfassbarer Fortschritt. 

Aber so, wie ich die Bundesliga kenne, werden sie nach 4 Wochen vergessen haben, dass es diese Regeländerung gibt... 

Jetzt möchte ich euch noch 2 Tipps für die Interaktion in Sozialen Medien geben. Oder fürs wirkliche Leben, falls ihr da auch auf solche Experten trifft. Die AfD verbreitet ja gerade, dass es vereinzelt Biergärten gibt, in denen Deutschland-Fahnen unerwünscht sind. Da sollte man was gegen machen. Also ja, sollte man. Nämlich nicht hingehen, wenn man es als wichtig empfindet, die Sicht seines Hintermannes mit Fahnen zu beeinträchtigen. Und in 9 von 10 Lokalen ist das ja auch kein Problem. Gönnt euch. Es gibt aber auch ein paar Fußball Fans, die sich unwohl fühlen, wenn der Patriotismus nach außen getragen wird. Gönnt diesen Menschen doch das eine Lokal, wo die sich auch wohlfühlen. Dann kann jeder genau so Fußball gucken, wie er es mag. Und wenn es wirklich niemanden gibt, der dieses Angebot annehmen will, dann regelt das der Markt.

Der andere faszinierende Talking Point, der immer zu dieser "Jahreszeit" aufkommt, ist der allgemeine Mangel an Deutschland-Fahnen. Also abgesehen davon, dass es schon wieder viel zu viele Check 24 Shirts auf der Straße gibt. Ich hoffe, die haben einfach die Alten ausgegraben, befürchte aber, dass die alle schon wieder ihre Daten mit dem Vergleichsportal geteilt haben. Was ich da immer erwähne: Wir "Deutschen" sind notorische Spätstarter, wenn es um Fußball-Turniere geht. Also die Fans, nicht die Mannschaft. Die startet entweder durch, oder gar nicht. Dieses ganze "Mit Deutschland- und Alkohol-Fahne durch die Straßen ziehen" kommt frühstens im Achtelfinale. Ab dem Viertelfinale dann aber richtig und exzessiv. Die Leute, die jetzt darüber jammern, dass das ja so wenig geworden ist, vergleichen aber die Stimmung vor dem Halbfinale 2006 mit der Stimmung vor einem Vorrundenspiel. Aber spätestens wenn Deutschland gegen Frankreich gewinnen sollte, wird das alles wieder rausbrechen. 
Also man kann sich ja kaum noch daran erinnern, aber 2006 waren auch alle überrascht, wie auf einmal eine nationale Ekstase ausgebrochen ist. Da wurden hinterher Dokus drüber gedreht. Dann kam der Kater und 4 Wochen später war alles wieder "normal".

Aber gut die AfD Nationalisten werden ja eh das Problem bekommen, dass sie eine Nationalmannschaft mit Migrationshintergrund anfeuern müssen. Das war damals mit Podolski und Klose noch besser...

Nebenbei wurden schon 2006 9 der 18 WM-Toren von Spielern "mit Migrationshintergrund" geschossen. Wobei das sogar falsch ist. 9 der 18 Tore wurden von Spielern geschossen, die nicht mal in Deutschland geboren worden sind: Klose, Podolski und Olivier Neuville. Der einzige Unterschied ist halt, dass man denen ihren Migrationshintergrund nicht direkt ansieht, deswegen kann man das weg ignorieren.

Donnerstag, 11. Juni 2026

WM Vorschau auf den sportlichen Teil

 Denn hier ist ja die andere Lektion aus der WM in Qatar: Wenn die Spiele geil sind, ist das alles relativ egal. 

Denn eines muss man den Menschenrechtsverachtern ja lassen: Der Turnierverlauf war episch. Das begann mit einer Gruppenphase, die spannend wie nie war. Quasi in allen Gruppen hätte bis zur letzten Sekunde ein Tor alles verändern können. Mit Deutschland und Belgien flogen 2 Mannschaften aus zumindest dem erweiterten Titelfavoritenkreis in der Vorrunde raus. Die Vorrunde war so gut, dass Gianni Infantino hinter doch auf 4er-Gruppen für die jetzige WM umschwenken wollte. Es endete im wohl besten Finale aller Zeiten.

Was Infantino aber nicht bedacht hat: Wenn die besten Gruppendritten weiterkommen, nimmt das jegliche Spannung aus der Vorrunde. Also das wäre auch ohne die Erweiterung des Teilnehmerfeldes der Fall. Die Erweiterung macht es nur noch schlimmer.

Um das nochmal festzuhalten: Wenn man 3 Spiele am Stück 0:0 Unentschieden spielt, ist man so gut wie sicher unter den 8 besten Gruppendritten. Und erstellen wir mal ein konkretes Szenario: Bosnien Herzegowina verliert zum Auftakt gegen Kanada mit 0:1. Und dann kassieren sie im 2. Spiel gegen die Schweiz in der 60. Minute das Gegentor zum erneuten Rückstand. Theoretisch ist das der Moment, in dem sie schon anfangen müssen, offensiv auf mindestens den Ausgleich zu gehen. Ganz praktisch bedeutet das im derzeitigen Modus nur, dass sie das dritte Gruppenspiel beim Außenseiter mit 3 Toren Unterschied gewinnen sollten, wenn sie vor der Mannschaft, die alle Spiele mit 0:0 beendet, liegen wollen. 2 knappe Niederlagen bedeuteten früher das vorzeitige Aus. Jetzt ist es gar keine so schlechte Ausgangslage für den letzten Spieltag, wenn man am letzten Spieltag gegen den krassen Außenseiter der Gruppe antreten darf. Das wird beeinflussen, wie viel Risiko die Mannschaften am 2. Spieltag gehen.

Dazu könnten, als Bawful Bonus Feature, ausgerechnet Algerien und Österreich die "Schande von Gijon" nachspielen. Also das ist das letzte Gruppenspiel. Der Topfavorit in der Gruppe ist Argentinien, die sollten alle 3 Spiele gewinnen. Der krasse Außenseiter ist Jordanien. Algerien und Österreich dürften also am letzten Spieltag um Platz 2 kämpfen. Aber sie dürften auch genau wissen, mit welcher Niederlage sie trotzdem in die K.O. Phase einziehen würden. Also wenn wir davon ausgehen, dass beide gegen Jordanien gewinnen und gegen Argentinien verlieren. 

Kroatien gegen Ghana findet unter ähnlichen Voraussetzungen statt. Persönlich würde ich niemanden einen Vorwurf machen, wenn er lieber die knappe Niederlage verteidigt, um in die K.O. Phase einzuziehen. Und der Zyniker in mir hofft auf einen richtigen Nicht-Angriffspakt. Das ist die einzige Variante, wie wir diesen Scheiß mit den besten Gruppendritten wieder loswerden.

Auch qualitativ hat dieses Turnier ein riesiges Problem. Und versteht mich nicht falsch: die, aus rein europäischer Sicht, Gurkenspiele gehören dazu. Also nicht nur die erwartbaren Schützenfeste, die auch schon relativ langweilig werden. Sondern die Anti-Klassiker wie Haiti - Schottland. Nachts um 3. Ich werde mir das so was von reinziehen... Jordanien gegen Algerien morgens um 5. Die Krankschreibung ist schon eingereicht. Chef ich kann nicht, ich musste die ganze Nacht lang Fußball gucken...

Und nochmal: Für die Fans in Haiti und Schottland werden vor den Fernsehgeräten hängen. Die kommen ja anscheinend beide nicht ins Land rein... Aber das ist die historische Chance auf den ersten WM-Sieg der Verbandsgeschichte für Haiti. Für Schottland wäre es der erste Sieg bei einer WM seit 1990 und der vierte in der Geschichte. Solche Geschichten machen eine WM auch aus. Aber es muss halt auch einen gewissen Rahmen geben.

Also ganz konkret ein paar "richtig gute" Spiele, die dafür sorgen, dass wir Europäer und auch für das Spiel interessieren. Spielen, in denen 2 Mannschaften aus der Top 20 der Welt aufeinandertreffen. Und das ist jetzt nicht zu hoch angesetzt. Es muss ja nicht unbedingt direkt Deutschland gegen Spanien sein. 

Wir müssen da leider die aktuelle Fifa-Rangliste zur Hand nehmen, weil das ein historisch so irrelevantes Dokument ist, dass man die Rangliste von vor oder nach der WM 2022 nicht mehr findet. Bei diesem Turnier gab es nur eine Gruppe, in der nicht mindestens 2 "Top 20" Nationen aufeinandertrafen... weil Dänemark gerade aus dieser Top 20 gerutscht ist, nachdem sie die Quali für dieses Turnier verpasst haben. Es gab also genügend auch sportlich interessante Spiele. Und Deutschland und Belgien mussten 2 Top 10 Nationen schon nach der Gruppenphase die Heimreise antreten.

Jetzt werfe ich mal eine dreiste These in den Raum: Aus den Top 20 werden nur Italien und der Iran die K.O. Phase verpassen. Warte, was, der IRAN hat Dänemark aus der Top 20 verdrängt? Damn.

Aber damit ist Iran - Belgien eines von 3 Top 20 Duellen. Die anderen sind Niederlande - Japan und Brasilien - Marokko. 3 von 72 Spielen ist ganz schön dürftig. Und hier kommt direkt das nächste Problem: Während das einzige Top 10 Duell Brasilien - Marokko normalerweise hochbrisant wäre, weil der Verlierer am 2. Spieltag mächtig unter Zugzwang steht, ist es jetzt ja relativ egal... weil halt wie erwähnt viel zu viele Gruppendritte weiterkommen. Marokko muss am Ende nur hoch gegen Haiti gewinnen... oder gerade so gewinnen und ein Unentschieden gegen Schottland holen.  

Auf der anderen Seite haben wir die schon erwähnte Gruppe aus Kanada, Bosnien-Herzegowina, Qatar und er Schweiz. Die Schweiz ist da plötzlich der Favorit auf den Gruppensieg. Das ist, bei allem Respekt, eine Nation, die noch nie ein K.O. Spiel bei einer WM gewinnen konnte. Die sollten jetzt als Gruppensieger gegen einen dieser besten Gruppendritten antreten.

