Posts mit dem Label Thomas Müller werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Thomas Müller werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 8. April 2025

Nun trifft der Bannstrahl also doch auch Müller

 Es scheint tatsächlich zu passieren: Thomas Müller kann sich entweder nochmal ein anderes Trikot suchen, oder unfreiwillig in den Vorruhestand gehen. Einen würdigen Abschied nach seinen Vorstellungen wird es nicht geben. Und alle sind schockiert!

Hier ist der Beitrag von NTV. Für die Podcastfans unter euch verlinke ich demonstrativ die Bohndesliga. Den englischsprachigen Markt deckt RabonaTV ab. Müller selber hält bewusst fest, dass der Verein "sich bewusst dafür entschieden" hat. Also dagegen. Er hätte gerne noch weiter gemacht. 

Und ja, ich bin auch ein wenig überrascht. Denn ich selbst schrieb ja vor wenigen Wochen, dass der FC Bayern sich die paar Millionen, die ein Mentor Müller kosten würde, doch einfach leisten kann. Das war naiv von mir. Das hätte ich besser wissen können.

Denn jetzt behaupten natürlich viele, dass Müller als wichtigster Bayern-Spieler der Geschichte einen Sonderstatus genießt. Aber er ist aber höchstens der Zweitwichtigste. Und wenn selbst ein Franz Beckenbauer seine Karriere beim Hamburger SV beendet hat, gibt es keinen Grund zur Annahme, dass es für einen Müller, der sich in Beckenbauers gemachtes Bett gelegt hat, anders ausgeht. 

Das "Mia san Mia" besteht halt auch daraus, Vereinslegenden eiskalt fortzuschicken. Was hier bereits 2020 festgestellt wurde. Die Ausnahmen sind Torhüter und Phillip Lahm. Uli Hoeneß ist halt doch eher Pate als fürsorglicher Familienvater... auch wenn er öffentlich gerne so tut, als würde er das anders handhaben.

Wobei man auch an der Stelle erwähnen muss: Nach der Karriere hat sich Hoeneß durchaus um die eine oder andere Bayern-Legende gekümmert und ihnen Jobs in der 2. oder 3. Reihe verschafft. Aber wenn du auf dem Platz nicht mehr helfen kannst, und das mit einigen Jahren Verzug auch offensichtlich wird, schickt er dich einfach fort. Da kennt er keine Gnade.

Das war bei Bastian Schweinsteiger so. Bei Franck Ribéry und Arjen Robben. Und bei Miroslav Klose. Gut, nur Schweinsteiger war wirklich auf dem Weg zum ewigen Bayern, aber er ist auch der lebende Beweis, dass selbst das nicht hilft. Wenn man bei den Bayern in den Ruhestand gehen will, muss man mit 34 aufhören... Wenn man das nicht will, wird diese Entscheidung irgendwann für einen getroffen. Das ist ja auch irgendwie fair, weil am Ende alle gleich behandelt werden.

Nur sollte es endgültig niemanden mehr überraschen. Vor allem sollte jetzt niemand Max Eberl einen Vorwurf machen. Denn der hat jetzt ja die Arschkarte, dass er diese Entscheidung verkaufen muss. Eine Entscheidung, die mit ziemlicher Sicherheit eine Etage höher getroffen wurde. Also ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte, dass seine jetzt so kritisch gesehene Aussage aus dem Januar damals ehrlich gemeint war. Als er nach den auch ganz schön teuren Verlängerungen mit Kimmich, Musiala und Davies hat er sich mit dem Vorstand abgestimmt, was er jetzt noch dem Müller anbieten kann. Und die so "nix". Und viel Spaß dabei, das dem Müller zu vermitteln. Aber in den Pressemeldungen immer schön vom "wir" sprechen...

Also ich gehe davon aus, weil es bei all den anderen Leuten, die im Spätherbst ihrer Karriere mit Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Herbert Hainer verhandeln mussten, so ergangen ist. Und Eberl war ja für all diese Verhandlungen mit den oben erwähnten Legenden in Gladbach. Für ihn ist diese Situation also neu, für Hoeneß nicht. Deswegen ging er davon aus, dass man sich mit Müller schon einigen wird. Das ist der Nachteil, wenn man den Verein in der B-Jugend verlässt, da bekommt man solche Details nicht wirklich mit.

Jetzt versuchen natürlich alle das Traumszenario zu erstellen: als Jamal Musiala Ersatz führt Müller die Bayern jetzt ins "Finale Dahoam" und erzielt das entscheidende Tor. In der 93. Minute. Mit dem Schienbein. Aber der Lack ist mittlerweile so ab, dass allen irgendwie bewusst ist, wie unrealistisch das ist. Also nur wegen Musialas Verletzung ist eine Startelf-Nominierung überhaupt eine Option und allen ist bewusst, dass dies eine krasse Schwächung für das Team ist.

Nur wegen Musialas Verletzung die "Muss Müller in die Startelf" Debatte überhaupt auf. Denn still und heimlich saß der zuletzt in der heißen Phase meistens auf der Bank. Also in 5 von 6 Duellen mit der absoluten Elite. Mittlerweile sorgt das auch nicht mehr für "Unruhe", sondern wird allgemein als "vernünftig" einsortiert.

Jetzt stehen halt diese Viertelfinale an, in denen Müller mittlerweile meistens auf der Bank sitzt. Zuletzt hat Müller 2021 auf diesem Niveau getroffen. Das war jetzt nicht "vorgestern", sondern mehr so "Während Corona"... Auch für Müller ist Musialas Verletzung damit wahrscheinlich ein Worst-Case-Szenario. Gerade WEIL seine Chance auf Einsatzzeiten jetzt steigen. Denn der Idealfall für ihn hätte ja so ausgesehen: Er macht als Einwechselspieler den entscheidenden Treffer. Das ist sowieso schon das realistischere Szenario, denn für 90 Minuten reicht es einfach nicht mehr. Oder er hilft am Ende mit einer beherzten Grätsche, den Sieg über die Zeit zu retten. Genau so könnte er nachweisen, dass er als Mentor und Ergänzungsspieler weiterhin verdammt wichtig sein kann. Und das würde ihm eher in Sachen "Vertragsverlängerung" helfen, als der nächste Beweis, dass es für die erste Reihe nicht mehr reicht.

Und natürlich wird er jetzt die Bayern ins Halbfinale schießen, nur um mich zu widerlegen...

Dienstag, 11. März 2025

Dann springe ich halt über meinen Schatten

 und verteidige Thomas Müller. Am Ende werde ich ihn wahrscheinlich sogar loben. Nachdem ich den jahrelang kritisiert habe, weil er nicht mehr den allerhöchsten Ansprüchen genügt. Und nebenbei habe ich darauf hingewiesen, dass jeder Trainer, der nicht bedingungslos auf Müller gesetzt hat, zeitnah die Kabine verloren hat. Und wenn man Müller in den wirklich wichtigen Spielen nicht aufgestellt hat, wurde das sofort von den Medien aufgegriffen, auch wenn es seit spätestens 2020 eine sinnvolle Entscheidung war. Trotzdem war es nach wie vor alternativlos, auf Müller zu setzen.

Lustiger Einschub: Frank Lußem kommentiert gerade hinter einer Paywall, dass man als Reporter von Sky, DAZN und Co. auch dann noch kritisch bleiben muss, wenn man ganz nah an den Profis dran ist. Dass die Kicker-Redakteure sich seit Jahrzehnten alle Sicherungen rausknallen, wenn sie über zum Beispiel einen Thomas Müller sachlich berichten sollen, ist ihm dabei anscheinend entgangen. Denn man hätte die Rolle von Müller und seine Leistungen ja mal kritisch durchleuchten können, aber dass der ohne ein einziges EM Tor in den Ruhestand gehen wird, ist jahrelang auch beim Kicker niemanden aufgefallen.

Jetzt hat Müller aber eine neue Rolle eingenommen: die des Veteranen und des Mentors. Er sitzt mittlerweile meistens auf der Bank. Das ist kaum noch eine Schlagzeile wert. Er kommt auf 6 Scorerpunkte. So viel hat er früher alleine gegen den Hamburger SV gesammelt. Mittlerweile hat sich Müller aber mit dieser neuen Rolle angefreundet. Man hört ja wirklich gar kein Grummeln, sondern volle Unterstützung für Trainer und Team. Er macht einfach alles, was er kann, um seiner Mannschaft zu helfen, hat aber anscheinend auch begriffen, dass er dies zumindest nicht mehr über 90 Minuten auf dem Platz machen kann.

Und dann kommen die Experten und eskalieren trotzdem: Michael Rummenigge und Mario Basler raten Müller unabhängig voneinander zum Karriereende. Lothar Matthäus nennt die späte Einwechslung gegen Celtic eine Demütigung.

Wobei ich an der Stelle auch erwähnen muss, dass die Fans die Rolle von Müller auch nicht einordnen können. Denn in den sozialen Medien habe ich erschreckend häufig gelesen, dass Vincent Kompany den ja gebracht hat, um in der Verlängerung was zu reißen. Die (und nach deren Meinung auch der Trainer) hatten also so viel Vertrauen in die eigene Defensive, dass sie fest davon ausgingen, dass Celtic in den 60 Sekunden, die Müller mitwirken durfte, noch ein Tor erzielen wird... Ich sollte weniger Bahn fahren, da scrollt man immer sinnlos durch die Kommentarspalten.

Müller selbst hat das völlig entspannt hingenommen. Der versteht halt, dass seine Rolle auch mal reines Zeitspiel beinhaltet. Und der nimmt die Einsätze für die Statistik einfach mal mit. Wenn man nämlich in 10 Jahren auf die Karriere zurückschaut, wird niemand darauf achten, wie wenige Minuten Müller am Ende gespielt hat, sondern es werden alle nur die 160+X Champions League Spiele erwähnen. Müller ist nebenbei in der All Time Liste auf Platz 4. 3 weitere Einwechslungen in den letzten Sekunden und er hat Lionel Messi eingeholt. Um Iker Cassillas und Cristiano Ronaldo einzuholen, muss er noch einige Jahre dran hängen. Aber das ist rein statistisch das Niveau, auf dem Müller immer noch mitspielt. Als einziger "1 Club Spieler", nebenbei. Von einer "Demütigung" zu sprechen, wenn er diese Bilanz weiter ausbauen kann, ist schon absurd.

Genauso absurd ist es, einem Profispieler das Karriereende nahezulegen. Solange Müller noch Bock hat und seine eigenen, mit dem Alter kommenden, Limitierungen akzeptiert, kann er auch noch weiterspielen. Die paar Millionen kann sich der FC Bayern locker leisten, das tut niemanden weh. Und ja, wenn er die Rolle als Mentor voll annimmt, profitieren davon auch die jungen Spieler, obwohl er einen Platz auf der Bank besetzt.

Und klar, es gibt genügend Beispiele für Profis, die nicht den rechtzeitigen Absprung geschafft haben. Hätte sich ein Bastian Schweinsteiger wirklich die Intermezzos bei Manchester United und in Chigaco antun müssen? Aber diesem Dilemma scheint Müller ja aus dem Weg zu gehen. Also im Gegensatz zu Schweinsteiger, Ribbery, Robben, Klose, Rummenigge, Gerd Müller und Beckenbauer wird er ja seine Karriere irgendwann bei den Bayern beenden. Nur halt etwas später und etwas entspannter als sein Vorgänger im Geiste Philipp Lahm.

Und natürlich kämpft ein Müller nur noch um absurde Statistiken. Individueller Rekordmeister bleiben ist so eine. Dafür kann er aber einfach nicht vor Manuel Neuer in den Ruhestand gehen. Und ein Auge auf Josip Stanisic werfen, der ist mit seinen 24 Jahren schon bei 4 Meisterschaften. Wenn der jetzt 10 Jahre lang den Rollenspieler bei den Bayern gibt, wird das eng für Thomas, da sollte er sich lieber noch einen Puffer aufbauen...

Müller ist echt in der luxuriösen Position, dass er selbst entscheiden kann, wie lange er in einer auf dem Rasen kleineren Rolle noch auf Titeljagd gehen will. Und wie lange es ihm noch Spaß macht, sich jeden Tag im Training zu schinden. Müller glaubt wahrscheinlich sogar daran, dass er von der Bank aus noch zu einem weiteren Champions League Titel beitragen kann, solange Harry Kane seine Elfmeter trifft. Und wenn ihm das "Meisterschale in den Himmel recken" irgendwann wirklich zu langweilig oder das Training zu anstrengend wird, dann kann er sofort in den Ruhestand gehen. Ihm sollte aber niemand vorschreiben, wann er diesen Punkt erreicht.

