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Mittwoch, 10. November 2021

Jetzt wird Kimmich für seine Haltung auch noch belohnt

 Schließlich darf er die völlig bedeutungslosen Pflichtspiele gegen Liechtenstein und Armenien verpasst. Spiele, die Deutschland sogar komplett verlieren könnte, ohne dass es irgendwelche Konsequenzen hat. Großartiges Timing. Er kann jetzt 10 Tage Urlaub machen und regenerieren... Urlaub auf Balkonien, aber immerhin dürfte er einen schönen Balkon haben...

Ich habe mich ja selber kurz dabei erwischt, ob ich jetzt darauf hoffe, dass Kimmich sich jetzt selber angesteckt hat. Aber mir fiel dann relativ schnell auf, dass ich niemanden irgendwelche Krankheiten wünsche. Vor allem müsste ich ihm ja auch noch einen Rune Jarstein-esquen Verlauf wünschen, damit er wirklich was lernt. Das wäre wirklich asozial. Das kann keiner wollen.

Aber praktisch muss Joshua Kimmich jetzt doch mal anerkennen, dass seine egoistische Haltung gegenüber einer Impfung seinem Team schadet. Und zwar hauptsächlich seinem Team schadet. Denn das, was er jetzt gerade erlebt, kann ihm ja quasi täglich passieren: Irgendwer in seinem direkten Umfeld infiziert sich und er muss deswegen in Quarantäne. Es ist ein reiner Glücksfall für alle Beteiligten, dass es jetzt um nichts geht und er nicht mal ein Bundesligaspiel verpassen dürfte. Man stelle sich vor, so was passiert vor einem Champions League K.O. Spiel. Oder vor einem WM-Viertelfinale. 

Oder man stelle sich vor, die von Oke Göttlich geforderte vorbildliche Vernunft wird umgesetzt und es wird konsequent auf 2G umgestellt. Dann kann Kimmich gar nicht mehr spielen, bis er geimpft wird. Oder nur noch in der Champions League, da dort andere die Entscheidungen treffen.

Das ist nebenbei, um mal kurz wirklich politisch zu werden, das eigentliche Problem an der Pandemie: Dank zahlloser Konsequenz freier Skandale ist das Vertrauen in die Politiker extrem beschädigt. Dieser Schaden treibt die Leute in die Arme der Extremisten. Besonders passiert dies in Sachsen, wo diese Enttäuschung ins System 30 Jahre lang gehegt und gepflegt worden ist. Diese Extremisten bedienen sich der Unzufriedenheit und besetzen deswegen einfach die Anti-Covid-Maßnahmen Position. Die wird schön dadurch verdeutlicht, dass sich AfD Abgeordnete im Bundestag nicht testen lassen wollten und auf die Tribüne mussten. Jetzt haben die Politiker aber Angst vor wirklich konsequenten Maßnahmen, weil die "besorgten Bürger" dann nur noch mehr in Richtung der Extremisten getrieben werden. Also schieben sie die Verantwortung den Kulturbetreibern zu: Künstler, Veranstalter, Vereine. Ihr solltet 2G machen, ihr dürft das auch, aber ob ihr das wirklich wollt, müsst ihr selber entscheiden. Dafür kriegt ihr dann auch die Kritik ab, egal wie ihr euch entscheidet.
Anstatt schon im September, als Drosten vor der 4. Welle gewarnt hat, konsequent auf 2G zu entscheiden, weil absolut abzusehen war, was sonst passiert: Im November wird dann eh 2G kommen. Natürlich wäre das eine Impfpflicht gewesen. Eine "Wer am kulturellen Leben teilnehmen will, muss das tun" Pflicht. Aber solche Entscheidungen zu treffen ist doch deren Aufgabe und nicht unsere. Und es gibt so viele andere Pflichten, die der Staat ebenfalls eingeführt hat.

Und vertraut mir, ich betreibe ehrenamtlich in einem basisdemokratisch geführten Nachtclub. Wir haben stundenlang und sehr emotional aufwühlend über 2G oder 3G diskutiert, einfach nur, weil sich die Regierung geweigert hat, diese Entscheidung zu treffen... obwohl es doch eigentlich ihre Verantwortung ist. Jetzt sind die Ansagen der Politik so eindeutig, dass wir nicht wissen, ob wir gerade für eine Disco öffnen dürfen, oder nicht. Also selbst das Gesundheitsamt kann uns das nicht beantworten. Einfach nur, weil die Politiker sich vor klaren Entscheidungen und Ansagen fürchten.

Oh und falls sich noch jemand fragt, ob die Impfung trotz Durchbrüchen wirkt, guckt euch mal diese Karte an: Eigentlich sollte Hamburg als ziemlich überlaufene Großstadt, in der man im praktischen Alltag einfach keinen Meter Abstand halten kann, im Inzidenzwert ganz weit vorne liegen. Stattdessen dürfte die eher dünn besiedelte Sächsische Schweiz zeitnah vierstellige Inzidenzzahlen. Ländliche Kreise in Bayern sind schon so weit. Und Thüringen überholt gerade alles. Das sind die Bundesländer mit der schlechtesten Impfquote. Also abgesehen von Sachsen-Anhalt, anscheinend ist dieses Land selbst dem Virus zu doof... Ob die Corona-Zahlen gerade wieder extrem steigen oder nicht, liegt hauptsächlich an der Impfquote...

Aber zurück zum Sport: Eines steht doch auf jeden Fall fest: Wer sich in einem Mannschaftssport nicht impfen lässt, handelt extrem egoistisch und stellt die persönlichen Interessen über den Erfolgt des Teams. Nehmen wir mal die 2 praktische Beispiele:

Aaron "Ich bin immunisiert, ups doch nicht" Rodgers ist einer der 3 besten Quarterbacks der NFL. Das ist die wichtigste Position in diesem Sport. Jetzt verpasste er wegen eine Covid Infektion schon mal das erste Spiel und sein Team musste auf einen Debütanten setzen. Das ging nicht gut aus, der Debütant war gnadenlos überfordert. Rodgers schenkte also schon mal einen möglichen Sieg her. Und jetzt könnte er noch ein 2. Spiel verpassen, weil er sich plötzlich doch an das Protokoll halten muss, welches er vorher einfach ignoriert hat. Wenn man diese beiden Spiele verliert, schenkt man praktisch den ersten Platz in der NFC her. Ein extrem wichtiger Platz, weil man dadurch einerseits im Achtelfinale ein Freilos bekommt und anderseits im Viertel- UND Halbfinale Heimrecht genießt. Das sind extrem wichtige Vorteile. Aber Rodgers so: Ich vertraue auf lieber auf mein eigenes Gefühl und meine Freunde, als auf die Meinung der Ärzte.

2. bekanntes Beispiel aus Amerika: Kyrie Irving ist einer der besten Guards der NBA. Und auch er verweigert eine Impfung. Hier haben allerdings die New Yorker Politiker genau die konsequente Entscheidung getroffen, die ich vorhin gefordert habe: Nur wer geimpft ist, darf sich in öffentlichen Hallen aufhalten. Das gilt auch für Sportler, aber trainieren dürfte er. Deswegen hat Irving jetzt schon 11 von 82 möglichen Spielen verpasst. Auch hier gilt: Für sein Team wird es ohne ihn schwierig den Heimvorteil in den Playoffs zu sichern, worum es in der regulären Saison eigentlich geht...

Beide Athleten sind mit den höchstmöglichen Ansprüchen in die Saison gestartet: Meister werden, genauso wie Kimmich den Anspruch "Henkelpott holen" hat. Alle drei torpedieren aber diese Ansprüche durch ihr eigenes Verhalten.

Man sieht ja auch an Leon Goretzka, Leroy Sané, Manuel Neuer und Thomas Müller, welchen Unterschied eine Impfung ausmachen könnte. Also ja, es wird nur darüber spekuliert, dass nur die Ungeimpften nach Hause geschickt werden. Aber wenn Kimmich, Segre Gnabry, Jamal Musiala und Eric-Maxim Choupo Moting nach Hause reisen müssen, während wir nach 4 weiteren ungeimpften Bayern-Profis suchen könnten... ist schon auffällig. Und völlig überraschender Weise durften genau 4 andere Spieler im Kreise der Nationalmannschaft bleiben und werden weiter getestet... diese 4 werden aber nicht namentlich genannt, es gibt nur rein zufällig noch 4 weitere Bayern-Profis im Kader...

So korrekt die "Das unterliegt der Schweigepflicht" Haltung ist... es ist schon sehr offensichtlich, wer da welchen Status hat.

Und hier muss man nochmal eindeutig festhalten: Das hätte den Bayern genauso vor einem Champions League Achtelfinale gegen Paris St. Germain passieren können. Und wir sehen ja auch, dass Müller und Co. 3 Tage später spielen dürfen...

Der Fall Niklas Süle beweist, dass es, selbst wenn man geimpft und genesen ist, keinen 100 prozentigen Schutz gibt. Aber wenn Süle sich mit dem Virus infiziert, ist das Pech. Bei Kimmich wäre es leichtsinnig. Und leichtsinnig einen angeblich möglichen Titel wegzuwerfen, ist dumm.

Es ist nebenbei bezeichnend, dass Oliver Bierhoff es dann doch wieder vermeidet, ein klares Statement abzugeben... obwohl er doch eigentlich als Manager dafür angestellt ist, in solchen Momenten Stellung zu beziehen. Kein "Genau deswegen ist es wichtig, dass alle sich impfen lassen, wir hoffen, dass die Letzten da jetzt auch nachziehen"... Aber bevor Bierhoff nochmal eine Botschaft bringt, haben wir die Probleme mit dem VAR gelöst...

Montag, 25. Oktober 2021

Ein paar weitere Kimmich Gedanken

 Es lässt einen halt auch nicht wirklich los. Und nachdem ich gestern relativ viel Verständnis für diese Entscheidung aufgebracht habe, muss ich da doch nochmal kritischer drüber nachdenken.

Also vor allem wegen einer Aktion: WeKickCorona. Denn die macht Joshua Kimmichs Haltung um einiges komplizierter. Fangen wir mal mit dem ersten Zitat direkt von deren Homepage an:

"Weil die Gesundheit über allem steht, ist jetzt Solidarität im Kleinen wie im Großen notwendig. Jeder kann helfen."

Ähm. Ja... genau. Also dem ist wenig hinzuzufügen. Außer natürlich, dass diese Solidarität im Wesentlichen aus einer Impfung besteht. Das ist, neben sich zu Hause einschließen, das einzige, was man selber machen kann, um andere vor einer Infektion zu schützen. Und natürlich ist es ein Risiko, sich einen brandneuen Impfstoff in den Arm zu rammen. Da war mir persönlich auch immer bewusst. Ich bin dieses Risiko aber eingegangen, weil es a) sehr gering war und b) es die einzige Variante war, andere zu schützen. 

Kimmich fordert selber Solidarität von allen, ist aber selber nicht gewillt, diese Solidarität umzusetzen. Er will seine Freiheit zurück, aber nichts riskieren, um diese Freiheit zu bekommen. Einer der offiziellen Vorkämpfer gegen Corona ist jetzt nicht gewillt, auch den entscheidenden Schritt im Kampf gegen Corona zu gehen. Damit reißt er alles, was er an sozialem Engagement gezeigt hat, wieder ein.

Der nächste, genauso kritische Punkt ist halt, dass mit den WeKickCorona Spenden über Unicef eine gerechte Verteilung des Impfstoffs in der Welt unterstützt. Einen Impfstoff, den Kimmich selber für zu gefährlich hält, um ihn zu nutzen. Aber die Afrikaner können den ja ruhig ausprobieren. Wenn Menschen aus Entwicklungsländern wie Sachsen mit den Langzeitfolgen Probleme haben, ist das ja nicht so schlimm. Also genaugenommen ist genau das Kimmichs Meinung. Er lässt halt die anderen so lange testen, bis er sich sicher ist, dass ihm der Impfstoff nicht schadet.

Wirklich deutlich wird diese "Für euch ist das ja gut genug, für mich aber nicht" Haltung, wenn er dann angeblich wirklich auf einen sogenannten "Totimpfstoff" wartet. Der bringt dann laut dem verlinkten Artikel im wesentlichen weniger Nebenwirkungen. Also ja, Kimmichs Vorstellung von Solidarität ist, dass wir uns alle mit diesen Nebenwirkungen auseinandersetzen, damit er weiter seinem Job geregelt nachgehen kann. Er lässt uns das Risiko tragen, damit er wieder vor Leuten spielen darf. Und wenn es dann nicht mehr weh tut, greift er auch zur Spritze.

Und um da noch einen letzten Kicker zu bringen: Der Mann hat für diese WeKickCorona Aktion einen Preis gewonnen, weil wir es alle so toll fanden, wie er sich gegen Corona engagiert. Das mindeste, was Kimmich jetzt machen sollte, ist den "Fair Play Preis des deutschen Sports" zurückgeben. Denn seine Vorstellung von Fair Play ist ja: Tragt ihr das Risiko, dann muss ich nicht. Und auch der DFB sollte Kimmich sofort den Status als "Deutscher Fußball Botschafter" entziehen, der ihm laut Wikipedia verliehen worden ist. Denn dieser Botschafter verbreitet ganz offensichtlich Falschmeldungen und Unwahrheiten. Ernsthaft, da muss es jetzt eine deutliche Positionierung des DFBs geben. Aber... ähm... wer ist da gerade Präsident? Schon wieder niemand? Schade eigentlich.

