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Dienstag, 17. Mai 2022

Uli Hoeneß ist zurück!!!

 Wie hab ich ihn vermisst! Gerade jetzt, wo mit Rudi Völler einer der größten emotionalen Dummschwätzer im Ruhestand ist, brauchen wir einfach mehr Uli Hoeneß. Und ja, früher war der einer der führenden Stars dieses Blogs. Der beste Content Creator. Und jetzt hat Hasan Salihamidžić so viel Scheiße gebaut, dass Hoeneß mal wieder eingreifen muss.

Fangen wir direkt mal mit dem schlimmsten an: Uli Hoeneß sorgt ganz alleine dafür, dass man auf der Rangliste der Pressefreiheit weiter abrutscht. Unsere Bundesregierung braucht dafür eine Reform des BND-Gesetzes, Hoeneß... droht einfach Journalisten, die kritisch über seinen Verein berichten und schwierige Fragen stellen. Das geht ja gar nicht. Wir sind hier ja nicht im Katar...

Das ist nebenbei derselbe Hoeneß, der sich vor Jahren mal aufs Grundgesetz berufen hat. Gut, dass er das mal gelesen hat. Schlecht, dass er nicht mal bis Artikel 5 kam... Das ist aber auch echt viel verlangt. Ich meine, das steht auf Seite 2. Da gilt doch die heilige Google Regel: Niemand interessiert sich für das, was auf Seite 2 steht.

Aber gut, dass Hoeneß jemand ist, der Dinge immer nur zu seinem Vorteil auslegt und alles andere ignoriert, ist ja nichts Neues. Es ist genau genommen nicht mal was Neues, dass der Kicker als größtes Sportmedium dazu unterwürfig schweigt. Wie nebenbei auch die Sportschau

Also nur um das mal festzuhalten: Ein führender Kopf des größten Sportvereines Deutschlands droht den Kollegen mit Ausschluss und Zensur und die beiden führenden Institutionen springen dem nicht zur Seite, sondern sagen "Ok, haben wir verstanden, wir berichten nicht darüber... und hier jetzt unsere Bilderserie zu den besten Transfers der jüngeren Vereinsgeschichte..."

Also klar, die Kritik an der Bild wird geteilt, aber kritische Aussagen zu den kritischen Aussagen sucht man vergeblich. Das ist ganz schön erbärmlich, auch wenn wir hier über den Springerverlag reden.

Aber damit kommen wir auch zum nächsten großen Thema: Robert Lewandowskis Wechselwunsch. Da geht es nämlich laut Hoeneß "nur um die Kohle, sonst nichts." Also ja, das stimmt. Es geht um die Kohle im Mai 2025. Da ist es am Ende fast schon egal, wie viel Geld die Bayern ihm im nächsten Jahr bezahlen, bei einem 3 Jahres Vertrag wird er deutlich mehr bekommen.

Ganz sachlich betrachtet geht es dem Torjäger darum, dass er auch in 3 Jahren noch auf Champions League Niveau spielen möchte. Das ist sein Karriereplan. Und er will diesen Plan jetzt schon festmachen. Das Problem ist aber: Bei den Bayern gibt es diese Möglichkeit nicht. Denn die Bayern fahren dank Hoeneß die klare Doktrin, dass Spieler ab dem 32. Lebensjahr nur noch Vertragsverlängerungen für 1 Jahr angeboten bekommen. So hat man das bei Thomas Müller und Manuel Neuer gemacht. Oder bei Franck Ribery und Arjen Robben. Es gibt gute Gründe, warum viele Bayern-Legenden am Ende noch ihre letzten Jahre in einem anderen Trikot spielen. Also das begann schon mit Gerd Müller und Franz Beckenbauer. Lustigerweise hat ja Salihamidžić selbst am Ende für Juventus Turin und den VfL Wolfsburg gespielt... er hat also am eigenen Leib erfahren, wie man bei diesem Verein mit alternden Stars umgeht und genau diese Lektionen wendet er jetzt an.

An dieser Doktrin ist nichts verkehrt. Sie verhindert, dass man den alternden Stars horrende Summen überweisen muss. Das ist wirtschaftlich vollkommen vernünftig. Aber eine Konsequenz dieser Doktrin dürfte jetzt sein, dass Lewandowski wegwill. Einfach nur, weil er glaubt, dass er auch mit 36 noch auf höchstem Niveau spielen kann. Wenn die Bayern ihm auch einen Drei Jahres Vertrag anbieten würden, könnte Hoeneß meckern, falls dieser dann abgelehnt wird. Aber ein derartiges Angebot liegt einfach nicht auf dem Tisch. Dass der dann zu dem Verein will, der ihm dieses Vertrauen ausspricht, sollte doch nachvollziehbar sein. Außer, man ist ein Hoeneß.

Nebenbei zeigt sich an der Stelle auch wieder, wie asozial die Bayern-Familie eigentlich ist. Also das Image hat er ja auch immer wieder verkauft. Bayern ist der etwas andere Spitzenverein. Und ein Ergebnis dieser familienfreundlich Politik ist ja, dass verdammt viele Ex-Stars beim Verein untergekommen sind. In größeren oder in kleineren Rollen. Wenn man zur Familie gehört, wird man nicht fallen gelassen. Da kann man dann auch ohne jegliche Berufserfahrung als Manager dieses Vereines einsteigen.

Aber bei genauerem Hinsehen... ist es eher eine christliche Sekte. Oder wie die Mafia. Denn sobald man sich irgendwie von der Familie lossagen will, oder den allerhöchsten Ansprüchen nicht mehr genügt... wird man entweder abgesägt und verkauft, oder aus dem Kreis der Familie verstoßen. Das war nebenbei schon bei Michael Ballack so, bei dem man sich selber einreden wollte, dass man den ja gar nicht braucht, als er lieber zu Chelsea ging. Und man kann ja mal bei Julian Bernat nachfragen, wie familiär das bei den Bayern zugeht, wenn man nicht zu den Lieblingskindern gehört

Hier schießt er gegen Toni Kroos, der "in diesem Fußball nichts mehr verloren" hat... Obwohl Kroos gerade wieder in einem Champions League Finale steht. Während er alle Bayern-Spieler verteidigt. Also wir sind nicht ausgeschieden, weil Thomas Müller frei stehend am Tor vorbeigeschossen hat, sondern weil Toni Kroos zu viele Querpässe gespielt hat. Kroos ist auch einer dieser Spieler, die sich gegen den FC Bayern entschieden haben. Und nebenbei ist ja der Querpass-Toni-Mythos deutlich widerlegt worden. Also selbst im Kicker. Aber wenn man sich aus der Familie verabschiedet hat, sind Fakten egal. 

An der Stelle muss man nochmal erwähnen, dass Toni Kroos der einzige Deutsche sein wird, der im Stade de France beim wichtigsten Spiel der Saison auflaufen wird. So sehr vorbei ist dessen Zeit im modernen Fußball...

Dann sei noch kurz der Umgang mit Lothar Matthäus als Greenkeeper erwähnt. Also nur um zu beweisen, dass wir hier nicht über ein neues Phänomen sprechen, Hoeneß war schon immer so. Und klar, wenn man zum auserwählten Zirkel gehört, ist das wunderbar. Das sehen die Zeugen Jehovas genauso. Aber wehe, irgendjemand will sich emanzipieren...

Wenn die Bayern wirklich wie eine Familie wären, würden sie ihrem besten Stürmer entweder auch einen Drei-Jahres-Vertrag anbieten. Oder ihm aber sagen: Wir können dir da aus Prinzip nicht helfen, aber wenn das dein Wunsch ist, lassen wir dich das machen. Aber Hoeneß ist halt nicht der fürsorgliche Familienvater, sondern das patriarchale Arschloch.

Donnerstag, 14. April 2022

Wie schlimm ist die Lage?

 So schlimm: Ich habe mir zum ersten Mal seit dem Sommer 2021 und der "Weltklasse Grätsche von Mats Hummels" einen Kicker gekauft... 

Warum? Nun ja, ich wollte mal lesen, wie die uns jetzt erklären, dass die Bayern halt nicht mehr gut genug sind... nachdem sie uns monatelang erzählt haben, dass man um den Titel mitspielen kann. Also mit einer kurzen Unterbrechung nach dem 0:5 gegen Borussia Mönchengladbach im Pokal.

Und der Kicker bringt sogar einen Verkauf von Robert Lewandowski ins Spiel. Also für eine entsprechende Ablöse sollte man den gehen lassen, obwohl er 50 Tore im Jahr erzielt. Gleichzeitig soll man Thomas Müller aber nur keine Gehaltserhöhung anbieten...

Spoiler: Wenn man Robert Lewandowski abgibt, spielt man auch 2023 nicht um den Titel mit. Also noch weniger, als jetzt schon. Also es sei denn, man gibt 200 Millionen für Erling Haaland oder einen ähnlichen Spieler aus. Dessen muss man sich bei jeder Debatte über Lewy bewusst sein: Ein Ersatz wird richtig teuer. Spieler wie Karim Adeyemi oder Nico Schlotterbeck sind sicherlich interessant für den nächsten Angriff im Jahr 2025, aber kurzfristig werden sie nicht auf dem allerhöchsten Niveau funktionieren. Also noch weniger als Dayot Upamecano

Am Ende haben die Bayern die Spitzenspieler meistens selber aus- oder zumindest weitergebildet. Also die einzigen Ausnahmen dürften Arjen Robben und Luca Toni gewesen sein. Da hat man sich wirklich mal fertige Starspieler für (für damalige Verhältnisse) großes Geld geholt. Aber da reagierte man erst, nachdem man die Champions League verpasst hat.

Natürlich es gibt eine Ausnahme: Dortmund-Spieler. Robert Lewandowski, Mario Götze und Mats Hummels kamen, nachdem sie in einem Champions League Finale gespielt haben. Auch wenn Götze da verletzt fehlte... ansonsten reden wir schon über Aturo Vidal... der auf allerhöchstem Niveau halt auch eher ein Mitläufer war.