Vor allem kein Mario Basler. Also Basler merkt ja selber, wie bescheiden das ist, wenn man plötzlich raus aus dem gewohnten Scheinwerferlicht ist. Er hat das so sehr vermisst, dass er zu Big Brother gegangen ist. Und da geht es nicht mal, wie bei dem einen oder anderen ehemaligen Profi, ums Geld, sondern wirklich nur darum gesehen werden. Deswegen sitzt er auch als C-Experte bei Sport1: Das Scheinwerferlicht kann halt auch süchtig machen.
Nun macht Müller nicht den Eindruck, als würde er nach der Karriere abstürzen können. Ihm aber zum Karriereende zu raten, während man selbst krampfhaft versucht, nicht in der kompletten Bedeutungslosigkeit zu verschwinden, ist schon dreist.

Mittwoch, 21. Februar 2024

Die Bayern veröffentlichen eine Nicht-Nachricht.

  Thomas Tuchel ist nicht Jupp Heynckes. Wer hätte das gedacht, dabei ist der doch immer so sympathisch und gelassen auf den Pressekonferenzen...

Falls ihr jetzt verwirrt seid: Jupp Heynckes war der letzte Trainer, der eine titellose Saison beim FC Bayern überstand und danach weitermachen durfte. Also in Heynckes erster Amtszeit. Wir reden von der Saison 1987/88.
Seit dem wurde jeder Trainer, der keinen Titel holte, konsequent ersetzt. Inklusive Heynckes, der die Saison 1990/91 nicht überstand.
EDIT: Jupp Heynckes hat natürlich auch die 2012er-Saison "titellos" überstanden. Mein Fehler. Aber der trinkt a) Rotwein und hat b) das Elfmeterschießen in der Champions League erreicht.

Dass Tuchel zum Saisonende gehen muss, ist also keine Überraschung, sondern nur eine logische Konsequenz aus dem "Mia san Mia". Viel spannender ist ja das, was die Bayern mit dieser Nachricht nicht sagen. Ich werfe da mal ein paar dreiste Thesen in den Raum:

1. Die Bayern gehen davon aus, dass 10 Punkte Vorsprung reichen.

Also 10 Punkte Vorsprung auf RB Leipzig und Platz 5. Sobald es auch nur die leisesten Zweifel gibt, dass die Champions League Qualifikation in Gefahr geraten könnte, ist Tuchel sofort weg. Selbst wenn der Geist von Franz Beckenbauer beschworen werden muss, weil es sonst keiner übernehmen will. Das ist auch komplett vernünftig so, eine Saison ohne die Millionen aus der Champions League wäre zu dramatisch.

2. Die Bayern haben eine Vision für den Sommer.

Und diese Vision ist jetzt nicht verfügbar. Sie heißt also nicht José Mourinho oder Jogi Löw. Schade eigentlich, beide könnten faszinierende Wracks erschaffen. Anscheinend haben die Bayern auch keinen Bock auf den nächsten Hansi Flick. Also dass ein erfolgreicher "Dead Coach Bounce" dazu führt, dass man die Interimslösung im Sommer behalten muss und der eigentliche Plan deswegen abgesagt werden muss. Franz Beckenbauer ist halt verstorben und Jupp Heynckes hat anscheinend kein Interesse daran, die Mannschaft ohne realistische Chance auf einen Titel für ein halbes Jahr zu übernehmen. Zsolt Löw ist wahrscheinlich schon zu lange mit Tuchel unterwegs und würde wahrscheinlich auch keinen Bock auf eine offensichtlich zeitlich befristete Aufgabe haben. Hermann Gerland durfte noch nie die Profis übernehmen, sondern immer nur den Co geben. Wobei Beckenbauer/Gerland als Doppelspitze ein absurder Ausweg wäre. Oh und Gerland wurde zum DFB vergrault.
Das heißt nebenbei nicht, dass man schon mit Xabi Alonso verhandelt hat, sondern nur, dass man von Xabi Alonso träumt.

3. Die Bayern glauben nicht, dass dieser Kader die Champions League holen könnten.

Wenn es aus deren Perspektive auch nur eine 5-prozentige Chance geben würde, dass man mit einem anderen Trainer das Finale in Wembley erreichen könnte, würde man einen anderen Trainer finden, auch wenn man den Dead Coach Bounce Kandidaten dann weiter verpflichten muss. Was insofern spannend ist, als das ja doch die Ambition dieses Vereins ist. Das führt zu einem wirklich spannenden 4. Punkt:

4. Die Bayern haben Bock auf einen absurden Charaktertest.

Die spannende Frage ist ja: Was passiert, wenn die Stars jetzt der "Lame Duck" die Gefolgschaft verweigern. Und meine dreiste These dazu ist: Solange sie nicht Jamal Musiala heißen, sind sie im Sommer dann weg. Aber gerade die Erkenntnis von Punkt 3 ist dabei extrem interessant. Denn die Bayern-Bosse werden genau jetzt damit anfangen, den nächsten Kader für den nächsten Angriff auf den Henkelpott zu planen. Und wenn dann im Charakterbogen "sucht nach Ausreden und kommt mit persönlichen Widrigkeiten nicht zurecht" steht, dürfte man verdammt schnell aussortiert werden.
Gerade wenn man bedenkt, dass die Bayern ja nach 10 extrem erfolgreichen Jahren auch die Führungsspieler neu aufstellen müssen. Da muss sich ein Joshua Kimmich auf einmal doch am Riemen reißen, damit man ihm im Sommer noch diese Aufgabe zutraut. Es ist plötzlich durchaus möglich, dass man Kimmich abgibt, um Platz für eine neue Hierarchie zu schaffen und dann im Sommer bewusst Leute holt, die diese Rolle ausfüllen können. Es sei denn, er präsentiert sich den Rest der Saison als vorbildlicher Führungsspieler, der in extrem schwierigen Momenten vorausgeht und die Mannschaft mitreißt.
Vielleicht ist das sogar der Moment, in dem die Bayern erkennen, dass ein Thomas Müller den nächsten Angriff auf den Henkelpott nicht mehr mitgestalten wird. Das ist natürlich absurd, weil sich die Bayern an der Stelle doch von den Emotionen leiten lassen werden. Was bei einem derart verdienten Spieler auch verständlich ist.
Tuchel ist nicht der erste Trainer, der abgesägt wird, nachdem Müller nicht mehr die Rolle spielen durfte, die er erwartet hat. Wenn Müller jetzt aber die nächste Palastrevolte anzettelt und Platz 4 deswegen in Gefahr gerät, könnten die Bayern erkennen, dass der bei der anstehenden Neuausrichtung nur Probleme macht. Und er wäre nicht die erste Bayern-Legende, die ihren Vorruhestand im Exil verbringen muss.
Und dass Müller in der Champions League nicht mehr den Unterschied ausmachen kann, sollte ein anerkannter Fakt sein. Eine der ersten Amtshandlungen von Tuchel war schließlich Müller mit der Ansage, dass dies kein Spiel für ihn sei, auf die Bank zu setzen. Und die Bayern müssen, so unmöglich das erscheint, einen Kader zusammenstellen, der sich mit genau diesem Manchester City messen kann. Mittlerweile reicht es aber nicht mal für United...
Leroy Sané, um noch einen dritten Namen zu nennen, wird jetzt endlich mal beweisen müssen, dass er sich in genau solchen Momenten durchbeißen kann und nicht immer dann abtaucht, wenn es schwieriger wird. Die Hinrunde, als alles noch nach Plan lief, war großartig, in der Rückrunde ging er wieder auf Tauchstation.

Ich bin wirklich gespannt, wie groß der nötige Umbruch im Sommer ausfallen wird. Und wie bewusst sich die Bayern-Stars sind, dass es in den nächsten Monaten ausschließlich um ihre eigene Zukunft in dem Verein gehen wird.

Dienstag, 17. Januar 2023

Wo waren wir nochmal? Teil 1: Bayerns Schizophrenie im Kampf um die Titel

 Machen wir mal ein bisschen was wie eine "Rückrundenvorschau". Warum auch nicht, die Pause war ja so lang, dass niemand mehr genau weiß, wie es vorher aussah. Und die Saison könnte ja sogar spannend werden. Zumindest so, wie sich die Bayern zwischenzeitlich angestellt haben...

Nevermind, die haben schon wieder 4 Punkte Vorsprung. Und das, bei allem Respekt, vor dem SC Freiburg. Die Meisterschaft ist durch, da brauchen wir uns nichts vorzumachen.

Was das Vorgehen der Bayern in diesem Monat irgendwie seltsam macht. Also Manuel Neuer hat das ja auch erkannt und sich ein halbes Jahr krankschreiben lassen. Frei nach dem Motto: Vor Juni passiert hier eh nichts Interessantes, da gehe ich mal Ski fahren...

Die Bayern verfallen dann plötzlich in Panik. Das machen sie, weil sie Sven Ulreich nicht das uneingeschränkte Vertrauen aussprechen wollen und können. Das ergibt ja auch Sinn, wir erinnern uns ja alle noch daran, wie Ulreich den Bayern die Meisterschaft gekostet hat...

Oh warte, dessen Patzer in der Spieleröffnung kam in der Champions League. Ganz ehrlich: Diese ganzen Spekulationen kommen nur auf, weil Ulreich damals diesen Fehlpass gespielt hat. Und für die Meisterschaft ist es vollkommen egal, wer im Bayern-Tor steht. Solange die 10 Feldspieler ihre Leistungen bringen, können sie auch den Platzwart aufstellen. Schließlich müsste RB Leipzig eine perfekte Rückrunde spielen, um die 6 Punkte aufzuholen. Oder die Bayern schwächeln wieder und lassen Gegner, die normalerweise nicht mal in ihre Hälfte kommen, so oft aufs Tor schießen, dass die 3,3 Tore, die die Offensive im Schnitt erzielt, nicht für den Sieg reichen. Also nicht für genügend Siege reichen, um die 6 Punkte Vorsprung ins Ziel zu retten.

Die Bayern, und das ist das Schizophrene, machen sich anscheinend gerade wirklich Gedanken, wie sie in der Champions League verteidigen. Wie sie eine Defensive aufstellen, die gegen Paris St. Germain bestehen kann. Denn da könnte es dann einen Unterschied machen, ob Nübel, Sommer oder Kobel im Tor steht. Könnte ist hierbei wichtig, denn selbst Sommer hat noch nicht nachgewiesen, dass er auf diesem Niveau den Unterschied ausmacht. Deswegen verfallen sie jetzt in diesen absurden Aktionismus, obwohl Neuer ja im Sommer wieder fit ist und seinen Posten einnehmen will. Dies trauen sie dem ehemaligen Welttorhüter ja auch weiterhin zu.

Das ist ja auch als Bayern gut und vernünftig. Deren Anspruch muss es ja irgendwie sein, in der Champions League weiterzukommen, denn die Liga ist halt für sie langweilig und kein Maßstab. Die stellen ihre Defensive allgemein für diesen Wettbewerb auf. Aber die spannende Frage ist ja: Warum tut sich dann ganz vorne nichts? Also so wirklich richtig nichts.

Die offizielle Liste der Stürmer lauter: Eric Maxim Choupo-Moting, Sadio Mané und Tel Mathys. Der einzige wirkliche Mittelstürmer ist damit der Kameruner. Sein Back Up ist, nach aktuellen Testspieleindrücken, Thomas Müller. Dabei haben wir doch gerade gesehen, wie gut eine Offensive um den 9er Müller funktioniert. Oder reden sich die Bayern wirklich ein, dass es gar nicht an Müller lag, dass der so schlecht gespielt hat?

Da muss man jetzt ganz ehrlich feststellen: Das reicht halt einfach nicht für Höheres. Vielleicht setzt man sich mit viel Glück gegen Paris durch. Aber 3 Runden gegen hochkarätige Gegner in Folge? Mit so viel Glück kann doch nur Real Madrid planen.

Wenn der Rest des Kaders so gut und so weit wäre, dass man das Halbfinale (und damit dann die realistische Chance auf den Titel) anvisieren könnte. Aber Lucas Hernandez ist verletzt, Dayot Upamecano könnte noch ein Jahr brauchen, bis er wirklich so weit ist und damit ist dann nur das Mittelfeld wirklich gut genug besetzt. Und die Angriffsreihe viel zu grausam.

Jetzt schaffen sich die Bayern aber so viele Baustellen, wenn sie einen dieser Torhüter, der nicht Nübel heißen wird, verpflichten. Also davon ausgehend, dass die nicht nur für ein halbes Jahr kommen. Denn dann entscheidet man ja zeitgleich, dass man Nübel im Sommer verkauft und beweist damit, dass dieser Transfer vollkommen sinnlos war. Und den ganzen Sommer wird dann darüber spekuliert werden, wer im Tor steht und ob Neuer wirklich noch der Beste ist? 

