Donnerstag, 26. Februar 2026

Niko Kovac bleibt ein Vollidiot

Es fehlt diesem Menschen einfach die nötige Größe, um einmal klar zu sagen, dass das halt ein berechtigter Elfmeter für den Gegner war. Und dass es da auch gar nichts zu diskutieren gibt.

Stattdessen eiert er wieder rum und behauptet, dass er ja "inzwischen auch nicht mehr weiß, was ein Elfmeter ist." Also gut, hier als kleine Erklärung: Wenn man den Gegner mit dem Stollen im Gesicht trifft, ist das in 90 % der Fälle ein Elfmeter. Solange der Stürmer nicht auf Kniehöhe mit dem Kopf zum Ball geht, gibt es da wenig zu diskutieren.

Das bei WAZ gepostete Bild zeigt eindeutig, dass Mario Pasalic nicht im ungewöhnlichen Tiefflug unterwegs ist. Was Ramy Bensebaini da macht, fällt definitiv unter "gefährliches Spiel". Und wenn man beim gefährlichen Spiel den Gegner im Gesicht trifft, ist das Elfmeter. Eindeutig. Da gibt es dann auch nichts zu diskutieren.

Ich zitiere hier mal das Regelwerk, welches Kovac anscheinend nie gelesen hat:
Gefährliches Spiel unter "Indirekter Freistoß"
Als gefährliches Spiel gilt beim Versuch, den Ball zu spielen, jede Aktion, durch die jemand verletzt werden könnte (einschließlich des Spielers, der die Aktion begeht) und die einen in der Nähe befindlichen Gegner am Spielen des Balls hindert, weil er eine Verletzung befürchtet.
Ein Fallrückzieher oder Scherenschlag ist erlaubt, sofern dadurch kein Gegner gefährdet wird. 

Also nur um das mal festzuhalten: Selbst wenn Bensebaini in nicht trifft, muss es da eigentlich einen indirekten Freistoß geben. 

Ein Vergehen mit Körperkontakt wird mit einem direkten Freistoß geahndet.
• „Fahrlässig“ bedeutet, dass ein Spieler unachtsam, unbesonnen oder unvorsichtig in einen Zweikampf geht. Es ist keine Disziplinarmaßnahme erforderlich.
• „Rücksichtslos“ bedeutet, dass ein Spieler die Gefahr oder die Folgen für einen Gegner außer Acht lässt. Ein solches Vergehen ist mit einer Verwarnung zu ahnden.
• „Übermäßig hart“ bedeutet, dass ein Spieler im Zweikampf mehr Kraft einsetzt als nötig und/oder die Gesundheit eines Gegners gefährdet. Ein solches Vergehen ist mit einem Feldverweis zu ahnden. 

Die Zweikampfführung hier ist demonstrativ "rücksichtslos", weil Bensebaini ja gar nicht versucht, hinzugucken... Damit ist es aber auch egal, ob er da den Ball spielt oder nicht. Und es ist auch egal, ob es sich hier um Absicht handelt. Wer auf der Höhe mit einem ausgestreckten Bein zum Ball geht, muss damit rechnen, dass der Schiedsrichter pfeift. Das Risiko, den Gegner im Gesicht zu treffen, geht er fahrlässig ein. Und nur weil der Schiedsrichter den Kontakt nicht sofort erkennt, gibt er nicht direkt den Elfmeter.

Das beweist nebenbei auch, warum es richtig war, dass der VAR da eingreift, weil offensichtlich ein Wahrnehmungsfehler vorliegt. Die Dortmund Fans diskutieren ja auch darüber.
Das sind nebenbei dieselben Dortmund Fans, die behaupten, dass Julian Baumgartner bei seinen Treffern am Wochenende im Abseits stand, weil sie nicht wussten, dass man nicht im Abseits stehen kann, wenn man hinter dem Ball steht. Die pflegen ihre Opfer-Mentalität gerade sehr ausgiebig.

Aber die Dortmund Fans bringen uns zu dem eigentlich Problem an Kocac Aussagen und Haltung: Denn bei WAZ vor der Paywall wird nur die Frage in den Raum geworfen, ob der Kopf nicht zu tief ist. Für die Antwort müssten wir ein Abo abschließen. Aber diese Frage steht in Dortmund jetzt tatsächlich im Raum. Und Kovac befeuert sie weiter, indem er sich so schwammig positioniert.

Wenn Kovac einfach mal eindeutig sagen würde, dass es natürlich Elfmeter geben muss, wenn ein Spieler, der relativ normal zum Kopfball geht, mit dem Stollen in Gesicht getroffen wird, nimmt er damit der gesamten Dortmunder Fanszene den Wind aus den Segeln. Nebenbei schützt er dadurch den Schiedsrichter, der seinen ursprünglichen Fehler korrigieren konnte. Und er könnte, auch wenn man selbst nicht profitiert, erwähnen, dass der VAR hier eine Fehlentscheidung korrigiert hat. Aber Kovac schafft es ja nicht, Fehlentscheidungen gegen Dortmund überhaupt zu sehen.

Das ist nebenbei kein Einzelfall bei ihm, sondern seine grundlegende Haltung. Bereits am 23. Dezember habe ich ihn aus genau diesem Grunde zum "Vollidioten der Woche" gekürt. Kovac ist ein notorischer "Ich lege jede Szene so aus, dass es meinem Verein passt" Experte. Nebenbei kann man daran auch erkennen, wie Kovac reagieren würde, wenn sein Stürmer in einer vergleichbaren Situation wäre: "Was wollen sie von mir, er trifft ihn im Gesicht. Klarer Elfmeter!"

Was mich ja an der Stelle am meisten stört, ist der mangelnde Widerspruch, auf den Kovac bei den Journalisten trifft. Kein einzelner harkt da mit einem "Was Bensebaini da macht ist die Definition von einem rücksichtslosen Einsteigen. Da er den Gegner im Gesicht trifft, muss es zwingend Elfmeter und Gelb geben."  nach.

Eigentlich müssten die Journalisten jetzt offiziell verkünden, dass sie Niko Kovac einfach nicht mehr zu Regeln und Elfmetern befragen werden, denn er hat ja offiziell zugegeben, dass er davon keine Ahnung hat. Und er hat mehrmals bewiesen, dass er jede noch so offensichtliche Szene immer nur durch seine Vereinsbrille analysieren kann. Dadurch schwächt er konsequent die Schiedsrichter, die von ihm auch für richtige, gegen Dortmund ausfallende, Entscheidungen kritisiert werden. Oder er verschlimmert die "Niemand weiß, wann der VAR eingreifen sollte" Diskussion, weil er 2 quasi identische Szenen komplett unterschiedlich interpretiert. Solchen Menschen unwidersprochen eine Plattform zu geben, ist durchaus gefährlich, auch wenn es hier nur um Fußball geht.

