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Dienstag, 27. Mai 2025

Immerhin ist es mittlerweile wieder spannend.

Und hochgradig emotional. Also genau dafür hat man ja das Geld ausgegeben.

Also nachdem die Relegation zwischenzeitlich doch zu einer langweiligen Pflichtveranstaltung zu verkommen drohte, bei dem der Bundesligist im Zweifelsfall mit 5:2 oder 6:1 Toren gewinnt, waren die letzten beiden Jahre wieder richtig brutal.

Düsseldorfs wurde der verdiente Aufstieg im Elfmeterschießen verwehrt. Elversberg kassierte jetzt das entscheidende Tor 12 Sekunden vor dem geplanten Abpfiff. Knapper geht es nicht. Das war ja besser, als das Europa League Finale! Großartig!

Nein... immer noch beschissen. Also ich finde ja nichts schlimmer, als "Traditionsfans", die diesen Scheiß jetzt feiern, weil die Spiele zur allgemeinen Überraschung tatsächlich gut und wirklich spannend war. Aber genau deswegen funktioniert der Scheiß ja: Weil wir uns am Ende doch catchen lassen und mitfiebern.

Mein größter Respekt geht dabei nebenbei an die Fans von Eintracht Braunschweig, die als höherklassiger Teilnehmer trotzdem die Abschaffung und damit ihren eigenen Abstieg fordern. Wenn die jetzt noch verstehen, dass ein Spielabbruch genau diesen Zweck erfüllen würde und es damit in ihrer Hand liegt...

Was aber, wo ich die letzten Minuten tatsächlich gesehen habe, wirklich beeindruckend war: Man konnte endlich mal sehen, was alles so im Hintergrund passiert. Denn das Stadion war ja mehr so auf Landespokal-Niveau und man konnte die parkenden Produktions-Trucks im Hintergrund erkennen. 

Viel wichtiger und weniger zynisch: Die Reaktion des Stadions war großartig. Wenn ein Traditionsverein dieses Tor kassiert hätte, wäre das Stadion eskaliert. Eine Hundertschaft der Polizei wäre schon vorher in Position gewesen, um einen Platzsturm zu verhindern. Pyrotechnik wäre das geringste Problem gewesen. Das gehört eigentlich so sehr zum Standard, dass selbst die BNDler da mitmachen. Hier ist die Hauptstadt Version. Ein 30 Minuten Highlight Video. Dann haben wir noch einen relativ kurzen Platzsturm der Karlsruher nach Abpfiff. Und Screenshots aus Braunschweig. Und natürlich haufenweise Feuerwerkskörper, die auf Ordner geworfen werden. Das sind Bilder, die irgendwie einfach dazu gehören.

Und dann wurde gestern direkt nach Abpfiff den Heidenheimern gratuliert. Die Elversberger Fans haben ihre Mannschaft gefeiert. Die Stimmung war emotional, aber friedlich, obwohl man gerade für ein paar Millionen um den Aufstieg betrogen wurde. Nur um ein Mal zu beweisen, dass das durchaus geht. Dass Gewalt bei weitem nicht der einzige Weg ist, seine Emotionen zum Ausdruck zu bringen.

Aber jetzt werden alle behaupten, dass das ja keine richtigen Fans sind... weil... ähm... die nicht genug gelitten haben. Oder so.

Freitag, 10. Januar 2025

Vollidiot des Jahres: Dirk Zingler

 Hey, bei Union Berlin dürfte ich eh unten durch sein.

Was für ein Schmierentheater! Da werden die armen Unioner für die Tat eines verwirrten Einzelnen bestraft. Und nicht nur die, auch Holstein Kiel, die jetzt vielleicht doch als Letzter und nicht als Vorletzter absteigen...

Ich sage jetzt mal was ganz Fieses: Hoffentlich fehlt Union am Ende 1 Punkt. Also damit Fans lernen, dass ihre absolut dämlichen Aktionen drastische Konsequenzen haben können. Absurde Geldstrafen, die zumindest in den tieferen Ligen richtig weh tun, scheinen da ja nicht zu helfen. 

Und hoffentlich führt der DFB die grundlegende Regel ein, dass Spiele immer und bedingungslos abgebrochen werden, wenn ein Spieler von einem Gegenstand am Kopf getroffen wird. Dann braucht man vielleicht auch nicht mehr die Schirme bei Eckbällen des Gegners aufzuspannen... was nebenbei auch ein viel zu normales Bild ist.

