Posts mit dem Label WM werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label WM werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 16. Juli 2026

Worst of der WM Halbfinale

 Wo ich nach 2 Wochen endlich wieder Internet habe... Kann ich mich endlich auch wieder mit dieser WM beschäftigen... erstmal zum ganz Aktuellen.

Spanien gegen Frankreich war das faszinierendste schlechte Spiel, dass ich seit langem gesehen habe. Also wie die Spanier den Franzosen den Zahn gezogen haben, war schon beeindruckend. Wie Frankreich versucht hat zu pressen, aber einfach keine Aussichten auf Erfolg hatten. Ich habe irgendwo die These gelesen, dass das der Moment war, in dem auffiel, dass Frankreich's Starensemble eben doch untrainierbar ist und von Didier Deschamps nur gemanaged wird. Denn die Automatismen, die man bräuchte, um die Spanier wirklich unter Druck zu setzen, muss man sich halt erarbeiten. Frankreich lief zwar verdammt viel, aber nie geschlossen an. 

Dass dann von der Offensive bei eigenem Ballbesitz kam, war auch beeindruckend. Also dass sich eine Offensive aus Kylian Mbappé, Ousmane Dembelé, Bradley Barcola und Michael Olise in 45 Minuten einen Expected Goals Wert von 0,07 erarbeitet, sollte praktisch unmöglich sein. Also das war Ghana-esque... Nach 90 Minuten lagen sie bei 0,3. Das war also buchstäblich ein "Die hätten ewig so weiterspielen können, ohne ein Tor zu erzielen."

Sachlich gesehen war das sogar absehbar. Also das EM Halbfinale vor 2 Jahren lief ja ähnlich. Und in der Nations League führte Spanien 5:1, bevor es plötzlich nochmal spannend wurde. Es ist also kein überraschender Ausgang. Didier Deschamps hatte praktisch gesehen in den letzten 2 Jahren eine einzige Aufgabe: Seine Mannschaft auf ein Duell mit Spanien vorzubereiten. Den Rest der Welt kann schlägt die Mannschaft aufgrund ihres absurden Talents auch so. 

Aber obwohl Deschamps viel dafür gelobt wurde, dass zum Beispiel ein Mbappé unter seiner Führung viel disziplinierter spielt, als man das vom Verein kennt, hat er das eben nicht geschafft.

Das wirklich enttäuschende war, wie Mut und Widerstandslos Frankreich sich ergeben hat. Am offensichtlichsten war das bei dem zögerlichen Abschluss von Desiré Doué in der 81. Minute. Aber die wirklich schlimmste Szene kam viel früher. Guckt euch einfach mal das Ende der Trinkpause aus der Vogelperspektive an. Das ist bei 1:43:00. Da trabt Olise dann zurück auf den Platz, nur um dann direkt ausgewechselt zu werden... und wieder runterzutraben. Alles mit der Entspanntheit einer 2-Tore-Führung... nur das Frankreich eigentlich 2 Tore erzielen musste.

Entweder hatte Olise sich schon mit dem Ausscheiden abgefunden und wollte noch ein wenig Zeit auf dem Platz genießen... also sich "seinen Applaus" abholen. Oder Deschamps hat es wirklich verkackt, seinen Spielern mitzuteilen, dass er sie gleich auswechselt. Da auch Rayan Cherki auf den Platz zurücktrabt... da fällt es nur nicht so auf, weil er an der Seitenlinie bleibt. Dafür geht der sogar vom Platz und klatscht mit einem Spanier ab. Dann muss man sich natürlich fragen, was Deschamps in dieser Trinkpause eigentlich gemacht hat. Aber eine Mannschaft, die noch daran glaubt, dass sie diesen Rückstand dreht, wechselt da anders aus...

Nur so als Vergleich: Argentinien lag ebenfalls zur Trinkpause im Rückstand. Da standen aber beide auszuwechselnden Spieler schon an der Seitenlinie, bevor die Tafel überhaupt hochgehalten wurde. Und hier ist ein weiteres Detail: Während Didier Deschamps konsequent positionsgetreu wechselte, brachte Lionel Scaloni am Ende den Torschützen zum 2:1 Lautaro Martínez für seinen Linksverteidiger Nicolas Tagliafico. Es war auch wirklich auffällig, wie Argentinien in der 2. Halbzeit seine komplette Spielanlage umstellte. Wie Lionel Messi wieder zum Rechtsaußen wurde, weil der englische Spielplan mit dem Verdichten des Zentrums so gut funktionierte, dass die in der Halbzeit das Singen der Nationalhymnen als Highlight zeigen mussten. Es war aber nicht nur Messi. Er brachte mit Nicolas Gonzalez und Martinez zwei Zielspieler für Messis Flanken, die im Strafraum für extrem viel Unruhe sorgten...

Deschamps hat es dagegen nur geschafft, ein einziges System einzuplanen. Und an diesem ein musste stur festgehalten werden. Obwohl es aus den Spielen davor und aus den 60 Minuten an diesem Tag genügend Anschauungsmaterial gab, dass das nicht reichen wird. 
Jetzt muss man schon irgendwie die Frage in den Raum werfen, ob Deschamps damit ganz offiziell der Jogi Löw dieser Generation ist. Wie viele Titel hätte diese Mannschaft holen können, wenn sich wirklich trainiert worden wäre... Deschamps hat ja schon angekündigt, dass er jetzt belegen will, dass es nicht an ihm lag, da er eben nicht in den Ruhestand geht, sondern neue Herausforderungen sucht. 

Wo wir gerade schon die Anpassungen der Argentinier angesprochen haben, kommen wir nun zum Einbruch der Engländer. Denn die andere Seite deren Medaille ist der extreme Einbruch der Engländer nach der Führung. Dafür hat die Kraft anscheinend gerade so noch gereicht, danach war der Tank dann leer.

Für mich ist auch das gar nicht so überraschend. Denn die Engländer zahlen halt in genau solchen Momenten die "Premiere League Steuer". Und ja, es haben natürlich alle Mannschaften Spieler aus der Premiere League in ihren Reihen. Bei Spanien sind es 7. Die Argentinier haben 5. Aber England hat nur 5 Spieler, die nicht durch die Knochenmühle Premiere League gehen mussten. In der Startelf waren das dann nur Harry Kane und Jude Bellingham. Und die Premiere League ist einfach intensiver, als der Rest. Allein schon weil Arsenal und Manchester City bis zum 37. Spieltag um die Meisterschaft kämpften, die in der Bundesliga und in Spanien frühzeitig entschieden war. Aber diese Liga ist halt auch in der Breite so gut, dass ihre Abstiegskandidaten gleichzeitig um europäische Titel kämpfen. Da gibt es einfach keine einfachen Spiele. Und dann gibt es 38 davon. Dazu die 2 Pokale. Und die Champions League, in der die Schlüsselspieler ja ebenfalls oft weit kommen. 

Also ganz praktisch hatte Declan Rice vor der WM vor der WM 4.456 Minuten in den Beinen. Ein Harry Kane nur 4.050. Und diese 400 "Bonusminuten" werden nicht, wie bei anderen Vereinen, mal 5, sondern mal 18 genommen. 
Da ist es dann auf einmal nicht mehr so überraschend, dass die Argentinier hinten raus noch Kraft haben, obwohl sie das älteste Team des Turniers sind. Gerade die ganz alten Säcke wie eben Lionel Messi haben sich doch praktisch monatelang für diese WM geschont, weil sie sich den Stress des europäischen Rahmenterminkalenders erspart haben. Und selbst ein Alexis Mac Allister, der ja auch bei Liverpool spielt, kommt da nur auf 3.885 MinutenJulián Alvarez kommt auch verletzungsbedingt nur auf 3.549 Minuten. Bei Messi sind es lächerliche 1.423...

Und hier muss man auch nochmal festhalten, dass das Alter bei einer WM nur bedingt ein Problem ist, da das Tempo in den Spielen im Allgemeinen deutlich niedriger ist, als in der Champions League. Das macht man ja auch am besten an Messi fest. Der hat 2015 seinen letzten Titel in der Königsklasse geholt. Der hat halt auch irgendwann das Spiel gegen den Ball fast komplett eingestellt. Und seitdem er das gemacht hat, gab es immer wieder "überraschende" und vor allen Dingen heftige Pleiten in diesem Wettbewerb. Bei Paris, wo dann gleich 3 Angreifer nicht konsequent gegen den Ball gearbeitet haben, wurde es nur noch schlimmer. Aber er steht vor seinem dritten WM-Finale. 

Bei einer WM gibt es aber nur 3 Mannschaften, die rein vom Talent her in ein Halbfinale der Champions League einziehen könnten. Eine davon ist am Ende der langen Saison zu Müde für den Scheiß. Die andere wird von Deschamps "trainiert". Bleibt also nur noch Spanien, die wirklich auf höchstem Niveau agieren. Deswegen kann Argentinien es sich auch erlauben, einen Messi gegen den Ball durchzuschleppen. Und ja, er zahlt das natürlich auch zurück, das ist kein Thema, aber wenn der Gegner den Ball hat, geht Messi hauptsächlich spazieren. In der Champions League würde das viel krasser bestraft werden. 

Dennoch müssen wir an der Stelle auch über Thomas Tuchel reden. Denn das Argentinien die Luft und den Willen für ein Comeback hat, war ja keine ganz große Überraschung. Das haben sie in den vorherigen Spielen schon eindrucksvoll nachgewiesen. Auch dass Scaloni und Messi Anpassungen vornehmen werden, um deinen Matchplan auszuhebeln, ist keine ganz große Überraschung. Warum also mimt Tuchel plötzlich den Gareth Southgate? Dass man gegen Mexiko in Unterzahl auf 5er-Kette umstellt, ist ja nachvollziehbar. Aber dass er gegen Argentinien und einem Messi in überragender Form dasselbe macht, ist total bescheuert. Vor allem hätte er ja mit Noni Madueke und Bukayo Saka frische Flügelspieler auf der Bank gehabt. Wobei man "frisch" bei englischen Profis im Sommer immer in Anführungsstriche setzen muss. Was England brauchte, war kein Mauerwerk, sondern Entlastung. Tuchel wechselte aber ängstlich. Und genau diese Angst übertrug sich auch auf seine Mannschaft, die ehrfürchtig auf die Gegentore wartete.

Es ist halt wirklich faszinierend, dass in diesen beiden, taktisch hochwertigen, Spielen die besseren Trainer den Unterschied ausmachten. Also im Fall von Spanien - Frankreich eher in der Vorbereitung: Da war ein Team perfekt darauf ausgerichtet, den Gegner aus dem Spiel zu nehmen und dem gegnerischen Trainer fiel kein Mittel ein, dieses Team in Not zu bringen. Und bei England - Argentinien machten die besseren Anpassungen während des Spiels den Unterschied aus. Wobei man auch hier festhalten muss, dass Tuchel das ja eigentlich kann. Er hat sich dieses Mal nur verzockt. 

Das ist aber etwas, dass ich eher in der Champions League als bei einer WM erwarten würde. Bei einer WM regeln halt normalerweise die Stars und nicht die Taktik, weil man ja als Trainer auch nur bedingt die Zeit hat, entsprechende taktische Kniffe vorzubereiten. Aber dieses eine Mal muss man ganz klar festhalten, dass die richtige Taktik und die richtigen Anpassungen den Unterschied ausgemacht haben. 

