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Montag, 13. Mai 2024

Thomas Müller vs Mathy Tel

 Ein absurder Vergleich.

Also für Kontext: Ich hab den Fehler gemacht, mich in den Kommentarspalten bei Youtube rumzutreiben. Wobei, so falsch war das ja gar nicht, ich hab ja am Ende gewonnen. Da ging es dann um Thomas Tuchel und die mangelhafte Talententwicklung, die ihm die blinden Hoeneß-Anhänger anscheinend wirklich vorwerfen.

Mein Gesprächspartner meinte dann, dass Louis van Gaal es ja auch hinbekommen hat. Mein erstes Totschlagargument war: Nun ja, van Gaal holte damals 70 Punkte... nur reichte das halt für die Meisterschaft. Tuchel ist nach 33 Spieltagen bei 72. Und er hatte im Champions League Halbfinale weniger Pech als Tuchel. Objektiv gesehen hat van Gaal nur im DFB-Pokal eine deutlich bessere Saison gespielt. Aber er musste sich halt nicht mit diesem Bayer Leverkusen messen. Dem Vergleich hätte er auch nicht standgehalten.

Viel lustiger ist aber: Im Wesentlichen setzte van Gaal auf 2 Talente: den 20-jährigen Holger Badstuber und den nach dem 5. Spieltag 20 Jahre alt werdenden Thomas Müller. Wenn es um wirkliche "Teenager-Einsätze" geht, kommt Müller auf 6 (inklusive Pokal). Dazu David Alaba auf 3 und Diego Contento auf 9. Breno kam vor seinem 20. Geburtstag auf einen Einsatz.

Währenddessen kam Aleksandar Pavlovic vor seinem 20. Geburtstag am 3.5. auf 16 Einsätze... und Mathys Tel auf... Error 404 File not yet found. Also der ist ja erst Ende April 19 geworden. Der hat noch 11 Monate Zeit... Er kam in dieser Saison trotzdem schon auf 39 Einsätze. Das ist für einen 18-Jährigen beim Rekordmeister ein absurd hoher Wert. 

Also um das mal zu verdeutlichen: 11 Monate vor seinem 20. Geburtstag hat Tel 51 Einsätze in der Bundesliga und 12 in der Champions League in der Vita stehen. Und 3 Spiele im DFB-Pokal. In diesen Einsätzen hat 15 Tore erzielt. Dazu wird noch ein fettes "Plus X" kommen. Da dürften locker weitere 30 Einsätze amstehen, wenn der nächste Trainer ihn nur halbwegs so konsequent fördert, wie Tuchel das getan hat.

Thomas Müller als die Referenz für positive Talententwicklung kam an seinem 20 Geburtstag auf 9 Bundesligaeinsätze. Er erzielte am Abend vor dem 20. Geburtstag seine ersten beiden Bundesligatore... Gegen Dortmund. Natürlich. Aber er kam da als Einwechselspieler zur Pause. Erst an seinem 20. Geburtstag wurde der "Müller spielt immer" Mythos begründet.

Tel ist einem Müller im direkten Vergleich meilenweit voraus. Es wird nur immer vergessen, wie jung der Mann immer noch ist. Aber der ist mehr als nur im Soll. Der ist auf dem Weg zu einer richtig großen Karriere.
Ein weiterer Vergleich: Ein Jamal Musiala kam zu seinem 20. Geburtstag auf 16 Bundesligatore und auf einen einzigen Treffer in der Champions League. Das sind Werte, die Tel locker toppen sollte. Die 51 Bundesligaspiele hat er ja jetzt schon auf dem Buckel.

Da haben wir Pavlovic, der auch einen Großteil der Saison als Teenager erlebte und jetzt im EM Kader steht, noch nicht mal mit einberechnet. Wenn man sich die Bilanz dieser beiden Spieler anguckt, ist Tuchels Bilanz bei den Talenten sogar besser als die von van Gaal, weil er auf deutlich jüngere Spieler deutlich nach vorne gebracht hat. Trotzdem muss sich Tuchel jetzt diesen Scheiß anhören. 

Und all das nur, weil Bayer Leverkusen eine überragende Saison gespielt hat. Eine absolute Rekordsaison. Die Bayern persönlich haben nur 1 Mal mehr Punkte geholt, als diese Werkself am Ende haben könnte. Also falls die am letzten Spieltag auch gewinnen. Hier muss man nochmal festhalten, dass alle Verantwortlichen und Fans vollkommen zufrieden mit der Entwicklung dieser Talente wäre, wenn man mit 75 Punkten Meister werden würde. Was auch oft genug reichen dürfte. Da es dieses Jahr dafür aber eben keinen Titel gibt, soll dieselbe Arbeit plötzlich Scheiße sein? Das könnt ihr doch keinen erklären.

Aber immerhin hat ja auch deswegen niemand Bock auf den Job. Und jeder, der irgendwie behauptet, dass Tuchel die eigenen Talente nicht ordentlich gefördert hat, labert absoluten Bullshit.

Dienstag, 30. April 2024

Uli Hoeneß, der Ewige König der Vollidioten.

Er war ein brillanter Manager. Das muss immer festgehalten werden. Aber mittlerweile ist das auch nur noch ein seniler alter Mann, der seine Macht nicht loslassen kann... und deswegen die Arbeit seiner eigentlichen Nachfolger sabotiert. Ich bin natürlich voll dafür, dass er seine "Meinung wieder deutlicher machen" will, schließlich dürfte das den Bayern eher Schaden als helfen.

Lasst uns mal wieder eines festhalten: Dem angeblichen "Vater des Vereins" geht es nicht um Geborgenheit, sondern nur und ausschließlich um Titel. Wenn diese Titel nicht geholt werden, ist Papa persönlich beleidigt und verliert jeden Bezug zur Realität. Der einzige Trainer, der eine titellose Saison überlebt, ist Jupp Heynckes... Und bei der Beurteilung der Arbeit lässt er jegliche Sachlichkeit vermissen.

Wir müssen hier nochmal eines festhalten: Thomas Tuchel hat in der Bundesliga mehr Punkte geholt, als in der letzten Saison zum selben Zeitpunkt. Und natürlich ist die Mannschaft etwas eingebrochen, als die Meisterschaft aus dem Blickfeld entschwand, aber nach 11 Meisterschaften infolge könnte ein Vater für so etwas doch etwas Verständnis entwickeln.
Vor allem war Tuchels Punkteausbeute, als die Trennung angekündigt wurde, besser als die eines gewissen Pep Guardiola. Nur leider spielt Bayer Leverkusen aber eine überragende Saison. Die sind so gut, dass selbst die Bestleistungen der Bayern nicht ausgereicht haben, um sich souverän Platz 1 zu sichern.
Aber in Hoeneß beschränkte Wahrnehmung passt es einfach nicht, dass andere auch mal überragende Arbeit leisten. Ihm fehlt es einfach an menschlicher Größe, um so etwas zuzugeben. Also muss der Trainer Schuld sein. Juan Bernat war anscheinend nicht erreichbar.

Dann führt dieser Trainer, mit dem Hoeneß schon abgeschlossen hat, die Bayern aber ins Halbfinale der Champions League. Plötzlich wird die Frage gestellt, ob Tuchel nicht doch bleiben soll. Hoeneß stellt ganz elegant sicher, dass dies ausgeschlossen ist. Denn ein "in seiner Trainerehre" gekränkter Tuchel wird auf keinen Fall bleiben.

Und die Kritik von Hoeneß ist halt so was von realitätsfern. Sie beweist nur, dass das eigentliche Problem mittlerweile Hoeneß heißt. Tuchel macht die jungen Spieler nicht besser? What the fuck?

Aleksandar Pavlovic hat sich in den Dunstkreis des EM Kaders gespielt. Des deutschen EM Kaders. Mag sein, dass das ein Anfall von Panik war, weil Julian Nagelsmann verhindern wollte, dass der Deutsch-Serbe sich für das Land seines Vaters entscheidet. Aber dass Pavlovic da jetzt schon auf dem Radar gelandet ist, liegt auch an Tuchel.
Mathys Tel hat sich zu einem Joker entwickelt, den man auf jedem Niveau reinwerfen kann. Also auch bei den anstehenden Champions League Spielen gegen Real Madrid. Die ersten Tore in diesem Wettbewerb erzielte er unter Tuchel.
Beide Spieler sind nebenbei zarte 19 Jahre. Ist Pavlovic gerade in seinem ersten kleineren Tief? Sicher. Fehlt Tel noch einiges, um eine Option über 90 Minuten zu sein? Bestimmt. Aber beide sind für ihr Alter in einer wunderbaren Position. Ich sage jetzt mal etwas ganz Dreistes: Ich bezweifle, dass ein 19-jähriger Florian Wirtz beim Rekordmeister eine wichtigere Rolle übernommen hätte. Gut, der kam da gerade von einem Kreuzbandriss zurück, da ist es leicht, so was zu behaupten.
Nebenbei hat Tuchel auch einen Thomas Müller weiterentwickelt. Also genau genommen hat Jamaal Musiala den entscheidenden Schritt gemacht, weshalb niemand mehr fragt, warum Müller in wichtigen Spielen nicht in der Startelf steht. Ist das sonst jemanden aufgefallen? Das war gegen Arsenal gar kein Thema mehr, vor 12 Monaten war es noch ein riesiger Punkt. Aber Müller nimmt auch zum ersten Mal in seiner Karriere die Rolle als Mentor und Ergänzungsspieler an, obwohl er vorher noch nie bewiesen hat, dass er einer Mannschaft von der Bank aus weiterhelfen kann.
Dazu kommt nebenbei das Bundesligadebüt von Lovro Zvonarek. Wenn die Bayern mit 5 Punkten Vorsprung an der Spitze thronen würden, wären alle zu 100 % mit der Entwicklung dieser Spieler zufrieden.