Was mich an Zinglers Argumentation am meisten stört, ist diese Relativierung. Das ist ja leider völlig normal, da kann man nichts machen. Also passiert ja auch bei Konzerten und anderen Indoor Events...

Ähm... Ich darf mich, was Konzerte betrifft, als Experte bezeichnen... weil ich auf 180 im Jahr bin. Teilweise als Gast, teilweise auf der anderen Seite der Bar. Ich habe vom spießigen Orchester im Gewandhaus bis zur Punkband in einer versifften Kaschemme alles gesehen. Und ja, vor 10 Jahren gab es noch den Kult, BHs auf die Bühne zu werfen. Aber diesem Trend sind wir in Zeit fortschreitender Aufklärung irgendwie entwachsen. Also zumindest bei Die Ärzte passiert das nicht mehr. Und ja, hin und wieder werfen junge, meist weibliche Fans Liebesbriefe auf die Bühne. Wobei die meistens eher mit der Security reden, ob sie die ins Backstage legen können.

Aber dass Wurfgeschosse auf die Bühne geworfen werden... in Richtung Künstler*innen? Auf einem so schlechten Konzert war ich noch nicht. Also da muss die Band schon richtig verkacken und sehr schnell von der Bühne gehen, sonst sind Musikfans meistens nicht so unzufrieden, dass sie auf ihre Idole zielen.

Und ja, hin und wieder eskaliert so ein Moshpit und es wird ein Plastikbecher durch den Raum geworfen. Aber.. also das habe ich bisher wirklich nur mit Plastikbechern erlebt, die in der Euphorie hochgeschleudert wurden und leer wieder runterkamen. Oder idealerweise schon leer waren. Da kriegt man dann hin und wieder ein wenig Bier ab, das ist aber alles.
Gerade bei Moshpits gibt es in den letzten Jahren echt faszinierende Entwicklungen: Die nennen das mittlerweile verdammt häufig "Wall of Love", statt "Wall of Death". Und die Leute passen da echt aufeinander auf. Wenn da einer irgendwie zu Boden geht, hilft man den auf. Man baut eine Schutzwand um Menschen, die gerade ihre Schnürsenkel neu justieren müssen... oder eventuell irgendwas verloren haben. Sobald jemand seine Brille verloren haben könnte, wird der ganze Pit angehalten. Und am Ende halten verschiedene Leute Portemonnaies und Schuhe hoch, damit die zurück zu ihrem Besitzer kommen können. Das war im Jahr 2024 der ganz normale Umgang miteinander auf Konzerten.

Und da wird es dann für mich persönlich: Vergleiche uns zivilisierte, feiernde Menschen nicht mit deinem Scheiß-Pöbel. Wir haben ganz andere Probleme als ihr. Also hauptsächlich sexistische Übergriffe, die sich nie ganz eindämmen lassen. Aber dass jemand gefährliche Gegenstände absichtlich auf Menschen wirft, habe ich noch nie...
Ok, noch nie ist übertrieben. Ich war vor ungefähr 20 Jahren auf einem Anti-Nazi Konzert im Sonnenblumenhaus in Rostock. Also dem Sonnenblumenhaus. Ferris MC und DJ Stylewarz haben gespielt. Und irgendwann hat ein sich Neo-Nazi eine Stinkbombe in die Menge geworfen, um das Konzert zu sabotieren. Das war aber echt das einzige Mal, dass bewusst irgendetwas Ekliges oder Gefährliches in meine Richtung oder in Richtung der Künstler*innen geworfen wurde.

Dass gefährliche Gegenstände in Richtung der Protagonisten oder gegnerische Fans geworfen werden, ist ein reines Sportproblem. Das ist ja auch logisch: Kaum jemand geht auf ein Konzert, weil er die Künstler*innen hasst. Aber den gegnerischen Torwart, der es aus deiner Perspektive mit dem Zeitspiel übertreibt, weil er genau dasselbe macht, was du bei deinem Torwart feiern würdest? Den hasst man dann irgendwie schon. Den Angreifer, der sich schon wieder so leicht fallen lässt, auch. Den technisch hochbegabte, aber viel zu lässigen Flügelflitzer, den man in den eigenen Reihen vergöttern würde. Den Scheiß-Neger.

