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Dienstag, 8. April 2025

Nun trifft der Bannstrahl also doch auch Müller

 Es scheint tatsächlich zu passieren: Thomas Müller kann sich entweder nochmal ein anderes Trikot suchen, oder unfreiwillig in den Vorruhestand gehen. Einen würdigen Abschied nach seinen Vorstellungen wird es nicht geben. Und alle sind schockiert!

Hier ist der Beitrag von NTV. Für die Podcastfans unter euch verlinke ich demonstrativ die Bohndesliga. Den englischsprachigen Markt deckt RabonaTV ab. Müller selber hält bewusst fest, dass der Verein "sich bewusst dafür entschieden" hat. Also dagegen. Er hätte gerne noch weiter gemacht. 

Und ja, ich bin auch ein wenig überrascht. Denn ich selbst schrieb ja vor wenigen Wochen, dass der FC Bayern sich die paar Millionen, die ein Mentor Müller kosten würde, doch einfach leisten kann. Das war naiv von mir. Das hätte ich besser wissen können.

Denn jetzt behaupten natürlich viele, dass Müller als wichtigster Bayern-Spieler der Geschichte einen Sonderstatus genießt. Aber er ist aber höchstens der Zweitwichtigste. Und wenn selbst ein Franz Beckenbauer seine Karriere beim Hamburger SV beendet hat, gibt es keinen Grund zur Annahme, dass es für einen Müller, der sich in Beckenbauers gemachtes Bett gelegt hat, anders ausgeht. 

Das "Mia san Mia" besteht halt auch daraus, Vereinslegenden eiskalt fortzuschicken. Was hier bereits 2020 festgestellt wurde. Die Ausnahmen sind Torhüter und Phillip Lahm. Uli Hoeneß ist halt doch eher Pate als fürsorglicher Familienvater... auch wenn er öffentlich gerne so tut, als würde er das anders handhaben.

Wobei man auch an der Stelle erwähnen muss: Nach der Karriere hat sich Hoeneß durchaus um die eine oder andere Bayern-Legende gekümmert und ihnen Jobs in der 2. oder 3. Reihe verschafft. Aber wenn du auf dem Platz nicht mehr helfen kannst, und das mit einigen Jahren Verzug auch offensichtlich wird, schickt er dich einfach fort. Da kennt er keine Gnade.

Das war bei Bastian Schweinsteiger so. Bei Franck Ribéry und Arjen Robben. Und bei Miroslav Klose. Gut, nur Schweinsteiger war wirklich auf dem Weg zum ewigen Bayern, aber er ist auch der lebende Beweis, dass selbst das nicht hilft. Wenn man bei den Bayern in den Ruhestand gehen will, muss man mit 34 aufhören... Wenn man das nicht will, wird diese Entscheidung irgendwann für einen getroffen. Das ist ja auch irgendwie fair, weil am Ende alle gleich behandelt werden.

Nur sollte es endgültig niemanden mehr überraschen. Vor allem sollte jetzt niemand Max Eberl einen Vorwurf machen. Denn der hat jetzt ja die Arschkarte, dass er diese Entscheidung verkaufen muss. Eine Entscheidung, die mit ziemlicher Sicherheit eine Etage höher getroffen wurde. Also ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte, dass seine jetzt so kritisch gesehene Aussage aus dem Januar damals ehrlich gemeint war. Als er nach den auch ganz schön teuren Verlängerungen mit Kimmich, Musiala und Davies hat er sich mit dem Vorstand abgestimmt, was er jetzt noch dem Müller anbieten kann. Und die so "nix". Und viel Spaß dabei, das dem Müller zu vermitteln. Aber in den Pressemeldungen immer schön vom "wir" sprechen...

Also ich gehe davon aus, weil es bei all den anderen Leuten, die im Spätherbst ihrer Karriere mit Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge und Herbert Hainer verhandeln mussten, so ergangen ist. Und Eberl war ja für all diese Verhandlungen mit den oben erwähnten Legenden in Gladbach. Für ihn ist diese Situation also neu, für Hoeneß nicht. Deswegen ging er davon aus, dass man sich mit Müller schon einigen wird. Das ist der Nachteil, wenn man den Verein in der B-Jugend verlässt, da bekommt man solche Details nicht wirklich mit.

Jetzt versuchen natürlich alle das Traumszenario zu erstellen: als Jamal Musiala Ersatz führt Müller die Bayern jetzt ins "Finale Dahoam" und erzielt das entscheidende Tor. In der 93. Minute. Mit dem Schienbein. Aber der Lack ist mittlerweile so ab, dass allen irgendwie bewusst ist, wie unrealistisch das ist. Also nur wegen Musialas Verletzung ist eine Startelf-Nominierung überhaupt eine Option und allen ist bewusst, dass dies eine krasse Schwächung für das Team ist.

Nur wegen Musialas Verletzung die "Muss Müller in die Startelf" Debatte überhaupt auf. Denn still und heimlich saß der zuletzt in der heißen Phase meistens auf der Bank. Also in 5 von 6 Duellen mit der absoluten Elite. Mittlerweile sorgt das auch nicht mehr für "Unruhe", sondern wird allgemein als "vernünftig" einsortiert.

Jetzt stehen halt diese Viertelfinale an, in denen Müller mittlerweile meistens auf der Bank sitzt. Zuletzt hat Müller 2021 auf diesem Niveau getroffen. Das war jetzt nicht "vorgestern", sondern mehr so "Während Corona"... Auch für Müller ist Musialas Verletzung damit wahrscheinlich ein Worst-Case-Szenario. Gerade WEIL seine Chance auf Einsatzzeiten jetzt steigen. Denn der Idealfall für ihn hätte ja so ausgesehen: Er macht als Einwechselspieler den entscheidenden Treffer. Das ist sowieso schon das realistischere Szenario, denn für 90 Minuten reicht es einfach nicht mehr. Oder er hilft am Ende mit einer beherzten Grätsche, den Sieg über die Zeit zu retten. Genau so könnte er nachweisen, dass er als Mentor und Ergänzungsspieler weiterhin verdammt wichtig sein kann. Und das würde ihm eher in Sachen "Vertragsverlängerung" helfen, als der nächste Beweis, dass es für die erste Reihe nicht mehr reicht.

Und natürlich wird er jetzt die Bayern ins Halbfinale schießen, nur um mich zu widerlegen...

Donnerstag, 15. August 2024

Weil die Sommerpause noch nicht ganz vorbei ist

 geht es immer noch um die Frage, wer in dieser Hitze wohl den größten Blödsinn erzählt. Um nochmal die bisherigen Kandidaten vorzustellen:

Jupp Heynckes würde gerne das Elfmeterschießen abschaffen und durch ein Wiederholungsspiel am nächsten Tag ersetzen. Dabei ignoriert er komplett, dass das allein schon in der Organisation ein unlösbares Mammutprogramm wäre, denn irgendjemand muss dieses Finale ja auch absichern. Also stellt euch einfach mal kurz vor, was für ein Aufwand das für Polizei, Ordner und Gastropersonal gewesen wäre, wenn Mikel Oyarzabal in der 86. Minute vorbeigeschossen hätte und alle am Tag darauf wieder antanzen müssen. Und bei dem EM Finale hätte es dieses Problem ja in ganz Deutschland gegeben, weil alle Fanmeilen des Landes erneut abgesichert werden müssen. Wenn man bedenkt, dass das die eine oder andere Fanmeile wegen des einen oder anderen Unwetters evakuiert werden musste, fällt einem auf, wie wichtig das Sicherheitspersonal bei solchen Events ist.

Dazu können die Spieler auch nicht einfach 2 Tage infolge ein Spiel auf allerhöchstem Niveau und mit allerhöchster Intensität abliefern. Das haben ja gerade die im Niveau von Spiel zu Spiel schlechter werdenden olympischen Spiele bewiesen. Die 3 Tage zwischen den Spielen, die man mindestens ansetzen müsste, gibt der Rahmenterminkalender einfach nicht her.

Kandidat 2 war Lukas Podolski, der der Gen Z vorgeworfen hat, dass sie nicht hart genug arbeiten will. Ein privilegierter Multimillionär, der all sein Geld mit seinem unfassbaren Talent gemacht und dadurch sein Hobby zum Beruf machen konnte, wirft der Jugend vor, dass sie zu faul ist. Als Bonusfeature ist dieser Schnösel zurück zu "Mutti" gerannt, als es beim FC Bayern nicht so lief, wie er sich das erträumt hätte... auch weil er für diesen Traum, Plottwist incoming, nicht hart genug gearbeitet hat.

Jetzt meldet sich eine ganze Gruppe an: die Ultras von Bayer Leverkusen. Ich wusste gar nicht, dass es die gibt. Aber ja, ein Verein, der selbst in seiner Meistersaison sein Stadion "nur" 11-mal ausverkauft hat, hat eine eigene Ultra-Gruppierung. Ein Stadion, das mit einer Kapazität von nur 30.210 Plätzen, zu den kleineren gehört... Was kommt als Nächstes? Hoffenheim-Ultras? Oh, warte, die haben sich mit einem "125 Jahre TSG - Aufgebaut und zerstört - danke für Nichts!" Plakat gegen Dietmar Hopp gestellt. 

Anyhow, die Leverkusen Ultras, von denen wir nicht mal wussten, dass es sie gibt, boykottieren jetzt den Supercup. Was ich nebenbei supergut finde. Dass der Supercup aufs 1. Pokalwochenende gelegt worden ist, ist einer dieser viel zu wenig beachteten Kommerzialisierungsskandale. Das ist nebenbei auch eine neuere Erfindung, denn während der Pandemie wurde der Supercup, aufgrund des supervollen Terminkalenders abgesagt (ha, als ob...) auf einen Mittwoch verlegt. Vorher war es quasi das letzte Testspiel (oder zwischenzeitlich sogar ein Test-Turnier) vor dem Saisonauftakt. Genau so sollte es sein. Und das ist eine dieser Ansetzungen, bei denen ich voll für einen Spielabbruch bin. 

Aber andererseits sollten die Bayer Ultras ja eigentlich gegen die Aufstockung der Champions League protestieren. Das sind die Spiele, die wirklich weh tun und die man boykottieren müsste, wenn man wirklich was verändern will. Aber da werden die Bayer-Ultras jubelnd im Block stehen. Genauso wie die Borussia Dortmund Ultras. Denn am Ende sind sie doch das "Tennispublikum", welches sie so gerne verhöhnen. Sobald sie selbst von den Erneuerungen profitieren, sind sie voll dabei.

Mein größtes Problem ist ja, dass der Supercup den Fokus von den Amateuren nimmt. Das sollte eigentlich das eine Wochenende sein, in dem es David gegen Goliath in der Dauerschleife gibt. An dem wir alle gespannt darauf warten, welcher Bundesligist sich dieses Jahr blamiert. Während alle inständig hoffen, dass es nicht sie trifft, weil sie dann ja zu der Lachnummer der gesamten Nation werden. Und einen Verein erwischt es ja immer. Stattdessen rede ich jetzt schon mehr über den Supercup, als über den Pokal...

Kandidat Nummer 4 ist dann der Bayern CEO Jan Dreesen. Der stellt eindeutig klar: "wir können und werden solche unsachlichen Angriffe auf den FC Bayern niemals dulden, geschweige denn akzeptieren." Ist auch wirklich Zeit, dass endlich mal jemand Juan Bernat zur Seite springt. Oder Lothar Matthäus. Oder all den anderen Menschen, die von Uli Hoeneß und seiner Abteilung Attacke unsachlich angegriffen wurden. Oh warte... es geht um Fernando Carro, dem CEO von Bayer Leverkusen... natürlich. 

Die Bayern haben die allergrößten Experten in Sachen "unsachliche Angriffe" in ihren Reihen. Uli Hoeneß hat das quasi erfunden und als Ablenkungsstrategie perfektioniert. Auch wenn er seiner AG damit mittlerweile eher schadet als hilft. Aber wenn die Bayern in irgendeiner Form gegen unsachliche Angriffe vorgehen, sollen sie bitte in ihren eigenen Reihen damit anfangen. Denn wenn ihr eigener Pate das immer wieder darf, muss man es auch mal ertragen, wenn anderen so eine Attacke rausrutscht.

