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Donnerstag, 15. Januar 2026

Eines muss man der DFL ja lassen:

 Die haben schon Humor. Also wenn Sky denen extra Geld geben will, damit am Donnerstagabend ein Bundesligaspiel ausgetragen wird... dann bekommt Sky halt Augsburg - Union Berlin. Viel Spaß damit.

Und es hat ja in den ersten 2 Spieltagen richtige Banger gegeben. Eintracht Frankfurt spielt zwar nicht zwingend "gut", aber doch sehr unterhaltsam. Das Spiel gegen Stuttgart wäre ein wirklicher Bundesligaklassiker gewesen. Die Bayern hatten in Köln wirklich den Anstand, den Gegner nicht sofort abzuschießen... sondern hinterließen den Eindruck, dass es da eine Sensation im Free-TV geben könnte. Nebenbei muss ich da auch erwähnen, dass als jemand, der das lineare Fernsehen vor Jahrzehnten abgeschafft hat, der Begriff "Free" bei RTL gelogen ist, denn ich müsste schon ein Abo abschließen, um deren Stream zu gucken. Das wird nicht passieren.

Bremen war in Dortmund besser, als es die 3:0 Niederlage aussehen ließ. Niko Kovač hat ja irgendwie den Ruf, dass er seine Mannschaft eher uninspiriert spielen lässt, aber die haben 3 Tore erzielt. RB Leipzig gegen den SC Freiburg würde zwar die Ultras verschrecken, verspricht aber im Normalfall ein taktisch interessantes Match und einige Tore. 

Hoffenheim spielt dieses Jahr unfassbar inspirierten Fußball und ist immer für ein paar Tore gut. Die sind natürlich auch in der Anti-Ultra-Falle, dürften aber beim gemeinen Sesselfan durchaus ein paar Interessenten ziehen.

Stattdessen bekommt Sky 2 Mannschaften, die sich einen bösen Abnutzungskampf leisten werden. Die sind beide besser ohne, als mit dem Ball. Und ja, als die genauen Ansetzungen fixiert wurden, war Sandro Wagner schon entlassen und die kurze Phase, in der man Augsburg zur "Primetime" zeigen wollte, war vorbei. Union ist eine Mannschaft, bei der die Stürmer mal so 3 Monate am Stück gar nicht treffen. Viel Spaß damit.

Aber hier ist das absurde: Das war eigentlich absehbar. Denn am nächsten Dienstag beginnt ja schon wieder der europäische Wettbewerb. Nur um mal wieder festzuhalten, wie absurd voll der Rahmenterminkalender mittlerweile ist: Früher begann die europäische Rückrunde Ende Februar. Ganz früher sogar erst im März... Aber so weit muss man das Rad ja gar nicht zurückdrehen.

Aber um damit mal klarzumachen, wie absehbar die Augsburg - Union Ansetzung war: Dass es kein Bayern, Frankfurt, Dortmund oder Leverkusengeben würde, stand schon im Mai fest. Denn die Mannschaften, die am Donnerstag spielen, müssen zwangsweise am Sonntag ran, damit sie die entsprechenden Ruhepausen haben. Die Mannschaften, die in der Champions League spielen, können aber am Spieltag davor nicht am Sonntag antreten. Nebenbei wurden ja extra dritte Sonntagsspiele eingeführt, damit dieses "Reiseproblem" kompensiert werden kann. Das bedeutet praktisch, dass sich Augsburg und Union 2 Spieltage nacheinander nicht in einer Konferenz verstecken können. Viel Spaß damit.

Damit ist es nicht nur kategorisch ausgeschlossen, dass die 4 besten Mannschaften der Liga an diesem Donnerstag auflaufen. Die Gegner vom 18. Spieltag sind auch keine Option. Also kein RB und kein Hoffenheim. Und natürlich kein St. Pauli. Weil Wolfsburg - St. Pauli so viel vielversprechender aussähe.

Plötzlich hatte Sky die Wahl zwischen Mainz gegen Heidenheim und eben Augsburg gegen Union. Und Random Fun Fact: Die Wahl haben sie nur, weil Freiburg sich anscheinend bereit erklärt hat, vor einer englischen Woche mit Einsatz am Donnerstag am Sonntag zu spielen. 

Und hier muss man nochmal festhalten: Das war bereits im Sommer abzusehen. Es ist ja nicht so, dass wir jetzt eine unfassbar erfolgreiche Champions League Saison erleben und alle 4 Mannschaften ins Achtelfinale eingezogen sind. Dass all diese Mannschaften an diesem Donnerstag keine Zeit haben würden, stand schon Mitte Mai fest. Es war zu 100 % absehbar, dass Sky sich zwischen diesen beiden Spielen entscheiden müsste. Oder zumindest, dass all die wirklich guten Mannschaften keine Zeit haben werden. Sky war trotzdem bereit, ein paar Millionen mehr auf den Tisch legen, um dieses eine Spiel zu zeigen. 
Und dann direkt die Abo-Preise erhöht, damit diese paar Millionen auch wieder reinkommen. Mit der Ankündigung, dass man ja ganz exklusive Spiele, die es sonst nirgendwo gibt, zeigen wird. Es ist nebenbei echt faszinierend, dass das eine Mal, als das Kartellamt ein Monopol zerschlagen hat, das am Ende nur zum Nachteil der Fans war...

Es beweist uns auch mal wieder, wie völlig absurd König Fußball in Europa dominiert: Jedes noch so beschissene Spiel treibt den Preis nach oben, wenn es irgendwo exklusiv gezeigt werden kann. Aber gut, solange die Kunden das fressen, wird sich daran nichts ändern. Und die Sky Kunden müssen heute Abend zwangsweise einschalten, denn sie haben ja dafür bezahlt... 9 Euro extra pro Monat. Viel Spaß.

Jetzt wo ich mich darüber ausgelassen habe, wird geht das wahrscheinlich 5:4 aus und wird als absoluter Klassiker in jeder Saisonrückschau auftauchen... Bekloppt ist es trotzdem, aber die Sky-Kunden sollten mir dafür danken... 

Donnerstag, 20. März 2025

Endlich wieder Länderspielpause

 Das wird sogar Xabi Alonso so sehen. Auch wenn sein Comeback-Bayer gerade ein großes Comeback gefeiert hat. Nur halt leider zu spät, um für diese Saison noch relevant zu sein. Aber besser spät als nie.

Aber wir haben wieder mal den Punkt erreicht, wo selbst die Vereine nicht mehr darüber jammern, dass es mal eine Länderspielpause gibt. Denn für die Spieler der Spitzenteams klingen "nur 2 Spiele in 10 Tagen" fast wie Urlaub. Und die Trainer können sich mal neu sortieren und mental auf den Schlussspurt vorbereiten.

Und klar, weil man dieses mal aufs komplette versagen verzichtet hat und stattdessen an der K.O. Phase der Nations League teilnimmt, ist es nur fast wie Urlaub. Denn die Spiele haben ja plötzlich eine gewisse Relevanz.

Nebenbei ist das so ein Faktor, der bei der "Aufblähung" der Turniere im Sommer gerne ignoriert wird. Also es wird da ja gerne behauptet, dass das für die Spieler scheiße ist, weil die jetzt ein Spiel mehr absolvieren müssen, um Weltmeister zu werden. Und kurzfristig betrachtet stimmt dies sogar: Es wurde eine zusätzliche K.O. Phase eingeführt. Wenn man aber nicht nur den Horizont eines Flat Earthers hat, sondern ein bisschen über den Tellerrand hinausschaut... Wenn Deutschland sich für das "Final 4" Turnier qualifiziert, landen sie in einer 4er Gruppe mit Nordirland, der Slowakai und Luxemburg. Wenn sie sich dann, wovon man ja ausgehen sollte, als Gruppenerster qualifizieren, brauchen sie dafür "nur" 6 Spiele.

Für die WM in Katar spielte man in einer 6er Gruppe mit Nordmazedonien, Rumänien, Armenien, Island und Liechtenstein. Damals brauchte man 10 Spiele. Selbst im Worst Case Szenario mit einer Niederlagegegen Italien braucht man "planmäßig" 2 Spiele weniger, um sich für die WM in Nordamerika zu qualifizieren, Im Idealfall sind es sogar 4 Spiele weniger. Da kann man ja glatt ein weiteres Spaßturnier für die Vereine einführen.

Das ist aber auch etwas, dass die UEFA nicht vermarktet und die Vereine suboptimal aushandeln. Also ein "Ja, wir erweitern die Turniere, aber dafür kürzen wir die Länderspiel-Pausen während der Saison etwas runter" wäre doch eine faire Verhandlungsgrundlage. Da müssten sich doch alle Nationen, außer die ganz kleinen, drauf einlassen. Und wo demnächst die halbe Welt zur WM eingeladen wird, kann das ja auch nicht an den mangelnden Stimmen scheitern.

Wenn man darauf hinweist, dass die Länderspiele gerade im Vergleich zur aufgeblähten Champions League gar nicht mehr geworden sind, würde man den jammernden Vereinen und Fans viel Wind aus den Segeln nehmen. 

Da kommen wir mal wieder zu meinem Lieblingsspiel: Lasst uns mal nachrechnen, wie viele Spiele Bayern München seit der letzten Länderspielpause absolviert haben. Stichtag ist der 19.11.2024. Die Bayern sind da bei 25 Pflichtspielen. Es hätten nebenbei sogar mehr sein können, wenn man sich nicht frühzeitig aus dem Pokal verabschiedet hätte.

Dann drehen wir die Uhr mal 20 Jahre zurück. Da ist die Länderspielbilanz immer schwierig, weil das ausgerechnet das Jahr ist, in dem die deutsche Nationalmannschaft als "Danke Schön" für die WM Vergabe im Dezember auf Asienreise war. Aber man kann ja trotzdem mal gucken, wie viele Spiele die Bayern zwischen dem 19.11., also dem Ende der offiziellen Rahmentermine für Landerspiele mit dem Freundschaftsspiel gegen Kamerun, und dem 26.03., einem Spiel  in Slowenien ausgetragen wurden. Man kommt dann auf 18 Spiele.

Drehen wir die Uhr weitere 20 Jahre zurück, kommen die Bayern in diesem Zeitraum auf 13 Spiele. Man könnte einen Trend erkennen. Also während sich die Anzahl der Länderspiele in einem "nicht Turnier Saison" von 11 auf 10 reduziert haben, hat sich die Zahl der Vereinsspiele quasi verdoppelt. Da fragt man sich echt, wie man als Vereinspräsident über die Länderspiele aufregen kann, wenn die ganz offensichtlich nicht das Problem sind. 

Das werden die Verantwortlichen der Vereine aber niemals erwähnen, denn dann müssten sie ja zugeben, dass aussschließlich ihre eigene Gier Schuld and der völligen überlastung des Rahmenterminkalenders ist.

Donnerstag, 21. November 2024

San Marino hat das unfassbare geschafft:

 Sie sind aufgestiegen, bevor der Hamburger SV dies jemals geschafft hat. Nur um mal zu verdeutlichen, dass das echt jeder hinbekommt, außer eben jener HSV.

Vor allem aber: PassivesAbseitsleserwissenesfrüher: Die Nations League ist etwas wunderbares. Dort können die kleineren Nationen ihre eigenen emotionalen Geschichten schreiben, ohne dass irgendetwas verloren geht. Denn für die "großen Nationen" werden halt "nur" die Testspiele ersetzt.

Checkt einfach mal den offiziellen Fan Account von San Marino aus. Vorsicht an alle St. Pauli und Werder Fans: der Link geht zu Twitter. Aber wie die da in der 2. Halbzeit abgehen, ist nicht von dieser Welt. Es ist aber auch der größte Erfolg in deren Verbandsgeschichte.

Wahrscheinlich werden die jetzt nächste "Saison" jedes Mal abgeschossen, aber hey, sie haben sich das Recht gegen diese besseren Gegner anzutreten, erarbeitet. Das ist doch schön.

Und alle die jetzt über die zusätzlichen Termine heulen. Ich habe mal eine fortgeschrittene Matheaufgabe für euch: Zählen. Hier sind 2 unterschiedliche Listen. Eine aus dem Jahr 2024. Die andere ist aus dem Jahr 2004. (Vorsicht, die Links gehen zum Kicker...)

Ihr werdet dann völlig entsetzt feststellen, dass Deutschland im Jahr 2004, trotz des gar nicht so überraschenden Vorrundenaus, 16 Länderspiele absolviert hat. 2024 waren es, obwohl man das Viertelfinale erreicht hat, 15. Das macht, nach Adam Riese, ein Spiel weniger, als vor 20 Jahren.

Vor diesen 20 Jahren wäre Deutschland in einem Paralelluniversum mit guten Spielern mit 19 Länderspielen Europameister geworden. 2024, in einem Paralelluniversum mit der aktuellen Handspielauslegung, hätte es dafür 18 Spiele gebraucht.

Das Deutschland mehr Spiele absolviert hat, lag nebenbei an den 3 Spielen während der Asien Reise zum Jahresausklang. Das sollte fairerweise erwähnt werden: Ohne dieses legale organisieren von Stimmen für die Heim WM 2006 wären es nur 16 mögliche Länderspiele gewesen. Trotzdem gilt für alle anderen: In den letzten 20 Jahren sind nur 2 Termine dazugekommen. Das ist nicht dramatisch.

