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Freitag, 17. Juli 2026

Mein innerer Zahlenfetischist bricht dann aus

 Frei nach Götz Widmann: War kompliziert, hab meinen digitalen Helfer zücken müssen. Aber die Frage, wie viele Minuten die englische Nationalmannschaft in den Beinen hat und wie viel mehr als bei den Argentiniern das sind, hat mich einfach interessiert. Und wenn man dann schon dabei ist, guckt man sich gleich noch Spanien als europäischen Vergleichswert mit an...

Die Daten kommen alle von Transfermarkt.de. Ich werde jetzt aber nicht jedes einzelne Spielerprofil verlinken.

Jordan Pickford   3540       Emiliano Martínez 3870     Unai Simón       4140
Reece James        2667      Nahuel Molina        2400        Pedro Porro        3923
Marc Guéhi         4522      Cristian Romero      2657        Pau Cubarsí        3978
John Stones         1144      Lisandro Martinez   1310        Aymeric Laporte 2434
Djed Spence        3024     Nicolás Tagliafico    2019        Marc Cucurella   3871
Declan Rice         4456     Leandro Paredes      1634        Fabián Ruiz        2122
Elliot Anderson   4168     Alexis Mac Allister  3885        Rodri                  2185
Jude Bellingham  2718    Enzo Fernández        4379      Lamine Yamal    3702
Anthony Gordon  2869    Julián Alvarez           3549       Dani Olmo          2838
Morgan Rogers    4564    Guliano Simeone       3803       Álex Baena         2305
Harry Kane          4050    Lionel Messi              1423       Mikel Oyarzabal 3195

Gesamt                 37723                                   30929                                  34693

Der selbst der Unterschied zwischen Spanien und England ist beachtlich. Der Unterschied zu Argentinien ist eklatant. Also das sind in der Summe über 75 Spiele mehr, die die Engländer in den Beinen hatten. Im Vergleich zu den Spaniern sind es immer noch über 33. Das ist beinah eine komplette Bundesligasaison... Natürlich geteilt durch 11, aber das macht dann immer noch 6,8 bis 3 zusätzliche Spiele pro Spieler. Und da sind wir noch nicht mal bei dem Fakt, dass diese 3 Spiele in der härtesten Liga der Welt absolviert werden und nicht in der Bundesliga, die selbst Harry Kane gewinnt und wo die Gegner sich ehrfürchtig ergeben.

Das dürfte ja keine Ausnahmesituation sein. Das ist ja der ganz normale Wahnsinn für die. Und ja, es ist irgendwie bezeichnend, dass der einzige 4000er der Spanier im Tor steht. 

Faszinierend an diesem offensichtlichen Einbruch ist ja, dass diese WM ein Belastungstest für die Belastung war. Also nochmal extremer für die Engländer, die ja für ein Spiel in die Berge mussten, was nebenbei völlig bekloppt ist. Und danach noch eine Verlängerung gegen Norwegen überstehen mussten. Dass die überhaupt so lange durchgehalten haben, ist eher ein Wunder.

Aber es stand eine entscheidende Frage im Raum: Wie vertragen unsere Stars eine Mega-WM, teilweise in der Hitze, nachdem sie eine lange Saison mit aufgeblähter Champions League und eine Klub-WM im vorherigen Sommer in den Beinen haben? Und die erste Antwort war: Extrem gut. Die Stars wie Kane und Bellingham haben schon abgeliefert. Kylian Mbappé hat 8 Tore erzielt. Erling Haaland ist bei 7 Toren in 5 Spielen. Ousmane Dembélé erzielte 5 Treffer. Die besten Angreifer der Champions League haben richtig abgeliefert.

Aber... Erling Haaland hat sich in der Verlängerung des Viertelfinales auswechseln lassen. Der musste im wichtigsten Moment der Fußballgeschichte seines Landes zugeben, dass der Tank einfach komplett leer ist. Dass er als bester Spieler, den das Land je hervorgebracht hat, dieser Mannschaft nicht mehr helfen kann, weil er einfach zu fertig ist. Harry Kane spielte in der zweiten Halbzeit ein paar wunderbare Seitenverlagerungen, aber sonst war von ihm wenig zu sehen. Bellingham ist erst nach Abpfiff wirklich aufgefallen. Nur traute sich Thomas Tuchel halt nicht, den wieder auszuwechseln und einen frischeren Mann zu bringen. 
Declan Rice sah am Ende eher wie ein Zombie als wie ein Profi aus und musste nach 82 Minuten runter. Dass man dann nicht mehr konsequent verschieben kann und die Argentinier zu Chancen kommen, ist eher logisch als überraschend. Und da muss ich auch die Kritik an Tuchel etwas revidieren: Dass es dann unmöglich ist, überhaupt über Entlastung nachzudenken, erscheint nachvollziehbar.

Am Ende könnte man doch zu dem Schluss kommen, dass es einfach zu viel ist. Man ist als Fußball Fan jetzt in einem Turnierjahr in einer völlig absurden Situation angekommen: Man muss irgendwie hoffen, dass seine Stars gesund durch die Saison kommen. Aber man muss zeitgleich darauf hoffen, dass man nicht zu gesund durch die Saison kommt, denn dann hat man plötzlich zur WM 4500 Minuten in den Beinen... Das Paradebeispiel hierfür ist ja Lamine Yamal, auch wenn der erst im Halbfinale wirklich ins Laufen kam. Der hatte nämlich im beinah perfekten Moment seine Verletzung. Der verpasste die letzten 6 Ligaspiele. Aus der Champions League war Barca bereits ausgeschieden. In der Liga hatte man aber genug Vorsprung, dass man souverän Meister werden können. Auch im Pokal war man bereits ausgeschieden. Es ging für Yamal quasi nur noch darum, zur WM fit zu sein. Idealer wäre natürlich eine leichtere Verletzung gewesen, sodass er die letzten 2 Spiele noch zum Einspielen nutzen kann.

Wenn Yamal aber all diese 6 Spiele komplett macht, ist er bei 4223 Minuten... Plus Nachspielzeit. Ob er dann wirklich inspirierter spielen würde... Obwohl man an der Stelle auch zugeben muss, dass Yamal halt noch verdammt jung ist und er die 4500 Minuten Saison im Vorjahr gut verkraftet hat. Aber es könnte gut sein, dass er dann genauso motiviert aussieht, wie Declan Rice.

Natürlich wird da niemand so genau hingucken wollen. Es ist leichter Thomas Tuchel für seine definitiv fragwürdigen Wechsel zu kritisieren, als das große Ganze zu hinterfragen. Man wirft den Spielern vor, dass sie völlig unmotiviert den Betrieb einstellen, weil sich mit der Frage, warum sie so fertig sind, niemand beschäftigen will. Und in 2 Jahren sind dann alle wieder überrascht, wenn England grausamen Fußball spielt und ihnen am Ende die Kraft fehlt, um das Turnier zu gewinnen.

Es ist ja faszinierend, wie oft Tuchel sich während dieser WM anhören musste, dass er ja Southgate-Fußball spielen lässt. Dass die Auftritte oft genauso uninspiriert sind, wie bei den Turnieren davor. Vielleicht müssen wir mal die bittere Wahrheit akzeptieren, dass man nur Southgate-Fußball spielen lassen kann, wenn man 9 Premiere League Profis plus 2 Stars von Bayern München und Real Madrid aufstellen muss. Denn es macht ganz offensichtlich einen Unterschied, ob man 5 Spieler mit mehr als 4000 Minuten in den Beinen aufstellen muss... oder nur einen.

Freitag, 8. Mai 2026

Und das wichtigste verkackt die DFL

 Ihr hattet eine Aufgabe... einen vernünftigen Spielplan zu erstellen. Und stattdessen beschäftigt ihr euch mit den Abständen der Bälle neben dem Spielfeld. Gut, dass die Prioritäten richtig gesetzt wurden.

Worum geht es? Nun ja, um den Abstiegskampf. Und um die Ansetzungen im Abstiegskampf. Denn die haben es tatsächlich geschafft, dass St. Pauli, Wolfsburg und Heidenheim alle zu unterschiedlichen Zeiten spielen. Heidenheim spielt sogar erst am Sonntag. Und da muss ganz offen die Frage gestellt werden: Warum?

Also die 3 Mannschaften spielen gegen RB Leipzig, Bayern und den 1. FC Köln. Dass diese 3 Mannschaften am 32. Spieltag tief im Abstiegskampf stecken, sollte niemanden überraschen. Dass die 3 Gegner am Samstag um 15:30 Zeit hätten, steht seit dem 17.05.2025 fest... also da hat Leipzig mit der Niederlage in Stuttgart die Teilnahme an der Conference League verpasst. Was schon absurd ist, denn das wäre ja die Chance auf ein "Finale Heeme" gewesen. Mit Hermes House Band auf dem Fanfest...

Aber seit diesem Tag steht fest, dass keine der Gegner am Donnerstag im Europacup spielen würde. Der eigentliche Spielplan wurde natürlich erst am 2.6. veröffentlicht.  Die finalen Ansetzungen wurden am 27.03. festgezurrt. Da war Heidenheim noch weit abgeschlagen. Aber dass St. Pauli und Wolfsburg steckten mitten im Abstiegskampf. Zusammen mit den Kölnern. Und Werder Bremen

Da ist doch das naheliegendste, dass diese 5 Mannschaften die 4 Partien am Samstagnachmittag austragen. Ernsthaft, das ist eigentlich ein Skandal. Es sollte ein viel größeres Thema sein und von wesentlich mehr Leuten als nur dem Fanbündnis "Unsere Kurve" kritisiert werden.

Gerade die Konstellation zwischen St. Pauli und Wolfsburg ist völlig absurd. Die trennt ja wirklich nur das Torverhältnis. Die Wölfe werden im Zweifelsfall genau wissen, welches Niederlage sie sich gegen die Bayern leisten können. Es kann also sein, dass die am Ende krampfhaft ein 0:5 verteidigen, weil sie genau wissen, dass dann am letzten Spieltag ein Unentschieden reicht.

Das diese beiden Mannschaften nicht zeitgleich spielen, ist unentschuldbar. Ich sage das mal ganz drastisch: Wer immer das zu verantworten hat, sollte dringend in eine Position befördert werden, in der er keine aktiven Funktionen mehr hat...

Dabei, das will ich an der Stelle nochmal festhalten, bin ich sogar ein großer Freund von den aufgeteilten Spieltagen zum Saisonende. Wenn man das clever machen würde, könnte man sicherlich mehr TV Gelder rausholen, ohne dass man, wie in der Relegation, den Wettbewerb verzerrt.

Das müsste aber nach klaren und nachvollziehbaren Regeln passieren. Also:
1.) Die Europacup Teilnehmer spielen Sonntag.
2.) Die Abstiegskandidaten spielen zeitgleich.
3.) Die Bayern spielen zeitgleich... also eigentlich wollte ich hier "Die Meisterschaftsanwärter" schreiben, es sind aber halt die Bayern.
4.) Um die Mannschaften, die in den Europacup einziehen, baut man den Rest.

Und dann verkauft man an Sky und DAZN die Rechte für die entsprechenden Konferenzen. Und selbst wenn dann die Abstiegs- und die Europacup-Konferenz am Ende gleichzeitig stattfinden müssen, könnte man eine extra Konferenz, die nur diese Spiele zeigt und nicht zum belanglosen Sommerfußball schalten muss, bestimmt gut verkaufen.

Die Logik dahinter ist grundsolide. 1.) Die Ruhetage zwischen den Spielen müssen gewahrt werden. 2.) Der Abstiegskampf gilt nicht zu Unrecht als "Existenzkampf". Da hängt, solange man kein Harakiri wie Dortmund zur Jahrtausendwende betreibt, das meiste dran. 3.)Der Meistertitel ist ja der eigentliche Grund, warum wir den ganzen Spaß machen. Und 4.) das Rennen um die Europacup-Plätze ist zumindest in der Theorie der unterhaltsamste Teil. Aber für die meisten wäre eine Teilnahme "nur" ein Bonus-Feature und nicht die Grundlage ihrer Existenz.

Dafür nimmt man sich im Zweifelsfall die Tabelle vom 25.03.. Die letzten 5 packt man, in die Samstagskonferenz. Die Mannschaft auf Platz 3 bis 5 in die 18:30 Champions League Konferenz. Und die Mannschaften auf den Plätzen 6 bis 8 spielen am Sonntag. Und wenn eine der Mannschaften aus den späteren Konferenzen auf eine aus den früheren trifft, so hat die frühere Priorität. Das kann dann natürlich dazu führen, dass der Tabellensechste schon weiß, welches Ergebnis er braucht, aber das ist, verglichen mit der derzeitigen Situation im Abstiegskampf, ein harmloses Problem.

