Donnerstag, 20. August 2026

Im Westen nichts Neues: Teil 4 El Mala und Asllani als Sympthom für das Problem

RB Leipzigs Reaktion auf Borussia Dortmunds "Said El Mala ist uns zu teuer" ist schon wirklich passend für diese Serie. Das einzige, was jetzt noch fehlt, ist ja ein Angebot von Dortmund für Fisnik Asllani, nachdem ein Medizincheck dessen Wechsel nach Leipzig verhindert hat. Frei nach dem Motto: Wenn ihr den nicht wollt, wir nehmen den gerne.

Dabei ist es aus meiner Sicht wirklich eher Wahnsinn, dass die überhaupt wechsel wollen. Also lasst uns mal die beiden Personalien von außen betrachten:

Fisnik Asllani wurde 2023 und 2024 als "noch zu leicht für die Bundesliga" eingeschätzt. Und das nicht von irgendeiner Pseudo-Talentschmiede, sondern in Hoffenheim, wo ja doch regelmäßig Spieler aus der Jugend den Durchbruch bei den Profis schafften. Aber nach 10 Kurzeinsätzen in 2 Jahren entschied man sich, dass es besser wäre Spielpraxis in Wien und Elversberg zu sammeln. Das hat Asslani ja auch definitiv nicht geschadet. Er wurde als Stammspieler eingeplant und schwang sich zum Leistungsträger auf. Also im Kicker Sonderheft des letzten Jahres, welches ich jetzt als "guckt mal, es war doch richtig, das nicht in den Papiermüll zu werfen" Moment zücke, steht der Satz, dass Asllani und Muhammed Damar "sich nach erfolgreichen Leihen nach Elversberg nun auch in der Bundesliga beweisen sollen." Damar ist dies nicht gelungen, weshalb er jetzt den Schritt zurück in die 2. Liga gegangen ist. Asllani hat diesen Sprung aber definitiv geschafft. 31 Einsätze in der Startelf sind für eine erste richtige Bundesligasaison schon eine Ansage. 19 Scorerpunkte sind schon richtig stark. Er ist jetzt bereit für den nächsten Entwicklungsschritt.

Said El Mala kam nebenbei im Fließtext des Sonderheftes gar nicht vor. Er wird nicht als der große Hoffnungsträger gehyped, sondern nur in der "So könnten sie spielen" Elf als Ersatz von Jakub Kaminski geführt. Das war seine geplante Rolle: Als Einwechselspieler für viel Wirbel sorgen. In dieser Rolle hat er herausragend funktioniert. So gut, dass einige ihn mit zur WM nehmen wollten. 
Aber hier muss man auch mal eines festhalten: Vorletzte Saison hat El Mala noch in der dritten Liga gespielt. Er hat zwar für einen 19-Jährigen viel gespielt, aber er hat auch noch ganz klare Defizite. Auch wenn Lukas Kwasniok dafür von den Fans kritisiert wurde, so gab es ja doch Gründe, weshalb El Mala oft nur als Joker kam. Nur in 16 seiner 34 Einsätzen stand El Mala in der Startformation. Nur 3 Mal durfte er durchspielen. Nur 8 Mal spielte er mehr als 80 Minuten. Auf der anderen Seite stehen 7 unbenotete Kurzeinsätze. 
Und ja, auch El Mala hat die Rolle als Joker durchgespielt und ist bereit für größere Aufgaben und den nächsten Entwicklungsschritt.

Aber hier kommt das für mich völlig absurde: Beide müssen nicht wechseln, sondern können diesen Schritt doch einfach bei ihren derzeitigen Vereinen gehen. Hoffenheim hat sich doch für die Europa League qualifiziert. Nachdem Asllani also gezeigt hat, dass er Stammspieler in der Bundesliga kann, kann er nachweisen, dass er auch in der Rolle als Stammspieler mit der Zusatzbelastung Europacup klarkommt. Und nach einer weiteren starken Bundesligasaison mit dem einen oder anderen internationalem Highlight werden auch andere Vereine vom Kaliber RB Leipzig bei ihm vorstellig werden. Nur dass er dann ein Jahr reifer und weiter ist.

El Mala kannt im bekannten Umfeld und mit garantierten Minuten zum Stammspieler reifen. Er kann dabei buchstäblich in seinem familiären Umfeld bleiben. Nur um mal festzuhalten, wie viel Mühe sich der 1. FC Köln bei dieser Personalie gibt: Die haben sogar seinen älteren Bruder verpflichtet, obwohl der nur 3 Drittligatore für Fortuna Köln erzielt hat. Der ist eher ein Ergänzungsspieler für die Regionalligamannschaft als eine ernsthafte Alternative für die Bundesliga. Und er ist älter als Said. Den hat mal hauptsächlich geholt, damit sein kleiner Bruder sich wohlfühlt. Dieser kleinere Bruder dann so: Ok, war nett, ich ziehe dann weiter... nach nur einer Saison.

Und dieses "Wir ziehen dann nach nur einer Saison weiter" vereint beide Spieler: Nach der ersten starken Saison wollen sie sofort mindestens einen Entwicklungsschritt überspringen und direkt die Champions League Hymne hören. Natürlich kann das gut gehen. Vielleicht sind beide gut genug, dass sie diesen Schritt gehen können, aber es gibt genügend Schlaudraffs die zu früh zu viele Entwicklungsschritte überspringen wollten und daran gescheitert sind.

Nebenbei muss man hier auch festhalten: Asllani und El Mala sind gemachte Leute. Solange nichts ganz Krasses passiert und sie ihre Karriere über Nacht beenden müssen, werden sie mehrere Millionen verdienen. Aber selbst ein realistisches Worst-Case-Szenario mit stockender Entwicklung und einigen Verletzungen endet dann als "Stammspieler in Gladbach oder Hamburg" und damit als Multi-Millionär. Und wenn sie nicht ganz schlecht beraten sind, werden sie von diesen Millionen den Rest ihres Lebens gut leben können... und ihren Kindern einen ordentlichen Vorschuss geben. Die Zeiten, wo man als Kicker die eine Chance ergreifen und zu den Dortmundern wechseln musste, um sich finanziell abzusichern, sind doch vorbei. Schon allein deswegen habe ich so gar kein Mitleid, wenn Köln El Mala jetzt die Freigabe verwehrt und er für angebliche 750.000 Euro Grundgehalt noch ein Jahr lang da bleiben muss.

Aber gucken wir uns mal die Perspektive der Dortmunder und Leipziger an. Hilft denen denn so ein Wechsel irgendwie weiter? Also ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster: Ob diese beiden Mannschaften die Champions League erreichen, wird nicht an einem El Mala Transfer hängen. RB Leipzig hat 5 Außenspieler in seiner Reihen, die höchstens 23 Jahre alt sind. Ob jetzt El Mala oder einer von denen den nächsten Entwicklungsschritt nimmt, ist egal. Und Dortmund hat auch schon genügend hoch spannende Talente in ihren Reihen. Die entscheidende Frage bei beiden ist eher, ob die Veteranen für genügend Stabilität sorgen können, damit sich diese Talente entfalten können.

Vor allem würde El Mala quasi zwangsweise die Entwicklung eines dieser Talente behindern. Es gibt halt nur begrenzte Minuten, die man den Talenten zuschieben kann. Was dann auch nur bedeutet, dass Mathis Albert oder Viggo Gebel irgendwann abgegeben wird... denn wer braucht schon echte Eigengewächse, wenn er El Mala verpflichten kann.

Jetzt gehen wir aber mal vom Best-Case-Szenario aus: El Mala gelingt der Durchbruch und er liefert 25 Scorerpunkte in einer Saison in der Bundesliga. Dazu kommen noch so 4 Tore und 3 Vorlagen in der Champions League. Ob das nun 2026 oder 2028 passiert ist dabei dann relativ egal. Effektiv führen diese 25 Scorerpunkte doch nur, dass der eine der beiden Buhlern vor dem anderen landet. Und vielleicht nur 8 und nicht 20 Punkte hinter den Bayern liegt. Einen wirklichen Unterschied im Rennen um die Meisterschaft wird das nicht machen... aber hey, im Jahr danach dann vielleicht.

Nur klopft dann halt Newcastle United an. Oder Paris St. Germain. Oder Barca. Oder irgendein anderer der wirklich Reichen. Glaubt irgendjemand in Leipzig ernsthaft daran, dass El Mala denen dann absagen würde? Der 1. FC Köln hat frühzeitig auf ihn gesetzt. Sie haben ihn bereits als 17-Jährigen verpflichtet und noch ein Jahr in der 3. Liga bei Viktoria Köln geparkt. Die hatten den also lange vor der Konkurrenz auf dem Schirm. Und wie bereits erwähnt, haben sie sogar in seinen Bruder investiert. Auch wenn El Mala kein gebürtiger Kölner ist, so ist er doch in der Stadt groß geworden. Trotzdem sagt er nach nur einem Jahr und bei der erst besten Gelegenheit "Oh, guckt mal, da drüben gibt es 5 Millionen mehr zu verdienen." Ich meine natürlich "da kann ich jetzt schon Champions League spielen." Und der soll dann den Lockrufen der Überreichen widerstehen? Das wird ganz bestimmt passieren.

