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Dienstag, 7. April 2026

Die Bayern sind schon beängstigend gut

 Wo ich gestern die Bundesliga als ganzes so "mittelmäßig" geredet habe, muss das auch mal festgehalten werden. Also vor dem Spiel gegen Real Madrid. Denn zum ersten Mal seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, dass die Bayern auch da wirklich mithalten können. So gut sehe ich diese Bayern.

Für mich liegt das primär an 3 Faktoren: 1.) Harry Kane. Lange Zeit ging ich ja davon aus, dass die auf dem Transfermarkt doch eher konservativen Bayern keine 100 Millionen für einen Stürmer ausgeben werden. Aber um einen Weltklasse-Spieler zu bekommen, muss man diese Summen hinlegen. Bei Kane lag die reine Ablöse bei 95 Millionen. Dazu kommen mit Luis Díaz und Michael Olise 2 weitere teure Toptransfers. Die Bayern kopieren still und heimlich die Galakticos und holen jedes Jahr einen richtig teuren Star. Sie sind mittlerweile gewillt, die beachtlichen Summen, die auf dem internationalen Markt aufgefordert werden, auf den Tisch zu legen.

Aber Michael Olise und Díaz sind schon Punkt 2. Denn hier beweist Max Eberl, dass er der Aufgabe wirklich gewachsen war. Also das, was Nils Ole Book jetzt in Dortmund beweisen muss, hat hier endlich geklappt. Eberl trat seinen Job ja am 1.3.2024 an. Dass er dann direkt mit Olise einen Diamanten holt, der sich unfassbar gut entwickelt, ist beeindruckend. Aber vielleicht hat er da ja noch von der Vorarbeit der Vorgänger profitiert. Dass er dann mit Díaz nachlegt, ist beängstigend. Nach Jahren der Instabilität hat man jetzt wieder den besten Manager der Liga auf seiner Seite. Die Bayern haben ja eine ganze Weile nach einem wirklichen Nachfolger für Uli Hoeneß gesucht, jetzt könnten sie ihn endlich gefunden haben.

Mann muss nur mal die anderen Namen in der Top 10 Rekordtransfer Liste nehmen: Lucas Hernández, Matthijs de Ligt, Joao Palhinha und Corentino Tolisso waren Enttäuschungen. Leroy Sané war 5 Jahre da, man ließ ihn aber am Ende ablösefrei gehen. Insgesamt machte man an den Weiterverkäufen dieser Spieler 180,5 Millionen Euro Verlust. Und das waren ja alles keine "alten Säcke" wie Harry Kane, wo man einen Verlust im Weiterverkauf einrechnet. Das waren Spieler, die entweder 10 Jahre bleiben oder mit Profit weiterverkauft werden. Das hat bei keinem funktioniert.

Min-Jae Kim rotiert seit seiner Ankunft zwischen Bank und Startelf. Die 7 Einsätze in der Champions League sehen auf den ersten Blick gut aus, aber bei genauerem Hinsehen kam er 3 Mal in der Schlussphase von der Bank und durfte nur in den "Ist eigentlich egal" Spielen in die Startelf. Dayot Upamecano hat sich gefangen und bekam eine Vertragsverlängerung. Die gab es aber nur, weil ein neuer Verteidiger zu teuer gewesen wäre. Das sage nicht ich, sondern Eberl.

Und dann ist da natürlich noch Harry Kane, der ein Volltreffer war. Aber man muss hier mal kurz festhalten, dass Stand April 2026, Upamecano der einzige Top Ten Transfer ist, der seinen Vertrag verlängert hat. Und das keiner dieser Spieler auf dem Transfermarkt gewinnbringend weiterverkauft wurde. Natürlich werden Kane, Díaz und Olise diesen Negativlauf beenden, es verdeutlicht aber, wie bescheiden diese Bilanz in der Summe ist:

Denn in der Summe kann man nur mit 3 der 8 Top-Transfers "vor Eberl" wirklich zufrieden sein kann. Sané hat die ja immerhin das eine Mal am letzten Spieltag zur Meisterschaft geschossen. Alles in allem ist das keine gute Bilanz... Eberl ist bei 2 von 2.

Da ist das Bier aber noch gar nicht leer. Also das Schlimmste haben wir noch vor uns: Jamal Musiala, Aleksandar Pavlovic und Lennart Karl. Musiala ist schon Weltklasse. Karl und Pavlovic haben das offensichtliche Potenzial, diese zu erreichen. Alle drei kommen aus der eigenen Akademie. Pavlovic und Karl können sogar behaupten, dass sie nie einen anderen Verein hatten, da sie vor der U17 zum Rekordmeister kamen. Musiala wurde ja technisch gesehen von Chelsea geholt.

Das, was ich mir von den Dortmundern immer erhofft habe, ist jetzt bei den Bayern passiert: Sie haben eine starke Generation von Eigengewächsen. Nun ist Toni Kroos der offizielle Beweis, dass so ein "Eigengewächs" auch nicht immer ewig bleiben. Aber der kam ja technisch gesehen vom FC Hansa. In der Regel sie bleiben länger bei ihrem Heimatverein, als die Dortmunder Im- und Export Diamanten. 

Das ist auch etwas, was die Bayern Fans völlig falsch verstanden haben, als Lennart Karl leichtfertig von Real Madrid geträumt hat: Madrid ist wahrscheinlich der einzige Verein, der sich berechtigte Hoffnungen auf einen Karl Transfer machen darf. Wenn ihr Olise oder Díaz fragt, werden die da Real, Barca, Man City und Liverpool ins Spiel bringen. Arsenal London ist auch nicht mehr weit weg. Und aus Nostalgie Man United. Bei Karl muss man sich, wenn er seine Ansage ernst gemeint hat, nur bei einem einzigen Verein sorgen machen.

