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Mittwoch, 4. September 2024

Man soll ja im Urlaub mal was neues ausprobieren

 Oder Dinge tun, die man viel zu lange nicht mehr gemacht hat. Freunde treffen, die man seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hat. Einfach um mal zu gucken, was sich bei denen so getan hat.

Mein Freund, bei dem ich ein Mal im Jahr vorbeischaue, ist der Kicker. Hauptsächlich, weil das im Funkloch die einzige Möglichkeit ist, die Fußballergebnisse zu erfahren. Ernsthaft, wie schwer sich Bayer Leverkusen gegen Jena getan hat, habe ich erst am Freitag erfahren.

Ich habe ja jahrzehntelang den Kicker religiös gelesen, bis mir irgendwann aufgefallen ist, dass sie das "Fachmagazin" nicht nur aus dem Titel, sondern auch aus dem eigenen Anspruch gestrichen haben. Dass die sich immer komplett alle journalistischen Sicherungen rausknallen, wenn Deutschland spielt, war mir irgendwie immer bewusst, aber 2021 war es mir dann einfach zu viel. Jetzt habe ich mir aber die Ausgabe 70 geholt und am Strand gelesen. Und da gibt es einige interessante Episoden, die ich mit euch teilen will.

Als Erstes fand ich die brutale Ehrlichkeit im "business"-Interview mit Ilja Kaenzig wunderschön. Da wird halt über die wirtschaftliche Situation des VfL Bochums geredet. Da geht es dann auch um die Frage, inwieweit man in der 4. Bundesligasaison bereits ein etabliertes Mitglied der Liga ist. Und dann erwähnt Kaenzig, dass man ja auch verdammt viel Glück gehabt hat, weil entsprechend kleine Vereine aufgestiegen sind. Und dann geht es um Mannschaften, die potenziell von unten kommen und den Bochumern das Leben schwer machen könnten. Zitat: "Wenn Fürth, Paderborn oder Darmstadt hochgeht, haben wir einen Puffer. Wenn es der 1. FC Nürnberg ist, Hannover 96 oder der Karlsruher SC, der richtig boomt, also Klubs mit großen Stadien und großer Anziehungskraft, dann sind die direkt auf Augenhöhe mit uns, obwohl wir bereits vier Jahre oben sind. Da reden wir noch nicht von Schalke, Hertha BSC oder dem 1. FC Köln." 

Ich schwöre, dass das nicht editiert ist. Kaenzig zählt 9 Mannschaften auf, deren Aufstieg er anscheinend für realistisch hält. Eine dieser Mannschaften ist gerade 17. und hat bereits Thorsten Lieberknecht entlassen. Der eine Name, der nicht fällt, ist der Hamburger SV. Kaenzig hat einfach begriffen, dass ein Aufstieg der Hamburger absolut unrealistisch ist.

Unterschwellig bringt dieses Interview aber eine andere Wahrheit ans Licht: Die Qualität in der Liga muss verdammt stark nachgelassen haben. Die wirtschaftliche Kraft einiger Traditionsvereine wurde halt durch Heidenheim und St. Pauli ersetzt. St. Pauli kann auf dem Transfermarkt einfach nicht so agieren, wie der 1. FC Köln das könnte... also, wenn die denn dürften.

Mit dem Abstieg der Kölner spielen mittlerweile 4 Vereine, die wirtschaftlich in die Top 10 gehören sollten, in der 2. Liga. Das ist unfassbar viel Potenzial, welches, bei allem Respekt, nicht durch all die Kompetenz in diesen Vereinen ausgeglichen werden kann. 

An der Fieberkurve des VfLs kann man ja die Entwicklung der Bundesliga ganz gut nachvollziehen. Von 1972 bis 1993 galt man als "Unabsteigbar". Man steckte zwar verdammt häufig im Abstiegskampf, sicherte sich aber trotzdem jedes Mal irgendwie den Klassenerhalt. Die beste Platzierung in der herausragenden Saison war Platz 8. Mehr war einfach nicht drin.

Der erste Abstieg galt noch als Betriebsunfall. Doch nach dem 5. Abstieg konnte man nicht mehr ignorieren, dass man zur klassischen Fahrstuhlmannschaft geworden ist. Nach dem 6. Abstieg sah es plötzlich so aus, als hätte man den Anschluss zur Bundesliga endgültig verpasst. Man war plötzlich dichter an der dritten, als an der 2. Liga. Und natürlich gab es zwischenzeitlich diese eine Märchensaison unter Peter Neururer, in der man sich für den Europacup qualifiziert. Aber sachlich gesehen zeigte die Kurve der Bochumer 20 Jahre lang nach unten.

