Mittwoch, 18. März 2026

Der ganz normale Wahnsinn in Polen

 Also eigentlich sollte es "ganz normal" sein. 

Es haben sich ja schon einige mit der angeblich so absurden Saison und Situation in der polnischen Extraklasse beschäftigt. Alfie Pots Hammer von noch HITC Sevens zum Beispiel. Lustigerweise sind seinem Manager derartige Videos zu lang. Wir sollten sie also genießen, solange wir noch können.

Die aktuelle Saison ist noch knapper als sonst. Aber dass in Polen die Saison erst im Schlussspurt entschieden wird, ist relativ normal. 2022/23 wurde zuletzt die Meisterschaft frühzeitig entschieden. 2020/21 konnte zuletzt eine Mannschaft den Titel verteidigen

Das war nebenbei das Ende der Phase, in der Legia Warschau tatsächlich sehr dominant waren und 7 von 10 Meisterschaften gewinnen konnte. Legia war wirklich dicht dran, die Liga zu brechen und die absolute Dominanz zu erreichen. Aber ihnen fehlte dafür ein entscheidender Schritt.

Denn Legia Warschau hat in dieser Phase verpasst, sich in der Champions League einzunisten. Lediglich 2016/17 nahm man an der Gruppenphase teil, bekam also seinen Anteil der richtig fetten Fleischtöpfe. Man konnte aber nur ein einziges Spiel in der Gruppenphase gewinnen, bekam also wirklich nur die Antrittsprämie. Aber es gab ein beachtenswertes 3:3 gegen Real Madrid. In allen anderen Jahren scheiterte man in der Qualifikation.

Das bedeutet ganz praktisch: Die polnische Liga ist nicht "bekloppt", sondern eine der wenigen Ligen, die nicht durch die Millionen der Champion League kaputt gemacht wurde. Und vor der Einführung der Lizenz zum Gelddrucken waren alle Ligen so, wie die polnische gerade ist.

Praktisches Beispiel gefälligst? In der Bundesliga gab es in den 10 Jahren von 1990 bis 99 5 unterschiedliche Meister. Kaiserslautern und Dortmund wurden 2 Mal Meister. Werder Bremen und der VfB Stuttgart je einmal. Und die Bayern holten insgesamt 3 Titel. 

Im Jahr 2000 wurde dann die Gruppenphasen eingeführt. Das Teilnehmerfeld wurde auf 3-4 Mannschaften der Spitzenligen erweitert. Dadurch wurde nebenbei sichergestellt, dass Bayern auch in der Königsklasse mitspielt, wenn sie mal nicht Meister werden. Auch wenn dieser Schritt formell gesehen schon 1996/97 vollzogen wurde.  

Die logischen Konsequenzen: Während man in den 90ern noch 3 Mal am UEFA Cup teilgenommen hat, musste man seit der Jahrtausendwende nur ein einziges Mal beim "Cup der Verlierer", wie Franz Beckenbauer diesen Wettbewerb nannte, mitspielen. In allen anderen Jahren gab es immer das Königsklassengeld.
Wenig überraschend gewannen die Bayern in diesem Jahrtausend 19 von 26 Meisterschaften. Tendenz steigend. 

Das ist jetzt auch keine ganz neue Erkenntnis. Dass die Champions League die nationalen Ligen kaputt gemacht haben, ist ja irgendwie allen bewusst. In Spanien gab es in den letzten 20 Jahren nur noch 3 unterschiedliche Meister. Halt die 3 großen mit Real, Barca und Atlético Madrid, die regelmäßig an der Champions League teilnehmen und dort auch weit kommen. In den 20 Jahren davor waren es mit Bilbao, Valencia, Deprotivo und den 3 großen noch 6 unterschiedliche Meister. In der Serie A sind sie froh darüber, dass die pure Dominanz von Juventus Turin am Ende durchbrochen wurde. Allerdings ist Inter da auf einem relativ guten Weg, eine neue Serie zu starten. Also die werden jetzt das 2 Mal in 3 Jahren Meister und haben zuletzt 2 Mal das Finale der Champions League erreicht. Sie haben also die besten Voraussetzungen um 6 Mal infolge Meister zu werden.

Inter und Juventus waren ja schon mal kurz davor, die Liga komplett zu brechen. Von 2002 bis 2021 teilten die beiden Vereine 17 von 19 Meisterschaften unter sich auf. Juventus musste zwischendurch einen Zwangsabstieg verdauen, hatte aber dank der Champions League einen derart großen Vorsprung, dass das wirklich nur eine kleine Delle bedeutete. Und Italien ist eine Liga, die ja auch 4 Starter in diesem Wettbewerb hat. Trotzdem wurde man lange von 2 Vereinen dominiert.

Nebenbei können wir jetzt live dabei zugucken, wie die Champions League die nächste Liga kaputt macht. Denn für uns als Europäer ist die Geschichte von Bodö/Glimt ein wunderbares Fußballmärchen. Für die Norweger ist es der pure Horror.
An der Stelle muss man hier mal einfügen, dass Glimt nur so gut ist, weil es von Dezember bis Februar zu Hause praktisch unschlagbar ist. Das könnte daran liegen, dass es für jede Mannschaft Europas extrem unangenehm ist, im Winter nördlich des Polarkreises anzutreten. Das ist aber einer der absurden Nebeneffekte der neuen Europacup-Reform. Denn im "Alten System" hatten die Mannschaften aus den eher kälteren Regionen am letzten Spieltag immer ein Auswärtsspiel. Damit gab es von Ende November bis Mitte März einfach keine Heimspiele. Jetzt konnte Glimt Manchester CityInter MailandBesiktas, Maccabi Tel Aviv, Twente Eschede und Olympiakos Piräus im skandinavischen Winter besiegen. Das waren nur die letzten 2 Jahre... Das waren aber alles Ansetzungen, die es im "alten System" nie gegeben hätte. Und ohne den Sieg gegen City hätten sie nicht mal die Zwischenrunde erreicht. 

Man muss aber definitiv festhalten, dass dort ein absurd guter Job gemacht wird. Aber auf diese hervorragende Arbeit werden jetzt noch massig Geld gekippt. Dank des Ausscheidens der Dortmunder können wir ja festhalten, dass allein das Erreichen des Achtelfinales zusätzliche 11 Millionen Euro gebracht hat. 