Selbst wenn Pavlovic "nur" zwischen Welt- und internationaler Klasse pendelt und Karl sich nur auf der internationalen Klasse einpendelt, habe die Bayern immer noch ihre moderne Version von Lahm, Schweinsteiger und Müller. Und zu deren Höhepunkt 2014 war man international Wettbewerbsfähig. 

Man muss hier mal wieder festhalten, dass ich mit dem Begriff "Weltklasse" sehr sparsam umgehe. Das ist die absolut höchste Kategorie, die nur für die wirklich Allerbesten verwendet werden sollte. Müller war für mich nie Weltklasse, aber er war trotzdem ein sehr guter und sehr wichtiger Spieler im System der Bayern. Schweinsteiger war es um 2014, aber nicht auf seine gesamte Karriere gesehen. Er hat ja auch gefühlte Ewigkeiten gebraucht, um seine Position im Defensiven Mittelfeld zu finden. Lahm war derjenige, der konstant und auf verschiedenen Positionen auf allerhöchstem Niveau abgeliefert hat. Der war ein Jahrzehnt lang wirklich Weltklasse.

Jetzt stellt euch das Best/Worst-Case-Szenario vor und die Bayern bekommen 3 Spieler von Lahm's Qualität und mit Lahm's Identifikation. Dann hätten die Bayern für die nächsten 10 Jahre ihren Kern im Mittelfeld gefunden und müssen "nur" noch die Ergänzungen für diese 3 Spieler finden. Und sie haben einen Manager, der diese Ergänzungen offensichtlich findet. Praktisch muss man nur einen Nachfolger für Harry Kane verpflichten und dann ist man im Wesentlichen herausragend aufgestellt.

Die Frage ist ja: Wie schlimm ist das jetzt für die Liga? Also einerseits bekommt man ein international relevantes Flaggschiff. Andererseits werden die Bayern mindestens 9 von 10 Meisterschaften holen, solange diese 3 fit und in Form sind. Sie dominieren ja jetzt schon, wo "der Alte" verletzt ist und die beiden anderen noch verdammt jung sind. Das wird nur noch schlimmer.

Auch wenn das eigentlich unmöglich erscheint: Die nächsten 10 Jahre könnten noch dominanter werden, als die letzten 10. Und irgendwann wird das dazu führen, dass der gemeine Fan abschaltet...

Dienstag, 8. April 2025

Nun trifft der Bannstrahl also doch auch Müller

 Es scheint tatsächlich zu passieren: Thomas Müller kann sich entweder nochmal ein anderes Trikot suchen, oder unfreiwillig in den Vorruhestand gehen. Einen würdigen Abschied nach seinen Vorstellungen wird es nicht geben. Und alle sind schockiert!

Hier ist der Beitrag von NTV. Für die Podcastfans unter euch verlinke ich demonstrativ die Bohndesliga. Den englischsprachigen Markt deckt RabonaTV ab. Müller selber hält bewusst fest, dass der Verein "sich bewusst dafür entschieden" hat. Also dagegen. Er hätte gerne noch weiter gemacht. 

Und ja, ich bin auch ein wenig überrascht. Denn ich selbst schrieb ja vor wenigen Wochen, dass der FC Bayern sich die paar Millionen, die ein Mentor Müller kosten würde, doch einfach leisten kann. Das war naiv von mir. Das hätte ich besser wissen können.

Denn jetzt behaupten natürlich viele, dass Müller als wichtigster Bayern-Spieler der Geschichte einen Sonderstatus genießt. Aber er ist aber höchstens der Zweitwichtigste. Und wenn selbst ein Franz Beckenbauer seine Karriere beim Hamburger SV beendet hat, gibt es keinen Grund zur Annahme, dass es für einen Müller, der sich in Beckenbauers gemachtes Bett gelegt hat, anders ausgeht. 

Das "Mia san Mia" besteht halt auch daraus, Vereinslegenden eiskalt fortzuschicken. Was hier bereits 2020 festgestellt wurde. Die Ausnahmen sind Torhüter und Phillip Lahm. Uli Hoeneß ist halt doch eher Pate als fürsorglicher Familienvater... auch wenn er öffentlich gerne so tut, als würde er das anders handhaben.

Wobei man auch an der Stelle erwähnen muss: Nach der Karriere hat sich Hoeneß durchaus um die eine oder andere Bayern-Legende gekümmert und ihnen Jobs in der 2. oder 3. Reihe verschafft. Aber wenn du auf dem Platz nicht mehr helfen kannst, und das mit einigen Jahren Verzug auch offensichtlich wird, schickt er dich einfach fort. Da kennt er keine Gnade.

Das war bei Bastian Schweinsteiger so. Bei Franck Ribéry und Arjen Robben. Und bei Miroslav Klose. Gut, nur Schweinsteiger war wirklich auf dem Weg zum ewigen Bayern, aber er ist auch der lebende Beweis, dass selbst das nicht hilft. Wenn man bei den Bayern in den Ruhestand gehen will, muss man mit 34 aufhören... Wenn man das nicht will, wird diese Entscheidung irgendwann für einen getroffen. Das ist ja auch irgendwie fair, weil am Ende alle gleich behandelt werden.

