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Dienstag, 31. Januar 2023

Die überraschendste Pointe des Jahres ist ja

 Die laut Präsident Kay Bernstein "wohlüberlegte" Entlassung von Fredi Bobic. Habe ich nicht gerade erst erwähnt, dass die Frage, ob die Hertha die Klasse hält, nicht auf dem Platz, sondern daneben entschieden wird? Weil auch der Umgang mit den Spekulationen um Bobic und dem DFB, die immer wieder auftauchen werden, entscheidend sein werden. Hätte nicht gedacht, dass ich so schnell Recht bekomme.

Ich werfe dann jetzt mal folgende These in den Raum: Bernstein hat gehofft, dass Bobic zum DFB geht, damit er ihn wegloben und vielleicht sogar eine Ablöse kassieren kann. Das war kein "Reisende soll man nicht aufhalten", sondern eher ein "Du willst doch verreisen, oder?" Also die ganze Kommunikation wirkte ja gleich komisch, weil Bobic sich auch nicht eindeutig positioniert hat, aber nie ein Angebot bekommen haben soll. Aber trotzdem hat der Präsident schonmal kräftig die Werbetrommel gerührt, damit Bobic auch in jedem Fall im Gespräch bleibt. Da ist es keine gewagte These zu behaupten, dass Bernstein auch da schon über eine mögliche Entlassung nachgedacht hat. Und kurz bevor Rudi Völler dann tatsächlich sein Amt antritt, schmeißt er dann den Bobic raus.

Stellen wir uns das mal mit einem Spieler vor. Da würde man das als Vorgesetzter nur machen, wenn man in finanziellen Nöten ist und unbedingt eine Ablöse generieren muss. Guckt mal, dieser Star hier ist verfügbar, kauft den doch! Also so was passiert eigentlich nur nach und nicht vor abstiegen.

Dass Bernstein mit Bobic bescheidener Bilanz eher kritisch umgeht, ergibt ja auch Sinn. Ihm nicht bedingungslos zu vertrauen, ist vernünftig. Ihn zu entlassen, ist irgendwie auch nachvollziehbar. Aber es ist eine totale Katastrophe ihn noch am Kader schrauben zu lassen, was dringend gemacht werden muss, weil man ja auf einem Abstiegsplatz steht, obwohl man schon weiß, dass man ihn eigentlich loswerden will. Und dann 2 Tage vor Ende des Transferfensters doch die Reißleine zu ziehen, damit andere die Panikkäufe tätigen können.

Und es wird ja auch direkt über Cigerci, Phillip und Vestergaard spekuliert. Geholt werden konnte nur einer der 3. Vielleicht wäre das anders gelaufen, wenn Benjamin Weber direkt die Verhandlungen geführt hätte. Also schon von Anfang an in erster Reihe. Wenn ein Maximilian Phillip von den Leistungen der mit 7:0 verlierenden Bremer beeindruckt gewesen sein soll. So viel weniger hatte die Hertha doch auch nicht zu bieten...

Wenn man Bobic in 2 oder 3 Wochen entlässt. Also nachdem die Transferperiode durch ist und die nächste geplant werden muss. Ok. 2 Monate wären besser, um wenigstens zu beurteilen, ob die Transferperiode funktioniert hat. Oder man entlässt ihn so frühzeitig, dass die Nachfolger nicht direkt mit dem Rücken zur Wand und der Pistole auf der Brust einsteigen müssen. Aber den Manager 90 % der Transferperiode vor sich hin wurschteln zu lassen, um ihn dann zu entlassen ist definitiv das Dümmste, was man machen kann. Das ist genau die Art von Vereinsführung, die einen in die 2. Liga führen. 

Nebenbei sollte Bernstein doch eigentlich der sein, der nach den zuletzt chaotischen Jahren eher wieder Ruhe in den Verein bringen soll. Der etwas überraschend gegen das Establishment des Vereines gewählt worden ist. Den ehemaligen Ultra, der sich pro Pyrotechnik positioniert. Der aber offensichtlich mit seiner ersten unangenehmen Entscheidung leicht überfordert war. 

Das faszinierendste ist nebenbei die Einmischung vom völlig unbeteiligten Markus Krösche, der sich fragt, warum man nicht bis zum Sommer gewartet hat. Also das vollständige Zitat lautet: "Ich finde es schwierig. Als Sport-Geschäftsführer oder Sportdirektor hat man einen gewissen Einfluss - in der Planung, in der strategischen Ausrichtung. Aber es ist extrem schwierig, in das Heute einzugreifen. Dieser Zeitpunkt ist meiner Meinung nach der falsche. Das kann man dann am Ende der Saison machen."

In diesem Zitat zeigen sich so viele Probleme der Bundesligisten. Also wirklich nicht nur der Hertha, sondern der Bundesliga im Allgemeinen. Also wenn die Hertha nicht mitten im Panikmodus und deswegen auf dem Transfermarkt aktiv wäre, dann wäre das der perfekte Zeitpunkt den Manager (oder wie immer das gerade heißt) zu ersetzen. Denn wenn die Transfersaison für dieses Jahr abgehandelt ist, fängt man halt an die nächste vorzubereiten. In dem man im eigenen Kader aussortiert oder mit Spielern verlängert. Und in dem man nach Möglichkeiten sucht, die Schwachstellen mit externen Experten zu besetzen.

Und der Sommer ist ja eigentlich die "große Transferperiode". Also gerade weil da so viele Verträge auslaufen. Sowohl bei internen, als auch bei externen Kandidaten. Wenn man dann als Manager erst im Juni wirklich anfängt für den Verein zu verhandeln, hat man so extrem viel Rückstand.

Nur so als technisches Detail: Theoretisch darf man jetzt mit Spielern verhandeln, deren Vertrag im Sommer ausläuft, ohne den Verein zu informieren. Also das, was die Bayern damals mit Robert Lewandowksi 12 Monate vor Ablauf gemacht haben, ist dann vollkommen legal. Das bedeutet auch, dass man als Hertha jedem dieser Spieler hier jetzt ein Angebot unterbreiten könnte. Da stehen Leute wie İlkay Gündoğan drauf. 

Jetzt derartige Planungen und Vorverhandlungen einen Bobic machen zu lassen, obwohl man den gar nicht mehr haben will, wäre Wahnsinn. Also nur noch mehr Wahnsinn, als in Berlin sowieso schon herrscht. 

Der perfekte Zeitpunkt ist halt zeitnah nach dem Ende der Transferperiode. Da war man zumindest dicht dran. Aber spätestens 3 Monate vor Beginn der neuen Saison sollte der neue Manager da sein und seine gesamte Aufmerksamkeit dem neuen Verein widmen.

Freitag, 20. Januar 2023

Wo waren wir nochmal? Teil 4: Der Abstiegskampf

 Die wichtigste Frage: war ich zu kritisch mit dem VfL Bochum?

 Zunächst muss man natürlich nochmal festhalten, dass der dritte Abstiegsplatz de facto abgeschafft wurde. In nur 3 von 14 Fällen seit der Wiedereinführung konnte sich der Zweitligist in der Relegation durchsetzen. Das passiert also alle 5 Jahre mal. Und rein statistisch ist damit erst 2024 wieder ein Zweitligist dran, da Union Berlin ja vor 4 Jahren aufgestiegen ist.

Man muss also nur 2 Dümmere finden und sich dann in 2 Spielen, in denen man klar favorisiert ist, durchsetzen, um die Klasse zu halten. Das klingt doch für alle Beteiligten machbar.

Schalke 04 wirkt halt einfach in der aktuellen Verfassung zu schwach. Was jetzt keine Überraschung ist, die setzen schließlich auf 2 "Marius-Ebbers-Angreifer" als Sturmführer. Und einer der beiden hat sich auch noch schwer verletzt. Aber Schalke hat sich halt in kürzester Zeit in die Position manövriert, dass sie einfach nicht mehr das Geld haben, um einen bundesligatauglichen Kader zusammenzustellen. Jetzt müssen sie auf die an sich großartige Jugendarbeit hoffen... und darauf, dass die wenigen Transfers, die man sich leisten kann, absolute Volltreffer werden. 

Wenn man dann bedenkt, dass Matthias Schober und Gerald Asamoah gerade das Management übernommen haben... 2 ehemalige Spieler mit keinerlei Arbeitsnachweis in der ersten Reihe. Das macht jetzt nicht unbedingt Mut.

Im Wesentlichen läuft damit alles auf Michael Frey hinaus. Und ich habe keine Ahnung, wer das ist. Ich weiß nur, dass man den von Royal Antwerpen ausgeliehen hat. Dasselbe gilt für Nassim Boujellab, den man für ein halbes Jahr aus Helsinki geholt hat. Das ist so die Kategorie, in der die Schalker nach Verstärkungen suchen. 

Jetzt müssen diese beiden zusammen 10 Tore erzielen, damit Schalke eine Chance auf den Klassenerhalt hat. Und selbst dann ist es eher fragwürdig, ob das reicht.

Auf den Bochumern habe ich hier ja reihenweise herumgehackt und behauptet, dass die zu schwach sind... Während sie zumindest im eigenen Stadion mehr als konkurrenzfähig geworden sind. 3 Heimsiege aus 7 Spielen stehen schon zu Buche. Diese 3 Siege holte man aus den letzten 3 Heimspielen. Dazu kommt noch ein Unentschieden. Mit Union Berlin und Eintracht Frankfurt hat man auch richtige Schwergewichte besiegt. Und das Heimspiel gegen die Bayern hat man schon hinter sich. Wenn die Castroper Straße wirklich zur Festung wird, sieht es auf ein Mal gar nicht so schlecht aus. Rechner wir mal konservativ und gehen von 20 Punkten aus Heimspielen aus. 10 davon haben sie schon. Dazu haben sie schon einen Auswärtssieg. Dann wären sie bei 23 Punkten. Dann müssen sich die anderen nur noch richtig dumm anstellen, und schon ist man in der Relegation. Realistisch gesehen müsste man schon eher 30 Punkte im eigenen Stadion holen und dann hoffen, dass auswärts noch ein paar Brotkrümel abfallen.

Aber ich sage das mal so: Die Mainzer haben in der letzten Saison genau so gemacht: Mit 35 Punkten aus Heimspielen den Klassenerhalt gesichert, obwohl man sich auswärts wie ein Absteiger präsentiert hat. Es wäre nicht das erste Mal.

Da kann man sich jetzt fragen, ob es gut für die Bochumer ist, dass sie mit einem absoluten 6 Punkte Heimspiel ins neue Jahr starten. Denn auch die Hertha, die am Wochenende zu Gast ist, hat sich wieder im Abstiegskampf eingereiht. Das ist jetzt eine dieser Vereine, die den Begriff wörtlich nehmen, anstatt sich auf den Kampf um den Klassenerhalt zu konzentrieren. Was halt wirklich faszinierend ist: Selbst Fredi Bobic schafft es nicht, diesen Verein in die richtige Richtung zu bewegen! Der hat doch in Frankfurt endgültig nachgewiesen, dass er das kann. Und auch wenn es sich in Stuttgart niemand eingestehen will, war die Entlassung von Bobic im Jahr 2014 der erste Schritt in Richtung Zweite Liga.

Jetzt kommt Bobic aber mit dem zusätzlichen Problem, dass sich alle ständig fragen werden, ob und wann er den Platz von Rudi Völler einnimmt. Denn der will ja, wie immer, nach dem wichtigen Turnier zu Bayer Leverkusen zurückkehren. Das bedeutet dann 2 Jahre voller Spekulationen um Bobic. Und die Frage, wie man miteinander umgeht, falls die Entscheidung für den DFB ausfällt. Das sind jetzt keine guten Voraussetzungen, um in einem eh schon unruhigen Umfeld vernünftig zu arbeiten. Gerade, wo man ja als Manager eigentlich immer auch ein Auge auf die langfristigen Planungen werfen sollte. Die Frage, ob die Berliner im Abstiegskampf bleiben, wird am Ende nicht auf dem Platz beantwortet, sondern im Umfeld.

Am Ende muss man von Glück reden, dass ein Nicht-Transfer so richtig eingeschlagen hat. Also das Dodi Lukebakio sich nach all den enttäuschenden Jahren seit seinem Auftakt in Düsseldorf nochmal fangen würde und 7 Tore in 14 Spielen erzielt, hätte ich nicht gedacht. Wo die Hertha ohne sein Comeback stehen würde, will sich dort niemand ausrechnen.

Bleibt der VfB Stuttgart, der sich dieselbe Frage wie letzte Saison stellen muss: Wann machen die Talente den entscheidenden Schritt nach vorne? Der Kader hat von allen Kandidaten da unten das größte Potenzial. Aber diese Möglichkeiten schlummern halt in den Beinen von U23 Spielern. Der Kader ist im Schnitt 22,9 Jahre alt. Das ist mit Abstand die jüngste Mannschaft. Also die 1,4 Jahre, die Stuttgart vom VfL Wolfsburg trennen, sind genau so viel, wie der Abstand zwischen der 2. und der Hertha, die die 5. älteste Mannschaft aufstellen. All die Daten kommen via Transfermarkt.de. Selbst die erfahrenen Führungsspieler wie Mavropanos oder Müller sind zarte 25 Jahre alt. Endu ist der einzige Stammspieler, der dem Tod schon gelassen entgegensehen kann... er wird jedenfalls älter als Curt Kobain. Keiner der Spieler im Kader ist schon jenseits der 30. Das sind schon völlig wahnsinnige Zahlen. Ich frage mich ernsthaft, ob es jemals einen derart jungen Kader in der Bundesligageschichte gegeben hat.

