Donnerstag, 5. Februar 2026

Noch mehr Gedanken zur Situation bei Werder Bremen

 Dallein schon, damit ich den "Haben die auch Das Bo angerufen?" Witz nicht liegen lassen muss... Türlich, Türlich

Aber es gibt ja schon neue Entwicklungen: Daniel Thioune macht es. Und der ist im Wesentlichen die schlechtere Version von Horst Steffen.

Um den Anstoss 3 Vergleich zu bringen: Steffen hatte in Elversberg das Level Zweite Liga durchgespielt. Er führte die Mannschaft auf Platz 3, was praktisch zum Aufstieg reichen sollte und weit über dem liegt, was Elversberg mit seinen bescheidenen Mitteln erreichen sollte. Und er hatte dort langfristigen Erfolg. Schon die dritte Liga hat er dort durchgespielt. Insgesamt führte er den Verein von der Regionalliga bis beinah in die Bundesliga. Das ist schon beeindruckend.

Daniel Thioune scheiterte am Ende immer wieder an dem Level "2. Liga". Er führte den Hamburger SV ganz souverän auf den vierten Platz und erhielt damit damals deren legendäre "Unaufsteigbar" Serie. Das wurde aber nicht wirklich wertgeschätzt und er musste nach einer Saison wieder gehen. Und er führte Fortuna Düsseldorf auf den Relegationsrang. Also ja, nach meiner Überzeugung müsste auch Thioune ein Aufstiegscoach sein. Man muss aber ganz sachlich festhalten, dass es ein Unterschied ist, ob man Düsseldorf als Traditionsverein mit für die 2. Liga sehr guten Mitteln auf Platz 3 führt, oder eben Elversberg. Auch wenn Vincent Wagner das Werk von Steffen gerade weiterführt und der Erfolg dort also nicht nur auf der Arbeit des Trainers basiert: Steffen hat die beeindruckendere Vorleistung erbracht.

Der wohlwollendste Kommentar zu Thioune war nebenbei: Der hat doch in Düsseldorf einen guten Job gemacht, er hat sich halt nur das Rückspiel in der Relegation gegen Bochum vercoacht... ähm... "Dinge über die Relegation regeln" ist gerade DER Gameplan für Werder. 

Nebenbei hat sich Thioune nirgends wirklich lange gehalten. 2 1/2 Jahre in Düsseldorf das Saisonziel "Aufstieg" verpassen sind da schon das Karrierehighlight. Und ja, Düsseldorf hatte jeweils laut Transfermarkt.de einen der besten Kader der Liga. Trotz HSV, Schalke und Hertha. Im Wesentlichen hatte Thioune 3 Jahre (eine Saison mit dem HSV, 2 volle mit Düsseldorf) die Gelegenheit, sich die Bundesliga "freizuschalten" und er ist jeweils daran gescheitert. Die dritte Saison hat er dann so in den Sand gesetzt, dass Düsseldorf in den Abstiegskampf rutschte und er entlassen wurde.  Wenig deutet darauf hin, dass der unbedingt in die Bundesliga muss.

Oder anders ausgedrückt: Wenn man im Sommer eine Ablöse für Thioune bezahlt hätte, wäre Clemens Fritz mit der Frage "Warum holst du nicht Steffen?" konfrontiert worden. Der ist nicht nur jetzt die Dritte Wahl, sondern er wäre es auch im Sommer gewesen. Was macht jetzt wirklich Hoffnung, dass Thioune mehr aus dieser Mannschaft rausholt, als Steffen?

Klar, ein Dead Coach Bounce kann Wunder bewirken. Kurzfristig kann es einen Aufschwung geben. Aber es wäre schon ein Wunder, wenn Thioune in 2 Jahren immer noch Trainer an der Weser ist. Aber darum geht es ja gar nicht, es geht gerade nur um den Dead Coach Bounce und irgendwie die Klasse zu halten.
Das ist ja der offensichtliche Grund, warum Clemens Fritz jetzt auch gehen sollte. Und ja, genau jetzt, damit man anfangen kann, den Sommer zu planen. Denn wenn man sich als Manager in die Situation manövriert hat, in der man nur noch und ausschließlich in 3 Monats-Zyklen denken kann, dann hat man vorher verdammt viele Fehler gemacht.

Nebenbei hat Arnd Zeigler eine interessante Statistik gezeigt (der relevante Teil kommt bei 9:42): Im Wesentlichen wurde Horst Steffen entlassen, weil er gegen den Hamburger SV verloren hat. Und gegen die Top 8 in der Tabelle. Gegen die eigentliche Konkurrenz ist Steffen ungeschlagen. Und natürlich ist das etwas zu kurz gedacht, denn man hat halt gegen Köln, Augsburg und Gladbach "nur" Unentschieden gespielt. Wenn er eines dieser Spiele gewonnen hätte, wäre er noch im Amt. Und man hat jetzt 2 Spiele gegen Freiburg und Bayern vor der Brust. Vincent Kompany zittert schon, schließlich wartet er seit 2 Spielen auf einen Sieg... Wenn er am Wochenende nicht gewinnt und dann im Pokal ausscheidet, könnte es plötzlich eng für ihn werden. Aber viel wichtiger ist: Ein bisschen mehr Gelassenheit hätte eben nicht geholfen, weil noch 2 Niederlagen im Programm stehen, bevor es planmäßig wieder besser wird.

