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Freitag, 24. April 2026

Was euch natürlich niemand über den Abstiegskampf erzählt

 Ist ja, wie verdammt langweilig und quasi entschieden der bereits ist. Selbst der von mir sehr geschätzte Manu Thiele tappt in die "In der Bundesliga ist der Abstiegskampf extrem spannend. Viele Klubs hängen unten drin" Falle.

Das ist wieder der Moment, wo man erkennt, welche Experten hauptsächlich wollen, dass ihr dran bleibt und wer euch wirklich die gesamte Lage und ihren Kontext erklärt. Das Erste, was hierbei wichtig ist: In 12 der letzten 13 Jahre setzte sich der Bundesligist in der Relegation durch. Der Leistungsunterschied zwischen dem drittbesten Zweitligisten und dem drittschlechtesten Bundesligisten ist einfach zu groß, um wirklich von einem fairen Wettbewerb zu reden. Vielleicht ist St. Pauli wirklich individuell schwach genug besetzt, dass der Drittligist dieses Jahr wieder mal eine echte Chance hat. Beim Rest wäre es schon eine Überraschung, wenn es 2 spannende Spiele werden. Ein Abstieg wäre eine echte Sensation.

Aber das will euch natürlich niemand erzählen, weil dann auffallen könnte, wie unfair die Relegation wirklich ist... und das man für ein paar Millionen Euro an Fernsehgeldern den 3. Aufstiegsplatz abgeschafft hat. Die sind froh, dass die Ultras sich andere, irrelevantere Schlachtfelder ausgesucht haben und lieber gegen die Montagsspiele, als gegen die Relegation gekämpft haben.

Damit Werder Bremen, der Hamburger SV, Borussia Mönchengladbach oder der 1. FC Köln wirklich absteigen, müssten die 7 Punkte Vorsprung verspielen. In 4 Wochen. Das ist beinah unmöglich. Also tatsächlich... Wir nennen sie ab sofort geschlossen "Die Klassenerhalts-Kandidaten".

Ich bin dann mal die Tabellen dieses Jahrtausends durchgegangen. Da kann man dann die epischen Aufholjagden nachvollziehen. 2015/16 hat Eintracht Frankfurt 4 Punkte Rückstand aufgeholt, um sich in der Relegation zu retten. 2012/13 waren es bei Hoffenheim 6 Punkte aufs noch erreichbare rettende Ufer. 2002/03 konnte Bayer Leverkusen Arminia Bielefeld noch abfangen, obwohl die scheinbar komfortable 5 Punkte Vorsprung hatten... und 12. in der Tabelle waren. Und... das war es. Also selbst die 5 Punkte, die St. Pauli noch aufholen müsste, um die Konkurrenz wenigstens in die Relegation zu zerren, wären eine absolute Seltenheit. Das ist uns in diesem Jahrtausend ZWEI Mal passiert. 7 Punkte konnten in den letzten 25 Jahren nie aufgeholt werden.

Nebenbei erwähne ich an der Stelle auch immer, dass St. Pauli und Wolfsburg am letzten Spieltag gegeneinander spielen. Zum Glück, denn so, wie die Tabelle gerade aussieht, könnte dies das einzige relevante Spiel werden. Aber das bedeutet auch, dass beide vor dem 34. Spieltag 5 Punkte aufholen müssen, damit Wolfsburg dann am letzten Spieltag am Millerntor gewinnt. Und sie sollten auch noch hoch gewinnen, denn die "Konkurrenz" hat das deutlich bessere Torverhältnis. Wenn die also nur ein Unentschieden holen, wird die ganze Rechnung hinfällig.

Im Wesentlich wird das an diesem Wochenende entschieden. Also Wolfsburg muss gegen Gladbach und Pauli in Heidenheim gewinnen. Wenn man darauf 5 Euro wettet, bekommt man 33 Euro ausgezahlt... Dann muss ja auch noch Pauli die Wochen darauf gegen Mainz oder RB Leipzig gewinnen. Und Wolfsburg gegen Freiburg und die Bayern. Die Auszahlung für die wahrscheinlicheren Siegen liegt bei 215,80 €. Also Stand Freitag 17 Uhr via BWin... Aber wenn man den Experten so zuhört, ist das eine sichere Anlage. Denn es soll ja angeblich noch Spannung in den Abstiegskampf kommen.

Aber ganz realistisch geht es nur noch um Wolfsburg und St. Pauli. Alle anderen Vereine, die angeblich noch unten drin stecken, werden nächstes Jahr Bundesliga spielen. 

Und natürlich willst du den Gang in die Relegation vermeiden... auch wenn das eigentlich ein Reingewinn ist, den man in dem Heimspiel erwirtschaftet. Aber seinen Fans will man das natürlich nicht antun. Und es wäre schon extrem arrogant, jetzt schon vom Klassenerhalt zu reden, wenn es nur 5 Punkte auf diesen Relegationsrang sind. Dass die Klassenerhalts-Kandidaten sich selbst noch nicht als "gerettet" betrachten, ist durchaus vernünftig. Aber dass die Experten in den Fernsehsesseln und Redaktionen das alles verschweigen, ist schon erbärmlich.

Denn hier ist das Lustigste: Selbst wenn ich daneben liege, ist diese Prognose extrem wichtig und wertvoll. Wenn einer dieser beiden Vereine sich noch aus ihrer prekären Lage befreien können, erleben wir eine historische Aufholjagd, wie wir sie selten sehen. Viel wichtiger: wenn einer der Klassenerhalts-Kandidaten noch absteigt, sei es direkt oder über die Relegation, erleben wir einen historischen Einbruch. Und diesen Kontext, der verdammt wichtig ist, um das Geschehen einzuordnen, habt ihr jetzt schon. #PassivesAbseitsLeserwissenesfürher... UND exklusiv.

Ich behaupte ja immer, dass es gar nicht so wichtig ist, als Experte immer richtigzuliegen. Es ist wichtig mit seinen Prognosen den Kontext zu erklären, damit die Zuschauer wissen, worauf sie achten müssen, damit die außergewöhnlichen Ereignisse eintreten. Und diese Ereignisse wissen sie dann richtig zu schätzen.

Aber in der Medienrealität versuchen die Leute euch nicht den Kontext zu erklären, sondern sie wollen euch nur irgendwie an den Geräten halten. Und dafür müssen sie irgendwie Spannung generieren. Das könnt ihr am Samstag, um noch eine Prognose abzugeben, sowohl bei der Konferenz, als auch in der Sportschau beobachten. 

Montag, 7. April 2025

Hall of Shame: Ich habe den "Abstiegskämpfern" unrecht getan.

 #PassivesAbseitsLeserwissenesexklusiv.

Die sind gar nicht, wie ich die ganze Zeit annahm, historisch schlecht. Sie sind einfach nur ganz normal schlecht. Also was mittlerweile als "Normal" gilt.