Dienstag, 24. Februar 2026

Die Bundesliga gibt sich ja alle Mühe

 Um mir mit meiner Einschätzung recht zu geben... Großartig. #PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher... Da kann man es sich dann auch leisten, einen Tag später zu reagieren. 

Fangen wir mal oben an, wo Borussia Dortmund sich dafür entschied, den Ausgleich zu feiern, anstatt aufs Tempo zu drücken und dem Wahnsinn die Krone aufzusetzen. Damit sind es vorm Spitzenspiel doch wieder 8 Punkte. Das ist halt der Unterschied zwischen Bayer Leverkusen in ihrer Meistersaison und der "normalen Konkurrenz" der Bayern. Und machen wir uns nichts vor: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bayern noch 8 Punkte Vorsprung verspielen, liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich. 

RB Leipzig nutzt damit nebenbei die einzige Möglichkeit sich bei dem gemeinen Fan noch unbeliebter zu machen, indem sie die Meisterschaft entscheiden. Bringen wir als Bonus eine "Da hätte eine Challenge geholfen" VAR Situation und schon haben wir ein ganz normales Spitzenspiel.

Nebenbei haben die Mannschaften auf Platz 2 bis 6 kollektiv beschlossen, dass sie diese Woche einfach mal aussetzen und keinen Sieg holen. Das fehlte diese Saison noch im "Worst of" Wochenende: Alle "Spitzenteams" außer die Bayern lassen Federn. Beweist mir aber auch nur, dass denen allen irgendwie die Konstanz fehlt, um sich frühzeitig den 4. Platz zu sichern...

Nebenbei zeigten Leverkusen und gerade der VfB Stuttgart, wie sehr ihnen die Ehrenrunde im Europacup am Ende wehtun könnte. Beim VfB versuchen sie uns ja alle gerade einzureden, dass die sogar den Titel holen können. Und jetzt lassen sie schon bei der ersten Gelegenheit gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten wichtige Punkte liegen. 

Und was die Experten dabei mittlerweile ignorieren: Sich über die Europa League für die Champions League zu qualifizieren, dürfte für die Premiere League Teams mittlerweile der einfachere Weg sein. Auch wenn Nottingham Forest gerade im Abstiegskampf feststeckt und deswegen den Fokus nicht komplett aufs internationale Geschäft legen kann. Aber letztes Jahr spielten doch auch der 15. gegen den 17. im Europa League Finale. Und dazu spielen die besten 8 Mannschaften in dieser Woche nicht. Selbst wenn der VfB wirklich die beste Mannschaft der Zwischenrunde ist, so ist es trotzdem noch ein langer Weg bis zum Titel. Und die Favoriten kommen eher aus England, Spanien und Italien...

Was jetzt nicht bedeuten soll, dass der VfB direkt die Flinte ins Korn werfen soll. Aber den "Die Europacup Teilnehmer werden noch random Punkte liegen lassen" Faktor habe ich bei meinem "Es ist eh noch zu früh, um oben auf die Tabelle zu gucken" Rant noch gar nicht mit einberechnet.

Im Abstiegskampf gibt Daniel Thioune mir dann ebenfalls komplett recht. Vor dem Spiel sagte er noch: "Wir werden am Wochenende nicht den Klassenerhalt feiern können und wir werden am Wochenende nicht absteigen. Die Tabelle zählt am 34. Spieltag für uns. Es wird wellenförmig und anspruchsvoll bleiben - für uns und für die anderen Mannschaften um uns herum auch." Hinterher heißt es plötzlich, dass jetzt das erste Endspiel ansteht, womit er meiner "Gegen St. Pauli können sie gerade noch so verlieren" Aussage zustimmt. Klar, ideal wäre ein Sieg gewesen, aber dank des Spielplans kann man diese Niederlage noch reparieren.

Was ich nebenbei nicht angesprochen habe: Auch Borussia Mönchengladbach spielt eine "So muss man eigentlich absteigen" Saison. Aber sie hatten zwischenzeitlich einen kurzen "Dead Coach Bounce" Lauf und das reicht halt derzeit. Also Gladbach legt schon wieder eine "1 Sieg in 10 Spielen" Serie hin. In diesen 10 Spielen holte man 6 Punkte. Das spiegelt quasi die ersten 2 Monate, in denen man in der Liga komplett sieglos bliebt. Am Ende war man wirklich nur im November bundesligatauglich. Oder durfte da gegen St. Pauli und Heidenheim spielen und gewann auch deswegen 3 Spiele infolge. Aber ein Sieg gegen Köln und ein Unentschieden gegen RB Leipzig sehen schon beeindruckend aus. Dazu gewann man das letzte Bundesligaspiel von Bo Henriksen. Aber abgesehen von diesen 5 Spielen spielt man eine richtig finstere Saison. Wir reden von "9 Punkten in 18 Spielen" finster. Das ist schlechter als Heidenheim. Aber die 6 Wochen könnten am Ende reichen, weil der Rest sich halt noch dümmer anstellt.

Mein persönliches Überhighlight kommt aber aus Gelsenkirchen. Denn die haben sich ja im Winter Edin Dzeko geholt. Eine Wolfsburger Legende. Und jetzt kommt raus, dass auch der VfL Wolfsburg an ihm interessiert war. Aber Dzeko ging lieber in die zweite Liga. Selbst der letzte aktive Spieler aus der Meistersaison interessiert sich nicht wirklich dafür, dass der "ihm am Herzen liegende" Ex-Verein im Abstiegskampf steckt. Wenn der Fußballgott Humor hat, gibt er uns Schalke gegen Wolfsburg in der Relegation, damit Wolfsburgs ehemaliger Held seinen ersten Profiverein in die 2. Liga schießt. Da wäre sogar ich einmal für diesen Scheiß.

Mittwoch, 18. Februar 2026

Quo vadis? Die Bundesliga ist gerade wieder so verdammt langweilig!

Ob das Meisterrennen nochmal "spannend" wird, entscheidet sich ja eigentlich erst am Ende des Monats. Es sei denn Dortmund lässt dieses Wochenende Federn gegen RB Leipzig. Das ist wahrscheinlicher, als ein Sieg gegen Bayern. Aber man muss festhalten: Die Borussia muss dieses Spiel zwingend gewinnen, wenn sie das Rennen um die Meisterschaft wirklich nochmal eröffnen wollen. Denn 6 Punkte werden die Bayern gegen den Rest nicht verspielen. Und selbst wenn Dortmund das Gipfeltreffen wirklich gewinnen sollte, ist es immer noch ein verdammt weiter Weg bis zur Meisterschaft. Denn dann muss eine Mannschaft, die bis jetzt immer in solchen Druckmomenten eingebrochen ist, all seine restlichen Spiele gewinnen.