Sobald diese Personen ein gegnerisches Trikot trägt, entwickelt man einen gewissen Hass auf sie, auch wenn man sie für dieselben Aktionen im eigenen Trikot feiern würde. Und diese negativen Emotionen, die es auf Konzerten nur ganz selten, im Stadion aber jede Woche gibt, führen dann dazu, dass Leute Gegenstände auf Spieler werfen.

Nebenbei würde ich sogar noch einen Schritt weitergehen und behaupten, dass das ein reines Fußballproblem ist. So asozial sind nur wir. Beim Eishockey gibt es die Plastikscheibe ja, damit die Fans nicht vom Puck getroffen werden, und nicht, damit die nichts auf die Eisfläche werfen. Ich habe gerade mal "Spielabbruch und Basketball" gegoogled... und medizinische Notfälle oder technische Probleme gefunden.
Und ja, es gab den "Malice in the Palace" in der NBA. Aber das war vor 20 Jahren. Und das hat zu extremen Verschärfungen der Regeln geführt. Aber es mussten keine Fangnetze eingeführt werden, um Ähnliches zu verhindern.
Nebenbei ist es auch nicht so, dass sich Fangruppen nicht auch in anderen Sportarten hassen und prügeln würden. Hier habt ihr einen Artikel zu einer Massenschlägerei vor dem Final Four Turnier im Basketball. Aber... also achtet mal bei den Highlights aus der Basketball-Bundesliga auf die Plätze hinter dem Korb. Und dann vergleicht das mal mit diesem Bild von der an sich völlig harmlosen Spielvereinigung Elversberg. Oder... dieses "Positivbeispiel" für einen Gästeblock aus Frankfurt. Was seht ihr da demonstrativ zwischen den Fans und dem Tor? Riesige Fangnetze... die es bei Union noch nicht gab, aber jetzt als erste Reaktion wohl geben wird.

Es ist so absurd normal, dass Fans aus den Gästeblock Gegenstände auf das Feld werfen, dass das "Positivbeispiel" mit einem Schutznetz für die Spieler kommt. Wenn es diese Probleme auch beim Basketball oder beim Konzerten geben würde, wären auch da einzelne Bereiche mit solchen Netzen abgesperrt.

Random Sad Fact: Ich saß bei meinem ersten Konzert von Die Ärzte in Dresden direkt neben dem Gästeblock im Stadion. Der ist komplett mit Plexiglas abgeschirmt... weil... die mit Toten Hosen Fans gerechnet haben? Nein, weil man als Gästefan bei Dynamo sonst mit Gegenständen beworfen wird. Das ist da so normal, dass die einzige Chance dies zu verhindern, ein gläserner Käfig war.

Und jetzt, das macht es ja so schlimm, will der Zingerle so tun, als wenn das überall normal wäre. Ein ganz klares NEIN! Es ist zumindest in Deutschland ein Fußball-Fan-Problem. 

Natürlich ist es Scheiße, dass jetzt die Tabelle durch diese Idioten beeinflusst wird. Aber die Schuld dafür ist immer noch und ausschließlich bei diesen Idioten zu suchen und nicht beim DFB Sportgericht. Das jetzt noch zu verharmlosen und seinem Verein in die Opferrolle zu drängen, ist das Dümmste, was man als Verantwortlicher machen kann.
Und man kann ja auch sagen, dass man es Scheiße findet, dass die Tabelle dadurch jetzt beeinflusst wird. Man kann aber auch Verantwortung für seine Fans übernehmen, indem man diese Strafe akzeptiert, obwohl man sie Scheiße findet. Nur um sich eindeutig auf "So was darf einfach nicht mehr passieren" Seite zu stehen.

Donnerstag, 24. Februar 2022

Endlich wieder Fans im Stadion!

 Sogar relativ viele. In Saarbrücken waren es 6.400, was deutlich über den zugegebener Weise aus Regionalligazeiten stammenden Vor-Corona Schnitt liegt. In Essen waren es 10.000, was wiederum als ausverkauft galt. Da wäre also tatsächlich noch viel mehr gegangen. Beide wurden als Beispiele natürlich ausgewürfelt.