Holstein Kiel ist jetzt schon bei 18 Punkten! Die waren in einer Blitztabelle schon bei 20! Wenn die noch irgendwo, zum Beispiel gegen St. Pauli einen Sieg einsammeln, sind die bei 21 Punkten! Das ist doch mal richtig viel für einen Tabellenletzten.

Also erschreckenderweise stimmt genau das. Schließlich haben die Kieler jetzt schon mehr Punkte, als ihr "Vorgänger" aus Darmstadt in der Vorsaison.  Und 6 Spiele haben sie ja noch. Das ist schon... richtig stark.

Es könnten also tatsächlich alle Mannschaften mehr als 20 Punkte sammeln. Das gab es zuletzt 2022/23. Das klingt jetzt nicht nach so verdammt lange her... aber hier ist der viel wichtigere Punkt: 2023 war die einzige Saison innerhalb der letzten 6 Jahre, in der alle Mannschaften mindestens 21 Punkte gesammelt haben. Paderborn kam immerhin auf "respektable" 20 Punkte. Aber in 90 Prozent der Fälle fällt mindestens eine Mannschaft komplett ab und ist einfach mal nicht bundesligatauglich. Und abgesehen von im Jahr 2021 Schalke 04 war es einer dieser "Überraschungsaufsteiger".

Also nur um ganz praktisch aufzuzeigen, dass die Schere einfach weiter auseinander geht. Und das nicht nur zwischen den Bayern und dem Pöbel. Auch der Pöbel distanziert sich immer weiter von dem "dreckigen Rest". Es wird immer deutlicher: Wer keinen Investor in der Hinterhand hat, schafft es nicht mehr, sich in dieser Liga ernsthaft zu etablieren. Der 1. FC Heidenheim könnte jetzt die große Ausnahme bilden, wenn sie tatsächlich als eingetragener Verein 2 Jahre infolge in der Liga halten. Aber wenn man mal so guckt, was dieses Jahr so von unten hochkommen dürfte, wird es für die verdammt schwer, sich wirklich auf Dauer zu etablieren. 

Dass sie überhaupt ein 2. Jahr infolge die Chance auf den Klassenerhalt haben, zeigt uns allen nur, wie absurd gut Frank Schmidt ist. Es ist fast schon ein bisschen schade, dass wir nie erfahren werden, was der Mann unter besseren wirtschaftlichen Voraussetzungen aus einer Mannschaft herausholen würde. Stellt euch einfach mal vor, Borussia Dortmund hätte den anstelle von Nuri Şahin verpflichtet...

So was wie den FSV Mainz 05, die seit 16 Jahren in der Bundesliga spielen, gibt es einfach nicht mehr. Obwohl Christian Heidel 2015 natürlich auch ein Deal mit einem externen Investor abgeschlossen hat. Nur halt aus der Position der Stärke und in weiter Voraussicht, nicht als letzte Verzweiflungstat, um Etatlöcher zu stopfen.

Natürlich wollen die Union Fans uns allen einreden, dass IHR Verein das ja geschafft hat, nur ist das halt gelogen. Die würden ohne die Kölmel-Millionen in der 3. Liga rumkrebsen. Natürlich haben sie das Geld des Investors supergut angelegt, aber trotzdem haben sie einen externen Investor gebraucht, um sich in der Bundesliga zu etablieren.

Da muss man auch mal festhalten, dass das "früher" tatsächlich noch ging. Der SC Freiburg stieg 1993 erstmals in die Bundesliga auf. Mainz kam 2004 dazu. Der FC Augsburg dann 2011. Alle 3 sind mittlerweile etablierte Bundesligisten, die dadurch natürlich auch für wirtschaftliche Partner interessant wurden. Aber etabliert haben sie sich, bevor die Investoren kamen. Und sie sind der ehemaligen Konkurrenz aus der 2. Liga so weit entwachsen, dass sie im Falle eines ja durchaus möglichen Abstieges sofort der Top-Favorit auf den Wiederaufstieg wären. Vor den Traditionsvereinen aus Hamburg, Berlin, Düsseldorf oder Kaiserslautern. Und das, obwohl diese Vereine dank der riesigen Fanszene ganz andere Voraussetzungen haben. Nur fehlt es ihnen, abgesehen vom HSV und der Hertha, halt an Investoren. Was auch nur nochmal verdeutlicht, wie unfähig diese beiden Vereine sind.

Man kann das nebenbei tatsächlich auch an der Bundesligatabelle festmachen. Der 1. FC Nürnberg war 2018/19 die erste Mannschaft, die daran scheiterte, die 20-Punkte-Marke zu knacken. Das ist halt einer dieser Vereine, die rein wirtschaftlich den Anschluss verpasst haben. Das ist einer dieser Vereine, der nur noch in der 2. Liga mithalten kann. Unter anderem, weil die 3 erwähnten Mannschaften an ihnen vorbeigezogen sind. Aber eben auch, weil mit RB und VW einige Schwergewichte in diese Liga wollten.

Wie bereits etabliert wurde, werden diese 20 Punkte mittlerweile erschreckend regelmäßig unterboten. Jetzt ratet aber mal für euch, wer Nürnbergs "Vorbild" und Vorgänger im Geiste war. Da kommt ihr garantiert nie drauf. Also erstens nicht auf den Verein, zweitens nicht auf das Jahr.

Denn der offensichtliche Kandidat ist ja Greuther Fürth. Die "Hall of Shamer" haben es ja geschafft, kein einziges Heimspiel zu gewinnen. Was eine historisch einmalige Leistung ist. Sie kamen dank einer ordentlichen Auswärtsbilanz trotzdem auf 21 Punkte.

Um euch nicht länger auf die Folter zu spannen: Es war der SC Freiburg in der Saison 2004/05. Und Freiburg war die erste Mannschaft, die sich dieses Wunderwerk des Versagens im Zeitalter der Dreipunkte Regel zusammen gestochert hat.

Oder um es deutlicher auszudrücken: Was früher alle 20 Jahre mal passiert ist, kommt mittlerweile in 3 von 4 Jahren vor. Dass der Fußball mittlerweile völlig kaputt ist, merkt man halt nicht nur an der Tabellenspitze, in der in 9 von 10 Jahren die Bayern einsam ihre Kreise ziehen. Es zeigt sich auch daran, dass der Klassenunterschied zwischen Erster und Zweiter Liga einfach nicht mehr aufzuholen ist. 

Und nur um mal zu verdeutlichen, wie krass das inzwischen abwärts gehen kann: Schalke 04 habe ich bei den "großen Vereinen" in der 2. Liga gar nicht mehr aufgezählt. Die schaffen es ja auch dieses Jahr nicht, in das Aufstiegsrennen einzugreifen. Und das, obwohl 9 Mannschaften noch in diesem Rennen sind. Auch wenn es nicht mehr ganz so krass ist, wie zur Winterpause: Tabellenplatz 9 und der Relegationsrang trennen immer noch nur 5 Punkte. Das kann man aufholen. Schalke verbringt aber plötzlich 4 von 5 Jahren in der Zweitklassigkeit. Selbst wenn der Aufstieg irgendwann gelingen sollte, ist der Rückstand, den man sich da erarbeitet hat, so heftig, dass man als krasser Außenseiter in diese ja eh nur theoretische Bundesligasaison gehen würde. Das ist ein Verein, der fast 60.000 Menschen ins Stadion zieht und vor 7 Jahren noch Champions League gespielt hat. Aber es ist auch ein Verein, der lieber auf "Fördergenossenschaften" als auf richtige Investoren setzt. Und das reicht im modernen Spitzensport einfach nicht mehr.