Und wenn ihr jetzt rumheult, dass ja die Endrunde der Nations League zu mehr Spielen führen wird: Nein, wird es nicht. Denn die 8 Teilnehmer an dieser Veranstaltung werden dafür in die 5er Gruppen der WM Quali landen. Das wird kein Zufall sein, sondern ist Absicht. Falls man das Finale erreicht, hat man tatsächlich ein einziges zusätzliches Spiel.Das ist, verglichen mit der Eskalation bei den Vereinsmannschaften, lächerlich wenig. Und wenn man im Viertelfinale ohne Wirtz ausscheidet, ersparrt man sich sogar ein Spiel...

Man muss an der Stelle nochmal zwingend festhalten: Die Nations League hat nicht wesentlich zur Erhöhung der Allgemeinen Belastung beigetragen. Für die großen Nationen hat sie die Testspiele, die Aufgrund der ständigen Absagen als Reaktion auf die extreme Belastung am Ende eine Zumutung für alle Fans waren, ersetzt. Und sie haben den kleinen Nationen eine Möglichkeit gegeben, sich in einem für sie ernstzunehmenden Wettbewerb zu messen.

Lasst uns mal spaßeshalber nochmal 20 Jahre zurückgehen: Im Jahr 1984 gab es tatsächlich weniger Länderspiele. Deutschland trat nur 11 mal an. Wenn man Europameister geworden wäre, wären es 13 Spiele gewesen. In diesen 40 Jahren ist die Anzahl der EM Teilnehmer von 8 auf 24 gestiegen. Trotzdem kamen in diesen 4 Dekaden ganze 5 Spiele pro Jahr dazu.

Hier ist aber das völlig absurde: In dieser Saison gewann der FC Liverpool den Europapokal der Landesmeister... mit 8 Siegen in 9 Partien. Mittlerweile wäre die 9. Partie das erste K.O. Duell. Insgesamt braucht man 15 bis 17 Spiele. Von den 36 Mannschaften, die an der Gruppenphase teilnehmen, werden 24 mehr internationale Spiele absolvieren, als die beiden Finalteilnehmer von 1984.

Dazu kommen dann nochmal bis zu 8 Spiele über die Klub-WM. In den 4 Dekaden, in denen für die Nationalspieler 5 Termine dazu kamen, wurde der Vereinsspielplan um bis zu 14 Spiele erweitert....

An der Stelle muss man auch nochmal erwähnen, dass 1984 lediglich 2 Mannschaften die kompletten 9 Spiele absolvierten. Für die Hälfte der Teilnehmer war der Spaß am 28. September schon wieder beendet. Nicht nur die erfolgreichsten Mannschaften spielen wesentlich mehr Spiele... auch die relativen Gurkentruppen. Da ist die Quote sogar noch viel schlimmer: 1984 brauchte man 2 Spiele, um das Achtelfinale zu erreichen (oder, im Fall des HSVs, gar keins, weil die ein Freilos hatten.) 2024 braucht man 8 bis 12. Die 12 zähle ich dazu, weil ja theoretisch Mannschaften gibt, die sich über die Playoffs für die Gruppenphase und dann über die Zwischenrunde fürs Achtelfinale qualifizieren könnte. Lille ist gerade 14. und würde damit Bayern und Real gerade so aus dem Weg gehen und auf Benfica Lissabon treffen. Lille und Dinamo Zagreb sind aber die einzigen Mannschaft aus der Qualifikation, die ernsthaft um einen Einzug in die Zwischenrunde kämpfen... Lille ist nebenbei schon in der Qualirunde 3 eingestiegen. Wenn die, was natürlich nicht passieren wird, ins Finale einziehen, hätten die dafür unfassbare 23 Spiele absolvieren müssen. Aber die 2 zusätzlichen Länderspiele seit 2004 sind das Problem... ganz bestimmt.

Dieses "Boah schon wieder Länderspielpause" ist also faktisch gesehen totaler Bullshit. Eigentlich müsste es nächste Woche Mittwoch "Boah, schon wieder Champions League" heißen, denn da sind die ganzen zusätzlichen Spiele aufgetaucht. Da kommt die krasse Zusatzbelastung her. Da kommt auch diese extreme Dauerbeschallung her. Mittlerweile ist ja der Montag der einzige Tag in der Woche, an dem es keinen Fußball auf gehobenem Niveau zu sehen gibt. Zumindest nicht jede Woche, nächsten Montag gibt es die Premiere League im Angebot.

Die Nationalmannschaften sind hier nicht das Problem. Im Gegenteil, sie geben uns mal die Gelegenheit, aus dieser Endlosschleife auszubrechen und mal was vernünftiges zu machen... Oder eine neue und aufregende Geschichte wie den Aufstieg von San Marino zu erleben.

Dienstag, 15. Oktober 2024

Der Fußball zeigt sich von seiner perversesten Seite

 Und das, obwohl gerade Länderspielpause ist. Oder gerade deswegen, schließlich hat man jetzt mal die Zeit um die Teilzeitnationalspieler zu Autogrammstunden zu schicken... im normalen Spielrhytmus wäre dafür gar kein Platz.

Dass sich Kevin Behrens dann als homophob outet... ist ungünstig. Dass das ja nur ein spontaner Ausfall war, macht es eher schlimmer als besser. Dass dann Leute behaupten, es sei ja kein Hass, sondern nur seine Meinung, zeigt, wie tief das Problem wirklich sitzt. Da muss man plötzlich erklären, was an dem Ausdruck "schwule Scheiße" denn Hass sein soll. Alles. 

Also er hat ja nicht irgendwie diplomatisch artikuliert, dass es sich nicht mit seinem Glauben vereinigen lässt. Was immernoch homophob ist, aber die christliche Kirche darf das ja. Aber dann würde ich mich jetzt nicht darüber aufregen. Aber dass er einfach so einen hasserfüllten Begriff raushaut, ist ein richtiges Problem. 

Das war aber bei weitem nicht DAS SCHLIMMSTE.

Das schlimmste war der Fakt, das Spiel England gegen Griechenland ausgetragen wurde. 2 Tage nachdem George Baldock plötzlich verstorben ist. Eine Trauerminute muss reichen, aber das Spiel zu verlegen ist keine Option. Also weil es auch einfach keine Möglichkeit mehr gibt, Spiele zu verlegen. Da kann man auf persönliche Tragödien keine Rücksicht mehr nehmen. The show must go on.

Also falls es noch irgendeinen Beweis gebraucht hat, dass der Rahmenterminkalender überfüllt ist... dann ist es dieses Spiel.

Oder... der Fakt, dass Julian Nagelsmann doch wieder experimentieren muss, was er ja eigentlich nicht wollte. Denn direkt nach der EM haben wir doch sehr schnell wieder den "Da kuriere ich mich lieber aus" Modus erreicht: Alle leicht angeschlagenen Spieler nutzen die Gelegenheit, um eine kurze Pause einzulegen. Das kann man ihnen ja auch nicht vorwerfen. Benjamin Henrichs (der wenigstens angereist ist, um zu gucken, ob was geht), David Raum (Sprunggelenk), Jamal Musiala (Hüftgelenk), Kai Havertz (Knie) und Robin Koch (Hüfte) sagten kurzfristig ab. Alle mit Pseudoverletzungen. Fehlte eigentlich nur, dass einer "Grippeähnliche Sympthome" angegeben hat. Ich wage mal einen Blick in die Glaskugel und behaupte, dass die am Wochenende alle wieder einsatzbereit sein werden.

Das sollten all die Idioten, die sich über die Länderspielpausen aufregen, auch endlich mal verstehen: Das ist die einzige Möglichkeit die kleineren Leiden, die sich in dem Allgemeinen Wahnsinn so ansammeln, auszusitzen. Denn zu den Nations League Spielen fahren ja wirklich nur noch die Spieler, die zu 100% fit sind. Wenn ein Musiala diese Pause jetzt nicht bekommen, sondern die sonst normalen 3 Spiele in den 9 Tagen durchgezogen hätte, würden sich seine Leiden langfristig eher verschlimmern. Die Bayern werden also von dieser Pause still und heimlich profitieren. Das wird aber niemand zugeben.

Und dann kommt ein Aleksander Ceferin um die Ecke und behauptet: "Es motzen nur die, die Millionen verdienen." Die kleinen Vereine, die "kaum 11 gute Spieler" haben, haben irgendwie keine Probleme mit der Überlastung. Wie weit weg von der Realität kann man eigentlich sein?

Also... nehmen wir mal Rodri. Der kam in der letzen Saison auf 58 Einsätze. Wenn man in der Champions League weit kommt und Europameister wird, ist das eine völlig normale Anzahl an Spielen. Tatsächlich waren es, aufgrund des "frühzeitigen" ausscheidens in der Champions League, sogar relativ wenige Einsätze. Im Jahr davor kam er auf 70 Einsätze. Die Nations League knallt halt doch rein. Jetzt nehmen wir mal als Vergleich einen Spieler von so einem kleinen Pissverein: nehmen wir Ermedin Demirovic vom FC Augsburg. Der ist das perfekte Beispiel, weil er letzte Saison unumstrittener Stammspieler war und gleichzeitig für die Nationalmannschaft auflief. Der kommt in der Saison 2024/24 auf 36 Spiele. Im Jahr davor waren es 45. Rodri hat also innerhalb von 2 Jahren... boah, da brauche ich nen Taschenrechner... 47 Spiele mehr absolviert. Eine gesamte zusätzliche Saison im direkten Vergleich zu dem "armen" Spieler. Natürlich beschwert sich ein Dermirovic da nicht. 

Der hat auch deswegen kein Problem mit der aufgeblähten Klub WM, weil er an dem Turnier gar nicht teilnehmen wird. Spieler von Rodris Kaliber müssen da hin, das sind wieder 6 zusätzliche Spiele. Ernsthaft: So ignorant kann man doch gar nicht sein. In welcher Realität lebt dieser Ceferin? Es hat mich keine 5 Minuten gekostet, den Unterschied zwischen Demirovic und Rodri auszurechnen und er behauptet, dass beide die gleiche Belastung haben?

Diese Aussage alleine sollte eigentlich dazu führen, dass alle Spieler der Rücktritt von ihm fordern. Und streiken, bis er eingesehen hat, dass das richtig Müll war, die er da von sich gegeben hat. Er ist entweder zu dumm um einen großen Verband zu führen... oder, was wahrscheinlicher ist, zu hinterhältig und ihm ist das Wohl der Spieler komplett egal.

Aber hey, wir regen uns ja lieber über Jürgen Klopp auf... ist auch viel vernünftiger. Mach ich als nächstes also auch.

Freitag, 27. September 2024

Was man sich nach einem Urlaub immer fragt:

Wer hat in der Woche eigentlich das Dümmste gesagt. Das ist immer ein guter Einstieg, wenn man ein Weilchen raus war.

Nach 2 Wochen mit einem quasi kaputten Laptop habe ich meinen Arbeitsplatz echt vermisst. Hier kann ich problemlos nachprüfen, ob Diego Maradona eigentlich im Stadio Bernabeau getroffen hat. Hat er. Es ist nebenbei lustig, wie diese Random Fun Facts von Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs dann von allen anderen übernommen wird... ohne dass Zeigler dafür als Originalquelle angegeben wird. Seitdem Arnd am Sonntagabend erwähnt hat, dass Maradona und Undav als einzige Spieler in Meppen und Madrid getroffen haben, ging das mehrmals durch meine Timeline... Aber Quellenangabe ist ja für Noobs...

Aber zu den dümmsten Aussagen. Der erste Kandidat war Claus-Dieter Wollitz: Der beschwerte sich über den Zustand der Trainingsplätze, auf denen er arbeiten muss. Kann man machen, wenn man damit seinen eigenen Verein kritisiert. Aber wenn man sich bei der Stadt Cottbus beschwert, dass der Ausweichsplatz in der Parzellanstraße nicht den Ansprüchen genügt. Ähm... Es ist nicht die Aufgabe der Stadt, ein professionelles Trainingsumfeld bereitzustellen. Es ist deren Aufgabe Plätze für den Breitensport bereitzustellen.
Das ist aber nicht mal das wirklich lächerliche. Der Grund, warum der Trainingsplatz in so einem bescheidenen Zustand vorgefunden wurde, war das Monats-Hochwasser. Die hatten einfach mit extremen Regenfällen zu kämpfen, die dazu führten, dass der Platzwart den Rasen nicht betreten konnte oder sollte. Cottbus trainierte trotzdem. Frei nach dem Motto "Nach uns die Sintflut"... Dass die Stadt Cottbus aber andere akute Probleme hatte und deswegen seine Energie nicht in seinen Verein stecken kann, hat Wollitz nicht auf dem Schirm.
Also falls ihr dachtet, dass nur die Champions League Vereine völlig abgehoben sind: Wollitz kann das auch als Drittliga-Aufsteiger.

Platz 2 geht an Sepp Meier, der sich direkt nach dem Ausfall von Marc-André ter Stegen ein Comeback von Manuel Neuer ausspricht. Was eine echte Option wäre, wenn Neuer von Julian Nagelsmann ausgebootet worden wäre. Wenn er sich nach dem Turnier auf ter Stegen als neue Nummer 1 festgelegt hätte... aber Neuer ist zurückgetreten. Von sich aus. Der hat seinen Platz freiwillig geräumt.
Und er hat halt (zumindest theoretisch, denn ob die wirklich so stattfindet, wie geplant, muss man noch sehen) eine Klub-WM vor der Brust. Was aber auch das einzige relevante Turnier ist, dass ter Stegen eventuell verpassen könnte...
Natürlich hat Neuer die Tür für ein Comeback nicht gänzlich geschlossen. "Man sollte so etwas nie ausschließen" ist sein Zitat zu dem Thema. Aber der wird nicht für die Qualifikationsspiele und die Nations League zurückkommen. Bedeutet ganz praktisch: Wenn sich ter Stegen im Januar 2026 schwer verletzt hätte, würde Neuer über ein Comeback nachdenken. Für den, aus seiner Sicht, belanglosen Scheiß wird er sich das nicht antun und geht lieber Skifahren.