Nur sollte es endgültig niemanden mehr überraschen. Vor allem sollte jetzt niemand Max Eberl einen Vorwurf machen. Denn der hat jetzt ja die Arschkarte, dass er diese Entscheidung verkaufen muss. Eine Entscheidung, die mit ziemlicher Sicherheit eine Etage höher getroffen wurde. Also ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte, dass seine jetzt so kritisch gesehene Aussage aus dem Januar damals ehrlich gemeint war. Als er nach den auch ganz schön teuren Verlängerungen mit Kimmich, Musiala und Davies hat er sich mit dem Vorstand abgestimmt, was er jetzt noch dem Müller anbieten kann. Und die so "nix". Und viel Spaß dabei, das dem Müller zu vermitteln. Aber in den Pressemeldungen immer schön vom "wir" sprechen...

Also ich gehe davon aus, weil es bei all den anderen Leuten, die im Spätherbst ihrer Karriere mit Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Herbert Hainer verhandeln mussten, so ergangen ist. Und Eberl war ja für all diese Verhandlungen mit den oben erwähnten Legenden in Gladbach. Für ihn ist diese Situation also neu, für Hoeneß nicht. Deswegen ging er davon aus, dass man sich mit Müller schon einigen wird. Das ist der Nachteil, wenn man den Verein in der B-Jugend verlässt, da bekommt man solche Details nicht wirklich mit.

Jetzt versuchen natürlich alle das Traumszenario zu erstellen: als Jamal Musiala Ersatz führt Müller die Bayern jetzt ins "Finale Dahoam" und erzielt das entscheidende Tor. In der 93. Minute. Mit dem Schienbein. Aber der Lack ist mittlerweile so ab, dass allen irgendwie bewusst ist, wie unrealistisch das ist. Also nur wegen Musialas Verletzung ist eine Startelf-Nominierung überhaupt eine Option und allen ist bewusst, dass dies eine krasse Schwächung für das Team ist.

Nur wegen Musialas Verletzung die "Muss Müller in die Startelf" Debatte überhaupt auf. Denn still und heimlich saß der zuletzt in der heißen Phase meistens auf der Bank. Also in 5 von 6 Duellen mit der absoluten Elite. Mittlerweile sorgt das auch nicht mehr für "Unruhe", sondern wird allgemein als "vernünftig" einsortiert.

Jetzt stehen halt diese Viertelfinale an, in denen Müller mittlerweile meistens auf der Bank sitzt. Zuletzt hat Müller 2021 auf diesem Niveau getroffen. Das war jetzt nicht "vorgestern", sondern mehr so "Während Corona"... Auch für Müller ist Musialas Verletzung damit wahrscheinlich ein Worst-Case-Szenario. Gerade WEIL seine Chance auf Einsatzzeiten jetzt steigen. Denn der Idealfall für ihn hätte ja so ausgesehen: Er macht als Einwechselspieler den entscheidenden Treffer. Das ist sowieso schon das realistischere Szenario, denn für 90 Minuten reicht es einfach nicht mehr. Oder er hilft am Ende mit einer beherzten Grätsche, den Sieg über die Zeit zu retten. Genau so könnte er nachweisen, dass er als Mentor und Ergänzungsspieler weiterhin verdammt wichtig sein kann. Und das würde ihm eher in Sachen "Vertragsverlängerung" helfen, als der nächste Beweis, dass es für die erste Reihe nicht mehr reicht.

Und natürlich wird er jetzt die Bayern ins Halbfinale schießen, nur um mich zu widerlegen...

Montag, 31. Mai 2021

Ich habe Max Eberl ja für einen richtig guten Manager gehalten

 Also genau genommen sogar für den Besten. Also seitdem Uli Hoeneß im Vorruhestand ist...

Aber dann haut der heute ein Ding raus, welches diese Annahme infrage stellt: Bei einer Niederlage gegen Schalke hätte er Marco Rose entlassen, aufgrund des 3:0 Sieges durfte er den Rest der Saison weiterwurschteln. Das sind so Entscheidungen, die ich von Frank Baumann erwarte. (Fun Fact: Baumann hat erkannt, dass sich das Gesicht der Mannschaft ändern muss... No Shit Sherlock.)

Das bezeichnende ist ja die Kicker-Schlagzeile zum Gladbach Sieg: Schalke schlägt sich selbst. Also es ist nicht mal so, dass Gladbach einen überzeugenden Sieg gegen einen ernstzunehmenden Gegner errungen hat.

Ich ging ja eigentlich davon aus, dass Max Eberl die Bundesliga verfolgt. Und das dem aufgefallen ist, dass Schalke der schlechteste Bundesligist aller Zeiten war. Also ja, den offiziellen Rekord hält weiterhin Tasmania Berlin, aber das war praktisch eine Amateurmannschaft, die in die Bundesliga geworfen wurde. Deswegen sind jegliche Tasmania-Vergleiche unangebracht. Von den richtigen Bundesligisten, die sich sportlich für die Liga qualifiziert, ein vernünftiges Budget und ein ordentliches Management hatten, kommt nur der Wuppertaler SV auf eine schlechtere Punkteausbeute als die Knappen. Das war 1975. Faszinierender Weise kassierten beide 86 Gegentore. 

Ich bin ja auch kein Freund von zu schnellen Trainerentlassungen. Aber wenn man sich vor einem Duell mit diesem Schalke fragt, was eigentlich passiert, wenn man dieses Spiel verliert... wenn man die Weiterbeschäftigung wirklich von diesem Duell abhängig machen will... dann sollte man den Trainer einfach gleich entlassen. Es sei denn, man ist der FC Augsburg und rechnet die Niederlage gegen mit ein, weil man einer von 2 Vereinen ist, gegen die Schalke weiterhin gut war... 