Das soll jetzt keine über romantische "Die Spieler müssen bei ihren Heimatvereinen bleiben" Verklärung sein. Dass El Mala und Asllani irgendwann wechseln werden, ist ja ein logische und für sie auch notwendige Konsequenz. Ich sage ja nur, dass sie dies nicht überstürzt machen sollten.
Gleichzeitig gibt es ja durchaus auch Mannschaften, die von kurzfristigen Liasionen als "Zwischenstation" profitieren. So absurd das klingen mag: Es wäre was anderes, wenn Eintracht Frankfurt sich um El Mala bemühen würde. Die haben bewiesen, dass sie ihre Ziele mit "quasi Leihstürmern" wie Randal Kolo MuaniOmar Marmoush und Hugo Ekitiké erreichen können. Und dass sowohl Spieler als auch Verein von diesen kurzfristigen Verbindungen profitieren können. Aber Frankfurt will halt auch nur die Teilnahme am internationalen Geschäft sichern. Sie wollen im Idealfall in die Champions League. Auf diesem Level kann ein El Mala oder ein Asllani dann auch den Unterschied ausmachen. Asllani hat es ja gerade quasi bewiesen.

Dortmund und Leipzig wollen aber die Bayern angreifen. Sie wollen irgendwann mal (wieder) Meister werden. Oder sie wollen wenigstens dafür sorgen, dass die Meisterschaft nicht schon vorm Ende des Merz entschieden ist...  Dafür brauchen sie aber Spieler, die gewillt sind, nicht ein oder 2 Jahre, sondern 3 bis 4 Jahre im Verein zu bleiben. Wenn sie aber Spieler, die nach nur einem Jahr zu ihnen wechseln wollen, dann auch holen, ist quasi ausgeschlossen, dass sie solche Spieler finden.

Ich verwende hier mal ein mittlerweile historisches Beispiel, welches die Problematik wunderbar offenbart. In Dortmund waren sie damals alle geschockt, als Ousmane Dembélé seinen Abgang nach Barcelona mit einem Streik erzwang. Es war ja nicht abzusehen, dass der zu solchen drastischen Mittel greifen würde. Dabei forcierte Dembélé nur 12 Monate vorher seinen Wechsel nach Dortmund auch schon auf genau diesem Weg. Aber seit 2017 glaubt Dortmund jedes Jahr fest daran, dass sie dieses Mal das eine Talent gefunden haben, welches sie nicht sofort verlassen wird... Und die Medien stimmen auch noch fröhlich in diesen Chor mit ein.

Für mich wären sowohl Asllani als auch El Mala interessante Spieler für Dortmund oder Leipzig, wenn sie diese Saison mit voller Überzeugung bei ihren Vereinen bleiben würden. Wenn sie jegliche Avancen mit einem "Ich halte es für das Beste, jetzt noch mindestens eine Saison in meinem derzeitigen Umfeld zu bleiben und hier ein besserer Spieler zu werden." abblocken. Damit würden sie nämlich auch den interessierten Vereinen verdeutlichen, dass sie nicht vor haben, bei erstbester Gelegenheit sofort weiterzuziehen.

Natürlich kann man für das eine oder andere Ausnahmetalent eine... nun ja... Ausnahme machen. Wenn man einen Erling Haaland verpflichten kann, sollte man dies definitiv tun. Aber seine gesamte Strategie daran auszurichten, hauptsächlich solche Spieler zu verpflichten, kann dich nicht zum Meister machen. Nebenbei ruiniert es deine eigene, echte Jugendarbeit, wenn du deinen Talenten ständig solche Diamanten vor die Nase setzt. Das führt dann dazu, dass du kaum Spieler hast, die sich wirklich mit deinem Verein und deinen Zielen identifizieren. Stattdessen hast du nur Spieler, die den Durchbrich gerade schaffen, auf den Durchbruch warten... oder den wirklichen Durchbruch verpasst haben und deswegen dann deine Führungsspieler sein müssen. Der Rest des Kaders wird mit Spielern aufgefüllt, die nicht gut genug für die Bayern waren und die sie deswegen zu dir ziehen ließen...

Dann wundern die sich, dass sie den Abstand zu den Bayern nicht verkleinern können. Dabei trägt ihre eigene Transferpolitik mindestens genauso dazu bei, wie die wirtschaftliche Schere zu den Bayern.

Mittwoch, 19. August 2026

Im Westen nicht Neues, jetzt auch mit Osterweiterung: Teil 3: RB Leipzigs Jugendabteilung ist genau so Scheiße

 Eines meiner persönlichen Lieblingsargumente Pro RB Leipzig in den Anfangsjahren war ja: Das wird dem Fußball in der Stadt auch in der Breite guttun. Es wurde in den Anfangsjahren wirklich investiert. Und man hatte als junger und talentierter Spieler plötzlich die Möglichkeit, in der Heimat zu bleiben, anstatt in ein Internat im Westen zu ziehen. Heute muss ich zugeben: Da lag ich krass daneben.

Ich hab das immer an der Person Rene Adler festgemacht. Der musste mit 15 Jahren bei Rüdiger Vollborn im Dachboden einziehen. Das wurde als voll romantische Geschichte verkauft. Dabei war es auch der bitteren Wahrheit geschuldet, dass es im Umkreis von 200 km einfach kein einziges Nachwuchsleistungszentrum gab. Ok, die gab es damals allgemein noch nicht wirklich, deswegen musste Adler ja bei Familie Vollborn einziehen. Es gab aber auch einfach keine Mannschaft, die auf gehobenen Niveau gespielt hat. Also Dynamo Dresden ist damals bis in die Viertklassigkeit abgestürzt. Es sollte noch Jahre dauern, bis die sich zumindest im Profifußball stabilisierten. Das ist nicht der Verein, zu dem du deinen Sohn schickst, wenn der das Potenzial für die Bundesliga hat.

Aber dann kam ja RB und baute eines der modernsten NLZs des Landes. Und klar, es fehlen die ganz großen Erfolge, aber in den letzten beiden Jahren zog man ins Achtel- und Viertelfinale um die Deutsche Juniorenmeisterschaft ein.  

Und RB Leipzig ist jetzt ja kein ganz neues Konstrukt mehr. Die haben 10 Jahre Bundesliga auf dem Buckel. Da kann man ja so langsam mal auf die Vereinsgeschichte gucken und sich fragen, wie viele Eigengewächse den Sprung geschafft haben.

Die erschütternde Antwort lautet: kein einziger. Also ja, man hat mit Viggo Gebel und Benno Kaltefleiter tatsächlich 2 gebürtige Leipziger im Kader. Die kommen zusammen auf 350.000 Euro als Marktwert und 13 Bundesligaminuten. Das sind jetzt nicht unbedingt die Hypezig Leute...

Nebenbei ist Adler der letzte Leipziger Nationalspieler. Und Michael Ballack der letzte Sachse. Das liegt natürlich nicht nur an RB, aber sie machen die Sache nicht besser.

Also hier mal ein paar Beispiele für die sächsische Talentschmiede: Fabrice Hartmann wurde an verschiedenste Vereine verliehen und landete dann im letzten Sommer in Halle. Wir Leipziger würden da sagen "He went to Hell... and never came back." Der Junge hat nebenbei 25 U-Länderspiele absolviert... Und eine Minute in der Europa League. Für Europa reicht's... 
Lars Sidney Raebinger kam mit 10 Jahren zu RB. Mit 18 zog er für eine lächerlich kleine Ablöse zu Greuther Fürth weiter. Jetzt spielt er immerhin in der 2. Liga... was ihn zum besten Eigengewächs aus der Region werden lässt. Da reichen aber auch schon die 3 Minuten Bundesliga, die er im Lebenslauf hat.
Joshua Wosz hat Halle mittlerweile hinter sich gelassen und spielt dafür bei BFC Preussen... in Berlin. Der Leipziger in mir merkt an, dass das ein noch schlimmeres Schicksal ist, als nach Halle zu ziehen... Vor allem ist es auch nur Regionalliga. 
Ben Klefisch kommt zwar nicht aus Sachsen, sondern aus Leverkusen... aber ich erwähne ihn hier, weil er mit 23 in der Regionalliga West gelandet ist. . Erkennt ihr ein gewisses Muster?

Als ich vor 10 Jahren sagte, dass RB Leipzig dem Fußball in der Breite guttun würde, dachte ich nicht daran, dass sie primär Spieler für die Regionalliga Nordost ausbilden werden... aber so sieht es derzeit aus. 

