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Montag, 7. Juli 2025

Ein doppeltes Worst of

 Quasi das Gegenteil von einem Doppel-Wumms...

 Fangen wir mit den Impressionen zur Frauen-EM an. Und da muss man festhalten: Die Auslosung ist echt... ungünstig. Denn die Gruppe A ist sichtbar schwächer als der Rest.

Die jungen Schweizerinnen sind noch 2 Jahre von einer wirklich relevanten Rolle entfernt. Und die alten Schweizerinnen sind einfach nicht so gut. Das Potenzial blitzt immer wieder auf, aber das 1:0 gestern fiel, auch wenn in dem Moment stark umgeschaltet wurde, eher aus dem Nichts. Erst danach kamen die Damen richtig ins Rollen.

Finnland ist hauptsächlich froh, dass sie überhaupt mitspielen dürfen. Island stellt eine Spielerin auf, die buchstäblich nur bei Einwürfen positiv auffällt. Aber ich habe noch keine einzige gelungene Aktion mit dem Ball am Fuß von Jonsdottir gesehen und ich habe beide Spiele live gesehen.

Norwegen ist die absolute Arschlochmannschaft. Das Real Madrid dieses Turniers. Die machen nicht mehr als nötig und wissen selbst nicht genau, wie sie die Gegnerinnen zu den Eigentoren zwingen. Wo die garantiert als Gruppensiegerin feststehen, würde es mich nicht überraschen, wenn die am 3. Spieltag gar nicht antreten und die 0:3 Niederlage akzeptieren.

Keine dieser Mannschaften wird sachlich gesehen etwas mit dem Halbfinale zu tun haben. Was absurd ist, denn in Gruppe D spielen mit England, Frankreich und den Niederlanden 3 Mannschaften mit berechtigten hohen Ansprüchen. Deutschland und Schweden muss man auch zu den Titelfavoritinnen zählen. Dänemark wäre in Gruppe A ebenfalls der klare Favorit. Diese Mannschaften verteilen sich nicht nur auf 2 Gruppen, sondern treffen im Viertelfinale aufeinander... 

Dazu kommt ja, dass die Gruppe A die exponierteste Stelle hat. Denn man durfte nicht nur den Auftakt geben, sondern auch die beste Sendezeit am Sonntagabend für sich beanspruchen. Und dann kommen die sexistischen Arschlöcher und behaupten, dass das Niveau ja grausam sein muss, weil sie Island gegen Finnland gesehen haben. Das reicht ja auch, um das gesamte Turnier zu beurteilen... Genau.

Allen, die das behaupten, sollte man die Highlights von Spanien - Portugal an den Kopf werfen. Und natürlich sind die Portugiesinnen überfordert. Aber man kann dort wunderbar erkennen, auf welchem Niveau und mit was für einem Tempo die Damen agieren können.

Und natürlich ist nicht jedes Spiel der Gruppenphase hochwertig. Am Ende hoffen einige Mannschaften auch einfach, dass sie nach 2 Spieltagen irgendwie auf 2 Punkte kommen... Und Norwegen liegt trotz dieser Einstellung irgendwie bei 6. Aber das ist doch bei jedem beliebigen Männerturnier genauso. Nur dass da dann niemand die Kommentarspalten mit "das kann sich ja keiner angucken" Kommentaren voll jammert. Aber die behaupten alle trotzdem, dass das ja kein Sexismus sei...

Nebenbei müssen wir mal über Edina Alves Batista reden. Der Gastschiedsrichterin aus Brasilien. Und dass die in Südamerika mindestens eine Schiedsrichterin haben, die so gut ist, dass "wir Europäer" die unbedingt bei diesem Turnier haben wollen, ist ein gutes Zeichen für die Entwicklung des Sportes. Aber es ist ein eher schlechtes für den DFB, dass bei den 12 besten Schiedsrichterinnen Europas anscheinend keine einzige Deutsche dabei ist. Und das ist ja keine Ausnahme, sondern ein Trend, denn schon bei der letzten EM wurde nur ein einziges Spiel von Riem Hussein gepfiffen.

5 Jahre nach dem Karriereende von Bibiana Steinhaus-Webb scheint man auch bei den Schiedsrichtersinnen den Anschluss zu verlieren. Genauso wie bei den Vereinen, die International auch nur noch die 2. Geige spielen... und wie genau genommen und als logische Konsequenz auch in der Nationalmannschaft, die ihren letzten von beeindruckenden 8 EM Titeln vor 12 Jahren holte...  Während hier also seit Jahren während der Turniere ein Hype herbeigeredet wird, wurde in den anderen Ländern richtig investiert. Und diese Länder haben "uns" eiskalt überholt.

 

Auf der anderen Seite der Kommerzialisierung ist es nebenbei absurd, wie viel Fußball in den USA gespielt wird: Klub-WM, Gold Cup Finale und MLS.  Warum sollte man die nationale Liga auch pausieren lassen, nur weil die Nationalmannschaft im eigenen Land spielt...

Am Ende geht es aber doch um zu viel Geld, deswegen muss Jamal Musiala in die Startelf. Zum ersten Mal seit dem 4.4. gegen St. Pauli. Obwohl man in der Gruppenphase einen deutlichen "lasst den mal lieber pausieren" Warnschuss bekommen hat. Aber jetzt kann man die Schuld ja bei Donnaruma suchen, anstatt sich zu fragen, wie sehr der mangelnde Rhythmus und die fehlende Fitness sich auf diese Situation ausgewirkt haben könnte.