Das ist nebenbei das wirklich positive an diesem ganzen Scheiß: Dass mir jetzt haufenweise Beiträge mit Zitaten von Wissenschaftlern geliefert worden, die mit diesem ganzen Langzeit-Mythos aufräumen. Dass darüber jetzt nochmals offen diskutiert wird, ist etwas Gutes. Problematisch ist natürlich, dass die jetzt von Kimmich bestärkten Impfgegner diese Artikel nicht lesen werden und nur auf Kimmich vertrauen...

Um nachzuweisen, was für absoluten Bullshit sich Kimmich da aus dem Arsch gezogen hat, wenn er Langzeitstudien fordert, muss man auf das seriöseste deutsche Organ verweisen: Den Postillon. Es ist halt schon traurig, dass ausgerechnet die Satire den Finger in die eigentlich wichtige Wunde legt. Und ja, ausgerechnet an dem Wochenende, an dem mit Manu Thiele ein bekannterer Youtuber ein Video zu den Gefahren von Gehirnerschütterungen macht, macht sich Kimmich Sorgen um eine Impfung und fordert Langzeitstudien. Hey, lieber Joshua, es gibt da Langzeitstudien, die nachweisen, dass jedes einzelne Bundesligaspiel, welches du absolvieren wirst, gefährlicher für dich ist, als diese Impfung. Wenn du dir wirklich Sorgen um deine Gesundheit machst, suche dir doch die richtig gefährlichen Dinge in deinem Alltag raus und gehe gegen diese vor. Aber anscheinend sind dir Langzeitfolgen sonst komplett egal.

Kommen wir zum letzten Problem: Kimmichs Klagen darüber, dass es nur „nur noch geimpft oder nicht geimpft“ gibt. „Und nicht geimpft bedeutet dann oftmals gleich, dass man Corona-Leugner oder Impfgegner ist." Kurzes Realitätsupdate: Bei Impfgegnern ist das genau so. Jeder hatte mittlerweile die Chance, sich impfen zu lassen. Wer dies nicht getan hat, hat sich bewusst dagegen entschieden. Und gerade Kimmich mit seiner herausragenden medizinischen Betreuung und Beratung hat sich bewusst dagegen entschieden. Damit ist er ein Impfgegner. Damit muss er sich auseinandersetzen.

Natürlich gibt es unterschiedliche Stufen von Impfgegnern. Es gibt diejenigen, die sich aus gesundheitlichen Gründen wirklich nicht impfen lassen können. Denen wurde die Entscheidung dagegen abgenommen.
Es gibt diejenigen, die sich noch unsicher sind, die deswegen aber auch gerne bereit sind, zurückzustecken.
Es gibt diejenigen, die sich noch unsicher sind, aber wie bockige Kleinkinder darauf pochen, dass sie trotzdem alles dürfen müssen. Das sind die Impfgegner, von denen ihr gerade wahrscheinlich am häufigsten hört. Das sind halt diejenigen, die sich jetzt darüber beschweren, dass in den Stadien 2G durchgesetzt wird, obwohl das absehbar war. Sie sehen an und für sich schon ein, dass Corona existiert und gefährlich ist, aber sie sehen nicht ein, dass sie deswegen irgendwelche Einschränkungen erdulden müssen.
Und dann gibt es die Corona komplett Leugner, die krampfhaft daran glauben, dass Bill Gates uns alle mit Mikrochips ausstatten will. Diese Menschen glauben halt, dass ich ein Schlafschaf bin, der sich keine eigene Meinung bilden kann, weil sie irgendwo eine vorgefertigte Meinung im Internet aufgestöbert haben und diese unreflektiert weitergeben. Da kann man halt nichts machen.

Kimmich gehört wahrscheinlich zur 2. Kategorie. Also zur "Ich sehe ein, dass ich mich dann einschränken muss, bin aber trotzdem weiter skeptisch" Klasse. Das entscheidende Grundproblem ist und bleibt aber, dass die Leute aus der 3. und 4. Kategorie ihm jetzt glauben und ihm jetzt zujubeln dürften. Und da sage ich mal: Wenn mir das passieren würde, würde ich mich fragen, was ich falsch gemacht habe...

Das wären nebenbei meine 2 Wünsche an die Sportjournalisten: Konfrontiert Kimmich damit, dass er die Impfung praktisch verweigert, was ihm zum Impfgegner macht, und dass er für seine Haltung hauptsächlich von den Leuten, von denen er sich distanzieren will, Applaus bekommt. Und erinnert ihn daran, dass ihn Langzeitstudien an anderen, für ihn persönlich gefährlicheren, Stellen vollkommen egal sind, er sich also schlecht auf diese berufen kann...

Die endlosen Probleme mit Joshua Kimmichs freier Entscheidung

 Ihr habt es ja alle mitbekommen. War ja nicht zu ignorieren. Unser Volksheld und unsere Führungspersönlichkeit Joshua Kimmich hat "persönlich noch ein paar Bedenken". 

Als allererstes muss man eines festhalten: Kimmich ist bestimmt kein Querdenker. Ganz sicher nicht. Er nimmt die Pandemie schon ernst. Er ist sich der schwierigen Lage bewusst. Was ihm aber nicht bewusst zu sein scheint: Die Impfverweigerer werden ihm für seine Haltung applaudieren, auch wenn er das gar nicht will.

Und das ist halt das Problem von jedem Prominenten von Kimmich bis Nena: Wenn sie in solchen Momenten eine Anti-Haltung zeigen, denken sich die ebenfalls zweifelnden Fans "Guck mal, wenn der damit Probleme hat... dann will ich das Risiko auch nicht eingehen." 

Da kommen wir auch zu dem eigentlichen Problem: Warum recherchiert die Bild überhaupt in diese Richtung? Also eine Impfung soll ja eine freie und private Entscheidung bleiben. Und klar, diese Entscheidung hat dann Konsequenzen. Zum Beispiel, dass Kimmich jetzt in vielen Stadien nicht als Gast erscheinen darf. Oder dass er sich von Clubs, Diskotheken und Konzerten fernhalten muss. Dessen ist Kimmich sich bewusst. Er nimmt die persönlichen Einschränkungen aufgrund seiner Bedenken an. Wenn er sich jetzt darüber beschweren würde, dass er sich ständig testen lassen muss und nicht in die Münchener Nobelschuppen kommt, dann könnten wir über ihn urteilen. Macht er aber nicht.

Das einzige, was die Bild mit ihrer Recherche erreicht, ist... dass eine private Entscheidung in die Öffentlichkeit kommt. Und diese Information bestärkt dann ausschließlich die Zweifler. Herzlichen Glückwunsch Springer, ihr habt es geschafft, dass 50 bis 50000 Menschen jetzt ihre Impfung weiter aufschieben, weil der Kimmich ja auch Bedenken hat. Der muss es ja wissen, das ist so ein netter und intelligenter Junge... Und dann jammert ihr im Dezember, weil wir dann in einen neuen Lockdown müssen, da zu wenige geimpft sind. Obwohl ihr gerade aktiv dran gearbeitet habt, dass dies so bleibt.

Und wenn jetzt der Kimmich als Reaktion auf die Veröffentlichung sagt: "Ok, ich bin mir meine Vorbildfunktion bewusst, ich lasse mich doch impfen!", dann denken diese Skeptiker: Jetzt gibt er dem Druck nach! Also doch die Impfpflicht, uns ist doch versprochen worden, dass es das nicht gibt! Scheiß Diktatur!

Kommen wir zu etwas wirklich albernen: Ein Multimillionär sagt "In meinem Fall zahlt das zum Glück noch der FC Bayern, aber falls das nicht mehr so wäre, würde ich das natürlich auch selbst machen." Direkt nachdem er irgendwie anerkennt, dass es problematisch ist, dass die Tests nicht mehr kostenlos sind und sich viele Geimpfte nicht mehr testen lassen... Was für ein Held. Er würde die 75 Euro die Woche, die er gar nicht wahrnimmt, tatsächlich selber bezahlen.

Wenn Kimmich wirklich ein auf "WeKickCorona" machen würde, würde er jeden Tag 500 Tests bezahlen, damit sich die Leute in seiner Stadt weiterhin kostenlos testen lassen können. Dann machen die anderen Bayern Profis auch noch mit und schon kann man das Heimspiel der Bayern mit "1G, wir sind alle getestet" stattfinden lassen. DAS wäre die wirklich konsequente Umsetzung seiner Haltung.

Kommen wir zu dem wirklich hässlichen Rattenschwanz: 2G im Stadion. Also dass der privilegierte Kimmich ungeimpft seiner Arbeit nachgehen kann, während der primitive Pöbel sich stechen lassen musste. Es ist sowieso schon schwierig genug 2G zu rechtfertigen. Also abgesehen vom: Ihr habt die freie Entscheidung getroffen, diese hat Konsequenzen. Eine davon ist, dass ihr bis Mai nicht ins Stadion dürft. Wenn das irgendwann eine Endemie wird, könnt ihr aber gerne wieder kommen.

Aber das wollen ja all die "Meinungsfreiheit! Das würd man ja wohl noch sagen dürfen!" Experten dabei nicht bedenken: Ja, ihr dürft die Meinung haben, dass die Impfungen gefährlich sind und ihr die deswegen vermeiden wollt. Ihr müsst aber damit rechnen, dass es für diese Meinung Gegenwind gibt. Und dass die Umsetzung dieser Meinung Konsequenzen nach sich zieht. Meinungsfreiheit heißt nicht, dass euch niemand widersprechen darf.

Jedenfalls kommt da jetzt endgültig die schwierige Frage auf: Sollte man als DFL nicht auf "2G, auch auf dem Rasen" verlangen? Also bestimmt nicht gleich, aber vielleicht zum Rückrundenauftakt. Kann man als DFB ungeimpfte Spieler nominieren? Ich sage nebenbei nicht, dass dies einfache Fragen sind. Denn einerseits wäre ein "Wir sind alle geimpft, macht es auch" eine wunderbare Unterstützung für derartige Kampagnen. Oder aber es führt dazu, dass sich die Skeptiker abwenden und weiter isolieren. Dann von der "gechippten Fußballmafia DFB" reden. Es ist halt am Ende eine verdammt schwierige Debatte.

Aber nur um zu beweisen, dass dies gehen würde: New York und San Francisco haben genau diese Regeln. Wer sich als New Yorker in einer öffentlichen Halle aufhalten will, der muss geimpft sein. Auch als 30 Millionen im Jahr verdienender Starspieler. Keine Ausnahmeregeln, sondern eine konsequente Umsetzung. Man muss dann aber auch damit rechnen, dass die Leute vor deinem Stadion protestieren...

All die Probleme haben wir nur, weil die Querdenker gewonnen haben. Das muss man einfach so akzeptieren. Denn machen wir uns nichts vor: Ein wesentlicher Grund, warum die Dänen den Scheißt zur Endemie erklären konnten, ist deren Impfquote. Wenn wir die auch auf 75 % steigen könnten, wären wir da auch schon weiter. Aber es wurden halt so viele Zweifel gesät und die Debatte derart überhitzt, dass Kimmich kein zu ignorierender Einzelfall ist, sondern einer von 25 bis 30 %. Und um das nochmal festzuhalten: Von diesen 30 % sind die wenigsten Querdenker. Aber es sind halt viele "Ich vertraue den Ärzten nicht... und dem Staat auch nicht mehr!" Menschen. Also da kommt ja das Gerede von den fehlenden Langzeitstudien her, obwohl einem alle Ärzte erzählen, dass eine Impfung wesentlich ungefährlicher ist als eine Infektion, die man ohne langfristig bekommen wird. Und da können einem Wissenschaftler noch so oft erklären, dass wir den Begriff "Langzeitfolgen" vollkommen falsch verwenden. Die Idee, dass einem noch Monate nach der Impfung wegen dieser etwas passieren kann, hat sich halt in den Köpfen festgesetzt. Und sie wurde von der Querdenker-Bewegung etabliert. Wie gesagt: Die haben gewonnen.

Oh und um die "Wer sagt's ihm?" Frage aus der Sportschau Meinung zu beantworten: Das wäre die Aufgabe des Teamarztes. Wenn der seinen Job richtig machen würde, wäre Kimmich aufgeklärt. Aber anscheinend konnte Dr. Müller-Wohlfahrt ihn nicht mit Fakten überzeugen.

Zu guter Letzt würde ich ja Kimmich einen persönlichen Tipp geben: Rede mal mit Rune Jarstein. Also Jarstein ist ja mein trauriges Lieblingsbeispiel, wenn Leute mit der "Ich bin gut durchtrainiert, was soll mir passieren, all der Fußballprofis ist ja auch nichts passiert!" Haltung kommen. Denn Jarstein beweist, wie Scheiße so eine Covid-Infektion verlaufen kann. Denn Jarstein hat offiziell seit April Corona. Und jetzt, 6 Monate später, darf er langsam wieder an Leistungssport denken. Und er sagt ganz klar: Lasst euch alle impfen! Sonst ergeht es euch vielleicht so wie mir...

Mittwoch, 29. September 2021

2G spaltet die Gesellschaft nicht

 Es bringt uns zurück zur Normalität.

