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Donnerstag, 28. Mai 2026

Erinnert ihr euch noch an den März?

 An diese eine ominöse Woche, in der wir uns alle gefragt haben, ob die Premiere League vielleicht gar nicht so gut ist. Der Kicker schrieb damals von "Riesen-Problemen". All das, weil man seine Hinspiele nicht komplett dominiert hat.

Alle muss man natürlich wieder mal relativieren. Ein kleines gallisches Dorf hat damals schon darauf hingewiesen, dass das eine absurde Überreaktion ist. #PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher

2 Monate später hat diese so krass schwächelnde Premiere League schonmal 2 der 3 europäischen Wettbewerbe gewonnen. Nur das Lospech verhinderte nebenbei, dass wir ein rein englisches Finale in der Europa League erleben durften, da Aston Villa im Halbfinale auf Nottingham Forest traf.

Das wäre nebenbei das 2. rein englische Finale infolge gewesen. Hierbei muss eines dringend bedacht werden: Die Premiere League stellt lediglich 2 Teilnehmer in diesem Wettbewerb. Das bedeutet: Das letzte Mal, dass eine "europäische" Mannschaft einen Teilnehmer aus England aus diesem Wettbewerb kegeln konnte, war im Viertelfinale 2024Atalanta Bergamo besiegte überraschend Liverpool und Bayer Leverkusen setzte sich gegen West Ham United durch. Das ist verdammt lange her.

Nebenbei haben die Engländer sich 3 der 5 Conference League Titel geholt. Und es ist ja nicht mal so, dass das zwingend die "Superreichen Scheichklubs" sind, die diese Wettbewerbe gewinnen. Es ist eher so, dass selbst Teams wie Tottenham und Nottingham, die in der Premiere League im Abstiegskampf stecken, trotzdem in Europa unbesiegbar sind. Der Abstand dieser Liga zum Rest ist einfach nur krass.

Im Wesentlichen gibt es so 5 Vereine, die in der Champions League mit den besten Mannschaften aus England mithalten können: Paris St. Germain, Real Madrid, Barcelona, Bayern und Atlético Madrid. Vielleicht noch Inter Mailand, aber deren 2 Finalteilnahmen kamen nur zustande, weil man den Engländern in der K.O. Phase aus dem Weg gehen konnte... Aber Ehre, wem Ehre gebührt: Die haben Arsenal in der Gruppenphase geschlagen. Dieses Jahr gab es aber 2 Niederlagen. Borussia Dortmund konnte bei seinem überraschenden Finaleinzug ebenfalls den Engländern in der K.O. Phase aus dem Weg gehen. Und gewann 2 Mal gegen Newcastle United

Mittlerweile wäre es einfach eine Sensation, wenn eine englische Mannschaft gegen Dortmund ausscheidet. Das muss man einfach mal so anerkennen.

Nebenbei muss der AFC Bournemouth plötzlich als Favorit auf den Europacup Titel geführt werden. Das ist quasi deren FC Augsburg. Aber wer soll die realistisch stoppen, außer der AFC Sunderland? Es ist einfach nur krass, wie die Premiere League gerade nochmal eskaliert. Die einzige gute Nachricht ist ja, dass Aston Villa sich doch auch über die Liga für die Champions League qualifiziert hat. So bleibt uns eine weitere Saison mit 6 Champions League Startern erspart. Lucky us.

Aber hier muss man nochmal festhalten: Für Bournemouth und Sunderland ist der Weg über die Europa League in die Champions League der einfachere... Kein leichter, da man ja doch auf Milan, Juventus oder Bayer Leverkusen treffen kann, aber der einfachere...

Und es gibt ja keinerlei Anzeichen, dass sich das irgendwie wieder einpendelt. Der Abstand der Premiere League zum Rest wird nur weiter wachsen. Für Crystal Palace ist es eben kein Problem, einen Jean-Philippe Mateta aus Mainz zu verpflichten. Für Mainz ist es aber schwierig, einen halbwegs vergleichbaren Ersatz zu finden. Und so wird das jetzt jeden Sommer weitergehen. 

Vor allem sollte man sich dessen bewusst sein, falls es wirklich mal eine einzige Runde in der K.O. Phase gibt, wo nicht alles nach Plan läuft. Oder falls es wirklich mal das eine Jahr gibt, in dem die Liga "nur einen einzigen" Halbfinalisten stellt. Das würde eine absolute Ausnahme sein.

Gerade die jetzt neue Dominanz in der Europa League ist ja schon faszinierend. Also den Wettbewerb hatten die Engländer halt immer sehr stiefmütterlich behandelt. Da schickt man seine B-Elf und guckt, wie weit man kommt. Man hat dem FC Sevilla seine Dominanz dort gegönnt. Lasst die doch spielen. Jetzt hat man sich doch 4 der letzten 10 Titel gesichert. Vorher gab es eine Phase, in der man tatsächlich nur einen von 15 Titeln geholt hat. Ich prognostiziere mal: So eine lange Durststrecke wird diese Liga nie wieder erleben.

Freitag, 18. April 2025

Das lief dieses Jahr schlechter als erwartet

 Also schlechter als im Vorjahr, wo zum ersten Mal eine Mannschaft aus Griechenland einen Europapokal gewinnen konnte. Denn dieses Jahr scheinen die großen Ligen die Conference League doch halbwegs ernst zunehmen. Deswegen spielen da plötzlich doch Mannschaften aus England, Spanien und Italien gegeneinander. Wir hatten wenigstens den Anstand, Heidenheim zu schicken und frühzeitig auszuscheiden, wie sich das eigentlich gehört.

Aber zum einen gibt es Djurgardens IF aus Schweden. Das dürfte die erste Halbfinal-Teilnahme einer schwedischen Mannschaft seit 1987 sein, als der IFK Göteborg den UEFA Cup zum 2. Mal gewinnen konnte. Das ist als fast 40 Jahre her. Und wie immer sage ich an der Stelle: Genau darum geht es. Dass kleinere Nationen auch im Frühjahr am Europacup teilnehmen können, ist etwas wunderbares. 