Aber hey, das Sommerloch ist ja fast vorbei, ab morgen gibt es wieder relevante Spiele...

Dienstag, 30. April 2024

Uli Hoeneß, der Ewige König der Vollidioten.

Er war ein brillanter Manager. Das muss immer festgehalten werden. Aber mittlerweile ist das auch nur noch ein seniler alter Mann, der seine Macht nicht loslassen kann... und deswegen die Arbeit seiner eigentlichen Nachfolger sabotiert. Ich bin natürlich voll dafür, dass er seine "Meinung wieder deutlicher machen" will, schließlich dürfte das den Bayern eher Schaden als helfen.

Lasst uns mal wieder eines festhalten: Dem angeblichen "Vater des Vereins" geht es nicht um Geborgenheit, sondern nur und ausschließlich um Titel. Wenn diese Titel nicht geholt werden, ist Papa persönlich beleidigt und verliert jeden Bezug zur Realität. Der einzige Trainer, der eine titellose Saison überlebt, ist Jupp Heynckes... Und bei der Beurteilung der Arbeit lässt er jegliche Sachlichkeit vermissen.

Wir müssen hier nochmal eines festhalten: Thomas Tuchel hat in der Bundesliga mehr Punkte geholt, als in der letzten Saison zum selben Zeitpunkt. Und natürlich ist die Mannschaft etwas eingebrochen, als die Meisterschaft aus dem Blickfeld entschwand, aber nach 11 Meisterschaften infolge könnte ein Vater für so etwas doch etwas Verständnis entwickeln.
Vor allem war Tuchels Punkteausbeute, als die Trennung angekündigt wurde, besser als die eines gewissen Pep Guardiola. Nur leider spielt Bayer Leverkusen aber eine überragende Saison. Die sind so gut, dass selbst die Bestleistungen der Bayern nicht ausgereicht haben, um sich souverän Platz 1 zu sichern.
Aber in Hoeneß beschränkte Wahrnehmung passt es einfach nicht, dass andere auch mal überragende Arbeit leisten. Ihm fehlt es einfach an menschlicher Größe, um so etwas zuzugeben. Also muss der Trainer Schuld sein. Juan Bernat war anscheinend nicht erreichbar.

Dann führt dieser Trainer, mit dem Hoeneß schon abgeschlossen hat, die Bayern aber ins Halbfinale der Champions League. Plötzlich wird die Frage gestellt, ob Tuchel nicht doch bleiben soll. Hoeneß stellt ganz elegant sicher, dass dies ausgeschlossen ist. Denn ein "in seiner Trainerehre" gekränkter Tuchel wird auf keinen Fall bleiben.

Und die Kritik von Hoeneß ist halt so was von realitätsfern. Sie beweist nur, dass das eigentliche Problem mittlerweile Hoeneß heißt. Tuchel macht die jungen Spieler nicht besser? What the fuck?

Aleksandar Pavlovic hat sich in den Dunstkreis des EM Kaders gespielt. Des deutschen EM Kaders. Mag sein, dass das ein Anfall von Panik war, weil Julian Nagelsmann verhindern wollte, dass der Deutsch-Serbe sich für das Land seines Vaters entscheidet. Aber dass Pavlovic da jetzt schon auf dem Radar gelandet ist, liegt auch an Tuchel.
Mathys Tel hat sich zu einem Joker entwickelt, den man auf jedem Niveau reinwerfen kann. Also auch bei den anstehenden Champions League Spielen gegen Real Madrid. Die ersten Tore in diesem Wettbewerb erzielte er unter Tuchel.
Beide Spieler sind nebenbei zarte 19 Jahre. Ist Pavlovic gerade in seinem ersten kleineren Tief? Sicher. Fehlt Tel noch einiges, um eine Option über 90 Minuten zu sein? Bestimmt. Aber beide sind für ihr Alter in einer wunderbaren Position. Ich sage jetzt mal etwas ganz Dreistes: Ich bezweifle, dass ein 19-jähriger Florian Wirtz beim Rekordmeister eine wichtigere Rolle übernommen hätte. Gut, der kam da gerade von einem Kreuzbandriss zurück, da ist es leicht, so was zu behaupten.
Nebenbei hat Tuchel auch einen Thomas Müller weiterentwickelt. Also genau genommen hat Jamaal Musiala den entscheidenden Schritt gemacht, weshalb niemand mehr fragt, warum Müller in wichtigen Spielen nicht in der Startelf steht. Ist das sonst jemanden aufgefallen? Das war gegen Arsenal gar kein Thema mehr, vor 12 Monaten war es noch ein riesiger Punkt. Aber Müller nimmt auch zum ersten Mal in seiner Karriere die Rolle als Mentor und Ergänzungsspieler an, obwohl er vorher noch nie bewiesen hat, dass er einer Mannschaft von der Bank aus weiterhelfen kann.
Dazu kommt nebenbei das Bundesligadebüt von Lovro Zvonarek. Wenn die Bayern mit 5 Punkten Vorsprung an der Spitze thronen würden, wären alle zu 100 % mit der Entwicklung dieser Spieler zufrieden.

Dann, um endgültig die eigene Verwirrung nachzuweisen, lobt Hoeneß den Charakter von Xabi Alonso, weil der sich auf seine Aufgabe in Leverkusen fokussiert und sich nicht von den Bayern kaufen lässt. Während die Bayern letztens Julian Nagelsmann gekauft haben. Und mit einem ebenfalls mit gültigem Vertrag ausgestatteten Ralf Rangnick verhandeln. Wenn man den Xabi Alonsos Ansatz an diejenigen anwendet, haben die sich selbst disqualifiziert. Und die Bayern haben überhaupt nur angefragt, um eine Absage zu bekommen und den  Charakter zu testen.

Dass ein Harry Kane nebenbei sanften Druck auf seinen Ex-Verein ausgeübt hat, damit er zu den Bayern kommen kann... wie das 80 % aller Spieler im Kader des Rekordmeisters gemacht haben... ist auch was anderes.
Oder nehmen wir Max Eberl, der so ein wenig die Lust auf RB Leipzig zu verlieren schien, als die Bayern auf der Suche nach einem Sportvorstand waren...
Es ist einfach nur verwirrend, dass Hoeneß hier Charakterzüge lobt, die ihm anscheinend sonst total egal waren.

Aber hey, vielleicht beweist Rangnick ja auch Charakter und sagt offen, dass er wegen Hoeneß absagt. Wäre spannend, wie Hoeneß reagiert. Andererseits ist es Rangnicks letzte Chance, einmal deutscher Meister zu werden.

Man muss nebenbei auch mal festhalten, wie abgefuckt die Trainersuche bei den Bayern ist. Die wurden gerade 11 Mal in Serie Meister. Die Mannschaft ist immer noch so gut aufgestellt, dass sie nächste Saison der haushohe Favorit ist. Man hat gerade eine der (wieder) aufstrebenden englischen Spitzenteams geschlagen. Man hat nachgewiesen, dass man durchaus noch ins Halbfinale der Champions League kommen kann. Auch wenn ich persönlich nicht damit gerechnet habe.

Theoretisch ist das ein absoluter Traumjob. Im schlechtesten Verlauf poliert man seinen Lebenslauf mit 2-3 nationalen Titeln auf und zieht dann weiter. Im Idealfall hat man die Meisterschaft schon im März eingetütet und kann sich voll und ganz auf das europäische Geschäft konzentrieren.
Das könnte nebenbei ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil sein. Also Bayern, Real und Paris haben ihre nationalen Ziele schon abgeschrieben und konnten sich schon im Viertelfinale voll auf Arsenal und Man City konzentrieren, die dagegen zwischendurch entscheidende Ligaspiele auf dem Reiseplan hatten.

Es sollte eigentlich wenig begehrtere Jobs geben. Da sollte es eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit sein, dass der "dritte Kandidat" überhaupt angefragt werden muss. Die Bayern haben jetzt schon Absagen von Alonso, Nagelsmann und Unai Emery. All die beschäftigen sich lieber mit anderen, spannenderen Projekten. Rangnick wäre die Absage Nummer 4. Was kommt als Nächstes? Eine Absage von Lothar Matthäus?

Vielleicht sind die Zeiten, in denen man unter Uli Hoeneß arbeiten wollte, einfach vorbei. Nur so als Idee.

Donnerstag, 26. Oktober 2023

Vollidioten des Monats: Ulli, Kalle und Hainer

 Beide sind ja gerade zurück. Und es wäre jetzt wirklich schön, wenn mich das erfreuen würde, weil die "nur" Bullshit labern... aber:

TRIGGERWARNUNG: Hier geht es gleich um Selbstmord. Und um ganz viele andere finstere Dinge. Wenn ihr damit ein Problem habt, kommt Montag wieder, da gibt's dann planmäßig harmlose Worst Ofs.

Aber fangen wir mal mit dem harmlosen Blödsinn an: Uli Hoeneß hat sich darüber beschwert, dass Julian Nagelsmann zu schnell entlassen worden ist. Das hätte er so natürlich nie gemacht! Das war unverantwortlich. Da muss man hinterher Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić entlassen, das ist die einzige logische Option.
Hier ist das Absurde an diesem "Statement": Der Manager Uli Hoeneß hätte Nagelsmann ebenfalls entlassen. Die historischen Daten belegen das. Schließlich waren die Bayern auf dem Weg zu einer titellosen Saison. Und es gibt nur einen einzigen Trainer, der eine Saison bei den Bayern ohne Titel beenden darf: Jupp Heynckes. Der schafft das 1992 und 2012. Und natürlich kam er von der 2012er-Saison mit einem Tripple zurück, weil Christian Nerlinger anstelle des Trainers entlassen wurde. Aber solange man nicht Hoeneß bester Freund ist, wird man bei den Bayern halt entlassen, wenn man keine Titel holt. Also hätte Hoeneß im Frühjahr genau dieselbe Entscheidung getroffen, die er jetzt kritisiert.

Aber das ist ja der harmlose Scheiß. Genau so, wie es genau genommen harmlos ist, dass sein Partner in Crime Karl-Heinz Rummenigge ein Geschenk von den auf die Menschenrechte scheißenden Scheichs angenommen hat. Wahrscheinlich hat er deswegen für die Verlegung der WM in den Winter verlegt. Was nebenbei nach wie vor das geringste Problem ist. Also es kann durchaus sein, dass die WM 2034 auch in den Winter verlegt werden muss, weil es bis dahin auch Spaniens Sommer zu warm ist, um ein Fußballturnier auszutragen. Aber dass dieses Geschenk aus dem Qatar kommt, ist halt ein Problem. Ich erwähne es hier nur nochmal, weil es ein Mosaikstein zur allgemeinen Moralvorstellung der Bayern ist. Aber betreiben ja auch munter Sportswashing mit Qatar Airways und bezahltem Trainingslager. 

Aber selbst ein an sich auf Moral scheißender Vorstand hat jetzt nochmal ein neues Niveau erreicht. Fangen wir da (nochmal TRIGGERWARNUNG) bei Jérôme Boateng an. Und um seine ehemalige Lebensgefährtin Kaisa Lehnhardt. Der Prozess wurde nach dem Selbstmord der Frau neu aufgewickelt, obwohl Boateng ursprünglich freigesprochen wurde. Das ist der Teil, den alle Sportmedien elegant umschiffen: Hier geht es nicht, wie ja so oft in solchen Fällen als erstes konstruiert wird, um eine Frau, die sich an den berühmten und reichen Mann hängt und diesen mit erfundenen Vorwürfen ausnehmen will. Hier geht es um eine Frau, die womöglich durch den ganzen Umgang mit dem Urteil und Hetzkampagnen gegen sie im Internet in den Selbstmord getrieben wurde. Deswegen wurde der Prozess neu aufgerollt und Boateng zu 1,2 Millionen Euro verurteilt. Und gegen dieses Urteil ist Boateng dann in Berufung gegangen. Diese führt dazu, dass der Prozess zum dritten Mal aufgerollt wird. Und von dieser Verpflichtung wurde nur Abstand genommen, weil die Bayern-Fans gegen Boateng protestierten. Sonst hätte Herbert Hainer, als Dritter im Bund, einen Weg gefunden, sich das schönzureden. Auch wenn die bittere Wahrheit lautet, dass der sportliche Erfolg einfach über allem steht.

