Posts mit dem Label Jörg Schmadtke werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jörg Schmadtke werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 2. Februar 2022

Der VfL Wolfsburg legt nach

 Um zurück zum eigentlichen zu kommen: dem Herziehen über schlecht geführte Bundesligisten.

Wir haben in Wolfsburg jetzt also mit Jörg Schmadkte einen Manager, der heftig in der Kritik steht und gleichzeitig den Kader umbauen muss. Das logische Ergebnis schreit nach Panik!

Mein erster Gedanke, als ich die "Max Kruse wechselt eventuell nach Wolfsburg" Schlagzeile gelesen habe, war: Wenn Union Berlin 5-6 Millionen angeboten bekommt, sollten sie das sofort machen.

Dann fiel mir auf: Max Kruse ist 33 Jahre, war nie wirklich austrainiert und sein Vertrag läuft in 6 Monaten aus. Für den wird niemand 6 Millionen Euro bieten. Das ist einfach dumm. Und Jörg Schmadtke so: Aber er ist der einzige, der Florian Kohfeldt wie einen guten Trainer aussehen lässt, der Wechsel ist alternativlos... sagt einfach, was ihr haben wollt, wir zahlen das dann... Ok, er hat zunächst selber eine Zahl gesagt, die zu niedrig war und dann das überwiesen, was Union haben wollte...

Gut, man könnte auch stattdessen einen vernünftigen Trainer verpflichten. Lucien Favre ist derzeit vereinslos und hat bereits nachgewiesen, dass er all das, was Wolfsburg in den nächsten 3-4 Jahreb braucht, leisten kann. Dazu müssen wir nochmal festhalten: Dass Max Kruse wirklich gut altern wird, ist eher unwahrscheinlich. Er müsste dafür mit Mitte 30 nochmal die Auffassung zu seinem Beruf komplett umdrehen. Und dieser Wechsel beweist ja, dass Kruse genau des einfach nicht vorhat.

Kruse bleibt einer der faszinierendsten Charaktere der neueren Bundesligageschichte. Er entscheidet sich eiskalt und völlig frei von Moral immer fürs Geld. Er hätte bei so vielen Vereinen zur Vereinslegende aufsteigen können.

Also zunächst mal in Freiburg, wo er schon frühzeitig die Rolle von Christian Günter übernehmen könnte. Oh und seiner Nationalmannschaftskarriere hätte das auch geholfen. Aber gut, aus Freiburg gehen ja irgendwie alle weg.

Dann hätte er in Gladbach die neue Generation an Fohlen anführen können. Also man stelle sich Gladbach mit einem besseren Lars Stindl vor. Bei Werder Bremen eine Renaissance auslösen und den Verein zurück in internationale Gewässer bringen können. Bei Fenerbace in die Fußstapfen deutscher Legenden treten können, die allgemein in der Türkei immer verehrt worden sind. Oder er hätte den Aufstieg der Berliner ins Gutsbürgertum des deutschen Fußballs begleiten können. Er sagte aber jeweils eiskalt: Da hab ich keinen Bock drauf, da drüben gibt es 100.000 mehr zu verdienen. Und Tschüss.

Das lustigste ist ja sein "Dazu geht es um einen Verein, bei dem ich noch ein Kapitel offen habe, das ich nun zu Ende schreiben kann." Statement. Wenn Kruse wirklich noch all seine offenen Kapitel beenden will, hat er noch einiges vor und wird noch nen paar mal wechseln müssen. Wahrscheinlich geht er dann im Sommer nach dem Abstieg ablösefrei zum FC St. Pauli... Ich meine ernsthaft, warum muss er ausgerechnet sein Wolfsburg Kapitel beenden, wo er ein relativ bedeutungsloses Jahr mit 6 Bundesligatoren gespielt hat. Es ist tatsächlich der Verein, für den er die wenigsten Tore erzielt hat. Und es ist der VfL Wolfsburg, ein derzeit chaotisch geführter Verein ohne großartige Fanszene, einem durchschnittlichen Stadion mitten in der niedersächsischen Pampa... Er hätte sich ja echt einige schöne Orte und außergewöhnliche Vereine aussuchen können, um sein Kapitel zu vollenden... er entscheidet sich für den einen Plastikklub auf der Liste.