Aber selbst das ist noch nicht das Dümmste. 

Dieser Preis geht an den Überexperten Lothar Matthäus. Dessen Reaktion auf die ebenfalls schwere Verletzung von Rodri war ein: Dann rotiert doch einfach. Ottmar Hitzfeld hat das "bereits Ende der 90er als Bayern-Trainer praktiziert."

Lasst uns mal im Detail auseinandernehmen, warum diese Aussage so unfassbar dämlich ist. Als allererstes muss man da mal eines festhalten: Eine Rotation zur Belastungssteuerung ersetzt keinen Urlaub. Man kann dadurch vielleicht kurzfristige Verletzungen vermeiden, aber die langfristigen Abnutzungserscheinungen werden dadurch nur bedingt vermindert. Auch als Profi braucht man mal so 2-3 Wochen Urlaub, in denen man komplett runterfahren kann. Und dann müsste man eine ordentliche Vorbereitung mit vernünftigem Aufbautraining einschieben. All dies ist mittlerweile praktisch nicht mehr möglich. Also ein Mal alle drei Jahre kann man grob damit rechnen... Das ist einfach nicht gesund.

Das bringt mich direkt zur nächsten Frage: Wann soll Pep Guardiola seinen wichtigsten Spieler raus rotieren? Gegen Chelsea, einem der reichsten Klubs der Welt? Gegen West Ham, die auch 140 Millionen in Ablöse ausgegeben haben? Gegen Brentford, die stark in die Saison gestartet sind? Gegen Inter Mailand, den italienischen Meister? Oder gegen Arsenal London, einem aufstrebenden, direkten Konkurrenten? Einzig gegen den Aufsteiger aus Ispwich Town wäre eine Rotation wirklich möglich gewesen.
Nebenbei... hat Rodri viel ausgesetzt. Bei 2en war er offiziell noch verletzt, gegen West Ham saß er komplett auf der Bank. Und gegen Brentford wurde er zur Pause eingewechselt. Er stand wirklich nur gegen Inter Mailand über die komplette Spielzeit auf dem Platz. Trotzdem hatte sein Körper sofort einen Totalausfall, von dem er sich jetzt 10 Monate lang erholen muss... Also nur um zu verdeutlichen, dass eine Rotation keinen Urlaub ersetzen kann...

Nebenbei hat Guardiola ja auch schon bekannt gegeben, dass er auf den nicht mehr League Cup scheißen wird und da konsequent seine B-Elf aufstellen wird. Der rotiert also schon, wenn er denn kann. Und wisst ihr, was das erste Ergebnis dieser Einstellung "pro Rotation, gegen diesen Pokal" ist? Der Wettbewerb in Deutschland nicht mehr ausgestrahlt wird. DAZN hat die Rechte abgegeben, niemand wollte sie übernehmen. Das ist doch genau das, was alle gewollt haben...

Damit kommt auch ein weiterer, verdammt wichtiger Punkt: Rotieren in der Premiere League ist etwas ganz anderes, als Rotieren in der Bundesliga. In der einen Liga werden die Bayern mit im Durchschnitt 8 Punkten Vorsprung Meister. In der anderen kann man mit 92 Punkten nur Vizemeister werden. 

2 der 4 Meisterschaften vom angesprochenen Ottmar Hitzfeld wurden mit mehr als 10 Punkten Vorsprung gewonnen. Die anderen waren überraschend knapp. Aber gerade die 2001 Saison beweist, wie viel anders die Bundesliga ist: Bayern wurde mit 7 Niederlagen Meister. Wisst ihr, wie oft sich der Meister in der Premiere League 7 Niederlagen erlaubt hat? NOCH NIE! Und das, obwohl da 20 Mannschaften mitspielen. Zwischenzeitlich waren es sogar mal 22 Teams. Man kann sich in dieser Liga einfach keinerlei Punktverluste erlauben. Wenn man davon ausgehen kann, dass die Konkurrenz schon in Unterhachingen patzen wird, kann man das alles wesentlich entspannter angehen.

Die 5 Niederlagen aus der 1999/2000er-Saison... hätten in der Premiere League letztes Jahr für Platz 4 gereicht. Bayern holte "damals" im Schnitt 2,14 Punkte. Liverpool holte letzte Saison 2,15. Glaubt Lothar Matthäus wirklich, dass Hitzfeld rotiert hätte, wenn die Qualifikation für die Champions League in Gefahr geraten wäre? Oder wenn er damit regelmäßig den Titel verspielen würde? Natürlich nicht. Und ein unglückliches Unentschieden mit dem 2. Anzug gegen Brentford kann dir in England halt die Meisterschaft kosten.

Das ist aber noch nicht alles. Auf die Rotation zu setzen, macht auch einfach mal die Liga kaputt. Ganz praktisches Beispiel: Im Wesentlichen sagt Matthäus, dass die Bayern Marcel Sabitzer behalten sollte, auch wenn sie den eigentlich nur als Rotationsspieler brauchen. Denn als Stammspieler hat er sich ja nicht durchgesetzt. Sabitzer war, auch wenn er für die Bayern keine direkte Bedrohung darstellt, ein verdammt wichtiger Spieler der Dortmunder bei ihrem Husarenritt ins Champions League Finale. Sein Notenschnitt in diesem Wettbewerb lag bei 2,75.

Am Extremsten ist es ja gerade bei Chelsea London, die laut Memes als einzige auf den neuen Rahmenterminkalender vorbereitet sind. Was auch nur bedeutet: Chelsea wurde für ihre "Kaderplanung" entweder ausgelacht oder kritisiert. Und vor allem sitzen jetzt bei Chelsea einige Kandidaten auf der Tribüne, die anderen Vereinen durchaus helfen könnten. Ich verweise ganz direkt auf Ben Chillwell, der für die Liga und Champions League nicht wirklich eingeplant ist, aber überraschend doch im Pokal randurfte... Wenn jetzt alle Champions League Teilnehmer auf 40+X Kader setzen, bedeutet das ganz praktisch, dass der Rest der Liga schwächer wird und die Schere noch weiter auseinander geht.

Die Bayern holen sich ja mittlerweile verdammt viele Ergänzungsspieler aus dem Ausland. Joao Palhinha, Sacha Boey, Eric Dier, Mathys Tel, Ryan Gravenberch, Noussair Mazraoui, Matthijs de Ligt, Sadio Mané und Bryan Zaragoza sein da mal demonstrativ genannt. Gefühlt die Hälfte dieser Spieler sind auch schon wieder weg. Man hat aber allein in den letzten 2 Jahren Alexander Nübel, Sabitzer, Paul Wanner, Armindo Sieb, Frans Krätzig und Jopsip Stanisic an die Bundesliga abgegeben. Wenn auch oft nur auf Leihbasis, Die Stanisic Leihe könnte ihnen die Meisterschaft gekostet haben. Ich habe mich ja mental schon darauf vorbereitet, dass der sich jetzt mit der Rolle als Ergänzungsspieler zufriedengibt und deswegen irgendwann Rekordmeister wird. Weil er als einziger 15 Jahre infolge diesen Titel geholt hat...
Aber wenn man sich anschaut, wie der Wanner gerade in Heidenheim abliefert, dann ist das definitiv etwas Gutes für die gesamte Liga. Wenn die Bayern für die Klub-WM ihren Kader aufblähen müssen, behalten die den, damit er 10 Bundesligaspiele gegen Bochum, Mainz und eben Heidenheim machen kann...

Dazu kommt, als letzte Ebene, dass die Spieler ja nur bedingt Bock auf die Rotation haben. Also klar, aus Loddas Perspektive war das kein Problem, weil er im Champions League Finale seinen Platz in der Startelf sicher hatte. Fun Fact: Der für ihn eingewechselte Rotationsspieler Thorsten Fink begeht den entscheidenden Fehler vor dem 1:1...

Aber ein Sabitzer hatte eben wenig Bock darauf, nur der "Notnagel" für die "unwichtigen Spiele" zu sein. Deswegen ist der nach 1 1/2 Jahren weitergezogen.
Als historisches Beispiel sei hier Ciriaco Sforza erwähnt, der es auch bei seinem 2. Versuch beim Rekordmeister "nur" zum Rotationsspieler unter genau eben Hitzfeld geschafft hat. Der beim schon verlinkten Champions League Finale nicht mal im Kader stand, obwohl er fit war. Nach 2 Jahren ging es zurück nach Kaiserslautern.

Einen Lothar mag das überraschen, dass Profis in den wirklich wichtigen Spielen auf dem Platz stehen wollen. Dass bis auf wenige Ausnahmen, alle irgendwie unzufrieden sind, wenn sie im Finale nur auf der Bank sitzen. Alexander Zickler ist der einzige Name, der mir aus dem Stehgreif einfällt und der diese Rolle perfekt angenommen hat. Alle anderen suchen sich dann nach 2 Jahren einen Verein, der sie in einem möglichen Finale aufstellen würde. Matthäus selbst war ja so überragend, dass ihm das nie passiert ist. Aber ohne den ultimativen Ehrgeiz, dass man im Finale auch spielen will, wird man einfach nicht gut genug, um auf dem Bayern Radar aufzutauchen. 

Seinen Kader an der Rotation auszurichten sorgt also für:
Bedingt zufriedene Spieler, die relativ schnell weiterziehen.
Aufgeblähte Kosten, weil die ja alle trotzdem Millionen verdienen müssen und Millionen an Ablöse kosten.
Eine direkte Schwächung der Konkurrenz.

Gleichzeitig löst sie das Problem mit dem Urlaub, der dringend benötigt wird, nicht. Aber hey, Lodda hat für Gesprächsstoff gesorgt. Genau so wie Meier und Wollitz. Und nur darum geht es am Ende doch.

Mittwoch, 24. Mai 2023

Ok, gehen wir mal ins Detail

 Weil wirklich alle diesen Fakt ignorieren. Also alle beinhaltet sogar Alfie von HITC Seven, der es sonst so oft schafft auf die vergessenen Details hinzuweisen. Gehen wir mal alle Pausen durch, die Joshua Kimmich seit dem 17.05.2020 wirklich hatte. Also dem Tag des Restarts. Wir zählen mal, wie oft er seit dem einen gesamten Monat lang kein einziges Pflichtspiel absolviert hat. Und dann vergleichen wir das mit dem Kimmich in diesem Sommer. Da es keine ordentlichen Statistikseiten gibt, wird das nebenbei anstrengender als erwartet. Die Bundesligasaison endete damals am 27.06., was logischerweise ungewöhnlich spät war. 

Für Kimmich und Co. war dies aber nicht das Saisonende. Am 4.7. stand noch das Pokalfinale an, welches sicherstellte, dass er auch im Monat Juli spielen durfte. Und da dies ja mitten in der Pandemie war, muss man von "dürfen" reden. Aber wir reden hier auch von 11 Spielen in 48 Tagen, weil es unterwegs auch noch ein DFB-Pokal Halbfinale gab.

Dann kam der August mit 4 Champions League Spielen, weil ja Wettbewerbe einfach Absagen keine Option war. Und weil man auch unbedingt das Rückspiel gegen Chelsea austragen musste, obwohl man das Hinspiel in London mit 3:0 gewonnen hat. Fun Fact: Die Qualifikation für die Champions League 2021/22 hatte da schon begonnen... Also nur um zu verdeutlichen, wie eng der Rahmenterminplan im Allgemeinen war.

Aber diese Saison war dann ja endlich vorbei, Zeit für einen verdienten Urlaub, der nach dem 23.08.2020 beginnen konnte. Am 18.09. stand dann der Bundesligaauftakt an. Kimmich war da in der Hinrunde nebenbei verletzt, aber das ist erstens definitiv kein Urlaub und zweitens spielte er trotzdem im November und Dezember. Nur halt nicht so häufig. Oh und der europäische Supercup wurde am 24.09. ausgetragen. Da steckt das Wort "Super" drin, die müssen also superwichtig sein. Fun Fact: Das Wort "Superesse" aus dem Lateinischen bedeutet überflüssig. Als letzte überwichtige Bonusspiele sollen hier auch noch die Einsätze bei der Klub-WM erwähnt werden. Also nur um zu verdeutlichen, dass wirklich niemand auf irgendwelche Ansetzungen verzichten wollte. Die haben den Spielplan de facto nicht verlängert, aber sie haben den eben noch enger gemacht, weil die Bundesligaspiele um diesen Katar Trip geplant werden müssen.

Aber damit müssen wir uns bis Mai 2021 keinerlei Gedanken machen, weil da halt einfach Bundesliga war. Im Juni stand dann die Europameisterschaft in... nun ja.. Europa an. Weil es ja in einer Pandemie nichts Sinnvolleres gibt, als alle Menschen über den ganzen Kontinent zu verteilen. Natürlich hat sich Deutschland bei dieser EM nicht unbedingt geschickt angestellt, 4 Spiele im Juni waren es aber trotzdem. Aber für diejenigen, die mitzählen: Wir sind jetzt bei 13 Monaten Dauerbelastung. Das dürfte aber noch relativ normal sein.