Eigentlich hätten die Bayern schon vor der Neuer Verletzung in genau diesen Aktivismus verfallen müssen, den sie jetzt an den Tag legen. Aber halt nicht wegen des Torhüters, sondern wegen des Mittelstürmers. In dem Moment, wo sie Choupo-Moting als Stammspieler brauchen, hätten sie das Scouting nach einem Stürmer von höherer Qualität intensivieren müssen. 

Dabei habe ich nichts gegen Choupo-Moting, außer den höchsten Respekt vor ihm, weil er seine Rolle verstanden und akzeptiert hat. Weil er alles in seiner Macht Stehende unternimmt, um auf dem höchstmöglichen Niveau zu spielen und zu helfen. Aber er hat ja selber auch erkannt, dass er dafür eine kleinere Rolle akzeptieren muss. Solche Spieler sind für eine Mannschaft unfassbar wichtig, weil sie halt auch auf der Bank sitzen, ohne Unruhe zu verbreiten. Aber er hat auch nachgewiesen, dass er zumindest in der Liga da ist, wenn er gebraucht wird.

Wir reden hier halt auch von der K.O. Phase der Champions League. Das ist und bleibt spätestens ab dem Halbfinale der Wettbewerb mit der höchsten Leistungsdichte. Es schafft meistens ein Überraschungsgast unter die letzten 8, aber die anderen haben halt 18 Spieler von internationaler Klasse. Die sind auf jeder Position herausragend besetzt. Und sobald man auch nur eine Schwachstelle hat, wird diese sofort offenbart und angegriffen.

Aber die Bayern müssten sich halt auch mal eingestehen, dass Müller zu dieser "Auf dem Niveau reicht es nicht mehr" Spielern gehört. Und das ist Fass, das sie selber lieber nicht aufmachen. Da reden sie sich lieber ein, dass sie nur einen guten Torhüter brauchen, um zu Europas Elite zu gehören.

EDIT: Direkt, nachdem ich auf Senden gedrückt habe, kam dann die Info rein, dass Yann Sommer 8 Millionen Euro Ablöse kosten soll. What the Fuck? Ich hätte so mit höchstens 2 Millionen gerechnet. Ich dachte Sommer ist deswegen im Gespräch, weil er a) alt ist und b) in einem halben Jahr ablösefrei wäre. Deswegen hielt ich das für eine gute Idee. Wenn die den jetzt für so viel Geld holen und dann trotzdem im Achtelfinale gegen Paris ausscheiden, träfe dann genau meinen Komiknerv.

Montag, 16. Januar 2023

Das hätte ich mir nicht besser ausmalen können.

 Ernsthaft. Also nur um das mal festzuhalten: Ich arbeite nicht heimlich in der Task Force des DFBs und habe deren Entscheidungen manipuliert. Die kamen da von ganz alleine drauf.

Das begann ja schon mit dem Fakt, dass Hansi Flick weiterwurschteln darf. Der hat vielleicht doch nur den epischten Dead Coach Bounce aller Zeiten erlebt. Vielleicht hatten die Bayern am Ende wirklich Glück, dass der nicht weitermachen wollte, denn genau genommen waren die 86 Spiele als Bayern-Trainer sein einziger Leistungsnachweis in allererster Reihe. Und klar, theoretisch war das Final Four für die Champions League während der Pandemie die beste Bewerbung für ein Turnier, dass man als Trainer abgeben kann. Trotzdem hat er das bei der WM am Ende verkackt.

Auch wenn man irgendwo festhalten muss, dass die deutsche Nationalmannschaft ausgeschieden ist, obwohl sie in jedem Spiel besser war, als der Gegner. Aber das ist halt auch kein Zufall, wenn man seine Offensive um einen Thomas Müller aufbaut und bedingungslos an dem festhält. Einem Angreifer, der seit über 1.400 Turnierminuten auf einen Treffer wartet. Dann geht die Torausbeute halt runter.

Aber Thomas Müller macht ja auch weiter. Was mich völlig irritiert, denn ich bin plötzlich im Mainstream angekommen. Nicht nur, weil Beyoncé das Album des Jahres gemacht hat, was selbst der Feuilleton so sieht. Auch die der deutsche Pöbel hat mittlerweile, mit 8 Jahren Verspätung erkannt, dass Müller einfach nicht mehr gut genug ist, wenn er das Nationalmannschaftstrikot trägt. Es gibt noch ein paar Vereinzelte, die darauf hinweisen, dass er auf der falschen Position gespielt hat, aber selbst die schweigen dann, wenn man darauf hinweist, dass er auch hinter der Spitze (2021) und als Rechtsaußen (2018) versagt hat. Er hat quasi alle Positionen, auf denen er realistisch eingesetzt werden kann, durchgespielt und war jeweils einfach nicht gut. Er macht aber trotzdem weiter.

Wobei man an der Stelle sagen muss: So wie er das gesagt hat, ist die Kritik des Pöbels völlig übertrieben. Denn wenn man sich seine "Ich will zur Verfügung stehen" und vor allem das "Ich kann damit umgehen, falls ich nicht nominiert werde" gründlich lesen würde, aber das ist ja auch so ein deutsches Problem: Wenn Christian Drosten sagt, dass die Pandemie für ihn beendet ist, jubeln wir auch alle laut, obwohl vorher ein "damit dann" kam. Bei Müller ist das ähnlich. Also er wäre durchaus auch gewillt der Mannschaft in einer auf dem Platz kleineren Rolle zu helfen. Jetzt muss ich darauf hoffen, dass Hansi Flick ihn nicht nur nominiert, sondern auch weiterhin aufstellt. Aber der Mann ist loyal, der wird das schon regeln.

Und dann sickerte noch die größte Sensationsnachricht des neuen Jahres durch: Der Rat der alten, weißen Männer entscheidet sich für einen alten, weißen Mann als Sportdirektor. Wer hätte das gedacht? Rudi Völler soll diesen Posten jetzt übernehmen und mal so richtig aufräumen. RUDI VÖLLER! Es gibt beinah keine bessere Wahl für mich. Also Karl Heinz Rummenigge wäre noch geiler gewesen. Aber sonst?

Völler hat sich ja eigentlich in den verdienten Vorruhestand verabschiedet. Der fiel in den letzten Jahren nur dadurch auf, dass er emotional übertriebenen Blödsinn erzählt hat. Genau das brauchen wir doch! Also wir "Content Creator", die sich kritisch mit den Leuten beim DFB auseinandersetzen. 

Nebenbei, also nur so als lustige Randnotiz, war Völler zuletzt als Lobbyist für die Vereinsmannschaften unterwegs. Also wenn es nach dem gegangen wären, hätten wir vor der WM noch weniger Testspiele mit dem Bundesadler gehabt. Der hat sich halt lauthals beschwert, dass Nationalspieler während der Pandemie um die Welt fliegen. Und jetzt wechselt er seine Sicht auf solche Spiele um 180 Grad, weil es ja elementar wichtig ist, dass die nicht mehr Mannschaft Gelegenheiten bekommt, sich einzuspielen. 

An der Stelle muss ich erwähnen, dass ich prinzipiell kein Problem mit einem alten, weißen Mann per se hätte. Und alle, die sich übertrieben aufregen, dass diese "Gattung" ja so weit zurückgedrängt wird: Die letzte Nachricht des letzten Jahres war "Sensation! Alter, weißer Mann ist gestorben". Denen geht es im Großen und Ganzen noch gut. Mir würden auch alte, weiße Männer einfallen, die dem DFB definitiv helfen könnten. Dummerweise war der DFB so langsam, dass der jetzt in Österreich angestellt ist. Aber klar, ein Ralf Rangnick als Vordenker beim DFB wäre eine richtig progressive Lösung gewesen. Das ist halt auch jemand, der mal neue Ideen entwickelt hat. Rudi Völler gehörte schon zur alten Garde, als er noch jung war. Dessen letzter progressiver Gedanke stammt doch aus dem Jahre... ähm... Error 404, File not found. Also ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass Rudi mal mit einer neuen, frischen Idee um die Ecke kam, wo dann alle gesagt haben: Das müsste man mal ausprobieren!

Der ist halt eine Ikone, die als Ikone das Licht auf sich zieht und dadurch dann für relative Ruhe sorgt und damit den Druck von anderen nimmt. Vielleicht hat er intern bei Bayer anders gewirkt. Aber wenn er dies gemacht hat, so hat er das zumindest in den letzten 5 Jahren sehr gut versteckt.

Das Lustigste an der ganzen Sache ist ja, dass Joshua Kimmich auch erkannt hat, wie beschissen das gerade läuft. Also er hat verstanden, dass die große Revolution ausbleiben wird. Dass die vorhandenen Probleme nicht zeitnah gelöst werden. Dass er die EM 2024 schonmal abschreiben kann, weil Müller halt noch spielen wird. Der will aber unbedingt mindestens einen Titel holen, deswegen geht er halt davon aus, dass er einfach spielen wird, bis er 45 ist. Der Klügere gibt nach... und der Klügere ist definitiv nicht Kimmich. Aber bis er 45 ist, dürfte zumindest Rudi Völler im Ruhestand sein und vielleicht kommt dann der große Aufbruch.

Freitag, 23. Dezember 2022

Ist Hitzfeld heimlich ein Agent der Schweizer?

 Das würde einiges erklären. Also zumindest eine Sache.

Denn während gerade in England der ultimative Cup der Versager mit allen Spielern, die bei der WM spätestens im Viertelfinale ausgeschieden sind, ausgetragen wird, geht in Deutschland ja eine Expertenmeinung durch die sozialen Medien: "Für mich ist Müller einer der wichtigsten Spieler im deutschen Fußball zurzeit."

Das kann man so halt nur sagen, wenn man für die Schweiz agitiert und deren Nationalmannschaft möglichst weit kommen soll. Anders ist das nicht zu erklären.

Hitzlfeld kommt natürlich sofort mit dem "Mentalität" Klassiker. Was er aber dabei vollkommen ignoriert: Thomas Müller war bei den letzten 3 Turnieren, als alle hinterher über die mangelnde Einstellung gejammert haben, Stammspieler. Er war 2018 schlechter als Mesut Özil. Özil ist im Defensivverhalten wenigstens hinterhergegangen und legt Matts Hummels den perfekten Ball zum Führungstreffer gegen Südkorea auf den Kopf. Dafür, dass Hummels den drüber köpft, kann Özil einfach nichts. Oh und direkt vorher legt er Timo Werner einen auf.
2021 war Müller schlechter als Toni Kroos, aber der wurde als "Querpasstoni" zum Sündenbock auserkoren. Und 2022 war er einfach nur der schlechteste deutsche Spieler auf dem Platz. Abgesehen vom Anlaufen war er komplett nutzlos.

Kein anderer Feldspieler hat so viel mit den 3 Scheiß-Turnieren zu tun, wie Müller. Anscheinend bekommt er diese Mentalität mit dem Adler auf der Brust nicht auf den Platz. 

Aber Hitzfeld sagt danach noch 2 sinnvollere Sätze: "Aber er darf nicht Mittelstürmer spielen, ganz vorne ist nicht seine Position. Am stärksten ist Thomas, wenn er einen Mann vor sich hat." Genau das ist doch aber Teil des Problems. Also wenn Müller Mittelstürmer spielen könnte, wäre der definitiv gesetzt. Aber auf der Position, die er einnehmen soll, ist er weit weg davon, der beste Deutsche zu sein. Meilenweit. 

Also lasst uns das mal konkret machen: Jamal Musiala, Florian Wirtz und Kai Havertz sind in der Rolle hinter der Spitze allesamt besser als Müller. İlkay Gündoğan ist es auch. Obwohl da ja auch noch unklar ist, ob der weitermachen will. Da agitiert nur niemand dafür, der muss das mit sich selber ausmachen. Aber jede Kaderliste sollte mit den ersten 3 Namen anfangen. Dazu noch Youssoufa Moukoko. Die wirklich entscheidende Frage ist: Schafft Hansi Flick es, dass diese 4 Spieler sich bis zur EM finden und dort dann wissen, wie der andere auf dem Platz tickt. Er muss herausfinden, wie man die 4 am effektivsten zusammenwürfelt. Wer von denen muss in die Spitze, wer auf die Außen und wie rotiert man im Spiel. Jedes Testspiel sollte genau dafür genutzt werden. Jede Theoriedebatte sollte genau darum gehen. Und wenn man überhaupt nach Alternativen sucht, dann heißen die Gnabry und Sané. Die beiden sehe ich aber spätestens 2024 eine Stufe unter den 4 Megatalenten. Und ja, bei all dem Geheule über den fehlenden Mittelstürmer ignoriert man vollkommen, dass man 4 absolute Diamanten zur Verfügung hat, die definitiv genügend Potenzial haben, um Weltmeister zu werden.