Jetzt hat man sich dafür entschieden, diese Talente in die Hände eines absoluten Realos zu übergeben: Bruno Labbadia. Das ist halt einer dieser Trainer, die kurzfristig deine Probleme lösen können, aber er hat es noch nie geschafft langfristig eine Mannschaft zu entwickeln. Diese Personalie stellt damit eine 180 Grad Wende dar. Fehlt nur noch, dass man sich einen dreißigjährigen Veteranen für die Abwehr holt, der den Kids zeigt, wie man den Laden zusammenhält.

Und das ist ja per se auch nicht falsch. Also ein Abstieg ist halt definitiv richtig teuer. Und er würde auch nur dazu führen, dass all die Talente sofort und weit unter dem Marktwert weggehen. Aber die Frage bleibt doch, ob man sich damit nicht langfristig für den Abstiegskampf entschieden hat. 

Bleibt der FC Augsburg. Also eigentlich der designierte Absteiger. Das sind sie aber immer. Die landen doch bei jeder Saisonvorschau auf einem der letzten 3 Plätze. Aber die sind halt das exakte Gegenteil vom VfB Stuttgart. Denn sein wir ehrlich: Der einzigen Spieler der Augsburger Vereinsgeschichte, der vielleicht mal zu höheren berufen waren, waren Ulrich Biesinger und Ricardo Pepi. Der eine war Weltmeister ohne Einsatz, das andere Projekt ist grandios gescheitert. (Und ja, Hartmut Haller hat erst für den FC Augsburg gespielt, als er alt und damit nicht mehr zu höherem berufen war.)

Augsburg sammelt halt Spieler, deren persönliches Leistungslimit im Bundesligakeller angesiedelt ist. Und dann schaffen sie es konstant, dass diese Spieler dieses Limit auch erreichen. So steht man auch fast immer mit unten drin, schafft es aber jedes Jahr drei Mannschaften hinter sich zu lassen.

In mittlerweile 11 Jahren Bundesliga landete man 2-mal auf einem einstelligen Tabellenplatz. Im Schnitt wurde man 12,3ter. Und man holt, abgesehen von den 2 Ausreißern in 2014 und 2015 zwischen 33 und 41 Punkten. Die Konstanz, mit denen man diese Punktlandungen gerade in den letzten 7 Jahren abliefert, ist einfach beeindruckend. Wird es den FC Augsburg irgendwann erwischen? Wahrscheinlich, es muss ja nur ein Mal nicht alles nach Plan laufen. Und der Plan beinhaltet halt auch, dass sich irgendjemand anderes verdammt dumm anstellt. Aber es empfiehlt sich einfach nicht, auf diesen Abstieg zu wetten, weil man in den Jahren, bevor dieser Fall eintritt, so viel Geld versandet ist, dass man die Investition nicht wieder reinbekommt.

Aktuell liegt die Quote bei 2,2, was anscheinend auch nur bedeutet, dass die Abstiegswahrscheinlichkeit bei 45 % liegt. Sie haben schon wesentlich schlechtere Voraussetzungen gehabt und die Klasse trotzdem gehalten.

Deswegen lege ich mich mal fest: Bochum und Schalke steigen direkt ab. Bochum wird uns aber zumindest die Illusion eines spannenden Abstiegskampfes geben, womit ich im Oktober nicht gerechnet hätte. Und die Hertha rettet sich nach Elfmeterschießen gegen den Hamburger SV in der Relegation. Die dann wieder heulen werden, wie unverdient das doch war, dass sie in die Relegation mussten.

Dienstag, 24. Mai 2022

Am Ende machen sie es wirklich

 Auch wenn sie sich alle Mühe gegeben haben um Anstand zu beweisen... ganz im Gegensatz zur Hertha, die plötzlich von S&M Vorlieben sprachen... wobei ich da echt verwirrt bin... Warum steht Fredi Bobic bei Mitgliederversammlungen auf den harten Scheiß, in der Relegation aber nicht? Kann man da selektiv sein? Oder muss man da nicht grundlegend drauf stehen.

Das eigentliche Highlight kam aber von Felix "Unabsteigbar" Magath, der direkt sagte "Das kann ich dann in einem halben Jahr nochmal versuchen..." Großes Kino. Und ich sag mal: Bei der Ruhe, die er während des ganzen Abenteuers ausgestrahlt hat, ist es gar nicht soo unwahrscheinlich, dass der "Wir rutschen überraschend unten rein" Verein, nennen wir ihn Schalke 04, im März wieder bei Magath anruft.

Aber zum eigentlichen: Tim Walter hat es dann wirklich getan. Der sagte nach dem Spiel tatsächlich folgendes: "Die Jungs haben das nicht verdient, der Verein hat das nicht verdient und die Stadt hat das nicht verdient." Wie kurzsichtig kann man sein? Wie egal kann einem die jüngere Vereinsgeschichte sein? Wie wenig Anstand kann man haben?

Also um das mal festzuhalten: Selbst als jemand, der die Relegation grundlegend ablehnt, weil sie zulasten des Zweitligisten geht, sage ganz offen: Wenn es ein Verein verdient hat, an der Relegation zu scheitern, dann dieser HSV. Aber so was von. Schließlich haben sie als Bundesligist 2 Mal von diesem Scheiß profitiert. Unter anderem von einer Fehlentscheidung in allerletzter Sekunde in Karlsruhe. Wer sich ein Mal in Leben auf so etwas berufen muss, hat jegliches "Das haben wir nicht verdient" verspielt. 

Ohne diesen Scheiß würde die nicht ins 5., sondern in ihr 9. Zweitligajahr gehen. Und als Trainer dieses Vereins muss es einem doch bewusst sein, dass dieser Verein diese Vergangenheit hat. Also der wird ja vorher bestimmt auch gesagt haben, dass man in der Relegation bis jetzt ja immer besser war. Wenn nicht extern, dann intern.

Es ist schon faszinierend, dass dieser absolut unfaire Scheiß mit 9 Jahren Verzögerung mal für so etwas wie "Gerechtigkeit" sorgt. Auch wenn natürlich auch die Hertha den Abstieg verdient gehabt hätte. Am Ende gibt es nur eine konsequente Lösung: Abschaffen.

Oder, was Manu Thiele letztens ins Gespräch gebracht hat: Liga interne Playoffs. Also Hertha gegen Stuttgart und Hamburg gegen Darmstadt... wenn der DFL dann auffällt, dass man dadurch 8 Spiele statt 4 ansetzen könnte, machen die das sofort. Aber leider reden die nicht mit Menschen, die gute Ideen haben... Aber immerhin laufen solche Ansagen mittlerweile offiziell auf dem ZDZ Sportstudio Kanal...

Nebenbei ist es, um den Bogen zu Bobic zu schlagen, echt faszinierend, wie masochistisch wir alle angelegt sind. Also es hat wohl noch nie ein qualitativ gutes Relegationsspiel gegeben. Also wo mindestens eine, im besten Falle aber beide, Mannschaften so richtig attraktiven Fußball spielen. Das ist jedes Jahr ein absoluter Grottenkick... trotzdem zahlen die Fernsehstationen dafür Millionen... und wir fressen das ja auch fleißig. 

So, und jetzt soll dieser Drecksverein endlich sein "Unaufsteigbar" Merch drucken. Macht es, ihr habt es euch verdient.

Dienstag, 30. November 2021

Moment, ich dachte, Fredi Bobic sei einer der Guten.

 Und dann... zaubert er Tayfun Kokut aus dem Hut? Ich bin wirklich verwirrt. 

Also zum einen, dass Korkut bereits gestern als neuer Trainer feststand. Wie lange hatte Bobic das schon geplant? Stand es am Ende schon vor dem Augsburg-Spiel fest, dass Pal Dardai gehen muss? Muss ja fast. Oder macht Fredi Bobic seine Entscheidung wirklich von einem Tor in der Nachspielzeit abhängig? Laut eigener Aussage war das Ergebnis in Augsburg am Ende nicht mehr ausschlaggebend...

Hat Davie Selke damit seinem Trainer mit seiner Schauspieleinalge und der dadurch entstehenden Unruhe den Job gekostet? Wird dies Selke dazu bringen, solche Aktionen zu meiden, oder ist er heimlich froh darüber, dass es so praktisch für ihn ausging? Kann Andreas Neuendorf seine Sperre nächste Woche absitzen, auch wenn er gar nicht mehr unter Vertrag steht?

Ok, das ist wahrscheinlich die unwichtigste Frage. Aber interessant ist es trotzdem... also da Neuendorf ja doch irgendwie ne Hertha Legende ist, sollten die ihm doch die Möglichkeit geben, diese Sperre abzusitzen, falls er dafür wirklich noch unter Vertrag stehen muss. Denn das könnte seine Chance auf dem Arbeitsmarkt ja schon gefährden. Aber Details.

Dass Bobic wirklich keinen besseren Plan als Korkut in der Hinterhand hat, spricht am Ende schon dafür, dass es sich um einen panischen Schnellschuss und keine geplante Ablösung handelt. Und dass Korkut so verzweifelt ist, dass er sofort und ohne groß zu verhandeln, jedes Angebot annehmen muss...

Also wenn man die Florian Kohfeldt Verpflichtung brillant aussehen lässt, dann hat man was falsch gemacht. Bei Kohfeldt kann man wenigstens noch darauf hoffen, dass er ein hoch veranlagtes Trainertalent ist, welches den nächsten Schritt irgendwann gehen wird. Aber Korkut... Also hatte Michael Oenning keine Zeit? Also ganz ehrlich, die Verpflichtung ist praktisch auf Oenning-Niveau.

Nur um mal kurz festzuhalten, wie absurd schlecht Korkuts Bilanz ist: Das einzige ordentliche Jahr war 2014 in Hannover. Damals holte er in Rück- und Hinrunde zusammen 48 Punkte. Darauf kann man aufbauen. Wenn er so was eine Saison lang konstant abliefern könnte...

Aber schon in der Rückrunde brach man ein und Korkut beendete diese Station mit 11 sieglosen Spielen in Folge. Seit dem hat er sich nirgends länger als 22 Spiele gehalten. Er hat es noch nicht ein Mal geschafft, eine komplette Saison zu coachen. Also von Vorbereitung bis zum letzten Spieltag. 

Und klar, ein Klassenerhalt über Dead Coach Bounce ist durchaus erreichbar. Aber ist die Lage in Berlin wirklich so verzweifelt, dass man auf so einen kurzzeitigen Effekt hoffen muss? Und wird Bobic dann nach dem Klassenerhalt die Eier haben und im Sommer einen neuen Trainer, der wirkliche Aufbauarbeit leisten kann, verpflichten? Denn eigentlich sollte Bobic Plan ja auf langfristige Stabilität und eine konstante Weiterentwicklung ausgelegt sein.

Natürlich kann es durchaus sein, dass Korkut sich auf seiner 5. Cheftrainerstation noch entscheidend weiter entwickelt. Das ist bei jemanden, der im Durchschnitt 0,66 Jahre im Amt ist, aber doch eher unwahrscheinlich. Also als Bundesliga-Manger müsste man eigentlich sagen: Weise erst Mal auf niedrigerem Niveau nach, dass du deine Lektionen gelernt hast. 

Also als ganz spontane Idee: Warum holt man nicht Lucien Favre zurück? Das wäre doch genau der Mann, der erst Mal Stabilität reinbringt und die Mannschaft dann nach oben führt. Oder warum nicht Thomas Doll? Ernsthaft. Also der Mann hat sich natürlich mit seiner letzten Pressekonferenz verbrannt, aber er hat danach im Ausland halt doch nachgewiesen, dass er langfristig eine Mannschaft aufbauen kann. Also das, was ich als Bundesligamanager von einem Korkut erwarten würde. Oder wenn man einen neuen Namen braucht, dann probiert man Daniel Farke aus. Wenn man ambitioniert, aber unkreativ denkt, fragt man mal bei Edin Terzic nach. Und wenn die dir allesamt absagen, kannst du immer noch auf Korkut zurückgreifen. Der wird ja nicht so viele Angebote im Briefkasten finden. 

Das ist halt die kurzsichtigste und unkreativste Lösung. Von einem Bobic hätte ich da einfach mehr erwartet. Es ist schon faszinierend, dass Bobic jetzt nicht mehr so weiterwurschteln will, sondern einen Trainer holt, der halt anders weiterwurschtelt. Und all das halt, weil er mit Korkut schon vor Ewigkeiten mal als Jugendtrainer zusammengearbeitet hat.