Dann, um endgültig die eigene Verwirrung nachzuweisen, lobt Hoeneß den Charakter von Xabi Alonso, weil der sich auf seine Aufgabe in Leverkusen fokussiert und sich nicht von den Bayern kaufen lässt. Während die Bayern letztens Julian Nagelsmann gekauft haben. Und mit einem ebenfalls mit gültigem Vertrag ausgestatteten Ralf Rangnick verhandeln. Wenn man den Xabi Alonsos Ansatz an diejenigen anwendet, haben die sich selbst disqualifiziert. Und die Bayern haben überhaupt nur angefragt, um eine Absage zu bekommen und den  Charakter zu testen.

Dass ein Harry Kane nebenbei sanften Druck auf seinen Ex-Verein ausgeübt hat, damit er zu den Bayern kommen kann... wie das 80 % aller Spieler im Kader des Rekordmeisters gemacht haben... ist auch was anderes.
Oder nehmen wir Max Eberl, der so ein wenig die Lust auf RB Leipzig zu verlieren schien, als die Bayern auf der Suche nach einem Sportvorstand waren...
Es ist einfach nur verwirrend, dass Hoeneß hier Charakterzüge lobt, die ihm anscheinend sonst total egal waren.

Aber hey, vielleicht beweist Rangnick ja auch Charakter und sagt offen, dass er wegen Hoeneß absagt. Wäre spannend, wie Hoeneß reagiert. Andererseits ist es Rangnicks letzte Chance, einmal deutscher Meister zu werden.

Man muss nebenbei auch mal festhalten, wie abgefuckt die Trainersuche bei den Bayern ist. Die wurden gerade 11 Mal in Serie Meister. Die Mannschaft ist immer noch so gut aufgestellt, dass sie nächste Saison der haushohe Favorit ist. Man hat gerade eine der (wieder) aufstrebenden englischen Spitzenteams geschlagen. Man hat nachgewiesen, dass man durchaus noch ins Halbfinale der Champions League kommen kann. Auch wenn ich persönlich nicht damit gerechnet habe.

Theoretisch ist das ein absoluter Traumjob. Im schlechtesten Verlauf poliert man seinen Lebenslauf mit 2-3 nationalen Titeln auf und zieht dann weiter. Im Idealfall hat man die Meisterschaft schon im März eingetütet und kann sich voll und ganz auf das europäische Geschäft konzentrieren.
Das könnte nebenbei ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil sein. Also Bayern, Real und Paris haben ihre nationalen Ziele schon abgeschrieben und konnten sich schon im Viertelfinale voll auf Arsenal und Man City konzentrieren, die dagegen zwischendurch entscheidende Ligaspiele auf dem Reiseplan hatten.

Es sollte eigentlich wenig begehrtere Jobs geben. Da sollte es eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit sein, dass der "dritte Kandidat" überhaupt angefragt werden muss. Die Bayern haben jetzt schon Absagen von Alonso, Nagelsmann und Unai Emery. All die beschäftigen sich lieber mit anderen, spannenderen Projekten. Rangnick wäre die Absage Nummer 4. Was kommt als Nächstes? Eine Absage von Lothar Matthäus?

Vielleicht sind die Zeiten, in denen man unter Uli Hoeneß arbeiten wollte, einfach vorbei. Nur so als Idee.

Dienstag, 5. März 2024

Wie schlecht ist eigentlich gerade Kimmich?

 Und warum fällt das anscheinend gar keinem auf?

Also ja, man sollte nicht unbedingt mit dem Ergebnis durch die Tür fallen... aber Joshua Kimmich spielt die schlechteste Saison seiner Karriere. Und die allgemeine Tendenz zeigt deutlich nach unten.

Der Kicker Notenschnitt ist mittlerweile bei 3,42. Und zuletzt bekam er in 4 von 8 Bundesligaspielen die Note 5. Die Tendenz zeigt deutlichst nach unten.

Nur um das mal zu verdeutlichen: Leon Goretzka war letzte Saison bei 3,52 und wurde dafür heftigst kritisiert. Er wurde zum Verkaufskandidaten und flog zwischenzeitlich aus der Nationalmannschaft.

Marcel Sabitzer kam auf absurde 4,23 und wurde logischerweise mittlerweile abgegeben. Das sind dann Spieler, die man eher in Dortmund braucht.

Phillipe Coutinho kam auch "nur" auf 3,56 und wurde logischerweise auch nicht fest verpflichtet. Xabi Alonsos letzte Saison war ebenfalls notentechnisch eher grausam. Aber das war es dann auch schon mit Stammspielern beim Rekordmeister, die in einer zentralen Rolle auf einen ähnlich schlechten Notenschnitt kamen.

Nebenbei ist Kimmich auch bei einem Tor und 4 Vorlagen. Wenn man bedenkt, dass der regelmäßig die Standards schießen durfte, ist das extrem wenig. Alexsandar Pavlovic ist als junges Talent mit "nur" 9 benoteten Spielen schon bei 2 Treffern. Thomas Müller kommt in seinem Vorruhestand wenigstens auf 7 Vorlagen. 

Kimmich letztes wirklich gutes Spiel (also eine Kicker-Note 2,0 oder besser) kommt vom 5. Spieltag gegen Bochum. Sein letztes Vorzeigbares vom 12. Spieltag in Köln. Seit dem (oder genauer gesagt seit 8 Einsätzen) hatte er keine 2 mehr vor dem Komma. Der Notenschnitt ist bei einer 4 angelangt.
Was halt total faszinierend ist, weil ja nicht Kimmich für diese Leistungsdelle kritisiert wird, sondern Thomas Tuchel. Der hat Kimmich ja anscheinend demontiert, weil er... nun ja... trotz wochenlanger dürftiger Leistung weiterhin auf ihn gesetzt und ihn ins Zentrum gestellt hat. Ihn nicht nach einer Verletzung sofort wieder in die Startelf berufen hat. Solche absurden Sachen halt.

Mein neustes Highlight und damit der Trigger für diesen Artikel ist ja Stefan Effenbergs Feststellung, dass Kimmich "ist ein klarer Zentrumsspieler und eben keiner für rechts hinten" ist. Und dass man Stars nicht sagen darf, dass sie bescheidene Leistungen anbieten.

Aber da muss man mal eindeutig festhalten: Kimmich ist als Rechtsverteidiger in die Liga gekommen. Er hat auf dieser Position ein Champions League Finale gewonnen. Unter Hansi Flick war es anscheinend möglich, dass man ihn in den wirklich wichtigen Momenten auf diese Position schob. Wenn er das jetzt nicht mehr bringt, liegt das vielleicht auch an ihm... und nicht am Trainer. Der Trainer macht doch an der Stelle alles richtig, wenn er den im Moment besseren Pavlovic ins Zentrum stellt und nicht den unmotivierten und vielleicht auch übersättigten Altstar.

Nebenbei soll Kimmich ja im Sommer auch Rechtsverteidiger spielen. Das wird bestimmt großartig. Das führt aber auch zu der eigentlichen Debatte: Sollte Kimmich in seiner derzeitigen Verfassung überhaupt zur Nationalmannschaft eingeladen werden? Hat er überhaupt eine Zukunft beim Rekordmeister? Warum stell Tuchel den überhaupt auf? Ist Kimmich schon schlecht genug, um ihn nach Dortmund zu schicken?

Wenn ich aber Sport1 oder Kicker.de durchscrolle, finde ich verdammt wenig Kritik an dem, was Kimmich diese Saison so anbietet. Stattdessen kommt eher ein Effenberg vorbei und spring ihm mit einem "Man kann ja nicht erwarten, dass er das macht, was er jahrelang gekonnt hat" zur Seite.

