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Mittwoch, 18. Februar 2026

Quo vadis? Die Bundesliga ist gerade wieder so verdammt langweilig!

Ob das Meisterrennen nochmal "spannend" wird, entscheidet sich ja eigentlich erst am Ende des Monats. Es sei denn Dortmund lässt dieses Wochenende Federn gegen RB Leipzig. Das ist wahrscheinlicher, als ein Sieg gegen Bayern. Aber man muss festhalten: Die Borussia muss dieses Spiel zwingend gewinnen, wenn sie das Rennen um die Meisterschaft wirklich nochmal eröffnen wollen. Denn 6 Punkte werden die Bayern gegen den Rest nicht verspielen. Und selbst wenn Dortmund das Gipfeltreffen wirklich gewinnen sollte, ist es immer noch ein verdammt weiter Weg bis zur Meisterschaft. Denn dann muss eine Mannschaft, die bis jetzt immer in solchen Druckmomenten eingebrochen ist, all seine restlichen Spiele gewinnen.

Das eigentlich relevante Rennen um die Champions League Plätze sieht verdammt knapp aus. Aber hier ist das Problem: Wir wissen noch nicht mal, ob Platz 4 oder 5 reicht. Es kann durchaus sein, dass RB Leipzig und Bayer Leverkusen sich nur darum prügeln, wer in die Conference League muss. Oder auch nicht, weil ja 3 der 4 Halbfinalteilnehmer aus den Top 6 kommen und damit dann wohl der 7. in die europäische Drittklassigkeit abstürzt. Oder aber der SC Freiburg erreicht das DFB-Pokalfinale, was denselben Effekt haben dürfte...

Nebenbei muss man hier festhalten, dass mit Hoffenheim, Bayer und RB drei Plastikklubs in dem Rennen um Platz 4 oder 5 sind. Der gemeine Fußballfan reagiert hier mit einem "Solange der VfB Stuttgart am Ende dabei ist, ist es mir egal, wer von den dreien nicht in die Königsklasse darf... Aber Bayer würde ich es am ehesten gönnen..." Und auch wenn ich selbst häufig über die "Traditionen" lästere, so muss ich einfach zugeben, dass ein Rennen zwischen 2 Vereinen mit großer Fanbase andere Reaktionen bei mir hervorruft, als wenn Bayer und Hoffenheim sich um Platz 4 prügeln...

Damit ist nebenbei auch noch nicht geklärt, ob Eintracht Frankfurt oder der SC Freiburg um die goldene Ananas kämpfen. Im Best Case kommt der bessere der beiden in die Europa League. Aber der Abstand der beiden nach oben und unten ist schon gewaltig. Und hier bleibt die Frage, ob dieses Rennen jetzt den neutralen Zuschauer wirklich interessiert.

Dahinter beginnt technisch gesehen der Abstiegskampf. Also zumindest brauchen der Hamburger SV, Union Berlin und der FC Augsburg noch einen Sieg, damit sie nicht absteigen. Den werden sie holen. Auch der 1. FC Köln ist mehr so pseudobedroht. Alle 4 sollten sich nicht zu weit zurücklehnen, aber auch hier muss sich der neutrale Beobachter irgendwie dazu zwingen, den Fokus zu behalten. Und die Trainer müssen dafür sorgen, dass ihre Mannschaften den Fokus aufrechterhalten, damit man nicht zum Saisonende komplett einbricht.

Der "richtige" Abstiegskampf wird am Ende erst in den letzten 4 Wochen entschieden. Also ja, der eine oder andere im Keller mag einen überraschenden Sieg holen, so wie wir das bei St. Pauli gegen Stuttgart gesehen haben. Dieser Sieg könnte am Ende den Unterschied ausmachen. Aber im Wesentlichen werden die 5 Mannschaften da unten hängen bleiben. Die eine Ausnahme dürften die Mainzer sein, die halt mit klugen Entscheidungen ihre Saison gerettet haben. Aber das noch ein Verein plötzlich so einen Lauf hinlegt, ist quasi ausgeschlossen. Die stehen ja alle nicht ohne Grund da unten.

Am Ende steigt derjenige ab, der zufällig gegen Heidenheim verliert. Denn auch da muss man sich wenig vormachen: Heidenheim ist zu schwach für den Klassenerhalt. Die hätten gegen Augsburg und Hamburg mindestens 3, eher 4, Punkte holen müssen, damit das für die nochmal persönlich eingreifen. Aber irgendwo werden sie nochmal einen willkürlichen Sieg einfahren. Und die fehlenden Punkte werden dem Konkurrenten dann richtig weh tun.

Das wichtigste Spiel der nächsten 8 Wochen dürfte damit St. Pauli gegen Werder Bremen sein. Das stimmt aber sachlich gesehen auch nur für St. Pauli. Denn ich habe ja vorletzte Woche ausgeführt, dass für Werder jetzt die Spiele anstehen, in denen sie punkten können und müssen: St. Pauli, Heidenheim, Union, Mainz und Wolfsburg. Natürlich wäre es super praktisch, wenn sie direkt auf Pauli mit dem Punkte sammeln anfangen. Ein Sieg wäre für sie ein richtiger Big Point. Aber das liegt vor allem daran, dass es ein richtiger Nackenschlag für die Kiezkicker wäre. Wenn man auf der Reeperbahn verliert und dann nächste Woche zu Hause gegen Heidenheim gewinnt, liegt man fast wieder im Soll. Wenn St. Pauli verliert, ist das rettende Ufer verdammt weit weg.

Das lustigste ist nebenbei der VfL Wolfsburg mitten im Abstiegskampf. Denn sein wir ehrlich: keinen interessiert's. Also vielleicht die 23.600, die da ins Stadion gehen. Aber selbst da kann man sich nicht sicher sein, dass die nicht da sind, weil sie sehen wollen, wie die Gäste spielen... So schlecht war der Zuspruch, wenn man die Pandemie herausrechnet, seit 2007 nicht mehr. Damals wurde man nebenbei 15..

Es ist aber echt krass, wie extrem egal der VfL Wolfsburg mittlerweile ist. Die Rolle des "Feindbild Nummer 1" haben halt erst Hoffenheim und dann RB Leipzig übernommen. Die mangelnde Tradition wird ihnen nur noch vorgeworfen, wenn es gegen den anderen Plastikklub geht. Dass man 4 Jahre infolge im grauen Mittelmaß verbracht hat, hilft da nur bedingt. Jetzt hofft man ja irgendwie darauf, dass man es 5 Jahre infolge in dieses graue Mittelmaß schafft. Und dann hofft man darauf, dass man nächstes Jahr eine sorgenfreie Saison im grauen Mittelmaß spielen kann...

Wenn Wolfsburg am Ende tatsächlich absteigen würde, fragt der gemeine Fußballfan nur "Wer ersetzt die denn?" Oh... Darmstadt oder Elversberg... Naja... da hätte man auch Wolfsburg behalten können.
Nebenbei muss man festhalten, dass Hannover 96 fast doppelt so viele Fans ins Stadion lockt... obwohl die seit 7 Jahren in der 2. Liga spielen. Und Hannover ist jetzt auch kein Verein, der überregional große Emotionen auslöst. Aber es verdeutlicht, wie krass der VfL es verkackt hat, eine emotionale Bindung zu den Fußballfans in Niedersachsen aufzubauen: selbst nach 29. Jahren in der Bundesliga und einem Meistertitel haben die Nachbarn aus Hannover die größere Strahlkraft.

Und wenn es dann, wie jetzt gerade, richtig beschissen läuft, sammeln die Fans sich nicht, um ihre Mannschaft in besonders harten Zeiten besonders zu untertützen... oder sie wenigstens auszupfeifen. Sondern die Fans bleiben einfach zu Hause. Es kommen jetzt 10.000 Leute weniger als zum Saisonauftakt gegen Köln und Dortmund. Das kann man natürlich auf Hoffenheim und Heidenheim schieben, aber auch gegen richtige Bundesligisten zeigt der Trend deutlich nach unten.

Verdammt viele Wolfsburg-Fans haben die Saison abgeschrieben. Die gucken dann im Sommer, wie das am Ende ausging und ob sie sich nächstes Jahr wieder um ein paar Tickets für die Perlen kümmern müssen... und wenn nicht, ist es irgendwie schade, aber auch nicht wirklich schlimm. Warum sollten wir als "neutrale Beobachter" uns dann um Wolfsburg kümmern?

Natürlich wird das Ende April wieder besser werden. Dass die Bundesliga jetzt gerade in einer gewissen Schlummerphase ist, weil die Bayern quasi als Meister feststehen und der Rest sich noch endgültig sortieren muss, ist leider nicht so ungewöhnlich. 
Aber gerade, wenn man es mit der 2. und 3. Liga vergleicht. Im Unterhaus trennen den Ersten und den Fünften lächerliche 3 Punkte. Und all diese 5 Mannschaften werden jedes Wochenende alles geben, damit sie unter den ersten beiden Mannschaften landen. In der dritten Liga gilt dasselbe Prinzip, auch wenn sich dort der Relegationsteilnehmer häufige durchsetzten kann. Dafür trennen dann den Ersten und den Siebten 5 Punkte. Auf die dritte Liga gucke ich als gebürtiger Rostocker ja eh. Aber ich frage mich derzeit auch jeden Sonntag, wie sich die aktuellen Ergebnisse auf das Aufstiegsrennen in Liga 2 auswirken. Einfach nur, weil es verdammt interessant ist, ob und wie Schalke das dieses Jahr verkackt.

Richtig neidisch wird man, wenn man auf die polnische Extraklasse guckt. Da ist richtig was los. Und das nicht nur dieses, sondern praktisch jedes Jahr. Aber den eigentlichen Grund, warum dies so ist, werde ich euch nächste Woche verraten...

Dienstag, 31. August 2021

Quo vadis, Bundesliga? Es ändert sich halt nichts.

 Die Bayern haben es schon wieder getan. Einen dieser "Die Bayern kaufen die Bundesliga kaputt" Transfers. Sie holen sich dann doch Marcel Sabitzer, um den Kader in der Breite zu stärken. Auch wenn sie damit die eigentlichen "Probleme" nicht lösen. Es sei denn sie setzen Sabitzer auf die 10 und Thomas Müller auf die Bank... aber als ob.

Also gehen wir das mal kurz durch: Joshua Kimmich und Leon Goretzka sind definitiv besser als Sabitzer. Wenn der Österreicher wirklich glaubt, dass er die beiden verdrängt, dann ist er sehr überzeugt von sich selbst. Aber wahrscheinlicher ist, das Sabitzer gerade in den entscheidenden Spielen nur zum Einsatz kommt, wenn diese beiden verletzt oder gesperrt sind.

Und ich sage seit Jahren, dass die Bayern solche Transfers vermeiden sollten und stattdessen diese Spieler selber ausbilden sollte. Oder sie im Ausland finden muss. Und wenn sie schon selber nicht in der Lage sind, Spieler auf exakt diesem "Macht in der Champions League hoffentlich den Unterschied aus" Niveau auszubilden (und der letzte war David Alaba... das ist verdammt lang her), dann müssen sie wenigstens auf einem Niveau ausbilden, welches anderen Bundesligisten hilft.

Stattdessen... holen sich die Bayern Mickael Cuisance in der Hoffnung, dass er diese Rolle ausfüllen kann, die jetzt Sabitzer ausfüllen muss, scheitern daran dieses Talent weiterzubilden und schicken ihn dann zu Olympique Marseille

Und ja, im Wesentlichen ist der Sabitzer Transfer das Eingeständnis, dass der Trainergott Hansi Flick daran gescheitert ist Marc Roca, Corentin Tolisso oder Cuisance wirklich weiterzubringen. Wenn ihm das bei einem dieser (auch wenn Tolisso schon 27 ist, aber er war halt auch viel verletzt) Talenten geglückt wäre, könnte man sich diese 15 Millionen sparen und müsste die Konkurrenz nicht unnötig schwächen.