Und eines vorne weg: Ich persönlich halte es durchaus vernünftig bei den Lockerungen mit Fußballspielen und nicht mit Clubkonzerten angefangen wird. Zum einen ist die Bundesliga halt der kleinste gemeinsame Nenner, andererseits gleichzeitig der größte gemeinsame Teiler... Also da Fußball immer noch die dominierende soziale Veranstaltung ist, haben von diesen Lockerungen dann tatsächlich die Meisten etwas. 

Dazu ist es Open Air, was es dem Virus ja allgemein schwieriger macht sich zu verbreiten. Und die Stadien sind ja in den meisten Fällen auf ganz andere Auslastungen ausgelegt, sollten also die 10.000 Fans gut abfertigen können, ohne dass lange Schlangen entstehen. Dass dies nicht für die LVB gilt, die die Leute dann mit überfüllten Straßenbahnen in die Innenstadt brachten, damit die sich in gastronomischen Einrichtungen, aber nicht in Bars, betrinken konnten... aber so viel Weitsicht kann man ja nach 2 Jahren Pandemie nicht erwarten.

Nebenbei ist mein Totschlagargument an der Stelle immer: Es wäre auch überhaupt kein Problem, in einem Stadion ein Konzert mit 10.000 Fans zu veranstalten. Das wäre als Open Air Großveranstaltung in vielen Bundesländern machbar. Das Problem ist nur: Das bucht halt niemand. Fußballvereine haben halt den riesigen Vorteil, dass ihnen diese Stadien entweder gehören, oder sie langfristige Mietverträge haben, also keine Extrakosten für sie entstehen, wenn sie wenigstens ein paar Fans hereinlassen. Wenn man jetzt Juju anstatt in die Barclays Arena ins Volksparkstadion hoch verlegt, müsste man dafür extra dieses Stadion mieten. Und dann kommt man nicht mehr mit 44 Euro pro Ticket hin... Also ganz abgesehen davon, dass es auch extrem komisch wäre, wenn die dann auf einer überdimensionierten Bühne vor einem grob verteilten zu spielen.

Aber wie sich die Fans in Saarbrücken und Essen dann präsentiert haben. Wobei man in Essen ja zumindest nicht von der Mehrzahl sprechen kann. Da hat ja im Zweifelsfall ein Einzelner sofort einen Spielabbruch herbeigeführt. Aber andererseits ist der Tatverdächtige immer noch nicht identifiziert. Da hat also jemand aus dem Fanblock einen Böller geschmissen und wird jetzt von diesem Fanblock geschützt... nur damit die dann was von "False Flag Operation" faseln können und darüber spekulieren, ob das überhaupt ein RWE Fan war.. Wenn die Leute, die im direkten Umkreis desjenigen, der einen Böller auf andere Menschen geworfen hat, festgehalten (oder wenigstens hinterher identifiziert) hätten, dann wüssten wir schon, ob das vielleicht jemand aus Münster war... Nebenbei bräuchte es Eier aus Stahl, um sich bei so einem Derby in den Fanblock der gegnerischen Mannschaft zu schleichen, nur um dann einen verbotenen Böller auf die eigenen Spieler zu werfen...

Derartige Aktionen gibt es genau genommen nur, weil man als Täter davon ausgehen kann, dass sich die Leute um dich herum schützend vor dich stellen, anstatt dich auszuliefern. Das gilt praktisch auch rassistische und homophobe Beleidigungen. Da gibt es halt immer eine "War doch nicht so schlimm, war doch nur..." Haltung.

Und natürlich ist auch der Block, aus dem der Böller kam, eine Minderheit der Essener Fanszene. Aber weil der Tatverdächtige schützt werden muss, ist es halt eben doch kein Einzeltäter, sondern ein größeres Problem.


Die Einzeltäter Frage stellt sich in Saarbrücken natürlich nicht. Da erdreistete sich die Mannschaft zum ersten Mal seit über 100 Tagen ein Heimspiel zu verlieren... Und die Fans stürmten darauf hin sofort den Platz. Eine einzelne Heimniederlage ist halt nicht zu tolerieren. 

Man hätte dieses Wochenende echt nutzen können, um zu verdeutlichen, wie schön es ist, wenn die Fans die Heimmannschaft bedingungslos unterstützen. Und auch wenn ich Fußball hauptsächlich am Fernseher verfolge, muss ich doch zugeben: Geisterspiele ohne Stimmung sind einfach Scheiße. Stattdessen muss man sich direkt wieder mit Spielabbrüchen und Ausschreitungen beschäftigen. Das ist doch genau das, was wir vermisst haben... Dennoch muss man mal wieder über die Negativbeispiele reden, anstatt einfach nur zu genießen, dass die Fans wieder für Stimmung sorgen können.

