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Freitag, 20. Januar 2023

Wo waren wir nochmal? Teil 4: Der Abstiegskampf

 Die wichtigste Frage: war ich zu kritisch mit dem VfL Bochum?

 Zunächst muss man natürlich nochmal festhalten, dass der dritte Abstiegsplatz de facto abgeschafft wurde. In nur 3 von 14 Fällen seit der Wiedereinführung konnte sich der Zweitligist in der Relegation durchsetzen. Das passiert also alle 5 Jahre mal. Und rein statistisch ist damit erst 2024 wieder ein Zweitligist dran, da Union Berlin ja vor 4 Jahren aufgestiegen ist.

Man muss also nur 2 Dümmere finden und sich dann in 2 Spielen, in denen man klar favorisiert ist, durchsetzen, um die Klasse zu halten. Das klingt doch für alle Beteiligten machbar.

Schalke 04 wirkt halt einfach in der aktuellen Verfassung zu schwach. Was jetzt keine Überraschung ist, die setzen schließlich auf 2 "Marius-Ebbers-Angreifer" als Sturmführer. Und einer der beiden hat sich auch noch schwer verletzt. Aber Schalke hat sich halt in kürzester Zeit in die Position manövriert, dass sie einfach nicht mehr das Geld haben, um einen bundesligatauglichen Kader zusammenzustellen. Jetzt müssen sie auf die an sich großartige Jugendarbeit hoffen... und darauf, dass die wenigen Transfers, die man sich leisten kann, absolute Volltreffer werden. 

Wenn man dann bedenkt, dass Matthias Schober und Gerald Asamoah gerade das Management übernommen haben... 2 ehemalige Spieler mit keinerlei Arbeitsnachweis in der ersten Reihe. Das macht jetzt nicht unbedingt Mut.

Im Wesentlichen läuft damit alles auf Michael Frey hinaus. Und ich habe keine Ahnung, wer das ist. Ich weiß nur, dass man den von Royal Antwerpen ausgeliehen hat. Dasselbe gilt für Nassim Boujellab, den man für ein halbes Jahr aus Helsinki geholt hat. Das ist so die Kategorie, in der die Schalker nach Verstärkungen suchen. 

Jetzt müssen diese beiden zusammen 10 Tore erzielen, damit Schalke eine Chance auf den Klassenerhalt hat. Und selbst dann ist es eher fragwürdig, ob das reicht.

Auf den Bochumern habe ich hier ja reihenweise herumgehackt und behauptet, dass die zu schwach sind... Während sie zumindest im eigenen Stadion mehr als konkurrenzfähig geworden sind. 3 Heimsiege aus 7 Spielen stehen schon zu Buche. Diese 3 Siege holte man aus den letzten 3 Heimspielen. Dazu kommt noch ein Unentschieden. Mit Union Berlin und Eintracht Frankfurt hat man auch richtige Schwergewichte besiegt. Und das Heimspiel gegen die Bayern hat man schon hinter sich. Wenn die Castroper Straße wirklich zur Festung wird, sieht es auf ein Mal gar nicht so schlecht aus. Rechner wir mal konservativ und gehen von 20 Punkten aus Heimspielen aus. 10 davon haben sie schon. Dazu haben sie schon einen Auswärtssieg. Dann wären sie bei 23 Punkten. Dann müssen sich die anderen nur noch richtig dumm anstellen, und schon ist man in der Relegation. Realistisch gesehen müsste man schon eher 30 Punkte im eigenen Stadion holen und dann hoffen, dass auswärts noch ein paar Brotkrümel abfallen.

Aber ich sage das mal so: Die Mainzer haben in der letzten Saison genau so gemacht: Mit 35 Punkten aus Heimspielen den Klassenerhalt gesichert, obwohl man sich auswärts wie ein Absteiger präsentiert hat. Es wäre nicht das erste Mal.

Da kann man sich jetzt fragen, ob es gut für die Bochumer ist, dass sie mit einem absoluten 6 Punkte Heimspiel ins neue Jahr starten. Denn auch die Hertha, die am Wochenende zu Gast ist, hat sich wieder im Abstiegskampf eingereiht. Das ist jetzt eine dieser Vereine, die den Begriff wörtlich nehmen, anstatt sich auf den Kampf um den Klassenerhalt zu konzentrieren. Was halt wirklich faszinierend ist: Selbst Fredi Bobic schafft es nicht, diesen Verein in die richtige Richtung zu bewegen! Der hat doch in Frankfurt endgültig nachgewiesen, dass er das kann. Und auch wenn es sich in Stuttgart niemand eingestehen will, war die Entlassung von Bobic im Jahr 2014 der erste Schritt in Richtung Zweite Liga.

Jetzt kommt Bobic aber mit dem zusätzlichen Problem, dass sich alle ständig fragen werden, ob und wann er den Platz von Rudi Völler einnimmt. Denn der will ja, wie immer, nach dem wichtigen Turnier zu Bayer Leverkusen zurückkehren. Das bedeutet dann 2 Jahre voller Spekulationen um Bobic. Und die Frage, wie man miteinander umgeht, falls die Entscheidung für den DFB ausfällt. Das sind jetzt keine guten Voraussetzungen, um in einem eh schon unruhigen Umfeld vernünftig zu arbeiten. Gerade, wo man ja als Manager eigentlich immer auch ein Auge auf die langfristigen Planungen werfen sollte. Die Frage, ob die Berliner im Abstiegskampf bleiben, wird am Ende nicht auf dem Platz beantwortet, sondern im Umfeld.

Am Ende muss man von Glück reden, dass ein Nicht-Transfer so richtig eingeschlagen hat. Also das Dodi Lukebakio sich nach all den enttäuschenden Jahren seit seinem Auftakt in Düsseldorf nochmal fangen würde und 7 Tore in 14 Spielen erzielt, hätte ich nicht gedacht. Wo die Hertha ohne sein Comeback stehen würde, will sich dort niemand ausrechnen.

Bleibt der VfB Stuttgart, der sich dieselbe Frage wie letzte Saison stellen muss: Wann machen die Talente den entscheidenden Schritt nach vorne? Der Kader hat von allen Kandidaten da unten das größte Potenzial. Aber diese Möglichkeiten schlummern halt in den Beinen von U23 Spielern. Der Kader ist im Schnitt 22,9 Jahre alt. Das ist mit Abstand die jüngste Mannschaft. Also die 1,4 Jahre, die Stuttgart vom VfL Wolfsburg trennen, sind genau so viel, wie der Abstand zwischen der 2. und der Hertha, die die 5. älteste Mannschaft aufstellen. All die Daten kommen via Transfermarkt.de. Selbst die erfahrenen Führungsspieler wie Mavropanos oder Müller sind zarte 25 Jahre alt. Endu ist der einzige Stammspieler, der dem Tod schon gelassen entgegensehen kann... er wird jedenfalls älter als Curt Kobain. Keiner der Spieler im Kader ist schon jenseits der 30. Das sind schon völlig wahnsinnige Zahlen. Ich frage mich ernsthaft, ob es jemals einen derart jungen Kader in der Bundesligageschichte gegeben hat.

Jetzt hat man sich dafür entschieden, diese Talente in die Hände eines absoluten Realos zu übergeben: Bruno Labbadia. Das ist halt einer dieser Trainer, die kurzfristig deine Probleme lösen können, aber er hat es noch nie geschafft langfristig eine Mannschaft zu entwickeln. Diese Personalie stellt damit eine 180 Grad Wende dar. Fehlt nur noch, dass man sich einen dreißigjährigen Veteranen für die Abwehr holt, der den Kids zeigt, wie man den Laden zusammenhält.

Und das ist ja per se auch nicht falsch. Also ein Abstieg ist halt definitiv richtig teuer. Und er würde auch nur dazu führen, dass all die Talente sofort und weit unter dem Marktwert weggehen. Aber die Frage bleibt doch, ob man sich damit nicht langfristig für den Abstiegskampf entschieden hat. 

Bleibt der FC Augsburg. Also eigentlich der designierte Absteiger. Das sind sie aber immer. Die landen doch bei jeder Saisonvorschau auf einem der letzten 3 Plätze. Aber die sind halt das exakte Gegenteil vom VfB Stuttgart. Denn sein wir ehrlich: Der einzigen Spieler der Augsburger Vereinsgeschichte, der vielleicht mal zu höheren berufen waren, waren Ulrich Biesinger und Ricardo Pepi. Der eine war Weltmeister ohne Einsatz, das andere Projekt ist grandios gescheitert. (Und ja, Hartmut Haller hat erst für den FC Augsburg gespielt, als er alt und damit nicht mehr zu höherem berufen war.)

Augsburg sammelt halt Spieler, deren persönliches Leistungslimit im Bundesligakeller angesiedelt ist. Und dann schaffen sie es konstant, dass diese Spieler dieses Limit auch erreichen. So steht man auch fast immer mit unten drin, schafft es aber jedes Jahr drei Mannschaften hinter sich zu lassen.

In mittlerweile 11 Jahren Bundesliga landete man 2-mal auf einem einstelligen Tabellenplatz. Im Schnitt wurde man 12,3ter. Und man holt, abgesehen von den 2 Ausreißern in 2014 und 2015 zwischen 33 und 41 Punkten. Die Konstanz, mit denen man diese Punktlandungen gerade in den letzten 7 Jahren abliefert, ist einfach beeindruckend. Wird es den FC Augsburg irgendwann erwischen? Wahrscheinlich, es muss ja nur ein Mal nicht alles nach Plan laufen. Und der Plan beinhaltet halt auch, dass sich irgendjemand anderes verdammt dumm anstellt. Aber es empfiehlt sich einfach nicht, auf diesen Abstieg zu wetten, weil man in den Jahren, bevor dieser Fall eintritt, so viel Geld versandet ist, dass man die Investition nicht wieder reinbekommt.

Aktuell liegt die Quote bei 2,2, was anscheinend auch nur bedeutet, dass die Abstiegswahrscheinlichkeit bei 45 % liegt. Sie haben schon wesentlich schlechtere Voraussetzungen gehabt und die Klasse trotzdem gehalten.

Deswegen lege ich mich mal fest: Bochum und Schalke steigen direkt ab. Bochum wird uns aber zumindest die Illusion eines spannenden Abstiegskampfes geben, womit ich im Oktober nicht gerechnet hätte. Und die Hertha rettet sich nach Elfmeterschießen gegen den Hamburger SV in der Relegation. Die dann wieder heulen werden, wie unverdient das doch war, dass sie in die Relegation mussten.

Mittwoch, 19. Oktober 2022

Die offensichtlichste Trainerentlassung ist dann durch

 Schalke scheint sich zu denken: Hey, dieses "Wir entlassen nach 10 Bundesligaspielen den Trainer" Konzept hat doch in der letzten Saison schon so gut funktioniert... das machen wir nochmal. Was soll schon schiefgehen. Und weil wir den Dead Coach Bounce dringend am Wochenende brauchen, lassen wir Frank Kramer noch das Pokalspiel verwalten. Den Wettbewerb werden wir in der derzeitigen Verfassung des Vereines eh nicht gewinnen. 

Aber ganz ehrlich: Das war doch abzusehen. Also ja, alle reden davon, dass ihnen bewusst war, dass es eine schwierige Saison wird. Aber dann verpflichte ich doch keinen Kramer. Also nicht sofort, sondern erst nach 20 Spieltagen als Feuerwehrmann.

Der hat doch die Ausstrahlung eines Manuel Baums, der bei vielen auf der Liste der schlechtesten Bundesligatrainer aller Zeiten stehen dürfte. Das ist eine derart uninspirierte Verpflichtung. Und klar, Kramer hat Arminia Bielefeld zum Klassenerhalt geführt. Der hat halbwegs nachgewiesen, dass er mitten in der Saison eine Mannschaft retten kann. Und Schalke konnte diese Rettungsaktion aus der allerersten Reihe beobachten.

Wobei man diese "Leistung" auch gerade aufgrund der Schalker relativieren muss. Also Bielefeld hat halt auch deswegen die Klasse gehalten, weil man selber anscheinend so gar kein Interesse daran hatte, 2020/21 Bundesliga zu spielen. Und weil Werder Bremen seit Jahren zielgerichtet auf einen Abstieg hingearbeitet hat. Wenn diese beiden Vereine halbwegs ordentlich gearbeitet hätten... aber die wollten ja unbedingt gegen den Hamburger SV spielen und dafür muss man halt in Liga 2. Und gegen diese Konkurrenz hat Kramer sich "durchgesetzt". Als er dann selber eine Saison gestalten musste, schaffte er es nicht mal die komplett konfuse Hertha hinter sich zu lassen.

