Posts mit dem Label Jogi Löw werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jogi Löw werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 13. Oktober 2023

Heute in der beliebten Serie

 Alte, weiße Männer erklären uns die Welt: Paul Breitner bei Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs

Und ja, Paul Breitner war mal einer der klügsten Köpfe im Fußball. Und eine Stilikone, nur um im Nebensatz festzuhalten, dass es die auch damals schon gab. Aber den 1998 zum Nationaltrainer zu machen, weil er früher mal ein guter Nationalspieler war und halbwegs intelligente Dinge gesagt hat, wäre halt so ein richtiger DFB Move. Aber dann wollte der beim DFB so richtige Dinge ändern, deswegen wurde er nach 17 Stunden doch wieder abgewählt. Denn beim DFB galt schon damals das Motto: Halt Stopp, das bleibt hier alles so, wie es ist.

Die ganze Geschichte um die Personalie Breitner vs Ribbeck damals war auch wirklich interessant. Aber dann reden die natürlich auch über Julian Nagelsmann und da fallen dann Sätze wie: er muss aufpassen, "dass er sich nicht ansatzweise in die Rolle der Nummer 1 der Nationalmannschaft hievt." Er nennt Helmut Schön den perfekten Bundestrainer, weil der "nur begleitend geführt". Und natürlich wird Nagelsmann kein Grundlagentraining machen.

Aber die Zeiten, in denen ein Bundestrainer nur "für Stimmung zu sorgen" hat, sind einfach vorbei. Wenn Nagelsmann sich zurückhält und der Mannschaft einfach nur eine "Geht's raus und spielt Fußball" Anweisung gibt, wird das Projekt krachend scheitern.
Nebenbei ist diese Ansage von Franz Beckenbauer ja auch ein übertriebener Mythos, denn die Deutschen hatten ja im WM Finale 1990 einen ganz klaren Plan, wie sie Diego Maradona aus dem Spiel nehmen wollen. Und dieser Plan wurde wunderbar umgesetzt.

Aber wenn ein Nagelsmann sich jetzt vor einem Spiel gegen Spanien zurücknimmt, dann spielen die Spanier "uns" schwindelig. Dann lassen die den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren und schießen irgendwann das entscheidende Gegentor. Wenn die deutsche Mannschaft sich erst nach dem eigenen Ballgewinn damit beschäftigt, wie sie jetzt in die Umschaltmomente funktionieren sollen und diese dann improvisiert, werden sich alle Gegner hinter den Ball versammeln und es der deutschen Mannschaft richtig schwer machen, zu Chancen zu kommen. Und dann muss Nagelsmann hinterher erklären, warum das Angriffsspiel so träge ist. Wenn er dann behauptet, dass er auf Paul Breitners Ideen gehört hat, lachen ihn alle aus.

Und natürlich galt das in den 70ern. Aber das ist 50 Jahre her. Dass Breitner zum letzten Mal in einer leitenden Funktion gehandelt wurde, ist 25 Jahre her. Der Fußball hat sich seit dem extrem entwickelt.

Natürlich ist die Position eines Nationaltrainers eine besondere, weil er halt für das vorhandene Personal ein passendes Spielsystem zusammenbasteln muss. Wenn er da einen im Verein eingespielten Block hat, dann kann er denen schlecht eine komplett neue Idee aufzwingen. Aber noch viel schlimmer: Wenn er auf einer einzelnen Position schwach besetzt ist, dann muss er eine Möglichkeit finden, diese Schwachstelle zu kaschieren.

Nehmen wir hier mal das offensichtlichste Beispiel: Benedikt Höwedes bei der WM 2014. Und das soll wie immer keine Kritik an dem gleich genannten Spieler sein. Eher im Gegenteil: Dass Höwedes die für ihn ungewohnte Rolle als Linksverteidiger angenommen und so souverän ausgeführt hat, war eine herausragende Leistung, die aber kaum jemanden aufgefallen ist, weil er einfach nur für Stabilität gesorgt hat.

Höwedes war vielleicht der 25. beste Linksverteidiger des Turniers. Schließlich hatten die Brasilianer Marcelo und Maxwell dabei. Er wäre auf keiner "Die 100 besten Linksverteidiger der Welt" Liste aufgetaucht. In der Kicker Rangliste vor dem Turnier wurde er als Innenverteidiger "im Blickfeld" aufgelistet. Es gab also 11 bessere Innenverteidiger als ihn. In der Rückrunde war er lange verletzt und wäre ohne das Turnier nie auf die benötigten benoteten Einsätze gekommen... Aber dann wurde er in der Kicker-Rangliste als Außenverteidiger in die internationale Klasse verschoben, obwohl er da in der Bundesliga nie gespielt hat. Also nur um mal festzuhalten, wie dumm diese Rangliste sein kann.

Er hat nebenbei während der WM einen Scorerpunkt gegen Ghana errungen und nur beim absurden Schützenfest gegen Brasilien in der Note eine 2 vor dem Komma gehabt. Selbst seine Turnierbilanz weist in keinster Weise auf eine internationale Klasse hin. Aber er ist halt Weltmeister und die gesamte Startelf musste hinterher mindestens auf dieses Niveau gehoben werden. Kann ja gar nicht anders sein. Nur um mal festzuhalten, dass der Kicker schon immer richtig Scheiße war, wenn es um die Beurteilung deutscher Nationalspieler ging.

Nebenbei wissen wir mittlerweile alle, dass die verantwortlichen Personen Jogi Flick und Hansi Löw eher mittelmäßig begabte Trainer sind. Um es mal optimistisch auszudrücken. Dennoch haben sie es in ihrem einen lichten Moment geschafft, eine Taktik zusammenzuschustern, die die Schwächen auf der Linksverteidiger Position überdecken. Sowohl mit als auch gegen den Ball. Nebenbei haben sie das Problem, dass alle Linksverteidiger schlecht aussehen, weil Lukas Podolski vor ihnen spielt, auch endlich gelöst.

Wenn Löw und Flick sich an der Stelle zurückgenommen hätten... Und nebenbei haben sie sich, nach dem sie beinah gegen Algerien ausgeschieden sind, auch einfach mal durchgesetzt und haben Philipp Lahm auf die Rechtsverteidiger Position gesetzt. Denn mit 2 im besten Fall durchschnittlichen Außenverteidigern wird man nicht Weltmeister, einen kann man kaschieren.

Also nur um mal anhand konkreter Beispiele festzumachen, dass es einfach nicht mehr funktioniert, wenn man sich zurücknimmt und die Spieler selber nach Lösungen suchen lässt. Und wenn ich Jogi Löw und Hansi Flick als Argumente gegen die Aussagen von Paul Breitner nehmen kann, dann wisst ihr, wie krass der danebenlag.

Dienstag, 31. Mai 2022

Die wichtigste Frage in Gladbach gerade: Was wäre schlimmer?

 Also zunächst mal große Anerkennung an Lucien Favre. Das ist ein absoluter Überzeugungstäter. Es hätte echt keine weiteren Beweise mehr gebraucht, der wäre auch so als größter Zögerer und Zauderer in die Fußballgeschichte eingegangen. Aber er entschied sich dann nach 2-wöchigen Verhandlungen doch dafür, dass er nicht mehr in Deutschland arbeiten will. Also nicht nur nicht mehr für Gladbach, sondern allgemein nicht mehr in diesem Land. Da geht es ihm ein bisschen wie Toni Kroos oder Mesut Özil... 

Aber ihn kann es ja auch egal sein, dass er Gladbach jetzt in einer wirklich beschissenen Situation hinterlässt... obwohl er doch gleich gewusst haben muss, dass er eigentlich kein Bock mehr auf dieses Land hat. Denn Gladbach muss jetzt mit der Trainersuche von vorne anfangen, obwohl sie eigentlich schon längst mit dem Neuen an den Stellschrauben des Kaders drehen sollten. Das ist richtig schlecht für die.

Es ist natürlich auch richtig schlecht, dass der eine oder andere begehrte Kandidat schon weg ist. Niko Kovac als nicht nur Meistertrainer, sondern nebenbei auch als Pokalsieger mit Eintracht Frankfurt. Also klar, der kam bei seinen letzten beiden Stationen am Ende nicht so wirklich gut weg. Aber er hat nachgewiesen, dass er in Deutschland Titel gegen die Bayern holen kann. Überlegt euch einfach mal, wie klein dieser Kandidatenkreis ist... Also Julian Nagelsmann steht nicht auf dieser Liste. Jürgen Klopp und Thomas Tuchel natürlich. Aber die zu verpflichten, dürfte schwierig werden. Dann bleiben auch nur noch Dieter Hecking, Felix Magath, Edin Terzic und Domenico Tedesco übrig. Und eben Kovac. Wenn ich also als Verein wie Gladbach mal auf einen Titel spekuliere, hätte statistisch gesehen Kovac mehr Sinn ergeben als Favre. Der holt nämlich bekannterweise keine Titel.

Hecking und Magath sind im Jahr 2022 keine realistischen Kandidaten mehr und Tedesco sitzt fest im Sattel und Dortmund hat gerade sichergestellt, dass ihnen niemand den Terzic wegnimmt... was macht man also als Gladbach, wo man jetzt zur ungünstigsten Zeit einen Trainer suchen muss?

Nun ja, es gibt da halt 2 Kandidaten, die verfügbar wären. Beide haben durchaus einen guten Ruf. Und beide lassen angeblich tollen Offenisvfußball spielen. Einer würde sogar in die "Hat ohne die Bayern einen Titel geholt" Kategorie fallen... aber beide wären eine Katastrophe.

Der erste Kandidat ist offensichtlich Florian Kohfeldt. Obwohl, jetzt hat ja das letzte halbe Jahr nachgewiesen, dass selbst Max Kruse dem nur bedingt hilft. Dessen Lack hat ganz schön gelitten, seit dem er vor 3 Jahren als das größte Trainertalent der neusten Generation galt. 

Ich wollte mal so ganz nebenbei erwähnen, dass der "Trainerpreis des deutschen Fußballs" nicht mehr vergeben wird, seitdem Kohfeldt den bekommen hat. Falls das ein Wanderpokal war, steht der immer noch bei ihm im Regal. Es gibt da auch keinerlei Informationen zu. Der DFB verschweigt einfach, dass er diesen Preis jemals vergeben hat. Das hat nicht mal Barack Obama geschafft, obwohl er sich alle Mühe gegeben hat den "Friedensnobelpreis" ins Lächerliche zu ziehen...

Aber machen wir uns nichts vor: Nur weil ich hier seit Jahren auf dem armen Jungen rumhacke, bedeutet dies nicht, dass sich der eine oder andere Bundesliga-Manager in ihn verlieben wird. Also dass sich der Max Eberl Nachfolger (wer ist das eigentlich?) einredet, dass er zusammen mit diesem eine neue Ära einleiten wird. Der wird dann einfach sagen, dass er in Wolfsburg ja nur als Feuerwehrmann im Einsatz war und auch gar nicht wirklich gescheitert ist... und dass das alles viel besser wird, wenn man gleich die ganze Saison mit ihm plant und ihm den richtigen Kader zusammenbastelt. Da muss er nur noch rauskriegen, wie viel Ablöse Max Kruse gerade kostet...

Kohfeldt wird noch eine weitere Chance in der 1. Liga bekommen. Es wird immer noch nicht bei allen angekommen sein, dass der nur eine einzige gute Saison in seiner Trainerkarriere erlebt hat...

Aber es gibt noch einen anderen Kandidaten mit einem viel besseren Resümee. Jemanden, der bei all den Trainerposten überhaupt nicht auf dem Radar war, bis der Kicker ihn dann plötzlich in Gespräch gebracht hat. Dem einzigen Trainer auf der Welt, der DFB Pokalsieger und Weltmeister wurde. Ok, das behaupte ich jetzt so, aber wenn man bedenkt, wie wenige Titel unser Nationalmannschaftstrainer im Allgemeinen sonst so geholt haben....

Die Rede ist ganz offensichtlich von Jogi Löw. Wem auch sonst. Und für mich gibt es ja 2 Varianten, warum Löw nirgendwo im Gespräch ist:

1.) Er sucht sich seinen nächsten Job sehr gezielt aus und sagt selber direkt nein. Und ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass Löw einen riskanten Job wie bei der Hertha annehmen würde... auch wenn Bild das irgendwann mal behauptet hat. (Ihr könnt da ruhig draufklicken, der Link führt nicht zur Bild). Da müsste Löw ja mal so wirklich arbeiten und genaugenommen könnte er nur verlieren. Also gerade bei der Hertha kann man ja derzeit nur zurücktreten. Die sind 2 Tage nach Beendigung der Mitgliederversammlung immer noch nicht mit allen Rücktritten durch. 

Aber ganz ehrlich, selbst im Idealfall... so ein "Projekt", bei dem man vielleicht in 4 bis 5 Jahren Titel holen kann, wird sich Löw nicht antun. Also da bin ich persönlich überzeugt von. Damit bleiben in Deutschland ja nur Bayern, Dortmund und RB übrig. Da wird er sich einen interessanten Job im Ausland suchen müssen.