Das beweist auch der Umgang mit Noussair Mazraoui. Der ist nämlich auch für den sportlichen Erfolg unabdingbar, da man sonst keine Rechtsverteidiger hat. Da ist es auch nicht so schlimm, dass er der Hamas den Sieg gewünscht hat... wartet was? Das, was der Marokkaner da geteilt hat, lässt sich nur ganz schlecht in ein "Mitgefühl für alle Opfer des Terrors" umdichten, wie Nura das halbherzig geschafft hat. Mainz 05 hat ja nebenbei gerade vorgemacht, wie man darauf reagieren könnte, wenn man eine konsequente Haltung an den Tag legt. Auch wenn es natürlich für die einfacher ist, einen Ergänzungsspieler auszusortieren.

Und um mal den Antisemitismus dahinter zu verdeutlichen: Wenn ein Bundesligaspieler der Wagner-Gruppe bei ihrem Einsatz in Odessa viel Erfolg wünschen würde, wäre der morgen entlassen. Also außer er spielt für die Bayern, da ist es anscheinend egal. Da aber in der Ukraine weiße Europäer sterben, ist es halt was anderes, als im Nahen Osten, wo Araber auf Juden schießen und dann zurückgeschossen wird.

Aber das ist natürlich auch eine konsequente Linie, die da immer weiter abwärts führt: Natürlich verpflichtet der Verein, der seinen Ehrenpräsidenten zum Lobbyisten-Treffen nach Katar schickt und da im Winter hinfliegt, auch den angeklagten Frauenschläger und behält den Hamas-Unterstützer in seinen Reihen. Denn der sportliche Erfolg steht halt buchstäblich über allem

Was ja auch nur bedingt ein Vorwurf ist, solange sich diese Steuerhinterzieher nicht bei jeder Gelegenheit als moralische Instanz aufführen. Nebenbei gab es ja mal eine Zeit, in der die Bayern anders gehandelt haben. Also als die Nazis zu denen gesagt haben, dass sie ihren jüdischen Präsidenten Kurt Landauer rauswerfen müssen, haben die so lange wie möglich gesagt, dass sie das nicht machen. Dieser jüdische Hintergrund wird ja immer dann betont, wenn es gerade zur Propaganda passt, aber wenn die damalige Haltung wirklich mal als Handlungsgrundlage nehmen muss, kann sich niemand mehr erinnern.

Wir müssen mal wieder festhalten, dass die Bayern alles dem Erfolg auf dem Platz unterordnen. Solange Titel errungen werden, ist es egal, wie oder mit wem. Aber dieses "Alles" wurde in den letzten Monaten nochmals auf ein neues Niveau gehoben.

Dienstag, 27. September 2022

Kann man gleichzeitig recht haben und Bullshit labern?

 Uli Hoeneß kann. Deswegen ist er einer der absoluten Hall of Shamer dieses Blogs. Selbst im Ruhestand liefert er noch 2 Mal im Jahr absurdes Material. Also zuletzt wollte er einem Journalisten Hausverbot geben, weil ihm die Fragen zu kritisch waren. Jetzt äußert er sich zur WM in Katar.

Und grundlegend hat er ja recht: Die Debatte über die WM ist scheinheilig. Aber nicht so, wie Hoeneß das meint. Sie ist scheinheilig, weil wir uns eigentlich darüber aufregen, dass diese Ölscheiche sich jetzt unsere Partys kaufen und wir uns deswegen mit deren Arbeitsbedingungen beschäftigen müssen. Wenn die sich weiterhin absurde Türmer gebaut und ihre Sklaven dabei umgebracht hätten, wäre uns das egal. Und ja, in Katar herrscht seit ziemlich genau 50 Jahren eine absolute Monarchie. Da arbeiten seit 40 Jahren 2 Millionen Immigranten unter furchtbaren Bedingungen für 200.000 Eingeborene. Aber man kriegt halt nicht raus, wie viele Menschen bei Bau der Katara Towers gestorben sind, weil es uns einfach nicht interessiert. Jetzt müssen wir uns damit beschäftigen, weil sie sich halt von dem Reichtum, den wir ihnen gegönnt haben, unser Volksfest gekauft haben.

Und machen wir uns nichts vor: Die WM konnten sie sich kaufen, weil wir jahrelang einfach nur das günstigste Öl haben wollten, damit wir uns unser schönes Leben leisten können. Deswegen wurden all die Despoten gestützt und deswegen lagern all die Rohstoffe jetzt bei diesen Despoten. Auch da hat Hoeneß recht: Man müsste viel mehr über eine Verkehrswende als über einen WM-Boykott diskutieren. Man müsste eigentlich im Winter kalt duschen. Aber das hätte ja Einfluss auf das eigene Leben, da macht man lieber so nen paar Pseudoaufrufe und guckt dann heimlich mit ner VPN und nem illegalen Stream zu Hause die WM in der Badewanne. Dafür hat man dann ja mal was getan, um die Welt zu verbessern. Oder anders ausgedrückt: Was glaubt ihr, wie groß die Schnittmenge zwischen der "Wir müssen die WM boykottieren!" und der "Wir brauchen die Weihnachtsmarktbeleuchtung!" Fraktion ist?

Die WM hat jetzt die Chance, eine Lupe auf diese Arbeitsbedingungen zu legen. Aber das Problem ist halt: Ab Januar wird es uns wieder egal sein, wie die Bedingungen vor Ort sind.

Mein persönlicher Favorit ist ja, dass man die WM öffentlich zeigt und die Hälfte des Gewinns an Reporter ohne Grenzen spendet. Also einem Verein, der sich darum kümmern wird, dass auch nach der WM noch hingeguckt wird. Wenn es in Leipzig eine Kneipe gibt, die das anbietet, würde ich da hingehen. Und Reporter ohne Grenzen hat gerade eine Spendenkampagne, wo es um Saudi Arabien geht, die würden also genau das machen, was die Boykottier-Fraktion will. Das wäre genau die Variante, die WM zu zeigen und es für die Kataris so unangenehm wie möglich zu machen.

Und hier fängt halt Hoeneß an, Bullshit zu labern um sein Gewissen rein zuhalten: Der Glaube, dass die WM in Katar oder das Engagement der Bayern schon irgendwas verändert hat. Dass man ja zu den Guten gehört, wenn man sich von denen Geld geben lässt.

Also lass mal zunächst das Großereignis auseinander nehmen. Also natürlich hat die WM dafür gesorgt, dass wir beim Katar gerade etwas genauer hingucken. Aber ändert sich dadurch irgendwas? Lasst mal kurz die jüngeren Vergleiche nehmen: China ist nach seinen Olympischen Spielen noch autoritärer geworden. Also es konnten ja während der Winterspiele deutsche Athleten am eigenen Körper erfahren, was "Lockdown" und "Quarantäne" auf Chinesisch wirklich bedeuten, aber die fahren immer noch eine 0-Covid-Politik. Also es kann dir da noch im Jahr 2022 passieren, dass du in der Fabrik eingesperrt wirst. Oh und man droht ständig mit einer Invasion von Taiwan.

Das bringt uns direkt zu Russland, die seit der Austragung ihrer WM einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg begonnen haben. Ihr habt es bestimmt mitbekommen. 

Selbst in England, wo das letzte EM Finale ausgetragen wurde, wird man verprügelt und verhaftet, wenn Kritik an der königlichen Familie äußert. Oh und in Brasilien könnte es in den nächsten Wochen zu einem Putsch kommen, damit Bolsonero an der Macht bleibt.

Kurz gesagt: In keinem der Länder hat sich die Lage nach dem Großevent gebessert. Und das liegt hauptsächlich an uns, weil wir halt nur zur WM oder zur Olympiade da hingucken und danach abschalten. Sportswashing funktioniert, weil uns die Zustände vor Ort egal sind und weil wir eigentlich nur unseren Wohlstand genießen wollen. Erst wenn wir uns als Gesellschaft grundlegend ändern und allgemein den Fokus auf Nachhaltigkeit und ein gerechtes Weltwirtschaftssystem legen, wird dies nicht mehr funktionieren. Aber solange wir uns an der Zapfsäule über den Preis beschweren, der halt hochgehen wird, wenn die Dinge im Nahen Osten ändern, wird da nichts passieren.

Nebenbei gibt es gerade eine große Protestwelle im Iran, weil dort eine Frau von der Sittenpolizei umgebracht wurde. Und ins Sri Lanka musste der Präsident aus seiner eigenen Villa fliehen. Die Proteste dort gehen unter Ausschluss der westlichen Öffentlichkeit weiter. Es passiert also eher etwas in den Ländern, denen wir nicht in den Arsch kriechen, während die Nationen, deren Legitimation wir durch eine Großveranstaltung stärken, autoritärer werden.

Das Regime in Katar wird durch die WM an Ansehen gewinnen, weil die Großinvestoren sagen werden: "Ein verlässlicher und stabiler Partner... UND die durften ja sogar eine WM austragen." während all die jetzt so lauten Kritiker die Probleme einfach wieder ignorieren werden.


Aber kommen wir mal zu dem viel dreisteren Punkt von Uli Hoeneß: Dass der kleine und bescheidene FC Bayern ja die Menschenrechtslage schon verbessert hat, weil deren Frauen-Mannschaft in kurzen Hosen spielen durfte. "Das war eine Sensation und ein Durchbruch für den Frauenfußball." Ja, genau.

Man kann sich halt alles schönreden. Das sind halt genau die Aktionen, die man als Scheich der westlichen Welt präsentieren will: Guckt mal, hier tut sich was. Aber machen wir uns nichts vor: Wenn die Frauen alleine nach Katar zum Training geflogen wären, wäre dies unter Ausschluss der Öffentlichkeit passiert. Und wenn sie gemeinsam mit den Männern geflogen wären, hätte man sie weitestgehend aus dem öffentlichen Programm rausgeschnitten. Also wir als westliche Welt hätten die Bilder von den Frauen in kurzen Hosen sehen dürfen, aber die Frauen vor Ort hätten davon nichts mitbekommen.

Und nur um mal zu verdeutlichen, wie gut das funktioniert: Versucht mal Bilder von Testspielen der Frauen in Katar online zu finden. Also wirkliche Beweisfotos, dass die da in kurzen Hosen unterwegs waren. Alles, was ihr findet, ist ein "internes Testspiel auf Bundesliganiveau" und ein einziges Bild mit einheimischen Mädchen auf der deutschsprachigen FC Bayern Seite... Die einheimischen Mädchen erkennt ihr an den langen Hosen. Und die Information, dass das Trainingslager im letzten Winter abgesagt wurde.

Und versteht mich nicht falsch: Aus "deutscher" Sicht ist es super, dass die Bayern da Equal Play betreiben und den Frauen da exakt die gleichen Bedingungen gibt, wie ihren Männern. Es wäre natürlich auch möglich, dass in einem humaneren System zu machen, aber immerhin ziehen sie das durch. Aber zu glauben, dass dieses eine Training und das eine daraus resultierende Foto, welches in der arabischen Welt garantiert nicht verfügbar ist, die Lage vor Ort verändert, ist naiv.

Wenn die vor Ort ein Testspiel gegen eine einheimische Mannschaft, die ebenfalls in kurzen Hosen spielt, abhalten würden. Wenn dieses Testspiel dann auch mit Bildern in den örtlichen Tageszeitungen erwähnt wird, dann kann man sich auf die Schulter klopfen. Aber das wird halt nicht passieren. Stattdessen nutzt Katar dieses Trainingslager nur für ihre eigene Außenwirkung und Uli Hoeneß hilft ihnen dabei.

Donnerstag, 2. Juni 2022

Was mich an dem Kroos Interview ja echt stört

 Also gut, ich hab es dann wirklich gemacht. Ich hab mir dieses ominöse Interview wirklich mal angeguckt. Auch wenn ich sonst gar nicht zum Champions League Finale kam. Aber bei dem Shitstorm, den er da ausgelöst hat, muss es ja extrem sein, was er da gemacht. Schließlich springen dem Nils Kaben jetzt alle beiseite. Vom Sportbuzzer bis Sport1.

Lasst uns mal eines kurz klären: Reagiert Toni Kroos dünnhäutig und genervt? Bestimmt. Aber wir reden halt von einem Fußballer, dessen Leistungen in Deutschland nicht annähernd angemessen gewürdigt wird, weil er den Bayern halt den Rücken zugekehrt hat. Das macht man halt nicht. Und dann ist man halt auch der Hauptschuldige, wenn Thomas Müller den Ball am Tor vorbeischießt. 