Traurigerweise fällt mir dabei dann auf, dass es plötzlich erschreckend egal ist, wie dieses an sich so spannende Aufstiegsrennen ausgeht. Der HSV scheint es dieses Jahr echt nicht verhindern zu können. Da muss man sich schon einen richtigen Fluch herbeireden, wenn die 6 Punkte auf Magdeburg nicht reichen sollten.  Köln spielt als Nächstes gegen Greuther Fürth und Preußen Münster. Dazu kommt ein Date mit den quasi sicheren Absteigern aus Regensburg. Die Hälfte ihrer Spiele finden gegen Kellerkinder statt. Da wird es auch schon richtig schwer, die 4 Punkte Vorsprung zu verspielen. Auch wenn sie natürlich direkt erstmal gegen die Hertha verloren haben. Aber da der direkte Verfolger auch verloren hat, sind es weiterhin 4 Punkte. Trotzdem sind auch die auf einem sehr guten Weg.

Damit haben wir dann ein Hauen und Stechen um Platz 3. Um diesen ominösen Relegationsplatz, der in 9 von 10 Fällen eben nicht zum Aufstieg reicht. Aber selbst wenn Magdeburg, Kaiserslautern, Paderborn, Elversberg, Düsseldorf, Hannover oder Nürnberg das Wunder in der Relegation schaffen sollten: dann wissen wir als neutrale Zuschauer am Ende nur, wer nächste Saison an der 20-Punkte-Marke scheitern wird. Keine dieser Mannschaften hätte die wirtschaftlichen Möglichkeiten, um in der Bundesliga mitzuhalten.

Aber um das Ganze völlig ad absurdum zu führen: die haben St. Pauli oder Heidenheim ja auch nicht... Also die beiden Mannschaften, für die es auf die Relegation hinauslaufen dürfte. Damit steht es jetzt schon beinah fest, dass auch nächste Saison wieder eine Mannschaft an der 20-Punkte-Marke nagen wird. 

Und ja, ich hoffe wirklich, dass ich damit daneben liege. Dass Frank Schmidt wirklich den Anstoss 3 Cheat Code geknackt hat und aufs wirkliche Leben anwendet. Das wäre für die Liga als Ganzes und für die Traditionsfans etwas Großartiges. Der ultimative Beweis, dass man eben doch noch mit harter Arbeit und verdammt viel Kompetenz nach Oben kommen kann. In der Realität klingt das aber eher nach einem Drehbuch, dass selbst in Hollywood als "zu kitschig und unglaubwürdig" abgelehnt wird. 

Aber ich packe da mal jetzt schon ein "PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher" drauf: Auch im Sommer 2026 wird eine Mannschaft keine 20 Punkte auf dem Konto haben.

Montag, 13. Mai 2024

Worst of des "Wer hat sich denn jetzt den Wettbewerb verzerrt?" Wochenendes

Das ist ja gerade die größte Frage. Weil Borussia Dortmund halt 110 % gegeben hat und dadurch einen Systemcrash auslöste. Passiert, wenn man die CPU übertaktet. 

Und ganz ehrlich: Dass Dortmund da nicht voll fokussiert war, ist doch auch einfach menschlich. Da wird dann halt deutlich, dass es für 75 % der Liga um nichts mehr geht. Aber das ist ganz sachlich gesehen auch völlig normal.

Allein schon, dass Hoffenheim mit 2 völlig unmotivierten Auftritten in den Abstiegskampf eingegriffen, indem sie den Bochumern und Mainzern 3 Punkte geschenkt haben. Also in genau der Phase, in der es für die scheinbar um nichts mehr ging, sie aber gegen hoch motivierte Gegner antraten.

Oder Darmstadt, die gerade ihren einzigen bundesligatauglichen Spieler auf die Bank setzen, damit ihr Ersatztorwart keinen einzigen Ball hält. Bei denen fällt das wahrscheinlich nicht auf, weil sie eh verloren hätten... aber mit Marcel Schuhen vielleicht "nur" 3:0. Was irgendwie auch kritisch ist, weil Hoffenheim plötzlich Frankfurt jagt und dafür dringend ein ordentliches Torverhältnis braucht. Da war es fast schon fahrlässig, dass die bei 6:0 den Offensivbetrieb eingestellt hätten. Bei einem 8:0 hätte ein eigener Sieg bei Frankfurter Niederlage garantiert gereicht, um die einzuholen. Wenn man bedenkt, dass Frankfurt gerade weniger Punkte holt, als Mainz oder Bochum, ist das doch die krassere Wettbewerbsverzerrung.
Und ja, bei einem Sieg der Hoppenheimer gegen diese Saison ja auch immer wieder mal den Wettbewerb verzerrende Bayern könnten die plötzlich auf Platz 5 springen und sich dann mit 46 Punkten für die Champions League qualifizieren, falls Dortmund den Henkelpott holt. Und an Freiburg ist man schon vorbeigezogen. Der Einfluss aufs Finale ist mindestens genauso krass, wie in Dortmund.

Nebenbei ist so was gar nicht soo ungewöhnlich. Letztes Jahr hat Bayer Leverkusen sein bisher letztes Pflichtspiel gegen Bochum verloren, als es für die Werkself um nichts mehr, für die Bochumer um den direkten Klassenerhalt ging. Im Jahr davor sicherte sich der VfB Stuttgart mit einem Sieg gegen den Tabellensiebten aus Köln den Klassenerhalt.
Klar, in Köln war es nicht soo offensichtlich, wie jetzt bei den Dortmundern. Aber überraschende Siege gegen unmotivierte Gegner kommen immer wieder vor. Genauso wie die nicht aus München kommenden Europacup Teilnehmer immer wieder nach den rauschenden Festnächten verkatert ihre Punkte in der Bundesliga liegen lassen. Kann etwas, dass immer wieder vorkommt, wirklich Wettbewerbsverzerrung sein, oder gehört das doch einfach irgendwie dazu? 

Und ja, Union hat einen gewissen Nachteil, weil der SC Freiburg jetzt, aufgrund der Wettbewerbsverzerrung der Darmstädter, Punkte holen muss, während Heidenheim, Wolfsburg und Bremen die Saison ausklingen lassen können. Also ja, die haben noch theoretische Chancen auf Rang 8, irgendwie bezweifle ich aber, dass die dafür nochmal an die Leistungsgrenze gehen werden.

