Donnerstag, 7. Mai 2026

Und dann verteidigt Paris das ganz souverän runter

 Das dürfte niemand auf seinem Champions League Bingo gehabt haben: ein relativ langweiliges 1:0 nach 90 Minuten. Und dann noch ein Geniestreich von Harry Kane

Im Wesentlichen liefen die Bayern 90 Minuten lang einem 2-Tore-Rückstand hinterher. Und dann fiel ihnen viel zu wenig ein... dabei haben sie in den letzten 2 Wochen doch ausgiebig trainiert, wie man das macht. 
Und ja, wenn man die absurden Rückstände gegen Mainz und Heidenheim in diesem Kontext sieht, ergibt es auf einmal verdammt viel Sinn... die wollten sich einfach bestmöglich auf dieses Szenario in der Champions League vorbereiten. Die Bundesliga ist halt mittlerweile nur noch ein Trainingsplatz für den Rekordmeister...

Viel wichtiger ist natürlich, dass wir jetzt eine neue Auslegung der Handspielregel kennengelernt haben. Denn das ein Verteidiger seinen eigenen Mitspieler derart anschießt, war eigentlich nicht vorhersehbar. Und dass es dann keinen Elfmeter gibt, wusste anscheinend nicht mal Manuel Gräfe. Obwohl er formell gesehen nur behauptet, dass Joao Neves die Hand absichtlich dort hingehalten hat. Weil er ja verhindern wollte, dass der Ball geklärt wird... oder so.

Nebenbei könnt ihr jetzt tatsächlich seriösen Journalismus vom Clickbait unterscheiden. Hier muss man wirklich mal lobend Kicker.de erwähnen, die noch während des Spiels die Erklärung "druckten", warum es eben keinen Elfmeter gab. Andere verbreiten dagegen die auch noch gekürzte Aussage vom Gräfe, weil sie genau wissen, dass sie damit die getriggerten Kommentatoren anziehen... und nur darum geht es am Ende. Ich hacke ja viel und häufig auf dem Kicker rum, aber hier zeigte sich, dass sie halt doch nicht die Schlimmsten sind...

Man muss natürlich festhalten, dass die 2 Szenen in der 30. Minute sehr unglücklich für die Bayern waren. Aber ich nehme jetzt beim Handspiel mal die Gegenposition ein und hoffe an der Stelle mal, dass die IFAB da jetzt nicht einknickt. 
Für mich ist bei einer Regel ja immer wichtig, dass sie eindeutig und konstant umsetzbar ist. Das ist hier gegeben. Man könnte natürlich jetzt das Konzept auch auf den Kopf stellen und festlegen, dass das Spiel immer unterbrochen werden muss, wenn man die Hand eines Mitspielers anschießt. 
Aber wir haben jetzt auch den einen Moment abgegriffen, in dem das plötzlich relevant ist. Denn das man seinen eine Meidbewegung machenden Mitspieler im Strafraum an der Hand trifft, passiert halt höchstens ein Mal im Jahr. Eher noch seltener. 

Die Szene von Konrad Laimer ist verdammt schwer einzuordnen, weil es direkt danach halt noch den "Handelfmeter" gab. Es war halt so hektisch, dass man die entscheidende Wiederholung nicht zu sehen bekommt. Aber es könnte schon sein, dass Laimer minimal die Hand zur Hilfe nimmt, um den Ball zu kontrollieren. Ich sag das mal so: Wenn ein Pariser Angriff mit so einem Pfiff gestoppt wird, sind die Bayern Fans froh, dass der aufmerksame Schiedsrichter dies wahrgenommen hat...

Aber ich gebe den Bayern Fans, dass das sehr unglücklich lief. Also ich kann voll nachvollziehen, dass sich die Bayern Fans die nächsten 12 Monate darüber aufregen werden. Das waren schon schwer nachvollziehbare Entscheidungen.

An der Stelle muss man mal festhalten, dass es genau genommen nur einen einzigen Grund gab, warum das Spiel nur 1:1 ausging und kein Fußballfest wurde: Manuel Neuer entschied sich doch, an diesem Halbfinale teilzunehmen. Der entscheidende Kontext hier: Die ersten 6 Torschüsse, die Paris im Halbfinale abgab, waren allesamt drin. Danach zeigte Neuer dann plötzlich 4 gute bis sehr gute Paraden.

Das ist nebenbei das echt sonderbare am 40-jährigen Neuer: Hin und wieder kommt er noch an die alte überragende Form ran. Als Paradebeispiel sei hier das Hinspiel gegen Real Madrid genannt. Aber dann hat er, wie im Rückspiel des Viertelfinales, unterirdische Auftritte dabei. Und dazwischen ist er ganz häufig einfach nur ein menschlicher Torhüter.

Und versteht mich nicht falsch: Keiner der 6 Gegentreffer im Halbfinale waren "ein Torwartfehler". Aber Manuel Neuer von 2014 hätte trotzdem mindestens 2 dieser Tore verhindert. Eher 3. Neuer war halt der eine Torwart, der "unhaltbare Bälle abwehren" normal aussehen ließ. Jetzt haben sie "nur noch" einen guten Torhüter.

Was praktisch schlecht ist, denn in den letzten Wochen dürfte es deutlich geworden sein, dass Vincent Kompany einen überragenden Torhüter braucht, um seine Spielphilosophie auf höchstem Niveau umzusetzen. In der Bundesliga fällt das meistens nicht auf. Aber schon gegen Real kassierte man 4 Gegentore. Selbst gegen Atalanta Bergamo waren es 2. Genaugenommen stand die Null nur gegen Union Saint-Gilloise und Club Brügge. Insgesamt gab es 20 Gegentore in 14 Spielen. 