Aber kurz ein paar Worte vorneweg: Persönlich bin ich ja kein Stadiongänger. Nie gewesen. Aber ich gehe auch mindestens 30 Konzerte im Jahr und betreibe in meiner Freizeit einen Studentenklub mit 60 anderen Bekloppten. Deswegen kann ich mich durchaus zum Unterschied zwischen 2 und 3G äußern, denn ich weiß, was in der sächsischen Coronaschutzverordnung steht. Und ich habe in der letzten Woche im Rahmen des Reeperbahn Festivals in Hamburg sehnsüchtig in die Clubs gucken dürfen, in denen am Freitag und Samstag 2G angesagt war. Zum Glück lief da beschissene Musik. Denn in den Clubs mit der guten Musik, in denen ich war, musste ich Maske tragen und exzessive Bewegungen konnten zum Abbruch des Konzertes führen. Da hab ich halt absolut kein Bock mehr drauf.

2G heißt halt (in Sachsen) ganz praktisch, dass man wieder mit voller Kapazität öffnen darf. Ich gehe mal ganz dreist davon aus, dass das in Stadien genau so wäre, wie in Konzertlocations.

Und nur um dann mal zu verdeutlichen, was das heißt. 2G bedeutet:

Ihr könnt euch endlich wieder im Stadion umarmen, wenn ein Tor fällt. Szenen wie in Freiburg, wo Christian Streich vor einem vollen Block ins Megafon brüllt, kann man wieder ohne Bedenken sehen. Das Stadion kann wieder ausverkauft sein, ihr könnt endlich wieder wildfremden Menschen eure Jubelarien ins Ohr schreien.

Ihr müsst dann endlich wieder in der 35. Minute Bier holen gehen, damit ihr pünktlich zur 2. Halbzeit zurück seid. Gleichzeitig müsst ihr 2 Bier mehr bestellen, weil es so voll ist, dass ihr unterwegs eh was verschüttet. Am besten holt ihr für jeden gleich 2 Bier, denn wer weiß, wie lange man das nächste Mal ansteht.

Ihr könnt endlich wieder die gegnerischen Spieler rassistisch beleidigen, denn es stehen so viele gleichgesinnte um euch herum, dass ihr persönlich nicht auszumachen seid. Und es ist so laut im Stadion, dass das nicht sofort auffällt...

Ihr könnt endlich wieder Bengalos in den gegnerischen Fanblock schießen, denn da stehen auch wieder Fans... und die stehen so eng, dass ihr sie auch treffen könntet...

Kurz gesagt: All das, was die Ultras von den Erfolgsfans und Kunden abhebt, ist dann endlich wieder möglich. Und ja, das klingt alles eher furchtbar. Und es ist hoffentlich auch gnadenlos übertrieben. Aber es ist halt auch genau das, was wir vermisst haben. All das können wir jetzt zurückbekommen. Also die Mutigen unter uns.

Und hier muss ja auch zwingend festgehalten werden: 2G ist eine Überganglösung, bis das alles irgendwann zur Endemie erklärt wird... also bis es wirklich wie eine Grippe ist. Wenn jetzt also irgendjemand behauptet, dass er 20 Jahre lang in der Kurve stand, dies aber nie wieder darf, weil er sich nicht impfen lassen will... dann ist diese Person unfassbar dumm. Also nicht nur, weil sie sich nicht impfen lassen will, sondern weil sie anscheinend felsenfest davon überzeugt ist, dass wir für den Rest unseres Lebens unsere Impfausweise überall vorzeigen müssen. Das ist aber absoluter Quatsch. Euch hat ja in den letzten Jahren auch niemand nach eurer Grippe Impfung gefragt.

Trotzdem sagen die Fußballfans in Dresden offiziell: wenn die auf St.Pauli 2G machen, dann boykottieren wir das. Wir wollen die alte Stimmung nicht zurück! Das soll möglichst lange Scheiße bleiben!

Und dann tun die alle so, als würden sie für die Freiheit kämpfen. Gerade die Sachsen. Also ich bin da ja nur zugezogen, aber was ich da über die Wendezeit gehört habe... also meine Elterngeneration hatte Angst, dass auf sie mit scharfer Munition geschossen wird, aber die sind trotzdem auf die Straße. Oder genau deswegen. Die jetzige Generation ist nicht mal gewillt 2 Tage Nebenwirkungen zu ertragen, will aber trotzdem ihre Freiheit wieder... Und ja, wir können es uns nicht vorstellen, wie es ist, wenn man Angst davor hat, dass die eigene Armee auf einen schießt. Noch nicht... Aber 1989 in Dresden und Leipzig war das eine realistische Bedrohung.

Versteht mich nicht falsch: Es gibt durchaus Menschen, die sich nicht impfen lassen können. Die wirklich gute Gründe haben, aber das sind nicht 1/3 aller Deutschen. Und gerade die müssen wir doch schützen. Aber 1/3 sind immer noch ungeimpft, weil die Querdenker und der Wendler halt zu viel Erfolg hatten und zu viele Zweifel gesät haben.

Man kann ja an Dänemark sehen, wie sich eine erfolgreiche Impfquote auswirkt. Dort sind schon 3 von 4 vollständig geimpft, deswegen können die jetzt schon alle Maßnahmen abschaffen. Wenn wir uns nicht mit den Ungeimpften solidarisieren würden, könnten wir das auch... Aber wir schicken ja Millionen Impfdosen zurück... Das könnte echt alles schon erledigt sein.

Wir müssen am Ende noch kurz über Impfdurchbrüche reden. Und ja, die wird es geben. Aber genau deswegen ist es wichtig, dass man auf 2G hochschaltet, bis wir uns der Herdenimmunität nähern. Denn ganz wichtig ist dabei, dass die Geimpften dann zwar Corona bekommen, aber überwiegend leichte Verläufe haben. Sprich: Man überlebt das ohne Krankenhausaufenthalt. Und die paar unglücklichen, die wirklich ins Krankenhaus müssen, finden genügend freie Betten.

Machen wir mal eine ganz einfache Rechnung: In einem Stadion kommt es zu einem Impfdurchbruch. Es gibt 100 positive Fälle. Im 2G System bedeutet dies, dass vielleicht einer ins Krankenhaus muss. Wenn jetzt aber 33 Ungeimpfte dabei sind, die sich die Delta-Variante einfangen, dann müssen plötzlich 5-10 Leute ins Krankenhaus.

Dass sich gerade die Ultras dann mit den Verweigerern solidarisieren, überrascht mich ehrlich gesagt wenig. Sowohl im Rahmen des Reeperbahn Festivals, als auch in der Leipziger Studentenklub Szene, war die Stimmung eher ein: Wann kommt endlich dieses 2G? Wir wollen wieder richtig feiern! Aber auf Nena-Konzerten dürfte dies natürlich anders aussehen...
Ich kann euch aus eigener Erfahrung sagen: Wer ein Mal auf einer 2G Veranstaltung war und mitbekommt, wie viel schöner das ist, der will nie wieder zu 3G zurück. Sondern der macht bis zum Ende der Pandemie nur noch 2G. Und der sagt dann den Impf-Skeptikern: Macht das, aber macht das bei euch zu Hause. Ich will meine Freiheit zurück und kann da auf euch keine Rücksicht nehmen. Also bleibt weg.

Morgen gibt's wieder Fußball, aber das musste mal raus... Manchmal ist dieser Blog halt doch auch Eigentherapie...

Freitag, 12. Februar 2021

Das ist dann das Worst Case Szenario

 Also vor allem deshalb, weil es ich mich jetzt doch mit der Klub-WM beschäftigen muss, was ich eigentlich aus Prinzip vermeiden wollte. Denn das einzige wirksame Mittel gegen solche Wettbewerbe ist ja sie zu ignorieren. Wenn wir das alle machen würden, würde man sie auch abschaffen.

Was dann aber wieder dazu führt, dass der Kommentar von Karlheinz Wild den entscheidenden Punkt verfehlt. Denn bei der Klub-WM geht es nicht um spannende Spiele und einen sportlich fairen Wettbewerb, sondern darum, dass auch die Vereine aus den sportlichen "Entwicklungskontinenten" den Traum von einem Pflichtspielsieg gegen eine europäische Spitzenmannschaft leben können. Mehr muss man daraus aber auch nicht unbedingt machen.

Und natürlich ist es sportlich mehr als fragwürdig, wenn sich in 13 von 15 Fällen eh der Champions League Sieger durchsetzt. Aber ich sag das mal so: In der Relegation gibt es eine ähnliche Quote und das stört auch keinen, obwohl die Konsequenzen wesentlich gravierender sind.

Das faszinierendste ist aber das Ende des Kommentars. Denn da fällt Wild dann plötzlich auf, dass die "Bedenken, ob dieser marginale Wettbewerb trotz der Pandemie und der aktuellen Virus-Bedrohung in den Jahreskalender gequetscht werden musste, absolut berechtigt" sind. Interessant, dass ihnen das hinterher auffällt. Also nach dem positiven Corona-Test von Thomas Müller... den er sich auf einer absurd sinnlosen Dienstreise eingefangen hat. Wo waren diese Bedenken eigentlich vor dem Turnier?

Wenn der Kicker Eier in der Hose hätte, hätte er vor der Klub-WM ein eindeutiges Statement gegen diese abgegeben: Man werde abgesehen vom nötigen Ergebnisdienst, keinerlei Berichtserstattung zu diesem Turnier machen, da man es in Zeiten der Pandemie mit dem Meister aus Neuseeland hält und solche unnötigen Wettbewerbe einfach absagen sollte. Der Kicker hat aber keine Eier. Er steckt tief im Arsch der Bayern.

So tief, dass niemand Karlheinz Rummenigge daran erinnern wird, was seine Bayern alles während der Pandemie unbedingt ausspielen mussten, wenn er sich das nächste Mal über die Nationalmannschaften echauffiert. Und genau das müsste dann kommen: Kalle, dein Spieler hat sich während der Klub-WM mit Corona infiziert, du hast jegliches recht aufs Jammern über unnötige Reisen, Spielansetzungen oder Turniere auf Lebenszeit verloren. 

Ich meine, stellt euch mal vor, ein Bayern Profi hätte sich während der Nations League infiziert und müsste dann 9 Tage in Quarantäne. Die Bayern würden Schadensersatz fordern. Über die Wettbewerbsverzerrung jammern, falls die Ausfallzeit mit einem Champions League Spiel kollidiert. Und die Gesundheit der Spieler auf ein Mal ganz großschreiben...

Aber wenn es um 4 Millionen Euro Preisgeld für einen selber geht... da kann man dann halt nichts machen. Da muss man dieses Risiko auch in Kauf nehmen. Und das Risiko ist ja kaum höher als bei einem normalen Champions League Spiel, da sagt ja auch keiner was.

Da gibt es aber einen entscheidenden Unterschied: Für die Champions League interessieren sich die Fans. Also praktisch alle europäischen Fußballfans. Selbst die meisten derer, die eigentlich nur noch zu Regionalligaspiele ihrer Traditionsvereine gehen, schalten halt heimlich doch die Champions League ein. Oder ihre Zahl ist im Großen und Ganzen gesehen so gering, dass sie nicht auffallen.

Plus: Ohne die Champions League Fernsehgelder bricht halt das ganze System zusammen und der eine oder andere Verein wie Barcelona geht pleite. Außerdem hängen halt haufenweise Arbeitsplätze an der Champions League und den nationalen Meisterschaften. Damit sind die dann Systemrelevant... und damit ist es auch nachvollziehbar, dass man für solche Wettbewerbe ein höheres Risiko eingehen will.

Auch wenn die Frage, ob man beide Mannschaften dafür reisen lassen muss, weil die Einreise nach Deutschland zu gefährlich ist, noch beantwortet werden muss. Aber dass man dafür Ausnahmen macht, ist halbwegs nachvollziehbar.

Dass aber der reichste Sportverband der Welt, der es sich mit Milliarden in der Hinterhand echt leisten könnte die Verluste ein Mal auszugleichen, unbedingt dieses Turnier durchdrücken muss... In einem Pandemie Risiko Gebiet...

Und wo wir schon bei Eiern in der Hose sind: Wenn das Gesundheitsamt in München diesen hätte, würden sie die gesamte Bayern-Mannschaft in Quarantäne schicken. Mit der Begründung: Wer sich als Konzern bei einer völlig unnötigen Auslandsreise einen Coronafall anlacht, muss damit rechnen. Aber das hätte man natürlich vorher ankündigen müssen.

Aber das könnte man ja mal vor den Champions League Wochen machen: Hey, wenn ihr unbedingt gegen Mannschaften aus Ländern mit Corona Mutation spielen müsst und wir das nicht verhindern können, dann seid euch einer Sache bewusst: Wenn einer von euch sich bei diesen Trips Corona anfängt, geht ihr alle geschlossen für 14 Tage in Quarantäne. So wie man es bei Normalsterblichen auch machen würde.

Wenn die Bayern Eier in der Hose hätten, hätten sie mit Verweis auf die Pandemie, von sich aus verzichtet. Öffentlich gesagt: Wir wissen, dass wir als Fußballer eine Ausnahmestellung genießen. Dass wir verdammt viel machen dürfen, was anderen verboten ist. Aber in dieser Ausnahmestellung muss man halt auch mal eingestehen: Dieses Turnier ist ein vollkommen unnötiges Risiko, welches wir einfach vermeiden wollen. Macht das ohne uns.