Das Grundproblem der Gruppenphase lässt sich ja ganz einfach verdeutlichen: Das wird eine 72 Spiele Dauerbeschallung auf fußballerisch bescheidenem Niveau... und am Ende scheiden 16 Mannschaften aus. Da dürfte selbst für Deutschland mal wieder die K.O. Phase drin sein...

Deswegen denkt ja zum Beispiel Kanada darüber nach, ob sie Alphonso Davies die gesamte Gruppenphase lang schonen wollen. Und deswegen sollte es auch kein Problem sein, dass Manuel Neuer kein einziges Vorbereitungsspiel gemacht hat. Denn wenn es für Curacao und die Elfenbeinküste nicht reichen sollte, wird das nicht an der mangelnden Spielpraxis des Torhüters liegen. Ganz realistisch gesehen hat man jetzt noch 2 Vorbereitungsspiele, bevor das Turnier so langsam Fahrt aufnimmt.  

Erst ab dem Achtelfinale geht es dann richtig los. Also da dürfte Deutschland als Gruppensieger gegen Frankreich spielen... oder wenn sie nur 2. werden gegen Brasilien. Da muss man schon ein bisschen von Lospech reden, da hätte es einfachere Wege gegeben. Aber selbst ein strategischer 2. Platz wird einem keinen einfacheren Weg bereiten. Wenn man bedenkt, dass irgendwer gegen den Gewinner des Spiels USA - Iran im Achtelfinale antreten muss... und das ist nur eines von 4 Sechzehntelfinalen, in dem 2 Gruppenzweite aufeinander treffen.

Aber jetzt, wo ich das so beschrien habe, werden wahrscheinlich Deutschland UND Frankreich nur Gruppenzweiter und treffen dann schon vor dem Achtelfinale aufeinander. Nur um mich zu widerlegen. 

Jedenfalls ist ja der eigentliche Punkt, dass dieses ideale Achtelfinale Deutschland - Frankreich das 89. Spiel der WM ist. Und bis zu diesem Achtelfinale ist alles Vorspiel.

Natürlich wird die endgültige Einordnung des Turnieres erst mit den Achtelfinalspielen beginnen. Aber das Geplänkel vorher ist schon extrem lang und zäh. Und auch das trägt halt dazu bei, dass ich noch so gar nicht in WM Stimmung bin. Muss ich aber auch gar nicht sein, denn das eigentlich spannende Turnier beginnt ja erst in 89 Spielen...   

Mittwoch, 10. Juni 2026

WM Vorschau: Ich war noch nie so wenig Bock auf eine WM

Das letzte Mal war der politische Diskurs wenigstens halbwegs interessant. 3 1/2 Jahre später wissen wir aber, dass Sportswashing halt funktioniert und niemand nach der WM weiterverfolgt hat, wie das mit den Menschenrechten in Qatar jetzt weitergeht. Und dieses "niemand" schließt ja auch mich mit ein. Dass so ein Fußballturnier irgendwie die Welt verbessern und die Zustände vor Ort verändern können, wurde auch dank Russland eindeutig widerlegt. 

Wobei dieses Turnier jetzt für mich ja schon ein finaler Belastungstest ist: Ist eine Fifa-WM wirklich too big to fail? Denn dieses Mal gibt es ja kein Sportswashing, sondern Turbokapitalismus im Endstadium. Die Welt zu Gast bei Abzockern. Jetzt ist es natürlich einfach, den Städten Vorwürfe zu machen, wenn sie die Bahntickets von der Innenstadt zum Stadion von 12 Dollar auf 105 Dollar erhöht haben... Bis einem dann bewusst wird, dass das die einzige Möglichkeit für die Stadt ist, den Spaß zu refinanzieren. Denn von den restlichen 11 Milliarden bekommen sie halt nichts ab. Denn bei diesem Turnier zocken sich ja alle Gegenseitig ab... und am Ende gemeinsam die Fans.

Die Fifa zahlt wie immer nichts dafür, dass sie dieses Turnier austragen. Aber anders als in Deutschland gibt es auch kein halbwegs vernünftiges Steuersystem, welches dafür sorgt, dass zumindest ein Teil der Umsätze, die diese WM so machen wird, auch bei den Kommunen ankommt.

Das muss man sich nochmal vor Augen führen: Die Fifa hat völlig absurde Ticketpreise UND völlig absurde Parkplatzpreise aufgerufen... aber von dem Geld bleibt dann nichts vor Ort hängen. Dennoch wird man hinter mit dem heftigsten Gewinn und den größten Umsatz aller Zeiten prahlen. Nun ist das natürlich ein USA-Problem, welches uns aber nur verdeutlicht, wie kaputt dieses Land ist. 

Der entscheidende Unterschied zu Qatar: Der gemeine, politisch desinteressierte Fan kann diese Probleme nicht einfach ignorieren. Also um das nochmal zu verdeutlichen: Ein Finalticket Kategorie 1 kostete damals 1390 Euro. Jetzt gibt es die billigsten Finaltickets für 1759 Euro... Und die gelten nicht als Fahrschein. Die Dollars für die Anreise kommen da noch dazu. Dazu dürften die Hotelpreise eskalieren...

Aber da scheint es schon das erste Problem zu geben... denn der große Ansturm bleibt anscheinend aus. Denn dies wird ein Turnier werden, dass sich die Mittelschicht einfach nicht mehr leisten kann. Also außer man lebt in New York, die haben einen Sozialisten gewählt. Da ist jetzt also Land unter und man kann für 50 $ eine WM Spiel erleben... inklusive Bahnfahrt. Fair.

Aber kann so eine WM funktionieren, wenn die großen Fangruppen ausbleiben, weil sie sich dieses Fest einfach nicht mehr leisten können? Kann da überhaupt Stimmung entstehen?
Eine meiner Lieblings-Fußball-Erfahrungen war ja sowohl 2006 als auch 2024 einfach entspannt vom Marktplatz zum Stadion zu laufen und zu genießen, wie die Fans sich und ihre Mannschaften feiern. Das hab ich gerade beim Conference League Finale wiederholen dürfen. Aber wie soll das funktionieren, wenn die WM Stadien in Kleinstädten liegen? Wenn die Tickets zum Stadion dann so absurd viel Geld kosten, dass einfach hinfahren und feiern keine Option ist?

Da frage ich mich ernsthaft, ob es überhaupt Fans gibt, die ohne Ticket einfach nur die Stadt belagern und dort dann 2-3 Tage feiern. Wenn alles, was eine WM so besonders macht, ausfällt, ist es dann noch eine WM?
Und ja, das Best-Case-Szenario wäre halt eine WM mit mauer Stimmung vor halbleeren Rängen. Denn nur dann könnte sich vielleicht doch noch mal was ändern.

Viel Schlimmer: Das Turnier sollte eigentlich mit einer Triggerwarnung kommen. Also buchstäblich, denn die ganze Nation hat ja den Finger am Abzug.
Die Bedrohung, dass irgendein durchgeknallter die WM nutzt, um wild um sich zu ballern, ist viel zu real. Auch das muss man sich vor Augen führen: Dass der WM Monat ohne Amoklauf abläuft, ist statistisch ausgeschlossen. Denn es gab dieses Jahr schon mehr als 150 davon. 23 mit 4 oder mehr Toten. Könnt ihr euch noch an Columbine erinnern? Es ist mittlerweile so "normal" geworden, dass das in den deutschen Nachrichten gar nicht mehr auftaucht. Es bleibt zu hoffen, dass es zwischen den Amokläufen, die in diesem Land zum Alltag gehören, und den Fanfesten genügend räumlicher Abstand besteht.

Aber jetzt haben die unbehandelten Psychopathen auf einmal die Chance auf eine ganz große Bühne... Lustiger (oder doch eher rassistischer?) Weise macht sich das Kicker-Sonderheft Sorgen darum, dass es im Rahmen des allgemeinen Drogenkrieges in Mexiko zu Vorfällen kommen könnte. Die Tagesschau berichtete vor 4 Monaten. Dass in den USA jeder 15. schon mal einen Amoklauf live erleben durfte, muss man dagegen beim MDR suchen... Nebenbei ist ja auch nicht absehbar, ob ein "Linker", der seine Arztrechnung nicht bezahlen kann, durchdreht... oder ein ICE Agent und MAGA Fanatiker frei dreht. Das Land ist tief gespalten und die Lage hochbrisant. Und da haben wir den senilen Rassisten im Weißen Haus noch gar nicht erwähnt...

Ganz ehrlich: Ich hoffe inständig, dass das ein "PassivesAbseitsLeserwissenesexklusiv" wird. Aber der Rest hat sich ja dafür entschieden, dieses Problem komplett zu ignorieren. Ich will wenigstens offen die Daumen drücken, dass nichts passiert.
Auch hier muss man nochmal den Vergleich zur WM in Qatar ziehen: Solange man da nicht zur LBGTQ+ Community gehörte, war das nicht nur eine günstige, sondern auch eine verdammt sichere WM. Gut, man musste sich damit arrangieren, den Scheiß nüchtern zu gucken, aber das dürfte ja eher zu allgemeinen Sicherheit beigetragen haben. 
Jetzt... ich sage das mal so: Wenn man sich das Turnier vor Ort anguckt, sollte man sich vorher irgendwie darauf vorbereiten, wie man im Falle eine Eskalation reagiert. Die Einheimischen haben da einen klaren Vorteil, für die ist das quasi zum Schulfach erhoben worden...

Das dürfte nebenbei auch Teil des "Bauchgefühls" sein, von dem Rudi Völler gerade gesprochen hat, nachdem der Schiedsrichter aus Somalia nicht einreisen durfte. Wenn ich mit Rudi Völler übereinstimme, muss die Lage wirklich extrem sein...

Und ganz nebenbei führt das Gastgeberland auch noch einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen ein Teilnehmerland. Hier ist ein apokalyptisches Szenario für die Fifa: Wenn die USA und der Iran jeweils 2. in ihrer Gruppe werden, treffen die im Sechzehntelfinale aufeinander. Das dürfte dann das erst mal sein, dass 2 gegeneinander Krieg führende Nationen bei einer WM aufeinandertreffen... aber zum Glück ist der Sport ja unpolitisch... 

Freitag, 5. Juni 2026

Passives Abseits vs Investoren Teil 2: 1860 München. The Final Edition

 Vielleicht motivieren mich ja die aktuellen Ereignisse, endlich diese Serie in Gang zu bringen. Oder mein allgemeines Desinteresse in Sachen Weltmeisterschaft führt dazu, dass ich im Sommer nur dieses Projekt angehe.