Das Problem von Rouven Schröder ist nicht primär, dass er mit den wenigen verfügbaren Mitteln keinen ordentlichen Kader zusammenstellen konnte. Wenn du als "großen offensiven Hoffnungsträger" nur Sebastian Polter verpflichten kannst, dann bist du halt am Arsch. Wenn Simon Terodde dein Fixpunkt im Angriff ist, dann wird es halt sehr schwer. Wenn all deine halbwegs brauchbaren Innenverteidiger für zusammen 12 Millionen verkauft werden müssen, wirst du halt keine stabile Abwehr stellen. Aber auf der anderen Seite hat er Alexander Schwolow gefunden und der hat zumindest bis zum Dienstag wirklich gut gespielt.

Der eigentliche Vorwurf geht aber an die uninspirierte Entscheidung auf dem Trainermarkt. Das kann man ja ganz konkret an der aktuellen Konkurrenz festmachen: Augsburg steht für all das, was Schalke fehlt: giftiges Verteidigen und ein klares, konstruktives Angriffsspiel. Und die sind nicht viel besser besetzt. Aber man hat mit Enrico Maaßen eine mutige und inspirierte Entscheidung auf dem Trainermarkt getroffen. Anstatt sich für einen mehrmals gescheiterten Kandidaten aus dem 2nd Hand Shop zu entscheiden, griff man zur neuen, innovativen Lösung. Ein weiteres Beispiel ist Daniel Farke: Den Gladbachern fehlt halt die Konstanz, aber im Großen und Ganzen ist die Mannschaft auf einem guten Weg. Um den großen Rahmen aufzumachen: Schalke hätte einen Steffen Baumgart gebraucht.

Derartige innovative Lösungen hatte Schröder nicht auf dem Schirm. Wollt ihr mir wirklich sagen, dass Maaßen den Schalkern abgesagt und Augsburg bevorzugt hätte, wenn man bei ihm angeklopft hätte? Und den hätte man nach 10 Spieltagen immer noch entlassen können und dann Kramer holen. Es ist ja nicht so, dass der die heißeste Aktie auf dem Trainermarkt war. Aber anscheinend war die wichtigste Qualifikation des Trainers, dass er keine eigenen Assistenten mitbringen will, damit die anstehende Entlassung dann günstiger wird. Und das sind halt Entscheidungen, die direkt zu einem Abstieg führen.

Freitag, 11. März 2022

Und dann geht plötzlich so ein Scheiß durch meine Timeline

 Ernsthaft, am Ende werde ich Facebook nicht wegen Querdenkern und Neonazis abschaffen, sondern wegen den 11 Freunden.

An der Stelle muss direkt erstmal ein ganz dicker Disclaimer rein: Ich habe nicht das Probeabo abgeschlossen, welches die mir verkaufen wollen. Ich weiß also nicht, ob die 11 Freunde das reißerisch zusammengeschnitten haben, oder ob der Sportforscher Simon Chadwick das wirklich so gesagt hat... Und ich weiß auch nicht, ob die 11 Freunde Redaktion ihn danach darauf hingewiesen hat, was für ein Blödsinn das ist. Aber hier kommt das, was vor der Paywall erreichbar ist. (Und ja, Link geht zu Facebook, aber ich zitiere das auch hier, ihr könnt mir also ruhig glauben.):

"Schalke ist als traditioneller Arbeiterklub emblematisch. Es war eine strategische Verführung, dass Gazprom dazugehörte. Das war ein trojanisches Pferd. Warum sollte man Gazprom auch in Frage stellen: Das sind doch die Sponsoren der Champions League."

Also nehmen wir das mal in der Reihenfolge auseinander, in der es da steht:

1.) Schalke war 2008 ein ziemlich heruntergewirtschaftetes Millionenunternehmen. Es wurde von einem Clemens Tönnies geführt, der von einer Arbeiterbewegung ungefähr so weit entfernt ist, wie Putin von einem lupenreinen Demokraten. Man leistete sich Spieler wie Kevin Kuranyi, der mit 6,9 Millionen Ablöse mehr Geld in einem Sommer bewegt hat, als ein gemeiner Arbeiter in seinem Leben sehen wird. Oh und Mike Büskens musste für 4 Spiele als Trainer übernehmen. Also sowohl 2007/08, als auch das Jahr darauf. Manche Dinge ändern sich nie. Oh und man spielte in einem wunderschönen, zur WM neu errichteten Stadion, welches das Wachstum extrem beschleunigte. Dieses Stadion hieß überraschender Weise nie "Arbeiterkampfbahn"...
Aber mit Arbeitern hatte dieser Verein allgemein nichts zu tun. Also außer vielleicht die paar Fans, die sich das Ticket gerade so noch leisten konnten.

Aber dann... wurde man ja verführt. Die wollten ja gar nicht. Und die konnten ja gar nichts dafür. Schalke ist das Opfer hier. Wisst ihr, was das wirklich schlimme an dieser Aussage ist: Es ist genau die Ausrede, die unsere Großeltern auch genutzt haben. Also falls eure Großeltern auch alt genug waren, um Nazideutschland live miterlebt zu haben.
Da hieß es nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges plötzlich: Der Hitler war das alles alleine. Der hat uns verführt. Wir waren gar keine Nazis! Wir waren dagegen! Innerlich! Wir waren alle Sophie Scholl!!!Wir hätten nie die 3000 Reichsmark genommen, und uns an dem System bereichert!

Ganz ehrlich: Gebt Schalke nicht die Möglichkeit, jetzt in die Opferrolle zu fliehen. Weist sie darauf hin, dass Gazprom schon 2008 ein eher dubioser Sponsor war. Und dass man spätestens 2021 dies nicht mehr ignorieren konnte. Schalke hat es aber trotzdem ignoriert und der Vertrag einfach mal langfristig verlängert. Diesen Vorwurf müssen sie sich gefallen lassen. Da können sie sich nicht einfach herausreden. Und wenn sie dies versuchen, dann harkt nach.

Dann kommen wir zu dem einzigen richtigen Teil: Die Gazprom Sponsorenverträge waren ein trojanisches Pferd. Stimmt vollkommen. Aber hier ist das entscheidende: Schalke waren die Vollpfosten von der Stadtmauer, die dieses vergiftete Geschenk gesehen haben und sich dann dachten: Boah, glitzert voll geil, das holen wir erstmal rein... und was das dann erstmal ist, gucken wir später. Beziehungsweise wir gucken gar nicht nach und tun einfach konsequent weiter, als ob das schön glitzert, auch wenn um uns herum schon alles brennt. Schalke hat Gazprom die Tore nach Europa geöffnet. Das muss man bei jeder Debatte über diese Situation immer wieder festhalten.

Vor allem, weil der angeblich so gute Arbeiterklub richtig beschissen geführt worden ist. Man war trotz der regelmäßig reinkommenden Champions League Millionen und den Umsatzsteigerungen durch die neue Arena so pleite, dass man jedes Geld unabhängig von moralischen Bedenken annehmen musste. Und es gab damals mehr als genug moralische Bedenken. Alle anderen Champions League Teilnehmer sagten zu Gazprom ab. Nur mit Schalke konnte man verhandeln.

Das bringt mich ja zu dem größten Aussetzer vom Chadwick. Also ich habe mal nen Kalender aufgeschlagen. Wofür hat man sonst so ein Handy? Und in diesem Kalender kriegt man etwas absurd revolutionäres raus: 2008 war vor 2012! Ja, wirklich. Hat mir die CIA geschrieben, und die finden alles raus. Zu behaupten, dass Schalke den Sponsorenvertrag mit Gazprom nicht hinterfragen konnte, weil das ja auch der Großsponsor der Champions League war, ist einfach... also... selbst Querdenker sind nicht so doof, dass sie behaupten, 2012 wäre vor 2008.

Abgesehen davon sind doch UEFA und Fifa seit Jahren, drücken wir es diplomatisch aus, nicht unbedingt als Institutionen höchster moralischer Integrität bekannt. Wenn jemand Sponsorenverträge mit diesen Verbänden abschließen, sollte das doch sofort ein riesiges, nicht zu übersehendes Warnschild sein. Wenn man wirklich den Anspruch eines Arbeiterklubs hätte, sollte man sich doch so weit wie möglich von allem, was irgendwie bei der Fifa oder UEFA mit drin hängt, distanzieren. Also schonmal vorsorglich. Nur wenn man selber einen ähnlichen moralischen Anspruch hat, denkt man sich, dass das doch alles integre Verhandlungspartner sind.

Nebenbei gibt es etwas, was bei dieser Debatte vollkommen untergeht. Wisst ihr, wer in diesen Gazprom Deals immer tief mit drinsteckte? Peter Peters. Also der war offiziell seit 1993 Geschäftsführer. Er war von 1994 bis 2020 für die Finanzen verantwortlich. Er hat also erst dabei geholfen, dass Schalke in die Position gewirtschaftet wurde, dass sie das dreckige Geld brauchten... und dann hat er geholfen, die Verträge mit Gazprom einzutüten. Aber man ist ja nur getäuscht worden, da kann man ja nichts dafür. Und was soll Peters als erste richtig große Sportpointe des Jahres jetzt laut den DFL-Vereinen werden?

DFB-Präsident! Lasst es mich mal so fragen: Was ist gerade das wichtigste, was ein neuer DFB-Präsident braucht, um wenigstens das Image dieses Verbandes ein wenig zu retten? Vom "Aufräumen" wollen wir mal gar nicht träumen, solange Dr. Rainer Koch da noch im Topf rumrührt. Also auf meiner Liste wären "Seriöses, langfristiges Wirtschaften" und "Eine möglichst große Distanz zu Despoten und moralisch fragwürdigen Geldgebern" ziemlich weit oben auf der Liste. Und "Wir wurden getäuscht" und "das konnten wir ja nicht wissen" ziemlich weit unten. Aber ja, das wird jetzt der Mann, der beim DFB alles besser macht.

Dienstag, 1. März 2022

Die Sache mit Schalke und Gazprom oder RB und Moskau

 Nun also doch. Also jetzt erreicht der Krieg auch diesen Blog. Man kann es halt einfach nicht ignorieren. Ist halt in Europa und nicht in Afrika, da kann man dann nicht so einfach wegschauen. Da muss es Konsequenzen geben.

Und ja, dass was da in der Ukraine passiert ist schrecklich und verurteilenswert. Und Fuck Putin. Wobei ich ja eigentlich aus der "Fick nicht die Welt, sondern schwänger sie" Position komme... Dabei sollte man aber bedenken: Die Menschen in Jemen oder Äthiopien nennen das Dienstag. Wenn man aber aus Jemen in die Ukraine geflüchtet ist und jetzt aus guten Gründen vor der polnischen Grenze steht, knallen einem die guten Christen die Stalltür vor der Nase ins Gesicht. Also nur um mal ganz genau festzuhalten, wie weit unsere europäische Solidarität geht...

Aber lasst uns mal erörtern, wie der Sport und insbesondere der Fußball auf diesen Krieg reagiert und was wir daraus lernen können. Und fangen wir RB Leipzig an. Denn die haben ja das ganz große Los gezogen und sollten mitten im Krieg nach Russland fliegen. Gute Idee. Das wurde dann aber wenig überraschend abgesagt und RB bekam doch ein Freilos.

Worauf wir aber mal im Detail achten sollten, ist die Positionierung von Oliver Mintzlaff. Der stellte nämlich gleich klar, dass er nur davon ausgeht, dass dieses Spiel nicht stattfinden wird. Und dass sich die Uefa darum kümmern wird. Das ist wirklich schade. Also warum bezieht man da nicht klar und eindeutig Stellung: Da wird ein völkerrechtswidriger Krieg geführt, gegen russische Mannschaften können und wollen wir deswegen derzeit nicht spielen. Wenn die Uefa uns dafür bestraft und wir deswegen ausscheiden, dann ist das so.

Aber das ist ja das Grundproblem: Wir wollen alle Sanktionen gegen Russland sehen, aber diese Sanktionen dürfen uns nicht beeinträchtigen. Wenn wir selber deswegen finanzielle Einbußen hinnehmen müssten, finden wir uns doch Möglichkeiten uns mit den Gegebenheiten zu arrangieren. Deswegen wurde ja auch an Nordstream 2 solange festgehalten. Und auch RB weigerte sich eine "Wir sind auch dagegen, wenn es uns schadet" Haltung einzunehmen.

Nur um mal festzuhalten, dass das möglich wäre: Sebastian Vettel hat schon vor der offiziellen Absage angekündigt, dass er nicht für einen Grand Prix nach Russland reisen wird. Das geht also durchaus, man muss nur wollen.