Das Grundproblem der Bayern ist aber, dass Kimmich seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird... Dass er sich dann mit dem Co-Trainer anlegt, anstatt auf dem Platz vorneweg zu marschieren. Er hatte genügend Gelegenheiten, die Entscheidung seines Trainers, ihn im Spitzenspiel auf die Bank zu setzen, als Fehler zu offenbaren. Aber es kommt absolut nichts von ihm. Weder in Bochum, noch in Rom oder jetzt gegen Freiburg. Wie viele durchschnittliche bis schlechte Spiele soll Kimmich noch möglichst zentral abliefern, bis den Leuten auffällt, dass er eine absolut unwürdige und grausame Saison spielt?

Nebenbei sind Kimmichs Probleme ja positionsunabhängig: Er denkt zu offensiv. Er zeigt zu wenige taktische Disziplin. Deswegen suchen sie bei den Bayern seit dem Abgang von Xabi Alonso nach einem ordentlichen 6er. Die Bayern können sich aussuchen, ob sie die defensiven Defizite auf der 6 oder als Rechtsverteidiger ausgleichen. Aber auch mit Kimmich im Zentrum suchen sie seit Jahren nach wirklicher Stabilität. Denn das ist ja kein neues Phänomen. Und im Trikot der Nationalmannschaft sind diese Schwächen dann nicht mehr zu überdecken, weshalb die Turnierbilanz grausam ist, seitdem Kimmich in führender Rolle mitwirkt.

Vielleicht sollte man, anstatt ständig Tuchel zu kritisieren, mal festhalten, dass ein Kimmich in zentraler Rolle nicht den höchsten Ansprüchen genügt. Irgendwer muss ihm jetzt eigentlich klarmachen, dass er wieder zum Rechtsverteidiger umschulen muss, wenn er beim Rekordmeister bleiben will... und dass er seine persönlichen Führungsansprüche zurückstellen muss, da er sie einfach nicht mit Leistung hinterlegt. Genau die Rolle übernimmt Tuchel jetzt, seit der angekündigt hat, dass er halt keine Rücksicht mehr nehmen wird.

Und die erste Reaktion von Kimmich lässt nicht darauf deuten, dass er diese Herausforderung annimmt. Hoffentlich fällt das einem Max Eberl auf und der stellt dann sicher, dass sich der nächste Trainer nicht mehr mit diesem Problem beschäftigen muss. Das wäre zumindest aus Bayern-Sicht die beste Lösung.

Mittwoch, 21. Februar 2024

Die Bayern veröffentlichen eine Nicht-Nachricht.

  Thomas Tuchel ist nicht Jupp Heynckes. Wer hätte das gedacht, dabei ist der doch immer so sympathisch und gelassen auf den Pressekonferenzen...

Falls ihr jetzt verwirrt seid: Jupp Heynckes war der letzte Trainer, der eine titellose Saison beim FC Bayern überstand und danach weitermachen durfte. Also in Heynckes erster Amtszeit. Wir reden von der Saison 1987/88.
Seit dem wurde jeder Trainer, der keinen Titel holte, konsequent ersetzt. Inklusive Heynckes, der die Saison 1990/91 nicht überstand.
EDIT: Jupp Heynckes hat natürlich auch die 2012er-Saison "titellos" überstanden. Mein Fehler. Aber der trinkt a) Rotwein und hat b) das Elfmeterschießen in der Champions League erreicht.

Dass Tuchel zum Saisonende gehen muss, ist also keine Überraschung, sondern nur eine logische Konsequenz aus dem "Mia san Mia". Viel spannender ist ja das, was die Bayern mit dieser Nachricht nicht sagen. Ich werfe da mal ein paar dreiste Thesen in den Raum:

1. Die Bayern gehen davon aus, dass 10 Punkte Vorsprung reichen.

Also 10 Punkte Vorsprung auf RB Leipzig und Platz 5. Sobald es auch nur die leisesten Zweifel gibt, dass die Champions League Qualifikation in Gefahr geraten könnte, ist Tuchel sofort weg. Selbst wenn der Geist von Franz Beckenbauer beschworen werden muss, weil es sonst keiner übernehmen will. Das ist auch komplett vernünftig so, eine Saison ohne die Millionen aus der Champions League wäre zu dramatisch.

2. Die Bayern haben eine Vision für den Sommer.

Und diese Vision ist jetzt nicht verfügbar. Sie heißt also nicht José Mourinho oder Jogi Löw. Schade eigentlich, beide könnten faszinierende Wracks erschaffen. Anscheinend haben die Bayern auch keinen Bock auf den nächsten Hansi Flick. Also dass ein erfolgreicher "Dead Coach Bounce" dazu führt, dass man die Interimslösung im Sommer behalten muss und der eigentliche Plan deswegen abgesagt werden muss. Franz Beckenbauer ist halt verstorben und Jupp Heynckes hat anscheinend kein Interesse daran, die Mannschaft ohne realistische Chance auf einen Titel für ein halbes Jahr zu übernehmen. Zsolt Löw ist wahrscheinlich schon zu lange mit Tuchel unterwegs und würde wahrscheinlich auch keinen Bock auf eine offensichtlich zeitlich befristete Aufgabe haben. Hermann Gerland durfte noch nie die Profis übernehmen, sondern immer nur den Co geben. Wobei Beckenbauer/Gerland als Doppelspitze ein absurder Ausweg wäre. Oh und Gerland wurde zum DFB vergrault.
Das heißt nebenbei nicht, dass man schon mit Xabi Alonso verhandelt hat, sondern nur, dass man von Xabi Alonso träumt.

3. Die Bayern glauben nicht, dass dieser Kader die Champions League holen könnten.

Wenn es aus deren Perspektive auch nur eine 5-prozentige Chance geben würde, dass man mit einem anderen Trainer das Finale in Wembley erreichen könnte, würde man einen anderen Trainer finden, auch wenn man den Dead Coach Bounce Kandidaten dann weiter verpflichten muss. Was insofern spannend ist, als das ja doch die Ambition dieses Vereins ist. Das führt zu einem wirklich spannenden 4. Punkt:

4. Die Bayern haben Bock auf einen absurden Charaktertest.

Die spannende Frage ist ja: Was passiert, wenn die Stars jetzt der "Lame Duck" die Gefolgschaft verweigern. Und meine dreiste These dazu ist: Solange sie nicht Jamal Musiala heißen, sind sie im Sommer dann weg. Aber gerade die Erkenntnis von Punkt 3 ist dabei extrem interessant. Denn die Bayern-Bosse werden genau jetzt damit anfangen, den nächsten Kader für den nächsten Angriff auf den Henkelpott zu planen. Und wenn dann im Charakterbogen "sucht nach Ausreden und kommt mit persönlichen Widrigkeiten nicht zurecht" steht, dürfte man verdammt schnell aussortiert werden.
Gerade wenn man bedenkt, dass die Bayern ja nach 10 extrem erfolgreichen Jahren auch die Führungsspieler neu aufstellen müssen. Da muss sich ein Joshua Kimmich auf einmal doch am Riemen reißen, damit man ihm im Sommer noch diese Aufgabe zutraut. Es ist plötzlich durchaus möglich, dass man Kimmich abgibt, um Platz für eine neue Hierarchie zu schaffen und dann im Sommer bewusst Leute holt, die diese Rolle ausfüllen können. Es sei denn, er präsentiert sich den Rest der Saison als vorbildlicher Führungsspieler, der in extrem schwierigen Momenten vorausgeht und die Mannschaft mitreißt.
Vielleicht ist das sogar der Moment, in dem die Bayern erkennen, dass ein Thomas Müller den nächsten Angriff auf den Henkelpott nicht mehr mitgestalten wird. Das ist natürlich absurd, weil sich die Bayern an der Stelle doch von den Emotionen leiten lassen werden. Was bei einem derart verdienten Spieler auch verständlich ist.
Tuchel ist nicht der erste Trainer, der abgesägt wird, nachdem Müller nicht mehr die Rolle spielen durfte, die er erwartet hat. Wenn Müller jetzt aber die nächste Palastrevolte anzettelt und Platz 4 deswegen in Gefahr gerät, könnten die Bayern erkennen, dass der bei der anstehenden Neuausrichtung nur Probleme macht. Und er wäre nicht die erste Bayern-Legende, die ihren Vorruhestand im Exil verbringen muss.
Und dass Müller in der Champions League nicht mehr den Unterschied ausmachen kann, sollte ein anerkannter Fakt sein. Eine der ersten Amtshandlungen von Tuchel war schließlich Müller mit der Ansage, dass dies kein Spiel für ihn sei, auf die Bank zu setzen. Und die Bayern müssen, so unmöglich das erscheint, einen Kader zusammenstellen, der sich mit genau diesem Manchester City messen kann. Mittlerweile reicht es aber nicht mal für United...
Leroy Sané, um noch einen dritten Namen zu nennen, wird jetzt endlich mal beweisen müssen, dass er sich in genau solchen Momenten durchbeißen kann und nicht immer dann abtaucht, wenn es schwieriger wird. Die Hinrunde, als alles noch nach Plan lief, war großartig, in der Rückrunde ging er wieder auf Tauchstation.