Mittwoch, 10. Juni 2026

WM Vorschau: Ich war noch nie so wenig Bock auf eine WM

Das letzte Mal war der politische Diskurs wenigstens halbwegs interessant. 3 1/2 Jahre später wissen wir aber, dass Sportswashing halt funktioniert und niemand nach der WM weiterverfolgt hat, wie das mit den Menschenrechten in Qatar jetzt weitergeht. Und dieses "niemand" schließt ja auch mich mit ein. Dass so ein Fußballturnier irgendwie die Welt verbessern und die Zustände vor Ort verändern können, wurde auch dank Russland eindeutig widerlegt. 

Wobei dieses Turnier jetzt für mich ja schon ein finaler Belastungstest ist: Ist eine Fifa-WM wirklich too big to fail? Denn dieses Mal gibt es ja kein Sportswashing, sondern Turbokapitalismus im Endstadium. Die Welt zu Gast bei Abzockern. Jetzt ist es natürlich einfach, den Städten Vorwürfe zu machen, wenn sie die Bahntickets von der Innenstadt zum Stadion von 12 Dollar auf 105 Dollar erhöht haben... Bis einem dann bewusst wird, dass das die einzige Möglichkeit für die Stadt ist, den Spaß zu refinanzieren. Denn von den restlichen 11 Milliarden bekommen sie halt nichts ab. Denn bei diesem Turnier zocken sich ja alle Gegenseitig ab... und am Ende gemeinsam die Fans.

Die Fifa zahlt wie immer nichts dafür, dass sie dieses Turnier austragen. Aber anders als in Deutschland gibt es auch kein halbwegs vernünftiges Steuersystem, welches dafür sorgt, dass zumindest ein Teil der Umsätze, die diese WM so machen wird, auch bei den Kommunen ankommt.

Das muss man sich nochmal vor Augen führen: Die Fifa hat völlig absurde Ticketpreise UND völlig absurde Parkplatzpreise aufgerufen... aber von dem Geld bleibt dann nichts vor Ort hängen. Dennoch wird man hinter mit dem heftigsten Gewinn und den größten Umsatz aller Zeiten prahlen. Nun ist das natürlich ein USA-Problem, welches uns aber nur verdeutlicht, wie kaputt dieses Land ist. 

Der entscheidende Unterschied zu Qatar: Der gemeine, politisch desinteressierte Fan kann diese Probleme nicht einfach ignorieren. Also um das nochmal zu verdeutlichen: Ein Finalticket Kategorie 1 kostete damals 1390 Euro. Jetzt gibt es die billigsten Finaltickets für 1759 Euro... Und die gelten nicht als Fahrschein. Die Dollars für die Anreise kommen da noch dazu. Dazu dürften die Hotelpreise eskalieren...

Aber da scheint es schon das erste Problem zu geben... denn der große Ansturm bleibt anscheinend aus. Denn dies wird ein Turnier werden, dass sich die Mittelschicht einfach nicht mehr leisten kann. Also außer man lebt in New York, die haben einen Sozialisten gewählt. Da ist jetzt also Land unter und man kann für 50 $ eine WM Spiel erleben... inklusive Bahnfahrt. Fair.

Aber kann so eine WM funktionieren, wenn die großen Fangruppen ausbleiben, weil sie sich dieses Fest einfach nicht mehr leisten können? Kann da überhaupt Stimmung entstehen?
Eine meiner Lieblings-Fußball-Erfahrungen war ja sowohl 2006 als auch 2024 einfach entspannt vom Marktplatz zum Stadion zu laufen und zu genießen, wie die Fans sich und ihre Mannschaften feiern. Das hab ich gerade beim Conference League Finale wiederholen dürfen. Aber wie soll das funktionieren, wenn die WM Stadien in Kleinstädten liegen? Wenn die Tickets zum Stadion dann so absurd viel Geld kosten, dass einfach hinfahren und feiern keine Option ist?

Da frage ich mich ernsthaft, ob es überhaupt Fans gibt, die ohne Ticket einfach nur die Stadt belagern und dort dann 2-3 Tage feiern. Wenn alles, was eine WM so besonders macht, ausfällt, ist es dann noch eine WM?
Und ja, das Best-Case-Szenario wäre halt eine WM mit mauer Stimmung vor halbleeren Rängen. Denn nur dann könnte sich vielleicht doch noch mal was ändern.

Viel Schlimmer: Das Turnier sollte eigentlich mit einer Triggerwarnung kommen. Also buchstäblich, denn die ganze Nation hat ja den Finger am Abzug.
Die Bedrohung, dass irgendein durchgeknallter die WM nutzt, um wild um sich zu ballern, ist viel zu real. Auch das muss man sich vor Augen führen: Dass der WM Monat ohne Amoklauf abläuft, ist statistisch ausgeschlossen. Denn es gab dieses Jahr schon mehr als 150 davon. 23 mit 4 oder mehr Toten. Könnt ihr euch noch an Columbine erinnern? Es ist mittlerweile so "normal" geworden, dass das in den deutschen Nachrichten gar nicht mehr auftaucht. Es bleibt zu hoffen, dass es zwischen den Amokläufen, die in diesem Land zum Alltag gehören, und den Fanfesten genügend räumlicher Abstand besteht.

Aber jetzt haben die unbehandelten Psychopathen auf einmal die Chance auf eine ganz große Bühne... Lustiger (oder doch eher rassistischer?) Weise macht sich das Kicker-Sonderheft Sorgen darum, dass es im Rahmen des allgemeinen Drogenkrieges in Mexiko zu Vorfällen kommen könnte. Die Tagesschau berichtete vor 4 Monaten. Dass in den USA jeder 15. schon mal einen Amoklauf live erleben durfte, muss man dagegen beim MDR suchen... Nebenbei ist ja auch nicht absehbar, ob ein "Linker", der seine Arztrechnung nicht bezahlen kann, durchdreht... oder ein ICE Agent und MAGA Fanatiker frei dreht. Das Land ist tief gespalten und die Lage hochbrisant. Und da haben wir den senilen Rassisten im Weißen Haus noch gar nicht erwähnt...

Ganz ehrlich: Ich hoffe inständig, dass das ein "PassivesAbseitsLeserwissenesexklusiv" wird. Aber der Rest hat sich ja dafür entschieden, dieses Problem komplett zu ignorieren. Ich will wenigstens offen die Daumen drücken, dass nichts passiert.
Auch hier muss man nochmal den Vergleich zur WM in Qatar ziehen: Solange man da nicht zur LBGTQ+ Community gehörte, war das nicht nur eine günstige, sondern auch eine verdammt sichere WM. Gut, man musste sich damit arrangieren, den Scheiß nüchtern zu gucken, aber das dürfte ja eher zu allgemeinen Sicherheit beigetragen haben. 
Jetzt... ich sage das mal so: Wenn man sich das Turnier vor Ort anguckt, sollte man sich vorher irgendwie darauf vorbereiten, wie man im Falle eine Eskalation reagiert. Die Einheimischen haben da einen klaren Vorteil, für die ist das quasi zum Schulfach erhoben worden...

Das dürfte nebenbei auch Teil des "Bauchgefühls" sein, von dem Rudi Völler gerade gesprochen hat, nachdem der Schiedsrichter aus Somalia nicht einreisen durfte. Wenn ich mit Rudi Völler übereinstimme, muss die Lage wirklich extrem sein...

Und ganz nebenbei führt das Gastgeberland auch noch einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen ein Teilnehmerland. Hier ist ein apokalyptisches Szenario für die Fifa: Wenn die USA und der Iran jeweils 2. in ihrer Gruppe werden, treffen die im Sechzehntelfinale aufeinander. Das dürfte dann das erst mal sein, dass 2 gegeneinander Krieg führende Nationen bei einer WM aufeinandertreffen... aber zum Glück ist der Sport ja unpolitisch... 

Dienstag, 16. Dezember 2025

Das macht doch alles keinen Spaß mehr

 Ernsthaft, ich leide gerade unter einer extremen Schreibblockade. Ich habe verschiedene Beiträge angefangen, aber keiner kam auch nur halbwegs zusammen. Der Grund dafür ist auch einfach zu erklären: Es gibt halt nur so viele Varianten, wie man feststellen kann, dass Bayern Meister wird. Denn selbst wenn die beim Tabellenletzten Federn lassen, büßen sie nichts von ihrem gigantischen Vorsprung ein.

Und über allem schwebt die Fifa und die anstehende WM. Eigentlich sollte dieser Wettbewerb doch als Inspiration dienen. Immerhin gab es eine bombastische Auslosung. Und die Fifa hat das unfassbare möglich gemacht: Lauryn Hill ist pünktlich auf der Bühne erschienen. Und spielte einen 5 Minuten Medley. Das ist gleichzeitig unfassbar skurril und unfassbar traurig.

Also für den Kontext: Ms. Hill war die Leadsängerin bei den Fugees. Das war eine dieser tiefgründig politischen, anti-establishment Bands. Ready or not, here I come... Dann veröffentlichte sie mit "The Miseducation..." eines der besten Alben. Punkt. Das waren die besten Voraussetzungen für eine G.O.A.T. Karriere. Dass sie sich dann für die Familie und gegen die Karriere entschied, kann man ihr nicht mal vorwerfen. Dass sie diese Familie anscheinend so gegen den Baum gefahren hat, dass sie jetzt den Gehaltscheck der Diktatoren nehmen muss, schon. Das ist einfach nur traurig.

Bei der Auslosung wurde ja noch etwas deutlich: Diese WM wird NOCH schlimmer. Die müsste man noch viel mehr boykottieren, als die WM in Qatar. Man kann sich endgültig davon verabschieden, dass es jemals wieder eine "gute" Weltmeisterschaft gibt. Dafür ist die Fifa einfach zu kaputt.

Dass die Amis wirklich so dumm waren, Donald Trump wiederzuwählen, ist dabei Pech. Obwohl es ja ein bisschen absehbar war, dass die keine Frau wählen würden. Random Fun Fact: Trump hat gar nicht so viel mehr Stimmen gesammelt, als bei der vorletzten Wahl. Aber die Demokraten haben 6 Millionen Stimmen verloren, obwohl Kamala Harris praktisch für dieselbe Politik stand, wie Joe Biden... nur hat die halt keine Eier.

Anyhow: Dass die Fifa dann aber so auf Trump abfährt, ist das eigentliche Problem. Gianni Infantino sonnt sich einfach gerne im Licht der Diktatoren. Und dem dann einen völlig absurden, extra erschaffenen "Friedenspreis" zu geben, weil er den Nobelpreis noch nicht bekommen hat. Das ist ne South Park Folge. Und wie soll ich jetzt darüber bissige Satire schreiben? Es wird immer schwieriger für Satiriker

Vor 2 Jahren hätte ich noch gesagt, dass wir halt in einer Welt leben, in der die Comic-Buch-Bösewichte gewonnen haben. Mittlerweile bin ich überzeugt davon, dass selbst ein Lex Luthor diese Diktatoren und Konsorten darauf hinweisen würde, dass sie es ein wenig übertreiben.

Weil das alles nicht frustrierend genug ist, ging gerade ein random Video von einem Kanadier, der gerne ein WM-Spiel im Stadion sehen würde, durch meine Playlist. 


Und ich sag mal: Holy Shit. 