Klingt übertrieben? Vielleicht. Aber seit mal ehrlich: wenn Musiala sich bei einem Nations League oder Confederations Cup Spiel verletzt hätte, würde Karl-Heinz Rummenigge auf die Barrikaden gehen und eine Abschaffung dieser sinnlosen Wettbewerbe fordern... Da aber dieses Mal das Geld auf dem Konto der Bayern landet, hört man da nichts.

Den großartigsten Beitrag lieferte dann aber Georg Holzner ab. Der rechnet wie immer erst nach dem Ausscheiden vor, wie bescheiden die internationale Bilanz der Bayern gerade ist. Er weist darauf hin, dass man wirklich nur Bratislava und Celtic geschlagen hat. Was man vorher natürlich lieber verschwiegen hat, weil man sich und seinen Lesern die Chancen schön schreiben musste.

Wirklich absurd wird es dann, wenn Holzner Vincent Kompany vorwirft, dass er ja den Gruppensieg leichtfertig weg rotiert hat... ähm... dem ist bewusst, dass man als Gruppensieger gegen Chelsea gespielt hätte? Dem wieder erstarkten Tabellenvierten aus England. Eine Mannschaft, die deutlich besser ist als Celtic oder Bratislava... Also nur um zu verdeutlichen, dass die beim Kicker wirklich die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches haben. Aber zum Glück verstecken die mittlerweile das Meiste hinter einer Paywall, da fällt mir nicht mehr so häufig auf, wie unfähig die sind.

Freitag, 27. Juni 2025

Dann fassen wir mal die Gruppenphase zusammen

 Ein paar lustige und wichtigen Dinge sind ja schon passiert. 

Vor allem gaben die Boca Juniors die wichtige Lektion gelernt, warum man die großen Bayern eben doch nicht sinnlos tritt. Denn dann stellen die im nächsten Spiel gegen deine direkte Konkurrenz einfach Leroy Sané auf... Und der verabschiedet sich angemessen schlampig.

Thomas Müller ist nebenbei endgültig im "Ist mir egal" Modus angekommen... und kontert eine Frage nach der Mentalität mit einem "Sind wir jetzt in Dortmund?" Er muss ja nicht mehr im "wie heißt das Stadion dieser Traditionsaktiengesellschaft gerade?" antreten, da kann er sich das leisten. 

Und nebenbei wird man ja auch noch dafür belohnt, weil man als Gruppenzweiter Chelsea aus dem Weg geht. Das ist jetzt, wo sich die Europäer doch am Riemen gerissen haben, wichtiger als erwartet. Und ja, abgesehen von Atletico und Porto haben alle "Großen" doch noch die Kurve bekommen. Und der Turnierbaum entwickelt sich damit so bescheiden, dass 7 Europäer und ein Brasilianer das Viertelfinale erreichen sollten. 

Die ungelogen lustigste Szene der gesamten WM gab es nebenbei bei Atletico gegen Palmeiras. Beim Stand vom 1:0 für die Spanier bekamen die Südamerikaner einen an sich belanglosen Freistoß in der 95. Minute zugesprochen. Hier ist das wichtigste: Atletico müsste noch 2 Tore erzielen, um Palmeiras noch abzufangen. Diese würden aber mit einem Ausgleich auf Platz 1 springen, was angeblich ungefähr 4 Millionen Euro Prämie einbringt. Man konnte also wenig verlieren, aber einiges gewinnen. 

Die logische Konsequenz: Gregore tut so, als würde er den Freistoß ausführen, bewegt sich dann aber doch weg, um "sich anzubieten". Ein 2. Spieler trottet zum Ball. Der Schiri gibt Gregore Gelb. Seine 2. im laufenden Turnier, er ist jetzt im Achtelfinale gesperrt.

Ich finde es nebenbei großartig, dass der Schiedsrichter das durchgezogen hat. Viel zu oft lässt man diesen einfachen und offensichtlichen Zeitspiel-Trick durchlaufen. Dass dann noch ein Spieler für völlig überflüssiges Zeitspiel gesperrt wird, macht die Sache perfekt.

Aber zu den wirklich wichtigen Sachen: Unwetterwarnungen. Denn der Klimawandel trifft uns alle... Außer die Menschen in Seattle, da ist es angenehm. Und es gab erschreckend viele Unwetterunterbrechungen in der Vorrunde. So viele, dass man die irgendwie mit einberechnen muss.

Praktisches, weil sogar auf Kicker.de dokumentiertes, Beispiel: Auckland City gegen Boca Juniors wurde für 50 Minuten unterbrochen. Das "Parallel-Spiel" zwischen Bayern und Benfica lief derweil munter weiter. Und als der Ball dann in Nashville endlich wieder rollte, stand bereits fest, dass Boca bereits ausgeschieden ist, was sich definitiv auf den weiteren Spielverlauf auswirkte und die Moral der Argentinier brach. Schön für Auckland, die einen überraschendes Unentschieden feiern durften.

Aber jetzt stellt euch mal vor, die wären beide mit diesem Unentschieden ins Achtelfinale eingezogen... Und hier sei nochmal erwähnt, dass selbst die EM in Deutschland von spontanen Stürmen heimgesucht wurde.