Und wie die Ruhrpott-Assis aus dem Dezember und der Spielabbruch in Duisburg beweisen, sind das ja alles nur bedauerliche Einzelfälle...

Dienstag, 5. November 2019

Ihr habt ja bekommen, was ihr gewollt habt.

Überrascht das irgendjemanden?

Also ja, vor dem angeblichen Berliner Derby haben alle dieses Spiel künstlich gepusht. Zum gefühlt wichtigsten Spiel der Berliner Fußballgeschichte... Und die Ultras beider Mannschaften haben sich das natürlich zu Herzen genommen.

Und so redet man jetzt nur noch darüber, wie sehr sich die Fans daneben benommen haben. Dass die Spieler von Union Berlin Angst um ihre eigenen Familien haben mussten. Es wurde quasi ein großer Demonstrationsfilm gedreht, warum Pyrotechnik verboten bleiben sollte. Und ja, wenn man Angst um seine Familie haben muss, ist das der einzig logische Schluss.

Das einzige Bild, dass von diesem "Derby" hängen bleibt, ist wie Rafael Gikiewicz einen Platzsturm verhindert, obwohl ihm seine eigenen Fans an den Hals gehen.

Da frage ich mich schon: Wie viel hatte das "Wir gucken da jetzt alle hin", welches vorher verbreitet worden ist, dazu mit beigetragen. Also Ultras, als Hansa-Fan hat man da einen gewisse geschichtliche Prägung, suchen sich ja bewusst die Momente aus, wo die Aufmerksamkeit am höchsten ist. Da würde niemand auf die Idee kommen, beim Gastspiel bei Bayern II Pyros abzubrennen. Aber im Pokal gegen Berlin brennt der eigene Fanblock. Je größer die Bühne, um so heftiger die Provokation.

Und "wir" haben halt vorher sicher gestellt, dass dies die größtmögliche Bühne sein wird, die Berliner Ultras in den nächsten 10 Jahren kriegen werden. Natürlich nutzen diese Ultras die dann aus.

Mich selber fasziniert ja, wie naiv ich selber war. Also vor der Saison dachte ich mir noch: Das Spiel sollte doch eigentlich so unproblematisch sein, dass man es als DFL als "30 Jahre Wiedervereinigung" auf den Tag der Deutschen Einheit oder den Tag des Mauerfalls hätte legen können. Aber jetzt muss ich zugeben, dass die Polizei beides (also Feiertagsaktionen und Bundesliga-Pseudo-Derby) kaum gleichzeitig in den Griff bekommen hätte. Das ist schließlich die Partybrigade der Bundespolizei...

Mich ärgert das halt, weil es so unnötig ist. Also Provokationen bei Fanlagern mit Jahrelanger Abneigung kann ich ja noch nachvollziehen. Das ist halt der gute alte Party-Patriotismus: Man liebt den eigenen Haufen, weil er der eigene ist, und hasst den anderen Haufen, weil er der andere ist. Aber auch nur, wenn man wirkliche Berührungspunkte mit dem anderen Haufen hatte. Wenn der einem im weitesten Sinne mal was angetan hat. Wenn man jetzt schon eskaliert, weil der andere Haufen relativ dicht am eigenen liegt, einem aber eigentlich nicht betrifft.

Und da muss mir auch niemand mit "Stimmung" und "das gehört dazu" kommen. Vermummt den Platz zu stürmen hat nichts mit "Stimmung" zu tun. Mit Feuerwerkskörpern in Menschenmassen zu schießen auch nicht. Aber hey, ab sofort ist Herha - Union natürlich ein richtiges Derby. Wenn auch aus den Falsche Gründen: Nicht wegen der sportlichen Rivalität als Grundlage, sondern weil es bisher nach jedem Bundesligaspiel der beiden zu Ausschreitungen kam.

Mittwoch, 28. September 2016

Wie soll man so eine sachliche Debatte führen?