Um das mal kurz festzuhalten: Wenn man eine der Lotterien gewinnt, kann man bis zu 40 Tickets für 10 Spiele kaufen. Man hat aber keine Garantie, dass die 4 Plätze, die man für ein Spiel erwirbt, auch im selben Block sitzen. Die Fifa will sich dabei aber Mühe geben. Also nur um die Theorie zu widerlegen, dass es dabei darum geht, dass Familien gemeinsam ein Spiel besuchen können.

Nein. Es geht darum, dass Spekulanten diese Tickets erwerben und dann über den offiziellen 2nd Hand Markt weiterverkaufen. Und die Fifa hält dabei ganz dreist die Hand auf: Sie nimmt 15 % vom Verkäufer und eine 15 % Gebühr vom Käufer. Wenn ich also ein Ticket für erschreckend realistische 10.000 € kaufe, muss ich dafür 11.500 Euro berappen... und 3.000 Euro gehen direkt an die Fifa, obwohl die das Ticket eigentlich schon mal verkauft hat. Wie kann man so gierig sein?

Vor allem: Wie kann man sich dann hinstellen und behaupten, dass es dabei um die Entwicklung des Fußballs geht? Und darum ein riesiges Volksfest zu veranstalten? Glauben die wirklich, dass das irgendjemand glaubt?

Nebenbei wäre die Weltmeisterschaft auch ohne diese dreckigen Taktiken die teuerste aller Zeiten. Also schon die Grundpreise sind deutlich höher als bei den letzten Turnieren. Und aufgrund der erhöhten Anzahl der Spiele wäre ein Rekordumsatz auch so schon garantiert. Trotzdem muss man noch künstlich weiter an der Einnahmenschraube drehen.

Was ja sogar cool wäre, wenn man das Geld dann in die Entwicklung des Sportes stecken würde. Aber ein Großteil wird in die Taschen der Funktionäre fließen.

Aber selbst das ist noch nicht genug... denn die Fifa hat im Wesentlichen eine Möglichkeit gefunden, NFTS und Lootboxen ins Ticketing einzubauen. Ungefähr so soll das angeblich funktionieren: Für $299  kann ich mir die Chance auf ein Finalticket mit dem Iran erwerben. Wenn der Iran dann dieses Finale erreicht, wird mir ein Ticket zugewiesen, ob das Ticket dann 2.500 oder 25.000 Euro kostet, erfahre ich erst dann. Und natürlich kostet diese Lootbox mehr, wenn man ein Finalticket für England oder Argentinien erwerben will. Wenn man den RightToBuy Weg für seine Nation nimmt, überweist man der Fifa also schonmal mehrere 1000 Euro, um die Chance auf ein Ticket in der K.O. Phase zu erwerben. Und wenn Deutschland in der Vorrunde ausscheidet, hat man das Geld komplett in den Sand gesetzt. Wer denkt sich so einen Scheiß aus?

Und warum berichtet Kicker.de nicht über diese Abzocke? Aber nur um zu beweisen, dass das am Ende funktioniert: Es gab direkt 5 Millionen Ticketanfragen. Und Deutschland gegen Ecuador ist eines der gefragtesten Spiele. Was dank Dynamic Pricing auch nur bedeutet, dass es eines der teuersten Spiele wird. Die Fifa kommt also damit durch und die Stadien werden trotzdem voll sein.

Es gibt auch einfach kein realistisches Szenario, wie die Fifa wieder geheilt wird. Infantino sitzt fester im Sattel, als je zu vor. Und das könnte sogar gut sein, auch wenn das absurd klingt. Denn man muss an der Stelle bedenken, dass wir alle mal dachten, dass Sepp Blatter das schlimmste ist, was dem Fußball je passieren wird.

Mittlerweile wünscht man sich Blatter zurück, denn der hat wenigstens den Eindruck hinterlassen, dass er gerne Fußballspiele guckt... und sich lieber mit Spielern als mit Diktatoren ablichten lässt. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass der Nachfolger von Infantino, falls der irgendwann in den Ruhestand geht, nur noch schlimmer wird... so unvorstellbar das klingt. 

Dienstag, 22. Juli 2025

16 Teams ist das perfekte Teilnehmerfeld

Beim Verfolgen der Viertelfinale wurde mir eines bewusst: ein Turnier mit 16 hat die perfekte Größe. Denn auch wenn ich mich hinter der Maske des Zynismus verstecke, liebe ich es halt, guten und relevanten Fußball zu sehen. Aber gerade in letzter Zeit wurde mir mehr und mehr bewusst, dass ich keinen Nerv mehr für belanglosen Fußball habe.

Hier muss jetzt erstmal ein schizophrener Disclaimer rein, denn mir ist bewusst, dass man bei der Herren-WM nicht auf 16 Teilnehmer zurückgehen kann. Dafür ist der Sport viel zu groß. Und es geht ja, wie ich an anderen Stellen immer betone, nicht darum, das bestmögliche Turnier für uns Europäer zu erschaffen, sondern die globale Entwicklung zu feiern. 
Aber dass fast die Hälfte aller Verbände zur Herren-EM müssen, wird das Turnier auf ewig negativ beeinträchtigen.

Das erste Positive ist der Fakt, dass man nicht sein gesamtes Leben auf den Kopf stellen muss, um das Turnier zu verfolgen. Man musste erst 18 Uhr einschalten und war um 23 Uhr fertig. Wenn man wirklich mal verhindert ist, braucht man nach der Schicht oder nach dem Konzert nur eine Stunde, um alles Relevante zu erfahren. Und ab dem Viertelfinale gibt es nur noch ein Spiel pro Tag, welches abgesehen vom obligatorischen "Wir schalten ins deutsche Lager" komplett im Fokus steht.

Nächstes Jahr werden wir in der Gruppenphase 4 Spiele am Tag auf dem Menü haben. Da wird es von 17 bis 6 Uhr nur Fußball geben. Die werden Doppelschichten beim Public Viewing planen müssen. Selbst mein 21-jähriges Ich, welches 2006 quasi alle Spiele live verfolgt hat, würde da an seine Grenzen kommen.

Dann gab es mit Wales nur eine einzige Mannschaft, die man, bei allem Respekt, als Kanonenfutter bezeichnen kann. Alle anderen Mannschaften waren vor dem Turnier relativ dicht beieinander, auch wenn die Niederlande so zerstritten war, dass man das nur erahnen konnte. Und die Spanierinnen sind halt zu gut, von daher gab es nach ganz oben doch einen beachtlichen Skill-Gap.

Deswegen gab es richtige Hammergruppen. Und weil nur die ersten 2 in jeder Gruppe weiterkommen, gab es auch kein großes Taktieren. Deswegen gab es während des gesamten Turniers nur 2 Unentschieden und noch kein einziges 0:0. Beide Statistiken werden nächsten Sommer am 3. Tag eingestellt sein.

Wo ich gestern auf Kicker.de geflucht habe: Das Re-Live von Portugal - Italien ist beim ZDF nicht mehr auffindbar. Fehlercode 404... Das ist schade, weil man genau diesen Effekt in dieser Schlussphase wunderbar nachvollziehen konnte: Portugal erzielte spät den Ausgleich. Bei einem Turnier mit 24 Teilnehmern würden sich jetzt beide mit diesem Ergebnis arrangieren. Denn Italien wäre mit 4 Punkten als bester Gruppenvierter quasi sicher weiter. Es gibt theoretische Szenarien, in denen man mit 4 Punkten ausscheidet, aber das passiert nur, wenn alle 4 Mannschaften auf diese 4 Punkte kommen. Und auch Portugal wäre mit einem Sieg gegen bereits ausgeschiedene Belgierinnen genauso sicher weiter.

Stattdessen spielten beide Mannschaften in der Nachspielzeit voll auf Sieg. Italien war sich bewusst, dass sie noch ein Spiel gegen die Spanierinnen verlieren werden. Portugal wollte sich nicht darauf verlassen, dass Spanien sich im letzten Gruppenspiel mit einem humanen Sieg zufriedengibt, anstatt aufs 3:0 zu gehen. 
Während man bei den Männern taktiert hätte, führte die extreme Intensität zu einem Platzverweis und 3 klaren Chancen in der Schlussphase.

Ein weiteres positives Beispiel waren die extremen Emotionen nach dem Schweizer Ausgleich. Und das auf BEIDEN Seiten. Die einen feiern das Weiterkommen, die anderen müssen nach Hause fahren. In einem System mit den besten Gruppendritten kommen beide weiter.
Nicht nur das. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die Schweizerinnen bei einer knappen Niederlage mit 3 Punkten und +0 Toren die besten Gruppendritten gewesen wären. Die 4 besten Gruppendritten kamen bei der EM im letzten Sommer weiter.

Hier muss man nochmal festhalten, dass man im aktuellen System bei den Männern mit 3 Unentschieden quasi garantiert weiterkommt. Slowenien hat das vorgemacht, während die Ukraine mit 4 Punkten ausgeschieden ist. Portugal kam 2016, ohne nach 90 Minuten ein einziges Spiel zu gewinnen, bis ins Finale. Bei der WM 1990 war es die Niederlande, die ohne Sieg ins Achtelfinale einzogen, um dort unseren Rudi zu bespucken. Nur um zu verdeutlichen, dass dies kein absurder Sonderfall ist. Seit der Einführung der 3 Punkte Regel in 3 von 4 Turnieren mit den besten Gruppendritten ist dieses Szenario eingetreten. Das ist viel zu häufig.

Es geht also, weil man sich nicht ohne Sieg durchmogeln kann, gleich richtig zur Sache. Und weil es "nur" 16 Teilnehmer gibt, kommt es schon am ersten Spieltag zu richtig geilen Ansetzungen. Nächsten Sommer gibt es dagegen 16 Gruppen. Damit ist ausgeschlossen, dass die 15 besten Mannschaften sich in der Gruppe aus dem Weg gehen. Die USA und Mexiko sind gerade Teil dieser Top-15, ich habe also bedacht, dass es 3 Gastgeberländer gibt. Das Best-Case-Szenario wäre ein Duell zwischen Uruguay in Spanien. 

Aber selbst wenn es dieses "Hammer-Los" gibt, ist der Rest des Teilnehmerfeldes so schwach, dass selbst der Verlierer mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit die K.O. Phase erreichen wird. Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass selbst Deutschland dies schaffen wird. Diese Gruppenphase zieht sich nebenbei über 15 Tage... Da bekommt man doch richtig Bock, jede Nacht 8 Stunden vorm Fernseher zu hängen.

Und in dieser K.O. Phase setzt sich dieses Problem dann fort. In dem aktuellen Turnier gab es schon in der ersten Runde nur gute und enge Spiele. Bei der WM im nächsten Jahr werden wir im Sechzehntelfinale quasi nur David gegen Goliath sehen. Und natürlich ist dann so eine Sensation immer eine faszinierende Geschichte. Im Wesentlichen lassen sich diese Spiele aber auf "der Außenseiter verbarrikadiert sich erfolgreich am eigenen 16er und dem Favoriten fällt nichts ein" runterbrechen. Also Spanien gegen Marokko halt. Für die Freunde des guten Fußballs ist das nichts. Dass der Außenseiter wie Italien gerade in Führung geht, weil sie überraschend gut mitspielen und hoch pressen, ist quasi ausgeschlossen. 