Wenn man sich aber das Viertelfinale anguckt, ist die Bilanz schon gar nicht mehr soo schlimm. Mit Legia Warschau und Jagiellonia Bialystok kämpften 2 Mannschaften um den Einzug ins Halbfinale. Ich werfe mal die dreiste These in den Raum, dass noch nie 2 polnische Mannschaften gleichzeitig in einem europäischen Viertelfinale standen. Legia Warschau stand zuletzt 95/96 unter den letzten 8. Das ist also auch schon wieder fast 30 Jahre her. 

Dazu spielte NK Celje aus Slowenien auch noch mit. Bisher war für Mannschaften aus diesem Land die Europacup-Saison Ende Februar beendet. Also zumindest war dieses Duell zwischen dem FC Sevilla und NK Maribor das späteste Europacup-Spiel, dass ich auch die Schnelle finden konnte. Jetzt durften die auch im April noch mitspielen.

Und über allem steht Bodö/Glimt. Der nördlichste Verein, der jemals in ein europäisches Halbfinale eingezogen ist. Die ersten Norgweger, denen dieses Kunststück gelang. Das weiß ich, weil HITC Seven nach dem Hinspiel eine 40-minütige Dokumentation über diesen Verein rausgehauen hat. Titel: The World's Best Run Football Club.

Das ist eine wunderschöne Geschichte. Quasi Heidenheim auf Speed. Aber es zeigt auch, wie absurd der europäische Wettbewerb mittlerweile ist. Denn auch das Europa League Halbfinale ist eine beinah geschlossene Gesellschaft. Die meisten Vertreter kommen aus den 5 großen Ligen. Glasgow Rangers waren da die eine Ausnahme. Und jetzt halt die Norweger. Das waren die 2 Halbfinalteilnehmer der letzten 5 Jahre, die nicht aus Deutschland, England, Spanien, Italien oder Frankreich kamen. Nur um zu verdeutlichen, dass auch dieser Wettbewerb immer elitärer wird, weil der Abstand zwischen den 4 großen Ligen und Paris St. Germain stetig weiter am Wachsen ist. 

Um da reinzugrätschen, muss man schon der am besten geführte Klub der Welt sein... und seine Lage hoch im Norden ausnutzen. Denn auswärts hat man alle K.O. Spiele am Ende verloren. Aber im Winter im heimischen Stadion ist man unantastbar. Nur Qarabağ Ağdam konnte einen Auswärtssieg in Norwegen feiern.

In der Champions League ist alles wie immer. Der letzte Halbfinalteilnehmer, die nicht aus den großen 5 Ligen kamen, war Ajax Amsterdam im Jahr 2019. Dazu kommt technisch gesehen Olympique Lyon, die als nicht Paris St. Germain auch zu den kleinen gehören und es ins Final-Turnier geschafft haben. Aber das erste Pandemiejahr muss halt mit einem Sternchen versehen werden. 

Und mit dem jetzt eingeführten neuen System wird das alles nur noch viel krasser werden. Denn diese Liga ist ja eingeführt worden, damit die Reichen noch reicher werden und die Schere noch weiter auseinander geht. Dazu kommt die Klub-WM, von der die Conference Teilnehmer nicht mal träumen dürfen. 

Genau deswegen ist die Einführung der Conference League als quasi Gegengewicht zu dieser Monotonie. Zumindest für die nächsten 5 Jahre, bis die Schere dann so weit auseinandergegangen ist, dass auch die C-Elf der 7. besten Mannschaften aus England und Spanien die besten Mannschaften all dieser kleinen Nationen besiegen. Die 5 Jahre sollten wir genießen. Falls es dafür nicht doch schon zu spät ist.

Aber um das nochmal mit Zahlen zu verdeutlichen: Seit der Einführung der Conference League kamen in allen anderen Wettbewerben 2 von 32 Mannschaften nicht aus einer der großen 5 Ligen. Die schon erwähnten Rangers und Bodö/Glimt. In der Conference League spielten auch Mannschaften aus diesen 5 Ligen. Aber eben auch Feynoord Rotterdamm und AZ Alkmaar aus den Niederlanden. Club Brügge aus Belgien. Olympiakos Piräus aus Griechenland. Und jetzt Djurgardens IF aus Schweden. Wir sind also bei 5 von 16. Gut, dafür gab es aber noch keine Deutsche Mannschaft. Trotzdem sind wir jetzt schon bei Teilnehmern aus 8 verschiedenen Nationen, während die Champions League nur auf 5 kommt. Und während es in der Königsklasse keine realistische Hoffnung darauf gibt, dass sich dieser Kreis irgendwie erweitert, dürfte er in der Conference League quasi jährlich erweitert werden.

Donnerstag, 16. März 2023

Eintracht Frankfurt wird zurückkommen

 Was eine schlechte Nachricht für die Behörden in Italien ist. Und gar nicht soo selbstverständlich. Aber es sollte funktionieren.

Wenn man mal ganz sachlich darüber nachdenkt, hat die Bundesliga ja ein grundlegendes Problem: Mit Schalke 04, Werder Bremen und dem Hamburger SV haben sich in den letzten 15 Jahren drei Mannschaften freiwillig aus dem Europacup-Pool entfernt. Also alle drei spielten sogar in gewisser Regelmäßigkeit in der Champions League. Dadurch hatte man mit den Bayern, Dortmund und Leverkusen 6 Mannschaften, die nach Europa wollten oder mussten. 

Sachlich gesehen wurden diese 3 Mannschaften durch RB Leipzig ersetzt. Was ja auch nachvollziehbar ist: Es ist halt verdammt schwierig, auf organische Weise in diese Liga hineinzuwachsen. Die meisten Vereine kommen bei Bundesliga Mittelmaß an ihre Grenzen. Am praktischen erklärt man dies natürlich an dem Beispiel SC Freiburg: Dort hat man mit Christian Streich eigentlich einen unfairen Wettbewerbsvorteil: Der beste Trainer der Liga kann im stabilsten Umfeld arbeiten. Und dieser Trainer hat ja auch kein wirkliches Interesse, zu anderen Vereinen zu gehen. Trotzdem liegt man halt im beschaulichen Freiburg, einem eher kleinen Markt und hat deshalb ein relativ kleines Stadion.