Das eigentlich relevante Rennen um die Champions League Plätze sieht verdammt knapp aus. Aber hier ist das Problem: Wir wissen noch nicht mal, ob Platz 4 oder 5 reicht. Es kann durchaus sein, dass RB Leipzig und Bayer Leverkusen sich nur darum prügeln, wer in die Conference League muss. Oder auch nicht, weil ja 3 der 4 Halbfinalteilnehmer aus den Top 6 kommen und damit dann wohl der 7. in die europäische Drittklassigkeit abstürzt. Oder aber der SC Freiburg erreicht das DFB-Pokalfinale, was denselben Effekt haben dürfte...

Nebenbei muss man hier festhalten, dass mit Hoffenheim, Bayer und RB drei Plastikklubs in dem Rennen um Platz 4 oder 5 sind. Der gemeine Fußballfan reagiert hier mit einem "Solange der VfB Stuttgart am Ende dabei ist, ist es mir egal, wer von den dreien nicht in die Königsklasse darf... Aber Bayer würde ich es am ehesten gönnen..." Und auch wenn ich selbst häufig über die "Traditionen" lästere, so muss ich einfach zugeben, dass ein Rennen zwischen 2 Vereinen mit großer Fanbase andere Reaktionen bei mir hervorruft, als wenn Bayer und Hoffenheim sich um Platz 4 prügeln...

Damit ist nebenbei auch noch nicht geklärt, ob Eintracht Frankfurt oder der SC Freiburg um die goldene Ananas kämpfen. Im Best Case kommt der bessere der beiden in die Europa League. Aber der Abstand der beiden nach oben und unten ist schon gewaltig. Und hier bleibt die Frage, ob dieses Rennen jetzt den neutralen Zuschauer wirklich interessiert.

Dahinter beginnt technisch gesehen der Abstiegskampf. Also zumindest brauchen der Hamburger SV, Union Berlin und der FC Augsburg noch einen Sieg, damit sie nicht absteigen. Den werden sie holen. Auch der 1. FC Köln ist mehr so pseudobedroht. Alle 4 sollten sich nicht zu weit zurücklehnen, aber auch hier muss sich der neutrale Beobachter irgendwie dazu zwingen, den Fokus zu behalten. Und die Trainer müssen dafür sorgen, dass ihre Mannschaften den Fokus aufrechterhalten, damit man nicht zum Saisonende komplett einbricht.

Der "richtige" Abstiegskampf wird am Ende erst in den letzten 4 Wochen entschieden. Also ja, der eine oder andere im Keller mag einen überraschenden Sieg holen, so wie wir das bei St. Pauli gegen Stuttgart gesehen haben. Dieser Sieg könnte am Ende den Unterschied ausmachen. Aber im Wesentlichen werden die 5 Mannschaften da unten hängen bleiben. Die eine Ausnahme dürften die Mainzer sein, die halt mit klugen Entscheidungen ihre Saison gerettet haben. Aber das noch ein Verein plötzlich so einen Lauf hinlegt, ist quasi ausgeschlossen. Die stehen ja alle nicht ohne Grund da unten.

Am Ende steigt derjenige ab, der zufällig gegen Heidenheim verliert. Denn auch da muss man sich wenig vormachen: Heidenheim ist zu schwach für den Klassenerhalt. Die hätten gegen Augsburg und Hamburg mindestens 3, eher 4, Punkte holen müssen, damit das für die nochmal persönlich eingreifen. Aber irgendwo werden sie nochmal einen willkürlichen Sieg einfahren. Und die fehlenden Punkte werden dem Konkurrenten dann richtig weh tun.

Das wichtigste Spiel der nächsten 8 Wochen dürfte damit St. Pauli gegen Werder Bremen sein. Das stimmt aber sachlich gesehen auch nur für St. Pauli. Denn ich habe ja vorletzte Woche ausgeführt, dass für Werder jetzt die Spiele anstehen, in denen sie punkten können und müssen: St. Pauli, Heidenheim, Union, Mainz und Wolfsburg. Natürlich wäre es super praktisch, wenn sie direkt auf Pauli mit dem Punkte sammeln anfangen. Ein Sieg wäre für sie ein richtiger Big Point. Aber das liegt vor allem daran, dass es ein richtiger Nackenschlag für die Kiezkicker wäre. Wenn man auf der Reeperbahn verliert und dann nächste Woche zu Hause gegen Heidenheim gewinnt, liegt man fast wieder im Soll. Wenn St. Pauli verliert, ist das rettende Ufer verdammt weit weg.

Das lustigste ist nebenbei der VfL Wolfsburg mitten im Abstiegskampf. Denn sein wir ehrlich: keinen interessiert's. Also vielleicht die 23.600, die da ins Stadion gehen. Aber selbst da kann man sich nicht sicher sein, dass die nicht da sind, weil sie sehen wollen, wie die Gäste spielen... So schlecht war der Zuspruch, wenn man die Pandemie herausrechnet, seit 2007 nicht mehr. Damals wurde man nebenbei 15..

Es ist aber echt krass, wie extrem egal der VfL Wolfsburg mittlerweile ist. Die Rolle des "Feindbild Nummer 1" haben halt erst Hoffenheim und dann RB Leipzig übernommen. Die mangelnde Tradition wird ihnen nur noch vorgeworfen, wenn es gegen den anderen Plastikklub geht. Dass man 4 Jahre infolge im grauen Mittelmaß verbracht hat, hilft da nur bedingt. Jetzt hofft man ja irgendwie darauf, dass man es 5 Jahre infolge in dieses graue Mittelmaß schafft. Und dann hofft man darauf, dass man nächstes Jahr eine sorgenfreie Saison im grauen Mittelmaß spielen kann...

Wenn Wolfsburg am Ende tatsächlich absteigen würde, fragt der gemeine Fußballfan nur "Wer ersetzt die denn?" Oh... Darmstadt oder Elversberg... Naja... da hätte man auch Wolfsburg behalten können.
Nebenbei muss man festhalten, dass Hannover 96 fast doppelt so viele Fans ins Stadion lockt... obwohl die seit 7 Jahren in der 2. Liga spielen. Und Hannover ist jetzt auch kein Verein, der überregional große Emotionen auslöst. Aber es verdeutlicht, wie krass der VfL es verkackt hat, eine emotionale Bindung zu den Fußballfans in Niedersachsen aufzubauen: selbst nach 29. Jahren in der Bundesliga und einem Meistertitel haben die Nachbarn aus Hannover die größere Strahlkraft.