Die Fussball-WM nächsten Sommer hat 104 Spiele im Plan stehen. Von denen werden, falls die Achtelfinale günstig fallen und es da 6 spannende Ansetzungen gibt, 13 relevante Spiele geben... Bei der aktuellen EM gibt es 31 Spiele, dafür gab es schon am ersten Spieltag relevante Klassiker wie Frankreich - England oder Deutschland - Schweden.

Damit steht quasi jetzt schon fest, dass wir diesen Sommer das bessere Turnier verpasst haben und uns nächstes Jahr das schlechtere Turnier schönsaufen werden. Aber wenigstens gibt es dann richtigen Fußball.

Donnerstag, 29. Dezember 2022

Die Premiere League wird so bluten.

 Also ihre Stars, wenn sie in der entscheidenden Saisonphase auf dem Zahnfleisch gehen. Falls sie es nicht eh schon tun.

Aber ja, in England ging der Vereinsfußball natürlich als Erstes wieder los. Mit einem der Pokalwettbewerbe, bei dem erstmal nur all die Spieler, die im Viertelfinale oder früher ausgeschieden sind, auflaufen durften. Aber dann musste auch der Boxing Day gespielt werden, weil das halt Tradition ist. 

Das bedeutet auch nur: 2 Tage nach dem WM-Finale drehte sich das große Rad schon weiter. Also um das mal anders zu verdeutlichen: Noch bevor die offiziellen Feierlichkeiten in Argentinien abgebrochen wurden, spielt Leicester City schon wieder gegen die Milton Keynes Dons. Bevor der erste Argentinier wieder nüchtern war, war das Achtelfinale komplett durch.

Währenddessen hat die Bundesliga noch bis 20.01.2023 Pause. Das sind angemessene 30 Tage. Da kann man dann all die kleinen Wehwehchen wirklich auskurieren und im Urlaub... Ski fahren, wenn man das dann will. Ok, vielleicht sollte man einfach nur an einen Strand fliegen. Aber jeder, wie er mag.

Nun gönnt sich keiner eine derart lange Pause, wie die Bundesliga. Die gingen offensichtlich als einzige davon aus, dass ihre Nationalmannschaft bei dem Turnier weit kommt. Da kann man ja mal daneben liegen. Nebenbei fängt die Bundesliga direkt mit einer englischen Woche an. Ob das so sinnvoll ist, sei mal dahin gestellt. Es ist aber, wenn ich das richtig überblicke, die einzige englische Woche für die Vereine, die nur noch in einem Wettbewerb vertreten sind.

In England kommt halt erschwerend hinzu, dass das halt die beste und tiefste Liga der Welt ist. Das kann im Jahr 2022 ja keiner mehr infrage stellen. Wenn Kylian Mbappé feststellt, dass seine "Ich spiele einfach durch" Einstellung zu Problemen führt, dann tritt er in der einheimischen Liga halt ein wenig kürzer und wird trotzdem Meister. In England kann man sich diesen Luxus nicht leisten, weil jeder leichtsinnige Punktverlust den Titel kosten kann. Und weil die Konkurrenz auch einfach wesentlich stärker ist.

Es wird halt echt spannend, wenn es dann ins Viertelfinale der Champions League geht. Also in die Runde, bei der die Bundesliga zuguckt. Wahrscheinlich. Wobei man an der Stelle festhalten muss: mit ausgeruhten Beinen, einem Thomas Müller auf der Bank und Manuel Neuer im Tor hat man wahrscheinlich sogar eine Chance gegen müde Stars aus Paris. Nur ist eine dieser 3 Voraussetzungen ausgeschlossen und die andere zumindest fragwürdig. Und einen richtig guten Mittelstürmer hat man dann immer noch nicht. Dennoch könnte die Urlaubsverletzung von Neuer den Bayern richtig teuer zu stehen kommen. Denn der Rahmenterminkalender spricht schon für die Bayern.


Wobei ja an der Stelle die Frage aufkommt, ob die Stars erst bluten werden, oder ob sie nicht schon längst kaputt gespielt sind. Denn welcher Premiere League Star hatte denn wirklich eine gute WM? Hakim Ziyech muss da definitiv genannt werden. Das Problem daran: Der hat bei der WM mehr gespielt als in der Premiere League. Der war nach seinen 5 Liga-Einsätzen und insgesamt 270 Minuten Spielzeit mehr als ausgeruht. Hatte aber diese Minutenzahl bereits im Achtelfinale übertroffen. Julian Alvarez darf das Halbfinale seinen internationalen Durchbruch nennen, er ist bei Manchester City Julian Alvarez darf das Halbfinale seinen internationalen Durchbruch nennen, er ist bei Manchester City, aber auch nur Ergänzungsspieler oder Azubi. Im WM Finale spielten dann noch Alexis MacAllistar von Brighton Hove & Albion, den vorher niemand kannte. Und Christian Romero von Tottenham Hotspurs. Interessanterweise hat sich Romeros Körper seine Auszeit vor der WM genommen, sein letzter Einsatz im Vereinstrikot war am 19.10., danach hatte er eine nicht näher definierte "Oberschenkelverletzung". Dazu beide Torhüter, aber das ist ja auch die Position, die die Dauerbelastung am einfachsten wegstecken kann. 

Bei allem Respekt vor diesen Spielern: Das sind, abgesehen von Hugo Lloris, alles Leute, die nicht aus der obersten Kategorie kommen. Zumindest waren sie da vor der WM nicht angesiedelt. Der "teuerste" ist halt Romero mit einem für die Premerie League günstigen Marktwert von 55 Millionen.

Die ganz großen Namen wie, demonstrativ, Kevin de Bruyne waren bei der WM aber praktisch unsichtbar. Also wenn man jetzt rein nach den Marktwerten von Transfermarkt.de geht, war die Top 20 der Liga nach dem Viertelfinale im Urlaub. Spätestens. Mo Salah, Luiz Diaz und Erlin Haaland blieben ganz zu Hause, wofür sie aber natürlich nur bedingt was können. Kai Havertz, Kevin de Bruyne und Darwin Nunez scheiterten in der Vorrunde. Alle 3 hätten daran definitiv etwas ändern können, wenn sie besser gespielt hätten. Rodri scheiterte im Kollektiv an Marroko im Achtelfinale. 

Portugal hat mit Ruben Dias, Bernado Silva, Bruno Fernandes und Joao Cancelo 4 Spieler unter den Top 20. Und einen gewissen Cristiano Ronaldo, der jahrelang ganz oben auf dieser Liste stand oder gestanden hätte. Trotzdem waren sie auch nicht gut genug, um Marokko rauszukegeln. Der Rest teilt sich auf England und Brasilien auf, die jeweils im Elfmeter schießen scheiterten. England schaffte dies sogar ohne Verlängerung.

Das hätten eigentlich alles die Spieler sein sollen, die diese WM prägen. Außer eventuell Saka, schaffte dies aber keiner. Da könnte man schon ein strukturelles Problem sehen. Oder man redet von 19 bedauerlichen Einzelfällen.

Wirklich spannend sind ja die auf Transfermarkt.de nicht näher definierte "Oberschenkelverletzung" von Romero. Und die Adduktorenbeschwerden, die er vorher hatte. Wie viele dieser "mein Körper braucht halt mal eine Pause" Verletzung werden wir in der Rückrunde zur Kenntnis nehmen müssen? Wie viele der völlig überspielten Stars werden entweder verletzt auf der Tribüne sitzen, oder irgendwie fit gespritzt werden und deutlich unter ihrem Niveau spielen? Welchen Einfluss nimmt das auf die Champions League? Oder mache ich mir da viel zu viele Gedanken?

Ich würde spätestens im Halbfinale gegen alle englischen Teams wetten.

Dienstag, 20. Dezember 2022

Warum war dies das beste WM Finale aller Zeiten

 Also dass es das war, steht ja allgemein fest. Und ja, es ist extrem zynisch, dass die korrupteste WM aller Zeiten das beste Finale bekommt. Aber das könnt ihr ja überall sonst lesen. Ich versuche ja einen Blickwinkel aufzumachen, der zumindest mir nicht so über den Weg läuft.

Die meisten konzentrieren sich ja rein auf das Lionel Messi vs Kylian Mbappé Narrativ. Und dass 2 wunderschöne Tore heraus gespielt wurden. Das ist auch nicht gänzlich verkehrt. Dass 2 absolute Weltstars in einem Finale so abliefern, ist außergewöhnlich. Aber das ist nur die oberflächliche Betrachtung.

Fangen wir mal mit Mbappé an. Aber vernünftig. Es wird ja immer behauptet, dass der noch nicht auf einer Stufe mit Messi oder Cristiano Ronaldo ist, obwohl er sich im Verein so benimmt, als wäre er dies schon. Aber die nüchterne Wahrheit lautet: Zumindest in der Nationalmannschaft hat er sie schon überholt. Und die Champions League Titel werden schon noch kommen.

Denn Mbappé ist einer von 3 Spielern, die in 2 Endspielen getroffen haben. Die anderen sind Paul Breitner (ja, in Deutschland regelt das ein Verteidiger) und Pele. Er steht bei quasi uneinholbaren 4 Finaltoren. Und er wird heute erst 24. Was uns wirklich Angst machen sollte: Mbappé könnte noch 2 weitere WM-Finale erreichen.

Nebenbei ist er insgesamt bei 12 WM Toren nach 2 Turnieren. Oder anders ausgedrückt: Miroslav Klose kann sich innerlich schon mal von seinem Rekord verabschieden. Mbappé dürfte diesen Rekord von 16 Toren pulverisieren, selbst wenn Frankreich 2 mal unglücklich im Viertelfinale ausscheidet. Und hey, vielleicht hat er sogar noch Bock auf ein 5. WM Turnier mit 35 Jahren.

Er ist nebenbei auch der 2. Spieler, der in einem WM-Finale einen Hattrick erzielt. Der letzte war Geoff Hurst im Jahr 1966. Damit hat er auch einen weiteren Rekord, auf den er wahrscheinlich verzichten könnte: Er ist der einzige Spieler, der im WM Finale einen Hattrick erzielt und das Spiel danach verliert. Und das wird er auch ewig bleiben.

Also um damit mal das nächste Level an Perspektive zu geben: Der letzte Spieler, der in einem K.O. Spiel 3 Tore erzielte und trotzdem verlor, war Igor Belanov. Wenn euch der Name nichts sagt, liegt das daran, dass es 1986 war. Da war noch die UdSSR und nicht der Russe das personifizierte Böse. Ein weitere Spieler, der trotz Dreierpack (es war damals sogar ein Viererpack) nicht gewann, war Ernst Willimowski. Das war 1938. Das war der Adolf noch nicht das personifizierte Böse. Dies ist der historische Kontext, in dem wir uns bewegen. Dazwischen "schaffte" es noch Josef Hügi 1954. Abgesehen von Belanov kommen diese Spiele aber aus der fußballerischen Steinzeit.

Um das mal zu verdeutlichen kommt hier jetzt eine kurze Auflistung aller Spiele, in denen eine Mannschaft trotz 3 erzielter Treffer nicht gewinnen konnte:

Senegal - Uruguay 3:3 im Jahr 2002.
UdSSR - Belgien 3:4 n.V. 86.
Deutschland - Frankreich 3:3 n.V. 82.
Italien - Deutschland 4:3 n.V. 70.
Portugal - Nordkora 5:3 66.
UdSSR - Kolumbien 4:4 62.
Frankreich - Deutschland 6:3.
Paraguay - Jugoslawien 3:3
Frankreich - Paraguay 7:3 jeweils 58.
Österreich - Schweiz 7:5
Ungarn - Deutschland 8:3 jeweils 54.
Kuba - Rumänien 3:3
Brasilien - Polen 6:5 n.V. jeweils am 5.6.1938.
Argentinien - Mexiko 6:3 30.