Ich will ihn da auch gar keinen Vorwurf machen. Max Kruse kann es egal sein, was die Fans der Vereine von ihm halten. Eine "ich maximiere meine Finanzen" Ansatz ist nicht verkehrt. Und vielleicht ist er so schlecht im Pokern, dass er es wirklich nötig hat. 

Aber Kruse wird halt als "Der beste deutsche Spieler, der nirgends zur Legende wurde" in die Bundesligageschichte eingehen. Und da er nirgends langfristig bleibenden Eindruck hinterlassen wollte, wird er auch chronisch unterschätzt. So schreibt die Sportschau zu seinem neusten Wechsel: "Max Kruses gibt es überall." Dabei stimmt das so doch gar nicht: Max Kruse ist einzigartig. Er ist und bleibt der einzige Angreifer, der Kohfeldt wie einen kompetenten Trainer aussehen ließ. Jetzt setzt Wolfsburg alles darauf, dass Kruse diese Magie nicht verlernt hat. Und darauf, dass er im Sommer auch noch Bock hat...

Und ja, ich gehe voll davon aus, dass dieser Transfer kurzfristig funktionieren wird. Also dass die Wolfsburger die Klasse halten, weil Kruse 5 bis 8 Tore erzielt. Aber allein schon, dass man sich in eine Position manövriert hat, in der man über derartige Transfers nachdenken muss, sagt doch alles über die Entwicklung in Wolfsburg.

Aber das Schlimmste ist ja: Selbst "Der Transfer wird kurzfristig funktionieren" bringt einen heftigen Rattenschwanz mit sich, wenn Max Kruse selber von einem "langfristigen Vertrag" spricht. Denn das Ergebnis lautet, dass man irgendwann einen 35-jährigen Max Kruse bezahlen muss, wie einen 29-jährigen Star. Und dass Florian Kohfeldt weiterhin dein Trainer bleibt, obwohl mittlerweile doch einige zu der Überzeugung gekommen sind, dass der kein guter Trainer ist.

Der Schaden könnte also geringer sein, wenn Kruse direkt einbricht, nur noch den Gehaltscheck einstreicht und Kohfeldt dafür früher entlassen wird...

Mittwoch, 26. Januar 2022

Ist Wolfsburg der am schlechtesten geführe Verein der Bundesliga?

 Kurze Antwort: Ja, klar. Allein schon, weil der Hamburger SV, Werder Bremen und Schalke 04 schon abgestiegen sind. Ich jammere ja gerne darüber, dass die Qualität der Liga nachgelassen hat, weil Vereine mit fantastischem Potenzial so schlecht geführt werden, dass sie jetzt in Liga 2 antreten dürfen. Auf der anderen Seite muss ich aber zugeben, dass dadurch halt besser geführte Vereine aufgestiegen sind. Leider sind sie damit in eine Liga gerutscht, in der sie wenig bis nichts verloren haben. Aber da können sie ja wenig für und gute Arbeit muss halt auch hin und wieder belohnt werden.

Nebenbei reden wir hier nicht primär über die Arbeit der Trainer oder Manager, sondern über die Ebene darüber. Also die Spielvereinigung Greuther Fürth ist still und heimlich einer der am besten geführten Vereine. Das sind sie unabhängig davon, wer da gerade an der Seitenlinie steht. Dabei geht es nicht mal darum, dass man es 2 Mal nicht verhindern konnte aufzusteigen. Es geht viel mehr um die unglaublich konstanten Ergebnisse in der 2. Liga. Denn man ist praktisch DIE INSTITUTION dieser Liga. Gründungsmitglied der zweigleisigen und der eingleisigen 2. Liga. Und logischerweise liegen die auf Platz 1 der ewigen Tabelle

Und klar, auch Fürth ging den Weg des ganz normalen Zweitligisten, der sich verschuldet und deswegen absteigt und abstürzt. Aber seit dem man sich 1996 mit Harry Kochs Verstenbergsgreuthern zusammenschloss und damit faktisch zu der Spielvereinigung wurde, die wir heute können, arbeitete man sehr konstant und sehr seriös.