Aber im Wesentlichen hat Fritz da einen Kader gebastelt, der mit der Top 8 der Liga nicht mithalten kann. Dann gab es eine ungünstige Konstellation, in der Werder in 9 von 12 Spielen gegen die Top 8 antreten musste. Und die Spiele gegen St. Pauli, Heidenheim, Union Berlin und Mainz bekommt dann ein anderer Trainer. In der Hinrunde holte man gegen diese Gegner unter Steffen 11 Punkte. Wenn man die in der Rückrunde auch holt, hat man 30 Punkte, was letztes Jahr für den direkten Klassenerhalt gereicht hätte. 
Vor allem muss Thioune erstmal mehr als diese 11 Punkte holen. 

Aber die Eigenheiten des Spielplans sind hier echt faszinierend. Denn wenn man die Spiele gegen die Europacup-Teilnehmer aus dem Breisgau und Bayern hinter sich hat, wird der Spielplan dramatisch einfacher. Von den dann folgenden 8 Gegnern kommt nur RB Leipzig aus der oberen Tabellenhälfte. Bevor es dann zum "Finale" mit Stuttgart, Hoffenheim und Dortmund in 3 von 4 Spielen wieder knüppeldick kommt. 
Dass der Spielplan so in "Wir spielen erst gegen die Deppen, dann gegen die Guten" geteilt wurde, ist schon ungewöhnlich. Und am Ende ist Steffen auch genau darüber gestolpert.

Bei einem kompetenteren Manager würde ich davon ausgehen, dass er diese Eigenheiten des Spielplanes im Blick hat. Aber hätte dieser kompetentere Manager dann Thioune den Bayern zum Fraß vorgeworfen? Wahrscheinlich hätte ein besserer Manager sich eher darum gekümmert, dass der Trainer, der nach dem Bayern Spiel auf der Bank sitzt, einen vernünftigen Kader zur Verfügung hat... Apropos:

Wenn man den Fokus dann etwas weiter stellt, zeigt die direkte Konkurrenz, wie es "richtig" geht. Mainz reagiert auf die Fehler im Sommer und die allgemein schwierige Lage mit der Verletzung von Benedict Hollerbach. Wobei der Begriff "Fehler" hier immer noch schwierig ist, weil einen Ersatz für Jonny Burkhardt zu finden eine dieser unlösbaren Aufgaben für die Mainzer ist. 

5 Millionen nahm man in der Summe in die Hand. Es wurde mit Philip Tietz ein Stürmer geholt, der in den letzten 2 Bundesliga-Jahren 15 Tore geschossen hat. Also mehr Tore als all die Mittelstürmer in Bremen zusammen... in ihrer gesamten Karriere. Man hat die persönlichen Kontakte des Trainers zu Sheraldo Becker genutzt. Man hat einen erfahrenen Innenverteidiger günstig ausgeliehen. Und man hat sich mit Silas ein günstiges Rehabilitationsprojekt geholt.

Abgesehen von Becker sind das alles Transfer, die auch Werder hätte tätigen können. Und nur auf den Außenbahnen ist Werder so gut aufgestellt, dass sie Silas nicht brauchen. All die anderen Spieler hätten auch Werder gut zu Gesicht gestanden. Aber Fritz war ja schwer damit beschäftigt, den Fehler mit Horst Steffen zu reparieren. Also den Fehler des Zeitpunkts der Entlassung.

Wie ich gestern schon ausgeführt habe: Horst Steffen ist nicht das Problem an der Weser. Je intensiver man sich mit der Situation beschäftigt, umso deutlicher wird das. 

Dienstag, 3. Februar 2026

Horst Steffen ist nicht das Problem

 Und das wird gerade deutlich.

Mein eigentliches Highlight der Samstags-Sportschau war ja die Feststellung, dass man den Trainer ja jede Woche entlassen kann. Für Clemens Fritz, der anscheinend dachte, dass das nur nach Spielen gegen Werder Bremen geht, war dies anscheinend eine wichtige Neuigkeit. Dabei versuchte er seit Wochen den Trainer davon zu überzeugen, ein Testspiel gegen die eigene 2. Mannschaft auszutragen. Oder ein Spiel gegen die Damenmannschaft. Hauptsache gegen Werder.

Nachdem er dann die neue Information verarbeitet hat, entließ er Horst Steffen einfach so. Und ja, der negative Trend von 10 Ligaspielen ohne Sieg gibt ihm die Grundlage für so eine Entscheidung. Der Aufschwung in Mainz gibt ihm die Notwendigkeit. Und die Erkenntnis, dass ein Dead Coach Bounce wirklich helfen kann.

Nur entscheidet sich Fritz für den dümmstmöglichen Zeitpunkt: Direkt nach der Winterpause und kurz vor dem Ende des Transferfensters. Eigentlich sollte Fritz jetzt alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den doch recht bescheidenen Kader aufzubessern. Denn es ist ja keine ganz große Überraschung, dass Werder steht, wo sie stehen.

