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Donnerstag, 7. Mai 2026

Und dann verteidigt Paris das ganz souverän runter

 Das dürfte niemand auf seinem Champions League Bingo gehabt haben: ein relativ langweiliges 1:0 nach 90 Minuten. Und dann noch ein Geniestreich von Harry Kane

Im Wesentlichen liefen die Bayern 90 Minuten lang einem 2-Tore-Rückstand hinterher. Und dann fiel ihnen viel zu wenig ein... dabei haben sie in den letzten 2 Wochen doch ausgiebig trainiert, wie man das macht. 
Und ja, wenn man die absurden Rückstände gegen Mainz und Heidenheim in diesem Kontext sieht, ergibt es auf einmal verdammt viel Sinn... die wollten sich einfach bestmöglich auf dieses Szenario in der Champions League vorbereiten. Die Bundesliga ist halt mittlerweile nur noch ein Trainingsplatz für den Rekordmeister...

Viel wichtiger ist natürlich, dass wir jetzt eine neue Auslegung der Handspielregel kennengelernt haben. Denn das ein Verteidiger seinen eigenen Mitspieler derart anschießt, war eigentlich nicht vorhersehbar. Und dass es dann keinen Elfmeter gibt, wusste anscheinend nicht mal Manuel Gräfe. Obwohl er formell gesehen nur behauptet, dass Joao Neves die Hand absichtlich dort hingehalten hat. Weil er ja verhindern wollte, dass der Ball geklärt wird... oder so.

Nebenbei könnt ihr jetzt tatsächlich seriösen Journalismus vom Clickbait unterscheiden. Hier muss man wirklich mal lobend Kicker.de erwähnen, die noch während des Spiels die Erklärung "druckten", warum es eben keinen Elfmeter gab. Andere verbreiten dagegen die auch noch gekürzte Aussage vom Gräfe, weil sie genau wissen, dass sie damit die getriggerten Kommentatoren anziehen... und nur darum geht es am Ende. Ich hacke ja viel und häufig auf dem Kicker rum, aber hier zeigte sich, dass sie halt doch nicht die Schlimmsten sind...

Man muss natürlich festhalten, dass die 2 Szenen in der 30. Minute sehr unglücklich für die Bayern waren. Aber ich nehme jetzt beim Handspiel mal die Gegenposition ein und hoffe an der Stelle mal, dass die IFAB da jetzt nicht einknickt. 
Für mich ist bei einer Regel ja immer wichtig, dass sie eindeutig und konstant umsetzbar ist. Das ist hier gegeben. Man könnte natürlich jetzt das Konzept auch auf den Kopf stellen und festlegen, dass das Spiel immer unterbrochen werden muss, wenn man die Hand eines Mitspielers anschießt. 
Aber wir haben jetzt auch den einen Moment abgegriffen, in dem das plötzlich relevant ist. Denn das man seinen eine Meidbewegung machenden Mitspieler im Strafraum an der Hand trifft, passiert halt höchstens ein Mal im Jahr. Eher noch seltener. 

Die Szene von Konrad Laimer ist verdammt schwer einzuordnen, weil es direkt danach halt noch den "Handelfmeter" gab. Es war halt so hektisch, dass man die entscheidende Wiederholung nicht zu sehen bekommt. Aber es könnte schon sein, dass Laimer minimal die Hand zur Hilfe nimmt, um den Ball zu kontrollieren. Ich sag das mal so: Wenn ein Pariser Angriff mit so einem Pfiff gestoppt wird, sind die Bayern Fans froh, dass der aufmerksame Schiedsrichter dies wahrgenommen hat...

Aber ich gebe den Bayern Fans, dass das sehr unglücklich lief. Also ich kann voll nachvollziehen, dass sich die Bayern Fans die nächsten 12 Monate darüber aufregen werden. Das waren schon schwer nachvollziehbare Entscheidungen.

An der Stelle muss man mal festhalten, dass es genau genommen nur einen einzigen Grund gab, warum das Spiel nur 1:1 ausging und kein Fußballfest wurde: Manuel Neuer entschied sich doch, an diesem Halbfinale teilzunehmen. Der entscheidende Kontext hier: Die ersten 6 Torschüsse, die Paris im Halbfinale abgab, waren allesamt drin. Danach zeigte Neuer dann plötzlich 4 gute bis sehr gute Paraden.

Das ist nebenbei das echt sonderbare am 40-jährigen Neuer: Hin und wieder kommt er noch an die alte überragende Form ran. Als Paradebeispiel sei hier das Hinspiel gegen Real Madrid genannt. Aber dann hat er, wie im Rückspiel des Viertelfinales, unterirdische Auftritte dabei. Und dazwischen ist er ganz häufig einfach nur ein menschlicher Torhüter.

Und versteht mich nicht falsch: Keiner der 6 Gegentreffer im Halbfinale waren "ein Torwartfehler". Aber Manuel Neuer von 2014 hätte trotzdem mindestens 2 dieser Tore verhindert. Eher 3. Neuer war halt der eine Torwart, der "unhaltbare Bälle abwehren" normal aussehen ließ. Jetzt haben sie "nur noch" einen guten Torhüter.

Was praktisch schlecht ist, denn in den letzten Wochen dürfte es deutlich geworden sein, dass Vincent Kompany einen überragenden Torhüter braucht, um seine Spielphilosophie auf höchstem Niveau umzusetzen. In der Bundesliga fällt das meistens nicht auf. Aber schon gegen Real kassierte man 4 Gegentore. Selbst gegen Atalanta Bergamo waren es 2. Genaugenommen stand die Null nur gegen Union Saint-Gilloise und Club Brügge. Insgesamt gab es 20 Gegentore in 14 Spielen. 

Und nur um festzuhalten, dass das kein Champions League Problem ist, sondern halt "nur" in der Champions League am Ende auffällt: Mainz hat in 2 Spielen 5 Tore gegen die Bayern erzielt... der SC Freiburg und Augsburg sind bei je 4. Selbst die eigentlich immer in Ehrfurcht erstarrenden Dortmunder kommen auf 3...
Kurzer Einschub: Da bin ich unsachlich und gemein. Die Dortmunder schießen allgemein überraschend viele Tore gegen die Bayern. Letztes Jahr waren es auch 3. Und in dem einen Jahr, wo sie wirklich nur 2 Tore erzielt haben, konnten sie mit diesen 2 Toren das Spiel sogar gewinnen. Und ganz ohne eigenen Treffer blieben sie zuletzt 2019/20... 

Aber dass die Bayern zu viele Gegentore kassieren, wurde viel zu lange einfach nur ignoriert, weil sich alle an der beeindruckenden  Offensivreihe berauscht haben. Aber am Ende spielt da immer noch ein Joshua Kimmich im Defensiven Mittelfeld... Und ein Upamecano, Tah, Laimer und Stanisic in der Viererkette. Das sind auch gute Spieler, keine Frage. Aber sie sind halt eine Klasse unter Kane, Musiala, Olise und Luis Diaz. Oder halt doch schlechter, als das, was Paris oder Arsenal auf diesen Positionen aufstellt. 

Ich habe mich davon ja selber auch blenden lassen, aber am Ende ist nur Bayerns Offensive wirklich auf dem Niveau eines Titelanwärters. Jetzt ist es natürlich spannend, ob die Bayern da im Sommer doch was machen.

Denn was die Bayern am Ende brauchen, ist ein Javi Martínez. Also ein defensiver Mittelfeldspieler, der wirklich defensiv denkt. Das eigentliche Problem an der Stelle ist aber: Man sucht damit de facto einen Nachfolger für Joshua Kimmich. Zumindest wenn man, wie ich, einem Aleksandar Pavlović zutraut, dass er für Jahre eine zentrale Rolle bei den Bayern übernehmen kann.

Kimmich hatte ja meiner Meinung immer das Problem, dass für ihn als Zentrumsspieler auf allerhöchstem Niveau die Luft dünn wird. Er schafft es nicht, in diesen Spielen als defensiver Stabilisator aufzutreten. Aber das Problem taucht halt nur in 5 Spielen im Jahr wirklich auf. Gegen Real, Paris und Arsenal London. In diesen 5 Spielen hat man aber 13 Gegentore kassiert... Das ist mehr als die Hälfte der gesamten Gegentore im Wettbewerb.

Ich finde es an der Stelle faszinierend, dass Kimmich laut Kicker Noten sowohl gegen Real als auch gegen Paris "gut bis ordentlich" gespielt haben soll. Und mit dem Ball hat er das auch. Aber als defensiver Stabilisator, was ja als Kapitän und defensiver Mittelfeldspieler auch sein Aufgabengebiet ist, hat er nicht funktioniert. Also um es drastisch auszudrücken: Kimmich musste hinterher am Mikrofon erklären, wie man 6 Gegentore in 2 Spielen kassieren konnte... aber auf die Idee, dass er selbst irgendwas mit diesen 6 Gegentoren zu tun haben könnte, kam niemand...

Und ja, in dem einen Jahr, in dem Kimmich die Champions League gewonnen hat, musste er als Rechtsverteidiger auflaufen. Nächstes Jahr werde ich das wieder auf dem Schirm haben. 

Freitag, 20. März 2026

Der Einbruch der Engländer ist schon dramatisch.

 Richtig schlimm. In den Hinspielen konnte nur Aston Villa sein Spiel gewinnen. Das ist als Gesamtbilanz ungefähr so schlecht, wie die Bundesliga, für die nur die Bayern gewinnen konnten.

Und jetzt, nachdem die Rückspiele bestritten wurden, sind tatsächlich 4 Vereine ausgeschieden. Wie peinlich. Oder aber man stellt fest, dass mit Liverpool, Arsenal, Nottingham ForestAston Villa und Crystal Palace noch 5 Vereine international vertreten sind. Und dass die Engländer in der "Wer bekommt einen zusätzlichen Startplatz" Tabelle dem Rest meilenweit enteilt sind. Also man hat schon wieder unfassbare 4 Punkte Vorsprung vor der zweiten Nation, was derzeit die Spanier sind. Man kann sich im groben darauf einstellen, dass einer der beiden 5. Startplätze IMMER an die Engländer gehen wird.

Also es werden jetzt plötzlich Regeländerungen gefordert, weil es eben nicht sein kann, dass die maximal 6 Engländer in der Gruppenphase nicht aufeinander treffen können. Denn das führt zu absurden Einschränkungen, von denen am Ende die Engländer profitieren. Falls euch also irgendjemand einreden will, dass die Premiere League gerade schwächelt, müsst ihr dabei immer eines bedenken: Das Niveau, auf dem die Schwächeln, muss man erstmal erreichen.

Und natürlich muss man über die in der Champions League gescheiterten Mannschaften reden. Aber auch da ist der Kontext verdammt wichtig. Fangen wir mal mit den Tottenham Hotspur an. Die stecken, wie auch Nottingham, gerade im Abstiegskampf. Nicht nur das, sie beendeten die letzte Saison auf Platz 17 und damit direkt über dem Strich. Das ist also kein einmaliger, nicht zu erklärender Ausrutscher, sondern eher deren aktuelles Leistungsvermögen. Das ist ein wenig, als würde man Werder Bremen an der Champions League teilnehmen lassen. Glaubt irgendjemand, dass die besser aussehen würden, als Tottenham? Wenn selbst die an sich ja gut dastehenden Frankfurter in der Gruppenphase gescheitert sind?

 Dass sie trotzdem Champions League spielen durften, lag an ihrem Sieg in der Europa League. Das muss man an der Stelle dringend festhalten: Es könnte durchaus leichter sein, sich über den internationalen Titel zu qualifizieren, als über die englische Liga. Und das dürfte den Engländern mittlerweile auch aufgefallen sein.

Also "früher" haben die ja gerne mal eine B-Mannschaft in der Europa League aufgestellt. Mittlerweile bestreitet zumindest Aston Villa ihre K.O. Spiele mit der bestmöglichen Mannschaft. Bei Nottingham sieht das wahrscheinlich ein wenig anders aus, aber die stecken ja, wie auch Tottenham, tief im Abstiegskampf. Die haben also tatsächlich ihre komplette Startelf vom Wochenende auf die Bank rotiert.

Aber man muss hier nochmal festhalten: Die B-Elf eines Abstiegskandidaten in England kann immer noch mit einer dänischen Spitzenmannschaft mithalten. Am Ende werden die sich ärgern, dass sie sich im Elfmeterschießen durchgesetzt haben, weil sie eigentlich all ihre Energie in den Abstiegskampf stecken sollten...

