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Donnerstag, 7. Mai 2026

Und dann verteidigt Paris das ganz souverän runter

 Das dürfte niemand auf seinem Champions League Bingo gehabt haben: ein relativ langweiliges 1:0 nach 90 Minuten. Und dann noch ein Geniestreich von Harry Kane

Im Wesentlichen liefen die Bayern 90 Minuten lang einem 2-Tore-Rückstand hinterher. Und dann fiel ihnen viel zu wenig ein... dabei haben sie in den letzten 2 Wochen doch ausgiebig trainiert, wie man das macht. 
Und ja, wenn man die absurden Rückstände gegen Mainz und Heidenheim in diesem Kontext sieht, ergibt es auf einmal verdammt viel Sinn... die wollten sich einfach bestmöglich auf dieses Szenario in der Champions League vorbereiten. Die Bundesliga ist halt mittlerweile nur noch ein Trainingsplatz für den Rekordmeister...

Viel wichtiger ist natürlich, dass wir jetzt eine neue Auslegung der Handspielregel kennengelernt haben. Denn das ein Verteidiger seinen eigenen Mitspieler derart anschießt, war eigentlich nicht vorhersehbar. Und dass es dann keinen Elfmeter gibt, wusste anscheinend nicht mal Manuel Gräfe. Obwohl er formell gesehen nur behauptet, dass Joao Neves die Hand absichtlich dort hingehalten hat. Weil er ja verhindern wollte, dass der Ball geklärt wird... oder so.

Nebenbei könnt ihr jetzt tatsächlich seriösen Journalismus vom Clickbait unterscheiden. Hier muss man wirklich mal lobend Kicker.de erwähnen, die noch während des Spiels die Erklärung "druckten", warum es eben keinen Elfmeter gab. Andere verbreiten dagegen die auch noch gekürzte Aussage vom Gräfe, weil sie genau wissen, dass sie damit die getriggerten Kommentatoren anziehen... und nur darum geht es am Ende. Ich hacke ja viel und häufig auf dem Kicker rum, aber hier zeigte sich, dass sie halt doch nicht die Schlimmsten sind...

Man muss natürlich festhalten, dass die 2 Szenen in der 30. Minute sehr unglücklich für die Bayern waren. Aber ich nehme jetzt beim Handspiel mal die Gegenposition ein und hoffe an der Stelle mal, dass die IFAB da jetzt nicht einknickt. 
Für mich ist bei einer Regel ja immer wichtig, dass sie eindeutig und konstant umsetzbar ist. Das ist hier gegeben. Man könnte natürlich jetzt das Konzept auch auf den Kopf stellen und festlegen, dass das Spiel immer unterbrochen werden muss, wenn man die Hand eines Mitspielers anschießt. 
Aber wir haben jetzt auch den einen Moment abgegriffen, in dem das plötzlich relevant ist. Denn das man seinen eine Meidbewegung machenden Mitspieler im Strafraum an der Hand trifft, passiert halt höchstens ein Mal im Jahr. Eher noch seltener. 

Die Szene von Konrad Laimer ist verdammt schwer einzuordnen, weil es direkt danach halt noch den "Handelfmeter" gab. Es war halt so hektisch, dass man die entscheidende Wiederholung nicht zu sehen bekommt. Aber es könnte schon sein, dass Laimer minimal die Hand zur Hilfe nimmt, um den Ball zu kontrollieren. Ich sag das mal so: Wenn ein Pariser Angriff mit so einem Pfiff gestoppt wird, sind die Bayern Fans froh, dass der aufmerksame Schiedsrichter dies wahrgenommen hat...

Aber ich gebe den Bayern Fans, dass das sehr unglücklich lief. Also ich kann voll nachvollziehen, dass sich die Bayern Fans die nächsten 12 Monate darüber aufregen werden. Das waren schon schwer nachvollziehbare Entscheidungen.

An der Stelle muss man mal festhalten, dass es genau genommen nur einen einzigen Grund gab, warum das Spiel nur 1:1 ausging und kein Fußballfest wurde: Manuel Neuer entschied sich doch, an diesem Halbfinale teilzunehmen. Der entscheidende Kontext hier: Die ersten 6 Torschüsse, die Paris im Halbfinale abgab, waren allesamt drin. Danach zeigte Neuer dann plötzlich 4 gute bis sehr gute Paraden.

Das ist nebenbei das echt sonderbare am 40-jährigen Neuer: Hin und wieder kommt er noch an die alte überragende Form ran. Als Paradebeispiel sei hier das Hinspiel gegen Real Madrid genannt. Aber dann hat er, wie im Rückspiel des Viertelfinales, unterirdische Auftritte dabei. Und dazwischen ist er ganz häufig einfach nur ein menschlicher Torhüter.

Und versteht mich nicht falsch: Keiner der 6 Gegentreffer im Halbfinale waren "ein Torwartfehler". Aber Manuel Neuer von 2014 hätte trotzdem mindestens 2 dieser Tore verhindert. Eher 3. Neuer war halt der eine Torwart, der "unhaltbare Bälle abwehren" normal aussehen ließ. Jetzt haben sie "nur noch" einen guten Torhüter.

Was praktisch schlecht ist, denn in den letzten Wochen dürfte es deutlich geworden sein, dass Vincent Kompany einen überragenden Torhüter braucht, um seine Spielphilosophie auf höchstem Niveau umzusetzen. In der Bundesliga fällt das meistens nicht auf. Aber schon gegen Real kassierte man 4 Gegentore. Selbst gegen Atalanta Bergamo waren es 2. Genaugenommen stand die Null nur gegen Union Saint-Gilloise und Club Brügge. Insgesamt gab es 20 Gegentore in 14 Spielen. 

Und nur um festzuhalten, dass das kein Champions League Problem ist, sondern halt "nur" in der Champions League am Ende auffällt: Mainz hat in 2 Spielen 5 Tore gegen die Bayern erzielt... der SC Freiburg und Augsburg sind bei je 4. Selbst die eigentlich immer in Ehrfurcht erstarrenden Dortmunder kommen auf 3...
Kurzer Einschub: Da bin ich unsachlich und gemein. Die Dortmunder schießen allgemein überraschend viele Tore gegen die Bayern. Letztes Jahr waren es auch 3. Und in dem einen Jahr, wo sie wirklich nur 2 Tore erzielt haben, konnten sie mit diesen 2 Toren das Spiel sogar gewinnen. Und ganz ohne eigenen Treffer blieben sie zuletzt 2019/20... 

Aber dass die Bayern zu viele Gegentore kassieren, wurde viel zu lange einfach nur ignoriert, weil sich alle an der beeindruckenden  Offensivreihe berauscht haben. Aber am Ende spielt da immer noch ein Joshua Kimmich im Defensiven Mittelfeld... Und ein Upamecano, Tah, Laimer und Stanisic in der Viererkette. Das sind auch gute Spieler, keine Frage. Aber sie sind halt eine Klasse unter Kane, Musiala, Olise und Luis Diaz. Oder halt doch schlechter, als das, was Paris oder Arsenal auf diesen Positionen aufstellt. 

Ich habe mich davon ja selber auch blenden lassen, aber am Ende ist nur Bayerns Offensive wirklich auf dem Niveau eines Titelanwärters. Jetzt ist es natürlich spannend, ob die Bayern da im Sommer doch was machen.

Denn was die Bayern am Ende brauchen, ist ein Javi Martínez. Also ein defensiver Mittelfeldspieler, der wirklich defensiv denkt. Das eigentliche Problem an der Stelle ist aber: Man sucht damit de facto einen Nachfolger für Joshua Kimmich. Zumindest wenn man, wie ich, einem Aleksandar Pavlović zutraut, dass er für Jahre eine zentrale Rolle bei den Bayern übernehmen kann.

Kimmich hatte ja meiner Meinung immer das Problem, dass für ihn als Zentrumsspieler auf allerhöchstem Niveau die Luft dünn wird. Er schafft es nicht, in diesen Spielen als defensiver Stabilisator aufzutreten. Aber das Problem taucht halt nur in 5 Spielen im Jahr wirklich auf. Gegen Real, Paris und Arsenal London. In diesen 5 Spielen hat man aber 13 Gegentore kassiert... Das ist mehr als die Hälfte der gesamten Gegentore im Wettbewerb.