Das verdeutlicht nur, wie absurd es ist, dass beim Anpfiff der ersten Halbzeit penibel darauf geachtet wird, dass beide Spiele exakt im selben Moment angepfiffen werden. Mit Countdown und Videoschalte. Aber was danach passiert, ist allen egal. 

Die nächsten Weltmeisterschaften finden teilweise in Mexiko und Marokko statt. In nicht klimatisierten Stadien. Dass wir da ohne Unterbrechungen durchkommen, ist eher unwahrscheinlich. Da sollte man sich doch auch mit der Frage beschäftigen, ob man nicht vorher festlegt, dass immer beide Spiele unterbrochen werden, wenn es an eine Spielstätte eine Unwetterunterbrechung gibt.

Aber das würde ja bedeuten, dass man den Einfluss des Klimawandels auf unser Leben akzeptiert und, wenn auch nur im sportlichen Details, darauf vorbereitet. Da kann man auch gleich die Debatte aufmachen, ob eine WM in Spanien nicht doch auch in den Winter verlegt werden muss, weil es da im Hochsommer einfach zu heiß ist... Das wird also so lange nicht passieren, bis eine Unwetterunterbrechung zur nächsten Schande von Gijon führt. 

Montag, 23. Juni 2025

Die Berichtserstattung über die Klub WM ist herrlich verlogen

Prelude: 3 Tage habe ich zwischenzeitlich im Krankenhaus verbracht. Hauptsächlich deswegen habe ich mich mehr mit der Klub-WM beschäftigt, als ich vorhatte. Denn die Alternativen waren: Lineares Fernsehen zu genießen, was ich seit bestimmt 15 Jahren nicht gemacht habe. Aber ich konnte mich wenigstens selbst fürs Programm entscheiden, wenn es auch noch 10 Stunden RTLII gegeben hätte... Danke, Arte.

Option 2: ich scrolle mich durch die sozialen Medien, die komplett von rechten Trollen und Flat Earthern verseucht sind. Selbst einem zynischen Arschloch wie mir ist das irgendwann zu hässlich. Und politische Nachrichten will man ja gerade auch lieber ausblenden, wenn man auf Schmerzmitteln in einem Zimmer eingesperrt ist. Also doch Sport. Bedeutet: also doch Klub-WM.

Und da fällt dann auf, dass die Europäer ihre Meinung vor dem Turnier schon fertig hatten: alles sinnlos. Da wird dann von Hass geschrieben, wovon wir ja in diesen Zeiten dringend noch mehr brauchen. Das Ganze ist natürlich ein Desaster. Gleichzeitig schafft man es aber nicht mal, halbwegs anständige Live-Ticker zur Verfügung zu stellen. Also es mussten ja Spiele wegen diversen Unwetterwarnungen pausiert werden. Passiert halt in Zeiten des Klimawandels. Selbst bei einem Turnier in Deutschland. Auf Kicker.de stand dann aber nur "abgebrochen". Warum konnte man nicht herausfinden. Das soll das beste Sportmagazin in Deutschland sein? Wie erbärmlich. Haben die keine Praktikanten mehr?

Natürlich hat das Turnier zahlreiche Probleme. Wie alles im Profifußball. Nächsten Sommer werden auch Spiele in der Mittagssonne angesetzt werden, damit wir Europäer die sehen können. Da wird sich die Hitze auch auf die Qualität der Spiele auswirken. Und die Einheimischen sind vom Turnier ausgeschlossen, weil sie ja um 12 arbeiten müssen. Nur wird es dann niemanden interessieren.

Das einzige neue Problem ist ja, dass die Stadien eine Nummer zu groß sind. In 40.000 Mann Arenen würde das alles unproblematisch wirken. Also abgesehen von Boca Juniors, die die Hütte echt voll machen. Aber jetzt tun alle so, als wären 35.000 im Durchschnitt "niemand". Damit wäre man 8. in der Bundesliga-Tabelle... Aber diese Relativierung wird ja bewusst verschwiegen.

Und dann wurde über den sportlichen Teil nach dem ersten Bayern-Spiel geurteilt. Weil diese die Amateure aus Auckland mit 10:0 abgefertigt haben, ist das gesamte Turnier unnötig.

Kurzer Realitätsabgleich: Die Europäer haben im interkontinentalen Vergleich nach 2 absolvierten Spieltagen eine bescheidene Bilanz: 11 Siege, 4 Unentschieden, 3 Niederlagen. Nur so als Verglech: Die Südamerkaner kassierten ihre erste Niederlage im 10. Spiel... Wenn man bedenkt, wie krass unterschiedlich die finanziellen Voraussetzungen sind, ist das absurd. Selbst Giganten wie Paris St. Germain und der FC Chelsea haben bereits verloren. Nur die Bayern, Manchester City und Juventus  starten mit 2 Siegen. Die letzten beiden hatten halt extremes Losglück. Und auch die Bayern mussten sich gegen Boca mehr strecken, als ihnen lieb war. Nach dem überraschenden, aber überragenden, Ausgleich von Miguel Merentinel war man sichtlich angeknockt.