2.) Er ist wirklich nirgends im Gespräch, weil niemand Interesse an ihm hat. Dann würde es ihm richtig auf die Füße fallen, dass er nicht früher zurückgetreten ist. Klarer Fall von "Den Zeitpunkt zum Absprung verpasst." Denn mittlerweile ist er halt nicht mehr der Weltmeistertrainer, sondern hat halt seinen letzten Titel vor 8 Jahren geholt... Sein letzter Titel als Vereinstrainer ist 19 Jahre her, sein einziger Titel in Deutschland 25. Das ist ein Vierteljahrhundert ohne Trophäe... 

Es ist halt faszinierend, weil ihm nach 2014 definitiv alle Türen offen standen. Da hätte er es sich echt aussuchen können, welchen Champions League Aspiranten in Bayern oder im Ausland er übernimmt. Damals glaubten wir alle halt, dass dieser Titel wirklich was mit ihm als Trainer zu tun hatte... mittlerweile wissen wir, dass eher die ganzen vercoachten Titelchancen auf ihn zurückzuführen waren.

Für mich persönlich ist das natürlich schade. Ich hätte gerne gesehen, wie Löw eine deutsche Vereinsmannschaft übernimmt und dann allen auffällt, dass der nur ein Scharlatan ist. Und nie mehr gewesen ist. Das würde nicht so dramatisch eskalieren, wie der Versuch mit Jürgen Klinsmann bei den Bayern... aber auch ein langsamer, aber unaufhaltsamer Zerfall kann doch etwas sehr Schönes sein. Also zumindest als Unbeteiligter, alle Werder Fans werden berechtigterweise das Gegenteil behaupten.

Es ist aber schon bezeichnend: Das ist ja die 2. große Trainerrotation in Folge. Und klar, direkt nach der EM war es unwahrscheinlich, dass Löw sofort was macht. Aber, dass er diesen Sommer nirgends ernsthaft im Gespräch ist... Er muss fast schon darauf hoffen, dass Gladbach mal bei ihm anruft, sonst könnte der Zug endgültig abgefahren sein.

Montag, 15. November 2021

Jogi Löw war nicht der Beste Trainer aller Zeiten

Damn, ich bin dann doch getriggert. Aber zum hoffentlich letzten Mal. Irgendwann muss das ja mal vorbei sein.

Und mir ist auch bewusst, dass das am Ende nur Hansi Flick so gesagt hat. Aber dadurch ist es halt in jede Schlagzeile gekommen und dann werden Umfragen gestartet und die landen bei 60 % Zustimmung... Wie wenig Perspektive kann man denn haben.

Also zunächst mal: Alle unter 27-Jährigen sollten sich vielleicht mal zurückhalten. Also als Jogi Löw in der Nationalmannschaft anfing, wart ihr 10 Jahre alt. Und klar, Jürgen Klinsmann war die ersten 2 Jahre Teammanager. Aber praktisch kennt ihr einfach keinen anderen Bundestrainer. Er mag damit der beste Bundestrainer sein, den ihr je gesehen habt. Aber das ist ein wenig wie zu behaupten, dass Angela Merkel die beste Bundeskanzlerin ist, die ihr je erlebt habt. Ja, das stimmt noch so. Das hat aber trotzdem 0 Wertigkeit. Und nur, weil wir die Ansprüche an Löw so weit runtergeschraubt haben, dass der einfach weiterwurschteln durfte, wenn er keine Erfolge hat...

Das Erste, was ja angebracht wird, ist seine Peak Turnier Bilanz:

2006 als Co-Trainer Dritter.
2008 direkt ins Finale.
2010 wurde er wieder Dritter.
2012 Halbfinale.
2014 Weltmeister.

4 Turniere in Folge mindestens ins Halbfinale! Wie gut! Überragend! Ja... für alle anderen Nationen. Für Deutschland ist, so absurd das klingt, eine Halbfinalteilnahme nichts Besonderes. Ich mache das mal ganz praktisch deutlich:

1972: EM Titel.
1974: WM Titel.
1976: EM Finale, der 3. Titel in Folge wurde von Uli Hoeneß in den Belgrader Himmel gejagt.
1978: 6. Der eine Ausreißer nach unten. Danach wurde direkt der Trainer Helmut Schön entlassen.
1980: Europameister.
1982: Finale.

Das sind 5 von 6 Turnieren, in denen Deutschland im Finale stand. Aber Jogi hat uns ja immer souverän ins Halbfinale geführt. Das ist halt wie Vize-Meister mit Bayern München werden.

Aber... wahrscheinlich muss ich den Rahmen noch weiter fassen als "U-27."... denn Löws Vorgänger waren ja Rudi Völler, Erich Ribbeck und Berti Vogts. Auch alles nur bedingt gute Trainer.

Wo TV Total gerade zurückkommt, kann ich euch, nur mal für Kontext, hier ein Video posten, wie damals über Vogts hergezogen wurde:

Und es gab sogar eine Schalalalala Version. Und ihr glaubt, ihr habt es schwer...

Niemand würde Berti Vogts den besten Nationaltrainer aller Zeiten nennen. Aber hier kommt das völlig absurde: Wenn man die extrem hohen Deutschen Ansprüche als Maßstab nimmt, hat Vogts: 2 Finalteilnahmen und einen Titel. 1992 verlor man überraschend gegen Dänemark, 1996 holte man den Titel in England

Das ist ganz praktisch dieselbe Bilanz, die Jogi Löw vorweisen kann. Nur, dass der wesentlich mehr Turniere gebraucht hat. Nur stand Berti in 2 von 4 Turnieren im Finale, Jogi in 2 von 7. Also schon vor seinem Absturz war Löw nicht wirklich besser als seine Vorgänger. Nur war die Zeit vor Klinsi und Löw halt so grausam, dass wir komplett vergessen haben, wie dominant die deutsche Nationalmannschaft mal war. Und jetzt kann man diesen Absturz nicht einfach aus der Bewertung entfernen...

Also die letzten 3 Turniere waren halt:
2016: Halbfinalteilnahme
2018: Das erste Vorrundenaus bei einer WM. (Wir wollen nochmal festhalten, dass Welt- und Europameister Schön nach einem 6. Platz gehen musste, Löw wurde offiziell 22.)
2021: Achtelfinalaus bei der EM. Also technisch gesehen ebenfalls zum ersten Mal. Platz 15, was laut Wikipedia offiziell genauso gut war wie die EM 2000.)

Das heißt auch praktisch: "Wir" haben 3 Turniere in Folge kein Finale erreicht. DREI!. Wisst ihr, wie selten das ist? Also dank der absurden WM 2002, die uns die richtig grausamen Jahre gerettet hat? Nun ja... lasst uns mal kurz nachzählen, wie oft das wirklich passiert ist.

1.) Zu Hitlers Zeiten und danach. Also von 1930 bis 1950 spielte Deutschland in 0 von 4 Finalen.
2.) Von 1958-1964: Nach dem ersten Weltmeistertitel wurde man in Schweden "nur" 4. Am "Europa Nationenpokal" nahm man nicht teil. Das sind technisch gesehen 4 Turniere. Aber man muss an der Stelle erwähnen, dass die Europameisterschaft noch nicht annähernd das war, was sie heute ist. Also Sepp Herberger empfand diesen Wettbewerb als "reine Zeitverschwendung"... Der war guter Deutscher und nur an der Welteroberung interessiert... 

Danach beginnen dann schon dominanten, oben bereits erwähnten 70er und 80er Jahre, die eigentlich durch das WM-Finale 1966 eingeleitet worden sind. Und nach den 4 Finalen in 5 Turnieren ging das ja fast nahtlos so weiter: WM Finale 86, Weltmeister 90, EM Finale 92, Europameister 96, WM Finale 2002. Dann kam halt Jogi Löw.

Also ja, wenn wir an Turnieren teilnehmen wollen, dann qualifizieren wir uns seit 1950 konstant in jedem 3. Turnier fürs Finale. Vollkommen egal, wie die Umstände sind. Oder wie finster der Trainer eigentlich ist. Und selbst, wenn man die "Interessiert uns nicht, wir nehmen da nicht teil" Turniere mitzählt, hat Löw es trotzdem als erster Trainer in 55 Jahren geschafft, bei 3 Versuchen in Folge kein Finale zu erreichen.

Nebenbei sind abgesehen von Sepp Herberger alle Trainer entlassen worden, bevor es überhaupt so weit kommen konnte. Da reichte ein schlechtes Turnier, um rausgeworfen und durch einen anderen schlechten Trainer ersetzt zu werden. Siehe Schön und Derwall. 

Die einzigen Trainer, die sich nach einem Aus im Viertelfinale (oder früher) im Amt halten konnten, waren Berti Vogts und Jogi Löw.

Natürlich ist die Messlatte bei anderen Nationaltrainern gar nicht soo hoch. Wir haben halt eine krankhafte Obsession mit schlechten Nationaltrainern. Also genauer: Nationaltrainern, die auf Vereinsebene nie irgendwas holen. Um das nochmal zu erwähnen: Hansi Flick hat in 1 1/2 Jahren bei den Bayern mehr Vereinstitel gewonnen, als alle anderen Nationaltrainer zusammen. Hauptsächlich, weil "wir" beim DFB in Sachen Trainersuche und perspektivische Planung richtig beschissen aufgestellt sind. Aber trotzdem hatten wir einige Nationaltrainer, die zumindest erfolgreicher waren. Und auf der anderen Seite hat Löw die schlechteste Phase der Deutschen Nationalmannschaft seit 1952 zu verantworten... Dabei haben wir die "Der Abstieg aus der Nations League wurde nur durch eine Formatänderung verhindert" noch nicht mal erwähnt.

Um das noch mit einem praktischen Vergleich zu beenden: Zu behaupten, dass Jogi Löw der beste Nationaltrainer aller Zeiten ist, ist ungefähr so sinnvoll wie die über Felix Magath bei den Bayern zu behaupten. Beide haben im Rahmen ihrer Anstellung nichts Außergewöhnliches geleistet.

Wo ich schon bei "nichts Außergewöhnlichen" bin: Können wir aufhören, Hansi Flicks Siegesserie zum Auftakt zu feiern? Ja, der hat jetzt 7 Spiele mit 31:2 Toren gewonnen. Aber der stärkste Gegner war Rumänien. Die sind gerade auf Platz 40 in der Fifa Weltrangliste. Und die hat man trotz Rückstand gerade so besiegt... Die restliche "Konkurrenz" taucht nicht mal auf Seite 1 auf. Es hatte garantiert noch nie ein Bundestrainer ein derart einfaches Startprogramm, weil die meisten ja mit Testspielen gegen anständige Gegner beginnen. Wenn Hansi Flick eines dieser Spiele nicht gewonnen hätte, hätte er auch direkt wieder zurücktreten können.

Aber wie schon bei Löw, der sich halt auch nur an seinen Vorgängern Ribbeck und Völler messen lassen muss, haben wir die Messlatte so niedrig angelegt, dass jetzt alle total begeistert sind, wenn "wir" international drittklassige Konkurrenz besiegen...

Mittwoch, 30. Juni 2021

Die reimste Poesie

Guckt es euch in Endlosschleife an. Hier mit offiziellem Livekommentar. Hier die Variante vom ZDF. Oder Manu Thieles Analyse. Der Manu blendet sogar als einziger die wirklich relevante Statistik ein. Und hey, ich verlinke euch sogar mal Sportbild, was ich ja sonst nie machen würde. Einfach nur wegen der "Bei dieser Müller-Szene schrie ganz Deutschland auf" Ankündigung.

Ganz Deutschland? Nein. Irgendwo saß ein kleiner und unwichtiger Blogger an einer Bar und dachte ganz entspannt "Ist nur Thomas Müller, der macht den eh nicht." Ich hatte es echt noch nie in meinem Leben, dass ich so ruhig geblieben bin, während um mich herum alle aufgesprungen sind. 

Dass Thomas Müllers EM Karriere mit einer vergebenen Großchance endet, ist halt die reimste Poesie. Und ich muss halt auch zugeben: Ich war nicht überrascht, dass er die Chance vergeben hat, ich war nur überrascht, dass er sich diese Chance überhaupt erarbeitet hat. 

Denn hier ist eine weitere grausame Statistik: Thomas Müller hat bei dieser EM nicht ein Mal aufs Tor geschossen. Ok, ein Mal ein harmloser Abschluss, aber wie sagte Toni Kroos so schön: Abseits ist eben Abseits. Und er stand halt vorher im Abseits.

Das faszinierendste ist ja das Portugal Spiel, in dem Müller irgendwie an allen Toren beteiligt war, aber trotzdem auf keine direkte Torbeteiligung kam. Mittlerweile wissen wir aber halt auch, dass man nicht zwingend Weltklasse ist, wenn man gegen diese Portugiesen gut spielt. Vor allen Dingen bleibt an der Stelle festzuhalten: Ich bin leider schuld. Denn ich bin beim Stand von 0:1 auf ein Dota-Konzert gegangen und kaum gucke ich mal nicht hin, spielt der Typ dann doch ordentlich. Aber selbst da...

Also das Portugal Spiel ist ja das genau genommen das perfekte Szenario für Müller: Wenn der Gegner nur halbherzig verteidigt und die Mitspieler richtig gut aufgelegt sind, dann glänzt auch Müller. Aber wenn die Räume eng werden, den Mitspielern die Aktionen nicht so richtig gelingen und Müller eigentlich vorne wegmarschieren müsste, ist von ihm nichts bis wenig zu sehen. Genauso spielt er bei den Bayern halt seit Jahren. Genauso hat er bei diesem Turnier gespielt.