Fun Fact: Da Deutschland sich ja so frühzeitig aus dem Turnier verabschiedete, spielten sie im Juli tatsächlich nicht. Aber die Saison endete am 29.06.21 für Kimmich, es fehlen ihm also tatsächlich nur 2 Tage...

Die neue Bundesligasaison begann am 13.08.21 und endete am 17.12.22. Auch wenn sie für Kimmich sich mit Corona krankschreiben ließ, und deswegen den Dezember verpasste. Hey, vielleicht war seine Haltung zur Impfung doch etwas Gutes. Und wenn sein Verlauf mild war, war das sogar Urlaub. Ein klassischer Hartz 4 Urlaub auf Balkonien, aber immerhin.

Die Bundesliga ging bis in den Mai. Im Juni 2022 stand dann die Nations League auf dem Plan. Das waren wieder 4 Spiele und der Urlaub konnte erst nach dem 14.06.22 begonnen werden.

Die nächste Saison starte am 30.7.2022 mit dem Supercup, nur um sicherzustellen, dass die Bayern auch in diesem Monat ein Pflichtspiel haben. Aber man feierte den quasi freien Juli mit einem Roadtrip nach Amerika, weil man ja sonst nichts zu tun hat. Danach war dann Bundesliga bis November und bis 1. Dezember die WM im Qatar und ab Januar wieder Bundesliga. Damit sind wir im "Jetzt" angekommen und stellen fest, dass lediglich der Juli 2021 wirklich frei war. Und das auch nur unfreiwillig, weil man ja eigentlich weiterkommen wollte. Und ja, mit erfolgreichen Turnieren wäre das alles noch viel schlimmer geworden, man sollte sich bei Löw und Flick bedanken.

Um das ganze mal zusammenzurechnen: Kimmich und die deutschen Nationalspieler hatten im Sommer 2020 26 Tage "Sommerpause". Im Sommer 2021 nach der EM waren es 45 Tage. Zwischen Nations League 2022 und Supercup lagen 46 Tage. Und dann gab es im Winter 50 Tage, was tatsächlich die längste Pause war, die man ihnen gegönnt hat. Dazu muss man ja bedenken, dass man schon eine Saisonvorbereitung braucht. Also so 3 bis 4 Wochen sollte man da schon einplanen. Letzten Sommer war der Trainingsauftakt offiziell am 8. Juli. Damit werden aus den 44 Tagen plötzlich 24. Da soll eine Cathy Hummels nochmal behaupten, Fußballer sein einfach nur "faul".

Und um das nochmal zusammenzufassen: Wir reden von 163 Pflichtspielen in 36 Monaten. In dieser Zeit gab es lediglich einen einzigen Monat, den Juli 2021, in dem Bayerns Nationalspieler kein einziges Pflichtspiel absolviert haben. Und das unfreiwillig, weil quasi alle Bayern Profis bei der EM früh gescheitert sind. Normalerweise hat man als Profi den Juli alle 2 Jahre, also wenn halt keine WM oder EM ansteht, komplett frei. Eine derartige Dauerbelastung hat noch nie ein deutscher Profi durchgemacht. Und für die Bayern ist es halt noch eine Nummer schlimmer, als für Dortmund, weil die a) mehr Nationalspieler haben, b) in der Champions League weiter kommen und c) in den europäischen Supercup und die Klub-WM auf dem Plan hatten.

Kimmich hat ja nebenbei dank Verletzungspausen und verkackter Turniere nicht mal das Maximum herausgeholt. Kingsley Coman kommt auf 177 Spiele. Robert Lewandowksi kommt auf 172, auch wenn die letzten davon für Barca waren. Thomas Müller ist bei 173.

Also vergleichen wir das einfach mal mit Mats Hummels als Führungsspieler der Dortmunder. Der kam eingangs auch auf 11 Einsätze nach dem Restart. Im Dortmunder Trikot kommt er auf 128 Pflichtspiele. Aber es kommen halt nur 4 Spiele für Deutschland dazu. Jude Bellingham hat noch 9 Spiele für Birmingham City absolviert und kommt dann auf 144 Spiele für Dortmund und England. Da überrascht es auf ein mal nicht mehr, dass die Dortmunder so viel frischer wirken. Und dabei habe ich Bellingham gesehen, wie Bellingham letzten Sommer auf den Rasen gekotzt hat, der hat also weniger gespielt, war im Sommer trotzdem komplett durch.

 Jetzt rechnen wir kurz für diesen Sommer durch, wie die Pause aussieht. Die Bayern Saison endet ja am Samstag, dem 27. Mai. Ganz praktisch gesehen steht für Kimmich dann bis zum 11.08.2023 kein Pflichtspiel im Kalender stehen. Das sind 76 Tage.
Falls Kimmich nicht frühzeitig von der Nationalmannschaft abreist, was sachlich gesehen einfach dumm wäre, kürzen sie den Urlaub, die Zeit zwischen den Spielen auf 52 Tage. Das ist dann nicht mehr viel mehr, als nach der WM, aber mehr als in den letzten Sommerpausen. Meine persönliche Erwartung ist ja, dass Kimmich nach dem Ukraine Spiel in den Urlaub fliegt.

Dafür wird Kimmich keine verkackte WM verdauen muss, die ihn in ein Loch ziehen könnte. Der wird zum ersten Mal seit 3 Jahren wirklich abschalten können. Und dann werden wir im Herbst sehen können, wie dringend er so eine Pause brauchte.

Dienstag, 14. März 2023

Das zeigt sich schon wieder die Verlogenheit der europäischen Vereine

 Damit muss man auch mal das Grundproblem von Gianni Infantino festhalten: Er richtet seine Politik nicht nach den europäischen Verbänden und Vereinen aus. Was für ein Arschloch! Wie kann der nur als Fifa den Fußball auf anderen Kontinenten in den Fokus nehmen! Das dürfen doch nur wir Europäer. WIR entscheiden, wann wir da hinfliegen und welche Brotkrümel die abbekommen.

Also kurz der Reihe nach: Die Fifa hat gerade etwas Unfassbares herausgefunden. Ein derart gut verstecktes Geheimnis, dass das eigentlich nur der CIA herausbekommen kann: Bei Dreiergruppen kann es zu Ergebnisabsprachen kommen. NO SHIT SHERLOCK! Das logische und eigentlich immer feststehende Ergebnis: Wir steigen doch wieder auf Vierergruppen und ein Sechzehntelfinale um. 

Also jetzt mal ganz ehrlich: Spätestens 2030 wäre das eh gekommen, weil alle gemerkt hätten, wie beschissen Dreiergruppen sind. Es ist gut, dass ihnen das jetzt schon aufgefallen ist. Es war immer klar, dass es wieder auf Vierergruppen hinauslaufen würde. Das ist einfach der praktikabelste und fairste Turniermodus.

Jetzt kommen aber schon die ersten und warnen vor der Zusatzbelastung. Diese eine furchtbare Spiel mehr, welches man jetzt absolvieren muss, um Weltmeister zu werden. Das betrifft jetzt sogar uns Deutsche, obwohl wir in der Vorrunde ausscheiden! Das geht gar nicht.

Ähm.. warum? Also, mit welchem Recht regen sich die europäischen Vereine, die gerade die Anzahl der Gruppenspiele in der Champions League von 6 auf 8 erhöht haben, über dieses eine Spiel auf? Mal eine ganz einfache Mathematik: Dies ist die erste Erweiterung des WM-Spielplanes seit 1998. Damals gab es zwar schon eine Vorrunde in der Champions League, aber kein Achtelfinale. Man brauchte als 11 Spiele, um das Finale dramatisch zu verlieren. Danach wurde eine (immerhin wieder abgeschaffte) Zwischenrunde eingeführt und es wurden 17 Spiele, die ohne großes Jammern ausgetragen wurden. Dann hatte man sich auf 13 Spiele geeinigt, aber die werden jetzt, obwohl das eigentlich ein wirklich gesundes Maß war, auf 15 erweitert. Einfach so und ohne, dass darüber groß gejammert wird. 

In der Champions League kamen also in diesem Zeitrahmen 4 Spiele dazu, bei der WM ist es ein Einziges. Was ist jetzt schlimmer? Nebenbei müsste man auch mal herauskriegen, ob die Erweiterung des Teilnehmerfeldes vielleicht sogar die Qualifikation verkürzt. Das ist nebenbei etwas, was ich als Fifa und UEFA immer als Kompromiss anbieten würde: Hey, wir vergrößern das Turnier im Sommer, dafür kürzen wir die Qualifikation auf 4er- anstatt den 6er-Gruppen und wir schaffen dadurch mehr Freiraum. Aber man muss ja auch fair sein, dass auch die Fifa nur bedingt kompromissbereit ist.

Der nächste "lustige" Fakt ist ja die "Zusatzbelastung". Aber hier muss die Frage gestellt werden: Stimmt das wirklich, wenn das Turnier auf 40 Tage gestreckt wird. Nur um das mal durchzurechnen: Die letzte WM wurde in 28 Tagen durchgeprügelt. Vom 20.11. bis 18.12.. In diesen 28 Tagen absolvierte Argentinien seine 7 Spiele. Genau genommen waren es sogar nur 26 Tage, weil man erst am dritten Turniertag einsteigen durfte. Man spielte also alle 3,7 Tage. Für den Gastgeber wären es alle 4 Tage gewesen. Wenn man das Turnier jetzt auf 40 Tage streckt. Dann bedeutet das, dass man im Durchschnitt alle 5 Tage ein Spiel hat. Oder, wenn man später einsteigt, alle 4,3 Tage. Also ja, man hat ein zusätzliches Spiel, aber man hat auch mehr Zeit zum Regenerieren. 

Nun muss man natürlich erst auf den finalen Spielplan warten, um wirklich durchzugehen, ob die Zeit zwischen den Spielen signifikant länger ist. Aber theoretisch wird es dadurch machbar, den Spielern längere Pausen zu geben. Praktisch sollte zwischen jedem Gruppenspiel ein Ruhetag mehr liegen. Das ist doch etwas Gutes.

Mal so als Einschub an der Stelle: Der Plan der neuen Champions League ist es ja, die zusätzlichen Termine in den Dezember und Januar zu legen. Was auch nur bedeutet: Deren Plan ist es (hoffentlich sehr sehr bald, Fuck Putin) unsere jungen Männer im Januar und Februar nach Russland zu schicken. Oder nach Skandinavien. Ihr wisst schon: All diese Länder, in denen man im Januar eigentlich kein Fußball spielen kann, weshalb die Mannschaften aus diesen Regionen schon derzeit am 6. Spieltag der Gruppenphase ein Auswärtsspiel haben.

Nebenbei wird sich über das Reisen durch die Zeitzonen aufgeregt. Wenn aber ein Profi im Januar von Porto nach Moskau fliegen muss, sind die +4 Stunden und das komplett andere Klima auch egal. Wenn das für die Profivereine eingeführt wird, ist das alles kein Problem. Aber wehe, die Fifa will ein Spiel mehr haben!!! Da profitieren dann halt hauptsächlich die kleinen Verbände dran, da haben wir nichts von. Das geht so nicht.

Und ja, die Fifa ist und bleibt ein korrupter Haufen. Ich will die auf keinen Fall entlasten. Ich will nur mal feststellen, dass die nicht die einzigen Bösewichte, die den Fußball kaputt machen, sind. Das würden die europäischen Spitzenvereine auch ganz alleine hinbekommen. Sie bekommen es sogar viel besser hin.

Da kann man ja auch wunderbar das Beispiel Klub-WM nutzen: Für die europäischen Vereine ist das eine furchtbare Idee, weil es ein zusätzlicher Wettbewerb ist. Da muss man dann dran teilnehmen. Für alle anderen Vereine von den anderen Kontinenten ist es eine Möglichkeit sich mit den größten Vereinen der Welt in einem Pflichtspiel zu messen. Also etwas, was sie derzeit einfach nicht haben. 

Nur mal so als Frage: Wann gab es zuletzt das Duell Boca Juniors gegen Real Madrid? Das war im Jahr 2000. Es war ja auch das einzige Aufeinandertreffen dieser beiden Traditionsvereine.
Wir jammern ja sonst immer, dass es immer dieselben Duelle gibt, die ewig recycelt werden. Genau das könnte dieser Wettbewerb aufbrechen. Und klar, uns Europäern sind diese Ansetzungen egal. Aber kurzer Spoiler: Wir sind global gesehen eine Minderheit. Dementsprechend muss nicht jede Entscheidung nach unserem Gusto gefällt werden.

Dazu schießen sich die Europäer halt weiter argumentativ in den Fuß, wenn sie den ganzen Sommer lang eh durch die Welt fliegen. Also selbst ein Thomas Tuchel muss sich jetzt ja von Graham Potter vorwerfen lassen, dass er die Mannschaft dank einer katastrophalen Vorbereitung in einem dürftigen Zustand hinterlassen hat. Das liegt aber auch definitiv daran, dass Tuchel im Sommer Freundschaftsspiele gegen America durchführen lassen musste. Um 4 Uhr morgens MEZ. Um nochmal darauf hinzuweisen, wie absurd das Zeitzonen-Argument ist...

Was spricht jetzt dagegen, diese Klub-WM als Vorbereitungsturnier zu betrachten? Klar, für die anderen ist es DAS HIGHLIGHT des Jahres. Aber für einen selber ist es halt nur die Promotour, die man im Sommer eh plant. Man hat halt dieses Mal nur selber nicht die Planung in der Hand. Dafür fährt man dann aber gemeinsam an einen Ort, kann sich also theoretisch in der Vorbereitung mit besserer Konkurrenz messen. Und das Spotlight dürfte auch etwas größer werden.