Also ganz offensichtlich: Die 3 fitten Mittelstürmer Keke Top, Jovan Milosevic und Salim Musah sind im Schnitt 20 Jahre alt. Sie kommen zusammen auf 4 Bundesligatore... für die gesamte Karriere. Dafür haben sie ein relatives Überangebot an Flügelstürmern, die aber alle nicht wirklich torgefährlich sind. Das ist ja auch logisch, schließlich würden sie nicht in Bremen spielen, wenn sie komplette Fußballer wären. 

Und ja, Fritz ist im Sommer das Risiko mit Victor Boniface eingegangen und das hat nicht funktioniert. Das war wahrscheinlich auch die einzige Option, die er hatte. In logischer Konsequenz sollte die gesamte Energie und jeder vorhandene Cent in einen Stürmer gesteckt werden.

Das wäre auch machbar, wenn Fritz wenigstens eine Interimslösung parat hätte. Aber trotz des seit Monaten andauernden Niedergangs ist anscheinend "Die Co-Trainer von Steffen übernehmen, während ich panisch verhandle" die einzige Option.

Dann stellt er als nächstes fest, dass Mainz relativ wenig Interesse daran hat, einen direkten Konkurrenten zu stärken und ihnen günstig Bo Henriksen zu überlassen. Das konnte man ja nicht ahnen. Und als Nächstes guckt sich Bo Svennson die Lage an der Weser an und sagt dankend ab. Das kann ich ihm jetzt schlecht verübeln, aber dass das alle wissen, ist schon schlecht.

Denn jetzt weiß jeder Trainer, der dieses sinkende Schiff übernimmt, dass er keinen brauchbaren Stürmer mehr verpflichten kann und das er nur die 3. Wahl ist. Wie kann man als Manager so kopflos agieren?

Der Retter könnte jetzt Dieter Hecking werden... weil er das ja in Bochum letztes Jahr so gut hinbekommen hat. Da würde Peter Neururer mehr Schwung reinbringen. Und die innovativere Lösung wäre es auch.

Hier zeigt sich aber das Grundproblem von Werder: Man sucht auch nach 14 Jahren noch nach einem Nachfolger für Klaus Allofs. Der war gemeinsam mit Thomas Schaaf das Gesicht der letzten erfolgreichen Epoche. Und Werder hat halt die Angewohnheit, irgendwelche verdienten Ex-Profis in die Rolle des Managers zu schieben. Clemens Fritz ist ja nur in dieser Position, weil irgendwann allen aufgefallen ist, dass Frank Baumann nicht die Lösung sein kann. Und obwohl Fritz mit Baumann Hand in Hand den Niedergang moderiert hat, wurde er trotzdem in den Chefsessel befördert. Der war ja schon immer da, da kann es an ihm nicht gelegen haben.

Jetzt haben wir die erste echte Krise seit der letzten Beförderung im Sommer 2024 und Fritz ist einfach nur überfordert. Aber weil sonst niemand helfen kann, muss er jetzt das Ruder rumreißen und irgendwie einen Trainer finden, der zumindest die Saison halbwegs vernünftig zu Ende bringt. In der naiven Hoffnung, dass dann im Sommer alles irgendwie besser wird.

Die einzige gute Nachricht. Man muss ja nur Heidenheim und St. Pauli hinter sich lassen, das werden sie schon irgendwie schaffen. 

Donnerstag, 29. Januar 2026

Das war absoluter Wahnsinn

 Selbst die oberflächliche Variante reicht schon, um als Legende in die Geschichte einzugehen: Torwart Anatoliy Trubin köpft seine Mannschaft in der 98. Minute in die Zwischenrunde. Benfica Lissabon brauchte das 4:2, um aufgrund des Torverhältnisses an Olympique Marseille vorbeizuziehen. Aber das erzählt ja nicht mal die Hälfte der Geschichte. 

Denn es war auch José Mourinho gegen einen seiner Ex-Vereine Real Madrid. Und die Geschichte wird immer spannender, wenn man Mourinho und seine Ex ins Spiel bringt. Aber der Portugiese war kurz davor, das größte Ei in seiner Trainerkarriere zu legen.

Denn Benfica spielte in der Schlussphase auf Zeit. Der spätere Torschütze macht das bei einer sehr entspannten Parade deutlich. Mourinho nahm den zweifachen Torschützen Andreas Schjerlderup vom Platz, damit der sich seinen Applaus abholen kann... und um an der Uhr zu drehen. Sehr zum Entsetzen der Fans, denn die wussten ja, was Phase ist.
Mourinho, der sonst immer auf jedes Detail achtet, hatte offenbar niemanden in seinem Stab, der ihm eine Blitztabelle reichen konnte oder wollte. Erst in allerletzter Sekunde, als der Freistoß gepfiffen wurde, fiel es ihm auf und er schickte Trubin nach vorne. Am Ende werden alle nur Mou's magische Aura in Erinnerung behalten und nicht sein episches Verkacken in den Minuten davor.