Nur um das mal festzuhalten: Wir reden hier nicht nur von einem der erfolgreichsten Fußballer der deutschen Geschichte. Wir reden von einem der erfolgreichsten Fußballer aller Zeiten. Kurze Frage: Wie viele Fußballer haben mehr Champions League Titel gewonnen, als Kroos? Die Antwort lautet: Paco Gento. Das war's. Und da hieß das Ding noch "Pokal der Landesmeister"...

Dazu kommt halt dieser ominöse Weltmeistertitel. Wir reden also von einem Spieler, der erfolgreicher ist, als Lionel Messi. Wenn er all diese Erfolge mit den Bayern errungen hätte, würde ihm niemand eine annähernd kritische Frage stellen. Als Beweis bringe ich nochmal den Müller an, den man seit Jahren zumindest im Nationalteam kritisch hinterfragen könnte... Trotzdem reden wir uns ein, dass wir Müller im Winter brauchen, es aber gut ist, dass der "Querpass Toni" endlich weg ist... obwohl Kroos derjenige ist, der im Champions League Finale auf dem Platz stand. Zum 6. Mal in seiner Karriere... 

Aber zum Interview an sich: Als ich die Berichtserstattung über die Berichtserstattung gesehen habe, dachte ich mir: Das muss ja richtig eskaliert sein... Stattdessen hat Kroos schon über eine Minute "geredet", seinen Soll also mehr als erfüllt. Dann hatte er keinen Bock auf kritische Fragen. Das kann man nach einem Triumph durchaus so handhaben. Und anhand der jahrelangen Vorgeschichte kann ich es nachvollziehen. Vor allem ist es auch einfach keine große Nummer.

Da ist absolut nichts passiert, worüber man sich jetzt groß echauffieren muss. Wo man seinem Kollegen beiseite springen und ihn verteidigen muss. Kaben hat, wie alle Journalisten, nach dem Spiel eine dumme Frage gestellt. 90 % dieser Fragen sind dumm. Er hatte das Pech, dass er diese Frage einer Persönlichkeit gestellt hat, die es sich leisten kann, auf die Etiketten zu scheißen. Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass sich relativ viele Fußballer dieses "Du hattest 90 Minuten Zeit dir eine gute Frage auszudenken und dann kommst du mit so einem Scheiß" auch gerne mal sagen würden. Sie trauen es sich halt nur nicht. 

Das ist nebenbei keine Kritik an der Arbeit der Journalisten. Sie haben die eigentlich unangenehme Aufgabe aus nach 90 Minuten abgekämpften und emotional aufgeladenen Athleten halbwegs brauchbare Antworten herauszukitzeln... dabei können sie gar nicht so sehr ins Detail gehen, dass es wirklich spannende Interviews geben kann, weil sie auch nur 90 Sekunden Zeit haben. Und in dieser Routine sind dann die Sportler und die Schreiberlinge gefangen. Deswegen hört man immer dieselben Floskeln.

Was mich aber wirklich zu diesem Beitrag bewegt: Warum kriegt Kroos diesen Shitstorm von der Medienseite ab? Warum muss Kroos sich dafür rechtfertigen? Warum wird Kaben von der Bild interviewt? Warum gibt es überhaupt den Versuch einer Versöhnung? Wenn wir doch an ganz anderer Stelle einen viel schlimmeren Vorfall hatten, bei dem alle peinlich berührt weggucken?

Denn eigentlich hätten sich alle so auf den Uli Hoeneß stürzen müssen, als er einem Journalisten mit Hausverbot gedroht hat, weil dieser zu viele kritische Fragen stellt. Aber den FC Bayern zu kritisieren, geht halt nicht, das könnte ja Folgen haben. Da stürzt man sich lieber auf den Spieler, der wahrscheinlich eh nie wieder für eine deutsche Mannschaft spielen wird. Da muss man keine Konsequenzen befürchten.

Und verglichen mit dem Hausverbot, welches dem Bild Reporter angedroht wurde, ist dieses nach 1:30 abgebrochene Interview eine lächerliche Kleinigkeit. Aber mit Kroos kann man's ja machen, der war schon immer eine Projektionsfläche für unangebrachte Kritik.

Dienstag, 17. Mai 2022

Uli Hoeneß ist zurück!!!

 Wie hab ich ihn vermisst! Gerade jetzt, wo mit Rudi Völler einer der größten emotionalen Dummschwätzer im Ruhestand ist, brauchen wir einfach mehr Uli Hoeneß. Und ja, früher war der einer der führenden Stars dieses Blogs. Der beste Content Creator. Und jetzt hat Hasan Salihamidžić so viel Scheiße gebaut, dass Hoeneß mal wieder eingreifen muss.

Fangen wir direkt mal mit dem schlimmsten an: Uli Hoeneß sorgt ganz alleine dafür, dass man auf der Rangliste der Pressefreiheit weiter abrutscht. Unsere Bundesregierung braucht dafür eine Reform des BND-Gesetzes, Hoeneß... droht einfach Journalisten, die kritisch über seinen Verein berichten und schwierige Fragen stellen. Das geht ja gar nicht. Wir sind hier ja nicht im Katar...

Das ist nebenbei derselbe Hoeneß, der sich vor Jahren mal aufs Grundgesetz berufen hat. Gut, dass er das mal gelesen hat. Schlecht, dass er nicht mal bis Artikel 5 kam... Das ist aber auch echt viel verlangt. Ich meine, das steht auf Seite 2. Da gilt doch die heilige Google Regel: Niemand interessiert sich für das, was auf Seite 2 steht.

Aber gut, dass Hoeneß jemand ist, der Dinge immer nur zu seinem Vorteil auslegt und alles andere ignoriert, ist ja nichts Neues. Es ist genau genommen nicht mal was Neues, dass der Kicker als größtes Sportmedium dazu unterwürfig schweigt. Wie nebenbei auch die Sportschau

Also nur um das mal festzuhalten: Ein führender Kopf des größten Sportvereines Deutschlands droht den Kollegen mit Ausschluss und Zensur und die beiden führenden Institutionen springen dem nicht zur Seite, sondern sagen "Ok, haben wir verstanden, wir berichten nicht darüber... und hier jetzt unsere Bilderserie zu den besten Transfers der jüngeren Vereinsgeschichte..."

Also klar, die Kritik an der Bild wird geteilt, aber kritische Aussagen zu den kritischen Aussagen sucht man vergeblich. Das ist ganz schön erbärmlich, auch wenn wir hier über den Springerverlag reden.

Aber damit kommen wir auch zum nächsten großen Thema: Robert Lewandowskis Wechselwunsch. Da geht es nämlich laut Hoeneß "nur um die Kohle, sonst nichts." Also ja, das stimmt. Es geht um die Kohle im Mai 2025. Da ist es am Ende fast schon egal, wie viel Geld die Bayern ihm im nächsten Jahr bezahlen, bei einem 3 Jahres Vertrag wird er deutlich mehr bekommen.

Ganz sachlich betrachtet geht es dem Torjäger darum, dass er auch in 3 Jahren noch auf Champions League Niveau spielen möchte. Das ist sein Karriereplan. Und er will diesen Plan jetzt schon festmachen. Das Problem ist aber: Bei den Bayern gibt es diese Möglichkeit nicht. Denn die Bayern fahren dank Hoeneß die klare Doktrin, dass Spieler ab dem 32. Lebensjahr nur noch Vertragsverlängerungen für 1 Jahr angeboten bekommen. So hat man das bei Thomas Müller und Manuel Neuer gemacht. Oder bei Franck Ribery und Arjen Robben. Es gibt gute Gründe, warum viele Bayern-Legenden am Ende noch ihre letzten Jahre in einem anderen Trikot spielen. Also das begann schon mit Gerd Müller und Franz Beckenbauer. Lustigerweise hat ja Salihamidžić selbst am Ende für Juventus Turin und den VfL Wolfsburg gespielt... er hat also am eigenen Leib erfahren, wie man bei diesem Verein mit alternden Stars umgeht und genau diese Lektionen wendet er jetzt an.

An dieser Doktrin ist nichts verkehrt. Sie verhindert, dass man den alternden Stars horrende Summen überweisen muss. Das ist wirtschaftlich vollkommen vernünftig. Aber eine Konsequenz dieser Doktrin dürfte jetzt sein, dass Lewandowski wegwill. Einfach nur, weil er glaubt, dass er auch mit 36 noch auf höchstem Niveau spielen kann. Wenn die Bayern ihm auch einen Drei Jahres Vertrag anbieten würden, könnte Hoeneß meckern, falls dieser dann abgelehnt wird. Aber ein derartiges Angebot liegt einfach nicht auf dem Tisch. Dass der dann zu dem Verein will, der ihm dieses Vertrauen ausspricht, sollte doch nachvollziehbar sein. Außer, man ist ein Hoeneß.

Nebenbei zeigt sich an der Stelle auch wieder, wie asozial die Bayern-Familie eigentlich ist. Also das Image hat er ja auch immer wieder verkauft. Bayern ist der etwas andere Spitzenverein. Und ein Ergebnis dieser familienfreundlich Politik ist ja, dass verdammt viele Ex-Stars beim Verein untergekommen sind. In größeren oder in kleineren Rollen. Wenn man zur Familie gehört, wird man nicht fallen gelassen. Da kann man dann auch ohne jegliche Berufserfahrung als Manager dieses Vereines einsteigen.

Aber bei genauerem Hinsehen... ist es eher eine christliche Sekte. Oder wie die Mafia. Denn sobald man sich irgendwie von der Familie lossagen will, oder den allerhöchsten Ansprüchen nicht mehr genügt... wird man entweder abgesägt und verkauft, oder aus dem Kreis der Familie verstoßen. Das war nebenbei schon bei Michael Ballack so, bei dem man sich selber einreden wollte, dass man den ja gar nicht braucht, als er lieber zu Chelsea ging. Und man kann ja mal bei Julian Bernat nachfragen, wie familiär das bei den Bayern zugeht, wenn man nicht zu den Lieblingskindern gehört

Hier schießt er gegen Toni Kroos, der "in diesem Fußball nichts mehr verloren" hat... Obwohl Kroos gerade wieder in einem Champions League Finale steht. Während er alle Bayern-Spieler verteidigt. Also wir sind nicht ausgeschieden, weil Thomas Müller frei stehend am Tor vorbeigeschossen hat, sondern weil Toni Kroos zu viele Querpässe gespielt hat. Kroos ist auch einer dieser Spieler, die sich gegen den FC Bayern entschieden haben. Und nebenbei ist ja der Querpass-Toni-Mythos deutlich widerlegt worden. Also selbst im Kicker. Aber wenn man sich aus der Familie verabschiedet hat, sind Fakten egal. 

An der Stelle muss man nochmal erwähnen, dass Toni Kroos der einzige Deutsche sein wird, der im Stade de France beim wichtigsten Spiel der Saison auflaufen wird. So sehr vorbei ist dessen Zeit im modernen Fußball...

Dann sei noch kurz der Umgang mit Lothar Matthäus als Greenkeeper erwähnt. Also nur um zu beweisen, dass wir hier nicht über ein neues Phänomen sprechen, Hoeneß war schon immer so. Und klar, wenn man zum auserwählten Zirkel gehört, ist das wunderbar. Das sehen die Zeugen Jehovas genauso. Aber wehe, irgendjemand will sich emanzipieren...

Wenn die Bayern wirklich wie eine Familie wären, würden sie ihrem besten Stürmer entweder auch einen Drei-Jahres-Vertrag anbieten. Oder ihm aber sagen: Wir können dir da aus Prinzip nicht helfen, aber wenn das dein Wunsch ist, lassen wir dich das machen. Aber Hoeneß ist halt nicht der fürsorgliche Familienvater, sondern das patriarchale Arschloch.

Freitag, 31. Juli 2020

Worst of des "Es fehlt an einem Sportlichen Konzept" Sommerlochs

Was soll ich sagen... es ist halt gerade wenig los. Also schafft man sich seine Themen selbst.