Ich bin wirklich gespannt, wie groß der nötige Umbruch im Sommer ausfallen wird. Und wie bewusst sich die Bayern-Stars sind, dass es in den nächsten Monaten ausschließlich um ihre eigene Zukunft in dem Verein gehen wird.

Montag, 4. September 2023

Worst of des "Bayern ist immernoch nur Zweiter" Wochenendes

 Da muss man jetzt direkt Bayer fragen, wie sie ihre Chancen auf den Titel sehen. Die sind so verzweifelt, dass sich am dritten Spieltag einen Konkurrenten herbeireden wollen... der VIZEKUSEN heißt.

Und versteht mich nicht falsch: Diese Mannschaft kann schon viel Spaß machen. Die Kombination von Victor Boniface und Florian Wirtz sieht wirklich vielversprechend aus. Aber die hatten noch keine einzige englische Woche. Boniface wird irgendwann auch seine Phase bekommen, in der wenig funktioniert und er 1 Tor in 6 Wochen erzielt. Das ist bei einem 22-Jährigen auch völlig normal. Sobald wir sehen, wie Bayer mit solchen Dellen umgeht, können wir abschätzen, ob es für Platz 2 oder Platz 4 reichen wird.

Dazu kommt, dass sie bisher auch "nur" RB Leipzig geschlagen haben. In einem verdammt engen Spiel. Danach haben sie ihre Pflichtaufgaben souverän gelöst und zwei Mannschaften, die zusammen einen Punkt geholt haben, geschlagen. Herzlichen Glückwunsch. Wenn man in die Champions League will, muss man halt auch Darmstadt und ein im Umbruch steckendes Gladbach schlagen. Der wirkliche Test kommt nach der Länderspielpause.

Denn dann geht es gegen die Bayern. Und die haben diese Woche wieder deutlich gemacht, wie absurd die Lage in Deutschland ist. Also überall wird von einem "angeblich dünnen Kader" geschrieben und gesprochen. Und dann bringen die in dieser Realität Konrad Laimer, Serge Gnabry, Eric Maxim Coupo-Moting, Mathys Tel und Matthijs de Light von der Bank. Das sind abgesehen von Coupo-Moting alles Spieler, die bei der restlichen Konkurrenz unumstrittene Stammspieler wären. Also außer bei Union Berlin, denn die haben jetzt ja Bonucci... 

Jetzt wird darüber spekuliert, ob Laimer als Rechtsverteidiger aushelfen kann. Ja, kann er. Und wird er auch. Also Laimer muss jetzt mit einer neuen Konkurrenzsituation umgehen, die er aus Leipzig nicht kennt. Dazu gehört halt auch, dass man sich als der Herausforderer in ungeliebten Rollen zurechtfindet und darüber dann seinen Wert für die Mannschaft beweist. 

Oder Laimer ist wirklich besser als Joshua Kimmich, dann wechselt der halt auf die Rechtsverteidiger-Position. Bis zum Winter werden sie so schon durchkommen. Auch dass sie keine "Holding-Six" haben, werden sie bis das Transferfenster wieder öffnet, überleben. Und hey, vielleicht macht Thomas "Ich kann mir das auch nicht erklären" Tuchel mal seinen eigentlichen Job und erklärt dem vorhandenen Personal mal, wie er sich die Umsetzung eines Defensiven Mittelfeldspielers so vorstellt. Zumindest versuchen könnte er das mal.

Aber wie Tuchel sich präsentiert, ist sowieso das eigentliche Mysterium. Versucht der sich für den Job als Nationaltrainer zu bewerben? Oder warum wirkt der so inkompetent? Und klar, anstrengend war er schon immer. Aber dass er seine eigenen Spieler indirekt demontiert, weil sich selbst die Fähigkeit abspricht, sie von seinem taktischen Konzept zu überzeugen... 

Und hier muss man nochmal festhalten, dass es nicht darum geht, einen 1,65 m kleinen und eher wendigen Stürmer in ein Kopfballungeheuer zu verwandeln. Es geht primär darum, Kimmich und Goretzka die Flausen, die sich dank der jahrelangen Dominanz in der Bundesliga festgesetzt haben, auszutreiben. Beide können es sich im Alltag leisten, auf die gründlichste Defensivarbeit und taktische Disziplin zu leisten und werden trotzdem Meister. Aber wenn es gegen Real Madrid oder Manchester City geht, reicht das dann plötzlich nicht mehr. Tuchel muss diese beiden jetzt vorausschauend disziplinierter arbeiten, damit sie dann, wenn es wirklich nötig ist, funktionieren. Dafür wird er doch aber auch bezahlt.

Immerhin müssen sich die Bayern mit der wichtigsten Frage der Saison nicht mehr beschäftigen: Wie sieht es mit der Mentalität in Dortmund aus. Die offensichtliche Antwort lautet: ungenügend. Dieses Mal haben sie sogar einen zwei Tore Vorsprung verspielt. Das ist nicht der Fortschritt, den Edin Terzić sehen wollte... aber es ist ein Fortschritt. Immerhin hat Terzić hinterher die Eier nicht über den VAR zu diskutieren, sondern ganz direkt zuzugeben, dass man sich gar nicht in die Position bringen darf, dass eine fragwürdige Entscheidung den Sieg kosten kann. Da hat zumindest einer im Verein eine vernünftige Grundeinstellung.

Über den VAR müssen wir aber trotzdem reden. Nur halt nicht wegen Freitagabend, sondern hauptsächlich wegen Mario Götzes Elfmeter. Also den Fakt, dass es hier keinen gibt. Und klar, es sieht schon ungeschickt aus, wie Götze da über den Platz krabbelt. Aber dafür gibt es ja einen einfachen Grund: Er entscheidet sich gegen seinen "ich simuliere jetzt einen dramatischen Kontakt" Grundinstinkt und versucht weiterzuspielen. Dafür gibt es dann den Titel "Vollidiot der Woche". Also vonseiten der Schiedsrichter. Denn die reagieren anscheinend wirklich nur, wenn man sich das Knie hält und 3 Tim-Wiese-Gedächtnisrollen auf den Rasen legt.

Dabei ist der Kontakt und damit der fällige Elfmeter unstrittig. Aber unsere Schiedsrichter reagieren anscheinend nicht, wenn der Spieler nicht übertreibt. Und das ist mal wieder eine katastrophale Nachricht, die allen Spielern vermittelt wird.
Ich behaupte mal ganz dreist: Wir Fußballfans könnten mit den "5 Minuten auf eine Entscheidung warten" Exzessen wesentlich besser leben, wenn solche Szenen wie am Sonntag, nur halt mit dem korrekten Ausgang, häufiger geben würde.
Also, wenn die Angreifer in jeder Situation im Strafraum wieder aufspringen und den Abschluss suchen, weil sie mittlerweile wissen, dass es den Elfmeter ja trotzdem geben wird. Das hätte den Fußball grundlegend verbessert. Aber die Schiedsrichter sind halt zu dumm dafür. 

Und wenn man als Götze dafür bestraft wird, dass man auf die Schauspieleinlage verzichtet, dann wälzt man sich das nächste Mal natürlich doch wieder auf dem Boden. Und da kann ihm ja auch keiner einen Vorwurf machen, denn nur so bekommt er ja seine Gerechtigkeit. Das ist etwas, was bei den überzogen wirkenden Reaktionen eine Berührung auch immer bedacht werden muss: Wenn man das erträgt, wie eine Frau, dann bekommt man halt auch den trotzdem berechtigten Elfmeter nicht.

Aber am Ende wird wieder nur über die nervigen Vorkommnisse in Dortmund geredet. Während der Kicker, zur allgemeinen Überraschung, noch nicht mal eine Fehlentscheidung gesehen hat. Die beschäftigen sich halt auch nur so nebensächlich mit Fußball, da kann man nichts erwarten.

Donnerstag, 28. Januar 2021

Der Zug ist damit dann abgefahren.

 Die anderen Nationen können aufatmen, Deutschland wird nach der EM nicht von einem der besten Deutschen Trainer betreut. Denn Thomas Tuchel hat jetzt schon einen neuen Arbeitgeber gefunden und hat damit im Sommer keine Zeit mehr.

Hier wurde sich ja vor gar nicht so langer Zeit ausführlich mit dem Problem Nationaltrainer in Deutschland beschäftigt. Wie der DFB es in all den Jahren nie geschafft hat einen guten externen Mann für sich zu gewinnen, sondern einfach nur verdiente ehemalige Nationalspieler genommen hat. Nationalspieler, die vorher meistens Co-Trainer waren. Am Ende ist es ein Wunder, dass man mit diesem Trainer, die abgesehen von der Nationalmannschaft kaum Erfolge als Trainer vorweisen können, so erfolgreich war, wie man war. Und man will sich gar nicht vorstellen, wie das aussehen würde, wenn ein Fachmann diesen Posten übernimmt.