Boca ist sowieso die faszinierendste Mannschaft des Turniers, nicht nur wegen der Fans. Das ist eine richtig asoziale Tretermannschaft. Die wehren sich mit allem, was sie in die Wagschale werfen können und testen die Linie des Schiedsrichters permanent aus. Torhüter Augustin Marchesin ging in beiden Spielen in der 75. Minute ohne Gegnereinfluss zu Boden, nur um eine Behandlungspause zu kreieren und den Spielfluss zu unterbrechen. Asozial? Bestimmt. Unsportlich? Nur bedingt, denn sie versuchen ja nur die krassen wirtschaftlichen Unterschiede auszugleichen. Und darum geht es mittlerweile doch im Profisport. Wenn man bedenkt, wie viele Bundesligisten sich brav ihrem Schicksal ergeben und sich fast widerstandslos abschießen lassen... Die könnten sich dieses Spiel mal angucken, wenn sie Ideen brauchen, wie man sich richtig wehrt.

Aber anstatt die großartige Verteidigungsleistung zu würdigen, wie der geschlagene Luis Enrique es tat, wird lieber gehated. Aber wenn mir jemand vorher gesagt hätte, dass die Europäer so schlecht starten, hätte ich sie ausgelacht. Und dass der 2. Anzug nicht reicht, um die hoch motivierten Mannschaften der anderen Kontinente im Vorbeigehen zu schlagen, ist eine spannende Erkenntnis. Und ja, in den letzten Tagen scheint man ein wenig die Kurve zu bekommen, weil sich die Erkenntnis, dass das doch kein Spaziergang wird, durchgesetzt hat.

Auch das erste Spiel von Boca Juniors gegen Benfica Lissabon wäre sofort ein Klassiker, wenn man die Berichtserstattung ernst nehmen würde: Volle Hütte, super Stimmung, 3 Platzverweise und mit Ángel Di María und Nicolas Otamendi klauen ausgerechnet 2 Weltmeister den Argentiniern 2 Punkte. Dieses komplett einzigartige Spiel mit all seinen besonderen Emotionen rechtfertigen dieses Turnier für mich.

Und wenn ihr jetzt mit "ja, aber die Korruption, die Belastung und die Menschenrechte!!!" Klar, wenn man das konstant anspricht, darf man darüber jetzt auch jammern. Aber wenn man den Champions League Sieg der Qataris zu einem Fußball-Märchen verklären will und da den ganzen Scheiß komplett ausblendet, sollte auch jetzt die Fresse halten. Denn die reformierte Champions League mit demnächst 6 Mannschaften aus der Premiere League ist genauso schlimm, wie die Klub-WM. Aber weil davon ausschließlich Europäer profitieren, frisst man das anstandslos.

Denn wirklich verwerflich ist das alles nur, wenn andere Menschen als wir Europäer von etwas profitieren. 

Mittwoch, 28. Mai 2025

Niemand interessiert sich für diese dämliche Klub-WM

 Das muss doch scheitern. Die werden von halbleeren Stadien und halbleere Wohnzimmer senden. Das könnte für Europa sogar stimmen. Hier interessiert sich vielleicht wirklich niemand für dieses Turnier.

Und ganz vielleicht lernt die Fifa tatsächlich die schmerzhafte Lektion, dass sie die Ticketpreise nicht endlos nach oben erweitern kann. Die Preise, die da aufgerufen werden, lassen Beyoncé günstig erscheinen... und die bringt konstant absolute Weltklasse, welche es bei der Klub WM nur selten zu sehen gibt. Dafür kann man die Tickets bei der Klub-WM ganz einfach erwerben, weil davon noch genug rumliegen.

Aber interessiert sich wirklich niemand dafür? Wer das behauptet, glaubt auch, dass die Erde eine Scheibe ist. Denn jetzt, wo die Vorbereitung beginnt, wird es auf einmal deutlich, wie ernst alle dieses Turnier nehmen. Und wie absurd der europäische Fußball geworden ist.

Beispiel Nummer 1: Bayer Leverkusen könnte doch eine Ablöse für Jonathan Tah kassieren, obwohl dessen Vertrag in 4 Wochen aufläuft. Da generiert man plötzlich eine Millionenablöse. Bei Trent Alexander Arnold hat Real Madrid sich die Teilnahme 5 Millionen Euro kosten lassen. Da müssen die schon das Halbfinale erreichen, damit sich das lohnt.

Wäre das den Vereinen wirklich egal und das ganze eine reine Vorbereitungsveranstaltung, würden die Bayern Tah für das Trainingslager mitnehmen und in den Spielen auf die Tribüne setzen. Aber irgendwie wollen die alle das schon gewinnen und werden deswegen spätestens in der K.O. Phase mit der bestmöglichen Mannschaft auflaufen. 

Die eigentlich spannendste Frage: Wer schlägt bei Cristiano Ronaldo zu? Und wie viel Geld gibt man für einen Monat Ronaldo so aus?

Das vierte Beispiel: Die Dortmunder dachte über ein Comeback von Mats Hummels nach. Das machen die nicht, weil sie nach dem unromantischen Abschied ein schlechtes Gewissen haben, sondern weil sie in dem Turnier möglichst weit kommen wollen. Da wäre es auch egal, dass Hummels die Entwicklung der eigenen Verteidiger behindern würde...