Und wenn es dann, wie jetzt gerade, richtig beschissen läuft, sammeln die Fans sich nicht, um ihre Mannschaft in besonders harten Zeiten besonders zu untertützen... oder sie wenigstens auszupfeifen. Sondern die Fans bleiben einfach zu Hause. Es kommen jetzt 10.000 Leute weniger als zum Saisonauftakt gegen Köln und Dortmund. Das kann man natürlich auf Hoffenheim und Heidenheim schieben, aber auch gegen richtige Bundesligisten zeigt der Trend deutlich nach unten.

Verdammt viele Wolfsburg-Fans haben die Saison abgeschrieben. Die gucken dann im Sommer, wie das am Ende ausging und ob sie sich nächstes Jahr wieder um ein paar Tickets für die Perlen kümmern müssen... und wenn nicht, ist es irgendwie schade, aber auch nicht wirklich schlimm. Warum sollten wir als "neutrale Beobachter" uns dann um Wolfsburg kümmern?

Natürlich wird das Ende April wieder besser werden. Dass die Bundesliga jetzt gerade in einer gewissen Schlummerphase ist, weil die Bayern quasi als Meister feststehen und der Rest sich noch endgültig sortieren muss, ist leider nicht so ungewöhnlich. 
Aber gerade, wenn man es mit der 2. und 3. Liga vergleicht. Im Unterhaus trennen den Ersten und den Fünften lächerliche 3 Punkte. Und all diese 5 Mannschaften werden jedes Wochenende alles geben, damit sie unter den ersten beiden Mannschaften landen. In der dritten Liga gilt dasselbe Prinzip, auch wenn sich dort der Relegationsteilnehmer häufige durchsetzten kann. Dafür trennen dann den Ersten und den Siebten 5 Punkte. Auf die dritte Liga gucke ich als gebürtiger Rostocker ja eh. Aber ich frage mich derzeit auch jeden Sonntag, wie sich die aktuellen Ergebnisse auf das Aufstiegsrennen in Liga 2 auswirken. Einfach nur, weil es verdammt interessant ist, ob und wie Schalke das dieses Jahr verkackt.

Richtig neidisch wird man, wenn man auf die polnische Extraklasse guckt. Da ist richtig was los. Und das nicht nur dieses, sondern praktisch jedes Jahr. Aber den eigentlichen Grund, warum dies so ist, werde ich euch nächste Woche verraten...

Donnerstag, 12. Februar 2026

Das VAR wieder eines von diesen Wochenenden...

 An dem man alle schlechten VAR Puns bringen muss. Jetzt, wo das abgeklungen ist... müssen wir direkt mit der schlimmsten Aussage von Manuel Baum anfangen, die Sache mal wieder sachlich zu analysieren. Denn auf seiner Pressekonferenz nach dem Spiel zeigt er wieder deutlich, wie krass die an sich gute Idee "Video Assistent Referee" am Scheitern ist. I zitiere von Minute 2 an:

"Ich hab das Gefühl, dass wir die Spieler leider durch das System so sozialisieren, dass man in Situationen mittlerweile reingeht und sich reinfallen lässt."

Bei Minute 7:45 sagt er noch was viel Spannenderes: "Ich find es halt nur Schade, dass ich leider in der Besprechung meinen Spielern jetzt auch sagen muss: Warum fallt ihr denn nicht hin? (...) Das ist ne Cleverness, die wir jetzt bei den Spielern entwickeln müssen, das aber meinem Gedanken von Fußball und Fairness nicht entspricht." 

Bei der gesamten Debatte über den VAR sollten genau diese Zitate jetzt in den Mittelpunkt gerückt werden, aber am Ende zeigt nur Arnd Zeigler sie. Also selbst die Zusammenfassung auf der verlinkten Homepage lässt den entscheidenden Teil weg und man muss sich wirklich das gesamte Video angucken, um zum Kern des Problems zu kommen.

Denn eines muss man nochmal festhalten: Ob ein Spieler theatralisch schreiend fällt, oder ob er trotz des Tritts konsequent den Abschluss sucht, sollte bei der Entscheidung, ob der Tritt ein Foul war, nicht der ausschlaggebende Punkt sein. Wichtig ist, ob der Spieler getroffen wird und nicht ob er fällt. Und der VAR hätte uns die einmalige Chance gegeben, dieses Problem anzugehen. 

Stattdessen verschlimmert der VAR die Tendenz zu Schauspieleinlagen eher, als sie abzumildern. Denn nur wenn man theatralisch fällt, schaltet sich der Keller anscheinend ein. Und wenn man nur theatralisch genug gefallen ist, finden die auch irgendwelche Beweise dafür, dass es ja einen Kontakt gegeben haben muss. Damit gehört eine ordentliche Fallschule weiterhin zur Grundausbildung eines Profis.

Stellt euch einfach mal eine Welt vor, in der jeder Stürmer immer konsequent den Abschluss sucht, auch wenn er gefoult wird, weil er genau weiß, dass der VAR trotzdem eingreifen wird, wenn er am Trikot gezerrt oder am Knöchel getroffen wurde. Das würde den Fußball so viel angenehmer machen und damit könnte man auch die Akzeptanz des VARs erhöhen. Also das letztere ist ein Konjunktiv, weil es immer noch Szenen geben wird, wo die einen behaupten, dass das Ziehen für einen Elfmeterpfiff ausreicht, während andere dieselbe Szene komplett anders einschätzen.

Nebenbei beweist das Desaster Mainz vs Augsburg auch nochmal eins: Wir brauchen dringend Challenges der Trainer. Wenn Baum 2 Mal pro Spiel die Möglichkeit hat, den Schiedsrichter zum Monitor zu bitten, nutzt er diese Gelegenheit genau in diesem Moment. Und es wird innerhalb der nächsten 60 Sekunden eine Möglichkeit geben, das Spiel dafür problemlos zu unterbrechen. Wenn Baum bei seinen beiden Challenges richtig lag, bekommt er eine dritte.

Man muss hier nochmal explizit festhalten, dass Patrick Ittrich am Ende offen zugibt, dass er den Elfmeter zurückgenommen hätte, wenn ihn jemand zum Bildschirm geschickt hätte. Warum der VAR das nicht einfach gemacht hat, ist ein Mysterium. Warum Baum das aber nicht einfach auslösen kann, ist die viel wichtigere Frage. 

