Posts mit dem Label Nations League werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Nations League werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 12. Juni 2025

Das "wir" echt nicht verlieren können

 Macht es ja meistens nur noch schöner für mich. Also zumindest die letzten 10 Jahre. Aber trotzdem ist der Umgang mit Marc Cucurella doch einfach nur noch peinlich. Das muss man einfach mal so sagen.

 Dass die deutschen Fans den immer noch auspfeifen und eine Entschuldigung fordern, ist einfach peinlich. Wir tun also so, als wäre das der nächste Ruud Gullit. Oder als hätte der mit einer fiesen Grätsche einen unsrer Spieler ins Krankenhaus getretenToni Schumacher-Style. 

Aber im Wesentlichen soll der sich für eine eventuelle Fehlentscheidung des Schiedsrichters entschuldigen. Und das muss auch nochmal erwähnt werden: Wenn die Fifa ein paar Monate nach der EM bekannt gibt, dass sie für solche Szenen doch Elfmeter geben wollen, liegt das daran, dass die Auslegung der Handspielregel mal wieder geändert worden ist. Das passiert halt immer dann, wenn in einem großen Spiel auffällt, dass die aktuelle Auslegung Scheiße ist. Aber "wir" haben halt alle nur die Schlagzeilen gelesen. Also hier ist die Zusammenfassung während des Turniers. Als ihnen dann aufgefallen ist, dass die Auslegung doch wieder Kacke war, haben sie dann doch zugegeben, dass es für solche Szenen wieder Elfmeter geben sollte.

Und dann beweist Rudi Völler, dass er immer noch einer der größten Vollidioten des Landes ist. Denn wenn er gefragt wird, ob er die Pfiffe nachvollziehen kann, fängt er mit einem "Ich glaube, der hat ein Interview gegeben" an. Und in dem Interview hat er gelacht. Wie dreist. Wahrscheinlich war er einfach nur erleichtert, dass seine Mannschaft dieses schwierige Halbfinale auch etwas glücklich gewonnen hat.

Ein Thomas Müller hätte in der Situation exakt dasselbe Interview gegeben. All die Leute hätten ihn dafür gefeiert. 

Dann kommen haufenweise "Er hätte ja zum Schiedsrichter gehen und es zugeben können" Kommentare. Wenn ein Antonio Rüdiger das in einer ähnlichen Situation gemacht hätte, wäre er von genau denselben Leuten mit rassistischen Kommentaren überhäuft worden. Wie kann man so unpatriotisch sein! Da muss man sich doch einfach wegdrehen... also, nachdem das Handspiel nicht gepfiffen wurde, nicht davor.

Um nochmal eine kleine Medienübung mit Rudi Völler zu machen: Die korrekte Antwort wäre gewesen: Wir sollten aufhören, den Spieler für einen Fehler des Schiedsrichters zu bestrafen. Er kann nichts dafür, dass der Elfmeter nicht gegeben wurde und er hat ja auch nicht aktiv, zum Beispiel mit dem Versuch einer Schwalbe, versucht zu betrügen. Er hat einfach seinen Arm nicht schnell genug weggezogen, das kann passieren. Und er hat sich danach genau so verhalten, wie jeder deutsche Nationalspieler es auch getan hätte. Deswegen muss man ihn auch einfach mal in Ruhe lassen. 

Und hier muss man nochmal festhalten: Rudi ist quasi der höchste Fußballdiplomat in diesem Land. Er hat ja keine wirkliche Funktion, außer lächeln und winken. Und wahrscheinlich im Hintergrund irgendwie die Stimmung heben. Aber es soll eben auch zwischen den Mannschaften kommunizieren. Und das wäre jetzt mit einem Jahr Abstand genau der Moment gewesen. Stattdessen hat er mal wieder bewiesen, dass er nur die Stimme des Volkes ist... und dieses Volk kann halt nicht verlieren...

Auch wenn "wir" mittlerweile selbst dann verlieren, wenn der Gegner "gar keinen Bock" hatte zu gewinnen. Wir könnten uns mittlerweile dran gewöhnt haben.

Donnerstag, 5. Juni 2025

Ein neuer Tiefpunkt ist erreicht.

 Das gab es echt noch nie: Die deutsche Nationalmannschaft verliert gegen Cristiano Ronaldo

Fun Fact: Beim letzten Sieg der Portugiesen traf ebenfalls ein gewisser Conceição. Das ist der Vater von dem Torschützen gestern. Das Spiel habe ich damals noch live gesehen. Ich bin halt auch alt. Um zu verdeutlichen, wie viel Zeit seit dem vergangen ist. Das war VOR Cristiano Ronaldos Zeit. Und die "Das werden wir unseren Kindern erklären müssen" Generation. Jetzt sind wir nach 25 Jahren wieder an diesem Punkt.

Es ist schon faszinierend, dass der Deutsche Fußball in den letzten 10 Jahren immer wieder doch recht peinliche Pleiten produziert hat... aber für Portugal hat es immer gereicht. 

Auffällig ist, wie schnell Deutschland doch wieder im "Lass uns mal lieber schonen" Modus angekommen ist. Praktisches Beispiel: Jamal Musiala. Der wird erst zur Klub-WM wieder fit. Sich jetzt schon mit dem designierten kongenialen Partner in Crime Florian Wirtz einzuspielen, ist doch nicht sooo wichtig. Vielleicht hat Julian Nagelsmann die Hoffnung doch noch nicht aufgegeben, dass die das einfach nächste Saison bei den Bayern machen. Das ist aber eher unrealistisch. 

Wir haben halt schon wieder den Modus operandi erreicht, in dem die Spieler sehr plötzlich wieder abreisen. In dem niemand auch nur das geringste Risiko eingehen will. Während Portugal in Bestbesetzung antritt. Und wer da die ach so lange Saison als Entschuldigung anbringt: Bernardo Silva und Bruno Fernandes spielen in Manchester. Einer der beiden hat das Europa League Finale gewonnen. Einer der beiden hat schon 58 Spiele in den Knochen. Der andere kommt "nur" auf 49, hat aber noch eine Klub-WM vor der Brust. Trotzdem suchen die keine Ausreden, sondern beißen auf die Zähne.

Dabei haben die letzten Turniere doch eindrucksvoll bewiesen, dass auch eine deutsche Nationalmannschaft sich vor den Turnieren einspielen muss. Und dass man jede Gelegenheit nutzen sollte. Und selbst wenn man eine Musiala dann nur auf die Bank oder gar auf die Tribüne setzt: Den jetzt vor Ort zu haben, damit er wenigstens mit Wirtz zusammen trainieren kann, könnte durchaus helfen.