Also ganz praktisch: Am Samstag um 15:30 spielen RB Leipzig - St. Pauli, Wolfsburg - Bayern, Köln gegen Heidenheim und vielleicht noch Hoffenheim gegen Bremen.

Dann freut man sich darüber, dass das ausbleibende Meisterrennen alles einfacher macht und setzt zu 18:30 als Gegenprogramm zur Sportschau die Fernduelle um die Champions League an. Hoffenheim - Bremen (was dann tatsächlich nur um ein paar Stunden verschoben werden müsste, der Aufwand wäre also überschaubar) und Stuttgart Leverkusen. Und am Sonntag spielen, möglichst sogar zeitgleich, Hamburg - FreiburgDortmund - Frankfurt und Augsburg - Gladbach. Und dann kann man den belanglosen Sommerkick zwischen Mainz und Union Berlin sogar noch auf den Freitag legen.  Plötzlich hätte man ein echt spannendes Fußballwochenende, an dem der neutrale Fußballfan von Samstag bis Sonntag vor der Glotze hängt...

Am letzten Spieltag spielen dann alle am Samstag, aber man bastelt sich trotzdem 2 Konferenzen. Eine um 15:30 für die ganzen Europacup-Teilnehmer und eine um 18:30 um Wolfsburg, St. Pauli und Heidenheim. Und wenn mehr Mannschaften im Abstiegskampf stecken, als im Europa Cup Rennen, tauscht man das. Falls es jemals wieder ein spannendes Meisterschaftsrennen gibt, legt man das auf 18:30. Wenn das ganze aufgrund von Überschneidungen nicht aufgeht, macht man eine 15:30 Konferenz, verkauft aber die Rechte für die einzelnen "Unter-Konferenzen" an die entsprechenden Anbieter.

Wenn die Fernsehsender weiter denken, als von der Wand zur Tapete, wird ihnen auffallen, dass sie natürlich das eine oder andere Einzelspiel verlieren. Dafür können sie dann aber die entsprechenden Pakte an betroffene Fans verticken. Also von dem Special "Abstiegspaket" würden sie bestimmt an die 3 Wolfsburg-Ultras verkaufen. Obwohl, das sind ja Drillinge, die werden sich ein Abo teilen. Schlechtes Beispiel. Aber in Stuttgart würde man das "Wir begleiten den VfB im Rennen um die Champions League" Angebot super an den Fan bekommen. 

Die Fans werden natürlich erstmal heulen. Weil die immer heulen, wenn sich irgendwas ändert und weniger Spiele um 15:30 angepfiffen wird. Aber für die wäre das praktisch eine Verbesserung. Man könnte sich als Einstimmung auf sein eigenes Finish vorher den Abstiegskampf angucken und dann zum von der Kneipe ins Stadion ziehen. Oder man kann sich während des Abstiegsfrustsuffs noch angucken, wie andere Mannschaften um ihre Ziele kämpfen. Und der neutralen Zuschauer, dessen Mannschaft nur noch mit Sommerfußball beschäftigt wäre, kann sich beide Konferenzen nacheinander reinziehen und den kompletten Impact des Saisonfinales genießen, während er jetzt in der eher hektischen 9 Spiele Konferenz verloren geht.

Natürlich bräuchte diese Idee eine gewisse Flexibilität. Und das haben wir Deutsche halt nicht. Also wahrscheinlich würde alleine die Polizei eine kurzfristige Verlegung vom Hoffenheim - Bremen Spiel verhindern, weil sie dafür ihre Dienstpläne neu schreiben müssten. Das geht ja gar nicht.

Nur um zu beweisen, dass das aber geht: Die Premiere League hat das Spiel Chelsea - Nottingham kurzfristig auf Montag 16 Uhr angesetzt. Das wirkt wie eine ungewöhnliche Anstoßzeit, bis einem bewusst wird, dass der Montag in England ein Feiertag war. Anstatt dogmatisch darauf zu beharren, dass am Montag um 16 Uhr kein Fußball gespielt werden darf, haben sie einfach den Feiertag genutzt. Und am Ende generieren sie auch aufgrund solcher Aktionen einfach mehr Umsatz, als die Bundesliga. Für die Fans im Stadion ist jetzt 16 Uhr an einem Feiertag auch eher eine Verbesserung der Lage, weil auch die Gästefans entspannt hin und zurückkommen.

Natürlich muss man die komplette Kommerzialisierung der Premiere League nicht unbedingt als Vorbild nehmen. In Deutschland ist es ja irgendwie wichtig, dass man den Schein wahrt und so tut, als wäre Profifußball nicht der reinste Kommerz... auch wenn trotzdem alle das dreckige Geld nehmen, um den Spaß zu finanzieren.

Aber eine potenzielle Aufsplittung der letzten beiden Spieltag wäre jetzt nicht das Ende der Bundesliga Romantik. Im Gegenteil, wenn man, wie hier dargelegt, die Regeln ordentlich festlegen würde, könnte man dadurch die gerade anstehende Wettbewerbsverzerrung verhindern.

Nebenbei finde ich 2 Dinge faszinierend: Einerseits dass es mit Mainz gegen Union nur ein einziges bedeutungsloses Spiel gibt. Es geht einerseits doch noch für mehr Mannschaften um etwas, als ich gedacht hätte. Und der Spielplan fällt so günstig, dass es nur in einem Spiel für beide Mannschaften wirklich um was geht. 

Andererseits haben die echt 3 Sonntagsspiele für den 33. Spieltag angesetzt. Und klar, mein Loblied auf den SC Freiburg muss noch geschrieben werden... aber gingen die echt davon aus, dass 3 von 4 deutschen Teilnehmern ins Halbfinale der Europa und Conference League einziehen? 

Das ist uns seit den 70ern nicht mehr passiert. Dass man dieses so extrem unwahrscheinliche Szenario bei den Verträgen beachtet, es aber nicht schafft, einen vernünftigen Spielplan zu erstellen, sagt viel über den Fokus der DFL aus...

Donnerstag, 16. April 2026

Die Vertragsverlängerung von Nico Schlotterbeck

 Das war schon ein episches Event. Wie sehr muss man eigentlich die Verhandlungen verkacken, dass die eigenen Fans auf die Bekanntgabe einer Verlängerung mit Pfiffen reagieren? Wie konnte das denn passieren?

Das Grundproblem ist hier natürlich die Ausstiegsklausel. Also noch nicht mal die Ausstiegsklausel an sich, sondern dass sie schon ab diesem Sommer greift. Ausstiegsklauseln sind wirklich relativ normal, da müssen wir uns nichts vormachen. Und ja, auch Harry Kane hatte so eine in seinem Vertrag, was mich auch ein wenig überrascht.

Aber hier ist das entscheidende Problem: Die Ausstiegsklausel bei Nico Schlotterbeck greift schon ab diesem Sommer. Wenn auch sie nur für 3 Vereine gilt. Aber Real Madrid ist dabei, und die könnten nach der Vorstellung gestern durchaus Hilfe in der Verteidigung gebrauchen. Auch Liverpool wird genannt und auch die werden im Sommer Geld für deutliche Verstärkungen in die Hand nehmen.

Normalerweise gelten solche Ausstiegsklauseln ab 2027 oder 2028. Das wäre ein starkes Statement auch von Schlotterbeck gewesen: "Egal, wie die Weltmeisterschaft ausgeht, ich werde mindestens bis zur EM in Dortmund bleiben." Und machen wir uns nichts vor: Am Ende geht es jetzt für Schlotterbeck nur um die WM. Wenn Deutschland erfolgreich abschneidet und Schlotterbeck ins Team des Turniers gewählt wird, holt Real den. Und dann wird Schlotti sagen, dass man einer Mannschaft wie Liverpool nicht absagen kann.

Für mich als zynischer Zuschauer ist das natürlich perfekt. Denn jetzt steht quasi schon fest, wie Schlotterbecks restliche Karriere in Dortmund verlaufen wird. Es gibt ja tatsächlich nur 2 Szenarien.

Szenario 1.: Schlotterbeck macht noch den Schritt zum Weltklasse-Verteidiger. Wie immer gehe ich mit diesem Begriff sehr sparsam um. Aber wenn er den Schritt geht, ist die Frage nicht "ob", sondern nur "wann" er den Verein verlässt. Und die Antwort lautet "Unverzüglich"...

Szenario 2: Schlotterbeck wird der nächste Julian Brandt. Im Jahr 2030 führt er die Mannschaft dann als Kapitän aufs Feld, weil er halt irgendwie schon immer da war. Er ist aber auch nur noch da, weil sich die wirklich großen Klubs nicht für ihn interessieren. Und im Sommer 2031 wechselt er dann ablösefrei irgendwo hin. Wahrscheinlich zu einem Verein, der im Ausland um die Champions League Teilnahme mitspielen kann. Vielleicht wird er sogar mal Meister in Italien. Und bei seinem Abschied werden sich alle denken, dass da doch irgendwie mehr gegangen wäre, wenn er sein gesamtes Potenzial ausgeschöpft hätte.

Vielleicht verlängert man den Vertrag dann sogar noch einmal. Dann sogar ohne Ausstiegsklausel, weil sich niemand für einen Ü30er Verteidiger aus Dortmund interessiert. Und hey, vielleicht stemmt er sogar mal als Kapitän den DFB-Pokal in den Himmel. Das hängt halt davon ab, wie ernst die Bayern diesen Wettbewerb nehmen. Meister wird, wie bereits letzte Woche angekündigt, bis 2031 nur der FC B...

Das ist und bleibt halt das Grundproblem der Dortmunder. Und genaugenommen auch beim Rest der Liga. Sobald die Spieler in ihren Reihen auch nur andeuten, dass sie wirklich Weltklasse sind, kommt jemand und bietet verdammt viel Geld. Die letzte Ausnahme, die mir einfällt, ist halt Florian Wirtz, der eine Ehrenrunde mit Leverkusen absolvierte, obwohl er eigentlich schon 2024 den Schritt zu einem größeren Verein wagen konnte. Aber er wollte halt vorher als Stammspieler Champions League spielen und ist nach wie vor verdammt jung. Er ist wirklich gut beraten und nicht nur auf die schnelle Gehaltserhöhung aus.

Es ist ja auch faszinierend, wie viele ehemalige Bundesligaspieler in diesem Champions League Viertelfinale mitgemischt haben: Wirtz, Hugo Ekitiké, Dominik Szoboszlai und Jeremie Frimpong spielen für Liverpool. Ousmane Dembélé geht mittlerweile für Paris St. Germain auf Ballon d'Or jagt. Dani Olmo und Robert Lewandowski greifen für Barca an. João Cancelo "verteidigt" für sie. Piero Hincapie und Kai Havertz verwalten die Vorsprünge für ArsenalJude Bellingham, Antonio Rüdiger und Daniel Carvajal jammern kollektiv für Real Madrid. 12 Spieler... und nur 2 von ihnen kamen vom FC Bayern. Und die ganzen jungen Hüpfer kommen nicht vom Rekordmeister, sondern von der "Konkurrenz".

Die Bundesliga könnte locker eine Mannschaft ausbilden, die die Bayern, selbst in ihrer derzeitigen Verfassung, herausfordern könnte. Aber sie können diese Spieler nicht halten. Sie verlängern "nur" mit den Schlotterbecks dieser Welt...

Dienstag, 7. April 2026

Die Bayern sind schon beängstigend gut

 Wo ich gestern die Bundesliga als ganzes so "mittelmäßig" geredet habe, muss das auch mal festgehalten werden. Also vor dem Spiel gegen Real Madrid. Denn zum ersten Mal seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, dass die Bayern auch da wirklich mithalten können. So gut sehe ich diese Bayern.

Für mich liegt das primär an 3 Faktoren: 1.) Harry Kane. Lange Zeit ging ich ja davon aus, dass die auf dem Transfermarkt doch eher konservativen Bayern keine 100 Millionen für einen Stürmer ausgeben werden. Aber um einen Weltklasse-Spieler zu bekommen, muss man diese Summen hinlegen. Bei Kane lag die reine Ablöse bei 95 Millionen. Dazu kommen mit Luis Díaz und Michael Olise 2 weitere teure Toptransfers. Die Bayern kopieren still und heimlich die Galakticos und holen jedes Jahr einen richtig teuren Star. Sie sind mittlerweile gewillt, die beachtlichen Summen, die auf dem internationalen Markt aufgefordert werden, auf den Tisch zu legen.

Aber Michael Olise und Díaz sind schon Punkt 2. Denn hier beweist Max Eberl, dass er der Aufgabe wirklich gewachsen war. Also das, was Nils Ole Book jetzt in Dortmund beweisen muss, hat hier endlich geklappt. Eberl trat seinen Job ja am 1.3.2024 an. Dass er dann direkt mit Olise einen Diamanten holt, der sich unfassbar gut entwickelt, ist beeindruckend. Aber vielleicht hat er da ja noch von der Vorarbeit der Vorgänger profitiert. Dass er dann mit Díaz nachlegt, ist beängstigend. Nach Jahren der Instabilität hat man jetzt wieder den besten Manager der Liga auf seiner Seite. Die Bayern haben ja eine ganze Weile nach einem wirklichen Nachfolger für Uli Hoeneß gesucht, jetzt könnten sie ihn endlich gefunden haben.