Und ja, man muss an der Stelle auch festhalten, dass dies nicht Russlands, sondern Putins Krieg ist. Dass es keinen Grund gibt, eine Hetzjagd auf Russen im Allgemeinen zu starten. Dummerweise ist aber auch genau das, was passieren würde, wenn russische Mannschaft jetzt an internationalen Spielen teilnehmen würde. Die Stimmung im Stadion wäre im besten Fall vergiftet. Im schlimmsten Fall nutzen bekloppte und betrunkene Fans die Gelegenheit, ihren Hass an den russischen Athleten auszulassen. Es würde verdammt hässlich werden und es gibt keinen Grund das den Spielern anzutun. Und es müssen ja nicht mal die Fans im Stadion sein, es reicht ja, wenn militante Friedensdemonstranten den Bus auf dem Weg ins Stadion blockieren und mit Steinen bewerfen.

Das nächste Problem ist doch: Der Schritt von russischen Fußballvereinen zu Putin ist meist erschreckend klein. Denn die gehören ja im Wesentlichen genau den Oligarchen, auf die wir jetzt die größten Hoffnungen setzen, dass die Putin stürzen. Aber die sind ja nur Oligarchen, weil sie Putin jahrelang unterstützt haben. Also nehmen wir mal demonstrativ, weil er der bekannteste Name ist und jetzt die Kontrolle über Chelsea London abgeben musste, Roman Abramowitch. Der ist ja nur in die Position gekommen sich Chelski zu leisten, weil er sich mit Putin gut gestellt hat

Und, um den Bogen zum anderen großen Thema zu schlagen, es gibt halt auch gute Gründe, warum es Bilder von Clemens Tönnies und Wladimir Putin gibt. Und warum Tönnies uns erzählt hat, was für ein cooler Typ Putin ist. Denn wer mit Gazprom verhandelt, verhandelt beinah direkt mit Putin. Aber die gute Nachricht für alle Schalker: Man muss sich jetzt nicht mehr fragen, wer auf diesem Bild das größere Arschloch ist.

Dabei ist es sehr lobenswert, dass Schalke die Zusammenarbeit mit Gazprom einseitig aufkündigt. Die machen jetzt genau das, was Leipzig vermieden hat: Sie positionieren sich, auch wenn es weh tut. Und wir reden hier von Schalke, die echt nicht in der Position sind, finanzielle Einbußen hinzunehmen.

Aber jetzt springen wir den Helden von Schalke sofort zur Seite. Also der Boss des größten Rivalen bringt direkt Hilfspakete für Schalke ins Gespräch. Ähm... wäre es nicht sinnvoller, die Gelder an Menschen in Krisengebieten zu spenden? Also vor allem, weil Schalke ja auch bekannt dafür ist, derartige Gelder zu verbrennen. Wenn es ein gut geführter Verein wäre, könnte man darüber reden, aber dann wären sie halt auch nicht in dieser Position.

Obwohl... selbst dann. Also wisst ihr, was mit einem beliebigen Regionalligisten passiert, wenn der Hauptsponsor Konkurs anmeldet, wofür man als Verein ja nun wirklich nichts kann? Diese Mannschaft verliert dann die Lizenz. Aber Schalke müssen wir retten.

Dabei haben die freiwillig einen Deal mit dem Teufel abgeschlossen. Also es ist ja nicht so, dass Putin überraschend und über Nacht zum Arschloch geworden. Der war schon immer ein Systemkritiker ermordender und Schwulen hassender Diktator. Die einzige wirkliche Überraschung ist es doch, dass Putin jetzt wirklich durchzieht, womit er seit Jahren droht.

Schalke hat den Vertrag mit Gazprom im April 2021 verlängert. Da war die Krim schon ein paar Jahre besetzt und die Russen ließen einen Bürgerkrieg in der Ost-Ukraine führen. Und ein gewisser Nawalny hat da bereits seine Haftstrafe in einem Arbeitslager angetreten. Und das, obwohl Nawalny die militärischen Aktionen von Putin an sich gut findet. Oh ja, der Typ, den wir hier für den größten Freiheitskämpfer in Russland halten ist auch ein richtiger Nationalist und würde gerne Georgier deportieren. Ich nenne den Namen ja auch nur, weil er das bekannteste Beispiel ist. Aber er ist ja bestimmt nur ein bedauerlicher Einzelfall.

Jedenfalls gab es auch schon im Frühjahr 2021 gute Gründe, die Zusammenarbeit zu beenden, aber stattdessen wurde sie ausgeweitet. Und Schalke war 2007 halt buchstäblich der Steigbügelhalter für Gazprom. Also, die wollten unbedingt in den europäischen Markt und mussten ihr Image aufpolieren. Die richtig Großen wollten aber nichts mit denen zu tun haben. Also stieg man so hoch wie möglich ein und das war halt Schalke. Denn den Schalkern ging es damals schon so schlecht, dass die moralischen Bedenken bei diesem Deal in den Hintergrund treten mussten. Aber die spielten immerhin halbwegs regelmäßig Champions League. Und siehe da, 5 Jahre nachdem Schalke Einstieg wurden sie Sponsor der Champions League und das Logo war plötzlich überall. Und GENAU DAS war ja das Ziel von denen. Seit dem sind die überall präsent und auch Großsponsor der Europameisterschaften. Und ja, noch vor 7 Tagen wurde darüber diskutiert, ob Gazprom bei "unserer EM 2024" als Großsponsor auftreten darf.

Das Geld dafür hatten sie schon immer. Die Reputation dafür haben sie sich auf Schalke erworben. Und Schalke hätte davon auch sehr gut leben können. Aber es war auch immer offensichtlich, dass das ziemliche Arschlöcher sind...
Andererseits... reden wir von einem Verein, der seine Meisterschaften in der Nazizeit errungen hat... Sich mit menschenverachtenden Machthabern zu arrangieren, liegt vielleicht auch einfach in deren Blut.

Aber jetzt so zu tun, als hätte man das, was wir alle wussten, nicht mal ahnen können. Hier ein theoretisches Beispiel: Wenn jetzt spontan der Wirkstoff von Energy-Drinks zur Droge erklärt und kriminalisiert wird. Irgendwas muss ja das Cannabis ersetzen, wir können die ganzen Drogenfahnder ja nicht arbeitslos machen. Obwohl mir die Hunde, die das dann erschnüffeln müssen, noch mehr leidtun, als jetzt. Aber gebt schon mal die "Taurin ist kein Brokkoli" T-Shirts in Auftrag. Und das klingt ziemlich absurd, bis einem bewusst wird, dass das Coca in der Cola wirklich mal für Kokain stand

Wenn jetzt jedenfalls das Geschäftsmodell von RedBull über Nacht abgeschafft wird, Dietrich Mateschitz in den Drogenuntergrund gehen muss und das gesamte Konstrukt in Leipzig zusammenbrechen würde, käme auch keiner auf die Idee, die zu retten. Also kein anderer Bundesligist, ein neuer Investor würde sich finden lassen. Alle würden sagen: Ihr wusstet, worauf ihr euch einlasst, wenn ihr euch in die totale Abhängigkeit eines einzigen Unternehmens begebt... das ist jetzt euer Problem.

Oder, viel unrealistisches Szenario, weil es ums Öl geht: wenn wir jetzt die ganzen Ölscheiche für ihre Verbrechen am Menschenrecht und die Kriege, die die so führen lassen, vom SWIFT System ausschließen und plötzlich die Hälfte der Finanziers der Premiere League pleite sind... Da würde doch auch niemand zucken. Ihr wusstet, dass ihr unmoralisches Geld annimmt. Jetzt lebt mit den Konsequenzen.

An der Stelle muss ich nochmal auf meinen "Am Ende ist doch alles Geld dreckig" Beitrag hinweisen, obwohl der noch gar nicht so alt ist. Aber wenn ich dieses dreckige Geld nutze, um mir meinen sportlichen Erfolg aufzubauen, muss ich auch mit den Konsequenzen leben. Dann kann ich nicht plötzlich auf die Solidarität und das am Ende ein wenig weniger dreckige Geld der anderen Vereine hoffen.

Also ich könnte nicht, Schalke kann, weil die sich nie ernsthaft vorwerfen lassen mussten, dass sie mit Putin ins Bett gehen.

Donnerstag, 9. Dezember 2021

Eigentlich sind Schalke, Bremen und Hamburg das Problem.

 Und im weiteren Sinne der 1.FC Nürnberg. Vielleicht sogar 1860 München. Und wo wir schon dabei sind: Düsseldorf sollte eigentlich auch besser dastehen. Oh und der 1.FC Kaiserslautern... Und eigentlich auch Hannover 96, wo wir schon dabei sind.

Aber hauptsächlich Schalke 04, Werder Bremen und der Hamburger SV. Natürlich. Das wird auch niemanden überraschen.

Es ist schon faszinierend, wie viele Vereine sich strategisch heruntergewirtschaftet haben. Nehmen wir mal als Erstes den 1.FC Nürnberg: Die haben ein zur WM renoviertes, modernes Stadion und ziehen jedes Jahr 28.000 plus X Zuschauer an. Da muss sich manch ein Bundesligist ordentlich für strecken. Also der VfL Wolfsburg zum Beispiel. Das letzte Mal, als sie Bundesliga spielen durften, zogen sie als abgeschlagenes Schlusslicht 40.000 Zuschauer an. Das Potenzial in dieser Region ist überwältigend. Aber anscheinend schafft niemand es, dieses Potenzial konstant umzusetzen, weshalb Nürnberg immer wieder absteigt.

Nun mag es auf den ersten Blick unfair wirken, Nürnberg in denselben Topf wie Werder zu werfen, aber deren letzter Titel ist aus dem Jahr 2007. Was auch nur bedeutet: Vor 14 Jahren haben die noch international gespielt. Doch wie immer haben sie es nicht geschafft diesen Erfolg in langfristigen Wachstum umzuwandeln, sondern stieg direkt ab. Damit ist man der einzige Verein der Welt, die als amtieren Meister und als amtierender Pokalsieger abstieg. Das habe ich nebenbei nicht recherchiert, das behaupte ich einfach mal. Diese Statistik ist halt so absurd, dass kaum jemand sie erreichen kann. 

Natürlich ist der FC Nürnberg andererseits halt auch der immer noch lebende Beweis, dass es solche Abstürze schon immer gab. Schließlich stammt der Abstieg als amtierender Meister aus dem Jahr 1969. Aber bisher waren solche Vorfälle eher die Ausnahme und konnten kompensiert werden.

Da aber zwischenzeitlich gefühlt die halbe Liga gezielt auf Derbys in der 2. Liga hinarbeitete... Also Hannover waren ja die ersten, denen ich einen geplanten Abstieg vorgeworfen habe. Der Niedergang von Werder Bremen wurde ja auch ausführlich und frühzeitig kritisch begleitet. Das einzige Alleinstellungsmerkmal der HSVs ist ja mittlerweile, dass man noch nie aufgestiegen ist. Und Schalkes Absturz lässt sich am besten als gezielte Sabotage von Christian Heidel beschreiben. Das sind halt 4 Hall of Shame Abstiege in 5 Jahren. 

Natürlich sind das alles bedauerliche Einzelfälle. Also einzeln betrachtet sind sie schwer zu vergleichen. Hannover Kind scheiterte ja damals daran, dass er die 2 Ausnahmejahre mit den Europacup Teilnahmen als neuen Standard betrachtete und deswegen sehr schnell unzufrieden wurde. Werder nahm da die gegenteilige Rolle ein und war viel zu schnell mit viel zu wenig zufrieden, bis man sich irgendwann auch mit einem Abstieg arrangierte. Hamburg war halt die pure Hyperaktivität und pures Chaos. Schalke hat einfach mal richtig bescheiden gewirtschaftet. 

Aber Fakt ist halt: Alle 4 fehlen der Bundesliga. Also Schalke, Werder und Hamburg hatten halt die Strahlkraft um Raul, Diego und Rafael van der Vaart anzuziehen. Die haben in diesem Jahrtausend auch schon richtig gute Jahre abgeliefert. Und lange Zeit waren selbst die durchwachsenen bis furchtbaren Jahre immer noch bundesligatauglich.

Jetzt stelle man sich vor, diese Vereine hätte seriös und zielorientiert weiter gewirtschaftet und sich zumindest stabilisiert. Und wir hätten eine Saison, wo alle 4 irgendwo zwischen Platz 6 und 14 eintrudeln, was man von allen eigentlich erwarten kann. Dann wäre Augsburg praktisch nicht mehr zu retten. Unions widerstandsloser Durchmarsch ins europäische Geschäft wäre kaum möglich gewesen. Mainz und Freiburg (also 2 Vereine, die sich zumindest die meiste Zeit wehren) würden knietief in der Scheiße stecken. Die Hertha müsste sich ernsthafte Sorgen machen. Und sowohl der Kampf ums internationale Geschäft, als auch der Abstiegskampf wäre wirkliche Schlachten. Es könnten wirklich kompetent geführte Mannschaften erwischen, was jetzt an beiden Fronten quasi ausgeschlossen ist...