Norwegen dürfte sich gerade darüber gefreut haben, dass die Dominanz von Rosenborg Trondheim durchbrochen wurde. Trondheim war der Serienmeister zur Einführung der Champions League. Sie spielten bis 2008 auch noch regelmäßig in der Gruppenphase, verloren dann aber, wie auch der norwegische Fußball insgesamt, den Anschluss. Wie Trondheim das verkackt hat, müsste man wahrscheinlich gesondert studieren, denn sie haben es ja gerade am Ende nicht geschafft, trotz der absurden Millionen die Dominanz aufrechtzuerhalten. 

Aber die 13 Meistertitel in Serie wurden 2005 durch Välgerena Fotball Elite durchbrochen. Danach nahm Trondheim noch 2 Mal an der Gruppenphase teil und danach kam ganz lange nichts mehr. Dafür gab es mit Välgreana, Rosenborg, SK Brann, Stabaek Fotball, Molde FK, Strömsgodset IF, FK Bodö/Glimt und Viking FK 8 unterschiedliche Meister in 21 Jahren. Das sind dich polnische Verhältnisse: Kaum war der Champions League Vorsprung von Trondheim aufgebraucht, gibt es einen offenen und spannenden Wettbewerb.

Nur hat Glimt jetzt schon 4 der letzten 6 Meisterschaften für sich entschieden. Und dank der eigenen Leistungen darf man jetzt auch als Vize-Meister an der Champions League Qualifikation teilnehmen. Dass man den letzten Titel knapp verpasst hat, ist also auch egal.
Falls Glimt es jetzt durch die Quali schafft und sich nächstes Jahr wieder für die Champions League Gruppenphase qualifiziert, werden sie mindestens 8 der nächsten 10 Meisterschaften holen. Und die einzige Hoffnung, die die Norweger haben, ist ein Scheitern des eigentlichen Hoffnungsträgers. Denn es ist im Fußball wie in der Wirtschaft: Es gibt keinen "Trickle Down Effect". Es gibt nur ein "Die Reichen werden immer reicher." Und Bodö/Glimt macht gerade den Sprung zu den Reichen.

Um den Bogen zurück zur polnischen Extraklasse zu schlagen: Es ist wirklich faszinierend, wie tief und fest die Indoktrinierung der Champions League nach 25 Jahren ist. Wir halten die Dominanz von einer bis 3 Mannschaften, die die Konkurrenz nach Belieben platt machen für völlig normal. Und wenn wir dann eine an sich gesunde Liga mit ausgeglichener Konkurrenz sehen, nennen wir das "bekloppt". Wir haben alle anscheinend vergessen, dass alle Ligen ungefähr so waren, wie die polnische es derzeit ist.  Aber all das hat uns im Endeffekt die Champions League genommen. 

Montag, 16. März 2026

Die Bayern lassen Niko Kovac plötzlich sachlich aussehen.

 Starke Leistung. Ein Plottwist, der so nicht zu erwarten waren. Schließlich genießen die Bayern eine komfortable Führung in der Liga, da sollte man Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern doch gelassen zur Kenntnis nehmen. Stattdessen meldet sich direkt Uli Hoeneß lautstark zum Thema. Gut, das ist irgendwie auch seine Aufgabe. Wenn der sich nicht ein Mal im Jahr völlig unsachlich meldet, müsste man sich ja auch Sorgen machen, ob es dem noch gut geht. Und die "Abteilung Attacke" wird halt nicht gebraucht, wenn es keine Konkurrenz mehr gibt. 

Aber was die ganze Sache völlig absurd macht, ist der Einspruch, den die Bayern eingelegt haben. Das ist ein Real Madrid Move. Und ja, das ist in diesem Kontext die schlimmste Beleidigung, die mir einfällt. Jetzt mal ganz sachlich gesehen: Die Gelb-Rote Karte bedeutet nur, dass Luis Diaz mal ein Spiel Pause bekommt. Gegen Union Berlin, eine Mannschaft, die man auch ohne Diaz und Jackson besiegen muss. Und wenn man gegen Union so unmotiviert auftritt, dass die eine Chance haben, wird das nicht an den Sperren liegen. Bei dem absurd vollen Spielplan und dem Luxuskader ist es doch nichts Schlimmes, wenn ein Spieler wie Diaz mal zwangsweise auf die Tribüne rotiert.  

Vor allem war zu 100 % absehbar, dass der Einspruch abgelehnt wird. Also das mag jetzt eine schockierende Nachricht für die Bayern sein, aber das war nicht der erste unberechtigte Platzverweis dieser Saison. De facto gab es davon schon so viele, dass selbst das IFAB schon reagiert hat. Nächste Saison könnte diese Situation halt überprüft werden. Dass man solche Änderungen nicht innerhalb einer Saison umsetzen kann, liegt irgendwie auch an der Fairness. Wenn eine gewisse Sachlage trotz VAR noch in die Kategorie der Tatsachenentscheidung fällt, muss diese Sachlage auch konsequent angewendet werden.

Wenn jetzt nur und ausgerechnet die Bayern es schaffen, durch einen Einspruch eine Sperre abzuwenden, müsste man tatsächlich von einem Bayern-Bonus reden. Und der vielleicht nachvollziehbare Anlass für den Einspruch wurde bereits geklärt, es gibt also nichts zu diskutieren.

Also fast nichts. Wenn die Bayern jetzt den Einspruch einreichen würden, weil sie darauf verweisen, dass sie eine Challenge genommen hätten, wenn sie diese Möglichkeit hätten... Ja, man könnte den Einspruch nutzen, um eine sinnvolle Diskussion anzuregen. Man könnte das "Gelb-Rot ist sehr hart, das würde ich jetzt nicht mehr so geben." mit einem "Wir hätten ihn da gerne selbst zur Review Area geschickt" kombinieren. Das ist, wie so oft, eines der Paradebeispiele für Challenges. Aber die Bayern heulen ja lieber sinnlos rum, anstatt konstruktive Diskussionen anzuschieben.

Wirklich ekelig wird es, wenn Max Eberl das ein Geständnis von Christian Dingert als "sehr ehrenvoll" bezeichnet. Nur um ihn dann ganz ehrenlos von hinten ins Kreuz zu springen und den Einspruch einzulegen. Kein "Wir akzeptieren das, weil Fehler im Fußball passieren", sondern ein "Das war ein Fehler gegen UNS, da muss man alle Hebel in Bewegung setzen." Und das führt halt auch dazu, dass wir jetzt noch tagelang über diesen Fehler reden, anstatt die Situation abzuschließen.