Ich finde es an der Stelle faszinierend, dass Kimmich laut Kicker Noten sowohl gegen Real als auch gegen Paris "gut bis ordentlich" gespielt haben soll. Und mit dem Ball hat er das auch. Aber als defensiver Stabilisator, was ja als Kapitän und defensiver Mittelfeldspieler auch sein Aufgabengebiet ist, hat er nicht funktioniert. Also um es drastisch auszudrücken: Kimmich musste hinterher am Mikrofon erklären, wie man 6 Gegentore in 2 Spielen kassieren konnte... aber auf die Idee, dass er selbst irgendwas mit diesen 6 Gegentoren zu tun haben könnte, kam niemand...

Und ja, in dem einen Jahr, in dem Kimmich die Champions League gewonnen hat, musste er als Rechtsverteidiger auflaufen. Nächstes Jahr werde ich das wieder auf dem Schirm haben. 

Donnerstag, 6. November 2025

Damn, die Bayern sind gut

 Also wirklich gut. So richtig. Auch im europäischen Spitzenspiel setzen sie sich durch.

Und das noch nicht mal unverdient. In der ersten Halbzeit war man die deutlich bessere Mannschaft. In Halbzeit 2 verteidigte man in Unterzahl gegen eine der besten Offensivabteilungen der Welt recht souverän den Vorsprung. Ich muss offen zugeben: Ich bin beeindruckt.

Ich gehe sogar noch weiter: Die Bayern gehören jetzt tatsächlich zu den Topfavoriten auf den Titel. Denn die haben ja einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil: Vom 21.12. bis 11.1. haben sie frei. Auch wenn die Winterpause mittlerweile ganz schön geschrumpft ist, gibt es sie noch. 

Also um das kurz mit der Konkurrenz zu vergleichen: Manchester City spielt in diesem Zeitraum 4-malBarcelona immerhin einmal. Aber die dürfen am 20.12. nach Miami fliegen, um dort ein Ligaspiel auszutragenParis St. Germain fliegt nochmal nach Doha, um den Interkontinental Pokal zu gewinnen. Das ist unheimlich wichtig. Und irgendwann muss auch noch deren Supercup ausgetragen werden. Auch wenn der laut Kicker.de abgesagt wurde. Inter Mailand hat 3 Ligaspiele im Kalender

Vielleicht werden auch die Bayern in den Nahen Osten fliegen, um dort Sportswashing zu betreiben. Aber wenn sie das tun, sie werden dort ein Trainingslager abhalten und keine Pflichtspiele bestreiten. Und sie können die Zeit über die Feiertage wirklich zum Regenerieren und Abschalten nutzen.

Gerade wenn man bedenkt, dass die wirkliche Konkurrenz, abgesehen von Arsenal London und Barcelona, im Sommer ebenfalls durch die Knochenmühle Klub-WM gegangen sind, ist das ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil. Arsenal bricht ja über genau die Feiertage, an denen Bayern Urlaub hat, gerne mal ein. Aber die sind fast genauso gut gestartet, die die Bayern, haben 6 Punkte Vorsprung auf Manchester City und eine weiße Weste in der Champions League. Was ist denn da passiert? Und die waren letztes Jahr zum ersten Mal seit 2009 im Halbfinale... Damals hieß das Trainerduell noch Arsène Wenger gegen Alex Ferguson... Ist Arsenal plötzlich auch wieder richtig gut?

Wir werden es nach der Länderspielpause erfahren, wenn die beiden besten Mannschaften der Gruppenphase aufeinander treffen. Und wenn mir vorher irgendjemand erzählt hätte, dass Arsenal gegen Bayern das Duell Zweiter gegen Erster sein wird, hätte ich den für bekloppt erklärt. Also dass Amerika Donald Trump wiedergewählt hat, ist für mich irgendwie nachvollziehbar, aber DAS... da setzt es bei mir aus. 

Nebenbei beweist es auch wieder, wie schön der neue Modus doch ist. Wir haben 2 Mannschaften, die da oben stehen, weil sie bereits gute Gegner (Chelsea, Paris und Atlético Madrid) teils deutlich geschlagen haben. Und jetzt treffen die im direkten Duell aufeinander, damit wir herausfinden können, wer von den beiden wirklich als Favorit gelten muss. Im alten Modus war das praktisch ausgeschlossen. Selbst wenn Bayern und Arsenal in eine Gruppe gelost worden wären, hätten sie vor dem theoretischen Spitzenspiel am 3. Spieltag nur gegen Außenseiter gespielt.

Arsenal hat nebenbei noch ein Date mit Inter, die ebenfalls mit 4 Siegen gestartet sind, im Kalender stehen. Die könnten dieses Szenario also theoretisch 2 Mal in 3 Spieltagen durchspielen.

Für die Bayern ist aber, wenn man genau hinguckt, dieses Spiel relativ entspannt. Also ja, es zu gewinnen wäre nochmal ein letztes Statement. Aber wenn nicht... Man hat danach nur noch die leichten Gegner im Programm, die man als Bayern halt schlagen muss. Sie sind also so gut wie sicher in der Top 4 der Tabelle, was bedeutet, dass sie zumindest in der Theorie einen leichteren Weg ins Viertelfinale haben sollten. Und dort stellt sich dann die Frage, ob man die Form, die man derzeit hat, konservieren konnte. Es geht "nur" ums Prestige, und nicht so sehr um die Position in der Tabelle. Wenn man gegen Paris verloren hätte, sähe das ganz anders aus.

Ich muss an der Stelle erwähnen, dass ich das Spiel gegen Arsenal echt übersehen habe. Also im Kalender habe ich das gesehen, aber ich habe nicht realisiert, wie gut die derzeit sind. Falls die jetzt einbrechen, bin ich schuld, weil die anscheinend nur überragend abliefern, wenn ich nicht hingucke...

Beim Rest der Tabelle wird das Bild dann so langsam deutlich. Aber auch hier zeigt sich, wie schön der neue Modus doch ist. Praktisches Beispiel: Das 4. Gegentor, dass Borussia Dortmund in der Nachspielzeit kassierte, sorgte dafür, dass man von Platz 12 auf Platz 14 abrutschte. So eng sind die Verhältnisse immer noch. Chelsea und Barcelona verabschiedeten sich mit unnötigen Punktverlusten gegen Qarabağ Ağdam und Club Brügge aus dem Rennen um die Top 8. Also zumindest meiner Meinung nach. Und mindestens einer der beiden definitiv, denn die treffen als Nächstes aufeinander. Und wer sich leichtfertige Punkte gegen die Kleinen leistet, muss dann gegen die Elite alles gewinnen, um der Zwischenrunde aus dem Weg zu gehen.

Natürlich hat Paris St. Germain meine "Wenn man gewinnen will, muss man in die Top 8" These direkt widerlegt. Aber das wird, davon bin ich weiterhin überzeugt, die Ausnahme bleiben. Weder Chelsea noch Barca mussten in diesem Sommer einen Kylian Mbappé Abgang verarbeiten. Und genaugenommen war es unfassbar, wie schnell Paris das am Ende verkraftet hat. Und zumindest Barca dürfte nicht die finanziellen Mittel haben, um im Winter einen Unterschiedspieler wie Khvicha Kvaratskhelia zu registrieren... Chelsea versucht derweil seit Jahren so einen Spieler zu holen, liegt aber meistens daneben...

Am anderen Ende der Tabelle dürfte plötzlich Panik bei Villareal und Juventus ausbrechen. Villareal ist auf den ersten Blick schlecht gestartet, war aber ganz sachlich mit einem Punkt aus den Spielen gegen Tottenham, Juventus und Man City voll im Soll. Sie hatten halt das "Pech", dass ihre 3 schweren Gegner alle am Anfang auf dem Menü standen. Aber jetzt hat man gegen Pafos FC verloren und das tut wirklich weh. Wenn man sich an den 11 Punkten orientiert, die man letztes Jahr brauchte, brauchen die jetzt 3 Siege und ein Unentschieden gegen die restliche Konkurrenz... Und als Nächstes geht es nach Dortmund, das ist jetzt kein einfaches Spiel. 

Juventus steht etwas besser da und hat in der Theorie das leichtere Restprogramm... bis einem auffällt, dass Ende November ein Auswärtsspiel am Polarkreis ansteht. Und das ist keine Metapher, FK Bodø/Glimt liegt nördlich des Polarkreises. HITC Sevens hat dieses Jahr bereits ein Video dazu gemacht, wie unangenehm es ist, dort zwischen Oktober und April zu spielen... Da willst du weder spielen noch gewinnen müssen.

Beide Vereine dienen als wunderbare Beispiele, wie der neue Modus die Intensität und die Bedeutung der Spiele nach oben schraubt. Ich wiederhole mich da, aber es muss immer wieder erwähnt werden: Für die Fans des guten und bedeutungsvollen Fußball war dieser neue Modus das Beste, was passieren konnte. Für die Spieler ist es eine Katastrophe, denn die wollen ja bedeutungslose Spiele mit halber Intensität absolvieren.