Auch wenn sich der Zyniker in mir darüber gefreut hat, diese Niedergänge hier zu begleiten, so muss der Fußballliebhaber in mir doch zugeben, dass die potenzielle Qualität dieser Vereine der Liga jetzt fehlt. Wirklich drastisch fehlt. Der Verlust ist für den Rest der Liga einfach nicht mehr zu kompensieren.

Und klar, der Abstiegskampf war wegen der Inkompetenz einiger Experten (wie unter anderem auf der VfB Stuttgart und dem 1.FC Köln, aber da zeigen die jüngsten Entwicklungen wenigstens derzeit in die richtige Richtung) schon immer absurd. Er wurde viel zu oft viel zu wörtlich genommen. Aber mittlerweile erreichen wir halt echt eine neue Ebene der Grausamkeit. Nicht nur, aber auch wegen den völlig überforderten Fürthern.

Aber die sind ja nur dabei, weil der HSV unaufsteigbar ist...

Die spannende Frage ist ja: Wie kriege ich jetzt raus, ob es dieses Problem auch im Ausland gibt? Also ob es da auch so viele Vereine gibt, die unmotiviert und unnötigerweise abgestürzt sind... Mal gucken...

Donnerstag, 3. Juni 2021

Passives Abseits Hall of Shame: Alluhüte auf!

 Oder ist das gar keine Verschwörungstheorie, weil es am Ende doch zu offensichtlich ist? Weil es einfach keine andere logische Erklärung gibt?

Also es ist ja keine wirkliche Überraschung, dass Schalke 04 sich "mit Wetten auf die Zukunft" ein Millionengrab geschaufelt hat. Das klingt halt wie etwas, dass ein von Clemens Tönnies geführter Verein macht. 

Die wirkliche Überraschung ist doch, dass Christian Heidel für den Höhepunkt dieser Entwicklung verantwortlich ist. Der hat die meisten Verträge, die jetzt problematisch für Schalke sind, abgeschlossen. Der hat den Verein zugrunde gewirtschaftet...

Wie sein Autohaus, welches still und heimlich auch insolvent gegangen ist... hmm...

Aber wenn ihr diesen alten Artikel aus der FAZ lest, in der aufgeführt wird, dass Heidel Excel-Tabellen mit den Gehältern geführt hat und eben nicht nur die Millionenablöse gesehen hat, sondern auch die entstehenden Folgekosten mit eingerechnet hat... dann wundert es einen schon, wie dieser Mann all diese Vorsicht über Bord werfen konnte, als er auf Schalke anheuerte... 

Dass genau dieser Mann völlig absurde Punktprämien vergab, die jetzt auch noch in der 2. Liga gelten. Die gesparte Ablöse komplett einfach in Handgelder steckte... 

Wir reden hier von einem der besten Bundesliga-Manger aller Zeiten. Dem Uli Hoeneß von Mainz 05. Dem Beweis, dass man einen Verein auf einem gesunden Fundament nach oben führen kann, auch wenn es bei diesem "oben" dann in der Bundesliga natürlich seine Grenzen gibt. Wie konnte dieser Mann all das, was ihn ausmacht, so schnell vergessen und verraten?

Es sei denn... nun ja... das war alles sein Masterplan. Kurz bei Schalke ordentlich abkassieren, dann 6 Monate auf Mallorca entspannen und danach einfach die Rückkehr zu seinen Mainzern organisieren... und schon hat er sich eines lästigen Konkurrenten entledigt. Und jetzt kann er dann wieder seriös arbeiten. Gleichzeitig hat er dafür gesorgt, dass das Mindestziel Klassenerhalt in 2021 und 2022 einfacher zu erreichen ist, weil er dafür gesorgt hat, dass Schalke keine bundesligataugliche Mannschaft hat.

Und seine "Zerstörung von Schalke" war im Gegensatz zu den Rezo-Zerstörungen so effektiv, dass es unklar ist, ob sich der Verein davon jemals wieder erholen wird.

Also ich frage mich gerade wirklich, wie viele Dortmund-Fans im Fußball Manager von Fifa, Anstoss oder Sega Schalke ausgewählt haben und mal geguckt haben, ob sie den Verein in Grund und Boden wirtschaften können... und wie lange es dauert, bis sie entlassen werden. Dann spielen sie das Spiel mit anderen Vereinen weiter, nur um zu gucken, wie nachhaltig ihr Werk wirklich war... (Aus eigener Erfahrung als Bayern-Trainer kann ich euch sagen: Wichtig ist, dass man immer 11 Spieler aufstellt, auch wenn man nur 8 Vollpfosten verpflichten konnte, sonst wird man sehr schnell entlassen...)

Heidel hat genau das im echten Leben gemacht. Der hat Jon Bois und Kofis Fumble Dimension ins wirkliche Leben übertragen. Was für ein Teufelskerl.

Wenn es nicht Schalke wäre, könnte es einem fast Leid tun, dass sie den miesen Verschwörungen dieses Scharlatans auf den Leim gegangen sind. Aber es ist halt doch nur Schalke, die kriegen am Ende, was sie verdienen...

Aber was Heidel in Gelsenkirchen vollbracht hat, sollte als eine der größten Managerleistungen aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Und im Gegensatz zum Wirecard Chef muss Heidel danach nicht mal untertauchen, sondern kann lächelnd im Vorstand seines eigentlichen Vereins sitzen. Hoffentlich veröffentlicht Heidel irgendwann seine Memoiren, in denen er uns im Detail erklärt, wie er Schalkes Niedergang am Reißbrett plante...

Montag, 10. Mai 2021

Worst of des "Die Formalität ist erledigt." Wochenendes

Die Bayern sind Meister. Große Überraschung. Ganz stilecht wurden sie es natürlich vor dem eigenen Anpfiff, quasi beim Aufwärmen. Wenn das keine wunderbare Symbolik ist, weil ja die Bundesliga mittlerweile nicht mehr als ein Aufwärmprogramm für die Champions League ist.

Wobei ich an der Stelle schon mal das erstren WTF an den Kicker schicken muss. Denn die schreiben von einem frühen Aus in der Champions League. Ähm... hallo? Ernsthaft, die Bayern waren mal wieder unter den Top 8 Europas und sind dann knapp gescheitert. Wer da wirklich von einem frühen Ausscheiden spricht, legt die Messlatte so hoch, dass die Saison meistens in Enttäuschungen enden muss.

Aber das spiegelt ja auch nur das Grundproblem, welches ich hier dargelegt habe wieder: Mit Chelsea, Manchester City, Manchester United, dem FC Liverpool, Juventus Turin, Barca, Real Madrid und eben den Bayern gibt es 8 Vereine, die quasi das Halbfinale der höchsten Liga erreichen müssen. Bei einigen von denen ist es sogar finanziell Notwendig. Es gibt aber nur 4 Plätze. Deswegen brauchen die ja auch die Super League

Man könnte natürlich auch so Wirtschaften und Kommunizieren, dass schon das Erreichen der Top 8 als ordentliches Ergebnis dargestellt wird. Aber wer will das schon...

Der Rest der Liga... nun ja... eigentlich sollte Platz 4 ja vergeben sein, aber es ist Borussia Dortmund. Zum gefühlt 5. Mal in dieser Saison lese ich, dass die jetzt "endlich den Fußball spielen, den man erwarten konnte"... Bis jetzt war das immer genau der Moment, in dem sie rückfällig geworden sind. Es würde mich also nicht überraschen, wenn Eintracht Frankfurt mit 2 Unentschieden in die Champions League einzieht. Das wäre auch die deutscheste Art in der "besten Liga" Vierter zu werden.

Gleichzeitig versucht Borussia Mönchengladbach krampfhaft die Teilnahme an der Europa Conference League zu vermeiden. Da sollen doch die Osteuropäer scheinen, also schicken wir doch lieber Union Berlin... Gerade an diesem Wochenende lieferten die Gladbacher beeindruckende Argumente für die "Gerd Müller würde heute 80 Tore erzielen" These. Was auch nur bedeutet, dass es eine Frage gibt, in der ich mit Franz Beckenbauer übereinstimme. Gladbach hat also so kolossal versagt, dass ich einer Meinung mit dem Kaiser bin. DAS muss man erst Mal schaffen.

Wirklich spannend ist aber tatsächlich der Abstiegskampf. Auch wenn hier festzuhalten gilt: Es wäre wesentlich spannender, wenn der Tabellen-15. in die Relegation müsste. Dann würde nur das Torverhältnis den direkten Abstiegsplatz und das rettende Ufer trennen... und für den 1.FC Köln würde sich wenig ändern.

Ganz stilecht "plant" Werder Bremen anscheinend, mit 12 sieglosen Spielen in Folge über die Relegation den Klassenerhalt einzufahren. Es ist echt faszinierend, wie sie sich in Bremen für Selbstverständlichkeiten feiern und ihre Leistungen im luftleeren Raum beurteilen. Also schon das DFB-Pokal-Halbfinale: Das bisher alle Mannschaften nach der Bekanntgabe des Trainerwechsels eine Niederlage einstecken mussten und Werder die einzige Mannschaft war, die diese Unruhe nicht ausnutzen konnte, wird vollkommen ignoriert.

Jetzt feiert Florian Kohfeldt nach einem torlosen Unentschieden gegen Leverkusen "die kämpferische Leistung und die Mentalität, die an den Tag gelegt wurde." Sollte das nicht selbstverständlich sein? Vor allem wirkt man schon viel zu zufrieden, weil man in einem Heimspiel gegen Bayer wenig bis nichts zugelassen hat. Obwohl Bayer seit dem Hannes Wolf den Trainerposten übernommen hat, die Angriffsbemühungen weitestgehend eingestellt hat und nur noch mit 4 Offensivspielern auftritt. Aber hey, gegen eine Safety First Mannschaft steht man hinten gut, das ist doch schon mal ein Fortschritt.

Aber in Bremen sieht man halt nur den Tabellenplatz des Gegners und denkt sich "Geil, gegen eine Spitzenmannschaft einen Punkt geholt." Wenn man aber genauer hinguckt und bemerkt, dass die Werkserlf 2021 erst 3 Auswärtstore erzielt hat. Seit 4 Auswärtsspielen ist man schon ohne Treffer. Und ja, die Frage, wie man so Platz 6 hält, darf gestellt und mit "beste Liga" beantwortet werden. 

Dass Werder schon fast stolz darauf ist gegen eine derart inkompetente Mannschaft "nur" 4 Torchancen zuzulassen, zeigt halt das Grundproblem dieses Vereins: Man gibt sich nach wie vor mit viel zu wenig zufrieden und schraubt die Ansprüche so weit runter, dass irgendwann der Klassenerhalt als Sensation gefeiert wird. Ich habe letztens irgendwo (ich glaube auf Facebook) einen Kommentar gelesen, dass der Klassenerhalt für Werder ja "keine Selbstverständlichkeit" sei. Doch, ist er. Also Freiburg, Mainz, Augsburg, Köln, Bielefeld, Suttgart als Aufsteiger und Union Berlin haben alle wesentlich schlechtere Voraussetzungen als Werder. Von diesen 7 Mannschaften sollte man 5 locker hinter sich lassen. Das muss eigentlich der Anspruch in der Hansestadt sein. Ist es aber nicht.

Aber hey, am Ende hilft ihnen ja... der bedauerliche Einzelfall des Wochenendes. Dieses Mal kein Rassismus. Hey, Fußballdeutschland hat es geschafft 6 Tage ohne dämlich-rassistische Aussage auszukommen! Und es gibt auch keinen neuen Skandal aus dem DFB-Präsidium. Das muss man doch mal feiern dürfen. Am besten, in dem man zu den eigentlichen bedauerlichen Einzelfällen zurückkehrt:

Denn eines bleibt festzuhalten: Marco Fritz hat auf skandalöse Art und Weise in den Abstiegskampf eingegriffen. Unterstützt von Sören Storks. Während ich denen beim Elfmeter noch gönne. Also das kann man als eine dieser Stellen auslegen, wo die Entscheidung auf dem Platz stehen bleibt. Den muss man natürlich nur geben, wenn man durch die Köln Brille guckt, aber immerhin kann man ihn genau dann geben. Aber warum das Handspiel von Jonas Hector beim Stand von 1:2 nicht überprüft worden ist. Holy Shit. Genau diese Inkonsequenz ist doch der Grund, warum der VAR keine Akzeptanz findet. Es ist das Gegenbeispiel zur kontroversen, aber regel technisch richtigen, Entscheidung im DFB Pokal gegen Paderborn: An der einen Stelle wird so lange gesucht, bis man etwas findet, an der anderen wird die Review Area nicht mal betreten.