Nebenbei macht er das in einer Zeit, in der ein Deniz Aytekin öffentlich darauf hinweist, dass der Hass gegen Schiedsrichter im Zuge des VAR-Problems weiter zunimmt. Die Aussagen von Kovac in den letzten Monaten und die Aktion der Bayern jetzt tragen dazu ihren Teil bei. Und Dingert kann ja nichts dafür, dass er sich die Szene nicht nochmal angucken darf. 

Ganz sachlich wird die Aktion von Eberl jetzt nur eine Konsequenz haben: Es wird sich kein Schiedsrichter mehr vor eine Kamera stellen und sagen "Das war ein Fehler." Denn wenn er das macht, gibt es zwar erstmal die Schulterklopfer, aber er muss davon ausgehen, dass ihm mit der anderen Hand ein Messer in die Rippen gesteckt wird. Und wenn die Schiedsrichter das selbst nicht so sehen, wird die DFL es veranlassen. 

Da ist es doch schön, dass Hoeneß und Eberl ihren kleinen Beitrag dazu leisten, dass diese Hassspirale weiter eskalieren kann. Ich hätte ja auch nichts anderes von einem Hoeneß erwartet. Nur um mal festzuhalten, wie bescheuert das Vorgehen der Bayern ist: Didi Hamann bringt da plötzlich eine sachliche Aussage zu dem Thema, der man zustimmen muss... also außer man ist Hardcore Bayern Fan...

Montag, 9. März 2026

Das ist schon ein faszinierender Autounfall

 Den der VfL Wolfsburg da inszeniert. Eine dieser Karambolagen, bei der man einfach anhalten und gaffen muss. Als wäre ihnen aufgefallen, dass man schon was Besonderes liefern muss, damit irgendjemand hinguckt. Bessere Werbung kann man für einen Diesel von VW doch gar nicht machen...

Dass man nach dem Abpfiff im eigenen Stadion die Gästefans hört, die laut "Zweite Liga, Wolfsburg ist dabei!" singen, ist an sich schon absurd. Dass es auch noch die Fans des Hamburger SVs sind, ist völlig bekloppt. Wobei man da natürlich sagen muss: wer, wenn nicht die wahren Experten in Sachen Zweiter Liga?

Laut Kicker.de wurde sogar auf der VIP Tribüne der Sieg der Gäste gefeiert... DAS muss man erstmal schaffen. Dann fiel den eigenen Fans auf, dass man ja wenigstens mal ein paar Rauchbomben zünden muss, damit irgendjemand merkt, dass man noch da ist. Denn zu hören waren die ja vorher nicht wirklich.

Selbst der Mannschaft ist nach Abpfiff aufgefallen, dass man mal ein wenig Emotionen zeigen müsste... und man verlor sich in einer völlig unnötigen Rudelbildung. Dort sah der Ersatztorwart die Rote Karte. Das ist halt ihr "Aggressive Leader". Ernsthaft: Marius Müller hat jetzt eine Gelbe und eine Rote Karte gesehen, ohne dass er eine Minute gespielt hat. Und auch im Pokal gegen Kiel sah er eine Verwarnung. Da denkt sich selbst ein Dominik Kohr "entspann dich mal"...

Jetzt soll Hoffnungsträger Dieter Hecking den Karren aus dem Dreck ziehen, weil das in Bochum letztes Jahr so gut funktioniert hat. Frei nach Volker Pispers: "Hoffnungsträger kann man gar nicht sein." Im Kicker gibt es anscheinend einen völlig absurden Kommentar, laut dem Hecking "Seine Zukunft aufs Spiel" setzt. Der Kommentar selber ist natürlich hinter einer Paywall, aber ehrlich... Dieter Hecking ist 61. Er scheiterte zuletzt als Trainer beim Hamburger SV und eben in Bochum. Dazwischen hatte er eigentlich schon gemerkt, dass er als Trainer den Anschluss verloren hat und er versuchte sich mit mäßigem Erfolg als Sportdirektor in Nürnberg. Spätestens nachdem er den Neustart in Bochum in den Sand gesetzt hat, war seine Trainerkarriere doch durch. Er ist nur noch eine Station vom "Peter Neururer fährt den Porsche vor" Meme entfernt. Seine einzige Hoffnung sind absolut verzweifelte Vereine, die ihn als letzte Option anrufen. Und jetzt hat er den einen Dummen gefunden, der nur noch diese Option hatte. Im persönlichen Best-Case-Szenario holt er sich einen letzten Gehaltscheck ab, bevor er endgültig in den Ruhestand geht... Wenn er Pech hat, schafft er das mit dem Klassenerhalt und muss danach dann noch 9 bis 15 Monate weiterarbeiten, bevor sie ihn irgendwann entlassen. Und am Ende wird sich niemand daran erinnern, weil es eben auch nur Wolfsburg im Jahr 2026 ist... Ein Verein, für den sich allgemein niemand interessiert. 

Am Ende wird Hecking so oder so als einer dieser durchschnittlichen Bundesligatrainer in die Geschichte einzugehen. Selbst in seinen Hochphasen war er eher für die "Grauen Mäuse" als für die wirklichen Spitzenteams angestellt. Und seinen einen Titel holte er für die ultimative Graue Maus unter den "Spitzenteams". Was ja auch wirklich nicht schlimm ist. Und was nebenbei dafür sorgt, dass er finanziell ausgesorgt hat. Jetzt zu behaupten, dass diese Anstellung irgendwie seine Zukunft wirklich beeinflusst, ist völlig übertrieben.

Das wirkliche Problem für Wolfsburg: Die Konkurrenz macht Ernst. Selbst Werder Bremen entscheidet sich doch dafür, sich zu wehren. Wobei genau genommen nur genau das passiert ist, was ich vor der Entlassung von Horst Steffen prophezeit habe: Gegen die Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte wird Werder schon die nötigen Punkte holen, um den Klassenerhalt zu sichern. Die Hälfte der 12 Punkte, die man aus den Duellen gegen St. Pauli, Heidenheim, Mainz, Wolfsburg und Köln holen muss (und in der Hinrunde geholt hat), hat man nach der Hälfte der Duelle auch schon auf dem Konto. Im Wesentlichen hat Werder tatsächlich "nur" 2 wichtige Spiele gegen den HSV und St. Pauli verloren, sonst ist man voll im Soll. Und klar, man hat das grundlegende Problem, dass man gegen die Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte nicht wirklich konkurrenzfähig ist... aber das liegt primär an der Zusammenstellung des Kaders und nicht am Trainer. Und dieses Grundlegende Problem führt auch dazu, dass man nicht viel Spielraum hat.