Auf der anderen Seite war es Real anscheinend bewusst, dass ihnen diese Niederlage wehtun wird. Denn einerseits gingen die auf den Ausgleich. Aber vor allem flogen Raul Asencio und Rodrygo vom Platz. Bei Asencio konnte man noch von einem taktischen Foul reden, was bei Real im Spiel hält. Rodrygo brannten einfach nur die Sicherungen durch und er sah innerhalb von Sekunden Gelb und Gelb-Rot fürs Meckern. Irgendwo sitzt Xabi Alonso und denkt sich: Zum Glück muss ich mir das nicht mehr antun.

Absurderweise ist diese Mannschaft gleichzeitig untrainierbar und geht auf historische Torjagd. Also die 13 Tore in 7 Spielen von Kylian Mbappé lassen selbst Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi alt aussehen. Und jetzt hat Mbappé ja 2 zusätzliche Spiele, um die Statistik weiter auszubauen. Im Idealfall geht es direkt wieder gegen Benfica... weil es so schön war. 

Und vor allem, weil die andere Option ein Besuch nördlich des Polarkreises ist. Denn den größten Arschloch-Move brachte Diego Simeone. Der dachte sich anscheinend: Wenn ich schon nicht die Zwischenrunde überspringen kann, dann sorge ich dafür, dass ihr nach Bodö/Glimt reisen müsst. Im Februar. Und im Idealfall trifft es Simeones Erzfeind. Falls es jemals einen Trainer gab, der kein Problem mit der Teilnahme an der Zwischenrunde hat, weil er Real damit richtig einen reindrückt, dann ist es Simeone.

Nebenbei kam es zu dem hier gestern angekündigten Unentschieden zwischen Paris und Newcastle. Was dazu führt, dass beide verloren haben. Wenn euch irgendjemand einreden will, dass diese neue Gruppenphase schlecht ist, verweist ihn einfach nur darauf, dass diese beiden Mannschaften dank eines Unentschieden beide verloren haben. Im "alten System" wären sie wohl als Erster und Zweiter in ihrer Gruppe weitergekommen und niemand würde sich wirklich an dem Ergebnis stören. So tut es beiden richtig weh.

Für die Bundesliga könnte es jetzt nebenbei zu einem Worst-Case-Szenario kommen. Denn die aktuellen Lostöpfe sehen so aus, dass Bayer gegen Dortmund mit einer 50 %igen Wahrscheinlichkeit in der Zwischenrunde aufeinandertreffen. Und dann gibt es wiederum eine 50 %ige Wahrscheinlichkeit, dass der Sieger dieses Duells auf die Bayern trifft. Mich persönlich würde es ja interessieren, ob dieser Ausgang dazu führen würde, dass die UEFA doch wieder Beschränkungen für "nationale Duelle" einführt. Aber mittlerweile wird ja nur noch so wenig gelost, dass man da kaum noch Spielraum hätte. Also wenn Eintracht Frankfurt auch noch vernünftig mitgespielt hätte und in der entsprechenden Region gelandet wäre, hätte es ja gar keine Ausweichmöglichkeiten gegeben. Und dass die 3 "anderen deutschen Mannschaften" zwischen Platz 20 und 14 landen, halte ich jetzt nicht für so unwahrscheinlich, das ist irgendwo genau deren Leistungsrahmen...

Die erwartbaren Leistungen nicht erbracht haben Villareal und Neapel. Die Spanier trennt nur das bessere Torverhältnis vom letzten Platz. Der italienische Meister verspielte all seine Chancen formell gesehen gegen Chelsea London. Bei genauerer Betrachtung war es aber eher das Unentschieden gegen Kopenhagen, dass ihnen das Genick brach. Oder das 0:0 gegen Eintracht Frankfurt. Denn wer gegen diese Frankfurter kein Tor erzielt, hat in der K.O. Phase nichts verloren. Aber ein Unentschieden in Überzahl gegen Kopenhagen ist auch unentschuldbar.

Das beweist aber auch nur, dass wirklich jedes Spiel in dieser Gruppenphase am Ende relevant ist. Man kann es sich einfach nicht leisten, einen Gang runterzuschalten und einen Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn wenn man dann den Sieg verpasst, kann einem das mehrere Millionen Euro kosten.

Außer man arbeitet entsprechend vor und gewinnt 6 seiner ersten 7 Spiele. Dann kann man schon ganz ruhig auf seinen Ersatztorwart gegen PSV setzen.
Nebenbei muss man hier nochmal besondere Bonuspunkte an die Bayern geben. Beziehungsweise an deren Zeugwart. Oder wer auch immer entscheidet, welches Outfit man am Spieltag trägt. Denn die Bayern dachten sich, ihr bester Beitrag zu einer 18 Spiele Konferenz wäre ein alternatives Jersey. Die Kombination von roter Hose und schwarzen Trikot hab ich so jedenfalls noch nicht von denen gesehen. Das wirkte ein wenig, als hätten beide Mannschaften unabsichtlich die Hosen getauscht.
Vor allem verwirrte es die Konferenz-Gucker nochmal. Denn wenn dann mal die Bayern dran waren, musste man sich erstmal umgucken und herausfinden, in welchen Hosen die denn jetzt spielen. 
Grund ist aber ganz sachlich gesehen die ungewöhnliche Farbkombination von PSV Eindhoven, von der sich die Bayern irgendwie abgrenzen müssen. Schade eigentlich... ich hätte "Wir wollten die Leute in der Konferenz verwirren" mehr gefeiert...