Vor allem ist die Ausbildungsbilanz der Bayern immer noch wirklich grausam. Die ziehen nach wie vor nur Talente aus der Liga heraus. Also gehen wir das mal durch: Joshua Zirkzee spielt dieses Jahr in Anderlecht. Lars Lukas Mai in Bremen, also in Liga 2. Wie auch Fiete Arp. Alexander Nübel, den man unbedingt aus Schalke holen musste, damit die absteigen, spielt in Monaco. Renato Sanchez wurde Meister mit Lille. Bleiben Mats Hummels, den man zu Dortmund gehen ließ, weil man beide  als ungefährlich eingestuft hat... und Adrian Fein, der sich dieses Jahr endlich in der Bundesliga präsentieren darf. Aber wahrscheinlich hat Hasan Salihamidžić einfach nicht mitbekommen, dass Fürth aufgestiegen ist und sie damit im weitesten Sinne einen Konkurrenten stärken.

Und... das war's schon. Das waren alle Spieler, die die Bayern "in den Bundesligapool" hineingespült haben, während sie Sabitzer, Upamecano, Kimmich, Nübel, Cuisance und Arp rausgezogen haben. 

Ich habe ja auch überhaupt kein Problem mit dem Dayot Upamecano Transfer. Die Bayern müssen den Abgang von Alaba und Jerome Boateng (wo geht der eigentlich hin? Weiß da jemand was?) ersetzen muss. Upamecano ist als Stammspieler und Fixpunkt für den nächsten Angrif auf die Champions League Krone eingeplant. Da muss man auch keine Rücksicht nehmen.

Aber all die Transfers drum herum... sind halt wirklich furchtbar für die Liga und damit auch praktisch für die Bayern. Denn die brauchen ja eine starke Konkurrenz, die sie fördert. (Fun Fact: Meine Autokorrektur ist überzeugt davon, dass "fruchtbar" wahrscheinlicher ist...)

Machen wir einfach mal den ganz dummen Vergleich mit einem Verein, der ja denselben Anspruch nur in schlecht hat: Real Madrid hat allein diese Saison Sergio Reguilon, Oscar Rodriguez, Alberto Soro, Dani Gomez, Jorge de Frutos, Miguel Baeza und Takefusa Kubo an spanische Erstligisten verkauft oder verliehen. Das sind 7 Spieler. Da brauchen die Bayern 10 Jahre für. Mindestens.

Nun kann ich natürlich nicht einschätzen, wie viele dieser Spieler wirklich "gut" sind und Leistungsträger werden. Aber 6 Spieler in einem Jahr ausbilden, ist eine überragende Bilanz. Aber für Real Madrid ist das gar nichts Ungewöhnliches, die verleihen jedes Jahr mehrere Talente in die eigene Liga. 

Und natürlich kann man sich die Frage stellen, ob dieses klassische englische "Wir horten haufenweise Talente und verleihen sie durch ganz Europa" Konzept wirklich an sich fragwürdig. Aber das alleine macht Real ja gar nicht. Denn von den aufgezählten Talenten spielten nur Soro und Kuma nicht schon in der U18 für Real. 

Baeza wechselt nebenbei offiziell von Real Madrid B zu Celta Vigo. Der zählt quasi noch nicht mal in die offensichtliche Bilanz. Überlegt euch mal, wer das letzte Talent war, welches von Bayern II direkt in die Bundesliga wechseln konnte... Woo-yeong Jeong? Weil der ein 1 1/2 Jahre bei den Bayern verbracht hat? Angelo Stiller könnte da echt der erste wirklich Hoffnungsträger seit Jahren werden. Der war anscheinend clever genug mit 20 Jahren zu einem Verein zu wechseln, der die Aus- und Weiterbildung von jungen Spielern ernst nimmt. Und der stand bisher immer in der Startelf. Guckt mal, es geht doch. Aber da muss halt noch viel mehr passieren.

Ich frage mich ja, warum immer noch so viele junge Talente zu den Bayern wechseln, auch wenn die offensichtliche Bilanz nahe liegt, dass dies eine richtig dumme Entscheidung ist. Dass es wesentlich sinnvoller ist (siehe Gnabry und Sané) erst mit 24 Jahren diesen Schritt zu machen und sich vorher woanders ausbilden zu lassen.

Aber es sieht halt nach wie vor so aus, als wären die Bayern trotz Reform ihrer Jugendarbeit nicht in der Lage auf einem angemessenen Niveau auszubilden. Und wenn sie es doch machen, schicken sie die Talente lieber ins Ausland, anstatt das Risiko einzugehen, dass vielleicht mal eines von denen ein Tor gegen sie erzielt. Das ist ein sehr ungesundes Verhältnis zum Rest der Liga...

Donnerstag, 23. Juli 2020

Quo vadis, Bundesliga 2020: Bayern München

Bringen wir es zu Ende. Und gucken wir mal, wie viel Neues wir bei den Bayern finden.

Als aller erstes müssen die Bayern halt aufhören Spieler zu verpflichten, um die Konkurrenz zu schwächen... und sich in der Breite zu verstärken. Natürlich behauptet ein Karl-Heinz Rummenigge, dass man das noch nie gemacht hätte. Aber das ist derselbe Typ, der euch auch eiskalt anlügt, wenn er behauptet, dass die Bayern die Allianz-Arena ohne staatliche Fördergelder gestemmt haben, obwohl man für den Stadionneubau auch mal eine U-Bahn Station ausbauen und verlegen musste... woran sich dann doch wieder Stadt und Land beteiligt haben... Also ja, Rummenigge ist gut darin, die eigenen "Leistungen" zu verklären und beschönigen. Der will ja auch bis heute nicht einsehen, dass die Bayern von den Leistungen ihrer Nationalspieler bei den großen Turnieren profitieren und die Millionenumsätze in der Bundesliga durchaus durch die immer günstig getimten Weltmeistertitel beeinflusst worden sind.

Nehmen wir mal als Paradebeispiel Michael Cuisance. Den holte man sich aus Gladbach um... also.. nun ja... die 2. Mannschaft zu verstärken? Die Bank zu wärmen? Auf die Frage, ob Bayern Meister wird, hatte Cuisance jedenfalls 0 Einfluss... aber er hätte die Borussia auf Platz 3 führen können. Das ist einer der klassischen "Wir bedienen uns in der Liga, um uns in der Breite zu verstärken" Transfers. Und genau die Schaden der Liga. Und erfahrungsgemäß hilft das den Spielern auch nur bedingt, siehe Baumjohann oder Schlaudraff.

Nebenbei habe ich überhaupt kein Problem damit, wenn sich die Bayern Spitzentalente wie Mario Götze unter den Nagel reißen, auch wenn das am Ende auch nur nicht funktioniert hat. Oder halt jetzt die beiden jungen Talente aus Hoffenheim für die Jugend. Aber man holt sich halt zu viele Talente als "Risikoanlage". Wobei es ja eigentlich für sie eine "Risikolose Anlage" ist, denn im schlimmsten Fall schwächen sie halt die Konkurrenz, verlieren aber selber nichts. Der Anspruch bei der Talentverpflichtung muss "Supertalente holen" heißen. Alles andere kann sich auch woanders entwickeln und man kann es sich dann für 15 Millionen mehr an Ablöse holen. Das ist aber auch ein alter Schuh.

Das neue und eigentlich spannende Projekt in München ist ja Jochen Sauer. Also die Bayern haben anscheinend genau den Schritt gemacht, den die Dortmunder dringend machen müssen: Sie haben erkannt, dass die Jugendarbeit nicht die Arbeit macht, die sie muss und sich entsprechend neu aufgestellt. Jetzt sind sie nebenbei auch Drittliga Meister. Und das ist ein gutes Zeichen für die gesamte Liga.

Denn sein wir mal realistisch: Dass die Bayern-Talente direkt beim Rekordmeister durchstarten, ist eher unwahrscheinlich. Das ist aber auch gar nicht notwendig. Man kann die ja, wie man es früher auch gemacht hat, für 2 Lehrjahre verleihen. Möglichst in die Bundesliga. Die Beispiele Philipp Lahm und Toni Kroos beweisen ja, dass davon alle Beteiligten profitieren. Also wenn die Bayern für jeden Cuisance, den sie aus dem Talentpool rausziehen, 2 andere brauchbare Spieler in die Bundesliga abgeben, gewinnen am Ende alle. Und der Anspruch der Bayern muss nicht zwingend sein, dass man jedes Jahr einen Spieler für die eigene Mannschaft ausbildet. Der Anspruch muss sein, dass ein Kroos oder ein Lahm bei ihnen die beste Ausbildung in einem hochwertigen Umfeld genießt, während man nebenbei jedes Jahr brauchbare Bundesligaprofis ausbildet.

Der wirklich spannende Name lautet da also Jonathan Meier, den die Bayern an Mainz 05 verkauft haben.

Nebenbei ist es an der Stelle auch völlig albern über eine 2. Mannschaft in der 2. Liga zu philosophieren, nur weil man nach Jahrzehnten tatsächlich mal einen guten Jahrgang hat. Denn auch für einen Zweitligastar ist der Sprung zu den Bayern nach wie vor zu groß. Das eigentlich sinnvolle wäre dagegen, um im ganz großen Rahmen zu sprechen, eine Reserverunde für alle Bundesligisten. Natürlich müssten das alle Bundesligisten auch entsprechend ernst nehmen und wenn man bedenkt, wie viele ihre 2. Mannschaft komplett abgemeldet haben... Aber gerade für die Bayern wäre das extrem sinnvoll.

Lasst mich das mal an einem anderen Beispiel als Cuisance erklären. Dieser würde aber auch gut funktionieren. Wir nehmen aber Joshua Zirkzee. Zirkzee ist sowieso ein spannendes Studienobjekt, weil er beweist, wie weit weg der Bundesligakader der Bayern vom Rest entfernt ist. Denn Zirkzee, obwohl eigentlich für die 2. Mannschaft eingeplant, hat in der Bundesliga doppelt so oft getroffen wie in Liga 3. Obwohl er mehr als doppelt so viele Minuten in der 3. Liga abgerissen hat.
Das ist nebenbei genau das, was ich mit dem Thomas Müller Effekt immer meine: Die Bayern haben so viele (für die Bundesliga) herausragende Akteure in ihren Reihen, dass es selbst eher durchschnittlichen Mitläufern wie ein überragender Stars aussehen. Wenn man sie dann allerdings in ein normales Umfeld mit gleichstarken Mit- und Gegenspielern aussetzt, kommen sie nicht annähernd so gut klar.
Aber der Fakt, dass selbst recht erfolglose Drittligastürmer in der Bundesliga eine überragende Trefferquote aufweisen, wenn sie neben Robert Lewandowski spielen, sollte doch die Bayern motivieren, ihre eigenen Talente wesentlich aggressiver in die erste Mannschaft einzubauen. Zumindest als Einwechselspieler. Gerade falls die 5 Wechsel erhalten bleiben.

Aber so was ist natürlich wesentlich einfacher zu koordinieren, wenn die Reservemannschaft am Tag vor oder nach dem Bundesligaspiel in derselben Stadt spielt. Dann lautet die Frage nicht mehr "In welchem Kader sollte Zirkzee stehen", sondern "Wie viele Minuten kann er am Wochenende maximal spielen?" Gerade wenn man bedenkt, dass Zirkzee und Cuisance zusammen 30 Mal ohne "Einsatz im Kader" auf der Bank saßen.
Es bleibt natürlich festzuhalten, dass die Bayern ihre Möglichkeiten da schon weitestgehend ausreizen und Zirkzee auch so oftmals in beiden Kadern gestanden hat. Aber anstatt auf 16 Einsätze in Liga 3, würde er dann auf 30 in der Reservemannschaft kommen.