Apropos Trainer: Es ist faszinierend, dass man sofort merkt, wie diese die letzte Woche genutzt haben. Es war ja für Borussia Dortmund eine der wenigen Wochen ohne "englische" Zusatzbelastung. Da war Niko Kovac dann direkt beim Logopäden. Und der hat ihm innerhalb einer Woche beigebracht, wie er den Satz "Ich hätte mich auch beschwert" sagt, ohne mit den Zähnen zu knirschen, nachdem man selbst von einer Fehlentscheidung profitiert hat. Ganz großes Kino.

Nur um den Bullshit, den Kovac in den letzten Wochen von sich gegeben hat, nochmal einzuordnen: Laut seinen eigenen Ansprüchen war die Rote Karte für Jahmai Simpson-Pusey übertrieben, weil Maximilian Beier ja weiterspielen konnte und nicht in der Bahre mit der Trage vom Platz getragen werden musste. 
Ganz ehrlich: Ich gehe davon aus, dass irgendjemand in der Dortmunder Medienabteilung Kovac unter der Woche mal zur Seite genommen hat, um ihn darauf hinzuweisen, welche Auswirkungen in der Wahrnehmung seine Aussagen so haben. Und dann haben sie ihn freundlich darauf hingewiesen, dass er bei Gelegenheit mal eine Fehlentscheidung "pro Dortmund" als diese anerkennen sollte.
Und Dortmund kann es sich jetzt ja leisten. Also deren Saison ist ja quasi durch. Sie werden die Saison ohne Titel, aber als Vize-Meister beenden. Was nach der letzten Saison ein Fortschritt ist. Aber da kann, oder eher muss, man ja mal die Gelegenheit nutzen, um das Image des Trainers ein wenig aufzubessern. 

Beenden wir diesen Beitrag mit einer der wichtigsten Fragen: Warum hat Mario Basler einen Podcast in der ARD Mediathek? Nur um da dann richtig sexistische Kackscheiße von sich zu geben? Ein großes Lob geht dabei an Arnd Zeigler, der Baslers "Wann siehst du mal ne Grätsche bei ner Dame" Aussage ad Absurdum geführt hat, weil erst erwähnt hat, dass Basler in seinen Jahren bei Werder selbst nie gegrätscht hat. Und dann legt er mit einer Montage heftiger Grätschen nach.

Aber ganz ehrlich: Mario Basler sollte Multimillionär sein. Und wenn er sein Vermögen wirklich komplett in den Sand gesetzt hat, kann er sich doch beim Unterschichtenfernsehen RTL bewerben, die werden ihn nehmen. Er ist ja unbestritten eine Persönlichkeit und Marke, die ihm auch eine gewisse Reichweite garantiert. Er könnte seine Weisheiten aus den 50er Jahren also auch ohne die Unterstützung der ARD verbreiten. Warum braucht er dafür die Unterstützung des Öffentlich Rechtlichen Rundfunks? Sollten die sich nicht eher darauf konzentrieren, aufstrebende junge Menschen oder neue Ansichten über ihre Plattform zu fördern?

Montag, 2. März 2026

Worst of des "Und Niko Kovac legt direkt nach." Wochenendes

 Warum auch nicht. Funktioniert ja auch super.

Aber eines vorne weg: Das Spitzenspiel war richtig gut. Sogar Dortmund hat am Ende versucht, auf Sieg zu spielen. Das war schon Werbung für die Bundesliga... nur halt mit einem vernichtenden Ausgang für die restliche Saison. Schade eigentlich.

Niko Kovac nutzt die Gelegenheit, um direkt Eigenwerbung zu machen. Und um zu beweisen, dass er die kritischen Aussagen vom Wochenende durchaus überdacht hat. Natürlich nicht.

Als er auf das kritische Foul von Niko Schlotterbeck an Josip Stanisic angesprochen wird, antwortet er mit einem "Natürlich nicht, das Bein musste ja nicht amputiert werden..." Also so ganz direkt sagt er das natürlich nicht. Aber sein Zitat ist schon bezeichnend"Josip konnte weiterspielen, von daher denke ich, wäre eine Rote Karte zu hart gewesen."

Also nur um das einmal ganz klar festzuhalten: Laut Niko Kovac kann man als Schiedsrichter nur über einen Platzverweis nachdenken, wenn der gegnerische Spieler verletzt ausgewechselt werden MUSS. Und hier muss das "dann hätte man darüber nachdenken können" nochmal richtig betonen. Was für ein Vollidiot.

Ernsthaft: Schickt den mal ein Regelwerk. Wir müssen mal festhalten, das Niko Schlotterbeck als Täter selber zugibt, dass er da Glück gehabt hat. Wie oft sehen wir einen Verteidiger, der so etwas zugibt? Das war also ganz klar Dunkelgelb. Hätte sich Kovac da wirklich einen Zacken aus der Krone gebrochen, wenn er einmal zugibt, dass man da ein wenig Glück gehabt hat, dass sein Spieler nicht vom Platz geflogen ist? Aber wie letzte Woche schon erwähnt, fehlt es ihm dafür einfach nur an menschlicher Größe.

Aber hier kommt das völlig absurde: Aus Dortmunder Sicht ist das der harmlose Teil... obwohl man sich damit als Verein seinen Ruf bei den neutralen Fans ruiniert. Deren Meinung interessiert ja sowieso niemand. Aber seine mangelnden Führungsfähigkeiten kommen den BvB jetzt richtig teuer zu stehen.

Denn heute kommt dann via Kicker.de raus, dass die Ärzte Emre Can eigentlich untersuchen wollten, er die aber weggeschickt hat. Kovac Analyse der Situation"Unsere Ärzte wollten ihn untersuchen. Aber er hat gesagt: Ich mache jetzt weiter! Dann kannst du als Arzt natürlich auch nichts machen." Ähm... die Ärzte nicht, aber als leitender Angestellter könntest du das. Du könntest den Spieler runterholen und dazu zwingen, dass er sich untersuchen lässt. Und wenn er sich weigert, kannst du ihn einfach auswechseln. Man könnte sogar behaupten, dass du das als leitender Angestellter zwingend musst.