Wenn die gut bezahlten Experten das geahnt hätten... hätte man vielleicht auch mal erklären können, warum Müller in der Nationalmannschaft seit Jahren "einen Scheißdreck" gespielt hat. Da kann der nebenbei selber auch wenig dafür. Also er hat ja die Position des "Raumdeuters" erfunden. Das ist die Rolle, die er auf dem Platz spielt. Eine Rolle, die er auch richtig gut beherrscht. Das Problem, worüber halt keiner reden will, ist, dass diese Rolle eben nur funktioniert, wenn er einen klassischen Mittelstürmer von gehobener Qualität neben sich hat. Ein Spieler, der durch die Aufmerksamkeit, die er auf sich zieht, die Räume kreiert, in die Müller dann stößt. Und Deutschland hat diesen Mittelstürmer seit dem Rücktritt von Miroslav Klose einfach nicht mehr. Wenig überraschend hat Müller sein letztes starkes Turnier noch an der Seite von Klose gespielt.

Und ja, ich erwarte von Experten, dass sie mir so was vor dem Turnier erklären. Dass sie nicht völlig schockiert reagieren, wenn Müller genau das Turnier spielt, welches sachlich von ihm zu erwarten war. Aber Müller kritisch hinterfragen ist ja keine Option.

Nebenbei zieht das ganze einen taktischen Rattenschwanz nach sich. Also es wurde zumindest in den Kommentarspalten die Frage gestellt, warum Jamal Musiala erst so spät eingewechselt wurde. Der hätte doch von Anfang an spielen müssen. Das Problem ist halt: Dafür hätte Müller auf die Bank gemusst. 

Der eigentlich viel größere "Skandal" ist ja nicht, das Musiala erst in der 90. Minute kam, sondern dass Ilkay Gündogan das komplette Spiel auf der Bank saß. Also nur um das mal festzuhalten: Gündogan war, nach überstandener Corona-Erkrankung, einer DER Schlüsselspieler beim englischen Meister und Champions League Finalisten Manchester City. Einer der ganz wenigen Stammspieler, um die Pep Guardiola seine Strategie aufbaut. Und nach dem Champions League Finale rauschte es durch den Blätterwald, dass Pep sich mal wieder vercoacht hat, weil... er Gündogan auf die 8 oder 6 zurückgezogen hat, anstatt ihm wie vorher auf der 10 alle Freiheiten zu geben. Löw macht genau dasselbe und keiner sagt was.

Aber man konnte ja auch nichts sagen. Denn Gündogan in einem 4-2-3-1 ins Zentrum zu stellen, hätte ja bedeutet, dass man Müller opfern muss. Das ist natürlich keine Option. Da wurden dann lieber Aufstellungen ohne den 2-maligen Spieler des Monats der Premiere League entworfen. 

Das logische Ergebnis: Gündogan kam nie ins Turnier. Aber anstatt sich zu fragen, wie man dies ändert, wurde er einfach auf die Bank verschoben.
Der Deutsche Kader hat halt ein fieses Balance-Problem: Mit Gündogan, Kimmich, Goretzka und Kroos hat man 4 richtig starke zentrale Mittelfeldspieler. Da Müller aber unbedingt spielen musste, bastelte Löw ein 3-4-2-1 in dem für alle 4 nicht gleichzeitig Platz war. In einem 4-2-3-1 mit Kimmich als offensiven Rechtsverteidiger hätte man dies lösen können. Dazu verteilt man Gnabry, Sané, Werner und Havertz auf die restlichen 3 Offensivplätze. Aber keiner der Experten hat diese Idee mal in den Raum geworfen... 

Da zeigt sich dann halt, wie dieses bedingungslose Vertrauen in Müller zu strukturellen Problemen in der Mannschaft führen. Nebenbei habe ich dieses Problem schon im Oktober 2020 genauso dargelegt. Passives Abseits Leser wissen es früher. Aber selbst jetzt nach dem Turnier kriege ich immer nur ein "Wie kannst du Müller kritisieren! Der ist wichtig für die Mannschaft!" entgegen. Die blinde Verehrung dieses Mannes führt auch jetzt noch dazu, dass man dessen Leistungen im Trikot der Nationalmannschaft nicht sachlich einordnen und kritisieren kann.

Und ich kann das ja auch voll nachvollziehen. Müller wäre ja sogar mir sympathisch, wenn er nicht Bayern- und Deutschland-Spieler wäre. Ich erwähne ja auch immer wieder, dass ich allerhöchsten Respekt vor dessen Karriere hat, denn Müller ist etwas übertrieben ausgedrückt der lebende Beweis, dass jeder Kreisklassekicker es zum Weltmeister schaffen könnte, wenn er nur den nötigen Aufwand betreibt. Er hat aus seinen abgesehen von der Spielintelligenz doch überschaubaren fußballerischen Möglichkeiten mehr als das Maximum herausgeholt. Aber er ist halt den einen Schritt langsamer geworden, was in richtig engen Duellen ein Problem ist.

Donnerstag, 28. Januar 2021

Der Zug ist damit dann abgefahren.

 Die anderen Nationen können aufatmen, Deutschland wird nach der EM nicht von einem der besten Deutschen Trainer betreut. Denn Thomas Tuchel hat jetzt schon einen neuen Arbeitgeber gefunden und hat damit im Sommer keine Zeit mehr.

Hier wurde sich ja vor gar nicht so langer Zeit ausführlich mit dem Problem Nationaltrainer in Deutschland beschäftigt. Wie der DFB es in all den Jahren nie geschafft hat einen guten externen Mann für sich zu gewinnen, sondern einfach nur verdiente ehemalige Nationalspieler genommen hat. Nationalspieler, die vorher meistens Co-Trainer waren. Am Ende ist es ein Wunder, dass man mit diesem Trainer, die abgesehen von der Nationalmannschaft kaum Erfolge als Trainer vorweisen können, so erfolgreich war, wie man war. Und man will sich gar nicht vorstellen, wie das aussehen würde, wenn ein Fachmann diesen Posten übernimmt.

Aber... der DFB arbeitet halt nicht strategisch, sondern reagiert immer nur. Die Nationaltrainer werden traditionell nicht entlassen. Sie gehen traditionell nicht mit einem auslaufen Vertrag in das Turnier, weil das ja ihre Position schwächen würde... auch wenn der Letzte, der das gemacht haben dürfte, 1990 Weltmeister wurde. Und so sucht man dann zur bescheidensten Zeit, wenn alle guten Trainer einen neuen Vertrag haben, nach einem Nachfolger für den spontan zurückgetretenen Übungsleiter.

Genau diesen Zyklus hätte man jetzt durchbrechen können, wenn man mit Jogi Löw offen kommuniziert hätte und ihm mitteilt, dass man nach der EM ohne ihn plant. Das schlimmste, was dir da passieren kann, ist ja, dass Löw direkt hinschmeißt. Was unwahrscheinlich ist, denn auch Löw wird sich nicht mit einem 0:6 verabschieden wollen. Dann könnte man mit Tuchel oder den ja noch verfügbaren Ralf Rangnick offene Verhandlungen führen. Und sehen, wie stark das Interesse der guten Trainer an diesem Posten wirklich ist. Und Ralf Rangnick ist ja gerade auch überall im Gespräch... außer beim DFB.

Aber auch da zeigt sich ja ein strukturelles Problem beim DFB: Wer soll diese Entscheidung treffen und durchsetzen? Präsident Fritz Keller ist gerade mit internen Aufräumarbeiten beschäftigt. Beim DFB gab es halt mal wieder eine Steuerrazzia. Und interne Machtkämpfe im Präsidium. Die sind also wieder mal mit sich selbst beschäftigt.

Und Oliver Bierhoff? Der hat halt seine gesamte "Managerkarriere" auf den Erfolgen von Jogi Löw aufgebaut. Wenn Löw nicht diesen attraktiven, offensiven und auch immer bis zum Halbfinale erfolgreichen Fußball spielen lässt, kann Bierhoff nicht diese Marke Mannschaft inszenieren. Und sich in dieser Marke sonnen. Und das Löw der einzige Trainer war, der schon am ersten Gruppenspieltag konsequent auf Sieg und aufs 2 Tor spielen ließ, habe ja selbst ich nie infrage gestellt, der sonst alles, was er gemacht hat, hinterfragt hat. Dieser Bierhoff hat Löw zu viel zu verdanken, als dass er ihn absägen könnte.

Aber Löw hat ja alle kritisch denkenden Kollegen vom Posten des Sportdirektors vertrieben. Also wenn aus Matthias Sammer mehr als einen Grußonkel gemacht hätte und ihn mit wirklicher Macht ausgestattet hätte... wäre der vielleicht noch da und dann... gut, dann wäre Löw seit dem Vorrundenaus weg. 

Aber genau jetzt wird es halt deutlich, wie schwach der DFB eigentlich aufgestellt ist. Es gibt keinerlei Gegengewicht zum System Löw. Keinen Kontrollmechanismus. Auch nach der desaströsen WM 2018 nicht. Spätestens da hätte man doch jemanden installieren müssen. Das Duo Bierhoff Löw, die ja beide dieses Desaster zu verantworten hatten, sprengen. 

Da aber von sich aus niemand gehen wollte und der DFB niemanden entlässt... ging es in genau der Besetzung weiter. Da ist es gar nicht so überraschend, dass die Entwicklung auch genauso weiter geht. 

Und natürlich kann das alles noch in einem grandiosen EM Triumph münden. Turniere entwickeln immer eine seltsame Eigendynamik. Für die einen positiv, für die andern negativ. Und Löw war ja bis auf 2018 immer gut darin, die Mannschaft dann vernünftig einzustellen, nachdem sie vorher eher wacklig ausgesehen hatte. Aber wir haben den Punkt erreicht, wo eine erfolgreiche EM als Überraschung wahrgenommen werden würde. 

Ich sage es ja seit Jahren: Löws außerordentliche Trainerleistung ist, dass Deutschland nicht als Titelfavorit zur Europameisterschaft fahren wird. Also selbst bei den grausamen 2000er und 2004er Meisterschaften hieß es vorher "Die Deutschen muss man immer auf dem Zettel haben, die sind eine Turniermannschaft." Klar, da war viel Mythos und Verblendung dabei. Aber diesen Mythos hat Löw halt gerade eingerissen.

Mittwoch, 18. November 2020

Anscheinend lesen die Deutschen Nationalspieler Spieler meinen Blog

 Oder sie sind zumindest zu derselben Erkenntnis gekommen: Auf die Endrunde der Nations League haben wir keinen Bock.

An der Stelle muss natürlich erst Mal ein Mea Culpa kommen: Ich ging davon aus, dass Kicker.de eine seriöse Quelle ist, der man vertrauen kann. Deswegen habe ich deren Information, dass die Endrunde vor der EM ausgespielt wird, nicht gegen gecheckt. Mein Fehler, hätte ich nicht machen sollen. Gerade wo ich sonst immer auf der Homepage rumhacke. Es ist halt ne Weile her, dass der Kicker nen Fachmagazin war...

Also ja, die Endrunde wird im Oktober 2021 ausgetragen. Und Seiten wie Spox.de wissen das auch schon. Nur beim größten deutschen Sportmagazin hielt man diese Information für unwichtig. Aber anscheinend dachten Toni Kroos und Co trotzdem, dass sie da lieber Urlaub machen wollen...

So fügt Jogi Löw seinem Beeindruckenden Resümee ein weiteres Highlight hinzu. Also lasst uns das mal kurz zusammen zählen. Auf der Haben Seite stehen:
Den WM Titel 2014. Ehre, wem Ehre gebührt. Also der Goldenen 2014er Generation um Philipp Lahm, Manuel Neuer und Toni Kroos, die so gut waren, dass selbst Löw diesen Titel nicht verhindern konnte.
Das EM Finale 2008 gegen Spanien, welches ja gestern von Oliver Bierhoff wieder in Erinnerung gerufen wurde, weil man damals ebenfalls hoffnungslos unterlegen war...

Und genau genommen... war es das schon mit überragenden Turnierleistungen. Denn ein Halbfinale bei einer EM zu erreichen und sich dann zu vercoachen, wie Löw das in 2012 gemacht hat, ist genau genommen keine herausragende Leistung. Genau so wenig ist es überragend Deutschland in ein Halbfinale einer Weltmeisterschaft zu führen. Klingt absurd, aber selbst Rudi Völler hat das mit seiner Generation der Rumpelfußballer geschafft. Und niemand wird Rudi Völler deswegen zu einem großartigen Trainer verklären. Oder Jens Jeremies zu einem Weltklasse Spieler machen...

Natürlich ist es unfair Jogi Löws Leistungen mit denen anderer Nationaltrainer dieses Landes zu vergleichen... es ist halt auch einfach absurd, wie gut die Deutschen Turnierergebnisse, abgesehen von 2 Europameisterschaften zur Jahrtausendwende, immer waren. Da fällt es auch irgendwie schwer sich von den anderen Trainer deutlich abzuheben. Aber dies hat Löw beeindruckend geschafft. Mit folgenden Leistungen:

Dem ersten Vorrundenaus bei einer Weltmeisterschaft.
Dem Abstieg aus der Nations League.
Und jetzt die zweithöchste Niederlage der Geschichte

Für historischen Kontext: Die einzige höhere Niederlage war gegen England im Jahr 1909. Damals, als die Engländern allen anderen Meilenweit voraus waren. Und die letzte Nation, die uns 6:0 besiegt hat, haben wir hinterher annektiert. Nur damit die Spanier mal wissen, was auf sie zukommt...