Dafür hätte es von europaweit von den Fans Applaus gegeben. Wir hätten uns alle während des Finales zwischen Tigres und Al-Ahly auf den Balkon gestellt und 90 Minuten lang applaudiert... obwohl es gerade bitterkalt und mein Balkon komplett eingeschneit ist. Das Problem daran ist natürlich: Man kann bei den Pflegekräften nachfragen, wie gut man sich von Applaus ernähren kann... Also nehmen die Bayern doch lieber die 4 Millionen Euro Preisgeld.

Nebenbei wird auch offensichtlich, wie bigott unsere Fußballberichterstattung wieder ist. Also wenn einzelne Spieler wie Tolisso mit unnötigen und egoistischen Eskapaden auffallen, wird groß darüber diskutiert, dass die Spieler sich ihres Sonderstatus bewusst sein müssen. Dass sie viel bessere Vorbilder sein müssen. Dass sie mit Anfang 20 keine Dummheiten machen dürfen. 

Aber, wenn dann die Bayern mit als Verein geschlossen durch einen Egotrip auffallen... dann schicken wir unsere Reporter dahin und berichten darüber. Also unkritisch und zu 85 % über das Geschehen auf dem Platz und nicht darüber, wie krass Fehl am Platz das eigentlich gerade ist. Wenn man unnötige Aktionen unbedingt kritisieren will, sollte man dies auch konsequent machen.

Oh und um zu beweisen, dass man durchaus unpopuläre Meinungen gegen den Veranstalter vertreten kann, auch wenn ohne den angeblich gar nichts geht: LeBron James als immer noch bester Basketballer der Welt hat gerade sehr eindeutig Stellung gegen ein geplantes All Star Game der NBA bezogen. Öffentlich bekannt, dass gerade gar keinen Bock auf so einen sinnlosen Scheiß hat. Das ist nicht ganz sein Wortlaut, aber es ist dicht dran. Mehrere NBA Stars haben bereits verlauten lassen, dass sie dort nur auflaufen werden, weil sie sonst Strafen befürchten... Warum hat man aus dem Bayern-Kader keine ähnlichen Ansagen gehört? Ich frag ja nur...

Donnerstag, 31. Dezember 2020

Ole Gunnar Solskjaer spricht eine unangenehme Wahrheit aus

Was natürlich sofort auf Kicker.de möglichst weit unten vergraben werden muss. Denn das jemand darüber nachdenkt, dass es einerseits gerade richtig bescheiden läuft und das andererseits absehbar war... Dann doch lieber das Chaos in Stuttgart auf die Titelseite.

Dabei ist der Satz von Solskjaer eigentlich unfassbar wichtig: Eine Pause ist halt unmöglich, weil der Rahmenterminkalender es nicht zulässt. Weder in England, noch in Deutschland. Und das war halt auch abzusehen.

Denn dem Fußball fällt halt jetzt seine unfassbare Gier auf die Füße. Der Fakt, dass man unbedingt alles durchdrücken und möglichst wenige Einbußen hinnehmen wollte. Also nur um das nochmal festzuhalten: Der FC Bayern hat wegen dieser uns alle beeinflussenden Pandemie auf 2 Heimspiele verzichtet: Das Viertel- und Halbfinale in der Champions League. An sonsten wurden alle Ansetzungen durchgezogen. Selbst die Klub-WM steht noch auf dem Plan, obwohl die echt niemand braucht. Da werden die Bayern wieder mit ihrem ersten Anzug hinfahren, weil... ist ja wichtig.

Jeder, der den "Es wird eine 2. Welle geben" Wissenschaftlern zugehört hat und sich den Rahmenterminkalender angeguckt hat, musste zu einem Schluss kommen: Das kann so nicht gut gehen. Man muss sich als Fußballgemeinschaft Raum für mögliche Absagen und Spielverlegungen lassen. Schließlich ist, was dem einen oder anderen Vereinstrainer nicht so ganz bewusst ist, eine Verlegung des Saisonendes dank der Europameisterschaft keine Lösung. Und wie immer gilt: Wer selbst Gierig ohne Ende ist, kann nicht verlangen, dass die anderen (also die Nationalmannschaften) zurückstecken. Ok, er kann das schon verlangen, aber es wird ihm niemand zu hören.

Es hätte so eine einfache Lösung gegeben, auf die man sich hätte einigen können: Man verhandelt mit den Fernsehstationen, ob man einmalig die Europäischen Wettbewerbe ohne Gruppenphase abhalten kann. Und fragt die, wie viel das kosten würde. Immer mit dem Verweis darauf, dass sie dann wahrscheinlicher ein geregeltes Achtel- und Viertelfinale zeigen können. Dann hätte man noch über ein einmaliges Streichen der nationalen Pokalwettbewerbe nachdenken können und fertig wäre der entschlackte Spielplan.

Was nebenbei, wenige wird es überraschen, hier bereits im Oktober vorgeschlagen wurde.

Und wenn man jetzt schon beim Viertelfinale angekommen wäre, könnte man auf ein Mal die vernünftige Entscheidung treffen: Fußballspiele im Januar absagen, die Vereine nicht reisen lassen und all die gerade eintreffenden Covid Fälle mal zur Ruhe kommen lassen. Um dann Anfang oder Mitte Februar wieder einzusteigen. Dann hätte man immer noch ein Hammer Programm, aber es gäbe zumindest die Hoffnung, dass man nur mit 5.000 und nicht mit 25.000 Neuinfektionen pro Tag umgehen muss. Also pro Land.

Aber die Uefa fuhr halt genau so auf Sicht, wie die Regierungen. Und hofften einfach darauf, dass das schon gut gehen wird. Sie beweisen wieder mal, das "Verantwortungsvolle Handeln" und "Die Gesundheit der Spieler" nicht zu ihren Prioritäten gehören. Sondern das Drucken von Geld.

Was nebenbei genau so faszinierend ist: Alle tun jetzt so, als wäre das ein Problem der Engländer... Denn die haben ja die mutierte Virusversion... die es angeblich schon im November in Deutschland gab...

Und nur die Engländer hatten über Weihnachten mit Spielabsagen zu kämpfen. Das könnte auch daran liegen, dass man keine Spiele absagen kann, wenn keine angesetzt sind, aber Details. Vor allem ignoriert man dabei, dass es vielleicht sinnvoller gewesen wäre das Wolfsburg Spiel abzusagen, weil 5 Akteure in Quarantäne mussten... Oder das Würzburg demonstrativ einen Torhüter eingewechselt hat, weil alle anderen Optionen nicht zur Verfügung standen. Also auch die DFL ist im "Absagen sind keine Option" Modus. Und das sogar in Ansetzungen, für die man relativ leicht Ersatztermine finden könnte, weil keiner der Beteiligten International spielt. 

Hier eine faszinierende Variante den Unterschied zwischen Berichtserstattung über Deutschland und England zu verdeutlichen: Es ist überhaupt kein Problem rauszukriegen, wie viele Covid-19 Fälle es im Dezember in der Premiere League gab: 45. Klingt nach viel. Aber wenn ich vergleichbare Zahlen für die Bundesliga abrufen will... muss ich mich selber durch eine Bilderserie klicken und mitzählen. Dazu muss man irgendwie auch bedenken, dass die letzte veröffentlichte Testserie vor Weihnachten rein kam. 

Wären die Zahlen so hoch, wie in der Premiere League? Wahrscheinlich nicht. Aber die Drohung Spielabsagen oder zumindest weiter drastische Wettbewerbsverzerrung, wie man sie in Würzburg erlebt hat, stehen weiterhin im Raum. Und es gibt praktisch keinerlei Spielraum um auf diese Drohung zu reagieren.

Da hätte uns echt mal jemand vor warnen können... Also außer die Wissenschaftler, auf die anscheinend niemand hört.

Dienstag, 22. Dezember 2020

Während Corona geht so was ja gar nicht!

Also noch mehr als sonst nicht. Das ist ja viel viel schlimmer. Deswegen muss man den... wer war es noch gleich... nicht der, der andere... Marcus Thuram jetzt doppelt so hart bestrafen...

Ähm... Nein.

Also nur um das mal kurz festzuhalten: Thuram hat ungefähr 70 Corona-Tests hinter sich, damit er auf dem Platz stehen darf. Mindestens. Das ganze Konstrukt "Hygienekonzept" funktioniert nur, weil wir davon ausgehen, dass die Spieler das Virus nicht haben. Und die Fälle in Wolfsburg oder Würzburg zeigen ja, wie drastisch durchgegriffen wird, sobald der leiseste Zweifel an dieser Grundlage besteht.

Man wird ja sicherheitshalber vom Spielberichtsbogen genommen, wenn man nur Kontakt mit jemanden hatte, der sich mit Covid-19 angesteckt hat. Und das ist auch vollkommen vernünftig so.

Das bedeutet aber auch: Die Pandemie sollte keinerlei Einfluss auf das Strafmaß haben.

Dann kommen aber alle mit "Aber die Vorbildfunktion!!!!1ELF!! Gerade in diesen Zeiten muss man doch!"
Ja... also könnte man. Aber warum berufen wir uns auf die Vorbildfunktion, wenn die Aktion extrem eklig war, und sonst ist es uns egal? Also wenn wir wollen, dass unsere Helden als Vorbilder für Hygienemaßnahmen herhalten, dann lasst uns das so machen... aber in aller Konsequenz.

Also mir fiel dies das erste Mal so richtig extrem auf, als José Mourinho spontan durch die Sportschau lief... und Jürgen Klopp kurz vorm Anpfiff mal so richtig knuddeln wollte. Natürlich ohne Maske. Ich dachte mir so: Kaum gibt es eine minimale Chance, dass Mourinho Klopp mit einem tödlichen Virus anstecken könnte, schon verliert der sonst doch eher distanzierte Trainer jegliche Hemmungen.

Und dass ist jetzt das Extrembeispiel. Aber das Trainer und Spieler sich nach den Spiel noch mal dringend in den Armen liegen müssen, ist ein regelmäßig auftauchendes Bild. Und das wird dann immer unkommentiert hingenommen. Und im Fernsehen gezeigt, weil die Emotionen ja so wichtig sind.

Genau genommen ist das aber mindestens so gefährlich wie Thurams Spuck-Aktion. Und sendet die vollkommen falsche Botschaft in unsere Wohnzimmer. Wenn man jetzt also will, dass Sportler sich wie Vorbilder verhalten, dann muss man das auch konsequent verlangen und nicht nur, wenn es einem gerade ins Narrativ passt, während man es sonst komplett ignoriert.

Es hätte dafür auch eine einfache Lösung gegeben: Man legt schon im Sommer fest, dass jegliche Verstöße gegen die AHA-Regeln vor und nach dem Spiel mit einer Verwarnungen geahndet werden. Also auch nachträglich. Und ja, praktisch kann ein Schiedsrichter auch nach dem Abpfiff Spieler verwarnen.

Und diese Verwarnungen werden statistisch wie reguläre Gelbe Karten gezählt. Sprich: Wer das zum 5. Mal macht (oder in Kombination mit Taktischen Fouls auf die 5. Gelbe Karte kommt), setzt ein Spiel aus. Dann hätte man auch eine Verhandlungsgrundlage gehabt um Thurams Sperre zu erhöhen, weil es ein krasser Verstoß gegen AHA war. Man hat aber beschlossen, dass man derartiges nicht sanktionieren will. Das muss man dann auch durchziehen. 

Das andere Problem ist, dass wir Fußball-Idioten wohl als einzige auf der Welt mit einheitlichen Regeln spielen müssen. Also wenn die DFL das für sich als Teil des Hygienekonzepts beschlossen hätte, Verstöße gegen AHA mit Verwarnungen zu ahnden, wäre das transparent und nachvollziehbar gewesen... Aber der erste Spieler, der deswegen gesperrt worden wäre, hätte sich dagegen trotzdem bei der Fifa beschweren können. Weil die Fifa Regeln ungefähr so Pandemie-gerecht sind, wie unser Grundgesetz. 

Ich werde nie verstehen, warum die Fifa solche Details nicht den einzelnen Verbänden überlässt. Also hat natürlich wenig mit Covid zu tun, aber warum müssen wir Deutschen uns Regeln beim Jubeln von anderen Kulturkreisen vorschreiben lassen? Und das ist ja der Grund, warum es fürs "Trikot Ausziehen" (ein vergehen, welches wesentlich harmloser ist als in Pandemiezeiten unmotiviert Menschen aus anderen Haushalten zu umarmen) Gelbe Karten gibt. Anstatt den Kulturkreisen, die damit ein Problem haben, einfach zu sagen: Wenn ihr damit ein Problem habt, dann zeigt das Spiel mit 10 Sekunden Verzögerung und lasst die Regie was anderes einblenden, wenn da etwas passiert, was ihr nicht sehen wollt... Dann können die nackten Bierbäuche aus den Fanblocks einblenden, anstatt die durch trainierten Oberkörper der Athleten zu zeigen... Wenn es Kulturkreise gibt, in denen die Männer anfangen zu weinen, wenn sie fittere Menschen als sich selbst nackt sehen, muss man darauf halt Rücksicht nehmen... also als TV Station aus dem entsprechenden Kulturkreis...