Alle anderen Transfers seit dem... also nehmen wir mal demonstrativ Franck Ribery als Bayern-Legende. Klar, den holte man von Olympique Marseille für 30 Millionen. Das war schon verdammt viel Geld, welches aber hauptsächlich durch eine überraschend gute WM verlangt werden konnte. Also nur so für den Kontext: Ribery schoss sein erstes Länderspieltor im WM Achtelfinale gegen Spanien. Der kam vor seiner Verpflichtung auf 0 Champions League Spiele. Den Schritt zum zwischenzeitlichen Leistungsträger auf diesem Niveau (bevor er dann 2015 krass abfiel, was aber von allen ignoriert wurde und in seinen letzten 4 Champions League Jahren nur ein Tor erzielte) ging er in München.
Kingsley Coman war als sein Nachfolger fast derselbe Transfer. Javi Martinez funktionierte genauso. Leroy Sané kam nach seinem Kreuzbandriss mit großen, immer noch nicht vollständig ausgeräumten Fragezeichen. Thiago war bei Barca halt auch eher Talent als Leistungsträger
Lustigerweise haben "die größten Transfers" mit James und Coutinho nicht wirklich funktioniert haben... Also ja, man hat es hin und wieder versucht, geklappt hat das aber nie.

Das ist etwas, was die Bayern ja auch überraschend gut können. Ehre, wem Ehre gebührt. Deswegen würde ich mir auch wenig Sorgen um Upamecano machen, der erinnert halt doch stark an einen jungen Jerome Boateng. Aber Boateng hat sich in München dann halt weg vom Sicherheitsrisiko entwickelt. 

Das eigentliche "Problem" der Bayern ist ja, dass Marc Roca und Bouna Sarr diesen Entwicklungsschritt bisher nicht gemacht haben... was aber auch nicht so besonders ist, schließlich gibt es für jeden Joshua Kimmich einen Renato Sanchez. Also nur um mal Hasan Salihamidžić's Transferbilanz etwas zu relativieren: Es ist nicht so, dass bei Uli Hoeneß jeder "Wir holen den, der entwickelt sich dann." Transfer gesessen hat. 

Ich frage mich halt, ob das den Kicker-Redakteuren bewusst ist. Wohl eher nicht, da sie sich ja nicht so intensiv mit Fußball beschäftigen. Auch wenn ich da wie eine kaputte Platte klinge: Es gibt nur einen Weg, wie man 2023 um den Champions League Titel mitspielt: Müller ersetzen und Lewandowski behalten. Und ja, selbst bei dem überragenden Talent Haaland gehe ich davon aus, dass er noch 1-2 Jahre braucht, um wirklich der Schlüsselangreifer bei einer absoluten Spitzenmannschaft zu sein. Noch taucht der zu häufig komplett ab. Und ja, er wird dieses Niveau erreichen. Vielleicht auch schon nächste Saison. Aber er würde halt auch alle Rekordtransfers der Bayern pulverisieren und genau das Gehalt verlangen, welches man Lewy nicht geben will. Für Haaland müssten die Bayern halt mit all ihren Prinzipien brechen... Also außer dem "Wir schwächen Dortmund" Prinzip...

Die Frage, wer dieser Ersatzmann für Lewandowski sein soll (und ob der überhaupt nach München will), muss halt auch mal erörtert werden. Also Karim Benzema wird ja Real Madrid nicht verlassen. Dass man Stammspieler von Liverpool, Man City oder Atletico Madrid abwerben kann, erscheint eher unwahrscheinlich. Bleibt also Haaland... oder Harry Kane... 2 Optionen, für die man die Premiere League überbieten muss... das würde also richtig teuer werden... Oder man springt auf den Gerard Hype Train auf... Setzt darauf, dass Patrik Schick das nächste Level erreichen wird. Dusan Vlahovic ist erst in diesem Winter gewechselt, der wird nicht schon wieder auf dem Markt sein. Man könnte auch auf ein letztes Hurra von Cristiano Ronaldo hoffen oder Zlatan Ibrahimović eine allerletzte Chance geben... aber die Zeit des einen ist vorbei, die des anderen hat nie stattgefunden...

Nebenbei ist es auch einfach nur absurd, was für Marktwerte für Mittelstürmer angegeben werden. Victor Osimhen soll angeblich 60 Millionen wert sein, obwohl er bisher 2 Champions League Tore erzielt hat, seine erste Serie A Saison mit 10 Treffern abgeschlossen hat und auch dieses Jahr die 20 eher nicht erreichen wird... Gekostet hat er trotzdem 75 Millionen Euro Ablöse. Also nur um zu verdeutlichen, dass ein würdiger Lewandowski Ersatz definitiv mindestens 200 Millionen kosten wird. Oder man holt sich einen Entwicklungsfähigen 22-jährigen... aber dann spielt man halt die nächsten 2 Jahre nicht um den Titel mit, das muss man dann auch akzeptieren. Und das sollte uns der Kicker dann auch so erklären.

Bei Müller hätte man mit Musiala den Ersatzmann schon im Kader. Also ja, Schritt 1 wäre es, den jungen zum Stammspieler hinter dem Mittelstürmer in zentraler Rolle zu machen. Oder man holt sich, auch wenn (oder weil) er gerade verletzt ist, Florian Wirtz. Allgemein dürfte es halt leichter sein, Spieler für die Offensive Dreierreihe zu verpflichten, da es diese Grenzgänger zwischen Stürmer und Offensiven Mittelfeld oder Flügel- und Zentrumsspieler halt im modernen Fußball überall ausgebildet werden. Ademyi fiel bereits. Heung-min Son könnte zur Not auch Stürmer spielen, ist aber eher auf den Außen zu Hause. Mit Christopher Nkunku oder Dani Olmo könnte man RB direkt weiter schwächen. Mit Timo Werner einen deutschen Nationalspieler zurück in die Heimat holen, auch wenn der ja plötzlich doch wieder eine wichtige Rolle bei Chelsea spielt. Moussa Diaby bleibt ein interessanter Spieler. Vielleicht ist Marin Odegaard jetzt wirklich so weit... nur um die Arsenal-Fans zu triggern... Wenn man die Bank aufbessern will, holt man Julian Draxler für alle 3 Position... Mesut Özil ist wohl gerade wieder auf der Suche nach einem neuen Verein... Das sind zumindest die Spieler, die mir aus dem Kopf heraus einfallen... Und auch wenn ich irgendwann aufhöre, ernstgemeinte Optionen zu nennen, so hat man doch einfach mehr Auswahl als bei den Mittelstürmern.

Nur um zu verdeutlichen, dass die klassische Neun halt am Aussterben ist, während der R-Wert bei den Hybridspielern verdammt hoch ist: Der beste Mittelstürmer Italiens ist immer noch Ciro Immobile... Der ist vor 8 Jahren als Champions League Spieler durchgefallen... Die Bayern haben noch einen dieser raren, wirklich guten Mittelstürmer. Einen Mann, der auch in der Champions League zweistellig trifft. Der auch im Viertelfinale aus dem Nichts einen Treffer erzielen kann, obwohl seine Mitspieler ihn quasi nicht in Szene setzen. Diesen Spieler zu ersetzen, ist im modernen Fußball wesentlich schwieriger, als einen Ersatz für die Position dahinter zu finden.

Aber diese Idee wird ja nirgendwo ernsthaft diskutiert werden... Lothar Matthäus schlägt ja sogar vor, mit Müller bis 2025 weiterzumachen... Obwohl wir gerade wieder über 180 Minuten gesehen haben, dass es auf diesem Niveau für ihn einfach nicht mehr reicht. Mir soll es recht sein, auch wenn ich mir dann jedes Jahr einen Kicker kaufen muss, um zu gucken, wie überrascht die sind, wenn es wieder nicht reicht.

Dienstag, 4. Januar 2022

Machen die Bayern gerade ihren Lieblingsfehler?

 Ok, manchmal verpasst man doch etwas, wenn man keinen Kicker mehr kauft. Auch wenn die Aussagen, auf die ich mich beziehe, von Sky90 kommen... Details. Sie sind jedenfalls schon vom 6. Dezember, tauchen aber erst jetzt auf meinem Radar auf...

Im Wesentlichen sagt Oliver Kahn da, dass man keinen Erlin Haarland braucht, weil Robert Lewandowski ja "einige Jahre noch so viele Tore erzielen kann." Das ist gut für Robert. Anscheinend wollen  die Bayern ihm wirklich die Möglichkeit geben, Gerd Müller einzuholen. Dafür braucht er halt noch ziemlich genau 2 Jahre.

Und versteht mich nicht falsch: Ich glaube auch, dass dies funktionieren wird. Für die Bundesliga ist die Aussage von vollkommen zutreffend. Die Bayern sind halt so viel besser als der Rest der Liga, dass Lewy auch mit 40 noch die 25 Tore Marke knacken kann. Er wird die Bayern dann auch in 4 von 5 Fällen zur Meisterschaft schießen. Hey, so schlecht wie die Konkurrenz ist, kann er den Spaß durchziehen, bis er 50 ist.

Aber reicht den Bayern das? Also Lewandowski wird im Sommer 35. Das ist ungefähr das Alter, in dem Cristiano Ronaldo aufgehört hat in einem Champions League Halbfinale mitzuspielen. Mit 36 könnte er jetzt eher das Problem als die Lösung für Manchester United sein. Es dürfte jedenfalls spannend werden, wie Ralf Rangnick ein engmaschiges Offensivpressing aufziehen will, wenn einer seiner Stammspieler seinen letzten Defensivzweikampf 2014 geführt hat. 