Wenn Kovac diese Situation schon während des Spieles mitbekommen hat, dann trägt er jetzt eine Mitschuld an dieser schweren Verletzung. Denn es fällt auch in sein Aufgabengebiet, überambitionierte Spieler vor sich selbst zu schützen... und im Zweifelsfall dafür zu sorgen, dass die Ärzte ihren Job machen können.

Ansonsten müssen wir festhalten, dass der restliche Spieltag eher grotesk war. In der Samstagskonferenz fiel das erste Tor in der 49. Minute... wir waren also nur Sekunden von einer komplett torlosen ersten Hälfte entfernt. Auch das Gipfeltreffen kam erst in der 2. Halbzeit wirklich ins Rollen. Genauso wie Augsburg - Freiburg am Freitagabend. Oder anders ausgedrückt: Nur der VfB Stuttgart hat in der ersten Halbzeit wirklich brauchbaren Fußball gespielt. Und die haben alleine so viele Tore erzielt, wie die gesamten Bundesligisten in ihren ersten Halbzeiten zusammen. Denn auch bei Hamburg - Leipzig gab es 2 Tore. Langweiliger kann eine Bundesliga Halbzeit kaum verlaufen.

Gerade bei Werder Bremen gegen Heidenheim war es ja schon eher ein groteskes Kino. Also Jovan Milosevic und Romano Schmid bewarben sich beide auf den Title "Gomez der Woche". Beide mit einem Beitrag, der erschreckend dich am Original war. Schmid hatte sogar eine doppelte 100 %ige Chance. Und ja, für die abgeschlagenen Heidenheimer hat es gerade so gereicht. Hoffnung macht die Leistung aber trotzdem nur bedingt.

Vor allem, weil St. Pauli plötzlich 3 der letzten 4 Spiele gewonnen hat. Darunter gegen 2 Champions League Anwärter... What the fuck? Das ist ja das Schöne am Fußball: Dieser Sport ist manchmal einfach nicht sachlich erklärbar. Wie Pauli diese 2 Siege gegen Stuttgart und in Hoffenheim geholt hat, wird niemand nachvollziehen können. Nebenbei war das der erste Sieg außerhalb der Stadttore Hamburgs... 

Bayer Leverkusen scheint sich derweil darauf zu verlassen, dass der 5. Platz schon für die Qualifikation zur Königsklasse reicht... anders lässt sich der pomadige Auftritt gegen Mainz kaum erklären.  Denen ist bewusst, dass Dortmund keine Punkte mehr für sie sammeln wird? Und dass man selbst gegen Piräus 2 Punkte für diese Kategorie verschenkt hat. Denen geht es vielleicht wie Clemens Fritz und die wussten einfach nicht, wie das Regelwerk aussieht. Ich war ja auch überrascht, dass die Zwischenrunde auf einmal doch relevant für die 5-Jahres-Wertung ist. Vielleicht haben die auch einfach das Selbstbewusstsein, dass sie das gegen Arsenal schon reißen werden und sie sich deswegen diese Aussetzer leisten können. Das klingt doch wie ein Plan...

Donnerstag, 26. Februar 2026

Niko Kovac bleibt ein Vollidiot

Es fehlt diesem Menschen einfach die nötige Größe, um einmal klar zu sagen, dass das halt ein berechtigter Elfmeter für den Gegner war. Und dass es da auch gar nichts zu diskutieren gibt.

Stattdessen eiert er wieder rum und behauptet, dass er ja "inzwischen auch nicht mehr weiß, was ein Elfmeter ist." Also gut, hier als kleine Erklärung: Wenn man den Gegner mit dem Stollen im Gesicht trifft, ist das in 90 % der Fälle ein Elfmeter. Solange der Stürmer nicht auf Kniehöhe mit dem Kopf zum Ball geht, gibt es da wenig zu diskutieren.

Das bei WAZ gepostete Bild zeigt eindeutig, dass Mario Pasalic nicht im ungewöhnlichen Tiefflug unterwegs ist. Was Ramy Bensebaini da macht, fällt definitiv unter "gefährliches Spiel". Und wenn man beim gefährlichen Spiel den Gegner im Gesicht trifft, ist das Elfmeter. Eindeutig. Da gibt es dann auch nichts zu diskutieren.

Ich zitiere hier mal das Regelwerk, welches Kovac anscheinend nie gelesen hat:
Gefährliches Spiel unter "Indirekter Freistoß"
Als gefährliches Spiel gilt beim Versuch, den Ball zu spielen, jede Aktion, durch die jemand verletzt werden könnte (einschließlich des Spielers, der die Aktion begeht) und die einen in der Nähe befindlichen Gegner am Spielen des Balls hindert, weil er eine Verletzung befürchtet.
Ein Fallrückzieher oder Scherenschlag ist erlaubt, sofern dadurch kein Gegner gefährdet wird. 

Also nur um das mal festzuhalten: Selbst wenn Bensebaini in nicht trifft, muss es da eigentlich einen indirekten Freistoß geben. 

Ein Vergehen mit Körperkontakt wird mit einem direkten Freistoß geahndet.
• „Fahrlässig“ bedeutet, dass ein Spieler unachtsam, unbesonnen oder unvorsichtig in einen Zweikampf geht. Es ist keine Disziplinarmaßnahme erforderlich.
• „Rücksichtslos“ bedeutet, dass ein Spieler die Gefahr oder die Folgen für einen Gegner außer Acht lässt. Ein solches Vergehen ist mit einer Verwarnung zu ahnden.
• „Übermäßig hart“ bedeutet, dass ein Spieler im Zweikampf mehr Kraft einsetzt als nötig und/oder die Gesundheit eines Gegners gefährdet. Ein solches Vergehen ist mit einem Feldverweis zu ahnden. 

Die Zweikampfführung hier ist demonstrativ "rücksichtslos", weil Bensebaini ja gar nicht versucht, hinzugucken... Damit ist es aber auch egal, ob er da den Ball spielt oder nicht. Und es ist auch egal, ob es sich hier um Absicht handelt. Wer auf der Höhe mit einem ausgestreckten Bein zum Ball geht, muss damit rechnen, dass der Schiedsrichter pfeift. Das Risiko, den Gegner im Gesicht zu treffen, geht er fahrlässig ein. Und nur weil der Schiedsrichter den Kontakt nicht sofort erkennt, gibt er nicht direkt den Elfmeter.