Vor allem, wenn man bedenkt, dass dies wohl auch die einzige Gelegenheit gewesen sein dürfte, wirklich als Mannschaft zu trainieren. Und es ist auch die einzige Möglichkeit, gegen hochwertige Konkurrenz zu testen. 

Denn der Rest des Länderspieljahres besteht ja ausschließlich aus der WM-Qualifikation gegen die Slowakai, Nordirland und Luxemburg. Alles Daten, die zwischen die Bundesligaspiele gepresst werden. Da wird man seine Spieler 7 Tage lang zu Gesicht bekommen. Die meiste Zeit geht fürs Reisen, die Spiele und Promotermine drauf. Und dann sind es nur noch 6 Monate bis zur WM.

Im Sommer 2026 werden wir uns dann wieder wundern, warum die Automatismen zwischen Musiala und Wirtz nicht funktionieren. Didi Hamann wird dann wieder behaupten, dass das gar nicht funktionieren kann, weil deren Spielstil einfach nicht zueinander passt. Dabei sollten hochtalentierte Spieler immer gemeinsame Lösungen finden, man muss ihnen nur die Zeit geben. Und die wenige, verfügbare Zeit möglichst sinnvoll nutzen.

Aber obwohl Deutschland jetzt seit 2016 kein Halbfinale in einem großen Turnier erreicht hat und 2014 sein letztes Halbfinale gewonnen hat, glauben "wir Deutschen" anscheinend immer noch, dass wir es uns leisten können, unsere Starspieler zu schonen.

Und um das nochmal zu verdeutlichen: 5 Turniere infolge ohne Finalteilnahme gab es nicht mal zu den bereits verlinkten, finstersten Zeiten, als Didi Hamann selber noch das Tempo auf dem Platz gedrosselt hat. Wenn ihr jetzt mit einem "Es gibt halt keine Kleinen mehr, der Fußball hat sich so weit entwickelt, dass eine absurd dominante Bilanz, wie sie die Deutschen bei der EM über Jahrzehnte hingelegt haben, nicht mehr möglich ist", sage ich:

Stimmt und genau deswegen müssen die wenigen Gelegenheiten konsequent genutzt werden. Zu Jogi Löws Zeiten konnte man es sich noch erlauben, mit einer C-Elf gegen Dänemark aufzulaufen und trotzdem ein halbes Jahr später das Halbfinale zu erreichen. 

Und das Talent ist ja unbestritten vorhanden. Das war es aber auch bei den letzten verkackten Weltmeisterschaften. Aber die 2 Jahre zwischen den Turnieren im Larifari-Stil anzugehen, kann sich die Deutsche Nationalmannschaft ganz offensichtlich nicht mehr leisten. Und im Sommer werden dann alle wieder entsetzt gucken, wenn die ganzen anderen Mannschaften wesentlich besser abgestimmt und eigespielt auftreten.

Donnerstag, 21. November 2024

San Marino hat das unfassbare geschafft:

 Sie sind aufgestiegen, bevor der Hamburger SV dies jemals geschafft hat. Nur um mal zu verdeutlichen, dass das echt jeder hinbekommt, außer eben jener HSV.

Vor allem aber: PassivesAbseitsleserwissenesfrüher: Die Nations League ist etwas wunderbares. Dort können die kleineren Nationen ihre eigenen emotionalen Geschichten schreiben, ohne dass irgendetwas verloren geht. Denn für die "großen Nationen" werden halt "nur" die Testspiele ersetzt.

Checkt einfach mal den offiziellen Fan Account von San Marino aus. Vorsicht an alle St. Pauli und Werder Fans: der Link geht zu Twitter. Aber wie die da in der 2. Halbzeit abgehen, ist nicht von dieser Welt. Es ist aber auch der größte Erfolg in deren Verbandsgeschichte.

Wahrscheinlich werden die jetzt nächste "Saison" jedes Mal abgeschossen, aber hey, sie haben sich das Recht gegen diese besseren Gegner anzutreten, erarbeitet. Das ist doch schön.

Und alle die jetzt über die zusätzlichen Termine heulen. Ich habe mal eine fortgeschrittene Matheaufgabe für euch: Zählen. Hier sind 2 unterschiedliche Listen. Eine aus dem Jahr 2024. Die andere ist aus dem Jahr 2004. (Vorsicht, die Links gehen zum Kicker...)

Ihr werdet dann völlig entsetzt feststellen, dass Deutschland im Jahr 2004, trotz des gar nicht so überraschenden Vorrundenaus, 16 Länderspiele absolviert hat. 2024 waren es, obwohl man das Viertelfinale erreicht hat, 15. Das macht, nach Adam Riese, ein Spiel weniger, als vor 20 Jahren.

Vor diesen 20 Jahren wäre Deutschland in einem Paralelluniversum mit guten Spielern mit 19 Länderspielen Europameister geworden. 2024, in einem Paralelluniversum mit der aktuellen Handspielauslegung, hätte es dafür 18 Spiele gebraucht.

Das Deutschland mehr Spiele absolviert hat, lag nebenbei an den 3 Spielen während der Asien Reise zum Jahresausklang. Das sollte fairerweise erwähnt werden: Ohne dieses legale organisieren von Stimmen für die Heim WM 2006 wären es nur 16 mögliche Länderspiele gewesen. Trotzdem gilt für alle anderen: In den letzten 20 Jahren sind nur 2 Termine dazugekommen. Das ist nicht dramatisch.

Und wenn ihr jetzt rumheult, dass ja die Endrunde der Nations League zu mehr Spielen führen wird: Nein, wird es nicht. Denn die 8 Teilnehmer an dieser Veranstaltung werden dafür in die 5er Gruppen der WM Quali landen. Das wird kein Zufall sein, sondern ist Absicht. Falls man das Finale erreicht, hat man tatsächlich ein einziges zusätzliches Spiel.Das ist, verglichen mit der Eskalation bei den Vereinsmannschaften, lächerlich wenig. Und wenn man im Viertelfinale ohne Wirtz ausscheidet, ersparrt man sich sogar ein Spiel...