Niclas Füllkrug oder Lukas Nmecha kann man natürlich als Joker mitnehmen. Und auch das kann man die 1 1/2 Jahre mal planen und durchspielen. Aber Priorität eins sollten diese 4 Spieler sein. Wenn die dann mal ein Spiel schlecht sind, verbannt man sie nicht direkt auf die Bank, wie es mit Havertz gerade permanent passiert. Ernsthaft, der hat halt so gar keine Lobby, weil er ins Ausland gegangen ist und sich dort durchgesetzt hat.

Wenn man das nebenbei genau so kommunizieren würde, dürfte Flick die eine oder andere holprige Leistung sogar verziehen werden. Schließlich ist Havertz mit 23 Jahren der Veteran dieser Offensivabteilung. Anderseits... hat Havertz jetzt schon mehr EM Tore erzielt, als Müller in seiner gesamten Karriere.

Gerade wegen der Jugend kann man doch für Müller argumentieren. Ich bin ja kein reiner Hater. Aber wenn von Anfang an klar ist, dass Müller als Mentor und Führungsspieler in der Kabine mitkommt. Als der eine im Kader, der noch weiß, wie es ist, wenn man ein gutes Turnier spielt. Als jemand, der aber auch gegenlenken kann, wenn die alten Verhaltensweisen, die zu 3 verkackten Turnieren in Folge geführt haben, wieder durchbrechen. Aber vorher muss allen klar sein, dass er die EM auf der Bank beginnen wird. Und da wahrscheinlich auch die meiste Zeit sitzen wird.

Wenn Müller mittlerweile so weit ist, diese Rolle anzunehmen, was er bisher immer verweigert hat, dann kann er Deutschland helfen. Wenn irgendjemanden auffällt, dass Musiala, Gnabry, Sané und Kingsley Coman jetzt schon besser sind als er, dann kann er diese Rolle auch 1 1/2 Jahre lang einstudieren. Denn ganz sachlich muss sich Müller erstmal voll darauf konzentrieren, dass er seinen Stammplatz beim Rekordmeister nicht verliert.

Aber es gibt ja durchaus auch Geschichten von Veteranen, die diese Rolle angenommen haben. Oliver Kahn im Jahr 2006 ist das offensichtlichste Beispiel: Da hat niemand erwartet, dass er als Nummer 2 zur WM fahren würde, aber er hat es nicht nur gemacht, sondern die Rolle auch zu 100 % angenommen. Und dadurch das Bild von ihm deutlich zum besseren gewandelt. Dani Alves hat sich gerade in dieser Rolle bei den Brasilianern ausprobiert. So was kann man, gerade bei der Aufstockung der Kader, durchaus mal machen. Das ist auch sinnvoll. Aber nur, wenn alle vorher wissen, wie der Plan lautet.

Freitag, 2. Dezember 2022

Wir müssen über den Querpass-Toni reden.

Nebenbei... war ich gestern bei der wunderbaren Catt, die ungelogen auf die Bühne ging, als der Kicker-Ticker die 86. Minute angezeigt hat. Mehr Konzerte statt Katar geht gar nicht... Aber zum eigentlichen.

 Klar, Toni Kroos ist jetzt nicht das Erste, woran man denkt. Aber es ist halt schon so, dass man daran die grundlegenden Probleme festmachen kann. Wir sollten vielleicht mal darüber nachdenken, ob wir unsere Legionäre endlich mal ordentlich wertschätzen. Und damit meine ich wirklich das "wir", weil ich da auch über Journalisten und Experten reden. 

Es wurde jetzt halt, wie Joshua Kimmich richtig anmerkt, das dritte Turnier in Folge in den Sand gesetzt. Und ganz realistisch gibt es bei diesen 3 Turnieren 2 Konstanten: Manuel Neuer und natürlich Thomas Müller. Die standen halt in jedem Spiel dieser Desaster auf dem Platz. Und wir haben uns alle eingeredet, dass die ja Weltklasse sein müssen, weil... ähm... die mit den Bayern die sonst eher durchschnittliche Bundesliga dominieren? Ja, genau.

International haben sie aber nur im Pandemiejahr etwas gerissen. Also als sie gegen 2 französische Mannschaften antreten durften, die jeweils seit Monaten kein Pflichtspiel absolvieren konnten. Und ein Barca im Selbstzerstörungsmodus. Man hatte einen extremen Wettbewerbsvorteil, weil die Bundesliga halt der Vorreiter in der Wiederaufnahme des Leistungssports war. Aber ganz sachlich gesehen muss dieser Titel mit einem Sternchen versehen werden.

Ansonsten verliefen die internationalen Vergleiche mit den ganz Großen eher enttäuschend. Also ja, es reicht immer noch, um Barca zu dominieren, aber was gibt den Bayern denn wirklich Hoffnung, dass man sich in diesem Frühjahr gegen Paris weiterkommen? Was macht diese Mannschaft jetzt besser als letzte Saison?

Gleichzeitig hätten wir zumindest in der Offensive alternativen. Bei Neuer ist es ein bisschen komplizierter, weil Marc Andre ter Stegens Leistungsnachweis auf der internationalen Bühne auch nicht besser ist. Aber vor der EM 2021 war İlkay Gündoğan im zentralen Mittelfeld besser als Müller. 2022 war Kai Havertz besser als Angreifer. Immerhin haben wir mittlerweile eine dieser beiden Wahrheiten begriffen. 

Aber anstatt darüber zu reden, wie wir um diese beiden eine Offensive aufbauen und da konstant und bei jeder Gelegenheit hinarbeiten... fragen wir uns, ob Niclas Füllkrug vielleicht die bessere Alternative ist. Weil der in der Bundesliga einen Lauf hat!!! 

Hey, hier mal ein kurzes Update aus dieser Realität: Havertz ist Stammspieler bei Chelsea London. Einer Spitzenmannschaft der Premiere League. Gündoğan kann bei Manchester City dasselbe von sich behaupten. Die beiden standen sich in einem Champions League Finale gegenüber und Havertz hat dieses Spiel entschieden. Der hat also nachgewiesen, dass er es auf allerhöchstem Niveau kann.

Und was machen wir mit diesen beiden? Nun ja, wir wechseln den einen in der 69. Minute aus und den anderen in der 70. Minute ein. Während der Nations League ist das 2 Mal passiert. Wirklich gemeinsam stand man vor der WM nur gegen England auf dem Platz. Und 65. Minuten lang gegen den Oman. Und das war es. Das waren die gesamten Minuten, die die beiden besten Spieler dieser Mannschaft zum Einspielen bekommen haben. Effektiver kann man die rare Zeit doch gar nicht nutzen. Und dann wundern wir uns, dass die beiden gegen Japan keine Synergie entwickeln. 

Nachdem der Havertz dann ein mal ein schlechtes Länderspiel gemacht hat, vergraben wir ihn direkt für 178 Minuten (ohne Nachspielzeit) auf der Bank. Nur damit er das letzte Spiel dann doch noch dreht.

Aber das grundlegende Problem ist ja, dass wir alle ignorieren, wie gut Havertz ist. Dass wir lieber auf einen "eingespielten Bayern Block" setzen, auch wenn Havertz in einer Mannschaft spielt, in der Müller mittlerweile nicht mal mittrainieren dürfte. 

Das würde komplett anders aussehen, wäre Havertz zu den Bayern gegangen. Auch wenn er dann wahrscheinlich wegen der chronischen Unterforderung im Alltag ein schlechterer Fußballer wäre. Havertz hat genau das gemacht, was wir von unseren Stars immer fordern: Er ist den mutigen Schritt in die beste Liga der Welt gegangen und hat sich da (im Gegensatz zu einem Timo Werner) auch komplett durchgesetzt. Aber dass er dies geschafft hat, ignorieren wir einfach.

Und das ist ja, deswegen die Toni Kroos Referenz in der Überschrift, keine neue Entwicklung, sondern unser ganz normale Umgang mit den Legionären. Denn das, was ein Kroos bei Real Madrid geschafft hat, wurde hier auch nie wirklich anerkennt. Genau so erging es natürlich Mesut Özil. Das Ganze wurde hier schonmal von mir angerissen.

Es wurde jetzt das dritte Turnier in Folge vergeigt, weil die besten Spieler der Mannschaft für einen überalterten und im Nationalmannschaftstrikot seit 8 Jahren nur enttäuschenden Müller weichen mussten. Genau darauf lässt es sich am Ende herunterbrechen. Und so "wichtig" Müller als erster Verteidiger war: Am Ende hat man effektiv zu 10. angegriffen. Man kann es sich halt nicht leisten, mit einem derartigen Nullfaktor im Angriff zu spielen.

An der Stelle ist aber wieder das eigentliche Grundproblem, dass Sportjournalisten am Ende Verkäufer und keine Berichterstatter sind. Und sie verkaufen uns ihre eigene Relevanz. Deswegen können sie vorher nicht darauf hinweisen, dass Müller genaugenommen "nur" in der Bundesliga gut ist. Denn dann könnte man ja zu dem Schluss kommen, dass die Bundesliga gar nicht soo gut ist. Und damit würde man sich dann eingestehen, dass die eigene Arbeit gar nicht soo relevant ist. Da hält man lieber die Illusion aufrecht, dass Müller das schon richten wird, weil der ja so gut ist.

Und wenn Müller vielleicht doch auf die Bank muss, dann nur für Niclas Füllkrug, einen anderen Bundesligaspieler, der international noch gar keine Leistungsnachweise in der Vita hat. Den auf die Bank zu setzen, um einen Premiere League Profi zu bringen... auf diese Idee kommt keiner.

Ich habe in den Vorberichten vorgestern echt den Satz gehört, dass Müller ja nur ein Mal treffen muss, dann wird der Knoten schon platzen. Dass wir bei Turnieren seit dem Halbfinale 2014 darauf warten, dass dieser Knoten platzt. Also seit 17 Spielen. SIEBZEHN. Oder um es anders auszurücken: Müller stand seit dem 1:0 gegen Brasilien bei Turnieren 1473 Minuten (ohne Nachspielzeit) auf dem Platz, ohne ein Tor zu erzielen. Und ja, natürlich ist es ein wenig unfair die Minuten vom 7:1 und die 120 Minuten vom WM Finale mit einzurechnen, denn da war er ja noch ohne Zweifel Weltklasse und wichtig. Aber auch ohne diese beiden Spiele wären es immer noch deutlich über 1000 Minuten. Und nur der Vollständigkeit halber: Er kommt in dieser Zeit auf 2 Torvorlagen. Es durfte noch nie jemand über einen so langen Zeitraum einen derartigen Scheißdreck im Nationalmannschaftstrikot spielen... und er wird dafür noch nicht mal kritisiert.

An derselben Stelle wurde nebenbei gefragt, ob das Ausscheiden vor 4 Jahren vielleicht doch gut war, weil man daraus ja lernen konnte und Costa Rica nicht auf die leichte Schulter nimmt. Das waren die Dinge, die diskutiert worden sind. Nicht die Frage, warum Müllers Bilanz in den Turnieren so grausam ist.

Mittwoch, 8. Juni 2022

Warum läuft Thomas Müllers Nationalmannschaftskarriere so bescheiden?

Scheiße sagt man ja nicht... zumindest nicht in der Überschrift.

Aber vorher noch ein paar Gedanken zum Deutschland - England Spiel: ich fand es faszinierend, wie zufrieden alle mit einem Unentschieden in München war. In einem Heimspiel. Sowohl Hansi Flick, als auch Christoph Kramer, der explizit den tollen Spielaufbau anpries... weil der englische Torhüter den Ball nur lang nach vorne gedroschen hat. Und dann noch dieses toll heraus gespielte Tor.

Eine toll heraus gespielte Chance war es. Aber halten wir mal eines ganz kurz fest: Manuel Neuer hält diesen Ball, Jordan Pickford halt nicht. Und Neuer ist auch der Hauptverantwortliche für den Spielaufbau. Er erinnerte uns mal kurz daran, dass er halt mit einer gewissen Selbstverständlichkeit unhaltbare Bälle abwehrt. Das war früher die Norm, ist aber in den letzten 2 Jahren ein wenig in Vergessenheit geraten.