Das beweist nebenbei auch, warum es richtig war, dass der VAR da eingreift, weil offensichtlich ein Wahrnehmungsfehler vorliegt. Die Dortmund Fans diskutieren ja auch darüber.
Das sind nebenbei dieselben Dortmund Fans, die behaupten, dass Julian Baumgartner bei seinen Treffern am Wochenende im Abseits stand, weil sie nicht wussten, dass man nicht im Abseits stehen kann, wenn man hinter dem Ball steht. Die pflegen ihre Opfer-Mentalität gerade sehr ausgiebig.

Aber die Dortmund Fans bringen uns zu dem eigentlich Problem an Kocac Aussagen und Haltung: Denn bei WAZ vor der Paywall wird nur die Frage in den Raum geworfen, ob der Kopf nicht zu tief ist. Für die Antwort müssten wir ein Abo abschließen. Aber diese Frage steht in Dortmund jetzt tatsächlich im Raum. Und Kovac befeuert sie weiter, indem er sich so schwammig positioniert.

Wenn Kovac einfach mal eindeutig sagen würde, dass es natürlich Elfmeter geben muss, wenn ein Spieler, der relativ normal zum Kopfball geht, mit dem Stollen in Gesicht getroffen wird, nimmt er damit der gesamten Dortmunder Fanszene den Wind aus den Segeln. Nebenbei schützt er dadurch den Schiedsrichter, der seinen ursprünglichen Fehler korrigieren konnte. Und er könnte, auch wenn man selbst nicht profitiert, erwähnen, dass der VAR hier eine Fehlentscheidung korrigiert hat. Aber Kovac schafft es ja nicht, Fehlentscheidungen gegen Dortmund überhaupt zu sehen.

Das ist nebenbei kein Einzelfall bei ihm, sondern seine grundlegende Haltung. Bereits am 23. Dezember habe ich ihn aus genau diesem Grunde zum "Vollidioten der Woche" gekürt. Kovac ist ein notorischer "Ich lege jede Szene so aus, dass es meinem Verein passt" Experte. Nebenbei kann man daran auch erkennen, wie Kovac reagieren würde, wenn sein Stürmer in einer vergleichbaren Situation wäre: "Was wollen sie von mir, er trifft ihn im Gesicht. Klarer Elfmeter!"

Was mich ja an der Stelle am meisten stört, ist der mangelnde Widerspruch, auf den Kovac bei den Journalisten trifft. Kein einzelner harkt da mit einem "Was Bensebaini da macht ist die Definition von einem rücksichtslosen Einsteigen. Da er den Gegner im Gesicht trifft, muss es zwingend Elfmeter und Gelb geben."  nach.

Eigentlich müssten die Journalisten jetzt offiziell verkünden, dass sie Niko Kovac einfach nicht mehr zu Regeln und Elfmetern befragen werden, denn er hat ja offiziell zugegeben, dass er davon keine Ahnung hat. Und er hat mehrmals bewiesen, dass er jede noch so offensichtliche Szene immer nur durch seine Vereinsbrille analysieren kann. Dadurch schwächt er konsequent die Schiedsrichter, die von ihm auch für richtige, gegen Dortmund ausfallende, Entscheidungen kritisiert werden. Oder er verschlimmert die "Niemand weiß, wann der VAR eingreifen sollte" Diskussion, weil er 2 quasi identische Szenen komplett unterschiedlich interpretiert. Solchen Menschen unwidersprochen eine Plattform zu geben, ist durchaus gefährlich, auch wenn es hier nur um Fußball geht.

Dienstag, 24. Februar 2026

Die Bundesliga gibt sich ja alle Mühe

 Um mir mit meiner Einschätzung recht zu geben... Großartig. #PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher... Da kann man es sich dann auch leisten, einen Tag später zu reagieren. 

Fangen wir mal oben an, wo Borussia Dortmund sich dafür entschied, den Ausgleich zu feiern, anstatt aufs Tempo zu drücken und dem Wahnsinn die Krone aufzusetzen. Damit sind es vorm Spitzenspiel doch wieder 8 Punkte. Das ist halt der Unterschied zwischen Bayer Leverkusen in ihrer Meistersaison und der "normalen Konkurrenz" der Bayern. Und machen wir uns nichts vor: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bayern noch 8 Punkte Vorsprung verspielen, liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich. 

RB Leipzig nutzt damit nebenbei die einzige Möglichkeit sich bei dem gemeinen Fan noch unbeliebter zu machen, indem sie die Meisterschaft entscheiden. Bringen wir als Bonus eine "Da hätte eine Challenge geholfen" VAR Situation und schon haben wir ein ganz normales Spitzenspiel.

Nebenbei haben die Mannschaften auf Platz 2 bis 6 kollektiv beschlossen, dass sie diese Woche einfach mal aussetzen und keinen Sieg holen. Das fehlte diese Saison noch im "Worst of" Wochenende: Alle "Spitzenteams" außer die Bayern lassen Federn. Beweist mir aber auch nur, dass denen allen irgendwie die Konstanz fehlt, um sich frühzeitig den 4. Platz zu sichern...

Nebenbei zeigten Leverkusen und gerade der VfB Stuttgart, wie sehr ihnen die Ehrenrunde im Europacup am Ende wehtun könnte. Beim VfB versuchen sie uns ja alle gerade einzureden, dass die sogar den Titel holen können. Und jetzt lassen sie schon bei der ersten Gelegenheit gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten wichtige Punkte liegen. 

Und was die Experten dabei mittlerweile ignorieren: Sich über die Europa League für die Champions League zu qualifizieren, dürfte für die Premiere League Teams mittlerweile der einfachere Weg sein. Auch wenn Nottingham Forest gerade im Abstiegskampf feststeckt und deswegen den Fokus nicht komplett aufs internationale Geschäft legen kann. Aber letztes Jahr spielten doch auch der 15. gegen den 17. im Europa League Finale. Und dazu spielen die besten 8 Mannschaften in dieser Woche nicht. Selbst wenn der VfB wirklich die beste Mannschaft der Zwischenrunde ist, so ist es trotzdem noch ein langer Weg bis zum Titel. Und die Favoriten kommen eher aus England, Spanien und Italien...