Man muss an der Stelle nochmal zwingend festhalten: Die Nations League hat nicht wesentlich zur Erhöhung der Allgemeinen Belastung beigetragen. Für die großen Nationen hat sie die Testspiele, die Aufgrund der ständigen Absagen als Reaktion auf die extreme Belastung am Ende eine Zumutung für alle Fans waren, ersetzt. Und sie haben den kleinen Nationen eine Möglichkeit gegeben, sich in einem für sie ernstzunehmenden Wettbewerb zu messen.

Lasst uns mal spaßeshalber nochmal 20 Jahre zurückgehen: Im Jahr 1984 gab es tatsächlich weniger Länderspiele. Deutschland trat nur 11 mal an. Wenn man Europameister geworden wäre, wären es 13 Spiele gewesen. In diesen 40 Jahren ist die Anzahl der EM Teilnehmer von 8 auf 24 gestiegen. Trotzdem kamen in diesen 4 Dekaden ganze 5 Spiele pro Jahr dazu.

Hier ist aber das völlig absurde: In dieser Saison gewann der FC Liverpool den Europapokal der Landesmeister... mit 8 Siegen in 9 Partien. Mittlerweile wäre die 9. Partie das erste K.O. Duell. Insgesamt braucht man 15 bis 17 Spiele. Von den 36 Mannschaften, die an der Gruppenphase teilnehmen, werden 24 mehr internationale Spiele absolvieren, als die beiden Finalteilnehmer von 1984.

Dazu kommen dann nochmal bis zu 8 Spiele über die Klub-WM. In den 4 Dekaden, in denen für die Nationalspieler 5 Termine dazu kamen, wurde der Vereinsspielplan um bis zu 14 Spiele erweitert....

An der Stelle muss man auch nochmal erwähnen, dass 1984 lediglich 2 Mannschaften die kompletten 9 Spiele absolvierten. Für die Hälfte der Teilnehmer war der Spaß am 28. September schon wieder beendet. Nicht nur die erfolgreichsten Mannschaften spielen wesentlich mehr Spiele... auch die relativen Gurkentruppen. Da ist die Quote sogar noch viel schlimmer: 1984 brauchte man 2 Spiele, um das Achtelfinale zu erreichen (oder, im Fall des HSVs, gar keins, weil die ein Freilos hatten.) 2024 braucht man 8 bis 12. Die 12 zähle ich dazu, weil ja theoretisch Mannschaften gibt, die sich über die Playoffs für die Gruppenphase und dann über die Zwischenrunde fürs Achtelfinale qualifizieren könnte. Lille ist gerade 14. und würde damit Bayern und Real gerade so aus dem Weg gehen und auf Benfica Lissabon treffen. Lille und Dinamo Zagreb sind aber die einzigen Mannschaft aus der Qualifikation, die ernsthaft um einen Einzug in die Zwischenrunde kämpfen... Lille ist nebenbei schon in der Qualirunde 3 eingestiegen. Wenn die, was natürlich nicht passieren wird, ins Finale einziehen, hätten die dafür unfassbare 23 Spiele absolvieren müssen. Aber die 2 zusätzlichen Länderspiele seit 2004 sind das Problem... ganz bestimmt.

Dieses "Boah schon wieder Länderspielpause" ist also faktisch gesehen totaler Bullshit. Eigentlich müsste es nächste Woche Mittwoch "Boah, schon wieder Champions League" heißen, denn da sind die ganzen zusätzlichen Spiele aufgetaucht. Da kommt die krasse Zusatzbelastung her. Da kommt auch diese extreme Dauerbeschallung her. Mittlerweile ist ja der Montag der einzige Tag in der Woche, an dem es keinen Fußball auf gehobenem Niveau zu sehen gibt. Zumindest nicht jede Woche, nächsten Montag gibt es die Premiere League im Angebot.

Die Nationalmannschaften sind hier nicht das Problem. Im Gegenteil, sie geben uns mal die Gelegenheit, aus dieser Endlosschleife auszubrechen und mal was vernünftiges zu machen... Oder eine neue und aufregende Geschichte wie den Aufstieg von San Marino zu erleben.

Montag, 26. September 2022

Muss man heute abend für Deutschland sein, wenn man gegen Deutschland ist?

Kurzes Reeperbahnfestival Intro: Ich war unter anderem bei Huwa und als die wollte, dass jemand "as loud as you can" Germany ins Mikro schreit, kam nur ein "we got a complicated history" zurück... Ich bin da gar nicht alleine, ich bin nur auch beim Fußball konsequent. Anyhow.

Es klingt absurd, aber es ist halt auch nur Nations League. Und England steht schon als Absteiger fest, während auch Deutschland nicht mehr Platz 1 erreichen kann. Es ist also ein ganz klassisches Testspiel, in dem es nur darum geht, sich in WM Form zu bringen. Was ist also das Best Case Szenario für diejenigen, die wie ich auf ein WM Versagen hoffen?

Das ist ganz einfach: ein 4:0 mit 3 Thomas Müller Toren. Denn das sind doch jetzt genau die Spiele, in denen Thomas Müller seit Jahren glänzt: Es geht halt um nichts... außer um seinen Stammplatz. Und Thomas Müller ist ja so was, wie das Gesicht der aktuellen Bayern-Krise: Die ersten 3 Spieltage war er auf Rekordkurs und alles sah nach einer souveränen Meisterschaft aus. 5 Scorerpunkte in 3 Spielen sind schon absurd. Wenn er das halbwegs durchziehen würde, müsste selbst ich hinterher behaupten, dass der Mann halt Robert Lewandowski so gut gemacht hat und nicht nur von ihm profitiert hat. 

Aber seit dem passierte halt nichts mehr. Also weder in der Liga, noch in der Champions League kam Müller zu einem Scorerpunkt. 6 Spiele in Folge ohne Torbeteiligung... das erinnert stark an die "aber in einigen Spielen war der Sieger der Winter-Rangliste derartig unsichtbar, dass Julian Nagelsmann eigentlich hätte durchgreifen müssen." Phase aus dem letzten Frühjahr.

Wenn man dann noch bedenkt, dass Müller eine eher bescheidene EM mit einem eher peinlichen Fehlschuss als Höhepunkt abgeliefert hat... Also wenn er so weitermacht, könnte man tatsächlich zu dem Schluss kommen, dass man nicht unbedingt auf Müller setzen muss, wenn die WM ansteht. Und das kann ja niemand wollen. Also niemand, der auf andere Mannschaften setzt. Da könnte ja jemand spielen, der bei Turnieren Torgefahr ausstrahlt. Kai Havertz zum Beispiel. 3 Tore gegen England dürften diesen Gedanken komplett verdrängen.

