Also logische Konsequenz. Es war halt absehbar.
Was soll ich sagen... #PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher. Dass die Ära Steffen Baumgart genau so verlaufen wird, wie sie verlief, habe ich hier direkt nach der Verpflichtung angekündigt.
Es gab halt etwa 1 1/2 Jahre lang unansehnlichen, aber intensiven Fußball. Man war spielerisch limitiert, aber konnte meistens kämpferisch überzeugen. Auch wenn da die Tendenz am Ende deutlich nach unten ging. Baumgart durfte die Offensive nach seinen Vorstellungen umbauen, indem er Benedict Hollerbach durch Oliver Burke ersetzte. Weniger Feinschliff, mehr Athletik. Fun Fact: Burke war mit 1,85 m der kleinste der 3 regelmäßig eingesetzten Stürmer.
Eine spielerische Weiterentwicklung gab es nicht. Aber wer bei Baumgart eine spielerische Entwicklung erwartet, hat in den letzten 10 Jahren nicht aufgepasst. Baumgart lässt eine gewisse Art von Fußball spielen. Und er hat es ja auch geschafft, Union von den Abstiegsplätzen fernzuhalten. Die offensichtliche Frage war aber immer: Wie lange wird das bei einem ambitionierten Investorenklub in der Hauptstadt reichen? Die Antwort: 15 Monate.
Nebenbei war die "Ära Baumgart" ja auch kein Fehler. Und er ist keinesfalls "gescheitert", wie viele jetzt behaupten. Er hat die Mannschaft stabilisiert, als sie in den Abstiegskampf zu rutschen drohte. Aber Union ist halt ein Verein, der dich entlässt, wenn der Abstiegskampf am Horizont droht.
Also Baumgart hat den Verein ja übernommen, als man "nur noch" 6 Punkte Vorsprung vor dem Relegationsrang hatte. Zum Auftakt verlor er gegen Heidenheim. Jetzt hat er nur noch 7 Punkte Vorsprung und wieder gegen Heidenheim verloren... Da muss man dann die Notbremse ziehen.
Nebenbei ist Baumgart der "Anti-Horst-Steffen". Also Steffen wurde ja bei Werder Bremen entlassen, weil er es nicht geschafft hat, gegen die Mannschaften in der oberen Tabellenhälfte zu punkten. Und gegen Mannschaften aus Hamburg. Aber gegen die anderen Mannschaften aus der unteren Zone punktet man relativ konstant. Das bliebt auch unter Daniel Thioune so, der gegen St. Pauli und RB Leipzig verliert, aber gegen Heidenheim, Union und Wolfburg gewinnt.
Baumgart's Unioner haben absurderweise gegen Leipzig, Leverkusen und Freiburg gewonnen. Dazu kommt ein Unentschieden gegen den VfB Stuttgart. Die 7 Punkte Vorsprung kommen aus den Spielen gegen die Champions League Anwärter. Aber dafür gab es Niederlagen gegen Heidenheim und Gladbach.
Das spricht dafür, dass Baumgart gut darin ist, seine Mannschaft gegen einen deutlich besseren Gegner ein- und aufzustellen, aber dass es Probleme gibt, wenn seine Mannschaft selbst das Spiel machen muss.
Die grundlegende Frage bleibt aber im Raum: Wenn abzusehen war, dass Union mehr erwartet, als Baumgart normalerweise liefert, warum hat man den überhaupt geholt? Man hat sich bei einer der wichtigsten Fragen nur von den Emotionen blenden lassen, anstatt sachlich zu betrachten, dass Baumgart für die Visionen, die man an der alten Försterei hat, nicht der richtige Mann ist.
Mein erster Gedanke war nebenbei: Hätte man das nicht im Sommer sauber einen Neuanfang mit einem neuen Coach starten können? Muss man jetzt wirklich das "Risiko" eines "Dead Coach Bounce" auf sich nehmen, anstatt im Sommer mit einem neuen Wunschkandidaten neu anzufangen? 7 Punkte sind doch relativ viel, da wird man schon nicht in den Abstiegskampf rutschen, selbst wenn man beinah alles verliert.
Dann habe ich aber auf den Spielplan des an der Stelle Konkurrenten geguckt. Und dann fiel mir auf, dass die Bayern quasi der letzte richtig schwere Verein war, den St. Pauli noch im Spielplan hatte. Jetzt steht nur noch das Duell mit dem Konstrukt aus Leipzig an... Und Spiele gegen Köln, Heidenheim, Mainz und Wolfsburg. Für Mainz wird es am 32. Spieltag nur noch um die "goldene Kamera" gehen. Also die bessere Platzierung in der Fernsehgelder-Tabelle. Aber gegen 3 der letzten 6 darf man noch spielen.
Lustigerweise hat Union quasi dasselbe Restprogramm. Man spielt gegen Augsburg statt Heidenheim. Aber die restlichen Gegner sind exakt dieselben. Was aber ein schlechtes Zeichen für Baumgart gewesen wäre, da man ja von ihm "nur einen Sieg gegen Leipzig" erwarten kann.
Die Konstellation mit den Mainzern ist nebenbei wirklich absurd. Also machen wir uns nichts vor: Die sind gerettet. Also es sind ja nicht "nur" die 8 Punkte auf St. Pauli. Es sind auch die 5 auf Bremen und die 3 auf Gladbach. Dass all diese Mannschaften plötzlich einen Lauf hinlegen, ist doch eher unwahrscheinlich.
Die haben aber auch noch spannende Europacup-Abende vor sich. Mindestens einen. Wenn alles normal läuft, eher noch 3. Im Idealfall sogar 4. Die spielen aber noch gegen Gladbach, St. Pauli, Union und Heidenheim. Und gegen die Bayern... Am Ende könnte der Alkoholpegel der Muskelkater in Mainz den Abstiegskampf entscheiden.
Das ist aber auch die Stelle, an der jegliche Prognosen reine Kaffeesatzleserei werden. Also es ist unfassbar schwierig, einzuschätzen, in welcher Verfassung die einzelnen Mannschaften den Schlussspurt antreten werden. Der Spielplan von Werder Bremen wirkt relativ fies, vor allem weil die ja gegen die obere Hälfte so schlecht aussehen. Aber Hoffenheim ist gerade krass am Einbrechen und hat nur eines der letzten 7 Spiele gewonnen. Wie werden die auftreten, wenn die Champions League Chance endgültig verspielt wurde? Schaffen sie es in Augsburg, die Spannung hochzuhalten, wenn der Klassenerhalt gesichert wurde? Mich würde es nicht überraschen, wenn Augsburg den Klassenerhalt mit 10 Siegen ohne Sieg in Serie feiert. Das bedeutet dann, dass Bremen, Gladbach und Union noch "unerwartet" punkten... Oder spielt der VfL Wolfsburg plötzlich befreit auf, wenn der Abstieg auch rechnerisch besiegelt ist? Das wäre die lustigste Pointe der Saison: die gewinnen plötzlich gegen die Bayern und drucken "Real Madrid Besieger"-Besieger Shirts... Sie müssen ja nur 3 davon drucken, um den Markt abzudecken...