Wenn ich nichts übersehen habe, war es das. Da fällt einem sofort auf: Je moderner der Fußball wird, um so seltener wird ein derart absurder Spielverlauf. Mittlerweile muss man 20 Jahre darauf warten. Und 1958 muss ein völlig verrücktes Turnier gewesen sein. Und im Großen und Ganzen sind das 14 von 962 WM Spielen. Ja, ich fahre gerade Bahn. Aber das heißt, es passiert alle 64 Spiele ein Mal. Mit fallender Tendenz.

Vor allem fällt auf: Obwohl dies bereits 2 Mal in einem Halbfinale passierte, weil Deutschland unter anderem extrem gut darin war ein müdes 1:1 nach 90 Minuten in ein begeisterndes 3:3 nach 110 Minuten zu verwandeln. Aber so ein Finale gab es halt noch nie.

Denn Finale sind halt meistens doch eher müde oder einseitige Angelegenheiten. Der Druck ist so hoch, dass kaum jemand wirklich ins Risiko gehen will. Und ein Rückstand ist meistens so demoralisierend, dass man nicht zurückkommen kann. Also zumindest nicht von einem 2-Tore-Rückstand. Das letzte Mal schaffte dies Deutschland. Natürlich, die Mentalitätsmonster. Das war aber 1958. Frankreich holte diesen Rückstand als dramatischen Bonus in den letzten 10 Minuten auf. Ich mache mir jetzt nicht die Mühe und finde heraus, wie oft ein 2:0 Vorsprung in den letzten 10 Minuten verspielt wurde. Vor allem, weil Argentinien ja im Halbfinale dasselbe Prinzip durchgezogen hat.

Aber selbst das ist rein statistisch noch nicht alles, denn es gab ja eine Verlängerung. Und normalerweise hoffen beide Mannschaften dann nur, dass kein Scheiß passiert und man irgendwie das Elfmeterschießen erreicht. Bloß keine Fehler machen. Und wer das erste Tor schießt, gewinnt. Glaubt ihr mir nicht? Nun ja: Dies war das erste WM-Finale, in dem beide Mannschaften in der Verlängerung getroffen haben. Dieses "Du steckst den Nackenschlag weg und kommst zurück" hat es einfach noch nie gegeben.

Aber auch das war ja nicht das letzte Highlight. Denn beide Mannschaften versuchten ja alles, um die Lotterie zu vermeiden. Wie selten sehen wir so was? Also ganz konkret hatten die eingewechselten Randal Kolo Muani und Laurato Martinez in der 123. Minute den Siegtreffer auf dem Fuß oder Kopf. Beide Mannschaften hätten in allerletzter Minute den Siegtreffer erzielen können oder müssen. Normalerweise wird nach 121 Minuten abgepfiffen, deswegen behaupte ich jetzt, dass auch das noch nie so passiert ist. Und danach hatte Mbappé eine weitere, nicht ganz so klare Abschlusssituation, die der eigentlich nur fürs Elfmeterschießen eingewechselte Paolo Dybala endgültig klären konnte.

Und ja, der einzige Wermutstropfen ist, dass beide Trainer am Ende noch Spieler für die Lotterie eingewechselt haben. Gerade Lionel Scaloni hätte Dybala früher in die ursprünglich von Angel di Maria ausgefüllte Rolle bringen können, denn die Schwachstelle der Franzosen waren ja die Außenverteidiger. Zumindest so lange, bis Scaloni mit Marcos Acuna den zweiten Linksverteidiger einwechselte. Bei 2:0 Führung ist das nachvollziehbar, aber wenn man diesen Vorsprung verspielt hat, könnte man doch zu dem System zurückkehren, welches einen nach vorne gebracht hat.

Aber beide Trainer haben in der Summe 13 ihrer insgesamt 15 Wechsel genutzt, um auf das Spielgeschehen Einfluss zu nehmen. 15 Wechsel sind ganz nebenbei ein weiterer WM-Rekord. Nur so nebenbei. Am Ende bleibt: Wir werden nie wieder ein derart herausragendes Finale sehen.

Sonntag, 18. Dezember 2022

Ein paar Gedanken zum Spiel um Platz 3

 Also grundlegend und losgelöst von dieser WM. Und inspiriert von HITC Seven.

Dieses Spiel wird ja gerne als sinnlos und überflüssig bezeichnet. In einem eh schon extrem vollen Rahmenterminkalender quält man die Stars mit einem weiteren belanglosen Spiel. Dabei müssen die doch frisch sein für das nächste Spiel gegen Sheriff Tirasol! Oder noch viel wichtiger: Die müssen doch schon im Flugzeug zur Promotour Saisonvorbereitung! Zumindest normalerweise, wenn die WM im Sommer stattfindet.

Aber hier ist mal wieder das Grundproblem: Die Haltung trifft im Wesentlichen nur auf die 8 größten Nationen zu. Also Frankreich, Argentinien, Spanien, Deutschland, Brasilien, England, Italien (wenn sie sich denn qualifizieren) und die Niederlande. Also die 8 Nationen, die im Wesentlichen seit 1966 untereinander auswürfeln, wer ins Finale einzieht. Und England ist die einzige Deppennation, die dies nur ein Mal geschafft hat. Was für Versager. Aber hey, die behalten sicherheitshalber Garteh Southgate, damit es auch auf gar keinen Fall besser wird.

Und klar, dass es dich als Deutschland nicht (oder nur im Ausnahmefall Heim-WM) interessiert, wenn deine Mannschaft mit ihren 5 Weltmeister- und 3 Europameistertiteln um die Bronzemedaille mitspielt, ist das nachvollziehbar. Die Deutschen Legenden gewinnen halt den Titel. Und nebenbei mindestens ein Mal die Champions League. Aber es ist halt auch keine europäische Nation so erfolgsverwöhnt, wie die Deutschen, die es nicht mal interessiert, dass sie die meisten Spiele um Platz 3 gewonnen haben.

Aber das faszinierende am Spiel um Platz 3 ist ja: Während das Finale, abgesehen von Kroatiens Ausreißer vor 4 Jahren, eine geschlossene Gesellschaft ist, gibt es im Spiel um Platz 3 verdammt viele Überraschungen. Denn ins Halbfinale zieht meistens mindestens ein Außenseiter ein. Einen Klassiker wie Brasilien gegen die Niederlande sieht man da selten. Und klar, dass Brasilien nach der 7:1 Demütigung nochmal antreten musste und dementsprechend unmotiviert 0:3 verliert, war schon Kacke für die. Aber muss man sich wirklich immer nach den Großen richten?

Wenn man mal bedenkt, dass Polen, Schweden, Bulgarien, Kroatien (also schon 98 das erste Mal), Südkorea, die Türkei, Uruguay (welches halt lange nicht mehr den Status der 30er Jahre hat) und Marokko an diesem Spiel teilnimmt, bekommt man schon eine andere Perspektive. Denn in diesen Nationen wird man zur Legende, wenn man an diesem Spiel teilnimmt. Denn es ist für viele ist es halt doch der Höhepunkt der Nationalmannschafskarriere. Hinterher kann man sich dann die Bronzemedaille einrahmen, was für alle diese Nationen immer noch eine herausragende Belohnung darstellt. Und da die taktischen Fesseln da meistens nicht mehr so eng angesetzt werden, gibt es meistens ein unterhaltsames Spiel.

Gerade für Marokko war es halt auch die letzte Gelegenheit, mit 44.000 Fans zu feiern und sich auch für ihre großartige Leistung feiern zu lassen. Das werden die wenigsten von denen so schnell wieder erleben. Gönnt denen das einfach.
Wenn man dann nebenbei sieht, wie ein Luka Modric in diesem Spiel erst 90 Minuten auf dem Platz steht und danach dann zufrieden grinst, obwohl der eigentlich zu viele Champions League Finale gesehen hat und ihn das alles gar nicht mehr interessieren muss, wird es schwierig den Sinn dieses Spieles zu hinterfragen.
Aber das ist dann vielleicht auch der entscheidende Unterschied: Ein Modric hat mit 37 Jahren immer noch Bock drauf, was mit seiner Nationalmannschaft zu reißen. Der verlängert jetzt seine Karriere, weil er ja theoretisch noch die Nations League gewinnen kann. Währenddessen sitzt ein wesentlich jüngerer Toni Kroos zu Hause und nimmt Podcasts mit seinem Bruder auf. Diese absolute Geilheit auf Spiele im Nationalmannschaftstrikot fehlt bei den Deutschen anscheinend gerade.

Aber gerade die Nations League ist ein interessanter Vergleich. Denn auch die interessiert ja alle, außer die großen 8. Die schieben da Dienst nach Vorschrift und sehen den Wettbewerb eher als Testspiele. Das eigentliche Ziel lautet der Klassenerhalt, damit man auch im nächsten Zyklus gute Testspiele zugewiesen bekommt. Und davon, dass diese Testspiele ein wenig ernsthafter angegangen wird, profitieren alle. Also außer die Engländer, die halt abgestiegen sind. Hab ich schon erwähnt, dass die Southgate behalten wollen?

Aber diese großen 8 können halt am Ende den Titel und in den meisten Fällen die Champions League unter sich ausmachen. Und ja, in den letzten 30 Jahren gingen 29 Titel an Mannschaften aus diesen 6 Länder, die am Ende auch das WM-Finale erreichen können. Aber man muss sich ja nicht immer nach diesen Großen richten. Also nicht bei jedem Spiel und bei jedem Turnier.

Dass die Nations League genau deswegen eine gute Idee ist, weil die kleinen Nationen sich untereinander in Pflichtspielen messen können, habe ich hier bereits ausführlich erklärt. Dieselben Ausführungen gibt es hier zur Europa Conference League. Man muss das Spiel um Platz 3 einfach mit genau denselben Augen sehen, dann ergibt das schon Sinn. 

Aber da sind wir wieder bei dem Grundproblem: Was mich als Fußballfan oder gar Fußballnation nicht interessiert, muss sinnlos sein und gehört abgeschafft.

Montag, 12. Dezember 2022

War das Brasiliens letzte Chance den Titel zu holen?

 Und wo wir schon dabei sind: Wird es Argentiniens letzte Chance sein? Und Marokkos, also Afrikas einzige?

Klingt übertrieben? Vielleicht, den Afrikanern gebe ich zukünftig noch Chancen. Lasst mich das erklären:

Es gibt ja zwei durchaus entscheidende Faktoren, die einen WM Titel eigentlich entscheiden. Der erste ist die taktische Disziplin. Klar, es gibt immer diese Mannschaften, die buchstäblich bis ins Viertelfinale tanzen. Das werden, wie wir auch gerade wieder gesehen, meistens die Brasilianer sein. Aber diese Mannschaft trifft dann immer früher oder später auf eine Mannschaft, die humorlos und konsequent verteidigt. Kroatien als Bösewicht halt. Oder als nicht-Bösewicht, weil das ja eine sympathische, kleine, europäische Nation ist. 