Aber dafür ist ja bald wieder Länderspielpause.  

Donnerstag, 24. Juli 2025

Das war besser, als erwartet.

 Also was die Deutsche Mannschaft so abgeliefert hat. Wo ich ja sonst immer der überkritische Zyniker bin, muss ich das auch einfach mal anerkennen. Am besten verdeutlicht man die allgemeine Leistungssteigerung an Franziska Kett: Zu Beginn des Turniers konnte sie sich nicht gegen Sarai Linder durchsetzen. Das ist, wenn man sich daran erinnert, wie leicht die Schwedinnen über die linke Seite durchbrachen, nicht das beste Vorbereitungs-Zeugnis ist. Verletzungen und Sperren spülten sie dann in die Startelf. Das machte sie auch gut, aber gegen Spanien sah es dann doch so aus, als müsste sie Lehrgeld zahlen. Aber sie biss sich regelrecht in die Zweikämpfe und damit auch ins Spiel.

Das sind genau die Geschichten, für die ich solche Turniere liebe. Und Kett wird das persönlich extrem weiterhelfen, dass jetzt alle wissen, dass sie auf diesem Niveau mithalten kann. 

Nebenbei war es doch der Spielverlauf, den ich vorhergesagt habe: Spanien spielte ruhig und dominant, bis die Deutschen irgendwann den entscheidenden Fehler machen, weil sie Kraft doch nachließ. Nur erzielten sie das Tor 50 Minuten später als erwartet. Dass ausgerechnet Ann-Katrin Berger diesen Fehler begeht, ist absurd. Aber eines muss man der Frau lassen: Die hat Eier. Sich direkt danach vor ein Mikro zu stellen und den Fehler anzunehmen, bracht verdammt viel Charakter. Und sie sagt auch direkt, dass es dann egal ist, wie viele Bälle man vorher abgewehrt hat. Beeindruckend.

Und wer jetzt all die deutschen Chancen als Argument gegen meine Prognose nimmt: Cata Coll musste in der 63. Minute ihre erste Parade des laufenden Turniers zeigen. (Ja, die war in der Vorrunde noch krank...) Klara Bühl hatte vorher eine große Chance, schießt aber vorbei. Wenn man Weltklasse sein will, muss man den machen. Der zweite Abschluss in Halbzeit 1 kam aber aus einer Abseitsposition. Was den Kommentator nicht davon abhielt, das auch als Torchance aufzuzählen, um sich die Statistik schönzureden.

Aber ja: Deutschland hätte das Spiel in der Schlussphase gewinnen können. Sie haben eine richtig starke Leistung angeboten. Man hätte aber nur durch einen Lucky Punch gewonnen. Dass dies im Fußball immer möglich ist, macht den Sport so faszinierend. 

Im anderen Halbfinale gewann dann Bayer Leverkusen. Ja, die spielen heimlich mit, tragen aber England-Trikots. Wir reden von der 2024er-Version der Werkself. Wobei selbst die nicht dieses absurde Selbstverständnis haben. Die Engländerinnen wissen, dass sie die deutlich fittere Mannschaft sind. Sie können das Tempo weiterhin hochhalten, wenn die Gegnerinnen deutlich nachlassen. Das wurde gegen Italien noch deutlicher, als bisher. Und sie bringen dann in der 77. Minute mit Chloe Kelly eine frische Unterschiedspielerin. England hat genau deswegen schon 5 Tore ab der 80. Minute erzielt. Nur so als Vergleich: Deutschland oder Italien kommen insgesamt auf 6 Tore.

Haben sie sich dieses Mal wirklich bis zur allerletzten Minute Zeit gelassen? Definitiv. Für mich war aber definitiv eher die Frage, "wann" die treffen, nicht "ob".

Und auch der Elfmeter, über den sich die Italienerinnen so aufregen, obwohl sie ihn in der gegnerischen Hälfte vehement gefordert hätten: Das war primär das Resultat der extremen Müdigkeit, als ein Fehler der Schiedsrichterin. Dass nach dem logischen Fehlschuss 2 Engländerinnen zum Ball stürmen, während die Italiener einfach nicht mehr hinterherkommen, ist auch bezeichnend.

Das führt jetzt zu einer wirklich interessanten Ansetzung. Das sind definitiv die beiden besten Mannschaften des Turniers. Die eine Mannschaft spielt den Gegner mit einer stoischen Ruhe müde. Die andere kämpft den Gegner kaputt. Beide treffen jetzt auf ein Team, gegen den dieser Ansatz logisch nicht funktionieren kann. Die offene Frage ist, ob sich physische oder technische Überlegenheit durchsetzen kann. Ich würde ja den besseren Jokern den Zuschlag geben, aber auch da haben beide Mannschaften starke Optionen.

Aber was diesem Turnier noch fehlt, ist ein Selma Paralluelo Treffer. Die macht in der Schlussphase das entscheidende Tor.

Montag, 24. März 2025

Wie man das freie Zeitfenster geschickt nutzt

 Denn wenn sich die "Ultras" angeblich nicht für die Nations League interessieren, muss man das ja ausnutzen... und eine Gegendemonstration in die Nische bringen.

Da der Herren-Fußball ja so unfassbar dominant in unserem Programm ist, dass er beinah alles platt macht, ist das unfassbar schwierig. Aber der Frauen-Fußball hat diese Chance tatsächlich ergriffen. Sie haben der "Warum spielt dann nicht wenigstens die 2. und 3. Liga" Fraktion eine andere Option gegeben.

Die Antwort auf diese dämliche Frage lautet nebenbei: Weil auch diese Vereine Nationalspieler haben, die sie abstellen müssen. Du willst doch nicht, dass dieses verdammt enge Aufstiegsrennen dadurch entschieden wird, dass ein wichtiger Spieler auf Reisen ist?

Wenn man diesen Leuten dann mit einem "Dann guck doch Frauen-Fußball, die haben richtig interessante Spiele im Kalender" kommt, lachen die einen natürlich aus. Da kann man dann aber elegant mit einem "Die heulen und simulieren dir wahrscheinlich zu wenig..." kontern. Aber dass Ultras eigentlich Frauen-Fußball gucken müssten, weil es dort all das gibt, was sie ständig fordern, belegt ja nur ihre Bigotterie...

Dabei haben die echt richtig gute Spiele in die Lücke platziert. Bayern und Wolfsburg hatten ihre Heimspiele im Champions League Viertelfinale. In Wolfsburg kamen 13.000 Zuschauer ins Stadion, obwohl die eigentlich im Werk sein mussten... Also das war ja immer die Ausrede, warum die Champions League Spiele der Herren so schlecht besucht sind. 

Die Bayern-Damen müssen derweil auch im Champions League Viertelfinale weiterhin auf dem Campus vor 2.500 Zuschauern spielen. Das ist halt auch der Unterschied zwischen Bayern und Wolfsburg, da ist ein Viertelfinale nur die Pflichterfüllung und die Feiertage beginnen ab dem Halbfinale.

Vor allem zeigte sich tatsächlich ein anderes Problem: Beide Mannschaften waren in ihren Heimspielen weitestgehend chancenlos. Während man die ersten Jahre in diesem Wettbewerb noch krass dominiert hat, wurde man mittlerweile von den Engländerinnen und Spanierinnen überholt. Und Turbine Potsdam, die den Wettbewerb 2 Jahre infolge gewinnen konnten, stehen sieglos am Ende der Tabelle.

Die Bundesliga-Tabelle zeigt nebenbei wahrscheinlich den einen Fehler, der dort gerade gemacht wird. Denn man hat sich ja für eine Aufstockung auf 14 Mannschaften entschieden. Deswegen steigt dieses Jahr nur eine Mannschaft ab. Aber das könnte dazu führen, dass Carl Zeiss Jena ohne einen einzigen Sieg den Klassenerhalt feiern kann.  Und das Ende der Tabelle ist ja regelmäßig völlig absurd. Letzte Saison holte der MSV Duisburg 4 Punkte. Den absoluten Tiefpunkt lieferte Borussia Mönchengladbach 2018/19 mit einem einzigen Punkt.

So schön das Wachstum des Frauen-Fußballs ist, es findet ausschließlich an der Spitze statt. In der Breite schafft man es konstant nicht, 12 wettbewerbsfähige Teams zusammenzustellen. Deswegen versucht man es jetzt mit 14 Mannschaften. Das klingt sinnvoll.