Und falls ihr denkt, dass ich irgendwie übertreibe oder wichtige Namen weglasse... hier ist ein Artikel von RBLive, in dem die "Erfolge" der eigenen Talentschmiede vom Haus und Hof Magazin "gefeiert" werden. Die Highlights sind Ermedin Demirović und Jeff Chabot. Das war vor über 10 Jahren. Dafür erwähnt man, dass Sidney Raebiger als "Jahrhunderttalent" angekündigt wurde...

Auch nach 10 Jahren Bundesliga muss man jedem Leipziger Talent, dass Potenzial andeutet, nur einen gut gemeinten Hinweis geben: "Lauft, ihr Narren!" Sucht euch einen anderen Verein, der euch wirklich dabei hilft, das angedeutete Potenzial auszuschöpfen. Denn in Leipzig werden Talente halt nur gefördert, wenn sie mindestens 10 Millionen Euro Ablöse gekostet haben. 

Und damit steckt man natürlich in derselben Falle wie Borussia Dortmund. Denn diese Talente haben betrachten RB nur als Zwischenstation. So Yan Diomande nach nur einem Jahr schon wieder weg. 100 Millionen Euro Gewinn auf dem Transfermarkt sind nett, aber sie helfen dir halt nicht dabei, irgendwelche Titel zu holen... vor allem, wenn man das Geld dann in Said El Mala steckt. Und ja, zu dem komme ich morgen, versprochen.

RBs Kader ist voll mit Diomandes. Loïs Openda, Xavi Simons, Benjamin Sesko, Dani Olmo, Joško Gvardiol und Dominik Szoboslai waren schon geile Spieler, denen man gerne zugeschaut hat. Dani Olmo ist der einzige auf dieser Liste, der mehr als 2 Jahre oder 100 Bundesligaspiele bei RB verbracht hat. Der Rest brauchte eine Saison zum Ankommen. Dann startet der Spieler durch und ist sofort wieder weg.

Um wirklich den Bayern auf die Pelle zu rücken und um die Meisterschaft mitzuspielen, muss man es schaffen, diese Spieler für 3 oder 4 Jahre zu halten. Aber die Spieler haben ja gar kein Interesse daran, irgendwelche Titel mit RB zu holen, die wollen nur für die ganz großen Vereine empfehlen. Die Titel werden sie da schon holen. 

Ähnlich wie in Dortmund ist das natürlich jammern auf gehobenen Niveau. Diese Transferpolitik ermöglicht es ihnen, quasi jedes Jahr in der Champions League zu spielen. Und nebenbei erwirtschaftet man ein Transferplus von 125 Millionen Euro. Aber auch hier gilt: Diese Transferpolitik verdeutlicht, dass man sich mit Platz 2 zufriedengibt und die Bayern nie wirklich angreifen wird.

Die Gute Nachricht: RB scheint das auch bemerkt zu haben. Sie haben sich mit David Wagner einen neuen Leiter fürs NLZ gegönnt. Der hat einen Experten aus Wales verpflichtet und will weg von den täglichen Ergebissen... Eine gute Jugendarbeit macht man laut Wagner dann, wenn Leute aus dem NLZ über 100 Spiele für die erste Mannschaft absolvieren. Genau das sollte eigentlich der Ansatz sein.
Wagner hat nebenbei auch als Erstes den Vertrag des nur auf den ersten Blick erfolgreichen U-19 Trainer auslaufen lassen... zum Missfallen der eigenen Fanszene. Nur um zu verdeutlichen, dass man sich der Probleme bewusst annimmt. Aber bis das wirklich Früchte trägt, dürften die Bayern noch 5 Meisterschaften einfahren...

Donnerstag, 13. August 2026

Im Westen nichts Neues... jetzt auch mit Osterweiterung, Teil 2: Die Dortmunder Talentschmiede

 Sie haben es schon wieder gemacht. Das können sie halt besser, als jeder andere Verein. Mit Kaua Prates, Justin Lerma, Konstaninos Karetas und Samuele Inácio hat man 4 extrem spannende Talente gefunden, alle noch 18 Jahre alt sind. Und die zusammen ein Jahr in der Dortmunder Jugend verbracht haben. Also zusammengerechnet, nicht gemeinsam. Dazu kommt noch der 19-jährige Joane Gadou.

Da ist bestimmt der nächste Erling Haaland dabei. Die Chancen stehen gut. Sollte aber auch, schließlich hat man insgesamt 60 Millionen an Ablöse bezahlt. Da kann nicht nur der nächste Julien Duranville dabei sein... also das kann sich Dortmund an der Stelle einfach nicht leisten.

Wisst ihr, wer aber nicht mehr im Kader steht? Kjell Wätjen. Also der Spieler, der alleine mehr Tore für die Dortmunder Jugendteams erzielt hat, als die jetzt gehypten Talente zusammen. Was natürlich nicht so schwer ist, da die ja alle nicht in der Jugend gespielt haben. Wätjen kommt auf 15 Bundesliga-Minuten. Und er wechselt nach einer Saison in der 2. Liga nach Dänemark.
Oder Algumera Kabar, der mit 14 zur Borussia kam und navh 6 Kurzeinsätzen in der Bundesliga in die niederlandische Ehrendevise verliehen wird.

Wie immer taugte das Talent aus dem eigenen Hause nicht für die Bundesliga. Also wie schon bei Youssoufa Moukoko und Paris Brunner. Und klar, Moukoko muss anscheinend mit einem Sternchen kommen, weil der ja anscheinend einfach älter war, als die direkte Konkurrenz und deswegen so dominieren konnte. Und Brunner ist ein schwieriger Charakter, da kann man ja nichts machen.

Die Spieler, die es wenigstens auf (gehobenes) Bundesliga-Niveau bringen, spielen für Frankfurt (Ansgar Knauff) oder Union Berlin (Tom Rothe). Gefühlt hat seit Marco Reus kein Dortmunder Junge mehr den Durchbruch bei der Borussia geschafft... also bei der aus Mönchengladbach, denn Reus wurde ja bekannterweise vom Hof gejagt. Reus hatte trotzdem das eine, was all den anderen Juwelen fehlte: Eine extrem hohe Identifikation mit der Borussia. So blieb er selbst nach seiner starken UND verletzungsfreien Saison. Deswegen steht der auch auf Platz 2 der ewigen Dortmunder Torschützenliste.

Eigentlich sollte der Fakt, dass selbst Reus zwischenzeitlich vom Hof gejagt wurde, den Dortmundern verdeutlichen, dass bei ihnen im Übergang zwischen Jugend und Profibereich etwas grundlegend schiefläuft. Denn im richtigen Moment vom Hof gejagt werden, ist ja die einzige Chance, es zu etwas zu bringen. 

Es ist aber ganz sachlich gesehen kein Spieler, der diesen Trend durchbricht, in Sicht. Zumindest nicht, wenn man der Kicker-Sonderheft trauen darf. Also Mathis Albert ist zwar Amerikaner, kam aber wenigstens schon in der U17 zur BorussiaMussa Kaba ist Bielefelder und im Verein seitdem er 14 ist. Das wären Spieler, die wirklich für den Verein stehen könnten.
Die sind aber in dem derzeitigen Hype nur eine Randerscheinung. Also wenn überhaupt. Albert durfte bei der großen Talentschau gegen Arsenal 30 Minuten lang mitspielen. In der Liga muss er sich hinter den etablierten Mittelstürmern Guirassy und Fabio Silva anstellen. Und hinter den für viel Geld geholten Rohdiamanten. Und dann gucken alle überrascht, dass Albert nicht die Entwicklung nimmt, die man sich eventuell erhofft hat.

Hier ist die Prognose für die 5 Mega Talente: Die werden in den nächsten 4 Jahren ihren Durchbruch schaffen... oder auch nicht. Also dass es alle schaffen, ist schon recht unwahrscheinlich. Vor allem ist es quasi ausgeschlossen, dass alle 5 gleichzeitig den Durchbruch schaffen. Sie werden alle ihren eigenen Zeitplan brauchen. Damit Dortmund ins Rennen um die Meisterschaft eingreift, müssten aber alle gleichzeitig den entscheidenden Entwicklungsschritt nehmen...

Und da beginnt das eigentliche Problem der Borussia: Sobald ein Spieler diesen Durchbruch schafft, ist er sofort weg. Haaland war einer der Wenigen, der die Ruhe und Weitsicht hatte, nach seiner ersten 20 Tore Saison noch ein Jahr zu bleibenJude Bellingham erzielte am Ende "nur" 12 Bundesligatore für die Borussia. Um das zu relativieren: Bei Real Madrid erzielte er in seiner ersten Saison 19 Liga-Tore...

2023 fehlte der Borussia ein einziges Tor zur Meisterschaft. Haaland ging da schon für Man City auf Torejagd... Bellingham machte den entscheidenden Schritt nach vorne tatsächlich in der Schlussphase der Saison. 4 seiner 8 Tore erzielte er in seinen letzten 4 Spielen. Danach verletzte er sich leider. Wenn Haaland noch da oder Bellingham schon im Herbst der Abschlussspieler gewesen wäre... Aber der Konjunktiv ist der beste Freund des Vize-Meisters.