Mainz hat von der Arbeit, die sie leisten, ebenfalls das Potenzial, die Lücke zu schließen, aber sie liegen zwischen so vielen Traditionsvereinen, dass sie selbst ihr relativ kleines Stadion nicht voll kriegen.

Wolfsburg sollte eigentlich die finanziellen Möglichkeiten haben, hat aber anscheinend einfach nicht die Strahlkraft, um wirklich gute Spieler anzuziehen und zu halten. 

Borussia Mönchengladbach fehlt seit Jahren genau die Konstanz, wie sie in dieser Saison als Mikrokosmos eindrucksvoll beweisen.

Union Berlin ist der absolute Wahnsinn, aber eigentlich auch eine Nummer zu klein, um dauerhaft im Konzert der ganz Großen mitzuspielen... zumindest so lange, bis sie sich ein Europacup taugliches Stadion bauen. 

Köln arbeitet sich noch aus den Chaos-Jahren heraus und wird erstmal damit zufrieden sein, einen stabilen Bundesligisten zu stellen. Die spannende Frage ist, wie lange ein Steffen Baumgart sich damit zufriedengibt.

All diese Mannschaften hatten oder haben theoretisch das Potenzial in die entstandene Lücke zu preschen. Sie hatten sogar einzelne Saisons, in denen sie sich für den Europacup qualifizierten. Selbst Hoffenheim hat dies ja zwischenzeitlich geschafft... was nebenbei auch nur zeigt, wie schwierig es ist, selbst mit externen Geldgebern in diesen Kreis aufzusteigen. Denn selbst mit den Hopp Millionen spielt man am Ende meistens "nur" in der Bundesliga mit.

Aber es war halt auch oft im "Irgendjemand muss doch" Modus.

Frankfurt hat dagegen, stand jetzt, alle Möglichkeiten dauerhaft in diesen Kreis einzuziehen. Sie haben schon ein Stadion, in dem eine gewisse Beyoncé Knowles auftreten kann, das also den allerhöchsten Ansprüchen genügt.
Scary Fun Fact: Seitdem Beyoncé am 29. Juli 2016 die Commerzbank-Arena mit einer wahnsinnig guten Solo-Show gesegnet hat, die Eintracht den DFB-Pokal als ersten nationalen Titel seit 30 Jahren gewonnen, sie die Europa League Krone aufgesetzt (als erster deutscher Verein, seit dem das Ding so heißt) und das Achtelfinale der Champions League erreicht. So weit, so lustig. Jetzt der beängstigende Teil: Die spielt im Sommer im Volksparkstadion. Falls irgendetwas den HSV retten kann, dann der Segen einer Heiligkeit. Boycott Beyoncé!!! Also wenn das mit deren Aufstieg dieses Jahr klappen sollte, ist das schon die erste Auswirkung der Konzertankündigung.

Das habe ich jetzt natürlich nur eingeführt, um darauf hinzuweisen, dass auch äußere Einflüsse auf so einen Verein wirken. Und dass selbst The Caters einer Hertha nicht helfen können, ignorieren wir einfach. Das liegt wahrscheinlich am negativen Karma von Jay-Z.

Vor allem wollte ich aber mal verdeutlichen, dass dies keine kurzfristige Erfolgswelle ist, sondern eher ein konstanter, seit Jahren anhaltender Anstieg ist. Etwas, was wir sonst so nur bei Union Berlin erleben durften.

Frankfurt ist halt auch nicht mehr in der ersten Generation der neuen Erfolgswelle. Also weder auf, noch neben dem Platz. Das ganze ging ja mit der "Büffel-Herde" um Sébastien Haller, Ante Rebic und Luka Jovic los. Die beiden hat man für 117 Millionen Euro verkauft. Frankfurt hat aber genau das geschafft, woran all die anderen Vereine immer scheitern: Sie haben diese Spieler durch mindestens ähnlich gute, wenn nicht sogar bessere, Spieler ersetzt. Also aus Haller wurde zunächst Andre Silva, dann Randal Kolo Muani. Aus Jovic wurde erst Filip Kostić, dann Philipp Max

Und klar, es funktioniert nicht jeder Transfer. Aber es funktionieren genügend, dass man die stetigen Abgänge kompensieren kann. Das hat in der Form sonst keiner geschafft.
Das passierte nebenbei auch abseits des Platzes. Also die Grundlagen für den Erfolg haben ja Niko Kovac und Fredi Bobic gelegt. Beide wurden inzwischen von ihrem nächsten Verein entlassen. Man fand aber zunächst Adi Hütter und dann Oliver Glasner. Statt Bobic hat jetzt Markus Krösche die Fäden in der Hand. Man ist im Gegensatz zu Freiburg oder Köln halt nicht von einem Trainer abhängig und wenn der geht, bricht alles zusammen.

Die wirklichen Konstanten sind Präsident Peter Fischer, der seit 2000 im Amt ist, was mich wirklich verwundert, weil er damit für 2 Abstiege verantwortlich war. So was überlebt man doch eigentlich nicht. Und Oliver Frankenbach, der laut Transfermarkt.de seit 2007 als Geschäftsführer fungiert und seit 1997 im Verein ist. Da könnte ich mich jetzt fragen, wie viele Frankfurt Fans diesen Namen kennen... vielleicht antwortet Phil ja...

Frankfurt hat nebenbei auch einen ganz geheimen Standort-Vorteil: Sie kommen halt aus einer der reichsten Gegenden Deutschlands. Zumindest noch, angeblich ist ja die nächste Bankenkrise im Anmarsch. Man sitzt ja direkt neben dem deutschen Bankenzentrum und quasi an der Börse, ohne da notiert zu sein. Der örtliche Flughafen ist der größte in Deutschland und der viertgrößte in Europa. Da sitzt halt haufenweise Geld. Damit ist es für Frankfurt wesentlich einfacher in der Spitze und in der Breite Sponsoren zu finden, als dies in Mainz oder Freiburg der Fall ist. Es ist halt kein Zufall, dass deren Stadion von "Commerzbank Arena" zu "Deutsche Bank Park" umbenannt wurde. 