Was mich ja am meisten fasziniert, ist ja. wie man jetzt versucht, das alles zu relativieren. "Die Spanier sind halt auch gut." Ähm... es gab Gründe, warum den Deutschen ein Unentschieden gereicht hätte... Denn diese Spanier haben gegen die Ukraine verloren und gegen die Schweiz nur unentschieden gespielt. Die waren quasi auch im "Wie verhindern wir eine Endrunden Teilnahme" Modus...

"Das ist ja auch eine junge Mannschaft!" Ähm was? Also mit Manuel Neuer, Toni Kroos und Matthias Ginter standen da 3 Weltmeister auf dem Platz. DREI!. Niklas Süle, Leon Goretzka und Serge Gnabry sind allesamt Champions League Sieger. Neuer holte diesen Titel zum 2. mal. Kroos ist bei 4 Titeln. Soll ich jetzt noch die Meisterschaften zusammen rechnen, die diese Spieler geholt haben?
Dazu sind Ilkay Gündogan und Timo Werner Stammspieler in englischen Star-Ensemblen. Gündogan spielt im vielleicht besten, auf jeden Fall teuersten Mittelfeld der Welt eine Zentrale Rolle. Bleiben also Robin Koch und Philipp Max als wirklich unerfahrene Spieler.  Ich sage bewusst unerfahren, denn Max ist bereits 27 Jahre alt, Koch kommt auf 24... Oh und Leroy Sané, dem aus irgendwelchen Gründen jegliche Turniererfahrung fehlt. Wer hat das nochmal zu verantworten? Diese Mannschaft ist einfach nicht Jung. 

Wie kommt es also zu so einem Ergebnis? Warum geht eine Mannschaft, angeführt von 3 Weltmeistern, so unter? Kann man das analysieren, ohne 15 mal "passieren" zu sagen? Und ja, das Interview von Oliver Bierhoff, studierter Marketingmanager, erinnerte mich irgendwie an "Woran hat's gelegen?

Aber halten wir mal den entscheidenden Unterschied zwischen den Spaniern und den Deutschen fest: Die einen wollten die Gelegenheit nutzen und sich für die Stammelf bei der Europameisterschaft präsentieren, die anderen wollten sich nicht verletzen. Das hat man ja auch am deutlichsten gemerkt, als die Einwechsel-Offensive der Spanier weiter für Randale sorgten: Die mussten halt nachziehen, nachdem ihre Konkurrenten um einen Stammplatz so vorgelegt haben...

Unter Jogi Löw ist es aber seit Jahren so, dass die Testspielleistungen... nun ja.. irrelevant für das Turnier sind. Also nehmen wir mal das "Herzstück" Kroos-Gündogan: Ein Toni Kroos weiß, dass er seinen Stammplatz zur EM sicher hat, egal was da gestern auf dem Rasen passiert. Genau so wie ein Gündogan weiß, dass er nicht an Joashua Kimmich vorbei kommen wird, wenn er diese Bühne nutzt und 2 Tore erzielt. Das Ergebnis: Beide machen mindestens einen Schritt weniger. Sie kommen nicht auf das nötige Motivationslevel um gegen Spanier, die mit hohem Tempo spielen, gegenzuhalten. Und ohne jegliche Präsenz im zentralen Mittelfeld geht man halt unter.

Das sind halt einfach Probleme, die sich irgendwann ergeben, wenn ein Nationaltrainer seit 14 Jahren im Amt ist... und es eigentlich allen bewusst ist, dass aufs Leistungsprinzip seit 2010 geschissen wird. Das Löw an den Spielern, denen er vertraut, bedingungslos festhält. 

Und weil das mittlerweile auch den Spieler zumindest unterbewusst klar ist, lassen die Leistungen zwischen den Turnieren seit Jahren konstant nach. Und bei der WM 2014 hat man die deutliche Quittung dafür bekommen. Nur hat man halt nicht den Eindruck, dass sich danach an Löws Haltung zu den Testspielen irgendwie geändert hätte. 

Das sieht man ja an 2 Grundsatzentscheidungen: Zunächst mal den Fakt, dass Kimmich unbedingt auf die 6 muss, obwohl man im Zentrum am Besten besetzt ist. Eigentlich sollte Löw die Testspiel nutzen um nach Möglichkeiten zu suchen, wie er Kimmich, Kroos, Goreztka und Gündogan in einem stabilen System gemeinsam auflaufen könnten, legt Löw sich frühzeitig fest, dass Kimmich sein 6er wird. Und sucht krampfhaft nach Außenverteidigern, die es in diesem Land anscheinend nicht gibt. Dabei wäre das offensichtlich vernünftige Kimmich davon zu überzeugen im patriotischen Dienst Außenverteidiger zu spielen... Mit dem Argument "So steigerst du unsere Chancen auf den Titel."
Aber er hat sich halt schon anders entschieden und das kann man jetzt nicht mehr ändern...

Genau so wie die 2. Grundsatzentscheidung: Dem Nein zu Boateng, Hummels und Müller. Hier ist das faszinierende: Den dreien zu sagen, dass ihr derzeitiges Niveau nicht für die Nationalmannschaft reicht, wäre eine harte, aber nachvollziehbare Entscheidung gewesen. Alle drei waren weit weg von ihren persönlichen Bestleistungen. Sie also erst Mal nicht mehr zu nominieren, wäre eine Eindeutige Ansage ans Leistungsprinzip gewesen. 

Dadurch, dass Löw diese Ansage aber so endgültig getroffen hat, dass er sie selber nicht mehr zurücknehmen kann, hat er sofort wieder jegliches Leischtungschprinzschip außer Kraft gesetzt. Und zwar mit Ansage: Es ist vollkommen egal, was in den nächsten 1 1/2 Jahren passiert, ich habe mich fest gelegt. 

Wenn Löw mit einer "Wenn ihr wieder Leistungen im Verein bringt, werdet ihr natürlich auch wieder nominiert" in die Gespräche gegangen wäre... Das wäre fair, transparent und nachvollziehbar gewesen. Und er hätte sie zurückholen können, ohne dass er sich einen Zacken aus der Krone bricht. Und er hätte allen vermittelt, dass das, was zwischen den Turnieren auf dem Rasen passiert, durchaus relevant ist.

So... haben wir jetzt einfach keine brauchbaren Innenverteidiger für die Europameisterschaft. Außer vielleicht Niklas Süle. Und die Lösung für dieses Problem wurde sich völlig unmotivert verbaut.

Um den Bogen zu schlagen: Es ist wirklich faszinierend, wie viele Fehltritte Löw sich erlauben durfte, weil er vor in den letzten 10 Jahren ein überdurchschnittliches Ergebnis abgeliefert hat. Wie viel von diesem einen WM Titel überblendet wurde. Und wie er sich damit jahrelang jeglicher Kritik entzogen hat.

Aber er hat sich halt auch sein eigenes, höriges Umfeld erschaffen. Alle kritischen Stimmen wie Matthias Sammer, der garantiert schon viel früher eingegriffen hätte, wurden vertrieben. Stattdessen sitzen auf allen Positionen Leute, die ihren Posten am Ende Jogi Löw zu verdanken haben. Und auch der Öffentlichkeit hat es ja jahrelang ignoriert, dass Löw der wohl schlechteste Weltmeistertrainer aller Zeiten ist. Und er ist anscheinend nicht in der Lage seine Arbeitsweise zu ändern.

Bleibt zu hoffen, dass er sich irgendwie in ein Halbfinale wurschtelt und deswegen seinen Posten behält... zumindest wenn man will, dass Deutschland 2022 nicht Weltmeister wird.

Mittwoch, 11. November 2020

Jogi Löw und Oliver Bierhoff haben das Unvorstellbare geschafft

 Sie haben den Ruf der Marke "Deutsche Nationalmannschaft" "ruiniert". Also zumindest nach unten getrieben. 

Wir haben halt gerade den Zeitpunkt erreicht, in dem die Deutsche Nationalmannschaft spielt und das allgemein eher so mit einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen wird. Trotz Lockdown. Also obwohl man eigentlich gar nichts anderes zu tun hat, als den besten Spielern des Landes beim Kicken zuzugucken, werden die Quoten relativ gesehen wieder grausam sein.

Also klar "grausam" heißt immer noch 5,8 Millionen... so ganz weg kommen wir von unserem Party-Patriotismus halt doch nicht. Aber der Trend geht halt deutlich nach unten.

Was halt faszinierend ist, weil halt die Deutsche Nationalmannschaft das eine war, worauf man sich Quoten technisch verlassen kann. Das guckt der Deutsche halt. Egal was ist. Da kommen nicht mal Institutionen wie "Der Tatort" gegen an.

Und da muss auch keiner mit "Naja, die Nations League, wer interessiert sich den für so einen Wettbewerb?" kommen. Also zum einen verändert sich für die "großen Nationen" bei der Nations League wenig, außer... dass die Testspiele nicht selber abgeschlossen werden und eine minimal höhere Konsequenz haben. Aber die Top Nationen haben ihre freien Termine eh als Geschlossene Gesellschaft abgehalten und Verträge mit Hin- und Rückspiel abgeschlossen. Gut, damals noch über 2 Jahre, damit es nicht ganz so auffällt, aber prinzipiell... Würde Deutschlands Terminkalender kaum anders aussehen, wenn statt der Nations League Testspiele im Kalender stehen würden.

Vor allem muss aber folgende Frage gestellt werden: Wer interessiert sich denn für die Qualifikationsspiele? Also klar, man hat mit etwas Glück ein Gutes dabei... aber Weißrussland - Deutschland? Ein belangloses Spiel im kalten November, welches Deutschland ohne großen Aufwand mit 4:0 gewinnt? Ein Spiel, welches keinerlei Einfluss auf irgendwas hat? Die Antwort lautet: 7,1 Millionen Menschen. Wenn Deutschland spielt, fragt man nicht "gegen Wen und Warum?", sondern man schaltet ein.

Ich sag das mal so: Selbst in den finstersten Jahren, wo es wirklich nur Rumpelfußball gab, war es trotzdem kein Problem die Leute zu elektrisieren.

Dabei muss ich auch zugeben, dass ich das selber gar nicht so auf dem Schirm hatte... wie die Öffentlich Rechtlichen anscheinend auch. Also als RTL sich für garantiert gutes Geld die Übertragungsrechte für die Qualifikatiosspiele sicherte, dachte ich nur: "WTF, ich dachte, die Quali zu zeigen, wäre eine notwendige Zwangsaufgabe, die man machen muss, wenn man die Turniere zeigen will..." Aber wie viele Menschen da wirklich einschalten, war mir halt wirklich nicht bewusst.

Und Löw und Bierhoff ruinieren dieses Geschäftsmodell jetzt plötzlich. Was völlig absurd ist. Denn Bierhoff ist ja studierter Markenbotschafter. Was dann plötzlich genau das Problem ist. Die Deutsche Nationalmannschaft war halt eine Marke, die größer war als jede Botschaft. Die kein künstliches Werbekonzept und verrückte Slogans brauchte. Die einfach und organisch von 2 Dingen lebte: Die Besten Spieler des Landes kommen zusammen und vertreten dieses Land. Und für die gemeinen Bürger ist diese Auswahl, egal was passiert, das liebste Kind.

Alles, was man eventuell noch braucht... sind Integrations- und Antirassismus-Kampangnen. Stattdessen bekamen wir Häshtägs... Bierhoff ging mit der etabliertesten Marke des Landes um, wie mit der neuen Idee eines Start-Up Unternehmens. Und die dann doch eher konservativen Fans guckten sich irritiert um... Und stellten fest: NotmeineMANNSCHAFT. 

Teil des Problems ist halt, dass man unbedingt künstlich versuchte eine eh schon extrem große Marke weiter zu pushen... anstatt mit der absurden Reichweite, die man auf Grund des geschenkten Grundkonzepts hatte, zufrieden zu sein. Aber hey, dafür hat man dann wahrscheinlich die Werbeeinnahmen gesteigert... 

Und jetzt will Bierhoff ein Lob erhalten, weil man sich "souverän" für die EM qualifiziert hat. Und hat die Nerven, die Situation in Deutschland mit den Niederlanden zu vergleichen.  Ähm... Nein. Einfach nur Nein. Also ein kleiner Grundkurs in Geographie für Olli: Die Niederlande hat 17,8 Millionen potenzielle Nationalspieler. Deutschland hat 83 Millionen. Auch wenn das dank der überragenden Jugendarbeit in dem Land nicht so auffällt: Das ist eigentlich eine kleine Fußball-Nation. Solche Nationen gehen immer wieder mal durch ihre Täler. Das die Holländer immer wieder überragende Generationen und Titelanwärter produzieren, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Sensation. 

Es ist echt faszinierend, wie weit entfernt von der Realität Bierhoff in seiner Bubble anscheinend ist. Oh und das man in der Nations League eigentlich abgestiegen ist, verschweigt er auch. Es war halt nicht nur die WM, die eine herbe Enttäuschung war.