Dass die Dortmunder Talente aber den Verein verlassen, bevor sie wirklich die Konstanz haben, um wirklich um die Titel mitzuspielen, ist kein Konjunktiv. Das ist eine selbsterfüllende Prophezeiung. Das war schon bei Dembélé, Aubameyang und Mkhitaryan so. Alles bedauerliche Einzelfälle... also sowohl das aus den eigenen Jugendspielern nichts wird, als auch dass sich die eingekauften Talente sehr schnell verabschieden. Bei dieser Generation wird das ganz anders werden. Ganz bestimmt.

Das bekloppteste bleibt, dass man Lars Ricken befördert hat, obwohl seine Jugendarbeit kein einziges Eigengewächs hervorgebracht hat. Ein selbstkritischer und erfolgsorientierter Verein hätte sich gefragt, wie viele deutsche Nationalspieler man in den letzten 15 Jahren ausgebildet hat. Man wäre auf eine erschreckende 0 gekommen. 
Also berichtigt mich, wenn ich irgendwen übersehe, aber die letzten Spieler aus der Dortmunder U17, der den Sprung in die Nationalelf geschafft hat, war Mario Götze. Das war 2010. Das dürfte auch gleichzeitig der letzte gewesen sein, der den Sprung von der U17 zum Stammspieler geschafft hat. Und wenig überraschend war er Teil der letzten Dortmunder Meistermannschaft... weil er eben erst zu den Bayern gegangen ist, nachdem er Titel mit "seinem Jugendverein" geholt hat. So sehr er damals dann dafür gehasst wurde, so ist das doch ein wesentlicher Unterschied zu all seinen hochtalentierten Nachfolgern. Und da findet man dann auch den Grund, warum die Dortmunder in den letzten 10 Jahren nur einen Titel geholt haben.

Wo ich gerade schon die Bayern erwähnt habe, muss man hier nochmal den entscheidenden Unterschied zwischen diesen beiden Vereinen verdeutlichen. Also den eigentlichen Grund, warum die Bayern ihren Abstand ständig vergrößern. Wenn es aus der Bayern Akademie nach David Alaba über ein paar Jahre kein Talent den Sprung zu den Profis schafft, wird Halil Altıntop ersetzt. Da war 2022. 2026 hat man mit Jamal Musiala, Lennart Karl und Aleksandar Pavlović 3 Spieler, die schon in der U17 da waren, fest im Kader. Letzterer kam nebenbei mit 7 Jahren zum Rekordmeister.

Dortmund hat dafür aber wesentlich mehr Meisterschaften im Jugendbereich geholt, also müssen die besser sein. Die haben deswegen auch Ricken befördert. Die haben aber anscheinend bis heute nicht begriffen, dass es in der Jugendarbeit nicht darum geht, Meister zu werden, sondern Stammspieler für die A-Elf auszubilden. 

Das ist halt auch das Dortmunder Dilemma. Denn das Geschäftsmodell funktioniert ja wirtschaftlich hervorragend. Und auch sportlich schneidet man ja nicht schlecht ab. Aber man holt halt nur einen Titel in 10 Jahren mit diesem Konzept. Obwohl man sportlich und wirtschaftlich die Nummer 2 im Land ist, holen andere (also Leverkusen, Frankfurt und Leipzig) mehr Titel... 

Und für die Bundesliga als ganzes ist es objektiv beschissen, dass die zweitbeste Mannschaft des Landes ein Konzept fährt, mit dem man nicht um die Titel mitspielen wird. Damit sie irgendwann mal wieder Meister werden, müssten sie es selber schaffen, Spieler wie Musiala, Karl oder Pavlovic auszubilden. 

Vielleicht werden die Dortmunder irgendwann mal feststellen, dass es für die Entwicklung der eigenen Talente definitiv schädlich ist, wenn ihnen ständig diese externen Rohdiamanten vor die Nase gesetzt werden. Aber derzeit sieht es absolut nicht danach aus.

Dienstag, 11. August 2026

Im Westen nichts Neues... jetzt auch mit Osterweiterung, Teil 1: Die Ausgangslage

 Das frustende an der derzeitigen Lage der Bundesliga ist ja, dass es gerade auch kein realistisches Szenario gibt, wie jemand die Bayern ernsthaft herausfordern soll. Aber bevor wir als quasi Saisonvorschau in die Details gehen, warum die Politik von Borussia Dortmund und RB Leipzig dieses Problem im Sommer weiter manifestieren, müssen wir erstmal ein paar Grundlagen schaffen. Denn es gibt da ein faszinierendes Narrativ, das alle ignorieren.

Wenn in der allgemeinen "Mainstream" Bundesliga-Vorschau des Kicker-Sonderheftes wird tatsächlich darauf hingewiesen, dass es schon ein Problem ist, dass die Meisterschaft quasi schon entschieden ist, bevor der erste Ball rollt. Man wäre ja schon froh, wenn die Bayern nicht an allen 34 Spieltagen auf Platz 1 stehen. Das macht die Liga halt langweilig und berechenbar.

Aber hier ist das eigentliche Problem, welches an der Stelle verschwiegen wird: Nicht nur der erste Platz ist bereits vergeben. Auch die Plätze 2 und 3 liegen relativ fest in der Hand von Leipzig und Dortmund. 

RB Leipzig hat es in seiner Konstrukthistorie nur 2 Mal geschafft, nicht unter den Top 4 zu landen. Die KGaA aus Dortmund landete in den letzten 16 Jahren 2 Mal nicht unter diesen ach so wichtigen Top 4. Und das eine Mal reichte, dank der letzten Europacup Reform, Platz 5 für die Teilnahme an der Champions League. Wir sind da also auch schon bei 11 Jahren Königsklasse infolge. Das macht die Liga dann auch kaputt.

Hier ist was Absurdes: Wenn man die beiden schlechten Saisons von RB abzieht, sammelten sie jedes Jahr zwischen 58 und 67 Punkten. Das relativiert die "Ole Werner hat die 4. beste RB Saison aller Zeiten abgeliefert" Geschichte ein wenig... Also wenn man im Schnitt 62,2 Punkte sammelt, sind 65 Punkte jetzt einfach nicht überragend. RB hat in 7 ihrer 10 Bundesligajahre zwischen 65 und 67 Punkten geholt... da werden sie auch dieses Jahr wieder landen. Und übernächstes. Und das Jahr darauf. Das wird dann für irgendwas zwischen Platz 2 und 4 reichen. Je nachdem, wie Borussia Dortmund sich anstellt.

Dortmund holte in den letzten 11 Jahren 2 Mal weniger als 60 Punkte. Sie holten 3 Mal über 70. Das ist nicht ganz so konstant, wie RB, weil es mehr Ausreißer nach oben gibt. Aber diese Ausreißer sind am Ende egal, weil die Bayern trotzdem im Schnitt 12 Punkte mehr holen. 

Es ist aber nicht nur so, dass die Bayern zu gut für diese Liga sind. Auch RB und Dortmund sind es sachlich gesehen. Deren Saison müsste extrem katastrophal verlaufen, damit sie die Champions League verpassen. Und es ist auch extrem wahrscheinlich, dass sie das schon vor dem letzten Spieltag eintüten. Seitdem die Bundesliga den 4. Startplatz sicher hat, musste Dortmund nur ein einziges Mal am letzten Spieltag gewinnen, um in die Königsklasse einzuziehen. 2024/25 war das. Da waren sie sogar noch auf Schützenhilfe angewiesen. Im Jahr davor nahm der 5. Startplatz am Ende jegliche Spannung aus der Spitzengruppe. Dazu kommt natürlich das Meisterschaftsfinale 2023, welches Leroy Sané entschied. 2017/18 sah es am Ende knapp aus, weil man punktgleich mit Leverkusen ins Ziel trudelte, aber da konnte man sich halt eine Niederlage am letzten Spieltag leisten. Da ging es wenigstens um halbwegs was. Aber in 8 von 9 Jahren hat Dortmund sein Saisonziel vor dem letzten Spieltag zementiert. Und nur in einem der 9 Jahre gab es am Ende noch die Möglichkeit "nach oben" etwas Besonderes zu erreichen. 

Bei RB Leipzig sieht es ähnlich aus. 2024/25 verspielte man am letzten Spieltag die Teilnahme an der Conference League. Das dürfte als legendärstes Finale aller Zeiten in die Vereinsgeschichte eingehen. 2021/22 musste man gegen die bereits abgestiegenen Bielefelder ein Unentschieden holen, um die Champions League sicher einzutüten. Das schaffte man gerade so. 2017/18 sicherte man sich am letzten Spieltag die Europa League. Und das war's. In 10 Jahren Bundesliga gab es überhaupt nur 3 Jahre, in denen es am letzten Spieltag um irgendwas ging. Den Aufstieg in die zweite Liga sicherte man sich ebenfalls bereits am 33. Spieltag und so konnte man sich eine Niederlage am letzten Spieltag leisten. Im Jahr davor verpasste man den Aufstieg deutlich. Durch die dritte Liga marschierte man in nur einer Saison souverän. Das einzige wirklich "Herzschlagfinale" der Geschichte gab es bei den Aufstiegsspielen in der Regionalliga... Das ist verdammt lang her. 
Und ja, RB hat es dafür relativ regelmäßig ins Pokalfinale geschafft. Und diesen ja auch gewonnen. Die schaffen es also doch, die Saison nicht einfach so austrudeln zu lassen. In der Bundesliga können sie das aber beinah jedes Jahr. Und sie werden sich auch in Zukunft immer wieder auf das Pokalfinale konzentrieren können.