Manchester City, Newcastle und Chelsea haben natürlich richtig auf den Sack gekriegt. Aber die haben auch gegen Real Madrid, Barca und Paris St. Germain gespielt. Sind wir uns wirklich sicher, dass die Bayern gegen diese Mannschaften so viel besser aussehen würden? Und versteht mich nicht falsch: Die Bayern wirken gerade richtig stark. Und sie haben Paris schon geschlagen. Aber das Spielzeug des Ölscheichs hat bereits nachgewiesen, dass sie im Frühjahr einige Gänge hochschalten können. Genauso wie Real das jedes Jahr nachweist. Und Barca spielt schon das ganze Jahr über begeisternden Offensivfußball.

Alle 3 sind gegen absolute Titelfavoriten ausgeschieden. Alle würden am Viertelfinale teilnehmen, wenn ihnen die Losfee Duelle mit Bodö/Glimt oder Lissabon beschert hätte. Das ist kein "Riesen-Problem" wie unter anderem der Kicker in seiner Schlagzeile nach dem Hinspiel behauptete. Das ist immer noch Jammern auf extrem hohen Niveau.

Aber das ist halt auch die hysterische Deutsche Presse und seine Experten. Also nur um das nochmal festzuhalten: Nach dem Hinspiel gegen Celtic hat Sami Khedira dem VfB Stuttgart eine Titelchance bescheinigt. Und der Kicker hat das gedruckt. Danach verlor der VfB direkt 3 Europacupspiele infolge und ist somit souverän ausgeschieden. 

Mittwoch, 18. März 2026

Der ganz normale Wahnsinn in Polen

 Also eigentlich sollte es "ganz normal" sein. 

Es haben sich ja schon einige mit der angeblich so absurden Saison und Situation in der polnischen Extraklasse beschäftigt. Alfie Pots Hammer von noch HITC Sevens zum Beispiel. Lustigerweise sind seinem Manager derartige Videos zu lang. Wir sollten sie also genießen, solange wir noch können.

Die aktuelle Saison ist noch knapper als sonst. Aber dass in Polen die Saison erst im Schlussspurt entschieden wird, ist relativ normal. 2022/23 wurde zuletzt die Meisterschaft frühzeitig entschieden. 2020/21 konnte zuletzt eine Mannschaft den Titel verteidigen

Das war nebenbei das Ende der Phase, in der Legia Warschau tatsächlich sehr dominant waren und 7 von 10 Meisterschaften gewinnen konnte. Legia war wirklich dicht dran, die Liga zu brechen und die absolute Dominanz zu erreichen. Aber ihnen fehlte dafür ein entscheidender Schritt.

Denn Legia Warschau hat in dieser Phase verpasst, sich in der Champions League einzunisten. Lediglich 2016/17 nahm man an der Gruppenphase teil, bekam also seinen Anteil der richtig fetten Fleischtöpfe. Man konnte aber nur ein einziges Spiel in der Gruppenphase gewinnen, bekam also wirklich nur die Antrittsprämie. Aber es gab ein beachtenswertes 3:3 gegen Real Madrid. In allen anderen Jahren scheiterte man in der Qualifikation.

Das bedeutet ganz praktisch: Die polnische Liga ist nicht "bekloppt", sondern eine der wenigen Ligen, die nicht durch die Millionen der Champion League kaputt gemacht wurde. Und vor der Einführung der Lizenz zum Gelddrucken waren alle Ligen so, wie die polnische gerade ist.

Praktisches Beispiel gefälligst? In der Bundesliga gab es in den 10 Jahren von 1990 bis 99 5 unterschiedliche Meister. Kaiserslautern und Dortmund wurden 2 Mal Meister. Werder Bremen und der VfB Stuttgart je einmal. Und die Bayern holten insgesamt 3 Titel. 

Im Jahr 2000 wurde dann die Gruppenphasen eingeführt. Das Teilnehmerfeld wurde auf 3-4 Mannschaften der Spitzenligen erweitert. Dadurch wurde nebenbei sichergestellt, dass Bayern auch in der Königsklasse mitspielt, wenn sie mal nicht Meister werden. Auch wenn dieser Schritt formell gesehen schon 1996/97 vollzogen wurde.  

Die logischen Konsequenzen: Während man in den 90ern noch 3 Mal am UEFA Cup teilgenommen hat, musste man seit der Jahrtausendwende nur ein einziges Mal beim "Cup der Verlierer", wie Franz Beckenbauer diesen Wettbewerb nannte, mitspielen. In allen anderen Jahren gab es immer das Königsklassengeld.
Wenig überraschend gewannen die Bayern in diesem Jahrtausend 19 von 26 Meisterschaften. Tendenz steigend. 

Das ist jetzt auch keine ganz neue Erkenntnis. Dass die Champions League die nationalen Ligen kaputt gemacht haben, ist ja irgendwie allen bewusst. In Spanien gab es in den letzten 20 Jahren nur noch 3 unterschiedliche Meister. Halt die 3 großen mit Real, Barca und Atlético Madrid, die regelmäßig an der Champions League teilnehmen und dort auch weit kommen. In den 20 Jahren davor waren es mit Bilbao, Valencia, Deprotivo und den 3 großen noch 6 unterschiedliche Meister. In der Serie A sind sie froh darüber, dass die pure Dominanz von Juventus Turin am Ende durchbrochen wurde. Allerdings ist Inter da auf einem relativ guten Weg, eine neue Serie zu starten. Also die werden jetzt das 2 Mal in 3 Jahren Meister und haben zuletzt 2 Mal das Finale der Champions League erreicht. Sie haben also die besten Voraussetzungen um 6 Mal infolge Meister zu werden.

Inter und Juventus waren ja schon mal kurz davor, die Liga komplett zu brechen. Von 2002 bis 2021 teilten die beiden Vereine 17 von 19 Meisterschaften unter sich auf. Juventus musste zwischendurch einen Zwangsabstieg verdauen, hatte aber dank der Champions League einen derart großen Vorsprung, dass das wirklich nur eine kleine Delle bedeutete. Und Italien ist eine Liga, die ja auch 4 Starter in diesem Wettbewerb hat. Trotzdem wurde man lange von 2 Vereinen dominiert.

Nebenbei können wir jetzt live dabei zugucken, wie die Champions League die nächste Liga kaputt macht. Denn für uns als Europäer ist die Geschichte von Bodö/Glimt ein wunderbares Fußballmärchen. Für die Norweger ist es der pure Horror.
An der Stelle muss man hier mal einfügen, dass Glimt nur so gut ist, weil es von Dezember bis Februar zu Hause praktisch unschlagbar ist. Das könnte daran liegen, dass es für jede Mannschaft Europas extrem unangenehm ist, im Winter nördlich des Polarkreises anzutreten. Das ist aber einer der absurden Nebeneffekte der neuen Europacup-Reform. Denn im "Alten System" hatten die Mannschaften aus den eher kälteren Regionen am letzten Spieltag immer ein Auswärtsspiel. Damit gab es von Ende November bis Mitte März einfach keine Heimspiele. Jetzt konnte Glimt Manchester CityInter MailandBesiktas, Maccabi Tel Aviv, Twente Eschede und Olympiakos Piräus im skandinavischen Winter besiegen. Das waren nur die letzten 2 Jahre... Das waren aber alles Ansetzungen, die es im "alten System" nie gegeben hätte. Und ohne den Sieg gegen City hätten sie nicht mal die Zwischenrunde erreicht. 

Man muss aber definitiv festhalten, dass dort ein absurd guter Job gemacht wird. Aber auf diese hervorragende Arbeit werden jetzt noch massig Geld gekippt. Dank des Ausscheidens der Dortmunder können wir ja festhalten, dass allein das Erreichen des Achtelfinales zusätzliche 11 Millionen Euro gebracht hat. 

Norwegen dürfte sich gerade darüber gefreut haben, dass die Dominanz von Rosenborg Trondheim durchbrochen wurde. Trondheim war der Serienmeister zur Einführung der Champions League. Sie spielten bis 2008 auch noch regelmäßig in der Gruppenphase, verloren dann aber, wie auch der norwegische Fußball insgesamt, den Anschluss. Wie Trondheim das verkackt hat, müsste man wahrscheinlich gesondert studieren, denn sie haben es ja gerade am Ende nicht geschafft, trotz der absurden Millionen die Dominanz aufrechtzuerhalten. 

Aber die 13 Meistertitel in Serie wurden 2005 durch Välgerena Fotball Elite durchbrochen. Danach nahm Trondheim noch 2 Mal an der Gruppenphase teil und danach kam ganz lange nichts mehr. Dafür gab es mit Välgreana, Rosenborg, SK Brann, Stabaek Fotball, Molde FK, Strömsgodset IF, FK Bodö/Glimt und Viking FK 8 unterschiedliche Meister in 21 Jahren. Das sind dich polnische Verhältnisse: Kaum war der Champions League Vorsprung von Trondheim aufgebraucht, gibt es einen offenen und spannenden Wettbewerb.

Nur hat Glimt jetzt schon 4 der letzten 6 Meisterschaften für sich entschieden. Und dank der eigenen Leistungen darf man jetzt auch als Vize-Meister an der Champions League Qualifikation teilnehmen. Dass man den letzten Titel knapp verpasst hat, ist also auch egal.
Falls Glimt es jetzt durch die Quali schafft und sich nächstes Jahr wieder für die Champions League Gruppenphase qualifiziert, werden sie mindestens 8 der nächsten 10 Meisterschaften holen. Und die einzige Hoffnung, die die Norweger haben, ist ein Scheitern des eigentlichen Hoffnungsträgers. Denn es ist im Fußball wie in der Wirtschaft: Es gibt keinen "Trickle Down Effect". Es gibt nur ein "Die Reichen werden immer reicher." Und Bodö/Glimt macht gerade den Sprung zu den Reichen.

Um den Bogen zurück zur polnischen Extraklasse zu schlagen: Es ist wirklich faszinierend, wie tief und fest die Indoktrinierung der Champions League nach 25 Jahren ist. Wir halten die Dominanz von einer bis 3 Mannschaften, die die Konkurrenz nach Belieben platt machen für völlig normal. Und wenn wir dann eine an sich gesunde Liga mit ausgeglichener Konkurrenz sehen, nennen wir das "bekloppt". Wir haben alle anscheinend vergessen, dass alle Ligen ungefähr so waren, wie die polnische es derzeit ist.  Aber all das hat uns im Endeffekt die Champions League genommen. 

Donnerstag, 26. Februar 2026

Niko Kovac bleibt ein Vollidiot

Es fehlt diesem Menschen einfach die nötige Größe, um einmal klar zu sagen, dass das halt ein berechtigter Elfmeter für den Gegner war. Und dass es da auch gar nichts zu diskutieren gibt.

Stattdessen eiert er wieder rum und behauptet, dass er ja "inzwischen auch nicht mehr weiß, was ein Elfmeter ist." Also gut, hier als kleine Erklärung: Wenn man den Gegner mit dem Stollen im Gesicht trifft, ist das in 90 % der Fälle ein Elfmeter. Solange der Stürmer nicht auf Kniehöhe mit dem Kopf zum Ball geht, gibt es da wenig zu diskutieren.

Das bei WAZ gepostete Bild zeigt eindeutig, dass Mario Pasalic nicht im ungewöhnlichen Tiefflug unterwegs ist. Was Ramy Bensebaini da macht, fällt definitiv unter "gefährliches Spiel". Und wenn man beim gefährlichen Spiel den Gegner im Gesicht trifft, ist das Elfmeter. Eindeutig. Da gibt es dann auch nichts zu diskutieren.

Ich zitiere hier mal das Regelwerk, welches Kovac anscheinend nie gelesen hat:
Gefährliches Spiel unter "Indirekter Freistoß"
Als gefährliches Spiel gilt beim Versuch, den Ball zu spielen, jede Aktion, durch die jemand verletzt werden könnte (einschließlich des Spielers, der die Aktion begeht) und die einen in der Nähe befindlichen Gegner am Spielen des Balls hindert, weil er eine Verletzung befürchtet.
Ein Fallrückzieher oder Scherenschlag ist erlaubt, sofern dadurch kein Gegner gefährdet wird. 

Also nur um das mal festzuhalten: Selbst wenn Bensebaini in nicht trifft, muss es da eigentlich einen indirekten Freistoß geben. 