Aber... der DFB arbeitet halt nicht strategisch, sondern reagiert immer nur. Die Nationaltrainer werden traditionell nicht entlassen. Sie gehen traditionell nicht mit einem auslaufen Vertrag in das Turnier, weil das ja ihre Position schwächen würde... auch wenn der Letzte, der das gemacht haben dürfte, 1990 Weltmeister wurde. Und so sucht man dann zur bescheidensten Zeit, wenn alle guten Trainer einen neuen Vertrag haben, nach einem Nachfolger für den spontan zurückgetretenen Übungsleiter.

Genau diesen Zyklus hätte man jetzt durchbrechen können, wenn man mit Jogi Löw offen kommuniziert hätte und ihm mitteilt, dass man nach der EM ohne ihn plant. Das schlimmste, was dir da passieren kann, ist ja, dass Löw direkt hinschmeißt. Was unwahrscheinlich ist, denn auch Löw wird sich nicht mit einem 0:6 verabschieden wollen. Dann könnte man mit Tuchel oder den ja noch verfügbaren Ralf Rangnick offene Verhandlungen führen. Und sehen, wie stark das Interesse der guten Trainer an diesem Posten wirklich ist. Und Ralf Rangnick ist ja gerade auch überall im Gespräch... außer beim DFB.

Aber auch da zeigt sich ja ein strukturelles Problem beim DFB: Wer soll diese Entscheidung treffen und durchsetzen? Präsident Fritz Keller ist gerade mit internen Aufräumarbeiten beschäftigt. Beim DFB gab es halt mal wieder eine Steuerrazzia. Und interne Machtkämpfe im Präsidium. Die sind also wieder mal mit sich selbst beschäftigt.

Und Oliver Bierhoff? Der hat halt seine gesamte "Managerkarriere" auf den Erfolgen von Jogi Löw aufgebaut. Wenn Löw nicht diesen attraktiven, offensiven und auch immer bis zum Halbfinale erfolgreichen Fußball spielen lässt, kann Bierhoff nicht diese Marke Mannschaft inszenieren. Und sich in dieser Marke sonnen. Und das Löw der einzige Trainer war, der schon am ersten Gruppenspieltag konsequent auf Sieg und aufs 2 Tor spielen ließ, habe ja selbst ich nie infrage gestellt, der sonst alles, was er gemacht hat, hinterfragt hat. Dieser Bierhoff hat Löw zu viel zu verdanken, als dass er ihn absägen könnte.

Aber Löw hat ja alle kritisch denkenden Kollegen vom Posten des Sportdirektors vertrieben. Also wenn aus Matthias Sammer mehr als einen Grußonkel gemacht hätte und ihn mit wirklicher Macht ausgestattet hätte... wäre der vielleicht noch da und dann... gut, dann wäre Löw seit dem Vorrundenaus weg. 

Aber genau jetzt wird es halt deutlich, wie schwach der DFB eigentlich aufgestellt ist. Es gibt keinerlei Gegengewicht zum System Löw. Keinen Kontrollmechanismus. Auch nach der desaströsen WM 2018 nicht. Spätestens da hätte man doch jemanden installieren müssen. Das Duo Bierhoff Löw, die ja beide dieses Desaster zu verantworten hatten, sprengen. 

Da aber von sich aus niemand gehen wollte und der DFB niemanden entlässt... ging es in genau der Besetzung weiter. Da ist es gar nicht so überraschend, dass die Entwicklung auch genauso weiter geht. 

Und natürlich kann das alles noch in einem grandiosen EM Triumph münden. Turniere entwickeln immer eine seltsame Eigendynamik. Für die einen positiv, für die andern negativ. Und Löw war ja bis auf 2018 immer gut darin, die Mannschaft dann vernünftig einzustellen, nachdem sie vorher eher wacklig ausgesehen hatte. Aber wir haben den Punkt erreicht, wo eine erfolgreiche EM als Überraschung wahrgenommen werden würde. 

Ich sage es ja seit Jahren: Löws außerordentliche Trainerleistung ist, dass Deutschland nicht als Titelfavorit zur Europameisterschaft fahren wird. Also selbst bei den grausamen 2000er und 2004er Meisterschaften hieß es vorher "Die Deutschen muss man immer auf dem Zettel haben, die sind eine Turniermannschaft." Klar, da war viel Mythos und Verblendung dabei. Aber diesen Mythos hat Löw halt gerade eingerissen.

Mittwoch, 22. April 2015

Das Dunkle Geheimnis des Thoms Tuchel

Zunächst mal muss man eines erklären: Thomas Tuchel ist die richtigste Wahl als Nachfolger für Jürgen Klopp bei der Borussia. Und ja, Tuchel wird sich ständig mit Klopps Arbeit vergleichen müssen... Aber das müsste in dieser Situation quasi jeder. Egal ob man Pep Guardiola oder Peter Neuruer heißt: Wer einem derart überragenden Trainer folgt, wird immer mit den Leistungen seines Vorgängers konfrontiert werden... und ja, die meisten Trainer scheitern daran. Selbst an sich gute Trainer wie Aad de Mos (seines Zeichens Europapokal Sieger) scheiterten an dem Projekt Otto Rehagel in Bremen zu ersetzen.

Und Dortmund hatte quasi die Freie Wahl: Man konnte sich für einen x-beliebigen Trainer entscheiden, der sich an Klopp misst, daran scheitert, und spätestens nach 16 Monaten ersetzt werden muss... oder man setzt auf den einzigen (verfügbaren) Kandidaten, dem es zuzutrauen ist, Klopp zu ersetzen... und es ist nicht davon auszugehen, dass Trainer von einem solchen Kaliber in 16 Monaten gerade verfügbar verfügbar... Genau genommen ist das eine einfache Entscheidung.

Aber: Thomas Tuchel hat ein dunkles Geheimnis: Er ist nicht gut darin, Spieler weiterzuentwickeln. Er entwickelt sein System weiter und schafft es, dass vorhandene Spielermaterial effektiv zu nutzen.

Glaubt ihr mir nicht? Guckt euch einfach mal die Bilanz der Spieler, die Tuchel ausgebildet hat, an. Das berühmteste Beispiel, an das sich jeder erinnert, sind die Bruchweg-Boys. Aber: Einzig Andre Schürrle wurde unter Tuchel so viel besser, dass er für andere Vereine interessant wurde und sich dort auch noch durchsetzen konnte. Und ja, Schürrle ist der einzige ehemalige Tuchel-Schüler, der im Sommer Weltmeister wurde.
Adam Szalai konnte sich in Schalke nicht durchsetzen und schafft es auch jetzt in Hoffenheim nicht, sich unumstrittener Stammspieler zu nennen... Lewis Holtby steht vor seinem 2. Abstieg in 2 Jahren... Keine gute Billanz.
Und das sind ja nur die Speerspitzen: Arisitde Bance sucht verzweifelt nach fußballerischen Halt, seit dem er Mainz für mehr Geld verlassen hat. Christian Fuchs ging als zweitbester Linksverteidiger nach Schalke... dort wartet man jetzt seit 2 Jahren darauf, dass sein Vertrag ausläuft, denn man hat sich halt entschieden, ihn dementsprechend zu bezahlen.
Eugen Polanski ist das strahlende Beispiel... weil er als einziger zumindest nicht schlechter geworden ist...
Und Nicolai Müller...

Ok, lasst es uns mal ganz konkret am Beispiel Nicolai Müller festmachen: Der kam 2012 vom Aufsteiger Fürth für relativ teures Geld nach Mainz. Und ging 2 Jahre später für mehr Geld nach Hamburg. Aber: Er ist genau genommen noch derselbe Spieler wie damals, als der Fürth verlassen hat: Ein brauchbarer, aber beschränkter Offensiver Außenspieler, der in einem funktionierendem System Mitlaufen kann, aber selber nicht so ein System prägen kann. Dementsprechend geht er in Hamburg mit unter.
Wenn sich Müller unter Tuchel wirklich weiter entwickelt hätte, wäre er jetzt ohne Tuchel ein besserer Spieler und könnte den Hamburgern weiter helfen. Aber Tuchel hat es halt nur hinbekommen, Müller in sein System und Matchplan zu integrieren, nicht ihn besser zu machen... er hat ihn so gut integriert, dass Müller sich sogar Nationalspieler nennen darf. Aber er hat ihn nicht so viel besser gemacht, dass er ohne den Matchplan funktioniert.