Nur so zum Vergleich: Rudi Völler, der ja sonst auch eher unter die Kategorie "Vollpfosten" fällt, hat auf den Spielplan geguckt, gesehen, wer der nächste Gegner ist und sich gedacht: Verdammt, wenn Peter Bosz da 3 Punkte holt, kann ich den schlecht entlassen, also mache ich das lieber gleicht. Und so bekam Hannes Wolf dann den quasi garantierten Dead Coach Bounce. Wenn Rudi Völler sich cleverer anstellt, als du, hast du ein Problem...

Wobei Fußball halt eine absurde Sportart bleibt. Denn Gladbach blieb plötzlich 4 Spiele in Folge ohne Niederlage. Man holte in den letzten 9 Spielen 16 Punkte. 

An der Stelle wieder ein großes Danke an Kicker.de (und alle anderen Online-Datenbanken), die mir nicht die Möglichkeit geben mir eine Tabelle vom 27. bis 34. Spieltag anzeigen zu lassen. Kann es denn so schwierig sein, derartige Features zur Verfügung zu stellen? Also sowohl eine Tabelle der letzten X Jahre, als auch "Von Spieltag Y bis Z"? Damit könnte man bestimmt lustige Spielereien anstellen. Und der Kicker selber beweist ja hin und wieder, dass man selber dieses Feature in seinen sicher verschlossenen Datenbanken hat...

Zurück zum Thema: Auf 34 Spieltage hochgerechnet, wäre man mit 60 Punkten in die Europa League eingezogen. "Result Based Analysis" gibt Eberl also recht. Oder man stellt an der Stelle fest, dass es praktisch egal ist, denn auch mit einem guten Saisonfinish verpasste man die europäischen Wettbewerbe... und nur, wenn man alle Spiele verloren hätte, wäre man am Ende abgestiegen... (Fun Fact: Werder Bremen stand vor dem "Schalke Spiel" 3 Punkte hinter Gladbach... nur um mal zu erwähnen, dass man noch nicht gerettet war, sondern nur gerettet wirkte...)

Das beweist aber auch das strukturelle Problem hinter dem Umgang mit der Marco Rose Personalie: Diese wurde so weit aufgeschoben, dass es am Ende egal war, wie Eberl sich entscheidet. Das ist halt praktisch das exakte Gegenteil von "gutem Management".

Also nur so zum Vergleich: Horst Heldt wird ja gerade gerne vorgeworfen, dass er zu lange an Markus Gisdol festgehalten hat. Unter anderem deswegen wurde er jetzt ja entlassen. Aber am Ende hat er ja doch noch (im Gegensatz zu Baumann halt) den letztmöglich richtigen Zeitpunkt gefunden, um sich vom Trainer zu trennen.

Aber eines der Grundprobleme bleibt ja, dass sich Manager viel zu oft auf eigentlich irrelevante Einzelresultate berufen, anstatt sich die Entwicklungen der Mannschaften anzugucken. Also nur, weil ich die 2021 Version von Schalke 04 schlage, bin ich plötzlich kein besserer Trainer. Genauso wenig wie eine Niederlage gegen die Bayern mich zu einem schlechteren macht.

Das wirklich faszinierende ist ja: Eberl hat ja schon bewiesen, dass er Entscheidungen unabhängig von den Tagesresultaten treffen kann. Also als er Dieter Hecking ziehen ließ, um eben auf Rose zu setzen. Das war schon ein "Die Ergebnisse sehen gut aus, aber die Entwicklung gefällt mir nicht." Jetzt hat er aber in diesem Frühjahr nicht erkannt, wie schlecht die jüngsten Entwicklungen nach der Bekanntgabe des Rose-Wechsels aussah.

Was wiederum auch irgendwie zu entschuldigen ist. Also ich muss auch zugeben, dass ich den Einfluss auf die Trainerwechsel unterschätzt habe. Vor allem, weil ich halt auch dachte, dass die Spieler sich nicht selbst schaden wollen. Also Rose trainiert jetzt ja trotzdem international, die Spieler, die ihm eventuell nicht mehr zu 100 % gefolgt sind, aber nicht mehr. Sie verpassen also die Prämien. Oder bekommen aufgrund ihrer Leistungen nicht die Angebote, auf die sie eigentlich gehofft haben. Und sie können sich jetzt ein Jahr lang nicht auf internationalem Parkett empfehlen. Rose geht es gut, Gladbach wird eine Saison ohne internationales Geld überleben... also sind die Spieler die wirklich geschädigten dieser Entwicklung. Allein aus egoistischen Motiven hätten die sich also viel stärker gegen den Einbruch stemmen müssen.

Aber wie Sebastian Rode ehrlich ausgeführt hat, war das ja kein reines Gladbach Problem. Am Ende sind ja echt alle Vereine nach der Bekanntgabe der Trainerwechsel zu Saisonende eingebrochen. Ja, selbst die Bayern. Nur dass bei denen "Eingebrochen" halt bedeutet: Die spielen nur 2:2 gegen den SC Freiburg... oh und verlieren gegen Mainz 05... Also ja, selbst die Bayern hatten eine für sie halt irrelevante Ergebnisdelle... und schieden mitten in der (aber garantiert nicht wegen, denn dann müsste man ja Hansi Flick kritisieren und der ist jetzt Nationaltrainer, solche Menschen kritisiert man nicht) Debatte aus der Champions League aus. 

Spannend ist ja, welche Lehren die Manager aus dieser Saison ziehen. Denn den ersten Impuls des "Wir stellen jetzt nicht die erfolgreiche Arbeit, die diese Trainer ja für andere Mannschaften interessant gemacht haben, infrage" ist ja nachvollziehbar. Allerdings hat diese Saison recht eindrucksvoll nachgewiesen, dass dies nicht funktioniert. Dass die Fans mit ihrer "Jagd den vom Hof" Haltung recht behalten hätten... (Nebenbei ist es auch spannend, ob die Entscheidungen anders ausgefallen wären, wenn die Fans bei jedem Heimspiel gnadenlose Pfeifkonzerte gestartet hätten...)