Ein Vergehen mit Körperkontakt wird mit einem direkten Freistoß geahndet.
• „Fahrlässig“ bedeutet, dass ein Spieler unachtsam, unbesonnen oder unvorsichtig in einen Zweikampf geht. Es ist keine Disziplinarmaßnahme erforderlich.
• „Rücksichtslos“ bedeutet, dass ein Spieler die Gefahr oder die Folgen für einen Gegner außer Acht lässt. Ein solches Vergehen ist mit einer Verwarnung zu ahnden.
• „Übermäßig hart“ bedeutet, dass ein Spieler im Zweikampf mehr Kraft einsetzt als nötig und/oder die Gesundheit eines Gegners gefährdet. Ein solches Vergehen ist mit einem Feldverweis zu ahnden. 

Die Zweikampfführung hier ist demonstrativ "rücksichtslos", weil Bensebaini ja gar nicht versucht, hinzugucken... Damit ist es aber auch egal, ob er da den Ball spielt oder nicht. Und es ist auch egal, ob es sich hier um Absicht handelt. Wer auf der Höhe mit einem ausgestreckten Bein zum Ball geht, muss damit rechnen, dass der Schiedsrichter pfeift. Das Risiko, den Gegner im Gesicht zu treffen, geht er fahrlässig ein. Und nur weil der Schiedsrichter den Kontakt nicht sofort erkennt, gibt er nicht direkt den Elfmeter.

Das beweist nebenbei auch, warum es richtig war, dass der VAR da eingreift, weil offensichtlich ein Wahrnehmungsfehler vorliegt. Die Dortmund Fans diskutieren ja auch darüber.
Das sind nebenbei dieselben Dortmund Fans, die behaupten, dass Julian Baumgartner bei seinen Treffern am Wochenende im Abseits stand, weil sie nicht wussten, dass man nicht im Abseits stehen kann, wenn man hinter dem Ball steht. Die pflegen ihre Opfer-Mentalität gerade sehr ausgiebig.

Aber die Dortmund Fans bringen uns zu dem eigentlich Problem an Kocac Aussagen und Haltung: Denn bei WAZ vor der Paywall wird nur die Frage in den Raum geworfen, ob der Kopf nicht zu tief ist. Für die Antwort müssten wir ein Abo abschließen. Aber diese Frage steht in Dortmund jetzt tatsächlich im Raum. Und Kovac befeuert sie weiter, indem er sich so schwammig positioniert.

Wenn Kovac einfach mal eindeutig sagen würde, dass es natürlich Elfmeter geben muss, wenn ein Spieler, der relativ normal zum Kopfball geht, mit dem Stollen in Gesicht getroffen wird, nimmt er damit der gesamten Dortmunder Fanszene den Wind aus den Segeln. Nebenbei schützt er dadurch den Schiedsrichter, der seinen ursprünglichen Fehler korrigieren konnte. Und er könnte, auch wenn man selbst nicht profitiert, erwähnen, dass der VAR hier eine Fehlentscheidung korrigiert hat. Aber Kovac schafft es ja nicht, Fehlentscheidungen gegen Dortmund überhaupt zu sehen.

Das ist nebenbei kein Einzelfall bei ihm, sondern seine grundlegende Haltung. Bereits am 23. Dezember habe ich ihn aus genau diesem Grunde zum "Vollidioten der Woche" gekürt. Kovac ist ein notorischer "Ich lege jede Szene so aus, dass es meinem Verein passt" Experte. Nebenbei kann man daran auch erkennen, wie Kovac reagieren würde, wenn sein Stürmer in einer vergleichbaren Situation wäre: "Was wollen sie von mir, er trifft ihn im Gesicht. Klarer Elfmeter!"

Was mich ja an der Stelle am meisten stört, ist der mangelnde Widerspruch, auf den Kovac bei den Journalisten trifft. Kein einzelner harkt da mit einem "Was Bensebaini da macht ist die Definition von einem rücksichtslosen Einsteigen. Da er den Gegner im Gesicht trifft, muss es zwingend Elfmeter und Gelb geben."  nach.

Eigentlich müssten die Journalisten jetzt offiziell verkünden, dass sie Niko Kovac einfach nicht mehr zu Regeln und Elfmetern befragen werden, denn er hat ja offiziell zugegeben, dass er davon keine Ahnung hat. Und er hat mehrmals bewiesen, dass er jede noch so offensichtliche Szene immer nur durch seine Vereinsbrille analysieren kann. Dadurch schwächt er konsequent die Schiedsrichter, die von ihm auch für richtige, gegen Dortmund ausfallende, Entscheidungen kritisiert werden. Oder er verschlimmert die "Niemand weiß, wann der VAR eingreifen sollte" Diskussion, weil er 2 quasi identische Szenen komplett unterschiedlich interpretiert. Solchen Menschen unwidersprochen eine Plattform zu geben, ist durchaus gefährlich, auch wenn es hier nur um Fußball geht.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Das war absoluter Wahnsinn

 Selbst die oberflächliche Variante reicht schon, um als Legende in die Geschichte einzugehen: Torwart Anatoliy Trubin köpft seine Mannschaft in der 98. Minute in die Zwischenrunde. Benfica Lissabon brauchte das 4:2, um aufgrund des Torverhältnisses an Olympique Marseille vorbeizuziehen. Aber das erzählt ja nicht mal die Hälfte der Geschichte. 

Denn es war auch José Mourinho gegen einen seiner Ex-Vereine Real Madrid. Und die Geschichte wird immer spannender, wenn man Mourinho und seine Ex ins Spiel bringt. Aber der Portugiese war kurz davor, das größte Ei in seiner Trainerkarriere zu legen.

Denn Benfica spielte in der Schlussphase auf Zeit. Der spätere Torschütze macht das bei einer sehr entspannten Parade deutlich. Mourinho nahm den zweifachen Torschützen Andreas Schjerlderup vom Platz, damit der sich seinen Applaus abholen kann... und um an der Uhr zu drehen. Sehr zum Entsetzen der Fans, denn die wussten ja, was Phase ist.
Mourinho, der sonst immer auf jedes Detail achtet, hatte offenbar niemanden in seinem Stab, der ihm eine Blitztabelle reichen konnte oder wollte. Erst in allerletzter Sekunde, als der Freistoß gepfiffen wurde, fiel es ihm auf und er schickte Trubin nach vorne. Am Ende werden alle nur Mou's magische Aura in Erinnerung behalten und nicht sein episches Verkacken in den Minuten davor.

Auf der anderen Seite war es Real anscheinend bewusst, dass ihnen diese Niederlage wehtun wird. Denn einerseits gingen die auf den Ausgleich. Aber vor allem flogen Raul Asencio und Rodrygo vom Platz. Bei Asencio konnte man noch von einem taktischen Foul reden, was bei Real im Spiel hält. Rodrygo brannten einfach nur die Sicherungen durch und er sah innerhalb von Sekunden Gelb und Gelb-Rot fürs Meckern. Irgendwo sitzt Xabi Alonso und denkt sich: Zum Glück muss ich mir das nicht mehr antun.

Absurderweise ist diese Mannschaft gleichzeitig untrainierbar und geht auf historische Torjagd. Also die 13 Tore in 7 Spielen von Kylian Mbappé lassen selbst Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi alt aussehen. Und jetzt hat Mbappé ja 2 zusätzliche Spiele, um die Statistik weiter auszubauen. Im Idealfall geht es direkt wieder gegen Benfica... weil es so schön war. 

Und vor allem, weil die andere Option ein Besuch nördlich des Polarkreises ist. Denn den größten Arschloch-Move brachte Diego Simeone. Der dachte sich anscheinend: Wenn ich schon nicht die Zwischenrunde überspringen kann, dann sorge ich dafür, dass ihr nach Bodö/Glimt reisen müsst. Im Februar. Und im Idealfall trifft es Simeones Erzfeind. Falls es jemals einen Trainer gab, der kein Problem mit der Teilnahme an der Zwischenrunde hat, weil er Real damit richtig einen reindrückt, dann ist es Simeone.

Nebenbei kam es zu dem hier gestern angekündigten Unentschieden zwischen Paris und Newcastle. Was dazu führt, dass beide verloren haben. Wenn euch irgendjemand einreden will, dass diese neue Gruppenphase schlecht ist, verweist ihn einfach nur darauf, dass diese beiden Mannschaften dank eines Unentschieden beide verloren haben. Im "alten System" wären sie wohl als Erster und Zweiter in ihrer Gruppe weitergekommen und niemand würde sich wirklich an dem Ergebnis stören. So tut es beiden richtig weh.

Für die Bundesliga könnte es jetzt nebenbei zu einem Worst-Case-Szenario kommen. Denn die aktuellen Lostöpfe sehen so aus, dass Bayer gegen Dortmund mit einer 50 %igen Wahrscheinlichkeit in der Zwischenrunde aufeinandertreffen. Und dann gibt es wiederum eine 50 %ige Wahrscheinlichkeit, dass der Sieger dieses Duells auf die Bayern trifft. Mich persönlich würde es ja interessieren, ob dieser Ausgang dazu führen würde, dass die UEFA doch wieder Beschränkungen für "nationale Duelle" einführt. Aber mittlerweile wird ja nur noch so wenig gelost, dass man da kaum noch Spielraum hätte. Also wenn Eintracht Frankfurt auch noch vernünftig mitgespielt hätte und in der entsprechenden Region gelandet wäre, hätte es ja gar keine Ausweichmöglichkeiten gegeben. Und dass die 3 "anderen deutschen Mannschaften" zwischen Platz 20 und 14 landen, halte ich jetzt nicht für so unwahrscheinlich, das ist irgendwo genau deren Leistungsrahmen...

Die erwartbaren Leistungen nicht erbracht haben Villareal und Neapel. Die Spanier trennt nur das bessere Torverhältnis vom letzten Platz. Der italienische Meister verspielte all seine Chancen formell gesehen gegen Chelsea London. Bei genauerer Betrachtung war es aber eher das Unentschieden gegen Kopenhagen, dass ihnen das Genick brach. Oder das 0:0 gegen Eintracht Frankfurt. Denn wer gegen diese Frankfurter kein Tor erzielt, hat in der K.O. Phase nichts verloren. Aber ein Unentschieden in Überzahl gegen Kopenhagen ist auch unentschuldbar.

Das beweist aber auch nur, dass wirklich jedes Spiel in dieser Gruppenphase am Ende relevant ist. Man kann es sich einfach nicht leisten, einen Gang runterzuschalten und einen Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn wenn man dann den Sieg verpasst, kann einem das mehrere Millionen Euro kosten.

Außer man arbeitet entsprechend vor und gewinnt 6 seiner ersten 7 Spiele. Dann kann man schon ganz ruhig auf seinen Ersatztorwart gegen PSV setzen.
Nebenbei muss man hier nochmal besondere Bonuspunkte an die Bayern geben. Beziehungsweise an deren Zeugwart. Oder wer auch immer entscheidet, welches Outfit man am Spieltag trägt. Denn die Bayern dachten sich, ihr bester Beitrag zu einer 18 Spiele Konferenz wäre ein alternatives Jersey. Die Kombination von roter Hose und schwarzen Trikot hab ich so jedenfalls noch nicht von denen gesehen. Das wirkte ein wenig, als hätten beide Mannschaften unabsichtlich die Hosen getauscht.
Vor allem verwirrte es die Konferenz-Gucker nochmal. Denn wenn dann mal die Bayern dran waren, musste man sich erstmal umgucken und herausfinden, in welchen Hosen die denn jetzt spielen. 
Grund ist aber ganz sachlich gesehen die ungewöhnliche Farbkombination von PSV Eindhoven, von der sich die Bayern irgendwie abgrenzen müssen. Schade eigentlich... ich hätte "Wir wollten die Leute in der Konferenz verwirren" mehr gefeiert...

Mittwoch, 28. Januar 2026

Der Rahmen ist schon absurd

 Heute gibt es ein einziges Spiel, welches quasi irrelevant ist: Arsenal - Qairat. Und das ist das Duell Erster gegen Letzter. Das hätte man kaum besser skripten können.

Wobei es ja nicht komplett irrelevant ist: Wenn die Bayern 4:0 in Eindhoven gewinnen, kann sich Arsenal keine Niederlage erlauben. Wobei man auch festhalten muss: Ob die jetzt erster oder zweiter werden, ist rein sportlich gesehen vollkommen irrelevant. Es geht wirklich nur darum, ob Arsenal es schafft ungeschlagen im Achtelfinale auszuscheiden...
Und sein wir ganz ehrlich: Nach der Vorrunde im Elfmeterschießen des Achtelfinales zu scheitern, wäre typisch Arsenal...

Die bereits ausgeschiedenen FC Villareal, Slavia Prag und Eintracht Frankfurt spielen gegen Mannschaften, die noch weiterkommen können. Das sind also 17 relevante Spiele mit einheitlicher Anstoßzeit.