Und klar, am Ende ist es verdammt eng. Aber das ist halt wieder eine dieser Stellen, wo die Schiedsrichter eine exklusive Sicht auf das Regelwerk haben und als einzige ein Handspiel sehen. Und wir haben doch genau für solche Fehlentscheidungen im Saisonfinale den VAR eingeführt. Warum kommt er dann, wenn er am dringendsten gebrauch wird, nicht zum Einsatz?

Schalke 04: Ach, ich werde sie vermissen. DIE sinnloseste Debatte der letzten Woche war ja, ob es nicht Wettbewerbsverzerrung sein könnte, wenn Schalke sich jetzt gehen lässt und abschenkt. Da frage ich mich ja immer: Gucken die eine andere Bundesliga als ich? Also, wenn Schalke sich plötzlich zusammenreißen und ordentlichen Fußball spielen würde... DAS wäre Wettbewerbsverzerrung, denn das haben sie ja bisher konsequent vermieden. Und man muss die Saison schon in diesem Modus Anti-Operandi zu Ende bringen. Alles andere wäre unfair.

Und ja, was die in der ersten Halbzeit gegen Hoffenheim abgeliefert haben, war ein Skandal: Die Andeutung, dass es ja doch gegangen wäre, wenn man sich richtig bemüht hätte. Zum Glück war das nach 45 Minuten vorbei. Andererseits ging es gegen Hoffenheim. Stand jetzt hat Schalke 30 % seiner Tore gegen den Dorfverein erzielt. 6 von 20. Wenn die jede Woche gegen die spielen dürften, wäre sogar die Champions League drin.

Noch absurder wird es ja, wenn man die bayrische Provinz aus Augburg dazu zählt. Also gegen diese beiden Vereine erzielte man 9 seiner 20 Tore und holte damit 7 seiner 13 Punkte. Und wo ich schon dabei bin: Man lag ja als Schalke so gut wie nie in Führung. Also gegen Stuttgart von der 30. bis zur 56. Minute das 1:0 zu halten war ja schon fast DAS Saisonhighlight. Gegen (natürlich, die waren ja am Ende stolz gegen Schalke überhaupt was geholt zu haben) Werder führte man von der 38. bis zur 77. Minute. Und das war es schon. 65 Minuten.

Also außer man rechnet die Spiele gegen Hoffenheim und Augsburg mit ein, da führte man in Augsburg von der 52. bis zur 93. Minute. Und im Rückspiel seit der 4. Minute bis zum Abpfiff in der 94.. Und gegen Hoffenheim ging man beim historisches verhindernden Hinspielsieg in der 42. Minute in Führung. Und auch im Rückspiel sah es von der 12. bis zur 51. Minute gar nicht schlecht aus. Sprich: gegen diese beiden Mannschaften lag man insgesamt 208 Minuten lang in Führung. Das ist Stand jetzt 3,2-mal so lang, wie gegen den gesamten Rest der Liga.

Das ist eine dieser "Fußball ist mit Logik nicht zu erklären" Statistiken. Also es ist völlig absurd, wie schlecht Schalke im Vergleich mit dem Rest der Liga ist. Wenn es Augsburg und Hoffenheim nicht gegeben hätte, hätten die Schalker wirklich ALLE Tasmania Berlin Rekorde gebrochen. Aber gegen diese beiden Mannschaften sieht diese Trümmertruppe dann plötzlich zumindest statistisch wie eine kompetente Bundesligamannschaft aus... eine Mannschaft, die im 57 % ihrer Spielzeit in Führung liegt. Um diese 57 % weiter in Relationen zu setzen: In den restlichen 27 Spielen lag man 2,67 % der Spielzeit vorne. Da fehlen einem echt die Worte...

Aber dann fällt einem auf, dass Schalke im Jahr 2021 schon 6 Auswärtstore erzielt hat. Das sind, kurz hochgescrollt, DOPPELT so viele wie der Tabellensechste.

Montag, 8. März 2021

Worst of des "Schon wieder Schalke" Wochenendes

 Also selbst ich, der den Schalkern den Abstieg ja gönnt, denke mir mittlerweile: Reicht das nicht langsam? Können die nicht mal aufhören neue Tiefpunkte zu erreichen? Und Schalke so: Nö.

Dieses Wochenende vergab der Kicker die Spielnote 6 für das angebliche Bundesligaspiel Schalke - Mainz. Zum ersten Mal seit 2012. Zum zweiten Mal in der Schalker Vereinsgeschichte. Damit ist Schalke jetzt der einzige Verein, die an 2 derart grausamen Bundesligaspielen beteiligt war.

Und wenn man ganz ehrlich ist, haben die Schalker nur Glück, dass die Konkurrenz normalerweise besser ist als Mainz, die halt auch ihren Beitrag zum Fehlpassfestival geleistet haben. Denn selber hat man ja diese Saison extrem wenig zum Bundesliganiveau beigetragen. Die eigene Leistung war schon häufiger genauso schlecht (oder noch schwächer) wie an diesem Wochenende. Nur verhinderten da dann immer die Gegner, dass das Spiel genauso furchtbar und unerträglich war.

Faszinierender Weise hatte die DFL den Humor dieses Spiel als "Werbung für die Liga" auf den Freitagabend zu legen... Während eines immer noch anhaltenden Lockdowns. Man hatte quasi die Freie Auswahl zwischen "Diesen Scheiß gucken" oder "Den Fernseher ausschalten"... zumindest als sportbegeisterter Mensch.

Das absurdeste ist dann aber das Interview, welches Arnd Zeigler nochmal vorgeführt hat. Wie man sich nach einem Dead Coach Bounce Spiel beim Tabellenvorletzten so selbstgefällig und fast schon zufrieden präsentieren kann... während man gerade die vielleicht letzte Chance verpasst hat, nochmal Bewegung in den Abstiegskampf zu bringen. Die mangelnde Fitness ist da nur ein Teil des Problems. Es scheint verdammt vielen Spielern mittlerweile schlicht egal zu sein, ob Schalke absteigt. Die gammeln jetzt noch die letzten 3 Monate ab und warten auf die Vertragsangebote im Sommer. Irgendjemand wird die schon verpflichten... Das ist zumindest der Eindruck, den man vermittelt.

Dabei war das Spiel doch genau genommen ein Erfolg. Also zumindest hat Dimitrios Grammozis das beste Trainerdebüt des Jahres auf Schalke. David Wagner begann die Saison ja mit einem beeindruckenden 0:8. Manuel Baum halbierte die Gegentore beim Debüt... was so semi-gut ist, da es ja immer noch bedeutet, dass man 0:4 verloren hat. Das 0:1 von Huub Stevens fühlt sich wie ein echter Fortschritt an, bis einem bewusst wird, dass es ein Heimspiel gegen Arimina Bielefeld war... Bei Christian Gross's Debüt gab es dann als Kompromiss ein 0:3 gegen Hertha. Grammozis mag das schlechteste Bundesligaspiel seit 9 Jahren betreut haben, aber immerhin holte er beim Debüt einen Punkt... Wenn Schalke noch 6 Mal den Trainer wechselt, gewinnen sie vielleicht sogar nochmal...

Paulo Otavio und die allgemeinen Überreaktionen. Ok, eines vorne weg: Für diese Grätsche musse es Rot geben. Es ist eine dieser Aktionen, bei denen man sich fragen muss: Kann man eigentlich 2 Mal vom Platz fliegen. Aber man muss halt an der Stelle auch mal festhalten: Das war jetzt nicht das schlimmste Foul, welches wir je gesehen haben. Das geht weiterhin an Paolo Guerrero. Denn es gibt einen feinen, aber entscheidenden Unterschied: Während Guerrero mit offener Sohle auf den Unterschenkel von Sven Ulreich zielt, stellt Otavio mit seiner Schere sicher, dass der Gegner zwar fällt, sich aber wahrscheinlich nichts bricht. Wer jetzt also meint, dieser Fall fällt unter Körperverletzung, muss sich die Szene nochmal genau angucken. Und sollte auch feststellen, dass Munas Dabbur sofort wieder aufspringen kann.

Also klar, Rot. Und auch als nicht letzter Mann gibt es für so ein Einsteigen Rot. Aber es mit Guerrero's Tritt gleichzusetzen, ist übertrieben. Ist aber praktisch selbst Zeigler passiert.

Das eigentlich großartigste ist ja das Ende der Szene, welche beim DAZN Bericht schon rausgeschnitten wird, es aber doch zumindest im Standbild in die Youtube-Version von Zeiglers geschafft hat. Denn da sehen wir einen Wolfsburger Spieler zum Schiedsrichter rennen und ihn... ja was... davon zu überzeugen, dass das doch nur Gelb war? Was will ich als unbeteiligter Mitspieler da beim Schiedsrichter? Aber da sind wir wieder bei dem allgemeinen Unrechtsempfinden von Fußballern, die sich selbst bei klar richtigen Entscheidungen eindeutig benachteiligt fühlen. Dieser Konditionierung sich beim Schiedsrichter zu beschweren ist so fest verankert, dass sie selbst bei derartigen Fouls greift.

Und dieses Problem wurde halt an diesem Wochenende gleich doppelt deutlich. Einerseits bei Marco Reus, der absolut überzeugt davon ist, dass Emre Can sich nicht hat leichtfertig fallen lassen, sondern von der gigantischen Wucht eines Leroy Sanés umgeworfen worden ist. Dass Can da keinen Freistoss schinden wollte, sondern wirklich fallen musste. Und dass da "eine Fehlentscheidung das Spiel entschieden" hat. Und bei der Meinung bleiben sie auch in Dortmund, nachdem ihnen alle Experten erklären, dass man da halt nicht pfeifen muss... und das vorher ein ähnlicher Fall gegen Kimmich auch nicht abgepfiffen wurde. Fußballer sind da halt wie Kleinkinder in der Trotzphase.

Das ist halt vor allem lächerlich, wenn man bedenkt, dass der gemeine Fußballfan doch will, dass solche Szenen nicht ständig abgepfiffen werden. Und wenn man bedenkt, dass die Borussen von ihren eigentlichen Problemen ablenken. Denn dass sie einen 2:0 Vorsprung noch vor der Halbzeit abgeben, hat nichts mit dem Schiedsrichter zu tun.

Und nur um zu beweisen, dass so was auch nicht mit dem Alter besser wird: Florian Kohfeldt sieht ebenfalls als einziger eine klare Fehlentscheidung und fragt sich, warum der VAR nicht eingreift, wenn es im Strafraum zu einem an sich normalen Luftzweikampf kommt. Und hier sie mal wieder darauf hingewiesen, dass der Torhüter im Zweikampf keine Sonderrechte genießt. Nicht mal im 5 Meter Raum. Das hat sich irgendwann so eingeschlichen, steht aber nirgends geschrieben. Auch hier gilt im Wesentlichen: Werder muss das souveräner verteidigen und kann Jiri Pavlenka da nicht so alleine lassen. Aber obwohl alle anderen sagen, dass das ein korrekter Treffer war, bleibt Kohfeldt bei seiner "Muss man abpfeifen und überprüfen" Meinung.

Und das, obwohl er sich endlos aufgeregt hätte, wenn dieselbe Szene im gegnerischen Strafraum abgepfiffen werden würde. Denn da kennt Kohfeldt das Regelwerk auf ein Mal und weiß, dass man als Angreifer durchaus in einen Zweikampf mit dem Torwart gehen darf.

Das zeigt halt auch nur wieder, wie kompliziert Diskussionen über die Schiedsrichter sind. Denn an und für sich haben die Schiedsrichter dieses Wochenende einen richtig guten Job gemacht. Selbst Sven Jablonski (btw, dessen Eltern haben definitiv einen ganz fiesen Humor. Und der ist als Junge garantiert als Svenja gehänselt worden...) von der Sportschau kritisierter Elfmeter wird dann im Kicker als richtig bestätigt. Und das war die einzige wirklich kritische Entscheidung. Die schlechteste Leistung kam von Florian Badstübner und der bekam immer noch eine 4. Wann hatten wir zuletzt einen Spieltag, an dem es eine einzige 4 als schlechteste Bewertung gab? 

Aber geredet wird am Ende über die Fehlentscheidungen aus dem Champions League Finale von 2012... die nicht mal von einem Bundesligaschiedsrichter getroffen wurden. Wie oft die Bayern vorher schon Glück im Duell gegen Dortmund hatten. Und, dass Werder Bremen durch eine Fehlentscheidung verloren hat. Selbst an einem Wochenende, an denen die fast alles richtig Entscheiden, wird nur über potenzielle Fehler gesprochen. Und weder Reus noch Kohfeldt haben hinterher die Größe, ihre Fehleinschätzungen einzugestehen und dadurch die Schiedsrichter zu stärken.