Was dann häufig dazu führt, dass man sich Mannschaften anguckt, denen es gerade nicht so gut geht und deren Lage analysiert. Worauf dann immer der "es fehlt an einem Sportlichem Konzept" folgt. Ist halt so. Ist auch unleugbar.

Aber sind "Sportliche Konzepte" nicht völlig überbewertet? Gibt es die eigentlich wirklich? Klar, einige wenige Vereine wie der SC Freiburg kann sich das auf die Fahne schreiben. Aber der Rest?

Gehen wir einfach mal den am besten geführten Verein in Deutschland angucken. Und das sind halt immer die Bayern. Wie sieht deren "sportliches Konzept" eigentlich aus?

Und klar, da kommt dann "Mia san Mia!" Das Problem daran ist: Das ist ein arrogantes Selbstverständnis, aber kein wirklicher Plan. Jedenfalls nicht wirklich. Und da kann man auch alles drauf klatschen, was man will. Im wesentlichen läuft alles auf ein "wir wollen Meister werden" hinaus. Immer und immer wieder.

Aber wenn man sich mal anguckt, wie oft im Detail oder sogar in der Groben Ausrichtung dieses Konzept über den Haufen geworfen worden ist. Der Trainer, mit dem man jahrelang zusammen arbeiten wollte, entlassen wurde, weil man ein Mal keinen Titel holte... Und ja, der letzte Trainer, der ohne Titel in München bleiben durfte, war Jupp Heynckes... Ende der 80er. Nur bleiben die Bayern halt selten ohne Titel, deswegen fällt es kaum auf, wie schnell die Trainer weg sind, wenn die Titel in Gefahr geraten. Aber guckt euch einfach mal an, wie schnell Niko Kovac trotz Doublegewinn abgesägt worden ist... das sind eigentlich Moves, die man vom konzeptlosen Hamburger SV erwartet, nicht vom seriös geführten Rekordmeister. Trotzdem machte man es praktisch schon zum 2. Mal in 3 Jahren, denn auch Carlo Ancelotti konnte man gar nicht schnell genug ersetzen...

Gehen wir mal schnell durch, wie oft die Bayern ihren Masterplan über Bord geworfen haben. Alles begann ja mit der Generation Beckenbauer, Müller, Meier. Also als die eigene Jugendarbeit die Bayern an die absolute europäische Spitze führte und man 3 Jahre in Folge die Champions League gewann.
Aber hier ist so ein unschönes Detail: Bereits in den 80ern wurde diese Idee zu "Wir verkaufen unsere Talente um den Verein zu sanieren" "weiterentwickelt". Darüber redet heute natürlich niemand mehr, aber Karl-Heinz Rummenigge musste im Jahr 1984 an Inter Mailand verkauft werden, damit der Verein saniert werden konnte. Dafür reichten damals noch 11 Millionen Mark...

Das lag halt unter anderem daran, dass man mit Jean-Marie Pfaff seinen ersten internationalen Star gekauft hat. Also das war der erste "Wir holen einen großen Spieler" Transfer aus dem Jahre 1982.

Nun muss ich zugeben, dass ich über die 80er Jahre selber wenig sagen kann, weil ich da noch nicht in der Lage war den Fußball so detailiert zu verfolgen. So alt bin ich halt noch nicht. Und eine legendäre Übergeneration wie in den 70ern fehlt da halt. Aber in den 90ern war der neuste heiße Scheiß dann: Wir kaufen unsere Talente vom Karlsruher SC. Alles, was da halbwegs geradeaus laufen kann, kommt zu uns. Oliver Kreuzer, Oliver Kahn, Mehmet Scholl. Michael Tarnat, Michael Sternkopf und Thorsten Fink werden da in einer Ran-Bilderserie aufgezählt. Der eigene Nachwuchs bestand zu der Zeit... aus Markus Babbel. Und wurde sonst weitestgehen vernachlässigt. Und ja, aus dieser Zeit kommt eigentlich die "Bayern kauft die Bundesliga kaputt" Theorie. Und zumindest beim Karlsruher SC kann man das durchaus so sehen. Obwohl all die Spieler natürlich auch woanders hin gewechselt wären.

Hasan Salihamidzic war dann das eine überraschend erfolgreiche Exponat der "Wir holen uns alles, was laufen kann... und das möglichst Ablösefrei" Phase. Also die hat ja nie wirklich aufgehört. Aber da wurden halt auch so Namen wie Jan Schlaudraff ein Mal kurz ausprobiert und mit Gewinn weiter gereicht. Die Liste der derart gescheiterten Talente ist verdammt lang. Bei Karlsruhe konnte man ja noch behaupten, dass 5 von 6 Spielern es in den Stammkader geschafft haben... bei vielen späteren Transfers war das nicht mehr der Fall.
Den Champions League Titel 2001 holte man im Wesentlichen, in dem man gestandene Deutsche Profis aus dem Ausland zurück in die Heimat holte. Also Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann und Stefan Effenberg sein symbolisch genannt. Eine derartige "Rückholaktion" war für die Bayern auch mal was neues.
Oh und das, was in den 90ern Karlsruhe war, wurde dann zu Bayer Leverkusen, von denen man sich Michael Ballack, Lucio, Paolo Sergio holte. Man kauft halt immer bei der direkten Konkurrenz ein.

Dann kam ganz plötzlich die "Wir über-korrigieren und holen uns internationale Stars." Phase. Also man kann sich das ja kaum noch vorstellen, aber die Bayern wurden in diesem Jahrtausend mal nur Vierter. Und damals bedeutete Platz 4 einen Abstieg in den "Cup der Verlierer." Also holte man für richtig viel Geld Luca Toni und Franck Ribery. 2 Spieler, die sich im Sommer zuvor im WM Finale gegenüber standen. Es war das letzte Mal, dass die Bayern nicht mindestens dritter wurden. Aber das "Konzept" hieß halt "sobald es eng wird, greifen wir mal richtig tief in die Tasche um das zu reparieren". Und dieses "Konzept" hat man sich zwangsweise im Sommer 2007 ausgedacht...

Dazu stolperte man wieder in eine herausragende eigene Generation um Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos und Thomas Müller, die den Kern des nächsten Champions League Sieges 2012 stellten. Back to the roots. Obwohl ja auch diese eigene Generation durch Ribery und Arjen Robben erweitert wurde. Darauf ruhte man sich dann so sehr aus, dass kaum noch eigene Talente eine echte Chance bekamen.

Dafür entwickelte man praktisch mit dem Robben Transfer einen neuen Tick: Man kaufte sich jeden Sommer einen Star dazu. Und ab 2012 erweiterte man als neue Idee sein Beuteschema um den internationalen Transfermarkt, anstatt nur (mittlerweile bei) Borussia Dortmund zu plündern. So kamem Javi Martinez, Tiago, Mehdi Benatia, Aturo Vidal, Douglas Costa, Renato Sanchez, Corentin Tolisso, Kingsley Coman, Lucas Hernandez und jetzt Leroy Sané für jeweils mindestens 20 Millionen Mark seit Sommer 2012. Das einzige Jahr, in dem auf einen derartigen Transfer verzichtet wurde, war 2018.
Hier muss man halt auch hervorheben, dass solche Transfers vor Ribery und Toni die absolute Ausnahme darstellten. Was natürlich auch daran lag, dass man nicht beliebig viele ausländische Spieler verpflichten durfte. Aber die "Wir verpflichten jedes Jahr einen Star aus dem Ausland" Strategie aus diesem Jahrzehnt hat mit dem "Wir bauen unseren Erfolg auf unserer eigenen Jugend aus" Idee von den 70er Jahren gar nichts mehr gemeinsam. Nebenbei hat man Real Madrid und seine "Intertgalaktischen" immer dafür ausgelacht, dass sie sich jedes Jahr unbedingt einen Star holen müssen. Mittlerweile macht man das irgendwie selber...

Und das sind nebenbei nur die neuen Konzepte auf dem Transfermarkt. Nebenbei hat man sein Produkt auf dem Rasen auch immer wieder angepasst. Von defensiv strukturiert (oder kontrollierter Offensive, wie man das im Neusprech sagt) unter Trappatoni und Rehagel zu gnadenlosem Offensivfußball unter Pep Guardiola. Von diesem großen Gestalter ging es dann direkt weiter zum reinen Verwalter Ancelotti, der halt praktisch nur auf die individuelle Klasse gesetzt hat. Dazwischen gab es noch Klinsmanns legendäre Budda-Statuen und absolutes Chaos auf dem Platz. Das einzige, was all diese Spielphilosophien geeint hat, war: Solange du damit Titel holst, ist uns der Rest egal.

Was ist also das sportliche Konzept der Bayern? Habe Erfolg und wirtschafte seriös. Das ist auch schon alles. Diese 5 Worte sind die einzigen, die konstant relevant waren, seit dem Uli Hoeneß selber die Stiefel geschnürt hat. Sie blieben erhalten, als er ins Büro gewechselt hat und auch als er in den Knast musste, wurde nach diesen einfachen System weiter gearbeitet.

Und das ist abgesehen vom "habe Erfolg, Geld spielt keine Rolle, im Zweifelsfall gehen wir halt pleite" Konzept das einzige, welches wirklich existiert. Warum funktioniert dieses System bei den Bayern? Nun ja, weil sie, Uli Hoeneß sei dank, immer fähige Entscheidungsträger in ihren Reihen hatten. Also ja, das eigentliche Konzept lautete nur: Habe den besten Manager der Liga.

Wie quasi schon bei meinem Loblied auf Max Eberl festgestellt wurde: Das einzige, was wirklich wichtig ist, ist ein guter Manager/Sportdirektor/Sportvorstand. Wenn man den gefunden hat, werden alle anderen Entscheidungen relativ einfach. Man muss halt nur noch aufpassen, dass man den nicht komplett freidrehen lässt. Und ihn regelmäßig überprüfen, weil es durchaus passieren kann, dass er die neusten Entwicklungen im Sport verpasst und dann einfach irgendwann kein guter Manager mehr ist.

Nehmen wir mal spaßeshalber den Hamburger SV.... also das Paradebeispiel im "Es fehlt an einem Konzept". Seit Jahrzehnten. Aber eigentlich fehlt es ihnen nur an einem guten Manager, der die richtigen Entscheidungen trifft und so den Verein in die Erfolgsspur zurück bringt... und dabei seriös wirtschaftet. Und wofür der dann auch immer steht... das ist dann genau das "Konzept", welches der HSV braucht.

Sportliche Konzepte sind so ein bisschen was wie Diskussionen über Gott. Die können bei einer Flasche Wein unter Akademikern wunderbar und lustig sein. Es hat aber für die praktische Arbeit und eigentliche Entscheidungsfindung keinerlei Relevanz. Die richtigen Leute finden ist das einzige, was wirklich zählt.
Und um nochmal den Bogen zu schlagen: Gerade wenn man bedenkt, wie zufällig die Gladbacher am Ende über Eberl gestolpert sind und wie sie den fast wieder loswerden wollten... Es ist ja nicht so, dass das derzeit in Gladbach so gut funktionierende "Konzept" aus einem langjährigen Plan entstanden ist, sondern man ist im Panikmodus darüber gestolpert.
Auf der Gegenseite hatte man bei Werder Bremen das Gefühl, dass die Übernahme des Vereins von Leuten wie Marco Bode und Frank Baumann langfristig geplant worden ist... was aber nicht bedeutet, dass es kein bescheuertes Konzept ist...

Freitag, 20. September 2019

Uli Hoeneß hat jeglichen Bezug zur Realität verloren.

Und bevor wir uns falsch verstehen: Ich liebe jeden einzelnen Satz. Da kann man jeden Morgen aufstehen und auf wunderbare Perlen hoffen.

Und im Gegensatz zu dem anderen Senilen Alten schwingt da nicht die Angst mit, dass "covfefe" vielleicht doch die Codes für die Amerikanische Atomwaffen sind. Also ja, ich werde Uli Hoeneß vermissen. Dass bedeutet aber auch nur, dass seine letzten Aussagen gründlichst analysiert gehören.

Nebenbei wurde der Letzte Beitrag hier mit einem "Manuel Neuer hätte die Bayern-Armada hinter sich" aufgehört. Anscheinend kommt die auch schon zum Vorschein, wenn praktisch nichts passiert.