Borussia Dortmund gegen Inter Mailand ist dabei fast das relevanteste Spiel. Den wer hier verliert, darf im Achtelfinale gegen Bayern oder Arsenal antreten. Da hat man eine 50%ige Chance, im Elfmeterschießen weiterzukommen. Der Gewinner hat dagegen noch die Chance, diese Zwischenrunde komplett zu überspringen.

Paris St. Germain und Newcastle United spielen im direkten Scheich-Duell (El Oilstico?) aus, wer in die Zwischenrunde muss. Wer hier verliert, wird mit Sicherheit auf Platz 9 abrutschen. Aber: Bei einem Unentschieden droht beiden die ominöse Zwischenrunde. Im Worst-Case-Szenario könnten Paris und Newcastle durch ein Unentschieden auf Platz 14 und 15 zurückfallen. Also nur um festzuhalten, dass verdammt viele Mannschaften nicht gewinnen dürfen, damit ein Unentschieden reicht.

Und ja, Paris hat letztes Jahr trotz dieser Zusatzbelastung den Titel geholt. Aber das wird eine Ausnahme bleiben, da bin ich überzeugt von. Falls es am Ende 1:1 steht, werden beide Mannschaften definitiv voll auf Sieg spielen.

Aber die Tabelle ist halt so eng, dass Platz 6 und 13 gerade mal 9 Tore liegen. Es könnte durchaus sein, dass Chelsea gewinnt und trotzdem in die Zwischenrunde muss, einfach weil Barca gegen Kopenhagen 8 Tore erzielt hat. Ok, es müssten auch Sporting Lissabon oder Atlético Madrid hoch gewinnen, damit das passt. Aber man kann viel Spaß mit dem Tabellenrechner haben

Die direkten Konkurrenten von Chelsea, Barca und Sporting, NeapelKopenhagen und Atletico Bilbao, kämpfen nebenbei ums europäische Überleben. Die Rechnung ist da relativ einfach: Wenn man gewinnt, darf man weiter am Tisch sitzen, wenn nicht, sitzt man unter der Woche auf der Couch. Dieses Prinzip gilt praktisch für alle Mannschaften von Platz 19 bis 27. Und ja, je weiter oben man steht, umso wahrscheinlicher ist es, dass ein Unentschieden reicht... Aber verlassen kann man sich darauf nicht.

Bei Club Brügge und Olympique Marseille gibt es ein theoretisches Szenario, in dem beide bei einem Unentschieden rausfliegen, der Sieger aber weiterkommt. Das ist insofern "theoretisch", weil verdammt viele Außenseiter wie Qarabağ und Galatasaray gegen die Elite gewinnen müsste. Aber dass in diesem Duell der Gewinner den Verlierer aus dem Turnier schießt, ist echt wahrscheinlich.

Die Fans stehen also mal wieder vor einem absolut faszinierende Spieltag. Und man darf gespannt sein, wie die Trainer auf die entsprechenden Situationen reagieren. Denn ein Tor, das irgendwo in Europa erzielt wird, kann ja alles verändern.  

Wenn man das mit der alten Gruppenphase vergleicht, in der 75 % der Spiele praktisch irrelevant waren, ist das ein schöner, wenn auch teuer erkaufter Fortschritt. Denn für die Spieler ist es natürlich bescheiden, dass sie jetzt wirklich relevante Spiele haben, anstatt wie ursprünglich üblich nochmal die Beine hochzulegen, bevor die K.O. Phase beginnt.

Donnerstag, 6. November 2025

Damn, die Bayern sind gut

 Also wirklich gut. So richtig. Auch im europäischen Spitzenspiel setzen sie sich durch.

Und das noch nicht mal unverdient. In der ersten Halbzeit war man die deutlich bessere Mannschaft. In Halbzeit 2 verteidigte man in Unterzahl gegen eine der besten Offensivabteilungen der Welt recht souverän den Vorsprung. Ich muss offen zugeben: Ich bin beeindruckt.

Ich gehe sogar noch weiter: Die Bayern gehören jetzt tatsächlich zu den Topfavoriten auf den Titel. Denn die haben ja einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil: Vom 21.12. bis 11.1. haben sie frei. Auch wenn die Winterpause mittlerweile ganz schön geschrumpft ist, gibt es sie noch. 

Also um das kurz mit der Konkurrenz zu vergleichen: Manchester City spielt in diesem Zeitraum 4-malBarcelona immerhin einmal. Aber die dürfen am 20.12. nach Miami fliegen, um dort ein Ligaspiel auszutragenParis St. Germain fliegt nochmal nach Doha, um den Interkontinental Pokal zu gewinnen. Das ist unheimlich wichtig. Und irgendwann muss auch noch deren Supercup ausgetragen werden. Auch wenn der laut Kicker.de abgesagt wurde. Inter Mailand hat 3 Ligaspiele im Kalender

Vielleicht werden auch die Bayern in den Nahen Osten fliegen, um dort Sportswashing zu betreiben. Aber wenn sie das tun, sie werden dort ein Trainingslager abhalten und keine Pflichtspiele bestreiten. Und sie können die Zeit über die Feiertage wirklich zum Regenerieren und Abschalten nutzen.

Gerade wenn man bedenkt, dass die wirkliche Konkurrenz, abgesehen von Arsenal London und Barcelona, im Sommer ebenfalls durch die Knochenmühle Klub-WM gegangen sind, ist das ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil. Arsenal bricht ja über genau die Feiertage, an denen Bayern Urlaub hat, gerne mal ein. Aber die sind fast genauso gut gestartet, die die Bayern, haben 6 Punkte Vorsprung auf Manchester City und eine weiße Weste in der Champions League. Was ist denn da passiert? Und die waren letztes Jahr zum ersten Mal seit 2009 im Halbfinale... Damals hieß das Trainerduell noch Arsène Wenger gegen Alex Ferguson... Ist Arsenal plötzlich auch wieder richtig gut?

Wir werden es nach der Länderspielpause erfahren, wenn die beiden besten Mannschaften der Gruppenphase aufeinander treffen. Und wenn mir vorher irgendjemand erzählt hätte, dass Arsenal gegen Bayern das Duell Zweiter gegen Erster sein wird, hätte ich den für bekloppt erklärt. Also dass Amerika Donald Trump wiedergewählt hat, ist für mich irgendwie nachvollziehbar, aber DAS... da setzt es bei mir aus. 

Nebenbei beweist es auch wieder, wie schön der neue Modus doch ist. Wir haben 2 Mannschaften, die da oben stehen, weil sie bereits gute Gegner (Chelsea, Paris und Atlético Madrid) teils deutlich geschlagen haben. Und jetzt treffen die im direkten Duell aufeinander, damit wir herausfinden können, wer von den beiden wirklich als Favorit gelten muss. Im alten Modus war das praktisch ausgeschlossen. Selbst wenn Bayern und Arsenal in eine Gruppe gelost worden wären, hätten sie vor dem theoretischen Spitzenspiel am 3. Spieltag nur gegen Außenseiter gespielt.

Arsenal hat nebenbei noch ein Date mit Inter, die ebenfalls mit 4 Siegen gestartet sind, im Kalender stehen. Die könnten dieses Szenario also theoretisch 2 Mal in 3 Spieltagen durchspielen.

Für die Bayern ist aber, wenn man genau hinguckt, dieses Spiel relativ entspannt. Also ja, es zu gewinnen wäre nochmal ein letztes Statement. Aber wenn nicht... Man hat danach nur noch die leichten Gegner im Programm, die man als Bayern halt schlagen muss. Sie sind also so gut wie sicher in der Top 4 der Tabelle, was bedeutet, dass sie zumindest in der Theorie einen leichteren Weg ins Viertelfinale haben sollten. Und dort stellt sich dann die Frage, ob man die Form, die man derzeit hat, konservieren konnte. Es geht "nur" ums Prestige, und nicht so sehr um die Position in der Tabelle. Wenn man gegen Paris verloren hätte, sähe das ganz anders aus.

Ich muss an der Stelle erwähnen, dass ich das Spiel gegen Arsenal echt übersehen habe. Also im Kalender habe ich das gesehen, aber ich habe nicht realisiert, wie gut die derzeit sind. Falls die jetzt einbrechen, bin ich schuld, weil die anscheinend nur überragend abliefern, wenn ich nicht hingucke...

Beim Rest der Tabelle wird das Bild dann so langsam deutlich. Aber auch hier zeigt sich, wie schön der neue Modus doch ist. Praktisches Beispiel: Das 4. Gegentor, dass Borussia Dortmund in der Nachspielzeit kassierte, sorgte dafür, dass man von Platz 12 auf Platz 14 abrutschte. So eng sind die Verhältnisse immer noch. Chelsea und Barcelona verabschiedeten sich mit unnötigen Punktverlusten gegen Qarabağ Ağdam und Club Brügge aus dem Rennen um die Top 8. Also zumindest meiner Meinung nach. Und mindestens einer der beiden definitiv, denn die treffen als Nächstes aufeinander. Und wer sich leichtfertige Punkte gegen die Kleinen leistet, muss dann gegen die Elite alles gewinnen, um der Zwischenrunde aus dem Weg zu gehen.

Natürlich hat Paris St. Germain meine "Wenn man gewinnen will, muss man in die Top 8" These direkt widerlegt. Aber das wird, davon bin ich weiterhin überzeugt, die Ausnahme bleiben. Weder Chelsea noch Barca mussten in diesem Sommer einen Kylian Mbappé Abgang verarbeiten. Und genaugenommen war es unfassbar, wie schnell Paris das am Ende verkraftet hat. Und zumindest Barca dürfte nicht die finanziellen Mittel haben, um im Winter einen Unterschiedspieler wie Khvicha Kvaratskhelia zu registrieren... Chelsea versucht derweil seit Jahren so einen Spieler zu holen, liegt aber meistens daneben...

Am anderen Ende der Tabelle dürfte plötzlich Panik bei Villareal und Juventus ausbrechen. Villareal ist auf den ersten Blick schlecht gestartet, war aber ganz sachlich mit einem Punkt aus den Spielen gegen Tottenham, Juventus und Man City voll im Soll. Sie hatten halt das "Pech", dass ihre 3 schweren Gegner alle am Anfang auf dem Menü standen. Aber jetzt hat man gegen Pafos FC verloren und das tut wirklich weh. Wenn man sich an den 11 Punkten orientiert, die man letztes Jahr brauchte, brauchen die jetzt 3 Siege und ein Unentschieden gegen die restliche Konkurrenz... Und als Nächstes geht es nach Dortmund, das ist jetzt kein einfaches Spiel. 

Juventus steht etwas besser da und hat in der Theorie das leichtere Restprogramm... bis einem auffällt, dass Ende November ein Auswärtsspiel am Polarkreis ansteht. Und das ist keine Metapher, FK Bodø/Glimt liegt nördlich des Polarkreises. HITC Sevens hat dieses Jahr bereits ein Video dazu gemacht, wie unangenehm es ist, dort zwischen Oktober und April zu spielen... Da willst du weder spielen noch gewinnen müssen.

Beide Vereine dienen als wunderbare Beispiele, wie der neue Modus die Intensität und die Bedeutung der Spiele nach oben schraubt. Ich wiederhole mich da, aber es muss immer wieder erwähnt werden: Für die Fans des guten und bedeutungsvollen Fußball war dieser neue Modus das Beste, was passieren konnte. Für die Spieler ist es eine Katastrophe, denn die wollen ja bedeutungslose Spiele mit halber Intensität absolvieren.

Aber dafür ist ja bald wieder Länderspielpause.  

Donnerstag, 23. Oktober 2025

Der Unterschied zwischen Bundesliga und Champions League?

 Ganz einfach: In der Champions League verlierst du als Bayern die Tabellenführung, obwohl du 4:0 gewinnst. In dieser Liga reicht es einfach nicht, seine Gegner abzuschießen, da muss man mehr liefern.

Was diese Woche abging, war aber schon heftig. 9 Spiele, in denen der Sieger mindestens 4 Tore erzielte. Und nur Dortmund tat dabei nicht wirklich was fürs Torverhältnis, weil sie auch 2 Gegentore kassierten. Alle anderen drückten aufs Tempo, bis mindestens ein +4 im Torverhältnis auf ihrem Konto stand.

Wie schlimm ist die Lage? Nun ja... es fällt selbst den Leuten vom Kicker auf. Es muss sich schon um eine dramatische Entwicklung handeln, wenn die eine frei verfügbare Analyse veröffentlichen...