Und nur um festzuhalten, dass das kein Champions League Problem ist, sondern halt "nur" in der Champions League am Ende auffällt: Mainz hat in 2 Spielen 5 Tore gegen die Bayern erzielt... der SC Freiburg und Augsburg sind bei je 4. Selbst die eigentlich immer in Ehrfurcht erstarrenden Dortmunder kommen auf 3...
Kurzer Einschub: Da bin ich unsachlich und gemein. Die Dortmunder schießen allgemein überraschend viele Tore gegen die Bayern. Letztes Jahr waren es auch 3. Und in dem einen Jahr, wo sie wirklich nur 2 Tore erzielt haben, konnten sie mit diesen 2 Toren das Spiel sogar gewinnen. Und ganz ohne eigenen Treffer blieben sie zuletzt 2019/20... 

Aber dass die Bayern zu viele Gegentore kassieren, wurde viel zu lange einfach nur ignoriert, weil sich alle an der beeindruckenden  Offensivreihe berauscht haben. Aber am Ende spielt da immer noch ein Joshua Kimmich im Defensiven Mittelfeld... Und ein Upamecano, Tah, Laimer und Stanisic in der Viererkette. Das sind auch gute Spieler, keine Frage. Aber sie sind halt eine Klasse unter Kane, Musiala, Olise und Luis Diaz. Oder halt doch schlechter, als das, was Paris oder Arsenal auf diesen Positionen aufstellt. 

Ich habe mich davon ja selber auch blenden lassen, aber am Ende ist nur Bayerns Offensive wirklich auf dem Niveau eines Titelanwärters. Jetzt ist es natürlich spannend, ob die Bayern da im Sommer doch was machen.

Denn was die Bayern am Ende brauchen, ist ein Javi Martínez. Also ein defensiver Mittelfeldspieler, der wirklich defensiv denkt. Das eigentliche Problem an der Stelle ist aber: Man sucht damit de facto einen Nachfolger für Joshua Kimmich. Zumindest wenn man, wie ich, einem Aleksandar Pavlović zutraut, dass er für Jahre eine zentrale Rolle bei den Bayern übernehmen kann.

Kimmich hatte ja meiner Meinung immer das Problem, dass für ihn als Zentrumsspieler auf allerhöchstem Niveau die Luft dünn wird. Er schafft es nicht, in diesen Spielen als defensiver Stabilisator aufzutreten. Aber das Problem taucht halt nur in 5 Spielen im Jahr wirklich auf. Gegen Real, Paris und Arsenal London. In diesen 5 Spielen hat man aber 13 Gegentore kassiert... Das ist mehr als die Hälfte der gesamten Gegentore im Wettbewerb.

Ich finde es an der Stelle faszinierend, dass Kimmich laut Kicker Noten sowohl gegen Real als auch gegen Paris "gut bis ordentlich" gespielt haben soll. Und mit dem Ball hat er das auch. Aber als defensiver Stabilisator, was ja als Kapitän und defensiver Mittelfeldspieler auch sein Aufgabengebiet ist, hat er nicht funktioniert. Also um es drastisch auszudrücken: Kimmich musste hinterher am Mikrofon erklären, wie man 6 Gegentore in 2 Spielen kassieren konnte... aber auf die Idee, dass er selbst irgendwas mit diesen 6 Gegentoren zu tun haben könnte, kam niemand...

Und ja, in dem einen Jahr, in dem Kimmich die Champions League gewonnen hat, musste er als Rechtsverteidiger auflaufen. Nächstes Jahr werde ich das wieder auf dem Schirm haben. 

Dienstag, 5. Mai 2026

Die DFL ist einfach nur... weird.

 Und ja, ich bin gerade ein wenig im Verzug. Anyhow.

Erinnert ihr euch an NoelDeutschlands berühmtester Balljunge, der quasi den Hockey-Assist zum Tor von Jamal Musiala gegeben hat. Der wurde dafür hinterher von ganz Deutschland gefeiert und bekam einen von der gesamten Mannschaft signierten Ball. Großes Kino, 

Die Reaktion der DFL: Eine schnellere Spieleröffnung und mehr Tore? Das wollen wir nicht sehen! Also hat man im März die Regeln für die Balljungen bis ins Detail geklärt. Da wird dann bis auf die Dezimeter geklärt, wie weit die "Ballstationen" voneinander entfernt stehen müssen. Und das insgesamt 19 Bälle "einsatzbereit" sein müssen.
Gerade letzteres finde ich immer lustig, wenn Spieler dann "DEN SPIELBALL" mit nach Hause nehmen, wenn sie einen Hattrick erzielt haben. So wie Patrick Schick das am Wochenende gemacht hat. Dass er überhaupt eines der 3 Tore mit dem jetzt zu Hause rumliegenden Ball erzielt hat, ist statistisch schon unwahrscheinlich. Dass er alle 3 Treffer mit diesem einen Ball erzielt hat, ist praktisch ausgeschlossen. Bei "nur" 37 Ballkontakten ist es sogar möglich, dass er da jetzt einen Ball im Regal hat, den er auf dem Spielfeld nie berührt hat.

Aber zurück zu den Balljungen. An der Stelle muss man Einschieben, dass die Idee natürlich aus der Premiere League kommt. Wie immer, denn das sind ja quasi die einzigen, die auf die Anweisungen des IFAB scheißen, obwohl ihr Verband da drin sitzt, und einfach Regeländerungen vornehmen. Und auch von der UEFA gibt es da klare Anweisungen. Es ist also nicht nur die DFL so dumm.