Obwohl... Also ich muss jetzt doch mal meinen digitalen Hut vor Ole Werner ziehen. Den habe ich ja mehr oder weniger offensichtlich angezählt. Jetzt hat Werder plötzlich nur eines der letzten 6 Spiele verloren. Und das gegen Bayer Leverkusen. (Kurzer Einschub: Dass Bayer auch beim Stand von 3:0 noch 2 Tore in den letzten 10 Minuten erzielt... die machen das, weil sie wollen, nicht weil sie müssen...) Dieses Wochenende hätten die Hanseaten auch RB Leipzig schlagen können. Man hat in der Schlussphase auf einmal die Konter konsequent zu Ende gespielt, anstatt einfach nur zu beten, dass RB nichts mehr auf die Reihe bekommt. Man war richtig unzufrieden, dass man bei einer Spitzenmannschaft nur einen Punkt geholt hat. DAS sind genau die Fortschritte, die ich sehen wollte. Wenn man jetzt nicht komplett in den Wettbewerbsverzerrungsmodus schaltet, kann man wirklich auf diesem Saisonende aufbauen. #PassivesAbseitsLeserwissenesexklusiv.

Dienstag, 16. April 2024

Passives Abseits Leser wissen es exklusiv: Für Mainz geht es nur noch um die Relegation.

Platz 15 hatte ich da schon abgeschrieben. Und nicht nur ich selbst, der Trainer Bo Henriksen hat die Relegation als "am wahrscheinlichsten" bezeichnet. "If it takes two more games, we take it."

Nun ist ja auch nicht so schlimm mal daneben zu liegen... solange die Logik hinter der Prognose vernünftig war. Daran kann man sich dann orientieren, um festzuhalten, was sich bei den Mainzern verändert hat.

Da war zunächst mal das grundlegende Qualitätsproblem: Diese Mannschaft hatte nach 21 Spieltagen 2 Trainer "verbrannt" und dabei nur ein Spiel gewonnen. Das kann dann nicht nur an den Trainern liegen, sondern muss auch etwas mit einem ziemlich schlecht zusammengestellten Kader zu tun haben. Dass der dritte Trainer dann auf einmal einen radikalen Umbruch bewirkt, hielt ich für ausgeschlossen. Eine Mannschaft, die nach 21 Spieltagen 12 Punkte gesammelt hat, holt doch nicht plötzlich 10 Punkte Rückstand auf Bochum auf. Vor allem, weil man ja auch davon ausgehen muss, dass Bochum noch den einen oder anderen Punkt holt.

Und der "neue Besen" musste direkt erstmal eine 1:8 Niederlage gegen die Bayern unter den Tisch kehren. Das war dann der Punkt, dann dem ich den Dead Coach Bounce als "verpufft" betrachtet habe. Aber hier ist das faszinierende: Henriksen hat, seit dem er im Amt ist, nur gegen die Bayern und Bayer verloren. Davor hat er den Auftaktsieg gegen Augsburger geholt... Aber das erste Spiel hat ja selbst Jan Siewert gewonnen. Das war der Moment, in dem man als Mainz darüber nachdenken konnte, ob man einfach jedes Wochenende den Trainer austauscht. Zwischendurch holte man einen Punkt gegen Borussia Mönchengladbach, die gerade spielen, wie so eine Mannschaft unter Gerado Seoane spielt... also im konsequenten Abwärtstrend ist. Der eine oder andere mag das vergessen haben, aber Seoane war letztes Jahr noch Bayer Trainer. Da konnte der den Negativtrend auch nicht stoppen. Dort sieht man jetzt, was ein guter Trainer bewerkstelligen kann, während man in Gladbach sieht, dass Seoane dies offensichtlich nicht ist. Gladbach hat nebenbei nur eines der letzten 7 Pflichtspiele gewonnen und unter anderem gegen den Drittligisten aus Saarbrücken verloren. 

Dann hat Mainz die elementar wichtigen Pflichtspiele gegen Bochum und Darmstadt gewonnen. Diese umringen dem überraschenden Unentschieden, welches Robin Zentner gegen RB Leipzig festgehalten hat. (Fun Fact: Mainz holte 4 Punkte gegen RB Leipzig... WTF!) Ich hab ja schon im Worst Of des entsprechenden Wochenendes festgehalten, wie absurd dieser festgehaltene Punkt war, denn bisher hat Zentner dem Verein, wie mit seinem Patzer gegen Bayer gezeigt, was man eigentlich von ihm erwartet. Oder beim Führungstreffer für Hoffenheim an diesem Wochenende, als er mit einem unmotivierten Ausflug ins Leere eine an sich gute Halbzeit kaputt machte.

Die 2. Halbzeit war dann aber für mich der wirkliche Wendepunkt. Der Moment, in dem ich an den Klassenerhalt der Mainzer zu glauben begann.
Dabei zeigte sich in diesem Spiel auch die Besonderheit dieser Saison: denn die Mainzer spielten ganz sachlich gegen eine Mannschaft, die die Saison eher aus trudeln lässt. Wie sie es schon gegen Gladbach taten. Auch Hoffenheim ist bei einem Sieg aus 5 Spielen. Oder 3 Siegen in 12 Rückrundenpartien. Hoffenheim war mal auf Europacup Kurs, aber da merkt man einfach den Spannungsabfall.

Und hier kommt das spannende: Mit Freiburg, Heidenheim und Wolfsburg stehen noch 3 weitere derartige Spiele auf dem Programm. Auch wenn Freiburg natürlich um die "Europa Conference League" spielt. Und ja, ich gehe nach wie vor davon aus, dass Wolfsburg zu gut ist, um von Bochum überholt zu werden. Auch wenn wir Samstag endgültig erfahren werden, wie dringend sie am Abstiegskampf teilnehmen wollen, schließlich geht es am Wochenende zu genau den Bochumern.

Ich habe ja auch schon zwischenzeitlich behauptet, dass diese Spiele den Abstiegskampf eher entscheiden werden, als das direkte Duell zwischen Mainz und Köln. Jetzt kann sich Mainz plötzlich übernächste Woche endgültig das "Problem Köln" vom Hals schaffen.

