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Mittwoch, 12. April 2023

Passives Abseits Leser wissen es früher: Die Analyse ist ja ganz nett.

 Man könnte fast behaupten: Kaum macht das ehemalige ganz ordentliche Fachmagazin mal seinen Job, da werden die ganz schön zynisch. Ganz so, als hätte man das ja immer wissen können. War ja abzusehen.

Die Journalisten, die uns die ganze Woche einreden wollten, dass diese Mannschaft Manchester City besiegen kann, stellt jetzt fest, dass es nicht für das Halbfinale reicht. Gutes und kritisches Arbeiten würde einem diese Möglichkeiten vorher aufzeigen. Also nicht hauptsächlich, aber zumindest so nebenbei.

Nehmen wir mal ein praktisches Beispiel: Thomas Tuchel hat ganz nebenbei erklärt, dass Thomas Müller nicht mehr das Tempo hat, um auf diesem ganz hohen Niveau mitzuhalten. Schockierend. Also abgesehen davon, dass ich das seit Jahren behaupte, ist das echt schockierend. Ein wirklich gutes Fachmagazin hätte uns vorher schon erklärt, dass es schwer für Müller wird, auf diesem Niveau mitzuhalten. Und zumindest eine "Sollte Musiala oder Müller starten" Debatte lostreten. Aber etwas Kritisches zu Müller zu schreiben, ist ja nach wie vor verboten. Außer wenn es eh schon zu spät ist, wie nach der WM.

Nebenbei hat man den jetzt kritisierten Hasan Salihamidžić im Sommer noch für den Sadio Mané Transfer gefeiert. Und ganz ehrlich: Dafür, dass der sich vor der wichtigsten Saisonphase verletzt, kann Hasan einfach nichts. Ok, wenig, vielleicht hätte man es verhindern können, wenn man ihn nicht kreuz und quer über den Planeten fliegen lässt. Aber wir werden nie erfahren, ob und wie sich die unnötigen Flugmeilen auf die Karrieren auswirken, denn dann müssten die Vereine ja auch ihre eigene Vorgehensweise überdenken. 

Man könnt auch mal in einem Nebensatz fallen lassen, dass Eric Maxim Choupo-Moting's Verletzung nicht die Ausrede sein kann... denn der ist halt auf diesem Niveau auch nur eine gute Ergänzung und kein Stammspieler. Also um es konkret zu machen: Man City hat nicht nur (aber vor allem) Erling Haaland, sondern auch einen Julian Alvarez in der Hinterhand. Das sind 2 Stürmer, die jeweils besser sind. Bayerns großer Hoffnungsträger würde dort noch nicht mal auf der Bank sitzen.

Auch die Frage, ob Dayot Upamecano endgültig den Schritt vom "jungen Jérôme Boateng" zum "erfahrenen Jérôme Boateng" genommen hat, hätte man mal in den Raum werfen können. Also ganz ehrlich: Ich bekomme bei dem immer wieder heftige Boateng Vibes. Also an sich macht der einen echt soliden Job, aber man hat immer noch diese Befürchtung, dass dieser eine unmotivierten Aussetzer hat. Ein Gegentor einleitet oder einen Platzverweis einsammelt. Boateng hat auch Jahre gebraucht, um diesen Ruf loszuwerden. Upamecano hat gerade nachgewiesen, dass er noch ein bisschen braucht. Nicht, dass sich Upamecano Boateng als Vorbild nehmen sollte, dafür ist dessen Privatleben zu abgefuckt...

Und ich sehe ja auch ein, dass man seinen Fokus nicht auf diese Probleme legen muss, aber man kann sie doch zumindest nebenbei mal erwähnen. Vielleicht muss man sich dafür ja doch die Druckausgabe kaufen. Aber ich bezweifele ist, weil der Kicker sowohl bei den Bayern als auch bei der deutschen Nationalmannschaft seit Jahrzehnten jegliche kritische Vorberichterstattung vermissen lässt.

Sich dann danach zu so einem zynischen Kommentar hinreißen zu lassen, ist ganz schön erbärmlich.

Und natürlich ist die Selbstzufriedenheit der Bayern extrem seltsam. Gerade Joshua Kimmich macht ja eine 180 Grad Wende. Es ist auch irgendwie ein bezeichnendes Selbsturteil, wenn man es genau nimmt: Anscheinend ist man nicht wirklich geschockt, weil man am Ende chancenlos war. Man ist ganz froh, dass man zumindest 60 Minuten lang mithalten konnte.