Einer dieser potenziell 14 Mannschaften spielte dann am Sonntag im Volkspark vor 57.000 Zuschauern. Denn der DFB zog direkt mit dem Pokal-Halbfinale nach. Man bekam dort ein klassisches Nordderby geschenkt: Hamburger SV - Werder Bremen. Und das war direkt eine Pokal-Klassikerin. Also ein Spiel, über das man noch Monate reden würde, wenn es die Herren ausgetragen hätten:

Die auch bei den Damen höherklassigen Bremerinnen dezimierten sich unmotiviert selbst. Der HSV kämpfte aufopferungsvoll und warf alles in die Wagschale, konnte der Vereins-DNA aber nicht komplett aus dem Weg gehen: Ein krasser Patzer der Torhüterin in einer Pressing-Situation schenkte dem Favoriten die Führung. Aber der Ausgleich von Sarah Stöckmann in der 90. Minute brachte das Stadion zum Explodieren. Direkt hätte Hamburg fast das nächste, diesmal wirkliche Eigentor produziert, aber Inga Schuldt bekam tatsächlich die Chance, ihren krassen Fehler vor dem 0:1 wieder gutzumachen. In der Verlängerung vergab Lisa Baum die große Chance den HSV tatsächlich in Führung zu bringen, bevor der Kommentator feststellte, dass ein Treffer jetzt wohl die Entscheidung bringen könnte... also nicht nur die Dramatik, sondern sogar die völlig bescheuerten Kommentare waren auf Herren-Niveau. Diesen Treffer erzielte Sophie Weidauer nach einer starken Kombination. Und gegen nun alles verzweifelt nach vorne werfende Hamburgerinnen gelang ihnen noch das 3:1. 

Aber ganz ehrlich und trotz all der Verlängerungen in der Nations League: Dieses Pokal-Halbfinale war das eine Spiel, welches man als deutscher Fußball Fan gesehen haben sollte. Also bevor man verzweifelt im Kalender guckt, ob die Dritte Liga vielleicht doch spielt. Es lieferte all das, was einen guten Pokal-Fight ausmacht.

Und der DFB hat das tatsächlich bewusst und langfristig geplant. Denn eigentlich sollte der HSV an diesem Wochenende in der 2. Liga gegen den SV Weinberg spielen. Das Spiel wurde aber auf Mittwoch, den 5.3. vorverlegt. Anstoß 12 Uhr... Da kommen dann nur die wirklichen Ultras. Alle 160. Dass der HSV während des Pokal-Wochenendes dann Platz 3 wieder an den SV Meppen abgeben musste, ist dem richtig seriösen Kommentator natürlich auch nicht aufgefallen. Das ist der Qualitätsjournalismus, den an den uns Béla Réthy so gewöhnt hat.

Jetzt könnten Kritiker natürlich anmerken, dass ich selbst, wenn ich den Frauen-Fußball so richtig ernst nehmen würde, auch wissen muss, dass die HSV-Damen durchaus in der Lage sind, aufzusteigen. Also noch nicht in die Bundesliga, aber die sind 2023 in die 2. Liga aufgestiegen. Stimmt. Und das mache ich jetzt auch nur bedingt besser, wenn ich jetzt behaupte, dass ja "sogar die Frauen" das mit dem Aufstieg schonmal hinbekommen haben, da kann das ja alles nicht so schwer sein... Ja, der HSV ist "nur" der einzige Verein in Deutschland, dessen Herren-Mannschaft noch nie aufgestiegen ist. 

Im 2. Pokal-Halbfinale war die TSG 1899 Hoffenheim auf dem Weg, den Titelfavoriten aus München aus dem Wettbewerb zu werfen, bevor auch hier ein Fehler der Torhüterin den Weg zum Comeback öffnete. Und das ist dann wahrscheinlich die eine Szene, die ihr mit sexistischen Kommentaren in den sozialen Medien zu sehen bekommen habt. Was dabei aber total unfair ist: Der Kontext wird komplett ignoriert. Denn die 21-jährige Laura Dick musste in der 51. Minute eingewechselt werden, weil sich Stammtorhüterin Martina Tufekovic in der 49. Minute verletzt hat. Sie konnte sich also 2 Minuten lang "warm" machen. Dann wurde sie direkt und aus der völligen Kalten in eine unangenehme Situation geschickt, in der sie dann verkackt hat. Das ist eben nicht "typisch Frau", sondern etwas, dass jungen Menschen passiert, wenn sie unerwartet und unvorbereitet in eine extreme Stresssituation geschickt werden.

Es gäbe genügend Ansätze, diesen Aussetzer zu erklären, ohne irgendwie das Geschlecht ins Gespräch zu bringen. Aber dann wäre Mann ja kein sexistisches Arschloch....

Mittwoch, 9. August 2023

Die große "Next Gen Tech" Demo

 Also falls jemand eine passende Überschrift für die gerade laufende WM braucht: Hier wird im übertragenden Sinne der Übergang von Xbox One zu XBox S getestet. Und klar, es gibt noch einige Xbox One Spiele, die mithalten können, aber im Wesentlichen wird jedem klar, was für ein großes Versprechen die nächste Generation mitbringt.

Ernsthaft, ich kann mich an kein Turnier erinnern, in dem man die gesamte Elf des Turniers mit U23 Spielerinnen zusammenstellen könnte. Amanda Ilestedt als Innenverteidigerin mit 3 Turniertoren im Alter von 30 Jahren das verhindern wird... Und Rebecca Spencer mit ihrem einem kassierten Gegentor. Aber vielleicht hält Daphne van Domselaar ja noch 3 Elfmeter im Finale und zieht an der Jamaikanerin vorbei. Die bestätigt ihre starken Leistungen von der EM, wo sie noch als Ersatz für die verletzte Stammkeeperin einspringen musste, souverän.

In der Innenverteidigung nominieren wir als erstes Oluwatoson Demehin. Eigentlich gingen alle davon aus, dass die 40-jährige Onome Ebi auflaufen würde, aber der Trainer entschied sich für eine Spielerin, die deren Tochter sein könnte... und brachte Ebi nur in den Schlussphasen, wenn es darum ging, das Ergebnis zu halten.

Neben ihr spielt die einzige Amerikanerin, die nicht enttäuschte: Naomi Girma gab die souveräne Abwehrchefin. Wenn die nicht viele Bälle abgelaufen hätte, wäre das alles noch viel schlimmer ausgegangen.

Abgerundet wird die potenzielle Dreierkette mit Tabita Joseph aus Haiti. Oder mit Nesryne El Chad, die die wackelige Defensive Marokkos für 180 Minuten in ein Bollwerk verwandelte. Falls wir es uns überhaupt leisten können, mit einer Viererkette zu spielen.

Linksaußen streiten sich Kathrine Kühl und Esme Brugts. Der Zuschlag geht nicht nur wegen der 2 Tore gegen Vietnam von Brugts an die Niederlande, sondern vor allem, weil sie davor Trinity Rodman neutralisierte. Oder wir bringen Jun Endo, schließlich kann man die Japanerinnen nicht ganz außen vor lassen.

Im Defensiven Mittelfeld ist Kyra Cooney-Cross die beste Spielerin, über die laut ESPN niemand redet. Die Expertinnen können sich das Team jetzt schon nicht mehr ohne sie vorstellen und die ist erst 21. Oh und auch wenn sie in der Vorrunde ausgeschieden ist: Lena Oberdorf ist immer noch viel zu gut für ihr Alter. Oder ich nominiere Teresa Abelleira, die das viertbeste Softscore Rating des Turniers hat

Rechts steht Aoba Fujino als 19-Jährige bei den bisher überragenden Japanerinnen in 3 von 4 Spielen in der Startelf und kommt auf 1 Tor und 2 Vorlagen.

Jetzt müsste ich eigentlich noch Platz für Emma Snerle und Kika finden. Kika hat mit ihren 20 Jahren schon 30 Länderspiele auf dem Buckel und wurde 4 Mal Meister in Portugal. Casey Parks ist die jüngste WM Spielerin aller Zeiten und stand gegen Deutschland in der Startelf. Ary Borges war die eine gute Brasilianerin und ist auch erst 23. Die ist die einzige auf dieser Liste, die nicht in diesem Jahrtausend geboren wurde. Aber der Platz im zentralen offensiven Mittelfeld muss halt an Lauren James gehen, die vor ihrem Platzverweis auf dem besten Weg zur Topscorerin war. Die designierte beste Spielerin dieses Turniers.