Mann muss nur mal die anderen Namen in der Top 10 Rekordtransfer Liste nehmen: Lucas Hernández, Matthijs de Ligt, Joao Palhinha und Corentino Tolisso waren Enttäuschungen. Leroy Sané war 5 Jahre da, man ließ ihn aber am Ende ablösefrei gehen. Insgesamt machte man an den Weiterverkäufen dieser Spieler 180,5 Millionen Euro Verlust. Und das waren ja alles keine "alten Säcke" wie Harry Kane, wo man einen Verlust im Weiterverkauf einrechnet. Das waren Spieler, die entweder 10 Jahre bleiben oder mit Profit weiterverkauft werden. Das hat bei keinem funktioniert.

Min-Jae Kim rotiert seit seiner Ankunft zwischen Bank und Startelf. Die 7 Einsätze in der Champions League sehen auf den ersten Blick gut aus, aber bei genauerem Hinsehen kam er 3 Mal in der Schlussphase von der Bank und durfte nur in den "Ist eigentlich egal" Spielen in die Startelf. Dayot Upamecano hat sich gefangen und bekam eine Vertragsverlängerung. Die gab es aber nur, weil ein neuer Verteidiger zu teuer gewesen wäre. Das sage nicht ich, sondern Eberl.

Und dann ist da natürlich noch Harry Kane, der ein Volltreffer war. Aber man muss hier mal kurz festhalten, dass Stand April 2026, Upamecano der einzige Top Ten Transfer ist, der seinen Vertrag verlängert hat. Und das keiner dieser Spieler auf dem Transfermarkt gewinnbringend weiterverkauft wurde. Natürlich werden Kane, Díaz und Olise diesen Negativlauf beenden, es verdeutlicht aber, wie bescheiden diese Bilanz in der Summe ist:

Denn in der Summe kann man nur mit 3 der 8 Top-Transfers "vor Eberl" wirklich zufrieden sein kann. Sané hat die ja immerhin das eine Mal am letzten Spieltag zur Meisterschaft geschossen. Alles in allem ist das keine gute Bilanz... Eberl ist bei 2 von 2.

Da ist das Bier aber noch gar nicht leer. Also das Schlimmste haben wir noch vor uns: Jamal Musiala, Aleksandar Pavlovic und Lennart Karl. Musiala ist schon Weltklasse. Karl und Pavlovic haben das offensichtliche Potenzial, diese zu erreichen. Alle drei kommen aus der eigenen Akademie. Pavlovic und Karl können sogar behaupten, dass sie nie einen anderen Verein hatten, da sie vor der U17 zum Rekordmeister kamen. Musiala wurde ja technisch gesehen von Chelsea geholt.

Das, was ich mir von den Dortmundern immer erhofft habe, ist jetzt bei den Bayern passiert: Sie haben eine starke Generation von Eigengewächsen. Nun ist Toni Kroos der offizielle Beweis, dass so ein "Eigengewächs" auch nicht immer ewig bleiben. Aber der kam ja technisch gesehen vom FC Hansa. In der Regel sie bleiben länger bei ihrem Heimatverein, als die Dortmunder Im- und Export Diamanten. 

Das ist auch etwas, was die Bayern Fans völlig falsch verstanden haben, als Lennart Karl leichtfertig von Real Madrid geträumt hat: Madrid ist wahrscheinlich der einzige Verein, der sich berechtigte Hoffnungen auf einen Karl Transfer machen darf. Wenn ihr Olise oder Díaz fragt, werden die da Real, Barca, Man City und Liverpool ins Spiel bringen. Arsenal London ist auch nicht mehr weit weg. Und aus Nostalgie Man United. Bei Karl muss man sich, wenn er seine Ansage ernst gemeint hat, nur bei einem einzigen Verein sorgen machen.

Selbst wenn Pavlovic "nur" zwischen Welt- und internationaler Klasse pendelt und Karl sich nur auf der internationalen Klasse einpendelt, habe die Bayern immer noch ihre moderne Version von Lahm, Schweinsteiger und Müller. Und zu deren Höhepunkt 2014 war man international Wettbewerbsfähig. 

Man muss hier mal wieder festhalten, dass ich mit dem Begriff "Weltklasse" sehr sparsam umgehe. Das ist die absolut höchste Kategorie, die nur für die wirklich Allerbesten verwendet werden sollte. Müller war für mich nie Weltklasse, aber er war trotzdem ein sehr guter und sehr wichtiger Spieler im System der Bayern. Schweinsteiger war es um 2014, aber nicht auf seine gesamte Karriere gesehen. Er hat ja auch gefühlte Ewigkeiten gebraucht, um seine Position im Defensiven Mittelfeld zu finden. Lahm war derjenige, der konstant und auf verschiedenen Positionen auf allerhöchstem Niveau abgeliefert hat. Der war ein Jahrzehnt lang wirklich Weltklasse.

Jetzt stellt euch das Best/Worst-Case-Szenario vor und die Bayern bekommen 3 Spieler von Lahm's Qualität und mit Lahm's Identifikation. Dann hätten die Bayern für die nächsten 10 Jahre ihren Kern im Mittelfeld gefunden und müssen "nur" noch die Ergänzungen für diese 3 Spieler finden. Und sie haben einen Manager, der diese Ergänzungen offensichtlich findet. Praktisch muss man nur einen Nachfolger für Harry Kane verpflichten und dann ist man im Wesentlichen herausragend aufgestellt.

Die Frage ist ja: Wie schlimm ist das jetzt für die Liga? Also einerseits bekommt man ein international relevantes Flaggschiff. Andererseits werden die Bayern mindestens 9 von 10 Meisterschaften holen, solange diese 3 fit und in Form sind. Sie dominieren ja jetzt schon, wo "der Alte" verletzt ist und die beiden anderen noch verdammt jung sind. Das wird nur noch schlimmer.

Auch wenn das eigentlich unmöglich erscheint: Die nächsten 10 Jahre könnten noch dominanter werden, als die letzten 10. Und irgendwann wird das dazu führen, dass der gemeine Fan abschaltet...

Freitag, 20. März 2026

Der Einbruch der Engländer ist schon dramatisch.

 Richtig schlimm. In den Hinspielen konnte nur Aston Villa sein Spiel gewinnen. Das ist als Gesamtbilanz ungefähr so schlecht, wie die Bundesliga, für die nur die Bayern gewinnen konnten.

Und jetzt, nachdem die Rückspiele bestritten wurden, sind tatsächlich 4 Vereine ausgeschieden. Wie peinlich. Oder aber man stellt fest, dass mit Liverpool, Arsenal, Nottingham ForestAston Villa und Crystal Palace noch 5 Vereine international vertreten sind. Und dass die Engländer in der "Wer bekommt einen zusätzlichen Startplatz" Tabelle dem Rest meilenweit enteilt sind. Also man hat schon wieder unfassbare 4 Punkte Vorsprung vor der zweiten Nation, was derzeit die Spanier sind. Man kann sich im groben darauf einstellen, dass einer der beiden 5. Startplätze IMMER an die Engländer gehen wird.

Also es werden jetzt plötzlich Regeländerungen gefordert, weil es eben nicht sein kann, dass die maximal 6 Engländer in der Gruppenphase nicht aufeinander treffen können. Denn das führt zu absurden Einschränkungen, von denen am Ende die Engländer profitieren. Falls euch also irgendjemand einreden will, dass die Premiere League gerade schwächelt, müsst ihr dabei immer eines bedenken: Das Niveau, auf dem die Schwächeln, muss man erstmal erreichen.

Und natürlich muss man über die in der Champions League gescheiterten Mannschaften reden. Aber auch da ist der Kontext verdammt wichtig. Fangen wir mal mit den Tottenham Hotspur an. Die stecken, wie auch Nottingham, gerade im Abstiegskampf. Nicht nur das, sie beendeten die letzte Saison auf Platz 17 und damit direkt über dem Strich. Das ist also kein einmaliger, nicht zu erklärender Ausrutscher, sondern eher deren aktuelles Leistungsvermögen. Das ist ein wenig, als würde man Werder Bremen an der Champions League teilnehmen lassen. Glaubt irgendjemand, dass die besser aussehen würden, als Tottenham? Wenn selbst die an sich ja gut dastehenden Frankfurter in der Gruppenphase gescheitert sind?

 Dass sie trotzdem Champions League spielen durften, lag an ihrem Sieg in der Europa League. Das muss man an der Stelle dringend festhalten: Es könnte durchaus leichter sein, sich über den internationalen Titel zu qualifizieren, als über die englische Liga. Und das dürfte den Engländern mittlerweile auch aufgefallen sein.

Also "früher" haben die ja gerne mal eine B-Mannschaft in der Europa League aufgestellt. Mittlerweile bestreitet zumindest Aston Villa ihre K.O. Spiele mit der bestmöglichen Mannschaft. Bei Nottingham sieht das wahrscheinlich ein wenig anders aus, aber die stecken ja, wie auch Tottenham, tief im Abstiegskampf. Die haben also tatsächlich ihre komplette Startelf vom Wochenende auf die Bank rotiert.

Aber man muss hier nochmal festhalten: Die B-Elf eines Abstiegskandidaten in England kann immer noch mit einer dänischen Spitzenmannschaft mithalten. Am Ende werden die sich ärgern, dass sie sich im Elfmeterschießen durchgesetzt haben, weil sie eigentlich all ihre Energie in den Abstiegskampf stecken sollten...

Manchester City, Newcastle und Chelsea haben natürlich richtig auf den Sack gekriegt. Aber die haben auch gegen Real Madrid, Barca und Paris St. Germain gespielt. Sind wir uns wirklich sicher, dass die Bayern gegen diese Mannschaften so viel besser aussehen würden? Und versteht mich nicht falsch: Die Bayern wirken gerade richtig stark. Und sie haben Paris schon geschlagen. Aber das Spielzeug des Ölscheichs hat bereits nachgewiesen, dass sie im Frühjahr einige Gänge hochschalten können. Genauso wie Real das jedes Jahr nachweist. Und Barca spielt schon das ganze Jahr über begeisternden Offensivfußball.

Alle 3 sind gegen absolute Titelfavoriten ausgeschieden. Alle würden am Viertelfinale teilnehmen, wenn ihnen die Losfee Duelle mit Bodö/Glimt oder Lissabon beschert hätte. Das ist kein "Riesen-Problem" wie unter anderem der Kicker in seiner Schlagzeile nach dem Hinspiel behauptete. Das ist immer noch Jammern auf extrem hohen Niveau.

Aber das ist halt auch die hysterische Deutsche Presse und seine Experten. Also nur um das nochmal festzuhalten: Nach dem Hinspiel gegen Celtic hat Sami Khedira dem VfB Stuttgart eine Titelchance bescheinigt. Und der Kicker hat das gedruckt. Danach verlor der VfB direkt 3 Europacupspiele infolge und ist somit souverän ausgeschieden. 

Mittwoch, 18. März 2026

Der ganz normale Wahnsinn in Polen

 Also eigentlich sollte es "ganz normal" sein. 

Es haben sich ja schon einige mit der angeblich so absurden Saison und Situation in der polnischen Extraklasse beschäftigt. Alfie Pots Hammer von noch HITC Sevens zum Beispiel. Lustigerweise sind seinem Manager derartige Videos zu lang. Wir sollten sie also genießen, solange wir noch können.

Die aktuelle Saison ist noch knapper als sonst. Aber dass in Polen die Saison erst im Schlussspurt entschieden wird, ist relativ normal. 2022/23 wurde zuletzt die Meisterschaft frühzeitig entschieden. 2020/21 konnte zuletzt eine Mannschaft den Titel verteidigen

Das war nebenbei das Ende der Phase, in der Legia Warschau tatsächlich sehr dominant waren und 7 von 10 Meisterschaften gewinnen konnte. Legia war wirklich dicht dran, die Liga zu brechen und die absolute Dominanz zu erreichen. Aber ihnen fehlte dafür ein entscheidender Schritt.

Denn Legia Warschau hat in dieser Phase verpasst, sich in der Champions League einzunisten. Lediglich 2016/17 nahm man an der Gruppenphase teil, bekam also seinen Anteil der richtig fetten Fleischtöpfe. Man konnte aber nur ein einziges Spiel in der Gruppenphase gewinnen, bekam also wirklich nur die Antrittsprämie. Aber es gab ein beachtenswertes 3:3 gegen Real Madrid. In allen anderen Jahren scheiterte man in der Qualifikation.