Eine sachliche Debatte über die Schiedsrichter ist halt unmöglich, wenn jeder immer auf seinen emotionalen Standpunkten verharrt... 

Montag, 1. März 2021

Worst of des "Oh mein Gott, was geht auf Schalke ab" Wochenendes

 Die scheinen sich echt das Ziel gesetzt zu haben, jedes Wochenende einen neuen Tiefpunkt zu erreichen. Und nach dem 0:4 im Derby als abgeschlagener Tabellenletzter haben sie die Messlatte ja schon extrem tief angesetzt... Und ist trotzdem beeindruckend drunter durchgesprungen.

Mein erster Gedanke am Samstagnachmittag war ja: "Wie jetzt, Schalke hat noch Führungsspieler?" Warum hat man von denen bisher noch nichts mitbekommen. Warum melden die sich erst, wenn es um eine Rebellion gegen den Trainer geht... und nicht schon dann, wenn es darum geht, die Saison irgendwie noch zu retten? Aber so läuft das halt diese Saison auf Schalke: Da marschieren die Führungsspieler schnurstracks Richtung Abgrund.

Dann lieferte man eine Leistung ab, die man wohl als Beweis gegen die Arbeit von Christian Gross einreichen wollte. Zumindest, dass man Standards so nicht verteidigen will, hat man eindrucksvoll nachgewiesen. Und selbst die Mithilfe der Schiedsrichter half ihnen nicht. 

Dabei hatte man zwischenzeitlich schon zum Skript des Hamburger SVs zurückgefunden, als man den schon viel zu oft suspendierten Nabil Bentaleb zum Elfmeter antreten ließ. Denn eines steht doch fest: Falls irgendjemand diesen Verein zur Rettung führen kann, dann genau der Spieler, den man schon unzählige Male loswerden wollte. Aber weil Schalke so viel konsequenter agiert, als der HSV, wurde der Elfmeter natürlich verschossen. Es war der letzte Moment, in dem das Spiel hätte kippen können.

Weil man dann schon so gut im Flow war, hat man am Sonntag praktisch alle Leute entlassen... also nach dem Kahlschlag weiß niemand so genau, wer jetzt eigentlich den nächsten Trainer verpflichten soll... wer überhaupt noch unterschriftsberechtigt ist...  Worauf sich wieder die Frage stellt, warum Jochen Schneider überhaupt noch da war... also eigentlich sollte es ja seit dem Ende der Transferperiode nur noch darum gehen, den Neuaufbau zu organisieren... egal in welcher Liga. Und dafür braucht man so oder so einen neuen Sportvorstand. Den dann bis Sommer weiterwursteln zu lassen...

Und dann ging Schneider seiner einzigen wirklichen Aufgabe nicht mal nach und ließ Gross ganz alleine im Regen stehen... 

Nebenbei... zeigt Mainz 05 gerade, dass die Aufholjagd, von denen sie auf Schalke so lange geträumt haben, durchaus möglich ist, wenn alle zusammenrücken. Und Mainz hat sich damit ja auch mehr als schwergetan... aber alleine schon, wie dort alle auf dem Platz sofort den Robin Zentner wieder aufgerichtet haben... Auf solche Szenen wird man in Gelsenkirchen vergebens warten. Also Bentaleb geht nach seinem Elfmeter ganz alleine in die Knie...

Und wo wir schon dabei sind: Arminia Bielefeld unternimmt ja auch alles, um den Schalkern die Tür zur Relegation offenzuhalten. Auch wenn man jetzt zu der Erkenntnis kam, dass der Klassenerhalt durchaus möglich ist, wenn man einen motivierenden Trainer finden würde. Und auch die Hertha scheint gerade voll im HSV-Modus unterwegs zu sein. 

Also um das mal festzuhalten: Dass man mit 18 Punkten nach 23 Spieltagen auf dem 15. Platz liegen kann, ist in diesem Jahrtausend ein einziges mal passiert: In der Saison 2018/19. Und damals hatte Augsburg wenigstens "nur" ein Torverhältnis von -13... Sie waren damals zwar auch absurd schlecht, aber immer noch stärker als die Kandidaten aus diesem Jahr... Es wirkt fast so, als würden dieses Jahr noch weniger als die 27 Punkte, mit denen sich der HSV 2014 retten durfte, benötigt werden, um in die Relegation zu kommen... Eigentlich sollten die Schalker 18 bis 23 Punkte hinter dem rettenden Ufer liegen... praktisch sind es aber nur 9. Und trotzdem wirkt es so, als ob die Schalker vollkommen Chancenlos sind.

Dabei ist die Qualität höher als in Mainz. Und die haben ja nachgewiesen, dass man durchaus einen kleinen Lauf hinlegen kann und dann wieder voll im Geschäft ist. Aber Schalke verweigert halt lieber...

Das war alles so lange lustig, bis der gebürtige Rostocker Steffen Baumgart dort im Gespräch ist. So sehr ich den Niedergang der Schalker herbeigesehnt habe: DAS habe ich nicht gewollt.


Und sonst so. Ach ja, der Bedauerliche Einzelfall des Wochenendes. Den gab es natürlich auch auf Schalke. Niemand kann nachvollziehen, warum es in der 18. Minute keinen Elfmeter für Stuttgart gab. Also niemand außer Shodran Mustafi, der Silas Wamangituka vorwarf schon stunden vorher abzuheben. Es war der einzige Moment, in dem von Mustafi eine klare Ansage zu hören war und dann lag er auch noch daneben. Aber wie immer voll auf der Linie der Schiedsrichter inklusive VAR. 

Weil ich aber doch auch ausgewogen diskutieren will... möchte ich mich mit einer anderen Szene auseinandersetzen: Dem "Elfmeter" den RB Leipzig "kriegen muss"... oder auch nicht... Also Carsten Fuß von DAZN sieht hier eine klare Fehlentscheidung. Der Kicker bescheinigt Manuel Gräfe eine herausragende Leistung mit der Note 1. "Lag bei allen kniffligen Strafraumszenen mit seinen Entscheidungen richtig." Da sehen also 2 bezahlte Journalisten dieselbe Szene und kommen zu komplett unterschiedlichen Schlüssen. Und ich muss ganz ehrlich sagen:  Nur mit dem kurzen DAZN Schnipsel kann ich darüber gar nicht urteilen. Es soll nur mal wieder verdeutlichen, wie schwierig es ist diese Szenen richtig einzuordnen. Da fand ich es nebenbei sehr angenehm, dass Marco Rose beim 3:2 ein "Das Tor kann man ganz klar geben" Statement abgab. Auch Bo Svensson spricht bei einem, nicht gegebenen Elfmeter fair von einer 50:50 Chance, die gegen einen bewertet worden ist. Passiert halt. 

Wenn mehr Trainer so mit solchen Entscheidungen umgehen würden, könnte sich in der Diskussion wirklich was bewegen. Nebenbei bewegt sich ja auch wirklich was: Eine Schiedrichter-GmbH wird gegründet. Ist natürlich großartig, dass man Schiedsrichter für ihre Fehler nur begrenzt Haftbar macht... Aber wenn mit der Neuorganisation auch eine gründliche Aufarbeitung der Schiedsrichterleistungen kommt, könnte es vielleicht wirklich mal vorwärtsgehen.

Freitag, 18. Dezember 2020

Wenn man kurz darüber nachdenkt

 Ob man nicht vielleicht doch Mitleid mit Schalke haben könnte... holen die Huub Stevens zurück. Das ist das Level an Verzweiflung, welches man in Gelsenkirchen erreicht hat.

Nur um das mal zu verdeutlichen: Stevens ist der Jahrhunderttrainer auf Schalke... aus dem letzten Jahrtausend. Als der noch ein richtig guter Trainer war, stand noch eine 19 vorne bei der Jahreszahl...

Aber weil Stevens ja offensichtlich zu alt für den Scheiß ist... denkt man über Friedhelm Funkel nach... Der ist offiziell im Ruhestand und hatte seine größten Erfolge... in den 80ern. Ok, als Spieler, aber Details... Er ist immerhin jünger als Stevens... ganze 11 Tage...

Dass Schalke sich mittlerweile so weit zurück entwickelt hat, dass man auf DEN noch lebenden Feuerwehrmann schlecht hin zurück greifen muss... Aber hey, wenn das auch nicht klappt, geht Peter Neururer bestimmt ans Telefon... 

Nebenbei hat man als chronisch klammer Club dann 3 Trainer für die erste Mannschaft unter Vertrag... alles Geld, welches man in Daniel Caliguiri hätte stecken können. 

Es ist halt völlig absurd, wie unfähig Schalke sich derzeit präsentiert. Also wir hatten ja schon den geplanten Abstieg von Hannover 96, aber Hannover war halt nie annähernd so groß und bedeutend wie Schalke 04. Also auch Martin Kind brauchte 3 Jahre bis er seine "Vision Abstieg" vollendete, aber er kam wenigstens "nur" aus der Europa League... Schalke war vor 3 Jahren Vize-Meister und spielte relativ regelmäßig in der Champions League... Die Fallhöhe ist halt eine ganz andere...

Und auch der Vergleich mit dem Hamburger SV ist mehr als unangebracht... denn einerseits hat man sich dort wenigstens gegen den Abstieg gewehrt, auch wenn man sich dabei so ungeschickt angestellt hat wie möglich. Andererseits brauchte man 8 Jahre um den Weg vom Halbfinale der Europaleague zum Zweitligsten zu vollenden. Verglichen mit dem, was gerade auf Schalke passiert, war das ein geradezu schleichender Niedergang...

Das einzige Problem der Schalker: Am Ende wird ihr genialer Absturz-Plan an der mangelnden Kooperation von Bielefeld und Mainz scheitern. Bielefeld kann, wie gestern schon erwähnt, wenig dafür, dass sie so schlecht sind, aber auch die Mainzer arbeiten dieses Jahr intensiv an einem Abstieg. Also so intensiv und konkret, dass ein Mateta-Transfer im Winter mich nicht überraschen würde... Gut für die Mainzer, dass die Schalker kein Geld haben, sonst könnten sie der Verlockung erliegen ihn nach Gelsenkirchen zu schicken... zuzutrauen wäre es den Mainzern gerade.

Dazu kommt als weiteres Problem, dass die wirtschaftliche Lage auf Schalke ja so katastrophal zu sein scheint, dass bei einem Abstieg die Existenz des gesamten Vereins auf dem Spiel steht. Also klar, der HSV hat auch Miswirtschaft betrieben und sich an den Tropf eines Investors gehangen. Aber anscheinend konnte man trotz Corona 2 Zweitligajahre in Folge stemmen. Auf Schalke hat man anscheinend noch keinen blassen Schimmer, wie das funktionieren soll.

Es ist einfach unfassbar, wie ein derart großer Verein sich so schnell so weit runter wirtschaften konnte.Vor allem wenn man bedenkt, dass sie für Manuel Neuer, Julian Draxler, Leroy Sané und Tilo Kehrer zusammen 162 Millionen Euro Ablöse für selbst ausgebildete Talente bezahlt bekommen hat. Aber das dadurch verdiente Geld hat man anscheinend praktisch verbrannt...

Was auch nur bedeutet: Selbst wenn die Unfähigkeit der Mainzer und die Relegation die Schalker am Ende irgendwie rettet, ist noch lange keine Besserung in Sicht... Die einzige wirkliche Hoffnung, die man derzeit noch hat, ist... dass die Knappenschmiede schnell einige vielversprechende Talente ausspuckt. Und dass man bis dahin fähigere Leute in den entscheidenden Positionen hat, damit diese Talente nicht wieder verschwendet werden.

Dienstag, 24. November 2020

Passives Abseits Hall of Shame: Können diese Tasmania Berlin Vergleiche einfach mal aufhören?

 Bitte! Danke!

Also gerade werden ja beliebte Bilderserien mit dem Titel "Schalke nähert sich Tasmania Berlin" online gestellt. Bestimmt nicht nur bei Kicker.de, aber halt auch da

Lasst es uns einfach sagen, wie es ist: Schalke ist gerade die schlechteste Bundesligamannschaft aller Zeiten. 24 Spiele sieglose Spiele in Serie sind unerreicht. Ob man jetzt Tasmania noch einholt, ist dabei vollkommen irrelevant. 