Bochum hat den Aufsprung auf den Kommerzialisierungszug, den Schalke und Dortmund so elegant genommen haben, dass die eigenen Fans es gar nicht bemerkt haben, verpasst. Sie haben ihn deutlich verpasst und wurden von Wolfsburg, Augsburg, Mainz, Freiburg, Hoffenheim und RB Leipzig links überholt. 

Und plötzlich steht man wieder in seiner 4. Bundesligasaison infolge. Ganz sachlich gesehen sieht es, auch wenn die aktuelle Tabelle etwas anderes sagt, gar nicht soo schlecht in Sachen Klassenerhalt aus, schließlich muss man "nur" Kiel und St. Pauli hinter sich lassen, den Rest regelt die Relegation. Und selbst Heidenheim hat laut Transfermarkt.de einen günstigeren Kader... 

Damit hat man zum ersten Mal seit dem Wiederaufstieg nicht einen der 2. (laut Marktwert) schwächsten Kader der Bundesliga. Das gab es seit 2008/09 nicht mehr. Aber hier kommt das ganz große Problem: Der Marktwert des Bochumer Kaders ist, während man von Rang 17 auf Rang 15 gesprungen ist, von 64,53 Millionen auf 59,7  Millionen Euro gesunken.
Hier muss man natürlich einschieben, dass der Marktwert zu Saisonende mit dem Marktwert zu Saisonbeginn verglichen wird. Also ein Jan-Niklas Beste hat seinen Marktwert verdoppelt. Heidenheim wird zu Saisonbeginn 2023 keinen teureren Kader gehabt haben, als die Bochumer. 

Aber die Bochumer sind halt auch nicht an den Heidenheimern "vorbeigezogen", weil sie sich verbessert haben, sondern weil der Substanzverlust dort noch größer war, als in den eigenen Reihen.

Das ist auch etwas, was allgemein bedacht werden muss: Die Bochumer haben sich jetzt nicht wieder etabliert, weil sie groß investiert haben. Sie haben dies geschafft, während sie einen Konsolidierungskurs fahren mussten.
Dass die Bochumer jetzt da sind, wo sie sind, hat, bei allem Respekt vor der herausragenden Arbeit, die da geleistet wird, auch mit den katastrophalen Vorstellungen der eigentlich enteilten Konkurrenz zu tun. Sie können nur dort sein, wo sie jetzt sind, weil die Liga deutlich schwächer geworden ist.

Dass die Liga zumindest in der unteren Tabellenhälfte deutlich schwächer geworden ist, darf man aber so nicht sagen, weil es dem hochpolierten Image der Liga schaden würde. Deswegen wird das indirekt auf Seite 82 angeschnitten, aber nicht vernünftig ausgeführt.

Denn vernünftige Analysen bekommt man halt nur in einem Fachmagazin und nicht im Kicker.

Freitag, 20. Januar 2023

Wo waren wir nochmal? Teil 4: Der Abstiegskampf

 Die wichtigste Frage: war ich zu kritisch mit dem VfL Bochum?

 Zunächst muss man natürlich nochmal festhalten, dass der dritte Abstiegsplatz de facto abgeschafft wurde. In nur 3 von 14 Fällen seit der Wiedereinführung konnte sich der Zweitligist in der Relegation durchsetzen. Das passiert also alle 5 Jahre mal. Und rein statistisch ist damit erst 2024 wieder ein Zweitligist dran, da Union Berlin ja vor 4 Jahren aufgestiegen ist.

Man muss also nur 2 Dümmere finden und sich dann in 2 Spielen, in denen man klar favorisiert ist, durchsetzen, um die Klasse zu halten. Das klingt doch für alle Beteiligten machbar.

Schalke 04 wirkt halt einfach in der aktuellen Verfassung zu schwach. Was jetzt keine Überraschung ist, die setzen schließlich auf 2 "Marius-Ebbers-Angreifer" als Sturmführer. Und einer der beiden hat sich auch noch schwer verletzt. Aber Schalke hat sich halt in kürzester Zeit in die Position manövriert, dass sie einfach nicht mehr das Geld haben, um einen bundesligatauglichen Kader zusammenzustellen. Jetzt müssen sie auf die an sich großartige Jugendarbeit hoffen... und darauf, dass die wenigen Transfers, die man sich leisten kann, absolute Volltreffer werden. 

Wenn man dann bedenkt, dass Matthias Schober und Gerald Asamoah gerade das Management übernommen haben... 2 ehemalige Spieler mit keinerlei Arbeitsnachweis in der ersten Reihe. Das macht jetzt nicht unbedingt Mut.