Hey, vielleicht ist Korkut auch ein brillanter Jugendtrainer. Es gibt ja Leute, die auf der Ebene perfekt passen, aber denen der Bundesliga-Anzug nicht wirklich passt. Nur kommt Korkut halt nicht als Jugendtrainer...

Donnerstag, 12. August 2021

Eine Individuelle Saisonvorschau: Kevin-Prince Boateng

 Kommen wir zum krassen Gegenteil von Andrej Kramaric. Einen Spieler, der selbst Max Kruse wie eine treue Seele aussehen lässt. Aber jetzt kehrt er ja nach 13 Zwischenstationen endlich Heim. Zumindest zwischenzeitlich, sein wir ehrlich: Auch wenn er schon 34 ist, würde es niemanden wirklich überraschen, wenn er nochmal eine neue Herausforderung sucht. So agiert Kevin-Prince Boateng nun mal.

Jetzt soll ausgerechnet er, der bisher bei jedem Anzeichen von Widerstand einfach gegangen ist, die Hertha stabilisieren. Einen Verein, der gerade eindrucksvoll Nachweis, dass es einem nicht unbedingt besser gehen muss, nur weil man plötzlich Millionen eines Investors in die Mannschaft pumpen kann. Also wenn man Michael Preetz dieses Geld ausgeben lässt, kommt da halt erstaunlich wenig bei rum.

Wer hätte das gedacht? Nach 2 Abstiegen, die Preetz mitzuverantworten hat, und jahrelangem Stillstand war er doch nicht der Manager, dem nur das Geld gefehlt hat, um den Verein entscheidend nach vorne zu bringen. Aber jetzt muss sich Fredi Bobic mit dem Kader rumschlagen. 

Dass Bobic das Projekt Frankfurt für die Hauptstadt aufgibt, ist schon... faszinierend. Aber warum Frankfurt niemanden halten kann, obwohl man in den letzten Jahren konstant international spielte, muss woanders ausgewertet werden. Und es ist ja nicht so, dass Frankfurt ein kleiner Markt wäre oder keine Tradition hat...

Jetzt ist Bobic Königstransfer der ablösefreie Boateng. Der soll quasi endlich das liefern, das Sami Khedira nicht liefern konnte: Stabilität und Charakter. Beides hat er im Repertoire. Wie Bobic aus der gemeinsamen Zeit in Frankfurt, wo man Pokalsieger wurde, bestätigen kann. 

Andererseits ist Boateng auch der ultimative Münzwurf. Und das praktisch in jeder Saison. Also das sieht man ja wunderbar an seiner Zeit auf Schalke: In der ersten Saison lieferte er 10 Scorerpunkte in wettbewerbsübergreifend 35 Spielen. Schalke wurde Dritter und lag voll im Soll. Die darauffolgende Saison spielte Boateng schon nicht mehr zu Ende, sondern wurde im Mai suspendiert, weil er in der Mannschaft weitgehend isoliert war. Also das Vertrauensverhältnis muss so ruiniert gewesen sein, dass Marco Höger gleich mit suspendiert wurde, nur weil er zu Boateng stand. Nebenbei war das die "gute, alte Zeit", als das Verpassen der Champions League als große Enttäuschung wargenommen wurde.

Zuletzt verpasste er in einer durchaus hochkarätig besetzten Mannschaft mit AC Monza den direkten Aufstieg in die Serie A. Man scheiterte in den Aufstiegsspielen an AS Citadella. Das sind direkt 2 Vereine, von denen ich nicht gedacht hätte, dass ich die je erwähne... 

Und die Jahre davor... also klar, er hat sich mit seinen Leistungen in Frankfurt und Sassasuolo für eine Leihe bei Barcelona beworben. Was die sich allerdings dabei gedacht haben, einen Boateng als Ergänzungsspieler zu verpflichten... 

Lustigerweise beendete Boateng nur die 2017/18 und die Saison 2020/21 für den Verein, bei den er sie auch begonnen hatte. Bei Sassasoulo und Florenz war er schon nach einem halben Jahr wieder weg.

Nun geht also Hertha dieses offensichtliche Risiko ein. Obwohl man mittlerweile an dem Punkt ist, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass es funktioniert. Das Problem ist aber: Für die Hertha muss es funktionieren. Denn allzu viele Optionen haben die nicht mehr. Es muss langsam mal zumindest Anzeichen von Fortschritten geben, damit der Investor nicht die Geduld verliert. Und bereits letztes Jahr war man viel zu dicht an einem Abstiegsplatz und kann sich praktisch bei Schalke und Bremen bedanken, dass die noch inkompetenter waren als man selbst. Wenn beide ihre eigentlich erwartbare Leistung abrufen, landet die Hertha auf dem Relegationsrang.  

Jetzt hat Boateng also mal wieder die Aufgabe einer bunt zusammengewürfelten und nur bedingt zusammenpassenden Mannschaft Stabilität zu geben. Und auf und neben den Platz die Richtung vorzugeben. Denn dass er plötzlich ein Rollenspieler wird, kann man sich ja nur schwer vorstellen.

Im Wesentlichen gibt es nur 2 Richtungen, in die es gehen kann: Hertha landet mit einem starken Boateng auf Platz 7. bis 9., oder er ist im Winter wieder weg. Ich wüsste aber echt nicht, auf welches der beiden Ergebnisse ich mein Geld setzen würde.

Montag, 15. Juni 2020

Passives Abseits vs Tradition: Teil 8: Passives Abseits vs Kommerz

Warum eigentlich nicht? Also genau genommen wird gerade wieder deutlich, dass die Frage "Was ist Kommerz?" genau so random beantwortet wird, wie die Frage "Was ist Tradition?" Auch hier gilt anscheinend: Die einen dürfen, die anderen eher nicht.

Also es gab ja im letzten Montagskicker (ja, ich bin gerade extrem langsam) 2 große Beiträge zur Kommerzialisierung des modernen Fußballs. In dem einen ging es um die 100 Millionen, die Red Bull gerade RB Leipzig gut geschrieben hat. Ein Bilanz technischer Trick, sagen alle. Nichts ungewöhnliches, sagt RB selber. Aber die ganze Geschichte ist so groß, dass der den gesamten "RB Leipzig Berichtserstattungsteil" einnimmt. Und wie immer denkt man sich: Dieses böse RB. Jetzt kriegen die auch noch 100 Millionen Euro geschenkt? Ist da eigentlich wirklich alles sauber? Weil RB ja das personifizierte böse ist. Und ja, wenn es Fans im Stadion geben würde, hätten die dieses Wochenende Protestplakate wegen der Spende ausgehangen.

Auf der anderen Seite... also auf der wirklich anderen Seite... gibt es einen äußerst interessanten Artikel über Lars Windhorst. Nur ist der halt nicht der Leitartikel zur Hertha, sondern wird auf Seite 82 unter KickerBuisness versteckt. Und ich weiß ja nicht, wie es auch geht, aber das ist der Teil des Kickers, den ich meistens nur ganz grob überfliege.
Weil es einem einerseits nicht wirklich interessiert... aber man es aber auch nicht wirklich versteht, was da passiert.

Also ich habe den Artikel "Das Konstrukt hinter Tennor" jetzt mehrmals gelesen und immer noch nicht annähernd verstanden, was das alles bedeutet. Da werden halt Netze über 4 Länder gespannt, um alle möglichen Steuer-Schlupflöcher auszunutzen. Immerhin geht es nicht in die Karibik... Aber sonst ist da echt alles dabei: ein Flughafen in den Niederlanden, Jersey im Ärmelkanal, Luxemburg und die Schweiz.
Am Ende ist man sich nicht mal mehr sicher, wie viel Einfluss das Gesicht vor dem Konstrukt Lars Windhorst wirklich hat... oder ob der nicht doch auch nur eine Marionette es.

Aber bei einem Satz werde ich dann doch hellhörig: "Genau das muss ein Investor irgendwann tun, um Rendite zu realisieren." Der Grund für dieses komplizierte Konstrukt ist einfach: Man will seine Anteile am Ende gewinnbringend weiterverkaufen. Dieses "am Ende" sollte möglichst zeitnah sein...

Also das einzige, was ich verstanden habe, ist: Lars Windhorst ist ein Heuschrecken-Kapitalist, der die Hertha möglichst schnell nach oben pushen will... um dann seine Anteile abzustoßen und so seinen persönlichen Gewinn erzielen will. Deswegen muss es mit der Hertha ja auch so schnell wie möglich nach oben gehen. Und so setzt man auf Namen wie Jürgen Klinsmann und Jens Lehmann, die kurzfristigen Glanz versprechen, sich aber bei genauerem Hinsehen eher als Dampfplauderer erweisen. Also bei Klinsi auf jeden Fall, bei Lehmann steht da das finale Urteil noch aus. Aber beides sind Persönlichkeiten, die Umsätze generieren, weil sie polarisieren... und nicht langfristigen Wachstum entstehen lassen, weil sie einen Plan mit Perspektive haben.

Um das mal zu personalisieren: Wenn es Windhorst um einen langfristigen Aufbau gehen würde, würde er versuchen Christian Heidel oder Fredi Bobic für sich zu gewinnen. Aber diese Namen klingen halt nicht wirklich sexy.
Windhorst persönlich dürfte es halt auch völlig egal sein, ob die Hertha hinterher wirklich besser da steht als vorher, solange er den richtigen Zeitpunkt findet um seine Anteile abzustoßen.

Also lasst uns das mal mit den eigentlichen Feindbildern vergleichen. Und klar, bei Red Bull findet man auch schnell Steueroasen und vernetzte Strukturen. Denn noch weiß man genau, wo die 100 Millionen, die gerade Wellen geschlagen haben, herkommen. Und man weiß auch, welchen Zweck Red Bull mit seinen Fußballvereinen erreichen will: Das soll eine tolle Werbeplattform für den Gummibärensaft sein. Also der Plan ist nicht mit RB Leipzig Geld zu generieren, sondern da Geld reinzupumpen, damit wir mehr von deren Dosen kaufen.
Das kann man natürlich doof finden, gar kein Thema. Und man darf bei RB auch einiges kritisieren. Aber immerhin will sich Mateschitz nicht direkt selber an dem Projekt bereichern. Deswegen hat man halt auch gesteigertes Interesse daran ein langfristig tragfähiges Projekt zu erschaffen... damit man da nicht ständig weitere 100 Millionen reinbuttern muss.
Einer der dümmsten Drohszenarien von RB-Feinden ist ja: Und was macht ihr, wenn RB sich irgendwann in der Premiere League einkauft? Dann seid ihr nur noch ein Ausbildungsverein, da werdet ihr echt viel von haben.
Dann sage ich ganz sachlich: Wenn die hinterher für einen Champions League Sieger ausbilden und dafür auch regelmäßig in der K.O. Phase in diesem Wettbewerb stehen, während man vorher nur Regionalliga sehen konnte... dann ist man doch gerne ein Ausbildungsverein.

Also praktisch wollen einem ja die Leute erzählen, dass RB Salzburg so hart unter RB Leipzig leidet... und dass RB ja voll das Interesse an seinem eigentlichen Stammverein verloren hat... und dann weißt man die darauf hin, dass RB Salzburg 2018 die erfolgreichste internationale Saison seit 24 Jahren gespielt hat, weil man bis ins Halbfinale vorgedrungen ist. Und 2019 hat man dann tatsächlich zum erst Mal seit 1994 an der Champions League Gruppenphase teilgenommen. Oh und man konnte dort solch fantastische Talente wie Erlin Haarland live in Aktion erleben.
Anders ausgedrückt: Selbst nachdem Red Bull erkannt hat, dass man als Salzburg nie an der K.O. Phase der Champions League teilnehmen wird (und deswegen dann zu RB Leipzig "weiter gezogen" ist), haben sie dort immer noch den Anspruch um die Europa League Titel mitzuspielen. Was ein Niveau ist, was man in Österreich sonst nur noch in Ausnahmefällen erreicht. Und das, was vorher als großer Erfolg gefeiert worden wäre (so eine Achtelfinalteilnahme zum Beispiel), gilt mittlerweile eher als Enttäuschung.

Anders ausgedrückt: Selbst wenn RB irgendwann das Interesse an Leipzig als Hauptfiliale verliert, wird man danach dann weiterhin auf einem vorher unerreichbarem Niveau Fußball spielen lassen.

Der Vollständigkeit halber muss natürlich auch noch das andere Feindbild Numemr 1 erwähnt werden: Dietmar Hopp. Der... nun ja... hat halt seinen eigenen Jugendverein nach oben gespusht. Einfach nur, weil er Bock drauf hatte. Nie mit dem Ziel sich daran selber zu bereichern. Er hat den Traum eines jeden Fußballers vom Dorf einfach mal... nun ja... auf die Spitze getrieben. Er kann sich das halt auch leisten. Und er hat am Ende auch sicher gestellt, dass er sein Geld wieder rausbekommen hat, das sollte man auch nicht verschweigen. Aber es ging halt nie nur darum seine Rendite zu steigern.