Natürlich ist das Hauptproblem bei dieser Reserverunde das Spielniveau. Also das sollte halt schon regelmäßig mindestens auf Drittliga Niveau bewegen, damit die Idee Sinn ergibt. Das wäre für alle Mannschaften extrem sinnvoll, allein schon weil man dann seine von Verletzungen zurück kommenden Spieler wieder vernünftig an den Wettbewerb heranführen kann, ohne das es in einer tabellarisch relevanten Liga zu Wettbewerbsverzerrungen kommt. Und ja, eigentlich sollten die Bundesligisten auch ein gewisses Interesse daran haben ihre jungen Stars im eigenen Haus an die Bundesliga heranzuführen. Also das Mannschaften wie Bayer Leverkusen lieber verleiht als die 500.000, die so eine Reserve zusätzlich kosten würde, in die Hand zu nehmen, ist mehr als bedenklich. Eintracht Frankfurt hat diesen Schritt so weit bereut, dass sie ihn rückgängig gemacht haben.
Man kann dann an den Leistungen in dieser Liga auch gut abschätzen, wie ernst die Bundesligisten ihre Talentförderung wirklich nehmen. Und die cleveren Talente gehen zu den Vereinen, die ihnen von U19 über die Reserve einen Weg in die erste Liga aufzeigen... und nicht zu den Vereinen, die sagen "Dann schicken wir dich 2 Jahre weg, vielleicht wird da aus dir etwas..."

Und selbst wenn Bayern II dann auch in der Reserveliga so überlegen ist, dass die alles gnadenlos abschießen... vielleicht ist das ja auch für alle die beste Vorbereitung auf die harte Realität "Bundesliga"...

 Es gab ja jahrelang das "Meme", dass Real Madrid sich von ihren eigenen ehemaligen Talente, die aber im eigenen Verein nichts wert waren, abschießen ließ. Und das ist dann immer als Vorwurf formuliert worden, obwohl es auch nur bedeutete, dass Real Madrid auf einem ordentlichen Niveau ausbildet. Selbst wenn viele ihrer Spieler nicht gut genug für einen absoluten Spitzenverein sind, so sind sie immer noch in der Lage, diesen vor Herausforderungen zu stellen.
Den Bayern ist dies verdammt lange nicht mehr passiert, denn die haben halt nur Marco Friedl und Felix Götze ausgebildet. Und ja, Felix Götze dürfte einer der ganz wenigen Bayern-Azubis sein, die in den letzten 10 Jahren gegen die Bayern getroffen haben. Jetzt könnte man langsam in die Position kommen, dass einem so was regelmäßiger passiert. Und das ist ein gutes Zeichen für die Liga.

Dienstag, 21. Juli 2020

Quo vadis, Bundesliga 2020: Borussia Mönchengladbach

Ups... ich hab nen Benioff und Weiss gebaut... I kind of forgot about Borussia Mönchengladbach.

Aber dann lächelt Max Eberl mich von kicker.de an... und ich so: Verdammt, das könnte der wichtigste Mann der Bundesliga sein. Und bevor ich das lesen konnte, wurde es auch schon wieder runter genommen... Interessant.

Aber ja, die Lösung für Borussia Mönchengladbach ist einfach: Sie müssen Max Eberl halten. Und dafür sollten sie vielleicht mal einen Titel holen. Also praktisch den DFB Pokal oder die Europa League, denn das ist das realistische Ziel. Dafür müsste man natürlich an der Champions League scheitern, aber das kriegen die schon hin...

Denn Max Eberl ist gerade der beste Manager der Bundesliga. Auch wenn Hasan Salihamidžić gerade von allen über den grünen Klee gelobt wird, weil er ein überragendes Talent gefunden hat. Ein Hasan hat aber auch ganz andere Voraussetzungen. Wenn man die Eberl geben würde...

Mir ist dabei gerade etwas aufgefallen: Der Manager (oder wie auch immer man den Posten jetzt bezeichnet) ist die wichtigste Position in einem Verein. Das fängt offensichtlich bei den Bayern an, die halt über 30 Jahre lang von Uli Hoeneß geprägt wurden. Trainer, Spieler, Präsidenten und Platzwärte kamen und gingen. Man hätte sogar Lothar Matthäus zum Greenkeeper machen können und wäre trotzdem weiterhin Meister geworden. Aber ein Hoeneß Abgang in den 90ern und alles hätte zusammenbrechen können. Zum Glück fing der mit dem Steuerhinterziehen erst später an...

Aber auch wenn man sich die Konkurrenten anguckt. Also mit der Ausnahme von Borussia Dortmunds Meisterschaften in den 90ern, für die Michael Meier verantwortlich war... und das ist langfristig ein legendär schlechter Manager... Und klar, der konnte kurzfristige Erfolge einfahren, aber langfristig führte er dich in Richtung Konkurs.

Aber alle anderen "langjährigen Herausforderer" der Bayern wurden immer durch herausragende Manager geprägt. Werder Bremen hatte mit Willi Lemke und Klaus Allofs 2 davon und war dementsprechend 2 Mal Bayern-Jäger Nummer 1. Am Ende ist gar nicht Florian Kohfeldt das Problem in der Hansestadt, sondern Frank Baumann, der halt Stand Jetzt nicht in der Lage ist, Klaus Allofs zu ersetzen.
Und natürlich wurde Allofs am Ende auch alt und verpasste die neusten Entwicklungen. Aber solange der richtig gut war, spielte Werder konstant international.

Bayer Leverkusen hatte jahrzehntelang einen Rainer Callmund. Natürlich eine streitbare Persönlichkeit. Aber Bayer war vor und nach seiner Ära nie annähernd so erfolgreich, wie unter ihm. Und die Ära geht vom DFB Pokal Gewinn 1988 bis zum Vize-Kusen Jahr 2002. Callmund war dabei an 2 Stellen Visionär:
1. Dem Abwerben von Spielern aus der noch existierenden DDR. Wenn sie ihn gelassen hätten, hätte er neben Ulf Kirsten und Andreas Thom auch noch Matthias Sammer geholt... und Spoiler: Dann wäre er auch Meistermanager...
2. Dem scouten und integrieren von Brasilianischen Stars und Talenten. Das mag heute total normal wirken. Aber in den  90ern, wo man eh nur 3 Ausländische Spieler auf dem Platz haben durfte... und wo das Reisen zu Scouting noch nicht mit Google Earth und Youtube zu erledigen war. Das Paradebeispiel wie viel besser als der Rest Bayer beim Integrieren von Südamerikanern war, sie mal Zé Roberto genannt. Der war bei Real Madrid schon gescheitert und wurde dann in Leverkusen zu dem Musterprofi, der später bis Mitte 40 spielen konnte und wollte.

Bei Borussia Dortmund soll die Ära Michael Zorc demnächst zu Ende gehen. Eine Ära mit 3 Meisterschaften, 2 Pokalsiegen und einem Champions League Finale. Und ja, Zorc war nie der lauteste Typ. Den Job des nervigen Außenministers hatte dort immer Joachim Watzke intus. Und viele verbinden den Aufstieg der Borussia mit dem Übertrainer Jürgen Klopp. Aber Zorc hat bei Meier die richtigen Lektionen gelernt, dessen Trümmerhaufen zusammen gekehrt und ein neues Fundament errichtet. Und natürlich hat man sich, wie erst vor kurzem erörtert, in eine Sackgasse manövriert, in der es schwierig wird, weitere Titel zu holen. Aber vielleicht geht Zorc ja auch deswegen in den Ruhestand.
Die eigentlich spannende Frage lautet: Kann Sebastian Kehl die Arbeit seines Mentors fortführen, oder wäre er (wie ein Baumann halt) in der 2. Reihe besser aufgehoben.

Max Eberl, um den Bogen zu schlagen, steht für mich mit all diesen Managern auf einer Stufe. Auch wenn ein Stefan Effenberg, der ihn vor Jahren mal stürzen wollte, nicht glauben wird. Auch wenn seine Erfolge sich noch eher mit Florian Kohfeldt messen, als mit seiner eigentlichen Konkurrenz. Aber zum Glück für die Gladbacher hat der dem Werben der großen Bayern bereits ein Mal widerstanden. Was aber auch alles über die eigentliche Wertschätzung seiner Arbeit sagen sollte: Die Bayern haben den im Visier.

Hoffentlich hat er bis zum Ende der Ära Salihamidžić genügend Titel gesammelt, dass er sagen kann "Ich muss nicht zu den Bayern"... Das ist ja nebenbei das andere faszinierende an Eberl: Der ist "erst" 46 Jahre. Der hat noch 10 gute Jahre vor sich. Mindestens. Also Zorc holte seine erste Meisterschaft in Eigenverantwortung mit 49. Allofs war 2006 48 Jahre alt.
Es wirkt halt schon so, als sei Eberl ein Alter Hase, der seit Ewigkeiten dabei ist. Aber andere werden in dem Alter noch als junges, aufstrebendes Managertalent gehandelt.

Mich bringt das alles aber zu einer anderen Frage: Warum vergibt der Kicker eigentlich keinen Titel "Manager des Jahres", aber den des "Trainer des Jahres"? Als Manager wird man von den 11 Freunden ausgezeichnet... Wenn überhaupt. Dabei wird meistens erst der Manager gefunden und der stellt dann den überragenden Trainer ein... und verpflichtet die Spieler. Trotzdem denken wir bei den Äras (Rehagel, Schaaf, Klopp) immer erst an die Trainer und selten an die Manager. Es sei denn (siehe Callmund und Hoeneß) die Manager holen wirklich mit mehreren unterschiedlichen Trainern ihre Erfolge. Wobei selbst da denkt man bei Vize-Kusen erst an Christoph Daum und Klaus Topmöller...

Nebenbei kann man ja auch an anderen Vereinen oder Situationen erkennen, wie wichtig ein guter Manager ist. Bleiben wir da erst mal in Gladbach: Vor Eberl war das ein Chaosclub, der auf dem Weg zur Fahrstuhlmannschaft war. Die "Sportlichen Leiter" zwischen 2005 und 2008 hießen Christian Hochstätter, Peter Pander und Christian Ziege. Alles Leute, denen heute niemand mehr echte Verantwortung im Profibereich zuschieben würde...
Vorher gab es faszinierender Weise 2 Äras: Helmut Grashoff führte den Verein während der glorreichen 70er, Rolf Rüssmann übernahm danach für immerhin noch ordentliche 80er und 90er Jahre. Unter Rüssmann holte man immerhin noch den DFB Pokal 1995. Oder anders ausgedrückt: Den bis heute letzten Titel der Vereinsgeschichte. Und natürlich ging es auch unter Rüssmann schon bergab, aber richtig finster wurde es halt erst in der experimentellen Phase danach. Und aufwärts ging es erst wieder, als ein fähiger Manager gefunden wurde. Durch Zufall, weil man ja weiterhin auf das "Wir nehmen einfach ehemalige Spieler" Konzept setzte, aber man fand einen.

Hier kommt jetzt etwas schockierendes: Der Name "Grasshoff" taucht im Wikikedia Artikel 1 mal auf, obwohl er von 1966 bis 1991 Manager war: Er kreierte das erste Maskottchen. Das war bestimmt seine einzige relevante Leistung.
Wenn wir an die Ära der 70er Jahre denken, reden wir halt zuerst von Hennes Weisweiler und Günter Netzer. Obwohl Netzer den Verein 73 verließ... Also die 3 Meisterschaften in Folge wurden ohne Netzer geholt... Der Trainer war in der 2. Hälfte des Jahrzehnts Udo Lattek...

Natürlich ist es im Nachhinein schwierig zu beurteilen, wie die Arbeit von Grasshoff im Detail aussah. Aber es ist schon irgendwie auffällig, dass er die einzige Konstante der erfolgreichsten Zeit der Vereinsgeschichte war und dass die Fohlenelf nie wieder auch nur annähernd auf dieses Niveau kam.

Um ein anderes Negativbeispiel zu bringen: Der letzte wirklich gute Spordirektor des Hamburger SVs war... ähm... Günter Netzer? Fest steht: Man hatte seit 1977 18 unterschiedliche Sportvorstände oder Manager. Halt sportliche Hauptverantwortliche. Und zwischenzeitlich war die Position auch offiziell "vakant". Da ist die Frage, warum es mit dem HSV seit den 80er Jahren konstant bergab geht auch leicht beantwortet: Sie haben es nie geschafft einen Manager zu finden, der den Verein und eine Ära prägt. Und beim HSV wird ja auch in schöner Regelmäßigkeit aufgezählt, wie oft dort der Sportdirektor ausgetauscht wird. hsv1887.de hat nach Peter Knäbel einfach aufgehört, weiter mitzuschreiben, weil es eh keinen Sinn mehr macht... Trotzdem kommt kaum jemand auf die Idee, die Äras der einzelnen Vereine an den Managern zu fixieren. Also bis auf ganz wenige Ausnahmen wie Christian Heidel in Mainz.