Den Sturm basteln wir uns aus Sophia Smith, die es schaffte 2 Turniertore zu erzielen und trotzdem zu enttäuschen, Mary Fowler, die die Führung gegen Dänemark mit einem überragenden Pass einleitete und Linda Caicedo, deren Tor gegen Deutschland jeder gesehen haben sollte. 

Wenn man jetzt bedenkt, wer alles noch nicht mal erwähnt wurde, weil wir hier jetzt "nur" die 20 besten erwähnt haben. Und das sind ja auch keine klassischen Talente oder Ergänzungsspielerinnen. Das sind in vielen Fällen die Schlüsselspielerinnen. Mit diesem Kader würde man um den Titel mitspielen. Und wenn man die spielen sieht, können die einfach einige Dinge, die man im Frauenfußball so noch nicht gesehen hat. Also ganz konkret kann man das an den Torabschlüssen von Lauren James festmachen: So scharf, so platziert, so gelassen, das ist halt ein neues Level.

Ich mache das mal praktisch an einem Namen fest, der noch nicht gefallen ist: Jule Brand. Die ist mit 1,77 m größer als das Kopfballungeheuer Alex Popp, aber genauso wendig und trickreich wie die 13 cm kleinere Lina Magull. Die hat also alle Voraussetzungen, um zur kompletten Symbiose von beiden zu werden. 

Nun ist das an sich nichts Ungewöhnliches. Also auch bei den Herren gibt es immer wieder das Upgrade zur letzten Playstation Generation. Ich erinnere mich noch, wie ich das erste Mal einem Lionel Messi beim Spielen zusehen durfte und sofort dachte: Was der macht, ist nicht normal. Aber er wird das jetzt 15 Jahre lang machen. Zuletzt hatte ich das Gefühl bei Kylian Mbappé. Der Unterschied ist halt, dass einem diese Weiterentwicklung nicht mehr im Sommer wahrnimmt, sondern vorher in der Champions League.
Da fällt einem dann auf, wie die Damen in den Vereinsmannschaften immer noch weitestgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit spielen. Das macht die Turniere spannender, weil man halt die Namen und Möglichkeiten nicht schon vorher erkannt hat, aber verdeutlicht halt auch, wofür die Damen die ganze Zeit kämpfen: Dass ihnen halt nicht nur alle 2 Jahre zugeguckt wird.

Diese Fortschritte sind aber auch rein logisch zu erklären, denn man sieht halt die extremen Fortschritte im Scouting und in der "Frühentwicklung". Also eine Casey Phair spielt halt in der "Player Development Academy" in New Jersey und trotzdem haben die Südkoreanischen Verantwortlichen sie auf dem Schirm und nominieren sie für die WM. Vor 4 Jahren hätten selbst die eigenen Scouts diesen Namen nicht gekannt.

An 2 weiteren Namen, die noch nicht mal gefallen sind, kann man die Frühausbildung schön verdeutlichen: Alyssa und Gisele Thompson. Gisele müsst ihr auch wirklich noch nicht gehört haben, ich mache mir selber gerade Sorgen, was Google daraus macht, dass ich gerade die 2. 16-Jährige innerhalb von 5 Minuten gegoogled habe. Aber die beiden haben jetzt schon einen großen Deal mit Nike abgeschlossen. Während eine Megan Rapinoe gegen diese Ungewissheit, ob das mit dem Profi werden überhaupt was werden kann, ankämpfen musste, haben diese beiden schon jetzt die Absicherung, dass sie voll auf die Karte Fußball setzen können.

All diese jungen Spielerinnen führen aber auch zu einem ganz eigenen Narrativ. Denn es steht ja jetzt schon quasi fest, dass die Mannschaft die Trophäe in die Höhe stemmt, die die perfekte Symbiose aus den alten Koryphäen und den aufstrebenden Talenten schafft. Der den jungen Spielerinnen einerseits ein stabiles Umfeld zur Verfügung stellt, sie andererseits auch von der Leine lässt.

Wer aber im Zweifelsfall nicht auf die Jugend setzt, scheidet halt auch aus. Brasilien hat das halt nicht geschafft, als man im letzten Spiel alles auf Marta setzte. Die USA brachten lieber Rapinoe als Thompson und sind auch schon im Urlaub.

Oder... Schweden wird eiskalt Weltmeister und stellt die ganze These auf den Kopf. Die Schwedinnen kommen als einzige Mannschaft im Turnier nur mit einer Spielerin, die in diesem Jahrtausend geboren wurde: Hanna Bennison. Und die bringen sie nur als Einwechselspielerin.

Dienstag, 20. Dezember 2022

Warum war dies das beste WM Finale aller Zeiten

 Also dass es das war, steht ja allgemein fest. Und ja, es ist extrem zynisch, dass die korrupteste WM aller Zeiten das beste Finale bekommt. Aber das könnt ihr ja überall sonst lesen. Ich versuche ja einen Blickwinkel aufzumachen, der zumindest mir nicht so über den Weg läuft.

Die meisten konzentrieren sich ja rein auf das Lionel Messi vs Kylian Mbappé Narrativ. Und dass 2 wunderschöne Tore heraus gespielt wurden. Das ist auch nicht gänzlich verkehrt. Dass 2 absolute Weltstars in einem Finale so abliefern, ist außergewöhnlich. Aber das ist nur die oberflächliche Betrachtung.

Fangen wir mal mit Mbappé an. Aber vernünftig. Es wird ja immer behauptet, dass der noch nicht auf einer Stufe mit Messi oder Cristiano Ronaldo ist, obwohl er sich im Verein so benimmt, als wäre er dies schon. Aber die nüchterne Wahrheit lautet: Zumindest in der Nationalmannschaft hat er sie schon überholt. Und die Champions League Titel werden schon noch kommen.

Denn Mbappé ist einer von 3 Spielern, die in 2 Endspielen getroffen haben. Die anderen sind Paul Breitner (ja, in Deutschland regelt das ein Verteidiger) und Pele. Er steht bei quasi uneinholbaren 4 Finaltoren. Und er wird heute erst 24. Was uns wirklich Angst machen sollte: Mbappé könnte noch 2 weitere WM-Finale erreichen.

Nebenbei ist er insgesamt bei 12 WM Toren nach 2 Turnieren. Oder anders ausgedrückt: Miroslav Klose kann sich innerlich schon mal von seinem Rekord verabschieden. Mbappé dürfte diesen Rekord von 16 Toren pulverisieren, selbst wenn Frankreich 2 mal unglücklich im Viertelfinale ausscheidet. Und hey, vielleicht hat er sogar noch Bock auf ein 5. WM Turnier mit 35 Jahren.

Er ist nebenbei auch der 2. Spieler, der in einem WM-Finale einen Hattrick erzielt. Der letzte war Geoff Hurst im Jahr 1966. Damit hat er auch einen weiteren Rekord, auf den er wahrscheinlich verzichten könnte: Er ist der einzige Spieler, der im WM Finale einen Hattrick erzielt und das Spiel danach verliert. Und das wird er auch ewig bleiben.

Also um damit mal das nächste Level an Perspektive zu geben: Der letzte Spieler, der in einem K.O. Spiel 3 Tore erzielte und trotzdem verlor, war Igor Belanov. Wenn euch der Name nichts sagt, liegt das daran, dass es 1986 war. Da war noch die UdSSR und nicht der Russe das personifizierte Böse. Ein weitere Spieler, der trotz Dreierpack (es war damals sogar ein Viererpack) nicht gewann, war Ernst Willimowski. Das war 1938. Das war der Adolf noch nicht das personifizierte Böse. Dies ist der historische Kontext, in dem wir uns bewegen. Dazwischen "schaffte" es noch Josef Hügi 1954. Abgesehen von Belanov kommen diese Spiele aber aus der fußballerischen Steinzeit.

Um das mal zu verdeutlichen kommt hier jetzt eine kurze Auflistung aller Spiele, in denen eine Mannschaft trotz 3 erzielter Treffer nicht gewinnen konnte:

Senegal - Uruguay 3:3 im Jahr 2002.
UdSSR - Belgien 3:4 n.V. 86.
Deutschland - Frankreich 3:3 n.V. 82.
Italien - Deutschland 4:3 n.V. 70.
Portugal - Nordkora 5:3 66.
UdSSR - Kolumbien 4:4 62.
Frankreich - Deutschland 6:3.
Paraguay - Jugoslawien 3:3
Frankreich - Paraguay 7:3 jeweils 58.
Österreich - Schweiz 7:5
Ungarn - Deutschland 8:3 jeweils 54.
Kuba - Rumänien 3:3
Brasilien - Polen 6:5 n.V. jeweils am 5.6.1938.
Argentinien - Mexiko 6:3 30.