Aber auch aus "der anderen Sicht". Also als Engländer. So unglaublich das klingt: Auch die sollten auf eine heftige Klatsche mit 3 Müller Toren hoffen. Denn dann, aber auch nur dann, wir Gareth Southgate entlassen. Und vielleicht, aber das ist wirklich unwahrscheinlich, haben die dann sogar die Eier und befördern Sarina Wiegmann. Man wird ja mal träumen dürfen. Aber stellt euch diese englische Nationalmannschaft mit all dem Potenzial auch auf der Bank mal mit einem Trainer vor, der nicht in Schockstarre verfällt und aufs Elfmeterschießen hofft... sondern stattdessen jemanden an der Seitenlinie hat, die ihrer Mannschaft vermittelt: Wir regeln das vorher! Genau das bräuchte diese Mannschaft.

Das Worst Case Szenario ist jetzt ein Sieg gegen Deutschland, der Southgate im Amt hält und dann das Erreichen des WM-Halbfinales durch einen Sieg im Elfmeterschießen gegen Kroatien. Denn dann bleibt Southgate auch bis zur EM im Amt. Dann wäre die einzige "Strafe" für seine Inkompetenz schlechtere Testspielgegner in der nächsten Nations League. 

Und ja, England könnte gerade in dieselbe Falle stolpern, in der der DFB seit 1954 steckt: Die Auswahl ist so gut, dass selbst ein unfähiger Trainer das Halbfinale erreicht. Nach einem derartigen Erfolg, kann man ja den Trainer nicht entlassen, also darf der weitermachen. 2 Jahre später scheitert man dann wieder im Halbfinale oder Endspiel. Und niemand kommt auf die Idee, zu hinterfragen, wie viele Titel man mit einem fähigen Trainer hätte holen können. 

Wenn man jetzt endgültig und deutlich seine Grenzen aufgezeigt bekommt... von einer Mannschaft, die ebenfalls nicht in WM Form ist... dann könnte das Southgate den Job kosten. Und dann stelle man sich vor, was passiert, wenn Thomas Tuchel das Interimsweise bis zur WM übernimmt, weil er ja eh gerade nichts zu tun hat. Oder halt Wiegmann, die mit der Autorität des ersten großen Titels seit 1966 kommen sollte.

Montag, 13. Juni 2022

Da stellen wir dann entsetzt fest:

Es reicht noch nicht mal für die Ungarn. Wobei, das sollte einem noch nicht mal wirklich überraschen, schließlich sah das Spiel ungefähr genau so aus, wie das letzte Aufeinandertreffen der beiden während der EM... Was aber zu einer viel schockierenden Erkenntnis führt: Die Mannschaft hat sich unter Hansi Flick gar nicht verbessert, sie sind jetzt an demselben Leistungspunkt wie vor einem Jahr. 

Ganz ehrlich, dieser Nations League Spieltag ist so ziemlich das Worst-Case-Szenario. Das fängt schon damit an, dass jetzt alle behaupten können, dass es ohne Thomas Müller ja gar nicht besser läuft. Wir brauchen den, die anderen sind ohne ihn völlig überfordert! Auf die Idee, dass das vielleicht anders aussehen könnte, wenn Kai Havertz mal 3 oder 4 Spiele am Stück in der Rolle machen darf, kommt keiner... obwohl das genau jetzt die Gelegenheit dafür gewesen wäre...

Aber das eigentlich Schlimmste: Jonas Hofmann hat sich gerade als einziger Leistungsträger im Offensivspiel etabliert... wenn Hansi Flick diese Spiele nicht komplett unter den Tisch fallen lassen will, muss er plötzlich einen Platz für den in seinem System finden... oder er tappt direkt in die Jogi Löw Falle, dass allen bewusst ist, dass diese "Testphasen" am Ende egal sind, was wiederum das Niveau dieser Testspiele beeinflusst. Da haben dann doch alle spontan Wehwehchen und müssen absagen...

Aber mit Hofmann in der Stammformation wird man halt nicht Weltmeister. Ok, vielleicht als Rechtsverteidiger, aber selbst das könnte eng werden... denn wenn man auf der Position des Außenverteidigers eine praktikable Lösung sucht, sollte die ja hauptsächlich durch stabile Defensivarbeit auffallen... siehe Benedikt Höwedes oder Joan Capdevilla, die beide als solide Rollenspieler Weltmeister wurden. Aber Hofmann ist halt eigentlich eher Offensivspieler.

Dazu kommt dieser winzige Nebenfakt, dass er im Verein eine enttäuschende Rückrunde gespielt hat. 5 Tore und 5 Vorlagen sind für einen Nationalspieler nicht wirklich viel. Die Gladbacher Saison verlief im Allgemeinen sooo gut, dass man sich einvernehmlich vom Trainer trennte. Und die sollen jetzt den Hoffnungsträger stellen? Hoffnungsträger kann man gar nicht sein.

Und das ist jetzt keine Kritik an Jonas Hofmann. Der ist ein sehr solider Bundesligaspieler, der auch mit Ende 20 noch deutlich wahrnehmbare Entwicklungsschritte macht. Der sich vom "Patrick Herrmann" Spieler (Memo an mich selbst: Positionsbeschreibung anlegen) Einwechselspieler zum Stammspieler gemausert hat. Aber das sind doch nicht die Ansprüche an einen Stammspieler und Leistungsträger in der deutschen Nationalmannschaft... So schlimm kann die Lage doch gar nicht sein...

Und klar, am Ende ist es einfach nur eine Motivationsfrage. Also Hofmann hat halt richtig Bock, er musste aber auch nicht international spielen... Das ist auch einfach was anderes, wenn man nur 28 Spiele in den Beinen hat, und nicht auf 45 Einsätze kommt. Er hat also schon einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil und den hat er bisher auch genutzt. 

Am Ende sind wir da auch wieder bei dem eigentlichen Grundproblem: Alle jammern über den zu vollen Terminkalender... aber mit den Einschränkungen müssen am Ende die Nationalmannschaften leben, weil man sich da die Meter als Erstes spart. Was ja auch nachvollziehbar ist. Also Gareth Bale hat ja gerade darauf hingewiesen, wie wahnsinnig der anstehende Spielplan für seinen Kollegen Kevin de Bruyne ist, weil er 79 Spiele für ihn prognostiziert. Klar, für die deutschen Nationalspieler werden ein paar Spiele weniger anstehen, weil man ja frühzeitig ausscheiden wird weil es ja nur einen Pokalwettbewerb gibt... Aber hier ist halt das Problem: Die Trainer (wie Jürgen Klopp) jammern regelmäßig darüber, aber sie schicken trotzdem ihre A-Elf zur Klub-WM, obwohl sie es da einfach mal in der Hand gehabt hätten. Und dann erwarten sie, dass die Stars bei der Nationalmannschaft geschont werden.