Die brutale Wahrheit lautet: Wir haben in der oberen Tabellenhälfte eine 3 Klassen Gesellschaft. Also zumindest jetzt, wo Florian Wirtz und seine Freunde Bayer Leverkusen verlassen hat. Und seine Freunde auch. Zu denen kommen wir aber am Ende der Serie. Wir haben die Bayern, die deutlich über allem thronen. Und dann haben wir Dortmund und Leipzig, die einen deutlichen Abstand zum Rekordmeister haben. Die sich aber gleichzeitig von "Rest der Liga" ebenfalls deutlich abgrenzen. Es ist also nicht nur Platz 1 fest vergeben. Auch von den 3 weiteren Champions League Rängen sind 2 in fester Hand. Und der Abstand dieser 2 zum Rest ist so gewaltig, dass man auch da nur in Ausnahmefällen ein enges Rennen erleben wird.

 Dann kommen Leverkusen, Frankfurt und 2 "Überraschungsmannschaften". Diese 5 Mannschaften streiten sich dann um den 4. Startplatz und um die anderen europäischen Wettbewerbe. Man muss sich langsam fragen, wie lange der SC Freiburg da noch als "Überraschung" gilt. Bayer Leverkusen beendete 15 der letzten 17 zwischen Platz 2 und 6. Sie wurden halt ein Mal Meister... und dann ein Mal nur Zwölfter. Seit diesem historischen Debakel landeten sie in 7 von 9 Jahren zwischen Platz 3 und 6. 

Frankfurt ist natürlich noch relativ neu in dieser Kategorie. Sie profitieren vom absurden Beyoncé-Bump, der sie spontan in die Champions League gespült hat. Sachlich gesehen haben sie in den letzten Jahren einfach extrem gut gescoutet und ihre Stürmer extrem teuer verkauft. Aber um sachliche Analysen geht es hier halt nicht... Wenn die so weiterarbeiten, werden auch sie in 4 von 5 Jahren international spielen. Und ja, Werder Bremen und Schalke 04 haben gezeigt, wie schnell man sich diese gute Aufbauarbeit ruinieren kann. Aber stand jetzt gehört Frankfurt ganz klar in die 3. Ebene der Mannschaften, die um Platz 4 bis 7 spielen. 

Hier muss man mal wieder festhalten, dass die Frage, wer jetzt in die Conference League muss, nur die Fans abholt, die wirklich in diesem Rennen involviert sind. Der Rest...

Also man würde sich bestimmt auf ein spannendes Finale einlassen, in dem Dortmund, Leipzig und 2 weitere Teams auf Augenhöhe um die Plätze 2 bis 5 kämpfen. Da würde man in jeder Konferenz auf die Blitztabelle gucken. Vielleicht würde sogar der eine oder andere sich das Sonntagsspiel vom Systemfeind aus Leipzig angucken... Man kann ja dem Gegner die Daumen drücken.

Realistisch gesehen wird es aber, abgesehen von den Hardcore-Konsumenten der jeweiligen Mannschaft, keinen Grund geben, warum man sich die Spiele der 3 besten deutschen Mannschaften angucken sollte. Außer man ist Fan von Real Madrid oder Barca und man will potenzielle Neuzugänge scouten. Denn eigentlich ist es auch völlig irrelevant, ob Dortmund mit 15 Punkten Rückstand auf die Bayern 2. oder 3. wird. Genauso egal ist es, ob Leipzig mit 10 Punkten Vorsprung auf Platz 5 2. oder 3. wird... 

Die Liga ist also nicht nur langweilig, weil die Bayern so dominant sind, sondern weil die anderen beiden Mannschaften einerseits der Konkurrenz enteilt sind, andererseits mit diesen Bayern nie mithalten können. Und da diese Mannschaften jedes Jahr an der "jetzt noch lukrativeren" Champions League teilnehmen dürfen, wird sich dieser Abstand nach unten nicht verkleinern. Gleichzeitig müsste sich grundlegend in der Personalpolitik was ändern, damit sie eine Chance haben, die Bayern zu bedrohen.

Zur Personalpolitik dieser Vereine kommen wir dann in den nächsten Teilen. 

Mittwoch, 29. Juli 2026

WM Wrap Up: Wir müssen über Bastian Schweinsteiger reden

 Ja, ich weiß, ist lange her. Aber Bastian Schweinsteiger hat etwas Rassistisches gesagt. Auch wenn er das gar nicht wollte. Er wollte einfach nur über Fußball reden

Hier ist etwas ganz Wichtiges: Man muss kein Rassist (oder Sexist, oder homophob, oder...) sein, um eine derartige Aussage zu machen. Denn wie Gerald Asamoah zu dem Thema treffend sagte, sitzen die Denkmuster so tief, dass man oft einfach unüberlegte Aussagen macht, die dann rassistisch sind. Schweinsteiger ist halt von dem Fußball und der Denkweise der letzten 25 Jahre geprägt. Als er sich noch aktiv mit Fußball beschäftigt hat, mag seine Aussage vielleicht noch richtig gewesen sein. Aber sie ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Damit wird Schweinsteiger sich hoffentlich jetzt mal gründlich beschäftigen, denn er soll ja nicht den Fußball von vor 20 Jahren analysieren, sondern den aktuellen.

Genau darum soll es heute eigentlich gehen. Deswegen ist es auch gut, dass ich bis zum Abschluss der WM gewartet habe... das kann ich mir zumindest jetzt einreden. Das bringt mich direkt zur wichtigsten Frage:

Gibt es überhaupt noch afrikanische Mannschaften? Und wenn ja, wie viele? Fangen wir mal bei dem Anstoß der Debatte an: Wie viele der Nationalspieler der Côte d’Ivoire spielen denn gerade in Afrika? Saudi-Arabien ist nur dicht dran, die gehören zu Asien. Die Antwort ist also... Null. Und Franck Kessié, der jetzt für Al-Ahly spielt, hatte vorher die Trikots von Barcelona, AC Mailand und Atalanta Bergamo an. Das sind alles Spieler, die in den europäischen Vereinen geschult und geschliffen wurden. Ein Yan Diamonde ging mit 15 Jahren in die USA, was mich auch verwirrt. Also die sind ja nicht unbedingt für ihre Fußballakademien bekannt. Er kam auch erst mit 18 nach Europa. Er hat seine Ausbildung trotzdem woanders genossen. Der bereits angesprochen Kessié kam ebenfalls mit 19 nach Bergamo. 
Das sind alles Spieler, die in ihren Vereinen diszipliniert und taktisch organisiert arbeiten müssen. Der gesamte Kader. Jetzt zu behaupten, dass die dann in der Nationalmannschaft plötzlich wieder ihre Instinkte durchbrechen und sie "
ein bisschen unorthodox ist, ein bisschen wild" spielen, ist absurd.

Die Elfenbeinküste ist dabei aber die Ausnahme, weil die Hälfte der Startelf in Abidjan geboren wurde. Fast die andere Hälfte kommt aus Ouragahio. Was faszinierend ist, weil da nur 35.000 Menschen leben. Im Ballungsgebiet Abidjan leben 5,6 Millionen Menschen.
Lediglich Ange-Yoan Bonny und Yahia Fofana wurden in Frankreich geboren. Und damit ist die Elfenbeinküste beinah eine Ausnahme.

Denn es gab in spätestens den letzten 10 Jahren einen drastischen Wandel im Weltfußball, der sich am besten an den Zidanes erklären lässt: Zinedine spielte trotz seiner Algerischer Wurzeln nicht für das Land seiner Eltern, sondern für Frankreich. Sein Sohn Luca spielt dagegen für Algerien, obwohl schon sein Vater nie etwas in diesem Land erlebt hat. 

Zidane ist, aufgrund des Vaters, nur der offensichtlichste Name. Aber die afrikanischen Verbände sind mittlerweile verdammt gut darin, Spieler mit afrikanischen Vorfahren, die nicht gut genug sind, um für die europäischen Nationalmannschaften sind, ausfindig zu machen und zurück in das Land ihrer Vorfahren zu holen...