Aber zunächst mal muss man kurz festhalten: Wieso schafft es der DFB eigentlich nicht, seine Regularien anzupassen und etwas fairer zu gestalten. Also die einfachste Variante zumindest etwas den Wind aus der "Die Meister müssen aufsteigen" Debatte zu nehmen, wäre es doch, die Meister wenigstens aufsteigen zu lassen, wenn einer Mannschaft die Lizenz entzogen bekommt. 

Also das ist jetzt ja kein einmaliger Vorfall. Es passiert allein 1860 München bereits zum 2. Mal nach 2017. Dazu kommen wir gleich. Dazu kommen Türkgücü München (2021/22), VfR Aalen (2018/2019) und Kickers Offenbach (2012/2013). Als Bonusfeature eröffnete Carl Zeiss Jena die Drittligahistorie mit einem Lizenzentzug. Man hatte genügend Anlässe, um eine entsprechende Anpassung vorzunehmen.

Und ja, es ist lustig, weil es Lok Leipzig trifft. Trotzdem ist der einzige Grund, warum die jetzt nicht aufsteigen dürfen, das Regelwerk des DFBs. Die könnten da problemlos reinschreiben: Wenn einem Verein die Lizenz entzogen wird, rückt als Erstes der in den Aufstiegsspielen gescheiterte Verein nach. Wenn 2 Vereinen die Lizenz entzogen wird, hält der 17. die Klasse.

Aber zurück zum Chaos in München. Die haben es Mal wieder verkackt und müssen zum 2. Mal in die Regionalliga. Alles nur, weil dieser böse Investor den Verein kaputt gemacht hat. Oh, warte... Ismaik hat den Verein de facto 2017 gerettet und nicht verdammt. Ohne den hätte man den Weg von Lok Leipzig einschlagen und in der Kreisklasse neu starten müssen. Der Verein konnte, zumindest in erster Instanz, durch den Investor überleben. Nur durch den Investor. Der hat also die Tradition bewahrt.

Nur ist leider das Chaos Teil dieser Tradition. Und deswegen passt das halt auch zur Vereinsgeschichte, wenn sie sich an einen chaotischen Investor verkaufen. Deswegen gelten sie ja auch weiterhin als Traditionsverein. 

Ich habe bereits in der "alten Serie" darüber geschrieben, wie absurd es ist, dass 1860 weiterhin als Traditionsverein gilt, nachdem sie ihre Seele verkauft haben. Und ich habe auch direkt nach dem Einstieg zusammengefasst, wie kaputt das da alles ist und das es garantiert nicht gut gehen wird. #PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher.

Das Problem daran: Der gemeine Fan, der sich nicht wirklich mit dem Verein auseinandersetzt, kann jetzt mit dem Finger auf das Scheitern zeigen und laut brüllen "Guckt mal! Investoren sind Scheiße! Ein Hoch aufs 50+1!" 
Und die 60er selbst können sich einreden, dass es ja nur an diesem Scheiß-Investor liegt. Dabei sprechen die "Legenden" des letzten Lizenzentzuges deutlich davon, dass es eben nicht nur an dem Investor lag. Es gibt genügend Leute aus dem direkten Vereinsumfeld, die mindestens genauso viel Schuld haben...

Vor allem hat der Verein es ja ganz Alleine geschafft, sich in die Situation zu manövrieren, in der ein Ishmaik die letzte Option war. Man muss das nochmal festhalten: Die Optionen damals lauteten: Entweder wir lassen uns auf einen offensichtlichen Scharlatan ein, oder wir lösen den Verein auf. Man hat sich bei der Wahl zwischen Cholera und Pest für die falsche Option entschieden.

Vielleicht würde der neu gegründete Verein ohne Ismaik mittlerweile ebenfalls in der Regionalliga spielen. Das wäre zumindest im Rahmen des Möglichen. Nur wäre das auch das realistische Limit für sie gewesen: mit dem Fansupport in der 4. oder 3. Liga rumgurken. Es gibt genügend Beispiele von Traditionsvereinen, die dort ihre Nische gefunden haben. Aber bei 1860 wurde weiterhin lieber groß geträumt. Also entschied man sich für den Investor, der von der Champions League redete.

Jetzt bleibt aber die Frage: War es wirklich etwas Schlechtes, dass der Investor den Verein weitere 15 Jahre am Leben erhalten hat? Es gab ja die 10 % Chance, dass das vielleicht doch gut geht. Und man hatte ja dieses Jahr nochmal das klare Ziel, mit seinem Elitekader aufzusteigen. Das hat man halt verkackt. Das ist eine Frage, auf die selbst die 1860-Ultras keine klare Antwort finden werden... Und vor allem ist es eine Antwort, die sie vor 15 Jahren mit "Wir gehen diesen Weg mit" beantwortet haben. Denn die Fans hätten dem ganzen ja ganz schnell ein Ende machen können, wenn sie den United of Manchester Weg gegangen und ihren eigenen Gegenverein gegründet hätten. Man hat sich aber lieber an der Illusion festgehalten, dass der eigene Verein doch überlebt... und das der alte Glanz zurückkommt.

Im Wesentlichen lernen wir hier eine Sache: Kaputte und chaotische Vereine bleiben kaputte und chaotische Vereine. Ein Investor schafft es nicht, diese Vereine mit ihren Strukturen magisch zu heilen und in ein seriös geführtes Konstrukt zu verwandeln.

Aber ein seriöser Investor hätte 1860 ja auch nicht mit der Kneifzange angefasst. Allein schon, weil er das Millionengrab Allianz-Arena mit eingekauft hätte. Und so großartig dieses Stadion für die Bayern ist... für den kleinen Verein war es quasi der Sarg. Da haben dann all die Verantwortlichen seit dem Abstieg aus der Bundesliga ihre Nägel reingehämmert. Und Ismaik hat das unvermeidbare "Den Deckel drauf machen" nochmal 15 Jahre rausgezögert.

Jetzt mögen optimistische Fans behaupten: Genau deswegen brauchen wir 50+1! Um solche Vereine vor fiesen Investoren zu schützen. Ihr wollt also im Wesentlichen Vereinen helfen, denen nicht zu helfen ist. Gute Idee.

Wobei... sowohl 1860 als auch ihr "Brother in Crime" KFC Uerdingen beweisen ja, dass solche Vereine trotz 50+1 diesen fiesen Investoren auf den Leim gehen. Diese Regel führt nur dazu, dass das ganze noch viel chaotischer wird. Diese Vereine aber als Argument gegen Investoren anzubringen, funktioniert nur, wenn man einen sehr begrenzten Horizont hat. Denn die Wurzel des Problems sind nicht die externen Investoren, sondern die chaotischen Strukturen innerhalb des Vereins.

Donnerstag, 28. Mai 2026

Erinnert ihr euch noch an den März?

 An diese eine ominöse Woche, in der wir uns alle gefragt haben, ob die Premiere League vielleicht gar nicht so gut ist. Der Kicker schrieb damals von "Riesen-Problemen". All das, weil man seine Hinspiele nicht komplett dominiert hat.

Alle muss man natürlich wieder mal relativieren. Ein kleines gallisches Dorf hat damals schon darauf hingewiesen, dass das eine absurde Überreaktion ist. #PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher

2 Monate später hat diese so krass schwächelnde Premiere League schonmal 2 der 3 europäischen Wettbewerbe gewonnen. Nur das Lospech verhinderte nebenbei, dass wir ein rein englisches Finale in der Europa League erleben durften, da Aston Villa im Halbfinale auf Nottingham Forest traf.

Das wäre nebenbei das 2. rein englische Finale infolge gewesen. Hierbei muss eines dringend bedacht werden: Die Premiere League stellt lediglich 2 Teilnehmer in diesem Wettbewerb. Das bedeutet: Das letzte Mal, dass eine "europäische" Mannschaft einen Teilnehmer aus England aus diesem Wettbewerb kegeln konnte, war im Viertelfinale 2024Atalanta Bergamo besiegte überraschend Liverpool und Bayer Leverkusen setzte sich gegen West Ham United durch. Das ist verdammt lange her.

Nebenbei haben die Engländer sich 3 der 5 Conference League Titel geholt. Und es ist ja nicht mal so, dass das zwingend die "Superreichen Scheichklubs" sind, die diese Wettbewerbe gewinnen. Es ist eher so, dass selbst Teams wie Tottenham und Nottingham, die in der Premiere League im Abstiegskampf stecken, trotzdem in Europa unbesiegbar sind. Der Abstand dieser Liga zum Rest ist einfach nur krass.

Im Wesentlichen gibt es so 5 Vereine, die in der Champions League mit den besten Mannschaften aus England mithalten können: Paris St. Germain, Real Madrid, Barcelona, Bayern und Atlético Madrid. Vielleicht noch Inter Mailand, aber deren 2 Finalteilnahmen kamen nur zustande, weil man den Engländern in der K.O. Phase aus dem Weg gehen konnte... Aber Ehre, wem Ehre gebührt: Die haben Arsenal in der Gruppenphase geschlagen. Dieses Jahr gab es aber 2 Niederlagen. Borussia Dortmund konnte bei seinem überraschenden Finaleinzug ebenfalls den Engländern in der K.O. Phase aus dem Weg gehen. Und gewann 2 Mal gegen Newcastle United

Mittlerweile wäre es einfach eine Sensation, wenn eine englische Mannschaft gegen Dortmund ausscheidet. Das muss man einfach mal so anerkennen.

Nebenbei muss der AFC Bournemouth plötzlich als Favorit auf den Europacup Titel geführt werden. Das ist quasi deren FC Augsburg. Aber wer soll die realistisch stoppen, außer der AFC Sunderland? Es ist einfach nur krass, wie die Premiere League gerade nochmal eskaliert. Die einzige gute Nachricht ist ja, dass Aston Villa sich doch auch über die Liga für die Champions League qualifiziert hat. So bleibt uns eine weitere Saison mit 6 Champions League Startern erspart. Lucky us.

Aber hier muss man nochmal festhalten: Für Bournemouth und Sunderland ist der Weg über die Europa League in die Champions League der einfachere... Kein leichter, da man ja doch auf Milan, Juventus oder Bayer Leverkusen treffen kann, aber der einfachere...