Und versteht mich nicht falsch: Cristiano Ronaldo ist immer noch gut. Er ist für 90 % aller Vereine eine Verstärkung. Aber halt nur für die Vereine, die nicht um den Champions League Titel mitspielen können. Was ich nebenbei schon diesen Sommer angedeutet habe

Die Bayern wollen doch aber angeblich um diesen Titel mitspielen... sie dürften jetzt aber mit Lewandowski in eine Falle tappen, die sie schon kennen sollten.

Und ich muss hier nicht mal Thomas Müller anbringen, von denen ich behaupte, dass er auf dem absoluten Spitzenniveau seit 2015 hauptsächlich ein Mitläufer ist. Es gibt ein viel krasseres Beispiel: Franck Ribery. Der war in der Bundesliga immer noch die Hauptattraktion, als er international vollkommen irrelevant war. Also nur, um das mal mit Zahlen zu unterlegen: Franck Ribery hat in den letzten 4 Champions League Jahren 1 Tor erzielt. Einen bedeutungslosen Schlusspunkt bei einem Schützenfest am 5. Gruppenspieltag. Schon im Jahr davor traf er fast ausschließlich bei 7:0 Schützenfesten... Faszinierender Weise konnten die Bayern Riberys Leistungen sogar kompensieren und erreichten trotzdem 3 Mal das Halbfinale... Wobei, bei näheren Hinsehen setze man sich gegen FC Sevilla, Benfica Lissabon und den FC Porto durch. Als jeweils Mannschaften, die bei allem Respekt eher um den Europa League Titel mitspielen wollen. Es ist schon Wahnsinn, wie viel Losglück man haben kann... Aber im Wesentlichen liefen die letzten Ribery Jahre auf folgendes hinaus: Sobald man auf die echte Elite traf, war Feierabend. Wenn dies schon im Achtelfinale passierte, hatte man Pech. Aber im Normalfall wird ja neu gelost, wenn die Bayern einen starken Gegner bekommen.

Die Bayern dürften jetzt wieder in genau derselben Situation sein. Also zumindest, solange sie weiterhin international ihre Offensive an Thomas Müller und Robert Lewandowski ausrichten. Realistisch gesehen haben sie noch diesen Sommer, danach werden sie sich aus dem Umkreis der Titelfavoriten endgültig verabschieden. Das wird uns aber niemand verraten, weil der Kicker und Co uns immer bis kurz vorm Ausscheiden erzählen werden, wie vielversprechend dieser Versuch ist. Und wie bei Ribery wird man dann im Jahr 2025 feststellen, dass man für den internationalen Vergleich 3 Jahre zu lange an beiden festgehalten hat.

Dabei gäbe es sogar eine einfache Lösung für dieses Problem: Man holt einfach Haaland und Florian Wirtz für insgesamt 220 Millionen Ablöse... und setzt Müller und Lewy auf die Bank. Wenn sie das nicht wollen, lässt man sie gehen. Mit diesen beiden Neuzugängen wären die Bayern für die nächsten 10 Jahre Champions League gerüstet. Also vorausgesetzt, dass man sie dann auch halten kann und sie nicht doch irgendwann nach England wollen. Oder vorausgesetzt, dass man sie überhaupt verpflichten kann, weil beide ja bekannter Weise in ihrer Kindheit in Newcastle Bettwäsche geschlafen haben... Auch wenn beide zu jung sind, um Alan Shearer zu kennen. Details.
Aber die blinde Loyalität verhindert ja, dass man diese Transfers überhaupt angeht.

Das ist nebenbei nur bedingt ein Vorwurf. Diese beiden Leistungsträger abzusägen, auch wenn es zeitnah richtig wäre, ist eine eiskalte Entscheidung. Es wäre bei aller Notwendigkeit ein richtiger Arschloch-Move. Wenn die Bayern das jetzt durchziehen würden, gäbe es von allen anderen den "Die Bayern kaufen die Bundesliga kaputt!" Vorwurf, auch wenn das sachlich gesehen die einzige Variante ist, wie Wirtz und Haaland auch 2024 noch in Deutschland spielen... und auf der anderen Seite werden sei von ihren eigenen Fans dafür kritisiert, dass sie die Vereinslegenden absägen... Auch wenn erster Vorwurf sowieso kommt und man an der "Koan Neuer" erkennen kann, wie lange so eine Kritik anhält... ernsthaft, kann sich noch irgendjemand daran erinnern, dass die Bayern Fans ursprünglich versucht haben den Neuer Transfer zu verhindern?
Jedenfalls haben die Bayern das bisher praktisch nur bei Bastian Schweinsteiger hinbekommen. Den hat man genau in dem Moment gehen lassen, als er nicht mehr den höchsten Ansprüchen genügt hat, womit sich Manchester United dann herumschlagen mussten. Und dann noch bei Mats Hummels und Jerome Boateng, aber es bleiben eher die Ausnahmen, dass solche Spieler frühzeitig weggeschickt werden.

Nebenbei sieht man ja gerade bei Franck Ribery, wie krass man als Bayern alternde Starspieler mitschleppen kann, ohne dass dies für die Liga Konsequenzen hat. Man wird trotzdem souverän Meister, auch wenn Ribery ohne die Bayern eher wie ein mittelmäßiger Mitläufer bei einem italienischen Abstiegskandidaten aussieht. Dasselbe würde definitiv auch Thomas Müller passieren. Da er aber bei den Bayern spielt und die Konkurrenz in Ehrfurcht erstarrt, sammelt er weiter individuelle Rekorde und wir reden uns ein, dass er Weltklasse ist. Nur um uns dann entsetzt umzugucken, wenn er in den entscheidenden Momenten wie gegen England doch wieder versagt

Andererseits ist es halt auch einfach, diesen Vereinen dann die Loyalität, und darum geht es am Ende, vorzuwerfen. Es ist ja allgemein keine Seltenheit, dass verdiente Spieler eher ein Jahr zu spät weggeschickt werden, als zu früh.

Das wirkliche frustrierende ist doch: Während andere Vereine in den Abstiegskampf rutschen, wenn sie solche Fehler begehen, ist es bei den Bayern einfach egal, weil ihr Vorsprung vor der Nationalen Konkurrenz so unfassbar groß geworden ist...

Mittwoch, 1. Dezember 2021

Die Ballon d'Or Wahl erfüllt ihren Zweck

Sie macht genau das, was sie machen soll: Das relative Medienloch im November und Dezember schließen.

Also um das mal kurz festzuhalten: Wir hatten es schon fast. Also dieses sinnlose "Wir stimmen doppelt ab, obwohl am Ende in 9 von 10 Fällen eh derselbe gewinnt" hatten wir fast überwunden. Denn von 2010 bis 2015 wurden der Ballon d'Or und die Wahl zum Fifa-Weltfußballer des Jahres zusammengelegt. Dann fiel den Journalisten auf "Oh, da haben wir dann ja weniger Einfluss... und eine Gala weniger gibt es auch... wir brauchen mehr Galanächte, in denen wir uns neben unsere Idole stellen dürfen!"... Also wurde das wieder getrennt.

Also nur um mal zu erwähnen, wie absurd die Trennung dieser beiden Wahlen ist: 2004 hat es das letzte Mal jemand geschafft, nur einen der beiden Preise zu gewinnen. Ronaldinho gewann die Wahl zum Weltfußballer des Jahres, Andriy Schewtschenko holte sich dafür den Ballon d'Or. Jetzt wird es nach dem Kollektiven "Wie kann man nur Lionel Messi wählen!!!" Aufschrei nach 16 Doppelsiegern wieder anders ausgehen. 

Und nur um mal festzuhalten, warum diese Wahl jetzt abgehalten wird: Sachlich gesehen wäre es am sinnvollsten nach der Saison und den internationalen Turnieren abzustimmen. Aber genau jetzt gibt es ein gewisses Nachrichtenloch.

Also genau genommen gibt es an den letzten 2 Champions League Spieltagen 2 interessante Partien. Wobei man hier auch sagen muss: Spannend bedeutet nur: Wer qualifiziert sich gerade so fürs Achtelfinale, um da dann hochkant rauszufliegen? Die Tabellenlage sieht genau so aus: Alle Titelfavoriten sind schon sicher in der nächsten Runde. Der FC Barcelona hat sich offensichtlich aus diesem Kreis verabschiedet. Deswegen dürfen sie jetzt das eine spannende Duell austragen. Oder müssen, je nach Betrachtungsweise. Die andere spannende Frage ist, ob Villarreal oder Atalanta Bergamo weiterkommt. Das sind auch alles keine Titelanwärter. Und es gibt die grandiose Gruppe G, wo man sich schon fragen muss, ob da nicht alle ausscheiden können. Wobei die viel spannendere Frage doch lautet, wie der VfL Wolfsburg es geschafft hat, da auf Platz 4 zu liegen, aber dazu gleich mehr.

Das sind aber alles keine Themen, mit dem man die Schlagzeilen füllt. Ein völlig sinnlose Lewandowski vs Messi Debatte dagegen: das ist pures Gold. Da hat jeder eine Meinung zu. Dann kann man all diejenigen, die nicht mit der Wahl übereinstimmen, interviewen und deren Meinung dann groß auf die Titelseite drucken. Also wenn der "Deutsche" nicht gewonnen hat, macht man das genau so. Gleichzeitig geht man dem eigentlich wichtigen Problem als deutscher Journalist aus dem Weg.

Was mich an der Stelle am meisten stört, ist ja der Fakt, dass alle so tun, als hätte Messi gar nichts geleistet. Also im Gegensatz zu Lewandowski, der "nur" 41 Tore in der Bundesliga geschossen hat, hat Messi internationale Erfolge vorzuweisen: Er hat tatsächlich endlich seinen großen Titel mit Argentinien geholt. Nachdem er jahrelang so dicht dran gewesen, aber immer im Finale gescheitert ist. Aber das hat natürlich niemand gesehen. Also zunächst mal hier ein 7 Minuten Video, wie Messi während der Copa Messi Dinge macht. Und dann hier ein paar interessante Zahlen: 5 Assist, 4 Tore sind da das offensichtliche. Aber wenn man sich die Serie zu auch tiefergehenden Statistiken anguckt, stellt man einfach fest, dass Messi bei der Copa besser war als jeder Spieler der EM. Also außer Simon Kjaer. Kjaer hat während des Turniers mehr Leben gerettet als Messi, Pedri hat mehr Pässe im letzten Drittel gespielt. Ansonsten liegt Messi immer vorne. 