Da muss man sich nur mal die Abschlusstabelle ihrer Comback-Saison angucken. Die Konkurrenz von damals hat seit dem wie viele Konkursverfahren hinter sich? Die Antwort lautet: Lok Leipzig musste neu gegründet werden. Wattenscheid 09 hat den Spielbetrieb einstellen müssen. Die Lage beim KFC Uerdingen bleibt konfus. Die Stuttgarter Kickers und der FC Gütersloh spielen in der Oberliga. Carl Zeiss Jena, Energie Cottbus, Unterhachingen und Fortuna Köln sind inzwischen in der Regionalliga gelandet. Zwickau und Meppen landeten zumindest zwischenzeitlich ebenfalls in der 4. Liga. Genauso wie Fortuna Düsseldorf, die bisher in diesem Jahrtausend extrem viel erlebt haben. Selbst der FC St. Pauli, den man am eheste mit den Fürthern vergleichen kann, spielten 4 Jahre in der Regionalliga. Auch wenn das damals natürlich noch die 3. Liga war.

Dazu kommen mit Mainz, Freiburg und Frankfurt 3 Mannschaften, die sich in Richtung Bundesliga verabschiedet haben und nur noch in Ausnahmefällen in der 2. Liga antreten. Oder anders ausgedrückt: Von den 18 Mannschaften haben 14 der Liga langfristig den Rücken zugekehrt. Einzig St. Pauli, Düsseldorf, der 1.FC Nürnberg und eben die Fürther sind heute wie damals etablierte Zweitligisten.

Und Fürth musste sich dabei ja die ganze Zeit den aufstrebenden Emporkömmlingen mit wesentlich größeren finanziellen Mitteln zu Wehr setzen. Also Augsburg, RB Leipzig, Hoffenheim, Wolfsburg sind da offensichtliche Kandidaten, aber auch Heidenheim fällt halt in diese Kategorie.

Man schaffte es halt ohne das alternative Image als Kiezklub, externen Investoren und ohne eine WM Arena, die öffentlich gefördert worden ist. Und ja, Düsseldorf hat als Oberligist ein neues Stadion auf WM Niveau bekommen, weil die Stadt sich für WM und Olympia als Spielort bewerben wollte. Da flossen 80 Millionen Euro aus öffentlichen Geldern in das Stadion eines Oberligisten... Derartige finanzielle Spritzen dürften die Fürther noch nie bekommen haben.

Ich erwähne das nur, um zu verdeutlichen, dass ich vor der Arbeit in Fürth durchaus Respekt habe, auch wenn ich mich gerade darüber lustig mache, dass sie in der Bundesliga überfordert sind. 30 Jahre lang unter den Top 25 in Deutschland zu landen ist keine Selbstverständlichkeit. Und, um zum eigentlichen zurückzukommen, dass die Arbeit in Fürth nicht nur wegen Stefan Leitl und Rachid Azzouzi da stehen, wo sie gerade stehen. Und ja, ich habe auch gerade ein wenig den Faden verloren, wo war ich?


Ach ja... Zurück zu einem Verein, der sich gerade als Gegenteil entpuppt: dem VfL Wolfsburg. Wolfsburg macht gerade seine Zukunft von einem Ergebnis gegen eben diese Fürther ab. Einem Verein, der eigentlich in einer anderen Liga spielen sollte, aber dem man aufgrund der eigenen Inkompetenz fast auf Augenhöhe begegnet. Und wenn man jetzt durch ein Kacktor des Monats zu einem glücklichen 1:0 Sieg kommt, dürfen Jörg Schmadtke und Florian Kohfeldt weiterwurschteln? Wenn man aber durch einen fragwürdigen Elfmeter unglücklich verliert, weil man selber 3 Mal Aluminium trifft, müssen beide gehen?