Im Wesentlichen läuft damit alles auf Michael Frey hinaus. Und ich habe keine Ahnung, wer das ist. Ich weiß nur, dass man den von Royal Antwerpen ausgeliehen hat. Dasselbe gilt für Nassim Boujellab, den man für ein halbes Jahr aus Helsinki geholt hat. Das ist so die Kategorie, in der die Schalker nach Verstärkungen suchen. 

Jetzt müssen diese beiden zusammen 10 Tore erzielen, damit Schalke eine Chance auf den Klassenerhalt hat. Und selbst dann ist es eher fragwürdig, ob das reicht.

Auf den Bochumern habe ich hier ja reihenweise herumgehackt und behauptet, dass die zu schwach sind... Während sie zumindest im eigenen Stadion mehr als konkurrenzfähig geworden sind. 3 Heimsiege aus 7 Spielen stehen schon zu Buche. Diese 3 Siege holte man aus den letzten 3 Heimspielen. Dazu kommt noch ein Unentschieden. Mit Union Berlin und Eintracht Frankfurt hat man auch richtige Schwergewichte besiegt. Und das Heimspiel gegen die Bayern hat man schon hinter sich. Wenn die Castroper Straße wirklich zur Festung wird, sieht es auf ein Mal gar nicht so schlecht aus. Rechner wir mal konservativ und gehen von 20 Punkten aus Heimspielen aus. 10 davon haben sie schon. Dazu haben sie schon einen Auswärtssieg. Dann wären sie bei 23 Punkten. Dann müssen sich die anderen nur noch richtig dumm anstellen, und schon ist man in der Relegation. Realistisch gesehen müsste man schon eher 30 Punkte im eigenen Stadion holen und dann hoffen, dass auswärts noch ein paar Brotkrümel abfallen.

Aber ich sage das mal so: Die Mainzer haben in der letzten Saison genau so gemacht: Mit 35 Punkten aus Heimspielen den Klassenerhalt gesichert, obwohl man sich auswärts wie ein Absteiger präsentiert hat. Es wäre nicht das erste Mal.

Da kann man sich jetzt fragen, ob es gut für die Bochumer ist, dass sie mit einem absoluten 6 Punkte Heimspiel ins neue Jahr starten. Denn auch die Hertha, die am Wochenende zu Gast ist, hat sich wieder im Abstiegskampf eingereiht. Das ist jetzt eine dieser Vereine, die den Begriff wörtlich nehmen, anstatt sich auf den Kampf um den Klassenerhalt zu konzentrieren. Was halt wirklich faszinierend ist: Selbst Fredi Bobic schafft es nicht, diesen Verein in die richtige Richtung zu bewegen! Der hat doch in Frankfurt endgültig nachgewiesen, dass er das kann. Und auch wenn es sich in Stuttgart niemand eingestehen will, war die Entlassung von Bobic im Jahr 2014 der erste Schritt in Richtung Zweite Liga.

Jetzt kommt Bobic aber mit dem zusätzlichen Problem, dass sich alle ständig fragen werden, ob und wann er den Platz von Rudi Völler einnimmt. Denn der will ja, wie immer, nach dem wichtigen Turnier zu Bayer Leverkusen zurückkehren. Das bedeutet dann 2 Jahre voller Spekulationen um Bobic. Und die Frage, wie man miteinander umgeht, falls die Entscheidung für den DFB ausfällt. Das sind jetzt keine guten Voraussetzungen, um in einem eh schon unruhigen Umfeld vernünftig zu arbeiten. Gerade, wo man ja als Manager eigentlich immer auch ein Auge auf die langfristigen Planungen werfen sollte. Die Frage, ob die Berliner im Abstiegskampf bleiben, wird am Ende nicht auf dem Platz beantwortet, sondern im Umfeld.

Am Ende muss man von Glück reden, dass ein Nicht-Transfer so richtig eingeschlagen hat. Also das Dodi Lukebakio sich nach all den enttäuschenden Jahren seit seinem Auftakt in Düsseldorf nochmal fangen würde und 7 Tore in 14 Spielen erzielt, hätte ich nicht gedacht. Wo die Hertha ohne sein Comeback stehen würde, will sich dort niemand ausrechnen.