Um das dann mal kurz zusammenzufassen: Wir haben den einen Investoren, der sich eine Werbeplattform aufbaut und der genau genommen (Lok Leipzig dürfte gerade in die dritte Liga aufsteigen...) vor Ort nichts kaputt gemacht hat...
Wir haben den anderen Mäzen, der sich seinen Jugendtraum erfüllt hat... und nebenbei so vielen anderen Vereinen unter die Arme gegriffen hat, dass auch er sich auch keine "Das macht den Fußball kaputt" Vorwürfe machen lassen muss...
Und wir haben den Heuschrecken-Turbo-Kapitalisten, der nur auf eine eigene und wahrscheinlich schnelle Rendite aus ist... und der seinen eigenen Verein damit erst Mal direkt ins Chaos stürzt.

Jetzt fragt euch mal, wer von den dreien sich im Fadenkreuz abbilden lassen muss? Wessen Fans bei Auswärtstrips attackiert werden? Und wer einfach nur ohne irgendwelche Widerstände investiert...

Also ich hab mal spaßeshalber die Begriffe "Lars Windhorst" und "Protest" gegooglet. Da wird schon beim 2. Eintrag "Protest" angegeben. Anscheinend gab es keinerlei nennenswerte Protestaktionen gegen Windhorst in den Bundesligastadien. Dabei ist der mindestens genau so schlimm wie RB...
Er ist genau das, wovor der Traditionsfan die meiste Angst hat. Und die Erste Saison auf dem Weg zum Big City Club belegt ja alle Klischees. Da wurde ja wirklich alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte.
Genau genommen wurde nicht wegen Dietmar Hopp oder RB, sondern wegen Leuten wie Windhorst das 50+1 als Grundsatz eingeführt. Trotzdem gucken die Ultras, die sich sonst immer als Ordnungshüter aufführen, einfach mal elegant weg.
Als Traditionsverein darf man sich halt auch an die Schlimmsten des Schlimmen verkaufen. Denn Tradition ist ja ein ultimativer Freifahrtschein. Die überblendet alles.

Also nur mal fürs Gedankenexperiment: Wie groß wäre der Widerstand gegen Windhorst, wenn der der nach einem Blick auf die Hertha beschlossen hätte: Das ist ein Chaos Club und die halten seit Jahrzehnten an einem bedingt kompetenten Manager fest. Den werde ich da auch nicht weg bekommen... da mach ich doch lieber den Berliner AK 07 zum Big City Club, das ist einfacher... Wie krass würde dem dann der Gegenwind ins Gesicht blasen?
Und natürlich wäre der Weg für Windhorst von der Regionalliga in die Champions League wesentlich weiter. Deswegen lässt er das ja. Aber für sein "Ich will einen Verein hochpumpen und dann abstoßen" Konzept ist es praktisch vollkommen egal, bei welchem Verein er sich engagiert.

Nun will ich natürlich keinesfalls, dass auch Windhorst im Fadenkreuz abgebildet wird. Aber die Frage, warum der so vollkommen unter dem Radar läuft und sich anscheinend niemand an seinen Investitionen stört, muss schon mal in den Raum geworfen werden. Denn genau genommen ist es reine Willkür, dass man das eine schweigend hinnimmt und gegen das andere lautstark demonstriert.

Dienstag, 5. Mai 2020

Kill the messenger

Selbst wenn die Nachricht das eigentlich wichtige ist.

Und ja, natürlich ist es unfassbar dumm, dass Solomon Kalou sein ominöses Video geteilt hat. Ein besonderes Lob geht hier an Jens Clasen, der mit einem "und wir dachten, Grundschüler wären das größte Problem" konterte. Und vom Niveau her hat Clasen da vollkommen recht, solche Bilder hätte man eher an den Schulen als in den Kabinen erwartet...
Wobei hier nochmal auf Rudy Gobert verwiesen werden sollte, um zu verdeutlichen, dass Kalous leichtfertiger Umgang mit Covid-19 kein Einzelfall unter Profis ist.
Aber dass dieses Problem jetzt nur die sofortige Suspendierung Kalous zur Folge hat... hey, vielleicht war das ja genau dessen Plan. Er spielt schließlich sportlich praktisch keine Rolle mehr und war damit durchaus auch unzufrieden. Jetzt kann er, der finanziell ausgesorgt hat, sich die Corona-Phase einfach entspannt von der Couch aus ansehen. Gut, das wäre ein richtig böser Masterplan, ist also eher unwahrscheinlich.

Aber nur um das mal ganz deutlich zu sagen: Das Problem ist nicht, dass Kalou ein Video aus der Hertha Kabine gepostet hat. Das Problem sind eher die Zustände in dieser Kabine... und an denen ist nicht nur Kalou alleine Schuld. Zu einem ordentlichen Handshake gehören immer 2... und Vedad Ibisevic scheint ja keineswegs irritiert zu sein, dass Kalou so auf ihn zukommt. Oder sich dagegen zu wehren. Also wenn gerade jemand auf mich so zukommen würde, gäbe es ein "get the fuck off me!"... Aber wenigstens ein irritierter Blick wäre vielleicht angemessen gewesen.

Und das eigentlich schlimme sind ja die Bilder vom Covid-19 Test... weil halt deutlich wird, dass die mit einfachen Mundschutz und bloßen Handschuhen durchgeführt wird, während wir irgendwie doch davon ausgingen, dass man dafür Schutzanzüge trägt. Ob das sinnvoll ist oder nicht, sei mal dahin gestellt. Aber wir gingen irgendwie davon aus, dass es da extremere Sicherheitsvorkehrungen geben würde.

Stellt euch einfach mal folgende Frage: Wären die "Zustände" in der Berliner Kabine akzeptabel, wenn sie nicht online gepostet worden wären? Wenn die Antwort "ja" lautet, ist eine Suspendierung eine völlig Überreaktion. Wenn nicht, muss halt wesentlich mehr passieren.

Das ist nebenbei eine der Fragen, die beim anvisierten Neustart noch gar nicht angesprochen worden sind: Was macht man, wenn sich Vereine oder Fans nicht an die Hygienemaßnahmen halten? Das sollte vorher eindeutig geklärt werden. Gibt es "nur" eine Geldstrafe, oder doch härtere Maßnahmen wie Sperren oder einen Punktabzug um zu verdeutlichen, wie ernst die Lage ist?

Also nehmen wir mal ein praktikables Szenario: Alle Spieler begeben sich für 6 Wochen in quasi Quarantäne in Hotels, so dass sie jenseits der Spiele wirklich keinerlei physischen Kontakt mit der Außenwelt haben. So dass eine mögliche Covid Pandemie garantiert innerhalb des Profis-Kreises bleibt. Vielleicht ist ja nicht allen ganz bewusst, dass dies wahrscheinlich die einzige Möglichkeit ist die Saison zu Ende zu spielen, denn es wird vor dem Saisonende weitere positive Befunde geben. Und ja, das sind absolut brutale Voraussetzungen für die Spieler. Oder es ist ein Segen für die heimlich gestressten Familienväter.

Die Frage ist jetzt: Wie geht die DFL dann damit um, wenn sich ein Spieler für sagen wir die Geburt eines Sohnes heimlich aus dem Hotel ausbüchst? Oder um mit seinen Freunden in einer Shisha Bar eine zu qualmen. Was wesentlich absurder klingen würde, wenn es nicht praktisch schon passiert wäre...
Und auch wenn rauskommt, dass sich an Hygienemaßnahmen innerhalb der Stadien oder Vereinsgelände nicht gehalten wird, muss die DFL halt eigentlich reagieren. Und sie sollte vorher einen klaren Plan haben, wie sie reagieren.

Wenn man das dann noch mit dem Birger Verstraete Interview vergleicht, in dem ein Spieler quasi genau das macht, was man von Ibisevic hätte erwarten müssen... wenn auch auf dem falschen Weg: Verstraete drückt im Wesentlichen aus, dass er sich bei den Zuständen in Köln gerade sehr unsicher fühlt... Und er erklärt uns auch, warum er so unsicher ist, da seine Freundin zur Risikogruppe gehört. Was ein guter Grund ist. Verstraete ist im Wesentlichen der erste Spieler, der deutlich sagt: Ich würde lieber nicht spielen und die Saison abbrechen. Garniert mit einem "Wenn jeder Spieler anonym entscheiden könnte, bin ich sehr gespannt, wie eine Abstimmung ausgehen würde."


Das Ergebnis: Verstraete wird öffentlich zurück gepfiffen.

Das wäre nebenbei mal eine sehr spannende Idee. Also die Menschen, die tatsächlich ins Risiko gehen müssen, damit wir unseren Aggressionsaufbau dämmenden Spaß haben, mal befragen, wie weit sie dafür gehen würden... Und ihnen verschiedene Optionen von "Wir spielen gar nicht, bis es einen Impfstoff gibt, verzichten aber auch entsprechend auf unser Gehalt" zu "Wir gehen zur Not auch in Quarantäne". Und dann gibt es für jeden "Mein Kopf ist nicht beim Fußball" Verstraete einen "Dann beißen wir in den sauren Apfel" Lukas Hradecky... Wie das Gesamtergebnis aussieht, wäre aber wirklich relevant.

Oh und dann ist da noch der andere Elefant in dem Raum: Also wenn jemand positiv getestet wird, muss er ja für 14 Tage in Quarantäne. Was, bei den garantiert anstehenden englischen Wochen bedeutet, er verpasst 3 bis 4 Spiele. Da kommt dann eine wirklich relevante Frage auf: Wie viele Corona Ausfälle darf es geben, bevor die Saison doch abgebrochen wird? Und muss man diese Frage für die gesamte Liga, oder doch eher für einzelne Vereine klären.

Also nehmen wir mal, weil ja gerade alles gegen sie läuft, Werder Bremen und stellen uns kurz vor, dass Milot Rashica positiv getestet wird. Und, weil wir schon dabei sind, Davy Klaassen. Wenn man es genau nimmt, kann Werder Bremen sich in dem Moment vom Spielbetrieb zurück ziehen, denn ohne diese beiden Spieler haben sie eh praktisch keine Aussichten auf den Klassenerhalt.
Und all die Bremer so "Warum trifft es gerade uns, die sich beim Verteidigen von Standardsituationen doch schon vor Covid-19 ans Social Distancing gehalten haben?"
Und ja, ich habe seit 6 Wochen auf diesem Witz gesessen und echte Befürchtungen gehabt, dass ich ihn nirgendwo anbringen kann, falls die Saison doch abgebrochen wird... Deswegen musste der da jetzt rein...

Jedenfalls ist es für die DFL verdammt wichtig, dass man sich vorher darauf einigt, wie man mit solchen Befunden praktisch umgeht. Wie viele dieser "Krankschreibungen" ein Bundesligist aushalten muss. Damit Werder nicht am Ende einen "Wir sind gar nicht wegen unseres Verteidigungskonzepts, welches auf den Grundlagen von Social Distancing basierte, sondern wegen den Krankschreibungen abgestiegen" Mythos aufbauen kann.

Gleichzeitig sollte man auch ein "Bedeuten die 5 positiven Tests vom Wochenende jetzt, dass wir die Saison doch abbrechen müssen" Debatte vermeiden.
Machen wir mal eine vereinfachte Rechnung mit 40 "Systemrelevanten" Mitarbeitern bei einem Bundesligisten auf. Also Spieler, Trainer, Ärzte und Physiotherapeuten. Dann sind das 720 Menschen, die getestet werden müssen. Wenn es dann "nur" 3 positive Fälle gibt, sind das was... 0,4% aller Tests.
Genau dieses Narrativ will uns die DFL ja gerade verkaufen. Das ist einem aber egal, wenn einem 3 Leistungsträger für 14 Tage fehlen... Und da müsste halt vorher geklärt werden, wie viele Corona Ausfälle (zusätzlich zu den regulären Verletzungen... und die werden bei englischen Wochen ohne wirkliche Saisonvorbereitung eher zu- als abnehmen) ein Bundesligist verkraften muss, bevor wir dieses Humanexperiment doch abbrechen. Also nur, damit das vorher geklärt ist und alle Bescheid wissen.

Aber hey, vielleicht bin ich ja nur viel zu pessimistisch. Vielleicht hat die DFL das ja alles schon intern ausdiskutiert und entsprechende Pläne in der Schublade, die sie auspacken, sobald es grünes Licht von der Politik gibt. Oder vielleicht führen sie diese Debatten auch noch zwischen dem "Go" und dem wirklich Startschuss. Nachdem ich mitbekommen habe, wie sich Uefa und DFL beim Ausbruch der Krise präsentiert haben, gibt es da aber gewisse Zweifel...

Aber hey, wenn wir Salomon Kalou einfach suspendieren, gehen all die Probleme bestimmt auch weg...

Donnerstag, 13. Februar 2020

Klinsi hat sich also entschieden.

Er will als Blender in die Geschichte eingehen. Nicht nur als Blender, sondern als einer der Größten der Deutschen Fußballgeschichte.

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr "Devils Advocat" spielt und jemanden verteidigt und der euch dann 2 Wochen später komplett widerlegt. Und das auch noch komplett unmotiviert. Und ihr fragt euch dann: Warum hab ich das gemacht? Nun ja, weil es immer noch ein interessanter Gedanke war.