Auch das gestern absolvierte Pokalspiel zwischen Bayern und RB liefert ein Textbuchbeispiel für Challenges: Josip Stanisic foult in der 27. Minute recht eindeutig Antonio Nusa. Schiedsrichter Daniel Siebert, so wirkt es zumindest auf mich, als wäre er sich nicht sicher, ob das für einen Elfmeter reicht. Aber der VAR kann das ja überprüfen. Im Nachgang stellt sich aber raus, dass der VAR das eben nicht überprüfen kann, weil das Foul außerhalb des Strafraums war. Ole Werner bekommt dann Gelb, weil er sich völlig zu Recht aufregt.
Wenn Werner die Option gehabt hätte, dass er diese Situation überprüfen lassen will, hätte RB Leipzig zwar nicht den erhofften Elfmeter, aber den berechtigten Freistoß in aussichtsreicher Position bekommen. Und die Situation an der Seitenlinie wäre wesentlich entspannter verlaufen.

Aber im Fußball weigert man sich weiterhin, Challenges einzuführen, auch wenn praktisch alle anderen Sportarten mit VAR dieses System nutzen. Man redet sich ein, dass ein Fußballspiel dafür viel zu selten unterbrochen wird, auch wenn ja die Mannschaft, die die Challenge auslösen will, einfach den Ball ins Aus klären kann... Und vor allem ignoriert dieses Argument, dass es verdammt viele Ruhephasen in einem Spiel gibt. Also entweder, weil die eine Mannschaft den Ball ins Aus kloppt, oder weil die spielerisch gute Mannschaft sich den Gegner mit Ballstafetten zurechtlegt. Aber der Mythos vom fortlaufenden, unterbrechungsfreiem Spiel ist anscheinend wichtiger, als ein gerechterer Sport. Das ist auch wieder bezeichnend. Aber die Trainer fordern ja auch gar keine Challenges mehr, sondern haben so weit resigniert, dass sie ihren Spielern lieber wieder eintrichtern, dass sie doch Elfmeter schinden sollten.

Auch die 2. komplizierte VAR Szene ließe sich einfach regeln. Die war so kompliziert, dass sie sogar Arnd Zeigler verwirrt hat. Dem musste jemand eine SMS schicken, damit er erkennt, dass es um die Frage ging, ob eine neue Spielsituation hergestellt wurde, oder nicht. Dabei geht es um Köln gegen Leipzig. Hier muss man mal grundlegend eines festhalten: Wir brauchen dickere Abseitslinien. Das wäre total einfach zu regeln und würde die Situation zumindest ein wenig entspannen. Denn gerade in diesem Fall waren es ja wirklich nur Millimeter, die der Angreifer im Abseits stand. Es ist total unnötig, die Linien so zu kalibrieren, dass sie ein derartiges Abseits angeblich aufklären.

Und selbst die betroffenen Fans dürften an der Stelle zugeben, dass das nicht im Sinne des Sportes sein kann. Natürlich würde immer noch über Millimeterentscheidungen diskutiert werden, aber es wäre eine ganz andere Gesprächsgrundlage, wenn wir über einen halben Fuß im Abseits reden und nicht über das Leder des Schuhs, das im Abseits stand. Und das wäre total einfach machbar. 5 Zentimeter Spielraum könnte da schon helfen, aber die Fifa will das nicht. Die Premiere League hat diese Toleranz einfach mal eingeführt, die DFL könnte es also auch einfach machen. Aber im Gegensatz zur Premiere League, traut sich die DFL das einfach nicht.

Was aber noch viel wichtiger wäre, ist eine klare Ansage, wann eine neue Spielsituation entsteht und wann nicht. Damit es eindeutige Richtlinien gibt und der Schiedsrichter sich nicht minutenlang den Kopfball von David Raum anguckt, um dann eine schwer nachvollziehbare Entscheidung zu treffen.
Ich hab da ja auch schon beim letzten Mal einen einfachen Vorschlag gemacht: Erste Ballberührung bedeutet keine neue Spielsituation. Jede weitere Berührung der verteidigenden Mannschaft stellt diese her. Wenn Raum also seinen eigenen Spieler anköpfen würde, wäre es danach kein Abseits mehr. Denn dass Raum als Profi seinen eigenen Spieler anköpft, ist praktisch ein technischer Fehler seinerseits.
Das Wichtigste an dieser Regeländerung wäre, dass in 99 % aller Szenen jeder immer sofort wüsste, was Phase ist. Dass man sich als Schiedsrichter nie mit der Frage beschäftigen muss, ob das jetzt gewollt war...
Natürlich würden die Kölner dann jetzt jammern, dass es in diesem Fall zu ihrem Ungunsten geregelt wurde. Und dass sie in 2 Wochen von derselben Regel profitieren, haben sie natürlich nicht auf dem Schirm. Aber wenn man den Fokus etwas weiter einstellen würde, als der gemeine Fußballfan dies kann, würde man dann feststellen, dass vergleichbare Szenen wirklich zu denselben Schiedsrichterentscheidungen führen. Und das ist doch das eigentlich wichtige.

Das ist ja das wirklich frustrierende an der derzeitigen Situation für und um die Schiedsrichter: Die Lösungen wären so einfach: Challenges für die Trainer und eine 5 cm Toleranzzone beim Abseits. Dazu eine einfach und transparente Regelung, wann eine neue Spielsituation entsteht. Diese 3 Dinge würden Wunder für die Akzeptanz des VARs wirken. Sie würden deutlich mehr Konstanz in die Entscheidungen bringen und vor allem die Frage beantworten, wann der VAR denn eingreifen soll, eindeutig und endgültig klären.

Debattiert werden würde hinterher trotzdem immer noch, weil Fußball-Fans halt einfach gerne emotional diskutieren.

Donnerstag, 5. Februar 2026

Noch mehr Gedanken zur Situation bei Werder Bremen

 Dallein schon, damit ich den "Haben die auch Das Bo angerufen?" Witz nicht liegen lassen muss... Türlich, Türlich

Aber es gibt ja schon neue Entwicklungen: Daniel Thioune macht es. Und der ist im Wesentlichen die schlechtere Version von Horst Steffen.

Um den Anstoss 3 Vergleich zu bringen: Steffen hatte in Elversberg das Level Zweite Liga durchgespielt. Er führte die Mannschaft auf Platz 3, was praktisch zum Aufstieg reichen sollte und weit über dem liegt, was Elversberg mit seinen bescheidenen Mitteln erreichen sollte. Und er hatte dort langfristigen Erfolg. Schon die dritte Liga hat er dort durchgespielt. Insgesamt führte er den Verein von der Regionalliga bis beinah in die Bundesliga. Das ist schon beeindruckend.