Und versteht mich nicht falsch: Regeln, die verhindern, dass Balljungen Zeitspiel betreiben oder die Spieler der Gastmannschaft provozieren können, sind super sinnvoll. Da gib es in dem Artikel genügend Negativbeispiele für. Für die Gäste sind diese "Ballstationen" eine wichtige Neuerung. Aber nur weil es die gibt und die sinnvoll sind, muss ich doch den Balljungen nicht verbieten, den Torhütern einen Ball zuzuwerfen. Das ist ja kein "Entweder/Oder". Der Balljunge kann ja den Ball von der Station nehmen und schnell zuwerfen, wenn dies im beidseitigen Interesse ist. Solange er ihn nicht für die Gastmannschaft blockiert, sollte das doch kein Problem sein.

Natürlich ist das ein gewisser Heimvorteil. Aber ist das wirklich schlimm? Denn die Statistik zeigt, dass dieser Vorteil immer unwichtiger wird. Letztes Jahr lag die Siegquote erstmals unter 40 %. Bei über 50 % lag sie zuletzt vor über 20 Jahren. Den cleveren Mannschaften jetzt die Möglichkeit zu geben, im eigenen Stadion das Spiel schnell wieder aufzunehmen, ist jetzt nicht die dümmste Möglichkeit, diesen Heimvorteil wieder herzustellen.

Und natürlich muss man an der Stelle einschieben, dass hauptsächlich die Spitzenteams davon profitieren werden. Dass St. Pauli das Spiel unbedingt schnell machen will, kommt eher selten vor. Aber auch da sage ich: Warum sollte man den Mannschaften, die progressiven und attraktiven Fußball spielen wollen, unnötige Knüppel zwischen die Beine werfen? Das ist doch eigentlich genau das, was wir sehen wollen.

Ich behaupte mal auch ganz dreist, dass die meisten Bundesligisten auf diese Anweisung scheißen. Also im Kicker-Artikel wird ja explizit Manuel Neuer erwähnt. Das lustigste ist ja, dass RB jetzt so tut, als würde das in ihrem Stadion nicht passieren, während Kaspar Hjumland behauptet, nie was von dieser Regel gehört zu haben. Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass Ole Werner als einziger Trainer darauf besteht, dass seine Mannschaft diese neue Anordnung strikt und bewusst umsetzt. Aber er ist jetzt halt die betroffene Partei, also jammert er lieber über eine Regel, an die sich seine eigene Mannschaft wahrscheinlich nicht hält. Zumindest in der Hinsicht ist hier also gar nichts Besonderes passiert...

Montag, 27. April 2026

Worst of des "St. Pauli scheitert an Schritt 1" Wochenendes

 Gewinne beim Tabellenletzten... Das wäre ja auch zu viel verlangt gewesen... Jegliche "Der Abstiegskampf wird spannend" basierte ja darauf, dass Pauli und Wolfsburg am Wochenende drei Punkte holen. Beiden ist dies nicht gelungen. Damit haben alle Mannschaften von Platz 15 bis 11 einen riesigen Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht, obwohl keiner von ihnen gewinnen konnte. Es gibt wirklich nur noch theoretische Szenarien, wie der Hamburger SV und der 1. FC Köln noch direkt absteigen. Und wie Union, Gladbach und Werder noch auf den Relegationsrang rutschen. Denn die haben ja nicht nur 6 und 5 Punkte Vorsprung, sie haben auch noch das bessere Torverhältnis. Abgesehen von Union sogar das deutlich bessere Torverhältnis. Wolfsburg und St. Pauli müssen nicht nur die nächsten beiden Spiele gewinnen... man muss sie mit 3:0 Toren gewinnen. Oder darauf hoffen, dass die Berliner sich entsprechend heftige Klatschen einfangen.

Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass die beiden noch gegen RB Leipzig und Bayern München spielen? Natürlich hat der Rekordmeister im ersten offiziell belanglosem Spiel der Saison gegen Mainz gezeigt, dass sie durchaus für 45 Minuten in den "Ist uns Scheißegal" Modus schalten können. Sie haben aber auch nachgewiesen, wie scheißegal das wirklich ist, weil sie ja in der 2. Halbzeit die Maschinerie hochfahren und das Spiel noch drehen können. Wie soll der VfL Wolfsburg gegen diesen Gegner hoch gewinnen?

Im Wesentlichen haben wir jetzt 2 Wochen "Geplänkel" vor uns und dann hoffentlich ein packendes Finale am letzten Spieltag. Das "Worst-Case-Szenario" wäre nebenbei echt ein Sieg von St. Pauli gegen Mainz und eine Niederlage der Wölfe in Freiburg. Was echt gar nicht so unwahrscheinlich ist. Wenn das passiert, könnte der Abstiegskampf am 32. Spieltag komplett entschieden sein. Denn die Bayern werden sich nicht die Blöße geben und so krass in den Abstiegskampf eingreifen, nur weil ein ehemaliges Aufsichtsratsmitglied Vorstand von VW ist... 

Aber hey, Ehre, wem Ehre gebührt: Union Berlin sichert sich praktisch den Klassenerhalt mit einem Sieg in 9 Spielen. Gladbach schafft es mit einem Sieg aus 7 Spielen. Der Hamburger SV ist bei einem Sieg in 10 Spielen... und die haben ein richtig knackiges Restprogramm. Aber sie müssen sich für nichts entschuldigen...

Also nur um festzuhalten, dass eine Aufholjagd durchaus möglich gewesen wäre, wenn man selbst Punkte geholt hätte: Die Konkurrenz ist fast kollektiv am "schwächeln". Sein wir nett und nennen es nur schwächeln... 

Gerade Gladbach muss man hier wieder hervorheben. Die spielen zwar relativ häufig Unentschieden, warten aber seit 5 Spielen auf einen Sieg. Davor startete man das Jahr mit 7 sieglosen Spielen infolge. Und man startete die Saison mit 8 sieglosen Spielen... Das ist jetzt also die dritte epische Serie dieser Saison. Effektiv war man nur in den 6 Wochen von November bis Anfang Dezember wirklich Wettbewerbsfähig... Aber das reicht halt auch: 5 Spiele mit 4 Siegen und einem Unentschieden.