Und dass es gerade 2 Mannschaften gibt, die praktisch gesehen eine gesamte Halbserie nicht gewonnen haben, belegt, dass der Tabellenkeller noch nie so absurd schwach war wie jetzt gerade. Wann spielen die eigentlich gegeneinander? Am letzten Spieltag der Hinrunde? Als hätten die gewusst, was kommt... Dieses Spiel sollte die DFL auf jeden Fall auf Samstag 18:30 legen. Ein derart schlechtes Spiel dürfte es noch nie gegeben haben...

Obwohl, jetzt wo ich das gesagt habe, gewinnen wahrscheinlich beide am Wochenende und ruinieren diese Geschichte...

Jedenfalls zurück zur Perspektive Tasmania Berlin: Also ja, diese Mannschaft beendete die Saison mit uneinholbaren 8 Punkten aus 34 Spielen. Auf die 3 Punkte Regelung umgerechnet wären es auch nur 10 Punkte gewesen. Aber hier ist ein Detail, welches an der Stelle gerne vergessen wird: Der einzige Grund, warum Tasmania überhaupt Bundesliga spielte, war der Zwangsabstieg der Hertha in der Vorsaison. Und die Sonderrolle Berlins in der Deutschen Geschichte als geteilte Stadt. Also im Wesentlichen wollte der Springer Verlag unbedingt, dass es in Berlin trotz der finanziellen Unregelmäßigkeiten bei der Hertha Bundesligafußball gibt. Also wurde das Teilnehmerfeld auf 18 Mannschaften erweitert um weitere Problemen und Klagen aus dem Weg zu gehen.

Also um das mal festzuhalten: Die Tasmania spielte 1965 in der Stadtliga Berlin... und wurde dort auch nur Dritter. Tennis Borussia Berlin scheiterte als Meister deutlich an der Aufstiegsrunde. Und der Spandauer SC verzichtete lieber, anstatt das seinen Spielern anzutun. Also musste Tasmania aufsteigen...

Eine Mannschaft, die aus Halbprofis bestand, welche direkt aus dem Urlaub kamen. Denn die finale Entscheidung fiel erst Anfang August... Man hatte also 4 Wochen Zeit um ohne finanziellen Spielraum aus Halbprofis Bundesligaspieler zu formen. Und auch keinerlei Möglichkeiten diese Mannschaft zu verstärken. Deswegen sehen die Startaufstellung vom letzten Berlin Liga und ersten Bundesliga Spiel so ähnlich aus: 8 Spieler standen in beiden Fällen auf dem Platz...

Das ist eine völlig absurde Situation, die es so in Deutschland nie gegeben hat und im Profisport wohl auch nie wieder geben wird. Also als praktisches Beispiel: Das wäre, als hätte man auf den Abstieg des Hamburger SVs spontan den Altonaer FC 93 für die Bundesliga nominiert... 4 Wochen vor Bundesligastart. Weil der FC St.Pauli als 2. Beste Hamburger Mannschaft sagt: "Wir spielen lieber Derby als Bundesliga..."

Natürlich war diese Mannschaft gnadenlos überfordert. Und natürlich stellte sie Rekorde auf, die praktisch uneinholbar waren. So ist das halt, wenn man spontan einen Regionalligisten in der Bundesliga mitwurschteln lässt.

Also selbst die Überraschungsaufsteiger der letzten Jahre wie Fürth, Paderborn und jetzt Bielefeld, die ja praktisch auch von den anderen Vereinen weit entfernt waren oder sind, hatten wesentlich bessere Voraussetzungen als die Berliner damals. Deswegen sollte man auch die Berliner nie als Referenzwert nehmen, wenn man historisch schlechte Leistungen einordnen will.

Das muss man vor allen Dingen bedenken, wenn man die derzeitigen Negativserien der Schalker und Kölner betrachtet. Gerade bei den Schalkern. Denn Schalke erlebt gerade die längste Serie ohne Sieg aller seriös geführten Bundesligisten. Es gab historisch nichts vergleichbares.

Ich würde sogar behaupten, dass es im Profisport allgemein wenig vergleichbares gab. Gerade wenn man bedenkt, dass Schalke vor 3 1/2 Jahren Vizemeister wurde und an den Champions League Töpfen naschte. Also gerade die Schalker sollten in der Lage sein einen Kader zusammenzustellen, der zumindest hin und wieder ein Bundesligaspiel gewinnt...

Nun ist es an der Stelle schwierig, diese Serie in historischen Kontext zu setzen, weil... nun ja... es halt Unentschieden gibt. Also diese schöne Bilderserie zeigt euch die längsten Niederlagenserien der Geschichte des Profisports... und es kommt Andrea Pirlo vor. Ja, der Andrea Pirlo, der damals den diesen simplen und doch genialen Pass auf Grosso spielte... nur um den Schalker Spielern Mut zu machen, dass sie trotz der derzeitigen Misere noch was reißen können... und weil es immer Spaß macht das 0:1 von damals zu verlinken...

Wo war ich? Ach ja: Brescia Calcio: Also ja, die verloren mehr Spiele am Stück als Schalke, holten aber taktisch geschickt ihre 2 Siege am 15. und 19. Spieltag. Man musste also nicht so lange auf einen Sieg warten, wie die Schalker.

Bleibt der AFC Sunderland mit 20 Premiere League Niederlagen in Folge... die sich allerdings über 2 1/2 Jahre hinzogen... weil... nun ja... man meistens absteigt, wenn man 20 Spiele in Folge nicht gewinnt. Aber auch die gewannen am 18. Spieltag gegen Liverpool, beendeten die Saison als "nur" mit 20 Spielen ohne Sieg... und gewannen am 3. Spieltag der 2.Liga Saison. Schalke hat also auch diese Mannschaft schon eingeholt.

Bleibt also der Blick in andere Sportarten und auf die Philadelpia 76ers und Cleveland Cavaliers. Die einzigen NBA Mannschaften mit längeren Niederlagenserien. Hierbei muss man allerdings sofort anmerken, dass die NBA einen dafür belohnt, wenn man richtig schlecht ist. Also man bekommt dann die Chance sich den Moukoko der jeweiligen Talentgeneration zu sichern. Gerade die 76ers haben damals bewusst versucht richtig schlecht zu sein. Das war ihr Plan für mehrere Jahre. Schalkes wollte eigentlich zeitnah zurück ins Internationale Geschäft...

Bleiben... die Tampa Bay Buccaneers aus der NFL... die 26 Spiele in Folge verloren haben. Wobei man an der Stelle erwähnen muss, dass die Buccaneers eine neu gegründete Franchise waren und kein etablierter Traditionsverein... aber beinah 2 Jahre ohne jeglichen Sieg zu bleiben ist trotzdem beeindruckend.

Aber das ist so das allgemeine Kompetenzniveau, mit dem sich Schalke gerade eigentlich vergleichen muss: Mannschaften, die absichtlich schlecht zusammengestellt wurden, weil dies der beste Plan für die Zukunft im Amerikanischen Sport ist. Und das wirklich beängstigende: Schalke hat noch die Möglichkeiten diese Mannschaften einzuholen.

Was mich ja zu der spannenden Frage bringt, was jetzt genau die "unterschiedliche Auffassung" war, die eine weitere Zusammenarbeit von Jochen Schneider und Michael Reschke unmöglich machte. Also ich bin mir ziemlich sicher, dass einer der beiden mit einer "Wir sollten alles unternehmen, um die Buccaneers Serie noch zu knacken, wo wir doch schon so kurz davor sind" Haltung in die letzten Gespräche gegangen ist. Und der andere wollte dies auf keinen Fall... Jetzt fragt mich aber nicht, auf welcher Seite des Anspruches Sportvorstand Schneider stand...

Montag, 28. September 2020

Worst of des "Dann ist ja alles geklärt" Wochenendes

Sein wir ehrlich: Alle offenen Fragen wurden bereits am 2. Spieltag weitgehend beantwortet. Also zumindest für die Tabellenspitze.

Das vom Kicker im Raum geworfene "werden die Bayern ohne eine Niederlage durch die Saison gehen?" wurde jetzt schon zu den Akten gelegt. Angesichts des personell gesehen dünnen Kaders war das genau genommen eh ausgeschlossen. Aber irgendwelche Fragen musste der Kicker sich ja zu Saisonbeginn stellen. 

Und dann wurde in der Sportschau über eine mögliche Meisterschaft der Dortmunder Buben diskutiert. Vor dem Spiel gegen Augsburg. Auch hier war die Antwort ein deutliches "Nein!" Denn schon früh in der Saison zeigte sich, dass sich der Dortmunder Zauberfußball immer noch über physische Härte und konsequentes verdichten des Zentrums kontern lässt. Sobald man auf Widerstand trifft, übernimmt man halt doch wieder die zaudernde DNA des Trainers.

Das einzig überraschende ist, dass beide bereits "versagten", bevor der englische Wochen Marathon so richtig los geht. Das ist gerade bei den Dortmundern die eigentliche Enttäuschung. Also wenn sie nach 6 englischen Wochen mal einen derart uninspirierten Auftritt hinlegen, kann man das nachvollziehen und verzeihen. Dass es bereits vor der ersten englischen Woche passiert... Wie soll das dann erst werden, wenn die Muskelbeschwerden bei Sancho und Haaland einsetzen?

Das mag wie eine extreme Überreaktion klingen... wenn wir nicht über exakt dieselben Probleme reden würden, wie in der Vorsaison.

Bleibt also die Frage, ob die Bayern im November wirklich ein körperliches Tief durchmachen, welches dann zu mehreren Punktverlusten führt und auch den eigentlich zu schwachen Konkurrenten aus Hoffenheim, Augsburg und Leipzig eine Chance gibt, die Meisterschaft offen zu halten.

Bleibt also... ein hoffentlich unterhaltsamer Abstiegskampf mit Schalke 04 in der designierten Hauptrolle. Nur um mal festzuhalten, wie weit weg die Schalker von einer wettbewerbsfähigen Mannschaft sind: Man ist sich derzeit nicht mal sicher, ob Ozan Kabak bei seiner Spuckattacke Ludwig Augustinsson getroffen hat. Nicht mal das können die. Und Vedad Ibisevic... machte sich direkt zum Gomez der Woche. Zitat: "Den kannst du normaler Weise nachts um 3 wecken und dann köpft der so freistehend ein Tor"... nur eben nicht, wenn er ein Schalke Trikot trägt. Also ja, da wurde die Transformation vom Bundesligastürmer zum Schalke-Angreifer in Höchstgeschwindigkeit vollzogen... immerhin haben sie den schon mal gut integriert. Dass dann noch der andere Schalke-Angreifer Mark Uth auf der Torlinie stehend Abseits reklamiert... ist einfach nur überragend.

Und das ist alles noch nicht mal das Schlimmste. Da kann man noch sagen: Kann passieren. Dann wird einem bewusst, dass die "Konkurrenz" die einem 11 Tore in 2 Spielen eingeschenkt hat, gegen "echte Bundesligisten" bei 2 Niederlagen und 2:8 Toren stehen. Da hatte man also echt noch Glück, dass man auf sonst so schwache Gegner getroffen ist, sonst wäre man bei 1:34 Toren...

Oh und ja, nur weil Werder Bremen um Niclas Füllkrug jetzt gegen Schalke so stark ausgesehen hat, bedeutet dies nicht, dass sie irgendwelche Probleme gelöst haben. Ein Blick auf den Spielplan dürfte ihnen verraten, dass sie dieses Jahr nicht mehr gegen Schalke spielen...

Und der einzige echte Konkurrent für die Schalker ist... Mainz 05. Gerüchtweise hat sich Rouven Schröder mit der Entlassung von Achim Beierlorzer nur so viel Zeit gelassen, weil er gehofft hat, dass Schalke ihm eine Ablöse für den Trainer bietet, da die ja auch gerade suchen... aber bis zur Länderspielpause wollte er trotzdem nicht warten. Jetzt ist sein Vorgänger Sandro Schwarz auch als Nachfolger im Gespräch, weil... sie den eh noch bezahlen. Da kann der für sein Geld ja auch noch nen bisschen was machen... Oder sie haben wenigstens dahin gehend Glück und Schwarz geht zu Schalke.

Die eigentlich spannende Frage ist ja: Wann ist aus dem Trainerposten in Mainz so ein Schleudersitz geworden? Also klar, die haben sich den Titel für die schnellste Trainerentlassung einer Saison auf ewig gesichert, als sie Jörn Andresen vorm ersten Spieltag rauswarfen. Damals hatte man allerdings noch keine Angst davor, konsequente Entscheidungen durchzuziehen. Und damals war halt auch noch Christian Heidel der Manager. 