Nur um mal zu verdeutlichen, wie schlimm es ist: Wenn ich nach "Bundesliga, Manager des Jahres" suche, ist die 2. Antwort eine englischsprachige Auflistung der vom Kicker ausgezeichneten Trainer. Warum ehrt der Kicker nicht auch die Sportdirektoren in einem ähnlichen Stil? Um mal festzuhalten, wer da wirklich die überragende Arbeit abliefert.

Aber ja. Max Eberl könnte das wichtigste Individuum für die Bundesliga sein, wenn es darum geht eine Herausfordernde Liga für den über allem stehenden Rekordmeister zu erschaffen. Und er wird dafür nie die angemessene Anerkennung bekommen, selbst wenn es ihm gelingt...

Donnerstag, 16. Juli 2020

Quo vadis, Bundesliga 2020: Borussia Dortmund

Kommen wir zu dem eigentlichen Ansatz dieser Serie. Was muss der eigentlich designierte Herausforderer Nummer 1 machen, damit sie ein wirklicher Herausforderer für die Bayern und damit Kandidat für die Deutsche Meisterschaft werden.

Denn als erstes werde ich mal folgende These in den Raum werfen: So, wie es derzeit läuft, wird Borussia Dortmund niemals Meister. Pokalsieger vielleicht, dafür reichen ja so ein paar gute Spieler. Aber konstant auf 34 Spieltage die erforderliche Leistung zu bringen, wird unmöglich sein.

Und das ist keine Mentalitätsfrage. Also nicht vordergründig. Es ist eine Frage der Teamstruktur.
Also Dortmund bezeichnet sich ja gerne als bester Ausbildungsverein in Europa. Sie sind aber genau genommen nur der beste Weiterbildungsverein. Eine Zwischenstation für die Hochtalentierten.

Das sieht man ja auch, wenn man sich die Situation um Jude Bellingham genauer anguckt. Also falls euch der Name, wie mir bis vor kurzen auch, nichts sagt: Das soll das nächste Mega-Talent aus England sein, der sich aber den Schritt direkt in die Premiere League nicht zutraut. Also geht er mit 17 Jahren in die Bundesliga. Und weil der Ruf der Dortmunder so gut ist, stechen die bei solchen Transfers sogar die Bayern aus.

Aber hier ist das Problem: Wenn man Bellingham fragt, warum er nach Dortmund geht, sagt er so was wie "Das ist der beste Schritt für mich. Dortmund ist der Verein, bei dem ich mich am besten weiterentwickeln kann."
Kein "Das ist die legendärste Tribüne Europas, da will ich unbedingt mal vorspielen." Oder "Ich war schon immer Dortmund Fan." Was immerhin bedeutet, dass die Talente ehrlich sind. Das führt aber halt zu dem großen Problem, dass es bei der Borussia seit Jahren hat: Sobald die Talente ihren Zwischenschritt erledigt haben, wollen sie sofort weg.
Das war bei Ousmane Dembele am deutlichsten. Aber auch Christian Pulisic ist mit 21 Jahren schon zu Chelsea gewechselt. Und jetzt ist Jadon Sancho wohl der nächste, der vor einem Abgang steht, bevor er 22 Jahre alt ist. Nächsten Sommer, Spoiler, wird Erling Haaland auf dem Transfermarkt erscheinen. Im Jahr darauf dann Giovanni Reyna und eben Bellingham. Vielleicht bleibt letzterer ein Jahr länger.

Wenn Dortmund es schaffen würde aus dem Quartett Haaland, Sancho, Bellingham und Reyna 3 Mann bis 2022 zu halten, würde ich sie zum Meisterschaftskandidaten Nummer eins in der Übernächsten Saison erklären. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass dies geschieht, ist so was von gering, dass sie vernachlässigt werden kann.
So wird Dortmund auch weiterhin phasenweise begeisternden Fußball spielen, aber auch immer unter den Entwicklungsschmerzen der Übertalente leiden. Die sind ja bei Haaland sogar wörtlich zu nehmen, denn anscheinend ist er körperlich noch nicht so weit die Dauerbelastung Profifußball zu verkraften. Und sobald er das über 50 Spiele im Jahr kann, wechselt er zu Real Madrid. Davon hat Dortmund aber wenig. Und ja, das Problem wurde hier schon mal ausführlich erörtert...

Das wirklich schockierende an der besten Talentschmiede Europas ist halt: Keiner von denen kommt wirklich aus der eigenen Jugend oder Region. Damit hat halt auch keiner von denen in Dortmund Bettwäsche geschlafen. Und auch deswegen versucht jeder so schnell wie möglich den für sich persönlich nächsten Schritt zu gehen. Da man es selber nicht schafft solche Spieler grundlegend auszubilden, fehlt es dann halt an entscheidenden Stellen an Identifikation. Und da reicht es ja zu sagen "Ich bleibe noch 2 Jahre, zu Liverpool oder Barca kann ich auch noch mit 24 Jahren wechseln."

Um das mal praktisch zu erklären: Dortmund hat 8 A-Jugendmeisterschaften gewonnen. Das ist praktisch Platz 2 hinter dem VfB Stuttgart. Aber wenn ihr euch den derzeitigen Kader der Deutschen Nationalmannschaft anguckt, haben sie da einen einzigen Spieler für "ausgebildet". Und das "ausgebildet" steht deswegen in Anführungszeichen, weil man Marco Reus mit 16 vom Hof gejagt hat.
Nur so zum Vergleich: Joshua Kimmich, Timo Werner, Segre Gnabry, Bernd Leno und Sebastian Rudy spielten in der U17 für den VfB Stuttgart und wurden hinterher Nationalspieler. Lukas Klostermann und Leon Goertzka spielten in der Nachbarschaft beim VfL Bochum. Man könnte also im Umfeld durchaus brauchbare Talente finden. Genau genommen hat aber ein verdammter Zweitligist eine erfolgreichere Jugendarbeit als Borussia Dortmund.
Und ja, bei der Jugendarbeit geht es nicht vorrangig darum Titel zu sammeln, sondern gehobene Bundesligaspieler auszubilden. Und daran scheitert Dortmund auf eklatante Art und Weise.

Ob Leon Goretzka in Dortmund geblieben wäre, wenn sie in im Alter von 16 Jahren geholt hätten, ist natürlich spekulativ, Aber es ist schon auffällig, dass ein Marco Reus sich gegen einen Wechsel entschieden hat und irgendwann beschloss: Eine Meisterschaft mit meinem Herzensverein ist mehr wert als 4 bei den Bayern. Da versuche ich lieber weiter hier auf Titeljagd zu gehen.
Und wenn man noch 2-3 weitere Talente auf ähnlichem Niveau und mit derselben Einstellung finden würde. Also ich sag mal demonstrativ Benedikt Höwedes auf Schalke. Der hätte gerade nach 2014 zu wesentlich besseren Vereinen wechseln können, musste aber am Ende vertrieben werden, weil... ähm... nun ja, Schalke halt. Aber da findet man solche Spieler.
Jonas Hector und Timo Horn in Köln. Selbst dieser Chaosklub hat es geschafft, seine Leistungsträger emotional so sehr an sich zu binden, dass die in die 2. Liga gegangen sind.Weil man sie halt auch schon als Jugendspieler in ihren Reihen hatte.

Dortmund muss halt seine Jugendarbeit komplett umkrempeln. Weg vom "Wir holen Titel, teilweise mit internationalen `'Stars'." Hin zum "Wir bilden wirklich selber Verstärkungen für unsere 1. Mannschaft aus." Damit die dann mit 23-25 Jahren eine Achse bilden, um die man wirklich was aufbauen kann. Und die selber auch den Anspruch haben: Ich gehe hier erst weg, wenn ich Meister geworden bin. Oder ich versuche es zumindest 5 bis 6 Mal, bevor ich verzweifelt aufgebe.

Und ja, die Dortmunder Führung hat nach dem Fall Dembele viel darüber geredet, dass so etwas nicht mehr passieren wird. Dass man im Zweifelsfall auch mal auf Geld verzichtet und die Spieler auf die Tribüne setzt. Praktisch gesehen hat man Pulisic, Abdou Diallo und Achraf Hakimi trotzdem ziehen lassen. Deswegen gehe ich ja auch davon aus, dass Sancho diesen Sommer den Trend fortsetzt. Praktisch hat sich also nichts verändert.
Und natürlich hatte man bei Hakimi als Leihspieler keinen direkten Einfluss. Aber dass der anscheinend lieber zu Inter Mailand wechselt, wo die Gesamtsituation eher schlechter als in Dortmund ist, zeigt, wie schlimm das Problem genau genommen ist und wie schnell die Talente weiter ziehen.

Solange man nur eine Durchlaufstation für Top-Talente ist, wird es einem immer an der Konstanz fehlen, die man braucht um die Bayern vom Thron zu stürzen.

Aber irgendwie bezweifele ich, dass den Borussen schon aufgefallen ist, dass ihre Jugendarbeit nicht annähernd so gut ist, wie sie selber glauben. Die Beweihräuchern sich an ihrer überragenden Scoutingabteilung (zu recht) und den errungenen Titeln, die aber halt wenig wert sind. wenn dabei keine guten Spieler raus kommen. Jedenfalls habe ich noch keine Stimmen gehört, dass diese Institution mal kritisch durchleuchtet werden müsste. Anders als zum Beispiel bei den Bayern... zu denen kommen wir dann als nächstes.

Mittwoch, 15. Juli 2020

Quo vadis, Bundesliga 2020: RB Leipzig

Ruhe bewahren? Kann es so einfach sein? Aber ja, RB Leipzig muss gerade gar nichts ändern und einfach langfristig evaluieren, ob ihr "Wir kaufen nur junge, entwicklungsfähige Spieler" Konzept wirklich bis ganz oben führt oder nicht. Und gerade auf den letzten Metern braucht man einen langen Atem.

Klar, in erster Instanz tut es weh, dass man erst Naiby Keita und dann Timo Werner an die "Elite" der Premiere League verkaufen musste. Aber sachlich gesehen ist es doch ein gutes Zeichen, dass Mannschaften auf gehobenen Verhältnissen ankommen müssen, damit die Topspieler den Verein verlassen. Als konkreten Vergleich würde ich da mal Eintracht Frankfurt anbringen: Die müssen 2 ihrer 3 Spitzenspieler an einen Abstiegskandidaten aus England und ein alterndes Team in einer kaputten Liga au Italien verkaufen. Wenn West Ham United bei einem Leistungsträger anfragt, lacht der die aus und bleibt in Leipzig. Zumindest scheint das derzeit die Entwicklung der Lage zu sein... jetzt wo ich das sage, wird wahrscheinlich als nächstes Yussuf Poulsen zu West Ham wechseln... oh... aber alles zu seiner Zeit.

Wenn man die ganzen "Kommerz ist Kacke" Emotionen mal raus lässt, ist ja das spannendste am Projekt RB, wie schnell man sich aus dem "Nichts" ein Spitzenteam formen kann. Und ja, als Traditionsfan darf man das Scheiße finden, darum geht es nicht. Aber RB ist da gerade auf einem ziemlich guten Weg. Aber genau genommen hat man auch den einfachen Teil des Weges hinter sich, die letzten Meter bis zu den Gifpeln werden die Schwersten.

So steht man nach 4 Jahren in der Bundesliga zum ersten Mal unter den Top 8 in der Champions League. Das ist ja irgendwie das Ziel, welches man langfristig konstant anpeilt. Neben dem einen oder anderen Titel. Aber gerade um von der Top 8 zu einem echten Titelkandidat aufzusteigen, braucht man halt dann doch einen relativ langen Atem.