Wenn ich nichts übersehen habe, war es das. Da fällt einem sofort auf: Je moderner der Fußball wird, um so seltener wird ein derart absurder Spielverlauf. Mittlerweile muss man 20 Jahre darauf warten. Und 1958 muss ein völlig verrücktes Turnier gewesen sein. Und im Großen und Ganzen sind das 14 von 962 WM Spielen. Ja, ich fahre gerade Bahn. Aber das heißt, es passiert alle 64 Spiele ein Mal. Mit fallender Tendenz.

Vor allem fällt auf: Obwohl dies bereits 2 Mal in einem Halbfinale passierte, weil Deutschland unter anderem extrem gut darin war ein müdes 1:1 nach 90 Minuten in ein begeisterndes 3:3 nach 110 Minuten zu verwandeln. Aber so ein Finale gab es halt noch nie.

Denn Finale sind halt meistens doch eher müde oder einseitige Angelegenheiten. Der Druck ist so hoch, dass kaum jemand wirklich ins Risiko gehen will. Und ein Rückstand ist meistens so demoralisierend, dass man nicht zurückkommen kann. Also zumindest nicht von einem 2-Tore-Rückstand. Das letzte Mal schaffte dies Deutschland. Natürlich, die Mentalitätsmonster. Das war aber 1958. Frankreich holte diesen Rückstand als dramatischen Bonus in den letzten 10 Minuten auf. Ich mache mir jetzt nicht die Mühe und finde heraus, wie oft ein 2:0 Vorsprung in den letzten 10 Minuten verspielt wurde. Vor allem, weil Argentinien ja im Halbfinale dasselbe Prinzip durchgezogen hat.

Aber selbst das ist rein statistisch noch nicht alles, denn es gab ja eine Verlängerung. Und normalerweise hoffen beide Mannschaften dann nur, dass kein Scheiß passiert und man irgendwie das Elfmeterschießen erreicht. Bloß keine Fehler machen. Und wer das erste Tor schießt, gewinnt. Glaubt ihr mir nicht? Nun ja: Dies war das erste WM-Finale, in dem beide Mannschaften in der Verlängerung getroffen haben. Dieses "Du steckst den Nackenschlag weg und kommst zurück" hat es einfach noch nie gegeben.

Aber auch das war ja nicht das letzte Highlight. Denn beide Mannschaften versuchten ja alles, um die Lotterie zu vermeiden. Wie selten sehen wir so was? Also ganz konkret hatten die eingewechselten Randal Kolo Muani und Laurato Martinez in der 123. Minute den Siegtreffer auf dem Fuß oder Kopf. Beide Mannschaften hätten in allerletzter Minute den Siegtreffer erzielen können oder müssen. Normalerweise wird nach 121 Minuten abgepfiffen, deswegen behaupte ich jetzt, dass auch das noch nie so passiert ist. Und danach hatte Mbappé eine weitere, nicht ganz so klare Abschlusssituation, die der eigentlich nur fürs Elfmeterschießen eingewechselte Paolo Dybala endgültig klären konnte.

Und ja, der einzige Wermutstropfen ist, dass beide Trainer am Ende noch Spieler für die Lotterie eingewechselt haben. Gerade Lionel Scaloni hätte Dybala früher in die ursprünglich von Angel di Maria ausgefüllte Rolle bringen können, denn die Schwachstelle der Franzosen waren ja die Außenverteidiger. Zumindest so lange, bis Scaloni mit Marcos Acuna den zweiten Linksverteidiger einwechselte. Bei 2:0 Führung ist das nachvollziehbar, aber wenn man diesen Vorsprung verspielt hat, könnte man doch zu dem System zurückkehren, welches einen nach vorne gebracht hat.

Aber beide Trainer haben in der Summe 13 ihrer insgesamt 15 Wechsel genutzt, um auf das Spielgeschehen Einfluss zu nehmen. 15 Wechsel sind ganz nebenbei ein weiterer WM-Rekord. Nur so nebenbei. Am Ende bleibt: Wir werden nie wieder ein derart herausragendes Finale sehen.

Freitag, 6. Mai 2022

Da ziehen tatsächlich die Guten ins Finale ein

 Das war doch so nicht geplant. Also sonst gewinnen doch immer die bösen Turbokapitalisten mit dem Oligarchen-Geld. Und jetzt...

Aber ja, das war die 2. absolut epische Europacup Woche hintereinander. Das einzige Spiel, welches so ablief, wie erwartet, war ja Real Madrid gegen Manchester City... Oder habt ihr nicht damit gerechnet, dass Real das noch irgendwie dreht? Die werden auch im Finale zurückkommen. Und hinterher wird keiner erklären können, wie sie das Ding gewonnen haben.

Nebenbei hat Real Madrid jetzt in der K.O Phase 10 Gegentore kassiert und ist trotzdem im Finale. Und im Gegensatz zu Liverpool, die ihre Gegentore ja in bedeutungslosen Rückspielen im Verwaltungsmodus kassieren, fallen diese Tore zu psychologisch ungünstigen Zeitpunkten.

Nur um das mal festzuhalten: Im Achtelfinale gegen Paris St.Germain war man bis zur 76. Minute auf dem besten Weg auszuscheiden. Im Viertelfinale erzielte man das Tor zur Verlängerung in der 80. Minute. Und im Halbfinale brauchte man 2 Treffer in der 90. Minute, um die Verlängerung zu kommen. Oder anders ausgedrückt: Obwohl schon im Achtelfinale der Gegner mit einem Fuß in der nächsten Runde war, machte Real es in den nächsten Runden noch spannender.

Aber das sind halt diese magischen Europacup-Geschichten. Die sich dann ja auch am Donnerstag fortgesetzt haben. Anscheinend hat der Fußballgott gerade eine Schwäche für Tradition...

Wobei... Die Glasgow Rangers sind ja 2012 insolvent gegangen und mussten sich, um ihren Schuldenberg loszuwerden, neu gründen. Wenn man das so sieht, sind die Rangers der aufstrebende neureiche und junge Klub, der in kürzester Zeit von der 4. schottischen Liga in ein Europacup-Finale gepusht wurde. Aber ja, es gibt Leute, die behaupten, dass RB älter ist als die Rangers... just saying.

Nebenbei führen beide Finale für eine wirklich interessante Parallelität: Beide Finale wären besser gewesen, wenn sich die andere Mannschaft durchgesetzt hat. Allein schon, weil Nkunku dann auflaufen würde. Das Schauspiel auf dem Rasen wäre deutlich attraktiver... aber die Stimmung wäre halt beschissen. Also bescheidener. Denn auch wenn in Leipzig eine Fankultur am Wachsen ist, so ist sie natürlich noch Ewigkeiten von Frankfurt und Glasgow entfernt. Da beide Vereine eine Fanszene haben, die wirklich für großartige Stimmung sorgen, wird RB deren Niveau nie erreichen. Deswegen ist es für das Drumherum und die Atmosphäre das großartigere Finale. Jetzt kann jeder abwiegen, was ihm wichtiger ist. Und das sage ich bewusst genau so, denn da gibt es kein "richtig" oder "falsch", beide Parteien haben aus ihrer Perspektive recht.

Und auch im Champions League Finale gilt dasselbe Prinzip: Manchester City gegen Liverpool wäre das bessere Finale auf dem Rasen. Dann hätte man halt 2 Mannschaften, die wirklich und konstant großartigen Höchstgeschwindigkeitsfußball spielen und nicht eine Mannschaft, die sich irgendwie durchwurschtelt. Aber es wäre halt auch das 4. Mal, dass diese beiden Mannschaften in dieser Saison aufeinandertreffen. Da verliert das Spiel halt doch irgendwie das Außergewöhnliche. 

Real gegen Liverpool gibt es dagegen zum 9. Mal... in der Geschichte der Champions League. Das ist einerseits ein extrem geschichtsträchtiges Duell, weil es tatsächlich das dritte Finale gegeneinander ist... andererseits ist es aber trotzdem eine außergewöhnliche Ansetzung. Und genau so sollte ein Champions League Finale ja sein.

Natürlich liegen diese 9 Ansetzungen auch daran, dass Liverpool lange weit weg von der absoluten Spitze war... was dazu führt, dass sie sich "jetzt" wieder "regelmäßiger" über den Weg laufen. Denn man hat ja seit 2014 mehr Spiele gegeneinander absolviert, als vorher in 40 Jahren... Aber das ist halt der Wandel des europäischen Wettbewerbs: Es gibt immer weniger Überraschungen und immer häufiger dieselben Ansetzungen. Aber das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen.