Derartige Entscheidungen von einzelnen Ergebnissen abhängig zu machen, ist sowieso schon albern. Also Schmadtke ist ein überdurchschnittlicher, aber menschlich anstrengender Manager. Wenn ich den verpflichte, bringt er mich im Idealfall ins internationale Geschäft und dann zofft er sich mit dem Trainer. Das weiß ich, wenn ich ihn verpflichte. Und Kohfeldt hat halt diesen einen Trainerpreis gewonnen, der seit dem nicht mehr vergeben wird...

Und natürlich hat Schmadtke gerade bei der wichtigsten Frage "Wer soll mein Trainer sein?" 2 Mal daneben gelegen. Jetzt kann man zu dem Schluss kommen, dass dies die gute Arbeit aus der Vorsaison, in der man ja in die Champions League eingezogen ist, negiert. Und die 2 Jahre davor waren ja auch schon stabil bis ordentlich. Oder man kommt vorher schon zu dem Schluss, dass das Zerwürfnis mit Oliver Glasner diese Arbeit zunichtemacht. Was ich aber nicht machen kann: Diese Beurteilung von einem Auftritt gegen ein abgeschlagenes Tabellenschlusslicht abhängig machen. Also man kann schon, dann ist man aber ein beschissen geführter Verein...

Und ja, man hätte im Dezember die Entscheidung treffen können, dass man einen neuen Manager braucht. Dass Schmadtke den Verein mit seinen hohen Ambitionen nicht so nach vorne bringt, wie man sich das vorgestellt hat. Und dann holt man vor dem Transferfenster jemanden, der schonmal eine Neuausrichtung anschieben kann. Stattdessen wartet man jetzt, bis das Transferfenster geschlossen ist, damit der neue Manager dann auch garantiert keinen Einfluss auf die aktuelle Saison nehmen kann.

Und machen wir uns nichts vor: Die meisten dieser Ultimaten enden kurz- oder langfristig mit der Entlassung der Trainer und Manager. Dass wirklich der Bock nach einer derartigen Konstellation umgestoßen wird, ist eine echte Rarität. Wenn man dann noch bedenkt, dass Kohfeldt chronisch schlecht im "Bock umstoßen" ist...

Was die ganze Sache noch schlimmer macht: Jetzt wäre genau der richtige Zeitpunkt für einen neuen Trainer. Oder man stärkt seinem leitenden Angestellten richtig den Rücken und macht den Spielern klar, dass sie mit ihm durch diese Scheiße gehen müssen. Denn wir haben ja gerade eine einzigartige Konstellation: Eine Länderspielpause, an der die europäischen Verbände nicht teilnehmen. Das bedeutet: Man hat praktisch seinen gesamten Kader beisammen und kann eine 3. Vorbereitung durchziehen. Weil ja die letzte Vorbereitung im Januar so viel gebracht hat, lässt man das Kohfeldt jetzt nochmal machen... nur um ihn dann doch zu entlassen, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. Das sind doch die perfekten Voraussetzungen für die tägliche Trainingsarbeit.

Nur mal so als Vergleich wie ein gerade gut geführter Verein dies regelt: beim VfB Stuttgart sägt noch keiner am Stuhl von Pellegrino Matarazzo oder Sven Mislintat. Man ist überzeugt davon, dass die letzten beiden Jahre kein Zufall waren und dass die Leistungen und Ergebnisse schon zurückkehren werden, wenn sich das Lazarett lichtet. Also fliegt man gemeinsam ins Trainingslager, um gemeinsam an genau diesen Leistungen zu arbeiten. Und wenn sich die Ergebnisse nicht sofort einstellen (Die gezeigten Leistungen gegen RB Leipzig und Freiburg waren ja schon ordentlich.), wird man dann nicht sofort in Panik verfallen. Zumindest hoffe ich das. Aber das ist die Grundlage für eine erfolgreiche Aufholjagd.