Und ja, Dortmund scheint sich am Ende dagegen zu entscheiden. Das machen sie aber nur, weil sie nicht glauben, dass Hummels ihnen helfen würde. Es handelt eben nicht diese Abschiedsfahrt zum Saisonende, bei dem alle verdienten Spieler nochmal winken dürfen und drumherum viel Promo vor Ort gemacht wird. Das ist ein richtig ernsthaftes und wichtiges Turnier.

Falls die Personalentscheidungen euch nicht davon überzeugen, kommt hier das Totschlagargument: Borussia Dortmund, also die "Echte Liebe" Kommanditengesellschaft auf Aktien, haben extra für dieses Turnier ein neues Trikot designt. Also so richtig designt. Inklusive Koksspuren. Anders können sich zumindest die deutschen Fans diese Auswüchse nicht erklären. Optimisten sehen eine Verbindung zwischen Fußball und Mode.

Das Management in Dortmund sieht ein Trikot, das sich während des Turniers wunderbar an die Fans in aller Welt verkaufen lässt. Genau deswegen haben sie sich für genau dieses Modell entschieden: Man will zwischen den 08/15 Trikots der Konkurrenz hervorstechen, damit die "Causals" in Amerika oder Asien plötzlich BvB Fans werden. Oder das Trikot kaufen, obwohl sie eigentlich keine BvB Fans sind, weil sie das Design anspricht.

Man darf gespannt sein, wie viele anderen Vereine auch diese Gelegenheit ergreifen. Fakt ist aber: Wenn sich niemand für dieses Turnier interessieren würde, käme auch niemand auf die Idee, so ein Sondertrikot zu vermarkten. Das macht man nur, weil praktisch jetzt schon fest steht, dass dieses Turnier global gesehen ein riesiger Erfolg werden wird. 

Die Aktionäre beten jetzt, dass Dortmund mit diesem Turnier vor einem weltweiten Publikum im Halbfinale auflaufen darf, weil das die Absätze nochmal deutlich steigern wird. 

 Am Ende ist es bezeichnend, dass Borussia Dortmund mal wieder der Vorreiter auf dem Gebiet der Kommerzialisierung ist. Dass die sich immer noch Traditionsverein nennen dürfen, obwohl die bei jedem Scheiß in der ersten Reihe stehen, ist einfach nur faszinierend. An denen perlt halt alles ab. Und das nicht nur bei den eigenen Fanatikern, denn auch viele der anderen Fans halten die Borussia ja für "die Guten" und RB Leipzig für die Ausgeburt des Teufels.

Fakt ist: Dortmund macht diesen ganzen Scheiß nicht nur mit, sondern steht in der ersten Reihe. Sie nutzen seit Jahrzehnten jede Gelegenheit, um noch einen Cent aus dem Fußball herauszuholen. Wer also gegen diese Kommerzialisierung ist, müsste auch gegen Borussia Dortmund protestieren. Aber das wird nicht passieren, denn das sind ja die Guten...

Dienstag, 14. März 2023

Das zeigt sich schon wieder die Verlogenheit der europäischen Vereine

 Damit muss man auch mal das Grundproblem von Gianni Infantino festhalten: Er richtet seine Politik nicht nach den europäischen Verbänden und Vereinen aus. Was für ein Arschloch! Wie kann der nur als Fifa den Fußball auf anderen Kontinenten in den Fokus nehmen! Das dürfen doch nur wir Europäer. WIR entscheiden, wann wir da hinfliegen und welche Brotkrümel die abbekommen.

Also kurz der Reihe nach: Die Fifa hat gerade etwas Unfassbares herausgefunden. Ein derart gut verstecktes Geheimnis, dass das eigentlich nur der CIA herausbekommen kann: Bei Dreiergruppen kann es zu Ergebnisabsprachen kommen. NO SHIT SHERLOCK! Das logische und eigentlich immer feststehende Ergebnis: Wir steigen doch wieder auf Vierergruppen und ein Sechzehntelfinale um. 

Also jetzt mal ganz ehrlich: Spätestens 2030 wäre das eh gekommen, weil alle gemerkt hätten, wie beschissen Dreiergruppen sind. Es ist gut, dass ihnen das jetzt schon aufgefallen ist. Es war immer klar, dass es wieder auf Vierergruppen hinauslaufen würde. Das ist einfach der praktikabelste und fairste Turniermodus.

Jetzt kommen aber schon die ersten und warnen vor der Zusatzbelastung. Diese eine furchtbare Spiel mehr, welches man jetzt absolvieren muss, um Weltmeister zu werden. Das betrifft jetzt sogar uns Deutsche, obwohl wir in der Vorrunde ausscheiden! Das geht gar nicht.

Ähm.. warum? Also, mit welchem Recht regen sich die europäischen Vereine, die gerade die Anzahl der Gruppenspiele in der Champions League von 6 auf 8 erhöht haben, über dieses eine Spiel auf? Mal eine ganz einfache Mathematik: Dies ist die erste Erweiterung des WM-Spielplanes seit 1998. Damals gab es zwar schon eine Vorrunde in der Champions League, aber kein Achtelfinale. Man brauchte als 11 Spiele, um das Finale dramatisch zu verlieren. Danach wurde eine (immerhin wieder abgeschaffte) Zwischenrunde eingeführt und es wurden 17 Spiele, die ohne großes Jammern ausgetragen wurden. Dann hatte man sich auf 13 Spiele geeinigt, aber die werden jetzt, obwohl das eigentlich ein wirklich gesundes Maß war, auf 15 erweitert. Einfach so und ohne, dass darüber groß gejammert wird. 