Und es gibt ja keinerlei Anzeichen, dass sich das irgendwie wieder einpendelt. Der Abstand der Premiere League zum Rest wird nur weiter wachsen. Für Crystal Palace ist es eben kein Problem, einen Jean-Philippe Mateta aus Mainz zu verpflichten. Für Mainz ist es aber schwierig, einen halbwegs vergleichbaren Ersatz zu finden. Und so wird das jetzt jeden Sommer weitergehen. 

Vor allem sollte man sich dessen bewusst sein, falls es wirklich mal eine einzige Runde in der K.O. Phase gibt, wo nicht alles nach Plan läuft. Oder falls es wirklich mal das eine Jahr gibt, in dem die Liga "nur einen einzigen" Halbfinalisten stellt. Das würde eine absolute Ausnahme sein.

Gerade die jetzt neue Dominanz in der Europa League ist ja schon faszinierend. Also den Wettbewerb hatten die Engländer halt immer sehr stiefmütterlich behandelt. Da schickt man seine B-Elf und guckt, wie weit man kommt. Man hat dem FC Sevilla seine Dominanz dort gegönnt. Lasst die doch spielen. Jetzt hat man sich doch 4 der letzten 10 Titel gesichert. Vorher gab es eine Phase, in der man tatsächlich nur einen von 15 Titeln geholt hat. Ich prognostiziere mal: So eine lange Durststrecke wird diese Liga nie wieder erleben.

Mittwoch, 27. Mai 2026

Passives Abseits Hall of Shame: Wolfsburg verspielt alle Sympathien...

Doch, wirklich. Und ich hätte auch nicht gedacht, dass da geht.

Also stellt euch mal vor, ihr bastelt euch einen Millionenkader. Also ganz praktisch bastelt ihr euch ein Transferminus von 50 Millionen in 2 Jahren. Dann holt ihr euch noch einen jungen und aufstrebenden Trainer, der das Potenzial dieses Kaders zu entfalten.

Anstatt um den Einzug in die Conference League zu kämpfen, verkackt man den Saisonauftakt. Aber gut, dass ein neuer, junger Trainer nicht funktioniert kann ja passieren, auch wenn es kein gutes Licht auf den Entscheidungsprozess im Sommer wirft. Das Paul Simonis Projekt wurde so schon nach 10 Spieltagen auf Platz 14 abgebrochen. Und man entschied sich für die logische Variante: Der Beförderung des Jugendtrainers Daniel Bauer. Bis zur Winterpause ist das ja auch OK. Und der Dead Coach Bounce führte ja auch zu 7 Punkten in 3 Spielen. Aber das 3:4 zum Jahresausklang gegen den SC Freiburg machte jetzt nicht unbedingt Mut für die Rückrunde. Trotzdem entschied man sich dann doch dafür, dem jungen Trainer diesen offensichtlich schwierigen Kader langfristig anzuvertrauen, auch wenn es da schon Anzeichen gab, dass das nicht die Dauerlösung sein wird.

Das klappte natürlich nicht. Es gab nur einen Sieg in 10 Spielen und somit musste man die nächste Notlösung auspacken. Und die war noch uninspirierter als die letzte: Dieter Hecking. Spätestens da war klar: Das ist ein faszinierender Autounfall. Heckings Zeit als Bundesligatrainer ist halt seit 10 Jahren vorbei. Der hat es schon letzte Saison geschafft, einen Abstieg zu betreuen. Da wird er das doch bestimmt dieses Jahr wieder hinbekommen.

Trotzdem ging ich davon aus, dass Wolfsburg sich schon noch retten wird. Denn die Konkurrenz war ja alles andere als Angst einflößend. Ganz praktisch rettete Werder Bremen sich mit einem Sieg in den letzten 7 Spielen. In Köln sammelte man 1 Sieg in den letzten 11 Spielen. Das waren jetzt keine hohen Hürden, die man irgendwie überwinden musste.

Wolfsburg selber holte in der gesamten Rückrunde halt nur 2 Siege, also musste man in die Relegation. Das ist zwar emotional anstrengend, aber in 9 von 10 Fällen gewinnt das der Bundesligist. Das sollte also auch machbar sein. Man hat ja mehr Geld auf der Bank sitzen, als die Paderborner in den gesamten Kader gesteckt haben. Also um das mal ganz praktisch vorzurechnen: Für die Einwechselspieler Paredes, Wind, Lindström, Shiogai und Amoura alleine hat der VfL Wolfsburg in der Summe 43,75 Millionen Euro an Ablöse und Leihgebühr bezahlt. Der Paderborner Kader ist insgesamt 40 Millionen Euro wert... Um es drastisch auszudrücken: Selbst der Hamburger SV hat das am Ende immer hinbekommen.

Das sind jedenfalls die "Vorleistungen" der Wölfe vor der Relegation. Dann schafft man es im Hinspiel vor den eigenen Fans ein Spiel anzubieten, bei denen sich der neutrale Zuschauer fragt, welche Sportart das eigentlich sein sollte. Zitat aus dem Kicker-Ticker: "Ansonsten bietet das Relegationshinspiel wenig Anlass zur Aufregung, beide Mannschaften scheuen das Risiko."

Aber daran hat es ja nicht gelegen. Die allgemeine Reaktion nach dem Relegationsrückspiel war dann ein "ABER DER SCHIEDSRICHTER!" Wenn der nur etwas mehr Fingerspitzengefühl gezeigt hätte, wäre Wolfsburg noch in der Bundesliga.

Und da keiner von den Medien sich das traut, sage ich das jetzt so: Alter, fickt euch! 

Selbst wenn die erste Gelbe Karte ganz schön hart war. Dann muss ich als Profi meine Spielweise anpassen und kann nicht so in den Zweikampf gehen, wie Maehle das direkt danach macht. Deswegen verdient man ja Millionen Euro im Jahr. Allein schon die Schuld für den Platzverweis beim Schiedsrichter zu suchen und nicht direkt anzumerken, dass der eigene Spieler sich da unfassbar dumm anstellt, ist grenzwertig.

Aber nach so einer Saison mit dem Finger auf den Schiedsrichter zu zeigen, ist einfach nur erbärmlich. Kein "Wir haben es halt nicht geschafft, das in 34 Spieltagen zu regeln." 
Und natürlich ist es ein bisschen unfair, dass Dieter Hecking so direkt und als Erstes darauf angesprochen wird. Aber er ist auch ein sehr erfahrener Trainer. Er hätte das Interview mit einem "Wir sind nicht heute und damit nicht wegen dieser einen Schiedsrichterentscheidung abgestiegen, sondern weil wir vorher in 35 Spielen richtig schlecht waren." anfangen können. Also wenn seine Erfahrung schon auf dem Platz wenig bis nichts gebracht hat, dann hätte er sie doch wenigstens im Umgang mit den Medien nutzen können.

Auch Diego Benaglio zeigt wenig Reflextion und Selbstkritik, sondern schaut lieber in Richtung Schiedsrichter. Ich zumindest habe aus Wolfsburg noch kein einziges Eingeständnis des eigenen Versagens gehört. 

Im klassischen VW Stil wird Dieter Hecking für seine tragende Rolle im erfolgreichen Projekt Abstieg befördert. Vom Trainer zum Geschäftsführer. Das Lustigste daran: Den "seine Trainerkarriere wäre dann wohl vorbei" Satz gab es 2020 schon, als er in Nürnberg diese Rolle übernahm... und am Ende scheiterte. Realistischer wäre da doch eher ein "Und damit hat der VfL Wolfsburg auch schon eine passende Notlösung da, falls man für den Aufstieg einen Interimstrainer braucht"... 

Aber nur um das nochmal festzuhalten: Wenn Dieter Hecking in Nürnberg einen guten Job als Geschäftsführer gemacht hätte, wäre er schon nicht in Bochum als Trainer zurückgekehrt. Wenn Hecking seinen Job dort ordentlich gemacht hätte, wäre er nie als Trainer für die Wolfsburger verfügbar gewesen. Wenn er jetzt die Mission Klassenerhalt geschafft hätte... Aber dieses 3fache Versagen hat ihn jetzt die Beförderung eingebracht. So sieht ein vernünftiger Neuanfang aus...

Nachtrag: Wir müssen natürlich von einem 4fachen Versagen sprechen, weil Dieter Hecking ja die Saison als Trainer in Bochum begonnen hat und nach einem Sieg aus 5 Spielen entlassen wurde... Aber hey, vielleicht ist es auch ein Fortschritt, dass Wolfsburg immerhin nicht den Trainer Dieter Hecking behält...

Donnerstag, 21. Mai 2026

Rapid Reaction zur verwirrenden Kadernominierung

 Ist das noch "Schnell", wenn man erst auf die Nominierungen wartet und dann reagiert? 

Hauptsächlich bin ich ja verwirrt, dass Julian Nagelsmann nach 3 Jahren im Amt die Kommunikation so verkackt. Also das ist ja ein moderner, immer noch junger Trainer. Das bedeutet, der hat mehrere Medienberater. Und das ist ja auch nicht sein erstes Turnier.

Dass er die Deniz Undav Situation so schlecht vermittelt hat, war schon bemerkenswert. Dass er jetzt bei der Kadernominierung wieder so bescheiden kommuniziert, muss einen einfach verwundern. Dabei geht es nicht mal so sehr um die Manuel Neuer Rückkehr. Dazu kommen wir gleich. Aber dass der Kader so scheibchenweise geleakt wurde, ist wirklich ungewöhnlich. Wobei das lustigste das falsche Leak zur Said El Mala war.

Nur um das nochmal festzuhalten: Diesen Prozess zu moderieren und kontrollieren ist quasi die wichtigste Aufgabe für Nagelsmann zwischen den Turnieren. Und da ist er ganz sachlich gescheitert.

Aber kommen wir mal zu Oliver Baumann und Manuel Neuer. Hier muss man fairerweise sagen, dass Nagelsmann nur verlieren konnte. Das Neuer der beste Deutsche Torhüter ist, stellt ja kaum jemand infrage. Falls doch: An durchschnittlichen Tagen ist der immer noch besser als Baumann. An den herausragenden Tagen ist er deutlich besser. Diese herausragenden Tage werden seltener, aber es gibt sie noch.