Also praktisch erklärt kaufte sich ja Roman Abramowitsch sich 2003 bei Chelsea London ein. Danach spielte man eine ganze Weile im Dunstkreis der Titelanwärter mit. Irgendwie war allen klar, dass der ganz große Wurf nicht ewig verhinderbar sein würde. Gedauert hat es trotzdem 9 Jahre. Und klar, man wurde verdammt schnell 2 Mal Meister, man hatte allerdings auch eine ganz andere Grundlage als RB Leipzig.

Dafür kann Leipzig halt von den Fehlern der Anderen lernen... Und es vermeiden sinnlose Ablösesummen in Spieler wie Damien Duff zu stecken. Es gibt halt gerade in der Anfangsphase verdammt viele Spieler, bei denen man sich fragt: War es wirklich nötig 25 Millionen für die zu bezahlen?

Manchester City ist nebenbei in Jahr 8 des großen "Wir erkaufen uns den maximalen Erfolg" Konzepts... und warten immer noch auf ihr erstes Champions Leauge Finale. Aber von denen kann man lernen, dass man sich gute Anwälte für die Prozesse beim CAS leisten sollte... und wenn man die hat, kann man machen, was man will.

Die spannende Frage bleibt halt: Wann wird RB doch die Nerven verlieren und versuchen auf dem Transfermarkt richtig fett zuzuschlagen? Und wird das dann wirklich helfen.

Entscheidend ist dabei dann natürlich die eigene Jugendarbeit. Also RB Leizpig sind ja in einer wirklich angenehmen Position: Sie können den Bereich Mitteldeutschland relativ konkurrenzlos abarbeiten. Ich verdeutliche das gerne am Beispiel Rene Adler: Wenn man vor 20 Jahren als junger, talentierter Leipziger Talent eine Bundesligakarriere anstreben wollte, musste man mit 15 die Stadt verlassen und Richtung Westen ziehen. Es wird dann immer romantisierend erzählt, wie Adler auf dem Dachboden von Rüdiger Vollborn gelebt hat. Obwohl das eigentlich eine grausame Geschichte ist, weil da ein 15 jähriger sein komplettes Soziales Umfeld hinter sich lassen musste...

Mittlerweile kann man da einfach in Sachsen bleiben. Oder als Hallenser endlich mal auf die Gute Seite wechseln. Halle existiert ja de facto nur, damit Leute, die für Leipzig nicht gut genug sind, irgendwo in der Nähe eine Asyl finden und zum Numerus Clauses Flüchtling werden können... aber anderes Thema.

RB Leizpig muss halt auch mal dafür sorgen, dass aus der eigenen Jugendakademie wirklich bundesligataugliche Spieler hervorgebracht werden. Möglichst konstant. Und selbst wenn sie für die Leipziger nicht gut genug sind, können sie mit diesen Talenten immer noch die Liga in der Breite verstärken.

Aber stand Jetzt hat RB Salzburg immer noch mehr Bundesligaspieler ausgebildet als die Leipziger. Und ja, nicht nur wegen den 15 Transfers "innerhalb des Vereins". Das belegt aber auch, dass bei RB Leute am werkeln sind, die wissen, wie man Jugendspieler aus- und weiterbildet. Nur ist von dieser Kernkompetenz wenig in Sachsen angekommen.
Aber dass es in dieser vor RB doch recht karg besetzten Gegend eine 5 Sterne Akademie geben soll, kann kein schlechtes Zeichen für die Bundesliga als ganzes sein.

Das bringt uns dann doch zu... Yussuf Poulsen. Und da muss ich eines vorwegnehmen: Ich mag diese Art Spieler. Sein "Mythos" ist ja, dass er als quasi einziger all die Entwicklungsschritte von Regionalliga bis Champions League mitgemacht hat. Und ich sage seit Jahren: Wenn der irgendwann nochmal den Killerinstinkt vor dem Tor entwickelt...
Aber dann fiel mir auf: Poulsen ist de facto der Thomas Müller von RB Leipzig. Also ein Spieler, der extrem davon profitiert, dass er überqualifizierte Mitspieler neben sich hat. Der von diesen Mitspieler extrem profitiert. Der sich dann aber über Jahre hinweg den Ruf erarbeitet hat, dass es ohne ihn irgendwie nicht geht. Der sich aber auch in der Kabine einen Status erarbeitet hat, der dazu führt, dass es ohne ihn nicht geht...
Also das ist ja, für den etwas größeren Rahmen, das faszinierende am Trainerwechsel von Niko Kovac zu Hansi Flick: Kovac wollte genau genommen nur einen Thomas Müller langsam aber sicher aussortieren. Was ja auch vernünftig erschien, schließlich hat man ja gerade einen Coutinho für genau die Rolle hinter Robert Lewandowski geholt. Und sich damit zumindest theoretisch ein Upgrade zugelegt. So stand Müller dann bei 5 benoteten Spielen und 4 Torvorlagen, bis es zur, man muss es ja so nennen, großen Meuterei gegen Eintracht Frankfurt kam. In der Thomas Müller ein 6 bekam... Und als Dank dafür von Flick zum bedingungslosen Stammspieler ernannt... und dann löste ein Müller all die Probleme, die sich vorher unter Kovac aufgestaut haben. Aber genau genommen war das die eine wirkliche Veränderung, die Flick vorgenommen hat.
Das Problem daran? Müllers letzter guter Auftritt in einem Champions League Viertel oder Halbfinale ist Jahre her. Die Wahrscheinlichkeit dass er sich plötzlich gegen die hochkarätigere Konkurrenz in den entscheidenden Champions League Spielen durchsetzt... also ich befürchte ja seit Jahren, dass ich da einen Statcurse auslöse, aber bisher ist der nicht wirklich gekommen.

Um den Bogen zu RB zu schlagen: Ich habe das Gefühl, dass Poulsen genau dieselbe Rolle in Leipzig einnimmt. Also er ist eigentlich nicht mehr gut genug für die Ansprüche des Vereins, hat aber eine derart wichtige Rolle als Leader, dass er immer sofort gebracht wird, wenn es mal im Ansatz nicht läuft... was dann aber dazu führt, dass an sich bessere Spieler sich nicht durchsetzen können und das Weite suchen.
Als ganz praktisches Beispiel sei hier der Fakt genannt, dass Matheus Cunha mittlerweile bei der Hertha spielt, obwohl da von den reinen fußballerischen Fähigkeiten eher der Poulsen hingehört. Aber es gab halt kein konstantes Vorbeikommen für Cunha an der Vereinsikone. Auch wenn der zumindest langfristig definitiv der bessere Stürmer sein wird. Falls er es nicht schon ist. Und so hält dann ein Spieler die Weiterentwicklung eines ganzen Vereins aus, weil man emotional zu sehr aneinander hängt... und ja, das passiert einem sogar als Dosenverein...

Ich habe das ungute Gefühl, dass RB die Bayern erst dann herausfordern kann, wenn sie Poulsen aussortiert haben... so leid mir das dann für den tut.

Montag, 13. Juli 2020

Quo vadis, Bundesliga 2020: VfL Wolfsburg

Am 34. Spieltag ist etwas außergewöhnliches passiert: Der 7. war richtig sauer und enttäuscht. Und das ist ein verdammt gutes Zeichen.

Also dass der VfL Wolfburg als gefühlt erste Mannschaft seit dem Platz 7 reicht hinterher nicht sagt "Super, wir haben uns für die Europa League qualifiziert, da haben wir jetzt so richtig Bock drauf, auch wenn es die Vorbereitung kompliziert macht... dafür haben wir ja das ganze Jahr hingearbeitet.", sondern mit einem schlechten Gefühl in die Sommerpause geht, ist eine neue und gute Entwicklung... weil halt ihr Anspruch am Ende eigentlich noch höher war. Und Mannschaften mit höheren Ansprüchen sind etwas gutes für die Bundesliga.

Das große Problem daran ist halt, dass sie nicht auf das eigene 0:4 gegen die Bayern sauer sind, sondern darauf, dass Dortmund eine Leistung am Rande der Wettbewerbsverzerrung abgeliefert hat. Und das ist halt das grundlegende Problem, welches sich in der Bundesliga ändern muss: Wenn man selber den Anspruch hat um Platz 5 und 6 mitzuspielen, dann kann man eine 0:4 Heimspielniederlage nicht einfach so hinnehmen. Auch wenn es gegen die Bayern geht. Und klar, knapp verlieren kann man so ein Heimspiel gegen den Meister. Aber eine Hohe Niederlage als Gottgegeben hinnehmen und sich hinterher beim Vizemeister beschweren...

Da sind wir ja beim eigentlichen Grundproblem der Bundesliga: Selbst Mannschaften mit hohen Ansprüchen akzeptieren Heimniederlagen gegen die Bayern einfach so. Damit haben die Bayern dann so 3 wirklich ernst zunehmende Spiele im Jahr. Und das auch nur, wenn Dortmund sich nicht gerade einscheißt, weil es gegen die Bayern geht.

Und genau dieses "Wir werden maximal 3 mal im Jahr wirklich gefordert, es sei denn, wir werden nachlässig" führt dann zu den Problemen, die die Bayern in den letzten Jahren auf der ganz großen Bühne hatten. Damit die Liga wieder spannender und besser wird, muss auch eine Mannschaft wie Wolfsburg im eigenen Stadion eine Herausforderung für die Bayern darstellen.
Und das ist ja keine Corona-Geisterspiele-Ausnahme. Die letzten 4 Heimspiele hat man mit 1:15 Toren verloren. Man hat in diesem Jahrzehnt ein einziges Heimspiel gegen die Bayern gewonnen. Es wurde ja 2015 das "Gastspiel bei den Bayern ist wie ein Zahnarztbesuch" Meme erschaffen. Wolfsburg beweist halt, dass es unwesentlich angenehmer ist, wenn der Zahnarzt zu einem kommt... Und das muss sich dringend ändern, wenn es mit der Bundesliga vorwärts gehen soll.

Mittwoch, 8. Juli 2020

Quo vadis, Bundesliga 2020: Bayer Leverkusen

Als erster halbwegs seriöser Beitrag zu dem Thema, was in der Bundesliga passieren muss, damit die Bayern auch mal wieder gefordert werden. Oder damit es vielleicht mal wieder einen anderen Meister gibt. Und ja Bayer Leverkusen gehört zu genau den Mannschaften, die dies schaffen müssen. Dabei gibt es natürlich kurzfristige und langfristige Ansätze. Der kurzfristige ist einfach: Behaltet Kai Havertz. Also zumindest noch für die eine Saison. Und dann muss man sich entscheiden, ob, so hart das klingt, man den nicht lieber ins Ausland verkauft... was natürlich am Ende Havertz entscheidet, es ist ja ein Transfer und kein Menschenhandel...

Langfristig muss man halt Tom Bartels ignorieren. Ich habe ehrlicher Weise nur die letzten 10 Minuten gesehen, aber dass Bartels den Leverkusenern verkaufen wollte, sie könnten auf ihre Leistung "stolz" sein, hat mich schon wieder aufgeregt. Warum? Weil man sich gegen die Bayern, die einige Gänge runter geschaltet haben einige Torchancen erarbeitet hat? Von denen man jede hätte nutzen müssen um das Spiel zu gewinnen?
Und ja, Kevin Volland bekommt den Titel "Gomez der Woche"... Wobei, so ungeschickt der über den Ball getreten hat, wäre das eine Beleidigung für das Original. Denn den Ball hat Gomez beim Versemmeln von Großchancen schon meistens getroffen.
Aber selbst wenn Volland das 1:2 macht. Also auch nur den Anschluss und nicht den Ausgleich... dann kommt Bayer dadurch nur bedingt zurück ins Spiel. Denn die Bayern haben ja gerade nach dem Re-Start nachgewiesen, dass sie nach ihren eingelegten Ruhephasen durchaus sofort wieder das Tempo anziehen können. Also praktisch hat man das im Halbfinale gesehen, wo Eintracht Frankfurt den Ausgleich erzielt, die Bayern aber humorlos 5. Minuten später wieder in Führung gehen. Wer also glaubt, dass die Bayern wirklich ins schwitzen kommen, wenn der Anschlusstreffer fällt, hat sich in den letzten Monaten so gar nicht mit Fußball beschäftigt. Also ja, Tom Bartels glaubt dies natürlich.