Wenn uns nicht mal der Abstiegskampf "rettet", wird es verdammt viele bedeutungslose Spiele geben. Mainz gegen die Bayern war da wenigstens ein unterhaltsamer Auftakt. Aber ganz praktisch war es vollkommen egal, wie dieses Spiel am Ende ausgeht. Nächstes Wochenende kommen dann Werder gegen Augsburg dazu. Also ja, es gibt theoretische Szenarien, wie Platz 9 für den Europacup reicht, wenn Freiburg und die Bayern europäische Trophäen gewinnen. Und Atlético Madrid mit 2 Niederlagen im Halbfinale scheitert. 

Und Gladbach gegen Dortmund dazu. Das Spiel findet am Sonntag statt, Gladbach weiß da also schon, wie St. Pauli gespielt hat. Da könnte der Klassenerhalt also wirklich nur noch rechnerisch möglich sein, wenn das Spiel angepfiffen wird. Und Dortmund hat die Champions League sicher.

Danach haben wir dann noch 2 weitere komplette Spieltage vor uns. Das wird aufregend... 

Freitag, 24. April 2026

Was euch natürlich niemand über den Abstiegskampf erzählt

 Ist ja, wie verdammt langweilig und quasi entschieden der bereits ist. Selbst der von mir sehr geschätzte Manu Thiele tappt in die "In der Bundesliga ist der Abstiegskampf extrem spannend. Viele Klubs hängen unten drin" Falle.

Das ist wieder der Moment, wo man erkennt, welche Experten hauptsächlich wollen, dass ihr dran bleibt und wer euch wirklich die gesamte Lage und ihren Kontext erklärt. Das Erste, was hierbei wichtig ist: In 12 der letzten 13 Jahre setzte sich der Bundesligist in der Relegation durch. Der Leistungsunterschied zwischen dem drittbesten Zweitligisten und dem drittschlechtesten Bundesligisten ist einfach zu groß, um wirklich von einem fairen Wettbewerb zu reden. Vielleicht ist St. Pauli wirklich individuell schwach genug besetzt, dass der Drittligist dieses Jahr wieder mal eine echte Chance hat. Beim Rest wäre es schon eine Überraschung, wenn es 2 spannende Spiele werden. Ein Abstieg wäre eine echte Sensation.

Aber das will euch natürlich niemand erzählen, weil dann auffallen könnte, wie unfair die Relegation wirklich ist... und das man für ein paar Millionen Euro an Fernsehgeldern den 3. Aufstiegsplatz abgeschafft hat. Die sind froh, dass die Ultras sich andere, irrelevantere Schlachtfelder ausgesucht haben und lieber gegen die Montagsspiele, als gegen die Relegation gekämpft haben.

Damit Werder Bremen, der Hamburger SV, Borussia Mönchengladbach oder der 1. FC Köln wirklich absteigen, müssten die 7 Punkte Vorsprung verspielen. In 4 Wochen. Das ist beinah unmöglich. Also tatsächlich... Wir nennen sie ab sofort geschlossen "Die Klassenerhalts-Kandidaten".

Ich bin dann mal die Tabellen dieses Jahrtausends durchgegangen. Da kann man dann die epischen Aufholjagden nachvollziehen. 2015/16 hat Eintracht Frankfurt 4 Punkte Rückstand aufgeholt, um sich in der Relegation zu retten. 2012/13 waren es bei Hoffenheim 6 Punkte aufs noch erreichbare rettende Ufer. 2002/03 konnte Bayer Leverkusen Arminia Bielefeld noch abfangen, obwohl die scheinbar komfortable 5 Punkte Vorsprung hatten... und 12. in der Tabelle waren. Und... das war es. Also selbst die 5 Punkte, die St. Pauli noch aufholen müsste, um die Konkurrenz wenigstens in die Relegation zu zerren, wären eine absolute Seltenheit. Das ist uns in diesem Jahrtausend ZWEI Mal passiert. 7 Punkte konnten in den letzten 25 Jahren nie aufgeholt werden.

Nebenbei erwähne ich an der Stelle auch immer, dass St. Pauli und Wolfsburg am letzten Spieltag gegeneinander spielen. Zum Glück, denn so, wie die Tabelle gerade aussieht, könnte dies das einzige relevante Spiel werden. Aber das bedeutet auch, dass beide vor dem 34. Spieltag 5 Punkte aufholen müssen, damit Wolfsburg dann am letzten Spieltag am Millerntor gewinnt. Und sie sollten auch noch hoch gewinnen, denn die "Konkurrenz" hat das deutlich bessere Torverhältnis. Wenn die also nur ein Unentschieden holen, wird die ganze Rechnung hinfällig.

Im Wesentlich wird das an diesem Wochenende entschieden. Also Wolfsburg muss gegen Gladbach und Pauli in Heidenheim gewinnen. Wenn man darauf 5 Euro wettet, bekommt man 33 Euro ausgezahlt... Dann muss ja auch noch Pauli die Wochen darauf gegen Mainz oder RB Leipzig gewinnen. Und Wolfsburg gegen Freiburg und die Bayern. Die Auszahlung für die wahrscheinlicheren Siegen liegt bei 215,80 €. Also Stand Freitag 17 Uhr via BWin... Aber wenn man den Experten so zuhört, ist das eine sichere Anlage. Denn es soll ja angeblich noch Spannung in den Abstiegskampf kommen.

Aber ganz realistisch geht es nur noch um Wolfsburg und St. Pauli. Alle anderen Vereine, die angeblich noch unten drin stecken, werden nächstes Jahr Bundesliga spielen. 