Wolfsburg dagegen versucht sich irgendwie durchzuwurschteln und hofft, dass das funktioniert. Oder dass andere halt noch dümmer sind, als man es selber ist. Man setzt eher auf den Dead Coach Bounce (der ja diese Saison schonmal funktioniert hat...), anstatt einem neuen Trainer wirklich die Möglichkeit zu geben sich auf den Frühling vorzubereiten.

Und macht mir am meisten Sorge macht: Wir reden hier im Wesentlichen von der Vorstandsriege bei VW... einem der größten Unternehmen in Deutschland... Nun sollte es mich im Zuge des Abgasskandals nicht schockieren, aber dennoch muss man irgendwie darauf hoffen, dass sie ihre richtige Firma mit mehr Weitsicht und Kompetenz führen.

Und nur um das mal festzuhalten: der VfL steckt zum dritten Mal in 6 Jahren im Abstiegskampf. Wir reden hier also nicht, wie in Fürth, über eine Ausnahmesituation, mit der man überfordert sein darf, sondern von ganz normalen Entwicklungen im Verein.

Freitag, 2. Oktober 2020

Europas Große Reisesaison hat begonnen

 Also sobald Länderspielreisen anstehen, fällt den Bundesliga-Managern auf, dass Reisen in Risikogebiete ein Problem sein werden. Und das die Nationalmannschaften dies auch machen werden. Ihr Grundslogan: "Wir stehen am Ende alleine da." Worauf ich doch sage: Selbst Schuld.

Hier gilt halt auch: Wenn die Bayern gesagt hätten: "Wir reisen nicht in ein Risikogebiet, um ein sinnloses Spiel auszutragen... entweder ihr verlegt das, oder sagt das ab." wäre das ein richtig heftiges Statement gewesen. Und wenn man dann noch auf den Deutschen Supercup verzichtet hätte. Aber da ging es ja um die eigenen Millionen. da kann man halt nichts machen. 

Und hier ist das wirklich faszinierende: ein Jörg Schmadtke stimmt dann in den Klagegesang mit ein. Der Manager vom VfL Wolfsburg, der in den letzten Wochen mit seiner Truppe munter durch Europa getourt ist. Und klar, noch sind die Namen so unbekannt, dass keiner eine Ahnung hat, ob Tschernihiw in einem Risikogebiet liegt, oder nicht. Aber es wird der Moment kommen, wo unsere Europacup Mannschaften in einem Gebiet mit Reisewarnung antreten muss. Und dann wird es zu keinem "Das ist zu riskant, das können wir nicht tun" geben. Aber immerhin muss man Schmadtke zu Gute halten, dass seine Mannschaft sich da am Ende raushält.

Dass Stefan Reuter und Michael Preetz sich kritisch dazu äußern, sehe ich ja noch ein. Die müssen halt nur innerhalb von Deutschland reisen. Aber ja, die Wahrscheinlichkeit, dass sich Xaver Schlager bei einem Länderspieleinsatz mit Corona infiziert, ist nicht wesentlich größer, als die Wahrscheinlichkeit, dass ihm das bei einem Europa League Einsatz passiert. Trotzdem wird sich nur über das eine beschwert, das andere ist alternativlos.

Das ist ja das Dreiste an den Vereinen: Sobald es um ihre eigenen Millionen geht, wird keinerlei Rücksicht genommen. Man bringt auch selber keine relevanten Kompromissvorschläge ein. Also praktisches Beispiel: Wenn man einfach ein Mal beschlossen hätte, auf jegliche Gruppenphasen zu verzichten und wie früher komplett im K.O. Modus zu spielen um den Terminkalender zu entspannen. Oder man verhindert zumindest, dass all die Champions League Versager absteigen und streicht so die Zwischenrunde vorm Achtelfinale... Stattdessen haben wir immer noch 15 Termine in 31 Wochen für die Europa League reserviert. Also ohne die Qualifikation, die ja schon munter lief. Dazu muss man bedenken, dass im Januar und über den halben Februar keine internationalen Spiele angesetzt werden können, weil man in gewissen Gebieten da einfach keine Jungen Männer in kurzen Hosen über den Rasen jagen will. Also nicht wegen Covid, sondern wegen den Temperaturen dort. Das haben unsere Großelten das letzte Mal versucht und es ist bisher immer gescheitert... Und dann muss man noch 2 Wochen für die Länderspieltermine abziehen... Am Ende wird in jeder möglichen Woche Europacup gespielt. Und ja, wer sich den Rahmenterminkalender für 2021 anguckt, wird feststellen, dass die "englische Woche" da endgültig zur neuen Deutschen Norm wird...