So sehr Rafael van der Vaart für seine Aussage hinterher zerlegt wurde, weil die Niederlande gegen die Spieler, "die nicht gut genug sind", verloren hat. Im Kern ist diese Aussage schon richtig. Also in überraschend vielen Fällen. Ich nenne hier einfach mal Rani Khedira, der jetzt seine erste Weltmeisterschaft für Tunesien absolvierte. 
Auch wenn sie keine Afrikaner sind, muss hier demonstrativ Curacao genannt werden. Das ist eine Mannschaft, die beinah komplett aus Niederländern besteht. Da hätte man echt den Joint Venture Song vorm Anpfiff spielen können, um die Stimmung anzuheizen...

Im Kader von Marokko standen 6 Spieler, die auch in Marokko geboren wurden: Ahmed Reda TagnaoutiMarwana Saadane, Youssef Belammari, Azzedine Ounahi, Amine Sbai, Soufiane Rahimi, und Ayoub El Kaabi. Nur Ouanhi und Rakimi waren Stammspieler. Ounahi ging mit 18 nach Europa. Anders ausgedrückt: Der einzige "afrikanische" Spieler in diesem Kader ist Rahimi. Alle anderen wurden durch die europäische Schule genormt.

Wenig überraschend spielte Marokko den diszipliniertesten Fußball und verteidigten sich als erste "afrikanische Mannschaft" ins Halbfinale... also vor 4 Jahren. Spätestens da hätte einem als Experten auffallen können, dass die "unorthodoxe und wilde" Zeit endgültig vorbei ist

Auch bei Kap Verde fasst das Kicker-Sonderheft den Kader mit einem "gelernt haben viele von ihnen in Europa" zusammen. Und diese Mannschaft erarbeitet sich dann mit viel Glück ein 0:0 gegen den späteren Weltmeister aus Spanien. Und auch der andere Finalist musste in die Verlängerung. Kap Verde war eine Mannschaft, die diszipliniert und organisiert verteidigte, aber im Angriffsspiel seine Schwächen hatte.

Ghana hatte mit Benjamin Asare einen einzigen Spieler, der wirklich in der Heimat spielt, im Kader. Sie spielten unter Carlos Queiroz den destruktivsten Fußball der WM. Keine Mannschaft parkte den Bus so konsequent vor dem eigenen Tor. Sie hatten 2 Spiele infolge in der ersten Halbzeit einen Xpected Goals Wert von 0,0. Das mag man veraltet nennen, aber definitiv nicht "wild".

Der Senegal bestand ebenfalls ausschließlich aus europäischen oder saudi-arabischen Legionären. Und nur die Hälfte des Kaders wurde in Afrika geboren. Im Wesentlichen wurde man entweder in Europa geboren oder ging vor seinen 20 Geburtstag zu einem europäischen Verein. 

Algerien spielte sich den Ball über 100 Mal hin und her, weil sie eigentlich keinerlei Interesse daran hatten, das 3:2 zu erzielen. Es war schon sehr europäisch, wie die gegen Österreich immer wieder das Tempo rausgenommen haben. Es spielen aber halt auch nur 2 Spieler in der Heimat. Der Rest, wie immer, in Europa oder bei den Öl-Scheichs. Es wurden aber auch nur 10 Spieler überhaupt in Algerien geboren...

Die DR Kongo hat mit Fiston Mayele einen Ägypten Legionär. Der Rest verdient sein Geld ebenfalls in Europa. 6 Spieler im Kader kamen nicht in Europa zur Welt. Man verteidigte diszipliniert gegen den Geheimfavoriten aus Portugal. Da war noch nicht allen bewusst, dass Portugal im Wesentlichen freiwillig in Unterzahl antritt... Gegen Kolumbien nahm man zur Trinkpause die nötigen taktischen Anpassungen vor, um den gegnerischen Angriffswirbel zu unterbinden. Und dann holte man den nötigen Sieg gegen eine der schwächsten Mannschaften im Turnier aus Usbekistan. In der K.O. Phase trieb man 70 Minuten lang die Engländer in die Verzweiflung, bevor die individuelle Klasse von Harry Kane doch den Unterschied ausmachte. Das klingt auch nach viel Disziplin und wenig Chaos.

Wenn man jetzt alle Legionäre und Auswanderer abzieht, bleiben verdammt wenige afrikanische Spieler übrig. Im Wesentlichen sind das Ägypten, Südafrika und Tunesien. Von denen hatte nur Tunesien eine wirklich chaotische Weltmeisterschaft. Inklusive Trainerentlassung nach dem ersten Spieltag. 12 Gegentore sind gemeinsam mit dem Irak der Spitzenwert. Die Mannschaft war auf dem Platz überfordert. Der Verband war mit der Organisation überfordert. Aber irgendwer muss halt die schlechteste Mannschaft im Turnier stellen. Und wenn man eine Rani Khedira als Hoffnungsträger einbürgern muss, sind die Erwartungen nicht allzu hoch.

Ägypten brachte daneben den Klassiker: Der Altstar Mohamed Salah bittet mit seinen alten Freunden zum letzten Tanz. Gleichzeitig gibt er den Staffelstab an Omar Marmoush weiter. Auf dem Platz war das Geschehen aber eher von Vorsicht geprägt. Und dann gaben sie England die ultimative Blaupause, wie man sich in der Schlussphase gegen Argentinien zurückzieht und den Gegner zurück ins Spiel kommen lässt.

Und Südafrika verteidigte in der K.O. Phase 90 Minuten lang diszipliniert gegen Kanada, nur um in der Nachspielzeit doch noch den entscheidenden Gegentreffer zu kassieren. Südafrika ist nebenbei echt faszinierend. 20 Spieler im Kader spielen tatsächlich noch in der Heimat. 9 bei den Orlando Pirates und 9 bei Mamelodi Sundowns. Ihr "Star" spielt beim FC Burnley in der 2. Englischen Liga.  Am ersten Spieltag wirkten sie gegen Mexiko recht überfordert. Aber die schwachen Auftritte der Tschechen und Südkoreaner halfen ihnen dabei, die K.O. Phase zu erreichen. Südafrika spielte dabei selbst aber eher einen sachlichen und nüchternen Stil. Selbst nach dem Rückstand im 2. Spiel übernahmen sie nur zögerlich die Initiative, konnten aber dank eines Elfmeters ausgleichen. Gegen Südkorea schalteten sie nach der Führung, Zitat Kicker-Analyse "in den Verteidigungsmodus". Die vom Personal her afrikanischste Mannschaft überzeugte also durch disziplinierte und geschlossene Auftritte. Ich würde die Auftritte nach dem Eröffnungsspiel waren "berechnend" als "wild": Die wussten genau, dass ein Unentschieden am 2. und ein knapper Sieg am dritten Spieltag zum Erreichen der K.O. Phase reicht. Also gingen sie auf genau diese Ergebnisse, anstatt irgendein Risiko einzugehen.

Im Wesentlichen gab es mit Tunesien eine Mannschaft, wo die Leistung auf und neben dem Platz gar nicht gestimmt hat. Die haben die Fahne der klassischen afrikanischen WM Teilnehmer hochgehalten. Die restlichen 9 Nationen überzeugten mit taktisch disziplinierten Auftritten.

Was lernen wir daraus? Die afrikanischen Mannschaften bei Weltmeisterschaften werden durch europäische Spieler mit Migrationshintergrund und durch europäische Legionäre geprägt. Sie sind fast alle in der Lage, diszipliniert und gut organisiert zu verteidigen. Der Mythos vom "wilden oder unorthodoxen Spiel" sollte also endgültig begraben werden.

Dienstag, 21. Juli 2026

WM Wrap Up: Dass Rudi Völler seinen Job behält

 Der DFB so: Nach diesem Desaster müssen wir gründlich aufräumen. Also behalten wir Rudi Völler... weil das am meisten Sinn ergibt.

Fangen wir mal ganz vorne an: Rudi Völler war sowieso kein Revoluzzer... oder wenigstens ein Reformator. Das ist ein Blitzableiter. Er "gilt als emotionales und verbindendes Element im deutschen Fußball". Das ist eine wunderbar treffende KI Antwort. Die liegt doch nicht immer falsch. Aber wie soll dieser 66 Jahre alter Mann jetzt die nötige Innovation einbringen?

Vor allem ist er ja technisch gesehen Jürgen Klopps Vorgesetzter, musste aber auf dessen Segen warten, um den Job zu behalten. Aber warum sollte Klopp auch nicht mit Völler zusammenarbeiten, der sichert ihm ja eine Wohlfühloase. Der bietet dir vor dem Turnier eine Vertragsverlängerung an. Und dann muss er hinterher deine Entlassung verantworten.

Also das ist eigentlich das Schlimmste: Völler muss sich als leitender Angestellter für die Art und Weise, wie Julian Nagelsmann entlassen wurde, rechtfertigen. Und die können sich das schönreden, wie sie wollen: Wenn man dem Mann und seinem Team 6,8 Millionen Euro bezahlen muss, damit er geht, dann ist er nicht zurückgetreten... sondern dann wurde er entlassen.