Bleibt der VfB Stuttgart, der sich dieselbe Frage wie letzte Saison stellen muss: Wann machen die Talente den entscheidenden Schritt nach vorne? Der Kader hat von allen Kandidaten da unten das größte Potenzial. Aber diese Möglichkeiten schlummern halt in den Beinen von U23 Spielern. Der Kader ist im Schnitt 22,9 Jahre alt. Das ist mit Abstand die jüngste Mannschaft. Also die 1,4 Jahre, die Stuttgart vom VfL Wolfsburg trennen, sind genau so viel, wie der Abstand zwischen der 2. und der Hertha, die die 5. älteste Mannschaft aufstellen. All die Daten kommen via Transfermarkt.de. Selbst die erfahrenen Führungsspieler wie Mavropanos oder Müller sind zarte 25 Jahre alt. Endu ist der einzige Stammspieler, der dem Tod schon gelassen entgegensehen kann... er wird jedenfalls älter als Curt Kobain. Keiner der Spieler im Kader ist schon jenseits der 30. Das sind schon völlig wahnsinnige Zahlen. Ich frage mich ernsthaft, ob es jemals einen derart jungen Kader in der Bundesligageschichte gegeben hat.

Jetzt hat man sich dafür entschieden, diese Talente in die Hände eines absoluten Realos zu übergeben: Bruno Labbadia. Das ist halt einer dieser Trainer, die kurzfristig deine Probleme lösen können, aber er hat es noch nie geschafft langfristig eine Mannschaft zu entwickeln. Diese Personalie stellt damit eine 180 Grad Wende dar. Fehlt nur noch, dass man sich einen dreißigjährigen Veteranen für die Abwehr holt, der den Kids zeigt, wie man den Laden zusammenhält.

Und das ist ja per se auch nicht falsch. Also ein Abstieg ist halt definitiv richtig teuer. Und er würde auch nur dazu führen, dass all die Talente sofort und weit unter dem Marktwert weggehen. Aber die Frage bleibt doch, ob man sich damit nicht langfristig für den Abstiegskampf entschieden hat. 

Bleibt der FC Augsburg. Also eigentlich der designierte Absteiger. Das sind sie aber immer. Die landen doch bei jeder Saisonvorschau auf einem der letzten 3 Plätze. Aber die sind halt das exakte Gegenteil vom VfB Stuttgart. Denn sein wir ehrlich: Der einzigen Spieler der Augsburger Vereinsgeschichte, der vielleicht mal zu höheren berufen waren, waren Ulrich Biesinger und Ricardo Pepi. Der eine war Weltmeister ohne Einsatz, das andere Projekt ist grandios gescheitert. (Und ja, Hartmut Haller hat erst für den FC Augsburg gespielt, als er alt und damit nicht mehr zu höherem berufen war.)

Augsburg sammelt halt Spieler, deren persönliches Leistungslimit im Bundesligakeller angesiedelt ist. Und dann schaffen sie es konstant, dass diese Spieler dieses Limit auch erreichen. So steht man auch fast immer mit unten drin, schafft es aber jedes Jahr drei Mannschaften hinter sich zu lassen.

In mittlerweile 11 Jahren Bundesliga landete man 2-mal auf einem einstelligen Tabellenplatz. Im Schnitt wurde man 12,3ter. Und man holt, abgesehen von den 2 Ausreißern in 2014 und 2015 zwischen 33 und 41 Punkten. Die Konstanz, mit denen man diese Punktlandungen gerade in den letzten 7 Jahren abliefert, ist einfach beeindruckend. Wird es den FC Augsburg irgendwann erwischen? Wahrscheinlich, es muss ja nur ein Mal nicht alles nach Plan laufen. Und der Plan beinhaltet halt auch, dass sich irgendjemand anderes verdammt dumm anstellt. Aber es empfiehlt sich einfach nicht, auf diesen Abstieg zu wetten, weil man in den Jahren, bevor dieser Fall eintritt, so viel Geld versandet ist, dass man die Investition nicht wieder reinbekommt.

Aktuell liegt die Quote bei 2,2, was anscheinend auch nur bedeutet, dass die Abstiegswahrscheinlichkeit bei 45 % liegt. Sie haben schon wesentlich schlechtere Voraussetzungen gehabt und die Klasse trotzdem gehalten.

Deswegen lege ich mich mal fest: Bochum und Schalke steigen direkt ab. Bochum wird uns aber zumindest die Illusion eines spannenden Abstiegskampfes geben, womit ich im Oktober nicht gerechnet hätte. Und die Hertha rettet sich nach Elfmeterschießen gegen den Hamburger SV in der Relegation. Die dann wieder heulen werden, wie unverdient das doch war, dass sie in die Relegation mussten.

Donnerstag, 24. März 2022

Warte, Bochum macht was?

 Sie schalten einen Anwalt ein und behaupten, dass es ja gar nicht ihre Schuld ist? Sie fordern ernsthaft, dass ein Spiel, welches nach 70 Minuten und beim Stand von 0:2 gegen sie abgebrochen wurde, neu angesetzt wird? Ich sag sach mal, ihr sagt "Geht's noch?"