Was mich zu der spannenden Frage bringt: Was soll ich noch schreiben, was andere nicht schon gesagt haben? Ok, lasst uns mal vorführen, wie weit Jürgen Klinsmann von unserer Realität ist. Dafür nutzt man am besten Zitate und setzt diese in Kontext.

Fangen wir mal mit dem wichtigsten an: "Gerade im Abstiegskampf sind Einheit, Zusammenhalt und Konzentration auf das Wesentliche die wichtigsten Elemente."
Hier ist das faszinierende: Klinis Aktion ist das exakte Gegenteil von Einheit, Zusammenhalt und der Konzentration aufs Wesentliche. Klinsi hat mit seiner rein egoistischen Aktion gerade eine Situation erschaffen, die so viel Unruhe in den Verein bringt, dass ein Abstieg auf ein Mal wieder möglich erscheint... nachdem ich das vorher ausgeschlossen habe. Es ist zwar, auf Grund der durchaus vorhandenen Qualität auf dem Rasen, unwahrscheinlich. Aber Alexander Nouri ist halt kein Jogi Löw, auch wenn Klinsi den in seinen Facebook Stream als "gestandenen Bundesligatrainer" bezeichnet. Also der hat nicht mal eine Erfolgstation wie Löw damals in Stuttgart in seinem Lebenslauf stehen und ist als Ergebnis dieses Egotrips jetzt doch plötzlich Cheftrainer in der Bundesliga...

Das ist ja das wirklich faszinierende an der Situation: Die Hertha hat für Klinsmann echt alles getan und den alles machen lassen, was der will. Trotzdem redet er jetzt von mangelnden Vertrauen.
Also um das mal festzuhalten: Klinsmann halt Zsolt Petry abgesägt. Den langjährigen Torwarttrainer, der aus Rune Jarstein durch seine tägliche Trainingsarbeit einen brauchbaren Bundesligatorwart gemacht. Und Jarstein war damals schon um die 30. Es ist nicht so, dass er ein Talent, dessen Entwicklung nicht zu verhindern war, vorangebracht hat. Er hat einen gestandenen Mann weiterentwickelt. Also Petry war ja der Mann, der Jarstein damals, als er hinter Thomas Kraft auf der Bank saß, vom bleiben überzeugt hat. Da sind schon besondere Freundschaftsbänder entstanden...
Kaum war Petry weg, ging es mit Jarstein bergab.

Spannend ist die vor allem, weil Jarstein damals eine gewissen Jonathan Klinsmann deutlich kritisiert hat. Das ist halt Jürgens Sohn. Wer aus dem keinen Bundesligatorwart macht, muss unfähig sein und weg.
Also wurde als Übergangslösung sein alter Spezi Andreas Köpke geholt. Was Pascal Köpke dann auf ein Mal von der Tribüne Richtung Startelf katapultierte. Und ja, auch Pascal heißt so, weil er der Sohn seines berühmten Vaters ist. Ob der allerdings jemals Bundesliganiveau erreichen wird, steht immer noch in den Sternen.

Für einen Pascal Köpke musste ein gewissen Salomon Kalou aussortiert werden. Und ein Vedad Ibisevic in der Sturm-Hierarchie zurückfallen. Zugegeben: Beide sind inzwischen verdammt alt. Der Umbruch musste irgendwann kommen. Aber muss man solche verdienten Spieler wirklich so eiskalt und schnell absägen? Vor allem, wenn die Beförderungen verdammt nach Vetternwirtschaft riechen?

Ich habe ja vor Jahren den Witz gebracht, dass Pal Dardai den Cheftrainerposten in Berlin hauptsächlich übernommen hat, weil er seinen eigenen Sohn trainieren wollte. Und wenn er die Hertha dafür in die Dritte Liga führen muss, dann ist das halt so... Bei dem Gespann Klinsi-Köpke erscheint dieses absurde Worst Case Szenario auf ein Mal erstaunlich real... Und wenn meine Worst Case Szenarien "real" werden, muss einiges verdammt schief gelaufen sein.

Und hey, es kann ja immer noch sein, dass Klinsi recht behält und dass der aufstrebende Köpke im Jahr 2020 ein besserer Stürmer ist als ein alternder Kalou. Das steht ja genau genommen war nicht zur Debatte. Es geht nur darum zu verdeutlichen, dass Klinsi wirklich die Rückendeckung des gesamten Vereines hatte. Die haben den echt alles machen lassen.
Wenn man dann noch bedenkt, dass Klinsmann die neue Stelle "Performance Manager" für Arne Friedrich erschaffen durfte. Dabei weiß niemand so ganz genau, was diese Stelle bringen kann...Da ist es völlig absurd, dass jetzt von mangelnden Vertrauen geredet wird. Das ist entweder unfassbar dreist oder unfassbar ignorant. Denn die Hertha hat Klinsi halt praktisch jeden Wunsch erfüllt. Und beim ersten, der nicht direkt erfüllt worden ist, sagt er sofort "Ohne mich!"

Auch auf dem Transfermarkt wurden ja alle möglichen Hebel in Bewegung gesetzt. Klinsmann hat in seinen 11 Wochen mehr Millionen in Ablösesummen gesteckt, als alle anderen Hertha Trainer vor ihm in ihrer gesamten Amtszeit. Wenn Klinsi von einem Granit Xhaka geträumt hat, wurde auf ein Mal das Projekt Xhaka verpflichten in Angriff genommen. Obwohl der eigentlich in einer ganz anderen Liga spielt.

Das ist vor allem interessant, weil Klinsi ja Vergleiche zum englischen Modell zieht, in dem die Trainer so viel mehr Macht haben und machen können, was sie wollen. Ich sag das mal so: Frank Lampard wollte in diesem Winter unbedingt Verstärkungen verpflichten. Der Verein hat sich sogar durch mehrere Instanzen geklagt, damit er das überhaupt versuchen darf. Aber dann hat Roman Abramowitsch einfach mal "niet" gesagt und dann gab es im Winter keine Verstärkungen. So was kann im englischen Fußball halt von der Laune eines einzelnen Mannes abhängig gemacht werden. Klinsi durfte dagegen 50 Millionen Euro ausgeben. 

Aber eigentlich stört mich an seiner "Ich war das nicht mehr gewohnt, ich kenne vor allem das englische Modell, wo ein Trainer eigentlich nur einen Vorgesetzten hat." Aussage viel mehr: Wann hat er sich bitte schön daran gewöhnt? Beim hospitieren in englischen Vereinen? Bei der Arbeit im amerikanischen Verband, die man schlecht mit der täglichen Arbeit bei einem Verein vergleichen kann?

Wenn er vor seiner Rückkehr in die Bundesliga jahrelang erfolgreich bei englischen Vereinen gearbeitet hätte. So wie ein David Wagner, der sich nebenbei nicht über die "deutschen Strukturen" aufregt, getan hat. Aber anscheinend hat er sich beim studieren der Zeitungen an dieses Modell gewöhnt.
Und nebenbei macht ein Jürgen Klopp beim FC Liverpool auch nicht alles alleine. Das wäre ja auch Wahnsinn so eine Millionenunternehmen alleine zu führen. Da gibt es Michael Edwards als Genie im Hintergrund. Also selbst ein Jürgen Klopp, der sich bester Trainer der Welt nennen darf, ohne dass es große Einsprüche gibt, arbeitet nicht so, wie Klinsi glaubt, dass englische Manager arbeiten. 
Und im Gegensatz zu Klinsi hätte Klopp einen Arbeitsnachweis, der die absoluten Machtbefugnisse, die er in Berlin haben wollte wollte, auch rechtfertigen würden. Aber Klopp ist halt auch deswegen so gut, weil er sein eigenes Ego nicht über solche Arbeitsverhältnisse stellt.
Selbst ein Pep Guardiola arbeitet bei Manchester City mit oder unter Txiki Begiristain. Und klar, die beide haben ein extrem enges und vertrauensvolles Verhältnis, weil sie schon bei Barca sehr erfolgreich zusammen gearbeitet haben. Aber solche Verbindungen baut man sich halt nicht auf, wenn man freiwillig ins Exil nach Amerika geht... sondern nur, wenn man in Europa an seiner Karriere arbeitet.
Die besten Trainer sind also gar nicht die Alleinherrscher, die Klinsmann in ihnen gerne sieht. Auch in England nicht.

Ich frage mich ja jetzt, was in Klinsmanns eigenen Kopf vorgeht. Also ob er sich jetzt wirklich denkt "Ich habe alles richtig gemacht. Das war konsequent und notwendig, ich habe mir nichts vorzuwerfen." Ist ihm eigentlich bewusst, dass er mit dieser Aktion jegliche Brücken in Deutschland abgerissen hat. 
Dass Klinsi geglaubt hat, er würde seinen beratenden Posten im Aufsichtsrat behalten könne, spricht nicht dafür, dass ihm klar ist, wie viel er da gerade vor allem für sich kaputt gemacht hat. Denn seriös geführte Klubs werden einen großen Bogen um ihn machen. Anders ausgedrückt: Wenn Klinsmann noch mal eine Job in Deutschland anstrebt, sollte er sich ausrechnen, wie lange es mindestens dauert, bis der KFC Uerdingen Champions League spielen kann.

Denn Klinsmann hat eindrucksvoll nachgewiesen, was er unter "Einheit" und "Zusammenhalt" versteht: Alle hinter mir, nur meine Position ist wichtig. Und gegen jeden, der nicht mitzieht, wird scharf geschossen. Vielleicht hat Klinsi ja gar nicht die Premiere League, sondern den aktuellen amerikanischen Präsidenten studiert. Sein Verhalten erinnert mich zumindest mehr an diesen als an große englische Teammanager.

Donnerstag, 30. Januar 2020

Jürgen Klinsmann - Genie oder Schaumschläger?

Jürgen Klinsmann dürfte eine der faszinierendsten Persönlichkeiten im deutschen Fußball sein. Und er ist jemand, der die Lager spaltet.

Die einen sehen in ihm einen Visionär, der seiner Zeit voraus ist, die anderen wollen Leuten solchen Visionen lieber zum Arzt schicken.

Was auf jeden Fall nicht in Frage gestellt werden kann: Der Mann setzt Dinge in Bewegung. Ob die Richtung jetzt die Richtige ist, kann man halt schwer abschätzen. Aber allein schon was sich bei der Hertha tut, seit dem dort Trainer ist, ist genau genommen Wahnsinn.

Also wenn man sich mal damit auseinander setzt, wer im Winter alles zur Hertha kommen sollte... da vielen auf ein Mal Namen wie Granit Xhaka oder Dani Olmo. Wenn jemand im Juni gesagt hätte, dass Hertha um solche Spieler mitbietet...
Und klar, bekommen hat man sie nicht, aber allein schon, dass man sich mit solchen Spielern beschäftigt, beweist doch ein neues Selbstvertrauen und eine andere Wahrnehmung. Dazu wurde für Krzysztof Piatek und Lucas Tousart 2 neue Transferrekorde aufgestellt. Da tut sich definitiv was in Berlin.

Auch die Selbstverständlichkeit mit der Klinsmann vom Internationalen Geschäft redet, ist faszinierend. Der will in 2 Jahren mit der Hertha in die Champions League. Das ist mal ambitioniert. Und natürlich liegt das alles nicht nur an Klinsmann, sondern auch am Investor Lars Windhorst. Aber Klinsmann füllt die Absichten vom Investor mit Leben.

Die Kritiker kommen natürlich mit einem "Das kann doch alles gar nicht funktionieren!" um die Ecke. Und einem "Der Klinsmann war doch schon immer ein Spinner und hat nie was geleistet.

Nun ja. Also es stimmt schon. "Zuerst haben alle gedacht dieser Klinsmann spinnt, gesagt hat wir wollen das Turnier gewinnen." Aber am Ende war man nur einen simplen Pirlo Pass von einem erneuten Elfmeterschießen, welches man als Deutschland eh immer gewinnt, vom Finaleinzug entfernt.

Klinsmann, dass kann niemand leugnen, hat den Deutschen Fußball aus seiner finstersten Epoche geführt. Er hat die Nation schneller als erwartet wach geküßt. Denn 2006 hatte man noch nicht all die überragend Talente zur Verfügung, die einen wirklich brillanten Trainer brauchen, damit verhindert werden kann, dass man mehrere Titel holt.

Und natürlich hat die Deutsche Mannschaft damals ziemlich grausamen Fußball gespielt. Aber die wären halt für Klinsmann auch durchs Fegefeuer gegangen. Und sie sind weit über ihr eigentliches Leistungsvermögen gegangen.
Klinsmann lebte genau diese Überzeugung vor, aus der dann eine Euphoriewelle wurde. Das Charisma dafür hat er auf jeden Fall.

Dazu kommt halt, dass einige Dinge, die Klinsmann damals eingeführt hat, mittlerweile Standard sind. Also Athletiktrainer. Oder der Fakt, dass der Torwarttrainer nicht gleichzeitig in einem Verein angestellt sein sollte. Klinsi wurde für die Trainingsmethoden seiner Athletik-Experten zunächst ausgelacht, heute machen das alle so. Ganz so wahnsinnig sind die Visionen alle gar nicht.