Wobei das Problem ja ein anderes ist: Tom Bartels ist halt mehr Verkäufer als Journalist. Der will den "paar Hanseln, die sich noch für Bayern erdrückende Dominanz interessieren" einreden, dass sie gerade wieder was ganz tolles gesehen haben. Dass Bayer nach einem grandiosen und tapferem Kampf knapp gescheitert ist... und nicht, dass das Finale nach 24 Minuten praktisch entschieden war. Das ist so ein allgemeines Problem bei Sportreportern. Anstatt uns zu erklären, was da wirklich auf dem Rasen passiert, erschaffen sie Szenarien, wie das Spiel nochmal spannend werden könnte. Auch wenn diese Szenarien extrem unrealistisch sind. Denn sie wollen halt, dass wir nicht abschalten.

Nebenbei ist das immer bei den RAN NFL Übertragungen am aller schlimmsten. Da werden ständig "Ein Touchdown, eine 2 Point Conversion und dann ein erfolgreicher Onside Kick, und schon haben wir ein spannendes Spiel" Szenarien in den Raum geworfen. Also für diejenigen, die keine Ahnung vom Football Vokabular haben: Die beschriebene Kombination klappt ein mal in 10.000 Versuchen...


Genug Medienkompetenztraining. Wo waren wir? Ach ja, Quo Vadis Bayer Leverkusen? Bayer muss sich eingestehen, dass sie verdammt weit weg davon waren die Bayern wirklich zu fordern. Man hat am Finale nur teilgenommen... und das auch nur, weil man im Halbfinale gegen einen Regionalligisten antreten durfte. Vorher Paderborn, Stuttgart und Union Berlin. Also ja, der "stärkste" Gegner war eine Mannschaft, die gerade ihre erste Bundesligasaison gespielt hat. Bei all dem Losglück war es echt keine Leistung ins Pokalfinale einzuziehen. Es sollte als Selbstverständlichkeit angesehen werden. Und im Finale hat man dann versagt.

Genau so wie man in der entscheidenden Saisonphase gegen Schalke und die Hertha versagt hat. Man ist buchstäblich in die Europa League abgestiegen. Und das könnte bei der Personalie Havertz richtig schmerzhaft werden.
Dabei muss man sich damit beschäftigen, warum man nach dem herausragenden Re-Start (11:3 Tore und unter anderem gegen den direkten Konkurrenten Borussia Mönchengladbach) so viel Schwung verloren hat. Und ja, nach dem 28. Spieltag sah Bayer Leverkusen wie der Topkandidat auf Platz 4 aus. Danach kamen aber "nur" noch 3 eher zähe Siege. Jetzt könnte man sich einreden, dass 63 Punkte und ein Torverhältnis von +17 seit 2004 immer für Platz 4 gereicht haben. Und das man ja eine richtig überragende Saison gespielt hat. Aber genau diese Selbstzufriedenheit hilft halt weder Bayer noch der Bundesliga weiter.

Es ist viel wichtiger rauszukriegen, warum man am Ende so eingebrochen ist. Und das war ja nicht nur der "Meine Zukunft beschäftigt mich gerade so sehr, dass ich mich nicht auf die Gegenwart konzentrieren kann" Havertz, der deutlich nachgelassen hat. Es war der gesamte Kader. Und klar, andere Mannschaften haben das noch schlechter hinbekommen. Das bedeutet aber halt nicht, dass man selber gut war.

Genau da muss die kritische Analyse der Saison anfangen. Die guten Nachrichten aus Leverkusen lauten: Wenn man sich die Benders so anhört, haben die das definitiv vor.

Sonntag, 5. Juli 2020

Quo Vadis, Bundesliga 202Bluescreen: Hamburger SV

Ernsthaft. Was machen wir mit dir, Lieber HSV? Wie unterhältst du uns weiter? Welche Lösungsansätze für deine schwierige Lage gibt es?

Wie immer gibt es hier einen kreativen Vorschlag. Der natürlich frei von jedem Zynismus ist. Richtig konstruktiv. Und genau deswegen wird er niemals umgesetzt werden.

Also für diejenigen, die es verpasst haben: der Hamburger SV hat zum 2. Mal in Folge den Aufstieg in die Bundesliga verpasst. Und das auf peinlichste Art und Weise. Also selbst de Diekmeier, der im Trikot des HSVs nie ein Scheunentor getroffen hat, half am Ende bei der Mission Klassenerhalt mit, obwohl er mittlerweile in Sandhausen spielt.

Und als ich dieses Meme das erste Mal sah, wurde es mir bewusst: Der HSV braucht ein Rebranding. Eine komplett neue Identität, die man dann gewinnbringend vermarkten kann. So wie es der 1.FC St.Pauli als "DER LINKE VEREIN IM LAND" schon gemacht hat.

Denn der HSV hatte ja jahrelang das Alleinstellungsmerkmal "Einziger Bundesliga-Dino". Man war die eine Mannschaft, die immer in der Bundesliga gespielt hat. Die noch nie abgestiegen ist. Darauf hat man seinen Mythos aufgebaut. Und auch wenn das am Ende ganz schön erbärmlich war, weil nur absurde Ergebnisse in einer unnötigen Relegation halfen, so war es halt doch ein Fakt.

Aber dieser Fakt ist vor 2 Jahren weggebrochen. Jetzt ist man nur noch ein ganz normaler deutscher Fußballverein.

Es sei denn, man guckt genauer hin. Denn dann ist der HSV auf ein mal doch wieder einzigartig. Also nicht obwohl sie schon wieder den Aufstieg verkackt haben, sondern WEIL sie schon wieder den Aufstieg verkackt haben.

Wenn man sich die HSV Geschichte mal genauer anguckt, ist das nichts ungewöhnliches. Also der Verein wurde 1919 durch den Zusammenschluss 3er Vorgängervereine "gegründet" und man spielte direkt um den Titel "Norddeutscher Meister" mit. Einen Titel, den man von 1921-25 durchgängig hielt.
Das bedeutete auch nur: Der HSV startete direkt in der höchsten Spielklasse.
Danach wurde man als 2-facher Deutscher Meister natürlich in der Gauliga Nordmark einsortiert. Während man jetzt in der Super-Gau-Liga 2 spielt.

Danach ging es dann kurzzeitig in der "Hamburger Liga" und ab 1947 in der "Oberliga Nord". Und dann von 1963-2018 in der Bundesliga. Bis zum berühmten ersten Abstieg.

Das bedeutet praktisch: Von 1920 bis 2018 spielte der HSV immer in der höchstmöglichen Spielklasse. Seit 2018 ist dies vorbei. Aber jetzt kann man faszinierender Weise folgendes behaupten: Man ist als einziger Verein seit 1920...
Drumroll pls...
NIE AUFGESTIEGEN!

Jeder noch so beschissene Dorfverein ist doch irgendwann aufgestiegen. Und sei es nur von der Kreisklasse III in die Kreisklasse II. Oder er hat sich doch irgendwann aufgelöst.
Ich meine allein Arminia Bielefeld kommt auf 8 Bundesliga-Aufstiege. Selbst die Schnarchnasen von der BND Truppe kriegen es anscheinend regelmäßig hin in die Bundesliga aufzusteigen. Das ist echt keine Kunst.
Eine Kunst ist es, niemals aufzusteigen. Das schafft sonst keiner.

Da sollte man doch sofort Kapital daraus schlagen. Merchandise entwickeln. Also dass neben jedem ebenfalls Deutschland weit vertriebenen St.Pauli Merchandise Shirt noch ein "HSV! FÜR IMMER UNAUFSTEIGBAR!" Shirt ausliegt. Also zumindest die St.Pauli Fans würden beides kaufen... Das wäre ein Artikel, den man mindestens deutschlandweit vermarkten könnte. Und ein Image, dass man drum herum aufbauen könnte. Alles nach dem Motto: "Aufsteigen kann doch jeder, nie aufzusteigen ist schwer."
Aus ganz Europa würden all die Ultras nach Hamburg reisen, um die einzige Mannschaft, die noch nie aufgestiegen ist, zu sehen. Und wenn man doch irgendwo noch andere Mannschaften findet, die nie aufgestiegen, aber mindestens 30 Jahre alt sind... dann kann man die im Sommer zum großen "Unaufsteigbarmeister" Turnier einladen. Da findet man garantiert auch einen gut dotierten Fernsehvertrag. Alles unfassbare Möglichkeiten, die einem entgehen, weil man seine neue Realität nicht angemessen feiert.

Man könnte nebenbei auch eine ganze Menge Geld sparen. Also einen Kader zusammenzustellen, der im Wesentlichen einfach nicht absteigen soll, ist wesentlich einfacher, als heimlich für die Rückkehr in die Europa League zu planen. Sagen wir das mal so: Eines davon geht mit Aaron Hunt...
Gut, es wird ein wenig komisch wirken, wenn man den Trainer entlässt, weil man auf Aufstiegskurs liegt... Aber verglichen mit all den anderen komischen Entscheidungen, die in Hamburg getroffen worden sind, steht hinter dieser wenigstens ein Konzept... Sogar ein Einzigartiges...
Das Dümmeste, was man machen könnte, wäre: Völlig unmotiviert aufsteigen und dadurch sein Alleinstellungsmerkmal verlieren. Dabei gewinnt man echt nichts.

Und wenn man irgendwann plötzlich in die 3. Liga absteigt... ist das kein Problem. Man hat ja praktisch noch 10 weitere Ligen unter sich, da ist noch genügend Luft.

Dienstag, 30. Juni 2020

Quo Vadis, Bundesliga, 2020: Schalke 04

Als quasi Füller zwischen nem Rückblick und ner Vorschau, wollte ich mich mal mit dem Thema befassen, was in der Bundesliga passieren muss, damit die Meisterschaft nicht wieder automatisch an die Bayern geht. Denn so unsympathisch der Uli Hoeneß ist, mit seiner "Wir können ja nicht halbtags arbeiten" Aussage, hat er irgendwie recht.

Auch wenn ich immer noch der Meinung bin, die Bayern sollten sich bei Ergänzungstransfers zurück halten. Also praktisches Beispiel: Am letzten Spieltag deutete Michael Cuisance an, dass es die Liga schon schwächt, wenn er die Saison praktisch beim Drittliga Team des Rekordmeisters verbringt. Der könnte auch der einen oder anderen guten Mannschaft in der Bundesliga weiter helfen. Und dadurch dann das Leistungsniveau heben, was ja genau genommen auch das ist, was die Bayern brauchen um für die Champions League gewappnet zu sein.

Und ja, es feiern jetzt alle Thomas Müller für seine 21 Torvorlagen. Und sein schönes Direktspiel. Aber hier ist das Problem: Wenn Müller im August gegen Real Madrid und Manchester City wieder nur Mitläufer ist, sind all die Torvorlagen in der Bundesliga irrelevant. Denn die hätte Coutinho auch gesammelt, wenn man ihn gelassen hätte.

Nur um zu verdeutlichen, wie wichtig meiner Meinung nach dieses "Quo vadis" ist: dass die Bayern Stars in der Liga glänzen, aber in der Champions League dann nicht, ist ja ein Grundlegendes Problem der Bayern. So wurde ein Franck Ribery für seine Tollen Leistungen in der Liga gefeiert und bekam noch eine Vertragsverlängerung, obwohl er am Ende 3 Jahre ohne Tor in der Champions League war. Aber dass Ribery den Champions League Ansprüchen nicht mehr genügt, hat die allgemeine Schwäche der Bundesliga wunderbar überdeckt.

Also ja, auch die Bayern brauchen dringend eine stärkere Bundesliga. Wie können aber die anderen Vereine diese Liga erschaffen? Fangen wir, weil es so lustig ist, mit Schalke 04 an. Insert dirty laugh here.

Um das vorwegzunehmen: Ich war noch nie so froh, kein Schalke Fan zu sein. Und das, obwohl ich dem Verein immer kritisch gegenüberstand...
Also sein wir mal ganz kurz ehrlich: Schalke müssen wir derzeit von der "Die können ihren Beitrag für das kompetitive Niveau der Liga leisten" Liste streichen. Die haben halt gerade ganz andere Probleme und müssen bei den Lösungen nur auf sich selbst suchen. Damit haben sie genug zu tun.