Mehr war es aber sachlich gesehen auch nicht. Also man hatte vor dem 2:0 schon Glück, dass City die erste Einladung von Upamecano ausgeschlagen hat. Und klar, es gab die eine Szene, in der Ruben Dias den Schuss von Musiala blocken musste. Der wäre wahrscheinlich reingegangen. Aber das war auch der einzige, klare Abschluss im Strafraum... und er wurde halt abgeblockt. Der Rest waren Fernschüsse und Halbchancen.

Und klar, City geht auch mit einem Distanzschuss in Führung. Wenn das ein Deutscher so gemacht hätte, wäre es das Tor des Monats. Aber die Übersicht, mit der Haaland das 2:0 vorbereitet... die Konsequenz, mit der das Dritte heraus gespielt wird. Genau das fehlte den Bayern.

Noch viel problematischer war ja, wie krass man nach dem 2:0 auseinander gebrochen ist. Die haben sich praktisch ergeben und konnten froh sein, dass es nur 3:0 ausging. Obwohl man eigentlich nur ein einziges Tor brauchte, um sich eine halbwegs ordentliche Ausgangsposition zu erarbeiten, kassierte man sofort das vernichtende 3. Kaum ein Aufbäumen und definitiv kein Mia san Mia. Das kennt man doch eigentlich nur aus der anderen Perspektive.

Hier ist noch eine absurde Statistik, die Thomas Tuchel wirklich Sorgen bereiten sollte: Die Bayern haben in den letzten 6 Jahren 5 Champions League Spiele verloren. Das ist eine unfassbar starke Bilanz. Deswegen hat man ja auch den einen Titel. Diese 5 Niederlagen kamen unter... Tuchel, Nagelsmann, Flick, Kovac und Heynckes. Korrekt: Das sind 5 unterschiedliche Trainer. Anders ausgedrückt: Nach der ersten Champions League Niederlage ist man zeitnah weg. Es ist schon absurd, wie oft die Bayern ihren Trainer gewechselt haben, obwohl sie doch so verdammt erfolgreich sind.

Nachtrag: Da ist nebenbei auch echt faszinierend, dass der Kicker jetzt ständig von einer "verunsicherten Mannschaft" spricht. Vielleicht sollten die mal ihre Datenbank aufmachen: Diese ach so verunsicherte Mannschaft hat vorher in 5 Monaten 2 Spiele verloren. Das sind 2 von 26. In dieser Zeit hat man Inter Mailand, Barcelona und Paris St. Germain geschlagen. Jetzt hat Tuchel in 10 Tagen schon genau so viele Niederlagen.

Donnerstag, 7. März 2019

Jetzt ist es plötzlich "eine Frage des Stils"...

Es ist einfach nur faszinierend. Also wie recht der Kicker mir mit seinem Donnertags-Titelblatt gibt. Jetzt darf auch auf ein Mal ein Thomas Müller über den Bundestrainer fluchen. Klar, er macht das zivilisierter als andere... trotzdem macht er es über seine Sozialen Medien.

Dabei hätte doch gerade Thomas Müller ahnen können, was da auf ihm zukommt. Er ist schließlich seit Jahren in dem System Löw integriert. Er war dabei, als Thorsten Frings ausgemustert worden ist. Als Michael Ballack demontiert worden ist. Als Kevin Kuranyi wegen Nichtigkeiten rausgeschmissen worden ist. Und er war einer der Spieler, die Sandro Wagner auf dem Trainingsplatz trösten mussten, weil Löw seinen Lebenstraum per SMS zerstört hat. Und das, obwohl Wagner sich gar nichts hat zu Schulden kommen lassen. Wenn ihm Löw vorgehen wirklich überrascht, ist er extrem naiv. Oder wähnte sich halt auf der sicheren "Podolski"-Seite des Lebens.

Das ist vielleicht die eigentliche Nachricht: Es gibt keine Podolski-esquen Freifahrtscheine mehr. Hat ja nur 16 Jahre gedauert, bis Löw aufgefallen ist, dass das sich diese Philosophie nicht wirklich lohnt.

Ich erwähne die 4 Namen ja hauptsächlich, weil der Kicker es natürlich nicht tut. Also der Kicker schafft es dieses Vorgehen isoliert zu betrachten, anstatt mal die Perspektive etwas weiter zu stellen und zu sehen, dass Löw immer mal wieder nen Anfall kriegt und Leute scheinbar unmotiviert raus haut. Und dies dann meistens in nem ganz schlechten Stil macht. Aber der Kicker hat sich ja damals eindeutig auf die Seite von Löw geschlagen. Also gefühlt immer, aber explizit bei Sandro Wagner. Sich jetzt hinterher einzugestehen, dass einem bei kritischer Berichtserstattung schon früher hätte auffallen müssen, dass Löw ein Arschloch ist, würde ja auch bedeuten, dass man sich eingestehen muss, dass man auf kritische Berichtserstattung verzichtet hat. Und da hat keiner Bock drauf.