Und natürlich wird in den englischen Pokalwettbewerben viel geschont. Auch unumstrittene Stammspieler bei Manchester City kommen in der Premiere League "nur" auf 30 von 38 Einsätzen. Aber am Ende ist es schon problematisch, dass man mit dieser "Wir müssen weniger spielen" nur bei den Länderspielpausen um die Ecke kommt. Dieses Problem besteht aber hauptsächlich, weil die Vereine auch während der Pandemie auf möglichst wenig verzichten wollten. Man kann aber einfach nicht erwarten, dass nur die anderen verzichten und dann davon ausgehen, dass sich Dinge ändern werden.

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Haben die ein anderes Spiel gesehen als ich?

Oder: Es ist absurd, wie viel Kredit ein Jogi Löw immer noch hat.

Es ist halt immer eine Frage, worauf man achtet. Und ja, ich fand es schon faszinierend, wie positiv ein Thomas Hitzlsperger direkt nach Abpfiff das Geschehen auf dem Platz bewertete. Und die kritische Nachfrage, ob man die Veränderungen nicht schon vor 3 Monaten hätte bringen müssen, komplett ignorierte. Stattdessen sprechen alle trotz des drohenden Abstieges von einem Schritt in die Richtige Richtung. Und vor allem von einen Super Spiel, welches die Deutschen gemacht haben.

Da frage ich mich ehrlich: Haben die ein anderes Spiel gesehen als ich? War das Spiel gegen die Niederlande (wie auch der WM Auftritt) so schlecht, dass man sich jetzt an den einfachen Grundlagen aufgeilen kann? Das war ja schon im Hinspiel so, als alle stolz erwähnt haben, dass man ja defensiv super gestanden hat... in einem Heimspiel... Als Deutschland. Jetzt kommt ein "In Frankreich kann man ja mal verlieren." Der Adi würde sich im Grab umdrehen, wenn er nicht verbrannt worden wäre...

Und natürlich kann man mal in Frankreich oder beim Weltmeister verlieren. Aber diese Niederlage sollte man nicht als "Fortschritt" feiern. Und vor allem dass man das am Gegner festmacht. Weil der ja vorher so erfolgreich war... Seit wann ist unsere Nationalmannschaft so schlecht, dass wir die Beurteilungen von Ergebnissen am Gegner festmachen? Sind wir wirklich so tief gesunken?

Wäre dann auf ein Mal selbst Gibraltar Favorit? Klingt absurd... aber Gibraltar hat seine letzten beiden Pflichtspiele gewonnen, während Deutschland seit 4 Pflichtspielen sieglos ist. Und im Kalenderjahr 2018 mehr Pflichtspiele verloren hat als Gibraltar. Und ja, das ist die Realität, in der wir leben. Trotzdem wird der Trainer, der das zu verantworten hat, mit Samthandschuhen angefasst.

Genau genommen hatte Jogi Löw nach der WM eine Aufgabe: Ein Offensivsystem für das (vielleicht zu ähnlich veranlagte) Offensivtrio Leroy Sane, Marco Reus und Timo Werner zu finden. Denn das dürften die 3 besten Offensivspieler dieses Landes sein. Und jetzt, nach 3 1/2 Monaten und einer heftigen Pleite gegen Holland, ist es Löw tatsächlich auch aufgefallen... und er ersetzt den verletzten Reus durch Serge Gnabry, beginnt tatsächlich damit, das System für die Zukunft zu entwickeln. Mit dem man (und Löw redet ja gerne von 2 Jahres Zyklen) bei der EM 2020 antreten kann.

Warum er das nicht schon im Hinspiel versucht hat. Oder in Amsterdam... aber da musste jeweils doch wieder Thomas Müller starten. Der irgendwie von der kritischen Analyse ausgenommen war, obwohl er still und heimlich sein letztes gutes Länderspiel vor 4 Jahren absolviert hat. Und ja, ich war echt überrascht, dass Kicker.de die Generalabrechnung von Christophe Dugarry zwischenzeitlich ganz oben auf seiner Homepage hatte. Aber macht euch keine Sorgen, mittlerweile muss man nach solchen Meinungen wieder suchen. Die werden wieder gut versteckt. Und jegliches "Das kommt eigentlich zu spät!" wird bei den eigenen Kommentaren ebenfalls ausgeblendet. Stattdessen freuen sich alle, dass Löw jetzt endlich das macht, was er eigentlich schon längst hätte machen müssen.

Genau genommen gibt es nach diesem Spiel nur eine Frage, die gestellt werden muss. Warum hat das so lange gedauert?

Dabei geht es noch nicht mal um den Abstieg in der irrelevanten Nations League. Da hieß es nach dem Hollandspiel schließlich noch: Den könnte man verkraften, wenn man dabei wenigstens auf junges Personal setzt. Es geht genau genommen darum, dass Jogi Löw den Sané komplett blockiert hat.
Also anders ist sein bemühter, aber an viel zu vielen Stellen, glückloser Auftritt nicht zu erklären: Sané denkt auf dem Platz mehr nach, als er eigentlich muss. Deswegen legt er auf ein Mal einen Ball quer, den er selber abschließen muss. Und das könnte durchaus auch daran liegen, dass er keine Ahnung hat, wie er Löw jetzt zufrieden stellen kann.

Und es gab erstaunlich viele Sané Situationen, in denen ich dachte "Jetzt handelt der nicht instinktiv, sondern denkt halt nach..." Aber dass das an Löw liegen könnte...
Mich erinnert das spontan an die Personalie Mario Götze bei der Weltmeisterschaft 2014: Der wurde als eigentlich 2. Bester Offensivspieler im letzten Gruppenspiel für einen gewissen Lukas Podolski aus der Mannschaft genommen und spielte danach dann im Achtelfinale gegen Algerien ohne jegliches Selbstvertrauen. Aber wo soll das Selbstvertrauen auch herkommen, wenn man keine Ahnung hat, wie man seinen Vorgesetzten zufrieden stellen kann?
Und ja, wenn du als bester Feldspieler des Ghana Spieles beim nächsten Mal 76 Minuten lang auf der Bank sitzt, beschäftigt dich das als Spieler. Genau so wie es dich als Sané beschäftigt, wenn du nicht an einem Spieler vorbeikommst, obwohl du eigentlich glaubst besser zu sein als dieser. Und mit diesem Glauben nicht mal alleine dastehst, aber dein direkter Vorgesetzter das halt anders sieht...