An der Stelle müssen wir nochmal festhalten, was für ein absurdes Trainer-Talent Edin Terzic ist. Denn das ist der einzige "Ich räume meinen Posten am Ende und habe trotzdem Erfolg" Trainer der Saison. Der hat es geschafft, dass seine Mannschaft ihm folgt, obwohl alle wussten, dass der ab Sommer nichts mehr zu sagen hat. Und die Truppe hat ja unter Lucien Favre nachgewiesen, dass sie nicht unbedingt einfach zu leiten ist. Oder er ist halt nur der ultimative Beweis, dass ein Dead Coach Bounce auf jeden Fall funktioniert... Eines von beidem...

Dienstag, 21. Juli 2020

Quo vadis, Bundesliga 2020: Borussia Mönchengladbach

Ups... ich hab nen Benioff und Weiss gebaut... I kind of forgot about Borussia Mönchengladbach.

Aber dann lächelt Max Eberl mich von kicker.de an... und ich so: Verdammt, das könnte der wichtigste Mann der Bundesliga sein. Und bevor ich das lesen konnte, wurde es auch schon wieder runter genommen... Interessant.

Aber ja, die Lösung für Borussia Mönchengladbach ist einfach: Sie müssen Max Eberl halten. Und dafür sollten sie vielleicht mal einen Titel holen. Also praktisch den DFB Pokal oder die Europa League, denn das ist das realistische Ziel. Dafür müsste man natürlich an der Champions League scheitern, aber das kriegen die schon hin...

Denn Max Eberl ist gerade der beste Manager der Bundesliga. Auch wenn Hasan Salihamidžić gerade von allen über den grünen Klee gelobt wird, weil er ein überragendes Talent gefunden hat. Ein Hasan hat aber auch ganz andere Voraussetzungen. Wenn man die Eberl geben würde...

Mir ist dabei gerade etwas aufgefallen: Der Manager (oder wie auch immer man den Posten jetzt bezeichnet) ist die wichtigste Position in einem Verein. Das fängt offensichtlich bei den Bayern an, die halt über 30 Jahre lang von Uli Hoeneß geprägt wurden. Trainer, Spieler, Präsidenten und Platzwärte kamen und gingen. Man hätte sogar Lothar Matthäus zum Greenkeeper machen können und wäre trotzdem weiterhin Meister geworden. Aber ein Hoeneß Abgang in den 90ern und alles hätte zusammenbrechen können. Zum Glück fing der mit dem Steuerhinterziehen erst später an...

Aber auch wenn man sich die Konkurrenten anguckt. Also mit der Ausnahme von Borussia Dortmunds Meisterschaften in den 90ern, für die Michael Meier verantwortlich war... und das ist langfristig ein legendär schlechter Manager... Und klar, der konnte kurzfristige Erfolge einfahren, aber langfristig führte er dich in Richtung Konkurs.

Aber alle anderen "langjährigen Herausforderer" der Bayern wurden immer durch herausragende Manager geprägt. Werder Bremen hatte mit Willi Lemke und Klaus Allofs 2 davon und war dementsprechend 2 Mal Bayern-Jäger Nummer 1. Am Ende ist gar nicht Florian Kohfeldt das Problem in der Hansestadt, sondern Frank Baumann, der halt Stand Jetzt nicht in der Lage ist, Klaus Allofs zu ersetzen.
Und natürlich wurde Allofs am Ende auch alt und verpasste die neusten Entwicklungen. Aber solange der richtig gut war, spielte Werder konstant international.

Bayer Leverkusen hatte jahrzehntelang einen Rainer Callmund. Natürlich eine streitbare Persönlichkeit. Aber Bayer war vor und nach seiner Ära nie annähernd so erfolgreich, wie unter ihm. Und die Ära geht vom DFB Pokal Gewinn 1988 bis zum Vize-Kusen Jahr 2002. Callmund war dabei an 2 Stellen Visionär:
1. Dem Abwerben von Spielern aus der noch existierenden DDR. Wenn sie ihn gelassen hätten, hätte er neben Ulf Kirsten und Andreas Thom auch noch Matthias Sammer geholt... und Spoiler: Dann wäre er auch Meistermanager...
2. Dem scouten und integrieren von Brasilianischen Stars und Talenten. Das mag heute total normal wirken. Aber in den  90ern, wo man eh nur 3 Ausländische Spieler auf dem Platz haben durfte... und wo das Reisen zu Scouting noch nicht mit Google Earth und Youtube zu erledigen war. Das Paradebeispiel wie viel besser als der Rest Bayer beim Integrieren von Südamerikanern war, sie mal Zé Roberto genannt. Der war bei Real Madrid schon gescheitert und wurde dann in Leverkusen zu dem Musterprofi, der später bis Mitte 40 spielen konnte und wollte.

Bei Borussia Dortmund soll die Ära Michael Zorc demnächst zu Ende gehen. Eine Ära mit 3 Meisterschaften, 2 Pokalsiegen und einem Champions League Finale. Und ja, Zorc war nie der lauteste Typ. Den Job des nervigen Außenministers hatte dort immer Joachim Watzke intus. Und viele verbinden den Aufstieg der Borussia mit dem Übertrainer Jürgen Klopp. Aber Zorc hat bei Meier die richtigen Lektionen gelernt, dessen Trümmerhaufen zusammen gekehrt und ein neues Fundament errichtet. Und natürlich hat man sich, wie erst vor kurzem erörtert, in eine Sackgasse manövriert, in der es schwierig wird, weitere Titel zu holen. Aber vielleicht geht Zorc ja auch deswegen in den Ruhestand.
Die eigentlich spannende Frage lautet: Kann Sebastian Kehl die Arbeit seines Mentors fortführen, oder wäre er (wie ein Baumann halt) in der 2. Reihe besser aufgehoben.