Das bedeutet ganz praktisch: Die polnische Liga ist nicht "bekloppt", sondern eine der wenigen Ligen, die nicht durch die Millionen der Champion League kaputt gemacht wurde. Und vor der Einführung der Lizenz zum Gelddrucken waren alle Ligen so, wie die polnische gerade ist.

Praktisches Beispiel gefälligst? In der Bundesliga gab es in den 10 Jahren von 1990 bis 99 5 unterschiedliche Meister. Kaiserslautern und Dortmund wurden 2 Mal Meister. Werder Bremen und der VfB Stuttgart je einmal. Und die Bayern holten insgesamt 3 Titel. 

Im Jahr 2000 wurde dann die Gruppenphasen eingeführt. Das Teilnehmerfeld wurde auf 3-4 Mannschaften der Spitzenligen erweitert. Dadurch wurde nebenbei sichergestellt, dass Bayern auch in der Königsklasse mitspielt, wenn sie mal nicht Meister werden. Auch wenn dieser Schritt formell gesehen schon 1996/97 vollzogen wurde.  

Die logischen Konsequenzen: Während man in den 90ern noch 3 Mal am UEFA Cup teilgenommen hat, musste man seit der Jahrtausendwende nur ein einziges Mal beim "Cup der Verlierer", wie Franz Beckenbauer diesen Wettbewerb nannte, mitspielen. In allen anderen Jahren gab es immer das Königsklassengeld.
Wenig überraschend gewannen die Bayern in diesem Jahrtausend 19 von 26 Meisterschaften. Tendenz steigend. 

Das ist jetzt auch keine ganz neue Erkenntnis. Dass die Champions League die nationalen Ligen kaputt gemacht haben, ist ja irgendwie allen bewusst. In Spanien gab es in den letzten 20 Jahren nur noch 3 unterschiedliche Meister. Halt die 3 großen mit Real, Barca und Atlético Madrid, die regelmäßig an der Champions League teilnehmen und dort auch weit kommen. In den 20 Jahren davor waren es mit Bilbao, Valencia, Deprotivo und den 3 großen noch 6 unterschiedliche Meister. In der Serie A sind sie froh darüber, dass die pure Dominanz von Juventus Turin am Ende durchbrochen wurde. Allerdings ist Inter da auf einem relativ guten Weg, eine neue Serie zu starten. Also die werden jetzt das 2 Mal in 3 Jahren Meister und haben zuletzt 2 Mal das Finale der Champions League erreicht. Sie haben also die besten Voraussetzungen um 6 Mal infolge Meister zu werden.

Inter und Juventus waren ja schon mal kurz davor, die Liga komplett zu brechen. Von 2002 bis 2021 teilten die beiden Vereine 17 von 19 Meisterschaften unter sich auf. Juventus musste zwischendurch einen Zwangsabstieg verdauen, hatte aber dank der Champions League einen derart großen Vorsprung, dass das wirklich nur eine kleine Delle bedeutete. Und Italien ist eine Liga, die ja auch 4 Starter in diesem Wettbewerb hat. Trotzdem wurde man lange von 2 Vereinen dominiert.

Nebenbei können wir jetzt live dabei zugucken, wie die Champions League die nächste Liga kaputt macht. Denn für uns als Europäer ist die Geschichte von Bodö/Glimt ein wunderbares Fußballmärchen. Für die Norweger ist es der pure Horror.
An der Stelle muss man hier mal einfügen, dass Glimt nur so gut ist, weil es von Dezember bis Februar zu Hause praktisch unschlagbar ist. Das könnte daran liegen, dass es für jede Mannschaft Europas extrem unangenehm ist, im Winter nördlich des Polarkreises anzutreten. Das ist aber einer der absurden Nebeneffekte der neuen Europacup-Reform. Denn im "Alten System" hatten die Mannschaften aus den eher kälteren Regionen am letzten Spieltag immer ein Auswärtsspiel. Damit gab es von Ende November bis Mitte März einfach keine Heimspiele. Jetzt konnte Glimt Manchester CityInter MailandBesiktas, Maccabi Tel Aviv, Twente Eschede und Olympiakos Piräus im skandinavischen Winter besiegen. Das waren nur die letzten 2 Jahre... Das waren aber alles Ansetzungen, die es im "alten System" nie gegeben hätte. Und ohne den Sieg gegen City hätten sie nicht mal die Zwischenrunde erreicht. 

Man muss aber definitiv festhalten, dass dort ein absurd guter Job gemacht wird. Aber auf diese hervorragende Arbeit werden jetzt noch massig Geld gekippt. Dank des Ausscheidens der Dortmunder können wir ja festhalten, dass allein das Erreichen des Achtelfinales zusätzliche 11 Millionen Euro gebracht hat. 

Norwegen dürfte sich gerade darüber gefreut haben, dass die Dominanz von Rosenborg Trondheim durchbrochen wurde. Trondheim war der Serienmeister zur Einführung der Champions League. Sie spielten bis 2008 auch noch regelmäßig in der Gruppenphase, verloren dann aber, wie auch der norwegische Fußball insgesamt, den Anschluss. Wie Trondheim das verkackt hat, müsste man wahrscheinlich gesondert studieren, denn sie haben es ja gerade am Ende nicht geschafft, trotz der absurden Millionen die Dominanz aufrechtzuerhalten. 

Aber die 13 Meistertitel in Serie wurden 2005 durch Välgerena Fotball Elite durchbrochen. Danach nahm Trondheim noch 2 Mal an der Gruppenphase teil und danach kam ganz lange nichts mehr. Dafür gab es mit Välgreana, Rosenborg, SK Brann, Stabaek Fotball, Molde FK, Strömsgodset IF, FK Bodö/Glimt und Viking FK 8 unterschiedliche Meister in 21 Jahren. Das sind dich polnische Verhältnisse: Kaum war der Champions League Vorsprung von Trondheim aufgebraucht, gibt es einen offenen und spannenden Wettbewerb.

Nur hat Glimt jetzt schon 4 der letzten 6 Meisterschaften für sich entschieden. Und dank der eigenen Leistungen darf man jetzt auch als Vize-Meister an der Champions League Qualifikation teilnehmen. Dass man den letzten Titel knapp verpasst hat, ist also auch egal.
Falls Glimt es jetzt durch die Quali schafft und sich nächstes Jahr wieder für die Champions League Gruppenphase qualifiziert, werden sie mindestens 8 der nächsten 10 Meisterschaften holen. Und die einzige Hoffnung, die die Norweger haben, ist ein Scheitern des eigentlichen Hoffnungsträgers. Denn es ist im Fußball wie in der Wirtschaft: Es gibt keinen "Trickle Down Effect". Es gibt nur ein "Die Reichen werden immer reicher." Und Bodö/Glimt macht gerade den Sprung zu den Reichen.

Um den Bogen zurück zur polnischen Extraklasse zu schlagen: Es ist wirklich faszinierend, wie tief und fest die Indoktrinierung der Champions League nach 25 Jahren ist. Wir halten die Dominanz von einer bis 3 Mannschaften, die die Konkurrenz nach Belieben platt machen für völlig normal. Und wenn wir dann eine an sich gesunde Liga mit ausgeglichener Konkurrenz sehen, nennen wir das "bekloppt". Wir haben alle anscheinend vergessen, dass alle Ligen ungefähr so waren, wie die polnische es derzeit ist.  Aber all das hat uns im Endeffekt die Champions League genommen. 

Donnerstag, 15. Januar 2026

Eines muss man der DFL ja lassen:

 Die haben schon Humor. Also wenn Sky denen extra Geld geben will, damit am Donnerstagabend ein Bundesligaspiel ausgetragen wird... dann bekommt Sky halt Augsburg - Union Berlin. Viel Spaß damit.

Und es hat ja in den ersten 2 Spieltagen richtige Banger gegeben. Eintracht Frankfurt spielt zwar nicht zwingend "gut", aber doch sehr unterhaltsam. Das Spiel gegen Stuttgart wäre ein wirklicher Bundesligaklassiker gewesen. Die Bayern hatten in Köln wirklich den Anstand, den Gegner nicht sofort abzuschießen... sondern hinterließen den Eindruck, dass es da eine Sensation im Free-TV geben könnte. Nebenbei muss ich da auch erwähnen, dass als jemand, der das lineare Fernsehen vor Jahrzehnten abgeschafft hat, der Begriff "Free" bei RTL gelogen ist, denn ich müsste schon ein Abo abschließen, um deren Stream zu gucken. Das wird nicht passieren.

Bremen war in Dortmund besser, als es die 3:0 Niederlage aussehen ließ. Niko Kovač hat ja irgendwie den Ruf, dass er seine Mannschaft eher uninspiriert spielen lässt, aber die haben 3 Tore erzielt. RB Leipzig gegen den SC Freiburg würde zwar die Ultras verschrecken, verspricht aber im Normalfall ein taktisch interessantes Match und einige Tore. 

Hoffenheim spielt dieses Jahr unfassbar inspirierten Fußball und ist immer für ein paar Tore gut. Die sind natürlich auch in der Anti-Ultra-Falle, dürften aber beim gemeinen Sesselfan durchaus ein paar Interessenten ziehen.

Stattdessen bekommt Sky 2 Mannschaften, die sich einen bösen Abnutzungskampf leisten werden. Die sind beide besser ohne, als mit dem Ball. Und ja, als die genauen Ansetzungen fixiert wurden, war Sandro Wagner schon entlassen und die kurze Phase, in der man Augsburg zur "Primetime" zeigen wollte, war vorbei. Union ist eine Mannschaft, bei der die Stürmer mal so 3 Monate am Stück gar nicht treffen. Viel Spaß damit.

Aber hier ist das absurde: Das war eigentlich absehbar. Denn am nächsten Dienstag beginnt ja schon wieder der europäische Wettbewerb. Nur um mal wieder festzuhalten, wie absurd voll der Rahmenterminkalender mittlerweile ist: Früher begann die europäische Rückrunde Ende Februar. Ganz früher sogar erst im März... Aber so weit muss man das Rad ja gar nicht zurückdrehen.

Aber um damit mal klarzumachen, wie absehbar die Augsburg - Union Ansetzung war: Dass es kein Bayern, Frankfurt, Dortmund oder Leverkusengeben würde, stand schon im Mai fest. Denn die Mannschaften, die am Donnerstag spielen, müssen zwangsweise am Sonntag ran, damit sie die entsprechenden Ruhepausen haben. Die Mannschaften, die in der Champions League spielen, können aber am Spieltag davor nicht am Sonntag antreten. Nebenbei wurden ja extra dritte Sonntagsspiele eingeführt, damit dieses "Reiseproblem" kompensiert werden kann. Das bedeutet praktisch, dass sich Augsburg und Union 2 Spieltage nacheinander nicht in einer Konferenz verstecken können. Viel Spaß damit.

Damit ist es nicht nur kategorisch ausgeschlossen, dass die 4 besten Mannschaften der Liga an diesem Donnerstag auflaufen. Die Gegner vom 18. Spieltag sind auch keine Option. Also kein RB und kein Hoffenheim. Und natürlich kein St. Pauli. Weil Wolfsburg - St. Pauli so viel vielversprechender aussähe.

Plötzlich hatte Sky die Wahl zwischen Mainz gegen Heidenheim und eben Augsburg gegen Union. Und Random Fun Fact: Die Wahl haben sie nur, weil Freiburg sich anscheinend bereit erklärt hat, vor einer englischen Woche mit Einsatz am Donnerstag am Sonntag zu spielen. 

Und hier muss man nochmal festhalten: Das war bereits im Sommer abzusehen. Es ist ja nicht so, dass wir jetzt eine unfassbar erfolgreiche Champions League Saison erleben und alle 4 Mannschaften ins Achtelfinale eingezogen sind. Dass all diese Mannschaften an diesem Donnerstag keine Zeit haben würden, stand schon Mitte Mai fest. Es war zu 100 % absehbar, dass Sky sich zwischen diesen beiden Spielen entscheiden müsste. Oder zumindest, dass all die wirklich guten Mannschaften keine Zeit haben werden. Sky war trotzdem bereit, ein paar Millionen mehr auf den Tisch legen, um dieses eine Spiel zu zeigen. 
Und dann direkt die Abo-Preise erhöht, damit diese paar Millionen auch wieder reinkommen. Mit der Ankündigung, dass man ja ganz exklusive Spiele, die es sonst nirgendwo gibt, zeigen wird. Es ist nebenbei echt faszinierend, dass das eine Mal, als das Kartellamt ein Monopol zerschlagen hat, das am Ende nur zum Nachteil der Fans war...

Es beweist uns auch mal wieder, wie völlig absurd König Fußball in Europa dominiert: Jedes noch so beschissene Spiel treibt den Preis nach oben, wenn es irgendwo exklusiv gezeigt werden kann. Aber gut, solange die Kunden das fressen, wird sich daran nichts ändern. Und die Sky Kunden müssen heute Abend zwangsweise einschalten, denn sie haben ja dafür bezahlt... 9 Euro extra pro Monat. Viel Spaß.