Wenn ihr euch nebenbei fragt, was passiert ist... nun ja, das Spiel Hoffenheim - Stuttgart. Denn da wurde deutlich, dass Baumann derzeit eher der drittbeste Torhüter im Land ist. Als Nummer 1 in dieser Torhüternation muss er da 2 der Gegentore verhindern.

Was mich jetzt am meisten verwirrt, ist ja das "Baumann hat ja die Qualifikation gespielt, der hat sich das verdient!" Argument. Hier ist das Grundproblem: Baumann hat diese Quali nur gespielt, weil Marc-André ter Stegen verletzt ausfiel. Jetzt tun aber alle so, als wäre es 2 Jahre lang der Plan gewesen, mit Baumann ins Turnier zu gehen.

Und natürlich hat Nagelsmann vor der Neuer-Rückkehr versucht, Baumann stark zureden. Aber das war ja auch alternativlos. Genaugenommen hat aber schon die Positionierung pro ter Stegen deutlich gemacht, dass man Baumann nur bedingt zutraut, so ein großes Turnier zu spielen. Erst im April wurde wirklich deutlich, dass man nicht mit ter Stegen planen kann. Im Januar hat er ja extra den Verein gewechselt, damit er die nötige Spielpraxis bekommt, um als Nummer 1 ins Turnier zu gehen. Trotzdem tun jetzt viele so, als wäre Baumann 2 Jahre lang der unumstrittene Stammtorwart gewesen.

Nebenbei muss man auch mal festhalten, dass dieses "Er hat uns als sicherer Rückhalt durch die Qualifikation geführt" absolut nichts Beeindruckendes ist. Das hätte Michael Zetterer wahrscheinlich auch geschafft. Also Zetterer ist laut Kicker-Noten der schlechteste Torhüter der Saison, deswegen nehme ich ihn. Nebenbei... stand Baumann bei der Niederlage in der Slowakei zum Auftakt im Tor. Das war jetzt nicht primär seine Schuld, aber "er hat uns Stabilität verliehen" sieht irgendwie anders aus. Und wir müssen nochmal festhalten, dass es nicht darum geht, die Luxemburg oder Nordirland hinter sich zulassen, sondern Spanien und Frankreich zu schlagen. Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass Baumann in so einem Spiel den Unterschied ausmachen kann.

Hinter der ganzen Debatte steht natürlich wieder die Überhöhung der Bundesliga. Denn es tun jetzt alle wieder so, als würde Nagelsmann einen Weltklasse-Torhüter auf die Bank setzen, weil Baumann eine starke Hinrunde in der besten Liga der Welt gespielt hat. Dabei hat er, realistisch gesehen, nur eine durchwachsene Rückrunde in einer guten, aber international von den Bayern getragenen, Liga gespielt. Und ich sage das mal so: Es ist kein Zufall, dass Baumann noch nie seine Leistungsvermögen auf dem allerhöchsten Champions League Niveau nachweisen konnte und durfte. Und es ist auch kein Zufall, dass er eine Teilnahme an diesem Wettbewerb zum Saisonende verspielt hat. Fun Fact: bei seiner einzigen Teilnahme dort hat er in 6 Spielen 14 Gegentore kassiert. Baumann ist halt "nur" ein guter Bundesligatorwart. Nicht mehr und nicht weniger. Aber das reicht halt nicht, um zwingend im Tor der deutschen Nationalmannschaft zu stehen. 

Denn das letzte Mal, dass "wir" "nur einen guten Bundesligatorhüter" zu einem Turnier im Kasten hatten, war... 1998 mit Andreas Köpke. Der ist da aber auch die absolute Anomalie. Es gab sonst keinen guten Torhüter, der sich konstant für die falschen Vereine entschieden hat, wie Köpke. Danach gab es Kahn, Lehmann und Neuer. Davor gab es Illgner, Schumacher und Meier. Die haben zusammen 11 Europacup-Siege geholt. Und Toni Schumacher als einziger, der sonst keinen internationalen Titel holen konnte, stand zumindest im UEFA-Cup Finale. Er verlor gegen Real Madrid
Baumann ist, bei allem Respekt, halt eher auf Augenhöhe mit Eike ImmelOliver Reck und Timo Hildebrandt. Alles keine schlechten Torhüter, aber eben nicht gut genug, um Deutschland in ein wichtiges Turnier zu führen. 

Zurück zu Neuer: Der hat halt auch einen völlig absurden Erfahrungsschatz. Er weiß als einziger im Kader, wie man eine WM erfolgreich bestreitet... UND wie man sie verkackt. Er ist der einzige Torhüter, für den es völlig normal ist, in einem wichtigen K.O. Spiel zu stehen und dort abzuliefern. Darauf zu verzichten, wenn Neuer selber Bock hat, wäre schon leichtsinnig.

Und das dümmste Argument ist die fehlende Abstimmung. Denn Baumann ist der einzige Hoffenheim Spieler im Kader. Neuer spielt dagegen Tah, Kimmich, Pavlovic, GoretzkaMusiala und Karl zusammen. Das sind nebenbei alles Spieler, die, wenn sie offen und ehrlich antworten würde, die Rückkehr von Neuer begrüßen dürften. Also falls sich jemand fragt, wie "die Mannschaft" das aufnehmen wird... es gibt da einen relativ großen Bayern Block und nur ganz wenige Spieler, die eine bedingungslose Loyalität zu Baumann haben. Die meisten werden froh darüber sein, dass Neuers Rückkehr ihre Chance auf einen Weltmeistertitel erhöht.

Und natürlich ist es nicht mehr ausgeschlossen, dass Neuer doch einen haltbaren Ball durchlässt. Oder dass er Arda Güler ein Tor vorlegt. Aber das wahrscheinlichste Szenario bleibt, dass neuer ein solides bis starkes Turnier hinlegen wird. Während bei Baumann das realistische Limit bei "solide" liegen würde. 
Ganz sachlich gesehen hat Nagelsmann da alles richtig gemacht. Er hat nach dem verletzungsbedingten Ausfall der eigentlichen Nummer ein ter Stegen seinen Ersatzmann öffentlich stark geredet. Aber als sich dann die Möglichkeit eröffnete, den besten deutschen Torhüter zu nominieren, hat er zugeschlagen. Denn am Ende geht es nicht darum, Baumann's Seele zu streicheln, sondern die bestmöglichen deutschen Kader zu nominieren.

Nebenbei bin ich ja relativ sicher, dass diese "Rückkehr zu Turnieren" relativ normal werden wird. Also Toni Kroos hat das ja vor ziemlich genau 2 Jahren auch schon vorgemacht. Da hat nebenbei niemand rumgeheult, dass irgendein "Quali-Spieler" seinen Stammplatz räumen musste. Der Rahmenterminkalender wird halt immer extremer. Dass da die Ü30 Spieler relativ frühzeitig sagen, dass sie statt der Qualifikation lieber in den Ski-Urlaub fahren, sollte niemanden überraschen. Dass es bei diesen Spielern dann aber wieder richtig kribbelt, wenn das Turnier vor der Haustür steht, überrascht aber auch nicht. Der einzige Grund, warum dies jetzt so hochkocht, ist der Fakt, dass wir die Torhüterposition irgendwie anders behandeln, als Feldspieler.
Aber wenn sich jetzt der Innenverteidiger vorm Torwart ändert, machen wir uns irgendwie weniger Sorgen... 

Montag, 18. Mai 2026

Der langweiligste und der spannendste letzte Spieltag seit...

 Nun ja... seit langem.

Also lasst uns mal eines kurz festhalten: Der Bundesliga-Abschluss war von gähnender Langeweile geprägt. Und das ist das Schlimmste, was einer Liga passieren kann.

Um das mal ganz praktisch festzuhalten: Es gab nur eine einzige Veränderung in der Tabelle: Der Hamburger SV hat 2 relativ belanglose Tabellenplätze verloren, weil man nur Unentschieden gespielt hat. Weder im Abstiegskampf, noch im Kampf um die europäischen Plätze, gab es irgendwelche relevanten Veränderungen. 
Das letzte Mal ist uns ähnliches in der Saison 2017/18 passiert. Damals überholte immerhin Hoffenheim die Dortmunder. Das war auch irrelevant, weil Dortmund trotzdem 4. wurde. Und dann haben wir noch den letzten Spieltag der Saison 2013/14, an dem sich buchstäblich gar nichts an der Tabelle geändert hat...

Aber hier ist das lustigste: Selbst in der Saison ist in der 2. Halbzeit mehr passiert, als dieses Jahr. Denn Bayer Leverkusen erzielte sein zwingend benötigtes Siegtor in der 53. Minute
Und 2017/18 fehlte Leverkusen in der 90. Minute nur 2 Tore, um Dortmund noch von Platz 4 zu verdrängen. Man kassierte stattdessen 2 Tore, aber halt auch, weil man gnadenlos auf den eigenen Treffer ging und das Verteidigen einstellte.

Dieses Jahr war alles sehr früh entschieden. Weil sich auch alle Kandidaten so dumm wie möglich anstellten. Der berechnendste Satz kommt aus dem Kicker-Ticker zum Spiel Eintracht Frankfurt - VfB Stuttgart: "Selbst wenn Stuttgart das Spiel hier noch komplett aus der Hand geben sollte, würde die CL-Qualifikation nach aktuellem Stand dennoch klar sein. Gladbach führt 3:0 gegen Hoffenheim, Leverkusen kommt aktuell nicht über ein Unentschieden gegen den HSV hinaus." 

Das war der Status in Sachen Champions League: Hoffenheim legte eine ultimative "Macht ihr das mal" Leistung. Leverkusen übte ebenfalls keinerlei Druck aus. Also konnte Stuttgart ganz entspannt den 2-Tore-Vorsprung verspielen... 

Im Sinne der Gleichberechtigung schloss sich der FC Augsburg den Hoffenheimern an und verlor ebenfalls 0:4... Und RB Leipzig entschied sich gegen einen vernünftigen Saisonabschluss und verlor mit 1:4 gegen Freiburg. Damit war auch "Das Rennen" um die Conference League frühzeitig entschieden. Also gut, endgültig wird das am Mittwoch entschieden. Aber Spannung sieht auf jeden Fall anders aus.