Da fällt einem aber wieder auf, wie kolonialistisch die Politik der europäischen Vereine ist: wenn wir Europäer nach unseren Bedingungen und zu unseren Konditionen nach Asien oder Amerika fliegen, um unseren Umsatz zu steigern, werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das möglich zu machen. Und wenn man als Zeche in der Premiere League nur 10. wird, dann ist das halt so. Wenn diese Länder sich dann aber erdreisten UNS einzuladen und zu sagen "Ihr kommt jetzt zu unserer Veranstaltung, von der wir etwas haben", dann ist das ein Problem und leider nicht umsetzbar.

Aber das kommt jetzt halt auf uns zurück: Die Beliebtheit dieses Sports ist in den anderen Kontinenten jetzt so weit gestiegen, dass dies auch ein ernst zunehmender Markt ist. Und dieser Markt will jetzt halt auch an den Spielen teilnehmen. Deswegen muss man auf ein Mal über eine Klub-WM reden. Das ist natürlich ein logistisches Problem, aber halt auch eine logische Konsequenz. Denn natürlich wollen sich die Vereine aus diesen wachsenden Regionen dann auch mit den Besten der Besten in Pflichtspielen messen.

Aber wie immer wird bei jeglicher Berichtserstattung nur auf uns und unsere Bedürfnisse geschaut. Niemand fragt sich, wie geil es für die anderen wäre, wenn dieses Turnier stattfindet. Oder wenn sie an einer Weltmeisterschaft teilnehmen können.

Donnerstag, 29. Dezember 2022

Die Premiere League wird so bluten.

 Also ihre Stars, wenn sie in der entscheidenden Saisonphase auf dem Zahnfleisch gehen. Falls sie es nicht eh schon tun.

Aber ja, in England ging der Vereinsfußball natürlich als Erstes wieder los. Mit einem der Pokalwettbewerbe, bei dem erstmal nur all die Spieler, die im Viertelfinale oder früher ausgeschieden sind, auflaufen durften. Aber dann musste auch der Boxing Day gespielt werden, weil das halt Tradition ist. 

Das bedeutet auch nur: 2 Tage nach dem WM-Finale drehte sich das große Rad schon weiter. Also um das mal anders zu verdeutlichen: Noch bevor die offiziellen Feierlichkeiten in Argentinien abgebrochen wurden, spielt Leicester City schon wieder gegen die Milton Keynes Dons. Bevor der erste Argentinier wieder nüchtern war, war das Achtelfinale komplett durch.

Währenddessen hat die Bundesliga noch bis 20.01.2023 Pause. Das sind angemessene 30 Tage. Da kann man dann all die kleinen Wehwehchen wirklich auskurieren und im Urlaub... Ski fahren, wenn man das dann will. Ok, vielleicht sollte man einfach nur an einen Strand fliegen. Aber jeder, wie er mag.

Nun gönnt sich keiner eine derart lange Pause, wie die Bundesliga. Die gingen offensichtlich als einzige davon aus, dass ihre Nationalmannschaft bei dem Turnier weit kommt. Da kann man ja mal daneben liegen. Nebenbei fängt die Bundesliga direkt mit einer englischen Woche an. Ob das so sinnvoll ist, sei mal dahin gestellt. Es ist aber, wenn ich das richtig überblicke, die einzige englische Woche für die Vereine, die nur noch in einem Wettbewerb vertreten sind.

In England kommt halt erschwerend hinzu, dass das halt die beste und tiefste Liga der Welt ist. Das kann im Jahr 2022 ja keiner mehr infrage stellen. Wenn Kylian Mbappé feststellt, dass seine "Ich spiele einfach durch" Einstellung zu Problemen führt, dann tritt er in der einheimischen Liga halt ein wenig kürzer und wird trotzdem Meister. In England kann man sich diesen Luxus nicht leisten, weil jeder leichtsinnige Punktverlust den Titel kosten kann. Und weil die Konkurrenz auch einfach wesentlich stärker ist.

Es wird halt echt spannend, wenn es dann ins Viertelfinale der Champions League geht. Also in die Runde, bei der die Bundesliga zuguckt. Wahrscheinlich. Wobei man an der Stelle festhalten muss: mit ausgeruhten Beinen, einem Thomas Müller auf der Bank und Manuel Neuer im Tor hat man wahrscheinlich sogar eine Chance gegen müde Stars aus Paris. Nur ist eine dieser 3 Voraussetzungen ausgeschlossen und die andere zumindest fragwürdig. Und einen richtig guten Mittelstürmer hat man dann immer noch nicht. Dennoch könnte die Urlaubsverletzung von Neuer den Bayern richtig teuer zu stehen kommen. Denn der Rahmenterminkalender spricht schon für die Bayern.


Wobei ja an der Stelle die Frage aufkommt, ob die Stars erst bluten werden, oder ob sie nicht schon längst kaputt gespielt sind. Denn welcher Premiere League Star hatte denn wirklich eine gute WM? Hakim Ziyech muss da definitiv genannt werden. Das Problem daran: Der hat bei der WM mehr gespielt als in der Premiere League. Der war nach seinen 5 Liga-Einsätzen und insgesamt 270 Minuten Spielzeit mehr als ausgeruht. Hatte aber diese Minutenzahl bereits im Achtelfinale übertroffen. Julian Alvarez darf das Halbfinale seinen internationalen Durchbruch nennen, er ist bei Manchester City Julian Alvarez darf das Halbfinale seinen internationalen Durchbruch nennen, er ist bei Manchester City, aber auch nur Ergänzungsspieler oder Azubi. Im WM Finale spielten dann noch Alexis MacAllistar von Brighton Hove & Albion, den vorher niemand kannte. Und Christian Romero von Tottenham Hotspurs. Interessanterweise hat sich Romeros Körper seine Auszeit vor der WM genommen, sein letzter Einsatz im Vereinstrikot war am 19.10., danach hatte er eine nicht näher definierte "Oberschenkelverletzung". Dazu beide Torhüter, aber das ist ja auch die Position, die die Dauerbelastung am einfachsten wegstecken kann. 

Bei allem Respekt vor diesen Spielern: Das sind, abgesehen von Hugo Lloris, alles Leute, die nicht aus der obersten Kategorie kommen. Zumindest waren sie da vor der WM nicht angesiedelt. Der "teuerste" ist halt Romero mit einem für die Premerie League günstigen Marktwert von 55 Millionen.

Die ganz großen Namen wie, demonstrativ, Kevin de Bruyne waren bei der WM aber praktisch unsichtbar. Also wenn man jetzt rein nach den Marktwerten von Transfermarkt.de geht, war die Top 20 der Liga nach dem Viertelfinale im Urlaub. Spätestens. Mo Salah, Luiz Diaz und Erlin Haaland blieben ganz zu Hause, wofür sie aber natürlich nur bedingt was können. Kai Havertz, Kevin de Bruyne und Darwin Nunez scheiterten in der Vorrunde. Alle 3 hätten daran definitiv etwas ändern können, wenn sie besser gespielt hätten. Rodri scheiterte im Kollektiv an Marroko im Achtelfinale. 

Portugal hat mit Ruben Dias, Bernado Silva, Bruno Fernandes und Joao Cancelo 4 Spieler unter den Top 20. Und einen gewissen Cristiano Ronaldo, der jahrelang ganz oben auf dieser Liste stand oder gestanden hätte. Trotzdem waren sie auch nicht gut genug, um Marokko rauszukegeln. Der Rest teilt sich auf England und Brasilien auf, die jeweils im Elfmeter schießen scheiterten. England schaffte dies sogar ohne Verlängerung.

Das hätten eigentlich alles die Spieler sein sollen, die diese WM prägen. Außer eventuell Saka, schaffte dies aber keiner. Da könnte man schon ein strukturelles Problem sehen. Oder man redet von 19 bedauerlichen Einzelfällen.

Wirklich spannend sind ja die auf Transfermarkt.de nicht näher definierte "Oberschenkelverletzung" von Romero. Und die Adduktorenbeschwerden, die er vorher hatte. Wie viele dieser "mein Körper braucht halt mal eine Pause" Verletzung werden wir in der Rückrunde zur Kenntnis nehmen müssen? Wie viele der völlig überspielten Stars werden entweder verletzt auf der Tribüne sitzen, oder irgendwie fit gespritzt werden und deutlich unter ihrem Niveau spielen? Welchen Einfluss nimmt das auf die Champions League? Oder mache ich mir da viel zu viele Gedanken?

Ich würde spätestens im Halbfinale gegen alle englischen Teams wetten.

Mittwoch, 9. November 2022

Jürgen Klopp ist schon ein bisschen bigot.

 Also Jürgen Klopp ist ja gerade derjenige, der sich zum angeblichen Wohle der Spieler über die Terminhatz aufregt.

Zunächst mal muss man bei dieser Problematik auch nochmal diese ominöse Covid Pandemie bedenken. Ihr wisst schon, diese "Kleinigkeit", die die letzten 2 Jahre komplett ruiniert hat. Die auch den Fußball für 10 Wochen lahmgelegt hat. Und falls ihr euch jetzt denkt: Das ist doch Ewigkeiten her, das hat doch keinen Einfluss mehr...

Bedenkt bitte einfach, wie viel 10 Wochen komplett ohne Fußball sind. Also die Bundesligasaison endet normalerweise Mitte Mai. Und die neue startet Mitte August. Das sind also am Ende "nur" 15 Wochen... in denen aber weiter Champions League, DFB-Pokal und in jedem 2. Jahr ein großes Turnier ausgetragen wird. Und dann kommt da noch zwingend notwendiger Kleinscheiß wie die Supercups dazu, die ja auch unbedingt ausgetragen werden.

Und ja, alleine schon die 2 Pokalrunden vor und nach der Bundesligasaison kürzen die Pause auf 13 Wochen. Dazu kommt dann noch der unnötige Kleinscheiß wie die Supercups. Dafür muss jeweils Platz im Rahmenterminkalender geschaffen werden.

Beachten wir jetzt noch, dass der wirklich notwendige, uns aber nicht betreffende Kleinscheiß wie die Champions League Qualifikation durchgeführt werden muss, damit die Meister der kleinen Nationen wenigstens die Illusion bekommen, dass sie an dem Wettbewerb teilnehmen und es gar keine Superleague ist... Dann wird die Sommerpause im europäischen Fußball auf 3-4 Wochen herunter gekürzt. Da wird einem bewusst, wie viel 10 Wochen in dem der Ball komplett ruhen musste, wirklich sind.

Und dazu kommt dann halt der wirklich große Elefant im Raum: die um ein Jahr verlegte Europameisterschaft. Ohne die hätte man als DFL oder Premiere League die 2021er-Saison 2 bis 3 Wochen früher starten können. Das hätte man dann dieses Jahr wiederholt und schon hätte man sich den Raum erschaffen um den Spielern vor der WM eine etwas größere Pause zu gönnen. Aber das ging halt einfach nicht. Dafür kann dann halt auch keiner etwas. Und ja, dass die Saison an die Turniere im Sommer angepasst werden, ist etwas völlig Normales. Da gibt es jedes Mal Verschiebungen um einige Wochen. Das wäre mit einem 2-Jahres-Plan machbar gewesen.

Wofür man natürlich etwas kann, ist der Fakt, dass all der eigentlich irrelevante Kleinscheiß ausgetragen werden musste. Inklusive der Klub-WM. Da hätte man den pickepacke vollen Terminkalender zumindest ein wenig ausdünnen können. Aber das waren ja alles essenziell wichtige Spiele für die Kontostände der teilnehmenden Vereine. Da kann man halt nichts machen.

Was die ganze Sache halt noch bekloppter macht, ist ja der Fakt, dass Liverpool in diesem Sommer ein Testspiel gegen Manchester United ausgetragen hat... in Thailand. Ganz persönlich halte ich es ja für unverantwortlich in der derzeitigen Lage solche Reisen im Sommer zu planen. Und wer das trotzdem macht, hat das Recht aufs Jammern für den Rest des Jahres verspielt. Denn weniger Flugmeilen und Autogrammstunden, dafür mehr Training hätte vielleicht die eine oder andere Muskelverletzung verhindern können.

Ich hab das ja hier schon letztens mit der Personalie Sadio Mané angesprochen. Aber ich will an der Stelle nochmal einen Schritt weiter gehen und frage mich: Ab wann sagen die Spieler: "Leute, lasst das?" Also weil ja mittlerweile auch Spieler darüber klagen, wie schlimm und hoch die Dauerbelastung ist. Völlig zurecht. Aber der pragmatischste Hebel wäre es doch, auf die wirklich unnötigen Reisen zu verzichten und zumindest die Vorbereitung so effektiv wie möglich zu gestalten.

Aber hier kommt natürlich das Problem: Das hätte finanzielle Konsequenzen. Denn das große Problem ist ja, dass es sich wirtschaftlich lohnt diese Reisen in den Sommer zu veranstalten. Man müsste als Mannschaft also schon sagen: Wir verzichten auf 3 % unseres Gehaltes, damit wir uns diesen Scheiß ersparen können. Und ja, 3 % ist da eine willkürliche Zahl. Aber dafür kann man dann als nächsten bei den Prämien für die Champions League etwas draufpacken. Also mit einem "Wir gehen davon aus, dass uns die besseren Grundlagen aus dem Sommer im März und April helfen werden... und dass der Verein mehr davon hat in der Champions League weit zu kommen..."