Wenn man dann noch seine Arbeit als amerikanischer Nationaltrainer hinzuzieht. Und ja, Klinsi setzte den Auftakt in die WM Qualifikation 2017 in den Sand. Aber dass sich die Amis nicht für das Turnier qualifiziert haben, lag nur sehr bedingt an ihm. Denn am Ende fehlte gegen Trinidad und Tobago definitiv die nötige Überzeugung

Vor allem leitete er davor eine recht erfolgreiche Phase der US Soccer Boys. Er führte die Mannschaft 2 Mal in die K.O. Phase der WM, was halt auch keine Selbstverständlichkeit ist. Dazu kommt eine Halbfinal-Teilnahme als Gast bei der Copa Libertadores  gewann er den Gold Cup. Natürlich war 2017 ein deutlicher Abwärtstrend zu erkennen, aber seine Amtszeit war halt schon grundlegend erfolgreich.

Das ganz große Aber ist dann natürlich die Vereinsarbeit: Seine eine Station als Bundesliga-Trainer beim FC Bayern endete enttäuschend. Und sehr, sehr schnell. Am besten lässt sich das Chaos Klinsi bei den Bayern nicht mit den legendären Buddah Statuen erklären, sondern mit der Personalie Landon Donovan. Der hatte bei den Bayern nichts verloren, Klinsi wollte ihn aber trotzdem unbedingt haben.

Aber hier ist das ganz große Problem: Wir haben nur die Amtszeit bei den Bayern um seine Arbeit zu bewerten. Und nur weil man dort nicht funktioniert hat, muss man nicht zwingend ein schlechter Trainer sein. Carlo Ancelotti und Niko Kovac sind zum Beispiel bestimmt auch keine schlechten Trainer, obwohl auch sie bei den Bayern letztendlich gescheitert sind. Nur weil man nicht gut genug für die Bayern ist, muss man nicht grundlegend schlecht sein. Ein Kovac ist immer noch einer der interessantesten jungen Trainer im Geschäft.

Da ist natürlich auch Klinsmann selber Schuld dran, denn ihn reizen halt nur gewisse, ausgewählte Projekte. Sein Ansprüche um sich überhaupt mit Anfragen zu beschäftigen sind verdammt hoch. Und seine Forderungen an die Vereine sind dann auch beachtlich. Da steht er sich auch ein Stück weit selbst im Weg.

Aber wenn man jetzt die neuen Möglichkeiten der Hertha unter Windhorts sieht, könnte Klinsmann genau der Mann sein, den die Hertha jetzt braucht. Als Emotionaler Entwicklungshelfer. Als Gesicht des neuen Aufbruchs. Und mit genügend Fachkompetenz im Trainerteam um seine taktischen Schwächen zu kaschieren. Denn die sind definitiv vorhanden.

Um mal einen ganz krassen Vergleich zu bringen: Vielleicht ist Klinsmann einfach die emotionale Version von Lucien Favre: Also ein Trainer, der deinen Verein aufs nächste Level hebt und zu einer Spitzenmannschaft formen kann, der aber als Trainer echter Spitzenmannschaften an seine Grenzen stößt.

Genau das macht die Konstellation in Berlin ja so spannend: Wenn Klinsmann hier genau so euphorisierend wirkt, wie damals im Sommer 2006, werden die extrem hohen Ziele vielleicht verfehlt werden, aber es wird eine deutliche Entwicklung wahrnehmbar sein. Dass man weg von dem "Graue Maus mit gelegentlichem Abstiegsängsten" Status kommt. Dass man wirklich mit einer gewissen Regelmäßigkeit ins Internationale Geschäft einzieht.

Oder aber Klinsmann ist wirklich nur wie eine Harte Droge, die am besten für kurze Rauschtrips und Festivals geeignet ist, aber bei ständiger Nutzung zu völlig abgewrackten Opfern führt.
Aber genau genommen sind das die einzigen beiden Varianten, dazwischen gibt es wenig Spielraum. Und es ist praktisch unmöglich vorherzusagen, wie die Entwicklung ausgehen wird.

Dienstag, 5. November 2019

Ihr habt ja bekommen, was ihr gewollt habt.

Überrascht das irgendjemanden?

Also ja, vor dem angeblichen Berliner Derby haben alle dieses Spiel künstlich gepusht. Zum gefühlt wichtigsten Spiel der Berliner Fußballgeschichte... Und die Ultras beider Mannschaften haben sich das natürlich zu Herzen genommen.

Und so redet man jetzt nur noch darüber, wie sehr sich die Fans daneben benommen haben. Dass die Spieler von Union Berlin Angst um ihre eigenen Familien haben mussten. Es wurde quasi ein großer Demonstrationsfilm gedreht, warum Pyrotechnik verboten bleiben sollte. Und ja, wenn man Angst um seine Familie haben muss, ist das der einzig logische Schluss.

Das einzige Bild, dass von diesem "Derby" hängen bleibt, ist wie Rafael Gikiewicz einen Platzsturm verhindert, obwohl ihm seine eigenen Fans an den Hals gehen.

Da frage ich mich schon: Wie viel hatte das "Wir gucken da jetzt alle hin", welches vorher verbreitet worden ist, dazu mit beigetragen. Also Ultras, als Hansa-Fan hat man da einen gewisse geschichtliche Prägung, suchen sich ja bewusst die Momente aus, wo die Aufmerksamkeit am höchsten ist. Da würde niemand auf die Idee kommen, beim Gastspiel bei Bayern II Pyros abzubrennen. Aber im Pokal gegen Berlin brennt der eigene Fanblock. Je größer die Bühne, um so heftiger die Provokation.

Und "wir" haben halt vorher sicher gestellt, dass dies die größtmögliche Bühne sein wird, die Berliner Ultras in den nächsten 10 Jahren kriegen werden. Natürlich nutzen diese Ultras die dann aus.

Mich selber fasziniert ja, wie naiv ich selber war. Also vor der Saison dachte ich mir noch: Das Spiel sollte doch eigentlich so unproblematisch sein, dass man es als DFL als "30 Jahre Wiedervereinigung" auf den Tag der Deutschen Einheit oder den Tag des Mauerfalls hätte legen können. Aber jetzt muss ich zugeben, dass die Polizei beides (also Feiertagsaktionen und Bundesliga-Pseudo-Derby) kaum gleichzeitig in den Griff bekommen hätte. Das ist schließlich die Partybrigade der Bundespolizei...

Mich ärgert das halt, weil es so unnötig ist. Also Provokationen bei Fanlagern mit Jahrelanger Abneigung kann ich ja noch nachvollziehen. Das ist halt der gute alte Party-Patriotismus: Man liebt den eigenen Haufen, weil er der eigene ist, und hasst den anderen Haufen, weil er der andere ist. Aber auch nur, wenn man wirkliche Berührungspunkte mit dem anderen Haufen hatte. Wenn der einem im weitesten Sinne mal was angetan hat. Wenn man jetzt schon eskaliert, weil der andere Haufen relativ dicht am eigenen liegt, einem aber eigentlich nicht betrifft.

Und da muss mir auch niemand mit "Stimmung" und "das gehört dazu" kommen. Vermummt den Platz zu stürmen hat nichts mit "Stimmung" zu tun. Mit Feuerwerkskörpern in Menschenmassen zu schießen auch nicht. Aber hey, ab sofort ist Herha - Union natürlich ein richtiges Derby. Wenn auch aus den Falsche Gründen: Nicht wegen der sportlichen Rivalität als Grundlage, sondern weil es bisher nach jedem Bundesligaspiel der beiden zu Ausschreitungen kam.

Freitag, 1. November 2019

Passives Abseits vs Tradition Teil 3: Die große Vorschau auf das Derby, das keines ist.

Ernsthaft, mich nervt dieses Derby-Narrativ beim Spiel Union - Hertha so dermaßen. Das ist so was von konstruiert.
Und natürlich darf man schon erwähnen, dass es das erste Spiel zweier Berliner Mannschaften in der Bundesliga seit 1977 ist. Und man darf das als Auszeichnung für die Arbeit der Unioner in den letzten Jahren sehen. Und nebenbei auch nicht verheimlichen, dass sich bei der Hertha so viel getan hat, das zumindest Zweitligaduelle derzeit ausgeschlossen sind. Aber deswegen ist es doch kein Derby. Ein Derby macht doch mehr aus als örtliche Nähe.

Und dann kommt noch dieses "Ist Berlin eigentlich groß genug für 2 Bundesligisten?" Was für ein Bullshit. Berlin hat 3,7 Millionen Einwohner. Dortmund und Gelsenkirchen kommen zusammen auf 700.000. Selbst wenn man Essen, Oberhausen und Bochum noch dazurechnet, kommt man nicht auf 3,7 Millionen. Dazu kommt, dass Berlin ja auch ziemlich isoliert ist. Also mitten in Brandenburg liegt. Da kommt halt erst mal ganz lange nichts mehr und dann irgendwann die Ostsee. Dass ein derartig großes Einzugsgebiet bisher nur von einem einzigen Bundesligisten abgedeckt wurde, ist eigentlich absurd. Auch eine dritte Profimannschaft wäre überhaupt kein Problem.
Allein deswegen ist die Konkurrenzsituation, auch rein wirtschaftlich, komplett an den Haaren herbeigezogen. Aber lasst mal so tun, als wäre das relevant.

Aber ein Derby entsteht doch nicht nur durch örtliche Nähe, sondern durch Reibung. Durch regelmäßige Duelle, bei denen es auch wirklich um was geht. Es geht um schmerzhafte Niederlagen und grandiose Triumphe. Also, um es an einem praktischen Beispiel zu erklären, Bayern - Dortmund ist mehr Derby als Bochum - Dortmund. Denn jeder Dortmund Fan denkt sofort an die Schmerzhafte Niederlage in Wembley, die Bayern denken an das 5:2 im DFB Pokal. Als Dortmund Fan denkt man an all die Verräter, die übergelaufen sind. Und wenn Matts Hummels Dortmund zu einem Titel führen sollte, werden die Bayern das plötzlich auch denken.
Das sind Emotionen, die sogar bei neutralen Zuschauern sofort hochkommen, wenn man an dieses Duell denkt. Dagegen dürfte niemand mehr wissen, wie das letzte Duell Bochum - Dortmund ausgegangen ist.

Und das Dortmund - Schalke das Überderby im Deutschen Fußball ist, liegt halt nur zum Teil an der räumlichen Nähe. Klar, das spielt mit rein, aber wesentlich relevanter ist doch, dass beide Mannschaften in diesem Jahrtausend bereits eine Meisterschaft in genau diesem Duell effektiv verloren haben. Schalke damals im legendären "Wenn wir in Herne West gewinnen und Meister werden, laufe ich zurück nach Schalke" Spiel. Dortmund letztes Jahr beim heftigen 4:2.
Dieses Duell ist so legendär, weil beide in gewisser Regelmäßigkeit zu den Spitzenmannschaften der Liga gehört und diese Nachbarschaftsduelle auf Augenhöhe die Titelvergabe mitentscheiden. Was den Bochumern vielleicht ein Mal in ihrer Vereinsgeschichte gelungen ist.

Oder das wohl zweitbeste traditionelle Derby: Hamburger SV - Werder Bremen. Die liegen sogar relativ weit auseinander. Also hier ist was faszinierendes: Hannover ist, genau wie Hamburg, 120 Kilometer von Bremen entfernt. Es würde trotzdem niemand von einem wirklichen Derby sprechen. Weil es halt zwischen Hannover und Bremen keine wirkliche Rivalität gibt.
Bremen hat dagegen allein im Jahr 2009 3 Titelchancen für den HSV vereitelt. Wir wissen heute, dass es die letzten Titelchancen waren... Jeder HSV Fans bekommt immer noch Flashbacks, wenn irgendwo eine Papierkugel rumliegt.
Und da beide Mannschaften jahrelang um den Titel "Nummer 2 hinter den Bayern" gekämpft haben, sind Geschichten wie 2009 keine Einzelheit.

Bei Hertha - Union dagegen... joah... also... Ist nett. Wenn jetzt ein Herthaner auf den ersten "Derbysieg" der Unioner angesprochen wird, sagt er (Zitat aus dem Montags-Kicker): "Ich wusste, Hertha wird trotzdem aufsteigen." Also wenn Thorsten Mattuschka mit seinem Freistoßtor den Aufstieg der Hertha verhindert hätte... oder der Aufstieg danach zumindest auf der Kippe gestanden hätte, weil man auf den Relegationsrang zurück fiel. Stattdessen ist die Reaktion auf den ersten Unioner Sieg ein allgemeines Schulterzucken.

Und dass diese Derbys überhaupt stattgefunden haben, war ja kein Ergebnis der guten Arbeit der Unioner, sondern einiger Fehltritte der Herthaner. Das ist ja jetzt zumindest anders. Also ja, ich sehe ein, dass die Union Fans dieses Spiel als das große Symbol für ihre großartige Entwicklung feiern. Aber andererseits haben sie genau dasselbe letzte Woche im Block in München gemacht. Da ist dieses Spiel in Berlin nur bedingt etwas besonderes.