Die gesamte Region ist halt in der Lage, dieses Wachstum mitzutragen. Und man zieht ja auch genügend Fans an, man ist jetzt bereits in den Top 20 der internationalen Zuschauertabelle. Das ist einerseits schlecht, weil man hinter dem HSV liegt... andererseits ist man vor Paris Saint Germain. Was mich an der Stelle ein wenig überrascht: Laut Transfermarkt.de waren nur 3 Spiele ausverkauft, obwohl man eine Auslastung von 97 % hat. Man hat also Stand jetzt genau die richtige Stadiongröße, aber wenn der Verein weiter wächst, wird man im Metroplex Frankfurt Möglichkeiten finden, dieses Stadion zu erweitern...

Alles in allem würde es mich wirklich überraschen, wenn Frankfurt zukünftig nicht in 8 von 10 Jahren international vertreten ist. Was für alle eine gute Nachricht ist... außer für die italienischen Behörden.

Freitag, 24. Februar 2023

Warte, was? Die Bundesliga... ist gut?

 Im internationalen Vergleich? Nicht nur das, sie sind besser als die Premiere League, die kein einziges ihrer Hinspiele gewonnen hat? Und das, obwohl sie 2 Spiele gegen genau diese Bundesliga bestreiten durften? Wer hätte das gedacht?

Das einzig erwartbare der letzten beiden Europacup Wochen war ja die "Dank brutaler Effizienz: Union Berlin schlägt Ajax" Schlagzeile. Das lief halt wie immer. Bayer Leverkusen scheint ja selber verwirrt zu sein, dass sie plötzlich doch Elfmeter schießen können. Das war schon echt fies.

Im Großen und Ganzen sind 7 Mannschaften noch in der europäischen Verlosung dabei. Und nur für Eintracht Frankfurt sieht es richtig schlecht aus. Was auch völlig absurd ist: Nachdem jahrelang darüber "internationale Härte" geschrieben wurde, fliegt Frankfurts Superstar Kolo Muani für ein "In der Bundesliga gibt es dafür Gelb" Foul vom Platz. Wobei es natürlich auch ein "als deutscher Journalist/Experte/Schiedsrichter argumentiere ich natürlich für den Spieler im deutschen Trikot" Fall sein kann. Also ich bin mir ziemlich sicher, dass alle italienischen Schiedsrichter da eine klare Rote Karte sehen. 

Meine ganz persönliche Empfehlung bei solchen Szenen ist ja: Fragt mal einen "Unbeteiligten". ESPN erlaubt sich da aber gar kein Urteil. So falsch wird der Schiedsrichter da also nicht gelegen haben.

Viel wichtiger ist doch aber, dass wir eigentlich davon ausgingen, dass auch RB Leipzig gegen Manchester City ungefähr so aussehen wird, wie Eintracht gegen Neapel: Der deutsche Teilnehmer gibt sich bemüht, ist aber am Ende ein wenig überfordert und muss sich bei seinem Torwart bedanken, dass sie nicht deutlicher verloren haben. Aber City hat ja nach der Pause das aktive Mitspielen eingestellt und Pep Guardiola hat einfach mal spontan beschlossen, dass er nicht coachen will.

Ich meine ernsthaft: Wie schafft man es bei dem Budget keine Alternativen auf der Bank zu haben, denen man in solchen Spielen vertraut? Der Kader soll über eine Milliarde Euro wert sein. Da muss man doch auf den Spielverlauf der 2. Halbzeit Einfluss nehmen können. Ich dachte, dessen größtes Problem bestände darin, genügend Spielzeit für all seine Stars zu finden. Aber anscheinend bereitet er sich schonmal auf die Zeit nach den Sanktionen vor, wenn er nur noch 11 Spieler zur Verfügung hat... ja, als ob.

Was mich ja zu der spannenden Frage bringt: Für wen sind die Moralisten unter den Traditionsfans bei so einer Ansetzung? Also diejenigen, die RB Scheiße finden. Aber Man City ist doch das absolute und personifizierte Böse: Sportswashing in seiner reinsten Form. Dazu kommt die Angewohnheit, auf die finanziellen Regeln zu scheißen. Und die kaufen die Bundesliga kaputt!!!

Gut, das ist dann der Punkt, an dem der Traditionsfan zugeben muss, dass er eigentlich gar keine Champions League mehr gucken kann, weil abgesehen von den Bayern und vielleicht der SSC Neapel alle anderen Bösewichte sind. Aber dann gehen ja genau diese Fans in riesigen Scharen zur Kommanditgesellschaft auf Aktien und lässt sich von denen "Wahre Liebe" verkaufen. Das schöne an der Moral ist ja, dass sie nur ein Feindbild braucht und der Rest ist egal.

Und das ist ja auch kein Vorwurf, ich bin da ja selber auch nicht besser. Ich dachte ja bei der Paris St.Germain gegen Bayern Ansetzung für den Deutschen Rekordmeister sein müsste. Also ich kann ja gar nicht wollen, dass dieser Verein mit dem dreckigen Geld aus Katar weiterkommt. Aber dann hat Rummenigge wieder irgendwas in irgendein Mikrofon erbrochen und ich dachte mir: Nee... Dem gönne ich das nicht.

Apropos Bayern: Am Ende läuft doch alles für die: Sie saßen an diesem Wochenende ganz entspannt bei Collien Fernandes auf der Couch und konnten sich angucken, wie Union DEN emotionalen Höhepunkt ihrer Vereinsgeschichte erlebt. Aber die haben schon letzte Woche beim Tabellenletzten nachgewiesen, dass es für sie nicht ganz so selbstverständlich ist, im 3-Tages-Rhythmus Topleistungen abzuliefern. Und am Wochenende müssen sie gegen die Bayern ihre beste Saisonleistung anbieten und selbst das könnte nicht reichen.