Max Eberl, um den Bogen zu schlagen, steht für mich mit all diesen Managern auf einer Stufe. Auch wenn ein Stefan Effenberg, der ihn vor Jahren mal stürzen wollte, nicht glauben wird. Auch wenn seine Erfolge sich noch eher mit Florian Kohfeldt messen, als mit seiner eigentlichen Konkurrenz. Aber zum Glück für die Gladbacher hat der dem Werben der großen Bayern bereits ein Mal widerstanden. Was aber auch alles über die eigentliche Wertschätzung seiner Arbeit sagen sollte: Die Bayern haben den im Visier.

Hoffentlich hat er bis zum Ende der Ära Salihamidžić genügend Titel gesammelt, dass er sagen kann "Ich muss nicht zu den Bayern"... Das ist ja nebenbei das andere faszinierende an Eberl: Der ist "erst" 46 Jahre. Der hat noch 10 gute Jahre vor sich. Mindestens. Also Zorc holte seine erste Meisterschaft in Eigenverantwortung mit 49. Allofs war 2006 48 Jahre alt.
Es wirkt halt schon so, als sei Eberl ein Alter Hase, der seit Ewigkeiten dabei ist. Aber andere werden in dem Alter noch als junges, aufstrebendes Managertalent gehandelt.

Mich bringt das alles aber zu einer anderen Frage: Warum vergibt der Kicker eigentlich keinen Titel "Manager des Jahres", aber den des "Trainer des Jahres"? Als Manager wird man von den 11 Freunden ausgezeichnet... Wenn überhaupt. Dabei wird meistens erst der Manager gefunden und der stellt dann den überragenden Trainer ein... und verpflichtet die Spieler. Trotzdem denken wir bei den Äras (Rehagel, Schaaf, Klopp) immer erst an die Trainer und selten an die Manager. Es sei denn (siehe Callmund und Hoeneß) die Manager holen wirklich mit mehreren unterschiedlichen Trainern ihre Erfolge. Wobei selbst da denkt man bei Vize-Kusen erst an Christoph Daum und Klaus Topmöller...

Nebenbei kann man ja auch an anderen Vereinen oder Situationen erkennen, wie wichtig ein guter Manager ist. Bleiben wir da erst mal in Gladbach: Vor Eberl war das ein Chaosclub, der auf dem Weg zur Fahrstuhlmannschaft war. Die "Sportlichen Leiter" zwischen 2005 und 2008 hießen Christian Hochstätter, Peter Pander und Christian Ziege. Alles Leute, denen heute niemand mehr echte Verantwortung im Profibereich zuschieben würde...
Vorher gab es faszinierender Weise 2 Äras: Helmut Grashoff führte den Verein während der glorreichen 70er, Rolf Rüssmann übernahm danach für immerhin noch ordentliche 80er und 90er Jahre. Unter Rüssmann holte man immerhin noch den DFB Pokal 1995. Oder anders ausgedrückt: Den bis heute letzten Titel der Vereinsgeschichte. Und natürlich ging es auch unter Rüssmann schon bergab, aber richtig finster wurde es halt erst in der experimentellen Phase danach. Und aufwärts ging es erst wieder, als ein fähiger Manager gefunden wurde. Durch Zufall, weil man ja weiterhin auf das "Wir nehmen einfach ehemalige Spieler" Konzept setzte, aber man fand einen.

Hier kommt jetzt etwas schockierendes: Der Name "Grasshoff" taucht im Wikikedia Artikel 1 mal auf, obwohl er von 1966 bis 1991 Manager war: Er kreierte das erste Maskottchen. Das war bestimmt seine einzige relevante Leistung.
Wenn wir an die Ära der 70er Jahre denken, reden wir halt zuerst von Hennes Weisweiler und Günter Netzer. Obwohl Netzer den Verein 73 verließ... Also die 3 Meisterschaften in Folge wurden ohne Netzer geholt... Der Trainer war in der 2. Hälfte des Jahrzehnts Udo Lattek...

Natürlich ist es im Nachhinein schwierig zu beurteilen, wie die Arbeit von Grasshoff im Detail aussah. Aber es ist schon irgendwie auffällig, dass er die einzige Konstante der erfolgreichsten Zeit der Vereinsgeschichte war und dass die Fohlenelf nie wieder auch nur annähernd auf dieses Niveau kam.

Um ein anderes Negativbeispiel zu bringen: Der letzte wirklich gute Spordirektor des Hamburger SVs war... ähm... Günter Netzer? Fest steht: Man hatte seit 1977 18 unterschiedliche Sportvorstände oder Manager. Halt sportliche Hauptverantwortliche. Und zwischenzeitlich war die Position auch offiziell "vakant". Da ist die Frage, warum es mit dem HSV seit den 80er Jahren konstant bergab geht auch leicht beantwortet: Sie haben es nie geschafft einen Manager zu finden, der den Verein und eine Ära prägt. Und beim HSV wird ja auch in schöner Regelmäßigkeit aufgezählt, wie oft dort der Sportdirektor ausgetauscht wird. hsv1887.de hat nach Peter Knäbel einfach aufgehört, weiter mitzuschreiben, weil es eh keinen Sinn mehr macht... Trotzdem kommt kaum jemand auf die Idee, die Äras der einzelnen Vereine an den Managern zu fixieren. Also bis auf ganz wenige Ausnahmen wie Christian Heidel in Mainz.