Aber da sind wir wieder bei dem uralten Grundproblem: Wir wollen halt nur weniger arbeiten, aber nicht weniger Geld. Da sind Fußballer dann doch nur Menschen. Und für die eigene Gesundheit auf Geld zu verzichten, ist halt keine Option...

Dienstag, 26. Juli 2022

Was hat denn Andreas Rettig schon wieder genommen?

 War der nicht mal ein Guter? Jetzt fordert er anscheinend in einem Interview, dass wir die Bundesligasaison am Jahreskalender ausrichten, damit... ähm... wir das Klima schützen? Wirklich? Das soll der Grund sein? Wie albern ist das denn bitte?

Also ich frage mal ganz dreist: Wäre es wirklich besser, wenn Sadio Mané seine 18.000 Flugmeilen im Winter abreist? Und ja, dass Mané hat in Zeiten von Versorgungsängsten derartige Strecken zurücklegt ist dreist. Aber er musste ja bei der Ehrung unbedingt persönlich anwesend sein... Und machen wir uns nichts vor: Die großen Vereine würden ihre Promotouren ähm ich meine natürlich ihre Vorbereitung dann halt in den Januar legen. Da ergibt es vielleicht sogar Sinn.

Vielleicht hat Rettig das in seinem Vorruhestand nicht mitbekommen, aber irgendein Depp spielt irgendwo immer. Also auch innerhalb von Europa. Also um das mal kurz festzumachen: Das DFB-Pokalfinale als praktisch letzter deutscher Termin des Jahres fand am 21.05. statt. Das Champions League Finale als letzter europäischer Feiertag eine Woche später am 28.05.. Und dann ging am 21.06. die erste Runde der neuen Champions League Qualifikation los. Mit dem Überklassiker FC Levadia Tallinn gegen Vilingur Reykjavik. 23 Tage nach dem Finale. Ach und ja, das ist der estnische Meister der da gegen den isländischen spielt. Dazwischen war dann auch noch die Nations League, so dass sich die eigentliche Sommerpause auf die Phase zwischen dem 4.6. und den 21.6. beschränkte.

Wenn Rettigs Plan jetzt also vorsieht, dass das Champions League Finale im möglichst südländischen Bereich im November stattfindet (dass er damit praktisch halb Europa als Spielort ausschließt, ignorieren wir dabei mal...), dann bedeutet das auch nur, dass die Esten und die Isländer dann im Dezember einen Austragungsort für ihr Erstrundenmatch brauchen... Und einen Heimspielort für ihr Date in der Nations League auf Nationalmannschaftsebene. Denn im Dezember spielt man dort eher nicht draußen Fußball. Und danach muss der Sieger dann nach Malmö, das liegt in Schweden. Auch Schweden ist eine der Regionen, in denen man eher nicht im Dezember auf einem "Rasen" stehen will.

Und das ist ja nicht nur die Champions League. Die Conference League fing am 5.7. mit ihrer ersten Qualifikationsrunde an. Das sind dann wieder 60 Mannschaften, die quer über Europa verteilt gegeneinander antreten. Und ja, es gibt keinen Anlass und keine Grundlage, die Mannschaften aus Armenien oder Nordmazedonien von diesen Wettbewerben auszuschließen. Aber da man ja mittlerweile Gruppenphasen und Absteiger braucht, wurden diese Wettbewerbe halt so sehr aufgebläht, dass sie halt über 11 Monate im Jahr gestreckt werden müssen. Allein schon deswegen ist es praktisch unmöglich, den Spielplan auf den Jahreskalender anzupassen.

Und da haben wir noch nicht mal die Turniersommer mit eingerechnet. Also alle 2 Jahre wird buchstäblich durchgespielt, weil die ersten Runden, der Champions League Qualifikation schon anfangen, bevor die WM beendet ist. Also 2018 begann die Champions League Vorsaison am 26.06. und Frankreich wurde am 15.07. zum Weltmeister gekürt.

Dann kommt da noch dieser ideelle Faktor. Also wollen wir die Meisterparaden durch die Innenstadt wirklich bei strömenden Regen und unangenehmen 9 Grad stattfinden lassen? Gut, bei den Bayern wäre das egal, da kommt eh kaum jemand zur Meisterparade. Und in Hamburg würde es eh regnen. Als ob der HSV jemals wieder was gewinnt.

Aber auch die Reisekultur, die natürlich in der entscheidenden Saisonphase nochmal an Fahrt aufnimmt. Also außer bei den Leipzigern. Stellt euch vor, die so begeisternden Frankfurter Fans hätten Anfang November nach London reisen dürfen, um gegen West Ham United im Stadion eine Party zu feiern. Und hinterher auch noch in der Stadt. Bei einem letzten Gruppenspiel ist das praktisch egal, weil da ja selbst die Frankfurter noch nicht in Massen hinfahren. Aber spätestens ab dem Viertelfinale sollte man mit halbwegs verlässlichen Wetter planen können.

Und natürlich ist der Fußball als Kulturgut auch ein kritischer Klimafaktor. Wie quasi alles, was der Mensch so macht. Allein schon wegen der ganzen Flugmeilen, die man als Profi so zusammensammelt. Die werden ja auch immer absurder, weil immer absurdere Wettbewerbe erfunden werden. AS Pirae 15.000 Flugmeilen zurücklegt, um ein einziges Spiel in den Vereinigten Arabischen Emiraten im Rahmen der Klub-WM zu verlieren und dann wieder heimzureisen... AS Pirae kommt aus Tahiti. CF Monterrey aus Mexico. Palmeiras kommt aus Brasilien. Die sind zusammen 80.000 Kilometer für die Klub-WM geflogen.

Aber selbst das dürfte ja noch lächerlich sein, wenn man bedenkt, dass die ganzen großen europäischen Vereine gerade durch die Weltgeschichte fliegen, ohne offizielle Wettbewerbe auszutragen. Einfach so. Aber mit Kicker Tagebuch, weil man ja unbedingt dabei sein muss, wenn sinnlos Kerosin verbrannt wird.

Und klar, man kann auch die Diskussion führen, wie man die Rasenheizungen möglichst wenig benutzt. Das erreicht man am ehesten, in dem man in den kalten Monaten möglichst wenig spielt. Das erreicht man aber nicht durch eine Verschiebung des Spielplanes um 6 Monate, sondern durch eine Verschlankung des Rahmenterminkalenders. 

Früher, das ist ja heute gar nicht mehr vorstellbar, begann die Europacup-Saison im September.  Da konnte man es sich dann auch leisten, vom 16.12. bis 23.02. eine Winterpause einzuplanen. Da hätte jeder Verein die Rasenheizung 2 Mal im Jahr gebraucht. Jetzt müsste auch im Jahresrhythmus die Saison am 6.1. beginnen, damit man alles bis zum Dezember durchgezogen bekommt, was halt so ansteht.

Und bevor jetzt jemand mit "Ja, aber die aufgeblähten Weltmeisterschaften!" kommt: Die WM in dem zufällig ausgesuchten Jahr 1990 dauerte vom 8. Juni bis zum 9. Juli. 31 Tage vom Eröffnungsspiel zum Finale. Jetzt in Qatar geht der Scheiß vom 21. November bis zum 18. Dezember. Das sind 4 Tage weniger. An den Rahmenterminen der WM hat sich in den letzten 30 Jahren nichts geändert, aber bei der Champions League sind 6 Wochen und haufenweise Termine dazugekommen.

Dienstag, 12. Oktober 2021

Ich warte ja auf das eine sinnlose Fußballspiel

 In dem sich die Spieler einfach in die Mitte setzen und 90 Minuten lang nichts machen, außer anzustoßen.

Und ich bin ja ein vehementer Verteidiger der Nations League. Also gerade für die kleinen Nationen ist die großartig. Und für die großen Nationen sind das etwas bessere Testspiele.

Gerader der letzte Fakt macht ja Thibaut Coirtois's Rant so sinnlos. Das Spiel um Platz 3 dürfte nicht ausgetragen werden, damit die UEFA mehr Geld scheffeln kann. Die UEFA ist der Verband, der konsequent auf dieses eine unnötige Spiel verzichtet. Selbst wenn man ein Champions League Final Four Turnier austrägt.

Dieses Spiel wurde angesetzt, damit beide Trainer Planungssicherheit haben. Punkt. Denn beide Verbände hätten, einfach nur damit sie sich einspielen können, Testspiele an diesen Tag angesetzt. Praktisch hätte Belgien und Italien sich dann kurzfristig eh getroffen, weil beide gerade Zeit haben. Und ja, wenn man nicht Jogi Löw heißt, setzt man auf Testspiele um seine Mannschaft frühzeitig einzuspielen. 

Natürlich hat Courtois im Großen und Ganzen recht: Die Spieler werden halt nie gefragt, wenn es darum geht, den Spielplan weiter aufzublähen. Und das sollte man einfach mal machen. Und dieses Spiel um Platz 3 war ja nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Ihm dürfte es ja eigentlich darum gehen, dass wir nicht in jedem Sommer ein Turnier spielen können. Und damit hat er vollkommen recht. Darüber brauchen wir nicht zu diskutieren.

Und das einzige Ergebnis einer WM und EM im Zweijahresrhythmus wird sein, dass die Spieler mit 27 aus der Nationalmannschaft zurücktreten. Und dass die WM dann dadurch entwertet wird, dass immer mehr Stars fehlen, weil sie entweder verletzt oder schon zurückgetreten sind. Das wird der Fifa leider viel zu spät auffallen.

Die wirklich spannende Frage ist ja: Ab wann sagen die Spieler: Wir machen da einfach nicht mehr mit! Also wenn die Belgier und Italiener auf dem Feld wirklich ein Problem mit dieser Ansetzung haben, hätten sie sich einfach nach dem Anstoß in den Mittelkreis setzen und in Ruhe quatschen können... und hinterher den Fans das Geld erstatten, das kann man sich als Multimillionär leisten. Aber dann heißt es ja doch wieder: Wir haben eine Verpflichtung gegenüber unserem Land und den Fans und müssen doch spielen.

Was ändern wird sich erst, wenn die Spieler irgendwann mal genau das machen und sagen "Ohne uns gibt es keinen Fußball. Wenn wir keinen Bock mehr haben, dann guckt ihr alle in die Röhre."

Und die UEFA hätte wenig machen können, wenn zunächst die Belgier einfach nur anstoßen und dann die Teilnahme verweigern. Und die Italiener nach dem 3:0 mitmachen. Nur um sicherzustellen, dass niemand vorherige Ergebnisabsprachen in den Raum stellen kann. Oder man spielt sich den Ball entspannt mit ein paar Kabinettstückchen hin und her, wie das bei dem traurigen Hoffenheim - Bayern-Spiel schon mal passiert ist.

Das traurige ist ja, dass dies so ziemlich die einzige Variante ist, wie man eine weitere Aufblähung des Rahmenterminkalenders verhindern kann. Und das ist ja nicht nur eine Frage der Verbände, auch die Klubmannschaften wollen immer weiter an der Umsatzschraube drehen. Also ernsthaft: Damit sich was ändert, müssen ein Mal am 5. Champions League Spieltag alle Spieler sagen: "In der ersten Halbzeit spielen wir uns nur gegenseitig den Ball zu. Mehr wird nicht passieren. Als Protest gegen die Vorhaben der Verbände und Vereine!" Und es gäbe nichts, was die Verbände und Vereine dagegen unternehmen könnten.

Die Aktion der Drittligisten damals, nur halt nicht 60 Sekunden lang, sondern 45 Minuten am Stück.

Mich würde es ja hauptsächlich interessieren, wie man auf so eine Aktion reagieren würde. Also würden sich die Fans dieser Aktion anschließen, weil sie ja auch gegen die Kommerzialisierung des Spieles sind? Wie würden die Live-Kommentatoren diese Spiele bewerten und begleiten? Was würde die Sportschau dazu sagen? Nur was im Kicker dazu steht, würde ich halt nicht mehr lesen... aber beim Rest würde ich mir die volle Dröhnung gönnen. Und dann kann man wirklich sehen, wer gegen die steigende Kommerzialisierung ist und wer nur so tut.

Nur werden sich die Spieler leider nie dazu durchringen. Schade eigentlich.

Freitag, 5. Februar 2021

Ich sag's nur ungern, aber... Passives Abseits Leser wissen es früher

 Also nur um das einmal zu klären. Es ist nicht so, dass mir das Spaß macht. Gerade an dieser Stelle nicht, wo es um eine Pandemie geht. Ich könnte wirklich darauf verzichten, in dieser Situation Recht zu behalten.

Also dass "Es wird Probleme mit dem Rahmenterminkalender geben" Lied wurde hier schon im Oktober gespielt. Und im Dezember neu aufgelegt. Die wesentliche Aussage war damals schon, dass die Uefa ihren Spielplan kürzen muss, um Ausweichmöglichkeiten zu schaffen, falls wegen Covid-19 irgendetwas nicht funktioniert... Die Gesundheitsämter die Einreise der britischen Mannschaften verweigern zum Beispiel. 

Die einfachste Lösung wäre ein Verzichten auf die Gruppenphase und ein reines K.O. Turnier gewesen. Aber dann hätte man ja herauskriegen können, dass die Fans eigentlich gar keinen Bock auf die Gruppenphasen haben und das will ja keiner. Und ja, die gesamten Spiele im Herbst wurden ausschließlich für die Fernsehstationen und die Vereine abgehalten.