Haben die echt vor, alle Sympathien zu verspielen? Ist denen nicht bewusst, dass der DFB gar keine andere Option hat, als dieses Spiel für Gladbach zu werten? Allein schon um eine gewisse Abschreckung zu erzielen. Und als VfL Bochum sollte man froh sein, wenn das die einzige Strafe bleibt und kein Geisterspiel hinzukommt.

Bochum sollte sich, meiner Meinung nach, demütig zeigen und alle Energie nach innen wenden. Also seinen Fans verdeutlichen: Guckt mal, das passiert, wenn ihr euch so verhaltet, wie ihr euch verhaltet. Ihr schadet uns. Also genau genommen: Wir schaden uns, denn ihr seid ja ein wichtiger Teil dieses Vereins. Wir müssen gemeinsam verhindern, dass so etwas wieder passiert. Aber man bleibt traditionel lieber bei der "Einzeltäter-These"...

Und klar, im Hintergrund wird das bestimmt auch passieren. Aber im Vordergrund wird diese Botschaft halt torpediert. Das wäre nebenbei auch die Variante, um möglichst schnell wieder zum Image des sympathischen aufstrebenden Verein zurückzukehren. Nach dem Motto: Selbst, wenn da Scheiße passiert ist, wurde das knallhart aufgearbeitet und nicht relativiert.

Vor allem ist der VfL Bochum ja in einer relativ luxuriösen Position: Mit 32 Punkten nach 27 Spieltagen hat man praktisch nichts mit dem Abstiegskampf zu tun. Also klar, bei einem kompletten Einbruch rutscht man nochmal unten rein. Aber so, wie das in den letzten Jahren lief, brauchen sie noch einen Sieg, um sicher drin zu bleiben. Es ist also nicht existenziell, dass man um jeden einzelnen Punkt verbissen kämpft. Wenn Bielefeld sich jetzt an dem Glauben aufhängen würde, dass man das 0:2 noch drehen könnte...

Obwohl, selbst dann. Also berichtigt mich, wenn ich falsch liege, es ist verdammt lang her. Aber als auf St.Pauli damals aus exakt demselben Grund ein Spiel abgebrochen wurde, steckte St.Pauli richtig tief im Abstiegskampf. Trotzdem hat man das Urteil widerspruchslos akzeptiert. Wahrscheinlich, weil man sich einfach richtig geschämt hat.

Nebenbei ist es auch spannend, ob der DFB noch mit weiteren Strafen kommt. Also St.Pauli kostete das Auswärtsheimspiel mit begrenzten Zuschauern ungefähr 400.000 Euro Einnahmen. Wichtig ist dabei natürlich, dass "Einnahme" nicht gleich "Gewinn" ist. Aber da die beiden Vorfälle absolut vergleichbar sind, spricht eigentlich nichts gegen eine derartige weitergehende Strafe... außer, dass wir nach 2 Jahren Pandemie halt so gar keinen Bock mehr auf Geisterspiele oder halbvolle Stadien haben. Damit geht es am Ende nicht um "Gerechtigkeit" und "Verhältnismäßigkeit", sondern um unser Wohlbefinden...

Andererseits will man darüber "zu einem späteren Zeitpunkt" sprechen. Es könnte also noch was kommen.

Mittwoch, 14. September 2011

Was 2 mal 90 Minuten alles so bewirken können...

Es ist nicht mal 3 Monate her, da stand Borussa Mönchengladbach am Abgrund und der VfL Bochum war am Ziel seiner harten und langen Saison angekommen. Lucien Favre musste die Reste der desaströsen Hinrunde zusammenfegen und eine neue Mannschaft für Aufstiegsrennen zusammenbauen, während Friedhelm Funkel sich wieder mal als Aufstiegsheld feiern lassen durfte Gladbach zahlte den verdienten Preis für die teilweise desaströsen Leistungen der Hinrunde unter Michael Frontzeck, während die Bochumer ihren schwachen Saisonstart noch umbiegen konnte...Das Ergebnis war ein Fall für Frank Plasberg: Hart, aber fair...

Nur hatte leider irgendjemand entschieden, diese hart aber fair System für ein paar Millionen außer Kraft zu setzen und den Gladbachern noch eine 2 mal 90 Minuten dauernde Chance zu geben. Und jetzt 3 Monate später ist Borussia Mönchengladbach die Überraschungsmannschaft der Bundesliga und Friedhelm Funkel wurde wegen eines erneutem Fehlstarts entlassen... was 2 mal 90 Minuten alles so bewirken können...