Es ist schon auffällig, dass Paris, Barcelona und Eindhoven in den letzten 20 Minuten mehrere Tore erzielten, anstatt die sichere Führung zu verwalten. Liverpool gab immerhin bis zur 70. Minute Gas. Einzig Chelsea stellte bereits frühzeitig, also nach 49 Minuten, den Betrieb komplett ein. 

An der Stelle muss ich mal wieder erwähnen, dass ich das schon vor dem ersten Spieltag so vorhergesagt habe: Während es vorher nur wichtig war, dass man gegen die Punktelieferanten gewinnt, ist es auf einmal wichtig, wie viele Tore man gegen die erzielt. Also werden die Spitzenteams auf höhere Siege gehen. #PassivesAbseitsleserwissenesfrüher

Auch wenn Paris meine Aussage, dass der Sieger aus den Top 8 kommen wird, direkt widerlegt hat... Aber dass Paris sich während der Saison so deutlich steigert und den Abgang von Kylian Mbappé so schnell kompensieren kann, war nicht abzusehen. Es wird vor allen Dingen die absolute Ausnahme bleiben.

Denn die aktuellen Ergebnisse machen ja eines deutlich: Die Schere geht weiter auseinander. Wir sind an dem Punkt, wo selbst an sich gute Bundesligisten von Paris oder Liverpool aus dem eigenen Stadion geschossen werden. Während sie, als Repräsentanten der Mittelklasse, Galatasaray mit 5:1 aus demselben Stadion schießen.

Spannend bleibt das ganze trotzdem. Schließlich hat die Tabelle nur 8 "Freifahrtscheine" für die eigentlich K.O. Phase... Aber 11 Mannschaften, die diese erreichen wollen.  Also guckt euch mal die aktuelle Tabelle an. Da schleicht Borussia Dortmund, dank des relativ leichten Spielplans, in der Top 8 rum. Die restlichen Namen sind schon die Creme de la Creme. Und von unten rücken Barca, Liverpool und Chelsea nach. Juventus Turin wirkt gerade als 25. abgeschlagen, aber die haben genau genommen nur noch machbare Gegner im Menü stehen. Falls die da 15 Punkte holen, könnte das auch noch für die Top 8 reichen. Aber sie dürfen sich halt, dank des vermeidbaren Unentschiedens gegen Dortmund, keinen einzigen Ausrutscher erlauben.

Das macht diesen neuen Modus für die Spieler so brutal und für die Fans so großartig. Also sobald sie sich an die neue Tabelle gewöhnt haben, manch einen wird das weiterhin überfordern. Aber jeder noch so kleine Ausrutscher wird Konsequenzen haben.

Neben wir mal ganz praktisch das 2:2 von Tottenham gegen Bodö/Glimt. Ganz realistisch haben die Londoner an diesem Tag ihre Chance auf einen Platz in den ersten 8 verspielt. Diese 2 Punkte werden sie am Ende nicht aufholen können... es sei denn sie gewinnen in Paris. Viel Glück dabei.

So steht Tottenham in der Blitztabelle vor Juventus, aber realistisch gesehen steht Juve besser da... einfach weil die ihre ganz dicken Brocken schon bearbeitet haben.

Jetzt vergleichen wir das mal mit "dem alten Modus": Da müsste Tottenham nur das Heimspiel gegen die Norweger gewinnen, wovon ja irgendwie auszugehen ist, um wieder komplett im Soll zu sein. Da "damals" der direkte Vergleich vor dem Torverhältnis gezählt wurde, wäre es auch vollkommen egal, ob man die anderen Mannschaften dann haushoch abschießt, oder nur knapp gewinnt.

Ganz praktisch kann man das ja an der WM-Qualifikation sehen. Was haben wir für Panik geschoben, als Deutschland in der Slowakei verloren hat! Da wurde die Präambel "falls sich das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann qualifiziert" in den Bericht über die Übertragungsrechte gepackt. Wenn jetzt der Champions League Modus verwendet werden würde, wäre das ein berechtigter Gedanke. Aber da sich die Slowakei natürlich nicht komplett schadlos gehalten hat, ist man schon vor dem Rückspiel doch wieder Tabellenführer... Man konnte es sich dafür sogar leisten, die restliche Konkurrenz "Nur" mit 5:0 aus 2 Spielen abzufertigen und trotzdem verdammt gut dazustehen. Man muss im Rückspiel plötzlich nur noch Unentschieden spielen und ist trotzdem auf der sicheren Seite. In einer einheitlichen Tabelle wäre man jetzt aber hinter Spanien, Portugal, Frankreich, Dänemark, der Schweiz und Schottland nur Siebter. Also ich verwende hierfür ausschließlich die anderen Vierergruppen als Vergleich. Mit allen Gruppen sähe es noch schlechter aus. Auch England, Norwegen, Belgien und Bosnien-Herzegowina hatten nach 4 Spielen mehr Punkte auf dem Konto, als die deutsche Mannschaft. UND man hätte nicht das Rückspiel im eigenen Stadion gegen die Slowakei, um den Ausrutscher zu reparieren. Bei 16 Startplätzen bedeutet Platz 11 eine Teilnahme an den Playoffs...

Wie schon häufiger erwähnt: Für uns Zuschauer war der neue Modus das Beste, was passieren konnte. Denn dass die Schere weit auseinanderklafft, ist ja keine neue Erkenntnis. Im alten Modus war die Gruppenphase für die relevanten Mannschaften eine reine Formalie. Jetzt bringt die immer noch notwendige Rotation plötzlich ein gewisses Risiko mit sich, weil jeder Punktverlust wirklich schmerzhaft ist.

Donnerstag, 17. April 2025

Vor 5 Jahren hätte er den gemacht.

 Muss man mal so festhalten. Das steht gar nicht zur Debatte. Vor 5 Jahren wäre Thomas Müller auch in der Nachspielzeit noch die nötigen 3 Zentimeter höher gesprungen und hätte Druck auf den Ball ausüben können. So gab es eher ein tragisches "Es sollte halt nicht sein" Ende.

Aber die Szene verdeutlicht halt auch, wie alt Müller mittlerweile ist. Wie auch das gesamte Spiel. Dabei war er in der ersten Halbzeit nicht mal schlecht. Der Pass in der ersten Halbzeit war schon richtig stark. Er hatte auch einige Abschlussmöglichkeiten... das Problem hierbei: Bis auf den Kopfball in der Nachspielzeit brachte er keinen Ball aufs Tor. Und es ist schwer, ein Tor zu erzielen, wenn man den Ball nicht aufs Tor bringt. Die allgemeine Zusammenfassung der Müller-Chancen im Kicker Ticker war schon ein: "Da war mehr drin." Kritisch könnte man behaupten, dass ein Stürmer auf diesem Niveau den Ball in der 55. Minute aufs Tor bringen MUSS.

Viel Schlimmer: Von der 55. bis zur 95. Minute gab es nichts von ihm zu sehen. Das sah wieder wie der Müller aus, den ich aus den letzten Champions League Jahren kenne. Und das war ja im Kern genau die Phase, in der die Bayern verzweifelt anrannten. Da einen frischen Müller auf dem Platz zu haben. Also die Kompany-Kritiker aus dem Hinspiel müssten jetzt eigentlich fragen, warum der den Müller nicht später gebracht hat, damit er in der entscheidenden Phase nochmal entscheidende Impulse setzen kann. Und sie müssten anerkennen, dass Müller in diesem Spiel endgültig bewies, dass es für 90 Minuten nicht mehr wirklich reicht. Damit müssten sie aber ihre eigenen, komplett Pro-Müller ausgelegte Berichtserstattung hinterfragen und das wird nicht passieren.

Der Kicker schreibt plötzlich davon, dass "die Spieler, die für die Misserfolge der vergangenen Jahre verantwortlich waren, auch diesmal nicht übers Viertelfinale hinauskamen." Das stimmt sogar. In 4 von 5 zuletzt in genau dieser Runde Feierabend. Das Problem: Derselbe Kicker will uns seit Jahren einreden, dass ein Joshua Kimmich gut genug für das Halbfinale ist. Oder dass ein Thomas Müller hier immer noch den Unterschied ausmachen könnte. Sie warten immer bis nach dem Ausscheiden, um uns dann zu sagen, dass sie das ja schon vorher wussten. Das macht doch echten Qualitätsjournalismus aus.

Nebenbei muss man auch nochmal festhalten: 5 Jahre infolge zu den 8 besten Mannschaften in Europa zu gehören, ist kein "Misserfolg". Genauso wenig sind es 4 Meisterschaften in 5 Jahren. Und natürlich braucht die Mannschaft noch gewisse Impulse, um in die Top 4 aufzusteigen. Aber darauf hätte man auch hinweisen können, bevor der Vertrag von Joshua Kimmich verlängert worden ist. Doch dass Kimmich nur als Rechtsverteidiger allerhöchsten Ansprüchen genügt und er im Zentrum in den wichtigsten Spielen nur ein Mitläufer ist, erfährt man nicht beim Kicker, sondern eher hier bei mir.

Denn Kritik an den Bayern ist auch beim Kicker selbst unerwünscht. Zumindest ich habe keine kritische Einordnung der letzten Vertragsverlängerungen gelesen. Anscheinend planen die Bayern bis 2029 mit Kimmich als zentralen Mittelfeldspieler. Damit planen sie in meinen Augen auch bis 2029 nicht mit einem Erreichen eines Champions League Finales. Das Halbfinale ist mit viel Losglück drin, aber mehr halt nicht.

Nebenbei bewies Kimmich vor dem 1:1 ja auch, dass die Leute von absoluter internationaler Spitze im Kopf einfach die Millisekunde schneller sind. Er ist der Spieler, der den Ausgleich verhindern kann, ist aber zu langsam, um einzugreifen. Natürlich reden wir hier vom allerhöchstem Niveau, aber genau da wird für ihn die Luft seit Jahren dünn. Trotzdem nannte genau der Kicker, der jetzt Veränderungen fordert, diese Verlängerung eine vernünftige Entscheidung.

Am anderen Ende des Emotionsspektrums hat Dortmund tatsächlich die 4 nötigen Tore für die Verlängerung erzielt... nur halt nicht alle in das richtige Tor. Es ist schon faszinierend, was die alles leisten können, wenn die wirklich wollen. Darauf kann sich der FC Augsburg jetzt freuen. Also hauptsächlich darauf, dass der BvB sich am Wochenende nicht mehr an dieses Spiel erinnern können und ganz anders auftreten wird.

Wobei man eigentlich eine Schicht tiefer schauen muss. Denn Barcelona und Paris St. Germain wirkten eigentlich in diesem Jahr deutlich besser, als der Rest. Barca war schon in der Gruppenphase verdammt dominant. Nach der Auftaktniederlage gab es 10 Spiele ohne eine Niederlage. Bei einem einzigen Unentschieden. Paris brauchte nach dem Abgang von Kylian Mbappé ein Weilchen um ins Laufen zu kommen. Aber sie gewannen die letzten 3 Vorrundenspiele. Sie fertigten Stade Brest mit 10:0 Toren ab. Sie kamen gegen Liverpool, der drittbesten Mannschaft Europas, am Ende weiter. Und ja, wenn sie das Elfmeterschießen verloren hätten, wäre Liverpool jetzt der Top-Favorit. Und sie waren auf einem Weg zu einem 5+X:1 gegen Aston Villa. Dann kassierten diese beiden Mannschaften plötzlich jeweils 3 Tore und mussten ums Weiterkommen zittern. 

Die eigentliche Lektion zeigt uns, wie krass das Niveau in der Champions League wirklich ist. Denn wenn diese beiden richtig guten Mannschaften gegen im besten Fall gehobenen Durchschnitt den Fuß auch nur minimal vom Gas nehmen, bekommen sie sofort 3 Tore eingeschenkt. Das ist schon krass. 

Die optimistischen Fans beider Lager werden sich jetzt einreden, dass sie ihren einen Fehltritt, den man in so einer Saison halt immer drin hat, jetzt abgearbeitet haben und trotzdem weiter sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass beide noch mal solche Nachlässigkeiten zeigen, ist eher gering.

Freitag, 11. April 2025

Wenigstens hat Thomas Müller getroffen

 Denn ansonsten wäre das, aus rein deutscher Sicht, ja nur traurig gewesen. Denn das andere Highlight war der Fakt, dass ein deutscher Nationaltorhüter endgültig seinen Stammplatz an ein brasilianisches Talent verloren hat.