Aber fangen wir mal direkt mit dem allerschönsten Schatz an: ""Wenn man in der heutigen Medienwelt lebt, muss man wissen, was man anrichtet. Wir mussten uns für unsere Pressekonferenz entschuldigen."
Also erstens: Dass Uli Hoeneß diese Pressekonferenz selber wieder auspackt. Der sollte doch als am meisten darauf hoffen, dass dieses Meisterwerk möglichst in Vergessenheit gerät.
2.) Dass Hoeneß, nur weil selbst er eingesehen hat, dass man sich dafür doch mal entschuldigen sollte, glaubt da irgendetwas richtig gemacht zu haben.
3.) Dass er jetzt Marc Andre ter Stegens Aussagen mit diesem Autounfall in Verbindung bringt. Ter Stegen hat nicht völlig unmotiviert und Zusammenhanglos das Grundgesetz zitiert und irgendwas von Menschenrechten geschwafelt... sondern einfach nur festgehalten, dass die Situation für ihn wirklich beschissen ist. Diesen Vorgang irgendwie mit seinen eigenen Aussagen in Zusammenhang zusetzen ist wirklich ein unwürdiges Schauspiel.

Dann behauptet Hoeneß, ter Stegen würde "einen tadellosen Sportsmann" beschädigen. Ähm... also wenn jetzt ter Stegen irgendwas an der Leistung von Neuer kritisiert hätte. Ein "Es kann nicht sein, dass ich hinter dieser Flasche auf der Bank sitze" raus gehauen hätte. Wenn er in irgendeiner Weise das Lebenswerk oder die aktuellen Leistungen kritisiert hätte. Aber er will lediglich ausdrücken, dass die Position, in die Jogi Löw in gebracht hat, für ihn richtig beschissen ist, weil ihm halt unmotiviert Hoffnungen gemacht hat, die man anscheinend nie erfüllen wollte. Neuer ist gar nicht das Ziel von ter Stegens aussagen.

Das bringt uns direkt zum nächsten: Da muss man doch zum Trainer oder Manager gehen und nicht zu den Medien. Also zum einen war Hoeneß mal ein Mensch, der das Spiel mit den Medien perfektioniert hatte. Der immer genau wusste, wann er diese nutzen muss um Reichweite zu generieren und dann bewusst was von sich gegeben hat. Er ist echt nicht der "Das muss man im kleinen Rahmen halten" Typ gewesen.
Und dann ist es halt problematisch zum Trainer oder Manager zu gehen, wenn der Trainer das Problem ist... und wir in der Nationalmannschaft eine Struktur geschaffen haben, wo Löw ausschließlich von engsten Vertrauten umgeben ist. Wenn ein Matthias Sammer noch einen Posten beim DFB hätte, könnte man da hingehen... aber ist es wirklich sinnvoll zu Oliver Bierhoff zu rennen, wenn man ein Problem mit Löw hat.

Und es bleibt halt festzuhalten, dass Löws Menschen- und Mannschaftsführung (also dass, was Rummenigge jetzt von ihm fordert) genau das Problem ist. Wenn Löw gleich gesagt hätte, dass er weiterhin voll auf Neuer setzen wird, dann hätte ter Stegen sich gleich darauf einstellen können oder die Konsequenzen ziehen müssen. Anders ausgedrückt: Genau genommen haben hier alle dasselbe Problem.

Bleibt noch das letzte Highlight, welches einfach nur belegt, wie wenig Hoeneß sich mit Fußball außerhalb seiner ersten Mannschaft beschäftigt: Dass ja niemand auf die Idee kommen würde, zu behaupten, ter Stegen wäre besser als Neuer... Nun ja... einer der beiden steht auf der Liste der 3 besten Torhüter der letzten Sasison... und das ist nicht Neuer. Die Expertenmeinung ist derzeit eher, dass ter Stegen besser ist. Ich erwähne es ja nur.

Das allergrößte daran ist ja... also wenn wir mal kurz ein Gedankenexperiment durchgehen, in dem Neuer vor ein paar Jahren die "Herausforderung Ausland" sucht und die Bayern sich als logische Ersatz ter Stegen verpflichten und ter Stegen würde sich jetzt als Herausforderer positionieren. Dann würde sich die Bayern Vorstände bei denselben Aussagen voll hinter ter Stegen stellen. Aber ihnen fehlt halt die Selbstreflektion und Weitsicht das zu erkennen. Das überrascht mich bei den beiden noch weniger, als bei Fußballprofis...

Montag, 3. Dezember 2018

Worst of desr "dann is das nicht mehr mein FC Bayern" Selbstzerlegung

Und ich dachte, der Höhepunkt wäre erreicht gewesen, als Uli Hoeneß nicht mal mehr genau wusste, wie viele Spiele die Bayern eigentlich schon absolviert hatten. Und ja, in dem Interview sagt Hoeneß am Ende den Satz "Meines Wissens haben wir jetzt 8 Spiele gemacht..." und wird dann vom Journalisten darauf hingewiesen, dass es bereits 10 waren... aber her, wer will sich schon mit solchen Details wie der Bundesliga beschäftigen. Das hat ein Hoeneß ja gar nicht mehr nötig.

Aber jetzt legt Hoeneß schon wieder nach. Also noch mehr nach, als in dem oben verlinkten Video, in dem er sich in seiner Kritik bestätigt sieht, weil der Spiegel investigativen Journalismus betrieben hat... Also genau seiner Aufgabe nachgekommen ist.

Jetzt... hagelte es Kritik auf der Jahreshauptversammlung. Eine Kritik, mit der sich Uli Hoeneß nicht beschäftigen will. Denn für ihn ist das ja nur ein "ganz kleiner Teil der Mitglieder, vor allem Herr Bachmeyer", der es sich zum Ziel gesetzt hat Hoeneß's hervorragenden Ruf zu ruinieren. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Vorwürfen gibt es kaum.

Dabei muss man erst Mal den Digitalen Hut vor dem Johannes Bachmeyer ziehen. Denn wenn man sich das Video anguckt, fällt einem sofort auf, dass der Mann verdammt nervös ist. Dass er richtig viel Mut aufbringen musste, um diese ja auch für ihn bitteren Wahrheiten in der Form und an dem Ort auszusprechen.

Aber vor allem fällt einem eine Sache beim Runterscrollen auf: 14.509 Likes bei 439 Dislikes. Und eine Kommentarspalte, die voll von "Gut, dass er sich da getraut hat" und "Da stellt sich einer hin und sagt, was Zehntausende Fans von der Vereinsführung halten" Aussagen ist. Und da fällt Hoeneß "das ist eine Minderheit" das erste Mal auseinander. Wenn dem so wäre, würden die Bayern-Fans, nachdem sie über dieses Video gestolpert sind, wofür der Youtube Algorithmus schon sorgen wird, ihren Daumen nach unten dagelassen. Und einen "Was für ein Vollidiot" drunter geschrieben. Es gibt aber nur noch erschreckend wenige Bayern-Fans, die wirklich gewillt sind ihre Vereinslegende zu verteidigen...
Nebenbei ist das eigentlich großartigste Hoeneß "Ich lehne eine Diskussion auf dem Niveau total ab." Die allgemeine Reaktion auf diese Aussage ist ein "Weil ihm das Niveau halt zu hoch ist..."

Und Bachmeyer ist ja auch nicht, wie Hoeneß das darstellen will, ein verwirrter Einzeltäter. Hier haben wie Manu Thiele, seines Zeichens Youtuber für ARD und ZDF, der seine Journalistische Distanz verliert, sich als Bayern-Mitglied outet, peinliche Videos aus seiner Jugend zeigt um seinen Fanstatus zu verdeutlichen (heute in der beliebten Serie: Was macht eigentlich der Typ, den Matze Knop damals vor "Finale Dahoam" eine Glatze rasiert hat? Hat der das Trauma gut überwunden? Anscheinend nicht.) und setzt dann zu einer 10 Minütigen Wutrede über die aktuellen Zustände beim FC Bayern an. Dabei bringt er im wesentlichen dieselben Argumente wie der Bachmeyer. Und kommt auf ein ähnliches Likes to Dislike Verhältnis.

Und nur um mal zu erwähnen, dass die Kritik am Präsidenten keine Neuigkeit ist, sei hier nochmal der Kommentar vom Hauseigenen Mia san Rot Blog über Hoeneß Diskussionsbeitrag in der Mesut Özil Debatte verlinkt. Und der Vollständigkeit halber ein aktueller Gastkommentar zur JHV. Wo es auch darum geht, dass das eben keine Minderheit mehr ist. Und der auch mit den eigenen Bossen recht kritisch umgeht. Natürlich nicht nur mit denen, aber so funktioniert halt ein vernünftiger Diskurs.

Hoeneß hat anscheinend kein Interesse an einem echten Diskurs. Er lässt andere erklären, dass die über Würste in der Allianz Arena durch eine Blindverkostung entschieden worden sein soll. Und er äußert sich halt auch nicht zur politischen Lage Katar. Das ist nebenbei der Beweis, dass die Stimmung nicht nur so schlecht ist, weil man gerade mal nicht an der Tabellenspitze steht... Über Deals mit Katar wurde intern schon gemosert, als die Bayern noch 20 Punkte Vorsprung hatten.

Dass er es nebenbei kann, beweist er in der Personalie Paul Breitner. Da erklärt er wunderbar, dass es nicht nur um die eine Aussage im Bayern 3 ging, sondern dass der Streit im Stillen Kämmerlein seit Jahren vor sich hin köchelt. Mit diesen Informationen kann man die Entscheidung über die Verbannung von Breitner zumindest nachvollziehen. Wenn er sich zu den anderen Vorwürfen in ähnlicher Weise äußern würde, könnte ihm das nicht Schaden... Was aber gerade ein allgemein gültiger Satz ist...

Und ja, ich sage jetzt was völlig absurdes: Hoffentlich nimmt Hoeneß, wenn er es schon nicht öffentlich machen will, wenigstens intern diese Kritik an. Auch wenn ich da meine Zweifel habe. Wenn diese Arroganz wirklich seine komplette Geisteshaltung zu dem Problem ist, könnte das Ende für Hoeneß bei den Bayern nämlich ein wirklich hässliches Kapitel werden. Dann könnte es ihm passieren, dass er bei seinem Lebenswerk am Ende vom Hof gejagt wird. Und obwohl ich einem Hoeneß eigentlich gar nichts gönne, muss ich zugeben: Das hätte er nicht verdient.

Dienstag, 24. Juli 2018

Was hat denn bitte der Hoeneß genommen?

Zu tief in Horst Seehofers Glas geguckt?

Ich meine ernsthaft, WTF? Der hat es geschafft, dass sein eigener Haus und Hof Blog sich gegen ihn wendet...
Dass Özil bei der EM ein gutes Viertel- und Halbfinale gespielt hat, hat dem Uli Hoeneß wahrscheinlich einfach niemand mitgeteilt... wahrscheinlich erinnert der sich nur an die verschossenen Elfmeter...
Und genau das ist ja Özils Problem. Hoeneß kippt genau das Benzin ins Feuer, an dem Özil am Ende verzweifelt ist. Dessen Argumentation wird genau dadurch nur noch bestätigt: Wir sehen immer nur die schlechten Leistungen des Dreckstürken, was er alles gut gemacht hat, ignorieren wir. Danke, dass sie Özil bestätigen... Dass Hoeneß Wahrnehmung sich mit der betrunkenen Mehrheit deckt, ist der Grund, warum wir diese Diskussion führen müssen...
Und es ist natürlich auch wieder Munition für all die rechten Giftmischer. Genau das, was wir jetzt gerade brauchen.

Vor allem, es ist der Hoeneß... der selber als staatlich anerkannter Steuerhinterzieher sich ausgiebig darüber ausgeheult hat, wie schlimm ihn doch die Medien behandelt haben. Schlüsselzitat:

"Aber was in den letzten 14 Monaten auf einen Mann und seine Familie, der am Boden lag und liegt, an Häme, an Pranger niedergeprasselt ist, das konnten meine Familie und ich keinen Tag länger ertragen."