Mittwoch, 12. Juni 2019

Das war schon beeindruckend

Vielleicht sogar das beeindruckendste, was ich auf dem Fußball-Feld seit langem gesehen habe.
Also nicht die EM Qualifikation der Deutschen, ich habe das andere Spiel gesehen. Das Relevante...

Aber der Reihe nach. Ich habe vor einigen Tagen gemerkt, dass mir sowohl die Nations League als auch die EM Quali vollkommen egal geworden ist. Vor allem die Quali. Ich wollte quasi gerade dazu ausholen, dass Jogi Löw ja gerade in der Quali nur auf dem 2. Platz liegt, wie kann es sein, dass der noch nicht entlassen worden ist... bis mir bewusst wurde: Ein 2. Platz reicht vollkommen für die direkte Qualifikation... Die dritten kommen in die Play Offs... wir können uns also auf ein "Armenien - Kasachstan" Duell um den letzten Platz einstellen... und darauf habe ich keinen Bock.

Also entschied ich mich dafür, bewusst die Frauen-WM laufen zulassen. Zugegeben hauptsächlich im Hintergrund, während ich andere Dinge machen. Aber gezählt wird offiziell, dass ich die Livestreams gucke. Auch die wunderbar angenehme Halbzeitanalyse gestern. Und mir ist ja vorher erzählt worden, dass die Frauen ja den besseren Fußball zu sehen gibt, weil es weniger Bitchfights auf dem Platz gibt. Da wollte ich mal nach gucken, ob diese Behauptung auch stimmt.

Das erste, was mir da auffiel, war: Es gibt genau genommen keinen wirklich Unterschied zwischen einem Durchschnittlichen Gruppenspiel der Herren und der Damen. Dummer Weise aus den völlig falschen Gründen: 80% der Spiele lassen sich auf ein "Die einen verteidigen verzweifelt irgendwie das Unentschieden, haben aber überhaupt keinen Plan, wie wir selber ein Tor erzielen und hoffen auf den Lucky Punch" gegen "Wir greifen uninspiriert an und hoffen auf eine Standartsituation zum 1:0" herunter brechen. Genau das haben wir doch im letzten Sommer auch so oft gesehen.

Der einzige Grund, warum die Damen ihr Auftaktspiel gewonnen haben und die Herren nicht, ist am Ende der Fakt, dass China die Abwehrpatzer der Deutschen nicht nutzen konnte, Mexiko schon. An sonsten waren sich die Spiele verdammt ähnlich. Was auch verdeutlichen kann, wie absurd das Ausscheiden in der Gruppenphase vor 12 Monaten eigentlich war: Normalerweise holst du als Deutschland selbst dann genügend Punkte, wenn du nicht überzeugst, weil halt irgendein Gewaltschuss rein rutscht. Heute kommt der von eine Gwinn, damals kam er von einem Kroos... Nur hat halt nur einer der Schüsse ein Beben ausgelöst... und das ist dann der einzige Unterschied...

Aber dann... kam aber das 21 Uhr Spiel und ich muss zugeben: Was die Amerikanerinnen gegen Thailand abgeliefert haben, war wirklich krass. Von der ersten Minute an hatte man den Eindruck, dass es hier nur darum gehen kann, wie hoch der Sieg ausfällt. Und dass die Asiatinnen keinen Hauch einer Chance haben. Und dann kam die 2. Halbzeit. Angesehen von einer 20 Minütigen Pause erzielten die Amerikanerin buchstäblich alle 3 Minuten ein Tor. Insgesamt 10 in 45 Minuten plus Nachspielzeit.
Und ja, es gab eine Nachspielzeit. Als der Kommentator irgendwas von "da wird die Schiedsrichterin ja gnädig sein und pünktlich abpfeifen..." dachte ich gleich: Wenn er das macht, werden die Ladys sauer auf sie sein. Und sie belagern, warum es denn keine angemessene Nachspielzeit gab, die hatten doch noch was vor... und natürlich erzielten sie in der 92. Minute noch ein Tor... aus einer Gegenpressing Situation nach einem Abstoß der Thailänderin.
Die waren so giftig und garstig, die sind beim Stand von 12:0 in der Nachspielzeit weiterhin kollektiv ins Pressing gegangen und haben schnell umgeschaltet. Und danach kollektiv genau so gefeiert wie beim 1:0.
Dass das Thailändische Mädchen auf der Tribüne seit der 70. Minute nur noch am Weinen war, war denen doch egal. Mitleid gab es erst nach dem Abpfiff. Und vorher ging es immer nur darum noch ein weiteres Tor zu erzielen.

Normaler Weise sagt eine Mannschaft spätestens nach dem 4:0: Lasst mal langsamer machen. Lasst den Gegner auch mal nen bisschen spielen. Lasst denen mal Luft zum atmen. Und hey, vielleicht dürfen die sogar nen Ehrentreffer erzielen, dann fühlen die sich nicht ganz so schlecht.

Es ist ja auch egal, ob man das Spiel 7:1 oder 13:0 gewinnt.

Und ja, dass Deutschland gestern nur 8:0 und damals nur 7:1 gewonnen hat, lag im wesentlichen daran, dass die Deutsche Mannschaft jeweils gesagt hat: Reicht jetzt auch. Und da haben dann in der 2. Halbzeit jeweils nur noch einzelne Spieler (früher war ein gewisser Lukas Podolski dafür prädestiniert) aus rein egoistischen Gründen (also um das gerade fehlende Selbstvertrauen aufzubauen... oder weil sie als einzige bei dem Schützenfest noch nicht getroffen haben) zielgerichtet aufs gegnerische Tor gespielt. Während sich am anderen Ende des Feldes nur der Torwart aufregt, wenn man das zu 0 nicht hält. Und so macht man es am Ende "gnädig".

Das soll auch alles kein Vorwurf sein. Es ist halt auch der vernünftige Ansatz. Aber gestern war halt mal zu sehen, wie sehr ein Fußballspiel eskalieren kann, wenn die überlegene Mannschaft es nicht "gnädig" gestaltet. Wenn die mit brutaler Konsequenz immer auf das nächste Tor geht. Und wenn diese Gier aufs nächste Tor in der gesamten Mannschaft einfach nicht nachlässt.

Zum Glück gab es das nur im Livestream und nicht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, das hätte bestimmt ein FSK 18 Rating bekommen...

Montag, 10. September 2018

Die Nations League ist die beste Entscheidung der UEFA seit...

Der Erweiterung des Teilnehmerfeldes der Europameisterschaft auf 16 Mannschaften? Könnte hinkommen. Das war zumindest die letzte sinnvolle Neuerung für die Nationalmannschaften... was irgendwann 1992 gewesen sein dürfte... Das ist verdammt lang her... und ja, 16 Teilnehmer war die perfekte Anzahl für eine EM... aber Details, jetzt haben wir ja die Nations League. Und die ist genau genommen (solange man sie auf die Kontinente beschränkt...) eine grandiose Idee.

Ganz nebenbei auch für die großen Nationen in Gruppe A. Für die ändert sich ja faktisch auch nichts, außer dass ihre Freundschaftsspiele ein wenig seriöser gestaltet werden. Was einer der großen Vorwürfe der Fans an der Mannschaft war: Die Testspiele konnte man sich quasi nicht antun, hat aber volle Eintrittspreise für diese Spiele bezahlt.

Das faszinierende ist ja: Abgesehen von den Testspielen vor der WM um sich auf spezifische Gruppengegner vorzubereiten und dem alle 2 Jahre stattfindenden Testspiel mit einer B-Mannschaft gegen Dänemark bestehen die Deutschen Testspielgegner eh aus den Teams in dem Topf der A Mannschaften. Jetzt muss man die Spiele halt so ernst nehmen, damit man 2. wird um nicht am Abstiegs- oder Titelkampf, der einen Jogi Löw nicht wirklich interessieren sollte, reinzurutschen. Dann kann man die Playoff-Termine nämlich für Fotoshootings verwenden... oder um zu trainieren.
Und ja, ich prophezeie einen letzten Spieltag gegen die Niederlande, in denen Deutschland krampfhaft versucht unentschieden zu spielen, weil man so garantiert 2. wird. Was aber immer noch unterhaltsam ist, weil Holland alles versucht um nicht abzusteigen...

Der Modus ist dabei natürlich unnötig kompliziert. Keiner versteht ihn so richtig. Irgendwie ging ich ja auch davon aus, dass es Play-Offs um Auf- und Abstieg geben wird, aber anscheinend stehe ich damit alleine da. Für mich wäre es schon sinnvoll, wenn die besten aus dem jeweils niedrigen Topf gegen die schlechtesten aus dem höheren Topf ihre Eignung nachweisen müssen. Auch wenn es bedeutet, dass die Gruppe A eine geschlossene Gesellschaft bleiben dürfte.