Jetzt wo ich mich darüber ausgelassen habe, wird geht das wahrscheinlich 5:4 aus und wird als absoluter Klassiker in jeder Saisonrückschau auftauchen... Bekloppt ist es trotzdem, aber die Sky-Kunden sollten mir dafür danken... 

Mittwoch, 26. November 2025

Eine Szene, über die viel zu wenig diskutiert wird

 Muss eigentlich mal gründlich analysiert werden. Aber es regen sich halt alle lieber über die Rote Karte von Dominik Kohr auf.

Auch wenn das ein heftiger Tritt war: Ich habe ja nichts als Respekt für Kohr. Der gehört vom Talentlevel eher in die dritte, als in die erste Liga. Aber er spielt sehr konstant in der Bundesliga. So konstant, dass er jetzt die meisten Platzverweise aller Zeiten gesammelt hat. Jens Nowotny, der kein brutaler, sondern nur ein langsamer Spieler war, ist diesen Titel endlich los. 

Der Kohr Diskurs ist für mich sowieso faszinierend. Denn einerseits jammern alle immer über mangelnde Typen und prangern die fortschreitende Verweichlichung des Fußballs an. Früher hat man zurückgetreten, heute wird sich kaum noch gewehrt. 

Und dann kommt ein Kohr um die Ecke und alle so "Naja, so richtig wehren man sich ja auch nicht." Man kann es den Fans einfach nicht recht machen.

Kohr ist ein Spieler, der in jedem Spiel alles reinwirft. Der weder sich noch den Gegner schont. Der deswegen auf 102 Verwarnungen kommt. Und ja, der kompensiert seine fußballerischen Defizite mit einer extremen Aggressivität. Aber sobald er diese auf ein normales oder gesundes Maß zurückschraubt, ist er arbeitslos. 

Aber weil wir uns alle auf den Kohr stürzen, verpassen wir eine mindestens genauso wichtige Debatte: das nicht gegebene 2:1für die Hoffenheimer in der Nachspielzeit. Die Szene in der Sportschau beginnt bei 11:03. Das Tor fällt 10 Sekunden später. Sascha Stegemann zeigt sofort an: Handspiel. Das Handspiel wird dann auch aufgelöst. Der Täter war Robin Hranac. Hier ist das grundlegende Problem: in den 10 Sekunden, die die Sportschau zeigt, ist Hranac nicht mal im Bild. Das Handspiel passierte irgendwo im Mittelkreis bei der Balleroberung.

Wenn der VAR da eingreift, fragen hinter alle, ob der wirklich so weit zurückspulen sollte, oder ob er nicht nur Fehlentscheidungen, die direkt zur Torerzielung führen, überprüfen sollte.

Aber es gab noch nicht mal einen VAR Eingriff. Stegemann hat das Handspiel ja sofort erkannt. Er hat das Spiel trotzdem weiterlaufen lassen, obwohl er genau wusste, dass er einem möglichen Treffer die Anerkennung verweigern wird. Warum pfeift er dann nicht gleich

Die wahrscheinlichste Antwort: Stegemann war sich nicht ganz sicher, ob dieser Pfiff auch einer Überprüfung des VARs standhalten wird. Und es könnte ja was passieren, da kann man ja nicht einfach abpfeifen. Und wenn die Balleroberung tief in der gegnerischen Hälfte passiert und Coufall zufällig genau dort steht, wo er die Flanke schlagen kann, sehe ich das sogar ein... Aber wenn mindestens 12, eher 15 Sekunden, vergehen?

Vor allem: Wenn der Schiedsrichter gleich pfeift, wird irgendeine belanglose Szene im Mittelkreis abgepfiffen. Da regt sich dann niemand auf. Also außer die Spieler der betroffenen Mannschaft, die sich immer aufregen, wenn irgendwer was gegen sie pfeift. Selbst Dominik Kohr wollte ja über seinen Platzverweis diskutieren. Nur weil der Schiedsrichter anscheinend Angst davor hatte, gleich eine konsequente Entscheidung zu treffen, kommt es überhaupt zum Angriff der Hoffenheimer.

Da drängt sich mir wieder ein Gedanke auf, den ich jedes Mal habe, wenn es zu derartigen Szenen kommt: Wenn für die angreifende Mannschaft jegliches Handspiel, das über kurz oder lang zu einem Tor führt, strafbar ist, warum pfeift man dann nicht sofort ab, sobald der Ball an die Hand eines Angreifers springt. Aber selbst das trifft hier noch nicht mal zu, denn Hranac springt der Ball ja bei einer Verteidigungsaktion an den Arm.

Ich habe ja schon häufiger die These gelesen, dass die Schiedsrichter zaghafter entscheiden, weil sie ja am Ende nochmal mit dem VAR reden können, falls sie doch richtig lagen und der Elfmeter, den sie eigentlich geben wollten, doch berechtigt war. Ich hielt das für eine absurde These, da solche Entscheidungen ja in Sekunden getroffen werden müssen. Aber diese Szene von Stegemann lässt mich an dieser Haltung zweifeln.

Denn hier haben wir ein klare "Ich lasse das lieber erstmal weiterlaufen, anstatt gleich zu pfeifen" Szene. Und das ist richtig schlecht. Deswegen müsste man eigentlich viel mehr darüber reden.

Mich würde ja auch interessieren, wie die DFL das selbst sieht. Ob die jetzt Stegemann dafür loben, dass er das Spiel hat laufen lassen? Ich würde es ihnen zutrauen. Da entscheiden halt auch Leute, die selber nie Fußball gespielt haben. Oder bei denen es so lange her ist, dass sie vergessen, wie es ist. Aber eigentlich ist es essenziell, dass die Schiedsrichter auf dem Platz als an sich höchste Instanz schnelle und konsequente Entscheidungen treffen.

Wenn das jetzt Schule macht, sind wir nicht mehr weit davon entfernt, dass wir das Spiel einfach so lange laufen lassen, bis es eine Unterbrechung gibt und erst dann "zurückspulen und Entscheidungen treffen" Das war ja eine schöne Ballstafette vor dem Tor, aber eigentlich hätte es 90 Sekunden vorher Freistoß auf der anderen Seite geben müssen...

Nebenbei stellt sich mir auch die Frage: Hätte Stegemann auch das Handspiel gepfiffen, wenn der Angriff nur zu einem Eckball für Hoffenheim geführt hätte? Ist das Handspiel wirklich nur strafbar, wenn daraus ein Tor entsteht? Wäre das nicht eine total bescheuerte Regelauslegung? 

Dienstag, 14. Oktober 2025

Passives Abseits VS Investoren: Teil 1 Grundlagen und Einführung

 Oder genau genommen: Gegen das Narrativ, welches da immer gesponnen wird: Diese bösen Investoren machen den Fußball kaputt!! Wie können die nur?

Was haben uns Investoren jemals gebracht? Also außer Union Berlin... Und damals der SG Wattenscheid 09? Und irgendwie auch die Borussia aus Dortmund, die ja als Börsennotiertes Unternehmen das Geld von Großaktionären wie Evonk, Signal Iduna und Puma nehmen... 

 
Aber sonst? 

Es ist halt schon faszinierend. 

Selbst an sich sachliche und sehr gute Kommentatoren wie Manu Thiele berichten irgendwie immer nur über die Negativbeispiele. Das neuste Beispiel war ein Video zu Brescia Calcio, die natürlich von dem neuen, chaotischen Investor Zugrabe getragen wurden. Für den "deutschen Markt" gab es Videos zu 1860 München und KFC Uerdingen

Calcio Berlin hat eine eigene Serie mit dem Titel "Ist das noch Fußball, oder kann das weg?" Da geht es dann auch regelmäßig darum, wie Investoren den Fußball kaputt machen. Aber wisst ihr, was ihr nirgendwo findet? Ein Video, in dem der Investor dabei geholfen hat, einen Verein voranzubringen. In den letzten Jahren ist mir da nur ein einziges Video gesehen, in dem tatsächlich darauf hingewiesen wurde, dass Union Berlin auch dank der Kölmel Millionen so durchgestartet sind. Aber das letzte Video aus der Tradition oder Kommerz Playlist ist 3 Jahre alt.

Aber das ist ja auch nachvollziehbar. Der Großteil der deutschen Fanszene positioniert sich offen gegen offensichtliche Investoren. Und wenn die im Hintergrund doch die Strippen ziehen und man eigentlich ein Fan einer Kommanditengesellschaft auf Aktien ist, wird das erfolgreich im "Echte Liebe" Rausch verdrängt.
Das ist ja genau der Markt, den diese YouTuber bedienen. Wenn die jetzt "Investoren sind gar nicht zwingend böse" Videos mit entsprechenden Thumbnails machen, würde niemand auf diese Videos klicken. Also aus Prinzip nicht, denn das geht ja gegen die eigene Gesinnung. Und man will sich ja auch nicht damit beschäftigen, dass man selbst auch an dem Tropf von Investoren hängt.

Zum Glück kann einem das egal sein, wenn man eh keine Follower hat, weil man auf ein veraltetes Medium setzt und dann noch keinerlei Öffentlichkeitsarbeit macht...

Deswegen werfe ich jetzt die These in den Raum: Investoren sind an sich neutral. Wenn man die ganze Moral des Sportswashing außen vor lässt, können sie genauso gutes wie schlechtes erschaffen. Es gibt für beides genügend Beispiele, es werden aber immer nur die negativen Geschichten erzählt.

Man muss mal ganz sachlich festhalten: Der Sportswashing Zug ist abgefahren. Es gibt da bestimmt der Unterschied zwischen "Schlimm", "Schlimmer" und "Noch Schlimmer", aber alle Profivereine sind mindestens über eine Ecke involviert. Allein schon, weil die Champions League dermaßen verseucht ist, dass man automatisch mitwäscht. Aber auch im Rampenlicht der Bundesliga sonnen sich staatlich geförderte Airlines, Rüstungsexporteure und Cryptoscammer... Es gibt offizielle Wettanbieter in einem Land mit 1,3 Millionen Spielsüchtigen. Und obwohl wir seit über 10 Jahren wissen, dass Putin ein Arschloch ist, trug Schalke bis 2022 stolz das Gazprom Logo auf der Brust... Ich sage ja bewusst immer, dass das Geld von Red Bull wahrscheinlich das sauberste ist, welches im Profisport im Umlauf ist... Immerhin töten die nur Extremsportler und abhängig wird man nur vom Koffein, was die meisten in diesem Land eh schon sind. 
Die einzige Variante sich davon freizusprechen ist, sich einen lokalen Regionalligisten zu suchen... und dann zu hoffen, dass der nie aufsteigt.

Wenn man sich jetzt die Geschichten von 1860 und Uerdingen anschaut, fällt vor allen Dingen eines auf: Das waren Vereine, die schon vor dem Einstieg des Investors mindestens bis zur Hüfte in der Scheiße steckten. Und wie das so ist: Wenn man schon im Treibsand steckt und dann planlos mit den Armen wedelt, versinkt man noch tiefer in der Scheiße.

Nur deswegen haben sie sich für die dubiosen und machtgeilen Investoren geöffnet. Die Schaumschläger, die von der Champions League träumen, während man kurz vor der Auflösung des Vereins steht. Denn seriöse Investoren würden solche Vereine nicht mit der Kneifzange anfassen... selbst wenn sie dazu noch einen Infektionsschutzanzug tragen. 

Die Vereine haben sich ganz allein und ohne die Hilfe von Investoren in die Situation manövriert, dass sie überhaupt und schnell externe Hilfe brauchen. Und dass dann nur die Ismaiks und Ponomarevs ans Telefon gehen, ist erschreckend logisch. Es ist fast schon eine kausale Konsequenz. Trotzdem kommen dann alle und schreien "Deswegen brauchen wir 50+1!!! Damit die Vereine vor solchen Investoren geschützt werden!"

Was die nebenbei völlig ignorieren: Ohne diese undurchsichtigen und überambitionierten Investoren wären beide Vereine direkt in die Insolvenz gegangen. KFC Uerdingen musste diesen Schritt bereits 2009 gehen. Und 22 und 25 schon wieder.  

Natürlich war es dumm, diesem dubiosen Typen ins Netz zu gehen und ihn zum 1. Vorsitzenden zu machen. Aber dumme Entscheidungen prägen halt die Geschichte dieses Vereins seit dem Ausstieg von Bayer. Das sind dieselben Typen, die Ailton im Jahr 2009 einen Vertrag angeboten haben, damit der in 13 Spielen 4 Tore für sie erzielt. Man spielte damals schon in der 5. Liga, träumte aber anscheinend damals schon von höheren Ligen, nur um stattdessen pleite zu gehen.