Nur um mal zu verdeutlichen, wie schlimm es ist: Wenn ich nach "Bundesliga, Manager des Jahres" suche, ist die 2. Antwort eine englischsprachige Auflistung der vom Kicker ausgezeichneten Trainer. Warum ehrt der Kicker nicht auch die Sportdirektoren in einem ähnlichen Stil? Um mal festzuhalten, wer da wirklich die überragende Arbeit abliefert.

Aber ja. Max Eberl könnte das wichtigste Individuum für die Bundesliga sein, wenn es darum geht eine Herausfordernde Liga für den über allem stehenden Rekordmeister zu erschaffen. Und er wird dafür nie die angemessene Anerkennung bekommen, selbst wenn es ihm gelingt...

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Selektive Wahrnehmung ist was feines...

vor allem: man kann versuchen, was man will... man kommt dagegen nicht an...

Ein aktuelles Beispiel: es gibt in der Bundesliga gerade 2 Manager mit dem Prädikat "Etabliert und Erfolgreich"... beide werden aber in den letzten Tagen völlig unterschiedlich bewertet...

Max Eberl schafft es auf die Kicker-Titleseite... unter der Überschrift "Aufbau West"... Horst Heldt muss dagegen der ganzen Welt erklären, dass er sogar "weiß, wie man Meister wird"... Und wenn er das (so arrogant das natürlich klingt, trotzdem stimmt es) dann mal so raus haut, wird er postwendend dazu aufgefordert, sich selbst zu hinterfragen... 2 völlig unterschiedliche Reaktionen auf 2 Manager mit überragender Bilanz... und ja, ich habe das gerade gesagt... und fange jetzt an (wieso habe ich jetzt schon den Geschmack von Erbrochenen in meinem Mund?) den Schalker Manger zu loben.

Anfangen muss man da bei einer ganz einfachen Zahl: Drei. Drei Mal in Folge hat sich Schalke nun schon für die Champions League Gruppenphase qualifiziert. Das gelang auf Schalke vorher... wartet... jetzt kommt's... NOCH NIE. Und derzeit ist eher davon auszugehen, dass nächste Saison Champions League Start Nummer 4 hinzu kommt.
Natürlich können die Kritiker jetzt behaupten, dass Schalke national von 2004-2008 mit 4 Jahren in Folge unter den Top 4 schon mal so gut dastand... damals reichte der 4. Platz halt nur nicht für die Qualifikation zur Champions League... Aber wollt ihr Horst Heldt jetzt wirklich vorwerfen, dass er die konstant guten Leistungen in einer wesentlich stärkeren Liga abruft?

Bei Max Eberl ist die Lage natürlich ein bisschen anders... Schließlich wird er niemals an die goldenen 70er der Gladbacher anknüpfen können... denn das die Bayern nochmals 3 Jahre in Folge nicht Meister werden, ist schon unvorstellbar... dass der Alternativ-Meister dann auch noch jedes Jahr aus Gladbach kommen müsste... Ja, Max Eberl hat es "nur" geschafft, dass sich Mönchengladbach von einer Fahrstuhlmannschaft zu einer gehobenen Bundesligamannschaft entwickelt hat... er ist damit nebenbei indirekt Schuld dran, dass Horst Heldt in einer stärkeren Liga spielen muss...

Aber das Lustigste ist ja, dass die Transferbilanz der Beiden so komplett unterschiedlich dargestellt wird... Obwohl auch diese Bilanz gar nicht so unterschiedlich ist...
Eberl darf sich dafür feiern lassen, dass er Max Kruse, Andre Hahn, Christoph Kramer, Ibrahima Traoré und Fabian Johnson gefunden hat... für insgesamt 5,6 Millionen Euro... Heldt muss sich dagegen dafür rechtfertigen, was er für Vollpfosten verpflichtet hat... namentlich in einem Kicker Leserbrief der letzten Wochen Sidney Sam, Dennis Aogo, Fabian Giefer, Tranquillo Banetta und Eric Maxim Coupo-Moting... (was gerade bei den letzten beiden beiden 2 Wochen Fußball so verändern können). Nimmt man einen Ablsöefreien Roman Neustädter hinzu... hat Horst Heldt eine überragende Bilanz als Schnäppchen-Jäger... Gerade Sidney Sam... einen jungen, aufstrebenden Deutschen Nationalspieler für 2,5 Millionen zu holen... von einem direkten Konkurrenten... das beweist, dass Heldt extrem gut vernetzt ist und über mögliche Ausstiegsklauseln der Konkurrenz bewusst ist...
Selbst wenn Sam seiner bisher eher bescheidene Bilanz fortsetzt und im nächsten Jahr nach England weiterverkauft wird... was meint ihr wird so ein Premiere League Scheich für einen deutschen Nationalspieler zahlen? 8 Millionen Euro? Oder doch eher 14...

Aber hey, es gibt natürlich eine Sache, die beide nicht können... Königstransfers... Und dabei ist das schockierendste: Horst Heldts Bilanz beim teuersten Transfer seiner "Manager-Karriere" ist sogar besser als die von Max Eberl... schließlich ist Kevin Prince Boateng äußerst umstritten... und es gibt Leute, die behaupten, dass Schalke besser dran ist, wenn er nicht spielt... aber wenigstens kann man darüber noch diskutieren... Luuk de Jong dagegen wird Gladbach definitiv nicht mehr weiterhelfen... er wurde für 7 Millionen weiterverliehen und verkauft... was keine gute Bilanz ist, wenn einem bewusst wird, dass er mal 12 gekostet hat... und in 5 Jahren wird man sich den Namen angucken und denken: "Was, der hat mal in Gladbach gespielt? Und ist immer noch der Spieler mit der höchsten Ablöse in der Vereinsgeschichte?"