Vielleicht sollte sich der Hoeneß mal daran erinnern, wie es ihm aus eigener Perspektive (meine Wahrnehmung war natürlich eine andere) ergangen ist, nachdem er einen wesentlich dramatischeren "Fehler" begangen hat als Özil. Vielleicht sollte er mal darüber reflektieren, wie er sich damals gefühlt hat, als er durchs Dorf getrieben wurde... Und das sein eigenes Schuldbewusstsein am Ende auf Augenhöhe mit Özils ist und in einem "Freispruch wäre normal gewesen" endet... Also gerade der Typ sollte doch genau wissen, wie es ist, wenn man seinen eigenen Fehler als völlig überbewertet ansieht...

Und ja, ich packe das immer wieder aus, wenn der Hoeneß sich zu sozialen Themen äußert: Der Mann hat jegliches Recht sich als Moralische Instanz aufzuspielen verloren.

Vielleicht sollte der Typ auch einfach mal vor seiner eigenen Vereinstür kehren... Also nur so als Gedanke... Wir haben gerade eine WM erlebt, bei der die Profis des VfB Stuttgarts mehr Tore erzielt haben, als die des FC Bayerns... bei denen Leute wie Robert Lewandowski, Jerome Boateng und Thiago Özils Nicht-Leistungen in den Schatten gestellt haben... Oder nehmen wir einfach mal... Thomas Müller, der den letzten beiden Turnieren jeweils schlechter abgeschnitten hat als Özil... aber man stelle sich vor, jemand würde mit Hoeneß mit der Theorie konfrontieren, dass Müller nicht mehr ins Nationalteam gehört... Der würde mit "So ein verdienter Spieler" anfangen... genau das ist Özil halt auch... Nur dass auf dem einen verdienten Spieler ständig rumgehackt wird und auf den anderen nicht...
Und an der Stelle funktioniert halt auch das "lasst uns nur über das sportliche reden" nicht. Denn wenn Özil Stefan Meier heißen würde und guter Christ wäre, hätten weder wir noch er das Problem, über welches wir jetzt diskutieren... Und ja, dann hätte er sich auch mit einem Russischen Diktator ablichten lassen dürfen. Weil Stefan Meier natürlich russische Vorfahren hat und keine türkischen...

Weder Hoeneß, noch ich, können halt nachvollziehen, wie es ist in einer derart exponierten Stellung einen Migrationshintergrund zu haben. Und wenn man sich jahrelang darin gesonnt hat, dass die Nationalmannschaft als Musterbeispiel der Integration gilt (Siehe unser guter Nachbar Boateng...), dann kann man jetzt, wo es mal nicht läuft, nicht behaupten, dass das alles kein Thema ist... Denn gelungen Integration zeigt sich ja gerade in den schwierigen Momenten...

Und natürlich kann man die Özil-Aussagen kritisch betrachten... aber halt nicht so... Das war echt das Dümmste, was man zu diesem komplexen Thema sagen konnte...

Mittwoch, 10. Mai 2017

Da haut der Hoeneß wieder einen raus

Und lässt einen echt denken, dass die Bayern wirklich zu einem Altersheim geworden sind... also dass sie an der Spitze von senilen alten Männern beherrscht werden, die keinen Bezug mehr zu Realität haben.

Aber über die Frage, ob die Bayern, die die Liga dominieren und unglücklich gegen einen der 3 Titelfavoriten ausgeschieden sind, kann man ja wunderbar führen. Meine Antwort: Noch nicht, aber unter Carlo Ancelotti werden sie es werden.


Das ist ja auch gar nicht mein Problem mit dem Hoeneß. Nur als Bayern-Präsident könnte ich den sogar respektieren. Mein Problem ist, dass das ein kriminelles Arschloch ist. Der den Staat (also uns alle) um 15 Millionen Euro betrogen hat... Und sich jetzt hinstellt und behauptet, dass man für so was doch wohl frei gesprochen gehört. WHAT THE FUCK???

Kann man den für solche Aussagen wieder wegsperren?

Was mich am meisten stört... ist ja seine Logik. Hey, als mir bewusst wurde, dass dies wahrscheinlich auffliegt, weil das Steuerabkommen mit der Schweiz gescheitert ist (und ja, Hoeneß hat nicht Selbstanzeige erstattet, weil er mit seinem Gewissen zu kämpfen hatte, sondern weil er wirklich Schiss davor hatte, dass man ihm auf die Schliche kommt), habe ich das ja alles mit Zinsen und Zinseszins zurück gezahlt.

Memo an Herrn Hoeneß: Wir haben kein Rechtssystem, aus dem man sich offiziell frei kaufen kann. Und das ist gut so.
Hoeneß Logik lautet im Wesentlichen: Ich habe Geld, also muss ich normaler Weise nicht in den Knast.

An der Stelle wollte ich ein letztes Mal erwähnen, dass man Steuersünder anders bestrafen sollte... denn genau genommen kosten Gefängnisaufenthalte dem Steuerzahler ja Geld... Es wäre also wesentlich sinnvoller für alle 10.000 Euro an hinterzogenen Steuern Tag Sozialarbeit abzuleisten. Damit der Steuerzahler das, was ihm da entgangen ist, in körperlicher Arbeit zurück bekommt... Hoeneß müsste also Jahre lang beim Amt für Stadtgrün den Gesellschaftlichen Müll wegkehren um seine Schulden zu begleichen...

Vor allem: Ist dem eigentlich bewusst, wie glimpflich der davon gekommen ist? Zum einen wird es höchstens eine Hand voll Individuen geben, die 15 Millionen an Steuern hinterziehen. Die meisten von uns zahlen in ihrem gesamten Leben keine 15 Millionen an den Staat... Das ist schon ein extremes Level.
Zum anderen... war die geforderte Strafe 5 1/2 Jahre. Und wenn Hoeneß keine Person des Öffentlichen Lebens gewesen wäre... Gerade der Besagte Richte verteilte gerne mal harte Strafen. Nur mal zum Nachlesen: Ein Radiologe hinterzieht 800.000 Euro und geht 3 Jahre ins Gefängnis. Hoeneß 15 Millionen sind genau so schlimm... Beziehungsweise aus Hoeneß eigener Perspektive weniger schlimm, denn seine Strafe war ja unangebracht.
Er merkt nicht mal, dass all das, was er den Leuten jetzt vorwirft, ihm eher geholfen als geschadet hat. Wenn er ein anonymer Steuerhinterzieher mit zufälliger Nummer gewesen wäre, würde er heute noch im Knast sitzen. Und 2 weiter Jahre vor sich haben.

Und ja, ich weiß, ich wollte mich darüber nicht mehr aufregen. Ich wollte mit dem Thema eigentlich abgeschlossen haben und nicht weiter drauf rumhacken. Schließlich hat Hoeneß in einem Rechtsstaat sein Urteil erhalten, akzeptiert und abgesessen.  Aber wenn Hoeneß persönlich mich so freundlich noch mal dazu auffordert es wieder herauszuholen. Kann ich natürlich nicht "Nein" sagen...

Oh und Bawful Bonus Punkte für den Kicker, die auf der selben Pressekonferenz saßen. Die haben mit diesem Thema also wirklich konsequent und endgültig abgeschlossen...

Dienstag, 17. Januar 2017

Das schöne an dem neuen Hoeneß ist ja

Der ist so schön geläutert. So richtig bescheiden geworden ist er. Und er kann mit der Verantwortung seiner abgesessenen Strafe auch echt gut umgehen und konzentriert sich deswegen auf sich und seinem Verein und hält sich aus dem Rest raus. Auch wenn es um die "Abteilung Attacke" irgendwie Schade ist...

Ach was soll's, dass kann man sich nicht wirklich einreden. Uli Hoeneß hat anscheinend gar nichts gelernt.

Das erste Mal dachte ich das, als er sich zum Verteidiger von Franz Beckenbauer in der großen "Der gefallene Kaiser" Ausgabe des Kickers aufschwingen wollte... wo ich auch nur dachte: Ja, klar, wenn jemand eine versteckte Bonuszahlung moralisch erklären kann, ist das genau der Uli... Und genau an der Stelle würde ich mich an seiner Stelle auch ins Gespräch bringen. Aber gut, da ging es wenigstens um eine Bayern-Legende, also hat er vor der eigenen Tür verteidigt...

Sonst so...

Also irgendwie hat man das Gefühl, dass Hoeneß im Juni noch in Isolationshaft saß und nicht so sonderlich viel mitbekommen hat... zumindest scheint er der einzige zu sein, der geglaubt hat, Borussia Dortmund würde dieses Jahr zu großen Attacke auf die Bayern blasen. Ja, genau die Borussen, die von seinen Bayern einen anscheinend doch richtig großen Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommen haben. Mit (und ja, ich habe da auch schon anderes behauptet, aber Marc Bartra ist einfach nicht so gut) Matts Hummels hätten die ja echt eine Chance (also auch weil die Bayern mehr "schwächeln" als ich erwartet habe)... aber die Bayern haben ja sicher gestellt, dass es dazu nicht kommt... oder, um bei Hoeneß Wahrnehmung zu bleiben, Hummels hat selber bei ihm angerufen und drum gebettelt, dass er doch zum Rekordmeister kommen darf...

Aber weil ihm das ja nicht reicht... macht er den Rest der Liga dumm, weil sie ein moralisch verantwortliche Entscheidung getroffen haben... und auch ganz andere Mittel haben als die Bayern, die halt in Katar geladene Gäste sind.
Gut, nun muss man natürlich auch fest halten, dass der Hoeneß halt Bayer ist... also dass dessen Ministerpräsident wahrscheinlich heimlich vom Frauenbilder der Scheichs da unten träumt...
Das wäre nebenbei mal eine geile Variante gewesen, die "Diskussionen" anzustoßen, was ja Hoeneß Anspruch ist: Ja, wir kommen weiterhin zu euch, aber wir bringen unsere auch recht erfolgreiche Frauenmannschaft mit.

Aber ja, Hoeneß macht jetzt dem Rest der Liga indirekt Vorwürfe, weil sie die moralisch anständige Entscheidung treffen wollten oder mussten nicht in einem Skalventreiber Staat zu reisen. Und ja, der Wikipedia Artikel zum Thema "Arbeitsmigranten in Katar" klingt richtig böse.
Der einfachste Konter wäre an der Stelle: "Immerhin können wir ausschließen, dass beim Bau unseres Hotelgeländes unschuldige Menschen umgekommen sind... dafür frieren wir im Zweifelsfall auch gerne." Aber schön, dass die Bayern wieder (wie Hoeneß es beschreibt) "klüger als andere Teams" war.
Oder halt moralisch gar keine Ansprüche hat... Und ja, so ist das halt, bei dem einen Verein mit einem Präsidenten, der aus einer Haftanstalt "rekrutiert" worden ist... Keeping it Gangsta.

Und dann ist da noch die Sache, in der Hoeneß RB Leipzig als "neuen Feind" beschreibt. Das ist in Zeiten, wo uns einzelne Bewegungen und Parteien aus einer gesamten Religionsgruppe ein Feindbild kreieren will, irgendwie unangemessen. Aber das ist ihm wenigstens selber aufgefallen.

Und ja, ich wollte Hoeneß eigentlich eine Chance geben. Ich wollte nicht unnötig auf dieser rechtlich ja auch abgeschlossenen Geschichte rumhacken. Mein letzter Offizieller Beitrag zu dem Thema ist 2014 geschrieben worden...

Jetzt... scheitert er allerdings sehr konstant an dem einen Anspruch, den ich an ihm hatte: Dass er sich als neuer Bayern-Präsident nicht zum Sprachrohr der Fußballnation macht. Sich also ständig zu anderen Vereinen äußert... Dazu fehlt einem verurteilten Steuerhinterzieher meiner Meinung nach die moralische Grundlage.
Soll er sich doch um seinen Verein kümmern. Und wenn ihm das zu langweilig ist, muss er sich halt nen anderes Hobby suchen.

Meine Persönliche Hoffnung ist ja, dass sich Uli Hoeneß bei der Rückkehr aus seinem persönlichen Sommer eine richtig fette Grippe eingefangen hat und 2 Wochen lang das Bett hüten muss... Das wären immerhin mal 2 Wochen, in denen er keinen unangebrachten Scheiß labert.

Donnerstag, 8. Mai 2014

Lebenslang für Uli Hoeneß?

Polemik for the win!!!

Und bevor jemand fragt: Ich will nicht, dass Uli H. lebenslang ins Gefängnis muss... ich bleibe eigentlich bei Sozialstunden als Strafe. Aber... ich muss ein bischen ausholen...