Hier kommt jetzt der entscheidende Fortschritt: Es sieht plötzlich so aus, als hätte Mainz auch die Qualität dafür. Also sowohl um die Punkte gegen die "Wir lassen die Saison austrudeln" Mannschaften zu holen, als auch um Köln zu schlagen.
Das kann man am besten an 3 Personen festmachen:
Nadiem Amiri könnte der wichtigste Wintertransfer der Saison gewesen sein. Das ist zwar ein Spieler, der bisher selten wirklich überragte, dessen schlechteste Leistung aber eine 4,5 gegen die Bayern war. Dazu kommt noch eine 4,0 gegen den VfB Stuttgart und RB Leipzig. Gegen Mannschaften mit dominantem Ballbesitz hat Amiri offensichtlich seine Probleme. Oder gegen die qualitativ Besten. Wenn es allerdings nicht gegen die Mannschaften auf Platz 2-4 geht, kommt er plötzlich auf einen Notenschnitt von 2,9.
Die allerwichtigste Personalie ist und bleibt allerdings Jonathan Burkardt. Der erinnert uns plötzlich daran, dass er mal Nationalstürmer werden sollte. Auch, weil wir da gar keinen haben. Aber auch, weil er halt viel zu gut für Mainz ist. Burkhart ist ja ganz sachlich gesehen nur noch in Mainz, weil er quasi die gesamte letzte Saison dank einer Knie-OP verpasst hat. Danach, das wird jetzt deutlich, brauchte er einfach noch eine ganze Weile, um wieder ins Laufen zu kommen. Ein halbes Jahr ist dafür bei einer derart schweren Verletzung nicht so ungewöhnlich. Vor allem, wenn ein stabiles und qualitativ hochwertiges Umfeld fehlt,
All seine 7 Scorerpunkte sammelte Burkhardt in der Rückrunde. Und wann immer der trifft, gibt es Punkte für die Mainzer. In der Hinrunde kam er nur auf 3 benotete Spiele. Dass Burkardt so zurückkommt, hätte man tatsächlich ahnen können. Bevor seine Verletzung in zurückwarf, stand er kurz vorm endgültigen Durchbruch.
Beim dritten Namen war das dagegen nicht so abzusehen. In der Sportschau hieß es plötzliche "Kaum vorstellbar, dass Mainz Gruda in dieser Form halten kann." Und ich so: Wer?
Also ja, Brajan Gruda ist ein Talent aus der Mainzer Schmiede. Der kam mit 15 in den Verein und spielt jetzt seine ersten wirklich starken Bundesligaspiele. Er traf zuletzt 2 Mal infolge. Aber er ist definitiv die größte Wildcard in diesem Kader: Wenn der jetzt während der Saison einen entscheidenden Leistungssprung nach vorne gemacht hat, kann Mainz die nächste Bundesligasaison planen. Also zumindest über die Relegation. Aber es kann bei einem derart jungen Spieler auch passieren, dass das jetzt sein letzter Scorerpunkt in dieser Saison war.

Aber wenn diese 3 Spieler das Niveau der letzten Wochen halten, hat Mainz plötzlich genügend Qualität für den Klassenerhalt, die ich so nicht gesehen habe. Vor allem hat man plötzlich wesentlich mehr Potenzial als die Kölner, die irgendwie darauf hoffen müssen, dass Davie Selke was auf die Reihe bekommt.

Was uns aber zu der spannenden Frage führt: Woran könnte es scheitern? Da bleibt zum einen der Fakt, dass man bisher nur zu Hause gewonnen hat. Auswärts ist man bei 7 Unentschieden und 7 Niederlagen. Der derzeitige Lauf mit 10 Punkten in 4 Spielen könnte also wirklich einer absurden Konstellation im Spielplan geschuldet sein. Dass man halt auch genau da gegen die gerade schwächsten Mannschaften antreten durfte, könnte das Bild extrem verzerren. Aber man hat ganz sachlich gesehen nur noch ein "einfaches" Heimspiel gegen Köln, welches man zwingend gewinnen muss. Dazu muss man 4 Punkte aus 3 Auswärtsspielen holen. 

Ansonsten muss ich ganz ehrlich zugeben, dass ich Robin Zentner nicht traue. Also klar, das ist der notenbeste Spieler der Mainzer. Und angeblich der achtbeste Torhüter der Liga. Minimal schlechte als Lukas Hradecky, aber besser als Alexander Nübel. Gerade bei Nübel ist das an sich absoluter Wahnsinn, denn der zeigt ja gerade den Stuttgartern, wie geil das ist, wenn man einen souveränen Torwart in seinen Reihen hat. Zentner ist natürlich ein Torhüter, der selten krass patzt. Aber er hält dir auch ganz selten mit überragenden Partien die Punkte fest. Also ein Mal alle 2 Jahre und das war diese Saison schon. Da die Ausgangslage so extrem beschissen war, könnten wütend anrennende Dortmunder im letzten Heimspiel der entscheidende Faktor sein. Dass Zentner da nochmal so einen Sahnetag wie gegen Leipzig erwischt, würde mich doch überraschen.

Am schwierigsten zu berechnen ist aber das Restprogramm des direkten Konkurrenten aus Bochum. Die spielen am Wochenende gegen Wolfsburger, die sie dann auch richtig in die Scheiße ziehen könnten. Danach geht es gegen Hoffenheim, Union Berlin, Bayer Leverkusen und Werder Bremen. Selbst bei Bayer Leverkusen, die direkt davor im Halbfinale der Europa League stehen sollten, kann keiner abschätzen, in welcher Verfassung diese dann auflaufen werden. Hoffenheim hat gerade eindrucksvoll nachgewiesen, dass sie mit der Saison schon abgeschlossen haben. Werder Bremen hofft auch intensiv darauf, dass sie nur noch Spalier stehen müssen. Selbst nach einer Niederlage gegen Wolfsburg, von der ich irgendwie ausgehe, ist es nicht ausgeschlossen, dass die plötzlich 4 Spiele infolge unbesiegt bleiben und 8 Punkte holen, weil die Gegner mit der Saison schon abgeschlossen haben. 

Und auch wenn Wolfsburg sich alle Mühe gibt: Ich gehe weiterhin davon aus, dass die Mannschaften von Platz 9 bis 14 zeitnah wirklich nichts mehr zu erreichen haben. Und es wäre bei weitem nicht das erste Mal, dass derartige Mannschaften dann indirekt den Abstiegskampf entscheiden.
Wobei "entscheiden" ja relativ ist, schließlich sollte es am Ende für Bochum oder Mainz über die Relegation reichen...
Oder anders ausgedrückt: Der Zyniker in mir muss auch nur festhalten, dass der derzeitige Lauf der Mainzer jegliche Luft aus dem Abstiegskampf genommen hat, weil ja eh nur 2 Mannschaften absteigen.

Donnerstag, 28. September 2023

Ehre, wem Ehre gebührt

 Die Bayern-Fans haben tatsächlich die Protestaktion gegen die Montagsspiele reanimiert und Tennisbälle auf den Platz geworfen, um gegen die Supercup Ansetzung zu protestieren. Das hat ja schonmal funktioniert, warum also nicht.

Dazu Wehen Wiesbaden hat tatsächlich für ein spannendes Spiel gesorgt. Auch das war nicht zu erwarten. Und nebenbei hatte der MSV Duisburg ein "Vorholspiel", die haben also gar keinen Vorteil.  #PassivesAbeitsleserwissenes exklusiv... Das Spiel wurde nebenbei vorverlegt, weil Borussia Dortmund in der Champions League ein Heimspiel hat und gleichzeitig eine englische Woche in der Dritten Liga ansteht und da kann Dortmund II nicht zeitgleich ein Drittligaspiel ausführen. Nur um mal zu beweisen, dass die Globalisierung immer auch die Kleinen erreicht. Wer "Ein Duisburg Spiel muss wegen der Champions League verlegt werden" im Drittliga Bullshit-Bingo hatte, darf sich jetzt freuen.