Anstatt jetzt den logischen Schritt zu gehen, dass chaotisch geführte Vereine halt im modernen Sport insolvent gehen und irgendwann den Spielbetrieb einstellen müssen, verweisen alle auf die bösen Investoren. Als würde es 1860 und dem KFC besser gehen, wenn die das Geld nicht angenommen hätten... das hätte im Fall von 1860 einen Neustart in der Kreisklasse bedeuten können. Anstatt jetzt in der Bayernliga rumzugurken, hat man einen Kader, mit dem man eigentlich in die 2. Liga aufsteigen muss... was man natürlich nicht schafft, weil man weiterhin ein chaotisch geführter Verein ist.

Lustigerweise ist Uerdingen eigentlich eines dieser Positivbeispiele. Also als man noch am Tropf vom de facto Investor Bayer hing, erlebten die Fans eine legendäre Aufholjagd gegen Dynamo Dresden. Man gewann 1985 den DFB-Pokal. Aber nach dem Ausstieg des einzigen großen und namensgebenden Sponsors (aka des Investors) stieg man sofort aus der Bundesliga ab. 3 Jahre hielt man sich in der 2. Liga. 13 Jahre nach dem Ausstieg meldete man als Viertligist das erste Mal die Insolvenz an und es folgte der Zwangsabstieg in die 6. Liga.

Anscheinend war dieser Verein einfach nicht fähig, sein eigenes Überleben zu sichern. Oder es war halt der eine Profiverein zu viel in Nordrhein-Westfalen. Wir reden hier schließlich von einem Bundesland, das gerade 15 Profi-Vereine stellt. Also man kommt auf 15, weil die SGS Essen in der Frauen-Bundesliga spielt und deswegen selbstverständlich im Kicker Sonderheft und auch hier aufgelistet wird.

Wenn man also nicht nur die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches hat, sondern sich die letzten 40 Jahre anguckt, dann hat der Ausstieg und nicht der Einstieg eines Investors diesen Verein kaputt gemacht. Die Geschichte ist eigentlich ein klares Argument GEGEN 50+1, denn als das noch egal war und Bayer die Fäden gezogen hat, ging es dem Verein wesentlich besser.

Aber dieses "Guckt mal, der Ponomarev hat den Verein kaputt gemacht! Wie schrecklich!" verkauft sich halt besser.

Mein persönlicher Vorsatz ist es jetzt, als quasi Nachfolger zum "Passives Abseits vs Tradition" eine Serie zu starten, in der ich aktuelle und historische Beispiele nenne, in denen ein Investor die Situation im Verein oder in der Stadt deutlich verbessert hat. Denn es gibt genügend Beispiele, wo genau das passiert ist.

Dienstag, 22. Juli 2025

16 Teams ist das perfekte Teilnehmerfeld

Beim Verfolgen der Viertelfinale wurde mir eines bewusst: ein Turnier mit 16 hat die perfekte Größe. Denn auch wenn ich mich hinter der Maske des Zynismus verstecke, liebe ich es halt, guten und relevanten Fußball zu sehen. Aber gerade in letzter Zeit wurde mir mehr und mehr bewusst, dass ich keinen Nerv mehr für belanglosen Fußball habe.

Hier muss jetzt erstmal ein schizophrener Disclaimer rein, denn mir ist bewusst, dass man bei der Herren-WM nicht auf 16 Teilnehmer zurückgehen kann. Dafür ist der Sport viel zu groß. Und es geht ja, wie ich an anderen Stellen immer betone, nicht darum, das bestmögliche Turnier für uns Europäer zu erschaffen, sondern die globale Entwicklung zu feiern. 
Aber dass fast die Hälfte aller Verbände zur Herren-EM müssen, wird das Turnier auf ewig negativ beeinträchtigen.

Das erste Positive ist der Fakt, dass man nicht sein gesamtes Leben auf den Kopf stellen muss, um das Turnier zu verfolgen. Man musste erst 18 Uhr einschalten und war um 23 Uhr fertig. Wenn man wirklich mal verhindert ist, braucht man nach der Schicht oder nach dem Konzert nur eine Stunde, um alles Relevante zu erfahren. Und ab dem Viertelfinale gibt es nur noch ein Spiel pro Tag, welches abgesehen vom obligatorischen "Wir schalten ins deutsche Lager" komplett im Fokus steht.

Nächstes Jahr werden wir in der Gruppenphase 4 Spiele am Tag auf dem Menü haben. Da wird es von 17 bis 6 Uhr nur Fußball geben. Die werden Doppelschichten beim Public Viewing planen müssen. Selbst mein 21-jähriges Ich, welches 2006 quasi alle Spiele live verfolgt hat, würde da an seine Grenzen kommen.

Dann gab es mit Wales nur eine einzige Mannschaft, die man, bei allem Respekt, als Kanonenfutter bezeichnen kann. Alle anderen Mannschaften waren vor dem Turnier relativ dicht beieinander, auch wenn die Niederlande so zerstritten war, dass man das nur erahnen konnte. Und die Spanierinnen sind halt zu gut, von daher gab es nach ganz oben doch einen beachtlichen Skill-Gap.

Deswegen gab es richtige Hammergruppen. Und weil nur die ersten 2 in jeder Gruppe weiterkommen, gab es auch kein großes Taktieren. Deswegen gab es während des gesamten Turniers nur 2 Unentschieden und noch kein einziges 0:0. Beide Statistiken werden nächsten Sommer am 3. Tag eingestellt sein.

Wo ich gestern auf Kicker.de geflucht habe: Das Re-Live von Portugal - Italien ist beim ZDF nicht mehr auffindbar. Fehlercode 404... Das ist schade, weil man genau diesen Effekt in dieser Schlussphase wunderbar nachvollziehen konnte: Portugal erzielte spät den Ausgleich. Bei einem Turnier mit 24 Teilnehmern würden sich jetzt beide mit diesem Ergebnis arrangieren. Denn Italien wäre mit 4 Punkten als bester Gruppenvierter quasi sicher weiter. Es gibt theoretische Szenarien, in denen man mit 4 Punkten ausscheidet, aber das passiert nur, wenn alle 4 Mannschaften auf diese 4 Punkte kommen. Und auch Portugal wäre mit einem Sieg gegen bereits ausgeschiedene Belgierinnen genauso sicher weiter.

Stattdessen spielten beide Mannschaften in der Nachspielzeit voll auf Sieg. Italien war sich bewusst, dass sie noch ein Spiel gegen die Spanierinnen verlieren werden. Portugal wollte sich nicht darauf verlassen, dass Spanien sich im letzten Gruppenspiel mit einem humanen Sieg zufriedengibt, anstatt aufs 3:0 zu gehen. 
Während man bei den Männern taktiert hätte, führte die extreme Intensität zu einem Platzverweis und 3 klaren Chancen in der Schlussphase.

Ein weiteres positives Beispiel waren die extremen Emotionen nach dem Schweizer Ausgleich. Und das auf BEIDEN Seiten. Die einen feiern das Weiterkommen, die anderen müssen nach Hause fahren. In einem System mit den besten Gruppendritten kommen beide weiter.
Nicht nur das. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die Schweizerinnen bei einer knappen Niederlage mit 3 Punkten und +0 Toren die besten Gruppendritten gewesen wären. Die 4 besten Gruppendritten kamen bei der EM im letzten Sommer weiter.

Hier muss man nochmal festhalten, dass man im aktuellen System bei den Männern mit 3 Unentschieden quasi garantiert weiterkommt. Slowenien hat das vorgemacht, während die Ukraine mit 4 Punkten ausgeschieden ist. Portugal kam 2016, ohne nach 90 Minuten ein einziges Spiel zu gewinnen, bis ins Finale. Bei der WM 1990 war es die Niederlande, die ohne Sieg ins Achtelfinale einzogen, um dort unseren Rudi zu bespucken. Nur um zu verdeutlichen, dass dies kein absurder Sonderfall ist. Seit der Einführung der 3 Punkte Regel in 3 von 4 Turnieren mit den besten Gruppendritten ist dieses Szenario eingetreten. Das ist viel zu häufig.

Es geht also, weil man sich nicht ohne Sieg durchmogeln kann, gleich richtig zur Sache. Und weil es "nur" 16 Teilnehmer gibt, kommt es schon am ersten Spieltag zu richtig geilen Ansetzungen. Nächsten Sommer gibt es dagegen 16 Gruppen. Damit ist ausgeschlossen, dass die 15 besten Mannschaften sich in der Gruppe aus dem Weg gehen. Die USA und Mexiko sind gerade Teil dieser Top-15, ich habe also bedacht, dass es 3 Gastgeberländer gibt. Das Best-Case-Szenario wäre ein Duell zwischen Uruguay in Spanien. 

Aber selbst wenn es dieses "Hammer-Los" gibt, ist der Rest des Teilnehmerfeldes so schwach, dass selbst der Verlierer mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit die K.O. Phase erreichen wird. Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass selbst Deutschland dies schaffen wird. Diese Gruppenphase zieht sich nebenbei über 15 Tage... Da bekommt man doch richtig Bock, jede Nacht 8 Stunden vorm Fernseher zu hängen.

Und in dieser K.O. Phase setzt sich dieses Problem dann fort. In dem aktuellen Turnier gab es schon in der ersten Runde nur gute und enge Spiele. Bei der WM im nächsten Jahr werden wir im Sechzehntelfinale quasi nur David gegen Goliath sehen. Und natürlich ist dann so eine Sensation immer eine faszinierende Geschichte. Im Wesentlichen lassen sich diese Spiele aber auf "der Außenseiter verbarrikadiert sich erfolgreich am eigenen 16er und dem Favoriten fällt nichts ein" runterbrechen. Also Spanien gegen Marokko halt. Für die Freunde des guten Fußballs ist das nichts. Dass der Außenseiter wie Italien gerade in Führung geht, weil sie überraschend gut mitspielen und hoch pressen, ist quasi ausgeschlossen. 

Die Fussball-WM nächsten Sommer hat 104 Spiele im Plan stehen. Von denen werden, falls die Achtelfinale günstig fallen und es da 6 spannende Ansetzungen gibt, 13 relevante Spiele geben... Bei der aktuellen EM gibt es 31 Spiele, dafür gab es schon am ersten Spieltag relevante Klassiker wie Frankreich - England oder Deutschland - Schweden.

Damit steht quasi jetzt schon fest, dass wir diesen Sommer das bessere Turnier verpasst haben und uns nächstes Jahr das schlechtere Turnier schönsaufen werden. Aber wenigstens gibt es dann richtigen Fußball.

Freitag, 18. Juli 2025

Nebenbei haben die eine der besten Regeländerungen der Neuzeit eingeführt.

 Es ist gar nicht alles schlecht. Nur 95 % der Dinge, die die Fifa so macht, dient der Profitmaximierung. Und jetzt haben sie sogar etwas Positives bewirkt. Wie konnte Gianni Infantino das zulassen?

Aber jetzt wird wirklich etwas gegen die Spielverzögerung unternommen, denn wenn der Torhüter den Ball zu lange in der Hand hält, wird das sanktioniert. Und das nicht nur mit einem erhobenen Zeigefinger, sondern mit einer Standardsituation tief in der eigenen Hälfte: Einem Eckball. Das sind genau die Momente, die man in einer Schlussphase unbedingt vermeiden will.

Es wird also jeder Torhüter den Ball ins Spiel bringen, sobald der Schiedsrichter runterzählt. Geile Idee.

Wobei die natürlich nicht radikal genug ist: Viel geiler wäre es, wenn man für jegliches Zeitspiel einen Eckball für den Gegner gibt. Egal, wo diese Unsportlichkeit begangen wird. Das wäre mal ein Ansatz, der das Spiel positiv verändern würde.

Denn eines muss man an der Stelle nochmal festhalten: Zeitspiel ist immer effektiv. Man unterbricht den Rhythmus des Gegners und gibt seiner eigenen Verteidigung die Gelegenheit, durchzuschnaufen. Die Zeit wird nie komplett nachgespielt. Und wenn ein Spieler dafür verwarnt wird, ist das nur noch besser, weil es weitere 10 Sekunden dauert, bis das erfasst wurde.

Und wenn ein Spieler sich durch das Zeitspiel direkt eine Sperre einhandelt, passiert nur in 3 Szenarien:
1. Man hat das Achtelfinalhinspiel souverän gewonnen und will unbelastet ins Viertelfinale gehen. Das ist vor allem in der Champions League relevant.
2. Man spielt am nächsten Wochenende beim FC Bayern und hat die Niederlage eh einkalkuliert. Das ist das Bundesliga-Szenario.
3. Man hat nächste Woche ein Familientreffen... was noch schlimmer ist. Die Kreisklasse-Variante.

Dass Spieler unbeabsichtigt eine Sperre kassieren, ist quasi ausgeschlossen. Das machte die Aktion Gregore bei der Klub-WM so absurd.