Ganz praktisches Beispiel: Die Niederlande sind wenige Stunden nach der deutschen Mannschaft ausgeschieden. Aber Ronald Koeman übernahm wesentlich schneller als Nagelsmann die notwendige Verantwortung. Und weil er wirklich und von sich aus zurückgetreten ist, bekommt er nach niederländischem Recht keine Abfindung. 
Wenn Nagelsmann am Ende wirklich eingesehen hätte, dass er dieses Turnier verkackt hat, wäre er wirklich zurückgetreten. Und dann hätte er auf eine Abfindung verzichtet. Der DFB hat aber noch nicht mal die Eier, das auch offen so zu benennen. Aber gut, wer 2026 Eier zeigt, muss damit rechnen, dass Merz die leckt... da würde ich das auch lassen.

Für diese 6,8 Millionen Euro, die jetzt dem DFB an allen Ecken und enden fehlen, muss Völler sich jetzt eigentlich rechtfertigen. Das wird am Ende Geld sein, welches vor allem dem Breitensport fehlen wird. Da hätte er dann wenigstens dem DFB die 3 Millionen, die ihm bis 2028 überwiesen werden, erlassen können.

Hier muss man auch nochmal festhalten, dass Nagelsmann genug Geld verdient haben sollte, dass er es sich leisten könnte, auf eine Abfindung zu verzichten. Und er wird ja auch zeitnah wieder einen interessanten Job für sich und seine Assistenten finden, bevor einer von denen in ernsthafte Schwierigkeiten gerät. Das Geld wird der DFB aber irgendwo streichen müssen, wo eben keine Millionen in der Hinterhand rumliegen. Also dass Nagelsmann auf dieses Geld besteht, ist richtig eklig.

Für mich ist es sowieso fragwürdig, dass man als Trainer der Nationalmannschaft unbedingt vor dem Turnier seinen Vertrag verlängern muss. Bei Vereinsmannschaften sehe ich es ja ein, dass es schwierig ist, seine Autorität zu erhalten, wenn man nur noch wenige Monate unter Vertrag steht. Das schaffen vielleicht Carlo Ancelotti und Pep GuardiolaJupp Heynckes hat es offensichtlich auch geschafft. Aber das ist schon verdammt viel verlangt. Als Vereinsprofi kannst du aber, wenn du erfolgreich gegen den Trainer gespielt hast, im nächsten Jahr wieder angreifen. Du hast oftmals nach der Entlassung des ungeliebten Trainers doch noch genügend Zeit, zumindest das Minimalziel zu sichern. Und wenn du zu erfolgreich, also Wolfsburg-esque, gegen den Trainer gespielt hast, kannst einfach den Verein wechseln.

Als Nationalspieler hast du im Normalfall 3 Chancen darauf, eine Weltmeisterschaft zu spielen. Wenn es für dich überdurchschnittlich gut läuft. Dazu kommen dann noch 3 Europameisterschaften. Aber mehr als 6 Turniere absolvieren nur die Ausnahmespieler... Dafür muss man 12-15 Jahre auf höchstem Niveau agieren, ohne dass ein jüngerer Spieler auftaucht, der das einfach besser kann. Oder man ist Lukas Podolski und wurde einfach im richtigen Moment geboren. 
Dass man als Nationalspieler ein Turnier wegwirft, nur weil der Vertrag des Trainers nach dem Turnier ausläuft, halte ich für extrem unwahrscheinlich. Ich meine, was hätte denn passieren sollen? Dass Deniz Undav in Interviews gegen die ihm zugedachte Rolle rebelliert? Oder das Leon Goretzka schlechte Stimmung verbreitet, weil er die ihm versprochene Rolle doch nicht übernehmen darf? Oh, wartet, das ist alles passiert, obwohl Nagelsmann's Vertrag verlängert wurde.

Nebenbei hat Didier Deschamps nachgewiesen, dass man eine Ansammlung großartiger Individualisten als Lame Duck souverän und diszipliniert ins Halbfinale führen kann. Aber gut, der hatte vorher auch Erfolge mit der Mannschaft vorzuweisen. 

Das ist nebenbei das andere Problem: Nagelsmann hatte jetzt technisch gesehen für 3 Turniere die Verantwortung. 2 davon waren im eigenen Land. Die EM vor 2 Jahren war in Ordnung und man konnte am Ende dem Schiedsrichter die Schuld am Ausscheiden geben. Aber man hatte den späteren Sieger des Turnieres vor echt schwierige Aufgaben gestellt. Das war zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber ein Viertelfinale ist, gemessen an den deutschen Ansprüchen, eben auch nicht überragend. Und das Nations League Final Four war... nun ja... dürftig. Dort verlor man beide Spiele. Das war ganz sachlich gesehen schon der erste deutliche Fingerzeig, dass die Entwicklung eher rückläufig ist. Denn 2024 war man gegen Spanien 90 Minuten lang auf Augenhöhe. Ein Jahr später konnte man gegen Portugal und Frankreich nur jeweils eine Halbzeit mithalten. Am Ende konnte man sich nebenbei bei Marc-André ter Stegen bedanken, dass man nur mit 1:2 gegen Portugal verloren hat.

Und ein weiteres Jahr später hatte man auf ein Mal Probleme mit Paraguay mitzuhalten. Also das ist ein ganz eindeutiger und stetiger Abwärtstrend, den man da in den letzten 2 Jahren erkennen muss. Den hätte man aber auch bei kritischer Betrachtung schon vor 12 Monaten wahrnehmen können.

Warum musste man den Vertrag überhaupt im Januar 2025 verlängern? Also vor dem Belastungstest Nations League... Warum hat man sich nicht wenigstens ein gewisses Sicherheitsnetz eingebaut? In dem man eine vernünftige und nachvollziehbare Abfindung von 13,12 in den Vertrag schreibt, falls man nicht mindestens das Viertelfinale erreicht. Nach den Erfahrungen der letzten Weltmeisterschaften wäre das doch irgendwie angemessen gewesen.

Und ganz ehrlich: Wenn Nagelsmann das nicht angenommen hätte, weil er, der offen vom Titel gesprochen hat, anscheinend doch Angst vor einem frühzeitigen aus hatte... dann hätten wir wenigstens gleich gewusst, dass er nicht der richtige Mann für den Job ist.  

Ernsthaft: Wäre es nicht mal geil, wenn ein Bundestrainer einen Vertrag unterschreibt, in dem er symbolische 1900 Euro Abfindung erhält, wenn er nicht mindestens das Viertelfinale erreicht? Damit würde dann auch ein Jürgen Klopp vorher ganz klar festlegen, was sein Mindestanspruch an ein erfolgreiches Turnier ist. Und wenn man wirklich extrem unglücklich im Achtelfinale ausscheidet, muss der DFB diese Klausel ja nicht ziehen.

Aber wie gesagt: Dass Jürgen Klopp gerne unter einem Rudi Völler arbeiten will, ist vollkommen nachvollziehbar. Das wird definitiv gut für in sein. Aber das bedeutet nicht, dass es auch gut für den DFB wird.
Aber der DFB ist auch der einzige Verband, bei dem eine gründliche interne Aufarbeitung immer wieder damit endet, dass die Verantwortlichen weitermachen dürfen. Das hat ja bei Jogi Löw und Hansi Flick schon super funktioniert, das wird bei Rudi jetzt auch werden...

Montag, 20. Juli 2026

Das erwartbare Finale nahm seinen erwartbaren Verlauf

 Das ist halt der Nachteil einer Setzliste: Am Ende kommt alles genau so, wie man es vorhersagen konnte... obwohl doch gerade die WM von der Unberechenbarkeit lebt. Wenn ich sehen will, wie die 4 besten Mannschaften taktische Meisterwerke abliefern, gucke ich die Champions League. Bei einer WM geht es doch um die großen und kleinen Überraschungen. Um Marokko, Kroatien und Belgien.

Das Lustigste daran war ja das Gejammer um das Spiel um Platz 3 von Thomas Tuchel...  Nur damit seine Mannschaft ihn dann widerspricht und in der ersten Halbzeit ein absolutes Feuerwerk abliefert. Frei nach dem Motto: Wenn wir diesen Scheiß mitmachen müssen, stellen wir aber sicher, dass die nächsten Mannschaften das auch müssen. In der 2. Halbzeit ging den Engländern dann aber völlig überraschend die Luft aus. Wer hätte das kommen sehen?

Ernsthaft: Das Spiel um Platz 3 ist nur dann überflüssig, wenn die Top 4 der Setzliste ins Halbfinale einziehen. Das sind jetzt quasi die Geister, die Gianni Infantino rief. Denn dank seiner (durchaus vernünftigen) Setzliste konnten diese 4 Mannschaften, wenn sie denn ihre Gruppe gewinnen, erst im Halbfinale aufeinandertreffen. Und genau so kam es dann auch. Danach mussten dann die erfolgsverwöhnten Franzosen und die überspielten Engländer austragen, wer denn nun dritter wird.