Nur um das mal festzuhalten: Unter Heidel war man noch der Verein, bei dem sich Trainertalente wie Klopp oder Tuchel über 5 Jahre entwickeln konnten, bis sie dann irgendwann von sich aus sagten: Jetzt muss der nächste Schritt kommen. Seit Tuchel hielt man es über 2 Jahre mit Martin Schmidt und eben Schwarz aus. Und wechselte an sonsten die Trainer fast im selben Rhythmus wie der Hamburger SV. Früher waren die Mainzer von ihren Trainern mal so überzeugt, dass man mit ihnen auch abgestiegen ist, mittlerweile tauscht man den Trainer aus, sobald man auf einen Abstiegsplatz rutscht. 

Da merkt man mal, wie wichtig 2 Personen (in dem Fall Heidel und der ehemalige Präsident Harald Strutz) für die dann immer so hoch gelobte "Vereinsphilosophie" ist: Seit die beiden weg sind, ist Mainz auch nur noch ein ganz normaler Bundesligist, der versucht mit allen mitteln (viele Legionäre, viele Trainer) die Klasse zu halten.

Faszinierender Weise haben das ja auch die Fans vor der Saison angesprochen. Also dass ihnen diese Entwicklung innerhalb der Mannschaft trotz des Klassenerhaltes nicht wirklich gefällt, haben sie dem Vorstand schriftlich mitgeteilt

Das mag eine ganz normale Entwicklungsprozess vom "Karnevalsverein" zum "seriösen Bundesligisten" sein. Es mag auch daran liegen, dass man die "gute alte Zeit" gerne verklärt. Aber irgendwie traurig ist es halt trotzdem.

Dienstag, 30. Juni 2020

Quo Vadis, Bundesliga, 2020: Schalke 04

Als quasi Füller zwischen nem Rückblick und ner Vorschau, wollte ich mich mal mit dem Thema befassen, was in der Bundesliga passieren muss, damit die Meisterschaft nicht wieder automatisch an die Bayern geht. Denn so unsympathisch der Uli Hoeneß ist, mit seiner "Wir können ja nicht halbtags arbeiten" Aussage, hat er irgendwie recht.

Auch wenn ich immer noch der Meinung bin, die Bayern sollten sich bei Ergänzungstransfers zurück halten. Also praktisches Beispiel: Am letzten Spieltag deutete Michael Cuisance an, dass es die Liga schon schwächt, wenn er die Saison praktisch beim Drittliga Team des Rekordmeisters verbringt. Der könnte auch der einen oder anderen guten Mannschaft in der Bundesliga weiter helfen. Und dadurch dann das Leistungsniveau heben, was ja genau genommen auch das ist, was die Bayern brauchen um für die Champions League gewappnet zu sein.

Und ja, es feiern jetzt alle Thomas Müller für seine 21 Torvorlagen. Und sein schönes Direktspiel. Aber hier ist das Problem: Wenn Müller im August gegen Real Madrid und Manchester City wieder nur Mitläufer ist, sind all die Torvorlagen in der Bundesliga irrelevant. Denn die hätte Coutinho auch gesammelt, wenn man ihn gelassen hätte.

Nur um zu verdeutlichen, wie wichtig meiner Meinung nach dieses "Quo vadis" ist: dass die Bayern Stars in der Liga glänzen, aber in der Champions League dann nicht, ist ja ein Grundlegendes Problem der Bayern. So wurde ein Franck Ribery für seine Tollen Leistungen in der Liga gefeiert und bekam noch eine Vertragsverlängerung, obwohl er am Ende 3 Jahre ohne Tor in der Champions League war. Aber dass Ribery den Champions League Ansprüchen nicht mehr genügt, hat die allgemeine Schwäche der Bundesliga wunderbar überdeckt.

Also ja, auch die Bayern brauchen dringend eine stärkere Bundesliga. Wie können aber die anderen Vereine diese Liga erschaffen? Fangen wir, weil es so lustig ist, mit Schalke 04 an. Insert dirty laugh here.

Um das vorwegzunehmen: Ich war noch nie so froh, kein Schalke Fan zu sein. Und das, obwohl ich dem Verein immer kritisch gegenüberstand...
Also sein wir mal ganz kurz ehrlich: Schalke müssen wir derzeit von der "Die können ihren Beitrag für das kompetitive Niveau der Liga leisten" Liste streichen. Die haben halt gerade ganz andere Probleme und müssen bei den Lösungen nur auf sich selbst suchen. Damit haben sie genug zu tun.

Dass immerhin Clemens Tönnies von allen Ämtern zurück getreten ist, ist ein erster Schritt für die Lösung der strukturellen Probleme des Vereins. Aber dass dies so lange gedauert hat und nicht schon auf die rassistischen Äußerungen passiert ist. Das führt aber halt auch direkt zum nächsten Problem: Wenn man den um Geld anpumpen will, muss man ihn mit Samthandschuhen anfassen. Und so darf sich Tönnies dann seine Strafen selber aussuchen.

Nebenbei wollte ich mal erwähnen, dass der erste "Tönnies ist das Problem auf Schalke" Beitrag hier von 2015 ist. Da ist es wieder, das tägliche "Passives Abseits Leser wissen es früher"... Damals ging es noch nur darum, wie der Führungsstil von Tönnies und seine illusorischen Ansprüche die Ursache für verdammt viele Probleme auf Schalke sind. So wurde der Vertrag von Jens Keller trotz wiederholter Qualifikation für die Champions League nicht verlängert und der ging als "Lame Duck" in die Saison. Was dazu führte, dass er ständig kritisiert wurde... was Tönnies wiederum nicht verstehen konnte. Dass er die gesamte Situation mit einer Vertragsverlängerung hätte entschärfen können, hat er halt bis heute nicht verstanden.

Dass man halt so sehr von einer einzigen Person abhängig ist, zeigt halt auch, wie finster die Gesamtsituation auf Schalke ist. Oder anders ausgedrückt: Wenn Tönnies den Verein nicht retten kann, muss Vater Staat das halt machen.
Dazu kommen dann noch all die epischen Fehltritte beim Umgang mit den Fans während der Corona-Krise. Also man muss schon fragen, ob es überhaupt Möglichkeiten gibt sich als Verein schlechter zu präsentieren als Schalke in der Saison 2019/20. Und ja, das sage ich, obwohl der Hamburger SV existiert.

Die nächste völlig falsch eingeschätzte Episode ist ja, dass Schalke "als erste Mannschaft einen Salary Cap festlegt." Ähm... nein, tun sie nicht.
Also nur um das mal festzuhalten: Schalke legt einfach nur für sich eine Obergrenze von 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt fest. Wer mehr verlangt, braucht gar nicht erst an den Verhandlungstisch kommen. Man gibt quasi vorher bekannt, was das Maximum ist, dass ein Spieler "fordern" kann. Keine gute Verhandlungsstrategie, aber wenigstens offen und ehrlich.

Hier ist das faszinierende: Jeder gut geführte Fußballverein hat so einen "Salary Cap". Also ich bin mir absolut sicher, dass zum Beispiel in Freiburg intern auch alle Beteiligten wissen, wo die absolute Schmerzgrenze für die Breisgauer liegt. Und ab welcher Summe der SC sagt: Da steigen wir aus den Verhandlungen aus, du musst dir einen anderen Verein suchen. Und wahrscheinlich liegt diese Grenze südlich von 2,5 Millionen. Aber das werden wir ja rauskriegen, wenn die die Schwolow Verhandlungen verfolgen...
Andere Verein wie RB Leipzig geben halt auch bei Timo Werners Vertragsverlängerung 2019 "absolut an unsere machbaren Grenzen" gegangen zu sein. Was auch nur bedeutet: Auch bei RB Leipzig gibt es den jetzt von Schalke angekündigten Salary Cap seit Jahren.

Die einzige Besonderheit in Gelsenkirchen ist, dass sie öffentlich und offiziell bekannt geben, dass sie ihre Schmerzgrenze gerade nach unten korrigiert haben. Wahrscheinlich deutlich nach unten korrigiert haben. Mit einem klassischen Salary Cap hat das aber gar nichts zu tun.

Und im wesentlich gibt man jetzt schon bekannt, dass Weston McKennie und Suat Serder demnächst verkauft werden müssen. Weil sie zu diesen Bedingungen kaum einen neuen Vertrag unterschreiben werden. Und man muss sich dann auch bewusst werden: Für 2,5 Millionen Euro Jahresgehalt wird man, trotz möglicher Ablösesummen, kaum neue Spieler von derselben Qualität verpflichten können. Was halt praktisch heißt: Die Mannschaft auf Schalke wird eher schlechter als besser. Was einem bei einer Serie von 16 Spielen ohne Sieg echt Sorgen machen muss.

Nebenbei dürfte diese öffentliche Haltung dazu führen, dass eine ganze Menge Spieler nicht mal mehr an der Verhandlungstisch kommen. Also der Fakt, dass einige aktuelle "Leistungsträger" mehr als die 2,5 Millionen verdienen... und abgesehen von einem Verkauf wird sich daran ja auch nichts ändern. Warum sollte also ein Spieler, der sich auf Augenhöhe mit Serdar sieht, weniger Gehalt als diese beiden bekommen?
Nebenbei fällt mir bei der Gelegenheit auf, dass dies alles nur Spekulationen sind, weil es keine belastbaren Zahlen gibt.  Also ich berufe mich hierbei auf folgende "Analyse" vom englischsprachigen Transfermarkt.com, die Serdar und McKennie als Problemfälle des neuen Salarycaps nennen. Ob die schon mehr als 2,5 Millionen verdienen oder nur garantiert mehr als 2,5 Millionen verlangen werden, kann ich dabei nicht beurteilen.

Genau genommen gibt es genau einen Hoffnungsschimmer auf Schalke: Norbert Elgert. Und ja, auch der hat den ominösen "Trainerpreis des deutschen Fußballs" gewonnen. Er steht repräsentativ für die Jugendarbeit auf Schalke. Und auf die wird es jetzt noch mehr ankommen, als zuvor.
Die einzige realistische Chance für Schalke ist es halt sich buchstäblich am eigenen Schopf aus dem Schlamassel zu ziehen. Und zu hoffen, dass man den nächsten Mesut Özil, Julian Draxler und Beneditk Höwedes findet. Wenn einem dies nicht gelingt, wird es echt finster.

Aber wenn man dann realisiert, dass Schalke 8 Millionen Ablöse in Alexander Schwolow stecken will, anstatt einfach mal auf den immer noch am Verein hängenden Ralf Fährmann zu setzen. Und klar, Fährmann wird nicht der nächste Nationaltorwart, während man bei Nübel zumindest kurzfristig daran glauben konnte. Aber Spoiler: Auch Schwolow ist kein Torwart, der für die Nationalmannschaft interessant ist. Vielleicht ist der ein wenig besser als Fährmann. Durchaus möglich. Da Torhüter genau genommen immer auch von ihrer Defensive abhängig sind, ist das schwer zu beurteilen. Aber ich sag das mal so: Er ist keine 8 Millionen Euro Ablöse besser. Gerade wenn man wie Schalke kein Geld hat.
Also nur um das mal zu verdeutlichen: In dem stabilen Gesamtkonstrukt umd Robin Koch und Christian Günther war es vollkommen egal, ob Schwolow oder Mark Flekken im Tor standen. Beide sind die Notenbesten Spieler im Freiburger Kader. Und wenn Koch in diesem Sommer verkauft und nicht adäquat ersetzt wird, wird der Notenschnitt beider Torhüter einbrechen. Aber für so einen Torwart gebe ich als Schalke doch keine 8 Millionen Euro aus.

Warum Schalke immer noch nicht auf den grundsoliden Torhüter mit hoher Identifikation setzt, obwohl man doch genau das gerade braucht... bleibt halt eines dieser unlösbaren Schalke Rätsel. Und ich wage zu behaupten: Wenn man Fährmann reinstalliert und die 8 Millionen in halbwegs ordentliche Defensivspieler steckt, steht man besser da, als wenn man Serder verkauft um Schwolow zu finanzieren... So ein weiteres Mysterium ist Daniel Caligiuri, den man ja lieber "zappeln" lies, anstatt ihm ein vernünftiges Angebot zu machen. Aber auch das ist halt schwer zu beurteilen, wenn man nicht vor Ort dabei war. Aber wenn Augsburg Caligiuris Gehaltsforderungen erfüllen kann, Schalke aber nicht, ist das ein verdammt schlechtes Zeichen. Denn genau genommen stärkt man gerade ablösefrei einen designierten Konkurrenten. Ich bezweifle, dass das eine gute Strategie für die nächsten Jahre ist.

Und ja, dass Derby-Held Caligiuri lieber nach Augsburg geht als auf Schalke zu bleiben, zeigt, wie dramatisch die Lage gerade ist. Aber hey, für mich als zynischer Außenstehender könnte es großartig werden.