Warum wird Eberl also gerade so verehrt und Heldt so kritisch gesehen? Natürlich hat Heldt mehr Trainer verschlissen als Eberl... Aber ganz ehrlich: Genau genommen hat er sogar weniger Trainer verschlissen als Clemens Tönnies... schließlich war Jens Keller der erste Trainer auf Schalke ever (ne weitere Historische Leistung von Heldt), der auf Schalke bis Saisonende bleiben durfte, obwohl er das Champions League Achtelfinale erreicht hat... Eberl hat halt das Glück, dass er in einem wesentlich ruhigeren Umfeld arbeiten darf...

Aber: Die gute Nachricht für Heldt: Wenn er seine Leistungen konstant auf dem jetztigen Niveau hält, werden wir ihn irgendwann auch für einen Halb-Gott im Anzug halten... Schließlich ist es 3 Jahre her, dass der "Mob" (ok, Stefan Effenberg und seine "Initiative Borussia") unbedingt den Kopf von Eberl rollen sehen wollten... Heute unvorstellbar... damals echt heiß diskutiert... ungefähr so wie Heldts Managerleistungen jetzt...

Donnerstag, 26. Januar 2012

Max Eberl steht vor seinem wichtigsten halben Jahr in Gladbach

und dabei ist der schon verdammt lange da...

zu behaupten, dass Max Eberl mit dem Gladbacher Erfolg nichts zu tun hätte, ist natürlich eine völlig unsachliche Übertreibung... die genau deswegen hier genau so getätigt wurde... Schließlich scheint Eberl echt ein gutes Auge für Talente zu haben. Marco Reus, Roman Neustadter, Patrick Herrmann und Havard Nordtveit holte er für ingesammt 1 Million Euro zu den Borussen. Das ist eine verdammt starke Bilanz... leider hat er aber auch einiges an Geld für Spieler ausgegeben...

Dante ist dabei der definitiv beste Griff gewesen. Für 2,5 Millionen holte er einen der besseren Innenverteidiger der Liga...
Juan Arango (3,6 Mio) ist immerhin unter Lucien Favre zu einem wichtigen Spieler gereift, aber in dem letzten Halben Jahr unter Michael Frontzeck hat er sich von der mangelnden Disziplin anstecken lassen...
Aber dies sind die einzigen Millionentransfers, die wirklich Rendite abgeworfen haben dürften. Igor de Camargo erzielt zwar immer mal wieder das eine oder andere wichtige Tor, ist aber dazwischen zu oft verletzt um wirklich 4 Millionen Euro Ablöse zu rechtfertigen. Raúl Bobadilla wird die 4,2 Millionen, die er gekostet hat, wohl nie wieder einbringen. Dafür sind sie ihn aber erstmal los (nachdem ein ablösefreier 20 Jähriger Australier ihm den Rang als Joker abgelaufen hat.)
Matthias Zimmermann seine 1 Million ablöse bisher mit 8 Bundesligaminuten abgezahlt (obwohl es wahrscheinlich unfair ist, einen 19 Jährigen jetzt schon hier mit aufzuführen...)

Das Leute wie Marcel Meeuwis, Karim Matmour, Michael Bradley und Logan Bailly jemals für Gladbach gespielt haben (geschweige denn jeweils um die 2,5 Millionen Euro Ablöse gekostet haben) dürfte kaum noch jemand wissen (und jetzt tut nicht so, als könntet ihr mir sagen, wo die jetzt spielen... also ohne es zu googlen...)
Rob Friends Neues Karrierkonzept lautet: sich bei Aufstiegskandidaten auf die Bank verbannen zu lassen... von jüngeren, besseren Spielern... oder einfach von Mo Idrissou... und ja, der war auch mal in Gladbach, aber wenigstens ablösefrei...

Nicht, dass diese Transferbilanz auf dem Niveau eines Michael Meiers ist... und wie Eingangs erwähnt wird sie durch die sehr guten günstigen Talente deutlich aufgebessert... aber der entscheidende Punkt: Eberl hat jetzt 17 Millionen zum investieren. Und die anderen Manager wissen das... Diese 17 Millionen will er auch in die Mannschaft stecken... und damit Gladbach nicht direkt wieder nach da unten abrutscht sondern sich zumindest im halbwegs oben einnisten kann, muss Eberl in dem nächsten halben Jahr mehr Dantes als Bobadillas finden. Sonst wird auf dieses berauschende halbe Jahr ein derber Kater folgen.

Man schaue einfach mal auf das Geld, dass Horst Heldt in Stuttgart so investiert hat. Der hat seine Jungen Wilden wie Mario Gomez direkt gegen Ciprian Marica und Pavel Progrebnyak eingetauscht... Entscheidungen, an denen der VfB heute noch zu knabbern hat... und Horst Heldt gilt trotzdem als einer der fähigeren Manager...

Den kurzzeitigen Erfolg zu konservieren ist die schwierigste Aufgabe, die ein Manager haben kann. Weil er die erstmal logischen Abgänge irgendwie kompensieren muss, dabei aber nicht allzu oft daneben greifen darf. Nicht ohne Grund hat *Würg* einzig Uli Hoeneß das in 40 Jahren Bundesliga wirklich geschafft...