Daniel Thioune scheiterte am Ende immer wieder an dem Level "2. Liga". Er führte den Hamburger SV ganz souverän auf den vierten Platz und erhielt damit damals deren legendäre "Unaufsteigbar" Serie. Das wurde aber nicht wirklich wertgeschätzt und er musste nach einer Saison wieder gehen. Und er führte Fortuna Düsseldorf auf den Relegationsrang. Also ja, nach meiner Überzeugung müsste auch Thioune ein Aufstiegscoach sein. Man muss aber ganz sachlich festhalten, dass es ein Unterschied ist, ob man Düsseldorf als Traditionsverein mit für die 2. Liga sehr guten Mitteln auf Platz 3 führt, oder eben Elversberg. Auch wenn Vincent Wagner das Werk von Steffen gerade weiterführt und der Erfolg dort also nicht nur auf der Arbeit des Trainers basiert: Steffen hat die beeindruckendere Vorleistung erbracht.

Der wohlwollendste Kommentar zu Thioune war nebenbei: Der hat doch in Düsseldorf einen guten Job gemacht, er hat sich halt nur das Rückspiel in der Relegation gegen Bochum vercoacht... ähm... "Dinge über die Relegation regeln" ist gerade DER Gameplan für Werder. 

Nebenbei hat sich Thioune nirgends wirklich lange gehalten. 2 1/2 Jahre in Düsseldorf das Saisonziel "Aufstieg" verpassen sind da schon das Karrierehighlight. Und ja, Düsseldorf hatte jeweils laut Transfermarkt.de einen der besten Kader der Liga. Trotz HSV, Schalke und Hertha. Im Wesentlichen hatte Thioune 3 Jahre (eine Saison mit dem HSV, 2 volle mit Düsseldorf) die Gelegenheit, sich die Bundesliga "freizuschalten" und er ist jeweils daran gescheitert. Die dritte Saison hat er dann so in den Sand gesetzt, dass Düsseldorf in den Abstiegskampf rutschte und er entlassen wurde.  Wenig deutet darauf hin, dass der unbedingt in die Bundesliga muss.

Oder anders ausgedrückt: Wenn man im Sommer eine Ablöse für Thioune bezahlt hätte, wäre Clemens Fritz mit der Frage "Warum holst du nicht Steffen?" konfrontiert worden. Der ist nicht nur jetzt die Dritte Wahl, sondern er wäre es auch im Sommer gewesen. Was macht jetzt wirklich Hoffnung, dass Thioune mehr aus dieser Mannschaft rausholt, als Steffen?

Klar, ein Dead Coach Bounce kann Wunder bewirken. Kurzfristig kann es einen Aufschwung geben. Aber es wäre schon ein Wunder, wenn Thioune in 2 Jahren immer noch Trainer an der Weser ist. Aber darum geht es ja gar nicht, es geht gerade nur um den Dead Coach Bounce und irgendwie die Klasse zu halten.
Das ist ja der offensichtliche Grund, warum Clemens Fritz jetzt auch gehen sollte. Und ja, genau jetzt, damit man anfangen kann, den Sommer zu planen. Denn wenn man sich als Manager in die Situation manövriert hat, in der man nur noch und ausschließlich in 3 Monats-Zyklen denken kann, dann hat man vorher verdammt viele Fehler gemacht.

Nebenbei hat Arnd Zeigler eine interessante Statistik gezeigt (der relevante Teil kommt bei 9:42): Im Wesentlichen wurde Horst Steffen entlassen, weil er gegen den Hamburger SV verloren hat. Und gegen die Top 8 in der Tabelle. Gegen die eigentliche Konkurrenz ist Steffen ungeschlagen. Und natürlich ist das etwas zu kurz gedacht, denn man hat halt gegen Köln, Augsburg und Gladbach "nur" Unentschieden gespielt. Wenn er eines dieser Spiele gewonnen hätte, wäre er noch im Amt. Und man hat jetzt 2 Spiele gegen Freiburg und Bayern vor der Brust. Vincent Kompany zittert schon, schließlich wartet er seit 2 Spielen auf einen Sieg... Wenn er am Wochenende nicht gewinnt und dann im Pokal ausscheidet, könnte es plötzlich eng für ihn werden. Aber viel wichtiger ist: Ein bisschen mehr Gelassenheit hätte eben nicht geholfen, weil noch 2 Niederlagen im Programm stehen, bevor es planmäßig wieder besser wird.

Aber im Wesentlichen hat Fritz da einen Kader gebastelt, der mit der Top 8 der Liga nicht mithalten kann. Dann gab es eine ungünstige Konstellation, in der Werder in 9 von 12 Spielen gegen die Top 8 antreten musste. Und die Spiele gegen St. Pauli, Heidenheim, Union Berlin und Mainz bekommt dann ein anderer Trainer. In der Hinrunde holte man gegen diese Gegner unter Steffen 11 Punkte. Wenn man die in der Rückrunde auch holt, hat man 30 Punkte, was letztes Jahr für den direkten Klassenerhalt gereicht hätte. 
Vor allem muss Thioune erstmal mehr als diese 11 Punkte holen. 

Aber die Eigenheiten des Spielplans sind hier echt faszinierend. Denn wenn man die Spiele gegen die Europacup-Teilnehmer aus dem Breisgau und Bayern hinter sich hat, wird der Spielplan dramatisch einfacher. Von den dann folgenden 8 Gegnern kommt nur RB Leipzig aus der oberen Tabellenhälfte. Bevor es dann zum "Finale" mit Stuttgart, Hoffenheim und Dortmund in 3 von 4 Spielen wieder knüppeldick kommt. 
Dass der Spielplan so in "Wir spielen erst gegen die Deppen, dann gegen die Guten" geteilt wurde, ist schon ungewöhnlich. Und am Ende ist Steffen auch genau darüber gestolpert.

Bei einem kompetenteren Manager würde ich davon ausgehen, dass er diese Eigenheiten des Spielplanes im Blick hat. Aber hätte dieser kompetentere Manager dann Thioune den Bayern zum Fraß vorgeworfen? Wahrscheinlich hätte ein besserer Manager sich eher darum gekümmert, dass der Trainer, der nach dem Bayern Spiel auf der Bank sitzt, einen vernünftigen Kader zur Verfügung hat... Apropos:

Wenn man den Fokus dann etwas weiter stellt, zeigt die direkte Konkurrenz, wie es "richtig" geht. Mainz reagiert auf die Fehler im Sommer und die allgemein schwierige Lage mit der Verletzung von Benedict Hollerbach. Wobei der Begriff "Fehler" hier immer noch schwierig ist, weil einen Ersatz für Jonny Burkhardt zu finden eine dieser unlösbaren Aufgaben für die Mainzer ist. 