Oder man hätte frühzeitig ein Final 8 Bubble Turnier angesetzt, worüber jetzt ja eh nachgedacht wird. Also als langfristiger Plan. Dann spielt man von Freitag bis Sonntag in 8 Tagen ein Turnier aus und streicht somit 2 Termine.

Das mindeste, was man jetzt machen sollte, ist: Den Teams mehr Flexibilität geben. Also wenn man sich die "Lösungsvorschläge" von der Uefa anguckt, denkt man sich nur "Was ziehen die sich eigentlich durch die ganzen Geldscheine?" Den Spieltermin mit Borussia Mönchengladbach tauschen, die dann dasselbe Problem haben? 

Hier ist die pragmatische Problemlösung, was das mindeste sein wollte, was die Uefa RB Leipzig anbieten müsste: Ihr spielt das Hinspiel am 24. März und das Rückspiel eine Woche später zum letztmöglichen Termin. Denn dank der immer noch absurden Streckung der Achtelfinalspiele hat man ja theoretisch genügend Zeit. Und das sollte in dieser Situation problemlos funktionieren. Ohne irgendwelche Probleme. Natürlich gibt es dann Überschneidungen mit den 2 Rückspielen, die gleichzeitig stattfinden. Ja, eventuell muss man dann 3 Spiele gleichzeitig zeigen. Davon wird doch aber die Welt nicht untergehen.

Aber für die Uefa scheint es überlebenswichtig zu sein, dass am 16.02. 2 Hinspiele ausgetragen werden, auch wenn der Wettbewerb dadurch unnötig verzerrt wird. Denn am Ende ist das Einhalten der Verträge wieder wichtiger als die Vernunft... oder die Gesundheit der Spieler.

Und wieder mal kommen wir zu dem Schluss: Wer von einer neuen, veränderten Fußballwelt nach Corona geträumt hat, wird bitter enttäuscht werden. Auch das wurde hier schon vor Ewigkeiten prophezeit.

Dienstag, 10. November 2020

Ist Kimmichs Verletzung am Ende etwas Gutes?

Haben wir im dichten Terminkalender echt den Punkt erreicht, wo man sich so etwas fragen muss? Natürlich. Schöne neue Post-Pandemie-Fußball-Welt, in der sich so viel ändert...

Also als aller erstes bleibt festzuhalten, dass Joashua Kimmichs Operation "ohne Komplikationen" verlaufen ist. Und davon war auch auszugehen. Also eine Meniskusverletzung ist normaler Weise nicht das, was langfristige Schäden mit sich trägt. Also mehr Schäden als die "normale Belastung Profisportler"... so was passiert halt, gerade wenn man wie Kimmich im Dauereinsatz ist. Und er ist auch DER Dauerläufer bei den Bayern. Der Spieler, der regelmäßig über 12 Kilometer anspult. Um an der Stelle auch mal einen Entscheidenden Unterschied zu den anderen "Vielspielern" wie Robert Lewandowski oder David Alaba aufzuzeigen.

Direkt mal wieder ein großes Danke an Kicker.de, die es nicht schaffen auf dem Artikel zu Kimmichs Verletzung auch dessen Spielerportrait zu verlinken. Ich brauche also mal wieder 3 Klicks und muss mich umschauen, um euch die jetzt interessante Statistik zu präsentieren. Oh und die Supercup Spiele werden dort im Spielerprofil gar nicht aufgeführt... ich ziehe dann zu Transfermarkt.de weiter, auch wenn die zu Springer gehören... Ernsthaft, warum ist die Homepage des größten Sportmagazins des Landes so Scheiße? Einschub Ende.

Obwohl, doch nicht... warum habe ich in Deutschland keine Statistik Seite, die mir unproblematisch filtert, wie viele Einsätze und Minuten Kimmich im Jahr 2020 auf den Rasen gebracht hat? Kann es so schwer sein einen Filter einzubauen, der mich den Rahmen auf "1.1.2020 bis 10.11.2020" stellen lässt. Aber dieses Internet... ist halt für uns alle immer noch Neuland... Jetzt aber zurück zu Kimmich.

Jedenfalls... hat Kimmich im Jahr 2020 bereits 39 Spiele absolviert. Und Kimmich ist ja einer dieser "Unersetzlichen", die quasi immer 90 Minuten durch spielen. Und dank der Champions League Bubble hatte er praktisch keine Sommerpause. Stand aber trotzdem am ersten Spieltag direkt wieder in der Startelf... und natürlich auch in beiden Supercup Partien.

Der "Plan" der Bayern war jetzt, Kimmich in genau dem Ryhtmus und praktisch ohne Winterpause bis in den Sommer durchspielen zu lassen. Inklusive Klub-WM, die natürlich auch nicht abgesagt werden wird, denn das einzige, worüber man bei Absagen diskutieren kann, sind halt Länderspiele. Also es sollten in diesem Jahr noch weitere 10-12 Spiele zu den 39 kommen... Und ab Januar ein weiteres Horrorprogramm...

Das ist ein "Plan", der entweder Titel im Sommer oder die EM für die Nation kosten wird. Denn das Kimmich, auch wenn der ein Fitnessfanatiker ist, durchsteht, ohne im Sommer dann auf dem Zahnfleisch zu laufen, ist unrealistisch. Er wäre einer der Hauptkandidaten für eine "Wir haben den Urlaub schon gebucht" Elf geworden.

Stattdessen haben die Bayern jetzt eine echt überraschende Konstellation: zunächst mal (das erkennt man an den positiven Corona Tests bei RB Salzburg, die irgendwie immer genau diese Phase ankündigen) steht gerade eine Länderspielpause an. Also die eine relative Atempause für die Bayern-Profis. Die ersten 2 Wochen seiner Verletzungsphase wird er also, anstatt in München vermisst zu werden, einfach in München bleiben.

Aber selbst danach... hätte diese Verletzung kaum zu einem besseren Zeitpunkt kommen können... außer vielleicht erst in der 89. Minute. Aber das sind Details. Denn die Bayern haben jetzt eine sehr entspannende Phase in ihrem Spielplan. Der Superklassiker ist gespielt. Der einzige eventuell relevante Termin ist am 5.12. Ein Date mit RB Leipzig. Aber sein wir ehrlich: Dieses Spiel wird die Meisterschaft nicht entscheiden. Und danach ist der nächste relevante Termin dann.. ähm... Also in der Champions League braucht man noch 4 Punkte aus den Spielen gegen den FC Salzburg und Lokomotive Moskau, um sicher Gruppenerster zu werden. Wobei bei all den Großinvestoren die Frage im Raum steht, ob das wirklich noch was bringt, oder ob Platz 2 nicht auch ausreicht... Aus den beiden Duellen sollte man aber auch ohne Kimmich 6 Punkte holen. Und dann... steht auf ein Mal der 16.02.2021 im Rahmenterminkalender. Vielleicht wird es aber auch erst 8 Tage später wieder losgehen, je nachdem wie die Auslosung fürs Achtelfinale ausgeht. Das ist also in 3 Monaten.

Ich frage mich ja, ob den Bayern das bewusst ist. Oder ob sie wirklich zu ihrem Glück gezwungen werden müssen. Ich schätze mal, das werden wir im Dezember rauskriegen, Wenn sie clever sind, schicken sie Robert Lewandowski halt frühzeitig in den Weihnachtsurlaub und lassen ihn gegen Union Berlin, Wolfsburg und Leverkusen pausieren... und da muss Lewandowski dann wirklich mal belegen, ob dieses "Mir sind persönliche Rekorde egal" Gerede wirklich der Wahrheit entspricht. Denn wenn er im Sommer wieder die Champions League Trophäe in der Hand halten will, wird auch er unterwegs mal eine Pause brauchen. Nur wird dass seinen Traum von den 40 Toren zerstören.

Bei Kimmich wurden ihnen jetzt derartige Gedankenspiele abgenommen, der macht jetzt erst Mal Pause. Aber halt auch in einer Phase, in der es den Bayern definitiv am wenigsten Schaden wird. 

Was man halt auch bedenken muss, wenn man Schlagzeilen wie "Bayern dreht Spitzenspiel nach dem Kimmich Schock." auf DAZN sieht: Nichts an dieser Verletzung war schockierend. Das war etwas, was bei Profisportlern in Dauerhafter Höchstbelastung einfach mal passiert. Und es war ja auch davon auszugehen, dass es keine wirklich bedrohliche Verletzung war.

Also wenn ihr einen wirklich Schocker sehen wollt, guckt euch die Verletzung von Dak Prescott an. Suchen müsst ihr die selber, ich habe keinen Bock drauf, die wirklich zu sehen, mir reichen die Beschreibungen, die ich gelesen habe. 

Ich wundere mich ja, dass wir bei dem ganzen "Rotationsprinzip" noch nicht auf der eigentlichen Stufe der "Belastungsteuerung" angekommen sind. Das zeigt sich ja praktisch nach jedem großen Turnier: Eigentlich ist der Kader der Bayern breit (und die Saison lang) genug um auf alle Halbfinalteilnehmer einer WM oder EM in der Folgesaison für 2 Spieltage zu verzichten... stattdessen gestaltet man für diese Spieler eine vernünftige Vorbereitung mit dem Stichtag "Nach der ersten Länderspielpause"... oder zumindest 3. Spieltag. Und genau so sollten die Bayern dieses Jahr Teile ihres Kaders vor Weihnachten frühzeitig nach Hause schicken. Also wirklich frühzeitig und nicht erst vor dem Spiel gegen Holstein Kiel. Die Bayern werden in den nächsten 9 Monaten mit beiden Szenarien konfrontiert werden und keine dieser Lösungen nutzen.

Freitag, 28. Februar 2020

Ist es nicht eigentlich entwaffnent

was da gerade wieder passiert?

Also... eine einfache Orkan-Warnung reicht aus, um den gesamten Spielplan über den Haufen zu werfen. Wenn Werder Bremen Pech hat, kann ihr Spiel gegen die Eintracht erst vor dem letzten Spieltag nachgeholt werden. Weil einerseits die Eintracht schlecht nach nicht mal 48 Stunden Regenerationszeit wieder auflaufen kann... das wäre ja Wettberwebsverzerrung.

Andererseits wird jetzt die Tabelle, wenn die Eintracht wieder extrem weit in der Europa League kommt, sehr lange verzerrt bleiben. Das ist für alle beteiligten im Abstiegskampf auch irgendwie unfair.

Es gibt praktisch nur bescheidene Lösungen. Denn nächste Woche spielen ja beide unterhaltsamer Weise gegeneinander im DFB Pokal. Aber so ist das halt, wenn man sich den Rahmenterminkalender derart vollstopft, dass es kaum noch Ausweichtermine gibt. Weil ja auch einer der beiden Zwangsweise im DFB Pokal Halbfinale stehen wird, fällt auch der Termin weg.

Und hier zieht das ja noch relativ übersichtliche Kreise. Aber fragt euch mal, warum die in Italien gerade Geisterspiele abhalten müssen. Da sind ausnahmsweise mal nicht die extremistischen Fangruppen dran Schuld, sondern der Corona Virus Hype. Und die "Wir werden alle sterben... oder uns zumindest infizieren!" Gefahr.

Das Problem ist halt: So einen Ligaspieltag wegen einer Epidemie ausfallen zu lassen ist halt auch keine Option. Also in einer kleinen Liga wie der Schweiz geht das gerade so. Auch weil die Schweizer halt nur mit einem Europacup Teilnehmer rechnen müssen. (Lustiger Weise endet die Schweizer Saison eine Woche nach der Bundesliga...)

Man will sich gar nicht vorstellen, was los sein wird, wenn ein Bundesligaspieltag vom Gesundheitsministerium abgesagt werden muss... und so weit weg ist die Schweiz jetzt nicht...

Die spannende Frage ist aber: Warum ist dies eigentlich so? Denn wenn man über den Rahmenterminkalender flucht, flucht man ja gerne als erstes auf die Länderspiele. Und ja, die sind Teil des Problems. Also in der nächsten Saison könnte man halt einfach das Saisonfinale nach hinten verlegen. Jetzt hat man die harte Deadline "Europameisterschaft". Auf die soll man sich ja wenigstens halbwegs vernünftig vorbereiten können.

Aber Europameisterschaften gibt es seit 1960, trotzdem konnte man früher ganze Spieltage absagen. Man hat dann als Reaktion richtige Winterpausen eingeführt. Also die ging teilweise bis in den Februar hinein, weil es halt noch keine Rasenheizungen und richtige Winter gab...
Und klar, die Europameisterschaften bestehen mittlerweile auch nicht mehr aus 3 Spielen, wie ganz früher. Aber seit 1996 (als das Teilnehmerfeld auf 16 erweitert worden ist) kam ein einziges Achtelfinale als zusätzlicher Spieltermin dazu.

Das Grundlegende Problem beim europäischen Vereinsfußball. Wir gönnen es uns seit Jahren die Champions League Achtelfinale auf 4 Wochen zu strecken. Das muss aber so sein, denn das Teilnehmerfeld der Europa League ist dermaßen aufgebläht, dass die in der Zeit 2 K.O. Runden spielen müssen. Was sie allerdings auch nur müssen, weil gefühlt die Hälfte aller Europa League Teilnehmer Absteiger aus der Champions League sind. Denn Leute einfach nach der ersten Runde ausscheiden zu lassen ist ja keine Option mehr... wir brauchen da mehrere Fangnetze.