Dadurch ist das Regelwerk aber halt auch so träge, dass man es nicht auf Sondersituationen, wie sie derzeit existieren (also... hoffen wir mal, dass es eine Sondersituation bleibt und wir uns nicht an Pandemien gewöhnen müssen...), anpassen kann. Und das liegt halt auch stark daran, dass die Fifa, die es ja sonst mir Regeln und Gesetzen nicht ganz so genau nimmt, genau festlegen will, was auf dem Platz erlaubt ist und was nicht...

Freitag, 2. Oktober 2020

Europas Große Reisesaison hat begonnen

 Also sobald Länderspielreisen anstehen, fällt den Bundesliga-Managern auf, dass Reisen in Risikogebiete ein Problem sein werden. Und das die Nationalmannschaften dies auch machen werden. Ihr Grundslogan: "Wir stehen am Ende alleine da." Worauf ich doch sage: Selbst Schuld.

Hier gilt halt auch: Wenn die Bayern gesagt hätten: "Wir reisen nicht in ein Risikogebiet, um ein sinnloses Spiel auszutragen... entweder ihr verlegt das, oder sagt das ab." wäre das ein richtig heftiges Statement gewesen. Und wenn man dann noch auf den Deutschen Supercup verzichtet hätte. Aber da ging es ja um die eigenen Millionen. da kann man halt nichts machen. 

Und hier ist das wirklich faszinierende: ein Jörg Schmadtke stimmt dann in den Klagegesang mit ein. Der Manager vom VfL Wolfsburg, der in den letzten Wochen mit seiner Truppe munter durch Europa getourt ist. Und klar, noch sind die Namen so unbekannt, dass keiner eine Ahnung hat, ob Tschernihiw in einem Risikogebiet liegt, oder nicht. Aber es wird der Moment kommen, wo unsere Europacup Mannschaften in einem Gebiet mit Reisewarnung antreten muss. Und dann wird es zu keinem "Das ist zu riskant, das können wir nicht tun" geben. Aber immerhin muss man Schmadtke zu Gute halten, dass seine Mannschaft sich da am Ende raushält.

Dass Stefan Reuter und Michael Preetz sich kritisch dazu äußern, sehe ich ja noch ein. Die müssen halt nur innerhalb von Deutschland reisen. Aber ja, die Wahrscheinlichkeit, dass sich Xaver Schlager bei einem Länderspieleinsatz mit Corona infiziert, ist nicht wesentlich größer, als die Wahrscheinlichkeit, dass ihm das bei einem Europa League Einsatz passiert. Trotzdem wird sich nur über das eine beschwert, das andere ist alternativlos.

Das ist ja das Dreiste an den Vereinen: Sobald es um ihre eigenen Millionen geht, wird keinerlei Rücksicht genommen. Man bringt auch selber keine relevanten Kompromissvorschläge ein. Also praktisches Beispiel: Wenn man einfach ein Mal beschlossen hätte, auf jegliche Gruppenphasen zu verzichten und wie früher komplett im K.O. Modus zu spielen um den Terminkalender zu entspannen. Oder man verhindert zumindest, dass all die Champions League Versager absteigen und streicht so die Zwischenrunde vorm Achtelfinale... Stattdessen haben wir immer noch 15 Termine in 31 Wochen für die Europa League reserviert. Also ohne die Qualifikation, die ja schon munter lief. Dazu muss man bedenken, dass im Januar und über den halben Februar keine internationalen Spiele angesetzt werden können, weil man in gewissen Gebieten da einfach keine Jungen Männer in kurzen Hosen über den Rasen jagen will. Also nicht wegen Covid, sondern wegen den Temperaturen dort. Das haben unsere Großelten das letzte Mal versucht und es ist bisher immer gescheitert... Und dann muss man noch 2 Wochen für die Länderspieltermine abziehen... Am Ende wird in jeder möglichen Woche Europacup gespielt. Und ja, wer sich den Rahmenterminkalender für 2021 anguckt, wird feststellen, dass die "englische Woche" da endgültig zur neuen Deutschen Norm wird...

Wir haben also 15 Termine, in denen haufenweise Mannschaften quer durch Europa geflogen werden. In der, weil man ja offensichtlich keine Ausweichtermine hat, es vollkommen egal ist, ob das Spiel in einem Risikogebiet stattfindet. Alles in dem "Hoffentlich geht das irgendwie gut." Modus.

Aber wenn sich Spieler, die ja wöchentlich getestet werden, das erste Mal seit 11 Monaten mit ihren Nationalmannschaften treffen, haben wir ein Problem. Das geht dann gar nicht. Da muss uns die Fifa schützen. Und dann wollen die auch noch nach Südamerika fliegen. Und die Vereine zahlen natürlich die Zeche.

Was nebenbei absoluter Bullshit ist. Also konkretes Beispiel Hertha und Matheus Cunha. Der junge Brasilianer wurde jetzt zum ersten Mal für die Nationalmannschaft nominiert wurde. Und die Hertha macht sich sorgen, dass sie davon nicht profitieren könnten.

Also klar, wenn Cunha hinterher für 8 Tage in Quarantäne muss, stimmt das kurzfristig sogar. Aber allein schon das der Angreifer nominiert worden ist, steigert doch seinen Marktwert um 5 Millionen Euro. Wenn der jetzt noch 4 Spiele macht, kann man ihn für 40 Millionen in die Permiere League verkaufen. Wenn er für Brasilien bei einer Weltmeisterschaft trifft, ist er 80 Millionen wert. Und selbst wenn die Summen Covid sei dank wirklich geringer ausfallen, steigert er immer noch seinen Marktwert.

Oh und er steigert die Reichweite der Hertha. Denn wenn er für Brasilien gut spielt, landet sein Verein auf ein Mal auf dem Radar der Brasilianischen Fußballfans. Die haben derzeit noch keinerlei Gründe Hertha zu folgen. Aber über Cunha kommt der Verein dort ins Gespräch. Und gegebenenfalls ins Fernsehen.

Hier ist das absurde: Fußballvereine verpflichten teilweise bewusst Spieler, um Märkte zu erschließen. Also hauptsächlich den "Quotenasiaten", weil China und Ostasien der größte Markt sind. Aber auch Südamerikaner steigern immer auch die Aufmerksamkeit eines Fußball verrückten Kontinents. Wenn diese Spieler dann aber als Markenbotschafter im patriotischen Dienst im Einsatz sind, soll das auf ein Mal ein Problem sein... Auch wenn sie indirekt Umsätze für ihre Klubmannschaft generieren.

All die Bundesliga-Manager sollten sich mal einer Sache bewusst werden: Dass Fußball weltweit der Sport Nummer 1 ist, hat verdammt viel mit den Nationalmannschaften zu tun. Mit der Pionierarbeit der Fifa damals vor fast 100 Jahren. Also praktisches Beispiel: Die erste Basketball-WM fand im Jahr 1950 statt. Da gab es schon die 4. Ausgabe des Fußballturniers. Und nur wegen des 2. Weltkrieges war man "erst" bei Nummer 4. Aber danach wurden die Welt- und Europameisterschaften dann zu unserem Kriegsersatz: Das eine Event, bei dem man seinen Nationalstolz mal so richtig ausleben und diese Franzosen in die Schranken weisen kann. Und solange man das bei solch harmlosen Spielen rauslässt, ist das wahrscheinlich sogar vernünftig.

Aber es waren immer die Nationalmannschaften, die die Grundlagen für den Boom legten. In Deutschland, weil man zu historisch geschickt gewählten Zeitpunkten Weltmeister wurde. Und weltweit, weil man durch dieses riesiger Turnier mit den Weltbesten Spielern neue Märkte erschlossen wurden. Also genau deswegen fand doch die WM 1994 in den USA und die 2002 in Südkorea und Japan statt. Und gerade wenn man sich anguckt, welche Märkte 2002 so erschlossen wurden. Da kann sich eigentlich keiner beschweren.

Die Fifa-Weltmeisterschaft ist das wichtigste Sportturnier nach den Olympischen Spielen. Und im Gegensatz zu denen geht es bei Ersteren ausschließlich um Fußball. Auf Platz 3 ist dann wahrscheinlich schon die Europameisterschaft. Und das sind alles riesige Werbeplattformen, die den Vereinsmannschaften quasi gratis zur Verfügung gestellt werden. Und dann spielen sie noch in Stadien, die für solche Turniere gebaut und entsprechend subventioniert wurden. Viele der schönen Stadien, in die die Fans heutzutage so zahlreich strömen, wurden doch für die WM Bewerbung 2006 gebaut oder renoviert. Mit zahlreichen Fördergeldern. Was auch gar kein Problem ist, man sollte es nur nicht vergessen. Vor allem, wenn demnächst wieder eine Europameisterschaft ansteht, in der dann die Stadien nochmal ein Update bekommen.
Wie kann man sich da beschweren, wenn man auch im verfluchten 2020 2 Mal seine Spieler für diese Werbemaßnahmen abstellen muss?

Und machen wir uns nichts vor: Ohne die Nationalmannschaften wäre die allgemeine Bedeutung des Fußballs wesentlich geringer. Und damit auch die Umsätze. Die könnte man, wie auch die Fernsehgelder, direkt mal halbieren. Denn ohne die erdrückenden Erfolge der deutschen Fußballnationalmannschaft gäbe es vielleicht sogar amerikanische Verhältnisse auf dem Deutschen Sportmarkt. Also das "es gibt mehrere große Sportarten nebeneinander und nicht nur die eine, die alles andere dominiert." Nur halt in einem wesentlich kleineren Markt. 

Wenn sich Michael Preetz also fragt, was er und sein Verein von den Abstellung seiner Starspieler hat, muss er einfach nur mal auf die Gelder gucken, die ihm die Fernsehstationen aus In- und Ausland überweisen. Oder die er vom Windhorst bekommt. Nur um das noch mal festzuhalten: Fußball ist in Deutschland der einzige Sport, in dem ein Investor 150 Millionen Euro pumpt, weil er davon ausgeht, dass er mehr Geld wieder rausbekommt. Ohne die Nationalmannschaften würde Hertha vielleicht 20 von ihm bekommen.

Aber anscheinend haben nicht nur Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß einen Horizont, der nicht über den eigenen Tellerrand hinaus geht. Anscheinend glauben wirklich alle Manager, dass sie sich dieses Milliardengeschäft Fußball ganz alleine und nur auf dem Rücken der Vereine aufgebaut haben.

Wobei man an der Stelle festhalten muss, dass die Bayern gerade tatsächlich die Füße stillhalten. Immerhin. Aber die haben wahrscheinlich auch schon auf den Spielplan geguckt und fest gestellt: Wir müssen jede Verschnaufpause, die wir kriegen können, mitnehmen... und praktisch sind Länderspiele Verschnaufpausen.

Im Wesentlichen gibt es 2 Varianten: Entweder man sagt alle internationalen Events ab, weil einem das während Corona zu riskant ist. Man spart sich die Reisen auf Vereins- und Nationalmannschafts-Ebene. Aber das ist natürlich keine Option, weil es ja um die Millionenverträge, die eingehalten werden müssen, geht.

Oder man sagt: Internationale Reisen für Fußballer sind zwar riskant, aber wir können halt gerade nicht drauf verzichten. Die Show muss halt weiter gehen. Beide Entscheidungen muss man dann halt in aller Konsequenz treffen. Und nicht nur den Teil akzeptieren, von dem man selber profitiert.

Donnerstag, 1. Oktober 2020

Wird das die chaotische Saison, die uns zum Restart versprochen wurde?

Nur um mal die Gedächtnisse etwas aufzufrischen: Nach der dreimonatigen Unterbrechung gingen viele Experten davon aus, dass es einige extreme Ergebnisse geben würde.

Es konnte halt keiner vorhersagen, ob und wie sich die Spieler während der Pause fit gehalten haben. Und wie sich diese Pause auf die Automatismen ausgewirkt haben. Dazu kam halt auch noch der recht extreme Spielplan, der zumindest für alle nicht-Bayern eine gewaltige Umstellung darstellen müsste. Und der Fakt, dass man auf die Fanunterstützung verzichten musste.

Am Ende hatten nur die Fans einen wirklich Einfluss auf die Saison. Also es gab dann halt haufenweise Spieltage mit 2 Heimsiegen. Aber an sonsten.

Also  David Wagner würde natürlich gerne behaupten, dass ihre 18 Spiele ohne Sieg auf Corona zurückzuführen sind. Und das Schalke am meisten unter den Geisterspielen gelitten hat, kann man sogar nachvollziehen. Aber selbst dort hat Covid-19 einen eh schon eingeleiteten Trend weiter verschärft. Der Shutdown des Angriffsspiel wurde schon lange vor dem Pandemie-Shutdown eingeleitet.

Die Extremen Ergebnisse kamen aber erst zum Saisonende, als entweder der Abstieg schon fest stand oder die Klasse schon gesichert war. Also nach einem großen Spannungsabfall einzelner Mannschaften.

Diese Saison allerdings... haben wir halt mit dem 4:1 von Hoffenheim den ersten "Schocker". Oder den 2., wenn man das 5:4 von Braunschweig gegen Hertha im DFB Pokal mit zählt. Und wenn man sich dann im Ausland umguckt...

Wer sich den Premiere League Beitrag im Kicker am Montag durchliest, muss zwangsweise zu der Frage kommen: Verteidigt da gerade überhaupt irgendjemand?

