Und das wird gerade deutlich.
Mein eigentliches Highlight der Samstags-Sportschau war ja die Feststellung, dass man den Trainer ja jede Woche entlassen kann. Für Clemens Fritz, der anscheinend dachte, dass das nur nach Spielen gegen Werder Bremen geht, war dies anscheinend eine wichtige Neuigkeit. Dabei versuchte er seit Wochen den Trainer davon zu überzeugen, ein Testspiel gegen die eigene 2. Mannschaft auszutragen. Oder ein Spiel gegen die Damenmannschaft. Hauptsache gegen Werder.
Nachdem er dann die neue Information verarbeitet hat, entließ er Horst Steffen einfach so. Und ja, der negative Trend von 10 Ligaspielen ohne Sieg gibt ihm die Grundlage für so eine Entscheidung. Der Aufschwung in Mainz gibt ihm die Notwendigkeit. Und die Erkenntnis, dass ein Dead Coach Bounce wirklich helfen kann.
Nur entscheidet sich Fritz für den dümmstmöglichen Zeitpunkt: Direkt nach der Winterpause und kurz vor dem Ende des Transferfensters. Eigentlich sollte Fritz jetzt alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den doch recht bescheidenen Kader aufzubessern. Denn es ist ja keine ganz große Überraschung, dass Werder steht, wo sie stehen.
Also ganz offensichtlich: Die 3 fitten Mittelstürmer Keke Top, Jovan Milosevic und Salim Musah sind im Schnitt 20 Jahre alt. Sie kommen zusammen auf 4 Bundesligatore... für die gesamte Karriere. Dafür haben sie ein relatives Überangebot an Flügelstürmern, die aber alle nicht wirklich torgefährlich sind. Das ist ja auch logisch, schließlich würden sie nicht in Bremen spielen, wenn sie komplette Fußballer wären.
Und ja, Fritz ist im Sommer das Risiko mit Victor Boniface eingegangen und das hat nicht funktioniert. Das war wahrscheinlich auch die einzige Option, die er hatte. In logischer Konsequenz sollte die gesamte Energie und jeder vorhandene Cent in einen Stürmer gesteckt werden.
Das wäre auch machbar, wenn Fritz wenigstens eine Interimslösung parat hätte. Aber trotz des seit Monaten andauernden Niedergangs ist anscheinend "Die Co-Trainer von Steffen übernehmen, während ich panisch verhandle" die einzige Option.
Dann stellt er als nächstes fest, dass Mainz relativ wenig Interesse daran hat, einen direkten Konkurrenten zu stärken und ihnen günstig Bo Henriksen zu überlassen. Das konnte man ja nicht ahnen. Und als Nächstes guckt sich Bo Svennson die Lage an der Weser an und sagt dankend ab. Das kann ich ihm jetzt schlecht verübeln, aber dass das alle wissen, ist schon schlecht.
Denn jetzt weiß jeder Trainer, der dieses sinkende Schiff übernimmt, dass er keinen brauchbaren Stürmer mehr verpflichten kann und das er nur die 3. Wahl ist. Wie kann man als Manager so kopflos agieren?
Der Retter könnte jetzt Dieter Hecking werden... weil er das ja in Bochum letztes Jahr so gut hinbekommen hat. Da würde Peter Neururer mehr Schwung reinbringen. Und die innovativere Lösung wäre es auch.
Hier zeigt sich aber das Grundproblem von Werder: Man sucht auch nach 14 Jahren noch nach einem Nachfolger für Klaus Allofs. Der war gemeinsam mit Thomas Schaaf das Gesicht der letzten erfolgreichen Epoche. Und Werder hat halt die Angewohnheit, irgendwelche verdienten Ex-Profis in die Rolle des Managers zu schieben. Clemens Fritz ist ja nur in dieser Position, weil irgendwann allen aufgefallen ist, dass Frank Baumann nicht die Lösung sein kann. Und obwohl Fritz mit Baumann Hand in Hand den Niedergang moderiert hat, wurde er trotzdem in den Chefsessel befördert. Der war ja schon immer da, da kann es an ihm nicht gelegen haben.
Jetzt haben wir die erste echte Krise seit der letzten Beförderung im Sommer 2024 und Fritz ist einfach nur überfordert. Aber weil sonst niemand helfen kann, muss er jetzt das Ruder rumreißen und irgendwie einen Trainer finden, der zumindest die Saison halbwegs vernünftig zu Ende bringt. In der naiven Hoffnung, dass dann im Sommer alles irgendwie besser wird.
Die einzige gute Nachricht. Man muss ja nur Heidenheim und St. Pauli hinter sich lassen, das werden sie schon irgendwie schaffen.