Aber da pult man ja auch in einer fiesen Wunde: Die Europameisterschaft war eigentlich Scheiße. Die letzten 3 Spiele endeten in Antiwerbung und Elfmeterschießen. Deswegen wurde ja auch Gianluigi Donnarumma zum besten Spieler des Turniers gewählt. Nicht, weil der absolut überragend war, sondern weil auf dem Platz einfach niemand absolut überragend war. Vor allem in den letzten Spielen nicht mehr.

Nur um das mal festzuhalten: Lewandowski hat es geschafft, bei der Europameisterschaft in der Vorrunde auszuscheiden... obwohl nur 8 von 24 Mannschaften nach Hause fahren müssen. Polen schaffte es nicht, sich gegen die Slowakei und Schweden durchzusetzen. Und klar, 3 Tore hat er erzielt, aber der Mannschaftserfolg dahinter fehlte vollkommen... Und ja, wenn Polen das Viertelfinale erreicht und sich da halbwegs ordentlich präsentiert, geht die Wahl anders aus. Das haben sie aber nicht geschafft.

Genauso hat es "Lewy" nicht geschafft in allen anderen Wettbewerben zu glänzen. In der Champions League scheiterten sie im Viertelfinale. Deswegen kommt er "nur" auf 5 Tore in 6 Spielen. Klar, er war im entscheidenden Moment verletzt, aber in den wichtigen Spielen da zu sein, ist halt so eine Grundvoraussetzung, um individuelle Trophäen zu holen. Trotzdem ist die Champions League Bilanz am Ende identisch zu der von Messi. Also abgesehen davon, dass Messi noch 2 Torvorlagen gesammelt hat.

Im Pokal scheiterte Lewandowski nebenbei an Holstein Kiel in der 2. Runde. Also nur um mal zu verdeutlichen, dass der in der Saison 2020/21 (worum es bei dem Titel ja eigentlich geht) wirklich nur in einem Wettbewerb geglänzt hat.

Jetzt ist halt die spannende Frage, ob diese eine Meisterschaft mit den 41 Toren und 7 Vorlagen mehr wert ist als der dritte Platz in der Liga von Messi mit 41 Scorerpunkten, umrahmt von einem Pokalsieg in Spanien mit 2 Treffern im Finale UND einem internationalen Titel auf Nationalmannschaftsebene. Ich sag das mal so: Selbst wenn die Bundesliga richtig gut wäre, könnte man das so sehen.

 

Damit kommt aber diese große rosa Elefant, den man nicht länger ignorieren kann. Auch wenn der Kicker und Co das weiterhin versuchen: Die Bundesliga ist keine richtig gute Liga mehr. Also alles außer die Bayern ist international nur noch zweitklassig. Anders kann man es nicht bezeichnen, wenn der VfL Wolfsburg es nicht schafft sich gegen Lille, Salzburg und Sevilla durchzusetzen. Oder wenn Dortmund an Sporting Lissabon und Ajax Amsterdam scheitert. Oder wenn RB Leipzig Probleme hat Brügge hinter sich zu lassen. Also alle 3 müssten eigentlich wesentlich souveräner dastehen. 

Gegen solche Gurkentruppen würde Messi 50 Tore erzielen. Immer noch. Das muss man auch einfach mal so zugeben. Zumindest bei den internationalen Journalisten ist diese Erkenntnis mittlerweile angekommen. Die Deutschen ignorieren sie weiterhin, deswegen ist es für sie ein Skandal, dass man die Leistungen ihrer Helden in ihrer Liga international nicht würdigt.

Es ist einfacher, die Leistungen eines Messis zu ignorieren, anstatt sich mit der Qualität der eigenen Liga ernsthaft auseinanderzusetzen.

Und natürlich, das soll an der Stelle auch nicht verschwiegen werden, stehen auch gerade 3 von 5 spanischen Mannschaften vor dem Abstieg in die Europa League. Aber der entscheidende Unterschied ist halt: Wenn Sevilla wirklich "absteigt", sind sie hinterher DER TITELFAVORIT. Villarreal nimmt ja nur Teil, weil sie diesen Wettbewerb gewonnen haben. Wenn die Deutschen sich gerade noch so in diesen Wettbewerb retten, muss man davon ausgehen, dass die sich irgendwo in der Pampa blamieren werden.

Überlegt einfach mal: Wann hat das letzte Mal eine andere Mannschaft als Bayern einen internationalen Titel für die Bundesliga gewonnen? Die erschreckende Antwort lautet: Das war im letzten Jahrtausend! Aber dann gleich doppelt

Und wem das noch nicht reicht: Mit Werder Bremen (Europa League 2009) und Dortmund (Champions League 2013 und Europa League 2002) gab es überhaupt nur 3 Finalteilnehmer. Nur so zum Vergleich: Spanien hat in diesem Jahrtausend 9 Mal den Champions League Titel geholt. Dazu 4 Mal das Finale verloren. Mit Valencia, Atletico Madrid, Barca und Real stellten sie 4 unterschiedliche Finalteilnehmer. In der Europa League kommen sie auf weitere 10 Titel, 3 verlorenen Finalen und 6 unterschiedlichen Finalteilnehmern. Insgesamt standen 9 unterschiedliche Vereine in einem internationalen Finale. Das ist fast die halbe Liga. Nur um mal zu verdeutlichen, wie krass die Bundesliga, abgesehen von den Bayern, im internationalen Vergleich hinterherhinkt. Und beim Ballon d'Or geht es halt auch immer darum, die Leistungen in einen internationalen Vergleich zu setzen.

 

Oh und als letzte Randnotiz: Der eigentliche Skandal ist natürlich, dass Lewandowski letztes Jahr nicht gewonnen hat. Da war er definitiv dran. Da haben sich die Journalisten allerdings gesagt "Online abstimmen? Dann gibt es ja keine Gala, keine Selfies mit den Idolen und keine heiße Schlacht am kalten Buffet, dann sagen wir die Wahl lieber ab!" 

Also nur um mal zu verdeutlichen, wie sehr es den Journalisten bei dieser ganzen Sache nur darum geht, sich im Licht der Stars zu sonnen. Es geht denen nicht darum, dass der ihrer Meinung nach beste Spieler der Saison gewählt wird, sondern darum, dass sie sich neben ihrem Lieblingsspieler ablichten lassen dürfen.

Mittwoch, 10. März 2021

Die Gerd Müller - Robert Lewandowski Vergleiche sind albern

 Und ich lese zu viele Kicker-Leserbriefe. Denn es ist natürlich genau das passiert, was passieren musste, als der Kicker anfing die Torquote von Lewandowski mit der von Gerd Müller aus der Saison 1971/72. Natürlich gibt es da nur 2 Meinungen: "Lewandowksi hätte damals 60 Tore geschossen" und "Müller musste gegen Vorstopper und Liberos antreten, das war viel schwerer."

Beide Argumente sind genau genommen albern. Zu glauben, dass "Tore schießen" damals gegen einfacher strukturierte Defensiven leichter war, ist extrem naiv. Also klar, Lewandowski wird nicht mehr stumpf in Manndeckung genommen... dafür stehen bei ihm teilweise 8 Gegner in Strafraumnähe und machen die Räume eng.

Genauso unsinnig ist es sich zu fragen, wie viele Tore ein Lewandowksi mit moderner Trainingswissenschaft in den 70ern geschossen hätte. Klar, allein schon seine physische Überlegenheit würde ihn zahllose Treffer bescheren. Aber wie viele Tore würde Gerd Müller machen, wenn man ihn genau so hochzüchten würde, wie es heute bei Profisportlern der Fall ist? Wenn er schon mit 16 Nahrungsergänzungsmittel anstatt Bier bekommt? Genau solche Fragen machen Vergleiche über Generationen hinweg sinnlos.

Was allerdings spannend wäre, ist: den Fokus etwas weiterzustellen. Aber das wird der Kicker nicht machen, denn, Spoiler, dann wird ihm die Sinnlosigkeit seines eigenen Tuns bewusst. Und das man in furchtbar langweiligen Zeiten Storys generieren muss.

Gucken wir uns erstmal die Torquote an. Also Lewandowski hat, Stand Jetzt, 31 von 71 Bayern Tore erzielt. Das ist eine Quote von 43 %. Bei Gerd Müller waren es 40 von 101, was eine Quote von 39 % sind. Das sieht direkt erstmal gut aus für den Polen. Und eine deutliche Steigerung gegenüber den 31 % aus der Vorsaison. Wenn die Bayern ihre Spiele weiterhin so knapp und spannend gestalten, könnte er sogar eine bessere Quote als Müller erreichen. Das wäre wirklich beeindruckend: Trotz des überragenden Offensivpotenzials der Bayern an der Hälfte aller Tore direkt beteiligt zu sein (er kommt ja auch auf 8 Assists) ist schon etwas Besonderes. Ober er dieses Tempo allerdings beibehält...

Wirklich spannend ist aber eine historische Einordnung der 40 Tore Saison. Denn sie kam halt zu Zeiten, in denen die Bundesliga relativ gesehen besser war. Das zeigt sich einerseits daran, dass der Uefa Cup, in dem sich deutsche Mannschaften mittlerweile ja regelmäßig blamieren, als "deutscher Wettbewerb" bezeichnet wurde. Steht zumindest so im Kicker. Und vor allem war die Meisterschaft damals...