Nebenbei, das muss an der Stelle nochmal erwähnt werden, ist Bierhoff studiert Diplom-Kaufmann. Der sollte eigentlich genügend Ahnung von der Materie haben, dass er dieses Flaggschiff nicht so souverän Richtung Untergang fährt.

Aber anstatt irgendwelche Sicherheitsmechaniken einzubauen, die Bierhoff bremsen und kontrollieren, hat man den ja, ohne großartige Leistungen, in eine Position befördert, wo ihn niemand mehr entlassen kann. Guter Plan.

 

Und Jogi Löw hat halt endgültig mit dem "Wir laden die Besten ein" Grundprinzip gebrochen. Klar, das hat er im Detail schon immer... aber halt meistens, in dem er Spieler eingeladen hat, die nicht mehr gut genug sind... und nicht, in dem er die anscheinend Besten auslädt.

Ich finde Löws Aussage zu Hummels, Boateng und Müller ja gerade faszinierend: "Wir haben uns grundsätzlich entschieden, (...) wir können das jetzt nicht Rückgängig machen." Ähm... Warum nicht? Hat der Mann sich bei Donald Trump infiziert, dass er keine Fehler zugeben kann? Dabei tut er nebenbei dreist so, als würde er sich ja kritisch hinterfragen. Wie man bei dieser kritischen Analyse nicht zu dem Schluss kommen kann, dass Boateng und Hummels auszubooten ein Fehler war, bleibt ein riesiges Mysterium.

Aber das ist ja noch nicht mal das Schlimmste. Also Löw hatte ja immer (Frings, Ballack) die Angewohnheit, einige verdiente Nationalspieler spontan rauszuschmeißen, während er an anderen (Podolski, Schweinsteiger 2016) entgegen jedes Leistungsprinzips festhielt, Wir haben ihm das immer verziehen. Warum können wir das dieses mal nicht mehr?

Da muss man als erstes natürlich wieder über Thomas Müller als Sympathieträger reden. Denn jeder Trainer, der versucht hat, den zu ersetzen, ist darüber gnadenlos gescheitert. Denn Müller holt uns halt auf einer emotional Ebene ab, die kaum noch nachzuvollziehen ist. Weil er halt authentische Interviews gibt. Und weil er halt auch auf den Platz teilweise wirkt wie einer von uns. 

Dass Müller lediglich gegen ein implodierendes Barca ein gutes Spiel auf gehobenen Champions League Niveau abgeliefert hat? Dass er seit dem 7:1 Halbfinale kein Tor in einem Turnierspiel mehr erzielt hat? All das erfahrt ihr nur hier. Überall sonst heißt es "THOMAS WIR BRAUCHEN DICH ZURÜCK!!!"

Wer Müller absägt, verscherzt es sich mit ganz Deutschland. Und das ist ja kein Löw-Problem. Niko Kovac und Carlo Ancelotti haben beide ebenfalls versucht Müller zu ersetzen und sind daran gnadenlos gescheitert.

Das viel größere Problem ist aber, dass Deutschland mittlerweile nur noch Magerkost anbietet. Und das ist halt das völlig absurde. Auch als Löws größter Kritiker musste ich ja eines immer anerkennen: Der Mann hatte den Anspruch attraktiven Fußball spielen zu lassen. Er hatte es sich damals halt in den Kopf gesetzt, Spanien mit deren eigenen Waffen zu schlagen... was völlig albern war, weil die Spanier den unfairen Wettbewerbsvorteil hatten, dass sie auf Barca Automatismen zugreifen konnten. 

Aber lange Zeit wusste man: Wenn Deutschland spielt, geht es ab. Mittlerweile weiß man, dass es gerade zwischen den Turnieren eher unmotiviertes Gekicke zu sehen gibt. Mit einem zögernden und zaudernden Trainer an der Seitenlinie. Es ist echt faszinierend, wie ängstlich Löw während der letzten Nations League Spiele gewechselt hat.

Und da waren wir halt auch (im Gegensatz zu früher, wo wir halt Deutsche Tugenden aufgetischt bekamen, und die gefressen haben) echt verwöhnt. Und an dieses Niveau haben wir uns gewöhnt.

Das Gefühl, dass bei dem talentierten Haufen mehr rauskommen müsste, schwingt halt bei jedem Länderspiel mit. Und das gerade Löw da eher als Bremse wirkt, ist halt einfach nur faszinierend.

Dienstag, 20. Oktober 2020

Der Unterschied zwischen Müller und Boateng

 Oder: Der Rattenschwanz an Problemen, die Jogi Löw sich gerade selber erschaffen hat... und wie sein eigener Stolz verhindert, dass diese gelöst werden.

Aber hey, immerhin gibt es mittlerweile einen gewissen Fortschritt. Den Experten ist aufgefallen, dass auch Jerome Boateng einen entscheidenden Anteil am Champions League Sieg der Bayern hatte. Und das auch der eigentlich zurück in die Nationalmannschaft muss. Was bei einem Thomas Müller ja schon lange gefordert wird.

Allerdings zeigen die letzten Länderspiele, dass die beiden Fälle eben nicht vergleichbar sind. Denn derzeit scheint Jogi Löw 2 Optionen zu haben: Defensiv stabil zu stehen und Offensivspieler zu opfern. Dann kommt ein uninspiriertes 2:1 gegen die Ukraine raus. Und ja, dass man gegen eine offensiv alles andere als berauschend aufgestellte Auswahl auf eine 5er-Kette setzt, weil man erst Mal Stabilität reinbekommen muss, ist Teil des Problems. Wenn man dann von der Kritik inspiriert einen Kai Havertz für den 5. Verteidiger aufstellt, kommt ein wesentlich abwechslungsreicheres Spiel dabei heraus. Dieses Spiel wird aber von der Erkenntnis geprägt, dass die Spieler derzeit nicht gut genug sind um eine Viererkette umzusetzen. Am deutlichsten zeigt sich das ja bei Antonio Rüdiger, der dann doch andeutet, dass es Gründe gibt, warum er bei Chelsea de facto ausgemustert wurde. Aber er ist halt sachlich gesehen immer noch die beste Option, weil... nun ja... Löw zu stolz ist zuzugeben, dass das Ausbooten von Mats Hummels und Boateng ein Fehler war.

Hier muss man nochmal zwingend auf die eigentliche Aufgabe von Löw als Nationaltrainer zu sprechen kommen: Einen unausgeglichenen Kader möglichst optimal aufzustellen. Also praktisch muss er ein System suchen, welches möglichst vielen Mittelfeldspielern platz gibt, denn genau dort ist Deutschland gerade am breitesten aufgestellt. 

Praktisch muss er Platz für Toni Kroos, Ilkay Gündogan, Joshua Kimmich, Leroy Sané, Leon Goretzka, Kai Havertz, Marco Reus, Julian Brandt und Julian Draxler finden. Genau genommen muss man sogar Timo Werner dazu zählen, denn auch wenn er Dinge in einem anderen Tempo macht, als Müller, so ist er praktisch doch der neue Müller. Also ein Angreifer, der dann überragend funktioniert, wenn er einen klassischen Mittelstürmer, um den er herum wirbeln kann, an seiner Seite hat. Aber wahrscheinlich ist es am vernünftigsten auf ein 4-5-1 zu bauen und jetzt schon zu proben, wie Werner da als einziger Stürmer integriert werden kann. Weil man halt in diesem Land einfach keine brauchbaren Mittelstürmer ausbildet.

Nebenbei wäre es auch das vernünftigste, Kimmich davon zu überzeugen, dass er Rechtsverteidiger spielen sollte, wenn er mit der Nationalmannschaft Titel gewinnen will. Denn er ist der beste Rechtsverteidiger im Kader und Gorrtzka oder Gündogan könnten den Platz im Zentrum neben Kroos adäquat ausfüllen. 

Was mach Löw stattdessen? Er sucht nach Möglichkeiten, wie er Ginter, Süle, Rüdiger, Klostermann und Halstenberg aufstellen kann. Und kürzt die sowieso schon engen 5 1/2 Plätze für 9 Spieler auf 4. Was halt echt das Dümmste ist, was man machen kann.

Und das ist halt der entscheidende Unterschied zwischen Hummels + Boateng und Müller. Wenn man Müller wieder einlädt, hat man dann 10 Spieler, die sich für die 5 Mittelfeldplätze bewerben, aber immer noch keine Lösung gefunden, wie man die defensive Grundlage für die 5 eher offensiv ausgerichteten Mittelfeldplätze schafft. Wenn man Boateng und Hummels ins Zentrum stellt, hat man ein Duo, welches bereits nachgewiesen hat, dass sie auf höchstem Niveau eine Viererkette sichern können. Und klar, gerade Boateng hatte zwischenzeitlich ein Leistungstief, welches auch die Nichtnominierungen rechtfertigte. Aber im Herbst 2020 gibt es halt keinen deutschen Verteidiger, der stabiler steht. 

Nebenbei wird ja an der Stelle immer darauf verwiesen, dass Deutschland auch einfach nicht die Außenverteidiger hat um mit einer Viererkette zu spielen. Den Leuten sei gesagt: Benedikt Höwedes ist als Linksverteidiger Weltmeister geworden. Und als Rechtsverteidiger wurde bezeichnender Weise das "Wir ziehen Philipp Lahm ins Zentrum" Projekt zwangsweise beendet. Sprich: Jemanden, der da grundsolide steht und den einen, der eigentlich lieber im Zentrum steht dort aufzustellen, reicht vollkommen aus... solange man dadurch dann dafür sorgt, dass man die Positionen, auf denen man breit aufgestellt ist, stärkt. 

Das ist ja das faszinierende an Löw: Der sollte eigentlich wissen, wie es geht. Das "Shokdran Mustafi Experiment" am Ende nur die Titel gefährden und man die einfachen und pragmatischen Lösungen nutzen muss, hätte er ja echt 2014 lernen können. Aber wie immer hält er seinen Lösungsansatz für wesentlich cleverer.

Eigentlich sollte die Nationalmannschaft jede Gelegenheit nutzen um durchzukauen, wie man mit Werner vor einer offensiven Dreierreihe agiert. Und dann nen Plan B mit Luca Waldschmidt als wuchtigen Joker mit einbauen. Stattdessen führt Löw vollkommen sinnlose Experimente durch, die keinem was bringen. Also außer die Erkenntnis, dass man so nicht Europameister wird.

Aber gut, mir soll es recht sein.

Dienstag, 22. September 2020

Ein paar einfache Fragen zu Thomas Müller

Natürlich passte das gar nicht in mein Narrativ: Da gewinnen die Bayern mit Thomas Müller als Stammspieler die Champions League. Und gegen Barcelona spielt der sogar gut. Worauf hin natürlich sofort die Forderung nach einer Rückkehr in die Nationalmannschaft. Alles in dem "Wie kann Jogi Löw auf diesen Weltklasse Spieler verzichten?" Und da bin ich ja voll dafür. Denn ich will ja nicht, dass Deutschland Europameister wird und genau dabei kann Müller halt nach wie vor helfen...

Warte, was? Ja, genau! Also als Antwort auf die erste Frage.

Frage Nummer 2: Hat sich durch das Spiel gegen Barcelona irgendwas geändert?

Genau genommen... hat Thomas Müller nachgewiesen, dass er das, was er immer macht, immer noch kann: Überforderte Gegner gnadenlos abschießen. Wenn die Bayern, wie am Wochenende gegen Schalke auf einen Notenschnitt von 2,04 kommen, kommt Müller auch auf 2 Scorerpunkte.

Die einzige Überraschung war, dass halt auch Barca zu diesen überforderten Gegner gehört. Wobei da wieder dieses "Man ignoriert Dinge einfach, wenn einem der Verein sympathisch ist" gehört... Obwohl man bei Barca da eindeutig "sympathisch war" sagen muss. Aber Barca hatte in letzten Jahren in schöner Regelmäigkeit die Angewohnheit komplett auseinanderzubrechen. Nur hören die Bayern, im Gegensatz zu Juventus oder Rom nicht nach den 3:0 auf und dann eskaliert das halt richtig. So richtig, dass selbst Lionel Messi hinterher einfach nur noch weg wollte...

Womit ich noch mal herausstellen will, dass gerade Thomas Müller für diese derzeit überragende Mentalität steht, die halt schon am ersten Spieltag einen Unterschied zu RB Leipzig ausmacht. Das ist prinzipiell nichts schlechtes.

Das Große Aber lautet aber, und das ist dann Frage 3: Wie gut war Thomas Müller in den engen Spielen, die mit nur einem Tor Vorsprung gewonnen wurden? Oder gar nicht siegreich gestalter wurden. Man mag es ja kaum glauben, aber solche Spiele gab es. In der letzten Saison kam Müller auf 11 benotete Spieler, in denen die Bayern nicht dominierten. Und einen Notenschnitt von 3,5... Oh und auf 2 Torvorlagen gegen Hofffenheim und Leverkusen. Überragend!