Wie schlimm war diese Woche? Nun ja... Norwegen hat in dieser Woche mehr Siege errungen, als die Bundesliga. Und das noch nicht mal in der Conference League, sondern Bodö/Glimt könnte tatsächlich ins Halbfinale der Europa League einziehen. Aber da geht es den Norwegern wie den Arsenal-Fans: Man sollte sich da nicht vor dem Rückspiel zurücklehnen. 

Aber ja: Thomas Müller hat mein Skript gelesen und ein Tor erzielt. Nur ob das Tor auch wichtig war, müssen wir noch sehen, denn Inter hat ja direkt nachgelegt... Und jetzt zeigt sich der andere Teil meiner Prognose: Das ist jetzt alles gar nicht so gut für den Thomas.

Denn überall liest man ja jetzt, dass Müller doch hätte mehr spielen müssen. Obwohl Vincent Kompany offensichtlich genau den Sweet Spot getroffen hat, in der Müller die Stimmung im Stadion belebt und ein wichtiges Tor erzielt. Und obwohl wirklich allen bewusst ist, dass es bei Müller nicht mehr für die 90 Minuten reicht. Aber er hätte ihn ja 5 Minuten früher bringen können... dann wäre das 1:2 nicht gefallen.

Kurze Korrektur eurer kurzsichtigen Logik: Kompany hat Müller deutlich zu früh gebracht. Wenn er den 5 Minuten später bringt, erzielt er das Tor in der 90. Minute und die Bayern haben keine Zeit mehr, um naiv weiter nach vorne zu rennen. Aber genau diese unnötig emotionale Debatte wollen sich die Bayern nächste Saison anscheinend einfach sparen. Wenn jetzt alle den Moment genossen hätten und Kompanys Entscheidung gelobt hätten... aber das wird bei einem Müller nie passieren.

Genauso albern ist die "fatale Einwechslung" von Sacha Boey. Denn da zeigt sich das eigentliche Problem der Bayern: Denen fehlt es nach den Verletzungen von Jamal Musiala, Manuel Neuer, Alphonso Davies, Hiroki Ito, Dayot Upamecano, Aleksandar Pavlović und Kingsley Coman einfach an der nötigen Substanz, um auf diesem Level noch zu reagieren. Was auch sachlich gesehen gar nicht so schlimm ist. Er musste deswegen halt auf verdammt viele Spieler in ungewohnten Positionen und Rollen setzen.

Kompany kann auch wenig dafür, dass Harry Kane in der ersten Halbzeit in den "Gomez der Woche" Modus schaltet, anstatt das eigentlich sichere 1:0 zu erzielen. Oder dass Min-Jae Kim kurz vor einem Platzverweis stand. Und dann sitzt halt einfach nur ein Karl auf der Bank. Wenn man das in Betracht zieht, hat Kompany verdammt viel richtig gemacht. Aber es ist halt einfacher, rumzuheulen, weil Müller zu wenig gespielt hat.

Also um mal so ein Alternativszenario aufzustellen: Wenn Kompany Leon Goretzka zurückzieht und dann das Gegentor fängt, heulen alle rum, warum er das an sich stabile Mittelfeld aufgebrochen und deswegen Unruhe reingebracht hat. Dann wäre wieder die "Überfordern Trainer ihre Spieler, wenn sie von denen verlangen, dass sie alle Rollen gleichzeitig spielen können?" Debatte losgegangen. Weil aber alle die Entscheidung nicht in dem Moment, in dem sie getroffen wird, beurteilen, sondern über ihre Auswirkungen richten, kann man Kompany an der Stelle nur verlieren.

Donnerstag, 13. März 2025

Hat ein einziger Transfer die Saison von Liverpool ruiniert?

 Und damit die Gruppenphase ad absurdum geführt? Kann ein einziger Transfer, der nicht mal vom designierten englischen Meister selbst getätigt wurde, wirklich so krassen Einfluss haben? Und wenn ja, muss Kylian Mbappé allein dafür den Ballon d'Or gewinnen?

Also der Reihe nach: Ich habe ja immer die These in den Raum geworfen, dass die Zwischenrunde praktisch egal sein wird, weil die Titelkandidaten in dem neuen System alle aus den Top 8 kommen werden. Jetzt stehen aber 3 der Playoff-Teilnehmer schon mal im Viertelfinale... und 2 von denen sehen wie echte Titelkandidaten aus. Dass die Bayern dies noch nicht sind, hat anscheinend sogar der Kicker erkannt, er versteckt diese Botschaft aber hinter einer Paywall...

Aber Real Madrid... nun ja. Tut halt Real Madrid Dinge. Das ist die einzige Mannschaft, die mehr Elfmeter als der Gegner verschießt und trotzdem nach Elfmeterschießen weiterkommt. Weil der Julian Alvarez sich selbst anschießt. Bei allen anderen Mannschaften der Welt würde man jetzt sagen, dass man sich nicht immer so durchmogeln kann. Das Glück muss doch irgendwann aufgebraucht sein. Aber Real macht das seit Jahren.

Und auch Paris St. Germain war in beiden Spielen einfach mal besser, als der in der Gruppenphase alles dominierende FC Liverpool. Also ja, ein Weiterkommen nach Elfmeterschießen ist immer glücklich. Aber Liverpool hatte sein Glück halt aufgebraucht, um dieses Elfmeterschießen zu erreichen. Beiden Mannschaften will man derzeit unbedingt aus dem Weg gehen. Beide gehen als Favorit ins Halbfinale gegen Arsenal und Aston Villa. Und beide treffen dann im Halbfinale aufeinander. 

Beide werden aber auch durch diesen einen Wechsel im Sommer definiert. Und beide haben wohl auch deswegen eine so bescheidene Hinrunde gespielt. Bei Real Madrid brauchte Mbappé einfach doch ein halbes Jahr, um anzukommen und seine neue Rolle in dem Starensemble zu finden. Jetzt ist er plötzlich bei 15 Toren im Jahr 2025. Und bei 28 auf die gesamte Saison gesehen. Wenn er das aktuelle Tempo beibehält, erzielt der in seiner Debütsaison über 40 Tore. 

Das zeigt aber auch, dass selbst die besten Fußballer eine gewisse Zeit brauchen, um sich abzustimmen und die Automatismen zu erarbeiten. Was alle, die jetzt schon behaupten, dass Florian Wirtz und Jamal Musiala nicht zusammenpassen können, mal zur Kenntnis nehmen könnten. Jetzt, wo der Integrationsprozess abgeschlossen scheint, ist Real wieder verdammt gefährlich. Und sie dürften es für die nächsten 5 Jahre bleiben. 

Paris St. Germain musste dagegen den Abgang ihres Fixpunktes verkraften. Man reagierte auf das Beinah-Aus mit einer taktischen Umstellung: Ousmane Dembélé zog nach Jahren auf der rechten Außenbahn ins Zentrum. Dazu, das soll hier nicht verschwiegen werden, gelang ihnen mit der Verpflichtung von Chwitscha Kwarazchelia ein echter Coup. Das dürfte genau der selbstlose Offensivspieler sein, den Paris die letzten Jahre, in denen sich alles um Mbappé, Neymar und Messi drehte, gefehlt hat. Aber im Wesentlichen gilt hier das Gegenprinzip zu den Vorgängen bei Real Madrid: Man brauchte einfach ein halbes Jahr, um herauszufinden, wie man ohne den absoluten Superstar spielen kann, will und muss. Und auch ohne den Neuzugang konnte man ja schon das Spiel gegen Manchester City drehen. Die Fortschritte waren also schon vor dem Liverpool Spiel deutlich wahrnehmbar.

Uns sollte das vor allem beibringen, dass wir nicht zu schnell über Spieler und Mannschaften urteilen sollten. Das selbst richtig teure Mannschaften einfach ihre Zeit brauchen. Da der derzeit beste Spieler der Welt eher selten im Sommer das Team wechselt, wird ein derartiger Saisonverlauf aber eher eine Ausnahme bleiben.

Donnerstag, 6. März 2025

Die sind halt doch nur ein ganz normaler Bundesligist.

 Auch wenn sie sich in den letzten 2 Jahren als etwas bessere getarnt haben. Wenn Bayer Leverkusen dann die Chance hat, wirklich eine Wachablösung in Deutschland anzukündigen, erstarren sie doch einfach in Ehrfurcht und schlagen sich effektiv selbst.

Xabi Alonso kratzt sein eigenes Denkmal an, weil er in dem wichtigsten Spiel einfach mal den Ersatztorwart aufstellt, der dann kritisch patzt. Florian Wirtz spielt in derselben Range wie Julian Brandt. Nordi Mukiele's Platzverweis an der Seitenlinie in der gegnerischen Hälfte war eine der absurdesten Aktionen des Jahres. Also wie Mukiele selbst schon vor dem Kontakt mit dem gegnerischen Knöchel erkennt, dass er jetzt gleich vom Platz fliegt, den Tritt aber nicht mehr verhindern kann. Dass Edmond Tapsoba für 5 Sekunden vergisst, dass der VAR existiert und man bei Ecken einfach nicht mehr so am gegnerischen Trikot zerren darf. Und dann gewinnt Bayern plötzlich mit 3:0. Für die war das ein ganz gewöhnliches Spitzenspiel: Der direkte Konkurrent schlägt sich einfach selbst. Man muss nur daneben stehen und abwarten.

Schon zur Halbzeit war ja abzusehen, dass Leverkusen heute nicht seine Topform auf den Platz bringen wird. Was, das muss an der Stelle auch mal erwähnt werden, durchaus auch an der taktisch hervorragenden Leistung der Bayern lag. Joshua Kimmich bot sein erstes wirklich überragendes Spiel als 6er seit Jahren ab. Der DAZN Kommentator laberte da gleich etwas von "Wie 2020 spielen Goretzka und Kimmich auf der Doppel-6.", was mich natürlich komplett triggerte: Warum kommentieren Leute, die offensichtlich keinen Fußball gucken, diese Spiele? Kimmich spielte im Finale als Rechtsverteidiger. Wie er dies im gesamten "Finalturnier" gemacht hat. Dass jetzt Leute die Karriere von Kimmich wegen eines guten Spieles komplett neu schreiben wollen und einfach behaupten, dass der ja schon immer ein international überragender Sechser war, kotzt mich so was von an. Das beweist einfach nur, wie weit weg wir von einem seriösen Journalismus und kritischer Berichtserstattung sind.

Wenn Kimmich solche Leistungen in den wichtigsten Spielen häufiger angeboten hätte, würde auch ein Thomas Tuchel, der direkt nach der falschen Bemerkung infrage gestellt wurde, auf ihn als 6er setzen. Und wenn man die Leistungen von Kimmich kritisch durchleuchten würde, könnte einem auffallen, dass der eigentlich "nur" als Rechtsverteidiger wirklich richtig gut war. Dann würde man auch verstehen, warum sich die Bayern mit einer Vertragsverlängerung so schwertun. Denn die sind sich anscheinend bewusst, dass man mit Kimmich "nur" die nationalen Erfolge feiern kann, er aber die internationalen Ansprüche im Zentrum nicht erfüllt. Aber gut, bis zum Halbfinale wird das niemanden auffallen und wenn man das erreicht hat, wird man sich doch eine Vertragsverlängerung einreden lassen. Und nach dem Halbfinale gucken alle wieder entsetzt.

Vielleicht durchlebt Kimmich aber auch gerade ein "Contract Year Phenomenon". Also vielleicht hat sich bei ihm die Erkenntnis breit gemacht, dass er sich mal richtig am Riemen reißen muss, wenn er sich weiterhin als international anerkannter 6er verkleiden will und spielt die Rolle deswegen gerade einiges seriöser, als wir es von ihm gewohnt waren. Oder, auch der Gedanke muss zugelassen werden, er hat trotz oder wegen seiner 30 Jahre nochmal einen Entwicklungsschritt gemacht. Oder es war nur ein einziger Ausreißer. Wir werden es erfahren...

Beim dritten deutschen Teilnehmer wurde einem wieder bewusst, was für ein toller Führungsspieler Emre Can doch ist. Der moniert nach ihrem Hinspiel, dass die Dortmunder "nicht dahin gegangen sind, wo es weh tut." In einem Heimspiel. In der Champions League. Wer sich da nicht weh tun will, dem ist nicht zu helfen. Andererseits ist das halt derselbe Führungsspieler, der nach dem letzten Champions League Heimspiel ganz ruhig festgestellt hat, dass man halt nicht mehr gemacht hat, als nötig. Zwischen diesen beiden Aussagen könnte ein Zusammenhang bestehen. Vor allem fassen sie die grundlegenden Probleme in Dortmund wunderbar zusammen. Mittlerweile lösen sie aber auch nur noch ein lethargisches Schulterzucken aus. 