Nebenbei ist ja die einzige Variante, die Supercup Ansetzung abzuschaffen, da nicht hinzugehen. Und dann muss man noch die Disziplin besitzen und nicht auf den offiziellen Livestream zu klicken und das Spiel heimlich doch zu sehen. Und ja, in für die Berechnung unserer TV-Quote ist es egal, ob ihr das Spiel im linearen Fernsehen schaut, aber die Livestreams dürften erfasst werden. Wenn dieses Spiel vor quasi leeren Rängen ausgetragen wird, wäre das dem DFB so peinlich, dass sie zurück zum alten Modus gehen... oder den Supercup nach Katar auslagern, was immer noch besser wäre, als dieser Blödsinn.

Aber das werden die Ultras auf jeden Fall vermeiden, denn dann könnte ja rauskommen, dass sie eine Minderheit sind. Dass verdammt viele "Kunden" mit der Kommerzialisierung des Sportes gar kein Problem haben. Dann kommen die Ultras mit ihrem "Aber wir sorgen für die Stimmung im Stadion! Wir sind wichtiger!" Und dann kommen die "Kunden" mit einem "Wir haben eigentlich gar keinen Bock auf Bengalos, aber macht mal."

Dabei will ich gar nicht so zynisch sein: Die machen schon auch viel coolen Scheiß. Also die Choreos sind oftmals echt brillant und führten ja nebenbei dazu, dass eine ganze Kurve das 0:1 der Hoffenheimer in Köln nicht sehen mussten. So wie Köln gerade spielt, sollten die Fans einfach 90 Minuten lang Choreos aufführen... Es ist schon auch so, dass die Ultras ein schützenswertes Kulturgut sind. Sie sind aber halt realistisch gesehen auch "nur" die Opposition in diesem Geschäft.

Dienstag, 1. Juni 2021

Passives Abseits Leser wissen es Exklusiv Saison 2020/21

 Wo ich mich ja schon ausführlich selbst dafür gelobt habe, dass Florian Kohfeldt nicht die Lösung für die Probleme bei Werder Bremen ist und damit nachgewiesen ist, dass es sich lohnt, diesen Blog zu lesen, weil man einige Dinge einfach früher erfährt als bei anderen, können wir jetzt ja zu den kritischeren Themen kommen: Die Thesen, die sich nicht Bewahrheitet haben.

Auf der einen Seite behaupte ich ja immer, das wahre Experten nicht ständig darauf rumreiten müssen, dass sie richtig lagen... andererseits geben diese wahren Experten auch nie offen zu, wenn sie daneben gelegen haben. Nur um doppelt zu beweisen, dass ich mich gar nicht für einen Experten halte.

Jetzt heißt es also wieder: "Passives Abseits Leser wissen es exklusiv."

Das Erste, was mir dabei als Anschluss an den gestrigen Beitrag auffällt, ist: Julian Nagelsmann hat doch nicht den Punkterekord der Leipziger gebrochen, wie hier in einem Nebensatz behauptet wurde. Aber RB holte aus den letzten 3 Spielen nur einen Punkt und verlor das Pokalfinale. Wie bereits gestern erwähnt, sind halt wirklich ALLE Vereine eingebrochen, nachdem festgestanden hatte, dass ihr Trainer im Sommer zur Konkurrenz wechselt. Selbst Nagelsmann, der ja wirklich ein überragender Trainer ist, konnte dies nicht verhindern. Nun können die Hoffenheimer Fans behaupten, dass das ja abzusehen war, weil es ihnen im letzten halben Jahr genau so ging... aber dafür müsste es Hoffenheim Fans geben...

Wo wir schon beim Saisonabschluss von den Leipzigern sind: Deren Niederlage am letzten Spieltag führte eine weitere These sehr schnell ad absurdum: das "Ohne eigenes Zutun." Also ja, man musste am Ende wirklich Punkte sammeln, um seine Saisonziele zu erreichen. Damit hätte ich nicht gerechnet. Total faszinierend war ja, wie in der Sportschau Zusammenfassung die Leistung der Gladbacher gewürdigt wurde, die nicht einfach abschenkten... weil die Zuschauer schon wussten, dass Union Berlin sich in der allerletzten Minute in die Conference League geschossen hat. Ausgerechnet durch Max Kruse, der ja gar keinen Bock auf diesen Wettbewerb hat. Aber anstatt mit einem Unentschieden in diesen Wettbewerb zu stolpern, reichte nicht mal ein Sieg. Woher die Gladbacher wissen sollten, dass Union das Spiel gegen RB noch gewinnt, bleibt mir zumindest ein Rätsel...

Auch Werder Bremen konnte sich nicht ohne eigenen 3er retten. Was vor allem an Friedhelm Funkel lag, unter dem die Kölner 10 Punkte in 6 Spielen holten. Und am Ende selbst einen überzeugenden Sieg in der trotzdem unfairer Relegation geholt haben.

Also klar, ich bin immer noch der Meinung, dass Horst Heldt zu lange an Markus Gisdol festgehalten hat und das Holstein Kiel den Aufstieg einfach verdient hatte. Und das die Relegation abgeschafft gehört. Aber Köln hat sich am Ende wenigstens gewehrt, wovon ich nicht ausgegangen bin.

Ganz groß daneben lag ich auch bei der Einschätzung des FC Augsburgs. Also dass die Heiko Herrlich entlassen würden, bevor sie auf einen Abstiegsplatz abrutschen... hat mich schon überrascht. Dass selbst bei Stefan Reuter auf ein Mal die Entwicklung der Mannschaft und nicht nur das Ergebnis eine Rolle spielt, ist neu: Man wollte am Ende doch besseren Fußball sehen und war nicht mehr nur mit dem Halten der Klasse zufrieden.

Apropos Halten der Klasse: Das Mainz das am Ende so souverän schaffen würde, hätte ich trotz der Verpflichtung von Bo nicht gedacht. Aber der nur so "Türlich, Türlich!" Wenn Christian Heidel jetzt noch bemerkt, dass Eisfeld ablösefrei zu haben ist und er damit die legendärste Hip Hop WG aller Zeiten in die Bundesliga bringen kann... Oh und ja, das Eimbush Bassment schlägt die Blumentopf Großes Kino WG...

Montag, 27. Juli 2020

Passives Abseits Leser wissen es exklusiv: Es wird mehr Corona Fälle geben

Normalerweise wird hier ja gerne darauf hingewiesen, wie oft ich mit mehr oder weniger extremen Thesen Recht behalten habe. Dann mach ich mir nen Bier auf und beweihräuchere mich an meiner Weitsicht. Aber hin und wieder greift man auch daneben. Und dann greift man im Fall von Pal Dardai bei der Anerkennung des Fehlers wieder ins Klo... ups.