Dass immerhin Clemens Tönnies von allen Ämtern zurück getreten ist, ist ein erster Schritt für die Lösung der strukturellen Probleme des Vereins. Aber dass dies so lange gedauert hat und nicht schon auf die rassistischen Äußerungen passiert ist. Das führt aber halt auch direkt zum nächsten Problem: Wenn man den um Geld anpumpen will, muss man ihn mit Samthandschuhen anfassen. Und so darf sich Tönnies dann seine Strafen selber aussuchen.

Nebenbei wollte ich mal erwähnen, dass der erste "Tönnies ist das Problem auf Schalke" Beitrag hier von 2015 ist. Da ist es wieder, das tägliche "Passives Abseits Leser wissen es früher"... Damals ging es noch nur darum, wie der Führungsstil von Tönnies und seine illusorischen Ansprüche die Ursache für verdammt viele Probleme auf Schalke sind. So wurde der Vertrag von Jens Keller trotz wiederholter Qualifikation für die Champions League nicht verlängert und der ging als "Lame Duck" in die Saison. Was dazu führte, dass er ständig kritisiert wurde... was Tönnies wiederum nicht verstehen konnte. Dass er die gesamte Situation mit einer Vertragsverlängerung hätte entschärfen können, hat er halt bis heute nicht verstanden.

Dass man halt so sehr von einer einzigen Person abhängig ist, zeigt halt auch, wie finster die Gesamtsituation auf Schalke ist. Oder anders ausgedrückt: Wenn Tönnies den Verein nicht retten kann, muss Vater Staat das halt machen.
Dazu kommen dann noch all die epischen Fehltritte beim Umgang mit den Fans während der Corona-Krise. Also man muss schon fragen, ob es überhaupt Möglichkeiten gibt sich als Verein schlechter zu präsentieren als Schalke in der Saison 2019/20. Und ja, das sage ich, obwohl der Hamburger SV existiert.

Die nächste völlig falsch eingeschätzte Episode ist ja, dass Schalke "als erste Mannschaft einen Salary Cap festlegt." Ähm... nein, tun sie nicht.
Also nur um das mal festzuhalten: Schalke legt einfach nur für sich eine Obergrenze von 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt fest. Wer mehr verlangt, braucht gar nicht erst an den Verhandlungstisch kommen. Man gibt quasi vorher bekannt, was das Maximum ist, dass ein Spieler "fordern" kann. Keine gute Verhandlungsstrategie, aber wenigstens offen und ehrlich.

Hier ist das faszinierende: Jeder gut geführte Fußballverein hat so einen "Salary Cap". Also ich bin mir absolut sicher, dass zum Beispiel in Freiburg intern auch alle Beteiligten wissen, wo die absolute Schmerzgrenze für die Breisgauer liegt. Und ab welcher Summe der SC sagt: Da steigen wir aus den Verhandlungen aus, du musst dir einen anderen Verein suchen. Und wahrscheinlich liegt diese Grenze südlich von 2,5 Millionen. Aber das werden wir ja rauskriegen, wenn die die Schwolow Verhandlungen verfolgen...
Andere Verein wie RB Leipzig geben halt auch bei Timo Werners Vertragsverlängerung 2019 "absolut an unsere machbaren Grenzen" gegangen zu sein. Was auch nur bedeutet: Auch bei RB Leipzig gibt es den jetzt von Schalke angekündigten Salary Cap seit Jahren.

Die einzige Besonderheit in Gelsenkirchen ist, dass sie öffentlich und offiziell bekannt geben, dass sie ihre Schmerzgrenze gerade nach unten korrigiert haben. Wahrscheinlich deutlich nach unten korrigiert haben. Mit einem klassischen Salary Cap hat das aber gar nichts zu tun.

Und im wesentlich gibt man jetzt schon bekannt, dass Weston McKennie und Suat Serder demnächst verkauft werden müssen. Weil sie zu diesen Bedingungen kaum einen neuen Vertrag unterschreiben werden. Und man muss sich dann auch bewusst werden: Für 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt wird man, trotz möglicher Ablösesummen, kaum neue Spieler von derselben Qualität verpflichten können. Was halt praktisch heißt: Die Mannschaft auf Schalke wird eher schlechter als besser. Was einem bei einer Serie von 16 Spielen ohne Sieg echt Sorgen machen muss.

Nebenbei dürfte diese öffentliche Haltung dazu führen, dass eine ganze Menge Spieler nicht mal mehr an der Verhandlungstisch kommen. Also der Fakt, dass einige aktuelle "Leistungsträger" mehr als die 2,5 Millionen verdienen... und abgesehen von einem Verkauf wird sich daran ja auch nichts ändern. Warum sollte also ein Spieler, der sich auf Augenhöhe mit Serdar sieht, weniger Gehalt als diese beiden bekommen?
Nebenbei fällt mir bei der Gelegenheit auf, dass dies alles nur Spekulationen sind, weil es keine belastbaren Zahlen gibt.  Also ich berufe mich hierbei auf folgende "Analyse" vom englischsprachigen Transfermarkt.com, die Serdar und McKennie als Problemfälle des neuen Salarycaps nennen. Ob die schon mehr als 2,5 Millionen verdienen oder nur garantiert mehr als 2,5 Millionen verlangen werden, kann ich dabei nicht beurteilen.

Genau genommen gibt es genau einen Hoffnungsschimmer auf Schalke: Norbert Elgert. Und ja, auch der hat den ominösen "Trainerpreis des deutschen Fußballs" gewonnen. Er steht repräsentativ für die Jugendarbeit auf Schalke. Und auf die wird es jetzt noch mehr ankommen, als zuvor.
Die einzige realistische Chance für Schalke ist es halt sich buchstäblich am eigenen Schopf aus dem Schlamassel zu ziehen. Und zu hoffen, dass man den nächsten Mesut Özil, Julian Draxler und Beneditk Höwedes findet. Wenn einem dies nicht gelingt, wird es echt finster.

Aber wenn man dann realisiert, dass Schalke 8 Millionen Ablöse in Alexander Schwolow stecken will, anstatt einfach mal auf den immer noch am Verein hängenden Ralf Fährmann zu setzen. Und klar, Fährmann wird nicht der nächste Nationaltorwart, während man bei Nübel zumindest kurzfristig daran glauben konnte. Aber Spoiler: Auch Schwolow ist kein Torwart, der für die Nationalmannschaft interessant ist. Vielleicht ist der ein wenig besser als Fährmann. Durchaus möglich. Da Torhüter genau genommen immer auch von ihrer Defensive abhängig sind, ist das schwer zu beurteilen. Aber ich sag das mal so: Er ist keine 8 Millionen Euro Ablöse besser. Gerade wenn man wie Schalke kein Geld hat.
Also nur um das mal zu verdeutlichen: In dem stabilen Gesamtkonstrukt umd Robin Koch und Christian Günther war es vollkommen egal, ob Schwolow oder Mark Flekken im Tor standen. Beide sind die Notenbesten Spieler im Freiburger Kader. Und wenn Koch in diesem Sommer verkauft und nicht adäquat ersetzt wird, wird der Notenschnitt beider Torhüter einbrechen. Aber für so einen Torwart gebe ich als Schalke doch keine 8 Millionen Euro aus.

Warum Schalke immer noch nicht auf den grundsoliden Torhüter mit hoher Identifikation setzt, obwohl man doch genau das gerade braucht... bleibt halt eines dieser unlösbaren Schalke Rätsel. Und ich wage zu behaupten: Wenn man Fährmann reinstalliert und die 8 Millionen in halbwegs ordentliche Defensivspieler steckt, steht man besser da, als wenn man Serder verkauft um Schwolow zu finanzieren... So ein weiteres Mysterium ist Daniel Caligiuri, den man ja lieber "zappeln" lies, anstatt ihm ein vernünftiges Angebot zu machen. Aber auch das ist halt schwer zu beurteilen, wenn man nicht vor Ort dabei war. Aber wenn Augsburg Caligiuris Gehaltsforderungen erfüllen kann, Schalke aber nicht, ist das ein verdammt schlechtes Zeichen. Denn genau genommen stärkt man gerade ablösefrei einen designierten Konkurrenten. Ich bezweifle, dass das eine gute Strategie für die nächsten Jahre ist.

Und ja, dass Derby-Held Caligiuri lieber nach Augsburg geht als auf Schalke zu bleiben, zeigt, wie dramatisch die Lage gerade ist. Aber hey, für mich als zynischer Außenstehender könnte es großartig werden.

Freitag, 15. Februar 2019

Oh Shit

Ein Worst of, Preview Mashup. Oder anders ausgedrückt. Quo vadis, Bundesliga?

Könnt ihr euch eigentlich noch an den Hype erinnern, den der Kicker im September auslösen wollte... weil "wir"... ähm... nach dem ersten Spieltag mehr Punkte gesammelt haben, als Frankreich? Die Krise ist vorbei! Die Bundesliga ist wieder wer!! Gut, man hat an diesen ersten Spieltag hauptsächlich lästige Pflichtaufgaben erledigt. Aber immerhin, das war doch schon mal ein wesentlicher Fortschritt.

Jetzt... hat sich Hoffenheim am Ende nicht mal für die Europa League qualifiziert. Und RB Leipzig hat jegliches Interesse daran vermissen lassen. Aber das waren ja Einzelfälle. Im Großen und Ganzen stimmt die Richtung. Alles wird gut. Die deutsch-englischen Festspielwochen werden beweisen... Oh Shit.

Und ja, als nächste Hypestufe wollten uns im Kicker alle einreden, dass Dortmund der Favorit gegen Tottenham ist. Wer anderes behauptet hat, wurde einfach nicht vom Kicker gefragt. Das beste Paradebeispiel ist Earnie Woodcock, der sagte "Naja, ich bin halt Arsenal, natürlich tippe ich gegen die Spurs. Dumme Frage"... Solche Meinungen sind dann gedruckt worden. Ein Tottenham Anhänger war aber anscheinend nicht auffindbar.
Bevor jetzt jemand mit "Ja, aber die Verletzungsprobleme" kommt. Stimmt. Mit Harry Kane und Dele Alli wäre Dortmund noch viel schlimmer verprügelt worden.
Jetzt... müssen wir darauf hoffen, dass Schalke gegen Manchester City, die sich anscheinend gerade wirklich wie ein Favorit auf den Titel präsentieren, besser abschneidet. Also damit dieses epische Duell wenigstens halbwegs unentschieden ausgehen kann.
Und es bleibt zu hoffen, dass die Bayern, die mit wesentlich schlechteren Angreifern immer wieder Probleme haben, gegen Liverpool sicher steht. Ähm... ja, das ist möglich. Aber keineswegs selbstverständlich. Und dass die Bayern genau solchen Ansetzungen aus dem Weg gehen müssen, habe ich hier doch bereits im August gelesen...

Dazu hat sich Bayer Leverkusen in eine Situation manövriert. wo sie ein ordentlich ausgespielter Konter des Gegners im Rückspiel vor richtig große Probleme stellen wird. Auf ein Mal ist es ein erschreckend realistische Szenario, dass die Viertelfinalspiele dieses Jahr ohne Deutsche Beteiligung stattfinden werden... Was gut für den gemeinen Fußball-Fan ist, der so gar nicht mitbekommen wird, dass die Champions League ja gar nicht mehr im Frei Empfangbaren Fernsehen läuft...

Aber allein schon, dass man sich jetzt schon mit dieser Idee auseinander setzen muss, kann kein gutes Zeichen sein. Also für das allgemeine Niveau der Liga.

Dem Kicker ist das ja in einem lichten Moment selbst aufgefallen. Also als sie ihre Rangliste erstellt haben und ihnen auffiel, dass die Offensive Renaissance der Liga vielleicht einfach darauf zurückzuführen ist, dass es keine ordentlichen Verteidiger mehr gibt. Dass es jetzt quasi nur deswegen besser aussieht (und das kann ja keiner, der Gladbach oder Bremen spielen sieht, in Frage stellen), weil sich das Niveau der Verteidigungslinien an das Niveau der Angriffsreihen angepasst hat.