Hier sind alle Mannschaften, die nach 3 Spieltagen weniger als 1 Gegentor pro Spiel gefangen haben: Aston Villa. Die sind irgendwie noch bei 0. Und Crystall Palace ist bei 3. Und wer sich jetzt denkt: So eine Tabelle nach 3 Spieltagen ist doch nicht aussagekräftig: Stimmt. Aber letzte Saison hatten zu diesem Zeitpunkt 10 Mannschaften 3 oder weniger Tore kassiert. Das war die Hälfte der Liga. Dieses Jahr scheint es bei allen an defensiver Stabilität zu fehlen.

Und wenn man sich die anstehende Knochenmühle anschaut, in der selbst die Bundesliga auf eine Winterpause verzichten muss... Das wird eine absolute Hardcore Saison. Gerade für die Bayern, die ja noch nicht mal eine Sommerpause hatten,

Gerade deswegen überrascht es mich ja so, dass die Bayern beide Supercups ausgetragen und gewonnen haben. Das ein Robert Lewandowski in diesen völlig belanglosen Spielen 200 Minuten auf dem Rasen stehen musste, obwohl die Bayern immer noch keinen annähernd adäquaten Ersatzmann haben. Die brauchen den Lewandowski doch in den wichtigen Spielen.

Und mit Leroy Sané gibt es ja schon das "erste Opfer". Das war genau genommen abzusehen. Also dass ein Spieler, der gerade frisch von einem Kreuzbandriss zurück kommt, das anstehende Mammutprogramm durchstehen wird, ohne dass sich der Körper beschwert, war praktisch ausgeschlossen. Was aber auch wieder direkt die Frage bringt: Warum ist Sané überhaupt mit nach Budapest geflogen? Das war doch eine vollkommen unnötige Zusatzbelastung.

Aber die Bayern werden bestimmt einen Weg finden, auf die Nationalmannschaften zu fluchen, wenn ihre Spieler an ihre körperlichen Grenzen kommen. Wobei man fairer Weise zugeben muss, dass da gerade von ihnen nichts kommt. Aber dazu morgen mehr.

Das nächste Problem ist halt, dass diese hässliche Hure Namens Covid-19 immer noch nicht gelöst wurde. Und die Fußball-Reisesaison schon längst begonnen hat. Was jetzt auch den Bundesligamanagern aufgefallen ist.

Und ja, es gab schon die ersten Spieler, die in Quarantäne mussten, weil sie einen positiven Test haben. Darunter sind mit Thiago, Paul Pogba und Kylian Mbappé. Und die haben das ohne Länderspielreisen geschafft.

Man merkt anscheinend jetzt schon, dass es keine vernünftige Vorbereitung geben konnte. Hauptsächlich wegen Covid-19, aber halt auch, weil nach der Saison noch die europäischen Wettbewerbe durch geprügelt werden mussten. Und zeitgleich die Qualifikation für die diesjährigen Wettbewerbe. So hatten die Bayern praktisch in 2020 schon 4 jeweils extrem kurze Vorbereitungen: Eine auf die Rückrunde, eine auf den Re-Start, eine auf die Champions League und eine auf die neue Saison. 

Und jetzt hat man ein gnadenloses Hardcore-Progamm vor sich. Wo Länderspiele die einzige Ruhepause darstellen. Man darf gespannt sein, wie die Spieler das verkraften.

Natürlich ist, da das Programm für die Dortmunder und Leipziger ja nicht wirklich sympathischer aussieht, davon auszugehen, dass es trotzdem für die Meisterschaft reichen wird. Aber zumindest könnte es auf dem Weg dahin mehr Überraschungen geben, als in den letzten Jahren.

Montag, 27. Juli 2020

Passives Abseits Leser wissen es exklusiv: Es wird mehr Corona Fälle geben

Normalerweise wird hier ja gerne darauf hingewiesen, wie oft ich mit mehr oder weniger extremen Thesen Recht behalten habe. Dann mach ich mir nen Bier auf und beweihräuchere mich an meiner Weitsicht. Aber hin und wieder greift man auch daneben. Und dann greift man im Fall von Pal Dardai bei der Anerkennung des Fehlers wieder ins Klo... ups.

Und genau so einen Fall hatten wir auch gerade wieder. Es war ja meine persönliche Überzeugung, dass wir vor Saisonende über einen erneuten Abbruch reden müssen, weil es weitere Covid-19 Fälle geben wird. Weil das Hygienekonzept viel zu optimistisch angelegt wurde und es keinerlei Pläne gab, was passiert, wenn es einen positiven Fall gibt. Und die Fälle bei Dynamo Dresden gaben mir ja recht. Dass die DFL vorher nicht mit den örtlichen Behörden darüber geredet hat, was passiert, wenn es positive Fälle gibt, war unfassbar naiv. Und deswegen versucht Dresden jetzt zu klagen. Das hätten die gleich machen sollen... oder auf ein Aussetzen der Relegation pochen... aber Weitsicht war noch nie Dresdens Stärke. Die können halt nur so weit gucken, wie das Dynamo Licht gibt... und jeder, der sein Fahrradlicht noch mit so einem Teil betrieben hat, weiß, dass das nicht sonderlich viel Licht gibt...

Aber abgesehen von diesem einen wirklich unfairen Fall... kamen wir perfekt durch den Re-Start. Die Fans haben sich weitestgehend (also bis auf den Klassenerhalt bei Union Berlin) vorbildlich verhalten. Das liegt bestimmt auch daran, dass die Bayern-Fans eine Meisterschaft nicht mehr wirklich auf der Straße feiern, ist halt Buisness as usual... Und ja, ich habe irgendwie auch befürchtet, dass die Ultras einen Abbruch herbeiführen werden und das dann als wichtigen Protest gegen die Kommerzialisierung auslegen. Das hätten die auch gekonnt. Aber sie haben halt doch drauf verzichtet und stattdessen "nur" Plakate im Stadion aufgehangen.

Aber bevor ihr verächtlich nach Liverpool guckt, sollte euch eines bewusst werden: Wenn Borussia Dortmund Meister geworden wären, hätte es dieselben Schlagzeilen auch im Ruhrgebiet gegeben. Und wenn Bielefeld wirklich existieren würde, hätten die da auch den Aufstieg entsprechend gefeiert.

Aber selbst wenn... wären diese Fälle ja für die geschlossene Leistungsgesellschaft egal gewesen. Also in Berlin wurde ja gefeiert, weil das Saisonziel sicher war. Und man raffte sich trotzdem zu einer ordentlichen Leistung am letzten Spieltag auf. Ein wirkliches Eingreifen in die in die Tabelle gab es deswegen nicht.

Hier ist halt meine Frage: Lag das wirklich am Hygienekonzept der DFL, oder war das einfach nur "Glück"? Also das Vorreiterprojekt aus Deutschland ist ja von vielen anderen Nationen dann so übernommen worden. Also bei unseren Nachbarn aus der Schweiz wurde vor 2 Wochen über einen erneuten Abbruch diskutiert, weil es beim FC Zürich 10 Coronafälle gab und sie deswegen mit ihrer Reservemannschaft antreten mussten. Der FC Zürich hat wenig überraschend die letzten 4 Spiele allesamt verloren. Immerhin verspielt man so "nur" die Europa League und nicht gleich den Klassenerhalt.

In Russland durfte der FK Rostow ein Mal ausschließlich mit Jugendspielern antreten, weil die eigene Profimannschaft noch in Quarantäne war und die Show halt wieder losgehen musste. Man verlor 1:10. Auch wenn deren weiterer Saisonverlauf die Frage mit sich bringt: Hätte Dynamo Dresden vielleicht auch einfach ein Spiel mit der Jugendmannschaft abschenken sollen und dadurch den Terminkalender entspannen?
Nebenbei, als kleiner Fun Fact, rettete der FK Sotchi, also der Gegner der Jugendmannschaft, sich praktisch mit genau diesem Spiel. Wenn die da nur Unentschieden spielen, fehlen ihnen Plus 9 Tore und 2 Punkte, dann sind sie hinter Samara. Nur um mal zu erwähnen, wie krass die Corona Auswirkungen auf die Erstliga Tabellen im Ausland sind.

Oh und die Aufstiegsfrage in Spanien kann gerade schlecht geklärt werden, weil CF Fuenlabrada gerade in einem Hotel in La Coruna in Quarantäne sitzt... 

Die hatten ja auch alle ein Hygienekonzept. Ob das jetzt nicht so gut umgesetzt worden ist... oder ob wir in Deutschland als gesamte Gesellschaft und unabhängig von der DFL dafür gesorgt haben, dass das bei uns "gut" ging... das ist halt die Frage nach dem Huhn und dem Ei.

Also unser derzeitig größtes Corona Problem ist ja, dass wird auf Grund der dann irgendwann ergriffenen Maßnahmen zu gut durch die Krise kamen... und die Regierung sich deswegen jetzt Vorwürfe von Verschwörungstheoretikern machen lassen muss. Ich bin schon 2 Mal über solche Demos gestolpert und musste dann unbedingt sicher stellen, dass die mich nicht heimlich als Demonstrant mit zählen... Aber man kann ja an anderen Ländern gut erkennen, wie sich die Krise entwickelt hätte, wenn die Gesundheit nicht an erste Stelle steht, sondern die Wiederwahl... Und ja, in den USA verläuft der Start der MLS wesentlich schlechter als die Bundesliga. Da wurden direkt einige Mannschaften komplett ausgeschlossen, weil sie zu viele Corona Fälle hatten.

In erster Instanz sollten wir alle froh sein, dass es bei "uns" so glatt gelaufen ist. Und wir sollten nur wegen der "Erfolge" im Land nicht leichtsinnig werden. Also ehrlicher Weise muss man ja sagen "noch leichtsinniger"...
Dass die deutsche Fußballsaison vernünftig durchgezogen werden konnte, ist ein Grund zum Durchatmen, aber es ist kein Anlass seine Masken wegzuwerfen und exzessiv zu feiern.

Bleibt gesund und nehmt Rücksicht auf andere. So als motivierende Botschaft am Ende...

Donnerstag, 21. Mai 2020

Es ist wieder so weit

Wir haben den Zeitpunkt des Jahres erreicht, in dem hier die Abschaffung der Relegation gefordert wird. War ja auch aller höchste Zeit.

Wobei es dieses Mal, ich bin ja kompromissbereit, nur um ein einmaliges Aussetzen der Relegation gehen würde. Also ernsthaft, dass der  Scheißt jetzt trotz Corona unbedingt durchgezogen werden muss, ist mal wieder absoluter Wahnsinn. Vor allem wenn man bedenkt, dass die erst jetzt geklärt haben, wer das jetzt übertragen soll...

Der Grund, warum es absoluter Wahnsinn ist Dynamo Dresden und deren Zwangsquarantäne. Denn langsam wird ja deutlich, wie die Auswirkungen dieser Pause und der daraus folgenden Spielabsagen sind. Das Ergebnis: 9 Spiele in 29 Tagen. Mit effektiv 7 Tagen Vorbereitung. Das ist ein völlig absurder Plan.

Lustige Nebennotiz: Die DFL hat ja den Vereinen den guten Tipp gegeben, ihre Kader möglichst breit aufzustellen, damit sie auf solche Sondersituationen angemessen reagieren können... ähm... denen ist bewusst, dass es für eine Profimannschaft praktisch unmöglich ist sich während der Saison in der Breite zu verstärken? Die einzige Möglichkeit lautet: Seinen Kader mit Jungprofis, die überfordert sein werden, aufzufüllen. Guter Tipp.

Jedenfalls gibt es praktisch nur einen einzigen Grund, warum Dynamo unbedingt auf diese 9 Spiele kommen muss: Es gibt praktisch keine Möglichkeit die Saison noch um eine Woche nach hinten zu verlegen, weil in dieser Woche ja bereits die Relegation ausgetragen werden muss.

Nun werden einige darauf hinweisen, dass die Verträge ja am 30.6. auslaufen und die Saison deswegen an genau dem Wochenende beendet werden muss. Das würde natürlich stimmen. Aber dass die Relegationsteilnehmer dann nur mit ihrer halben Mannschaft auflaufen können, ist ja auch egal.
Anders ausgedrückt: Man hätte praktisch eine Lösung dafür gefunden die Zweitliga Saison um eine Woche zu verlängern. Und für die auslaufenden Verträge hätte man eine angemessene Lösung gefunden, mit der alle Einverstandgen gewesen wären.
Also praktisch sollte ein Spieler mit auslaufenden Vertrag für die Idee, dass er eine Woche Extraschichten schiebt, dafür aber sein Verletzungsrisiko sinkt, begeistern lassen.

Die vernünftige Lösung wäre also gewesen... Den Re-Start und das Ende der Zweitligasaison um 1 Woche nach hinten zu verschieben. Dadurch bei Dynamo den Druck vom Kessel zu nehmen, da sie dann ein Spiel weniger nachholen müssen. Und wenn es hinterher keine Interaktion zwischen 1. und 2. Liga gibt, ist es ja auch kein Problem, wenn die asynchron enden.

Und hey. wahrscheinlich hätten es sogar die TV-Anbieter verstanden, wenn dieses eine Mal auf Grund der höheren Umstände auf die Relegation verzichtet wird. Aber wie immer wurde darüber nicht mal nachgedacht.