Und natürlich willst du den Gang in die Relegation vermeiden... auch wenn das eigentlich ein Reingewinn ist, den man in dem Heimspiel erwirtschaftet. Aber seinen Fans will man das natürlich nicht antun. Und es wäre schon extrem arrogant, jetzt schon vom Klassenerhalt zu reden, wenn es nur 5 Punkte auf diesen Relegationsrang sind. Dass die Klassenerhalts-Kandidaten sich selbst noch nicht als "gerettet" betrachten, ist durchaus vernünftig. Aber dass die Experten in den Fernsehsesseln und Redaktionen das alles verschweigen, ist schon erbärmlich.

Denn hier ist das Lustigste: Selbst wenn ich daneben liege, ist diese Prognose extrem wichtig und wertvoll. Wenn einer dieser beiden Vereine sich noch aus ihrer prekären Lage befreien können, erleben wir eine historische Aufholjagd, wie wir sie selten sehen. Viel wichtiger: wenn einer der Klassenerhalts-Kandidaten noch absteigt, sei es direkt oder über die Relegation, erleben wir einen historischen Einbruch. Und diesen Kontext, der verdammt wichtig ist, um das Geschehen einzuordnen, habt ihr jetzt schon. #PassivesAbseitsLeserwissenesfürher... UND exklusiv.

Ich behaupte ja immer, dass es gar nicht so wichtig ist, als Experte immer richtigzuliegen. Es ist wichtig mit seinen Prognosen den Kontext zu erklären, damit die Zuschauer wissen, worauf sie achten müssen, damit die außergewöhnlichen Ereignisse eintreten. Und diese Ereignisse wissen sie dann richtig zu schätzen.

Aber in der Medienrealität versuchen die Leute euch nicht den Kontext zu erklären, sondern sie wollen euch nur irgendwie an den Geräten halten. Und dafür müssen sie irgendwie Spannung generieren. Das könnt ihr am Samstag, um noch eine Prognose abzugeben, sowohl bei der Konferenz, als auch in der Sportschau beobachten. 

Donnerstag, 16. April 2026

Die Vertragsverlängerung von Nico Schlotterbeck

 Das war schon ein episches Event. Wie sehr muss man eigentlich die Verhandlungen verkacken, dass die eigenen Fans auf die Bekanntgabe einer Verlängerung mit Pfiffen reagieren? Wie konnte das denn passieren?

Das Grundproblem ist hier natürlich die Ausstiegsklausel. Also noch nicht mal die Ausstiegsklausel an sich, sondern dass sie schon ab diesem Sommer greift. Ausstiegsklauseln sind wirklich relativ normal, da müssen wir uns nichts vormachen. Und ja, auch Harry Kane hatte so eine in seinem Vertrag, was mich auch ein wenig überrascht.

Aber hier ist das entscheidende Problem: Die Ausstiegsklausel bei Nico Schlotterbeck greift schon ab diesem Sommer. Wenn auch sie nur für 3 Vereine gilt. Aber Real Madrid ist dabei, und die könnten nach der Vorstellung gestern durchaus Hilfe in der Verteidigung gebrauchen. Auch Liverpool wird genannt und auch die werden im Sommer Geld für deutliche Verstärkungen in die Hand nehmen.

Normalerweise gelten solche Ausstiegsklauseln ab 2027 oder 2028. Das wäre ein starkes Statement auch von Schlotterbeck gewesen: "Egal, wie die Weltmeisterschaft ausgeht, ich werde mindestens bis zur EM in Dortmund bleiben." Und machen wir uns nichts vor: Am Ende geht es jetzt für Schlotterbeck nur um die WM. Wenn Deutschland erfolgreich abschneidet und Schlotterbeck ins Team des Turniers gewählt wird, holt Real den. Und dann wird Schlotti sagen, dass man einer Mannschaft wie Liverpool nicht absagen kann.

Für mich als zynischer Zuschauer ist das natürlich perfekt. Denn jetzt steht quasi schon fest, wie Schlotterbecks restliche Karriere in Dortmund verlaufen wird. Es gibt ja tatsächlich nur 2 Szenarien.

Szenario 1.: Schlotterbeck macht noch den Schritt zum Weltklasse-Verteidiger. Wie immer gehe ich mit diesem Begriff sehr sparsam um. Aber wenn er den Schritt geht, ist die Frage nicht "ob", sondern nur "wann" er den Verein verlässt. Und die Antwort lautet "Unverzüglich"...

Szenario 2: Schlotterbeck wird der nächste Julian Brandt. Im Jahr 2030 führt er die Mannschaft dann als Kapitän aufs Feld, weil er halt irgendwie schon immer da war. Er ist aber auch nur noch da, weil sich die wirklich großen Klubs nicht für ihn interessieren. Und im Sommer 2031 wechselt er dann ablösefrei irgendwo hin. Wahrscheinlich zu einem Verein, der im Ausland um die Champions League Teilnahme mitspielen kann. Vielleicht wird er sogar mal Meister in Italien. Und bei seinem Abschied werden sich alle denken, dass da doch irgendwie mehr gegangen wäre, wenn er sein gesamtes Potenzial ausgeschöpft hätte.

Vielleicht verlängert man den Vertrag dann sogar noch einmal. Dann sogar ohne Ausstiegsklausel, weil sich niemand für einen Ü30er Verteidiger aus Dortmund interessiert. Und hey, vielleicht stemmt er sogar mal als Kapitän den DFB-Pokal in den Himmel. Das hängt halt davon ab, wie ernst die Bayern diesen Wettbewerb nehmen. Meister wird, wie bereits letzte Woche angekündigt, bis 2031 nur der FC B...