Man darf schon gespannt sein, mit welcher Aufstellung Union diese Aufgabe angeht, denn letzte Woche hat sich Urs Fischer ja für eine Rotation entschieden. Das kann er sich gegen die Bayern definitiv nicht erlauben. Aber hat er eine Chance, wenn seine Spieler nicht an ihr absolutes Leistungslimit gehen können? Wir werden es am Sonntag erfahren.

Und sein wir mal ganz ehrlich, um noch eine kleine Vorschau einzufügen: Bayern gegen Union ist die spannendste Ansetzung der letzten was...5 Jahre? Ja, es ist 5 Jahre her, dass es eine vergleichbare Konstellation gab. Und Borussia Dortmund... also... zumindest theoretisch, es ist Dortmund, die werden das verkacken... aber Dortmund könnte vorher an den Bayern vorbeiziehen. Eine derartige Konstellation hat es in den letzten 10 Jahren nicht gegeben.

Nachdem ich das so gehyped habe, muss ich aber festhalten: Das letzte Mal in einer ähnlichen Konstellation haben die Bayern den direkten Konkurrenten einfach 5:0 abgeschossen und die Tabellenführung übernommen. Und ja, das ist so lange her, dass Mats Hummels noch relevant war. Dennoch bleibt festzuhalten: Ein deutlicher Sieg ist immer noch der wahrscheinlichste Ausgang. Trotzdem ist die Spannung förmlich greifbar.

Freitag, 6. Mai 2022

Da ziehen tatsächlich die Guten ins Finale ein

 Das war doch so nicht geplant. Also sonst gewinnen doch immer die bösen Turbokapitalisten mit dem Oligarchen-Geld. Und jetzt...

Aber ja, das war die 2. absolut epische Europacup Woche hintereinander. Das einzige Spiel, welches so ablief, wie erwartet, war ja Real Madrid gegen Manchester City... Oder habt ihr nicht damit gerechnet, dass Real das noch irgendwie dreht? Die werden auch im Finale zurückkommen. Und hinterher wird keiner erklären können, wie sie das Ding gewonnen haben.

Nebenbei hat Real Madrid jetzt in der K.O Phase 10 Gegentore kassiert und ist trotzdem im Finale. Und im Gegensatz zu Liverpool, die ihre Gegentore ja in bedeutungslosen Rückspielen im Verwaltungsmodus kassieren, fallen diese Tore zu psychologisch ungünstigen Zeitpunkten.

Nur um das mal festzuhalten: Im Achtelfinale gegen Paris St.Germain war man bis zur 76. Minute auf dem besten Weg auszuscheiden. Im Viertelfinale erzielte man das Tor zur Verlängerung in der 80. Minute. Und im Halbfinale brauchte man 2 Treffer in der 90. Minute, um die Verlängerung zu kommen. Oder anders ausgedrückt: Obwohl schon im Achtelfinale der Gegner mit einem Fuß in der nächsten Runde war, machte Real es in den nächsten Runden noch spannender.

Aber das sind halt diese magischen Europacup-Geschichten. Die sich dann ja auch am Donnerstag fortgesetzt haben. Anscheinend hat der Fußballgott gerade eine Schwäche für Tradition...

Wobei... Die Glasgow Rangers sind ja 2012 insolvent gegangen und mussten sich, um ihren Schuldenberg loszuwerden, neu gründen. Wenn man das so sieht, sind die Rangers der aufstrebende neureiche und junge Klub, der in kürzester Zeit von der 4. schottischen Liga in ein Europacup-Finale gepusht wurde. Aber ja, es gibt Leute, die behaupten, dass RB älter ist als die Rangers... just saying.

Nebenbei führen beide Finale für eine wirklich interessante Parallelität: Beide Finale wären besser gewesen, wenn sich die andere Mannschaft durchgesetzt hat. Allein schon, weil Nkunku dann auflaufen würde. Das Schauspiel auf dem Rasen wäre deutlich attraktiver... aber die Stimmung wäre halt beschissen. Also bescheidener. Denn auch wenn in Leipzig eine Fankultur am Wachsen ist, so ist sie natürlich noch Ewigkeiten von Frankfurt und Glasgow entfernt. Da beide Vereine eine Fanszene haben, die wirklich für großartige Stimmung sorgen, wird RB deren Niveau nie erreichen. Deswegen ist es für das Drumherum und die Atmosphäre das großartigere Finale. Jetzt kann jeder abwiegen, was ihm wichtiger ist. Und das sage ich bewusst genau so, denn da gibt es kein "richtig" oder "falsch", beide Parteien haben aus ihrer Perspektive recht.

Und auch im Champions League Finale gilt dasselbe Prinzip: Manchester City gegen Liverpool wäre das bessere Finale auf dem Rasen. Dann hätte man halt 2 Mannschaften, die wirklich und konstant großartigen Höchstgeschwindigkeitsfußball spielen und nicht eine Mannschaft, die sich irgendwie durchwurschtelt. Aber es wäre halt auch das 4. Mal, dass diese beiden Mannschaften in dieser Saison aufeinandertreffen. Da verliert das Spiel halt doch irgendwie das Außergewöhnliche. 

Real gegen Liverpool gibt es dagegen zum 9. Mal... in der Geschichte der Champions League. Das ist einerseits ein extrem geschichtsträchtiges Duell, weil es tatsächlich das dritte Finale gegeneinander ist... andererseits ist es aber trotzdem eine außergewöhnliche Ansetzung. Und genau so sollte ein Champions League Finale ja sein.

Natürlich liegen diese 9 Ansetzungen auch daran, dass Liverpool lange weit weg von der absoluten Spitze war... was dazu führt, dass sie sich "jetzt" wieder "regelmäßiger" über den Weg laufen. Denn man hat ja seit 2014 mehr Spiele gegeneinander absolviert, als vorher in 40 Jahren... Aber das ist halt der Wandel des europäischen Wettbewerbs: Es gibt immer weniger Überraschungen und immer häufiger dieselben Ansetzungen. Aber das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen.

Freitag, 18. Februar 2022

Lasst uns mal gemeinsam und ausführlich

 Alle Siege, die die Bundesliga in Europa errungen hat, feiern... 