2018 war es Belgien, die mit 43 % und 3:9 Toren eiskalt gewannen. Das 2014er-Spiel will ich nicht wirklich verlinken, das passt halt nicht in mein Konzept. 2010 waren die Niederländer dran. Also die Bert van Marwijk, Mark van Bommel, Nigel Jong Holländer. 2006 verlor man 0:1 gegen Frankreich. Das sind dann schon 20 Jahre seit dem letzten Titel und jedes Mal scheiterte man, sobald man auf eine große europäische Nation trifft. Für Ghana, Mexiko (2-mal), Kolumbien und Südkorea reicht es noch, für mehr halt nicht. Aber seit 2002 hat man halt keine europäische Mannschaft in einem K.O. Spiel besiegen können. Wenn man Weltmeister werden will, muss man so eine Mannschaft irgendwann mal schlagen. Jetzt ist man aber bei, um es auf Englisch auszudrücken, 20 years of hurt. Wo die Briten natürlich sagen: nur 20? Eure Sorgen möchte ich haben. Bei uns sind es 26 Jahre, seit dem wir das erste Mal darüber gesungen haben, wie wir immer verkacken. Hey, England, wenn es auch aufbaut: Wir Deutschen haben dafür keinen annähernd so geilen Turniersong... Nicht nur wir, niemand hat den.

Aber zurück zu den Brasilianern: Wenn man immer wieder auf dieselbe Art und Weise scheitert, ist das irgendwann ein strukturelles Problem. Und das andere Problem ist: Die Brasilianer sind selber hinten nur selten annähernd so gut besetzt. Die werden immer Angreifer haben, aber werden sie auch die dringend benötigten Verteidiger ausbilden? Klar, dieses Mal kamen sie mit Thiago Silva, Marquinhos uns Casemiro. Aber 2 von denen sind auf der falschen Seite der 30. Silva ist dichter an der 40 als an der 30. Ob die jemals wieder eine derartige Defensive stellen werden?


Aber das 2. Problem ist ja noch viel schlimmer: Denn der andere entscheidende Faktor der WM ist ja die Tiefe im Kader. Also früher hat es halt gereicht, 15 richtig gute Spiele zu haben, um Weltmeister zu werden. Dann füllt man den Kader mit Talenten und Bankdrückern auf und lässt diese richtig guten Spieler zocken. Mittlerweile ist die Bank während eines Turniers wesentlich wichtiger. 

Noch viel wichtiger: Man muss mittlerweile leider davon ausgehen, dass dir wichtige Leistungsträger wegbrechen, weil der internationale Rahmenspielplan für Superstars halt so extrem brutal ist. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass die Lazarett-Mannschaft locker Weltmeister werden könnte. Allein den Franzosen fehlen mittlerweile Kimpembe, Hernandez, Pogba, Kanté, Benzema und Nkunku. Das wäre eine Grundlage für eine richtig geile Elf. Also wenn Paul Pogba gerade Bock hat, was er im Nationalmannschaftstrikot immer hatte. Und wenn es menschlich mit Benzema funktioniert, der ja anscheinend das exakte Gegenteil ist: Im Verein ein großartiger Mannschaftsspieler, im Nationalmannschaftstrikot eine Diva.
Brasilien fehlten dagegen nur Arthur Melo und Coutinho. Letzterer spielt mittlerweile bei Aston Villa, weil es für ihn auf allerhöchstem Niveau nicht reicht.

In dem Sinne war diese WM eigentlich ein perfekter Sturm für die Brasilianer: Sie waren fast komplett fit und kamen sogar relativ gut durch das Turnier. Die Konkurrenz war völlig überspielt und musste haufenweise Ausfälle kompensieren. Trotzdem reichte es wieder nicht, um auch nur eine europäische Mannschaft zu schlagen.


Hier kommt jetzt die eigentlich spannende These: Sie haben ein strukturelles Problem in der Ausbildung. Und man hat praktisch keine Chance, dieses Problem zu lösen. Denn die Europäer haben halt seit 2002 nochmal entscheidende Fortschritte in der Jugendausbildung gemacht. Zum Beispiel mit der Einführung der UEFA Youth League in der Saison 2013/14. Man qualifiziert sich mittlerweile nicht mehr nur für die Champions League, man sorgt auch dafür, dass seine Jugendabteilung Spiele auf höchstem Niveau bekommt. Und halt nicht nur für die Bayern und Barca, sondern auch für Zagreb, Glasgow, Donezk, Kopenhagen und Pilsen. Die Meister der kleineren Ligen halt. Die fast schon logische Konsequenz: Josko Gvardiol gibt den unfassbar souveränen Innenverteidiger. Der verteidigt mit 20 schon technisch und taktisch unfassbar sauber. Der wurde aber auch in Zagreb auf höchstem Niveau gefordert und gefördert.

Die Brasilianer kommen dagegen vielleicht mit 18 erste nach Europa. Also Marqhuinhos kam in diesem Alter. Danilo kam erst mit 21. Eder Militao mit 20. Aber selbst wenn sie in diesem jungen Alter nach Europa gehen, so haben sie doch schon einen Nachteil mit der gleichaltrigen Konkurrenz.

Die europäischen Talente werden halt immer besser ausgebildet. Sie werden immer früher gefordert und logischerweise auch immer früher Stammspieler. Und so kann Spanien dann auf Pedri und Gavi im zentralen Mittelfeld setzen. Der eine ist 18 und der andere 20. Und bei allen Problemen der Spanier: Das taktische Verhalten im Zentrum war nicht das Problem.

Nur um da ganz konkret den Fortschritt zu belegen: Früher hat man solche Talente durchaus auch spielen lassen, aber nicht im Zentralen Mittelfeld. Ich nenne mal demonstrativ Bastian Schweinsteiger als Beispiel für eine ganz normale Fußballbiografie der Jahrtausendwende: In jungen Jahren Flügelflitzer, obwohl er dafür eigentlich immer zu langsam war, erarbeitete er sich über die Jahre die taktische Disziplin und den nötigen Respekt, um als Führungsspieler in die Mitte zu ziehen. Heutzutage würde man ihn, wie man bei Jamal Musiala sieht, direkt ins Zentrum stellen.

Das sieht man ja absurderweise am deutlichsten an Neymar. Das bisschen, was ich von Brasilien gesehen hat, hat mich gerade bei ihm echt überrascht: Der spielt mittlerweile im zentralen Mittelfeld. Und seine Aktionen waren technisch perfekt, aber auch schnörkellos. Keine ziellosen Übersteiger, sondern ein schneller Harken und dann der Antritt. Gefolgt von einem Doppelpass oder zwei. Und dann lässt er sich im Strafraum nicht fallen, sondern sucht den Abschluss. Oder anders ausgedrückt: Er macht jetzt das, was Lionel Messi seit über 10 Jahren macht. Nur musste Neymar dafür erst 30 werden. Den Ruf als schauspielernde Diva wird er auch nie wieder loswerden.

Dass er diesen Entwicklungsschritt genommen hat, ist großartig. Aber vielleicht hat er ihn einfach ein wenig zu spät genommen und Weltmeister zu werden. Oder die jungen Spieler um ihn herum haben ein wenig zu lange gebraucht, um ihn auch zu nehmen. Und dieses Problem wird Brasilien in der Breite immer haben.

Denn sie haben ja auch keine Chance eine vergleichbare Institution wie die Youth League zu installieren. Der Weg nach Europa ist gerade für Teenager richtig weit. Also werden sie in der taktischen Jugendausbildung immer weiter zurückfallen. Damit wird es immer schwerer, den Titel zu holen.

Sonntag, 11. Dezember 2022

Zum Glück sind das die Guten

 Und ja, ich gebe es zu, ich habe die Viertelfinale gesehen. Und könnte direkt zu einem Bela Rethy Rant ausholen, der tatsächlich an dem Tag, nachdem in der 100. Minute der regulären Spielzeit der Ausgleich erzielt wurde, behauptet hat, dass das mit den episch langen Nachspielzeiten ja nachgelassen hat. Wieso darf jemand, der offensichtlich keinen Fußball guckt, diese Spiele kommentieren.

Aber hey, nachdem mein Vater sich über die Eröffnungsfeier aufgeregt hat, bei der Bela einfach mal dreist ignoriert hat, dass auch die Eröffnungsfeier in Deutschland 36 Minuten dauerte, habe ich nur gesagt "Wer dem zuhört, ist selber Schuld". Aber was interessiert mich mein Gelaber von gestern? Die Feier in Deutschland 2006 hat Rethy sogar persönlich kommentiert. Nur um mal festzuhalten, wie senil der Mann ist. Aber das ist ein bisschen wie beim aktuellen Korruptionsskandal in der EU: Wenn wir Europäer Geld für Reden im Parlament bezahlen (oder halt unsere Kultur bei einer Eröffnungsfeier präsentieren), dann ist das fair und transparent. Wenn die Katarer das machen, ist es ein Verbrechen. Nur um festzuhalten, dass es politische bleibt, wenn ich über die WM berichte.

Nebenbei ist Rethy der einzige, der die Hilfe von echten Experten anscheinend verweigert. Also bei vielen anderen sitzt mittlerweile ein Ex-Profi wie Sandro Wagner, Hanno Balitsch oder Thomas Broich, die so alle doch noch zu ihrer WM kommen. Gerade bei Wagner wollte Jogi Löw das doch unbedingt verhindern. Aber sowohl deren Perspektive, als auch die Interaktion mit den Kommentatoren, heben die Berichtserstattung auf ein neues, angenehmeres Niveau. Da macht ein Rethy natürlich nicht mit.

 

Aber genug der Albernheiten, hin zu den wichtigen Dingen: National Profiling. 

Es gibt ja gerade keine Nation, deren jüngere WM Geschichte so faszinierend ist, wie die der Kroaten. Die haben sich darauf spezialisiert, sich in die Verlängerung oder ins Elfmeterschießen zu retten. Spezialisiert ist dabei noch eine Untertreibung, perfektioniert ist korrekter. Denn abgesehen von dem Finale vor 4 1/2 Jahren endete jedes K.O. Spiel seit 2018 in der Verlängerung. JEDES FUCKING SPIEL. Bei der Weltmeisterschaft 2018 schlug man so Dänemark, Gastgeber Russland und England. Bei der Europameisterschaft verlor man tatsächlich das Achtelfinale gegen Spanien. Und jetzt ging es schon wieder gegen Japan und Brasilien ins Elfmeterschießen.

Und das wirklich bekloppte ist: Die konnten in der Verlängerung gegen Brasilien trotz der zusätzlichen Belastung noch das rettende Tor fürs Elfmeterschießen erzielen. Klar, das war ihr einziger Torschuss, aber sie hatten halt trotzdem schon 115 Minuten kompaktes Verteidigen in den Beinen. Und das harte Spiel gegen die Japaner, während die Brasilianer sich durchs Achtelfinale tanzten. Dass man mit der Vorgeschichte noch zurückkommt, ist absoluter Wahnsinn.

Aber das wird halt nicht hinterfragt. Also nicht, wenn man zu den Guten gehört. Ist es nicht schön, zu den Guten zu gehören? Also nur für Kontext, weil ich das "damals" auch schon so erwähnt haben: Die Russen mussten sich 2018 aus unseren Medien permanent Dopingvorwürfe machen lassen. So viel wie die kann man nur laufen, wenn man nachhilft... oder Joshua Kimmich heißt, als richtiger Deutscher geht das auch so. Aber die Kroaten galten schon 2018 als überaus sympathisch, weil sie destruktiven Antifußball gespielt haben.