Wir haben also 15 Termine, in denen haufenweise Mannschaften quer durch Europa geflogen werden. In der, weil man ja offensichtlich keine Ausweichtermine hat, es vollkommen egal ist, ob das Spiel in einem Risikogebiet stattfindet. Alles in dem "Hoffentlich geht das irgendwie gut." Modus.

Aber wenn sich Spieler, die ja wöchentlich getestet werden, das erste Mal seit 11 Monaten mit ihren Nationalmannschaften treffen, haben wir ein Problem. Das geht dann gar nicht. Da muss uns die Fifa schützen. Und dann wollen die auch noch nach Südamerika fliegen. Und die Vereine zahlen natürlich die Zeche.

Was nebenbei absoluter Bullshit ist. Also konkretes Beispiel Hertha und Matheus Cunha. Der junge Brasilianer wurde jetzt zum ersten Mal für die Nationalmannschaft nominiert wurde. Und die Hertha macht sich sorgen, dass sie davon nicht profitieren könnten.

Also klar, wenn Cunha hinterher für 8 Tage in Quarantäne muss, stimmt das kurzfristig sogar. Aber allein schon das der Angreifer nominiert worden ist, steigert doch seinen Marktwert um 5 Millionen Euro. Wenn der jetzt noch 4 Spiele macht, kann man ihn für 40 Millionen in die Permiere League verkaufen. Wenn er für Brasilien bei einer Weltmeisterschaft trifft, ist er 80 Millionen wert. Und selbst wenn die Summen Covid sei dank wirklich geringer ausfallen, steigert er immer noch seinen Marktwert.

Oh und er steigert die Reichweite der Hertha. Denn wenn er für Brasilien gut spielt, landet sein Verein auf ein Mal auf dem Radar der Brasilianischen Fußballfans. Die haben derzeit noch keinerlei Gründe Hertha zu folgen. Aber über Cunha kommt der Verein dort ins Gespräch. Und gegebenenfalls ins Fernsehen.

Hier ist das absurde: Fußballvereine verpflichten teilweise bewusst Spieler, um Märkte zu erschließen. Also hauptsächlich den "Quotenasiaten", weil China und Ostasien der größte Markt sind. Aber auch Südamerikaner steigern immer auch die Aufmerksamkeit eines Fußball verrückten Kontinents. Wenn diese Spieler dann aber als Markenbotschafter im patriotischen Dienst im Einsatz sind, soll das auf ein Mal ein Problem sein... Auch wenn sie indirekt Umsätze für ihre Klubmannschaft generieren.

All die Bundesliga-Manager sollten sich mal einer Sache bewusst werden: Dass Fußball weltweit der Sport Nummer 1 ist, hat verdammt viel mit den Nationalmannschaften zu tun. Mit der Pionierarbeit der Fifa damals vor fast 100 Jahren. Also praktisches Beispiel: Die erste Basketball-WM fand im Jahr 1950 statt. Da gab es schon die 4. Ausgabe des Fußballturniers. Und nur wegen des 2. Weltkrieges war man "erst" bei Nummer 4. Aber danach wurden die Welt- und Europameisterschaften dann zu unserem Kriegsersatz: Das eine Event, bei dem man seinen Nationalstolz mal so richtig ausleben und diese Franzosen in die Schranken weisen kann. Und solange man das bei solch harmlosen Spielen rauslässt, ist das wahrscheinlich sogar vernünftig.