Ok, fertig.

Nicht nur, dass man gegen den FC Salzburg, die Glasgow Rangers und Real Sociedad San Sebastian nicht gewinnen konnte. Selbst die Bayern und RB Leipzig brauchten einen späten Treffer, um nicht ebenfalls als Verlierer vom Platz zu gehen. 

Und es ist ja nicht so, als wäre das die gehobene internationale Konkurrenz. Man will sich gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn man Paris St. Germain oder den FC Chelsea zugelost bekommen hätte...

Aber hey, Thomas Müller hat ja die Vorlage zum 1:1 zusammengestolpert, deswegen ist ja alles gut... Und klar, im Rückspiel werden die Bayern die souverän mit 3:0 abfertigen. Das würde auch passieren, wenn Kingsley Coman nicht doch noch den Ausgleich gemacht hat. Wie ungefährlich die Bayern gegen international zweitrangige Konkurrenz über 90 Minuten waren, sollte einem trotzdem zu denken geben. Und man hatte Glück, dass Salzburg von der Bank wenig bis nichts nachlegen konnten, da sie ihren einen guten Joker bereits nach 12 Minuten einwechseln mussten. Man stelle sich vor, Salzburg wäre mit 2 oder 3 schnellen und frischen Spielern auf diese Bayern-Abwehr zugelaufen...

Leipzig muss sich langsam damit beschäftigen, ab wann Red Bull entscheidet, dass es eigentlich effektiver ist, wenn man für Salzburg ausbildet. Also eigentlich gibt es diese Filiale ja nur, weil man es für unrealistisch gehalten hat, dass man von Österreich aus Europa erobern kann. Das hat der Mateschitz in "Mein Kampf" gelesen. Wenn der FC Salzburg jetzt die Bayern auch im Rückspiel vor größere und konsequentere Probleme stellt, als RB dies schafft... die dann schon aus der Europa League ausgeschieden sind...

Ein Teil von mir glaubt ja, dass das ein ganz genialer Schachzug ist, um die Pläne von Donata Hopfen zu ruinieren. Denn die wird keine Playoffs mit 4 Teilnehmern einführen können, wenn Deutschland nur noch 3 Plätze für die Champions League hat... Die Lösung: Ein Halbfinale zwischen dem Zweiten und Dritten und danach dann ein Finale in der Allianz Arena in München. Also ja, technisch gesehen findet dieses Spiel im Stadion des Tabellenersten statt, praktisch rotiert das DFB-Pokalfinale mehr als dieses Spiel. Also sobald es ein Mal in 20 Jahren in Saudi Arabien ausgetragen wird.

Um das ungünstige deutsche Bild abzurunden und in anderweitig völlig zusammenhangslosen Nachrichten: die Deutschen Biathleten kommen mit der schlechtesten Bilanz seit 2010... Genau in dem Moment, wo man die als Drohkulisse gegen die Russen in der Ukraine braucht, liefern die nichts. Wie will man denn Putin beeindrucken, wenn deine Elitesoldaten dir sagen "Mir sind die Finger fast abgefroren!" Es war halt einfach zu kalt. Da kann man nichts machen...

Oh ich vergaß, bei den Olympischen Spielen geht es nicht um Machtdemonstrationen und Korruption, sondern um den friedlichen sportlichen Austausch zwischen den Nationen. Deswegen sind die Deutschen auch dann am besten, wenn man ihnen ein Gewehr auf den Rücken schnallt...

Freitag, 19. März 2021

Warum die Europa Conference League etwas gutes ist

Derzeit wird ja von allen hauptsächlich darauf geflucht und der Wettbewerb als unnötig eingestuft. Max Kruse hat zum Beispiel so gar keinen Bock drauf... aber der ist ja auch nach Istanbul gewechselt, um Champions League zu spielen...

Aber wenn man sich ein bisschen von dem "Uns interessiert das nicht!" löst und den Blick etwas weiter stellt, wird man dort viel Interessantes finden. Das ist ähnlich wie die Nations League, die halt auch hauptsächlich den kleinen Ländern etwas bringt, während sie für die Großen nur Testspielcharakter hat.

Und ja, der Deutsche Teilnehmer muss da nur mitmachen, damit wenigstens ein wenig Geld und Aufmerksamkeit generiert wird. Das nennt man Europa Solidarisch... da steckt das Wort arisch halt drin, das geht nicht ohne deutsches Mitwirken...

Das Problem ist halt, dass die Europacups mittlerweile ab dem Viertelfinale eine extrem geschlossene Gesellschaft geworden sind. Wenn nicht sogar früher schließlich setzte sich das Achtelfinale der Champions League dieses Jahr nur aus 6 Nationen zusammen...

Die Formel lässt sich relativ einfach berechnen. Sie lautet für die Champions League: England, Spanien, Deutschland, Italien und Frankreich plus 1. In der Regel schafft es ein Außenseiter ins Konzert der Großen, da ist man dann aber krasser Außenseiter. Im Wesentlichen setzt sich jedes Viertelfinale aus dieser Konstellation zusammen.

Ehrlich, ich bin auch überrascht, dass da wirklich "Deutschland" und nicht nur "Bayern München" steht, Aber Dortmund, Leipzig, Wolfsburg und (ja wirklich auch die) Schalke kommen zusammen auf 7 Viertelfinalteilnahmen in 10 Jahren.

Und ja, es gibt immer einen Wildcard Platz. Dieses Jahr ist es, mal wieder, der FC Porto. Letztes Jahr war es wohl Atalanta Bergamo, die diesen Wildcard Platz für sich beansprucht haben. Dafür gab es im Jahr davor mit Ajax Amsterdam UND Porto sogar 2 Wildcards... Dafür waren die 5 großen Ligen in den 2 Jahren davor komplett unter sich.

Es gibt sogar richtig krasse Außenseiter-Geschichten wie APOEL Nikosia, im Jahr 2012... Dennoch gehen halt 7 von 8 Startplätze in der Regel an einen sehr kleinen und elitären Kreis.