Und genau so einen Fall hatten wir auch gerade wieder. Es war ja meine persönliche Überzeugung, dass wir vor Saisonende über einen erneuten Abbruch reden müssen, weil es weitere Covid-19 Fälle geben wird. Weil das Hygienekonzept viel zu optimistisch angelegt wurde und es keinerlei Pläne gab, was passiert, wenn es einen positiven Fall gibt. Und die Fälle bei Dynamo Dresden gaben mir ja recht. Dass die DFL vorher nicht mit den örtlichen Behörden darüber geredet hat, was passiert, wenn es positive Fälle gibt, war unfassbar naiv. Und deswegen versucht Dresden jetzt zu klagen. Das hätten die gleich machen sollen... oder auf ein Aussetzen der Relegation pochen... aber Weitsicht war noch nie Dresdens Stärke. Die können halt nur so weit gucken, wie das Dynamo Licht gibt... und jeder, der sein Fahrradlicht noch mit so einem Teil betrieben hat, weiß, dass das nicht sonderlich viel Licht gibt...

Aber abgesehen von diesem einen wirklich unfairen Fall... kamen wir perfekt durch den Re-Start. Die Fans haben sich weitestgehend (also bis auf den Klassenerhalt bei Union Berlin) vorbildlich verhalten. Das liegt bestimmt auch daran, dass die Bayern-Fans eine Meisterschaft nicht mehr wirklich auf der Straße feiern, ist halt Buisness as usual... Und ja, ich habe irgendwie auch befürchtet, dass die Ultras einen Abbruch herbeiführen werden und das dann als wichtigen Protest gegen die Kommerzialisierung auslegen. Das hätten die auch gekonnt. Aber sie haben halt doch drauf verzichtet und stattdessen "nur" Plakate im Stadion aufgehangen.

Aber bevor ihr verächtlich nach Liverpool guckt, sollte euch eines bewusst werden: Wenn Borussia Dortmund Meister geworden wären, hätte es dieselben Schlagzeilen auch im Ruhrgebiet gegeben. Und wenn Bielefeld wirklich existieren würde, hätten die da auch den Aufstieg entsprechend gefeiert.

Aber selbst wenn... wären diese Fälle ja für die geschlossene Leistungsgesellschaft egal gewesen. Also in Berlin wurde ja gefeiert, weil das Saisonziel sicher war. Und man raffte sich trotzdem zu einer ordentlichen Leistung am letzten Spieltag auf. Ein wirkliches Eingreifen in die in die Tabelle gab es deswegen nicht.

Hier ist halt meine Frage: Lag das wirklich am Hygienekonzept der DFL, oder war das einfach nur "Glück"? Also das Vorreiterprojekt aus Deutschland ist ja von vielen anderen Nationen dann so übernommen worden. Also bei unseren Nachbarn aus der Schweiz wurde vor 2 Wochen über einen erneuten Abbruch diskutiert, weil es beim FC Zürich 10 Coronafälle gab und sie deswegen mit ihrer Reservemannschaft antreten mussten. Der FC Zürich hat wenig überraschend die letzten 4 Spiele allesamt verloren. Immerhin verspielt man so "nur" die Europa League und nicht gleich den Klassenerhalt.

In Russland durfte der FK Rostow ein Mal ausschließlich mit Jugendspielern antreten, weil die eigene Profimannschaft noch in Quarantäne war und die Show halt wieder losgehen musste. Man verlor 1:10. Auch wenn deren weiterer Saisonverlauf die Frage mit sich bringt: Hätte Dynamo Dresden vielleicht auch einfach ein Spiel mit der Jugendmannschaft abschenken sollen und dadurch den Terminkalender entspannen?
Nebenbei, als kleiner Fun Fact, rettete der FK Sotchi, also der Gegner der Jugendmannschaft, sich praktisch mit genau diesem Spiel. Wenn die da nur Unentschieden spielen, fehlen ihnen Plus 9 Tore und 2 Punkte, dann sind sie hinter Samara. Nur um mal zu erwähnen, wie krass die Corona Auswirkungen auf die Erstliga Tabellen im Ausland sind.

Oh und die Aufstiegsfrage in Spanien kann gerade schlecht geklärt werden, weil CF Fuenlabrada gerade in einem Hotel in La Coruna in Quarantäne sitzt... 

Die hatten ja auch alle ein Hygienekonzept. Ob das jetzt nicht so gut umgesetzt worden ist... oder ob wir in Deutschland als gesamte Gesellschaft und unabhängig von der DFL dafür gesorgt haben, dass das bei uns "gut" ging... das ist halt die Frage nach dem Huhn und dem Ei.

Also unser derzeitig größtes Corona Problem ist ja, dass wird auf Grund der dann irgendwann ergriffenen Maßnahmen zu gut durch die Krise kamen... und die Regierung sich deswegen jetzt Vorwürfe von Verschwörungstheoretikern machen lassen muss. Ich bin schon 2 Mal über solche Demos gestolpert und musste dann unbedingt sicher stellen, dass die mich nicht heimlich als Demonstrant mit zählen... Aber man kann ja an anderen Ländern gut erkennen, wie sich die Krise entwickelt hätte, wenn die Gesundheit nicht an erste Stelle steht, sondern die Wiederwahl... Und ja, in den USA verläuft der Start der MLS wesentlich schlechter als die Bundesliga. Da wurden direkt einige Mannschaften komplett ausgeschlossen, weil sie zu viele Corona Fälle hatten.

In erster Instanz sollten wir alle froh sein, dass es bei "uns" so glatt gelaufen ist. Und wir sollten nur wegen der "Erfolge" im Land nicht leichtsinnig werden. Also ehrlicher Weise muss man ja sagen "noch leichtsinniger"...
Dass die deutsche Fußballsaison vernünftig durchgezogen werden konnte, ist ein Grund zum Durchatmen, aber es ist kein Anlass seine Masken wegzuwerfen und exzessiv zu feiern.

Bleibt gesund und nehmt Rücksicht auf andere. So als motivierende Botschaft am Ende...

Mittwoch, 31. Oktober 2018

Passives Abseits Leser wissen es exklusiv

Also weil der Autor halt einfach mal daneben gelegen hat... Zum Beispiel hat sich der Hamburger SV doch nicht in Wiesbaden blamiert... da verlässt man sich ein Mal auf die...

Und ja, bevor ihr jetzt selber anfangt als Reaktion auf die große Beweihräucherung der letzten Tage alte Beiträge zu durchforsten um hervorzuheben, wo ich falsche Prognosen getroffen habe... Und dann feststellt, dass Jogi Löw auf ganz andere Art und Weise die Titelverteidigung verkackt hat, als hier vorher gesagt... Spreche ich einige der offensichtlichen Fehltritte einfach mal selber an.