Mittwoch, 28. Januar 2026

Der Rahmen ist schon absurd

 Heute gibt es ein einziges Spiel, welches quasi irrelevant ist: Arsenal - Qairat. Und das ist das Duell Erster gegen Letzter. Das hätte man kaum besser skripten können.

Wobei es ja nicht komplett irrelevant ist: Wenn die Bayern 4:0 in Eindhoven gewinnen, kann sich Arsenal keine Niederlage erlauben. Wobei man auch festhalten muss: Ob die jetzt erster oder zweiter werden, ist rein sportlich gesehen vollkommen irrelevant. Es geht wirklich nur darum, ob Arsenal es schafft ungeschlagen im Achtelfinale auszuscheiden...
Und sein wir ganz ehrlich: Nach der Vorrunde im Elfmeterschießen des Achtelfinales zu scheitern, wäre typisch Arsenal...

Die bereits ausgeschiedenen FC Villareal, Slavia Prag und Eintracht Frankfurt spielen gegen Mannschaften, die noch weiterkommen können. Das sind also 17 relevante Spiele mit einheitlicher Anstoßzeit.

Borussia Dortmund gegen Inter Mailand ist dabei fast das relevanteste Spiel. Den wer hier verliert, darf im Achtelfinale gegen Bayern oder Arsenal antreten. Da hat man eine 50%ige Chance, im Elfmeterschießen weiterzukommen. Der Gewinner hat dagegen noch die Chance, diese Zwischenrunde komplett zu überspringen.

Paris St. Germain und Newcastle United spielen im direkten Scheich-Duell (El Oilstico?) aus, wer in die Zwischenrunde muss. Wer hier verliert, wird mit Sicherheit auf Platz 9 abrutschen. Aber: Bei einem Unentschieden droht beiden die ominöse Zwischenrunde. Im Worst-Case-Szenario könnten Paris und Newcastle durch ein Unentschieden auf Platz 14 und 15 zurückfallen. Also nur um festzuhalten, dass verdammt viele Mannschaften nicht gewinnen dürfen, damit ein Unentschieden reicht.

Und ja, Paris hat letztes Jahr trotz dieser Zusatzbelastung den Titel geholt. Aber das wird eine Ausnahme bleiben, da bin ich überzeugt von. Falls es am Ende 1:1 steht, werden beide Mannschaften definitiv voll auf Sieg spielen.

Aber die Tabelle ist halt so eng, dass Platz 6 und 13 gerade mal 9 Tore liegen. Es könnte durchaus sein, dass Chelsea gewinnt und trotzdem in die Zwischenrunde muss, einfach weil Barca gegen Kopenhagen 8 Tore erzielt hat. Ok, es müssten auch Sporting Lissabon oder Atlético Madrid hoch gewinnen, damit das passt. Aber man kann viel Spaß mit dem Tabellenrechner haben

Die direkten Konkurrenten von Chelsea, Barca und Sporting, NeapelKopenhagen und Atletico Bilbao, kämpfen nebenbei ums europäische Überleben. Die Rechnung ist da relativ einfach: Wenn man gewinnt, darf man weiter am Tisch sitzen, wenn nicht, sitzt man unter der Woche auf der Couch. Dieses Prinzip gilt praktisch für alle Mannschaften von Platz 19 bis 27. Und ja, je weiter oben man steht, umso wahrscheinlicher ist es, dass ein Unentschieden reicht... Aber verlassen kann man sich darauf nicht.

Bei Club Brügge und Olympique Marseille gibt es ein theoretisches Szenario, in dem beide bei einem Unentschieden rausfliegen, der Sieger aber weiterkommt. Das ist insofern "theoretisch", weil verdammt viele Außenseiter wie Qarabağ und Galatasaray gegen die Elite gewinnen müsste. Aber dass in diesem Duell der Gewinner den Verlierer aus dem Turnier schießt, ist echt wahrscheinlich.

Die Fans stehen also mal wieder vor einem absolut faszinierende Spieltag. Und man darf gespannt sein, wie die Trainer auf die entsprechenden Situationen reagieren. Denn ein Tor, das irgendwo in Europa erzielt wird, kann ja alles verändern.  

Wenn man das mit der alten Gruppenphase vergleicht, in der 75 % der Spiele praktisch irrelevant waren, ist das ein schöner, wenn auch teuer erkaufter Fortschritt. Denn für die Spieler ist es natürlich bescheiden, dass sie jetzt wirklich relevante Spiele haben, anstatt wie ursprünglich üblich nochmal die Beine hochzulegen, bevor die K.O. Phase beginnt.

Montag, 26. Januar 2026

Augsburg macht endgültig den Deckel drauf

Die letzte spannende Frage im Meisterrennen wurde beantwortet: Die Bayern werden auch dieses Jahr nicht ungeschlagen durch die Saison gehen. Das ist gut für die Bayern, schließlich führt es dazu, dass man nächstes Jahr noch Ziele hat, die man verfolgen kann. Für die Bundesliga ist es relativ egal, weil es nur dazu führt, dass Bayern eine Woche später auch offiziell Meister wird. Aber hey, sie sind nicht unverwundbar und in der Bundesliga kann doch jeder jeden schlagen... oder so.