5 Millionen nahm man in der Summe in die Hand. Es wurde mit Philip Tietz ein Stürmer geholt, der in den letzten 2 Bundesliga-Jahren 15 Tore geschossen hat. Also mehr Tore als all die Mittelstürmer in Bremen zusammen... in ihrer gesamten Karriere. Man hat die persönlichen Kontakte des Trainers zu Sheraldo Becker genutzt. Man hat einen erfahrenen Innenverteidiger günstig ausgeliehen. Und man hat sich mit Silas ein günstiges Rehabilitationsprojekt geholt.

Abgesehen von Becker sind das alles Transfer, die auch Werder hätte tätigen können. Und nur auf den Außenbahnen ist Werder so gut aufgestellt, dass sie Silas nicht brauchen. All die anderen Spieler hätten auch Werder gut zu Gesicht gestanden. Aber Fritz war ja schwer damit beschäftigt, den Fehler mit Horst Steffen zu reparieren. Also den Fehler des Zeitpunkts der Entlassung.

Wie ich gestern schon ausgeführt habe: Horst Steffen ist nicht das Problem an der Weser. Je intensiver man sich mit der Situation beschäftigt, umso deutlicher wird das. 

Dienstag, 3. Februar 2026

Horst Steffen ist nicht das Problem

 Und das wird gerade deutlich.

Mein eigentliches Highlight der Samstags-Sportschau war ja die Feststellung, dass man den Trainer ja jede Woche entlassen kann. Für Clemens Fritz, der anscheinend dachte, dass das nur nach Spielen gegen Werder Bremen geht, war dies anscheinend eine wichtige Neuigkeit. Dabei versuchte er seit Wochen den Trainer davon zu überzeugen, ein Testspiel gegen die eigene 2. Mannschaft auszutragen. Oder ein Spiel gegen die Damenmannschaft. Hauptsache gegen Werder.

Nachdem er dann die neue Information verarbeitet hat, entließ er Horst Steffen einfach so. Und ja, der negative Trend von 10 Ligaspielen ohne Sieg gibt ihm die Grundlage für so eine Entscheidung. Der Aufschwung in Mainz gibt ihm die Notwendigkeit. Und die Erkenntnis, dass ein Dead Coach Bounce wirklich helfen kann.

Nur entscheidet sich Fritz für den dümmstmöglichen Zeitpunkt: Direkt nach der Winterpause und kurz vor dem Ende des Transferfensters. Eigentlich sollte Fritz jetzt alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den doch recht bescheidenen Kader aufzubessern. Denn es ist ja keine ganz große Überraschung, dass Werder steht, wo sie stehen.

Also ganz offensichtlich: Die 3 fitten Mittelstürmer Keke Top, Jovan Milosevic und Salim Musah sind im Schnitt 20 Jahre alt. Sie kommen zusammen auf 4 Bundesligatore... für die gesamte Karriere. Dafür haben sie ein relatives Überangebot an Flügelstürmern, die aber alle nicht wirklich torgefährlich sind. Das ist ja auch logisch, schließlich würden sie nicht in Bremen spielen, wenn sie komplette Fußballer wären. 

Und ja, Fritz ist im Sommer das Risiko mit Victor Boniface eingegangen und das hat nicht funktioniert. Das war wahrscheinlich auch die einzige Option, die er hatte. In logischer Konsequenz sollte die gesamte Energie und jeder vorhandene Cent in einen Stürmer gesteckt werden.

Das wäre auch machbar, wenn Fritz wenigstens eine Interimslösung parat hätte. Aber trotz des seit Monaten andauernden Niedergangs ist anscheinend "Die Co-Trainer von Steffen übernehmen, während ich panisch verhandle" die einzige Option.

Dann stellt er als nächstes fest, dass Mainz relativ wenig Interesse daran hat, einen direkten Konkurrenten zu stärken und ihnen günstig Bo Henriksen zu überlassen. Das konnte man ja nicht ahnen. Und als Nächstes guckt sich Bo Svennson die Lage an der Weser an und sagt dankend ab. Das kann ich ihm jetzt schlecht verübeln, aber dass das alle wissen, ist schon schlecht.

Denn jetzt weiß jeder Trainer, der dieses sinkende Schiff übernimmt, dass er keinen brauchbaren Stürmer mehr verpflichten kann und das er nur die 3. Wahl ist. Wie kann man als Manager so kopflos agieren?

Der Retter könnte jetzt Dieter Hecking werden... weil er das ja in Bochum letztes Jahr so gut hinbekommen hat. Da würde Peter Neururer mehr Schwung reinbringen. Und die innovativere Lösung wäre es auch.

Hier zeigt sich aber das Grundproblem von Werder: Man sucht auch nach 14 Jahren noch nach einem Nachfolger für Klaus Allofs. Der war gemeinsam mit Thomas Schaaf das Gesicht der letzten erfolgreichen Epoche. Und Werder hat halt die Angewohnheit, irgendwelche verdienten Ex-Profis in die Rolle des Managers zu schieben. Clemens Fritz ist ja nur in dieser Position, weil irgendwann allen aufgefallen ist, dass Frank Baumann nicht die Lösung sein kann. Und obwohl Fritz mit Baumann Hand in Hand den Niedergang moderiert hat, wurde er trotzdem in den Chefsessel befördert. Der war ja schon immer da, da kann es an ihm nicht gelegen haben.

Jetzt haben wir die erste echte Krise seit der letzten Beförderung im Sommer 2024 und Fritz ist einfach nur überfordert. Aber weil sonst niemand helfen kann, muss er jetzt das Ruder rumreißen und irgendwie einen Trainer finden, der zumindest die Saison halbwegs vernünftig zu Ende bringt. In der naiven Hoffnung, dass dann im Sommer alles irgendwie besser wird.

Die einzige gute Nachricht. Man muss ja nur Heidenheim und St. Pauli hinter sich lassen, das werden sie schon irgendwie schaffen. 

Donnerstag, 29. Januar 2026

Das war absoluter Wahnsinn

 Selbst die oberflächliche Variante reicht schon, um als Legende in die Geschichte einzugehen: Torwart Anatoliy Trubin köpft seine Mannschaft in der 98. Minute in die Zwischenrunde. Benfica Lissabon brauchte das 4:2, um aufgrund des Torverhältnisses an Olympique Marseille vorbeizuziehen. Aber das erzählt ja nicht mal die Hälfte der Geschichte. 