Sei es nur um Heiko Herrlich und Bruno Labbadia Mut zu machen. Denn genau genommen geht es vorrangig um 3 Trainer, deren Entwicklung ich nicht kommen sah:

Niko Kovac ist mittlerweile Bayern-Trainer und DFB-Pokalsieger. Und klar, ich könnte mir einreden, dass Eintracht Frankfurt am Ende doch eingebrochen ist und so die einfache Teilnahme an der Europa League verspielt hat. Aber am Ende kann man den Erfolg nicht leugnen.

Pal Dardai lässt auf einmal attraktiven Fußball spielen. Mit hohem Tempo und viel Esprit. Selbst den Duda hat er zum funktionieren gebracht. Man sieht doch deutliche Fortschritte in dem Spiel der Hertha.

Und Manuel Baum hat mit Augsburg auch letzte Saison souverän den Klassenerhalt geschafft. Und ist stand jetzt wieder auf dem Weg zu einer sorgenfreien Saison. In Augsburg muss man sich derzeit eher mit der Frage beschäftigen, wie lange man sich selbst noch "eine sorgenfreie Saison" als großen Erfolg verkaufen kann...

Allen 3 Trainern habe ich für die letzte Saison einen harten Abstiegskampf prognostiziert. Wobei, Baum noch nicht mal das, meine Worte gingen in die Richtung: Die werden abgeschlagen Letzter... ähm... ja...

Und ja, die 10 absurden Thesen von damals waren bewusst übertrieben angelegt. Dass überhaupt welche davon zugetroffen haben, überrascht mich ehrlicher Weise. Aber gerade bei den 3 angesprochenen Trainern ging es ja hauptsächlich darum, dass ich einfach nicht geglaubt habe, dass die "gut" sind... sind sie anscheinend.

Die Beurteilungen von Trainerleistungen sind ja allgemein etwas verdammt schwieriges. Klar, es gibt einige wenige Fälle wie Julian Nagelsmann, bei dem nicht nur einen "Dead Coach Bounce" erlebt, sondern wirklich substanzielle Verbesserungen in der Mannschaft, die eindeutig auf den Trainer zurückzuführen sind, wahrnehmen kann.
Und es gibt auf der anderen Seite Michael Oenning, der irgendwie 2 Vereine davon überzeugen konnte, dass man ihm die erste Mannschaft anvertraut... was macht der eigentlich mittlerweile?
Der Rest der Trainer bewegen sich irgendwo dazwischen: Sie machen nicht wirklich was kaputt, aber sie bringen die Mannschaft irgendwie auch nicht wirklich vorwärts. Deswegen werden die Trainer ja so oft ausgetauscht: Es gibt verdammt viele austauschbare Trainer und dann eine wenige, die wirklich den Unterschied ausmachen.

Aber der wirkliche Einfluss eines Trainers ist halt immer schwer zu fassen. Weil sich die Frage "Würde ein anderer Trainer aus der selben Mannschaft mehr raus holen" immer schwer zu beantworten ist.

Das kann man ja auch ganz praktisch an Tayfun Korkut fest machen: Der war im Frühjahr angeblich der Schlüssel für eine überragende Rückrunde... und ist dann im Herbst alleine an der Talfahrt Schuld... obwohl sich an seiner Trainingsarbeit wenig bis nichts geändert haben wird. Ist Korkut jetzt überragend oder furchtbar?
Hätte ein beliebiger anderer Trainer denselben Effekt auslösen können? War es für die Stuttgarter Profis einfach nur wichtig, eine andere Stimme in der Kabine zu hören und was die sagt ist vollkommen egal? Warum brauchen die Stuttgarter Profis anscheinend so häufig eine neue Stimme?
Und natürlich die aller spannendste Fragen: Wie würde Korkut in dem Umfeld, welches die Berliner für Dardai geschaffen haben, funktionieren? Und wie lange würde ein Dardai sich ohne Legendenstatus in Stuttgart halten?
Vielleicht sollte man die Beurteilungen von Trainern daran fest machen, wie lange sie in Stuttgart funktioniert haben...

Ein weiteres prominentes Beispiel spielt sich gerade bei Real Madrid ab: Dort hat Zinedine Zidane gefühlt überragende Arbeit geleistet, in dem er... ja was eigentlich... das glücklich gerade so gewinnen perfektioniert hat? Sich auf die überragenden individuellen Fähigkeiten eines Cristiano Ronaldos verlassen hat? Als er erkannt hat, dass beides aufgebraucht sein könnte, hat er sich jedenfalls direkt verabschiedet. Und gilt deswegen immer noch als überragender Trainer. Seine Erfolge sprechen halt für sich.
Den übersättigten Scherbenhaufen durfte Julen Lopetegui verwalten. Was einem im Sommer noch als großen Coup angekündigt worden ist. Weil der ja als amtierender Weltmeister kommen sollte... Hat nicht so ganz funktioniert. Und ungefähr genau so gut funktioniert jetzt Real Madrid. Ob dies aber wirklich an der Arbeit des Trainers liegt... oder daran, dass der große Real Zyklus einfach zu Ende geht und man danach selbst als Real erst Mal ein gewisses Tief durchmachen muss? Oder anders ausgedrückt: Würde ein anderer Trainer wirklich so viel besser aussehen?

Letztes Prominentes Beispiel: Pep Guardiola. Der gilt im Allgemeinen als Genie. Einer der großartigsten Trainer aller Zeiten. Und er brachte mit der "Falschen 9" die letzte ganz große Innovation... Dass sich diese Innovation eher als Trugbild herausstellte? Details... Genau so wie der Fakt, dass Guardiola genau genommen immer einen überragenden Kader zur Verfügung hatte, mit der man auch einfach mal Nationaler Meister werden muss... und dass er International nur etwas gerissen hat, als er Xavi, Andres Iniesta und einen gewissen Lionel Messi zur Verfügung hatte. Anders ausgedrückt: Mit den Leuten holt auch ein Luis Enrique den Champions League Titel...
Wie gut oder schlecht Guariola als Fußball-Lehrer wirklich ist, lässt sich schwer nachvollziehen. Weil man halt auch nicht beurteilen kann, ob ein anderer Trainer mit diesen Möglichkeiten größere oder ähnlich große Erfolge feiern würde...

Aber im Wesentlichen sind das alles nur Ausflüchte, die rechtfertigen sollen, dass ich bei 3 guten Trainern offensichtlich daneben lag. Und nachdem Kovac schon befördert worden ist, bleibt festzuhalten: Auch Dardai und Baum werden, wenn es mal dazu kommt, nach dem Ende ihrer derzeitigen Tätigkeit Angebote von besseren Vereinen bekommen...

Vielleicht ist dies der einzig wirklich Maßstab, mit dem man die Arbeit eines Trainers beurteilen kann: Ist deine nächste Anstellung besser als deine Letzte? Dann scheinst du bei deinem vorherigen Job irgendwen beeindruckt zu haben? Ist dein neuer Verein eher schlechter aufgestellt als dein alter Arbeitgeber, hofft halt irgendein verzweifelter Verein auf deinen gute Ruf...