Und gute "Ausbilder" zeichnen sich aber auch dadurch aus, dass ihre Azubis jenseits ihrer eigenen Firma funktionieren. Thomas Tuchels Bilanz ist in dieser Hinsicht katastrophal.
Aber er ist der Beste darin, einen beliebigen Spieler in einem System zum Funktionieren zu bringen. Das Paradebeispiel ist doch die Mainzer Viererkette unter ihm: Tuchel ist wohl der einzige Trainer, der es schafft aus Nikolce Noveski und Niko Bungert ein brauchbares Innenverteidiger-Pärchen zu basteln. Und flankiert wurden die beiden von Junior Diaz und Zdenk Pospech... Diaz ging bei seiner Verpflichtung bereits auf die 30 zu, Pospech war bereits weit drüber... Dennoch waren es perfekte Transfers für Tuchel: Gestandene und souveräne Profis ist genau das, womit er am besten Arbeiten kann.
Und Mainz war im Durschschnittsalter der Startelf immer extrem weit vorne.
Denn Tuchel schaffte es lange nicht auf jüngere und talentierte Spieler zu setzen. Ein Noveski wurde erst unter Hjumland durch Stefan Bell, auf dem genau diese Attribute zutreffen, ersetzt. Unter Tuchel kam dieser nie am fitten Innenverteidiger Duo vorbei.
Nur so zum Vergleich: Klopp wurde damals mit einem legendären "Kinderriegel" um Hummels und Subotic Deutscher Meister... Dass Tuchel konsequent auf diese Talente gesetzt hätte, ist eher unwahrscheinlich. 
Ein weiteres Beispiel ist Yunus Malli, der auch erst diese Saison so aufblüht, dass er für größere Vereine interessant werden könnte. Tuchel konnte mit Malli, der seit 2011 in Mainz und auch schon 23 ist, nie wirklich was anfangen.

Das wichtige für Dortmund ist jetzt: sie müssen sich dessen Bewusst sein, wenn sie ihren Kader für die nächste Saison planen. Nehmen wir die vielleicht wichtigstes Personalien Henrikh Mkhitaryan und Ciro Immobile. Beides sind definitiv keine schlechten Fußballer, gelten aber als Fehleinkäufe... hauptsächlich, weil sie die best-möglichen Transfers waren, aber trotzdem keine Chance hatten, ihre wesentlich besseren Vorgänger zu ersetzen... das Problem daran: Einen Götze und Lewandowski kann halt niemand ersetzen... zumindest niemand, denn Borussia Dortmund bezahlen kann... Aber im Endeffekt ist Klopp an diesen beiden Personen gescheitert: er konnte sie nicht im System konstant zum funktionieren bringen, was seine Aufgabe war.

Jetzt hat Dortmund die Wahl: Sie können Mhkidingens als Verlustgeschäft verkaufen und sich jüngeren und talentierten Ersatz holen... und hoffen, dass Tuchel diese Spieler entwickelt. Oder sie können darauf setzen, dass Tuchel Mhkhitaryan effektiv in sein System integriert. Und ja, ich habe gerade Mhkitaryan und effektiv in einen Satz geschrieben. Aber wer wenn nicht Tuchel soll das schaffen?
Es ist auf jeden Fall wahrscheinlicher als die Alternative: Dass Tuchel Jonas Hofmann zu einem Spieler von internationalem Formart formt. Schließlich hat er Ersteres mit den Müllers dieser Liga oftmals geschafft, letzteres mit Andre Schürrle nur ein mal...

Donnerstag, 16. April 2015

Game of Coaches

Valar entlassis... oder so...

Jetzt Titelmelodie summen:
De de dededee de dede de...

Frei nach Tayfun Korkut: "Man spielt das Spiel um zu gewinnen, oder man wird entlassen."

Aber ernsthaft, selbst der notorische Serienmörder George R.R. Martin wird sich nach diesem Tag umgucken und fragen: "War das nicht ein bisschen übertrieben?"

Wobei auch jede Nachricht an diesem Tag völlig überzogene Reaktionen nach sich ziehen muss... ich sage nur Martin Kind's "Wir bleiben Handlungsfähig"... Hat an und für sich gar nichts mit dem Trainerbeben zu tun... aber ich sehe Kind wirklich auf heißen Kohlen in seinem Büro sitzen... nach dem Motto: "Ich muss irgendwas machen... ich kann das ja nicht ohne eigenen Beitrag so stehen lassen... aber wenn ich jetzt den Trainer entlasse, gelte ich entweder als Trittbrettfahrer... oder es kriegt überhaupt niemand mit..." Da entschied er sich, der Welt mitzuteilen, dass man durchaus noch Handeln kann, auch wenn man diese Woche als gefühlt einziger nicht handeln will...

Oder Bruno Labbadias "Ich war mit meiner Frau in Frankfurt." Wie jetzt, Thomas Schaafs Stuhl hat auch gewackelt? Wobei die bedenklichste Aussage ja das "Ich habe Bock drauf" ist... Fetisch Confirmed?

Oh und nur so nebenbei: Die Zorniger-Stuttgart Geschichte geht in dem ganzen Drama völlig unter... Und wäre eigentlich irgendjemand wirklich überrascht, wenn am Wochenende auf Schalke ein neuer Trainer sitzt...

Aber dass das Rennen um Tuchel auf ein Mal zu einem Rennen um Tuchel und Klopp erweitert werden würde... für die 17 anderen Bundesligisten gibt es jetzt im Sommer 2 gute Gründe seinen Trainer zu entlassen... Irgendwo sitzt Horst Heldt und lacht gehässig: "Und ihr habt all die Jahre gedacht, ich würde auf Tuchel aussein.... NEIN! Ich wollte die ganze Zeit Klopp haben..."

Dass Jürgen Klopps Pressekonferenz im wesentlichen aus einem "All die Gründe, die euch so einfallen, gibt es gar nicht, aber ich trete trotzdem zurück" besteht... Wenn es keinen Riss in der Mannschaft gibt und er nicht Müde ist... warum tritt er dann zurück? Und ein Sabbat-Jahr will er ja auch nicht einlegen... Was hat der vor?
Und vor allem: Bevor die Bayern 3:1 in Porto verlieren... und damit ganz plötzlich auch noch zum Mitspieler werden könnten... Wusste Klopp vielleicht einfach mehr als wir? Und das wirkliche Beben könnte erst noch folgen, wenn die Bayern im Rückspiel genau so spielen wie gestern... Dortmund sollte alles daran setzen, dass sie Tuchel unter Vertrag nehmen, bevor das Rückspiel stattfindet... Nur um sicher zu sein... Natürlich gibt es aus München aussagen, dass man Pep Guardiola niemals entlassen würden... aber wir reden von dem Verein, der Ottmar Hitzfeld entlassen hat... Und Felix Magath, weil er "nur 2 Mal das Double" geholt hat... Wenn man diese Maßstäbe an ein mögliches Viertelfinal-Aus gegen Porto ansetzt... ich sag's ja nur...

Aber der epischte Verlierer in diesem Spiel ist wie immer... der Hamburger SV... Denn die haben ja (laut eigener Pressemitteilung) Thomas Tuchel abgesagt, um Bruno Labbadia zu verpflichten... Nur um zu beweisen, dass sich die Geschichte (also falls Tuchel nach Dortmund geht) immer wiederholt. Die älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch: Vor ziemlich genau 7 Jahren beschäftigte man sich in Hamburg schon mal mit einem jungen und aufstrebenden Trainer aus Mainz. Auch damals verhandelte Dietmar Beiersdorfer mit jenem Jungstar... und am Ende gab es eine Absage und der Trainer entschied sich für die Dortmunder... Hamburg musste sich mit Marin Jol begnügen hatte in den nächsten 7 Jahren 14 Trainer... 2 davon doppelt... Dortmund wurde dagegen mit einem Trainer 2 Mal Meister... jetzt steht man wieder vor derselben Entscheidung und kriegt es einfach nicht hin, den besten Mann zu verpflichten... denn der geht lieber nach Dortmund...
Oh und ganz nebenbei... verpflichtet man den wohl besten Co-Trainer der Liga, nur damit der nach 2 Spieltagen wieder entlassen wird... Frei nach dem Motto: "Kompetente Hilfe? Brauchen wir hier nicht..."
Wenn man dann noch bedenkt, dass man sich das ganze Drama hätte ersparen können, wenn man entweder Mirko Slomka nicht nach 3 Spieltagen völlig über-motiviert entlassen hätte... oder sich dann wenigstens gleich für Labbadia entschieden hätte... Und ja, bei diesem großen Spiel um die Trainer gibt es nur einen großen Verlierer: Dietmar Beiersdorfer...

Mittwoch, 15. April 2015

Christian Heidel ist der Beste Manager der Bundesliga

Ok, auch nur, weil Uli Hoeneß den Job gerade nicht machen kann... Aber in diesen Tagen beweist Christian Heidel wieder, warum er besser ist als der Rest... und Schuld ist ein Trainer, der nicht mal mehr für ihn arbeitet...

Das "Thomas Tuchel geht im Sommer zum Hamburger SV" Gerücht hat ja wirklich Ausmaße angenommen, die genau genommen für den HSV und für Tuchel schädlich sind... der HSV traut sich deswegen nicht einen richtigen Trainer wie sagen wir Jens Keller (und ja, ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass Keller viele Probleme lösen könnte) zu verpflichten...