Och nö ne? Nicht schon wieder RB... Und ja, genau darüber habe ich die letzten Tage auch viel nachgedacht: Muss ich mich schon wieder in "seitenlangen" Diskursen über den Umgang mit diesem neuen Verein beschweren? Am Ende glauben die Leute wirklich noch, dass ich selber ein Freund von denen bin...
Dann fiel mir auf: Es geht am Ende um etwas viel wichtigeres. RB dient in diesem Fall nur als Proxy fürs Medienkompetenztraining. Hah. 2 Große Worte. Das reicht als Legitimation.

Ich wäre ja wirklich mal an einer sachlichen Diskussion über RB interessiert. Letzte Woche habe ich dann verstanden, warum es diese gar nicht geben kann. Weil unsere Diskussionsgrundlage aus den Medien viel zu häufig so aussieht, wie in diesem Artikel bei den 11 Freunden.

Aus journalistischer Sicht ist dieser Artikel eine Katastrophe. Auf Augenhöhe mit der Bild. Denn als aller erstes sollte in einem Artikel niemals die Meinung des Journalisten im Vordergrund stehen. Die Teile, in denen es darum geht, kennzeichnet man als Kommentare oder Kolumnen. Oder verschiebt sie in seinen Hauseigenen Blog. Dieser Beitrag wurde aber als offizieller Artikel ins Web gestellt.
Und ja, jedem Journalisten ist es bewusst, dass man irgendwie immer seine eigene Meinung durchdrücken muss, weil man die subjektive Perspektive ja praktisch nie verlassen kann. Man kommt halt nicht aus seiner eigenen Haut. Und die Medien manipulieren an der Stelle immer. Der Anspruch eines guten Journalisten ist es aber, dass der Konsument gar nicht mitbekommt, dass er manipuliert wird. Weil die Meinung da nur sehr unterschwellig transportiert wird. Der Werbesologen "Bild dir deine Meinung" hat dieses Phänomen gerade zu pervers gut getroffen.

Und Christoph Biermann, der den Scheiß verzapft hat, ist Chefredakteur dieses Magazins... das sagt viel aus...

Als Journalist hast du ja genau genommen 2 Aufgaben.
1.) Informationen vermitteln. Oder Aufklärung betreiben. Wir verlassen uns darauf, dass die Journalisten uns erklären, was an Orten passiert, die wir nie selber erreichen können. Syrien und den Bundestag halt... Wir gehen davon aus, dass das Bild, dass uns der Journalist aus diesen Gebieten zeichnet, möglichst nah an der Wirklichkeit liegt. So dass ich hinterher zumindest in groben Zügen weiß, was in Syrien oder im Bundestag abgeht.
Auf dieser Ebene scheitert der Artikel einfach. Denn ich, der noch nie zu einem Bundesligaspiel von RB im Stadion war, lerne aus diesem Artikel eine einzige Sache: Der Autor hasst RB. Danke für die Information. Das hätte er genau so sachlich in 3 Worten ausdrücken können: "Ich hasse RB."

2.) Eine Diskussionsgrundlage schaffen. Das ist natürlich das Meisterwerk eines Journalisten. Er veröffentlicht einen sachlichen Beitrag und löst damit eine Debatte auf größerer oder höherer Ebene aus. Das funktioniert aber gerade bei emotionalen Themen wie RB auch nur, wenn man es schafft, mehr als eine Seite zu beleuchten.
Das Problem an diesem Propaganda Artikel ist ja... dass er echt alles an RB schlecht macht. Selbst die Spielweise, die von dem gesamten Produkt getragen wird und die die Bundesliga auf jeden Fall innerhalb des Grünen Vierecks bereichern wird. Das muss man erst Mal schaffen.
Hier mal ein Beispiel, wie das ganze hätte funktionieren können:

Dass die den ganzen Verein durchdringende Spielphilosophie die Bundesliga auf dem Platz eher bereichern wird, als der Hamburger SV oder der VfB Stuttgart, die alle 6 Monate das leitende Personal und damit auch das Grundkonzept austauschen, steht außer Frage. Man darf dabei aber nie vergessen, dass Dietrich Mateschitz als Patron diese Vereinsidentität nicht, wie ein Armin Stocker früher ein Freiburg oder ein Harald Strutz bis heute in Mainz, aus der persönlichen Überzeugung, dass dies die Beste Variante ist erfolgreich einen Verein zu führen, ausgerufen hat. Sondern einzig und allein weil er davon überzeugt ist, dass er so sein eigentliches Produkt am besten Vermarkten kann. Der attraktive und progressive Fußball ist dabei genau genommen nur ein teures Abfallprodukt, das Mittel zum Zweck und im wahrsten Sinne eine Aluminiumdose, aber nicht das Ziel des Vereins.