Das sind nebenbei alles keine Neuigkeiten, es wurde hier schon 2012 ausgerechnet, dass 32 Mannschaften aus der Champions League absteigen. Dass diese Praxis 6 zusätzliche Termine im Kalender belegen. Und dass diese 6 Planungstermine die Rückrunde dermaßen eng gestalten, dass echt nichts passieren darf.

Interessanter Weise hatten wir jetzt mit Jürgen Klopp da das erste Mal einen Vereinstrainer, der an der Stelle nicht auf die Nationalmannschaften, sondern auf die Praxis bei den Vereinsmannschaften geflucht hat. Weil das in England halt immer noch eine Nummer härter ist als bei uns. Er ist aber der erste, der sich getraut hat da auch die Vereine in die Pflicht zu nehmen.

Der einzige Hoffnungsträger ist da aber der neue Europacup Wettbewerb. Also als Möglichkeit das Teilnehmerfeld der Europa League etwas zu reduzieren. Hey, man könnte ja sogar die 3. der Champions League Gruppenphase genau da hin verschieben... ok, das wird nicht passieren, aber theoretisch...
Also wenn der neue Wettbewerb dafür sorgt, dass die Zwischenrunde der Europa League weg fällt und das Achtelfinale an 2 Terminen ausgetragen werden kann, ist das definitiv eine sinnvolle Veranstaltung. Denn dann würde man den Rahmenterminkalender mal wirklich entschlacken, was dringend nötig ist.

Derzeit ist er halt so auf Kante genäht, dass jede spontane Absage einer mittleren Katastrophe gleich kommen kann. Und wie schon gesagt: Was wirklich abgeht, wenn ein gesamter Spieltag abgesagt werden muss, will sich keiner vorstellen...

Ich finde es halt immer faszinierend, wenn irgendetwas anderes als die Gier der Verein nach mehr Umsätzen als Grund für den Rahmenterminkalender angegeben werden. Und wenn diese Vereine dann behaupten, dass andere sich zurück nehmen müssten....

Freitag, 12. Oktober 2018

Mir geht diese Einseitige Berichterstattung auf den Sack

Und ja, ich kann es auch nachvollziehen, dass dem einen oder anderen Offiziellen in seiner Funktion als Offizieller die Länderspielpausen auf den Sack gehen. Dass sich aber bei der Berichtserstattung ausschließlich darauf gestürzt wird.

Wenn zum Beispiel Kicker- Chefredakeur Rainer Franzke seinen Kommentar auf ein "Länderspiele gehen auf Kosten der Fans" runter bricht. Ernsthaft?
Ich sag das mal so: Ich bin definitiv auch Fußball Fan. Zwar kein Stadiongänger, das stimmt, aber ein begeisterter Zyniker. Und ich finde die Länderspielpause toll. Aus einem einfachen Grund: Nachdem ich seit der letzten Länderspielpause jeden Tag auf Kicker.de irgendwelche Ergebnisse ausgecheckt habe, entschleunigt diese Woche, wo es mir bis Samstag Abend echt egal ist, wie welches Spiel ausgeht, echt wunderbar.
Und ich habe ja beschlossen, dass ich die Champions League Gruppenphase dieses Jahr komplett ignoriere. Also ich schreibe dazu vielleicht nochmal irgendwann 4 Worte als Zusammenfassung, aber angucken werde ich es mir nicht. Trotzdem muss man irgendwie nen Überblick behalten, wie die Ergebnisse lauten. Andere Fans gönnen sich an der Stelle schon die volle Dröhnung (und denen gönne ich dies. Früher war es ja bei mir nicht anders). Und wenn diese Menschen wirklich unter der Vereinsfußball-Pause leiden, so haben wenigstens die Frauen/ Freundinnen und Kinder was davon. Oder sie leiden besonders, weil der Mann sich auf ein Mal mit ihnen beschäftigt.

Aber sich bei dem Konsum, den wir uns angewöhnt haben, ein Mal im Monat eine Pause zu gönnen, ist prinzipiell nicht das Schlechteste. Aber die Idee, dass eine Pause im 24/7 Fußball-Konsum vielleicht mal was ganz angenehmes sein könnte, wird ja gar nicht zugelassen.

Das gilt vor allem auch für die Spieler. Nehmen wir mal einen Fiktiven Charakter namens Marco (ihr hört ein Räuspern): Dieser gilt als überragender Spieler seiner Generation, aber sein Körper scheint nur bedingt für  für die Dauerbelastung. Aber sein fragiler Körper hat die 7 Spiele zwischen den Länderspielen ordentlich überstanden. Wir reden hier von 7 Spielen in 28 Tagen. Nur so zum Nachrechnen. Und genau zur Länderspielpause hat er dann "Knieprobleme".

Mittlerweile braucht es da auch keine genaue Diagnose mehr. Es gehen alle irgendwie davon aus, dass ein derartiger Spieler nach einem derartigen Programm Schmerzen in den Knien haben wird. Also, weil sich auch alle bewusst sind, dass die Spiele nicht so wirklich wichtig sind, gönnt sich der Marco eine Pause. Um danach dann die nächste Serie mit 7 Spielen in 28 Tagen anzugehen.

Man stelle sich aber vor, diese nächste Serie würde sofort beginnen. Oder nach einer einzigen 7 Tage Pause, weil es ausnahmsweise mal keine "englische Woche" (was mittlerweile echt ein Euphemismus ist, man sollte es "europäische Woche" nennen) ansteht. Glaubt wirklich irgendjemand, dass der Marco diese Serie problemlos überstehen würde? Also ist es doch schön, dass wir dem eine Regenerationspause gönnen.

Überlegt euch einfach mal, wie viele Länderspiele mittlerweile wegen Kleinigkeiten abgesagt werden. Und das ist gut so. Das ist ja etwas, was man gerade Jogi Löw wirklich hoch anrechnen muss: er hat als erster verstanden die Länderspiele als Belastungsteuerung zu nutzen. Aber im Liga und Europacup Alltag können es sich halt viele Vereine nicht leisten ihren Spielern angemessene Ruhepausen zu gönnen... Nationalmannschaften, die nicht die Niederlande sind, können sich dies dagegen leisten.


Aber hier wird auch allgemein die Meinung vertreten, dass die Belastung bei Länderspielen in den meisten Fällen wesentlich geringer ist als in den Ligaspielen. Weil das allgemeine Tempo bei derartigen Spielen einfach nicht so hoch ist. Aber natürlich lässt mich der Kicker nicht auf seine Datenbank zugreifen, damit ich das verifizieren könnte.

Aber wo der Kicker sich gerade angewöhnt mit Zahlen und Statistiken um sich zu werfen: Es wäre schon interessant rauszukriegen, ob bei einem Länderspiel weniger Sprints angezogen werden als in der Bundesliga. Oder ob es weniger Fouls und Zweikämpfe gibt. Aber eine derartige Analyse passt ja nicht ins "Ist alles Kacke" Narrativ...

Wenn man den Blickwinkel etwas erweitert, ist davon auszugehen, dass ein Spieler wie Cristiano Ronaldo sich in Zukunft von den unwichtigeren Länderspielen fern halten wird. Dass sich ein Lionel Messi einfach mal offiziell 4 Monate Pause vom Nationalteam gönnt.Weil die Nations League oder Freundschaftsspiele halt die einzige Möglichkeit für eine Ruhepause der Superstars darstellt. Das könnte man auch mal erwähnen: Die beiden besten Fußballer unserer Generation nutzen diese Phase gerade zum Kraft tanken. Und das ist gut so.

Da sind wir noch nicht mal bei den Makoto Hasebes dieser Welt. Also Spielern, die immer noch in der Lage sind im europäischen Vereinswettbewerb mitzuwirken, sich aber für die Länderspielreisen zu alt fühlen. Die sich also bewusst und offiziell alle 4-5 Wochen diese kurze Pause gönnen. Und dann wundern wir uns immer, warum diese Spieler dann plötzlich behaupten, dass sie sich so gut fühlen wie noch nie. Was natürlich nur daran liegt, dass sie jetzt besser auf ihren Körper hören und nicht daran, dass sie weniger Reisen.

Und ja, es ist davon auszugehen, dass Länderspiel Karrieren kürzer werden und sich mehr an Philipp Lahm als an Miroslav Klose orientieren. Dass es in 10 Jahren nichts ungewöhnliches mehr ist mit 31 auf dieser Ebene aufzuhören, danach aber noch "jahrelang" international hochklassig zu spielen. Und dass sie die höchst belasteten Vereinsspieler immer wieder mit kleineren Wehwehchen von den unwichtigeren Länderspielen abmelden, weil sie die Zeit als Regeneration brauchen. Man muss aber auch einfach mal festhalten, dass diese Spieler ohne Länderspielpausen gar keine Chancen auf Regeneration während der Saison haben.

Gerade das Reisen-Argument ist halt seit Jahren völlig absurd. Schließlich reisen viele Spieler gerade weniger, als wenn sie im Auftrag ihres Vereins unterwegs wären. Ein Mal Amsterdam - Paris - München bitte. Anschnallen nicht vergessen! Ernsthaft, vergleicht einfach mal was für Strecken Timo Werner diese Saison schon für RB Leipzig zurück gelegt hat. Im Vergleich dazu sind die Länderspieltrips in den letzten Jahren echt lächerlich. Und klar, man könnte jetzt darüber jammern, dass man mehr ausländische Spieler in seinem Kader hat. Vor allem mehr Nicht-Europäer. Aber da haben die Spitzenvereine ja jahrelang für gekämpft. Das könnten sie auch lösen, in dem sie sich wieder auf eine Ausländerbegrenzung einigen. Aber das will ja niemand.

Das aller absurdeste ist aber... diese Idee mit dem "Das schreit nach einer Reform der internationalen Rahmenkalender. Nach einer Ansetzung von Länderspielen zum Beispiel in der Woche vor Weihnachten." Wieso dürfen eigentlich Leute, die nur bis zum eigenen Tellerrand gucken können, Journalisten sein? Sollte man so was nicht verbieten?
Ernsthaft... kann mal jemand den Franzke im Dezember nach Finnland schicken und ihm dann 2 Stunden lang in einem Stadion frieren lassen? So als Therapie, damit er merkt, dass diese Idee Scheiße ist.

Vielleicht sollte jedem, der diesen Gedanken ausspricht, mal verdeutlicht werden, dass Europa aus mehr als einer Klimazone besteht. Und dass dieser Fakt beim erstellen der Spielpläne bedacht werden muss. Also nur mal so zur Info: Es wird sich seit Jahren bewusst dafür entschieden, dass die russischen Champions League Teilnehmer ihr letztes Gruppenspiel auswärts bestreiten. Warum? Nun ja, weil unsere Großväter (und die französischen Ururgroßväter) in jahrelangen Feldversuchen herausgefunden haben, dass es Wahnsinn ist seine jungen Männer in kurzen Hosen im Dezember nach Moskau zu schicken. Oder nach Helsinki. Oder nach Oslo. 26 Millionen Menschen wohnen in den "Nordischen Staaten". Dazu kommen 144 Millionen Russen. Und die baltischen Staaten. Alles Ländern, in denen der Ball von Mitte November bis Anfang April ruht. Wollen wir all diesen Ländern jetzt mitteilen: "Eure Nationalmannschaft kann im wesentlichen keine Heimspiele mehr absolvieren. Ihr wisst ja schließlich selber, dass eure Heimat eher ungeeignet für Sport in kurzen Hosen im Winter ist. Viel Spaß beim Biathlon, aber wartet noch damit, bis ich weg bin..."

Der Zyniker in mir hofft ja darauf, dass diese Idee umgesetzt wird und Deutschland dann Mitte Januar zu einem Pflichtspiel nach Finnland muss... weil dies der einzige freie Termin im Rahmenkalender ist. Und dann gibt es 4 Kreuzbandrisse, weil sie in Finnland keine Rasenheizung haben. Aber Verschieben war halt auch keine Option... Damit dann alle plötzlich merken, wie unfassbar dumm diese Idee eigentlich war.

Natürlich wäre es ein schönes Ideal, wenn man die Länderspiele in 2 großen Blöcken im Dezember und Januar abhalten könnte. Und wir Deutschen und alle südlich von uns könnten dies. Damit die Idee aber umsetzbar ist, müssen wir noch viele Runden in unseren Wunderbaren Dieselautomobilen drehen. Was doppelt effektiv ist. Denn dann würden Holland und Island (mindestens) komplett ausscheiden, was den Rahmenterminkalender ja extrem entspannen würde. Und der übrig gebliebene Rest könnte ganzjährig Fußball in Stadien spielen.

Ernsthaft, es ist unfassbar ignorant, dass unsere deutschen Sport-Journalisten bei der Diskussion über den INTERNATIONALEN RAHMENTERMINKALENDER völlig ignorieren, dass man da auch so ein paar Faktoren anderer Länder mit einfließen lassen muss?
Aber hey, wir können den Skandinaviern ja klimatisierte Großfeldhallen bauen... Also genau das machen, was wir bei der WM im Qatar als absurd abgetan haben.

Diese Idee ist einfach nur dumm. Und wer auch immer sie ins Gespräch gebracht hat (Ich habe es am Montag im Kicker bei Franzke gelesen, aber schon am Donnerstag hat Horst Heldt sie aufgegriffen) sollte ein mal öffentlich erklären, dass das eine richtig dumme Idee aus ganz europäischer Sicht war.