Noch viel absurder wird es in einem Viertelfinale bei einer WM der EM. Da wird man dann für die restlichen 5 bis 10 Minuten verwarnt. Dass man direkt danach noch eine Verwarnung bekommt, ist so gut wie ausgeschlossen. Und direkt nach dem Abpfiff wird die Verwarnung wieder gestrichen, weil wir zu viel Angst davor haben, dass ein Star das Finale gesperrt verpassen könnte. Da kann man dann doch wirklich nicht mehr von einer Strafe reden. Und im Halbfinale kann man dann wieder zu diesem Mittel greifen.

Schritt 1 wäre es da, dass man die Karten für Zeitspiel und Unsportlichkeiten einfach doch behält. Oder dass Verwarnungen nicht komplett nach dem Viertelfinale, sondern nach 2 Spielen, gestrichen werden. Dann würde man im Finale gesperrt fehlen, wenn man im Viertel- und Halbfinale verwarnt wird, aber eben nicht, wenn man aus dem 1. oder 2. Spieltag eine Verwarnung mitbringt.

Aber unabhängig von solchen doch recht komplizierten Lösungen wäre es auch schon extrem hilfreich, wenn die auf Zeit spielende Mannschaft sofort eine spürbare Bestrafung bekommt. Denn das ist ja auch ein Vergehen, für das man sich am Ende kollektiv entscheidet. Ein Eckball wäre hier auch das perfekte Strafmaß: drastisch genug, dass man der Aufforderung den Ball zu spielen sofort nachkommt. Aber nicht so drastisch, dass man gar keine Chance hat, die folgende Situation zu verteidigen.

Genau so würde man das Zeitspiel effektiv unterbinden. Und wenn jetzt irgendwelche Regel-Nerds ankommen und behaupten, dass man ja nicht einfach willkürlich Eckbälle verteilen kann, sondern die nur in einer sehr spezifischen Situation angewendet werden... nun ja. Die Fifa hat ja gerade bewiesen, dass sie das einfach anpassen kann, wenn das gewollt ist.

Und an der Stelle sollte das gewollt sein, weil es das Spiel objektiv verbessern würde. Aber das ist halt leider nicht der Fokus der Fifa. Deswegen hier jetzt die wirkliche Lösung: Für jegliches Zeitspiel gibt es eine Coca-Cola-Ecke. Das ist an und für sich auch nur ein Eckball, nur wird er von der Marke präsentiert und während die Mannschaften sich im Strafraum sammeln, was ja aufgrund des Zeitspiel-Szenarios etwas dauern wird, kann ein entsprechender Spot gezeigt werden.

Mittwoch, 4. Juni 2025

Ein kreativer Lösungsvorschlag für das Regionalliga-Problem

 Der genau deswegen nicht diskutiert werden wird.

Also die "Die Meister müssen aufsteigen" Bewegung bekommt ja immer mehr Zuspruch. Aber im Wesentlichen ist das immer noch eine Forderung der ostdeutschen Vereine, die aber gleichzeitig, wie ich hier ausführlich vorgerechnet habe, nur ein trojanisches Pferd als Kompromissvorschlag eingebracht haben: Sie geben den Greifswalder FC ab und dürfen dafür all ihre Derbys behalten, während sich für alle anderen Verbände alles verschlechtert.

Sie haben immer noch keine vernünftigen Argumente dafür geliefert, warum die Vereine aus Bayern und Baden-Württemberg für eine derartige Reform stimmen sollten. Also außer der "Der Meister muss aufsteigen" Moralkeule. Das wird bestimmt überzeugen.

Aber es will halt weiterhin das ganz offenkundige Problem ansprechen: Für eine faire Aufteilung der Regionalliga müsste die Regionalliga Nord/Ost komplett aufgespalten werden. Und das ist natürlich ein herber Verlust der eigenen Identität. Die ganzen schönen Derbys fallen weg. Damit wird auch der Zuschauerschnitt fallen. Eine Aufteilung wäre schon ein sehr hartes Brot, was die Vereine verzerren müssten. Deswegen bringt das auch niemand ins Gespräch.

Aber sie sind es ja auch, die mit der großen Forderung kommen. Und der Fakt, dass die "DDR-Oberliga" erhalten bleiben musste, war auch einer der Hauptgründe, warum es überhaupt eine 5-gleisige Regionalliga geben musste. Damals lautet der Kompromiss halt: Könnt ihr haben, aber dann muss es am Ende der Saison Aufstiegsspiele geben. 

Dass ein derart kleiner Teil der Bevölkerung bei einer 4-gleisigen Regionalliga seine eigene Staffel bekommt, ist aber nicht vermittelbar. So weit, so bekannt.

Aber wie lösen wir jetzt dieses Problem? Ganz einfach: Wir nehmen eine Seite aus dem Lehrbuch der Fifa. Denn für die ist ja "Mehr Spiele" und "Ein neuer Wettbewerb" immer ein Lösungsansatz. Also führen wir den NOFV Pokal ein.

Oder wir führen ihn wieder ein und holen die alte Trophäe aus dem Schrank. Also um allen ganz deutlich zu machen, dass es hier am Ende nur um Ostalgie geht. 

Der DFB lässt einen für sie nicht wirklich schmerzhaften Betrag ins Preisgeld fließen. Der MDR und T-Online lassen Geld für die Übertragungsrechte springen, die ja im Wesentlichen an diese Vereine gehen. Den Rest regeln die Fans über die vollen Stadien. Mit dem Preisgeld lässt sich auch der Nachteil, dass die Teilnehmer aus der wirtschaftlich schwächsten Region des Landes kommen, kompensieren. Die Fußballvereine können ja am wenigsten dafür, dass wir das mit der Wiedervereinigung vor 35 Jahren so verkackt haben.

Die 32 besten Mannschaften aus dem Gebiet der ehemaligen DDR dürfen, solange sie sich für den Europacup qualifiziert haben, an diesem Wettbewerb teilnehmen. Denn in den Wochen, in denen RB Leipzig normalerweise durch Europa tourt, sind ja die Termine, an denen dieser Wettbewerb ausgetragen werden soll. Das Finale wird am Champions League Sonntag ausgetragen. Nur halt schon um 15:30 Uhr.

Jetzt muss man nur noch klären, ob man im DFB-Pokal Modus, oder im Europacup Modus spielt. Also mit Hin- und Rückspiel. Und wie man RB für die kommende Saison auslädt. Oh und man muss klären, wie man mit der Hertha und den anderen Westberlinern umgeht... Am Effektivsten wäre es wahrscheinlich, das ganze zu einem "Einladungsturnier" zu machen, an dem man teilnehmen kann, aber nicht muss. Alles in dem unausgesprochenen Einverständnis, dass sich die Teilnahme für RB nicht lohnen würde, weil das ja nicht ihre Derbys sind, und sie die Einladung deswegen ausschlagen würden.

Aber um das mal kurz durchzurechnen: Wenn RB auf eine Teilnahme verzichtet, würden Union Berlin, der 1. FC Magdeburg, die HerthaDynamo Dresden, Energie Cottbus, Hansa Rostock, Erzgebirge Aue und die 18 Regionalligisten in einen Lostopf geworfen werden. Dazu kommen dann noch die jeweils 4 besten Mannschaften der Oberliga NOFV-Nord und -Süd. Zweite Mannschaften werden wie RB ausgeladen. Sparta Lichtenberg und Germania Halberstadt spielen den letzten freien Platz aus.

In der ersten Runde gibt es dann, wie im DFB-Pokal, 2 Lostöpfe, danach wird knallhart gelost. Das Finale wird an einem neutralen Ort ausgetragen, der beiden Fans eine faire Anreise ermöglicht.
Wenn man sich, damit jeder garantiert seine Heimspiele bekommt, für das "europäische System" mit Hin- und Rückspiel entscheidet, braucht man nur 9 Termine im Kalender. Dafür würde man durchaus Platz im Terminkalender finden. Ab der 2. Runde wird es garantiert die richtig "geilen" Derbys geben.

Also die Hochsicherheitsspiele, aber Dynamo gegen Hansa unter Flutlicht in einem K.O. Spiel klingt doch wie der feuchte Fiebertraum eines jeden "Traditionsfans". Im anderen Halbfinale spielt am Tag darauf Union gegen Hertha. Da würden wahrscheinlich sogar Fußballfans aus dem Westen einschalten.

Dafür wäre es dann natürlich für Halle nicht mehr garantiert, dass sie jedes Jahr auf Lok und Chemie treffen. Und sie müssten deutlich weiter reisen, als das bisher der Fall war. Aber dafür bekommen sie ja die Chance auf die beachtliche Zusatzeinnahme in ihrem eigenen Pokalwettbewerb. 

Das größte Problem dürfte sein, ein neutrales Stadion zu finden, welches das Finale austragen wird. Denn machen wir uns nichts vor: Die Tribünen werden da brennen. Und nicht im metaphorischen Sinn. Aber vielleicht besinnen sich ja die Ultras bei so einem Turnier auf ihre eigentliche Aufgabe: Großartige Stimmung zu verbreiten.

Aber da man derzeit noch nicht mal über eine vernünftige Aufteilung der neuen Regionalligen reden kann, wird man nie auf derartige Lösungsvorschläge kommen.  Dabei wäre es die Möglichkeit, wie alle Beteiligten bekommen, was sie wollen.

Mittwoch, 7. Mai 2025

Wie die DFL mal wieder die Digitalisierung verkackt

 Wir sind halt ein Entwicklungsland. Und dieses Internet ist für uns alle noch Neuland. Aber gerade gestern fiel es mir wieder auf.

Denn ich habe mich ja gestern darüber ausgelassen, dass man keine ordentliche Zusammenfassung der legendärsten Abstiegskonferenz findet. Man kann sich das nacherzählen lassen. Man kann sich ein "Sportschau-Shorts"-Video angucken. Aber wenn man sich daran erinnern will, wie Frank Baumann im Trikot des 1. FC Nürnberg frei vor dem quasi leeren Tor auftaucht und nur eine harmlose Rückgabe dabei herausspringt... muss man damals dabei gewesen sein. 

Dabei liegt das ja in irgendeinem Safe, damit es dann zu den Rückblenden ausgepackt werden kann. Und es gab das auch zwischenzeitlich frei verfügbar über einen Pirtatenkanal. Vielleicht wird es auch irgendjemand nochmal hochladen. Aber bevor es auf 1 Million Klicks kommt, macht die DFL den Kanal dicht.

Da muss man sich schon fragen: Warum gibt es keinen ordentlichen "Bundesliga-Historie" Kanal, in dem die legendären Spieltage und Konferenzen zur Verfügung gestellt werden? Wir reden hier über 25 Jahre alte Videos. Da muss man als DFL doch irgendwie rankommen. Und es würde den Streaminganbietern auch nicht weh tun, wenn Leute sich das vor dem letzten Spieltag nochmal angucken, um sich in Stimmung zubringen.

Aber hey, immerhin gibt es mittlerweile in der Gegenwart Fortschritte. Denn da gibt es mittlerweile die Highlights auf Youtube und in der App... mit Verzögerung. Also ab Montag. Denn den Leuten das gleich zeigen, wäre ja absurd.

Diese Fortschritte sind immerhin wahrnehmbar. Als ich mit diesem Blog vor viel zu langer Zeit angefangen habe, gab es online gar keine bewegten Bilder von der Bundesliga. Alles wurde runtergenommen. Was auch bedeutet, dass es keinerlei Highlightvideos von krassen Aktionen der Bundesligastars gab. 

Dann gab es wenigstens die Tore und die krassetenn Szenen des Spieltages in gekürzten Videos zu sehen. Mittlerweile gibt es dann tatsächlich die gesamte Sportschau-Zusammenfassung in der App und bei Youtube... nur halt mit Verzögerung ab Montag.

Für jemanden, der seit Jahrzehnten kein lineares Fernsehen mehr hat, ist das ein unfassbarer Fortschritt. Denn ursprünglich hieß es: Wenn ich die Zusammenfassungen am Samstagabend verpasst habe, gab es für mich keine Möglichkeit an die Szenen zu kommen. Denn für den Stream von Sport1 müsste ich mir ein Abo holen und nur um Sonntag früh die verpasste Bundesliga zu gucken, lohnt sich das nicht.

Aber es sind halt auch nur Babyschritte. Denn wenn Kylian Mbappé sich den Frust von der Seele tritt und vom Platz fliegt, bekomme ich die Bilder über Kicker.de schon vor dem Abpfiff. Wenn Saliba's Controller kurz disconnected und er Real Madrid den Ausgleich schenkt, wird mir diese Szene ebenfalls zeitnah geschickt.