Anders ausgedrückt: Wenn es eng wurde, mussten andere die Kohlen aus dem Feuer holen. Und wenn ihr jetzt sagt: das war ja noch unter Niko Kovac, das ist ja unfair, dass der unter dem überhaupt mal Leistung gebracht hat... dem empfehle ich einen Blick auf das Halbfinale und das Finale der Champions League. Dort bekam Müller jeweils wieder eine 3,5. Überragend waren da mal wieder andere. Champions League Sieger wurde man ganz am Ende wegen Manuel Neuer, Serge Gnabry, Kingsley Coman, Robert Lewandowski und Joashua Kimmich. Das waren in den letzten beiden Spielen die Unterschiedsspieler. Die waren nur so gut, dass Thomas Müller da mitlaufen konnte. Das Problem ist halt: Die Europameisterschaft wird durch genau diese engen Spiele, in denen Müller nie wirklich gut ist, entschieden.

Lasst mich das in Frage Nummer 4 mal so ausdrücken: Weint irgendein Bayern Fan Coutinho eine Träne nach? Natürlich nicht. Nur weil der gegen ein überfordertes Barca am Ende 2 Tore gemacht hat, ändert man ja nicht seine Ansichten über einen Spieler. Außer dieser Spieler heißt Thomas Müller.

Frage Nummer 5: Wann hat Thomas Müller das letzte Mal bei einem halbwegs großen Turnier für Deutschland getroffen? Ich zähle sogar die Nations League mit. Jetzt gut festhalten: Wir reden vom 1:0 am 8.7. 2014! Dem 7:1 gegen Brasilien halt. In den folgenden 13 Spielen bei EM, WM und Nationsleague kommt er auf einen einzigen Assist. Und sonst nix. Und dabei zähle ich den 2 Minuten Einsatz gegen Frankreich, den Löw ihn am Ende gönnte um auf die 100 Länderspiele zu kommen nicht mal mit.

Das ist dieser damals angesprochene "Scheißdreck" den Mesut Özil angeblich gespielt haben soll.

Frage Nummer 5 lautet also: Warum sollten wir jemanden in die Nationalmannschaft zurück holen, dessen letztes wichtiges Tor in diesem Umfeld über 5 Jahre her ist und der seit dem bei allen Turnieren praktisch enttäuscht hat? Und ja, wenn Müller jetzt wirklich eine neue Entwicklung gezeigt hätte und im Finale entscheidend eingegriffen hätte... dann müsste man über eine neue Bewertung von Müllers Möglichkeiten reden. Aber er macht praktisch dasselbe, wie in den letzten 4 Jahren auch.

Das bringt mich zu der wichtigsten Frage: Wen soll Jogi Löw den für Müller aus der Mannschaft nehmen? Also wir haben eine offensive Dreierreihe aus Serge Gnabry, Kai Havertz und Leroy Sané. Wir dürften uns alle einig sein, dass alle 3 im Sommer 21 besser sein werden als Müller. Dahinter wartet dann schon Julian Brandt, der sich als Joker im Nationaldress schon bewiesen hat. Oh und irgendwie muss Löw Platz für Joashua Kimmich, Toni Kroos und Ilkay Gündogan schaffen. Alles 3 sind Stamm- und Schlüsselspieler bei europäischen Spitzenvereinen. Und Stürmer, wo man halt wirklich nur Timo Werner hat, kann Müller halt nicht wirklich spielen. Also er hat wie Werner das Problem, dass er eigentlich als 2. Stürmer neben einem klassischen Mittelstürmer am besten funktioniert. Diesen Mittelstürmer gibt es aber in Deutschland nicht. Aber nüchtern betrachtet ist halt einfach kein Platz in der Stammelf für einen Neuer.

Das bringt uns zu Frage Nummer 6: Aber kann man den nicht als Präsenz in der Kabine und in einer kleineren Jokerrolle mitnehmen? Da muss man mal kurz über die eine praktische Änderung, die Hansi Flick wirklich vorgenommen hat, reden: Er hat Müller zum unumstrittenen Stammspieler gemacht. Danach lief der Bayern Motor, der vorher ins Stottern geraten ist, wieder. Das klingt jetzt erst mal gut... bis einem bewusst wird, dass Carlo Ancelotti und irgendwie auch Pep Guardiola über dieselbe Falle gestolpert sind. Also beide erkannten irgendwann, dass die ganz großen Erfolge mit Müller wahrscheinlich nicht machbar sind, setzten ihn mehr und mehr auf die Bank und waren dann zeitnah weg. Auch wenn Guardiola freiwillig ging. Und die kurzfristige Problemlösung der Nachfolger war: Wir setzen wieder bedingungslos auf Müller. Das hat ja Niko Kovac in der ersten Saison auch genau so gemacht. Dadurch hält man die "Warum spielt der nicht" Presse ruhig und sichert sich die Stimmung in der Kabine. Bis man dann gegen die ernst zunehmende Konkurrenz an die Grenzen stößt, Müller im 2. Jahr aus der Stammelf nimmt und dann die Kabine verliert. Ist natürlich eine grobe Vereinfachung, aber es funktionierte schon erschreckend konstant. Und nur um das mal festzuhalten: Die Ära Kovac endete mit einer kompletten Arbeitsverweigerung von Thomas Müller (und fairer Weiser, dem Rest der Mannschaft) gegen Eintracht Frankfurt.

Anders ausgedrückt: Müller als bedingungsloser Stammspieler mit vollstem Vertrauen funktioniert wunderbar. Aber als Ergänzungsspieler hat er in seiner gesamten Karriere noch nie funktioniert. Denn seine Karriere begann ja praktisch mit Louis van Gaals "Müller spielt immer!"

Es gibt also keinerlei Anzeichen, dass ein Müller von der Bank aus positive Impulse für einen Titel setzen wird. 

Die Prognose für eine Rückkehr von Thomas Müller zur Europameisterschaft sieht also praktisch so aus: Entweder er steht ständig in der Startelf und enttäuscht, wie bisher bei jeder EM. Oder er sitzt auf der Bank und sorgt von dort aus für Unruhe. Beides sind Optionen, mit denen ich sehr gut leben kann.
Und ja, ich finde es nach wie vor faszinierend, dass Löw für die eine nachvollziehbare und konsequente Entscheidung, die er je getroffen hat, so oft kritisiert wird. Aber ich finde es lustig.

Freitag, 20. September 2019

Uli Hoeneß hat jeglichen Bezug zur Realität verloren.

Und bevor wir uns falsch verstehen: Ich liebe jeden einzelnen Satz. Da kann man jeden Morgen aufstehen und auf wunderbare Perlen hoffen.

Und im Gegensatz zu dem anderen Senilen Alten schwingt da nicht die Angst mit, dass "covfefe" vielleicht doch die Codes für die Amerikanische Atomwaffen sind. Also ja, ich werde Uli Hoeneß vermissen. Dass bedeutet aber auch nur, dass seine letzten Aussagen gründlichst analysiert gehören.

Nebenbei wurde der Letzte Beitrag hier mit einem "Manuel Neuer hätte die Bayern-Armada hinter sich" aufgehört. Anscheinend kommt die auch schon zum Vorschein, wenn praktisch nichts passiert.

Aber fangen wir mal direkt mit dem allerschönsten Schatz an: ""Wenn man in der heutigen Medienwelt lebt, muss man wissen, was man anrichtet. Wir mussten uns für unsere Pressekonferenz entschuldigen."
Also erstens: Dass Uli Hoeneß diese Pressekonferenz selber wieder auspackt. Der sollte doch als am meisten darauf hoffen, dass dieses Meisterwerk möglichst in Vergessenheit gerät.
2.) Dass Hoeneß, nur weil selbst er eingesehen hat, dass man sich dafür doch mal entschuldigen sollte, glaubt da irgendetwas richtig gemacht zu haben.
3.) Dass er jetzt Marc Andre ter Stegens Aussagen mit diesem Autounfall in Verbindung bringt. Ter Stegen hat nicht völlig unmotiviert und Zusammenhanglos das Grundgesetz zitiert und irgendwas von Menschenrechten geschwafelt... sondern einfach nur festgehalten, dass die Situation für ihn wirklich beschissen ist. Diesen Vorgang irgendwie mit seinen eigenen Aussagen in Zusammenhang zusetzen ist wirklich ein unwürdiges Schauspiel.

Dann behauptet Hoeneß, ter Stegen würde "einen tadellosen Sportsmann" beschädigen. Ähm... also wenn jetzt ter Stegen irgendwas an der Leistung von Neuer kritisiert hätte. Ein "Es kann nicht sein, dass ich hinter dieser Flasche auf der Bank sitze" raus gehauen hätte. Wenn er in irgendeiner Weise das Lebenswerk oder die aktuellen Leistungen kritisiert hätte. Aber er will lediglich ausdrücken, dass die Position, in die Jogi Löw in gebracht hat, für ihn richtig beschissen ist, weil ihm halt unmotiviert Hoffnungen gemacht hat, die man anscheinend nie erfüllen wollte. Neuer ist gar nicht das Ziel von ter Stegens aussagen.

Das bringt uns direkt zum nächsten: Da muss man doch zum Trainer oder Manager gehen und nicht zu den Medien. Also zum einen war Hoeneß mal ein Mensch, der das Spiel mit den Medien perfektioniert hatte. Der immer genau wusste, wann er diese nutzen muss um Reichweite zu generieren und dann bewusst was von sich gegeben hat. Er ist echt nicht der "Das muss man im kleinen Rahmen halten" Typ gewesen.
Und dann ist es halt problematisch zum Trainer oder Manager zu gehen, wenn der Trainer das Problem ist... und wir in der Nationalmannschaft eine Struktur geschaffen haben, wo Löw ausschließlich von engsten Vertrauten umgeben ist. Wenn ein Matthias Sammer noch einen Posten beim DFB hätte, könnte man da hingehen... aber ist es wirklich sinnvoll zu Oliver Bierhoff zu rennen, wenn man ein Problem mit Löw hat.

Und es bleibt halt festzuhalten, dass Löws Menschen- und Mannschaftsführung (also dass, was Rummenigge jetzt von ihm fordert) genau das Problem ist. Wenn Löw gleich gesagt hätte, dass er weiterhin voll auf Neuer setzen wird, dann hätte ter Stegen sich gleich darauf einstellen können oder die Konsequenzen ziehen müssen. Anders ausgedrückt: Genau genommen haben hier alle dasselbe Problem.

Bleibt noch das letzte Highlight, welches einfach nur belegt, wie wenig Hoeneß sich mit Fußball außerhalb seiner ersten Mannschaft beschäftigt: Dass ja niemand auf die Idee kommen würde, zu behaupten, ter Stegen wäre besser als Neuer... Nun ja... einer der beiden steht auf der Liste der 3 besten Torhüter der letzten Sasison... und das ist nicht Neuer. Die Expertenmeinung ist derzeit eher, dass ter Stegen besser ist. Ich erwähne es ja nur.

Das allergrößte daran ist ja... also wenn wir mal kurz ein Gedankenexperiment durchgehen, in dem Neuer vor ein paar Jahren die "Herausforderung Ausland" sucht und die Bayern sich als logische Ersatz ter Stegen verpflichten und ter Stegen würde sich jetzt als Herausforderer positionieren. Dann würde sich die Bayern Vorstände bei denselben Aussagen voll hinter ter Stegen stellen. Aber ihnen fehlt halt die Selbstreflektion und Weitsicht das zu erkennen. Das überrascht mich bei den beiden noch weniger, als bei Fußballprofis...

Montag, 9. September 2019

Da muss ich mich echt um Nordirland kümmern

Eigentlich hatte ich mit der EM Qualifikation ja bereits abgeschlossen. Also aus Deutscher Sicht war das ja nie ein spannender Wettbewerb... selbst in den finstersten Jahren war eher ein Formalität, dass man sich für das Turnier qualifiziert. Also ohne Play-Offs... Dann kam die Erweiterung des Teilnehmerfeldes und die Qualifikation wurde endgültig absurd. Was dazu führt, dass ich halt nicht mehr einschalte...

Bis heute Abend. Denn wenn Deutschland in Nordirland verliert, könnte es echt eng werden. Und klar, die Tabelle ist gerade echt verzerrt. Wie hat man es eigentlich geschafft, dass die Nordiren erst gegen den Bodensatz der Uefa spielt und dann die ganzen Spitzenspiele bekommt? Während es zum 4. Mal seit der WM das Duell "Deutschland - Holland" gab... wollten die erst die Post Brexit Grenzsituation geklärt haben, bevor Fußballfans in dieses Land geschickt werden? Wenn ja, hat das nicht so ganz funktioniert... Vielleicht wollten sie Deutschland aber auch nur auf die "Nations League Gruppe B" vorbereiten und den anstehenden Abstieg deutlicher machen.

Aber selbst bei der extrem verzerrten Tabelle... Falls Deutschland in Belfast verliert (und das ist ja kein wesentlich größeres "Falls" als damals bei Südkorea...), liegt man 6 Punkte hinter den Noriren... und 3 Punkte hinter den Niederlanden, gegen die man souverän in der 91. Minute den direkten Vergleich abgegeben hat... Das ganze dann bei 3 noch ausstehenden Spielen... anders ausgedrückt: Selbst wenn man danach alles verliert, kann es sein, dass man in genau diesen Play-Offs landet. Und ja, theoretisch war das bei der Quali für 2008 auch der Fall, aber damals gab es auch deutlich weniger Teilnehmer.

Wenn ihr gedacht hat, Jogi Löw hätte mit dem WM Vorrundenaus und dem Abstieg aus der irrelevanten Nations League den absoluten Tiefpunkt erreicht... dass man sich vor einem Auswärtsspiel überhaupt Gedanken machen muss, ob man einen der 24 Plätze bei der EM erreicht...
Ernsthaft, Löw hat die Nationalmannschaft dermaßen souverän und schnell heruntergewirtschaftet, da sind selbst Sigmar Gabriel und Andrea Nahles beeindruckt.