Nebenbei zeigte das Spiel in Freiburg auch eines dieser Grundprobleme des letzten Spieltages. Denn oftmals spielen Mannschaften, für die es um alles geht, gegen sorglose Mannschaften. In Leipzigs Fall führte dies dazu, dass man David Raum schonte... Ich hab mal kurz in den Spielplan von RB geguckt. Da steht nichts mehr im Kalender. Raum wurde buchstäblich geschont, damit er sich vor der WM nicht noch verletzt.
Ich will Raum da auch gar keinen Vorwurf machen, aber es verdeutlicht halt, wie unterschiedlich die Herangehensweise an so einen letzten Spieltag oftmals ist. Denn selbst wenn Raum gespielt hätte, dann doch mit einer "Hauptsache ich verletze mich nicht" Einstellung.

Aber kommen wir zum eigentliche Gewürz: dem Abstiegskampf. Der musste ja episch werden. 3 punktgleiche Mannschaften! Und auch ein fast identisches Torverhältnis. Aber Heidenheim kassierte vor der Pause 2 Gegentore und war damit praktisch frühzeitig raus.

Dann kam der große Auftritt von Nikola Vasilj. Der ist für mich der Spieler des Spieltages. Note 0,5. Denn Vasilj war der beste Verteidiger des FC St. Pauli. Er hielt seine Mannschaft mit mehreren guten Paraden im Spiel. Gleichzeitig war er der beste Angreifer von Wolfsburg und hatte bei den wichtigsten Toren der Saison seine Finger im Spiel. Der beste Spieler für beide Mannschaften zu sein, hat so noch niemand geschafft. 
Mein persönliches Highlight war, wie Vasilj am Ende bei einer Ecke nach vorne stürmte. Denn was im eigenen Strafraum brandgefährlich ist, muss ja auch am anderen Ende des Platzes funktionieren...

Wenn man sich ein wenig und kritisch mit Fußball beschäftigt, war das Spiel nach 38 Minuten entschieden. Denn St. Pauli ist sachlich gesehen offensiv einfach zu schwach, um 2 Tore in 45 Minuten zu erzielen. Sie haben halt 29 Tore erzielt... und absurderweise 5 dieser Tore gegen Borussia Dortmund. 2 Treffer in einer Halbzeit erzielte man zuletzt am 23. Spieltag gegen Werder Bremen. Seitdem schaffte man es auch nicht mehr, 2 Tore in einem Spiel zu erzielen. Das St. Pauli also plötzlich 2 Tore erzielt, anstatt weiterhin kollektiv einen auf "Gomez der Woche" zu machen, war praktische ausgeschlossen. Spätestens das 2:1 in der 64. machte definitiv den Deckel drauf.

Wer also nicht eingeschaltet hat, hat nichts verpasst.

Also vergleichen wir das mal mit dem Aufstiegsrennen in der 3. Liga. Dort erzielte Rot Weiß Essen in der 92. Minute den entscheidenden Treffer zum Aufstieg zur Relegation. Und direkt danach traf Bulic in Duisburg den Pfosten. Ein Treffer dort hätte Essen wieder auf Platz 4 geschubst. So sieht ein spannendes Finale aus.

All das wurde dann noch von der 2. Liga getoppt. Das war mal eine Konferenz. Also fangen wir im völlig absurden Abstiegskampf an: Fürth konnte mit dem 3:0 Sieg gegen Düsseldorf auf den Relegationsrang springen. Wenn Fürth noch ein 4. Tor erzielt hätte, wäre das der direkte Klassenerhalt gewesen. Wenn Düsseldorf stattdessen das 1:3 erzielt hätte, wären die wieder an Fürth vorbeigezogen. Das macht die letzte Szene, in der Kastenmeier vorne mitmischt und Hrgota dann den Ball nicht ins leere Tor bekommt, so intensiv.
Arminia Bielefeld machte in der 2. Halbzeit einen gewaltigen Sprung von Platz 17 auf Platz 13, weil die Hertha nach einer ordentlichen ersten Halbzeit den Betrieb komplett einstellte.

Und im Aufstiegskampf kassierte Hannover in der 83. Minute den schmerzhaften Treffer, der ihnen die Teilnahme an der Relegation kostete. Das Spiel endete 3:3.

Diese anderen Ligen verdeutlichten nochmal, wie absurd langweilig das Bundesliga-Finale war. Mir ist ja bewusst, dass ich mit so Sätzen wie "Das schlechteste" oder "Das schlimmste" häufig um mich werfe. Aber dieses Jahr stimmt es definitiv.

Nebenbei sichert Wolfsburg sich den Klassenerhalt mit 2 Siegen in der gesamten Rückrunde. Also klar, nur die Relegationsteilnahme, aber da setzt sich beinahe immer der Bundesligist durch. Werder Bremen feiert den Klassenerhalt mit 4 sieglosen Spielen infolge. In Köln sind es 5... und nur 1 Sieg aus den letzten VIERZEHN Spielen. Also falls noch jemand irgendwelche Beweise braucht, dass die Mannschaften da unten, abgesehen von Heidenheim, wirklich komplett unfähig waren. Heidenheim waren die einzigen, die sich in den 8 Spielen wirklich gegen den Abstieg gewehrt hatten... Also in 7 der letzten 8 Spiele, am 34. Spieltag sind sie dann doch eingebrochen...

Alles in allem wird man über diese Saison wohl nie wieder sprechen. Es gab eine langweilige, frühzeitig entschiedene Meisterschaft und einen weitgehend emotionslosen Abstiegskampf. Für die Liga bleibt zu hoffen, dass dies die Ausnahme bleibt.

Montag, 11. Mai 2026

Simpson-Pusey gibt den Skeptikern dann Recht

Also am Samstag gab es ja den erwartbaren Stillstand,. VfL Wolfsburg dachte sich wahrscheinlich: Wenn wir einfach nicht das 1:0 schießen, schalten die Bayern auch nie den Gang hoch. Dann erzielen die keine 5 Tore und wir sind in der komfortablen Ausgangssituation, die wir haben wollen. 

Und St. Pauli hat sich wenigstens ein wenig bemüht, ist aber auch einfach nicht gut genug, um RB Leipzig ernsthaft herauszufordern.

Also feierte der 1. FC Köln den Klassenerhalt am Samstagabend auf der Couch. Oder im Club. Leihspiele Jahmai Simpson-Pusey feierte auf jeden Fall so heftig, dass er das Anschwitzen verpasste und deswegen aus dem Kader gestrichen wurde. Ob er dieses Anschwitzen auch verpasst hätte, wenn die Kölner zeitgleich mit der Konkurrenz gespielt hätten? Oder, um es an einem anderen Beispiel festzumachen, ob die Kölner dann auch Dominique Heintz und Florian Kainz vor dem Spiel verabschiedet hätten? 

Für mich persönlich stehen solche Verabschiedungen ja auch immer für einen gewissen Spannungsabfall. Wolfsburg selbst hat ja bewusst darauf verzichtet, weil man solche Aktionen nicht bringt, wenn man mitten im Abstiegskampf steckt. 

Köln sichert sich nebenbei stilecht den Klassenerhalt mit einem Sieg aus 13 Spielen. Das macht diese ganze Geschichte zur einen Hypothese, denn die sind derzeit einfach die schlechteste Mannschaft der Bundesliga. Aber dass man diesen Spekulationen Tür und Tor öffnet, ist schon bedenklich.

Wie schlimm das Enden kann, hat nebenbei die Regionalliga gezeigt. Dort einigten sich Greifswald und Lok Leipzig nach 85 Minuten auf ein Unentschieden und stellte jegliches Fußballspielen ein. Beide Mannschaften wussten aufgrund der Ergebnisse vom Vortag, dass ihnen das für den Moment reicht. Auch wenn ich das von der Loksche ganz schön entspannt finde, schließlich sind sie jetzt punktgleich mit Carl Zeiss Jena und müssen am letzten Spieltag gewinnen. Obwohl man nur eines der letzten 5 Spielen gewinnen konnte. So kann man die Aufstiegsspiele auch boykottieren.

Das eigentliche Highlight kommt vom NOFV-Präsident Hermann Winkler. Der warf den beiden Mannschaften "unsportliches, unfaires Verhalten" vor. Dass er selbst den Spielplan, der dieses Szenario ermöglicht hat, abgesegnet hat, blendet er einfach komplett aus.
Du willst, dass sich die Mannschaften in der Schlussphase nicht "absprechen"? Dann setze die letzten Spieltage zeitgleich an und dieses Problem kommt nicht auf. Aber es ist leichter, den Spielern Vorwürfe zu machen, anstatt sich selbst zu hinterfragen.

Aber zurück in den Bundesliga-Abstiegskampf. Denn dank der Heidenheimer, die sich ja als einzige gegen den Abstieg wirklich wehren, haben wir jetzt das spannende Szenario, dass bei St. Pauli gegen Wolfsburg beide Mannschaften gewinnen müssen. Das ist für den neutralen Zuschauer eine großartige Situation. Stellt euch wirklich mal vor, die DFL würde diese beiden Spiele am Samstag um 18:30 anpfeifen. Da würde ich mir ein VPN für kaufen...

Wie ernst der Rest der Liga den Abstiegskampf nehmen, konnte man ja Yukinari Sugawara erkennen. Der dachte sich anscheinend: "Jetzt, wo das mit dem Klassenerhalt quasi durch ist, kann ich mich ja auf die WM konzentrieren, da hole ich mir mal eine Rote Karte ab"... in der 2. Minute. Mit einem fiesen Tritt gegen den Ivorer Bazoumana Touré. Spielen die während der WM gegeneinander? Dabei spielt die Elfenbeinküste nur gegen Deutschland

Das sportliche Highlight des Spieles war aber das 1:0 der Hoffenheimer nach einer schnell ausgeführten Ecke. Der Balljunge spielte da mal wieder eine entscheidende Rolle. Der Unterschied zu RB Leipzig ist halt: Wenn das Werder passiert (oder Hoffenheim so macht) interessiert das keine Sau. Im Kicker-Ticker wird aber nur von einer schnell ausgeführten Ecke gesprochen. Und hinterher gibt es diese Perle: "Was für ein gebrauchter Nachmittag bislang für die Bremer, die sich zwei katastrophale Aussetzer erlaubten und nun mit einem Mann weniger 0:1 zurückliegen. Ansonsten ist der Auftritt ganz ordentlich." Also abgesehen davon, dass es Scheiße war, war es gar nicht schlecht.