Also vor der 40 Tore Saison wurden die Bayern nur 1932 und 1969 Deutscher Meister. Rekordmeister war damals noch der 1.FC Nürnberg. Rekord-Bundesligameister war Borussia Mönchengladbach, die es als erste Mannschaft der Bundesligageschichte geschafft haben diesen Titel zu verteidigen.

Das ist etwas elementar wichtiges, was man bei diesem Vergleich immer bedenken muss: Die selbsternannte 2. Macht im Land, Borussia Dortmund, hat seit ihrem letzten Sieg in der Allianz Arena 2014 im Schnitt 4,7 Tore kassiert. IM SCHNITT! Selbst der größte Herausforderer macht sich ständig in die Hose, wenn er in München antreten muss. Die einzige Mannschaft, die die Bayern wirklich vor Probleme stellen kann, ist RB Leipzig

Vor 7 Jahren verglich Sebastian Prödl die Duelle mit den Bayern mit einem Zahnarztbesuch: Muss man 2-mal im Jahr durch und ist oftmals schmerzhaft. Seit dieser erschreckend ehrlichen Aussage wurden die Bayern ununterbrochen Deutscher Meister. Meistens mit fast unzähligen Punkten Vorsprung. Spannend war es nur ein einziges Mal. Das ist das Umfeld, in dem Lewandowski den Torrekord jagt: Die Gegner erstarren vor Ehrfurcht. Kaum jemand traut sich wirklich zu wehren.

In den 70ern wird das definitiv anders ausgesehen haben. Und es war das Zeitalter vor VAR und 100 Kameras im Stadion. Die Verteidiger damals dürften mit allen legalen und illegalen Mitteln versucht haben Gerd Müller zu stoppen. 

Und klar, die Bayern begannen mit dieser 40 Tore Saison ihre erste richtig dominante Phase. Müller profitierte auch von einer absoluten Ausnahmemannschaft. Aber die 40 Tore waren nicht das Ergebnis einer jahrelangen Dominanz auf nationaler und internationaler Ebene, sondern der Ausgangspunkt dieses legendären Laufs.

Wo wir schon dabei sind: Das waren auch noch die Zeiten, in denen die Bayern wirklich auf hausgemachte Talente setzen musste. Die Startelf am letzten Spieltag bestand aus 10 Deutschen und einem Dänen... Nur Rainer Zobel, Franz Krauthausen und Johnny Hansen spielten vor ihrem Durchbruch bei den Bayern für andere Bundesligisten. Wie viele Tore ein Müller also erzielen würde,  wenn er als Speerspitze einer quasi Allstar Mannschaft die Vorlagen von Günther Netzer verwertet... Damals konnten sich die Bayern halt nicht einfach alle Stars zusammenkaufen, sondern sie legten das Fundament dafür, dass dies heute selbstverständlich ist.

Der Fußball hat sich halt drastisch verändert. Was halt dazu führt, dass ein Lewandowksi in den 70er Jahren nie zu den Bayern gewechselt wäre, sondern irgendwo in Polen seine Torrekorde aufgestellt hätte. Das ist aber nur ein weiterer Grund unterschiedliche Generationen nicht zu vergleichen.

Das soll Lewandowskis Leistung nicht schmälern. Es soll nur verdeutlichen, dass er nicht die Bedeutung eines Gerd Müllers erreichen wird. Er hat auch gar keine Chance sie zu erreichen, weil Lewandowksi halt nur an den Balkonverzierungen des 31. Stocks arbeitet, während Müller und Co. damals das Fundament angerührt haben.

Montag, 28. Mai 2018

Be careful what you wish for

In diesem Frühjahr gab es ja ein Thema, was immer wieder unterschwellig am köcheln war: Robert Lewandowski will die Champions League gewinnen und könnte zu dem Schluss gekommen sein, dass man dies woanders eher erreichen kann.

Und die allgemeine Reaktion der Bayern-Gemeinde scheint ein "Dann lasst den doch gehen!" zu sein. Für die 100 Millionen können wir uns doch einen anderen Stürmer kaufen. Das ist doch kein Problem! Wir sind doch die Bayern, wir sind größer als ein Verein.

Ich finde es ja faszinierend, dass die Bayern Fans Lewandowski aus der Liga vertreiben wollen, damit diese endlich mal wieder spannend wird.

Das Problem ist halt, dass ein Lewandowski einem 40 Tore pro Saison quasi garantiert. Also es gab eine Saison bei den Bayern, in der er diesen Wert nicht erreicht hat. Jetzt ratet mal, wie viele 40 Tore Saison die offensichtlichen Nachfolgekandidaten wie Antoine Griezman oder Paulo Dybala bisher abgeliefert haben? Die Antwort lautet: 0. Selbst ein Gonzalo Higuain, der mit seiner 36 Ligatore Saison dieses Ziel eigentlich einfach erreichen sollte, hat es noch nie geschafft. Wenn man die reine Produktion vor dem Tor eines Lewandowski ersetzen will, braucht man halt einen Lionel Messi oder einen Cristiano Ronaldo... oder natürlich Mohammed Salah. Wobei man da erst noch rauskriegen muss, ob er nicht eine Ausnahmesaison gespielt hat. Und das dürfte es auch schon gewesen sein...

Da erscheinen einem die 100 Millionen Ablösesumme auf ein Mal nicht mehr so verlockend. Denn man macht dadurch einen direkten Konkurrenten besser und muss selber tiefer in die Tasche greifen um einen jüngeren, aber schlechteren, Ersatz zu finden. Falls dieser dann wirklich Interesse an einem Wechsel in die sportlich belanglose Bundesliga hat... Was nicht selbstverständlich ist.

Und die Vorwürfe an den Polen sind halt... absurd. Natürlich ist der als Toptorjäger ein Egoist. Ist Ronaldo auch. Könnt ihr euch an die Auftritt von diesem Weltklasse Athleten gegen die Bayern noch erinnern? Also vor allem auch seine Körpersprache, weil es halt für ihn so gar nicht lief? Würde deswegen irgendjemand auf die Idee kommen, dass man Ronaldo deswegen vom Hof jagen muss? Eher im Gegenteil: Dass Ronaldo die Möglichkeit eines Wechsels in den Raum wirft, versetzt Madrid in Angst und Schrecken. Obwohl der sachlich gesehen im Halbfinale schlechter war als Lewandowski...
Ronaldos gesamte Spielanlage ist darauf ausgelegt, dass er das nächste Tor erzielt. Und dadurch der Held in der Geschichte wird. Und wenn es für ihn keine Möglichkeit gibt ein Tor zu erzielen... oder wenigstens eines vorzubereiten... dann nimmt er halt auch nicht am Spiel teil. Es würde aber niemand auf die Idee kommen, ihn daraus einen Strick zu drehen... weil er halt so verdammt gut darin ist Tore zu erzielen.
Lewandowski ist ähnlich gut. Und hat mittlerweile eine ähnliche Spielanlage... muss sich aber ständig Vorwürfe gefallen lassen...

Der nächste Vorwurf ist, dass Lewandowski unbedingt den wichtigsten Pokal, den er gewinnen kann, auch holen will... und dass er bereit ist diesem Ziel alles unterzuordnen. Sogar seinen Wohnort... Aus Lewandowskis Ansprüchen ist ja zu entnehmen, dass es ihn wirklich nur um die Eine Sache geht. Dass sein Ehrgeiz und nicht seine Gier ihn motiviert. Es fällt mir schwer ihm das vorzuwerfen.
Die Bayern sollten sich vielleicht eher fragen, warum sie Stand Jetzt nächstes Jahr eher weiter von einem Titel entfernt sein werden als dieses Jahr. Denn Franck Ribery und Arjen Robben werden nicht mehr besser werden. Und zumindest bei einem der beiden reicht es nicht mehr fürs höchste Niveau, der andere ist dann meistens verletzt.

Das wäre nebenbei eine Argumentationsweise, mit der ich mich anfreunden könnte: Ok, wir brauchen dringend einen Umbruch, denn mit dem derzeitigen Kader wird es eher nicht reichen. Also lassen wir Boateng (warum wird der für dieselbe Einstellung eigentlich nicht verflucht?), Robbery und Lewandowski gehen, setzen stattdessen auf jüngere Spieler, leben aber auch damit, dass wir das Halbfinale in den nächsten 2 Jahren als großen Erfolg betrachten müssen. Und ein Ausscheiden um Viertelfinale wahrscheinlicher ist. Dafür planen wir halt den nächsten großen Angriff auf den Titel im Jahr 2021 um Niklas Süle, Corentin Tolisso und Serge Gnabry... die in den nächsten 2 Jahren den letzten Entwicklungsschritt gehen sollen... Aber die Bayern wollen ja auch in die 2019er Saison mit der "Ein Halbfinal-Aus wäre ein Scheitern"... und dafür brauchen sie definitiv Lewandowski.

Aber das faszinierendste ist ja die Arroganz des Bayern-Anhanges: Unser Verein wird schon in der Lage sein den Abgang zu kompensieren. Denn der Verein ist größer als einzelne Spieler. War er ja schon immer.

Ähm... also zunächst mal muss man festhalten, dass der Letzte Verein, der einen Lewandowski Abgang verkraften musste, die Hinrunde auf einen Abstiegsplatz verbracht hat. Vielleicht hilft das ja, das Leistungsniveau dieses Stürmers zu relativieren: Wenn man solche Stürmer abgibt, bricht man in der Folgesaison gerne mal ein. Klar, so krass wird es für die Bayern nicht werden. Aber zu glauben, dass man ohne ihn um den Titel mitspielt, ist naiv.