Und ich will hier auch nicht von einem Torwartfehler sprechen. Aber auch während der WM wird man auf den einen oder anderen Torhüter treffen, der solche Bälle halt hält. Thibaut Courtois zum Beispiel, wie man gerade im Champions League Finale gesehen hat.

Halten wir mal ganz sachlich fest: Wenn wir die Torhüter austauschen, gewinnt England das Spiel mit 2:0. Neuer hält dann den Hofmann Schuss, Pickford vereitelt die Kane Großchance nicht... Aber wir strahlen gerade wieder diese arrogante Selbstgefälligkeit aus, die die letzten 3 Löw-Turniere geprägt haben. Und wie die ausgehen, werden wir uns gleich nochmal anschauen. Fakt ist halt auch, dass der immer noch ungeschlagene Flick keines seiner Spiele gegen die "Großen" gewonnen hat. "Groß" heißt hier auch die Niederlande und Italien, die 2022 nicht wirklich um den Titel mitspielen werden. Und wenn es nicht wieder so läuft, wie 2002, wird man derartige Mannschaften schlagen müssen, wenn man ins Halbfinale einziehen will. Aber hey, Thomas Müller wird dann schon in Form sein und uns den Arsch retten...

Das bringt uns dann... zu der Frage, warum der seit 2014 so Scheiße spielt. Denn dass der im Bayern-Dress immer noch wichtig ist, stelle ich ja gar nicht infrage. Aber auf der anderen Seite stehen halt diese 13 Turnierspiele mit einem Scorerpunkt...

Das ist halt ganz sachlich eine Bilanz, mit der jeder andere Offensivspieler wie die arme Sau durchs Dorf getrieben wird... glaubt ihr nicht? Dann fragt euch mal, wer seit 2014 bei Welt- und Europameisterschaften mehr Scorerpunkte gesammelt hat: Mesut Özil oder Müller? Einer der beiden hat mal ein Führungstor in einem Halbfinale gegen Italien erzielt, der andere ist Thomas Müller.

Aber einer der beiden hatte halt die Chance, seine Bilanz mit tollen Spielen in der EM-Qualifikation gegen Schottland aufzuwerten... deswegen sieht die Gesamtbilanz immer noch toll aus.

Nebenbei können wir mal an einem ganz sachlichen Diskurs festmachen, dass Müller einfach nicht mehr auf dem Niveau von 2014 ist. Ich hab mal gegenüber einem Bayern- und Deutschland-Fan vorgeschlagen, dass man Müller ja von mir aus auf die weniger wichtige Position Rechtsaußen stellen kann und dann (im aktuellen Fall) Jonas Hofmann oder Serge Gnabry auf die Bank setzt. Solange man Platz für İlkay Gündoğan oder Kai Havertz schafft, ist das immer noch besser. Dann sagt mir dieser Mensch dann: "Das ist ja nicht seine Rolle, das kann nicht funktionieren"... und dann erwähne ich sofort: Der ist als Rechtsaußen Weltmeister und Torschützenkönig geworden. Wenn er diese Rolle nicht mehr ausfüllen kann, dann ist er einfach nicht mehr so gut, wie er damals war. Dann sieht man es hinter den Augen rattern, weil er ja weiß, dass ich sachlich gesehen recht habe, aber das kann halt nicht als die Wahrheit akzeptiert werden, weil Müller halt immer noch Weltklasse sein muss... wenn er das wirklich noch wäre, könnte er problemlos nach rechts ausweichen und damit viele Probleme lösen.

Das führt halt zum ersten Punkt: Müller ist gar nicht schlechter, er spielt halt nur gegen schlechte Gegner extrem gut... und davon gibt es in der Bundesliga extrem viele. Wenn die Konkurrenz dann aber seriös wird, ist Müller nur ein viel erzählender Mitläufer. Also selbst beim Champions League Triumph waren die Schlüsselspieler halt Neuer, Alaba, Kimmich, Gnabry, und Lewandowski. Müller spielte nur gegen ein völlig überfordertes Barcelona überragend... In einem Spiel, in dem selbst Coutinho 2 Treffer erzielte... aber niemand wäre auf die Idee gekommen, die Bewertung des Brasilianers grundlegend zu überdenken, weil er da auch mal effektiv war. Dass es quasi das einzige wirklich gute Spiel auf diesem Niveau von Müller war, ist dagegen egal.

Auf der anderen Seite stehen dann aber doch gute Leistungen gegen Dortmund und Leipzig. Und die 10 Meisterschaften, bei denen er ja schon irgendwie eine Schlüsselrolle gespielt hat.

Also um das nochmal festzuhalten: Ich zweifle wirklich nicht daran, dass Müller den Bayern hilft. Dass der bei denen durchaus eine wichtige Rolle einnimmt, auch wenn er am Ende an seiner Grenzen stößt. Der hat schon einen Bärenanteil an dieser unfassbaren Serie. Einerseits natürlich, weil er dieses "Mia san Mia" und diese Gier nach dem nächsten Titel wie kein Zweiter lebt. Aber sollte sich genau diese Gier nicht auch bei den Nationalmannschaftsturnieren bemerkbar machen.

Vor allem aber auch, weil er seine Mitspieler wirklich besser macht. Vor allem einen: Robert Lewandowksi. Halten wir mal eines fest: Ohne Thomas hätte der Pole Gerd's Rekord nie geknackt. 43 direkte Assists für Lewandowski hat der mittlerweile auf dem Konto stehen. Und als der Raumdeuter dann in der Rückrunde den Dienst auf Teilzeit stellt, hatte der Rekordtorjäger auf einmal keine Chance mehr, die 40 Tore Marke wieder zu knacken. Und ja, Müller hat mit 6 Torvorlagen eine für ihn unterirdische Rückrunde gespielt. Auch Lewandowskis Quote fiel deswegen auf "nur 15 Rückrundentore"... Nachdem er im Winter noch auf Kurs lag... Es gibt schon einen direkten Zusammenhang zwischen Müllers Form und Lewandowskis Bilanz.
Nebenbei fand ich es faszinierend, dass selbst der sonst gerade bei seinen Lieblingsnationalspielern so unkritische Kicker in seiner Rangliste den Satz "in einigen Spielen war der Sieger der Winter-Rangliste derartig unsichtbar, dass Julian Nagelsmann eigentlich hätte durchgreifen müssen." schreibt. Das ist ein vernichtendes Urteil... welches natürlich keine Auswirkungen auf seine Rolle in der Nationalmannschaft hat.

Denn Müller ist die perfekte Inkarnation des "Martin Harnik Angreifers". Er ist die perfekte Ergänzung, die um einen klassischen Mittelstürmer herumspielt und auch arbeitet. Der die Räume, die so ein Stürmer kreiert, so eng sie im 16er auch sein mögen, findet und nutzt. Und der auch immer wieder Wege findet, diesen Mittelstürmer in Szene zu setzen. Damit ist er auch immer wieder der Spieler, der die engmaschigen Verteidigungen knackt. Und er ist halt auch der Spieler, der mit seinem Einsatz dafür sorgt, dass der Pole am wenigsten laufen muss... Und pro Spiel ungefähr so oft am Ball ist, wie Teilzeitarbeiter Marcel Sabitzer. Oder seltener als Sven Ulreich... Auch dank der Arbeit von Müller kann Lewandowski sich wirklich voll auf den Abschluss im Strafraum konzentrieren und muss am restlichen Spiel fast nicht teilnehmen.

Aber hier fängt auch das Problem an: Ein Martin Harnik Angreifer bekommt immer dann Probleme, wenn er selber zum sprichwörtlichen Fixpunkt der Offensive aufsteigt. Wenn er nicht um jemand anderes herum spielen kann. Und in der Nationalmannschaft... haben wir diesen Mittelstürmer, um den ein Müller herum agieren kann, einfach nicht mehr.

Wir hatten die früher mit Miroslav Klose und auch Mario Gomez. Allerdings entschied sich Löw dann im EM Halbfinale dafür, Müller ins Zentrum zustellen und Gomez auf die Bank zu setzen... der Mann findet halt immer wieder brillante Lösungen für nicht existierende Probleme... Oh und auch gegen Südkorea saß Gomez trotz Tor gegen die Schweden im Spiel davor anfangs nur auf der Bank... Immerhin neben Müller.

Das Problem in der Gegenwart ist aber: Die "Mittelstürmer" heißen Timo Werner und Kai Havertz. Zumindest, wenn man seine besten Spieler aufstellen würde. Und ja, für "Doppelspitze Havertz - Werner" würde ich meine "Gündoğan muss auf die 10" Haltung überdenken. Das Problem ist halt: Keiner der beiden ist dieser klassische Mittelstürmer, um den ein Müller herum arbeiten kann. Die sind individuell besser als es Klose und Gomez je waren, aber sie spielen halt eine andere Rolle. Und wenn das Spiel nicht um einen festen Mittelstürmer angelegt wird, findet Müller auch die Räume nicht mehr, die dieser Mittelstürmer kreiert. Deswegen sinkt dann auch sein Wert für diese Mannschaft.

Deutschland wird bis zur WM keinen herausragenden Mittelstürmer mehr zeugen. Ok, zeugen vielleicht schon, aber der braucht dann noch nen paar Monate bis zur Geburt. All die Mittelstürmer sind "nett"... Lukas Nmecha ist als offensichtlicher Name gut genug für die Bundesliga, aber halt auch nicht mehr. Der ist aber auch die einzige wirkliche Hoffnung auf jemanden, der vielleicht mal halbwegs gehobenes Niveau repräsentieren könnte. Die Bayern beschäftigen sich ja bewusst nur mit ausländischen Angreifern, wenn es um die Lewandowski Nachfolge geht. (Nebenbei wird es auch spannend, wie es sich auf Müllers Rolle auswirkt, falls Sadio Mané wirklich kommt, der, so weit ich weiß, auch nicht der klassische Mittelstürmer ist...)

Damit ist dann folgender individueller Verlauf für die WM zu erwarten: Müller wird genau so spielen, wie bei der letzten EM: Er wird engagiert auftreten. Hoch motiviert und mit vollem Einsatz das Pressing antreiben. Er wird sogar gegen Costa Rica oder Neuseeland und Japan 3 Tore und 2 Vorlagen sammeln. Dann werden alle die Auferstehung des Nationalhelden feiern und komplett ignorieren, dass er gegen Spanien unsichtbar war... und dann wird man ab dem Viertelfinale nichts mehr von ihm sehen. Das ist die ganz sachliche Analyse anhand der letzten 3 Turniere. Aber das wird uns vorher keiner erklären. Und dann sind alle wieder schockiert, wenn es gegen England nicht zum Sieg reicht... Obwohl man das vorher in nem Testspiel gut beobachten konnte...

Dienstag, 7. Juni 2022

Warum läuft Ilkay Gündogans Nationalmannschafts-Karriere so bescheiden?

 Scheiße sagt man ja nicht. Zumindest nicht in der Überschrift. Und viel wichtiger: Warum analysieren die echten Experten diese Fragen nicht mal in der Tiefe, sondern überlassen das mir?

Lasst uns erstmal eines festhalten: Nach Toni Kroos's Rücktritt ist İlkay Gündoğan der beste verfügbare Deutsche Mittelfeldspieler. Zumindest, wenn man sich die Leistungen im internationalen Vergleich anguckt. Natürlich ist sein Trainer dieses absolute Übergenie, welches es trotzdem immer wieder schafft die K.O. Phase der Champions League zu vercoachen, deswegen bekommt Kroos diese Titel.

Aber Gündogan ist bei einer der besten Mannschaften der Welt einer der wichtigeren Spieler. Also er führt die Mannschaft teilweise als Kapitän aufs Feld. Und jetzt erzielte er die entscheidenden Tore im aktuellen Meisterrennen.

Und natürlich gibt es keine absolute Stammelfe bei Pep Guardiola, deswegen saß er zum Beispiel im Champions League Halbfinale im Hinspiel nur auf der Bank... oder beim Duell gegen den FC Liverpool. Aber Pep... also lasst es mich mal so sagen: Die letzten 4 Premiere-League-Spiele, bei denen Gündoğan "Ohne Einsatz im Kader war", endeten alle unentschieden... sprich: Der Trainer wollte die Saison unbedingt nochmal spannend machen. Ist ihm gelungen, aber er wurde ja trotzdem noch gerade so gerettet.

In der Summe stehen da 28 Einsätze in einem der best besetzen Mittelfeldabteilungen der Welt. Überlegt einfach mal, wie viele aktuelle Nationalspieler auf diese Bilanz kommen würden... Joshua Kimmich. Aber das war's.