Jedenfalls sehen wir hier, dass der Vorgang am letzten Wochenende, über den sich plötzlich so aufgeregt wurde, wirklich eigentlich ganz normal ist. Besser kann man nicht verdeutlichen, wie künstlich die Aufregung letzte Woche wirklich war... 

Freitag, 8. Mai 2026

Und das wichtigste verkackt die DFL

 Ihr hattet eine Aufgabe... einen vernünftigen Spielplan zu erstellen. Und stattdessen beschäftigt ihr euch mit den Abständen der Bälle neben dem Spielfeld. Gut, dass die Prioritäten richtig gesetzt wurden.

Worum geht es? Nun ja, um den Abstiegskampf. Und um die Ansetzungen im Abstiegskampf. Denn die haben es tatsächlich geschafft, dass St. Pauli, Wolfsburg und Heidenheim alle zu unterschiedlichen Zeiten spielen. Heidenheim spielt sogar erst am Sonntag. Und da muss ganz offen die Frage gestellt werden: Warum?

Also die 3 Mannschaften spielen gegen RB Leipzig, Bayern und den 1. FC Köln. Dass diese 3 Mannschaften am 32. Spieltag tief im Abstiegskampf stecken, sollte niemanden überraschen. Dass die 3 Gegner am Samstag um 15:30 Zeit hätten, steht seit dem 17.05.2025 fest... also da hat Leipzig mit der Niederlage in Stuttgart die Teilnahme an der Conference League verpasst. Was schon absurd ist, denn das wäre ja die Chance auf ein "Finale Heeme" gewesen. Mit Hermes House Band auf dem Fanfest...

Aber seit diesem Tag steht fest, dass keine der Gegner am Donnerstag im Europacup spielen würde. Der eigentliche Spielplan wurde natürlich erst am 2.6. veröffentlicht.  Die finalen Ansetzungen wurden am 27.03. festgezurrt. Da war Heidenheim noch weit abgeschlagen. Aber dass St. Pauli und Wolfsburg steckten mitten im Abstiegskampf. Zusammen mit den Kölnern. Und Werder Bremen

Da ist doch das naheliegendste, dass diese 5 Mannschaften die 4 Partien am Samstagnachmittag austragen. Ernsthaft, das ist eigentlich ein Skandal. Es sollte ein viel größeres Thema sein und von wesentlich mehr Leuten als nur dem Fanbündnis "Unsere Kurve" kritisiert werden.

Gerade die Konstellation zwischen St. Pauli und Wolfsburg ist völlig absurd. Die trennt ja wirklich nur das Torverhältnis. Die Wölfe werden im Zweifelsfall genau wissen, welches Niederlage sie sich gegen die Bayern leisten können. Es kann also sein, dass die am Ende krampfhaft ein 0:5 verteidigen, weil sie genau wissen, dass dann am letzten Spieltag ein Unentschieden reicht.

Das diese beiden Mannschaften nicht zeitgleich spielen, ist unentschuldbar. Ich sage das mal ganz drastisch: Wer immer das zu verantworten hat, sollte dringend in eine Position befördert werden, in der er keine aktiven Funktionen mehr hat...

Dabei, das will ich an der Stelle nochmal festhalten, bin ich sogar ein großer Freund von den aufgeteilten Spieltagen zum Saisonende. Wenn man das clever machen würde, könnte man sicherlich mehr TV Gelder rausholen, ohne dass man, wie in der Relegation, den Wettbewerb verzerrt.

Das müsste aber nach klaren und nachvollziehbaren Regeln passieren. Also:
1.) Die Europacup Teilnehmer spielen Sonntag.
2.) Die Abstiegskandidaten spielen zeitgleich.
3.) Die Bayern spielen zeitgleich... also eigentlich wollte ich hier "Die Meisterschaftsanwärter" schreiben, es sind aber halt die Bayern.
4.) Um die Mannschaften, die in den Europacup einziehen, baut man den Rest.

Und dann verkauft man an Sky und DAZN die Rechte für die entsprechenden Konferenzen. Und selbst wenn dann die Abstiegs- und die Europacup-Konferenz am Ende gleichzeitig stattfinden müssen, könnte man eine extra Konferenz, die nur diese Spiele zeigt und nicht zum belanglosen Sommerfußball schalten muss, bestimmt gut verkaufen.

Die Logik dahinter ist grundsolide. 1.) Die Ruhetage zwischen den Spielen müssen gewahrt werden. 2.) Der Abstiegskampf gilt nicht zu Unrecht als "Existenzkampf". Da hängt, solange man kein Harakiri wie Dortmund zur Jahrtausendwende betreibt, das meiste dran. 3.)Der Meistertitel ist ja der eigentliche Grund, warum wir den ganzen Spaß machen. Und 4.) das Rennen um die Europacup-Plätze ist zumindest in der Theorie der unterhaltsamste Teil. Aber für die meisten wäre eine Teilnahme "nur" ein Bonus-Feature und nicht die Grundlage ihrer Existenz.

Dafür nimmt man sich im Zweifelsfall die Tabelle vom 25.03.. Die letzten 5 packt man, in die Samstagskonferenz. Die Mannschaft auf Platz 3 bis 5 in die 18:30 Champions League Konferenz. Und die Mannschaften auf den Plätzen 6 bis 8 spielen am Sonntag. Und wenn eine der Mannschaften aus den späteren Konferenzen auf eine aus den früheren trifft, so hat die frühere Priorität. Das kann dann natürlich dazu führen, dass der Tabellensechste schon weiß, welches Ergebnis er braucht, aber das ist, verglichen mit der derzeitigen Situation im Abstiegskampf, ein harmloses Problem.

Also ganz praktisch: Am Samstag um 15:30 spielen RB Leipzig - St. Pauli, Wolfsburg - Bayern, Köln gegen Heidenheim und vielleicht noch Hoffenheim gegen Bremen.

Dann freut man sich darüber, dass das ausbleibende Meisterrennen alles einfacher macht und setzt zu 18:30 als Gegenprogramm zur Sportschau die Fernduelle um die Champions League an. Hoffenheim - Bremen (was dann tatsächlich nur um ein paar Stunden verschoben werden müsste, der Aufwand wäre also überschaubar) und Stuttgart Leverkusen. Und am Sonntag spielen, möglichst sogar zeitgleich, Hamburg - FreiburgDortmund - Frankfurt und Augsburg - Gladbach. Und dann kann man den belanglosen Sommerkick zwischen Mainz und Union Berlin sogar noch auf den Freitag legen.  Plötzlich hätte man ein echt spannendes Fußballwochenende, an dem der neutrale Fußballfan von Samstag bis Sonntag vor der Glotze hängt...

Am letzten Spieltag spielen dann alle am Samstag, aber man bastelt sich trotzdem 2 Konferenzen. Eine um 15:30 für die ganzen Europacup-Teilnehmer und eine um 18:30 um Wolfsburg, St. Pauli und Heidenheim. Und wenn mehr Mannschaften im Abstiegskampf stecken, als im Europa Cup Rennen, tauscht man das. Falls es jemals wieder ein spannendes Meisterschaftsrennen gibt, legt man das auf 18:30. Wenn das ganze aufgrund von Überschneidungen nicht aufgeht, macht man eine 15:30 Konferenz, verkauft aber die Rechte für die einzelnen "Unter-Konferenzen" an die entsprechenden Anbieter.

Wenn die Fernsehsender weiter denken, als von der Wand zur Tapete, wird ihnen auffallen, dass sie natürlich das eine oder andere Einzelspiel verlieren. Dafür können sie dann aber die entsprechenden Pakte an betroffene Fans verticken. Also von dem Special "Abstiegspaket" würden sie bestimmt an die 3 Wolfsburg-Ultras verkaufen. Obwohl, das sind ja Drillinge, die werden sich ein Abo teilen. Schlechtes Beispiel. Aber in Stuttgart würde man das "Wir begleiten den VfB im Rennen um die Champions League" Angebot super an den Fan bekommen. 

Die Fans werden natürlich erstmal heulen. Weil die immer heulen, wenn sich irgendwas ändert und weniger Spiele um 15:30 angepfiffen wird. Aber für die wäre das praktisch eine Verbesserung. Man könnte sich als Einstimmung auf sein eigenes Finish vorher den Abstiegskampf angucken und dann zum von der Kneipe ins Stadion ziehen. Oder man kann sich während des Abstiegsfrustsuffs noch angucken, wie andere Mannschaften um ihre Ziele kämpfen. Und der neutralen Zuschauer, dessen Mannschaft nur noch mit Sommerfußball beschäftigt wäre, kann sich beide Konferenzen nacheinander reinziehen und den kompletten Impact des Saisonfinales genießen, während er jetzt in der eher hektischen 9 Spiele Konferenz verloren geht.

Natürlich bräuchte diese Idee eine gewisse Flexibilität. Und das haben wir Deutsche halt nicht. Also wahrscheinlich würde alleine die Polizei eine kurzfristige Verlegung vom Hoffenheim - Bremen Spiel verhindern, weil sie dafür ihre Dienstpläne neu schreiben müssten. Das geht ja gar nicht.

Nur um zu beweisen, dass das aber geht: Die Premiere League hat das Spiel Chelsea - Nottingham kurzfristig auf Montag 16 Uhr angesetzt. Das wirkt wie eine ungewöhnliche Anstoßzeit, bis einem bewusst wird, dass der Montag in England ein Feiertag war. Anstatt dogmatisch darauf zu beharren, dass am Montag um 16 Uhr kein Fußball gespielt werden darf, haben sie einfach den Feiertag genutzt. Und am Ende generieren sie auch aufgrund solcher Aktionen einfach mehr Umsatz, als die Bundesliga. Für die Fans im Stadion ist jetzt 16 Uhr an einem Feiertag auch eher eine Verbesserung der Lage, weil auch die Gästefans entspannt hin und zurückkommen.

Natürlich muss man die komplette Kommerzialisierung der Premiere League nicht unbedingt als Vorbild nehmen. In Deutschland ist es ja irgendwie wichtig, dass man den Schein wahrt und so tut, als wäre Profifußball nicht der reinste Kommerz... auch wenn trotzdem alle das dreckige Geld nehmen, um den Spaß zu finanzieren.