Anders ausgedrückt: Wie schlimm ist die Lage? Borussia Dortmund nutzt die Vorlage der Bayern und verkürzt den Vorsprung auf 8 Punkte. Sonst ist das ja genau der Moment, wo die immer verkacken. Jetzt, wo es egal ist, holen sie aber souverän die 3 Punkte.

Auch am anderen Spektrum der Euphorie kann man erkennen, wie kaputt die Liga ist. Hier nehmen wir Borussia Mönchengladbach als Beispiel nehmen. Die sind ja so schlecht in die Saison gestartet, dass man doch Gerardo Seoane entlassen musste. Das war ja ganz praktisch die offensichtlichste Trainerentlassung der Saison, aber man musste formell bis zum Spiel gegen Werder Bremen warten, um diese Entscheidung zu finalisieren.

Dann nutzte Eugen Polanski den "Dead Coach Bounce" und wurde zum Cheftrainer befördert. Wobei man den Begriff hier in ganz große Anführungszeichen gesetzt werden, denn Gladbach ließ sich 63 Tage oder 8 Spiele mit dieser Entscheidung Zeit. Polanski kam auf einen uninspirierten 1,38er-Punkteschnitt. Das Lustigste daran: Seoane hatte einen neuen Job, bevor Gladbach die Nachfolge endgültig geklärt hat. Besser kann man die Situation in Gladbach nicht zusammenfassen: Ein schlechter Bundesligatrainer findet einen neuen Job, bevor die Gladbacher ihren Scheiß geregelt haben.

Polanski hat, zur allgemeinen Überraschung, seinen Dead Coach Bounce nicht aufrechterhalten können. Deswegen heißt das Ding ja so. Seit seiner Beförderung zum Vollzeitchef sind es nur noch 1,10 Punkte pro Spiel. Wobei, Ehre wem Ehre gebührt, er erstmal 3 Spiele ungeschlagen blieb. Und mit dem 0:0 gegen RB Leipzig war sogar ein guter Gegner dabei. Ansonsten gewann er halt in Heidenheim und Mainz. Das ist eher das "Bare Minimum" als wirklich überzeugend. Und vor allem rettet es den Gladbachern jetzt die Saison. Denn ohne die 7 Punkte sähe es wirklich finster aus.

Seit dem konnte man nur einen Sieg aus den nächsten 6 Spielen holen. Ein völlig absurdes 4:0 gegen den FC Augsburg. Das war wohl genau der Moment, in dem der "Dead Coach Bounce" Effekt von Manuel Baum auslief. Perfektes Timing.

Die Leistungskurve zeigt aber spätestens nach diesem Spiel steil nach unten. Genaugenommen ist man jetzt genau an dem Punkt, an dem man vor 17 Spieltagen schon stand: Man hat einen Trainer, der im besten Fall uninspirierte Arbeit abliefert. Wer sachlich auf die Situation guckt, wird erkennen, dass Polanski nicht wirklich die langfristige Lösung sein konnte. Zu diesem Schluss kam man aber ganz nüchtern betrachtet schon nach 60 Tagen. Aber zu diesem Schluss kamen auch alle, die nach dem Ende der letzten Saison auf die Arbeit von Seoane geguckt haben und der durfte trotzdem bleiben.
Die eine gute Nachricht für Gladbach: Nächstes Wochenende geht es gegen Werder Bremen...

Aber hier ist das vollkommen kaputte: Trotz der an sich mehr als grausamen Bilanz der letzten 6 Spieltage, hat man seinen Vorsprung auf Heidenheim von 5 auf 7 Punkte ausgebaut. St. Pauli machte einen einzigen Punkt auf die Fohlen-Elf gut. Obwohl Gladbach selber nichts gebacken kriegt, ist man souverän auf dem Kurs Relegation. 
Und klar, Mainz macht doch Ernst und hat den Vorsprung auf diesen Relegationsrang von 10 auf 5 Punkte schmelzen lassen. Aber wir müssen mal festhalten: Gladbach spielt zum 2. Mal in dieser Saison wie ein sicherer Absteiger, hat aber trotzdem noch ein gutes Polster auf den Relegationsrang. 

Nicht nur das: Man liegt auf Platz 11, kann sich also formell einreden, dass man ja im gesicherten Mittelfeld steht. Was auch nur bedeutet: 7 Mannschaften spielen eine noch schlechtere Saison als die völlig überforderten Gladbacher.

Immerhin hat man ja erkannt, dass grundlegend etwas falsch läuft und sich einvernehmlich von Roland Virkus getrennt. Das ist ein wirklicher Fortschritt. Aber Rouven Schröder ist auch eher eine uninspirierte Lösung. Also der hat bisher nirgends einen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen, wird aber regelmäßig nach 12 Monaten "befördert" und erst dann entlassen

Das lustigste: Falls Polanski irgendwann entlassen wird, werden alle den Charakter dieser Mannschaft hinterfragen. Was für ein Dreckshaufen verbraucht denn bitte schön 2 Trainer innerhalb einer Saison. Dabei kann die Mannschaft doch gar nichts dafür, dass ihnen offensichtlich überforderte Vorgesetzte vor die Nase gesetzt wurden. Die haben einen ganz offensichtlichen Wettbewerbsnachteil zur direkten Konkurrenz.