Aber damit steht das Skript für die nächsten Tage ja auch schon fest: am Samstag gibt es einen uninspirierten Auftritt gegen Augsburg. Die Fans trauen sich aber nicht, zu pfeifen, weil ja am Mittwoch das wichtige Spiel in Lille ansteht. Da kommt man dann nach einer epischen Schlacht in die nächste Runde, um mal wieder anzudeuten, was alles in dieser Truppe schlummern könnte. Nur um dann beim neuen Erzfeind aus Leipzig endgültig alle Chancen auf die Champions League zu verspielen. Dass dieses Szenario viel zu realisitsch ist, sollte die Dortmund Fans beunruhigen...

Freitag, 21. Februar 2025

Aber auch gerade so.

 Mit Ruhm bekleckert haben sich unsere Champions League Teilnehmer ja nicht. Als würden sie ihrem neusten Slogan direkt widersprechen wollen: Für Europa reicht es auch nicht wirklich.

Das für mich faszinierendste an dieser Runde war nebenbei das Hinspiel zwischen Manchester City und Real Madrid. Da hat man gesehen, wie europäischer Spitzenfußball aussehen soll. Beide Teams waren technisch und taktisch auf einem Niveau, das kaum jemand erreicht. Und das in allen anderen Fällen höchstens von einer der beiden Mannschaften erreicht worden ist. Was ja im Rückspiel auch auf Manchester City zutraf, denn da war ja wenig bis nichts von ihnen zu sehen. Aber Omar Marmoush durfte ein Mal in der Champions League ran, da hat sich der Wechsel schon gelohnt.

Lustig ist auch, dass Kylian Mbappé im Herbst schon als Fehleinkauf galt, weil er... nun ja... ein paar Monate brauchte, um sich bei seinem neuen Verein zu akklimatisieren. Wie dreist von dem, dass der erst nach einem halben Jahr richtig zündet. Jetzt erzielt er 4 Tore gegen City. Plötzlich könnte damit tatsächlich doch eine der Playoff-Mannschaften zu einem Titelkandiaten aufsteigen.

Wobei Real jetzt auf Atlético Madrid trifft. Es wird nicht wirklich leichter. Für die Uefa ist das Verkacken der beiden nebenbei das Best Case Szenario. Denn die Duelle haben dieser Playoff-Runde eine Relevanz gegeben, die ihr sonst echt gefehlt hätte. Und klar, das doch überraschende Ausscheiden der Italiener war nett. Für die war das schon eine katastrophale Runde. Aber wenn wir ehrlich sind, war keiner von denen wirklich ein Kandidat auf den Titel. Oder gar aufs Halbfinale. 

Spätestens beim 3:3 von Benfica gegen Monaco fällt mir dann auch einfach auf, dass die Übersättigung zumindest bei mir wirklich eingesetzt hat: Klar, das waren schon spannende Spiele. Da sie aber keinerlei Einfluss auf den Ausgang des Turnieres haben werden, interessieren sie mich irgendwie auch nicht.

Was nebenbei auch nicht schlimm ist. Denn Benfica und Monaco spielen ja nicht für mich, sondern für die portugiesischen und französischen Fans. Für die dürfte dieses Spiel DAS Highlight der Saison gewesen sein. Und es muss ja nicht immer nur um mich gehen.

Aber kommen wir zu den Deutschen: Borussia Dortmund hat da gerade ein strategisches Päuschen eingelegt. Deren Grundproblem ist ja, dass auf jedes gute Spiel ein schlechtes folgt. Und dass die schlechten Spiele gerade auf die Bundesliga fallen, die eventuell wichtiger ist, als dieses Playoff Rückspiel. Also bieten sie gegen einen uninspirierten Gegner eine uninspirierte Leistung an und können damit am Wochenende wieder Vollgas gehen. So kann man sich das als Optimist schönreden. Der Pessimist denkt eher, dass Dortmund halt wirklich nur dann was macht, wenn es auch wirklich um was geht. Sobald man mit einem souveränen Vorsprung in die Partie geht, macht man auch nicht mehr als nötig.

Emre Can hat ja hinterher auch offen zugegeben, dass genau dies der Anspruch war. Nach den herausragenden Vorleistungen hatte man es sich aber auch einfach mal verdient, in einem Champions League Heimspiel, für das die treuen Fans die teuren Tickets geholt haben, auf die Bremse zu treten...

Eher besorgniserregend ist aber die Form der Bayern gerade. Jamal Musiala scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, Niko Kovač doch wie ein Genie aussehen zu lassen: Er spielt seit seiner Vertragsverlängerung wirklich in der Range von Julian Brandt. Und das ist nebenbei gar kein soo neuer Trend. Laut Kicker-Noten hat der noch kein gutes Bundesligaspiel im Jahr 2025 abgeliefert. Jetzt bekommt er 2 Mal die Note 5. Wer also dachte, dass Musiala nach dem Ende des Vertragspoker befreit aufspielt, muss sich weiter gedulden. 

Ohne einen Musiala in Topform sieht das Offensivspiel der Bayern erschreckend fad aus. Der beste Spieler war Leon "Wir wollen den unbedingt abgeben" Goretzka. Also es war kein Zufall, dass sein Einsatz das Kacktor heraufbeschwor. Andererseits sah man auch bei seiner vergebenen Großchance vorher, dass er jetzt kein Mann für die ganz großen Spiele ist. 

Natürlich hat Joshua Kimmich am Ende recht, wenn er behauptet, dass das kein Dusel war. Celtic hätte sich glücklich in die Verlängerung gerettet. Nach der Führung hat man schon viel Druck aufgebaut. Dass diese Möglichkeit aber überhaupt bestand, ist das eigentliche Problem. Und dass die Bayern 45 Minuten lang am Stück keinen Abschluss im Strafraum hatten, ist das nächste Problem.

Wie schlimm ist die Lage? Selbst die Hofberichterstatter vom Kicker bezweifeln, dass diese Mannschaft international etwas holen kann. Und wenn ein Weiterkommen selbst die überraschen würde, weiß man, was die Stunde geschlagen hat.

Zu guter Letzt reihte sich auch Heidenheim ein. Die sind sogar ausgeschieden, was strategisch sehr clever war. Zum Glück geht diese Runde anscheinend nicht in die 5-Jahres-Wertung ein. Das ist echt das beste, was man zu dieser internationalen Woche sagen kann.

Dienstag, 28. Januar 2025

Das könnte echt das Worst-Case-Szenario sein

Auch wenn es trotzdem lustig werden wird. Aber es könnte gleichzeitig auch furchtbar werden.

Denn Stuttgart und Paris kommen beide beinah sicher weiter, wenn sie sich auf ein 0:0 einigen. Es sei denn, Zagreb gewinnt 7:0. Das könnte also zu einem Nichtangriffspakt führen.

Hier muss man aber auch sofort festhalten: Das hätte uns auch im alten System passieren können. Zumindest in den Schlussphasen ist es durchaus auch schon vorgekommen, dass beide Mannschaften das Fußball spielen eingestellt haben. Und genau so werden auch die letzten Minuten ablaufen, falls es in dem "Endspiel" lange unentschieden steht: Keiner wird das Weiterkommen durch eine mutige Offensive aufs Spiel setzen.

Der Vorteil am neuen Modus: Beide Vereine sollten gewinnen, um sich hoffentlich ein einfacheres Los in der Zwischenrunde zu sichern. Also klar, es wartet theoretisch Aston Villa auf den "Tabellenletzten". Aber dieses Aston Villa hat halt auch die Bayern geschlagen. Die Optimisten reden sich also ein, dass eine Mannschaft aus der Premiere League der Wunschgegner ist.

Das liegt nebenbei auch an der Sondersituation, dass Club Brügge und Manchester City aufeinandertreffen. Also wenn beide theoretisch gewinnen könnten, würde in Stuttgart kein Unentschieden reichen.

Club Brügge zeigt nebenbei die Absurdität des Spieltags: Bei einer Niederlage droht ihnen das komplette Ausscheiden. Bei einem Sieg wäre theoretisch sogar noch Platz 8 drin. THEORETISCH muss hier extrem großgeschrieben werden, denn dafür müssten die 8:0 gewinnen und alle anderen Ergebnisse in ihre Richtung ausgehen. Ich wage mal zu behaupten: Da kann man nicht mal in China drauf wetten...

Die Bayern könnten im Worst-Case-Szenario 21. werden. Also dafür müssen sie erstmal gegen Slovan Bratislava verlieren... aber wir hielten es auch letzte Woche für absurd, dass die Bayern in Rotterdam 3:0 verlieren. Auf der optimistischen Seite ist Platz 5 noch drin. Also um mal demonstrativ zu verdeutlichen, wie viel theoretische Bewegung in dieser Tabelle noch drin ist.

Wobei man jetzt auch fragen muss, ob Platz 21 wirklich "so schlecht" wäre. Denn es könnte bedeuten, dass man Real Madrid, Paris und Manchester City aus dem Weg geht. Dass diese 3 Mannschaften so abkacken würden, hat wohl niemand kommen sehen. Bei einer sachlichen Betrachtung muss man aber zugeben: dank der extremen Dauerbelastung von Real und City war ein zwischenzeitlicher Einbruch eigentlich absehbar. 

Aber das könnte eine zusätzliche Würze ins Spiel bringen: Wenn man als Tabellen-Elfter vor einem Date mit City in der Zwischenrunde steht, könnte das der ultimative Zeitpunkt für ein taktisches Eigentor sein.

Gerade von Platz 18 bis 5 ist die Lage aber so eng, dass ein einzelnes Tor alles komplett auf den Kopf stellen würde. Warum sollte man also aufs Eigentor gehen, wenn man mit einem Sieg auf Platz 5 springen könnte? Und wie soll man vorhersagen, was auf den anderen Plätzen passiert? Am Ende haben all diese Mannschaften nur die Option, selbst auf Sieg zu spielen.

Und mittendrin gibt es dann Graz - Leipzig und Bern - Belgrad. 2 Spiele, die wirklich nur für die Statistik ausgetragen werden. Und für die Fernsehgelder. Dass 4 bereits ausgeschiedene Mannschaften am letzten Spieltag aufeinandertreffen, sollte eine ähnlich große Ausnahme sein, wie der mögliche Nichtangriffspakt in Stuttgart.

Freitag, 24. Januar 2025

Und das war nur die Vorspeise

Die Hauptspeise kommt erst nächste Woche.

Also ganz ehrlich: Es muss Jahrzehnte her gewesen sein, dass ich für eine zweite Halbzeit eines Gruppenspiels in der Champions League vor dem Bildschirm gehangen habe. Mit einem "Scheiß drauf, dass ich morgen zur Schule muss". Das war in diesem ominösen Früher, wo man halt ein ganzes Jahr drauf warten musste, um einen Rivaldo im Fernsehen zu sehen: auch wenn man damals wenig gesehen hat, hat man eingeschaltet. Da ist uns wenigstens gar nicht aufgefallen, dass Rivaldo gar nicht gespielt hat...

Mittlerweile ist der Markt ja so übersättigt, dass man zumindest jede Woche die Highlights sehen kann. Und man hat ja die technischen Möglichkeiten, einfach alle Spiele zu sehen, wenn man das unbedingt will.

Aber egal: Paris St. Germain gegen Manchester City war das beste Gruppenspiel aller Zeiten. Das hätte die Uefa nicht besser skripten oder der chinesische Wettmarkt nicht besser manipulieren können. Wer auch immer das zu verantworten hat, hat sich ein dickes Lob verdient.

Also rein technisch gesehen hätte dieses Spiel im alten Modus ja gar nicht ausgetragen werden können, weil beide Mannschaften in Lostopf 1 gelandet wären. Damit war ausgeschlossen, dass sie aufeinander treffen. Und eigentlich fand ich es ja absurd, dass die neue Gruppenphase jetzt dazu führt, dass wir die Duelle, die es ab dem Viertelfinale eh jährlich gibt, noch häufiger stattfinden.

Aber da ging ich auch davon aus, dass es für beide um relativ wenig bis nichts geht. Also nur um die Frage, ob man Vierter oder Fünfter wird.

Jetzt haben beide die Gruppenphase so verkackt, dass beide das Spiel gewinnen mussten, um sich wenigstens die Playoffs zu sichern. Also halbwegs zu sichern. Und wenn 2 individuell großartig besetzte Mannschaften auf Sieg spielen müssen, kommt da meistens ein großartiges Spiel bei raus. Dass dann ausgerechnet Paris, die ja bisher immer am geringsten Widerstand zerbrochen sind, den Rückstand drehten, ist eine absurde Pointe.