Nur mal so zum Vergleich: Das ist genau das Niveau, auf dem Leroy Sané am Ende gescheitert ist. Und jetzt könnt ihr behaupten, dass der ja einen Kreuzbandriss hatte... nun, den hatte Gündoğan auch, er hat sich trotzdem hinterher durchgesetzt... und über einen Wechsel zu den Bayern wurde vorher schon verhandelt. Ich bezweifle, dass die Gündoğan zu den Bayern gehen lassen würden.

Trotzdem wird Sané am Ende den Klub der 100er erreichen und Gündoğan nicht. Denn obwohl er deutlich jünger ist, hat er jetzt schon "nur" 14 Länderspiele Rückstand auf den 31-jährigen. 

Zunächst mal muss man da natürlich auf das immer wiederkehrende Verletzungspech verweisen. Wenn er sich im August 2013 bei einem bedeutungslosen Testspiel gegen Paraguay nicht verletzt hätte, weswegen eine 586-tägige Länderspielpause einlegen musste, wäre er heute Weltmeister. Auch die darauffolgende Europameisterschaft verpasste er verletzungsbedingt. Bleiben also die beiden größten Enttäuschungen der deutschen Turniergeschichte in seinem Lebenslauf... und ein Turnier als Jüngling auf der Ersatzbank. Allein schon deswegen fehlen bei ihm zwangsweise die großen Momente mit dem Adler auf der Brust. 

Aber selbst bei diesen Turnieren... kam er halt nie wirklich an den Platzhirschen vorbei. Also wenn es einen Spieler gab, der darunter litt, dass Jogi Löw einen notwendigen Neuaufbau zunächst verweigerte, dann war es er. So hängt das WM-Turnier 2018 (auch wegen des Erdogan-Fotos vor dem Turnier) in seinen Klamotten, obwohl er nur 59 Minuten spielen durfte... wenn er gleich anstelle von Sebastian Rudy gespielt hätte. Also um das mal festzuhalten: Irgendwie hat es Rudy damals geschafft in der Hierarchie vor dem Deutsch-Türken zu stehen...

Aber da Gündoğan nur bei den "Scheiß-Turnieren" auf dem Platz stand, hat er natürlich auch eine Scheiß-Lobby. Da wird es einfach ignoriert, dass er 4 Premiere League Meisterschaften in der Vita stehen hat. Oder in Deutschland das Double holte, obwohl er nie für die Bayern gespielt hat.

Das "Nie für die Bayern spielen" ist halt auch das nächste Problem. Denn es wird halt immer wieder auf Blockbildung gesetzt, was auch irgendwie vernünftig ist. Aber muss man diese Blockbildung übertreiben? Also ganz praktisch: Der von mir an sich sehr geschätzte Manu Thiele setzt, stand jetzt, in der Innenverteidigung auf das Duo Schlotterbeck und Süle bei der WM. Weil sich die beiden bei Borussia Dortmund einspielen können... Blockbildung ist halt wichtig. Was eigentlich totaler Wahnsinn ist. Denn ich muss meine Einschätzung vom Anfang revidieren (da stand ursprünglich nicht "Mittelfeldspieler"): Gündoğan ist nur der 2. beste verfügbare Deutsche Nationalspieler. Der beste ist Antonio Rüdiger. Seines Zeichens Champions League Sieger 2021. Und designierter Champions League Sieger 2023 oder 24. Um das mal festzuhalten: Rüdiger konnte sich gerade seinen nächsten Arbeitgeber frei aussuchen. Er wechselte vom amtierenden zum aktuellen Champions League Sieger, um dort jetzt mit David Alaba als Bollwerk den nächsten Anlauf auf den nächsten Titel zu nehmen. Und so, wie Real die sammelt, ist es nur die Frage, ob Kroos da noch dabei ist, oder ob das 3 Jahre dauert, bis sie den Henkelpott wieder gewinnen. Aber wenn er, um sich für die WM einzuspielen, nach Dortmund gegangen wäre, würde er dort sofort den Abwehrchef geben und einen der beiden "Neuzugänge" auf die Bank verdrängen. Aber weil die beiden sich ein halbes Jahr lang kennen, soll er jetzt bei der WM auf der Bank sitzen? Und ja, wenn es die Bayern-Innenverteidigung wäre, könnte man sich das vielleicht einreden... aber wir reden von Borussia Dortmund, einer Mannschaft, die mit internationalen Finalen nichts zu tun haben wird. Und auf der anderen Seite von Rüdiger, der noch weitere Champions League Finale erleben wird. Wir sind wahrscheinlich die einzigen, die so dumm sind, da auf die Dortmunder zu setzen... aber wir sind halt auch diejenigen, die nicht einsehen wollen, dass unsere eigene Liga einfach nicht mehr sooo gut ist...

Gündoğan hat praktisch dasselbe Problem: Wenn der vor Jahren zu den Bayern und nicht ins Ausland gewechselt wäre, hätten die den Goretzka nicht (oder nur für die Bank) geholt und er würde jetzt das Herzstück der Nationalmannschaft bilden. Aber er hatte halt höhere Ansprüche an seine Karriere... oder ans Gehalt.

Wir reden uns halt seit Jahren ein, dass es vernünftig ist, auf ein beinah komplettes Bayern-Mittelfeld zu setzen. Goretzka - Kimmich - Gnabry - Müller - Sané ist eine realistische Aufstellung für die WM. Und dann stellen wir vor Ort entsetzt fest, dass dieses Mittelfeld zwar die Bundesliga dominiert, aber abgesehen von dem einen Pandemie-Turnier auf internationalem Paket regelmäßig... nun ja... versagt. Mittlerweile sogar gegen Villarreal. Und in der Nationalmannschaft bei der EM, WM und EM. Trotzdem versuchen wir es in nem halben Jahr wieder... und werden uns dann wieder überrascht umgucken, wenn Müller, nach 3 Toren in der Vorrunde, im Viertelfinale komplett abtaucht, weil es dann halt gegen Frankreich geht.

Aber Gündoğan hat halt keine realistische Chance den Nationalhelden aus der Stammelf zu verdrängen, obwohl es wahrscheinlich das sinnvollste wäre. Denn selbst die Bayern-Fans werden am Ende zugeben, dass Stand Sommer 2022 der Manchester Profi individuell der bessere Fußballer ist. Die reden sich halt nur ein, dass Müller doch so wichtig für das System ist. Auch wenn seine Bilanz in den letzten 3 Turnieren mit 13 Spiele, 0 Tore und eine Vorlage mehr als mager aussieht. 

Das ist nebenbei so ein allgemeines Problem in der Bewertung "Unserer Stars" im Ausland. Also auch Kai Havertz sollte sich nicht zwingend hinter Müller anstellen müssen, aber weil er seinen Siegtreffer halt für Chelsea erzielt hat, ignorieren wir das einfach. Hey, Leute, der Mann hat mal so nebenbei ein Champions League Finale entschieden. Müller fällt auf diesem Niveau nur noch durch kurze Querpässe auf. Und zu Kroos habe ich ja letzte Woche alles gesagt. Warum schaffen wir es nicht, die Leistungen dieser Spieler angemessen zu würdigen und einzuordnen? Dann könnte man auch mal die entsprechenden Konsequenzen für die Nationalmannschaft ziehen.

Man stelle sich mal vor, man hätte die letzte WM mit Gündoğan in der Müller Rolle gespielt. Also praktisch die zentrale Rolle im 4-2-3-1. Das könnte der. Und eigentlich wäre das auch die Lösung für die WM. Am meisten Sorge würde es mir bereiten, wenn Hansi Flick jetzt sagen würde: Wenn alles nach Plan läuft, übernimmt Ilkay die 10 bei der WM. Wenn er denn fit ist, spielt er auch, denn er spielt diese Rolle häufiger bei Man City. Wir werden die Nations League Spiele nutzen, um genau diese Rolle einzuüben und wenigstens ein paar Automatismen zu entwickeln. Thomas Müller ist hier nur der Herausforderer.

Aber das würde ja für einen riesigen Aufschrei sorgen: Wie kann man nur Müller auf die Bank setzen! Der ist doch sooo gut. Obwohl das ganz realistische Limit einer von Müller im Zentrum lautet: Sobald es gegen die richtig guten Mannschaften geht, scheidet man aus. Die eine Ausnahme müsste eigentlich mit einem Sternchen versehen werden, das machen wir aber nicht, weil es um die Bayern und Müller geht... Und eigentlich müssten wir uns ja auch mal mit den Leistungen von Müller im Nationalmannschaftstrikot angucken und nicht das, was er bei den Bayern macht... hey, das gibt uns einen nahtlosen Übergang zum morgigen Beitrag... geil.

Donnerstag, 14. April 2022

Wie schlimm ist die Lage?

 So schlimm: Ich habe mir zum ersten Mal seit dem Sommer 2021 und der "Weltklasse Grätsche von Mats Hummels" einen Kicker gekauft... 

Warum? Nun ja, ich wollte mal lesen, wie die uns jetzt erklären, dass die Bayern halt nicht mehr gut genug sind... nachdem sie uns monatelang erzählt haben, dass man um den Titel mitspielen kann. Also mit einer kurzen Unterbrechung nach dem 0:5 gegen Borussia Mönchengladbach im Pokal.

Und der Kicker bringt sogar einen Verkauf von Robert Lewandowski ins Spiel. Also für eine entsprechende Ablöse sollte man den gehen lassen, obwohl er 50 Tore im Jahr erzielt. Gleichzeitig soll man Thomas Müller aber nur keine Gehaltserhöhung anbieten...

Spoiler: Wenn man Robert Lewandowski abgibt, spielt man auch 2023 nicht um den Titel mit. Also noch weniger, als jetzt schon. Also es sei denn, man gibt 200 Millionen für Erling Haaland oder einen ähnlichen Spieler aus. Dessen muss man sich bei jeder Debatte über Lewy bewusst sein: Ein Ersatz wird richtig teuer. Spieler wie Karim Adeyemi oder Nico Schlotterbeck sind sicherlich interessant für den nächsten Angriff im Jahr 2025, aber kurzfristig werden sie nicht auf dem allerhöchsten Niveau funktionieren. Also noch weniger als Dayot Upamecano

Am Ende haben die Bayern die Spitzenspieler meistens selber aus- oder zumindest weitergebildet. Also die einzigen Ausnahmen dürften Arjen Robben und Luca Toni gewesen sein. Da hat man sich wirklich mal fertige Starspieler für (für damalige Verhältnisse) großes Geld geholt. Aber da reagierte man erst, nachdem man die Champions League verpasst hat.

Natürlich es gibt eine Ausnahme: Dortmund-Spieler. Robert Lewandowski, Mario Götze und Mats Hummels kamen, nachdem sie in einem Champions League Finale gespielt haben. Auch wenn Götze da verletzt fehlte... ansonsten reden wir schon über Aturo Vidal... der auf allerhöchstem Niveau halt auch eher ein Mitläufer war.

Alle anderen Transfers seit dem... also nehmen wir mal demonstrativ Franck Ribery als Bayern-Legende. Klar, den holte man von Olympique Marseille für 30 Millionen. Das war schon verdammt viel Geld, welches aber hauptsächlich durch eine überraschend gute WM verlangt werden konnte. Also nur so für den Kontext: Ribery schoss sein erstes Länderspieltor im WM Achtelfinale gegen Spanien. Der kam vor seiner Verpflichtung auf 0 Champions League Spiele. Den Schritt zum zwischenzeitlichen Leistungsträger auf diesem Niveau (bevor er dann 2015 krass abfiel, was aber von allen ignoriert wurde und in seinen letzten 4 Champions League Jahren nur ein Tor erzielte) ging er in München.
Kingsley Coman war als sein Nachfolger fast derselbe Transfer. Javi Martinez funktionierte genauso. Leroy Sané kam nach seinem Kreuzbandriss mit großen, immer noch nicht vollständig ausgeräumten Fragezeichen. Thiago war bei Barca halt auch eher Talent als Leistungsträger
Lustigerweise haben "die größten Transfers" mit James und Coutinho nicht wirklich funktioniert haben... Also ja, man hat es hin und wieder versucht, geklappt hat das aber nie.

Das ist etwas, was die Bayern ja auch überraschend gut können. Ehre, wem Ehre gebührt. Deswegen würde ich mir auch wenig Sorgen um Upamecano machen, der erinnert halt doch stark an einen jungen Jerome Boateng. Aber Boateng hat sich in München dann halt weg vom Sicherheitsrisiko entwickelt. 