Aber es waren immer die Nationalmannschaften, die die Grundlagen für den Boom legten. In Deutschland, weil man zu historisch geschickt gewählten Zeitpunkten Weltmeister wurde. Und weltweit, weil man durch dieses riesiger Turnier mit den Weltbesten Spielern neue Märkte erschlossen wurden. Also genau deswegen fand doch die WM 1994 in den USA und die 2002 in Südkorea und Japan statt. Und gerade wenn man sich anguckt, welche Märkte 2002 so erschlossen wurden. Da kann sich eigentlich keiner beschweren.

Die Fifa-Weltmeisterschaft ist das wichtigste Sportturnier nach den Olympischen Spielen. Und im Gegensatz zu denen geht es bei Ersteren ausschließlich um Fußball. Auf Platz 3 ist dann wahrscheinlich schon die Europameisterschaft. Und das sind alles riesige Werbeplattformen, die den Vereinsmannschaften quasi gratis zur Verfügung gestellt werden. Und dann spielen sie noch in Stadien, die für solche Turniere gebaut und entsprechend subventioniert wurden. Viele der schönen Stadien, in die die Fans heutzutage so zahlreich strömen, wurden doch für die WM Bewerbung 2006 gebaut oder renoviert. Mit zahlreichen Fördergeldern. Was auch gar kein Problem ist, man sollte es nur nicht vergessen. Vor allem, wenn demnächst wieder eine Europameisterschaft ansteht, in der dann die Stadien nochmal ein Update bekommen.
Wie kann man sich da beschweren, wenn man auch im verfluchten 2020 2 Mal seine Spieler für diese Werbemaßnahmen abstellen muss?

Und machen wir uns nichts vor: Ohne die Nationalmannschaften wäre die allgemeine Bedeutung des Fußballs wesentlich geringer. Und damit auch die Umsätze. Die könnte man, wie auch die Fernsehgelder, direkt mal halbieren. Denn ohne die erdrückenden Erfolge der deutschen Fußballnationalmannschaft gäbe es vielleicht sogar amerikanische Verhältnisse auf dem Deutschen Sportmarkt. Also das "es gibt mehrere große Sportarten nebeneinander und nicht nur die eine, die alles andere dominiert." Nur halt in einem wesentlich kleineren Markt. 

Wenn sich Michael Preetz also fragt, was er und sein Verein von den Abstellung seiner Starspieler hat, muss er einfach nur mal auf die Gelder gucken, die ihm die Fernsehstationen aus In- und Ausland überweisen. Oder die er vom Windhorst bekommt. Nur um das noch mal festzuhalten: Fußball ist in Deutschland der einzige Sport, in dem ein Investor 150 Millionen Euro pumpt, weil er davon ausgeht, dass er mehr Geld wieder rausbekommt. Ohne die Nationalmannschaften würde Hertha vielleicht 20 von ihm bekommen.

Aber anscheinend haben nicht nur Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß einen Horizont, der nicht über den eigenen Tellerrand hinaus geht. Anscheinend glauben wirklich alle Manager, dass sie sich dieses Milliardengeschäft Fußball ganz alleine und nur auf dem Rücken der Vereine aufgebaut haben.

Wobei man an der Stelle festhalten muss, dass die Bayern gerade tatsächlich die Füße stillhalten. Immerhin. Aber die haben wahrscheinlich auch schon auf den Spielplan geguckt und fest gestellt: Wir müssen jede Verschnaufpause, die wir kriegen können, mitnehmen... und praktisch sind Länderspiele Verschnaufpausen.

Im Wesentlichen gibt es 2 Varianten: Entweder man sagt alle internationalen Events ab, weil einem das während Corona zu riskant ist. Man spart sich die Reisen auf Vereins- und Nationalmannschafts-Ebene. Aber das ist natürlich keine Option, weil es ja um die Millionenverträge, die eingehalten werden müssen, geht.