Und wenn Inter Mailand und der FC Barcelona ein Rückspiel für die Ewigkeit abliefern... gibt es die wichtigsten Szenen schon vor Mitternacht online zu sehen. Und die verrücktesten letzten 10 Minuten ungeschnitten zur freien Verfügung. Denn die Streaminganbieter haben verstanden, dass das 2. wichtigste nach exklusiven Live-Bildern eine freie Verfügbarkeit ist. Damit die Fans in den sozialen Medien mit den Highlights interagieren können. Und damit die Kids dann ihren Eltern auf den Sack gehen, damit sie das Abo abschließen, damit man diese Emotionen das nächste Mal auch live mitbekommen. Und ja, die Highlights vom Hinspiel auf Insta kommen mit einem "die 2. Halbzeit jetzt Live auf DAZN sehen".

Gerade in Zeiten, wo man richtig viel Geld dafür bezahlen muss, wenn man alles sehen will, ist es elementar wichtig alle Kunden abzuholen. Es ist nebenbei faszinierend, dass das eine Mal, wo die deutschen Behörden ein Monopol zerschlagen, für die Kunden alles viel teurer und komplizierter geworden ist. Da wird Kundenschutz noch großgeschrieben.

Wenn Heidenheim und Kiel jetzt ihre Aufholjagd fortsetzen, was, wie gestern erwähnt, ein historisches Ereignis wäre, müssen die Fans trotzdem bis Montag warten, um ihre Kommentare unter bewegte Bilder zu setzen. Ihnen muss dann das Foto mit dem Text reichen, als wäre es noch 2015...

Das Absurde daran ist ja. Die Streaminganbieter sind doch bei beiden zumindest teilweise dieselben. Also DAZN zeigt doch Bundesliga und Champions League. Und einige internationale Ligen. Aber von der einen Liga dürfen sie keine bewegten Bilder verbreiten. Warum? Wer hat diese Verträge ausgehandelt und warum sind sie so unflexibel?

Dann wundern sich alle, warum die Kids das Interesse an dem Fußball verlieren. Die Antwort: weil die keine 24 Stunden warten wollen, bis die Highlights auch auf ihren Kanälen ankommen. Die Welt ist viel zu schnelllebig geworden, als dass man auf irgendwas so lange warten würde.

Und es ist ja auch nicht das erste Mal, dass die DFL derartige Innovationen verschläft. Bei der internationalen Vermarktung hingen sie auch Jahre hinterher. Was dann direkt dazu führte, dass man finanziell den Anschluss an die Premiere League verloren hat. Dadurch, dass man beim nächsten Schritt wieder konsequent hinterherhinkt, wird dieser Abstand nicht verringert werden.

Freitag, 18. April 2025

Das lief dieses Jahr schlechter als erwartet

 Also schlechter als im Vorjahr, wo zum ersten Mal eine Mannschaft aus Griechenland einen Europapokal gewinnen konnte. Denn dieses Jahr scheinen die großen Ligen die Conference League doch halbwegs ernst zunehmen. Deswegen spielen da plötzlich doch Mannschaften aus England, Spanien und Italien gegeneinander. Wir hatten wenigstens den Anstand, Heidenheim zu schicken und frühzeitig auszuscheiden, wie sich das eigentlich gehört.

Aber zum einen gibt es Djurgardens IF aus Schweden. Das dürfte die erste Halbfinal-Teilnahme einer schwedischen Mannschaft seit 1987 sein, als der IFK Göteborg den UEFA Cup zum 2. Mal gewinnen konnte. Das ist als fast 40 Jahre her. Und wie immer sage ich an der Stelle: Genau darum geht es. Dass kleinere Nationen auch im Frühjahr am Europacup teilnehmen können, ist etwas wunderbares. 

Wenn man sich aber das Viertelfinale anguckt, ist die Bilanz schon gar nicht mehr soo schlimm. Mit Legia Warschau und Jagiellonia Bialystok kämpften 2 Mannschaften um den Einzug ins Halbfinale. Ich werfe mal die dreiste These in den Raum, dass noch nie 2 polnische Mannschaften gleichzeitig in einem europäischen Viertelfinale standen. Legia Warschau stand zuletzt 95/96 unter den letzten 8. Das ist also auch schon wieder fast 30 Jahre her. 

Dazu spielte NK Celje aus Slowenien auch noch mit. Bisher war für Mannschaften aus diesem Land die Europacup-Saison Ende Februar beendet. Also zumindest war dieses Duell zwischen dem FC Sevilla und NK Maribor das späteste Europacup-Spiel, dass ich auch die Schnelle finden konnte. Jetzt durften die auch im April noch mitspielen.

Und über allem steht Bodö/Glimt. Der nördlichste Verein, der jemals in ein europäisches Halbfinale eingezogen ist. Die ersten Norgweger, denen dieses Kunststück gelang. Das weiß ich, weil HITC Seven nach dem Hinspiel eine 40-minütige Dokumentation über diesen Verein rausgehauen hat. Titel: The World's Best Run Football Club.

Das ist eine wunderschöne Geschichte. Quasi Heidenheim auf Speed. Aber es zeigt auch, wie absurd der europäische Wettbewerb mittlerweile ist. Denn auch das Europa League Halbfinale ist eine beinah geschlossene Gesellschaft. Die meisten Vertreter kommen aus den 5 großen Ligen. Glasgow Rangers waren da die eine Ausnahme. Und jetzt halt die Norweger. Das waren die 2 Halbfinalteilnehmer der letzten 5 Jahre, die nicht aus Deutschland, England, Spanien, Italien oder Frankreich kamen. Nur um zu verdeutlichen, dass auch dieser Wettbewerb immer elitärer wird, weil der Abstand zwischen den 4 großen Ligen und Paris St. Germain stetig weiter am Wachsen ist. 

Um da reinzugrätschen, muss man schon der am besten geführte Klub der Welt sein... und seine Lage hoch im Norden ausnutzen. Denn auswärts hat man alle K.O. Spiele am Ende verloren. Aber im Winter im heimischen Stadion ist man unantastbar. Nur Qarabağ Ağdam konnte einen Auswärtssieg in Norwegen feiern.

In der Champions League ist alles wie immer. Der letzte Halbfinalteilnehmer, die nicht aus den großen 5 Ligen kamen, war Ajax Amsterdam im Jahr 2019. Dazu kommt technisch gesehen Olympique Lyon, die als nicht Paris St. Germain auch zu den kleinen gehören und es ins Final-Turnier geschafft haben. Aber das erste Pandemiejahr muss halt mit einem Sternchen versehen werden. 

Und mit dem jetzt eingeführten neuen System wird das alles nur noch viel krasser werden. Denn diese Liga ist ja eingeführt worden, damit die Reichen noch reicher werden und die Schere noch weiter auseinander geht. Dazu kommt die Klub-WM, von der die Conference Teilnehmer nicht mal träumen dürfen. 

Genau deswegen ist die Einführung der Conference League als quasi Gegengewicht zu dieser Monotonie. Zumindest für die nächsten 5 Jahre, bis die Schere dann so weit auseinandergegangen ist, dass auch die C-Elf der 7. besten Mannschaften aus England und Spanien die besten Mannschaften all dieser kleinen Nationen besiegen. Die 5 Jahre sollten wir genießen. Falls es dafür nicht doch schon zu spät ist.

Aber um das nochmal mit Zahlen zu verdeutlichen: Seit der Einführung der Conference League kamen in allen anderen Wettbewerben 2 von 32 Mannschaften nicht aus einer der großen 5 Ligen. Die schon erwähnten Rangers und Bodö/Glimt. In der Conference League spielten auch Mannschaften aus diesen 5 Ligen. Aber eben auch Feynoord Rotterdamm und AZ Alkmaar aus den Niederlanden. Club Brügge aus Belgien. Olympiakos Piräus aus Griechenland. Und jetzt Djurgardens IF aus Schweden. Wir sind also bei 5 von 16. Gut, dafür gab es aber noch keine Deutsche Mannschaft. Trotzdem sind wir jetzt schon bei Teilnehmern aus 8 verschiedenen Nationen, während die Champions League nur auf 5 kommt. Und während es in der Königsklasse keine realistische Hoffnung darauf gibt, dass sich dieser Kreis irgendwie erweitert, dürfte er in der Conference League quasi jährlich erweitert werden.

Donnerstag, 20. März 2025

Endlich wieder Länderspielpause

 Das wird sogar Xabi Alonso so sehen. Auch wenn sein Comeback-Bayer gerade ein großes Comeback gefeiert hat. Nur halt leider zu spät, um für diese Saison noch relevant zu sein. Aber besser spät als nie.

Aber wir haben wieder mal den Punkt erreicht, wo selbst die Vereine nicht mehr darüber jammern, dass es mal eine Länderspielpause gibt. Denn für die Spieler der Spitzenteams klingen "nur 2 Spiele in 10 Tagen" fast wie Urlaub. Und die Trainer können sich mal neu sortieren und mental auf den Schlussspurt vorbereiten.

Und klar, weil man dieses mal aufs komplette versagen verzichtet hat und stattdessen an der K.O. Phase der Nations League teilnimmt, ist es nur fast wie Urlaub. Denn die Spiele haben ja plötzlich eine gewisse Relevanz.

Nebenbei ist das so ein Faktor, der bei der "Aufblähung" der Turniere im Sommer gerne ignoriert wird. Also es wird da ja gerne behauptet, dass das für die Spieler scheiße ist, weil die jetzt ein Spiel mehr absolvieren müssen, um Weltmeister zu werden. Und kurzfristig betrachtet stimmt dies sogar: Es wurde eine zusätzliche K.O. Phase eingeführt. Wenn man aber nicht nur den Horizont eines Flat Earthers hat, sondern ein bisschen über den Tellerrand hinausschaut... Wenn Deutschland sich für das "Final 4" Turnier qualifiziert, landen sie in einer 4er Gruppe mit Nordirland, der Slowakai und Luxemburg. Wenn sie sich dann, wovon man ja ausgehen sollte, als Gruppenerster qualifizieren, brauchen sie dafür "nur" 6 Spiele.

Für die WM in Katar spielte man in einer 6er Gruppe mit Nordmazedonien, Rumänien, Armenien, Island und Liechtenstein. Damals brauchte man 10 Spiele. Selbst im Worst Case Szenario mit einer Niederlagegegen Italien braucht man "planmäßig" 2 Spiele weniger, um sich für die WM in Nordamerika zu qualifizieren, Im Idealfall sind es sogar 4 Spiele weniger. Da kann man ja glatt ein weiteres Spaßturnier für die Vereine einführen.

Das ist aber auch etwas, dass die UEFA nicht vermarktet und die Vereine suboptimal aushandeln. Also ein "Ja, wir erweitern die Turniere, aber dafür kürzen wir die Länderspiel-Pausen während der Saison etwas runter" wäre doch eine faire Verhandlungsgrundlage. Da müssten sich doch alle Nationen, außer die ganz kleinen, drauf einlassen. Und wo demnächst die halbe Welt zur WM eingeladen wird, kann das ja auch nicht an den mangelnden Stimmen scheitern.

Wenn man darauf hinweist, dass die Länderspiele gerade im Vergleich zur aufgeblähten Champions League gar nicht mehr geworden sind, würde man den jammernden Vereinen und Fans viel Wind aus den Segeln nehmen. 

Da kommen wir mal wieder zu meinem Lieblingsspiel: Lasst uns mal nachrechnen, wie viele Spiele Bayern München seit der letzten Länderspielpause absolviert haben. Stichtag ist der 19.11.2024. Die Bayern sind da bei 25 Pflichtspielen. Es hätten nebenbei sogar mehr sein können, wenn man sich nicht frühzeitig aus dem Pokal verabschiedet hätte.

Dann drehen wir die Uhr mal 20 Jahre zurück. Da ist die Länderspielbilanz immer schwierig, weil das ausgerechnet das Jahr ist, in dem die deutsche Nationalmannschaft als "Danke Schön" für die WM Vergabe im Dezember auf Asienreise war. Aber man kann ja trotzdem mal gucken, wie viele Spiele die Bayern zwischen dem 19.11., also dem Ende der offiziellen Rahmentermine für Landerspiele mit dem Freundschaftsspiel gegen Kamerun, und dem 26.03., einem Spiel  in Slowenien ausgetragen wurden. Man kommt dann auf 18 Spiele.

Drehen wir die Uhr weitere 20 Jahre zurück, kommen die Bayern in diesem Zeitraum auf 13 Spiele. Man könnte einen Trend erkennen. Also während sich die Anzahl der Länderspiele in einem "nicht Turnier Saison" von 11 auf 10 reduziert haben, hat sich die Zahl der Vereinsspiele quasi verdoppelt. Da fragt man sich echt, wie man als Vereinspräsident über die Länderspiele aufregen kann, wenn die ganz offensichtlich nicht das Problem sind. 

Das werden die Verantwortlichen der Vereine aber niemals erwähnen, denn dann müssten sie ja zugeben, dass aussschließlich ihre eigene Gier Schuld and der völligen überlastung des Rahmenterminkalenders ist.