Das eigentliche "Problem" der Bayern ist ja, dass Marc Roca und Bouna Sarr diesen Entwicklungsschritt bisher nicht gemacht haben... was aber auch nicht so besonders ist, schließlich gibt es für jeden Joshua Kimmich einen Renato Sanchez. Also nur um mal Hasan Salihamidžić's Transferbilanz etwas zu relativieren: Es ist nicht so, dass bei Uli Hoeneß jeder "Wir holen den, der entwickelt sich dann." Transfer gesessen hat. 

Ich frage mich halt, ob das den Kicker-Redakteuren bewusst ist. Wohl eher nicht, da sie sich ja nicht so intensiv mit Fußball beschäftigen. Auch wenn ich da wie eine kaputte Platte klinge: Es gibt nur einen Weg, wie man 2023 um den Champions League Titel mitspielt: Müller ersetzen und Lewandowski behalten. Und ja, selbst bei dem überragenden Talent Haaland gehe ich davon aus, dass er noch 1-2 Jahre braucht, um wirklich der Schlüsselangreifer bei einer absoluten Spitzenmannschaft zu sein. Noch taucht der zu häufig komplett ab. Und ja, er wird dieses Niveau erreichen. Vielleicht auch schon nächste Saison. Aber er würde halt auch alle Rekordtransfers der Bayern pulverisieren und genau das Gehalt verlangen, welches man Lewy nicht geben will. Für Haaland müssten die Bayern halt mit all ihren Prinzipien brechen... Also außer dem "Wir schwächen Dortmund" Prinzip...

Die Frage, wer dieser Ersatzmann für Lewandowski sein soll (und ob der überhaupt nach München will), muss halt auch mal erörtert werden. Also Karim Benzema wird ja Real Madrid nicht verlassen. Dass man Stammspieler von Liverpool, Man City oder Atletico Madrid abwerben kann, erscheint eher unwahrscheinlich. Bleibt also Haaland... oder Harry Kane... 2 Optionen, für die man die Premiere League überbieten muss... das würde also richtig teuer werden... Oder man springt auf den Gerard Hype Train auf... Setzt darauf, dass Patrik Schick das nächste Level erreichen wird. Dusan Vlahovic ist erst in diesem Winter gewechselt, der wird nicht schon wieder auf dem Markt sein. Man könnte auch auf ein letztes Hurra von Cristiano Ronaldo hoffen oder Zlatan Ibrahimović eine allerletzte Chance geben... aber die Zeit des einen ist vorbei, die des anderen hat nie stattgefunden...

Nebenbei ist es auch einfach nur absurd, was für Marktwerte für Mittelstürmer angegeben werden. Victor Osimhen soll angeblich 60 Millionen wert sein, obwohl er bisher 2 Champions League Tore erzielt hat, seine erste Serie A Saison mit 10 Treffern abgeschlossen hat und auch dieses Jahr die 20 eher nicht erreichen wird... Gekostet hat er trotzdem 75 Millionen Euro Ablöse. Also nur um zu verdeutlichen, dass ein würdiger Lewandowski Ersatz definitiv mindestens 200 Millionen kosten wird. Oder man holt sich einen Entwicklungsfähigen 22-jährigen... aber dann spielt man halt die nächsten 2 Jahre nicht um den Titel mit, das muss man dann auch akzeptieren. Und das sollte uns der Kicker dann auch so erklären.

Bei Müller hätte man mit Musiala den Ersatzmann schon im Kader. Also ja, Schritt 1 wäre es, den jungen zum Stammspieler hinter dem Mittelstürmer in zentraler Rolle zu machen. Oder man holt sich, auch wenn (oder weil) er gerade verletzt ist, Florian Wirtz. Allgemein dürfte es halt leichter sein, Spieler für die Offensive Dreierreihe zu verpflichten, da es diese Grenzgänger zwischen Stürmer und Offensiven Mittelfeld oder Flügel- und Zentrumsspieler halt im modernen Fußball überall ausgebildet werden. Ademyi fiel bereits. Heung-min Son könnte zur Not auch Stürmer spielen, ist aber eher auf den Außen zu Hause. Mit Christopher Nkunku oder Dani Olmo könnte man RB direkt weiter schwächen. Mit Timo Werner einen deutschen Nationalspieler zurück in die Heimat holen, auch wenn der ja plötzlich doch wieder eine wichtige Rolle bei Chelsea spielt. Moussa Diaby bleibt ein interessanter Spieler. Vielleicht ist Marin Odegaard jetzt wirklich so weit... nur um die Arsenal-Fans zu triggern... Wenn man die Bank aufbessern will, holt man Julian Draxler für alle 3 Position... Mesut Özil ist wohl gerade wieder auf der Suche nach einem neuen Verein... Das sind zumindest die Spieler, die mir aus dem Kopf heraus einfallen... Und auch wenn ich irgendwann aufhöre, ernstgemeinte Optionen zu nennen, so hat man doch einfach mehr Auswahl als bei den Mittelstürmern.

Nur um zu verdeutlichen, dass die klassische Neun halt am Aussterben ist, während der R-Wert bei den Hybridspielern verdammt hoch ist: Der beste Mittelstürmer Italiens ist immer noch Ciro Immobile... Der ist vor 8 Jahren als Champions League Spieler durchgefallen... Die Bayern haben noch einen dieser raren, wirklich guten Mittelstürmer. Einen Mann, der auch in der Champions League zweistellig trifft. Der auch im Viertelfinale aus dem Nichts einen Treffer erzielen kann, obwohl seine Mitspieler ihn quasi nicht in Szene setzen. Diesen Spieler zu ersetzen, ist im modernen Fußball wesentlich schwieriger, als einen Ersatz für die Position dahinter zu finden.

Aber diese Idee wird ja nirgendwo ernsthaft diskutiert werden... Lothar Matthäus schlägt ja sogar vor, mit Müller bis 2025 weiterzumachen... Obwohl wir gerade wieder über 180 Minuten gesehen haben, dass es auf diesem Niveau für ihn einfach nicht mehr reicht. Mir soll es recht sein, auch wenn ich mir dann jedes Jahr einen Kicker kaufen muss, um zu gucken, wie überrascht die sind, wenn es wieder nicht reicht.

Mittwoch, 13. April 2022

Damit hätte ich nicht gerechnet

Das ging viel zu schnell. Und klar, die Bayern sahen im Hinspiel wirklich nicht gut aus und waren mit den schnellen Gegenangriffen überfordert... aber das waren sie in Salzburg auch. Eigentlich ging ich davon aus, dass die nach 20 Minuten in Führung gehen und das dann relativ souverän runterspielen. Am Ende gibt es dann einen 3:0 Sieg und alle reden sich ein, dass man gegen Liverpool eine realistische Chance hat...

Aber auf Thomas Müller ist halt verlass. Also wenn der in einem europäischen Spitzenspiel frei vorm Torwart auftaucht, schießt oder köpft er halt daneben. Und ja, Müllers Kopfball aus der 71. Minute reiche ich nach... auch wenn es Abseits gewesen sein soll, hat die Szene Symbolcharakter. Und hinterher weiß er auch nicht genau, was er sagen soll...

Lasst mal kurz über Müllers Arbeitsnachweis in den 180 Minuten reden. Also im Hinspiel war er komplett unsichtbar. Im Rückspiel spielt er einen 5 Meter Pass nach einer starken Pressingsituation. Den Rest regelt Robert Lewandowski über seine individuelle Klasse. Was dieser Tor extrem seltsam macht: Einerseits war der Ballgewinn ein kollektives Meisterwerk: So geht man geschlossen auf einen Gegner drauf und erobert sich tief in der gegnerischen Hälfte den Ball. Andererseits war es am Ende doch kein konsequent heraus gespielter Treffer, sondern nur eine brillante Einzelleistung.

Und klar, die Bayern waren drückend überlegen. Ballbesitz, Abschlüsse, Passquote. Aber der einzige Moment, wo ich kurz dachte "Scheiße, jetzt klingelt's"... war halt die 71. Minute. Und dann erkannte ich: War nur der Müller... und war abseits.

Ansonsten... ein zu zentraler Musiala Kopfball aus 9 Metern. Und das war's. Villareal hatte in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit die beste Chance der ersten Halbzeit, als Gerard nur das Außennetz traf. Die anderen Highlights lauten laut Kicker Ticker:

Sané steht bei einem Freistoß aus rund 25 Metern Entfernung bereit, scheitert aber an Paus Kopf in der Mauer.
Müller rutscht beim Schussversuch dann leicht weg und kann so nur übers Tor abschließen.
Coman (...) zieht ab. Knapp drüber.

Und das war's. Also das war alles, was der Kicker fett markieren konnte... Abgesehen vom Tor 4 "gefährliche Szenen". Anstatt nach dem optisch überfälligen 1:0 in den nächsten Gang zu schalten, kam halt praktisch nichts mehr. Aber so ist das halt, wenn dein offensiver Schlüsselspieler auf 32 Ballkontakte kommt. Aber Müller ist ja sooo wichtig. Der muss bleiben!

Natürlich kam der Ausgleich aus dem sprichwörtlichen Nichts. Obwohl man nochmal festhalten muss, dass Villarreal die beste Chance der ersten Halbzeit hatte... Aber ohne diesen Treffer geht man in die Verlängerung und ins Elfmeterschießen... oder ein Geniestreich von Coman oder Lewandowski rettet die Bayern. Ein konsequent heraus gespieltes Tor lag aber nicht wirklich in der Luft, weil im letzten drittel viel zu wenig passiert ist. Da kann Müller aber natürlich nichts dafür.

Nebenbei wartet Müller seit 7 Bundesligaspielen auf ein Tor. Und war genau genommen nur gegen die völlig überforderten Salzburger im Hinspiel gut. Oh und absurderweise, was das Narrativ zerstört, gegen RB Leipzig. Vielleicht sollten die damit aufhören, den Gegnern vor den Spielen ihre Energydrinks anzudrehen... Aber seit dem herausragenden Start in die Rückrunde kommt erschreckend wenig von ihm. Aber wenn man darauf hinweist, werden alle wieder eskalieren und sich fragen, wie man denn den Müller kritisieren kann. Der kann doch nichts dafür, dass er nicht in Szene gesetzt wird.

Lasst uns mal eines festhalten: Der nächste Champions League Kern wird in der offensiven Dreierreihe um Musiala aufgebaut werden. Umrahmt von Coman, der ebenfalls richtig gut ist. (Absurde Statistik: Coman wurde bisher in jeder Saison mindestens nationaler Meister...) und Serge Gnabry oder Leroy Sané. Das habe ich im August so angekündigt. Im April merkt es dann auch der Rest, denn selbst der Kicker fordert jetzt ja "neue Kräfte." Oder anders ausgedrückt: Wie schlimm ist die Lage? Selbst dem Kicker fällt es auf... Sagte ich schon "Passives Abseits Leser wissen es früher!"? Oh und natürlich ist das auch der Moment, um "I told you so" einzubetten:

Aber dem Kicker wird doch noch nicht auffallen, dass Müller ersetzt werden muss... also hoffentlich nicht, ich brauche den noch bei der WM...

Der großartigste Kommentar kommt nebenbei von... Oliver Kahn: "Ich weiß gar nicht, was die für nen System gespielt haben." Ähm... dasselbe, wie praktisch alle Gäste in der Bundesliga? Was macht der eigentlich an einem ganz gewöhnlichen Samstag auf der Tribüne? Candy Crush spielen?  

Das ist ja das wirklich schockierende für die Bayern: Die sind nicht an einem überraschend aufspielenden oder wirklich gutem Gegner gescheitert. Sie sind daran gescheitert, dass sie keine Lösungen für ihr eigentliches Alltagsproblem gefunden haben. Theoretisch hat man sich 15 Heimspiele lang auf genau dieses Szenario vorbereitet. Aber wenn sich eine halbwegs gute Mannschaft im eigenen Strafraum verbarrikadiert, fällt einem plötzlich nichts mehr ein... Also über 180 Minuten hinweg...

Das beweist nebenbei auch nur, wie weit weg von "gut" die Bundesliga ist. Obwohl man ja fairerweise zugeben muss, dass der FC Augsburg am Samstag in 90 Minuten nicht so weit weg von einem ähnlichen Erfolg war. Auch Augsburg hatte in der ersten Halbzeit die gefährlicheren Konter. Und auch gegen Augsburg konnte man gerade so ein Tor erzielen. Da ist es auf einmal gar nicht mehr sooo überraschend, dass es für Villarreal nicht reicht.

Aber Kahn hat ja auch genügend Torchancen für ein 2. Tor gesehen. Weil er gerade in dem Moment, wo Müller am Tor vorbeiköpft, hochgeguckt hat, aber als der Linienrichter die Fahne gehoben hat, schon beim nächsten Candy Crush Level war...

Dienstag, 4. Januar 2022

Machen die Bayern gerade ihren Lieblingsfehler?