Aber trotzdem tun jetzt alle (und nicht nur die Regionalen Medien, wo ich es vielleicht noch einsehen würde) so, als wäre dies das größte Derby, auf dass wir alle gewartet haben. Mit 6 Seiten Interview, Derby Check, 18:30er Anstoss-Zeit. Das komplette Paket. Obwohl das eigentlich albern ist.

Donnerstag, 10. August 2017

Saisonvorschau: Hertha BSC Berlin

Ausgangslage: Hmm... lasst mal die Liste abarbeiten: Zum ersten Mal seit Jahrzehnten die wirkliche Zusatzbelastung Europa League Gruppenphase? Check!
Wichtige Leistungsträger in der Offensive (Vedad Ibisevic und Salomon Kalou) die auf der Falschen Seite der 30 stehen und ihren letzten großen Vertrag bereits unterschrieben haben? Doublecheck!!
Einen Trainer (Pal Dardai ist Rekordspieler der Hertha), dem man blind vertraut? Tripplecheck!!!
Ein neuer Rekordtransfer auf der Abgängeseite? Quadruplecheck!!!!
Den Hang dazu, in der Rückrunde einzubrechen (Unter Dardai wurde man in den Rückrundentabellen 17. und 13.... Immerhin eine Steigerung ist erkennbar... aber im wesentlichen zerrte man 2 Jahre in Folge von den 30 Punkte Hinrunden)? Quintuplechek!!!!
Und wo wir schon dabei sind: Die Möglichkeit auf Leistungsträger zu verzichten um seinen eigenen Sohn zu fördern ? (Klar, das würde Dardai nie machen... es sei denn wir stellen in 5 Jahren fest, dass Sinan Kurt das überragende Talent war und Dardai Junior eigentlich nur ein Regionalligaspieler ist... Die Möglichkeit besteht) BeivieleienAusrufezeichensindwirmittlerweileCHECK!!!!1ELF!
Anders ausgedrückt: Die Hertha ist der Spitzenkandidat für die "Rutscht völlig überraschend in den Abstiegskampf, obwohl das keiner hat kommen sehen" Rolle.

Wer soll's richten? Also ja... im wesentlichen vertraut die Hertha darauf, dass Ibisevic und Kalou nicht nachlassen. Davie Selke dürfte zu einer brauchbaren Alternative zu Ibisevic werden... aber wenn man beide zeitnah ersetzen muss... also ich sag das mal so: Alexander Esswein ist gut genug um im Abstiegskampf einen Unterschied auszumachen... mehr aber nicht...Mathew Leckie konnte letzte Saison nicht mal das... und ja, das sind die Alternativen, auf die die Hertha sich in den englischen Wochen verlassen muss...

Wen werden sie vermissen? Ich finde es ja immer noch irreal, dass man als junger Spieler wie John Anthony Brooks nach so einem Saisonverlauf nach Wolfsburg wechselt... obwohl es dort wohl letzte Saison das toxischte Umfeld der jüngsten Bundesligageschichte gab... Was denkt der sich dabei? Glaubt er wirklich, er würde seinen Marktwert ruinieren, wenn er ein Jahr vernünftig in der Europa League spielt, dort ins Achtelfinale einzieht und dann einem Premiere League Scheich auffällt? Also nicht mal finanziell macht diese Entscheidung wirklich Sinn... Da hätte man doch eher auf die "Ich präsentiere mich auf der internationalen Bühne und kassiere danach richtig ab" setzen können... Geschadet hätte das auf keinen Fall...
Wenn Wolfsburg wenigstens ein klarer Kandidat für die Champions League Gruppenphase 2019 wäre... Aber die Ziele bei VW sind so viel bescheidener geworden... Jetzt muss Brooks irgendwie darauf hoffen, dass er nicht im Bundesliga-Mittelmaß versinkt...

Leischtungschträgscher: Die nächste "Gefahrenquelle", die bisher verschwiegen worden ist... ist ja der überragende Sommer der einzelnen Hertha Spieler. Also Marvin Plattenhardt ist Confed Cup Sieger!!! Mitchell Weiser ist jetzt Siegtorschütze im U21 EM Finale!!!! Beide können damit jetzt wunderbar "ich kann dann jetzt eine Führungsrolle übernehmen" Interviews in der Hamburger Morgenpost (die drucken so was gerne...) geben. Aber ob sie die entsprechenden Erwartungen auch erfüllen können, ist eine ganz andere Frage.

Best Case Szenario: Wir schreiben das Jahr 2024. Palko Dardai wird gerade wenig überraschend zu Europas Fußballer des Jahres gekürt, nachdem er die Hertha ins Champions League Halbfinale und Ungarn zum Europameistertitel (in der großen "Rache für Bern", 70 Jahre später) geschossen hat. Die Hertha wäre sogar bereit diesen verdienten Spieler für 450 Millionen Euro, die Paris St.Germain bietet, gehen zu lassen... aber Palko hat ja noch nicht mal eine Berater, weil er überhaupt kein Interesse daran hat, seine Hertha zu verlassen...
Was den großen in Europa aber wirklich sorgen macht... ist der Nebensatz, dass sein kleiner Bruder Bence, der gerade aus der A-Jugend hoch kommt, noch viel talentierter ist als er selbst...

Worst Case Szenario: Eigentlich... hat Pal Dardai ja nur ein einziges Ziel: Seine eigenen Kinder in einer Herrenmannschaft zu trainieren. Deswegen wollte er auch Ungarns Nationaltrainer werden, da hätte er die einfach ein Mal nominieren können... aber dann kam diese dumme Berufung zum Bundesligatrainer dazwischen...
Leider sind die Dardai Söhne einfach nicht gut genug... es traut sich aber auch niemand, Dardai zu entlassen, als er die Mannschaft zielgerichtet in die 3. Liga führt... dort startet man dann mit der Dardai Achse als Leistungsträger 2022 den Angriff auf den Wiederaufstieg.

Donnerstag, 18. August 2016

Saisonvorschau: Hertha BSC Berlin

Ausgangslage: Ach ja... die Hertha... Da spielen die Berliner schon mal eine richtig geile Saison... und machen danach sofort alles verkehrt, was man verkehrt machen kann... alles? Nun ja... Fast...
Immerhin hat man es vermieden, das vermeintliche Pokemon, dass einem aus der Europa League geschossen hat, auch noch selbst zu verpflichten... so wie Schalke das vor Jahren gemacht hat...
Dass nebenbei Teemu Pukki mitten in den PokemonGo Hype ein persönliches Revival feiert, kann auch kein Zufall sein...
Wenn man jetzt noch bedenkt, dass Hertha eigentlich nur eine geile Hinrunde gespielt hat... Bereits in der Rückrunde war man plötzlich nur noch Fünfzehnter... Das ist der Relegationsplatz. Derzeit scheint es für die Hertha aber sogar schwer, dieses Rückrundenniveau abzurufen...
Da wird einem nebenbei erst bewusst, wie erbärmlich Wolfsburg in der letzten Rückrunde war... Dass die es nicht geschafft haben, die komplett einbrechenden Berliner einzuholen...
Aber ja, wenn die Hertha dieses Jahr wieder unten rein rutscht, kann keiner mehr von einer Überraschung sprechen. Der einzige Ausreißer war halt der Herbst 2015... Und jetzt sind alle ein wenig entsetzt, wie schnell doch der graue Alltag sie wieder eingeholt hat...
Am Ende hat das Ausscheiden aus der Europa League wahrscheinlich sogar was positives... das letzte Mal, als man in diesem Wettbewerb für Aufsehen sorgte, stieg man nebenbei als abgeschlagener Tabellenletzter ab...

Wer soll's richten? Offensichtlich Vedad Ibisevic. In Stuttgart fragt man sich, ob man den wirklich unbedingt vom Hof jagen musste... in Berlin ist er das einzige, was wirklich zwischen der Hertha und ganz bitterem Abstiegskampf steht. Ibisevic ist halt einer dieser extrem raren Stürmer. Einer, der auch bei einer Gurkenmannschaft 15 Tore erzielen kann... und in der Regel 13 Scorerpunkte pro Saison sammelt. Genau solche Stürmer sucht mal als Abstiegskämpfer verzweifelt. Deswegen war Darmstadt so froh, als Sandro Wagner so eingeschlagen ist... und drückt jetzt ganz heftig die Daumen, dass Sven Schipplock genau so gut funktioniert.
Und bei der Hertha hoffen halt alle, dass Ibisevic nicht (schon wieder) eine seiner Schaffenskrisen hat. Denn der Rest des Kaders...

Wen werden sie vermissen? Ronny? Ach ne, der ist immer noch da... aber hey... wenn man den HSV genau studiert hat, wird einem jetzt schon die grundlegende Geschichte dieser Saison bewusst: Am Ende wird genau dieser Ronny mit einer völlig absurden Standart den Klassenerhalt für die Hertha sichern... ihr habt es hier zu erst gelesen...

Leischtungschträgscher: Pal Dardai macht gerade richtig ernst. Den Kapitän hat er schon mal abgesägt. Den langjährigen Stammtorwart bereits in der letzten Saison... Und ja, das erst eigene Halbjahr war überragend. Genau so wie die die EM der Ungarn, die ebenfalls irgendwie auf seinem Mist gewachsen ist. Aber genau genommen könnte Dardai nur den längsten Dead Coach Bounce der jüngeren Bundesligageschichte erlebt haben... Wie der junge Trainer reagiert, wenn es es Gegenwind gibt, werden wir dieses Jahr erleben. Und ja, das könnte zum Viktor Skripnik 2.0 werden... also sehr unterhaltsam werden...

Best Case Szenario: Er beweist es allen: Er ist doch ein richtig guter Coach. Einer, der mit seinen Ideen den Unterschied ausmachen kann... Und der einen Verein ganz alleine ganz weit nach vorne bringen kann... der Höhepunkt ist der DFB Pokalfinale 2018. Oder doch das Europa League Halbfinale in der Selben Saison? Ne, eigentlich muss da doch das enge Duell mit Barcelona im Champions League Achtelfinale 2019 erwähnt werden. Man kann sich als Hertha Fan einfach nicht darauf einigen, was jetzt DAS HIGHLIGHT der Ära Dardai ist...

Worst Case Szenario: So wird diese Frage auch im Jahr 2025 in den Berliner Sportkneipen noch heiß diskutiert. Wenn sich alle an die gute alte Zeit erinnern. Während auf der Leinwand gezeigt wird, wie der Carlo Ancelotti Nachfolger Pal Dardai seinen 3. Meistertitel in Folge "feiert"... also so wie man als Bayern-Trainer halt Meisterschaften feiert...
Denn die inzwischen plötzlich wieder abgestiegenen Berliner mussten inzwischen erkennen, dass es kein Traumduo Dardai-Michael Preetz gab... es gab einfach nur diesen absolut genialen Trainer, der diesen Vollpfosten von einem Sportdirektor mit durch geschleppt hat...

Dienstag, 19. Januar 2016

Rückrundenvorschau: Hertha BSC Berlin

Die guten Nachrichten: Warte, was? Jetzt erst? Selbst die kühnsten Optimisten hätten nicht damit gerechnet, dass Hertha erst jetzt in der Rückrundenvorschau auftaucht. Ich selber hätte ehrlicher Weise gedacht, dass ich diesen Artikel vor 14 Tagen formuliere.
Schließlich hatte man den Klassenerhalt nicht wirklich aus eigener Kraft geschafft. Wie soll man sonst 7 sieglose Spiele (und nur einen Punkt aus den letzten 5) bezeichnen? Pal Dardai schien seinen persönlichen Dead Coach Bounce aufgebraucht zu haben und die Mannschaft war wieder dort angekommen, wo sie unter Jos Luhukay aufgehört hat. Jetzt musste Michael Preetz eine bessere Mannschaft zusammenstellen und Dardai diese formen... es hat schon Sinn ergeben, dass ich davon ausging, dass die im Abstiegskampf landen.
Aber, und da fangen die guten Nachrichten an, Dardai hat das geschafft. Er hat eine Mannschaft geformt, die halt die Spiele, die sie gewinnen muss, auch nach Hause bringt. Und dann gegen die wirklich guten Mannschaften ihre Grenzen aufgezeigt bekommt. Und ja, man verlor nur gegen Dortmund, Wolfsburg, Gladbach, Schalke und München... Das... kann ja mal passieren. Aber gegen die Mannschaften außerhalb der Top 7 gab es 0 Niederlagen... während man von den guten Mannschaften nur gegen Leverkusen gewann... und das war das "Wir setzen Kießling auf die Bank" Leverkusen...
Das wirklich faszinierende daran ist ja: Dieser Erfolg ist erstaunlich einfach reproduzierbar. Es ist ja nicht so, dass Berlin absurde Spiele gewannen. Sich darauf verlassen musste, dass die guten Mannschaften sie unterschätzen. Oder ein einzelner Spieler auf absurde Weise vor dem Tor heiß lief... Nein. Sie spielen einfach nur grundsoliden Fußball. An jedem Wochenende und gegen jeden Gegner.