In der Champions League kamen also in diesem Zeitrahmen 4 Spiele dazu, bei der WM ist es ein Einziges. Was ist jetzt schlimmer? Nebenbei müsste man auch mal herauskriegen, ob die Erweiterung des Teilnehmerfeldes vielleicht sogar die Qualifikation verkürzt. Das ist nebenbei etwas, was ich als Fifa und UEFA immer als Kompromiss anbieten würde: Hey, wir vergrößern das Turnier im Sommer, dafür kürzen wir die Qualifikation auf 4er- anstatt den 6er-Gruppen und wir schaffen dadurch mehr Freiraum. Aber man muss ja auch fair sein, dass auch die Fifa nur bedingt kompromissbereit ist.

Der nächste "lustige" Fakt ist ja die "Zusatzbelastung". Aber hier muss die Frage gestellt werden: Stimmt das wirklich, wenn das Turnier auf 40 Tage gestreckt wird. Nur um das mal durchzurechnen: Die letzte WM wurde in 28 Tagen durchgeprügelt. Vom 20.11. bis 18.12.. In diesen 28 Tagen absolvierte Argentinien seine 7 Spiele. Genau genommen waren es sogar nur 26 Tage, weil man erst am dritten Turniertag einsteigen durfte. Man spielte also alle 3,7 Tage. Für den Gastgeber wären es alle 4 Tage gewesen. Wenn man das Turnier jetzt auf 40 Tage streckt. Dann bedeutet das, dass man im Durchschnitt alle 5 Tage ein Spiel hat. Oder, wenn man später einsteigt, alle 4,3 Tage. Also ja, man hat ein zusätzliches Spiel, aber man hat auch mehr Zeit zum Regenerieren. 

Nun muss man natürlich erst auf den finalen Spielplan warten, um wirklich durchzugehen, ob die Zeit zwischen den Spielen signifikant länger ist. Aber theoretisch wird es dadurch machbar, den Spielern längere Pausen zu geben. Praktisch sollte zwischen jedem Gruppenspiel ein Ruhetag mehr liegen. Das ist doch etwas Gutes.

Mal so als Einschub an der Stelle: Der Plan der neuen Champions League ist es ja, die zusätzlichen Termine in den Dezember und Januar zu legen. Was auch nur bedeutet: Deren Plan ist es (hoffentlich sehr sehr bald, Fuck Putin) unsere jungen Männer im Januar und Februar nach Russland zu schicken. Oder nach Skandinavien. Ihr wisst schon: All diese Länder, in denen man im Januar eigentlich kein Fußball spielen kann, weshalb die Mannschaften aus diesen Regionen schon derzeit am 6. Spieltag der Gruppenphase ein Auswärtsspiel haben.

Nebenbei wird sich über das Reisen durch die Zeitzonen aufgeregt. Wenn aber ein Profi im Januar von Porto nach Moskau fliegen muss, sind die +4 Stunden und das komplett andere Klima auch egal. Wenn das für die Profivereine eingeführt wird, ist das alles kein Problem. Aber wehe, die Fifa will ein Spiel mehr haben!!! Da profitieren dann halt hauptsächlich die kleinen Verbände dran, da haben wir nichts von. Das geht so nicht.

Und ja, die Fifa ist und bleibt ein korrupter Haufen. Ich will die auf keinen Fall entlasten. Ich will nur mal feststellen, dass die nicht die einzigen Bösewichte, die den Fußball kaputt machen, sind. Das würden die europäischen Spitzenvereine auch ganz alleine hinbekommen. Sie bekommen es sogar viel besser hin.

Da kann man ja auch wunderbar das Beispiel Klub-WM nutzen: Für die europäischen Vereine ist das eine furchtbare Idee, weil es ein zusätzlicher Wettbewerb ist. Da muss man dann dran teilnehmen. Für alle anderen Vereine von den anderen Kontinenten ist es eine Möglichkeit sich mit den größten Vereinen der Welt in einem Pflichtspiel zu messen. Also etwas, was sie derzeit einfach nicht haben. 

Nur mal so als Frage: Wann gab es zuletzt das Duell Boca Juniors gegen Real Madrid? Das war im Jahr 2000. Es war ja auch das einzige Aufeinandertreffen dieser beiden Traditionsvereine.
Wir jammern ja sonst immer, dass es immer dieselben Duelle gibt, die ewig recycelt werden. Genau das könnte dieser Wettbewerb aufbrechen. Und klar, uns Europäern sind diese Ansetzungen egal. Aber kurzer Spoiler: Wir sind global gesehen eine Minderheit. Dementsprechend muss nicht jede Entscheidung nach unserem Gusto gefällt werden.

Dazu schießen sich die Europäer halt weiter argumentativ in den Fuß, wenn sie den ganzen Sommer lang eh durch die Welt fliegen. Also selbst ein Thomas Tuchel muss sich jetzt ja von Graham Potter vorwerfen lassen, dass er die Mannschaft dank einer katastrophalen Vorbereitung in einem dürftigen Zustand hinterlassen hat. Das liegt aber auch definitiv daran, dass Tuchel im Sommer Freundschaftsspiele gegen America durchführen lassen musste. Um 4 Uhr morgens MEZ. Um nochmal darauf hinzuweisen, wie absurd das Zeitzonen-Argument ist...