Also nur mal so als Gedankenexperiment: Stellen wir uns vor ein menschlich unbeliebterer Trainer, nennen wir ihn Thomas Tuchel hätte solche Probleme einen Sané ins Team zu integrieren. Dann würde die ganze Zeit darauf hingewiesen werden, dass ein Trainer einem solchen Ausnahmetalent das Vertrauen geben muss. Stellt euch mal vor, was sich ein Tuchel alles anhören müsste, wenn so ein Spieler unter ihm immer wieder solch dürftige Leistungen abliefert...
Man kann sich einfach nur mal das Verhältnis von Louis van Gaal und Franck Ribery angucken. Damals hieß es auch nie "Ribery muss sich an die Taktik des nachgewiesenen Erfolgstrainers anpassen". Sondern da ging es dann nur darum, wie schwierig van Gaal ist... Obwohl faktisch gesehen beide Charaktere eher schwierig sind.

Genau so ist es jetzt bei Sané und Löw. Nur dass da bisher die Schuld immer und ausschließlich beim Spieler gesucht worden ist. Aber genau genommen ist es auch für den Trainer eine Armutszeugnis, dass die Länderspielbilanz dieses Ausnahmetalents so grausam aussieht. Und wir reden hier vom besten Nachwuchsspieler der Premiere League. Es ist also nicht so, dass ich behaupte, dass der Junge gut ist (dafür sehe ich zu wenig Premiere League), sondern dass die Wahlberechtigten vor Ort sagen, dass der verdammt gut ist.
Und als Nationaltrainer ist es halt deine Aufgabe solche Leute in deine Mannschaft einzubauen.


Der nächste Punkt, der mich ja grundlegend stört, ist ja dieses "Wir haben ein gutes Spiel gemacht.", was dieses Mal wirklich alle angestimmt haben, außer Mats Hummels... Haben "wir" das?
Also genau genommen ging man durch einen fragwürdigen Handelfmeter in Führung. Und da ist es mir auch egal, ob der Kicker online schreibt, dass der "regelkonform" war. Wenn so ein Elfmeter gegen Deutschland gepfiffen wird, werden dieselben Regeln anders interpretiert. Und ja, man kann den geben, man muss aber nicht. Das ist halt die ewige Diskussion mit dem Handspiel, bei der ja immer darauf hingewiesen wird, dass niemand genau weiß, was ein Handspiel ist und was nicht... es sei denn es geht um Deutschland, dann ist es klar definiert.
Abgesehen von dem Elfmeter hatte man 2 wirklich gute "Das muss ein Tor sein" Chancen: Ein mal hält Hugo Lloris gegen Matthias Ginter stark. Und dann die oben schon beschriebene "Sané zaudert zu sehr und trifft mal wieder die falsche Entscheidung" Szene.
Und an sonsten hat Frankreich einen halt spielen lassen. Wie Frankreich das halt macht. Also selbst Dänemark, Peru und Australien haben sie phasenweise spielen lassen. Das ist quasi deren Konzept.
Jetzt wird hinterher so getan, als hätte man zahlreiche Großchancen zum 0:2 gehabt. Aber hätte Lloris dann nicht eine bessere Note als eine 2,5 kriegen müssen? Irgendwer müsste diese Großchancen ja vereitelt haben...
Und ja, Deutschland war in der ersten Halbzeit besser. Aber an der Stelle kommen wir zum ganz großen Problem: Als Frankreich dann beschloss mal ne Weile am Spiel teilzunehmen, kam von Deutschland Offensiv nichts mehr. Die letzte gezählte Torchance kam aus der 55. Minute. In der 2. Halbzeit lassen sich die Offensivbemühungen mit einem "Sie haben sich bemüht" zusammenfassen. Und das ist halt nicht gut genug. Zumindest wenn man die Klasse halten will.

Deswegen ist es praktisch gesehen auch völlig unerheblich, ob man wegen eines unberechtigten Elfmeters verloren hat. Denn in der Nations League Tabelle würde einem ein 1:1 auch nicht wirklich weiter helfen. Und ab der 60. Minute, also dem Moment des Ausgleichs, war Deutschland nie wieder auch nur annähernd in der Position ein Tor zu erzielen. Also nicht mal einen Lucky Punch, der Fußballspiele komplett auf den Kopf stellt, zu landen. Da kam nichts mehr.
Und das, obwohl man für die Tabelle das Spiel eigentlich gewinnen musste. Stattdessen schlendert Leroy Sané bei seiner Auswechslung ganz entspannt in Richtung Seitenlinie.
Ernsthaft, mein Highlight des Spiels war, wie Gerd Gottlob versuchte Kylian Mbappé anzutreiben... Mit einem "Der soll sich jetzt bitte nicht so viel Zeit lassen wie Sané..." Ähm... im Gegensatz zu Sané war Mbappé in der Position sich das zu leisten...

Wenn Deutschland, sich der Tabellensituation bewusst seiend, nach dem 1:1 engagiert nach vorne gespielt hätte. Stattdessen war die Luft komplett raus... und man ging in die Schlussphase mit einem "hey, vielleicht reicht es ja für ein Unentschieden"... Großartige Leistung!
Und ja, 55 Minuten lang haben wir das gute Spiel der Deutschen, dass alle gesehen haben wollen, auch bekommen. Aber ein Spiel dauert minimal länger als 55 Minuten.

Aber was will man erwarten, wenn der Trainer hinterher unwidersprochen bekannt gibt, dass man ja den Klassenerhalt noch aus eigener Kraft schaffen kann. Ähm... kann mal jemand den Löw mit einen Grundkurs in Mathematik ausrüsten? Also nur so zum Nachrechnen: Wenn die Niederlande gegen Frankreich gewinnt, kann selbst ein Einmarschbefehl mit Schliefenplan den Abstieg nicht mehr verhindern. "Aus eigener Kraft" bedeutet eigentlich, dass man nicht von den Ergebnissen der Konkurrenz abhängig ist.