Die schlechten Nachrichten: Ja, klar. Schlechte Nachrichten... In Berlin...
Also gut... da gibt es eine: Das letzte Mal, als man in der Hauptstadt in einer ähnlichen Situation war... legte man in der 2. Saisonhälfte die Grundlage für den Abstieg in der Folgesaison. Weil man am 29. Spieltag noch auf Platz 2 lag, aber am Ende die Champions League (damals noch Platz 3) verspielte. Und die eigentlich überragende Saison in der Wahrnehmung des Umfeldes enttäuschend endete...
Hat das Berliner Umfeld aus der damaligen Situation etwas gelernt?

Wer soll's richten? Wenn mir im Sommer jemand gesagt hätte, dass Michael Preetz am besten eingekauft hat... aber ja: Mitchell Weiser und Vladimir Darida sind absolute Volltreffer. Salomon Kalou spielt auf ein Mal wieder wie ein Champions League Sieger... Selbst Vedad Ibisevic ist von den Scheintoten auferstanden.

Leischtungschträgscher: Wenn er denn nicht gerade gesperrt ist... und das kommt relativ häufig vor... Was ich ja immer faszinierend finde. Wenn solche Leute sich dann halt in die Opferrolle stellen... Paradezitat aus dem Kicker-Interview: "Typen wie ich sind in der Bundesliga nicht mehr gefragt." Und in England hätte er diese Probleme ja nicht... Ähm... er hat 7 Rote Karten in seiner Karriere gesammelt. Als Stürmer, Notbremsen sind also ausgeschlossen... Und ja, für sein Einsteigen gegen Max Meyer wäre er auch in England vom Platz geflogen. Und auch die hätten sich seine 6 vorherigen Platzverweise angeguckt und ihn entsprechend gesperrt... Einsicht wäre der erste Weg zur Besserung, heißt es doch immer so schön...

Wen wird Jogi Löw aus den Hut zaubern? Wie lange ist Ronny schon in Deutschland? Schaffen wir das noch, den rechtzeitig einzubürgern? Damit Jogi Löw ihn in der 89. Minute gegen Italien bringen kann und er dann mit seinem ersten Ballkontakt als Nationalspieler ever das 1:0 aus einem direkten Freistoß erzielt? Hey, bei Hertha hat das doch schon mal funktioniert...

Was wird es denn nun werden? Dass Wolfsburg und Leverkusen meiner Meinung nach an der Hertha vorbeiziehen wird, sollte in den letzten Tagen deutlich geworden sein. Dahinter werden Hertha, Schalke und Gladbach ausspielen, wer in die Europa League kommt... Und einer von denen wird hoffen, dass dafür Platz 7 reicht. Entscheidend für die Hertha wird halt am Ende sein, wie Schalke auf den Höwedes Ausfall reagiert...

Donnerstag, 30. Juli 2015

Saisonvorschau: Hertha BSC Berlin

Ausgangslage: Wie lange kann ein Dead Coach Bounce eigentlich anhalten? Hertha's Komplette Strategie scheint auf "Hoffentlich möglichst lange" ausgelegt zu sein.
Und ja, Pal Dardai hat die Mannschaft erst Mal stabilisiert. Aber sein wir ehrlich: So wie das Verhältnis zwischen den "Stars" und Jos Luhukay gewesen sein muss, hätte selbst ein Wischmob diesen Effekt gehabt.
Aber vor allen Dingen... hat Dardai auch einfach nicht mehr gemacht. Am 27. Spieltag hatte man mit einem Sieg gegen Paderborn den Klassenerhalt so gut wie sicher. Schließlich hatte man 7 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Da hätte man ja schon mal anfangen können, an all den schönen Dingen, von denen Dardai so spricht, zu arbeiten... also mehr Ballbesitz, mehr Tempo, mehr Torchancen...
Stattdessen... gewann man keines seiner letzten 7 Partien... Euer Retter startet also mit einer Serie von 7 Sieglosen Spielen in die Saison. Wisst ihr, wer seinen Verein auf ähnliche Weise gerettet hat? Robin Dutt Werder Bremen in der Saison 2012/13. Dieses Vorbild war nach 9 weiteren sieglosen Spielen entlassen... Ich muss zugeben, dass ich Dardai einen ähnlichen Werdegang zutraue...

Wer soll's richten? Da geht das Problem ja schon weiter... Michael Preetz halt. Und wenn der eines eindrucksvoll nachgewiesen hat, dann das er nur bedingt dazu in der Lage ist, mit bescheidenen Mitteln ein bundesligataugliches Team aufzustellen... Wenn er das könnte, wäre die Hertha nicht unter ihm schon 2 mal abgestiegen.
Vor allem, dass sie jetzt darauf setzen, dass die de facto Fehleinkäufe wie Salomon Kalou dieses Jahr besser werden...
Die einzigen relevanten Verstärkungen sind Vladimir Darida und Mitchell Weiser: Der eine ist gerade als Führungsspieler abgestiegen, der andere hat nachgewiesen, dass er in einer hervorragenden Mannschaft durchaus (in belanglosen Spielen) mitlaufen kann... wenn es für ihn selbst quasi im alles geht, weil der Vertrag ausläuft. Von beiden muss die Hertha jetzt irgendwie erwarten, dass sie vorne weg marschieren. Denn wenn sie es nicht tun, wird das eine richtig harte Saison werden...
Dass man dann auch noch den erklärten Wunschspieler des Trainers (den er zufällig auch in der Nationalmannschaft trainiert hat) verpflichten will... ich würde einem Dardai ja nur bedingt solche sogar recht teuren Wünsche erfüllen...

Wen werden sie vermissen? Das ist ja der große Vorteil an einer eigentlich absoluten aber doch nicht total enttäuschenden Saison: Hinter laufen einem nicht die Leistungsträger weg. Das viel größere Problem: Eigentlich würde man gerne noch viel mehr Spieler vermissen, die sind aber alle noch da. Was dann dazu führt, dass man die gesamte Vorbereitung über mit Abfindungsverhandlungen beschäftigt ist, damit man die Spieler wenigstens halbwegs los wird. Konstruktives Arbeiten sieht für mich irgendwie anders aus...

Leischtungschträgscher: Alles bleibt am Ende an Michael Preetz hängen. Und ja, ich bin weiterhin nicht davon überzeugt, dass der ein guter Bundesligamanager ist. Die Hertha hat aber ein ganz großes Problem: Er ist halt auch die Vereinsikone schlecht hin. Der Rekordtorschütze der Berliner... und wenn er das nicht wäre, wäre er auch schon längst weg... eines ist ziemlich sicher: Beim nächsten Abstieg ist er es. Aber genau genommen müsste die Hertha ihn entlassen, um diesen Abstieg zu verhindern... Das werden sie aber nicht tun. Ein Teufelskreis.

Best Case Szenario: Bereits um 15:45 ist es allen ziemlich klar: Das wird so nichts. Zumindest heute nicht. Und wohl auch nicht langfristig. Schließlich liegt man in Augsburg nach 15 Minuten 0:3 zurück... ein Nürnberg-esquer Start sozusagen. Und genau so sehen auch die Konsequenzen aus. Mit dem Duo Andreas Rettig und (ab dem 8. Spieltag) Thomas Schaaf wird die Mannschaft aber zumindest stabilisiert. Und mit klugen Wintertransfers so weit gestärkt, dass man wirklich von einer Entwicklung sprechen kann. Die danach stetig anhält. Im Jahr 2023 startet man dann erstmals seit Ewigkeiten in der Champions League... und das ohne deswegen durchzudrehen. Im Jahr 2031 wird man dann zum ersten Mal seit 100 Jahren Meister...

Worst Case Szenario: Das Blinde Huhn und das Korn. Wer das Huhn ist, sollte offensichtlich sein, das Korn ist jedenfalls Dardai. Der lässt in seiner 2. Saison brillanten Tempofußball spielen... der Rest der Liga ist davon genau so geschockt wie Preetz. So wird Hertha völlig überraschend Wintermeister... und Preetz in genau diesem Winter zum Präsidenten gewählt. Das ist doch genau der Moment, zuzuschlagen und die sicheren Champions League Millionen zu investieren... in Rafael van der Vaart, der für 10 Millionen kommt...
 Nach einer normal sterblichen Rückrunde beendet die Hertha die Saison auf Platz 7, Dardai wird Pep Guardiolas Nachfolger und Preetz ist unkündbar... vdV ist dafür unverkäuflich...

Donnerstag, 15. Januar 2015

Saisonvorschau: Hertha BSC Berlin

Die guten Nachrichten: Eigentlich läuft alles nach Plan. Seit dem Wiederaufstieg 2013 stand die Hertha noch nicht ein Mal auf einen Abstiegsplatz. Mehr kann man von einer Mannschaft, die auf dem besten Weg zu einer Fahrstuhlmannschaft war (Hertha stieg 4 Jahre in Folge entweder auf oder ab... Fahrstuhliger geht es nicht) war. Eigentlich sollte man an Hand dieser Bilanz doch relativ ruhig schlafen können...

Die schlechten Nachrichten: Die Tendenz zeigt klar nach unten... Nicht erst seit dem 0:5 zum Ende der Hinrunde... Weniger Punkte als die Hertha im Jahr 2014 holten nur... die Auf- und Absteiger in der Hälfte der Zeit... und der Hamburger SV... dass sind nicht die Vereine, mit denen man auf einer Liste stehen will...

Wer soll's richten? Hmm... ja... da beginnt das eigentliche Problem... theoretisch hat sich die Hertha so gut verstärkt, wie seit den Hoeneß Tagen (als man glaubte, permanent um die Champions League mitspielen zu können) nicht mehr... Johnny Heitinga, Valentin Stocker und Salomon Kalou sind gestandene Nationalspieler und WM Teilnehmer (auch wenn Heitinga das letzte Turnier verpasst hat...). Solche Spieler sollten eine Mannschaft wie Hertha (trotz des sicherlich schmerzhaften Abgangs von Adrian Ramos) eigentlich nach vorne bringen... danach sieht es aber gerade nicht aus... das bringt uns direkt zum... denn am Ende ist Julian Schieber der beste Neuzugang und große Hoffnungsträger...

Leischtungschträgscher: Michael Preetz. Also abgesehen davon, dass Preetz der einzige Manager in der Geschichte der Bundesliga sein wird, der Lucien Favre entlassen hat... Wie viele Manager fallen euch ein, die 2 Abstiege in 3 Jahren zu verantworten haben... und trotzdem noch im Amt sind? Und diese Bilanz könnte sich problemlos auf 3 Abstiege in 6 Jahren erweitern...
Und ja, Preetz ist eine Vereinsikone, der für den Aufschwung um die Jahrtausendwende steht... aber der war doch schon als Spieler... nun ja... Fakt ist: Er ist seit 2009 Alleinverantwortlicher in Berlin... Seit dem hat die Hertha genau 1 1/2 gute Bundesligasaisons gespielt... und ist 2 Mal abgestiegen... oh und er hat Lucien Favre entlassen... und stattdessen solch anerkannt brilliante Trainer wie Friedhelm Funkel und Otto Rehagel geholt...
Ich habe keine genau Ahnung, was Preetz genaues Ziel ist... aber solange es nicht in die Richtung "ich will meinen ehemalige Mentor im Nachhinein möglichst brillant aussehen lassen" geht... verfehlt er dieses Ziel definitiv...

Was wird es denn nun werden? Ich muss ja irgendwie konstant bleiben... und wenn ich gestern Stuttgart auf den Relegationsplatz schreibe... Und Paderborn und Freiburg da hinter stehen habe... wird es für die Hertha wohl auch reichen... Das Problem ist halt: Ich vertraue offensichtlich dem Preetz nicht... und Jos Luhukay ist eigentlich auch nur ein grundsolider Trainer, der genau eine überragende Leistung gebracht hat: Die Klasse mit dem FC Augsburg zu halten... etwas, dass sein Nachfolger gerade irgendwie mit einer größeren Leichtigkeit vollbringt...
Und wo wir schon bei total zufälligen Statistiken sind: Selbst in dem überragenden ersten Augsburger Jahr war er am Ende der Hinrunde 17. Was dazu führt, das Luhukay noch nie eine konstant gute und Bundesliga-taugliche Saison gecoacht hat. In Gladbach wurde er nach 8 Spieltagen entlassen, mit der Hertha war er 17. in der Rückrundentabelle... wenn er diese Leistung jetzt wiederholt... ach, rechnet euch das selber aus...
Anders ausgedrückt: Auch wenn es diese Saison reichen könnte... heißt das, bei dem derzeit leitenden Personal, nicht, dass das auch nächste Saison der Fall (wenn Mannschaften mit besseren Voraussetzungen und höherer Kompetenz aufsteigen könnten... Leipzig und Ingolstadt halt) sein wird... Und mehr als Absteigskampf garniert mit ab und zu mal einer überragenden Hinrunde wird für die Hertha mit diesen Leuten nicht drin sein... wobei man sich an der Stelle fragen muss, ob eine Mannschaft wie Hertha sachlich betrachtet überhaupt mehr erwarten kann...