Aber das müssen sie jetzt nächste Woche nochmal beweisen. Denn wenn sie gegen Stuttgart verlieren, wären sie trotzdem raus. Auch Stuttgart muss aber zwingend gewinnen, wenn sie im Wettbewerb bleiben wollen. Und klar, wenn Bologna gegen Sporting verliert, könnte Stuttgart auch mit einem Unentschieden weiterkommen. Aber wer verliert schon gegen Bologna?

Oh, ja, die Dortmunder. Natürlich. Es ist aber auch faszinierend, wie kaputt der BvB gerade ist. Und damit meine ich nicht nur das offensichtliche, dass Nuri Şahin als Trainer komplett überfordert war. Auch die Führungsetage ist offensichtlich komplett kaputt. Also die Frage, warum Lars Ricken befördert werden musste, obwohl die eigentliche Bilanz der Dortmunder Eigengewächse grausam ist, kann mir immer noch keiner beantworten. Was natürlich auch daran liegt, dass sich niemand mit der Frage, warum sich keine Dortmunder Eigengewächse durchsetzen, beschäftigt. Sebastian Kehl ist hauptsächlich Manager, weil er schon so lange da ist. Aber was macht eigentlich Matthias Sammer? Bei Amazon Prime die Mannschaft zerlegen? Also klar, mit seiner Einschätzung hat er vollkommen recht. Dass er die unangenehmen Wahrheiten ausspricht, ist wichtig. Aber bezahlen die den nicht als "Berater", damit er das intern so deutlich anspricht? Denn diese "Nicht-Verfassung" kommt ja nicht... aus dem Nichts. Diese Verfassung konnten wir 4 Spiele lang bestaunen. Aber Sammer fällt das erst jetzt auf? Oder er spricht das erst jetzt an? Oder er wurde intern ignoriert, weil er es vorher angesprochen hat?

Entweder die Dortmunder verschwenden das Gehalt für Sammer, weil sie ihnen eh nicht zuhören, oder sie verschwenden das Gehalt für Sammer, weil er seinen Job nur öffentlich macht... Egal, wie man es betrachtet, man kann da beiden Parteien kein gutes Zeugnis ausstellen.

Joachim Watzke sitzt daneben und guckt sich an, wie um ihn herum sein Lebenswerk zusammenbricht. Ganz großes Kino.

Und so, wie sich der Rest der Deutschen Mannschaften gerade anstellen, gibt es ja nicht wirklich die große Hoffnung, dass man über die Jahreswertung als 5. Mannschaft zur Champions League eingeladen wird. RB Leipzig ist schon sicher ausgeschieden. Der TSG 1899 Hoffenheim droht ebenfalls das Vorrundenaus. Heidenheim ist schon in der Zwischenrunde. Bayern und eben Dortmund müssen da wahrscheinlich auch antreten. Stuttgart hofft zumindest, dass sie diese erreichen. Aber vielleicht ist das ja der Dortmunder Plan: Dass die deutschen Mannschaften in dieser Zwischenrunde so viele Punkte holen, dass man am Ende wieder zu den besten Nationen gehört...

Ernsthaft: Wie werden diese Playoffs eigentlich für die 5-Jahres-Wertung verrechnet? Ist es am Ende gut, wenn da viele Mannschaften aus deiner Liga teilnehmen? 

Aber ja: Von der "halben Liga", die dieses Jahr international starten durften, überzeugen nur Bayer Leverkusen und natürlich Eintracht Frankfurt. Das ist kein gutes Zwischenzeugnis. Das ist jetzt vielleicht auch nicht DER Moment, um darauf hinzuweisen, dass die Bayern in der Liga nur einen Punkt mehr geholt haben, als in der angeblich so grausamen Vorsaison. Also falls noch irgendjemand glaubt, dass unter Vincent Kompany alle deutlich besser geworden ist: Ist es nicht, Bayer ist nur ein wenig schwächer geworden, deswegen fällt das nicht auf.

Freitag, 8. November 2024

Schneiden sich die UEFA und die FIFA am Ende ins eigene Fleisch?

 Klar, darauf wartet man schon seit Jahren. Diese Übersättigung des Marktes sollte vor 15 Jahren einsetzen, stattdessen werden immer neue, immer hungrigere Märkte erschlossen. Und diese neuen Märkte interessieren sich auch hauptsächlich für die Champions League, da ist es ihnen egal, dass dieser Wettbewerb die nationalen Ligen kaputt gemacht hat.

Und diese Menschen freuen sich auch, aus ihrer Perspektive völlig zurecht, auf die neue Klub-WM. Denn für die Fußballfans in Asien ist die Aussicht auf ein ernst gemeintes Kräftemessen mit Real Madrid ein absoluter Fiebertraum... der demnächst wahr werden dürfte. Selbst wenn in Europa kein einziger Mensch einschaltet, werden sich in der restlichen Welt genügend Zuschauer finden, dass sich das für die Fifa lohnt.

Der Markt ist nicht das Problem. Die Spieler sind es. Denn die schlagen mittlerweile Alarm, dass sie einfach nicht mehr Einsätze ertragen können. Also weder mental noch physisch. Und direkt nachdem Rodri einen Streik ins Gespräch gebracht hat, zieht er sich einen Kreuzbandriss zu. Was auch nur verdeutlichen sollte, wie weit über dem Limit die mittlerweile sind.

Die UEFA buttert da mit ihrer Aufblähung der Champions League auch munter rein. Ich finde es ja an der Stelle lustig, dass sich die Dortmunder Fans nach dem ersten Auswärtsspiel über die Qualität der Toiletten aufgeregt haben. Ich dachte, das wäre genau die urige Form des Fußballs, die ihr unbedingt erhalten und erleben wolltet. Diese Woche hängen sie dann "UEFA MAFIA" Plakate auf. Was niedlich ist. Denn nur dank dieser "Mafia" und ihrer Machenschaften dürfen die Dortmunder dieses Jahr überhaupt mitspielen. Sie sollten also eigentlich den gesamten Wettbewerb boykottieren. Oder ihr sorgt für einen Spielabbruch. Aber so ein bisschen Aufregen beruhigt das eigene Gewissen, das reicht ja auch.

Die ersten Spieltage deuten an, dass einige Vereine begriffen haben, dass sie diese Spiele jetzt ernster nehmen müssen. Deswegen gibt es auf einmal so viele noch deutlichere Siege: Im alten Modus hätte den Bayern ein 3:0 gegen Dinamo Zagreb gereicht, jetzt gehen sie konsequent auf das 9. Tor. Und Dortmund gegen Celtic auf das siebte. 

Wie schlimm ist die Lage? Diego Simeone hat auf Sieg spielen lassen... weil er das musste. Für uns Fans ist das etwas Großartiges... für die Spieler ist es grausam. Dazu kommt halt für die Besten der Besten die Klub-WM.

Und ja, noch befindet sich der neue Modus in den Kinderschuhen. Und auch wenn es diese Woche viele überraschende Ergebnisse mit Niederlagen für Real Madrid, Paris St. Germain und Manchester City gab, nehmen alle diese Gruppenphase jetzt ernster. Oder lasst es mich korrigieren: Gerade an den Niederlagen erkennt man das. Denn die werden nicht einfach mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen.

Im "alten Modus"  würde diesen Mannschaften ein Sieg im Rückspiel reichen, um den Ausrutscher auszumerzen und sich den ersten Platz in der Gruppe zu sichern. Und zumindest für Sporting wäre eine 0:4 Niederlage im Rückspiel eine bedrohlich reale Drohung...

Jetzt werden sie diese Ergebnisse bis in den April spüren. Real und den Bayern drohen 2 zusätzliche Spiele in der Zwischenrunde... und dann ein wesentlich härterer Spielplan für den Rest des Turniers.
Eines muss man der UEFA lassen: Dieser neue Modus ist für die Zuschauer genial.

Warum könnte das jetzt den Giganten schaden? Nun ja. Erinnert ihr euch noch daran, wie sich ein völlig übermüdeter Jamal Musiala sich zum Ende der Saison 2022/23 über den Platz geschleppt hat? Also klar, der hat am Ende das Tor zur Meisterschaft erzielt... nachdem er vorher für ihn unfassbare 11 Spiele am Stück nicht getroffen.
Oder ist euch aufgefallen, wie träge sich Florian Wirtz in diesem Sommer während er Heim-EM über den Platz geschleppt hat? Der war so müde, dass Julian Nagelsmann ihn im Achtelfinale auf die Bank gesetzt hat. Und auch im Viertelfinale kam er nur als Joker.
Dabei war Wirtz nicht mal wirklich schlecht. Er war nur nicht auf dem Niveau, dass er vorher in Leverkusen gezeigt hat... und welches er jetzt nach einer gewissen Pause wieder zeigt.
Ein weiteres offensichtliches Beispiel war Jude Bellingham. Klar, der konnte auch während der EM vereinzelt für geniale Momente sorgen. Aber zwischen diesen raren genialen Momenten frage man sich immer wieder, warum der nicht ausgewechselt wurde. Schließlich grenzte das an Leistungsverweigerung...

Diese 3 Spieler zeigten uns, wie sich die permanente Dauerbelastung auf das Leistungsniveau jetzt schon auswirkt. Und genau deswegen erwähne ich ja das "historische" Beispiel Musiala und dessen Wahnsinnspensum während der Pandemie. Fifa und Uefa denken sich derweil: 3 Jahre am Stück spielen? Das dürft ihr ab sofort immer.

Denn für die Spieler von Real Madrid, Bayern München und Manchester City wird es ab sofort völlig normal sein, dass sie 3 Jahre am Stück durchspielen: EM, Klub-WM, WM und erst dann gibt es wirklich eine Pause.

Wir haben jetzt schon den Punkt erreicht, an dem die größten Stars im Sommer so durch sind, dass die Qualität der Spiele darunter leidet. Zum Glück für die Uefa konnten das die jungen Stars wie Nico Williams und Lamine Yamal kompensieren. Aber kann man sich darauf verlassen, dass jedes Turnier die Jungstars so durchstarten?

Dazu kommen die zahlreichen verletzungsbedingten Ausfälle. Mittlerweile ist es völlig normal, dass das Invalidenteam ein absoluter Titelfavorit wäre, weil so verdammt viele richtig geile Spieler ausfallen.

Den Spielern ist ja bewusst, dass sie das nicht ewig so durchziehen können. Dass der Körper einfach seine Pausen braucht. Und wenn man sich diese Pausen nicht gönnt, nimmt der Körper sich die halt und fällt verletzt aus.

In logischer Konsequenz werden diese Spieler nach Möglichkeiten suchen, sich ihre Pausen zu gönnen. Und dann fällt ihnen auf, dass es da diese eine Option gibt, die sie finanziell nicht mal viel kosten dürfte.
Ich werfe jetzt mal folgende dreiste These in den Raum: Musiala, Wirtz und Bellinham werden ihre Nationalmannschaftskarriere vor dem 31. Geburtstag beenden. Die werden im Vollbesitzt ihrer Kräfte auf diese Zusatzbelastung verzichten. Und die Fifa oder Uefa werden nichts dagegen machen können.

Immer mehr Spieler werden einfach irgendwann sagen: "Ich würde gerne noch für die Nationalmannschaft auflaufen, aber ich kann einfach nicht mehr. Ich muss jede Gelegenheit zur Regeneration nutzen." Und wenn dann mit dem "Team Verletzt" und dem "Team Ruhestand" 2 Titelfavoriten auf der Couch sitzen, wird das der Strahlkraft der Turniere doch schaden. Und am Ende sind es diese beiden Turniere, die die Grundlage für die herausragende Stellung dieser Verbände sind. Selbst die Champions League hat nicht dieselbe Strahlkraft, wie eine Weltmeisterschaft. Also noch nicht.

Mich wundert es ja an der Stelle, dass ein Kevin de Bruyne noch nicht zurückgetreten ist. Es ist ja bei dem offensichtlich, dass er mit dem Zustand der Nationalelf unzufrieden ist. Und dass er seinen Höhepunkt mit dem Team schon erreicht hat. Allerdings ist de Bruyne auch offiziell die letzte Generation "vor der Klub-WM". Sobald bei den Spielern diese Zusatzbelastung wirklich in den Knien ankommt, werden sie sich auch früher zurückziehen. Und dass ein Ausnahmespieler wie de Bruyne dann als Ü31 Spieler noch für eine relativ kleine Nation spielt, wird die Ausnahme darstellen.