Ich finde es vor allem fantastisch, wie selbstverständlich die Ansprüche runtergeschraubt werden. Auf Kicker.de fallen Sätze wie: "Die Partie in Belfast gegen ein angeschlagenes deutsches Team wirkt da schon wie die machbarste Aufgabe für die Auswahl". Warte was?
Und Oliver Bierhoff erkennt ganz sachlich an, dass man selber noch nicht wieder auf dem Weltklasse Niveau ist, welches der Gegner vom Freitag allerdings darstellt. Also... wieder darstellt, schließlich hat Holland die letzten beiden Turniere verpasst. Trotzdem haben sie Jogi Löws Elf anscheinend überholt. Obwohl die Holländer immer noch ein verdammt kleines Land mit wesentlich geringerer Auswahl sind.

Es kommt aber keine auf die Idee, dass die Holländer uns nur überholen konnten, weil wir einen absoluten Vollpfosten als Trainer haben. Also abgesehen davon, dass das hier immer (und auch nach dem WM Titel) behauptet worden ist... An der Stelle behalte ich wirklich gerne Recht...

Vor allem gibt es ja eher Rückschritte als eine wirklich Entwicklung. Dramatisiert durch die Personalien Mats Hummels und Timo Werner. Also lasst uns nochmal in der WM Narbe pulen: Damals kassierte man 4 Gegentore in 3 Spielen. 1 Konter gegen Mexiko, der gefühlt einzige Ballverlust von Toni Kroos gegen die Schweden, ein Stochertor gegen Südkorea und einen letzten Konter, als man selbst den Torwart nach vorne warf.
Sprich: Die Abwehrarbeit war genau genommen nur bedingt das Problem. Trotzdem wurde dann ein Mats Hummels im nach hinein aussortiert, obwohl sich alle sicher sind, dass das gerade der beste Deutsche Innenverteidiger ist... das gute alte Leischtungschprinzschip.
Das eigentliche Problem bei der WM war... das Marco Reus und Timo Werner anscheinend nicht zusammen spielen können. So konnte man trotz überragender Ballbesitzwerte die gegnerische Abwehr nicht aus hebeln.

15 Monate später hat Löw immer noch keinen Plan, wie er Werner, Reus und Leroy Sané zusammen in ein funktionierendes Offensivsystem steckt. Auch wenn man ihm Sanés Verletzung schlecht vorwerfen kann... dass er es eingangs mit einem verbrauchten Thomas Müller versucht hat, kann man ihm dagegen schon vorwerfen... Gerade der Leistungsabfall bei Werner ist auffällig.
Genau genommen war es nicht Löws Aufgabe sich eine zusätzliche Baustelle mit einer überforderten Innenverteidigung zu erstellen, sondern eine Lösung für das "Talentproblem" im Angriff zu finden. Und ja, die Zusammensetzung der offensiven Möglichkeiten ist suboptimal. Trotzdem wünscht man sich plötzlich die Stabile Verteidigung der Weltmeisterschaft zurück... wie hat Löw DAS geschafft?

In einem starken DFB würde es jetzt genau eine Ansage geben: Entweder du behebst das Problem in der Innenverteidigung, in dem du den einen wirklich guten Mann zurückholst, oder wir finden jemanden, der das macht. Die Ansage kann ja intern bleiben. Einem Matthias Sammer wäre so eine Ansage zuzutrauen. Aber wir haben uns ja derart naiv in die Abhängigkeit von Löw begeben, dass all die Leute, die seine Vorgesetzten sind, gleichzeitig den ganzen Weg gemeinsam gegangen und deswegen seine Freunde sind. Und Fritz Keller wird das einerseits nicht zum Teil seiner Antrittsrede machen und will andererseits bestimmt nicht, dass dann jemand den Namen "Christian Streich" in den Raum wirft.

So darf Löw völlig entspannt und ohne jegliche Widerworte die Ansprüche runterschrauben. Oder wie sein Partner in Crime Oliver Bierhoff das ausdrückt: "Ich glaube nicht, dass wir als Favorit zur EM 2020 fahren oder zum engsten Favoritenkreis gehören." Warte was?
Löw selber "plant" mit seinem Umbruch eine Heim-EM "auf dem Höhepunkt ihrer Karriere"... also beim über-übernächsten Turnier ist man laut Löw vielleicht wieder so weit um den Titel mitzuspielen... aber dann immerhin zu Hause... läuft bei ihm...

Vielleicht sollte man die Jungs mal an die dunkelste Phase der Deutschen Fußballgeschichte erinnern. Also das damals, als man wirkliche Gurken zur Nationalmannschaft geschickt haben. Damals, was rein von den Möglichkeiten der Mannschaft eigentlich kaum vermittelbar war, hieß es vor der EM immer "Deutschland ist eine Turniermannschaft, die werden sich während des Turniers steigern und wie immer mindestens im Halbfinale stehen. Das ist immer einer der Turnierfavoriten." Das haben auch all die Konkurrenten vor der EM so gesagt... wenn auch vielleicht nur aus Höflichkeit gegenüber den deutschen Medien, aber das war so der Standartsatz. Auch wenn der 2008 nur noch haltbar war, weil es dazwischen diese völlig absurde WM gab, bei der man genau das bewiesen hat und das Finale erreichte, obwohl man dort nichts verloren hatte.

Damals musste man nebenbei Leute wie Thomas Brdaric als Angreifer nominieren. Wir hatten da echt nichts. Jetzt hat man immer noch ein unfassbares Potenzial, welches aber einfach entweder ignoriert wird, weil es in Leverkusen spielt, oder nicht so sortiert wird, dass es abgerufen werden kann. Anstatt aber der Mann, der das zu verantworten hat, zu hinterfragen... darf genau der Mann die Ansprüche runterschrauben und wir nicken zustimmend.

Um das nochmal deutlich festzuhalten: Jogi Löw ist der erste Trainer, der bereits deutlich vor der EM sagen darf, dass man ja eh nicht zu den Favoriten gehört. Man fragt sich echt, was der sich eigentlich noch alles erlauben darf, bevor er hinterfragt wird...

Freitag, 22. März 2019

Ist Jogi Löw das eigentliche "Tedesco Original"?

Häh? Was meint der denn damit? Nun ja. Hier wurde ja letztens erörtert, dass Domenico Tedesco der ultimative Konzepttrainer ist. Jetzt stelle ich diese Woche fest: Genau genommen hat Tedesco nur bei Jogi Löw kopiert. Dessen Konzept ist halt nur nicht so direkt aufgefallen, weil er es als Nationaltrainer über mehrere Monate hinweg gestreckt hat. Aber er hat es dann (wie genau genommen immer) geschafft, dass seine eher unterdurchschnittlichen Trainerleistungen als Erfolg wahr genommen werden.

Ernsthaft, der Mann hat, nachdem er ein Halbes Jahr vollkommen verschwendet hat, ein 1:1 gegen die gerade in die B-Liga aufgestiegenen Serben in einem Heimspiel zu verantworten. Er hat das eigentliche Kernproblem, dass seine Mannschaft unfähig ist absurden Ballbesitz in angemessene Tore umzuwandeln, immer noch nicht behoben. Oh und nach wie vor stehen international eher Zweitklassige Nationalmannschaften viel zu oft ganz alleine vor Manuel Neuer... Aber irgendwie werten wir dieses 1:1 als Schritt in die richtige Richtung... weil... ähm... Leroy Sané dieses Mal spielen durfte? Also weil Jogi den einen absolut offensichtlichen Fehler wenigstens behoben hat?

Das aller lustigste sind ja die "So ein Umbruch braucht halt Zeit" Kommentare. Ja, braucht er. Aber kann dann mal bitte jemand dem einzigen Verantwortlichen vorwerfen, dass er den Schnitt, den er jetzt endlich vollzieht, bereits im September hätte ansetzen müssen. Gerade weil es eben Zeit braucht, ist es eine absolute Katastrophe, dass so viel davon einfach verschwendet wurde. Aber so was will man ja einem Weltmeister-Trainer nicht vorwerfen. Der weiß doch, was er tut...

Stattdessen... schrauben wir die Ansprüche weiter runter. Also ja, anstatt Jogi für den Scheiß, den er seit 1 1/2 Jahren baut, mal zur Verantwortung zu ziehen, passen wir unser Wertesystem an. Das beginnt mit Aussagen wie: Dann kann die Überraschung in Amsterdam gelingen. Ernsthaft? Sind wir so tief gesunken, dass ein Sieg gegen Holland in seiner derzeitigen "Wir haben die letzten 2 Turniere verpasst und bauen deswegen eine Blutjunge Mannschaft auf" Verfassung eine Überraschung wäre? Und klar, das Spiel am Sonntag wird das schwierigste der Qualifikation und das direkt zum Auftakt vor sich zu haben, ist minimal fies. Dennoch klingt diese Ansage irgendwie auch nach einem "Naja, wenn wir da verlieren, war das halt irgendwie zu erwarten"...

Und das Holland-Spiel ist ja genau genommen nur Schritt 1. Irgendwie gehen alle jetzt schon davon aus, dass Deutschland bei der EM nicht zu den Titelfavoriten gehören wird, weil wir ja vor einem Umbruch stehen und so was dauert halt 2 Jahre... 2021 gehören wir dann wieder zur Weltspitze, vorher müssen wir irgendwie zusehen, wie wir zurecht kommen. Warte was? Wir schreiben bereits jetzt das nächste große Turnier ab? Wir die "Wir gehören immer zu den Favoriten" Deutschen? Das ist uns nicht mal während der dunkelsten Phase unserer Fußballgeschichte passiert...

Dazu kommt dann der Mythos, dass die Auswahl derzeit einfach nicht so gut ist... Um das mal festzuhalten: Jogi Löw konnte Marco Reus einwechseln. Oder, da der ja eigentlich als Stammspieler geplant ist, Kai Havertz von der Bank bringen. Letztens wollte der Kicker uns noch einreden, dass Havertz eines der absoluten Ausnahmetalente Weltweit ist. Und da gibt es sogar gute Argumente für, schließlich hat der selbst unter dem in Sachen Talent-Entwicklung eher unfähigen Heiko Herrlich den nächsten Schritt gemacht... als Einziger von all den Rohdiamanten, die in Herrlichs Hände gegeben worden sind.
Kurz ausgedrückt: Ja, es fehlt immer noch ein klassischer Knipser, aber das spielerische Potenzial der Offensive ist immer noch absurd.
Und das Zentrale Mittelfeld sieht auch ohne einen Toni Kroos mehr als ordentlich aus. Dazu kommt eine Defensive, in der man es sich leisten kann einen Emre Can, seinerseits Leistungsträger bei einem Champions League Viertelfinalisten, gar nicht zu berücksichtigen. Was, weil es nur ein Türke ist, der seit langem im Ausland spielt, niemanden auffällt... Also in der Druckausgabe des Kickers findet man kein Wort zu der Personalie und auf deren Homepage muss man gezielt danach suchen, weil es ja keinen Zusammenhang zwischen Can und der Nationalmannschaft gibt... Also um das explizit festzuhalten: Dass Wout Weghorst für das Deutschlandspiel nach nominiert wurde, erfahre ich unter Kicker.de/Nationalelf/Startseite.html... dass ein weiterer recht renommierter Nationalspieler sich über den Nationaltrainer und seinem Umgang mit ihm aufregt, finde ich dort nicht... hmm...

Aber ja, selbst nach der Ausbootung der 3 Weltmeister hat Jogi Löw immer noch einen Kader, aus dem man bis 2020 einen Titelkandidaten basteln könnte, wenn man ein fähiger Trainer wäre. Irgendwie ist aber allen bewusst, dass wir keinen fähigen Trainer haben...
und nach Meinung dieses Blogges mit Löw niemals hatten... die Vorgänger von Löw waren nebenbenbei... Jürgen Klinsmann, Rudi Völler, Erich Ribbeck und Berti Vogts... die kommen zusammen auf eine erfolgreiche Station im Vereinsfußball seit der Wiedervereinigung. Aber das das Konzept mit dem Ahnungslosen ja 1990 mit Franz Beckenbauer so gut geklappt hat, ziehen wir das seit dem konstant durch... Man will sich gar nicht vorstellen, wie viele Titel Deutschland seit 1990 geholt hätte, wenn man ordentliche Trainer verpflichtet hätte...
Und ja, der "Wir werden auf Jahre unschlagbar sein", aber dann kam Berti Vogts, wäre ein Meme geworden, wenn es 1992 schon Memes gegeben hätte. Es kann aber halt mittlerweile auf "Aber dann kamen 5 Trainer, die eigentlich nichts auf dem Posten verloren haben" erweitert werden...

Aber ja: Wir gehen irgendwie alle davon aus, dass Löw das bis 2020 nicht hinbiegen wird. Auch wenn wir das vor der EM vergessen haben werden, ist das unsere Erwartungshaltung Stand jetzt. Aber es traut sich dann keiner den eigentlich logischen Schritt zu gehen: Wenn der Trainer nicht in der Lage ist aus dieser Auswahl einen Titelkandidaten zu basteln, muss er entlassen werden...