Um es diplomatisch auszudrücken: Die Kroaten sind zu fit. Das ist nicht mehr normal. Deren Fitnesstrainer sollte mal ein Buch veröffentlichen, welches dann automatisch DER TRAININGSSTANDART für die Moderne wird.

Wenn ihr mal nachvollziehen wollt, wie das eigentlich laufen sollte, dann guckt euch mal das Spiel von Marokko an. Oder lasst es, denn auch die spielen eher Antifußball. Aber die kämpfen halt auch aufopferungsvoll. Ernsthaft, ein Finale Marokko gegen Kroatien wäre absolut faszinierend, denn da spielen dann 2 Mannschaften furchtbaren Fußball, der hauptsächlich aufs Zerstören ausgelegt ist, aber der Kommentator wird uns erklären, wie unfassbar sympathisch das ist.

Jedenfalls musste Noussair Mazraoui bereits nach der Schlacht gegen Spanien die Segel streichen. "Probleme mit dem Hüftbeuger" ist die Transfermarkt.de Diagnose. Rückkehr unbekannt. Das sind halt Verschleißerscheinungen. Kapitän und Fels in der Brandung Romain Saiss musste in der 57. Minute ausgewechselt werden, weil er einfach nicht mehr konnte. Hakim Ziyech gab in der 82. Minute auf. Marokko ging buchstäblich auf dem Zahnfleisch. Wenn Portugal eine der durchaus vorhandenen Chancen zum Ausgleich genutzt hätten, wären die komplett eingebrochen. Das ergibt ja auch Sinn, die haben ja auch diese schwere Verlängerung in den Beinen.

Nun kann man natürlich behaupten, dass das halt Afrikaner sind und wir Europäer sind halt fitter. Also nur, weil wir besser austrainiert sind. Das fällt ein wenig in sich zusammen, wenn Mazraoui und Ziyech bei Bayern und Chelsea spielen. Klar, beides sind keine Stammspieler, aber das sollte doch eher ein gutes Argument für ihre Verfassung sein. Denn beide sind an die europäischen Fitnessstandarts gewöhnt, aber sie sind nicht annähernd so überspielt wie ein Luca Modric.

Also nur um das mal festzuhalten: Luca Modric hat in dieser Saison schon 1259 Minuten in den Vereinsknochen. Er ist 37 Jahre alt. In seiner Zweitidentität besetzt er nebenbei einen Posten im Europäischen Parlament. Lustigerweise gibt er, als eigentlich zentraler Mittelfeldspieler da die Rechtsaußen. Aber in dem Kasperletheater muss man halt seine Rolle übernehmen.

Und jetzt springt der bei der WM 120 Minuten lang über den Rasen? Und klar, im Achtelfinale musste er nach 99 Minuten (106, wenn man die Nachspielzeit einberechnet) runter. Aber gegen Brasilien hielt er dann bis zum Elfmeterschießen durch. Da ging es dann besser, obwohl es eigentlich schlechter laufen sollte.

Nun will ich damit explizit nicht behaupten, dass Modric mehr dopt als Ziyech. Oder als ein x-beliebiger Russe. Meine ganz persönliche Meinung ist, dass gerade in der Vorbereitungen und beim Muskelaufbau garantiert nachgeholfen wird, aber dass das alle machen. Und auch in der Regeneration wird alles ausgereizt werden. Wir haben halt nur kollektiv beschlossen, dass wir das ignorieren. Ich weise nur darauf hin, dass Modric's fantastische Leistungen anders kommentiert werden würden, wenn er die als 37-jähriger Russe abliefern würde.

Oder, um es mal wirklich extrem zu machen, man stelle sich vor Katars Nationalmannschaft hätte sich gerade so in 2 Elfmeterschießen in Folge gerettet. Geht einfach mal für euch dieses Szenario durch und fragt euch, wie über diese unmenschliche Leistung berichtet werden würde. Aber bereitet euch schon mal moralisch darauf vor, dass es im Halbfinale dann heißt: "Der wird halt nicht müde". Ist halt so.

Freitag, 9. Dezember 2022

Kurzer Blick auf die Viertelfinale

 Und dann stellt man fest: Spanien und Japan sind ja auch schon raus. Also falls sich irgendjemand einreden wollte, dass man ja in einer richtig guten Gruppe mit der Überraschungsmannschaft und dem Titelfavoriten ausgeschieden ist.

Damit ist die "deutsche" Gruppe die einzige, die im Viertelfinale einfach nicht vertreten ist. Man ist also nicht nur ausgeschieden, man ist an der nach den Leistungen schlechtesten Gruppe ausgeschieden. Nun ist das natürlich nicht so einfach zu pauschalisieren, schließlich hat es auch etwas mit "Losglück" zu tun, dann Spanien die absolute Übermannschaft aus Marokko als Gegner bekam. Oh, warte, das haben die sich quasi selber ausgesucht. 

Aber hier ist die wirkliche statistische Absurdität: Das ist gar keine Ausnahme. 2021 spielte man in einer "Todesgruppe" mit Portugal, Frankreich und Ungarn. Und stand ja auch nach 80 Minuten auf Platz 4 lag, weil Puskas Erben in Führung lagen. Und von dieser ja ach so starken Gruppe qualifizierte sich niemand fürs Viertelfinale. Deutschland schied immerhin gegen den späteren Finalisten England aus. Portugal schied gegen die doch gar nicht so goldene und nie ein Finale erreichende Generation aus Belgien aus. Und Frankreich verspielte eine sichere Führung gegen die Schweiz.

Aber selbst bei der Uraufführung dieses Klassikers der Neuzeit... Scheiterte Mexiko wie eigentlich immer im Achtelfinale. Still und heimlich sind die Mexikaner doch froh, dass sie diesen Fluch dieses Jahr besiegt haben, indem sie schon in der Vorrunde ausgeschieden sind. Schweden kam tatsächlich als einziger Gruppengegner der Deutschen ins Viertelfinale, war da aber gegen England chancenlos.

Das ist natürlich alles völlig willkürlich und ziemlich nichts sagend. Aber es relativiert die Leistungen der Deutschen halt weiter: Man ist bei den letzten 3 Turnieren nur auf eine wirklich erfolgreiche Mannschaft getroffen, die im weiteren Turnierverlauf auch etwas gerissen hat. Gegen diese Mannschaft hatte man praktisch nur eine Chance und die hatte Thomas Müller der im Nationalmannschaftstrikot seit Jahren aus Prinzip nicht mehr aufs Tor schießt. All die anderen Gegner, an denen man hauptsächlich gescheitert ist, waren auch einfach nicht wirklich gut. 

Diese Perspektive muss man auch nochmal bemühen, um das ach so tolle Spiel gegen Spanien richtig einzuordnen. Wo alle sich einreden wollten, dass man gegen die Spanier ja richtig gut mitgehalten hat. Die hat man ja richtig unter Druck gesetzt. Man hatte am Ende deutlich mehr und die besseren Abschlüsse. Toll, all das kann Marokko, natürlich mit einer anderen Spielanlage, auch von sich behaupten. 

Und klar, Deutschland war in allen 3 Gruppenspielen die bessere Mannschaft. Dass die sich da nicht durchsetzen, ist schon ein wenig unglücklich. Obwohl man hier festhalten muss: Wenn Können im Wesentlichen die Wiederholung von Glück ist, dann ist das permanente Wiederholen von Pech halt Unfähigkeit. 

Das wirkliche Problem ist aber: Selbst wenn man sich gegen diese im Großen und Ganzen auch enttäuschenden Gegner durchgesetzt hätte, wäre das kein Freifahrtschein für den Rest des Turniers gewesen. Das soll auch nur verdeutlichen, wie weit weg von der "Weltspitze" man gerade ist.

Donnerstag, 8. Dezember 2022

Warum von Gareth Southgate lernen

 Wenn man denselben Fehler doch auch begehen kann? Es ist viel sinnvoller, diese Schmerzen und Verzweiflung selber auf der Bank zu erfahren! Das muss man als Trainer doch mal durchgemacht haben!

Das ungefähr muss sich Luis Enrique gedacht haben, als er Spanien ganz souverän ins Elfmeterschießen gecoacht hat. 

Klar, es hat nicht nur der extra eingewechselte Pablo Sarabia verschossen, sondern alle anderen auch. Und Badr Banoun, womit die letzten 4 (VIER!) Spieler, die nur fürs Elfmeterschießen eingewechselt wurden, allesamt verschossen haben. Also falls der mittlerweile eingeführte Experte das nächste Mal gefragt wird, ob er diesen Wechsel mag, kann er mit dieser Statistik prahlen. Und man kann allen Trainern einfach mal mitteilen, dass sie das lassen sollten. Am besten in dem man diejenigen, die so was machen, einfach entlässt.

Die Lage für Marokko war halt eine ganz andere. Die sind halt der krasse Außenseiter und da ist es legitim, wenn man sich irgendwie ins Elfmeterschießen retten will. Das macht mal halt am besten, in dem man so viel wie möglich an der Uhr dreht und den Spielfluss unterbricht. Aber als haushoher Favorit? Und man hatte mit eben Sarabia ja noch einen Stürmer, den man bringen konnte.

Dazu kam ja, dass das offensichtliche Problem gerade nach der Einwechslung von Nico Williams die Besetzung im Strafraum war. Denn wenn der sich auf den Außen im 1 gegen 1 durchsetzen konnte, hatte er einen einzigen Zielspieler im Sechzehner. So machte man es den Tunesiern relativ leicht, die entscheidenden Situationen zu verteidigen. Am Ende hatte Spanien sogar Glück, denn die besseren Chancen in der Verlängerung hatten die Nordafrikaner. Aber letztendlich fehlte Luis Enrique der Mut um einen Mittelfeldspieler für einen weiteren Angreifer zu opfern. 

Nebenbei haben Japan und Kroatien anscheinend nachgewiesen, dass andere Trainer dies verstanden haben. Dort wurden die letzten Auswechslungen in der letzten Pause vorgenommen. Kroatien wechselte sogar doppelt... nur damit Marko Livaja ebenfalls verschießt. 

Also klar, die eingewechselten Spieler hatten nur bedingt einen positiven Einfluss auf das Geschehen. Wenigstens haben die Trainer dort alles versucht, um ein Elfmeterschießen zu verhindern. Das wäre alles nicht so traurig, hätte man bei den letzten beiden Turnieren nicht genau sehen können, wie das am Ende ausgeht. Also bei der einen Europameisterschaft negativ, bei der anderen positiv.

Aber um das zu begreifen, hätte man ja ernsthaft die Europameisterschaft der Frauen sehen und sich dann fragen müssen "Was kann ich für mich aus diesem Turnier lernen?" Das kann man doch von keinem Mann erwarten. Guckt mal, am Ende habe ich doch noch einen richtigen politischen Ansatz gefunden, der diesen Beitrag rechtfertigt...

Samstag, 3. Dezember 2022

Die "Wir haben den Urlaub schon gebucht" Mannschaft

 Oder die Reha. Ich wollte das ja eigentlich nicht, weil ich mich mit dem sportlichen Teil gar nicht so wirklich befasse. Wenn man kaum was gesehen hat, ist es schwierig eine Elf von Versagern zusammenzustellen. Aber dann kam mir eine Frage in den Sinn:

Kann ich eine Vorrundenaus Elf nur aus Bayern Profis zusammenstellen? 