In der NBA gabe es gerade einen riesigen Rassismus Skandal um den Besitzer der LA Clippers Donald Sterling. Was hatte der gemacht? In einem privaten Telefonat ganz offen seine Meinung geäußert. In einem Land in dem offiziell Meinungsfreiheit herrscht... dass diese Meinung eher ins Jahr 1860 als ins Jahr 2014 passt... ist traurig.

Dass Sterling ein rassistisches Arschloch war, stand aber immer schon fest. Und jetzt hat ihm die NBA mit einem Lebenslangen Stadionverbot belegt. Und man versucht ihn quasi rauszuekeln... Was im Vergleich zum Telefonat die größere Straftat darstellen dürfte... Aber im Jahre 2014 als eher toleriert wird als Rassismus...

Uli Hoeneß als Staatlich Anerkannter Steuerhinterzieher... gibt zu seinem eigentlich Abschied bekannt, dass die eigentlich vorherrschende Reue durch "Hass" ersetzt worden ist. Und er kündigt an, was wir alle schon ahnten... dass Karl Hopfner eigentlich nur ein Interimspräsident ist, bis Hoeneß wieder auf freiem Fuß landet.

Und um noch einen draufzusetzen... schießt er scharf gegen die Medien. Nun lese ich keine Stern und Spiegel... und nur die Bücher von George R.R. Martin... Aber die Fachmagazine, die ich verfolgt habe, waren viel zu beschäftigt damit, Hoeneß Lebenswerk zu feiern... und die gesamte Bundesliga macht bei der lustigen Beweihräucherung mit. Obwohl es gerade für die Bundesliga ganz viele Fragen gibt, die mal kritische gestellt werden müssten. Kurz gesagt: Warum investiert Robert Louis-Dreyfus 20 Millionen in seinen Freund Uli... in genau dem Jahr, in dem adidas als Strategischer Partner bei den Bayern einsteigt?

Jetzt als Ergebnis dieser Beweihräucherung zur großen Medienschelte auszuholen... und sich selbst in die Opferrolle zu stecken... bei einem derart milden Urteil, dass die maximale Haftstrafe für Steuerhinterziehung von laut Gesetzbuch "bis zu Zehn Jahren" auf "wie im Fall Hoeneß 3 1/2 Jahre" heruntersetzte...

Wenn ich als kleiner Kicker-Redakteur diese Rede hören würde... würd ich mich nochmal auf dem Weg zu meinem Chefredakteur machen... so nach dem Motto: Du Chef, ich hab doch diese Dreyfus-Story recherchiert... ja, die sollte ich in der Schublade verschwinden lassen... und wir werden dafür erst Mal viel Hass von den Bayern kassieren... aber das haben wir damals, als wir über die bevorstehende Pleite von Borussia Dortmund berichtet haben, auch... und der Hoeneß provoziert mich auch noch...

Und auch die DFL würde wahrscheinlich in ein unschönes Wespennest stechen, wenn sie mal bei den Dreyfus Millionen genauer nachfragen...

Um jetzt zur ursprünglichen These zurückzukehren: Sollte die angeblich ach so seriös geführte DFL jemanden, der 30 Millionen Euro an Steuern hinterzogen hat, nicht lebenslang als Funktionär sperren? Oder zumindest mal darüber nachdenken und verhandeln, ob der Präsident und Manager Uli Hoeneß eigentlich von seiten der Liga noch weiter sanktioniert werden müsste. Um rauszukriegen, ob diese Dreyfus Connection nicht offensichtlich fischig ist? Aber das will ja niemand.

Dienstag, 18. März 2014

Warum wird Uli Hoeneß eigentlich immer noch wie ein Heiliger behandelt?

Das ist die eine Frage, die mich am meisten beschäftigt...

Der Mann hat anerkannt 27,2 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben... und trotzdem sprechen alle von einem "Fehler" den er halt gemacht hat... Und feiern sein Lebenswerk, anstatt mal zu fragen, wie man es schafft so viel Geld zu hinterziehen... 27,2 Millionen Euro sind kein Fehler mehr...

Wenn selbst der Tagesschau auffällt, dass ein einzelner Mann eigentlich gar nicht so viel Steuern hinterziehen kann... Eine Ansicht, die doch normaler Weise eher auf die Verschwörungsblogs als in die Tagesthemen gehört... Und trotzdem findet unsere Kanzlerin eine Möglichkeit, Uli Hoeneß Respekt zu zollen... WTF?

Denen ist schon bewusst, dass der durchschnittliche Deutsche in seinem Gesamten Leben keine 27,5 Millionen Euro Steuern zahlt? Und dass Hoeneß diesen absurd hohen Betrag in nur 12 Jahren hinterzogen hat? Weil er als Würstchenfabrikant und langjähriger Bayern-Manager gar nicht so genau wusste, was er eigentlich versteuern musste? Ja, klar, ganz bestimmt...
  ...dass der adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus ihm ein Konto mit 20 Millionen Euro "zur Verfügung" gestellt hat? (Steht alles im Kicker... nur halt im Kleingedruckten). Nebenbei kaufte sich Adidas zufälliger Weise genau 2001 als Strategischer Partner bei den Bayern ein... Singing Fee? Anyone?

Wenn man sich die Liste der größten Steuerhinterzieher so anguckt, kommt einzig ein gewisser Paul Schokemöhle auf einen Betrag nördlich der 20 Millionen. (Warnung: Die Bildersierie auf N-TV.de greift die Schreiber Affäre der CDU auf... wenn wir wirklich wissen wollen würden was da damals abging... wäre Schäuble heute kein Minister mehr..)

Könnt ihr euch noch daran erinnern, wie der Klaus Zumwinkel damals durchs Dorf getrieben wurde? Der wurde von der Polizei abgeführt. Bei Zumwinkel ging es damals um 1 Millionen Euro... Die SPD nannte Zumwinkel und unsere Manager-Schicht darauf hin als "Neue Asoziale"... Wegen einer Millionen...

Und wo wir schon dabei sind: Dieses Urteil legt ja auch irgendwie das neue Höchststrafmaß fest. Oder kann sich irgendjemand vorstellen, dass ein Individuum mehr als 27,2 Millionen Steuern hinterzieht... und sich dabei erwischen lässt? Es sollte also nicht mehr "bis zu 10 Jahre Haft" sondern nur noch "wie im Fall Hoeneß bis zu 3 1/2 Jahre Haft" heißen...

Aber anstatt einen Hoeneß jetzt zu verteufeln... diskutieren die ersten schon über eine mögliche Rückkehr zum FC Bayern nach seiner Haftstrafe... und die ersten sind hier Edmund Stoiber... Für diejeinge, die zu jung sind, um zu wissen, wer das ist: Stoiber war bis 2007 Ministerpräsident und Gottvater in Bayern... er ist quasi derjenige, der direkt vom Hoeneß um das Geld betrogen worden ist... Auch wenn er behaupten wird, dass die 27 Millionen eh in den Länderzinanzausgleich geflossen wären... Dieser Mensch sollte entweder jeglichen Respekt für (wenn er wirklich so dreist ist 27 Millionen Euro bewusst zu hinterziehen) oder jegliches Vertrauen in (Wenn er wirklich so inkompetent ist, nicht zu merken dass er dem Staat 27 Millionen Euro schuldet) Hoeneß verloren haben...

Dass sind im großen und ganzen die einzigen 2 Möglichkeiten als Politiker auf den Fall Hoeneß zu reagieren... stattdessen sprechen die von "Respekt"...

Was ich halt nicht verstehe: Warum wird die eine Sau (Zumwinkel) so durchs Dorf getrieben, während die andere viel dickere Sau weiterhin verehrt wird. Dass die Bayern nicht unbedingt jeden Stein umdrehen und wissen wollen, wie korrekt der Deal zwischen ihnen, Hoeneß, Adidas und Louis-Dreyfus so ablief, kann ich ja noch verstehen. Aber dass es auch die Politik, die Medien und die anderen Vereine der Bundesliga so gar nicht interessiert... Dass der Kicker lieber sein Lebenswerk feiert, als da mal nachzuharken und nachzuforschen... Natürlich würde der Kicker dafür erst Mal richtig aufs Maul bekommen... aber das hat er damals, als er noch ein Fachblatt war und die Dortmunder Finanzmisere aufgedeckt hat, auch... Heute sind selbst die Dortmunder Dankbar darüber, dass der Kicker damals nachgeforscht hat...
Aber im Fall Hoeneß haben wir uns alle relativ schnell dafür entschieden, gar nicht so genau wissen zu wollen, was da passiert ist...

Freitag, 6. Juli 2012

Jetzt ist Christian Nerlinger also Schuld

... daran dass Arjen Robben seine Elfmeter bevorzugt flach und unplaztiert nach rechts schießt...
... daran, dass Bastian Schweinsteiger in diesem Jahr 2 schwere Verletzungen hatte (und ja, auf die Bayern-Saison hatten diese Verletzungen definitiv Einfluss...)
... daran, dass Borussia Dortmund die vielleicht dominanteste Saison aller Zeiten gespielt hat...
... daran, dass sich dieser immernoch edel besetzte Kader im Pokalfinale 5:2 abschießen lässt...
und natürlich fast am wichtigsten: Am Desaster Dahoam...


Christian Nerlinger ist das perfekte Bauernopfer. Und sein wir ehrlich: genau deswegen wurde er eingestellt. Niemand hätte direkt auf Uli Hoeneß als Manager folgen können ohne zu scheitern. Und wahrscheinlich entschied man sich nur deswegen für einen. der schon als Spieler nur ein Wasserträger für die Künstler im Kader war. Und jetzt, nach 3 Jahren (davon 2 titellos), muss sich ein Matthias Sammer auf einmal nur noch am Lehrling messen lassen und nicht mehr am Großmeister...

Nicht, dass das in irgendeiner Weise falsch ist... oder dass ich es Hoeneß direkt vorwerfen wollen würde... aber hatte Christian Nerlinger gegenüber einen Oliver Kahn irgendeinen herrausstechenden Vorteil? Also außer, dass man ihn halt jetzt leichte entlassen konnte... weil er eben keine lebende Klublegende ist...

Nun stellen wir also fest, dass Sammer die ganze Zeit über wirklich gar nicht auf den Posten von Jogi Löw spekuliert hatte, sondern eine FC Bayern-Ausstiegsklausel hatte... Und das muss man ihm hoch anrechnen: Er ist der einzige Meistertrainer, der selber erkannt hat, dass er als Trainer eigentlich nicht taugt...
Und ich wage einfach mal die These: das liegt daran, dass er seine Mannschaft genau so spielen und trainieren sehen will, wie er selbst gespielt hat... Mit 31 Jahren war Sammer häufiger verletzt als fit... und in seinem letzten Jahr in Dortmund waren gefühlt in seinem Kader mehr verletzte als fitte Spieler...

Der wirkliche Gewinner dieses Wechsels ist aber Jupp Heynckes. Der ist damit nämlich fein raus. Und es sieht so aus, als würde (außer ihm selber in kritischen Tönen) bei den Bayern niemand seine Rolle an den 2. Plätzen kritisch hinterfragen. Was faszinierend ist: Heynckes ist der mit Abstand schlechteste Bayerntrainer der Neuzeit. Er ist der einzige Trainer seit der Wende, der behaupten kann 2 titellose Jahre bei den Bayern betreut zu haben. 1991 und jetzt 2012. Aber da er Hoeneß's bester Freund ist, wird er schon alles richtig gemacht haben...

Aber die wirklich spannende Frage... hätte Bastian Schweinsteiger seinen Elfmeter wie der Halbfinal-Führungs-, "der durchaus Verantwortung übernehmen kann"-spieler geschossen (die kurze Version dieses Titels lautet "Chefchen")... wäre Christian Nerlingers Amtsperiode dann (mit dem Titel Dahoam) auf einmal ein riesiger Erfolg? Hätte Hoeneß ihn dann im Amt gelassen? Ich hätte nie gedacht, dass Hoeneß seine Entscheidungen von einem einzigen Strafstoß abhängig machen könnte, aber genau so sieht es derzeit aus... das sind eigentlich Verhaltensweisen von senilen Öl-Scheichs und ähnlichen Oligachen....  Aber Menschen mit Sachverstand?