Oder man sagt: Internationale Reisen für Fußballer sind zwar riskant, aber wir können halt gerade nicht drauf verzichten. Die Show muss halt weiter gehen. Beide Entscheidungen muss man dann halt in aller Konsequenz treffen. Und nicht nur den Teil akzeptieren, von dem man selber profitiert.

Freitag, 3. Juli 2015

Peter Knäbel ist der Trainer des Jahres

Und Jörg Schmadtke ist der beste Manager der letzten Saison. Egal, was andere Beliebtheitswettbewerbe so behaupten. Was die beiden dieses Jahr vollbracht haben, ist einzigartig.

Ich habe ja selber oft genug darauf hingewiesen, dass man Köln Spiele eigentlich gar nicht mehr sehen muss... weil die eh 0:0 ausgehen. 9 mal endeten die Kölner Spiele mit genau diesem Ergebnis. 5 davon vor eigenem Publikum...
Und wo wir schon dabei sind: erst in ihrem 4. Heimspiel trafen die Kölner das erste Mal ins gegnerische Tor. Nach ziemlich genau 400 Minuten durften die Fans zum ersten Mal richtig jubeln... Um das mal zu relativieren: Das hat nicht mal Hamburg geschafft...

Warum sollte jemand, der das zu verantworten hat, Trainer des Jahres werden? Weil er den Fans das verkaufen konnte... Und wir reden von den Kölner Fans... die sind sonst ungefähr so geduldig, wie der Schalker Anhang... auf Speed...

Nur um das zu relativieren: Köln hatte vor Stöger quasi ihren Christian Streich gefunden. Einen anscheinend genialen Trainer, der aus dem eigenen Verein kommt und mit diesem extrem verbunden ist. Das Problem: Das Kölner Umfeld hat Frank Schaefer so schnell kaputt gemacht, dass dieser nach einem Halben Jahr gesagt hat "Das ist nichts für mich..." Wenn du selbst für Leute, die seit 1973 im Verein sind, zu anstrengend bist, hast du ein Problem...
Und natürlich ist nicht nur der Anhang Schuld. Aber sie haben halt die ungute Angewohnheit, nach 2 Siegen von der Champions League zu träumen, in die der Verein ja eigentlich gehört... und an Lukas Podolski als absoluten Heiland glaubt. Auch wenn man seinen kompletten Kader ruinieren muss, um ihn zu holen und er offensichtlich nicht mit dem einen guten Spieler im Kader zusammenpasst... egal, es ist Poldi...

Allein schon dass Schmadtke und Stöger ohne großes Aufsehen "Nein" zu Podolski sagen konnte. Und das die gesamte Stadt versteht, warum sie das tun. Und es akzeptieren.

Köln war noch nie so durchschnittlich... und so grau. Aber es war dort auch noch nie so ruhig. Und das ist eine absurd gute Leistung. Alle in der Stadt scheinen endlich gemerkt haben, dass der Verein einfach mal ein paar stabile Jahre braucht, in denen er sich sammeln kann. Und ja, das haben beinah alle schon versucht. Aber es hat noch niemand hinbekommen.

Und ganz ehrlich... mit Bayern Meister werden... Dortmund von Platz 18 auf Platz 7 zu führen... Wolfsburg zum Vizemeister zu machen (obwohl man diese Aussage mit einem Trauersternchen versehen muss)... Das hätte Perer Neuruer oder Felix Magath auch gekonnt. Aber in Köln für Ruhe zu sorgen...

Man sollte sich auch mal die Zeit gönnen, um diese Leistung anzuerkennen... auch wenn der Zyniker in mir natürlich hofft, dass die nicht all zu lange hält... Wahrscheinlich wird Peter Stöger alles versuchen, um die ersten 3 Spiele nicht zu gewinnen, damit die Stadt nicht doch in einen Manischen Wahnsinn verfällt. So "Wir sind jetzt nach 3 Spieltagen Dritter, das werden wir doch jetzt halten können!"