Aber genau darum geht es ja bei dieser Veranstaltung eventuell gar nicht. Auch wenn das Geld natürlich aus diesem Topf kommt. Dieser Wettbewerb bringt den kleinen Nationen etwas, was es für sie vorher nie gegeben hat: Eine Gelegenheit sich untereinander zu messen. Was schon am ersten Spieltag großen Emotionen bei den kleinen Nationen auslösen kann. Und ja, das Traumtor von Giorgi Chakvetadze hätte keine Sau interessiert, wenn es in einem belanglosen Freundschaftsspiel zwischen Kasachstan und Georgien erzielt worden wäre... so schafft es das Ding immerhin auf Twitter...

Und ja, für uns ist es vollkommen irrelevant, ob sich Weißrussland in der Gruppe mit San Marino, Luxemburg und Moldawien durchsetzt oder nicht. Aber für diese Mannschaften ist es halt mal wirklich ein Wettbewerb, in dem man messbare Erfolge und Entwicklungen erreichen kann.

Wir reden hier halt von den Nationen, die sonst das Ziel haben gegen ein Deutschland, welches sie nicht wirklich ernst nimmt, nur 6 und nicht 10 Gegentore zu kassieren. Oder in der Qualifikationsgruppe Vorletzter zu werden. Im Wesentlichen hofft auf das Losglück, welches einen vielleicht mal die Chance auf einen Pflichtspiel Sieg bringt... Die sich an derartigen "Glücksgefühlen" aufrichten müssen. Die aber halt auch ein Teil der UEFA sind.

Und diese Nationen spielen jetzt in der Nations League unter Wettbewerbsbedingungen gegeneinander.
Wenn man es dann als Weißrussland schafft, diese Hürde hinter sich zu lassen und nachzuweisen, dass man besser als seine Gegner ist, darf man sich das nächste mal mit besserer Konkurrenz messen um dort dann herauszufinden, wie viel besser man wirklich ist. So kann dann theoretisch Weißrussland in seinem eigenen Tempo Stück für Stück seine Entwicklung im Fußball nachvollziehen und mal wirklich feststellen wo sie im Europäischen Ranking wirklich stehen.

All dies ohne dass sich für Deutschland irgendwas ändert... zumindest nicht, solange man die Testspiele halbwegs ernst nimmt.

Aber um diese Bedeutung für die restlichen Nationen, die bei einer Europameisterschaft quasi nie eine Rolle spielen, nachzuvollziehen, muss man sich halt mal davon lösen, dass es immer nur um die 10 größten Nationen geht.

Das einzige, was man halt wirklich dringend braucht, ist eine vernünftige Auf- und Abstiegs Regelung. Damit man als England nicht plötzlich absteigt, weil man mit Spanien und Kroatien in einer Gruppe gelandet ist. Und ganz perfekt wird das nie zu lösen sein. Aber das fairste dürfte halt ein "in der Woche des Finalturniers in Italien (oder wo auch immer) spielt jeweils ein erster der Gruppe B gegen einen letzten der Gruppe A in Hin- und Rückspiel den Aufsteiger aus... und ja, das bedeutet, ich bin auf ein Mal für eine Relegation... Ich weiß...

Montag, 30. Mai 2011

Something so

Es gibt so Zitate, die sollte man sich für die richtigen Momente aufheben. Dieses Zitat meine absoluten Lieblingsband gehört definitv dazu, aber jetzt muss es einfach raus.
"They tell me that, I'm not qualified, To lend my voice to something so beautiful."
Was Barca spielt, ist einfach nur Wahnsinn. Manchester schaffte es in den ersten Minuten wirklich ein Pressing aufzubauen und die Ballkünstler aus Spanien nicht ins Spiel kommen zu lassen. Dennoch wird nach 15 Minuten zum ersten Mal der Ballbesitz eingeblendet und dort steht dann 63% bei Barcelona... aber die für mich beste Szene des Spiels: In der 67. Minute beim Stand von 2:1 erobert Eric Abidal den Ball... am gegnerischen 16er... als Linker Verteidiger... wieviele Vereine spielen gegen die beste Konkurenz der Welt im wichtigsten Spiel der Saison bei einer knappen Führung so ein schnelles und aggressives Pressing?

Xavi: 164 Ballkontakte... und nein, es gab keine Verlängerung, er hatte nur 90 Minuten Zeit... In meiner Jugend galt Didier Deschamps als Weltmeister des 5 Meter Passes. Was aber nur daran lag, dass man damals noch nicht wusste, was man mit 5 Meter Pässen alles so anstellen kann.

Edwin van der Saar: Wer in seinem letzten Profispiel seinen 100. Champions League Einsatz in einem Finale im neuen Wembley gegen Barca bestreiten darf, hat in seiner Karriereplanung so ziemlich alles richtig gemacht... auch wenn er die Chance auf ein WM Finale im letzten Sommer ausgeschlagen hat... Wenn aber der Physikunterricht so lange her ist, dass man die neuen Flugkurven von Schüssen nicht mehr berechnen kann... ist es allerhöchste Zeit für den Ruhestand...

Lionel Messi: Um Kommentator Wolf-Christoph Fuss zu zitieren: "Da wo Weltklasse aufhört, fängt Lio Messi an."

Eric Abidal der eigentlich Held. Vom Lebertumor zum Champions League Finale in wenigen Monaten. Respekt.

aber da dieses Finale im Deutschen Fernsehen übertragen würde, gab es Gott sei Dank trotzdem genügend bawful... angefangen bei der Lichtgestalt

Franz Beckenbauer, Chefanalytiker: Die erste Feststellung kam zur Pause: "Das Spiel ist noch nicht entschieden." Beim Stand von 1:1 ist das auch quasi unmöglich... aber er konnte nochmal nachlegen. Nach der erneuten Führung erwähnte er noch: "Man darf ManU nicht unterschätzen." Ernsthaft? Die Mannschaft, die in 3 der letzten 4 Champions League Finale stand, darf man nicht unterschätzen? Wo findet der Franz solche Weißheiten?

Wenn man das mit den 2 Sätzen, die Johannes B. Kerner in der Pause sagen durfte, kombiniert, gibt es eigentlich nur eine sinnvolle Konsequenz: Auswandern. Oder zumindest auf amerikanische Livestreams wechseln. Ja, ich hab es gesagt: Amerikanische Fernsehübertragungen haben mehr Ahnung von Fussball als Deutsche. Denn tiefgründige deutschsprachige Spielanalysen sehen ungelogen so aus: Jörg Dahlmann analysiert das Jubelverhalten der Spielerfrauen beim Spiel Inter Mailand - Schalke 04. Ich warne euch gleich: in diesen knapp 3 Minuten gibt es keinen einzigen Ball und keine Xs und Os zu sehen. Nur Dahlmann, der zu jeder Jubelbewegung einen Kommentar hat...

und dann war da natürlich auch noch dieses andere Spiel. Das, was uns wieder in die Realität zurückholen sollte... Deutschland - Uruguay. Ein Test mit einigen neuen und alten Erkenntissen:

Marion Gomez kann immernoch am lehren Tor vorbei schießen. Auch wenn er dafür inzwischen einen Spitzen Winkel braucht.

Miroslav Klose's Länderspielform nähert sich seinen Leistungen bei den Bayern an. Aber hey, der AC Milan soll interesse haben... die brauchen dringend eine Blutauffrischung...

Lukas Podolski hat nach einer ordentlichen Rückrunde, die man ihm ja zugestehen muss, das Interesse an solchen Länderspielen verloren. Als er sich noch in solchen Spiele "qualifizieren" musste, hat er regelmäßig seine Buden gemacht. Dieses Jahr steht er bei 0 Toren in 2 Freundschaftsspielen (und überhaupt nur 2 Treffern insgesamt... gegen Aserbaidschan und Kasachstan) Und wo wir schon bei meinen Lieblingsthema Podolskibashing sind:  Das ist die erste Saison seit 2006/07, dass Podolski mehr Bundesliga- als Länderspieltore geschossen hat... Ich sag's ja nur...

und die letzte nicht ganz neue Erkenntnis: Die Dortmund-Fraktion kann in der Nationalmannschaft nicht so glänzen, wie im Verein. Obwohl beide eigentlich spielstarke, offensiv orientierte Mannschaften sind, scheinen die Dortmunder ihre Leistungen nicht so einfach ins Nationaltrikot übertragen zu können.