Freitag, 23. Januar 2026

Das konsequente Schweigen verwundert mich doch

 Anscheinend macht Arsène Wenger seine Drohung wirklich war und zerstört den modernen Fußball. Und sorgt damit für ein Comeback seines ewigen Konkurrenten José Mourinho. Also zumindest für den "Wir parken den Bus vor dem Strafraum" Fußball, den Mourinho zelebriert hat.

Denn das Tageslicht Abseits soll wirklich kommen. Nicht nur das, es soll vielleicht sogar zur WM eingeführt werden. Weil es für mehr Tore sorgen soll. Wie bescheuert ist das denn bitte? 

Also ich bin ja allgemein sehr skeptisch, dass das den gewünschten Effekt haben wird. Denn mit dieser neuen Regel würde es praktisch unmöglich werden, funktionierende Abseitsfallen zu stellen. Und Abseitsfallen sind essenziell für ein funktionierendes Pressing, da sie dafür sorgen, dass man das Spielfeld klein halten kann. 

Mein Standardsatz zu dem Thema ist: Wenn diese Regeländerung kommt, wird es unmöglich sein, einen Kylian Mbappé zu verteidigen. Also werden sich noch mehr Mannschaft im eigenen Strafraum verbarrikadieren, weil das ihre einzige Chance ist.

Dass der gemeine Fan und Facebook Kommentator das nicht bedenkt, kann ich ja noch nachvollziehen. Aber wenn man sie darauf hinweist, kommt doch meistens ein "verdammt, da könntest du recht haben." Aber dass keiner von den echten Experten auf diese Problematik hinweist, ist schon absurd. Vom Kicker erwarte ich das ja schon länger nicht mehr und Didi Hamann ist mit dem Herbeireden einer Torkrise von Harry Kane abgelenkt. Aber haben wir wirklich niemanden, der da irgendwelche Bedenken hat und diese auch aussprechen will.

Am meisten irritiert es mich, dass alle Trainer schweigen. Vor allem die Carlo Ancelottis, die jetzt direkt betroffen wären, wenn das zur WM eingeführt wird. 

Wir müssen noch mal kurz festhalten, wie absolut bekloppt das ist, eine derartige Regeländerung vor einer Weltmeisterschaft einzuführen. Nur um das offensichtliche festzuhalten: Wir reden hier von dem wichtigsten und prestigereichsten Turnier der Welt. DEM Sportswashing Event schlechthin. Man sollte solch massive Regeländerungen eher kurz nach als direkt vor einem Turnier einführen, damit alle die entsprechende Zeit haben, sich anzupassen.

Denn selbst wenn meine Prognose daneben liegt und es tatsächlich zu einem attraktiveren Spiel führt: Alle Verteidiger der Welt müssen trotzdem auf jeden Fall an die über Jahrzehnte antrainierten Instinkte und Reflexe überarbeiten. Denn wenn sie wie gewohnt rausrücken, kassieren sie ja garantiert ein Gegentor. Das sind Dinge, die sich nicht über Nacht umstellen lassen. Und als Nationaltrainer hat man dann 2 Wochen Zeit, seinen Spielern diese neue Regel einzutrichtern. Zeit, die man eigentlich mit dem Einstudieren von Spielzügen verbringen wollte.

Meine persönliche Prognose, falls das wirklich zur Weltmeisterschaft kommt: Die ersten 2 Spieltage werden verdammt verrückt. Fehlgeschlagene Abseitsfallen führen dazu, dass die Stürmer relativ unbedrängt auf den Torwart zulaufen. Also zumindest in den Spielen, in den der Außenseiter sich nicht aus Prinzip hinten einigeln. Dann stellen die Trainer fest, dass das Harakiri ist und sortieren ihre Mannschaften wesentlich tiefer. Ab dem Viertelfinale sehen wir dann grausam statische Spiele, weil niemand sich mehr traut, auf Abseits zu spielen. 

Und hinterher werden alle nur darüber reden, wie bescheuert es war, eine derartige Regeländerung kurz vor einer Weltmeisterschaft einzuführen. Denn dann war es plötzlich doch "absehbar", dass dies das Turnier ruinieren wird. 

Ich bringe jetzt mal ein historisches Beispiel: Die legendäre Rückpass-Regel wurde 1992 eingeführt. Sie kostete einigen fußballerisch limitierten Torhütern ihren Stammplatz. Diese Regel wurde aber erst nach der Europameisterschaft eingeführt, damit eben alle Torhüter der Welt 2 Jahre Zeit haben, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen, bevor ein großes Turnier ansteht. Dasselbe Prinzip wird immer angewendet, wenn sich die Regeln bei Elfmetern ändern. Und das sind relativ gesehen minimalistische Änderungen, weil sie ja immer nur 2 Spieler betreffen.