Was jetzt nicht bedeuten soll, dass der VfB direkt die Flinte ins Korn werfen soll. Aber den "Die Europacup Teilnehmer werden noch random Punkte liegen lassen" Faktor habe ich bei meinem "Es ist eh noch zu früh, um oben auf die Tabelle zu gucken" Rant noch gar nicht mit einberechnet.

Im Abstiegskampf gibt Daniel Thioune mir dann ebenfalls komplett recht. Vor dem Spiel sagte er noch: "Wir werden am Wochenende nicht den Klassenerhalt feiern können und wir werden am Wochenende nicht absteigen. Die Tabelle zählt am 34. Spieltag für uns. Es wird wellenförmig und anspruchsvoll bleiben - für uns und für die anderen Mannschaften um uns herum auch." Hinterher heißt es plötzlich, dass jetzt das erste Endspiel ansteht, womit er meiner "Gegen St. Pauli können sie gerade noch so verlieren" Aussage zustimmt. Klar, ideal wäre ein Sieg gewesen, aber dank des Spielplans kann man diese Niederlage noch reparieren.

Was ich nebenbei nicht angesprochen habe: Auch Borussia Mönchengladbach spielt eine "So muss man eigentlich absteigen" Saison. Aber sie hatten zwischenzeitlich einen kurzen "Dead Coach Bounce" Lauf und das reicht halt derzeit. Also Gladbach legt schon wieder eine "1 Sieg in 10 Spielen" Serie hin. In diesen 10 Spielen holte man 6 Punkte. Das spiegelt quasi die ersten 2 Monate, in denen man in der Liga komplett sieglos bliebt. Am Ende war man wirklich nur im November bundesligatauglich. Oder durfte da gegen St. Pauli und Heidenheim spielen und gewann auch deswegen 3 Spiele infolge. Aber ein Sieg gegen Köln und ein Unentschieden gegen RB Leipzig sehen schon beeindruckend aus. Dazu gewann man das letzte Bundesligaspiel von Bo Henriksen. Aber abgesehen von diesen 5 Spielen spielt man eine richtig finstere Saison. Wir reden von "9 Punkten in 18 Spielen" finster. Das ist schlechter als Heidenheim. Aber die 6 Wochen könnten am Ende reichen, weil der Rest sich halt noch dümmer anstellt.

Mein persönliches Überhighlight kommt aber aus Gelsenkirchen. Denn die haben sich ja im Winter Edin Dzeko geholt. Eine Wolfsburger Legende. Und jetzt kommt raus, dass auch der VfL Wolfsburg an ihm interessiert war. Aber Dzeko ging lieber in die zweite Liga. Selbst der letzte aktive Spieler aus der Meistersaison interessiert sich nicht wirklich dafür, dass der "ihm am Herzen liegende" Ex-Verein im Abstiegskampf steckt. Wenn der Fußballgott Humor hat, gibt er uns Schalke gegen Wolfsburg in der Relegation, damit Wolfsburgs ehemaliger Held seinen ersten Profiverein in die 2. Liga schießt. Da wäre sogar ich einmal für diesen Scheiß.

Mittwoch, 18. Februar 2026

Quo vadis? Die Bundesliga ist gerade wieder so verdammt langweilig!

Ob das Meisterrennen nochmal "spannend" wird, entscheidet sich ja eigentlich erst am Ende des Monats. Es sei denn Dortmund lässt dieses Wochenende Federn gegen RB Leipzig. Das ist wahrscheinlicher, als ein Sieg gegen Bayern. Aber man muss festhalten: Die Borussia muss dieses Spiel zwingend gewinnen, wenn sie das Rennen um die Meisterschaft wirklich nochmal eröffnen wollen. Denn 6 Punkte werden die Bayern gegen den Rest nicht verspielen. Und selbst wenn Dortmund das Gipfeltreffen wirklich gewinnen sollte, ist es immer noch ein verdammt weiter Weg bis zur Meisterschaft. Denn dann muss eine Mannschaft, die bis jetzt immer in solchen Druckmomenten eingebrochen ist, all seine restlichen Spiele gewinnen.

Das eigentlich relevante Rennen um die Champions League Plätze sieht verdammt knapp aus. Aber hier ist das Problem: Wir wissen noch nicht mal, ob Platz 4 oder 5 reicht. Es kann durchaus sein, dass RB Leipzig und Bayer Leverkusen sich nur darum prügeln, wer in die Conference League muss. Oder auch nicht, weil ja 3 der 4 Halbfinalteilnehmer aus den Top 6 kommen und damit dann wohl der 7. in die europäische Drittklassigkeit abstürzt. Oder aber der SC Freiburg erreicht das DFB-Pokalfinale, was denselben Effekt haben dürfte...

Nebenbei muss man hier festhalten, dass mit Hoffenheim, Bayer und RB drei Plastikklubs in dem Rennen um Platz 4 oder 5 sind. Der gemeine Fußballfan reagiert hier mit einem "Solange der VfB Stuttgart am Ende dabei ist, ist es mir egal, wer von den dreien nicht in die Königsklasse darf... Aber Bayer würde ich es am ehesten gönnen..." Und auch wenn ich selbst häufig über die "Traditionen" lästere, so muss ich einfach zugeben, dass ein Rennen zwischen 2 Vereinen mit großer Fanbase andere Reaktionen bei mir hervorruft, als wenn Bayer und Hoffenheim sich um Platz 4 prügeln...

Damit ist nebenbei auch noch nicht geklärt, ob Eintracht Frankfurt oder der SC Freiburg um die goldene Ananas kämpfen. Im Best Case kommt der bessere der beiden in die Europa League. Aber der Abstand der beiden nach oben und unten ist schon gewaltig. Und hier bleibt die Frage, ob dieses Rennen jetzt den neutralen Zuschauer wirklich interessiert.

Dahinter beginnt technisch gesehen der Abstiegskampf. Also zumindest brauchen der Hamburger SV, Union Berlin und der FC Augsburg noch einen Sieg, damit sie nicht absteigen. Den werden sie holen. Auch der 1. FC Köln ist mehr so pseudobedroht. Alle 4 sollten sich nicht zu weit zurücklehnen, aber auch hier muss sich der neutrale Beobachter irgendwie dazu zwingen, den Fokus zu behalten. Und die Trainer müssen dafür sorgen, dass ihre Mannschaften den Fokus aufrechterhalten, damit man nicht zum Saisonende komplett einbricht.