Was spricht jetzt dagegen, diese Klub-WM als Vorbereitungsturnier zu betrachten? Klar, für die anderen ist es DAS HIGHLIGHT des Jahres. Aber für einen selber ist es halt nur die Promotour, die man im Sommer eh plant. Man hat halt dieses Mal nur selber nicht die Planung in der Hand. Dafür fährt man dann aber gemeinsam an einen Ort, kann sich also theoretisch in der Vorbereitung mit besserer Konkurrenz messen. Und das Spotlight dürfte auch etwas größer werden.

Da fällt einem aber wieder auf, wie kolonialistisch die Politik der europäischen Vereine ist: wenn wir Europäer nach unseren Bedingungen und zu unseren Konditionen nach Asien oder Amerika fliegen, um unseren Umsatz zu steigern, werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das möglich zu machen. Und wenn man als Zeche in der Premiere League nur 10. wird, dann ist das halt so. Wenn diese Länder sich dann aber erdreisten UNS einzuladen und zu sagen "Ihr kommt jetzt zu unserer Veranstaltung, von der wir etwas haben", dann ist das ein Problem und leider nicht umsetzbar.

Aber das kommt jetzt halt auf uns zurück: Die Beliebtheit dieses Sports ist in den anderen Kontinenten jetzt so weit gestiegen, dass dies auch ein ernst zunehmender Markt ist. Und dieser Markt will jetzt halt auch an den Spielen teilnehmen. Deswegen muss man auf ein Mal über eine Klub-WM reden. Das ist natürlich ein logistisches Problem, aber halt auch eine logische Konsequenz. Denn natürlich wollen sich die Vereine aus diesen wachsenden Regionen dann auch mit den Besten der Besten in Pflichtspielen messen.

Aber wie immer wird bei jeglicher Berichtserstattung nur auf uns und unsere Bedürfnisse geschaut. Niemand fragt sich, wie geil es für die anderen wäre, wenn dieses Turnier stattfindet. Oder wenn sie an einer Weltmeisterschaft teilnehmen können.

Freitag, 12. Februar 2021

Das ist dann das Worst Case Szenario

 Also vor allem deshalb, weil es ich mich jetzt doch mit der Klub-WM beschäftigen muss, was ich eigentlich aus Prinzip vermeiden wollte. Denn das einzige wirksame Mittel gegen solche Wettbewerbe ist ja sie zu ignorieren. Wenn wir das alle machen würden, würde man sie auch abschaffen.

Was dann aber wieder dazu führt, dass der Kommentar von Karlheinz Wild den entscheidenden Punkt verfehlt. Denn bei der Klub-WM geht es nicht um spannende Spiele und einen sportlich fairen Wettbewerb, sondern darum, dass auch die Vereine aus den sportlichen "Entwicklungskontinenten" den Traum von einem Pflichtspielsieg gegen eine europäische Spitzenmannschaft leben können. Mehr muss man daraus aber auch nicht unbedingt machen.

Und natürlich ist es sportlich mehr als fragwürdig, wenn sich in 13 von 15 Fällen eh der Champions League Sieger durchsetzt. Aber ich sag das mal so: In der Relegation gibt es eine ähnliche Quote und das stört auch keinen, obwohl die Konsequenzen wesentlich gravierender sind.

Das faszinierendste ist aber das Ende des Kommentars. Denn da fällt Wild dann plötzlich auf, dass die "Bedenken, ob dieser marginale Wettbewerb trotz der Pandemie und der aktuellen Virus-Bedrohung in den Jahreskalender gequetscht werden musste, absolut berechtigt" sind. Interessant, dass ihnen das hinterher auffällt. Also nach dem positiven Corona-Test von Thomas Müller... den er sich auf einer absurd sinnlosen Dienstreise eingefangen hat. Wo waren diese Bedenken eigentlich vor dem Turnier?

Wenn der Kicker Eier in der Hose hätte, hätte er vor der Klub-WM ein eindeutiges Statement gegen diese abgegeben: Man werde abgesehen vom nötigen Ergebnisdienst, keinerlei Berichtserstattung zu diesem Turnier machen, da man es in Zeiten der Pandemie mit dem Meister aus Neuseeland hält und solche unnötigen Wettbewerbe einfach absagen sollte. Der Kicker hat aber keine Eier. Er steckt tief im Arsch der Bayern.

So tief, dass niemand Karlheinz Rummenigge daran erinnern wird, was seine Bayern alles während der Pandemie unbedingt ausspielen mussten, wenn er sich das nächste Mal über die Nationalmannschaften echauffiert. Und genau das müsste dann kommen: Kalle, dein Spieler hat sich während der Klub-WM mit Corona infiziert, du hast jegliches recht aufs Jammern über unnötige Reisen, Spielansetzungen oder Turniere auf Lebenszeit verloren. 

Ich meine, stellt euch mal vor, ein Bayern Profi hätte sich während der Nations League infiziert und müsste dann 9 Tage in Quarantäne. Die Bayern würden Schadensersatz fordern. Über die Wettbewerbsverzerrung jammern, falls die Ausfallzeit mit einem Champions League Spiel kollidiert. Und die Gesundheit der Spieler auf ein Mal ganz großschreiben...