Das ist und bleibt halt das Grundproblem der Dortmunder. Und genaugenommen auch beim Rest der Liga. Sobald die Spieler in ihren Reihen auch nur andeuten, dass sie wirklich Weltklasse sind, kommt jemand und bietet verdammt viel Geld. Die letzte Ausnahme, die mir einfällt, ist halt Florian Wirtz, der eine Ehrenrunde mit Leverkusen absolvierte, obwohl er eigentlich schon 2024 den Schritt zu einem größeren Verein wagen konnte. Aber er wollte halt vorher als Stammspieler Champions League spielen und ist nach wie vor verdammt jung. Er ist wirklich gut beraten und nicht nur auf die schnelle Gehaltserhöhung aus.

Es ist ja auch faszinierend, wie viele ehemalige Bundesligaspieler in diesem Champions League Viertelfinale mitgemischt haben: Wirtz, Hugo Ekitiké, Dominik Szoboszlai und Jeremie Frimpong spielen für Liverpool. Ousmane Dembélé geht mittlerweile für Paris St. Germain auf Ballon d'Or jagt. Dani Olmo und Robert Lewandowski greifen für Barca an. João Cancelo "verteidigt" für sie. Piero Hincapie und Kai Havertz verwalten die Vorsprünge für ArsenalJude Bellingham, Antonio Rüdiger und Daniel Carvajal jammern kollektiv für Real Madrid. 12 Spieler... und nur 2 von ihnen kamen vom FC Bayern. Und die ganzen jungen Hüpfer kommen nicht vom Rekordmeister, sondern von der "Konkurrenz".

Die Bundesliga könnte locker eine Mannschaft ausbilden, die die Bayern, selbst in ihrer derzeitigen Verfassung, herausfordern könnte. Aber sie können diese Spieler nicht halten. Sie verlängern "nur" mit den Schlotterbecks dieser Welt...

Dienstag, 14. April 2026

Die Baumgart Entlassung ist schon konsequent

 Also logische Konsequenz. Es war halt absehbar.

Was soll ich sagen... #PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher. Dass die Ära Steffen Baumgart genau so verlaufen wird, wie sie verlief, habe ich hier direkt nach der Verpflichtung angekündigt.

Es gab halt etwa 1 1/2 Jahre lang unansehnlichen, aber intensiven Fußball. Man war spielerisch limitiert, aber konnte meistens kämpferisch überzeugen. Auch wenn da die Tendenz am Ende deutlich nach unten ging. Baumgart durfte die Offensive nach seinen Vorstellungen umbauen, indem er Benedict Hollerbach durch Oliver Burke ersetzte. Weniger Feinschliff, mehr Athletik. Fun Fact: Burke war mit 1,85 m der kleinste der 3 regelmäßig eingesetzten Stürmer. 

Eine spielerische Weiterentwicklung gab es nicht. Aber wer bei Baumgart eine spielerische Entwicklung erwartet, hat in den letzten 10 Jahren nicht aufgepasst. Baumgart lässt eine gewisse Art von Fußball spielen. Und er hat es ja auch geschafft, Union von den Abstiegsplätzen fernzuhalten. Die offensichtliche Frage war aber immer: Wie lange wird das bei einem ambitionierten Investorenklub in der Hauptstadt reichen? Die Antwort: 15 Monate.

Nebenbei war die "Ära Baumgart" ja auch kein Fehler. Und er ist keinesfalls "gescheitert", wie viele jetzt behaupten. Er hat die Mannschaft stabilisiert, als sie in den Abstiegskampf zu rutschen drohte. Aber Union ist halt ein Verein, der dich entlässt, wenn der Abstiegskampf am Horizont droht.

Also Baumgart hat den Verein ja übernommen, als man "nur noch" 6 Punkte Vorsprung vor dem Relegationsrang hatte. Zum Auftakt verlor er gegen Heidenheim. Jetzt hat er nur noch 7 Punkte Vorsprung und wieder gegen Heidenheim verloren... Da muss man dann die Notbremse ziehen.

Nebenbei ist Baumgart der "Anti-Horst-Steffen". Also Steffen wurde ja bei Werder Bremen entlassen, weil er es nicht geschafft hat, gegen die Mannschaften in der oberen Tabellenhälfte zu punkten. Und gegen Mannschaften aus Hamburg. Aber gegen die anderen Mannschaften aus der unteren Zone punktet man relativ konstant. Das bliebt auch unter Daniel Thioune so, der gegen St. Pauli und RB Leipzig verliert, aber gegen Heidenheim, Union und Wolfburg gewinnt.

Baumgart's Unioner haben absurderweise gegen Leipzig, Leverkusen und Freiburg gewonnen. Dazu kommt ein Unentschieden gegen den VfB Stuttgart. Die 7 Punkte Vorsprung kommen aus den Spielen gegen die Champions League Anwärter. Aber dafür gab es Niederlagen gegen Heidenheim und Gladbach

Das spricht dafür, dass Baumgart gut darin ist, seine Mannschaft gegen einen deutlich besseren Gegner ein- und aufzustellen, aber dass es Probleme gibt, wenn seine Mannschaft selbst das Spiel machen muss.
Die grundlegende Frage bleibt aber im Raum: Wenn abzusehen war, dass Union mehr erwartet, als Baumgart normalerweise liefert, warum hat man den überhaupt geholt? Man hat sich bei einer der wichtigsten Fragen nur von den Emotionen blenden lassen, anstatt sachlich zu betrachten, dass Baumgart für die Visionen, die man an der alten Försterei hat, nicht der richtige Mann ist.