Und gerade im Vergleich zu Wagner hat Löw doch extreme Fortschritte gemacht. Also er hat sich bei dieser schwierigen Entscheidung extrem viel Zeit gelassen, aber als er sie dann treffen musste, hatte er den Arsch in der Hose und sie den Spielern in einem persönlichen 4 Augen Gespräch mitgeteilt. Mehr kann man nicht verlangen.

Nebenbei gibt es Bonuspunkte für den Chefreporter Oliver Hartmann, der von Müllers "Glanzjahren 2010 - 2016" schreibt. Ja, wie immer ignoriert der Kicker vollkommen, dass Müller schon bei der EM in Frankreich eigentlich grausam war. Und ja, ich verlinke explizit die Statistikabteilung von Kicker.de, die mir bestätigt, dass Wagner während der EM 4 mal die Note 4,0 oder schlechter bekam und einen einzigen Scorerpunkt sammelte. Wer dieses Turnier zu Müllers Glanzzeit hinzuzählt, hat sich offenbar nie mit Fußball beschäftigt. Aber das ist ja auch keine neue Erkenntnis.

Dass sie Überexperte Karlheinz Rummenigge jetzt darüber aufregt, dass diese Entscheidung zu einem für seinen Verein ungünstigen Moment getroffen worden ist... ich sag das mal so: Die Bayern hatten jahrzehntelang die Angewohnheit sich in für die Konkurrenz ungünstigen Momenten für deren Spieler zu interessieren. Also überlegt euch einfach mal, wie die sich derzeit über Timo Werner äußern.Und es überrascht mich echt, dass sie sich noch nicht für das eine oder andere Talent aus Dortmund interessieren... sie haben immer einen Fick drauf gegeben, ob das jetzt die Gegner stört oder nicht. Das ist echt der letzte Verein, der da Mitleid verdient.

Die ganz großen Leuchten des Expertentums nennen jetzt natürlich gleich weitere Namen, die aussortiert werden müssen... und landen da natürlich sofort bei Toni Kroos. Es ist unfassbar wie schlecht dieser Spieler in der Bewertung seiner Leistungen für Real Madrid wegkommt. Also Kroos ist halt einfach in einer anderen Kategorie als Thomas Müller. Der ist der vielleicht erfolgreichste Deutsche Vereinsspieler aller Zeiten. Besser als Franz Beckenbauer und Co, die "nur" 3 Mal die Champions League gewannen. Kroos ist jetzt schon bei 4ren. Und es ist ja nicht ausgeschlossen, dass er schon fertig ist. Kroos ist einer dieser Spieler, die sich mit Messi und Cristiano Ronaldo messen können. Oder eher mit Xavi und Iniesta, weil er halt auf einer nicht so auffälligen Position spielt. (Und ja, der einzige Grund, warum Xavi mit der Nationalmannschaft mehr Titel holte, ist der fähigere Trainer, der ihm Anweisungen gab... da kann man Kroos keinen Strick draus drehen...) Wenn er diese internationale Titelbilanz in Deutschland erzielt hätte, würden wir ihn für den größten aller Zeiten halten. Da er es "nur" im Ausland macht, fällt es uns halt nicht so auf...

Natürlich wird es spannend sein, ob Kroos den jetzt definitiv anstehenden Umbruch bei den Königlichen überlebt. Aber ausgeschlossen ist es nicht. Und natürlich hat der gerade einen "Hänger". Aber er hat auch vorher 3 Jahre in Folge die Champions League gewonnen.
Aber ihn jetzt so zu behandeln, wie Müller, dessen Hänger, je nachdem wie kritisch man ihn betrachtet, seit 2016 andauert... ist einfach absurd. Oder mit einem Boateng, der scheinbar mittlerweile einfach andere Prioritäten hat als sich komplett auf den Fußball zu konzentrieren.

Natürlich wird Kroos seine Position bei Real Madrid verteidigen müssen... oder sich bei Paris St.Germain eine neue erarbeiten. Aber im Gegensatz zu den andern 3en wird er im Sommer realistische Möglichkeiten haben seine Position in der Weltspitze zu bestätigen. Also selbst wenn er bei Madrid aussortiert wird, wird er einen neuen Verein finden, der weiterhin um den wichtigsten Titel im Vereinswettbewerb mitspielen will.
Bei Müller ignorieren alle halt seit Jahren, dass das mit ihm als Stammspieler genau genommen nicht mehr möglich ist. Und wenn ich mich als Trainer jetzt frage, wer von den beiden einer Deutschen Nationalmannschaft eher helfen kann... dann MUSS die Antwort Toni Kroos lauten.