 Ok, manchmal verpasst man doch etwas, wenn man keinen Kicker mehr kauft. Auch wenn die Aussagen, auf die ich mich beziehe, von Sky90 kommen... Details. Sie sind jedenfalls schon vom 6. Dezember, tauchen aber erst jetzt auf meinem Radar auf...

Im Wesentlichen sagt Oliver Kahn da, dass man keinen Erlin Haarland braucht, weil Robert Lewandowski ja "einige Jahre noch so viele Tore erzielen kann." Das ist gut für Robert. Anscheinend wollen  die Bayern ihm wirklich die Möglichkeit geben, Gerd Müller einzuholen. Dafür braucht er halt noch ziemlich genau 2 Jahre.

Und versteht mich nicht falsch: Ich glaube auch, dass dies funktionieren wird. Für die Bundesliga ist die Aussage von vollkommen zutreffend. Die Bayern sind halt so viel besser als der Rest der Liga, dass Lewy auch mit 40 noch die 25 Tore Marke knacken kann. Er wird die Bayern dann auch in 4 von 5 Fällen zur Meisterschaft schießen. Hey, so schlecht wie die Konkurrenz ist, kann er den Spaß durchziehen, bis er 50 ist.

Aber reicht den Bayern das? Also Lewandowski wird im Sommer 35. Das ist ungefähr das Alter, in dem Cristiano Ronaldo aufgehört hat in einem Champions League Halbfinale mitzuspielen. Mit 36 könnte er jetzt eher das Problem als die Lösung für Manchester United sein. Es dürfte jedenfalls spannend werden, wie Ralf Rangnick ein engmaschiges Offensivpressing aufziehen will, wenn einer seiner Stammspieler seinen letzten Defensivzweikampf 2014 geführt hat. 

Und versteht mich nicht falsch: Cristiano Ronaldo ist immer noch gut. Er ist für 90 % aller Vereine eine Verstärkung. Aber halt nur für die Vereine, die nicht um den Champions League Titel mitspielen können. Was ich nebenbei schon diesen Sommer angedeutet habe

Die Bayern wollen doch aber angeblich um diesen Titel mitspielen... sie dürften jetzt aber mit Lewandowski in eine Falle tappen, die sie schon kennen sollten.

Und ich muss hier nicht mal Thomas Müller anbringen, von denen ich behaupte, dass er auf dem absoluten Spitzenniveau seit 2015 hauptsächlich ein Mitläufer ist. Es gibt ein viel krasseres Beispiel: Franck Ribery. Der war in der Bundesliga immer noch die Hauptattraktion, als er international vollkommen irrelevant war. Also nur, um das mal mit Zahlen zu unterlegen: Franck Ribery hat in den letzten 4 Champions League Jahren 1 Tor erzielt. Einen bedeutungslosen Schlusspunkt bei einem Schützenfest am 5. Gruppenspieltag. Schon im Jahr davor traf er fast ausschließlich bei 7:0 Schützenfesten... Faszinierender Weise konnten die Bayern Riberys Leistungen sogar kompensieren und erreichten trotzdem 3 Mal das Halbfinale... Wobei, bei näheren Hinsehen setze man sich gegen FC Sevilla, Benfica Lissabon und den FC Porto durch. Als jeweils Mannschaften, die bei allem Respekt eher um den Europa League Titel mitspielen wollen. Es ist schon Wahnsinn, wie viel Losglück man haben kann... Aber im Wesentlichen liefen die letzten Ribery Jahre auf folgendes hinaus: Sobald man auf die echte Elite traf, war Feierabend. Wenn dies schon im Achtelfinale passierte, hatte man Pech. Aber im Normalfall wird ja neu gelost, wenn die Bayern einen starken Gegner bekommen.

Die Bayern dürften jetzt wieder in genau derselben Situation sein. Also zumindest, solange sie weiterhin international ihre Offensive an Thomas Müller und Robert Lewandowski ausrichten. Realistisch gesehen haben sie noch diesen Sommer, danach werden sie sich aus dem Umkreis der Titelfavoriten endgültig verabschieden. Das wird uns aber niemand verraten, weil der Kicker und Co uns immer bis kurz vorm Ausscheiden erzählen werden, wie vielversprechend dieser Versuch ist. Und wie bei Ribery wird man dann im Jahr 2025 feststellen, dass man für den internationalen Vergleich 3 Jahre zu lange an beiden festgehalten hat.

Dabei gäbe es sogar eine einfache Lösung für dieses Problem: Man holt einfach Haaland und Florian Wirtz für insgesamt 220 Millionen Ablöse... und setzt Müller und Lewy auf die Bank. Wenn sie das nicht wollen, lässt man sie gehen. Mit diesen beiden Neuzugängen wären die Bayern für die nächsten 10 Jahre Champions League gerüstet. Also vorausgesetzt, dass man sie dann auch halten kann und sie nicht doch irgendwann nach England wollen. Oder vorausgesetzt, dass man sie überhaupt verpflichten kann, weil beide ja bekannter Weise in ihrer Kindheit in Newcastle Bettwäsche geschlafen haben... Auch wenn beide zu jung sind, um Alan Shearer zu kennen. Details.
Aber die blinde Loyalität verhindert ja, dass man diese Transfers überhaupt angeht.

Das ist nebenbei nur bedingt ein Vorwurf. Diese beiden Leistungsträger abzusägen, auch wenn es zeitnah richtig wäre, ist eine eiskalte Entscheidung. Es wäre bei aller Notwendigkeit ein richtiger Arschloch-Move. Wenn die Bayern das jetzt durchziehen würden, gäbe es von allen anderen den "Die Bayern kaufen die Bundesliga kaputt!" Vorwurf, auch wenn das sachlich gesehen die einzige Variante ist, wie Wirtz und Haaland auch 2024 noch in Deutschland spielen... und auf der anderen Seite werden sei von ihren eigenen Fans dafür kritisiert, dass sie die Vereinslegenden absägen... Auch wenn erster Vorwurf sowieso kommt und man an der "Koan Neuer" erkennen kann, wie lange so eine Kritik anhält... ernsthaft, kann sich noch irgendjemand daran erinnern, dass die Bayern Fans ursprünglich versucht haben den Neuer Transfer zu verhindern?
Jedenfalls haben die Bayern das bisher praktisch nur bei Bastian Schweinsteiger hinbekommen. Den hat man genau in dem Moment gehen lassen, als er nicht mehr den höchsten Ansprüchen genügt hat, womit sich Manchester United dann herumschlagen mussten. Und dann noch bei Mats Hummels und Jerome Boateng, aber es bleiben eher die Ausnahmen, dass solche Spieler frühzeitig weggeschickt werden.

Nebenbei sieht man ja gerade bei Franck Ribery, wie krass man als Bayern alternde Starspieler mitschleppen kann, ohne dass dies für die Liga Konsequenzen hat. Man wird trotzdem souverän Meister, auch wenn Ribery ohne die Bayern eher wie ein mittelmäßiger Mitläufer bei einem italienischen Abstiegskandidaten aussieht. Dasselbe würde definitiv auch Thomas Müller passieren. Da er aber bei den Bayern spielt und die Konkurrenz in Ehrfurcht erstarrt, sammelt er weiter individuelle Rekorde und wir reden uns ein, dass er Weltklasse ist. Nur um uns dann entsetzt umzugucken, wenn er in den entscheidenden Momenten wie gegen England doch wieder versagt

Andererseits ist es halt auch einfach, diesen Vereinen dann die Loyalität, und darum geht es am Ende, vorzuwerfen. Es ist ja allgemein keine Seltenheit, dass verdiente Spieler eher ein Jahr zu spät weggeschickt werden, als zu früh.

Das wirkliche frustrierende ist doch: Während andere Vereine in den Abstiegskampf rutschen, wenn sie solche Fehler begehen, ist es bei den Bayern einfach egal, weil ihr Vorsprung vor der Nationalen Konkurrenz so unfassbar groß geworden ist...

Samstag, 9. Oktober 2021

Zum Glück rettet uns Thomas Müller

 Gut, dass wir den haben. Was würden wir nur ohne den machen...

Also ganz ehrlich: Ich habe in all den Jahren noch nie einen Liveticker aufgemacht, gesehen, dass die deutsche Nationalmannschaft zurückliegt und gedacht: Ach, ist egal... Aber genau das ist sowieso schon das Grundszenario.

Denn schon nach der Niederlage gegen Nordmazedonien stand irgendwie fest: Gruppenerster werden die trotzdem. Und damit qualifizieren sie sich sicher für die WM. Denn der Rest der Gruppe ist halt ein absolutes Traumlos. Rumänien, Island, Armenien und eben Nordmazedonien sind halt alle ungefähr auf einem Level. Und ja, man hat absolutes Glück, dass man auf die Isländer nach ihrem absoluten Höhenflug getroffen ist. Deswegen nehmen sich diese 4 Mannschaften halt konstant gegenseitig die Punkte weg. So war Deutschland auch im Rückstand noch Tabellenführer. Wenn man jetzt eine glasklare zweitbeste Mannschaft gegeben hätte... wie Russland, Serbien, Schweden oder die Schweiz in ihren jeweiligen Gruppen. Eine Mannschaft, bei der man davon ausgehen kann, dass sie einerseits ihre Spiele durchgehend gewinnt. Andererseits vielleicht auch ein Unentschieden gegen Deutschland holt. DANN würde jeder Ausrutscher Konsequenzen haben und man müsste vielleicht in die Playoffs. So ist es aber absolut egal, wie dumm man sich anstellt. Und das war auch gleich klar, weshalb es bisher einfach war die WM Quali zu ignorieren.

Jetzt kommt aber Thomas Müller und rettet uns! Dieser Volksheld! Gebt dem einen Orden! Und eine Stammplatzgarantie! Vor allem eine Stammplatzgarantie.

Meine persönliche Vorhersage ist ja, dass Müller in genau dieser Qualifikations-Konstellation 5 Tore erzielen wird. 3 am Dienstag gegen Nordmazedonien. Wenn er gegen Liechtenstein ran darf, erhöhe ich auf 8. Das sind halt auch genau die Ansetzungen, in denen Müller strahlt.

Und dann stimmen alle die Lobeshymnen an, wie gut es doch ist, dass Müller wieder dabei ist. Wie der all die Probleme löst. Einfach nur, weil die Mannschaft gerade in einem derart erbärmlichen Zustand ist, dass sie selbst gegen Nordmazedonien und Rumänien Probleme bekommt. 

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Müller wird dann auch bei der WM 3 Tore erzielen. In der Vorrunde gegen Venezuela. Oder Saudi Arabien. Oder Tunesien. Ich geb ihm sogar noch ein Tor im Achtelfinale gegen Mexiko. Dann werden alle auf den "Müller macht uns zum Weltmeister" Zug aufspringen... und völlig ignorieren, dass es egal ist, wer gegen Rumänien oder Mexiko trifft. 

Ich werde dann vollkommen tiefenentspannt bleiben. Denn ich weiß, wie Müllers Bilanz seit 2014 gegen England, Frankreich und Co aussieht. Und dass er in den Spielen, in denen der Titel wirklich vergeben wird, untertauchen wird. Alles, was bis zum Viertelfinale passiert, ist halt nicht mehr als ein freundliches Vorgeplänkel.

Aber da Hansi Flick ungeschlagen in dieses Viertelfinale einziehen wird, werden sich dann nach dem Ausscheiden alle nur darauf stürzen, wie unglücklich und unvorhersehbar das "Scheitern" in dieser Runde oder im Halbfinale war. Und nicht darauf, dass man einen Spieler zum Fixpunkt hochgejubelt hat, bei dem abzusehen war, dass da in den entscheidenden Momenten nichts kommen wird. Weil halt abgesehen von dem einen Schützenfest gegen Barcelona in der Pandemie in diesen entscheidenden Momenten seit 2014 von ihm nie etwas kam. Ich freu mich drauf.

Und wer jetzt einen Vorführeffekt befürchtet: Der ist schon bei der EM ausgeblieben.

Das ist nebenbei nur sehr bedingt eine Kritik an Hansi Flick. Also der kann ja quasi gar nicht anders. Wenn der jetzt sagen würde "Ich setze den Müller konstant auf die Bank... da gehört er hin", würde ihm so viel Gegenwind entgegenkommen... Aber dass in den deutschen Medien niemand darauf hinweist, wie lange es her ist, dass Müller ein wichtiges und gutes Spiel für die Deutsche Nationalmannschaft abgeliefert hat... fasziniert mich einfach. Also es beweist einfach, wie weit weg die deutsche Fachpresse von "sachlich und kritisch" ist...