Und nur mal um festzuhalten, wie inkompetent sich Löw derzeit gibt: er hat es echt geschafft ein "Das hat in der Nations League gut funktioniert" rauszuhauen... Und keiner der anwesenden Journalisten traut es sich ihn darauf hinzuweisen, dass es so gut funktioniert hat, wie derzeit in Hannover alles "gut funktioniert"... und das man abgestiegen ist.
Und klar, es geht dabei nur um eine Personalie. Aber trotzdem bleibt festzuhalten: Entweder Jogi Löw ist sich wirklich nicht bewusst, wie episch und historisch sein doppeltes Versagen in WM und Nations League war, oder er ignoriert es bewusst.

Vielleicht sollte mal irgendjemand einen anderen Satz von Löw von derselben Pressekonferenz auf ihn anwenden: "Die Spieler, die 2014 Weltmeister wurden, haben auch davon profitiert, dass wir vorher Fehler verziehen haben." Gerade profitiert keiner so sehr davon, dass ihm Fehler verziehen werden, weil er es trotz aller Bemühungen (hust, Mustafi, hust) nicht geschafft hat den Weltmeistertitel 2014 zu verhindern.
Aber hey, als jemand, der gerne Deutschland bei Turnieren scheitern sieht, will ich mich da gar nicht beschweren. Eher im Gegenteil: Herr Grindel, wäre das nicht mal der Ideale Zeitpunkt für eine Vertragsverlängerung mit Löw? Wann, wenn nicht jetzt?

Freitag, 15. März 2019

Nun also doch.

Domenico Tedescos erste Reaktion dürfte ein "NEIN! ICH HATTE DOCH NOCH SO VIEL VOR!" gewesen sein... er wollte doch noch
... als erster Schalker in 3 Heimspielen in Folge ohne Torerfolg bleiben.
... in 3 aufeianderfolgenden Spielen mehr Gegentore kassieren, als in dem Duell davor.
... 2 Sportdirektoren in einer einzigen Krise entlassen und somit seinen Posten retten.

Und jetzt lassen die den einfach nicht... sonder Huub Stevens übernimmt. Ein Trainer, der vor 4 Monaten am Herzen operiert worden ist... Es ist doch wirklich toll, dass es dem Mann wieder gut geht. Also wahrscheinlich war das Spiel gegen Manchester City halt der ultimative Härtetest: Wenn man sich das Spiel am Stück angucken kann, ohne dass das Schalker-Herz aussetzt, kann man den Verein auch wieder trainieren...

Es ist schon faszinierend, dass Jochen Schneider die einzig richtige Entscheidung trifft, dabei aber trotzdem schlecht aussieht. Denn das Tedesco noch das Training am Morgen leitet und danach dann ersetzt wird, ist zumindest ungeschickt. So muss er sich bereits vor seiner offiziellen Amtsübernahme vom Kicker vorwerfen lassen, dass er "vieles zu schön" redet... nur auf Schalke wird der neue starke Mann bereits kritisiert, bevor er wirklich im Amt ist.

Und sein wir kurz ehrlich: Es war ja nicht nur der einmalige Ausrutscher gegen eine der besten Mannschaften der Welt. Es war das 2. Mal in diesem Monat, dass die Schalker komplett auseinander gebrochen sind. Da muss man sich schon fragen, was der Trainer eigentlich tagsüber so macht. Und vor allem natürlich, ob es vernünftig war seine eigentlichen Stützen wie Fährmann und Naldo so zu demontieren. Was ja nichts schlimmes ist... Tedesco ist halt genau genommen immer noch ein Azubi. Er hat jetzt zum ersten Mal eine Herrenmannschaft für mehr als ein paar Monate übernommen... und dabei dann gelernt, dass man da nicht mehr die alten Säcke zwangsweise raushauen muss, sondern dass die wichtig bleiben. Warum die Schalker sich jetzt, in ihrer angeblichen Position als Spitzenmannschaft, von einem Azubi trainieren ließen... Also ich sag das mal so: Es gab gute Gründe, warum Tuchel und Klopp sich ihre ersten Sporen in Mainz verdient haben und erst nach jahrelanger Erfahrung in Dortmund einen Posten bekommen haben... Aber Schalke dachte sich "3 Monate in Aue sollten doch reichen..."

Das eigentliche absolute Highlight ist nebenbei Schneiders "In der vergangenen Saison konnte er eine sehr positive sportliche Entwicklung einleiten"... ähm... genau genommen profitierte Tedesco ausschließlich von der Schwäche der Konkurrenz und es gab eine rein tabellarische Entwicklung. Da aber die meisten Vereine ausschließlich auf diese gucken, ist niemanden aufgefallen, dass sie schon letzte Saison einen, wie Uli Hoeneß das ausdrücken würde, "Scheißdreck" gespielt haben.

Aber... Schneiders Ausführungen sind gar nicht das Dümmste Zitat der Woche. Das kommt natürlich von Jogi Löw, der uns eindrucksvoll belegt, warum er sonst keine Pressekonferenzen bei der Bekanntgabe des Kaders gibt: ""Ich finde es befremdend, wenn manche über Respekt und Wertschätzung urteilen, obwohl sie gar nicht beim Gespräch dabei waren." Ähm... liebster und höchstgeschätztester Jogi... Thomas Müller war der erste, der sich über mangelnden Respekt aufgeregt hat. Weil sie es anscheinend nicht geschafft haben, ihm ihren Standpunkt angemessen zu vermitteln. Darauf hin sprangen dann die anderen auf den "Respektlos" Zug auf. Unter anderem auch Boateng und Hummels. Wollen sie mir jetzt also sagen, dass die 3 bei den Gesprächen gar nicht dabei waren? Interessant.
Und ja, wenn Müller sich mit einem "Der Trainer hat mir in einem ausführlichen Gespräch dargelegt, warum er diese Entscheidung getroffen hat und ich konnte es nachvollziehen" geantwortet hätte, hätte niemand die Stilfrage gestellt. Aber die Spieler selber fühlten sich nicht angemessen behandelt. Und verbreiteten diesen Standpunkt in die Öffentlichkeit. Deswegen urteilen "wir" jetzt über ihre Vorgehensweise...
Aber hey, wo ich schon mal dabei bin: Danke, dass sie dafür gesorgt haben, dass unsere absolut überragende Generation "Nur" Weltmeister wurde und nicht noch mehr Titel geholt hat. Das ist eine grandiose Trainerleistung, vor der ich den allerhochschten Reschpekt habe. Das wird meiner Meinung nach viel zu selten gewürdigt.

Donnerstag, 7. März 2019

Jetzt ist es plötzlich "eine Frage des Stils"...

Es ist einfach nur faszinierend. Also wie recht der Kicker mir mit seinem Donnertags-Titelblatt gibt. Jetzt darf auch auf ein Mal ein Thomas Müller über den Bundestrainer fluchen. Klar, er macht das zivilisierter als andere... trotzdem macht er es über seine Sozialen Medien.

Dabei hätte doch gerade Thomas Müller ahnen können, was da auf ihm zukommt. Er ist schließlich seit Jahren in dem System Löw integriert. Er war dabei, als Thorsten Frings ausgemustert worden ist. Als Michael Ballack demontiert worden ist. Als Kevin Kuranyi wegen Nichtigkeiten rausgeschmissen worden ist. Und er war einer der Spieler, die Sandro Wagner auf dem Trainingsplatz trösten mussten, weil Löw seinen Lebenstraum per SMS zerstört hat. Und das, obwohl Wagner sich gar nichts hat zu Schulden kommen lassen. Wenn ihm Löw vorgehen wirklich überrascht, ist er extrem naiv. Oder wähnte sich halt auf der sicheren "Podolski"-Seite des Lebens.

Das ist vielleicht die eigentliche Nachricht: Es gibt keine Podolski-esquen Freifahrtscheine mehr. Hat ja nur 16 Jahre gedauert, bis Löw aufgefallen ist, dass das sich diese Philosophie nicht wirklich lohnt.

Ich erwähne die 4 Namen ja hauptsächlich, weil der Kicker es natürlich nicht tut. Also der Kicker schafft es dieses Vorgehen isoliert zu betrachten, anstatt mal die Perspektive etwas weiter zu stellen und zu sehen, dass Löw immer mal wieder nen Anfall kriegt und Leute scheinbar unmotiviert raus haut. Und dies dann meistens in nem ganz schlechten Stil macht. Aber der Kicker hat sich ja damals eindeutig auf die Seite von Löw geschlagen. Also gefühlt immer, aber explizit bei Sandro Wagner. Sich jetzt hinterher einzugestehen, dass einem bei kritischer Berichtserstattung schon früher hätte auffallen müssen, dass Löw ein Arschloch ist, würde ja auch bedeuten, dass man sich eingestehen muss, dass man auf kritische Berichtserstattung verzichtet hat. Und da hat keiner Bock drauf.

Und gerade im Vergleich zu Wagner hat Löw doch extreme Fortschritte gemacht. Also er hat sich bei dieser schwierigen Entscheidung extrem viel Zeit gelassen, aber als er sie dann treffen musste, hatte er den Arsch in der Hose und sie den Spielern in einem persönlichen 4 Augen Gespräch mitgeteilt. Mehr kann man nicht verlangen.

Nebenbei gibt es Bonuspunkte für den Chefreporter Oliver Hartmann, der von Müllers "Glanzjahren 2010 - 2016" schreibt. Ja, wie immer ignoriert der Kicker vollkommen, dass Müller schon bei der EM in Frankreich eigentlich grausam war. Und ja, ich verlinke explizit die Statistikabteilung von Kicker.de, die mir bestätigt, dass Wagner während der EM 4 mal die Note 4,0 oder schlechter bekam und einen einzigen Scorerpunkt sammelte. Wer dieses Turnier zu Müllers Glanzzeit hinzuzählt, hat sich offenbar nie mit Fußball beschäftigt. Aber das ist ja auch keine neue Erkenntnis.

Dass sie Überexperte Karlheinz Rummenigge jetzt darüber aufregt, dass diese Entscheidung zu einem für seinen Verein ungünstigen Moment getroffen worden ist... ich sag das mal so: Die Bayern hatten jahrzehntelang die Angewohnheit sich in für die Konkurrenz ungünstigen Momenten für deren Spieler zu interessieren. Also überlegt euch einfach mal, wie die sich derzeit über Timo Werner äußern.Und es überrascht mich echt, dass sie sich noch nicht für das eine oder andere Talent aus Dortmund interessieren... sie haben immer einen Fick drauf gegeben, ob das jetzt die Gegner stört oder nicht. Das ist echt der letzte Verein, der da Mitleid verdient.

Die ganz großen Leuchten des Expertentums nennen jetzt natürlich gleich weitere Namen, die aussortiert werden müssen... und landen da natürlich sofort bei Toni Kroos. Es ist unfassbar wie schlecht dieser Spieler in der Bewertung seiner Leistungen für Real Madrid wegkommt. Also Kroos ist halt einfach in einer anderen Kategorie als Thomas Müller. Der ist der vielleicht erfolgreichste Deutsche Vereinsspieler aller Zeiten. Besser als Franz Beckenbauer und Co, die "nur" 3 Mal die Champions League gewannen. Kroos ist jetzt schon bei 4ren. Und es ist ja nicht ausgeschlossen, dass er schon fertig ist. Kroos ist einer dieser Spieler, die sich mit Messi und Cristiano Ronaldo messen können. Oder eher mit Xavi und Iniesta, weil er halt auf einer nicht so auffälligen Position spielt. (Und ja, der einzige Grund, warum Xavi mit der Nationalmannschaft mehr Titel holte, ist der fähigere Trainer, der ihm Anweisungen gab... da kann man Kroos keinen Strick draus drehen...) Wenn er diese internationale Titelbilanz in Deutschland erzielt hätte, würden wir ihn für den größten aller Zeiten halten. Da er es "nur" im Ausland macht, fällt es uns halt nicht so auf...

Natürlich wird es spannend sein, ob Kroos den jetzt definitiv anstehenden Umbruch bei den Königlichen überlebt. Aber ausgeschlossen ist es nicht. Und natürlich hat der gerade einen "Hänger". Aber er hat auch vorher 3 Jahre in Folge die Champions League gewonnen.
Aber ihn jetzt so zu behandeln, wie Müller, dessen Hänger, je nachdem wie kritisch man ihn betrachtet, seit 2016 andauert... ist einfach absurd. Oder mit einem Boateng, der scheinbar mittlerweile einfach andere Prioritäten hat als sich komplett auf den Fußball zu konzentrieren.

Natürlich wird Kroos seine Position bei Real Madrid verteidigen müssen... oder sich bei Paris St.Germain eine neue erarbeiten. Aber im Gegensatz zu den andern 3en wird er im Sommer realistische Möglichkeiten haben seine Position in der Weltspitze zu bestätigen. Also selbst wenn er bei Madrid aussortiert wird, wird er einen neuen Verein finden, der weiterhin um den wichtigsten Titel im Vereinswettbewerb mitspielen will.
Bei Müller ignorieren alle halt seit Jahren, dass das mit ihm als Stammspieler genau genommen nicht mehr möglich ist. Und wenn ich mich als Trainer jetzt frage, wer von den beiden einer Deutschen Nationalmannschaft eher helfen kann... dann MUSS die Antwort Toni Kroos lauten.