Mein erster Gedanke war nebenbei: Hätte man das nicht im Sommer sauber einen Neuanfang mit einem neuen Coach starten können? Muss man jetzt wirklich das "Risiko" eines "Dead Coach Bounce" auf sich nehmen, anstatt im Sommer mit einem neuen Wunschkandidaten neu anzufangen? 7 Punkte sind doch relativ viel, da wird man schon nicht in den Abstiegskampf rutschen, selbst wenn man beinah alles verliert. 

Dann habe ich aber auf den Spielplan des an der Stelle Konkurrenten geguckt. Und dann fiel mir auf, dass die Bayern quasi der letzte richtig schwere Verein war, den St. Pauli noch im Spielplan hatte. Jetzt steht nur noch das Duell mit dem Konstrukt aus Leipzig an... Und Spiele gegen Köln, Heidenheim, Mainz und Wolfsburg. Für Mainz wird es am 32. Spieltag nur noch um die "goldene Kamera" gehen. Also die bessere Platzierung in der Fernsehgelder-Tabelle. Aber gegen 3 der letzten 6 darf man noch spielen. 

Lustigerweise hat Union quasi dasselbe Restprogramm. Man spielt gegen Augsburg statt Heidenheim. Aber die restlichen Gegner sind exakt dieselben. Was aber ein schlechtes Zeichen für Baumgart gewesen wäre, da man ja von ihm "nur einen Sieg gegen Leipzig" erwarten kann. 

Die Konstellation mit den Mainzern ist nebenbei wirklich absurd. Also machen wir uns nichts vor: Die sind gerettet. Also es sind ja nicht "nur" die 8 Punkte auf St. Pauli. Es sind auch die 5 auf Bremen und die 3 auf Gladbach. Dass all diese Mannschaften plötzlich einen Lauf hinlegen, ist doch eher unwahrscheinlich.
Die haben aber auch noch spannende Europacup-Abende vor sich. Mindestens einen. Wenn alles normal läuft, eher noch 3. Im Idealfall sogar 4. Die spielen aber noch gegen Gladbach, St. Pauli, Union und Heidenheim. Und gegen die Bayern... Am Ende könnte der Alkoholpegel der Muskelkater in Mainz den Abstiegskampf entscheiden. 

Das ist aber auch die Stelle, an der jegliche Prognosen reine Kaffeesatzleserei werden. Also es ist unfassbar schwierig, einzuschätzen, in welcher Verfassung die einzelnen Mannschaften den Schlussspurt antreten werden. Der Spielplan von Werder Bremen wirkt relativ fies, vor allem weil die ja gegen die obere Hälfte so schlecht aussehen. Aber Hoffenheim ist gerade krass am Einbrechen und hat nur eines der letzten 7 Spiele gewonnen. Wie werden die auftreten, wenn die Champions League Chance endgültig verspielt wurde? Schaffen sie es in Augsburg, die Spannung hochzuhalten, wenn der Klassenerhalt gesichert wurde? Mich würde es nicht überraschen, wenn Augsburg den Klassenerhalt mit 10 Siegen ohne Sieg in Serie feiert. Das bedeutet dann, dass Bremen, Gladbach und Union noch "unerwartet" punkten... Oder spielt der VfL Wolfsburg plötzlich befreit auf, wenn der Abstieg auch rechnerisch besiegelt ist? Das wäre die lustigste Pointe der Saison: die gewinnen plötzlich gegen die Bayern und drucken "Real Madrid Besieger"-Besieger Shirts... Sie müssen ja nur 3 davon drucken, um den Markt abzudecken...

Dienstag, 7. April 2026

Die Bayern sind schon beängstigend gut

 Wo ich gestern die Bundesliga als ganzes so "mittelmäßig" geredet habe, muss das auch mal festgehalten werden. Also vor dem Spiel gegen Real Madrid. Denn zum ersten Mal seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, dass die Bayern auch da wirklich mithalten können. So gut sehe ich diese Bayern.

Für mich liegt das primär an 3 Faktoren: 1.) Harry Kane. Lange Zeit ging ich ja davon aus, dass die auf dem Transfermarkt doch eher konservativen Bayern keine 100 Millionen für einen Stürmer ausgeben werden. Aber um einen Weltklasse-Spieler zu bekommen, muss man diese Summen hinlegen. Bei Kane lag die reine Ablöse bei 95 Millionen. Dazu kommen mit Luis Díaz und Michael Olise 2 weitere teure Toptransfers. Die Bayern kopieren still und heimlich die Galakticos und holen jedes Jahr einen richtig teuren Star. Sie sind mittlerweile gewillt, die beachtlichen Summen, die auf dem internationalen Markt aufgefordert werden, auf den Tisch zu legen.

Aber Michael Olise und Díaz sind schon Punkt 2. Denn hier beweist Max Eberl, dass er der Aufgabe wirklich gewachsen war. Also das, was Nils Ole Book jetzt in Dortmund beweisen muss, hat hier endlich geklappt. Eberl trat seinen Job ja am 1.3.2024 an. Dass er dann direkt mit Olise einen Diamanten holt, der sich unfassbar gut entwickelt, ist beeindruckend. Aber vielleicht hat er da ja noch von der Vorarbeit der Vorgänger profitiert. Dass er dann mit Díaz nachlegt, ist beängstigend. Nach Jahren der Instabilität hat man jetzt wieder den besten Manager der Liga auf seiner Seite. Die Bayern haben ja eine ganze Weile nach einem wirklichen Nachfolger für Uli Hoeneß gesucht, jetzt könnten sie ihn endlich gefunden haben.