Denn es war auch José Mourinho gegen einen seiner Ex-Vereine Real Madrid. Und die Geschichte wird immer spannender, wenn man Mourinho und seine Ex ins Spiel bringt. Aber der Portugiese war kurz davor, das größte Ei in seiner Trainerkarriere zu legen.

Denn Benfica spielte in der Schlussphase auf Zeit. Der spätere Torschütze macht das bei einer sehr entspannten Parade deutlich. Mourinho nahm den zweifachen Torschützen Andreas Schjerlderup vom Platz, damit der sich seinen Applaus abholen kann... und um an der Uhr zu drehen. Sehr zum Entsetzen der Fans, denn die wussten ja, was Phase ist.
Mourinho, der sonst immer auf jedes Detail achtet, hatte offenbar niemanden in seinem Stab, der ihm eine Blitztabelle reichen konnte oder wollte. Erst in allerletzter Sekunde, als der Freistoß gepfiffen wurde, fiel es ihm auf und er schickte Trubin nach vorne. Am Ende werden alle nur Mou's magische Aura in Erinnerung behalten und nicht sein episches Verkacken in den Minuten davor.

Auf der anderen Seite war es Real anscheinend bewusst, dass ihnen diese Niederlage wehtun wird. Denn einerseits gingen die auf den Ausgleich. Aber vor allem flogen Raul Asencio und Rodrygo vom Platz. Bei Asencio konnte man noch von einem taktischen Foul reden, was bei Real im Spiel hält. Rodrygo brannten einfach nur die Sicherungen durch und er sah innerhalb von Sekunden Gelb und Gelb-Rot fürs Meckern. Irgendwo sitzt Xabi Alonso und denkt sich: Zum Glück muss ich mir das nicht mehr antun.

Absurderweise ist diese Mannschaft gleichzeitig untrainierbar und geht auf historische Torjagd. Also die 13 Tore in 7 Spielen von Kylian Mbappé lassen selbst Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi alt aussehen. Und jetzt hat Mbappé ja 2 zusätzliche Spiele, um die Statistik weiter auszubauen. Im Idealfall geht es direkt wieder gegen Benfica... weil es so schön war. 

Und vor allem, weil die andere Option ein Besuch nördlich des Polarkreises ist. Denn den größten Arschloch-Move brachte Diego Simeone. Der dachte sich anscheinend: Wenn ich schon nicht die Zwischenrunde überspringen kann, dann sorge ich dafür, dass ihr nach Bodö/Glimt reisen müsst. Im Februar. Und im Idealfall trifft es Simeones Erzfeind. Falls es jemals einen Trainer gab, der kein Problem mit der Teilnahme an der Zwischenrunde hat, weil er Real damit richtig einen reindrückt, dann ist es Simeone.

Nebenbei kam es zu dem hier gestern angekündigten Unentschieden zwischen Paris und Newcastle. Was dazu führt, dass beide verloren haben. Wenn euch irgendjemand einreden will, dass diese neue Gruppenphase schlecht ist, verweist ihn einfach nur darauf, dass diese beiden Mannschaften dank eines Unentschieden beide verloren haben. Im "alten System" wären sie wohl als Erster und Zweiter in ihrer Gruppe weitergekommen und niemand würde sich wirklich an dem Ergebnis stören. So tut es beiden richtig weh.

Für die Bundesliga könnte es jetzt nebenbei zu einem Worst-Case-Szenario kommen. Denn die aktuellen Lostöpfe sehen so aus, dass Bayer gegen Dortmund mit einer 50 %igen Wahrscheinlichkeit in der Zwischenrunde aufeinandertreffen. Und dann gibt es wiederum eine 50 %ige Wahrscheinlichkeit, dass der Sieger dieses Duells auf die Bayern trifft. Mich persönlich würde es ja interessieren, ob dieser Ausgang dazu führen würde, dass die UEFA doch wieder Beschränkungen für "nationale Duelle" einführt. Aber mittlerweile wird ja nur noch so wenig gelost, dass man da kaum noch Spielraum hätte. Also wenn Eintracht Frankfurt auch noch vernünftig mitgespielt hätte und in der entsprechenden Region gelandet wäre, hätte es ja gar keine Ausweichmöglichkeiten gegeben. Und dass die 3 "anderen deutschen Mannschaften" zwischen Platz 20 und 14 landen, halte ich jetzt nicht für so unwahrscheinlich, das ist irgendwo genau deren Leistungsrahmen...

Die erwartbaren Leistungen nicht erbracht haben Villareal und Neapel. Die Spanier trennt nur das bessere Torverhältnis vom letzten Platz. Der italienische Meister verspielte all seine Chancen formell gesehen gegen Chelsea London. Bei genauerer Betrachtung war es aber eher das Unentschieden gegen Kopenhagen, dass ihnen das Genick brach. Oder das 0:0 gegen Eintracht Frankfurt. Denn wer gegen diese Frankfurter kein Tor erzielt, hat in der K.O. Phase nichts verloren. Aber ein Unentschieden in Überzahl gegen Kopenhagen ist auch unentschuldbar.

Das beweist aber auch nur, dass wirklich jedes Spiel in dieser Gruppenphase am Ende relevant ist. Man kann es sich einfach nicht leisten, einen Gang runterzuschalten und einen Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen. Denn wenn man dann den Sieg verpasst, kann einem das mehrere Millionen Euro kosten.

Außer man arbeitet entsprechend vor und gewinnt 6 seiner ersten 7 Spiele. Dann kann man schon ganz ruhig auf seinen Ersatztorwart gegen PSV setzen.
Nebenbei muss man hier nochmal besondere Bonuspunkte an die Bayern geben. Beziehungsweise an deren Zeugwart. Oder wer auch immer entscheidet, welches Outfit man am Spieltag trägt. Denn die Bayern dachten sich, ihr bester Beitrag zu einer 18 Spiele Konferenz wäre ein alternatives Jersey. Die Kombination von roter Hose und schwarzen Trikot hab ich so jedenfalls noch nicht von denen gesehen. Das wirkte ein wenig, als hätten beide Mannschaften unabsichtlich die Hosen getauscht.
Vor allem verwirrte es die Konferenz-Gucker nochmal. Denn wenn dann mal die Bayern dran waren, musste man sich erstmal umgucken und herausfinden, in welchen Hosen die denn jetzt spielen. 
Grund ist aber ganz sachlich gesehen die ungewöhnliche Farbkombination von PSV Eindhoven, von der sich die Bayern irgendwie abgrenzen müssen. Schade eigentlich... ich hätte "Wir wollten die Leute in der Konferenz verwirren" mehr gefeiert...