In der Europa Leauge mag es ein wenig besser aussehen... aber halt auch nur, weil ausschließlich der FC Sevilla den Wettbewerb so richtig ernst nimmt. Und selbst dann lautet die Formel auch nur 5+3. Dieses Jahr sind es Slavia Prag, Ajax Amsterdam und Dinamo Zagreb. Aber allein schon, dass Ajax hier als Ausnahme gelten muss, wenn es früher mal ein Stammgast in den Finalrunden war, sagt doch viel über die Entwicklung des europäischen Fußballs.

Letztes Jahr waren es Donezk, Basel und Kopenhagen. Davor Lissabon und schon wieder Prag. Davor Moskau, Salzburg und wieder Lissabon.

Das sind sehr schöne Städte (und Donezk, was nen bisschen wie Halle sein muss) mit viel Fußballtradition, die aber nur in Ausnahmefällen am Europacup-Frühling teilnehmen.

Denn hier kommt der nächste Funfact: Von all diesen "Wildcard-Teilnehmern" hat ausschließlich RB Salzburg und Schachtar Donezk ins Halbfinale. Bei Donezk gegen Basel hat da aber auch das Losglück geholfen

Warum also nicht einen Europacup einführen, in dem die Menschen aus diesen Städten die Chance auf magische Europapokalnächte haben. Und ja, bei einem Halbfinale Donezk - Moskau müssten die in der Ukraine mit einer Invasion russischer Fans rechnen... im schlimmsten Fall sind das als Fans getarnte Soldaten, aber sie werden kommen...

Das ist ja nur die Spitze des Eisbergs, das setzt sich dann bis zu den kleinsten Verbänden fort. Überlegt euch einfach mal, wie viele Mannschaften aus den baltischen Ländern die Gruppenphase der Champions League erreicht, oder die der Europaleague überstanden haben. All diese Verbände bekommen da die Chance mal wirklich am Europacup teilzunehmen.

Damit ist dann auch geklärt, wer das am Ende gucken wird: All die Fans, aus all den Verbänden, die praktisch vom Europapokal Sommer ausgeschlossen sind. Lasst die doch ihren Spaß haben.

Und dann kommt als Billigsekt in dem Pokal das Finale in Tirana, Albanien. Dadurch, dass dieser Wettbewerb um einiges kleiner ausfallen wird, kommen haufenweise Regionen als Austragungsort für ein Finalspiel infrage, die sonst nie auf dem Radar auftauchen würden. Das ist doch auch etwas sehr Schönes.

Wir Deutschen müssen dafür nur... Einen Teilnehmer abstellen, der sich in der Europa Conference League blamiert, anstatt dies in der Europa League zu tun. Wolfsburgs Weg zum Ausscheiden vor der Gruppenphase wäre in der ECL wesentlich kürzer gewesen, man hätte nur eine PlayOff Ansetzung verkacken müssen und hätte sich sonst geregelt auf die Saison vorbereiten können.

Wenn "Unsere Europacup Teilnehmer" sich jedes Jahr wie der FC Sevilla präsentieren würde und allesamt die Gruppenphase überstehen, könnte man sich fragen ,warum einer von denen jetzt ohne eigenes Zutun von diesem Wettbewerb ausgeschlossen wird. Aber das realistische Szenario ist ja, dass plötzlich 2 Deutsche Mannschaften an der K.O.Phase der ECL teilnehmen, weil sie in der Gruppenphase der Europa League bescheidender Weise nur 3. geworden sind. So wie sich die deutschen Teilnehmer (abgesehen von Eintracht Frankfurt, Ehre wem Ehre gebührt) in der Europa Leauge präsentieren, kann es denen egal sein in welchem Wettbewerb sie sich blamieren.

Und wenn wir das allesamt einfach ignorieren, aber der Wettbewerb im Ausland gut angenommen wird, dann setzt RTL das Geld für die Übertragungsrechte in den Sand. Das ist dann eine Win-Lose Situation, die uns auch nicht schadet...

Freitag, 26. Februar 2021

Die Auswärtstorregel ist etwas wunderschönes.

 Und ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass ich früher mal das Gegenteil behauptet habe. Das war aber wahrscheinlich im Rahmen der Relegation. Da gibt es einen entscheidenden Unterschied: Das Ergebnis der Relegation ist oftmals essenziell für den Verein. Ein Abstieg ist ein dramatischer Einschnitt, ein verweigerter Aufstieg ebenfalls. Das Erreichen der nächsten Runde in der K.O. Phase ist, dank der endlos aufgeblähten Gruppenphase reiner Luxus. Sollte es zumindest sein.

Natürlich gibt es mittlerweile Argumente gegen die Auswärtstorregel. Sie ist definitiv in die Jahre gekommen. Denn das Reisen hat halt wesentlich weniger Einfluss auf die Leistung als vor 50 Jahren, weil wir einen extremen Luxusstatus erreicht haben... Und auch eine extrem hohe Sicherheit. Man sollte auch nicht verschweigen, dass Fußballmannschaften schon bei Auswärtsreisen abgestürzt sind. Heute ist das größte Problem, dass man eventuell wegen eines Nachtflugverbotes nicht abheben darf...

Weiterhin ruiniert diese Regel die Hinspiele. Am Ende ist eine 1:0 Auswärtsniederlage ein gutes Ergebnis. Wie oft hört man Leute nach einem 1:2 sagen "Das ist gut für uns, wir haben unser Auswärtstor." Ok, ganz so schlimm ist es nicht, aber bei einem Unentschieden kommt das jedes Mal. Gleichzeitig lohnt es sich für die Gastgebende Mannschaft kaum, noch das 2:1 zu erzielen. Das führt dazu, dass oftmals knappe Ergebnisse von beiden Mannschaften strategisch verteidigt werden.

Natürlich könnte man behaupten, dass das eine Einstellungssache ist und die Heimmannschaft definitiv auf das 3:1 gehen sollte. Allerdings bewies Barca jahrelang, dass es vollkommen irrelevant ist, wie hoch man das Hinspiel gewonnen oder verloren hat.