Völlig absurder Weise wären Dynamos Chancen auf den Klassenerhalt wahrscheinlich sogar gestiegen, wenn es 3 direkte Absteiger geben würde. Obwohl dieser Vorschlag erst Mal dazu führt, dass sie einen weiteren Platz gut machen müssen. Da bringt einem direkt zum nächsten Detail:

WARTE WAS? Die wollen auch die Relegation zwischen Zweiter und Dritter Liga durchziehen? Was konsumieren die eigentlich? Also nur um den Idioten mal beim Zählen zu helfen: Es stehen noch 11 Spieltage in der Dritten Liga aus. Es gibt noch keinen Plan, wie der Re-Start der Dritten Liga aussieht. Aber vor Juni dürfte das nichts werden. Dann haben wir 30 Tage um 11 Spieltage durchzuziehen, damit man rechtzeitig zur angedachten Relegation fertig wird. Dafür müsste man alle 2,7 Tage spielen. Erscheint das irgendwie sinnvoll?

Das ist wieder einer dieser "Warum hat das niemand angesprochen?" Details. Warum gab es nicht mal den "Lasst uns mal über Auf- und Abstieg ohne Relegation für dieses Jahr reden" Vorschlag? Können wir mal mit den TV Stationen (oder mit unseren Rechtsanwälten) reden, wie viel uns das wirklich kosten würde?

Aber hey, man muss halt alle Hebel in Bewegung setzen, damit Werder Bremen trotz Florian Kohfeld die Klasse halten kann... Und buchstäblich alle möglichen Konflikte wurden einfach ignoriert oder bei Seite geschoben...

Montag, 11. Mai 2020

Leipzig raus aus Sachsen!

Warte, kommt mir das nicht irgendwie bekannt vor? Oh, natürlich... Es ist die Grundforderung Der Partei Die Partei in Leipzig... Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet der Fußball ihnen jetzt eventuell hilft...

Verwirrt? Gut. Dann geht es auch wie mir bei den aktuellen Entwicklungen in Sachen Neustart. Denn die belegen nur, wie wenig Gedanken sich die DFL wirklich gemacht hat.

Also das Gesundheitsamt in Dresden hat dann die hier gestellte "Wie viele Corona Fälle darf eine Mannschaft haben, bevor..." Frage mit 2 beantwortet. Nun bin ich mir an der Stelle nicht ganz sicher, ob die nur für Dresden, oder für ganz Sachsen entscheiden. Wenn letzteres der Fall ist, wäre es echt sinnvoller, wenn RB Leipzig bis zum Saisonende nach Köln umzieht. Da scheint man mit Corona Fällen bei Fußballmannschaften entspannter umzugehen...

Mich fasziniert es ja, dass die DFL anscheinend nie mit den Gesundheitsämtern gesprochen hat. Man hätte sich da zumindest mal eine grobe Orientierung einholen können, wie deren Reaktionen auf positive Befunde aussehen. Und nur um das noch mal zu verdeutlichen: Wenn die wirklich geglaubt haben, dass sie ohne einen einzigen positiven Corona Befund durch die Saison kommen... dann sollten die geschlossen wegen Inkompetenz zurücktreten.

Was die ganze Sache noch absurder macht, ist ja der Fakt, dass die DFL in Person von Christian Seifert jetzt kein Problem damit hat, dass die gesamte Dresdener Mannschaft jetzt 2 Wochen in Quarantäne muss...
Berichtigt mich, wenn ich falsch liege, aber Dresden kann jetzt 2 Wochen lang kein Training organisieren. Noch nicht mal in kleinen Gruppen. Und sie haben nicht genügend Fitnessgeräte für angemessenes Heimtraining... Aber die DFL will einfach nur das nächste Spiel gegen Hannover (und eventuell das gegen Fürth) verlegen...

Also alle anderen kriegen 2 Wochen Vorsprung im Mannschaftstraining und Dresden kriegt dafür mehr englische Wochen... also zusätzlich zu dem Rückstand noch weniger Gelegenheiten diese Rückstände aufzuholen... Soll das wirklich der Plan sein? Hat Dresden unter diesen Voraussetzungen überhaupt eine Chance auf den Klassenerhalt?

Die großartigste Perle von Seifert ist ja das "Es gibt sicherlich eine Größe, dann ist es irgendwann nicht mehr machbar." Aber solange es nur Dresden betrifft, die dann deswegen absteigen, ist es ja noch keine relevante Größe.
Also stellt euch einfach mal vor es würde den Hamburger SV betreffen. Die müssten jetzt 2 Wochen kollektiv in Quarantäne und dürften dann hinterher ohne angemessenes Training in den Aufstiegskampf eingreifen. Wie groß wäre der nationale Aufschrei, dass das ja übelste Wettbewerbsverzerrung ist. Aber Dresden ist halt nur einer dieser kleinen Pissvereine. Who cares.

Und ich ging davon aus, dass wir erst nach dem Derby Dortmund - Schalke über einen Abbruch reden müssen, weil die Fans der Gewinnermannschaft spontane Straßenfeste veranstalten... Aber es ging doch noch viel schneller als erwartet.

Und alles, weil man sich anscheinend einfach keinen Plan gemacht hat, was passiert, wenn es doch einen positiven Fall gibt. Aber hey, das wird bestimmt der einzige Fall werden.
Eigentlich hätte die DFL schon vor der Ankündigung des Neustarts mit den örtlichen Gesundheitsämtern klären müssen, was bei einem positiven Befund passieren soll. Jetzt sollte es dringend nachgeholt werden. Einfach nur, damit alle Bescheid wissen und man entsprechend planen kann...
Aber wahrscheinlich wäre das Ergebnis gewesen, dass man das Ganze so halt nicht machen kann. Und das man sich halt doch in den Gemeinden treffen muss, bei denen man nach einem positiven Befund nicht alles auf den Kopf stellen muss. Man hätte also die "Können wir wirklich überall spielen, oder sollten wir den Rahmen klein halten" Debatte, die hier bereits mehrfach angerissen worden ist und die alle anderen führen, einfach mal durchgehen sollen.
Aber wenn man als Leuchtturmprojekt unbedingt als erste Liga wieder spielen will, hat man für solche Diskurse einfach keine Zeit. Da richtet man sein gesamtes Konzept lieber an einem illusorischen Idealfall aus.

Wirklich grotesk wird es dann, wenn die DFL plötzlich Regeln fürs Jubeln aufstellt... Also ein kurzer Ellenbogenkontakt sei dann erlaubt... ähm... WHAT THE FLYING FUCK? Wieso lassen wir Leute Entscheidungen treffen, die anscheinend noch nie ein Bundesligaspiel gesehen haben?

Also für diese Ahnungslosen: Wenn Robert Lewandowski sich in einem Ringkampf gegen Neven Subotic durchsetzt um den hereingeschlagenen Eckball ins Netz zu köpfen... ist es kein Problem, wenn er hinterer Flankengeber Serge Gnabry umarmt. Das Problem ist, dass er sich vorher im körperliche Zweikampf gegen wahrscheinlich mehrere Verteidiger durchsetzen musste. Und Gnabry hatte halt mit all den Subotic im Verlaufe des Spieles ebenfalls seine Berührungspunkte. So läuft das halt in der Bundesliga.
Falls die Führungsriege das wirklich nicht mitbekommen hat: Fußball ist ein Vollkontaktsport. Ein Lewandowski liefert sich quasi ständig Ringkämpfe mit verschiedensten Verteidigern. Außer er spielt gegen Werder "Social Distancing" Bremen... Der Torjubel ist da echt das geringste Problem.

Und ja, die einzige Grundlage, auf der dieser Spaß funktionieren kann, ist die Annahme, dass Leute mit negativen Testergebnissen (also alle, die auf dem Platz stehen) andere nicht anstecken können. Wenn das nicht funktioniert, gibt es eh bald positive Testwellen und einen Abbruch. Aber Umarmungen beim Torjubel werden auf die Ausbreitung keinen relevanten Einfluss haben.

In positiven Befunden... ähm Nachrichten: Anscheinend ist es mittlerweile immerhin bei den Bundesligisten angekommen, dass man seine praktisch ins Risiko gehende Belegschaft mal befragen müsste, ob sie das eigentlich wollen. Und ihnen die Option zu geben im Zweifelsfall zu Hause zu bleiben. Immerhin. Eigentlich hätte man zu erst mit denen klären müssen, ob sie da mitmachen, aber besser spät als nie.

Aber der DFL fällt jetzt schon der Fakt auf die Füße, dass sie verdammt viele kritische Punkte einfach nur bei Seite geschoben haben um unbedingt wieder zu spielen. Am Ende dürfte dabei raus kommen, dass die anderen, die eine gründlichere Vorbereitung durchgezogen und mehr kritische Punkte vorher geklärt haben, die Saison dafür dann auch zu Ende spielen können.
Denn Stand Jetzt steuern wir einem erneuten Abbruch entgegen.

Donnerstag, 7. Mai 2020

Diese Selbstbeweihräucherung

Auch von einem Fredi Bobic, den ich ja sonst schätze... Also dass "wir die ersten, die die Situation unter medizinischen Gesichtspunkten absolut sauber gestalten" sein wollen... Wenn wir genau genommen einfach nur die ersten sein wollen und alles andere ist anscheinend... nun ja... sekundär.

Ich prognostiziere hier mal, dass wir vor Saisonende die Debatte führen werden, ob die Saison nicht doch noch abgebrochen werden muss... Und dass dann keiner einen Plan hat, ab wann man ernsthaft darüber reden muss...

Mir fällt das ja besonders an einer Stelle auf: Den Spielorten. Also andere, die sich nachhaltiger mit einen Neustart beschäftigen, machen sich halt nicht nur über das "ob" und "wie", sondern vor allem auch über das "wo" Gedanken.

Also einige praktische Beispiele: Die NBA denkt gerade darüber nach ihre Saison in Disney World fortzuführen. Oder in Las Vegas. Also wirklich auf kleinstem Raum. Die MLB soll eventuell in Arizona in die neue Saison starten. Auch wenn es da derzeit eher nach einem "Jeder kriegt Heimspiele" Modell hinauslaufen wird, werden solche Modelle zumindest diskutiert.
In Portugal soll, laut Montags-Kicker, ausschließlich in den alten EM Stadien gespielt werden, weil die als einzige groß genug sind um die Hygieneregeln einzuhalten.
Und die Premiere League will sich ebenfalls auf 10 "neutrale Spielorte" einigen. Auch wenn es da bereits schon die Ankündigung einer Klage von Brighton angekündigt worden ist. Spannend ist hier bei: Es geht bei den Stadien nicht um die Größe und Ausstattung, sondern um ihre Lage. Deshalb fehlen Anfield und Wembley, da sie in Wohngebieten liegen und das den Briten zu heiß ist...
Und ja, es gibt überall auch Widerstand gegen diese Pläne... aber so ist das halt, wenn man offen über "Wie kann es weiter gehen" Modelle redet.

In Deutschland gehen wir dagegen davon aus, dass wir 5 Mannschaften aus ganz Deutschland ins Waldstraßenviertel schicken um dort gegen RB Leipzig anzutreten... Was soll schon schief gehen?
Und die Allgemeine Reaktion auf die positiven Test scheint ja auch zu sein "Augen zu und durch."

Immerhin scheint man sich darauf geeinigt zu haben, dass man die DFB Pokalspiele ans Ende der Saison legt, damit die 33 DFL Mannschaften, die damit nichts zu tun haben, möglichst schnell in die Sommerpause können. Aber wie man den 1.FC Saarbrücken als Regionalligisten in diesen Wettbewerb integrieren, wenn noch nicht fest steht, ob die 4. Ligen auch zu Ende gespielt werden... damn. Also ja, das Worst Case Szenario bedeutet, dass Saarbrücken irgendwann im Juni an einem Pokal-Heimspiel ohne Fans und ohne jegliche Spielpraxis seit 7. März teilnehmen darf... und das die Fernsehstationen darauf bestehen, dass dieses Spiel trotzdem ausgetragen wird, weil es für die Millionen im Fernsehvertrag wichtig ist, dass das 0:12 dann übertragen wird...

Versteht mich dabei nicht falsch: Ich bin vollkommen dafür, dass die Saison zu Ende gespielt wird. Ich freue mich drauf. Nicht wegen den Millionen der Fernsehgelder, sondern wegen uns normalen Menschen.
Geht einfach mal kurz in euch: Wie oft habt ihr in den letzten Wochen abends auf Kicker.de um dann festzustellen, dass da quasi nichts passiert... weil die einzigen neuen Ergebnisse aus Weißrussland kommen? Hey, vielleicht hat der eine oder andere sogar angefangen auf die weißrussische Liga zu wetten, weil es halt sonst nichts gibt...
Es ist auch echt faszinierend, wie all die großen Onlineportale jetzt irgendwie auf ihre Inhalte kommen müssen... und ich selbst habe ja nur deswegen mit dem "Re-Worst Of" angefangen... Auf Kicker.de heißt dasselbe Konzept "Lieblingsspiele"... oder "Heute vor..."
Und es ist ja nicht nur der Sport, der still steht. Sondern auch alle Kultur- und Tanzveranstaltungen. Ich werde ja gerade zum ersten Mal seit meinem 18. Geburtstag 3 Monate am Stück auf keinem Konzert gewesen sein... und das ist die optimistische Zeitlinie, es könnten wesentlich mehr Monate werden... Die aktuellen Hollywood Blockbuster wurden auf unbestimmte Zeit verlegt. Genau so wie verschiedene Fernsehserien, die eigentlich in "Post-Production" sein sollten, aber auch erst Mal nicht fertig gestellt werden können. An der Stelle fällt mir auf, dass das neue Alicia Keys Album eigentlich schon draußen sein sollte...
Und plötzlich ist "Tiger King" das wichtigste Thema, weil es das einzige Thema ist... Nur um mal festzuhalten, was Corona so mit uns anstellt.