Aber wenn es um 4 Millionen Euro Preisgeld für einen selber geht... da kann man dann halt nichts machen. Da muss man dieses Risiko auch in Kauf nehmen. Und das Risiko ist ja kaum höher als bei einem normalen Champions League Spiel, da sagt ja auch keiner was.

Da gibt es aber einen entscheidenden Unterschied: Für die Champions League interessieren sich die Fans. Also praktisch alle europäischen Fußballfans. Selbst die meisten derer, die eigentlich nur noch zu Regionalligaspiele ihrer Traditionsvereine gehen, schalten halt heimlich doch die Champions League ein. Oder ihre Zahl ist im Großen und Ganzen gesehen so gering, dass sie nicht auffallen.

Plus: Ohne die Champions League Fernsehgelder bricht halt das ganze System zusammen und der eine oder andere Verein wie Barcelona geht pleite. Außerdem hängen halt haufenweise Arbeitsplätze an der Champions League und den nationalen Meisterschaften. Damit sind die dann Systemrelevant... und damit ist es auch nachvollziehbar, dass man für solche Wettbewerbe ein höheres Risiko eingehen will.

Auch wenn die Frage, ob man beide Mannschaften dafür reisen lassen muss, weil die Einreise nach Deutschland zu gefährlich ist, noch beantwortet werden muss. Aber dass man dafür Ausnahmen macht, ist halbwegs nachvollziehbar.

Dass aber der reichste Sportverband der Welt, der es sich mit Milliarden in der Hinterhand echt leisten könnte die Verluste ein Mal auszugleichen, unbedingt dieses Turnier durchdrücken muss... In einem Pandemie Risiko Gebiet...

Und wo wir schon bei Eiern in der Hose sind: Wenn das Gesundheitsamt in München diesen hätte, würden sie die gesamte Bayern-Mannschaft in Quarantäne schicken. Mit der Begründung: Wer sich als Konzern bei einer völlig unnötigen Auslandsreise einen Coronafall anlacht, muss damit rechnen. Aber das hätte man natürlich vorher ankündigen müssen.

Aber das könnte man ja mal vor den Champions League Wochen machen: Hey, wenn ihr unbedingt gegen Mannschaften aus Ländern mit Corona Mutation spielen müsst und wir das nicht verhindern können, dann seid euch einer Sache bewusst: Wenn einer von euch sich bei diesen Trips Corona anfängt, geht ihr alle geschlossen für 14 Tage in Quarantäne. So wie man es bei Normalsterblichen auch machen würde.

Wenn die Bayern Eier in der Hose hätten, hätten sie mit Verweis auf die Pandemie, von sich aus verzichtet. Öffentlich gesagt: Wir wissen, dass wir als Fußballer eine Ausnahmestellung genießen. Dass wir verdammt viel machen dürfen, was anderen verboten ist. Aber in dieser Ausnahmestellung muss man halt auch mal eingestehen: Dieses Turnier ist ein vollkommen unnötiges Risiko, welches wir einfach vermeiden wollen. Macht das ohne uns.

Dafür hätte es von europaweit von den Fans Applaus gegeben. Wir hätten uns alle während des Finales zwischen Tigres und Al-Ahly auf den Balkon gestellt und 90 Minuten lang applaudiert... obwohl es gerade bitterkalt und mein Balkon komplett eingeschneit ist. Das Problem daran ist natürlich: Man kann bei den Pflegekräften nachfragen, wie gut man sich von Applaus ernähren kann... Also nehmen die Bayern doch lieber die 4 Millionen Euro Preisgeld.

Nebenbei wird auch offensichtlich, wie bigott unsere Fußballberichterstattung wieder ist. Also wenn einzelne Spieler wie Tolisso mit unnötigen und egoistischen Eskapaden auffallen, wird groß darüber diskutiert, dass die Spieler sich ihres Sonderstatus bewusst sein müssen. Dass sie viel bessere Vorbilder sein müssen. Dass sie mit Anfang 20 keine Dummheiten machen dürfen. 

Aber, wenn dann die Bayern mit als Verein geschlossen durch einen Egotrip auffallen... dann schicken wir unsere Reporter dahin und berichten darüber. Also unkritisch und zu 85 % über das Geschehen auf dem Platz und nicht darüber, wie krass Fehl am Platz das eigentlich gerade ist. Wenn man unnötige Aktionen unbedingt kritisieren will, sollte man dies auch konsequent machen.

Oh und um zu beweisen, dass man durchaus unpopuläre Meinungen gegen den Veranstalter vertreten kann, auch wenn ohne den angeblich gar nichts geht: LeBron James als immer noch bester Basketballer der Welt hat gerade sehr eindeutig Stellung gegen ein geplantes All Star Game der NBA bezogen. Öffentlich bekannt, dass gerade gar keinen Bock auf so einen sinnlosen Scheiß hat. Das ist nicht ganz sein Wortlaut, aber es ist dicht dran. Mehrere NBA Stars haben bereits verlauten lassen, dass sie dort nur auflaufen werden, weil sie sonst Strafen befürchten... Warum hat man aus dem Bayern-Kader keine ähnlichen Ansagen gehört? Ich frag ja nur...