Was macht die Auswärtstorregel jetzt so wunderschön? Nun ja, ein Tor ändert buchstäblich alles für BEIDE Mannschaften. Mir passiert es relativ oft, dass ich am Donnerstagabend in zufällige Rückspiele in der Europa League rein zappe und dann von den extremen Emotionen beider Mannschaften mitgerissen werde... obwohl ich nicht mal genau wüsste, wo diese Orte liegen und in welcher Liga die spielen. Und so regelmäßig, wie die Deutschen Mannschaften versagen, ist das ja der einzige Grund im März Europa League zu gucken...

Stellt euch einfach mal folgende Frage: Wo sonst wirft Innenverteidiger, der eingewechselt worden ist, um das Ergebnis über die Zeit zu bringen, plötzlich verzweifelt im gegnerischen Strafraum in jeden langen Ball, weil sein Team auf ein Mal dringend ein Tor braucht.

Nehmen wir mal Arenal - Benfica: Nach einer Stunde sah es nach einem sicheren Weiterkommen für Benfica aus, denn wie wahrscheinlich ist es, dass eine Ansammlung von Arsenal-Stürmern in 30 Minuten 2 Tore schießen? Genau. Aber in der 67. Minute fängt der sichere Vorsprung an zu wackeln. Und in der 87. schießt Arsenal tatsächlich den Treffer, der die nächste Runde bedeuten würde. Und dann köpft Rafa den Ball aus Abseitsposition noch an den Pfosten, das Spiel hätte erneut auf den Kopf gestellt werden können. Vor allem gab es in der 2. Halbzeit keine einzige "Lass mal durchatmen und sortieren" Phase. In der beide Teams durchpusten und sagen "Hey, im schlimmsten Fall geht es halt in die Verlängerung."

Und wenn ihr jetzt denkt: Das ist doch eine Ausnahmesituation. Ähm... nein. Eindhoven ist praktisch in der 88. Minute aus dem Wettbewerb geflogen. In diesem Spiel trifft Kouka kurz vor den Knock Out den Pfosten und nicht danach... Allein in dieser Runde passierte es also 2 Mal.


Ich erkläre den Unterschied zu allen anderen Situationen anhand anderer Situationen. Und Schalker Fans sollten dranbleiben, wir kommen gleich zur "guten, alten Zeit". Aber zunächst:

Paderborn - Dortmund: Wie immer kehren wir zu diesem Spiel zurück und Steffen Baumgart bekommt PTSD. Der wird meinen Blog wohl als nächstes deabonnieren... Aber jetzt stellt euch vor, der Elfmeter in der Nachspielzeit hätte nicht nur die Verlängerung bedeutet, sondern direkt das Weiterkommen besiegelt. Dann liegen sich die Paderborner, trotz Abstandsregeln, 3 Tage am Stück in den Armen und die Dortmunder trauen sich trotz Beherbergungsverbot 3 Tage nicht zurück in den Pott getraut. Damn, ich wollte diesen Post Covid-frei halten, hat mal wieder nicht funktioniert. Stattdessen repariert Dortmund dieses Missgeschick halt einfach in der Verlängerung. Ist ärgerlich, aber nicht wirklich schlimm. Nebenbei fällt mir da eine spontane Regeländerung ein, die den DFB Pokal spannender macht: Wenn es nach 90 Minuten unentschieden steht, kommt die klassentiefere Mannschaft weiter. Verlängerung gibt es nur beim "Bundesliga - Bundesliga" oder "2. Liga gegen 2. Liga" Szenario. Sportlich unfair und willkürlich? Vielleicht. Aber sehr viel interessanter. Ich denke das mal durch.

Kommen wir zur guten, alten Schalker Zeit. Dieses wunderschöne Damals, als man noch geheult hat, weil man in allerletzter Sekunde... nicht Meister wurde. Als könnte es um irgendwas anderes gehen, als um das emotionalste Meisterschaftsfinale aller Zeiten.

Also Patrik Anderssons Tor nach einem indirekten Freistoß ist ja das dichteste, was man an "Auf der einen Seite eskaliert die Freude, auf der anderen Seite brechen die Tränen aus" erleben kann. Und natürlich ist der Rahmen einer Deutschen Meisterschaft viel größer, als die Europa League Zwischenrunde. Aber hier ist halt der Unterschied: Zwischen Volksparkstadion und "Einfach nur" Parkstadion liegen 350 Kilometer. 

In der Bundesliga sehen die Emotionen meistens so aus: Die eine Mannschaft feiert ausgelassen, während die gegnerischen Spieler fragen, wohin sie als Nächstes in den Urlaub fliegen. Hin und wieder gibt es Situationen, wo beide gemeinsam weinen, weil Frankfurt die sicher geglaubte Meisterschaft vergeigt und Hansa trotzdem absteigt.

Ich muss an der Stelle kurz an eine für mich ebenfalls schöne Geschichte denken. Wie mein Kumpel in meiner Kneipe frustriert jammerte, dass die Südkoreaner jetzt groß feiern, weil sie Deutschland besiegt haben... obwohl sie auch ausgeschieden sind. Und ich dann nur sagte: Die feiern, weil sie glauben, dass sie weiter sind... und dann nicht in den Krieg müssen, wenn sie zurück in der Heimat sind. Als sie dann das Ergebnis des Parallelspiels erfahren haben, war es mit dem Jubel sehr schnell vorbei.

Und ja, es herrscht offiziell immer noch Krieg zwischen Nord- und Südkorea, was dazu führt, dass junge Männer dort einen ganz anderen Militärdienst ableisten müssen, als wir hier... Und herausragende sportliche Leistungen können einen von diesem Dienst befreien. Wir kriegen das meistens nur am Rande mit. 

Exkursion beendet. Es ging ja eigentlich auch nur darum zu verdeutlichen, dass diese emotionalen Bilder, wenn sie denn mal jenseits des Europacups auftauchen, auf Ewigkeiten im Gedächtnis bleiben. Im Europacup bekommt man derartige Bilder ein Mal im Monat. Und eine der Grundlagen für die Intensität dieser Bilder ist die sportlich vielleicht fragwürdige Auswärtstorregel. Lasst uns die beibehalten.