Um mal einen Satz für die Aluhut Freunde rauszuhauen: Wir erreichen jetzt den Punkt in der Nations League, wo sich die Nationen, die eigentlich um den EM Titel spielen wollen (also Frankreich halt) fragen könnten, wie sie eigentlich der Endrunde aus dem Weg gehen können... um sich die Zusatzbelastung zu ersparen... also die Spanier haben das ja in ihrem Heimspiel gegen England sehr gut vor gemacht...
Natürlich wird das hinterher keiner zugeben, aber von den ganz großen Nationen hat doch nur Italien so richtig Bock auf die Nations League Endrunde... weil die halt sonst nichts austragen dürfen und mal dringend ein Turnier brauchen. Alle anderen ist es doch egal, wer diese Liga gewinnt. Allein schon deswegen ist ein Sieg der Niederlande gegen Frankreich wahrscheinlicher als viele glauben wollen.
Man hat sich also ganz entspannt in die Position manövriert, dass man vorm Fernseher sitzend definitiv absteigen kann. Großartige Leistung.

Wenn man kritisch über Löw berichten wollen würde, könnte dabei rauskommen, dass Löw bei seiner tiefgreifenden und kritischen Analyse zu dem Schluss kam, dass Thomas Müller auch im Jahr 2018 noch wichtiger ist als ein Leroy Sané. Und wir wissen jetzt alle, das dies ein kritischer Trugschluss war. Damit hat Löw bei seiner eigenen Analyse genau so versagt, wie bei der Weltmeisterschaft im Sommer. Und dann muss als nächstes die Frage erlaubt sein, wie viele kritische Fehlschläge ein Löw sich noch leisten darf oder ob 2 nicht reichen um entlassen zu werden...

Aber stattdessen haben wir uns daran gewöhnt, dass Selbstverständliche und Offensichtliche zu feiern.

Montag, 15. Oktober 2018

Zweite Liga, Deutschland ist dabei!

Oder: Weil das Vorrunden-Aus so eine Erfolgsgeschichte war, jetzt die Fortsetzung.

Es ist faszinierend, wie der ehemals so großartige Jogi Löw jetzt einen Negativrekord nach dem anderen bricht. Heute als neues Special Feature: 3 Pflichtspiele in Folge ohne eigenen Treffer. Das gab es noch nie. Mit 5 Niederlagen im Kalenderjahr 2018 hat er den alten Rekord zumindest eingestellt. Jetzt gilt es noch gegen Frankreich zu versagen, dann hat er auch Erich Ribbecks Rekord mit 4 Pflichtspielen ohne Sieg eingestellt. Ja, wir sind wieder auf dem "Das werden wir unseren Kindern erklären müssen" Niveau angekommen. Nur, dass wir das dieses Mal mit guten Fußballern hinbekommen, was eine absolute Meisterleistung ist.

Ich gehe ja davon aus, dass Löw sich am Mittwoch mit einer absurden Pressekonferenz verabschiedet. Also er wird nicht zurücktreten, nein. Er wird bekannt geben, dass die SPD gerade jemanden sucht, der für sie eine monatelange Analyse der negativen Entwicklung liefern kann, bei der aber nichts rauskommen darf. Und da sei er ja der perfekte Mann für. Also wird er befördert. Falls man einen Posten bei der SPD noch als Beförderung ansehen kann...

Das absurdeste ist ja, das Löw angeblich bei seinen Aufstellungen "unberechenbar" bleibt. Ähm... der Mann hat es geschafft im 2. Pflichtspiel nach dem Südkorea Debakel 6 Akteure aus diesem Spiel wieder aufzubieten. Oder nach einem angekündigten großen Umbruch 6 Weltmeister von 2014 in die erste Elf zu stellen. Nach einer großen Fehleranalyse, die alles verändern sollte. Genau genommen lautete diese allerdings: Sami Khedira ist Schuld, den laden wir deswegen nicht mehr ein. Der Rest kann so weiter machen...

Gerade der Fakt, dass ein offensichtlich angeschlagener Jerome Boateng mit 25% Zweikampfquote durchspielen durfte, während ein Niklas Süle auf der Bank saß... das grenzt schon an Sabotage. Der letzte, der derart intensiv, aber erfolglos, an seinem Rausschmiss gearbeitet hat, war Horst Seehofer...

Vor allem hätte man wirklich ein Mal von den Fehlern der anderen lernen können. Also dem Gegner vom Samstag. Die Niederländer haben ja bereits die Qualifikation zur EM 2016 elegant verkackt. Auch wenn das eigentlich, dank der Erweiterung des Teilnehmerfeldes, unmöglich sein sollte. Die erste Lektion aus diesem Debakel: Wenn es ein Mal nicht geklappt hat, versuche es nochmal. Also bis März mit Wesley Sneijder und bis zum bitteren Ende mit Arjen Robben. Wenn der denn gerade mal fit war. Und einem Robin van Persie, weil das damals so schön war. Also statt des dringend nötigen Umbruch setzte man auf ein letztes großes Hurra der Helden des WM Finales von Boah ist das lange her. Und verpasste somit in logischer Konsequenz auch die WM.

Jetzt ist man nicht zwingend besser als vorher. Ryan Babel spielt zum Beispiel immer noch mit, was kein gutes Zeichen sein kann. Aber man hat halt mehr U21 Spieler als Ü30 Spieler. Der lange verschobene Umbruch ist endlich unterwegs und bringt dann tatsächlich auch seine ersten Achtungserfolge... Und das als Holland, also die Nation, die im Sommer 2017 nicht U21 Europameister geworden ist...

Erinnert ihr euch noch an den Sommer 2017? Als Deutschland alles gewonnen hat? Und als man sich fragte: Wer soll die eigentlich aufhalten, wenn Löw es schafft die U21 Europameister und die Confed Cup Sieger mit dem Weltmeistern zu verbinden. Aber genau da hat Löw halt versagt. Und er hat auch im Herbst 2018 noch keinen Plan, wie er Leroy Sane und Timo Werner konstruktiv in eine Offensive einbauen kann. Oder, was bei den beiden vielleicht sinnvoller wäre, eine Offensive um die beiden herum aufzubauen. Stattdessen sitzt Sane immer noch auf der Bank und Thomas Müller, dessen letztes relevantes und gutes Länderspiel 3 Jahre her ist, steht weiterhin in der Startformation, obwohl der Mann nicht mal mehr in den Kader gehört. Zur allgemeinen Überraschung ändert sich dadurch nichts...