Aber gerade aus englischer Perspektive... Also dieses Spiel sorgte am Ende dafür, dass England die erfolgreichste Weltmeisterschaft seit 1966 spielte. Wenn die Engländer nicht so arrogant wären, würden sie das auch anerkennen. Wer seit 60 Jahren auf einen großen Titel wartet, sollte so eine Bronzemedaille nicht verschmähen.

Das Spiel um Platz 3 ist halt nur sinnlos, wenn man nur an die großen 5 Nationen denkt. Für die ist dieses Spiel eine unnötige Zusatzbelastung. Aber nehmen wir mal spaßeshalber das Spiel um Platz 3 aus dem Jahr 2006: Deutschland und Portugal haben vorher ein überraschend starkes Turnier gespielt. Beide kamen weiter als erwartet. Gerade die Deutschen haben eine riesige Euphorie ausgelöst. Also nutze man die Gelegenheit, um nochmal mit den Fans zu feiern. Während Oliver Kahn und Luís Figo ihren letzten Auftritt auf der Nationalmannschaftsbühne bekamen. War doch wunderschön.

Und in den meisten Fällen wird dieses Spiel von einem (oder zwei) Überraschungen als buchstäbliche Ehrenrunde genommen. 2002 war es die Türkei. 2010 Uruguay. Selbst Belgien kann hinterher behaupten, dass ihre doch nicht goldene Generation wenigstens 2018 Bronze geholt hat... was halt der größte Erfolg der Verbandsgeschichte ist. Einzig Brasilien - Niederlande 2014 war halt "das Spiel, das keiner wollte." Das ist doch eine respektable Quote. 

Man muss mal wieder festhalten, dass am Ende nur die ganz Großen jammern, während sich alle anderen über solche Gelegenheiten freuen. Vielleicht sollten die mal anerkennen, dass sie nicht die einzigen auf der Welt sind, die Fußball spielen. Und nebenbei sorgt der Fakt, dass das Spiel nicht ganz so ernst genommen wird, ja auch dafür, dass die hemmenden Ketten abgelegt werden. Also außer bei Kroatien und Marokko...

Das Finale war dann aber das erwartbare Finale. Spanien spielte Argentinien einfach müde. Argentinien versuchte sich vergeblich zu wehren und testeten dabei die Grenzen des Erlaubten großzügig aus. Am Ende zu großzügig, das man die Verlängerung in Unterzahl bestreiten musste. Aber nach 100 Minuten sah es doch so aus, als hätte man es geschafft, diesen Robotern auf die Nerven zu gehen... Weshalb Spanien sich dann doch dazu entschied, einfach mal ein Tor zu schießen...

Das bezeichnende an diesem Finale war aber, wie Spanien Lionel Messi aus dem Spiel nahm. Keine Manndeckung, die Thomas Tuchel ins Spiel gebracht hat. Keine spezielle Taktik, die nur auf ihn zugeschnitten war. Sie entschieden sich einfach dafür, seine 10 Helfer anderweitig zu beschäftigen. Sie sorgten dafür, dass der Gegner die ganze Zeit dem Ball hinterherlief. Und Messi geht halt in solchen Momenten meistens spazieren. Am Gegenpressing nimmt er doch seit mindestens 10 Jahren nicht mehr Teil. Mittlerweile ist es wirklich eklatant. Was aber auch für Argentinien völlig in Ordnung ist, denn wenn die Mitspieler sich darum gekümmert haben, dass er den Ball bekommt, zahlt er das ja zurück. Aber wie vorher schon erwähnt, kann man sich das gegen Mannschaft, die de facto auf Champions League Niveau spielen, nicht erlauben. Die logische Konsequenz: 54 Ballkontakte und ein Torschuss in 120 Minuten. Gegen England waren es 96 in der regulären Spielzeit. 

Und hier muss man nochmal festhalten: Messi hat genau so gespielt, wie in den Runden davor. Auch da war er im Spiel gegen den Ball kein Faktor. Nur bestand das Spiel da nicht ausschließlich aus der Arbeit gegen den Ball. Spanien konnte sich aber voll und ganz darauf verlassen, dass Argentiniens Spiel gegen den Ball nicht ausreichend sein wird, um Messi ins Spiel zu bringen. Was natürlich nach der Machtdemonstration gegen Frankreich auch keine große Überraschung war.

Es ist nebenbei faszinierend, dass Spanien zum 2. Mal im selben Modus Operandi Weltmeister wird. Schon 2010 wurde man nur 8 Toren Weltmeister. Man kassierte 2 Tore übers gesamte Spiel. Die Defensivtaktik bestand aus dem "Wenn der Gegner den Ball nicht hat, kann er kein Tor erzielen" Prinzip.  Jetzt war man vorne etwas großzügiger, kassierte aber nur ein einziges Gegentor. Man hielt die Offensivstars von Frankreichs und Argentiniens bei einem Expected Goals Wert von jeweils 0,3. Man musste nur im Finale in die Verlängerung. Nur Kap Verde konnten sie nicht besiegen... was kein Vorwurf ist, die konnte schließlich niemand besiegen. Ernsthaft, wer vorher darauf getippt hat, dass die gegen beide Finalisten nach 90 Minuten ein Unentschieden erringen...

Aber ganz sachlich gesehen war dies der dominanteste Auftritt bei einer Weltmeisterschaft seit... also seit Ewigkeiten. Gehen wir das mal kurz durch: Argentinien verlor vor 4 Jahren das Auftaktspiel gegen Saudi-Arabien. Und man musste gegen die Niederlande und im Finale gegen Frankreich ins Elfmeterschießen.
Frankreich lag 2018 im Achtelfinale gegen Argentinien bis zur 57. Minute in Rückstand.
Deutschland 2014 hatte seinen "Schreckmoment" gegen Algerien, wo man ohne Manuel Neuer ausgeschieden wäre und selbst mit ihm in die Verlängerung musste.
Spanien verlor 2010 zum Auftakt gegen die Schweiz. Und sie gewannen nur ein einziges Spiel mit mehr als einem Tor Vorsprung.
2006 wurde das Finale erst im Elfmeterschießen entschieden. Auch wenn Italien ohne Gegentor durch die K.O. Phase ging, muss man da irgendwie Punkte für abziehen.
2002 geriet Brasilien gegen England in Rückstand. Der einzige Makel in einem sonst perfekten Turnier.
Frankreich lag im Halbfinale gegen Kroatien kurz zurück. Also wirklich ganz kurz, der Ausgleich wurde postwendend erzielt.

Spanien jetzt... musste in kein einziges Elfmeterschießen. Lag nie in Rückstand. Kassierte überhaupt nur ein einziges Gegentor. Selbst Mannschaften, die die vorherigen Turniere dominiert haben, wie Frankreich 1998 und Brasilien 2002 kommen da nicht ran. Das war eine historische Leistung.

Kommen wir nun aber zum eigentlich wichtigsten: der Halbzeitshow. Und der Kritik daran. Ich sage das mal so: War gut. Also außer, dass ich darauf gehofft habe, dass sie die Wikinger-Referenz dazu nutzen, um endlich Beyoncés Act 3 Sea Shantys zu droppen... WHAT SHALL WE DO WITH THE DRUNKEN JAY-Z?
Aber ernsthaft: dass die es geschafft haben, solche ganz aktuellen Trends des Turniers mit einzubauen, war schon großartig. Mein eigentlicher Breaking Point kam aber, als die Vuvuzelas im Bild waren. Denn das war ernsthaft der Moment, in dem ich meine Meinung zu dieser Show komplett geändert habe: Ja, wir brauchten das. Also dieses eine Mal.

Denn bei einer WM geht es ja auch immer darum, die kulturellen Eigenheiten des Gastgeberlandes der ganzen Welt zu präsentieren. Deswegen fiel mir das bei den Vuvuzelas auf: Die haben damals die Stimmung bei der WM in Südafrika geprägt. Das ging uns Europäern mächtig auf die Nerven, weil man die Fangesänge nicht hören konnte. Aber als die Engländer dann beim Singen ihrer Nationalhymne während des Spieles dieses Getröte durchbrachen, war das ein Gänsehautmoment. Und vor allem war es, alles in allem, eine einzigartige Stimmung.

Zu den Eigenheiten der Amerikaner gehören, neben Massenschießereien, diese pompöse Show. Das gehört zu deren Großveranstaltungen einfach dazu. Damit war es bei dieser einzigen Veranstaltung auch Nachvollziehbar, dass man den Amis die Chance gibt, genau diesen Teil ihrer Kultur zu repräsentieren. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir das jetzt in einem Akt kultureller Aneignung zwingend übernehmen müssen... aber dieses eine Mal hat es gepasst.
Random Side Note, weil ich das ja vorher angekündigt habe: Es gab während der WM über 60 Massenschießereien in den USA. Mit 55 Toten. Nur um nochmal festzuhalten, wie bekloppt die Verhältnisse vor Ort da sind. Aber das ist ja wirklich nur "am Rande" passiert und es gab zum Glück keine Überschneidungen mit dem Turnier...