Und es gibt ja in diesem Jahrtausend 2 Beispiele, bei denen die Bayern genau diese "Mia san Mia, deswegen sind einzelne Stars nicht so wichtig" Mantra angewendet haben und dabei übelst auf die Schnauze gefallen sind.
Da wäre einerseits der Ablösefreie Wechsel von Michael Ballack zu Chelsea London. Wo sich die Bayern damals echt einreden wollten, dass sie den ja eh nicht brauchen, weil er das Angebot zur Verlängerung ausgeschlagen hat. Das Ergebnis? Die schlechteste Bundesligasaison dieses Jahrtausends (man wurde 4. und musste in die Europa League) und ein Großangriff auf dem Transfermarkt, angeführt von Namen wie Luca Toni und Franck Ribery. Anders ausgedrückt: die Bayern mussten für ihre "Der einzelne Spieler ist nicht so wichtig, das kriegen wir kompensiert" Einstellung richtig teuer bezahlen (fast 100 Millionen an Ablöse + Wesentlich weniger Geld in der Europa League), was sie aber auch konnten.

Das 2. Beispiel ist wesentlich jünger. Und tut auf den ersten Blick nicht ganz so weh, weil man ja trotzdem immer Meister wurde und der Spieler nicht die offensichtlich auffälligsten Leistungen abliefert... bis man dann genau hinguckt und einem auffällt, dass Toni Kroos mittlerweile 4 Champions League Titel gewonnen hat. Den ersten noch mit den Bayern...
Der Tausch von Kroos zu Xabi Alonso wird dabei drastisch unterschätzt... Weil die Bayern ja nie zugeben würden, wie gut und prägend einer ihrer Ex-Spieler für den Weltfußball ist. Aber Kroos ist einer der Schlüsselspieler in einer der besten Mannschaften aller Zeiten... einer Mannschaft, an denen die Bayern selber zuletzt 2 Mal gescheitert sind. Seinen direkten Konkurrenten langfristig so zu stärken war wahrscheinlich einer der dümmsten Transferentscheidungen dieses Jahrtausends... Weil die Bayern es genau eben nicht geschafft haben Kroos wirklich zu ersetzen.

Und jetzt, wo Ronaldo vielleicht wirklich irgendwann alt geworden sein könnte, wollt ihr mit Lewandowski dasselbe durchziehen? Damit Madrid euch auch in den nächsten 2 Jahren aus dem Wettbewerb kegelt? Von mir aus gerne, denn es wäre wohl der einzige Weg die Liga wieder spannend zu gestalten. Seid euch aber bewusst, was ihr da haben wollt.

Freitag, 17. Juni 2016

Robert Lewandowski ist der Beste Stürmer der Welt

Und das ohne ein Mal auf ein Tor zu schießen... oder genau deswegen...

Es gibt ja 3 Stürmer, die sich in einer vergleichbaren Situation befinden. Sie kommen von Spitzenteams, die ihre Liga dominieren und aus Superstars bestehen, haben aber im Nationalteam eine relativ dürftige Mannschaft hinter sich...

Der eine... führt sich auf wie ein Gott in Frankreich, der andere wie eine Diva. Beide lassen das eh schon minder bemittelte Team für sie arbeiten...

Der dritte ist Robert Lewandowski.

Und wirklich erschlagen hat mich dieser Fakt... in der 59. Minute.

Nur um das mal richtig einzuordnen: Lewandowski hatte in diesem Moment bereits 149 Minuten bei dieser EM für sein Team gearbeitet. Er hatte ein paar Ballverarbeitungen dabei, die den neutralen Fan mit der Zunge schnalzen lassen... aber noch keinen einzigen Torschuss...
Und dann gibt es Freistoß für die Polen...

Aber anstatt einfach drauf zuhalten... ein Lewandowski erkennt, dass er einen Manuel Neuer überwinden muss. Und dass da einfach drauf halten nicht die Lösung sein wird. Und er gibt das Recht auf seinen ersten Torschuss für einen kleine, aber gefährlichere Freistoßvariante ab...

Vergleicht das einfach mal mit den 2 Freistößen, die Cristiano Ronaldo in der letzten Minute abgeliefert hat. Da gab es gar keinen anderen Gedanken als "ich hämmere den jetzt mit voller Wucht in die Mauer"...

Und um das ganze mal auf die Spitze zu treiben: Portugal kann nicht im eigentlich sinnvollsten 4-3-3 antreten... weil Ronaldo einfach nicht genügend für die Rückwärtsbewegung (oder fürs Team) macht. Und das genau genommen auch schon seit Jahren nicht. Deswegen verliert er auch immer gegen Deutschland.
Lewandowski dagegen... hat nur eines der letzten 3 Spiele gegen Schland verloren. Weil er sich nicht zu Schade ist, auch die hässlichen Meter zu gehen. Sich ins Kollektiv einzuordnen.
Natürlich hatte Zlatan Ibrahimovic, der eine ähnle "Spielanlage" bei den Schweden hat, wie Ronaldo für Portugal, die herausragende Szene, als er das Eigentor erzwingt. Und dazu noch den einen Torabschluss, der gar nicht schlecht aussah... Aber das halt auch gegen wesentlich schwächere Gegner...

Der Fakt, dass ein Lewandowski auf das Warten auf diese eine Szene einfach verzichtet und dafür seinem Team permanent hilft, macht ihn zu etwas ganz besonderen: Ein Weltklasse Angreifer, der sein Ego zurückstellen kann... so was findet man nur ganz selten...

Donnerstag, 26. Februar 2015

Das schöne daran, dass der Kicker kein Fachmagazin mehr sein will, ist ja...

Die drucken mittlerweile echt alles. Also nicht nur die indirekte These, dass Elfmeter ja keine klaren Torchancen sind und dass Bundesliga-Profis "gerne" gewillt sind, Elfmeter zu produzieren, wenn ihnen dafür keine Platzverweise mehr drohen.. (ernsthaft, dass ist einer dieser Kommentare, über den ich nie hinwegkommen werde...)...

Sondern nur im Kicker kann man als Leser einen Brief schreiben, in dem man Hans-Joachim Watzke den ablösefreien Abgang von Robert Lewandowski vorwirft.
Um an der Stelle mal fair zu sein, der Kicker druckt halt 2 Leserbriefe, die wohl repräsentativ für die Extreme der Reaktionen auf das große Loblied, welches in der Vorwoche im Kicker abgedruckt wird...

Aber ich nutze diesen Leserbrief Beitrag, der Watzke den Ablösefreien Wechsel Lewandowskis zu vorwirft, als Ansatz, um die Lustige Lewandowski Woche rund zu machen:

Also: War es ein "Fehler" den Ablöse frei gehen zu lassen?

Zunächst mal... ein ganz klares nein. Und das beweist absurder Weise diese Saison. Lewandowski ist am Ende ein Stürmer gewesen, den man sich als Borussia Dortmund für kein Geld der Welt hätte kaufen können... genau genommen ist es ein Stürmer, den sich nur 4 Vereine der Welt Kaufen können: Real Madrid, Barcelona, Manchester United und Bayern München... oh und eine Hand voll Scheichs und Oligachen, die die wirtschaftliche Balance ein wenig durcheinander gebracht haben... Aber selbst die können sich normaler Weise keine Spieler kaufen, auf die die Traditionsvereine ein Auge geworfen haben...

Der Lewandowski Abgang war also unvermeidbar. Und vor allem: Für kein Geld der Welt hätte man sich einen vergleichbaren Ersatz verpflichten können. Ciro Immobile dürfte dafür als lebender Beweis gelten: Der Mann kam als Torschützenkönig Italiens, ist aber derzeit mit der Lewandwoski Rolle hoffnungslos überfordert. Und Dortmund hat diese Saison 2 Probleme, die diesen Absturz hervorgerufen haben: Der Kater nach der WM für einige Dortmunder Stützen, die einfach in ein Motivaitons- oder Verletzungsloch gefallen sind (und Kevin Großkreutz könnte aus diesem Loch nie wieder raus kommen) und der Abgang ihres einzigartigen Stürmers.

Das wirklich krasse: Wahrscheinlich hat sich die Verweigerungshaltung der Dortmunder sogar wirtschaftlich gelohnt hätte... gehen wir davon aus, dass man einen Lewandwoski ein Jahr vor Vertragsende für nicht viel mehr als 20 Millionen hätte verkaufen können... Jetzt hat man sich aber mit Lewandowski in der Champions League fürs Viertelfinale 2014 und sicher für die Gruppenphase 2015 qualifiziert. Was ihnen definitiv einen erheblichen Ertrag in die Kassen spielte. Und ganz ehrlich: gegen SCC Neapel und Arsenal London setzt du dich ohne einen Lewandowski nicht selbstverständlich als Gruppensieger durch... und dann triffst du schon im Achtelfinale auf Real... wenn du das überhaupt erreichst.
Ich hoffe ja wirklich, dass irgendjemand in Dortmund mal durchrechnet, ob eine erneute Qualifikation für die Champions League nächste Saison und ein weiterkommen im aktuellen Wettbewerb ihnen nicht mehr Geld bringt als die Ablösesumme, die so ein Spieler ein Jahr vor Vertragende in die Kassen spült. Denn dann werden sie feststellen, dass sie von Ablösesummen relativ unabhängig sind.

Andererseits... war es ein Fehler. Was an der Konstruktion unseres Transfersystems liegt. Man verhandelt halt als Michael Zorc nicht mit Lewandowski über die Ablösesumme, für die er den Verein verlassen (also de facto seinen Vertrag auflösen) darf, sondern mit den Vereinen, die ihn als nächstes Verpflichten wollen... Sprich: Im Sommer 2013 hätte Zorc für die Bayern absolut absurde Ablösesummen auffordern können, während er an ManCity einen Brief mit genau denselben Zahlen schickt (hey, die sind bekannt für unvernünftige und überteuerte Transfers)... und vor allem: Real und Barca hätte man Lewandowski für wesentlich weniger Geld angeboten. Denn: Auch die Bayern finden einen Spieler von dieser Klasse nicht jede Woche... Und ja, ich halt Mario Mandzukic für deutlich schlechter. Der ist auch gut, aber deutlich schlechter als der Pole...