Man könnte halt auch einfach mal beide Seiten beleuchten. Den Leuten, die da ins Stadion gehen, ein gewissen Verständnis entgegen bringen. Anstatt so zu tun, dass die sich blind ein grotesk schlechtes Fußballspiel angucken und da dann trotzdem klatschen... Diese Leute dann aber darauf hinweisen, dass man sich mit der Motivationsgrundlage dieser Spielweise mal beschäftigen könnte... Dann könnte man vielleicht auch eine Diskussion in Gang treten. Zwischen den Freunden und den Feinden.

Stattdessen... passiert auf erster Ebene folgendes (und ja, so habe ich diesen Artikel gefunden): Die Feinde von RB posten diesen Artikel auf Facebook... die Freunde antworten darauf hin mit einer bissig-pissigen Antwort. Der Feind (der ja im realen Leben (oder zumindest im sozialen Netzwerk) mit dem Freund befreundet ist,) wundert sich dann, dass der RB Sympathisant so aggressiv reagiert und das man jetzt ja nur noch aneinander vorbei reden kann...
Das passiert halt, wenn man Propaganda Artikel teilt, auf den die Staatsmedien der DDR stolz wären...
Dem durchaus sinnvollen Diskurs über die Motivation von RB steht dieser Artikel eher im Weg als das er hilft.

Natürlich ist das in diesem Falle auch gar nicht das Ziel. Das Ziel war es, das möglichst viele Traditionsfans auf diesen Artikel klicken. Und sich hinterher die neuste Ausgabe kaufen, in denen es hauptsächlich um die Leiden der Traditionsfans geht... wie gefühlt in jeder dritten Ausgabe...

Aber welche Wirkung hat denn dieser Artikel erzielt? Und das ist der eigentlich Grund, warum ich mich doch dazu äußern musste. Denn die erste Reaktion war... eine Sitzblockade gegen den Mannschaftsbus und Transparente, die unter die Gürtellinie gingen. Herzlichen Glückwunsch, Herr Biermann, ihr Zündstoff ist in den Köpfen der Leute angekommen. Joseph Goebbels nominiert sie für den Preis zum Deutschen Journalisten des Jahres.

Und ja, dieses Wochenende blieb alles friedlich. Aber wie lange wird es dauern, bis Steine auf den Mannschaftsbus fliegen? Bis Leuchtraketen in den RB Fanblock fliegen? Bis diese Fans an den Autobahnraststätten bei Auswärtsfahrten angegriffen werden? Alles Sachen, die Fans von Traditionsklubs nachweislich im Repertoire haben, wenn sie auf Vereine treffen, die sie halt so gar nicht mögen.
Und wenn der erste RB Fan anstatt ins Stadion zu gehen ins Krankenhaus muss, wird sich Christoph Biermann fragen müssen, ob er da nicht seinen kleinen klick baitenden Teil dazu beigetragen hat...

Und wenn ihr jetzt denkt "Der übertreibt doch, so doof sind wir doch gar nicht." Ich habe euch ja Medienkompetenztraining versprochen. Erinnert euch einfach mal daran, wie schon zu Beginn der Flüchtlingskrise gegen Ausländer Stimmung gemacht worden ist. Angefangen bei den Faulen Griechen, bevor das mit der eigentlichen Krise los ging. Fortgeführt über die Titelblätter der großen Zeitungen: "Der Ansturm" und "Wie viele Flüchtlinge verträgt Deutschland". Und, als besonderes Wertvollen Highlight: "Was sie jetzt gegen die Asylflut tun können." Ja... das stand so auf dem Focus...
Jetzt könnt ihr natürlich behaupten: Aber das sind doch nur die Titelbilder, die Artikel sind bestimmt total ausgewogen und fundiert. Vielleicht. Aber wie viele lesen die Artikel? Also verglichen mit den 40 Millionen, die (bewusst oder unbewusst) die Zeitungen im Kiosk rumliegen sehen? Und die dann durch die Titelbilder eine Bedrohungssituation eingetrichtert bekommen...
Dass dies kein neues Phänomen ist, hat Hagen Rether schon vor Jahren im Scheibenwischer (als es den noch gab) anhand eines Spiegel-Jahres vorgeführt.