Am Ende ist Dortmund dieses Jahr gar nicht besser als in der Vorsaison, die Bayern sind nur so viel schlechter, dass die Leistungen aus der Vorsaison dieses Jahr ein spannendes Meisterrennen ermöglichen. Es ist halt immer schwierig, so was zu beurteilen, bevor die Internationalen Vergleiche anstehen, die die Leistungsfähigkeit der Mannschaften dann wirklich einordnet.

Oder man guckt auf die kleinen Details. Zum Beispiel dem Problem (für die Liga), dass Fortuna Düsseldorf ernsthaft mit Europa League Träumen konfrontiert wird. Ja, das haben die so im Kicker gedruckt. Und es war nicht der 1. April.
Man kann es natürlich als Ausdruck der Anerkennung für die Leistung der Fortuna betrachten... Aber genau genommen hast du als Liga ein echtes Qualitätsproblem, wenn eine bessere Zweitligatruppe auf ein Mal von der Europa League träumen muss. (Und nur so nebenbei: Normalerweise schreibt irgendwer so was im Oktober über eine Mannschaft, die überraschend gut gestartet ist... und die danach dann sofort einbricht...)

Also ja, auch der Tabellenplatz der Fortuna ist eher ein Beweis dafür, dass die Liga nicht wirklich besser geworden ist. Das ist nebenbei auch kein ganz großes Problem. Also wer wirklich dachte, dass die Liga, die jahrelang ausschließlich von den Bayern getragen wurde, welche jetzt halt auch noch einen Generationswechsel brauchen, jetzt auf ein Mal innerhalb einem Jahres wieder gehobene Internationale Klasse darstellen würde, ist unfassbar naiv. Dass dies ein längerer Prozess werden würde und die Probleme nicht durchs aussprechen (nach jahrelanger Ignoranz) gelöst werden würden, sollte jedem klar gewesen sein.

Also jedem, außer unserer Fachpresse vom Kicker... die uns natürlich lieber den Fortschritt verkaufen wollten. Hauptsächlich, weil sie sich nicht eingestehen wollen, dass sie derzeit über eine Gurkenliga berichten. Oder weil sie nicht auf der Abschussliste der Bayern-Offiziellen landen wollen.

Klingt übertrieben? Dann schlagt mal die Seite 11 im aktuellen Kicker aus. Und werden euch bewusst, dass diese "gut zu wissen" Kategorie sich eigentlich um die Bundesliga als ganzes drehen sollte. Tut sie irgendwie auch, es werden ein paar andere Vereine und Namen genannt. Aber im wesentlichen teilt uns der Kicker mit, was für ein toller Hecht Robert Lewandowski ist. Zufälliger Weise ziemlich direkt nachdem Hasan Salihamidciz der Öffentlichkeit erklärt hat, dass man ein Problem bekommt, wenn man den Topstürmer der Bayern übermäßig kritisieren lässt. Ob diese Einstellung jetzt Grundgesetzeskonform ist, müssen andere Experten entscheiden. Der Kicker hat jedenfalls mal direkt dafür gesorgt, dass er auf der "richtigen" Seite steht.

Oh und wo ich gerade schon beim Kicker-Bashing bin: Dass die jetzt wie selbstverständlich und völlig aus der Kalten ein Loblied auf Thomas Tuchel drucken. 8 Mal taucht dessen Name (oder ein direktes Synonym für ihn) im Paris-Artikel auf. Und es gibt keine einzige negative Silbe. Das absolute Schlüsselzitat: "Erstmals seit dem Einstieg der Katarer haben sie in Thomas Tuchel einen großen Trainer." Dieses Speichellecken ist vor allem Dingen deswegen erbärmlich, weil einer der Tuchel Vorgänger Carlo "Ich habe 3 Mal die Chamions League gewonnen" Ancelotti (und Unai Emery, der 3 mal in Folge die Europa League gewonnen hat) zu Tuchels Vorgängern gehören. Aber es ist auch dreist, wie der Kicker einfach nur vergessen hat, dass man damals eine, man muss es eigentlich so nennen, "Schmierkampagne" gegen Tuchel verbreitet hat, weil man den nicht als Dortmund Coach haben wollte.
Aber zur Ehrenrettung des Kickers: Der Artikel ist von einem französischen Kollegen. Man selber hat den nur unwidersprochen gedruckt. Und hoffentlich dabei ordentlich gewürgt. Aber anscheinend haben sie das Ding nicht mal gegen gelesen, sonst wäre ihnen aufgefallen, dass Paris durchaus andere große Trainer hatte...

Donnerstag, 26. Juli 2018

Quo vadis: Wer soll dieses Jahr eigentlich absteigen?

Jetzt, wo zum Sommerloch-Füller alles gesagt ist... (außer vielleicht noch ein "Der Kicker sollte dankbar sein, dass Mesut Özil mit seinem finalen Rundumschlag so lange gewartet hat, dass das ehemalige Fachmagazin damit heute ihre Donnerstags-Ausgabe verkaufen konnte.)

Können wir uns wieder den wichtigen Dingen zuwenden. Quo vadis, Bundesliga?

Denn ganz ehrlich... wenn ich mir jetzt eine Prognose zum nächstjährigen Abstiegskampf angucke... frage ich mich, wie die Liga es eigentlich geschafft hat noch schwächer zu werden... der Kandidatenkreis ist jetzt schon so groß...
Fangen wir unten an:

Fortuna Düsseldorf startet laut Trainer Friedhelm Funkel "in allen Rankings auf Platz 18". Man hat mit Rouwen Hennings den definitiven "Marius Ebbers Stürmer in seinen Reihen... und ihm mit Marvin Duksch einen weiteren Kandidaten aus der Kategorie "Zu gut für die 2., zu schlecht für die 1. Liga". Man ist als Düsseldorf nicht in der Lage sich irgendwelche etablierten Bundesligaspieler zu kaufen, sondern muss wirklich darauf hoffen, dass die Neuzugänge allesamt zünden... man sollte an der Stelle auch mal erwähnen, dass die Fortuna zuletzt 1996 den Klassenerhalt in der Bundesliga erreichte... Das ist verdammt lang her... da kommt nicht mal der

1.FC Nürnberg ran. Andererseits hat der Verein zuletzt 4 Jahre am Stück in der 2. Liga gespielt... und dabei so viel an Substanz verloren, dass sie Stefan Köhler als Trainer und Leiter der Jugendakademie beschäftigen mussten. Nürnberg ist halt drauf und dran den Anschluss zur neuen Bundesliga zu verpassen... Und dass man sich als Nürnberg irgendwie darauf einstellen muss, dass man zwar um den Aufstieg in die Bundesliga mitspielen kann, aber die einzelnen Saison in der Bundesliga doch eher die Ausnahme bleiben werden... Weil man halt nach dem endlich erreichten Abstieg doch innerhalb von 2 Jahren wieder absteigt... Dass man sich mit Christian Mathenia verstärken will, sollte als Beispiel genügen: In Nürnberg könnte der Ersatztorwart eines Absteigers zum Stammspieler und Stützpfeiler werden... ich sehe nicht, wie das schief gehen kann...


Der VfL Wolfsburg hat natürlich reine realistischen Erwartungen an den Abstiegskampf... abgesehen davon, dass man unbedingt der neue HSV werden will... Was auch nur bedeutet, dass man wieder unten mitspielen wird...

Der SC Freiburg ist einer dieser Vereine, die immer gegen den Abstieg kämpfen. Und denen selbst dann ein Abstieg "passieren" kann, wenn sie alles richtig machen... Dennoch ist man dieses Jahr weit davon entfernt zu den schlechtesten Mannschaften der Liga zu gehören. Dieses Jahr ist der Klassenerhalt eigentlich Pflicht... was alles über die Konkurrenz aussagt...

Die Mainzer haben bereits letzte Saison "alles getan, um abzusteigen". Das behaupte nicht mehr nur ich, sondern sogar ihr eigener Sportchef Rouven Schröder. Jetzt hat man zwar trotzdem 43 Millionen an Ablöse kassiert (wie auch immer sie das geschafft haben, wenn sie in einer derart schwachen Bundesliga gerade so die Klasse gehalten haben...), müssen aber auch die entsprechenden Leistungsträger ersetzen... es ist nicht davon auszugehen, dass Mainz wirklich besser geworden ist...

Hannover 96 arbeitet seit Jahren konsequent am Abstieg. Also nicht der Verein, sondern die eigenen Anhänger, die versuchen den einzigen Mann, der Bundesligafußball in der Stadt möglich macht, zu vergraulen. Wenn die ihren Stimmungsboykott aufrecht erhalten, kann das der Mannschaft mehrere Punkte kosten... dazu hat man es verpasst aus Niklas Füllkrug Kohle zu machen und setzt dagegen all seine Hoffnungen darauf, dass der mehr als ein One Season Wonder wird... Und ich sag das mal so: Wenn Füllkrug nur eine "normale Saison" abliefert und weniger als 10 Tore erzielt, sollte Hannover eigentlich absteigen...
Oh und um ihre Ansprüche wirklich deutlich zu machen, haben sie sich mit Bobby Wood und Walace die größten Problemkinder des Hamburger SVs gekauft... Guter Plan...

Der FC Augsburg sollte damit endgültig im gesicherten Mittelfeld angekommen sein. Nicht zwingend, weil sie sich verbessert haben, sondern weil die Konkurrenz halt mehr und mehr nachlässt. Dies wäre die erste Saison, in der ein Abstieg der Augsburger eine wirkliche Endtäuschung wäre. Denn sie sind halt nicht mehr der Abstiegskandidat Nummer 1. Was für sie eine völlig neue Erfahrung ist, mit der sie auch erst Mal umgehen müssen...

Werder Bremen muss dieses Jahr endgültig die Frage beantworten, ob sie mit Florian Kohfeldt wirklich endlich den nächsten Thomas Schaaf gefunden haben... oder ob sie einfach nur den nächsten Dead Coach Bounce erlebt haben und jetzt wieder einen absoluten Fehlstart hinlegen... wie unter Viktor Skripnik und Alexander Nouri...

Der VfB Stuttgart hat dasselbe Problem. Genau genommen haben sie ihre erste Starke Rückrunde seit der Meistersaison gespielt... und jetzt sollen sie plötzlich wieder um die Champions League mitspielen? Ob sie den seit Jahren anhaltenden Negativtrend wirklich durchbrochen haben und es auch perspektivisch wieder aufwärts geht. Oder ob diese Rückrunde unter Tayfun Korkut nur ein kurzes retadierendes Moment war... Auch wenn die Stuttgarter für andere Ansprüche stehen, sollten sie in ihrem 2. Jahr nach dem Aufstieg vielleicht erst Mal nach unten als nach oben schielen...

Und bei der Eintracht ist halt alles angerichtet, um die Rolle des 1.FC Köln aus der Vorsaison zu übernehmen: Ein überraschend erfolgreiche Saison mündet in der Teilnahme an der Europa League und dem Abschied vieler elementarer Leistungsträger.... Dazu kommt noch ein neuer Trainer, der sich mit den Erwartungen seines Vorgängers messen und seine neue Spielphilosophie in englischen Wochen unterrichten muss... Normaler Weise genau der Cocktail, den man so lange genießt bis man plötzlich verkatert als Zweitligist zu sich kommt... zumindest normaler Weise... da die Konkurrenz allerdings alles andere als Bedrohlich aussieht...

Bei keiner dieser Mannschaften (außer Wolfsburg) würde es mich überraschen, wenn sie in den Abstiegsstrudel geraten. Wenn sie bis zum Schluss um den Klassenerhalt zittern müssen. Was aber halt praktisch nicht bei allen geht, da nur 2 Mannschaften am Ende absteigen werden... Obwohl es bis 9 Kandidaten geben könnte.

Was halt alles in allem kein gutes Zeichen für die Bundesliga sein kann, deren Lack ja eh schon am abblättern ist: Die nächste Saison wird nicht zwingend besser werden als die Letzte... eher im Gegenteil, man muss sich Sorgen machen, dass es gerade im Keller eher schlimmer als besser wird...