Wenn man selber das Ziel vor Augen gehabt hätte, nicht nur der viel zitierte 2. Leuchtturm zu sein, sondern die Bayern wirklich herauszufordern, hätte man versucht, den besten Stürmer der Liga ins Ausland abzugeben... Nur um die Liga zu schwächen und sich damit selber die Arbeit zu erleichtern...

Anderseits... stand es ja quasi seit Januar 2013 inoffiziell fest, dass Lewandwoski zu den Bayern gehen wird. Wir wussten das alle... auch wenn es gegen das geltenden Fifa-Transferrecht verstößt... aber hey, wir immer hat sich in Deutschland keiner zur Aufgabe gemacht, da mal nachzuharken... außer Heribert Bruchhagen, aber das auch nur, weil die Verhandlungsstrategie der Bayern halt auch völlig überraschender Weise einen seiner Spieler (Sebastian Rode) betroffen hat... aber darum, dass einige Vereine wie selbstverständlich die Transferregeln der Fifa ignorieren, soll es hier ja gerade gar nicht gehen...

Ich behaupte mal: Lewandowksi zu behalten, war richtig. Vor allem: Es war nicht nur ein starkes Zeichen an die Konkurrenz, sondern an den eigenen Kader: Wir halten unseren Kader wirklich so lange und so gut wie möglich zusammen. Ein Fakt, der bei der Marco Reus Verlängerung sicherlich nicht ganz unwichtig gewesen wäre: Es muss für Dortmund keinen nächsten Kagawa, Sahin oder Götze mehr geben, wenn sie so einen guten Spieler finden, bleibt der die 4 Jahre, für die er unterschrieben hat. Denn wirtschaftlich hat man nicht mehr die Zwänge, solche Spieler abzugeben... und fußballerisch macht es halt mehr Sinn, die so lange wie möglich im Kader zu halten.

Wenn Dortmund weiterhin der Verein geblieben wäre, der Spieler auf Grund von Klauseln oder wirtschaftlichen  Zwängen abgeben muss, hätten sie sich meines Erachtens auch von Marco Reus in diesem Sommer verabschieden können. Denn der wird bei der Vertragsverlängerung auch gefragt haben: Wie sieht's denn mit Hummels aus? Mit Aubameyang? Mit Gündogan? Bleiben die? Und Dortmund wird auf Lewandowski gezeigt haben und gesagt haben: Wie der bleiben die mindestens bis zu ihrem Vertragsende. Es sei denn, wir haben eine wirkliche Alternative zur Hand, von der wir 100%ig überzeugt sind.

Und, um zur ursprünglichen These zurückzukommen: Dortmund nachweislich in diese stärkere Postion zu bringen, soll ein Fehler gewesen sein?

Dienstag, 24. Februar 2015

Was sich Pep Guardiola gerade für einen Scheiß anhören muss...

Es ist schon relativ absurd...

Nun gut, Pep Guardiola hat den Hang zum übertriebenen Experimentieren... aber sind diese Experimente nicht das Letzte, was die Spannung in der Mannschaft gerade hochhalten könnte... die stellen sich halt selber gerade schwierige Aufgaben wie "Robert Lewandowski als Links-Außen ins Spiel einbinden"... aber wenn sie so was nicht machen, ist ihnen auch einfach langweilig... und habt ihr die Torjubel am Wochenende gesehen... denen war definitiv langweilig und kalt... Die Bayern hoffen doch derzeit hauptsächlich, dass sie nicht so früh die Meisterschaft mit Bierduschen feiern müssen, dass sie sich dabei kollektiv erkälten...

Vor allen: Die Liga 3 Jahre in Folge so souverän anzuführen ist selbst für die Bayern keine Selbstverständlichkeit... sondern eine herausragende Leistung... es gibt in dieser Mannschaft kein (relevantes) Nachlassen. Das könnte man vielleicht auch einfach mal mit dem Trainer in Verbindung bringen... muss man aber nicht... Fakt ist doch: Die Bayern stehen zum dritten Mal in Folge zur Winterpause quasi als Meister fest. Natürlich kann man jetzt darüber meckern, dass man letzte Saison zum selben Zeitpunkt 8 Punkte mehr hatte... Aber ganz ehrlich: Das Verweilen an der absoluten Spitze ist die größte Leistung, die man als Sportler erreichen kann... und auf Nationaler Ebene machen die Bayern das gerade überragend. Und international war man 2011 das letzte Mal nicht mindestens unter den letzten 4. Ebenfalls eine Absurde Bilanz.

Ich wage mal zu behaupten: Dass eine Mannschaft 3 Jahre in Folge am 30. Spieltag oder früher zum Meister gekürt wird... in einer der Besten Ligen der Welt und nicht in Griechenland... Bayern distanziert in der Liga 3 Champions League Achtelfinale-Teilnehmer um 20, 22 und 30 Punkte... kein anderer nationaler Titelkandidat der Welt hat überhaupt die Möglichkeit 3 Achtelfinale-Teilnehmer hinter sich zu lassen... so muss man die Stärke der Liga und die Leistung der Bayern auch mal relativieren...

Und ob es dann am Ende 12, 19 oder 25 Punkte Vorsprung auf den Vize-Meister sind... wen interessiert's... die Konstanz der Bayern ist in Europa einmalig. Damals haben alle gelacht, als Jürgen Klopp vor schottischen Verhältnissen gewarnt hat... die sind gerade absolute Realität.

Trotzdem jammern wir alle über Guardiola und dichten den Bayern eine Krise an, wenn sie an 2 Wochenenden in der Liga 14 Tore erzielen... Ein absolut irrer Wert... All das nur, weil er in für ihn belanglosen Spielen Dinge ausprobiert... und sein wir ehrlich: Guardiola hätte in den letzten beiden Bundesligaspielen auch Dante als falsche 9 aufstellen können (mit der Bedingung, dass der nur flach angespielt werden darf...) und man hätte diese beiden Spiele trotzdem deutlich gewonnen...

Jetzt kommen die Kritiker und behaupten: Ja, aber man muss sich doch einspielen... genau das machen die Bayern doch gerade... Wenn man ganz ehrlich ist, haben die Bayern in dieser Saison 2 Aufgaben vor sich: Das Umschaltspiel von Real Madrid verhindern (aber wie will man DAS üben, wenn man so überlegen ist? Die einzige Chance hatte man da gegen Wolfsburg und ja, DAS ist das eine, was den Bayern wirklich sorgen machen sollte) und sich kreative Lösungen einzufallen um Jose Mourinhos Abwehrbollwerk zu knacken...

Und bei aller Kritik darüber, dass Robert Lewandowski auch mal als Linksaußen ran muss... der hat trotzdem schon 10 Saisontore erzielt... Mehr als der Gesamte Hamburger SV in einer kompletten Hinrunde. Und vor allem: Guardiola sorgt gerade dafür, dass Arjen Robben so viele Abschlussmöglichkeiten wie nie in seinem Leben bekommt und die Torjägerliste anführt... Aber die 16 Robben-Tore bringen wir natürlich nicht mit Guardiola, sondern nur mit den überragenden Fähigkeiten des Niederländers in Verbindung... die dieser seit Jahren hat und trotzdem hat er noch nie so viele Tore erzielt wie jetzt...

Und vor allem hat Guardiola 2 Champions League Titel gewonnen... im wesentlichen, weil er Lionel Messi so viele Abschlussmöglichkeiten wie möglich besorgt hat... und der einzige, was den Threepeat verhindern konnte, war Zlatan Ibrahimovic... Jetzt tüftelt Pep halt daran, wie er seinen besten Spieler in eben diese Position bringt... (Dass ich gerade den mir immer noch unsympathischen Robben mit Messi vergleichen muss, tut mir nebenbei richtig weh...) und das soll dumm sein? Zumindest macht Didi Haman ihm einen Vorwurf, dass er nicht auf klassische Mittelstürmer setzen will...

Noch viel krasser: Hamann macht sich sorgen, dass Guardiola Lewandowski "verlieren" könnte... ernsthaft... dann ist der Pole das größte Weichei seit eben diesen Ibrahimovic... Lewandowski hat sich bewusst gegen den sicheren Stammplatz im Sturmzentrum entschieden. Und wird dafür garantiert fürstlich entlohnt.
Und ja, Lewandowski ist der beste Mittelstürmer der Welt... aber er ist deswegen noch lange nicht der beste Offensivspieler in seiner eigenen Mannschaft... Und dass man sich in einer derart überragenden Mannschaft trotzdem am besten Offensivspieler zu orientieren hat (und dem zuarbeiten sollte), hat schon Ibrahimovic nicht verstanden... Und wenn Lewandowski nicht wie Ibrahimovic enden will (also trotz überragender individueller Fähigkeiten und jeder Menge namhafter Mitspieler nie den Champions League Titel zu gewinnen...) sollte er das sehr schnell lernen.

Und da kommen eben die Einsätze als Linksaußen ins Spiel. Gegen Chelsea könnte es durchaus entscheidend sein, einem Robben im Zentrum genügend Raum für seine Abschlüsse zu schaffen und Lewandowski trotzdem effektiv ins Spiel einzubinden. Wie macht man das, wenn Robben auf das nach innen ziehen von Rechts spezialisiert ist?
Den zweitbesten Offensivspieler zumindest so aufzustellen, dass er möglichst auf der Gegenseite von Robben ebenfalls eine zu beachtende Gefahrenquelle darstellt, könnte Chelsea vor wirklich schwierige Probleme stellen.
 Sprich: Wenn Lewandowski sich drauf einlässt und in dieser Rolle gut wird, könnte das der Schlüssel zum Champions League Titel sein. Selbst wenn er in den entscheidenden Spielen offiziell als Mittelstürmer, der dann aber nach Links ausweicht, aufgestellt wird. Und ganz vielleicht ist das ja die Logik hinter Guardiolas Experimenten: dass er auch richtig gute Verteidigungen vor unlösbare Aufgaben stellen kann... und da sind wir dann wieder beim "Vielleicht spielen sie sich ja genau jetzt ein"...