Und dann... stellt ihr auf einmal nicht mal überrascht fest, dass es allein in Nordrhein Westfalen dieses Jahr mehr Anschläge auf Flüchtlingsheime gab, als in ganz Deutschland vor 2 Jahren... und das die Täter gar nicht mehr nur Rechtsextreme Perspektivlose aus Ostdeutschland sind... auch wenn das in den Medien gerne zu einem Ostdeutschen Problem gemacht wird... 2015 wurden mehr als 1.000 Attacken auf Flüchtlingsheime gezählt. Die Zahl dürfte 2016 nicht zurück gehen.

Dann wird einem bewusst, dass die Brandsätze, die die Medien in unsere Köpfe setzen, wirklich zünden. Und dass die eine verdammt kurze Zündschnur haben.
Wichtig ist es, sich persönlich bewusst zu werden, wo diese Brandstifter überall sitzen können. Teilweise halt auch in Gebieten, bei denen man es gar nicht erwartet hätte. Und dass man dann diese Brandstifter im Rahmen seiner Möglichkeiten ächtet.

Mittwoch, 16. Mai 2012

Wie steigert man Vollidiot der Woche

genau: Fußballfan der Woche.

Nun sehe ich ja ein, dass der Abstiegs- oder Aufsteigskampf die Fans der betroffenen Vereine emotional sehr mitnimmt. Wahrscheinlich eigentlich viel zu sehr, wenn man bedenkt, dass es doch nur ein Spiel ist...
Aber früher haben die Männer auf der Tribüne einfach geweint... heute ist die Stimmung irgendwie viel aggressiver.

Angefangen hat das alles natürlich mit den Kölner Fans, die mit Rauchbomben zumindest einen früheren Abpfiff als eigentlich geplant provozierten. Man könnte das auch "Spielabbruch" nennen... aber dann müsste es ja ganz doll schlimme Konsequenzen für den sowieso schon total ungerechtfertigt durch den Abstieg gepeinigten FC geben... also verzichten wir lieber auf solche Begriffe...

Karlsruhes Fans waren da im Vergleich schon fast niedlich. Die haben brav bis zum Abpfiff gewartet um dann aufs Feld zu stürmen... und als sie dann merkten, dass dann ja die Polizei auf sie zukommt, sind sie zurück in ihren Block, bevor diese wirklich eingreifen konnte...

Und dann kamen die Düsseldorfer. Frei nach dem Motto: SIEG ODER SPIELABBRUCH!!!! Wie ein Unentschieden reicht auch? Egal!!!


Die Fans, die dort auf den Platz gestürmt sind, sind sich schon bewusst, dass sie mit der Aktion der Hertha beinah die Klasse gehalten hätten? Und ganz ehrlich: Wenn dieses Spiel nur zuende gespielt wurde, um laut der Polizei ein "Blutbad" zu verhindern.... Dann muss man das Spiel als DFL eigentlich als abgebrochen betrachten. Und dann muss man das Spiel eigentlich als 3:0 Sieg für die Hertha werten... die damit dann gerettet wären... Und alles nur, weil die Fans mittlerweile nicht mehr friedlich auf ihren Tribünen (mit einem ihrer Lieblinge als Einheizer auf dem Zaun) feiern können, sondern weil sie Bengalos zündend aufs Feld stürmen müssen.
Wobei der Kommentator zieht im entscheidenden Moment doch die falschen Schlüsse: "Das ist eines Relegationsspieles unwürdig." Das ist falsch: die Relegation ist eines Aufstiegs- und Abstiegskampfes unwürdig. Dieser beinah Spielabbruch sollte uns daran erinnern, diese übnötige Belastung für alle Beteiligten so schnell wie möglich abzuschaffen... Und das habe ich dann für diese Saison oft genug gesagt... ich kann es dann nächstes Jahr um diese Zeit wieder auspacken...

Oder um es passender Auszudrücken: Jahn Regensburg ist dann dank eines unberechtigten Elfmeters aufgestiegen... oder trotz eines nicht gegebenen Tores.... hmm... irgendwie können sich Fehlentscheidungen DOCH sehr schnell ausgleichen...