Mann muss nur mal die anderen Namen in der Top 10 Rekordtransfer Liste nehmen: Lucas Hernández, Matthijs de Ligt, Joao Palhinha und Corentino Tolisso waren Enttäuschungen. Leroy Sané war 5 Jahre da, man ließ ihn aber am Ende ablösefrei gehen. Insgesamt machte man an den Weiterverkäufen dieser Spieler 180,5 Millionen Euro Verlust. Und das waren ja alles keine "alten Säcke" wie Harry Kane, wo man einen Verlust im Weiterverkauf einrechnet. Das waren Spieler, die entweder 10 Jahre bleiben oder mit Profit weiterverkauft werden. Das hat bei keinem funktioniert.

Min-Jae Kim rotiert seit seiner Ankunft zwischen Bank und Startelf. Die 7 Einsätze in der Champions League sehen auf den ersten Blick gut aus, aber bei genauerem Hinsehen kam er 3 Mal in der Schlussphase von der Bank und durfte nur in den "Ist eigentlich egal" Spielen in die Startelf. Dayot Upamecano hat sich gefangen und bekam eine Vertragsverlängerung. Die gab es aber nur, weil ein neuer Verteidiger zu teuer gewesen wäre. Das sage nicht ich, sondern Eberl.

Und dann ist da natürlich noch Harry Kane, der ein Volltreffer war. Aber man muss hier mal kurz festhalten, dass Stand April 2026, Upamecano der einzige Top Ten Transfer ist, der seinen Vertrag verlängert hat. Und das keiner dieser Spieler auf dem Transfermarkt gewinnbringend weiterverkauft wurde. Natürlich werden Kane, Díaz und Olise diesen Negativlauf beenden, es verdeutlicht aber, wie bescheiden diese Bilanz in der Summe ist:

Denn in der Summe kann man nur mit 3 der 8 Top-Transfers "vor Eberl" wirklich zufrieden sein kann. Sané hat die ja immerhin das eine Mal am letzten Spieltag zur Meisterschaft geschossen. Alles in allem ist das keine gute Bilanz... Eberl ist bei 2 von 2.

Da ist das Bier aber noch gar nicht leer. Also das Schlimmste haben wir noch vor uns: Jamal Musiala, Aleksandar Pavlovic und Lennart Karl. Musiala ist schon Weltklasse. Karl und Pavlovic haben das offensichtliche Potenzial, diese zu erreichen. Alle drei kommen aus der eigenen Akademie. Pavlovic und Karl können sogar behaupten, dass sie nie einen anderen Verein hatten, da sie vor der U17 zum Rekordmeister kamen. Musiala wurde ja technisch gesehen von Chelsea geholt.

Das, was ich mir von den Dortmundern immer erhofft habe, ist jetzt bei den Bayern passiert: Sie haben eine starke Generation von Eigengewächsen. Nun ist Toni Kroos der offizielle Beweis, dass so ein "Eigengewächs" auch nicht immer ewig bleiben. Aber der kam ja technisch gesehen vom FC Hansa. In der Regel sie bleiben länger bei ihrem Heimatverein, als die Dortmunder Im- und Export Diamanten. 

Das ist auch etwas, was die Bayern Fans völlig falsch verstanden haben, als Lennart Karl leichtfertig von Real Madrid geträumt hat: Madrid ist wahrscheinlich der einzige Verein, der sich berechtigte Hoffnungen auf einen Karl Transfer machen darf. Wenn ihr Olise oder Díaz fragt, werden die da Real, Barca, Man City und Liverpool ins Spiel bringen. Arsenal London ist auch nicht mehr weit weg. Und aus Nostalgie Man United. Bei Karl muss man sich, wenn er seine Ansage ernst gemeint hat, nur bei einem einzigen Verein sorgen machen.

Selbst wenn Pavlovic "nur" zwischen Welt- und internationaler Klasse pendelt und Karl sich nur auf der internationalen Klasse einpendelt, habe die Bayern immer noch ihre moderne Version von Lahm, Schweinsteiger und Müller. Und zu deren Höhepunkt 2014 war man international Wettbewerbsfähig. 

Man muss hier mal wieder festhalten, dass ich mit dem Begriff "Weltklasse" sehr sparsam umgehe. Das ist die absolut höchste Kategorie, die nur für die wirklich Allerbesten verwendet werden sollte. Müller war für mich nie Weltklasse, aber er war trotzdem ein sehr guter und sehr wichtiger Spieler im System der Bayern. Schweinsteiger war es um 2014, aber nicht auf seine gesamte Karriere gesehen. Er hat ja auch gefühlte Ewigkeiten gebraucht, um seine Position im Defensiven Mittelfeld zu finden. Lahm war derjenige, der konstant und auf verschiedenen Positionen auf allerhöchstem Niveau abgeliefert hat. Der war ein Jahrzehnt lang wirklich Weltklasse.

Jetzt stellt euch das Best/Worst-Case-Szenario vor und die Bayern bekommen 3 Spieler von Lahm's Qualität und mit Lahm's Identifikation. Dann hätten die Bayern für die nächsten 10 Jahre ihren Kern im Mittelfeld gefunden und müssen "nur" noch die Ergänzungen für diese 3 Spieler finden. Und sie haben einen Manager, der diese Ergänzungen offensichtlich findet. Praktisch muss man nur einen Nachfolger für Harry Kane verpflichten und dann ist man im Wesentlichen herausragend aufgestellt.

Die Frage ist ja: Wie schlimm ist das jetzt für die Liga? Also einerseits bekommt man ein international relevantes Flaggschiff. Andererseits werden die Bayern mindestens 9 von 10 Meisterschaften holen, solange diese 3 fit und in Form sind. Sie dominieren ja jetzt schon, wo "der Alte" verletzt ist und die beiden anderen noch verdammt jung sind. Das wird nur noch schlimmer.

Auch wenn das eigentlich unmöglich erscheint: Die nächsten 10 Jahre könnten noch dominanter werden, als die letzten 10. Und irgendwann wird das dazu führen, dass der gemeine Fan abschaltet...