Das Herdentier Mensch arbeitet halt nicht unter der Woche, damit er am Wochenende die Beine hochlegen und nichts erleben kann. Zumindest nicht jedes verdammt Wochenende. Aber genau das passiert uns gerade. Und das frustriert halt auch auf Dauer.

Und genau da kommt der Fußball ins Spiel. Denn er hat die größte Reichweite und ist, für uns dann auch relativ risikolos zu konsumieren. Auch wenn das dann nur alleine auf der Couch ist. Man hätte wieder etwas, was sein soziales Leben strukturiert. Neuen Gesprächsthemen im Freundeskreis, auch wenn dieser sich in Discord oder Teamspeak Server verschoben haben sollte.  Deswegen ist es auch unabhängig von den TV Geldern nicht ganz unwichtig, dass es endlich wieder Fußball gibt. Und je näher der Neustart kommt, um so größer wird das Kribbeln werden. Auch wenn doch eigentlich alles Relevante schon entschieden ist...

Mir auch vollkommen egal, wenn sich dafür junge Männer, die so weit weg von der Risikogruppe sind, wie ein Mann eben nur sein kann, deswegen dann mit Corona infizieren. Ich bin da Optimist: Die werden das schon überleben. (Hier wird direkt 3 Mal aufs Holz geklopft, damit sich dieser Satz nicht noch rächt...) Aber sie gehen dieses Risiko auch ein, damit wir zumindest in diesem einen Punkt zu unserem regulären Sozialleben zurückkehren können. Und der Fußball genießt da halt schon einen Sonderstatus, weil er der kleinste gemeinsame Nenner ist. Das Produkt, für das sich die meisten Deutschen interessieren.

Aber genau das macht es halt auch verdammt wichtig, dass der Neustart entsprechend vorbereitet wird. Dass man in den nächsten 2 Wochen klärt, wie das im Detail ablaufen soll. Und bei dieser Diskussion dürfen halt die wichtigen Fragen nicht fehlen: Ist es sinnvoll in allen Stadien zu spielen? Ab wie vielen Corona Fällen in einer Mannschaft wird die Saison doch noch abgebrochen? Wie gehen wir mit Spielern um, die persönlich zu viel Angst haben und lieber nicht spielen würden? Schließlich kann ja auch noch keiner abschätzen, wie schlimm die Langzeitfolgen für einen Sportler sein können...

Da kann ich es schon nachvollziehen, wenn jemand sagt "Ich würde die Saison lieber aussetzen, weil mir meine Gesundheit wichtig ist." Man sollte solche Spieler auch nicht verurteilen, sondern ihre Sorgen ernst nehmen. Am besten in den man auf ein "Wenn ihr auf 80%-90% eures Gehaltes verzichtet, verzichten wir auf euch" einigt. Und wenn sich ein Birger Verstraete dann als einziger für diesen Schritt entscheidet, dreht man ihm bei nächster Gelegenheit da keinen Strick draus... Aber wahrscheinlicher ist es, dass Spieler, die nicht antreten wollen, vertragsbrüchig werden... Und es für die Spieler gar keine Option sein wird, ihre Bedenken zu äußern.

All diese Fragen und Probleme stehen weiterhin im Raum, aber niemand will sie anscheinend ansprechen...

Dienstag, 5. Mai 2020

Kill the messenger

Selbst wenn die Nachricht das eigentlich wichtige ist.

Und ja, natürlich ist es unfassbar dumm, dass Solomon Kalou sein ominöses Video geteilt hat. Ein besonderes Lob geht hier an Jens Clasen, der mit einem "und wir dachten, Grundschüler wären das größte Problem" konterte. Und vom Niveau her hat Clasen da vollkommen recht, solche Bilder hätte man eher an den Schulen als in den Kabinen erwartet...
Wobei hier nochmal auf Rudy Gobert verwiesen werden sollte, um zu verdeutlichen, dass Kalous leichtfertiger Umgang mit Covid-19 kein Einzelfall unter Profis ist.
Aber dass dieses Problem jetzt nur die sofortige Suspendierung Kalous zur Folge hat... hey, vielleicht war das ja genau dessen Plan. Er spielt schließlich sportlich praktisch keine Rolle mehr und war damit durchaus auch unzufrieden. Jetzt kann er, der finanziell ausgesorgt hat, sich die Corona-Phase einfach entspannt von der Couch aus ansehen. Gut, das wäre ein richtig böser Masterplan, ist also eher unwahrscheinlich.

Aber nur um das mal ganz deutlich zu sagen: Das Problem ist nicht, dass Kalou ein Video aus der Hertha Kabine gepostet hat. Das Problem sind eher die Zustände in dieser Kabine... und an denen ist nicht nur Kalou alleine Schuld. Zu einem ordentlichen Handshake gehören immer 2... und Vedad Ibisevic scheint ja keineswegs irritiert zu sein, dass Kalou so auf ihn zukommt. Oder sich dagegen zu wehren. Also wenn gerade jemand auf mich so zukommen würde, gäbe es ein "get the fuck off me!"... Aber wenigstens ein irritierter Blick wäre vielleicht angemessen gewesen.

Und das eigentlich schlimme sind ja die Bilder vom Covid-19 Test... weil halt deutlich wird, dass die mit einfachen Mundschutz und bloßen Handschuhen durchgeführt wird, während wir irgendwie doch davon ausgingen, dass man dafür Schutzanzüge trägt. Ob das sinnvoll ist oder nicht, sei mal dahin gestellt. Aber wir gingen irgendwie davon aus, dass es da extremere Sicherheitsvorkehrungen geben würde.

Stellt euch einfach mal folgende Frage: Wären die "Zustände" in der Berliner Kabine akzeptabel, wenn sie nicht online gepostet worden wären? Wenn die Antwort "ja" lautet, ist eine Suspendierung eine völlig Überreaktion. Wenn nicht, muss halt wesentlich mehr passieren.

Das ist nebenbei eine der Fragen, die beim anvisierten Neustart noch gar nicht angesprochen worden sind: Was macht man, wenn sich Vereine oder Fans nicht an die Hygienemaßnahmen halten? Das sollte vorher eindeutig geklärt werden. Gibt es "nur" eine Geldstrafe, oder doch härtere Maßnahmen wie Sperren oder einen Punktabzug um zu verdeutlichen, wie ernst die Lage ist?

Also nehmen wir mal ein praktikables Szenario: Alle Spieler begeben sich für 6 Wochen in quasi Quarantäne in Hotels, so dass sie jenseits der Spiele wirklich keinerlei physischen Kontakt mit der Außenwelt haben. So dass eine mögliche Covid Pandemie garantiert innerhalb des Profis-Kreises bleibt. Vielleicht ist ja nicht allen ganz bewusst, dass dies wahrscheinlich die einzige Möglichkeit ist die Saison zu Ende zu spielen, denn es wird vor dem Saisonende weitere positive Befunde geben. Und ja, das sind absolut brutale Voraussetzungen für die Spieler. Oder es ist ein Segen für die heimlich gestressten Familienväter.

Die Frage ist jetzt: Wie geht die DFL dann damit um, wenn sich ein Spieler für sagen wir die Geburt eines Sohnes heimlich aus dem Hotel ausbüchst? Oder um mit seinen Freunden in einer Shisha Bar eine zu qualmen. Was wesentlich absurder klingen würde, wenn es nicht praktisch schon passiert wäre...
Und auch wenn rauskommt, dass sich an Hygienemaßnahmen innerhalb der Stadien oder Vereinsgelände nicht gehalten wird, muss die DFL halt eigentlich reagieren. Und sie sollte vorher einen klaren Plan haben, wie sie reagieren.

Wenn man das dann noch mit dem Birger Verstraete Interview vergleicht, in dem ein Spieler quasi genau das macht, was man von Ibisevic hätte erwarten müssen... wenn auch auf dem falschen Weg: Verstraete drückt im Wesentlichen aus, dass er sich bei den Zuständen in Köln gerade sehr unsicher fühlt... Und er erklärt uns auch, warum er so unsicher ist, da seine Freundin zur Risikogruppe gehört. Was ein guter Grund ist. Verstraete ist im Wesentlichen der erste Spieler, der deutlich sagt: Ich würde lieber nicht spielen und die Saison abbrechen. Garniert mit einem "Wenn jeder Spieler anonym entscheiden könnte, bin ich sehr gespannt, wie eine Abstimmung ausgehen würde."


Das Ergebnis: Verstraete wird öffentlich zurück gepfiffen.

Das wäre nebenbei mal eine sehr spannende Idee. Also die Menschen, die tatsächlich ins Risiko gehen müssen, damit wir unseren Aggressionsaufbau dämmenden Spaß haben, mal befragen, wie weit sie dafür gehen würden... Und ihnen verschiedene Optionen von "Wir spielen gar nicht, bis es einen Impfstoff gibt, verzichten aber auch entsprechend auf unser Gehalt" zu "Wir gehen zur Not auch in Quarantäne". Und dann gibt es für jeden "Mein Kopf ist nicht beim Fußball" Verstraete einen "Dann beißen wir in den sauren Apfel" Lukas Hradecky... Wie das Gesamtergebnis aussieht, wäre aber wirklich relevant.

Oh und dann ist da noch der andere Elefant in dem Raum: Also wenn jemand positiv getestet wird, muss er ja für 14 Tage in Quarantäne. Was, bei den garantiert anstehenden englischen Wochen bedeutet, er verpasst 3 bis 4 Spiele. Da kommt dann eine wirklich relevante Frage auf: Wie viele Corona Ausfälle darf es geben, bevor die Saison doch abgebrochen wird? Und muss man diese Frage für die gesamte Liga, oder doch eher für einzelne Vereine klären.

Also nehmen wir mal, weil ja gerade alles gegen sie läuft, Werder Bremen und stellen uns kurz vor, dass Milot Rashica positiv getestet wird. Und, weil wir schon dabei sind, Davy Klaassen. Wenn man es genau nimmt, kann Werder Bremen sich in dem Moment vom Spielbetrieb zurück ziehen, denn ohne diese beiden Spieler haben sie eh praktisch keine Aussichten auf den Klassenerhalt.
Und all die Bremer so "Warum trifft es gerade uns, die sich beim Verteidigen von Standardsituationen doch schon vor Covid-19 ans Social Distancing gehalten haben?"
Und ja, ich habe seit 6 Wochen auf diesem Witz gesessen und echte Befürchtungen gehabt, dass ich ihn nirgendwo anbringen kann, falls die Saison doch abgebrochen wird... Deswegen musste der da jetzt rein...

Jedenfalls ist es für die DFL verdammt wichtig, dass man sich vorher darauf einigt, wie man mit solchen Befunden praktisch umgeht. Wie viele dieser "Krankschreibungen" ein Bundesligist aushalten muss. Damit Werder nicht am Ende einen "Wir sind gar nicht wegen unseres Verteidigungskonzepts, welches auf den Grundlagen von Social Distancing basierte, sondern wegen den Krankschreibungen abgestiegen" Mythos aufbauen kann.

Gleichzeitig sollte man auch ein "Bedeuten die 5 positiven Tests vom Wochenende jetzt, dass wir die Saison doch abbrechen müssen" Debatte vermeiden.
Machen wir mal eine vereinfachte Rechnung mit 40 "Systemrelevanten" Mitarbeitern bei einem Bundesligisten auf. Also Spieler, Trainer, Ärzte und Physiotherapeuten. Dann sind das 720 Menschen, die getestet werden müssen. Wenn es dann "nur" 3 positive Fälle gibt, sind das was... 0,4% aller Tests.
Genau dieses Narrativ will uns die DFL ja gerade verkaufen. Das ist einem aber egal, wenn einem 3 Leistungsträger für 14 Tage fehlen... Und da müsste halt vorher geklärt werden, wie viele Corona Ausfälle (zusätzlich zu den regulären Verletzungen... und die werden bei englischen Wochen ohne wirkliche Saisonvorbereitung eher zu- als abnehmen) ein Bundesligist verkraften muss, bevor wir dieses Humanexperiment doch abbrechen. Also nur, damit das vorher geklärt ist und alle Bescheid wissen.

Aber hey, vielleicht bin ich ja nur viel zu pessimistisch. Vielleicht hat die DFL das ja alles schon intern ausdiskutiert und entsprechende Pläne in der Schublade, die sie auspacken, sobald es grünes Licht von der Politik gibt. Oder vielleicht führen sie diese Debatten auch noch zwischen dem "Go" und dem wirklich Startschuss. Nachdem ich mitbekommen habe, wie sich Uefa und DFL beim Ausbruch der Krise präsentiert haben, gibt es da aber gewisse Zweifel...

Aber hey, wenn wir Salomon Kalou einfach suspendieren, gehen all die Probleme bestimmt auch weg...