Aber das krasseste... dass auf ein Mal vom Kicker behauptet wird, dass Champions League Hinspiel in Donezk gehöre zu den "wichtigen Partien"... Im Wesentlichen ging es bei dem Ukraine Trip doch nur um eins: Da heil wieder rauszukommen, bevor ein Feuergefecht ausbricht. Haben sie geschafft. Und selbst wenn sie sich richtig dumm angestellt hätten und das Spiel 1:0 verloren hätten... dann wären sie im Rückspiel immer noch Haushoher Favorit... selbst bei einem 0:2 aus Bayern Sicht wäre ein Ausscheiden vor eigenem Publikum eine Sensation... Glaubt ihr mir nicht? Googlet einfach mal "Bayern hat's verbaselt"... 2012 verlor man völlig unmotiviert in Basel... im Rückspiel brauchte man eine Halbzeit um jegliche Zweifel am Weiterkommen zu beseitigen...

Für die Titelanwärter sind die Achtelfinale-Hinspiele einfach nicht wichtig... es sei denn sie haben extremes Lospech und ziehen ManCity oder Paris St.Germain...  Und das Rückspiel werden die Bayern irgendwo zwischen 5:0 und 8:1 gewinnen.
Und wenn sie es nicht tun mit einem 1:1 ausscheiden... dann lag das garantiert nicht am völlig bedeutungslosen Hinspiel, sondern daran, dass man gegen eine Mannschaft, die im Krieg und in der Winterpause steckt, in der Allianz Arena versagt hat... Und auch in dem Spiel wird die Aufstellung, die Guardiola wählt, völlig egal sein... er muss seine Spieler halt nur richtig einstellen...

An die Aufstellung im angeblich ach so wichtigen Hinspiel wird sich im April niemand mehr erinnern... Und wer sich da dann in eine Warme Decke kuscheln durfte, ist auch völlig irrelevant...
 Damn, jetzt habe ich doch wieder was zur Champions League geschrieben... und Arjen Robben gelobt... Der Tag geht Scheiße los...

Dienstag, 11. Juni 2013

Da stellt sich der BVB einfach quer.

Wie so ein bockiges Kind. Ist ja echt nicht zu glauben. Dabei war doch eigentlich schon alles längst klar:

Robert Lewandowskis Traumverein ist der eine Club, der offiziell noch besser ist als die Borussia. Da kann man ihn nicht mal einen Vorwurf machen... es ist ja nicht so, dass er zu Manchester City, einen Verein der immer noch Probleme damit hat die Gruppenphase zu überstehen, will.

Und Jupp Heynckes hat quasi schon im Allgemeinen Feierrausch bekanntgegeben, dass da demnächst was bekannt gegeben wird.

Mario Gomez hat schon die weiße Fahne gehisst und sucht bei Europa League Teilnehmern nach neuen Perspektiven.

Und jetzt sagt Hans-Joachim Watzke: Ich scheiß auf Moral und Charakter eure Ablösemillionen, der Mann hat einen gültigen Vertrag. Holt den euch doch ablösefrei, das ist uns doch egal. Was ist denn bitte mit dem los? Der ignoriert einfach die Gesetze des Geschäftes...

Was der jetzt damit auslösen könnte? Ich meine, zerstört er jetzt nicht den Traum von Mario Gomez vor halbleeren und maroden Stadien in Italien um die Europa League zu spielen?
Ok, so weit geht das ganze nicht... die Bayern haben inzwischen erkannt, dass sie Gomez selbst dann nicht mehr brauchen, wenn sie Lewandowski nicht kriegen... denn eigentlich haben sie ja schon genügend Stürmer... und brauchen gar keine weiteren Offensivleute. Schließlich haben sie Claudio Pizarro. Und der hat ja schon 2008/09 nachgewiesen, dass er auf dem Champions League Gruppenphasenniveau mithalten kann... leider war das als Stammspieler auch seine letzte Saison auf dem Niveau... und jünger wird er auch nicht mehr...

Aber gut, einen Gomez kann man ja auch ganz einfach ersetzen. Es gibt ja haufenweise Stürmer die 12 Tore in einer Champions League Saison erzielen... Ok, genau genommen nur Lionel Messi und Cristiano Ronaldo... aber letzterer soll gerüchteweise sogar unzufrieden bei Real Madrid sein... und es sind ja auch nur 17 Millionen Euro im Gespräch... als Jahresgehalt, nicht als Ablöse...

Da wird einem wieder bewusst: Gomez muss dringend raus hier. Dass ein Stürmer, der selbst auf höchstem Niveau dermaßen viele Tore schießt, in seinem eigenen Land so wenig Unterstützung erfährt... ist zumindest ungewöhnlich. Aber auch keine neue Erkenntnis. Jetzt wissen wir, was man in Deutschland nicht machen darf: aus 2 Metern das leere Tor nicht treffen... das verzeiht man dir nie...
Und jetzt kommt mir nicht mit seiner "arroganten Art" die sich ein seiner "Frisur" manifestiert... Mario Götzes Haarschnitt ist genau so scheiße, den mögt ihr aber trotzdem...

Aber zurück zu Robert Lewandowski: bei dem ganzen Marktgeschrei um seinen Wechsel gab es am Ende nur eine wahre Aussage. Und die kam ausgerechnet von seinem Berater Kucharsky am 25.4.: "Ich kann ihnen versichern, dass Robert Lewandowski nächstes Jahr bei einem noch größeren Klub spielen wird." Nun stand Borussia Dortmund seit dieser Aussage im Champions League Finale... Und wurde von einer junge, aufstrebenden Mannschaft zum 2. Besten Team Europas. Lewandowski spielt also auch ohne Wechsel im Sommer für einen größeren Verein...

Mittwoch, 18. April 2012

Manchmal provoziert man den Vorführeffekt schon

wenn man nur an gewisse Dinge denkt und sie noch nicht mal ausspricht.

Eigentlich wollte ich seit letztem Mittwoch einen Beitrag Mario Gomez gegen Robert Lewandowski schreiben... und die spannende Frage beantworten, warum nur einer dieser beiden seine Offensive zum Meistertitel führt... und dann kommt gestern die 90. Minute...

andererseits passt mir das Ende des Spiels beinah gut in den Kram. Denn die letzten 4 Minuten fassen Gomez Wirkungsradius treffend zusammen. Hier der Kicker-Ticker zum Spiel:

22:28 Uhr
86. min 1:1 Gomez prüft Casillas per Kopf aus acht Metern. Der Spanier hat keine große Mühe mit dem Versuch.

22:29 Uhr
87. min 1:1 Gomez tankt sich im Strafraum durch. Sergio Ramos klärt riskant, aber fair per Grätsche. Gomez regt sich dennoch fürchterlich auf.

22:32 Uhr
90. min 2:1 Gomez (90., Rechtsschuss, Lahm)
Und die Bayern schaffen es doch! Lahm vernascht Coentrao auf der rechten Seite, flankt dann flach nach innen. Dort tankt sich Gomez durch und drückt den Ball aus kurzer Distanz zum vielumjubelten 2:1 über die Linie.

Versteht mich nicht falsch, im Strafraum ist Gomez richtig gut. Und Tore schießt er am laufenden Fließband. Dennoch fange ich an zu verstehen, warum Jogi Löw doch lieber auf Miroslav Klose setzt: Sonst kommt von Gomez eigentlich nicht viel. Wenn er kein Tor schießt, ist er beinah unbrauchbar. Beweise gefällig: In den 15 Spielen ohne Tor in der Bundesliga kommt er auf einen Kicker-Notenschnitt von 4,27. Seine Highlights unter diesen Spielen war eine 3,0 gegen Borussia Mönchengladbach... Und 3 Vorlagen kommen mir wie viel zu wenig vor, wenn man so gute Mitspieler hat...

Auf der anderen Seite steht ein Robert Lewandowski: Der wäre beim Gipfeltreffen wohl auch Spieler des Spiels geworden, wenn er nicht auch noch das entscheidende Tor gemacht hätte. Die meisten Dortmunder Angriffe fangen damit an, dass Lewandowski mit dem Rücken zum Tor angespielt wird. Und da können Brecher wie Kyriakos Papadopulus oder Jerome Boateng in seinem Kreuz schieben... er nimmer diese Bälle an und verteilt sie... Deswegen ist er auch verdammt wichtig, wenn er gerade mal wieder Großchancen am Stück verballert... Deswegen hat er auch nur ein Mal in dieser Saison die Kicker Note 4,5 bekommen. (Man vergleiche das einfach mal mit den 5 5en die Mario Gomez diese Saison schon bekommen hat...)
Wenn man Gomez im Mittelkreis irgendwie anspielt, heißt es immer nur: ja, das ist ja auch nicht sein Spiel. Selbst wenn auch er definitv die Statur hätte um sich gegen all die Brecher zu behaupten. Und im Strafraum kann er sich gegen die ja auch problemlos "durchtanken"...
Natürlich kann Gomez behaupten: "hey, dafür schieße ich die entscheidenden Tore in der Champions League"... und da kann man auch wenig entgegnen... außer dass Jupp Heynckes jetzt vor der komischen Situation steht, dass er sich fragen muss, ob er seinen Top-Stürmer im Rückspiel in Madrid überhaupt braucht... Ein Stürmer, der die Bälle fest macht, die Abwehr so entlastet und Gegenangriffe einleiten kann, würde ihnen in Spanien wahrscheinlich mehr helfen als einer, der vorne auf seine eine Chance lauert...
andererseits, wenn Gomez auch im Rückspiel trifft, macht er (wieder) alles richtig... dann ist es auch egal, dass Lewandowski ihm vor 2 Wochen vorgeführt hat, wie man als Stürmer ein Spiel über 90 Minuten beeinflussen kann... und wenn nicht, kriegt er halt eine 4,5...