Und es habe so viele Experten gesagt, dass Thomas Tuchel den HSV jetzt übernehmen muss, dass er selber eine Pressemitteilung veröffentlichen musste, um seinen eigenen Ruf zu retten...

Schuld daran ist... Christian Heidel... denn mit dem hat Tuchel eine Absprache getroffen, an die er sich jetzt halten muss... was ja viele vergessen: Tuchel ist nicht entlassen worden. Er ist nicht arbeitslos... denn das Arbeitsverhältnis zu den Mainzern ruht nur. Und ja, das ist damals auch so kommuniziert worden... Dummer Weise haben unsere Experten im Doppelpass, die dafür bezahlt werden, dass sie sich mir Fußball beschäftigen, das schon wieder vergessen. Ernsthaft, ich war am Sonntag morgen mehr als ein Mal kurz davor meinen Bildschirm anzuschreien, weil scheinbar keiner in dieser Talkrunde, in der es um Tuchel gehen sollte, sich mal mit seiner Vertragssituation in Mainz beschäftigt hat.... wäre es nicht deren Aufgabe gewesen, sich mit so etwas zu beschäftigen, bevor er sich zu dem Thema äußert? Ich frage ja nur...

Meine Theorie ist folgende: Heidel hat einen Vertrag aufgesetzt, der Tuchel von seinen Pflichten entbindet. Musste er ja quasi. In diesen Vertrag steht dann wahrscheinlich auch, dass er nur mit der Zustimmung der Mainzer vor dem 1.7.2015 einen neuen Arbeitsplatz annehmen kann... Und wenn er das nicht tut, darf Heidel ihm eine Hand abhacken... ok, wahrscheinlicher ist, dass Tuchel dann eine saftige Ablösesumme an die Mainzer zahlen muss... Eine derart saftige Ablöse, dass Tuchel, der ja letzten Sommer durchaus beweisen hat, dass Verträge für ihn nicht das heiligste Sakrileg auf der Welt sind, dazu bringt, sich jetzt an diese Absprache zu halten... Auf jeden Fall kann er keinen neuen Trainerposten annehmen, bevor der Vertrag mit den Mainzern aufgelöst oder abgelaufen ist...

Und machen wir uns nichts vor: Tuchel ist ein Karrieremensch. Und ein Egoist. Das werfe ich ihm gar nicht vor... ich finde das sogar genial. Vor allem, weil er als Trainer gut genug ist, dass es sich für jeden Verein lohnt, das Risiko einzugehen.
 Welches Risiko? Nun ja... Thomas Tuchel wird an keinem Verein der Welt hängen, wenn ihm sich woanders eine bessere Chance eröffnet. Und Tuchel ist gut genug, um für jeden Trainerposten in Deutschland interessant zu sein. Sprich: Er würde so lange HSV Trainer bleiben, wie Pep Guardiola oder Jogi Löw Bock auf ihre derzeitige Anstellung haben... und wenn einer der beiden sagt "ich höre nächsten Sommer auf..." wird der Name Tuchel bei entsprechenden Vorgesetzten relativ schnell fallen. Und dann wird sich der HSV fragen müssen, wie sie Tuchel (motiviert) halten können...
Aber Tuchel ist neben Dieter Hecking (der schon mal mitten in der Saison und innerhalb der Bundesliga gewechselt ist... ein vor Hecking unvorstellbarer Vorgang.) und Jürgen Klopp (der von sich behaupten kann, dass er in 14 Jahren als Trainer noch nie entlassen worden ist... das dürfte vor ihm nur Thomas Schaaf geschafft haben...), den man als Manager quasi anstellen muss, obwohl man dieses Risiko kennt, dass dieser Vertragsbrüchig werden könnte... den solange wie er da ist, bringt er deine Mannschaft definitiv nach vorne und an ihr Limit... das hat im Hamburg seit Ewigkeiten keiner mehr geschafft...

Aber zurück zu Christian Heidel: Der könnte wahrscheinlich Tuchel sogar aus seiner Absprache entlassen... aber warum sollte er? Als Joe Zinnbauer entlassen worden ist (und Tuchel damit zum konkreten Thema wurde), stand Mainz 5 Punkte vor den Hamburgern... 2 Spieltage später (als alle geschrien haben, dass Tuchel den HSV auf jeden Fall und jetzt gleich übernehmen sollte) steht man 4 Punkte vor dem Relegationsplatz... natürlich sind die Mainzer nicht in akuter Abstiegsgefahr... aber immerhin sind sie noch so dicht dran, dass meine in der Saisonvorschau fallen gelassener Spruch, dass Tuchel vielleicht ja in Mainz als Feuerwehrmann für 8 Spieltage übernehmen muss, nicht mehr ganz so abwegig war... Den Trainer hat man sicherheitshalber schon mal gewechselt, man hat sich halt "nur gegen Tuchel entschieden"...

Die Mainzer sind noch nicht gerettet... und was ist der sicherste Weg zum Mainzer Klassenerhalt? Genau: Schwache Konkurrenten aus Hamburg und Stuttgart... das letzte, was Heidel gerade erleben will, ist, wie ein quasi sicherer Abstiegskandidat in spe durch einen richtig guten Trainer zu einer echten Bedrohung wird... und die Mainzer überholt.

Heidel ist kein Manager, der seine Konkurrenten freiwillig stärkt... Und wenn die Mainzer 15. werden sollten (was keineswegs unrealistisch ist), kann Heidel behaupten, dass seine Absprache mit Tuchel, die verhindert hat, dass einer der Traditionsvereine im Keller einen Rettungsanker bekamen, zu diesem Klassenerhalt beigetragen hat... und die Unruhe, die die Person Tuchel in deren Reihen verursacht hat, war auch nicht schädlich für das eigene Ziel...

Nun mag das völlig übertrieben und konstruiert wirken... bis einem bewusst wird, dass die Mainzer immer noch hauptsächlich um den Klassenerhalt spielen. Um mehr kann es mit den Mainzer Möglichkeiten auch einfach nicht gehen (deswegen wollte Tuchel ja auch nicht mehr dort bleiben...). Nur weil man lange keine richtig Schwache Rückrunde mehr hatte, hat in Mainz keiner vergessen, dass es genau genommen nur eine solche Runde braucht um wieder abzusteigen... deswegen hat man Kaspar Hjumland ja entlassen, obwohl man noch nicht mal auf einem Abstiegsplatz stand...
Wenn man zusätzlich davon ausgeht, dass jedes Jahr eine Mannschaft mit eigentlich viel größeren Möglichkeiten als die Mainzer unten reinrutscht... letztes Jahr waren das Hamburg und Stuttgart. Das Jahr davor die Hoffenheimer, im Jahr davor die Hertha usw.-
Es war quasi davon auszugehen, dass mindestens ein Verein mit wesentlich besseren Mitteln als die Mainzer bei Heidel anfragen würde, ob sie Tuchel nicht als Retter verpflichten könnten... Und Heidel hat sicher gestellt, dass er dann "Nein" sagen kann...

Wirklich interessant wäre an der Stelle nebenbei, wie Heidel reagieren würde, wenn Clemens Tönnies heute noch mal anfragen würde... Denn die Schalker werden kaum noch einen Einfluss auf die Mainzer Saison haben und Tönnies ist einer dieser Macher, die ich für genau so clever halte, dass sie eine Ablösesumme für 8 Spieltage zahlen (die sich nebenbei auch voll rentiert, wenn Tuchel es schafft, wenigstens die Europa League für die Schalker zu sichern...) und Heidel könnte das Geld als Reingewinn verbuchen... ich sag's ja nur... falls Schalke in 2 Wochen in Mainz verliert und damit auf Platz 7 zurückfällt... könnte noch mal der eine oder andere Anruf aus Gelsenkirchen bei Heidel eingehen... Und auch dann hält Heidel wieder die Fäden in der Hand...

Montag, 23. März 2015

Was hat euch weniger überrascht?

 Dass Manuel Neuer (laut Kicker zum 4. Mal) gegen Borussia Mönchengladbach patzte, oder dass der Hamburger SV seinen Trainer entlassen hat? Kann es sogar einen Zusammenhang geben? Also dass der HSV immer, wenn Manuel Neuer patzt, seinen Trainer entlässt... kurz nachgerechnet... das kann nicht passen, denn so oft patzt Manuel Neuer nicht...

Was aber am wenigsten überrascht... ist doch die Tatsache, dass der HSV natürlich keinen Plan in der Schublade hat...
 Zunächst mal ist mir bewusst, dass ein echter Experte nicht im Nachhinein darauf hinweisen muss, dass er das schon vorher gesagt hat... aber hey, dass Joe Zinnbauer wahrscheinlich vor Vitkor Skripnik entlassen werden wird, habe ich schon Ende November geschrieben... Damals war der allgemeine Tenor, dass Zinnbauer der große aufgehende Stern ist und Skripnik eher eine Notlösung... völlig überraschender Weise wusste Werder genau, was sie taten, als sie einen in 16 Jahren im Verein aktiven Mitmenschen zum Chef-Trainer beförderten. Und genau so wenig überrascht es, dass Zinnbauer nach 8 Siegen in der 2. Mannschaft doch (noch) nicht zu höheren berufen ist.