Wobei, gewisse Fortschritte hat es ja gegeben... also der Mats Hummels Kopfball, der gegen Südkora noch über das Tor ging, wurde dieses Mal von einem Feldspieler vor der Linie geklärt. Wenn das so weiter geht, zwingt Hummels noch in diesen Jahr einen Torwart zu einer Parade! Da ist es doch auch verständlich, dass Hummels eine Entwicklung in die Richtige Richtung sieht und davon ausgeht, dass "Die Spielanlage stimmt"...

Praktisch gesehen steht die Deutsche Nationalmannschaft in der Nations League vor denselben Problemen wie bei der WM. Es gibt da keine Fortschritte zu erkennen. Es fehlt immer noch ein brauchbarer Mittelstürmer. Jetzt eher noch mehr als vorher. Und dieses Problem wird weder in der Analyse offen angesprochen, noch gibt es einen Plan, wie es behoben werden soll. Es gibt nur die Hoffnung, dass mal wieder einer reinrutscht. Guter Plan. 

Montag, 10. September 2018

Die Nations League ist die beste Entscheidung der UEFA seit...

Der Erweiterung des Teilnehmerfeldes der Europameisterschaft auf 16 Mannschaften? Könnte hinkommen. Das war zumindest die letzte sinnvolle Neuerung für die Nationalmannschaften... was irgendwann 1992 gewesen sein dürfte... Das ist verdammt lang her... und ja, 16 Teilnehmer war die perfekte Anzahl für eine EM... aber Details, jetzt haben wir ja die Nations League. Und die ist genau genommen (solange man sie auf die Kontinente beschränkt...) eine grandiose Idee.

Ganz nebenbei auch für die großen Nationen in Gruppe A. Für die ändert sich ja faktisch auch nichts, außer dass ihre Freundschaftsspiele ein wenig seriöser gestaltet werden. Was einer der großen Vorwürfe der Fans an der Mannschaft war: Die Testspiele konnte man sich quasi nicht antun, hat aber volle Eintrittspreise für diese Spiele bezahlt.

Das faszinierende ist ja: Abgesehen von den Testspielen vor der WM um sich auf spezifische Gruppengegner vorzubereiten und dem alle 2 Jahre stattfindenden Testspiel mit einer B-Mannschaft gegen Dänemark bestehen die Deutschen Testspielgegner eh aus den Teams in dem Topf der A Mannschaften. Jetzt muss man die Spiele halt so ernst nehmen, damit man 2. wird um nicht am Abstiegs- oder Titelkampf, der einen Jogi Löw nicht wirklich interessieren sollte, reinzurutschen. Dann kann man die Playoff-Termine nämlich für Fotoshootings verwenden... oder um zu trainieren.
Und ja, ich prophezeie einen letzten Spieltag gegen die Niederlande, in denen Deutschland krampfhaft versucht unentschieden zu spielen, weil man so garantiert 2. wird. Was aber immer noch unterhaltsam ist, weil Holland alles versucht um nicht abzusteigen...

Der Modus ist dabei natürlich unnötig kompliziert. Keiner versteht ihn so richtig. Irgendwie ging ich ja auch davon aus, dass es Play-Offs um Auf- und Abstieg geben wird, aber anscheinend stehe ich damit alleine da. Für mich wäre es schon sinnvoll, wenn die besten aus dem jeweils niedrigen Topf gegen die schlechtesten aus dem höheren Topf ihre Eignung nachweisen müssen. Auch wenn es bedeutet, dass die Gruppe A eine geschlossene Gesellschaft bleiben dürfte.

Aber genau darum geht es ja bei dieser Veranstaltung eventuell gar nicht. Auch wenn das Geld natürlich aus diesem Topf kommt. Dieser Wettbewerb bringt den kleinen Nationen etwas, was es für sie vorher nie gegeben hat: Eine Gelegenheit sich untereinander zu messen. Was schon am ersten Spieltag großen Emotionen bei den kleinen Nationen auslösen kann. Und ja, das Traumtor von Giorgi Chakvetadze hätte keine Sau interessiert, wenn es in einem belanglosen Freundschaftsspiel zwischen Kasachstan und Georgien erzielt worden wäre... so schafft es das Ding immerhin auf Twitter...

Und ja, für uns ist es vollkommen irrelevant, ob sich Weißrussland in der Gruppe mit San Marino, Luxemburg und Moldawien durchsetzt oder nicht. Aber für diese Mannschaften ist es halt mal wirklich ein Wettbewerb, in dem man messbare Erfolge und Entwicklungen erreichen kann.

Wir reden hier halt von den Nationen, die sonst das Ziel haben gegen ein Deutschland, welches sie nicht wirklich ernst nimmt, nur 6 und nicht 10 Gegentore zu kassieren. Oder in der Qualifikationsgruppe Vorletzter zu werden. Im Wesentlichen hofft auf das Losglück, welches einen vielleicht mal die Chance auf einen Pflichtspiel Sieg bringt... Die sich an derartigen "Glücksgefühlen" aufrichten müssen. Die aber halt auch ein Teil der UEFA sind.

Und diese Nationen spielen jetzt in der Nations League unter Wettbewerbsbedingungen gegeneinander.
Wenn man es dann als Weißrussland schafft, diese Hürde hinter sich zu lassen und nachzuweisen, dass man besser als seine Gegner ist, darf man sich das nächste mal mit besserer Konkurrenz messen um dort dann herauszufinden, wie viel besser man wirklich ist. So kann dann theoretisch Weißrussland in seinem eigenen Tempo Stück für Stück seine Entwicklung im Fußball nachvollziehen und mal wirklich feststellen wo sie im Europäischen Ranking wirklich stehen.

All dies ohne dass sich für Deutschland irgendwas ändert... zumindest nicht, solange man die Testspiele halbwegs ernst nimmt.

Aber um diese Bedeutung für die restlichen Nationen, die bei einer Europameisterschaft quasi nie eine Rolle spielen, nachzuvollziehen, muss man sich halt mal davon lösen, dass es immer nur um die 10 größten Nationen geht.

Das einzige, was man halt wirklich dringend braucht, ist eine vernünftige Auf- und Abstiegs Regelung. Damit man als England nicht plötzlich absteigt, weil man mit Spanien und Kroatien in einer Gruppe gelandet ist. Und ganz perfekt wird das nie zu lösen sein. Aber das fairste dürfte halt ein "in der Woche des Finalturniers in Italien (oder wo auch immer) spielt jeweils ein erster der Gruppe B gegen einen letzten der Gruppe A in Hin- und Rückspiel den Aufsteiger aus... und ja, das bedeutet, ich bin auf ein Mal für eine Relegation... Ich weiß...