Der "richtige" Abstiegskampf wird am Ende erst in den letzten 4 Wochen entschieden. Also ja, der eine oder andere im Keller mag einen überraschenden Sieg holen, so wie wir das bei St. Pauli gegen Stuttgart gesehen haben. Dieser Sieg könnte am Ende den Unterschied ausmachen. Aber im Wesentlichen werden die 5 Mannschaften da unten hängen bleiben. Die eine Ausnahme dürften die Mainzer sein, die halt mit klugen Entscheidungen ihre Saison gerettet haben. Aber das noch ein Verein plötzlich so einen Lauf hinlegt, ist quasi ausgeschlossen. Die stehen ja alle nicht ohne Grund da unten.

Am Ende steigt derjenige ab, der zufällig gegen Heidenheim verliert. Denn auch da muss man sich wenig vormachen: Heidenheim ist zu schwach für den Klassenerhalt. Die hätten gegen Augsburg und Hamburg mindestens 3, eher 4, Punkte holen müssen, damit das für die nochmal persönlich eingreifen. Aber irgendwo werden sie nochmal einen willkürlichen Sieg einfahren. Und die fehlenden Punkte werden dem Konkurrenten dann richtig weh tun.

Das wichtigste Spiel der nächsten 8 Wochen dürfte damit St. Pauli gegen Werder Bremen sein. Das stimmt aber sachlich gesehen auch nur für St. Pauli. Denn ich habe ja vorletzte Woche ausgeführt, dass für Werder jetzt die Spiele anstehen, in denen sie punkten können und müssen: St. Pauli, Heidenheim, Union, Mainz und Wolfsburg. Natürlich wäre es super praktisch, wenn sie direkt auf Pauli mit dem Punkte sammeln anfangen. Ein Sieg wäre für sie ein richtiger Big Point. Aber das liegt vor allem daran, dass es ein richtiger Nackenschlag für die Kiezkicker wäre. Wenn man auf der Reeperbahn verliert und dann nächste Woche zu Hause gegen Heidenheim gewinnt, liegt man fast wieder im Soll. Wenn St. Pauli verliert, ist das rettende Ufer verdammt weit weg.

Das lustigste ist nebenbei der VfL Wolfsburg mitten im Abstiegskampf. Denn sein wir ehrlich: keinen interessiert's. Also vielleicht die 23.600, die da ins Stadion gehen. Aber selbst da kann man sich nicht sicher sein, dass die nicht da sind, weil sie sehen wollen, wie die Gäste spielen... So schlecht war der Zuspruch, wenn man die Pandemie herausrechnet, seit 2007 nicht mehr. Damals wurde man nebenbei 15..

Es ist aber echt krass, wie extrem egal der VfL Wolfsburg mittlerweile ist. Die Rolle des "Feindbild Nummer 1" haben halt erst Hoffenheim und dann RB Leipzig übernommen. Die mangelnde Tradition wird ihnen nur noch vorgeworfen, wenn es gegen den anderen Plastikklub geht. Dass man 4 Jahre infolge im grauen Mittelmaß verbracht hat, hilft da nur bedingt. Jetzt hofft man ja irgendwie darauf, dass man es 5 Jahre infolge in dieses graue Mittelmaß schafft. Und dann hofft man darauf, dass man nächstes Jahr eine sorgenfreie Saison im grauen Mittelmaß spielen kann...

Wenn Wolfsburg am Ende tatsächlich absteigen würde, fragt der gemeine Fußballfan nur "Wer ersetzt die denn?" Oh... Darmstadt oder Elversberg... Naja... da hätte man auch Wolfsburg behalten können.
Nebenbei muss man festhalten, dass Hannover 96 fast doppelt so viele Fans ins Stadion lockt... obwohl die seit 7 Jahren in der 2. Liga spielen. Und Hannover ist jetzt auch kein Verein, der überregional große Emotionen auslöst. Aber es verdeutlicht, wie krass der VfL es verkackt hat, eine emotionale Bindung zu den Fußballfans in Niedersachsen aufzubauen: selbst nach 29. Jahren in der Bundesliga und einem Meistertitel haben die Nachbarn aus Hannover die größere Strahlkraft.

Und wenn es dann, wie jetzt gerade, richtig beschissen läuft, sammeln die Fans sich nicht, um ihre Mannschaft in besonders harten Zeiten besonders zu untertützen... oder sie wenigstens auszupfeifen. Sondern die Fans bleiben einfach zu Hause. Es kommen jetzt 10.000 Leute weniger als zum Saisonauftakt gegen Köln und Dortmund. Das kann man natürlich auf Hoffenheim und Heidenheim schieben, aber auch gegen richtige Bundesligisten zeigt der Trend deutlich nach unten.

Verdammt viele Wolfsburg-Fans haben die Saison abgeschrieben. Die gucken dann im Sommer, wie das am Ende ausging und ob sie sich nächstes Jahr wieder um ein paar Tickets für die Perlen kümmern müssen... und wenn nicht, ist es irgendwie schade, aber auch nicht wirklich schlimm. Warum sollten wir als "neutrale Beobachter" uns dann um Wolfsburg kümmern?

Natürlich wird das Ende April wieder besser werden. Dass die Bundesliga jetzt gerade in einer gewissen Schlummerphase ist, weil die Bayern quasi als Meister feststehen und der Rest sich noch endgültig sortieren muss, ist leider nicht so ungewöhnlich. 
Aber gerade, wenn man es mit der 2. und 3. Liga vergleicht. Im Unterhaus trennen den Ersten und den Fünften lächerliche 3 Punkte. Und all diese 5 Mannschaften werden jedes Wochenende alles geben, damit sie unter den ersten beiden Mannschaften landen. In der dritten Liga gilt dasselbe Prinzip, auch wenn sich dort der Relegationsteilnehmer häufige durchsetzten kann. Dafür trennen dann den Ersten und den Siebten 5 Punkte. Auf die dritte Liga gucke ich als gebürtiger Rostocker ja eh. Aber ich frage mich derzeit auch jeden Sonntag, wie sich die aktuellen Ergebnisse auf das Aufstiegsrennen in Liga 2 auswirken. Einfach nur, weil es verdammt interessant ist, ob und wie Schalke das dieses Jahr verkackt.

Richtig neidisch wird man, wenn man auf die polnische Extraklasse guckt. Da ist richtig was los. Und das nicht nur dieses, sondern praktisch jedes Jahr. Aber den eigentlichen Grund, warum dies so ist, werde ich euch nächste Woche verraten...