Und Zinnbauer mache ich da gar keinen Vorwurf. Der ist halt quasi ein Trainer-Azubi. Solche jungen und aufstrebenden Talente in der 2. Mannschaft zu parken und sich über Jahre entwickeln zu lassen, ist perspektivisch das Cleverste, was man machen kann... aber man sollte die Leute da vielleicht erst Mal ein Jahr oder länger bei der täglichen Arbeit beobachten... damit man als Verein auch sehen kann wie die Leute arbeiten, wenn es gerade nicht gut läuft. Und ob er es schafft, auf die Probleme, die eine lange Saison so mit sich bringt, zu lösen... zum Beispiel der Fakt, dass Leistungsträger aus körperlichen oder psychischen Tiefs geholt werden müssen... und genau das ist Zinnbauer bei Pierre-Michel Lasogga und Rafael van der Vaart nicht geglückt.

Und jetzt kommt mir nicht mit "Ja, aber bei Thomas Tuchel hat es doch auch funktioniert." Nein, hat es nicht... natürlich wirkt ein Tuchel immer noch verdammt jung. Aber bevor der in Mainz Cheftrainer wurde, hat er 9 Jahre lang im profi-nahen Umfeld erfolgreich gearbeitet. In Stuttgarts (nachweislich hervorragender) Jugendabteilung, Augsburgs Reserve und der Mainzer Jugend. In diesen 9 Jahren konnte man durchaus erkennen, ob Tuchel ein auch auf höherem Niveau brauchbarer Trainer ist. Wahrscheinlich wurde er sogar mit dem Versprechen "wenn wir mal wieder einen Cheftrainer brauchen, bist du unser erster Ansprechpartner" zum Posten des U-19 Coaches gelockt... Vorstellbar ist es auf jeden Fall... und verwerflich wäre es auch nicht.

Vor 9 Jahren war Zinnbauer noch Trainer beim VfB Oldenburg. Und ganz ehrlich: wer von euch könnte aus dem Kopf sagen, auf welchem Niveau Oldenburg spielt? Wenn es euch interessiert: Zinnbauer kämpfte bis 2010 um den Aufstieg in die viertklassige Regionalliga...

Ein eher passender Vergleich ist da schon eher sein ehemaliger Mitspieler Jürgen Klopp, der von heute auf morgen vom Spieler zum Cheftrainer befördert worden ist... Aber Kloppo war vor dieser ungewöhnlichen Entscheidung schon 11 Jahre im Verein. Die suchten quasi nach einem Nachfolger für den vielleicht am meisten unterschätzten Taktischen Erfinder namens Wolfgang Frank. Klopp nennt den nicht um sonst seinen "Lehrmeister"... Da fragte man sich in Mainz: "Wer hat das, was Frank uns damals beigebracht hat, am besten verstanden? Klopp? Oder doch Thorsten Lieberknecht? Hey, erinnert ihr euch noch an den Zinnbauer, könnte der das nicht auch?" (Ernsthaft, wenn ihr später mal Bundesligatrainer werden wolltet, obwohl es dafür als Spieler nie gereicht habt, müsst ihr quasi mindestens ein Jahr unter Frank gearbeitet haben... krass, wie viele Trainer der auf ihrem Weg beeinflusst hat... und vor allem: Wie konnte der eigentlich nie Angebot aus der Bundesliga bekommen?) Und am Ende hat man sich für Klopp entschieden... aber man wusste halt auch nach 11 Jahren genau, was für einen Typen man da bekommt.

Vor allem: Klopp ist ein Jahrhunderttalent unter den Trainern. So einen bekommt man wahrscheinlich nur ein Mal in einer Generation zu sehen. Ernsthaft, der hat von heute auf morgen den Sprung vom Abwehrspieler, der auf Augenhöhe mit seinem Mitspielern stand, zu deren direkten Vorgesetzten gemeistert. Und das, obwohl alles wussten, dass er definitiv einer der schlechteren Fußballer in dem Kader ist. So etwas wird man nicht wieder finden.
Vor allem: Mainz stand im Abstiegskampf... und Klopp war da als Abwehrchef durchaus dran beteiligt... Stellt euch einfach vor, Heiko Westermann würde morgen zum Trainer vom HSV befördert werden... da könnte Westermann noch so viel Ahnung von Taktik haben, die allgemeine Reaktion seiner ehemaligen Mitspieler wäre ein "Ach, komm, hör auf, du kannst das doch selber nicht besser..."

Klopps Weg zu kopieren ist unmöglich. Und zu erwarten, dass das funktioniert, ist naiv... Aber hat Hamburg genau das gemacht...

 Das ist, als würde ich von einem Offensivspieler aus der Barcelona Jugend erwarten, dass er sich da in der ersten Mannschaft mit 18 durchsetzt und Schlüsselspieler wird... Lionel Messi konnte das schließlich auch. Und wenn das Talent nicht mit spätestens 19 den Durchbruch geschafft hat, ist es komplett unbrauchbar und sollte am besten seine Karriere beenden... Viel wahrscheinlicher ist es aber, dass das Talent erst mal woanders weitergebildet werden muss und noch einiges an Zeit braucht, bevor es sich auf aller höchstem Niveau durchsetzen kann...

Aber zurück zum Plan: Hamburg hat es wirklich geschafft, einen richtig guten in der Schublade zu haben. Also einen, der so absurd ist, dass ich da in meinen wildesten Träumen nicht drauf gekommen wäre: Der neue Cheftrainer "bis auf weiteres"... ist Peter Knäbel... und der hat noch weniger praktische Erfahrung als Zinnbauer...
Jetzt kommt's: Michael Oenning wäre eine bessere Option als Knäbel... vor allem, weil Knäbel eigentlich als "Direktor Profifußball" ein anderes Aufgabenfeld (nämlich die ach so wichtige langfristige Ausrichtung des Vereins) hat... Er ist quasi derjenige, der im schlimmsten Fall den Neuaufbau in Liga 2 organisieren muss... und ja, Knäbel kam noch nach Joe Zinnbauer, man kann ihm die Misere also kaum vorwerfen... Aber wie er das Gesicht des Neuanfangs werden soll, wenn er den ersten Abstieg in der Vereinsgeschichte als Cheftrainer zu verantworten hat...
 Und ja, Hamburg denkt sich gerade: Hey, nur weil die Idee das erste Mal nicht geklappt hat, muss sie ja das 2. Mal nicht zwingend schlechter sein...

Ernsthaft... kam niemand auf die Idee mal bei Jens Keller oder Alexander Zorniger anzurufen? Aber die würden ja eine Anstellung über den Sommer hinaus haben wollen... und da wartet man doch lieber auf Thomas Tuchel...

Viel wichtiger... warum sollte Tuchel sich das antun... Er wird demnächst (wenn auf Schalke das nächste Mal ein Trainer entlassen wird... und wie lange kann das schon dauern) ein wesentlich besseres Angebot bekommen. Und auch, wenn er vielleicht 1 Jahr lang arbeitslos sein wird... sein Ruf ist so hervorragend, dass er bei jeder Trainerentlassung nicht nur im Gespräch sein wird... sondern sofort die erste Option ist. Sobald Tuchel sagt "Ich will den Job", werden alle anderen Bewerber zurückgestellt werden... Und das werden die sogar einsehen...
Was wiederum dazu führt, dass Tuchels nächster Arbeitgeber ganz klar das Ziel "Europa Cup" vor Augen haben muss... Und Hamburg steht vor 3 oder 4 Jahren des Neuaufbaus. Die müssen erst Mal froh sein, wenn sie das "Niemandsland" erreichen. Oder glaubt irgendjemand, dass in Hamburg schlagartig alles besser wird, weil die groß-verdienenden Versager ablösefrei den Verein verlassen? Die sind zum größten Teil nur deswegen noch da, weil die Hamburger es nie geschafft haben, bessere Leute zu verpflichten... jetzt soll ihnen das ohne neues Geld gelingen?

Warum sollte Tuchel, der am Ende keinen Bock mehr auf das Mainzer Mittelmaß hatte, sich mit schlechteren Voraussetzungen in Hamburg zufrieden geben? Und: Wenn er den HSV wirklich als "den Schlafenden Riesen" betrachten würde, würde er dann nicht nach Möglichkeiten suchen, den Verein schon jetzt zu übernehmen... um den sonst viel zu wahrscheinlichen Abstieg zu verhindern?

Aber hey, vielleicht will Tuchel ja allen beweisen, dass er sogar unter schwierigsten Umständen Erfolge liefern kann... das scheint zumindest die eine Karte zu sein, auf die der HSV alles setzt... Das ist kein Plan, das ist pure Verzweiflung...