Aber eine potenzielle Aufsplittung der letzten beiden Spieltag wäre jetzt nicht das Ende der Bundesliga Romantik. Im Gegenteil, wenn man, wie hier dargelegt, die Regeln ordentlich festlegen würde, könnte man dadurch die gerade anstehende Wettbewerbsverzerrung verhindern.

Nebenbei finde ich 2 Dinge faszinierend: Einerseits dass es mit Mainz gegen Union nur ein einziges bedeutungsloses Spiel gibt. Es geht einerseits doch noch für mehr Mannschaften um etwas, als ich gedacht hätte. Und der Spielplan fällt so günstig, dass es nur in einem Spiel für beide Mannschaften wirklich um was geht. 

Andererseits haben die echt 3 Sonntagsspiele für den 33. Spieltag angesetzt. Und klar, mein Loblied auf den SC Freiburg muss noch geschrieben werden... aber gingen die echt davon aus, dass 3 von 4 deutschen Teilnehmern ins Halbfinale der Europa und Conference League einziehen? 

Das ist uns seit den 70ern nicht mehr passiert. Dass man dieses so extrem unwahrscheinliche Szenario bei den Verträgen beachtet, es aber nicht schafft, einen vernünftigen Spielplan zu erstellen, sagt viel über den Fokus der DFL aus...

Donnerstag, 7. Mai 2026

Und dann verteidigt Paris das ganz souverän runter

 Das dürfte niemand auf seinem Champions League Bingo gehabt haben: ein relativ langweiliges 1:0 nach 90 Minuten. Und dann noch ein Geniestreich von Harry Kane

Im Wesentlichen liefen die Bayern 90 Minuten lang einem 2-Tore-Rückstand hinterher. Und dann fiel ihnen viel zu wenig ein... dabei haben sie in den letzten 2 Wochen doch ausgiebig trainiert, wie man das macht. 
Und ja, wenn man die absurden Rückstände gegen Mainz und Heidenheim in diesem Kontext sieht, ergibt es auf einmal verdammt viel Sinn... die wollten sich einfach bestmöglich auf dieses Szenario in der Champions League vorbereiten. Die Bundesliga ist halt mittlerweile nur noch ein Trainingsplatz für den Rekordmeister...

Viel wichtiger ist natürlich, dass wir jetzt eine neue Auslegung der Handspielregel kennengelernt haben. Denn das ein Verteidiger seinen eigenen Mitspieler derart anschießt, war eigentlich nicht vorhersehbar. Und dass es dann keinen Elfmeter gibt, wusste anscheinend nicht mal Manuel Gräfe. Obwohl er formell gesehen nur behauptet, dass Joao Neves die Hand absichtlich dort hingehalten hat. Weil er ja verhindern wollte, dass der Ball geklärt wird... oder so.

Nebenbei könnt ihr jetzt tatsächlich seriösen Journalismus vom Clickbait unterscheiden. Hier muss man wirklich mal lobend Kicker.de erwähnen, die noch während des Spiels die Erklärung "druckten", warum es eben keinen Elfmeter gab. Andere verbreiten dagegen die auch noch gekürzte Aussage vom Gräfe, weil sie genau wissen, dass sie damit die getriggerten Kommentatoren anziehen... und nur darum geht es am Ende. Ich hacke ja viel und häufig auf dem Kicker rum, aber hier zeigte sich, dass sie halt doch nicht die Schlimmsten sind...

Man muss natürlich festhalten, dass die 2 Szenen in der 30. Minute sehr unglücklich für die Bayern waren. Aber ich nehme jetzt beim Handspiel mal die Gegenposition ein und hoffe an der Stelle mal, dass die IFAB da jetzt nicht einknickt. 
Für mich ist bei einer Regel ja immer wichtig, dass sie eindeutig und konstant umsetzbar ist. Das ist hier gegeben. Man könnte natürlich jetzt das Konzept auch auf den Kopf stellen und festlegen, dass das Spiel immer unterbrochen werden muss, wenn man die Hand eines Mitspielers anschießt. 
Aber wir haben jetzt auch den einen Moment abgegriffen, in dem das plötzlich relevant ist. Denn das man seinen eine Meidbewegung machenden Mitspieler im Strafraum an der Hand trifft, passiert halt höchstens ein Mal im Jahr. Eher noch seltener. 

Die Szene von Konrad Laimer ist verdammt schwer einzuordnen, weil es direkt danach halt noch den "Handelfmeter" gab. Es war halt so hektisch, dass man die entscheidende Wiederholung nicht zu sehen bekommt. Aber es könnte schon sein, dass Laimer minimal die Hand zur Hilfe nimmt, um den Ball zu kontrollieren. Ich sag das mal so: Wenn ein Pariser Angriff mit so einem Pfiff gestoppt wird, sind die Bayern Fans froh, dass der aufmerksame Schiedsrichter dies wahrgenommen hat...

Aber ich gebe den Bayern Fans, dass das sehr unglücklich lief. Also ich kann voll nachvollziehen, dass sich die Bayern Fans die nächsten 12 Monate darüber aufregen werden. Das waren schon schwer nachvollziehbare Entscheidungen.

An der Stelle muss man mal festhalten, dass es genau genommen nur einen einzigen Grund gab, warum das Spiel nur 1:1 ausging und kein Fußballfest wurde: Manuel Neuer entschied sich doch, an diesem Halbfinale teilzunehmen. Der entscheidende Kontext hier: Die ersten 6 Torschüsse, die Paris im Halbfinale abgab, waren allesamt drin. Danach zeigte Neuer dann plötzlich 4 gute bis sehr gute Paraden.

Das ist nebenbei das echt sonderbare am 40-jährigen Neuer: Hin und wieder kommt er noch an die alte überragende Form ran. Als Paradebeispiel sei hier das Hinspiel gegen Real Madrid genannt. Aber dann hat er, wie im Rückspiel des Viertelfinales, unterirdische Auftritte dabei. Und dazwischen ist er ganz häufig einfach nur ein menschlicher Torhüter.

Und versteht mich nicht falsch: Keiner der 6 Gegentreffer im Halbfinale waren "ein Torwartfehler". Aber Manuel Neuer von 2014 hätte trotzdem mindestens 2 dieser Tore verhindert. Eher 3. Neuer war halt der eine Torwart, der "unhaltbare Bälle abwehren" normal aussehen ließ. Jetzt haben sie "nur noch" einen guten Torhüter.

Was praktisch schlecht ist, denn in den letzten Wochen dürfte es deutlich geworden sein, dass Vincent Kompany einen überragenden Torhüter braucht, um seine Spielphilosophie auf höchstem Niveau umzusetzen. In der Bundesliga fällt das meistens nicht auf. Aber schon gegen Real kassierte man 4 Gegentore. Selbst gegen Atalanta Bergamo waren es 2. Genaugenommen stand die Null nur gegen Union Saint-Gilloise und Club Brügge. Insgesamt gab es 20 Gegentore in 14 Spielen. 

Und nur um festzuhalten, dass das kein Champions League Problem ist, sondern halt "nur" in der Champions League am Ende auffällt: Mainz hat in 2 Spielen 5 Tore gegen die Bayern erzielt... der SC Freiburg und Augsburg sind bei je 4. Selbst die eigentlich immer in Ehrfurcht erstarrenden Dortmunder kommen auf 3...
Kurzer Einschub: Da bin ich unsachlich und gemein. Die Dortmunder schießen allgemein überraschend viele Tore gegen die Bayern. Letztes Jahr waren es auch 3. Und in dem einen Jahr, wo sie wirklich nur 2 Tore erzielt haben, konnten sie mit diesen 2 Toren das Spiel sogar gewinnen. Und ganz ohne eigenen Treffer blieben sie zuletzt 2019/20... 

Aber dass die Bayern zu viele Gegentore kassieren, wurde viel zu lange einfach nur ignoriert, weil sich alle an der beeindruckenden  Offensivreihe berauscht haben. Aber am Ende spielt da immer noch ein Joshua Kimmich im Defensiven Mittelfeld... Und ein Upamecano, Tah, Laimer und Stanisic in der Viererkette. Das sind auch gute Spieler, keine Frage. Aber sie sind halt eine Klasse unter Kane, Musiala, Olise und Luis Diaz. Oder halt doch schlechter, als das, was Paris oder Arsenal auf diesen Positionen aufstellt. 

Ich habe mich davon ja selber auch blenden lassen, aber am Ende ist nur Bayerns Offensive wirklich auf dem Niveau eines Titelanwärters. Jetzt ist es natürlich spannend, ob die Bayern da im Sommer doch was machen.

Denn was die Bayern am Ende brauchen, ist ein Javi Martínez. Also ein defensiver Mittelfeldspieler, der wirklich defensiv denkt. Das eigentliche Problem an der Stelle ist aber: Man sucht damit de facto einen Nachfolger für Joshua Kimmich. Zumindest wenn man, wie ich, einem Aleksandar Pavlović zutraut, dass er für Jahre eine zentrale Rolle bei den Bayern übernehmen kann.

Kimmich hatte ja meiner Meinung immer das Problem, dass für ihn als Zentrumsspieler auf allerhöchstem Niveau die Luft dünn wird. Er schafft es nicht, in diesen Spielen als defensiver Stabilisator aufzutreten. Aber das Problem taucht halt nur in 5 Spielen im Jahr wirklich auf. Gegen Real, Paris und Arsenal London. In diesen 5 Spielen hat man aber 13 Gegentore kassiert... Das ist mehr als die Hälfte der gesamten Gegentore im Wettbewerb.

Ich finde es an der Stelle faszinierend, dass Kimmich laut Kicker Noten sowohl gegen Real als auch gegen Paris "gut bis ordentlich" gespielt haben soll. Und mit dem Ball hat er das auch. Aber als defensiver Stabilisator, was ja als Kapitän und defensiver Mittelfeldspieler auch sein Aufgabengebiet ist, hat er nicht funktioniert. Also um es drastisch auszudrücken: Kimmich musste hinterher am Mikrofon erklären, wie man 6 Gegentore in 2 Spielen kassieren konnte... aber auf die Idee, dass er selbst irgendwas mit diesen 6 Gegentoren zu tun haben könnte, kam niemand...

Und ja, in dem einen Jahr, in dem Kimmich die Champions League gewonnen hat, musste er als Rechtsverteidiger auflaufen. Nächstes Jahr werde ich das wieder auf dem Schirm haben.