Aber die Rückpass-Regel wurde halt 1992 geändert. Damals saßen da noch Leute, die das Interesse des Fußballs vertreten haben. Und es wurde vernünftig gehandelt. Das ist leider lange vorbei.

Auch wenn es absurd klingt: Dass die Gianni Infantino jetzt so kurz vor dem Turnier überhaupt über so eine drastische Regeländerung nachdenkt, ist auch ein Symptom für die komplett kaputte Fifa. Vernünftig geführte Verbände würden derartige Ideen auf "Nach der WM" verschieben. Aber Infantino verspricht sich mehr Spektakel, also muss das jetzt durchgedrückt werden...

Montag, 19. Januar 2026

Überraschender Plottwist!

 Eintracht Frankfurt entlässt den Trainer, nach einem Spiel gegen Werder Bremen. Das hat ja keiner kommen sehen! Er ist schließlich erst der vierte Trainer, der nach dem Spiel gegen Werder entlassen wird. Kann mal irgendwer recherchieren, ob es jemals einen Verein gab, der so viele Trainerkarrieren auf dem Kieker hat? Und wer ist der Nächste? Lukas Kwasniok?

Warte was? Lukas Kwasniok wird von den eigenen Fans kritisiert und stand deswegen laut "Bild" angeblich vor einem Endspiel? Nur weil seine Mannschaft eine für einen Aufsteiger relativ normale Serie von 8 Spielen ohne Sieg hinlegt? Oder weil das Talent El Mala ganz normale Leistungsschwankungen hat? Was zum Teufel?
Ich meine ernsthaft: Die liegen 7 Punkte vor dem Relegationsrang... als AUFSTEIGER. Die spielen im Wesentlichen eine sorgenfreie Saison, was im Juni jeder sofort unterschrieben hat. Da man aber im Herbst einen außerordentlich guten Lauf hatte, reicht das jetzt auf einmal nicht mehr? Also wenn ihr euch fragt, woher Kwasnioks "hier ist immer Unruhe, das wusste ich aber vorher" Aussage kommt...

Die gute Nachricht für Horst Steffen: Er selbst kann ja nicht gegen Werder spielen, er ist also save. Aber auch bei Werder rumort es irgendwie. Da könnt ihr einfach mal in die Kommentarspalte des oben verlinkten Artikels scrollen. Und es fällt mir nicht zum ersten Mal auf, dass die Fans dort eine zeitnahe Ablösung von Steffen fordern. Während es bei den Kölnern ja normal ist, frage ich mich schon, was die in Bremen jetzt genommen haben...

Also das sind im Kern dieselben Fans, die jahrelang schweigend den Niedergang unter Thomas Schaaf begleitet haben. Und die danach auch über Jahre Florian Kohfeldt unterstützt haben. Bei Schaaf war das ja noch nachvollziehbar, aber Kohfeldt hatte echt nur das Glück, dass er die letzte motivierte Saison von Max Kruse betreuen durfte. Trotzdem durfte der viel zu lange in aller Ruhe arbeiten.

Jetzt kommt mit Steffen ein neuer, frischer Wind... und der darf nicht mal ein halbes Jahr lang nur "ordentlich" arbeiten? Und auch hier muss man festhalten: Werder ist voll im Soll. Man liegt 5 Punkte vor dem Relegationsrang. Dass St. Pauli und Heidenheim mehr als 23 Punkte holen, ist extrem unwahrscheinlich.
Nebenbei hat man in Bremen gerade in der Defensive überraschend viele Ausfälle. Und dann wird Steffen vorgeworfen, dass er Marco Friedl als Linksverteidiger aufstellt... 8 Spiele infolge. Hier ist das Problem: Dass das nur eine Notlösung war, ist allen, die sich mit dieser Mannschaft beschäftigen, aufgefallen. Denn mit Felix Agu fehlte die erste Option. Und auch Olivier Deman und Isaac Schmidt hatten mit Verletzungen zu kämpfen. Beide waren im Wesentlichen auch offensiver eingeplant. 
Werder Fans kritisieren Steffen also dafür, dass er in einer Notlage Lösungen findet, die halbwegs funktionieren. Und dafür, dass er dem Talent Karim Coulibaly wenigstens einen Veteranen als Aushilfe an die Seite stellt, um ihn nicht zu überfordern.
Nebenbei hat man die ersten 4 Spiele mit Friedl als Linksverteidiger nicht verloren. Im Wesentlichen hat man "nur" gegen Champions League Anwärter verloren: VfB Stuttgart, RB Leipzig und Borussia Dortmund. Oh und beim Hamburger SV... unglücklich durch den vielleicht einzigen Treffer, den Yussuf Poulsen je für den HSV erzielen wird. Oh... ja. Das ergibt Sinn.

Ernsthaft, kann es sein, dass bei den Werder-Fans doch die primitivsten Instinkte durchbrechen: "Wir haben gegen den Erzrivalen verloren, also muss der Trainer Scheiße sein!" Die Mannschaft in einem mehrjährigen Projekt in die 2. Liga führen, ist kein Problem, aber ein Bundesliga-Derby gegen den HSV zu verlieren, geht gar nicht! Irgendwie hätte ich von denen mehr erwartet. Aber am Ende sind es halt doch nur Fußballfans...