Für Neuer, Kimmich, Gnabry, Goretzka, Sané, Müller, Musiala, Hernandez (auch wenn der wirklich nichts dafür kann), Pavard (der anscheinend auch nicht mehr auf den Platz zurückkehren wird), Davies und Choupo-Moting ist das Turnier bereits beendet. Das ist eine beeindruckende Liste.

Weiter dabei sind dafür Jopip Stanisic, der aber noch auf seinen ersten Einsatz wartet. Also echt mehr dabei als mitten drin ist. Und Mathijs de Light, der aber wie Pavard nach dem ersten Spiel seinen Platz räumen musste. Dayot Upamecano gehört dagegen tatsächlich zu den im 2. Spiel geschonten Stammspielern. Kingsley Coman ist so unersetzlich, dass er selbst in dem bedeutungslosen Spiel auflaufen musste. Und Noussair Mazraoui vom Überraschungsgruppensieger Marokko. Die dafür dann jetzt gegen Spanien antreten dürfen. Der kann "uns" jetzt also rächen.

Das Absurde daran ist ja, dass man vorher behaupten konnte, mit Manchester City auf Augenhöhe zu sein. Beide Mannschaften haben halt 16 Spieler abgestellt. Nur Barca hat mehr. Aber der feine Unterschied ist, dass 9 Bayern Spieler bereits ausgeschieden sind. Bei City haben dies "nur" İlkay Gündoğan und Kevin de Bruyne "geschafft". Bei Barca sind es immerhin 3: Ronald Araujo, Marc Andre ter Stegen und Andreas Christensen

Für die Bundesliga ist das jetzt natürlich doppelt schlecht. Einerseits wird einem bewusst gemacht, dass die Bayern Stars gar nicht so überragend sind. Andererseits haben diese Bayern-Stars jetzt viel Urlaub und können relativ früh in die Vorbereitung einsteigen. Als hätten die nicht schon genug Vorsprung...

Donnerstag, 24. November 2022

Das war definitiv der schlimmstmögliche Ausgang

 Also Leute sehen noch nicht mal die offensichtlichen Fortschritte: Vor 3 Monaten hätte Nico Schlotterbeck einen Elfmeter verursacht, anstatt einfach das Gegentor zu kassieren. Bei einem Schuss aus spitzen Winkel hat Manuel Neuer doch theoretisch bessere Chancen. 

Aber ich wollte ja gar nicht über den sportlichen Teil schreiben. Deswegen zähle ich jetzt auch nicht nach, seit wie vielen Turnier-Spielen Thomas Müller auf ein Tor wartet. 

Jetzt ist natürlich genau das eingetreten, was ich vorher gesagt habe: Der Kommentator fängt schon zum Spielende an zu fragen, ob die ganze Debatte um die Kapitänsbinde die Leistung beeinflusst hätte. Natürlich wird das sofort abgetan, aber er hat es halt ausgesprochen.

Und ja, während ich bisher hauptsächlich die Berichtserstattung zwischen den Spielen gesehen habe, weil ich wissen wollte, wie über das Geschehen berichtet wird, habe ich mir aus auch genau diesem Grund dieses Mal das Spiel angesehen. Man kann sich halt alles schönreden. 

Jetzt kommen all die homophoben Rassisten aus ihren Löchern und suchen die Schuld bei der Kapitänsbinde. Ich habe ungelogen Bilder von Aufstellungen mit Jens Lehmann und Christoph Metzelder gesehen und die "Das war noch eine richtige Mannschaft" Kommentaren. Einer der beiden hat sich als Rassist geoutet, der andere ein Teileingeständnis in Sachen Kinderpornografie abgelegt. Aber auf dem Platz hat sich der eine selten und der andere nie daneben benommen. Und vor allem haben sie sich damals nicht politisch geäußert. Tolle Charaktere, tolle Zeiten.

Nebenbei sollte man vielleicht mal anerkennen, dass das Spiel auseinandergebrochen ist, als İlkay Gündoğan ausgewechselt wurde. Der war mit Abstand der beste Deutsche, ist aber in der Kommentarspalte immer noch ein "Dreckstürke". Deswegen lag es an Müllers Auswechslung...

Von der anderen Seite wird auf die Mannschaft eingeschlagen, weil sie eben kein Rückgrat gezeigt hat. Wobei das sogar sachlich falsch ist: Bisher waren die Deutschen die einzige Mannschaft, die sich getraut hat, einen politischen Protest gegen die Fifa zu äußern. Nur einen symbolischen, aber im Vergleich zur Konkurrenz sieht man damit doch noch verdammt gut aus. Und während sich die Engländer auf das sportliche konzentriert haben, hat man sich Gedanken gemacht, wie sie ihre Unzufriedenheit ausdrücken kann.

Natürlich war das, was die Iraner abgezogen haben, eine ganze Nummer krasser. Aber da ging es halt um einen anderen Kontext, die haben sich in keinster Weise gegen den Veranstalter gewendet. Die haben von Fifa Seite mit keinen Sanktionen zu rechnen.

Wenn sie das Spiel gewinnen, egal wie, können sie halt hinterher auch Stellung zur Binde beziehen. Dann können sie auch das Maul aufmachen, was sie sicherlich vorhatten. Aber nach so einem Ergebnis kann man sich schlecht hinstellen und der Fifa vor die Tür kacken.

Man hat jetzt also das Problem, dass beide Seiten über einen lachen. Und das einfach nur, weil man die Leistung nicht auf den Platz gebracht hat, die man hätte bringen müssen. Damit hat sich jeglicher Prostest jetzt erledigt. Es sei denn, Deutschland ist vorm letzten Spieltag ausgeschieden und scheißt auf alles.

An der Stelle muss auch festgehalten werden, dass ich selbst der Mannschaft ein wenig unrecht getan habe. Denn so, wie es aussieht, hätten die Verwarnungen sogar in Kauf genommen. Das Problem war halt, dass "mindestens mit einer Verwarnung" gedroht wurde. Und an der Stelle wird einem bewusst, dass Gianni Infantino echt auf dem Wladimir Putin Niveau des Wahnsinns angekommen ist: Man kann ihm mittlerweile echt zutrauen, dass er seine Atombomben auspackt. Und wie gesagt: Die Deutschen sind die einzigen, von denen wenigstens etwas Richtung Fifa kommt. 

Und nur um mal festzuhalten, wie absurd die Kritik an dieser Mannschaft mittlerweile ist: Ein gewisser Felix kommt aus seinem Loch gekrochen und fordert die Rückreise. Felix Loch! Kennt ihr nicht? Das ist der weltbekannte Rodler, der mit seinem Schlitten zu Fuß über den Himalaya fliehen musste, weil er im entscheidenden Lauf mit einem "Befreit die Uiguren" Schild die Olympiabahn runtergerodelt ist. Dabei hat er halt auch seinen Vorsprung verspielt und wurde deswegen nur Vierter. Aber er war halt im Widerstand.

Ok, das stimmt natürlich nicht. Seine Aussagen gingen eher in Richtung "Ein Boykott durch die Sportlerinnen und Sportler sei es nicht. Er sei dagegen, den Athleten die Verantwortung dafür zu geben, dass sich etwas verändert. Viele Athleten hätten 'nur einmal die Chance, zu Olympia zu fahren' und diese Chance dürfe man ihnen nicht nehmen." Um das mal festzuhalten: Ein dreifacher Olympiasieger, der auf seine 4. olympische Ehrenrunde nicht verzichten wollte, sagt jetzt der Deutschen Fußballnationalmannschaft, dass sie abreisen sollte. Aber hey, er hat immerhin den Anstand, einzugestehen, dass sich seine Sichtweise geändert hat und er heute natürlich anders entscheiden würde. Immerhin.

Die Deutsche Mannschaft versucht vor Ort mehr als alle anderen und darf sich deswegen jetzt von Leuten, die selber wesentlich weniger gemacht haben, Vorwürfe anhören.

Und das allerschlimmste: Collien Ulmen Horrorvision aus der Werbung wird jetzt wahr. Die arme Frau...
Wobei... es schon absurd ist, dass Joshua Kimmich im Players Tribune darüber jammert, wie furchtbar ihn das Vorrundenaus 2014 mitgenommen hat. Und dann dreht er diesen Clip, in dem er, nach einem offensichtlichen frühen Ausscheiden, bei Fernandes-Ulmen im Wohnzimmer sitzt und mitfiebert... just saying.

Donnerstag, 17. November 2022

Das nebensächlich traurige an dieser Fußball-WM

 Also der einzige halbwegs sportliche Teil, den es hier geben wird. Denn ganz ehrlich, ich habe an sich so gar keinen Bock mehr auf diese WM. Ich schaffe es noch nicht mal mir die Vorschau Videos anzugucken. Herzlichen Dank.

Und dann fiel mir auf: Das wird halt trotzdem der letzte große Tanz einiger Legenden. Das ist eine Weltmeisterschaft halt immer.

Ganz offensichtlich ist dies bei den beiden Spielern, die dieses Jahrtausend bisher geprägt haben. Es wird Lionel Messis letzte Chance sein, den Fehlschuss vom Finale 2014 zu revidieren. Es ist ja bis heute unfassbar, dass er die Vorlage von Mats Hummels nicht genutzt hat. Da er ja "seinen Titel" mit Argentinien hat, kann er relativ befreit aufspielen.

Cristiano Ronaldo ist halt so richtig wütend. Und im Gegensatz zu all den anderen Superstars kommt er ausgeruht zum Turnier im Sommer. Das passiert ihm praktisch das erste Mal. Genau genommen braucht er diese Bühne sogar, um sich persönlich wieder ins Rampenlicht zu spielen. Also falls er nochmal bei einem Champions League Teilnehmer auf dem Radar auftaucht, dann nur wegen einer starken WM. Wenn er Torschützenkönig wird und ins Halbfinale einzieht, verliebt sich vielleicht doch noch ein Manager in ihn.

Wie wahrscheinlich ist das? Nun ja, wir reden von einem wütenden und motivierten Cristiano Ronaldo. Der hat bisher immer geliefert. Es würde mich also nicht überraschen, wenn er bis zum Achtelfinale 5 Tore macht und sich den Goldenen Schuh sichert.

Das zieht sich dann so weiter. Denn alle Spieler Ü30 stehen potenziell vor ihrem letzten Turnier. Da ist dann plötzlich auch Neymar auf dieser Liste, der ebenfalls mit einer "Das ist meine letzte Chance" Intensität spielen wird. Wir werden das letzte Mal auf die Versicherung Thomas Müller setzen können. Oder die anderen. Irgendjemand wird sich auf ihn verlassen. Manuel Neuer könnte noch, aber will der auch noch? Luka Modric ist nach dem WM-Finale von vor 4 Jahren auf seiner Ehrenrunde. Die nicht wirklich goldene Generation der Belgier um de Bruyne und Hazard stehen vor ihrer letzten Chance wenigstens mal ein Finale zu erreichen. 

Jetzt werden alle Marco Reus Fans darauf verweisen, dass jedes Turnier dein letztes sein kann. Und selbst ein Sergio Ramos kann spontan ausgemustert werden. Es könnte also wirklich jeden treffen. Aber gerade bei Reus ist halt das Problem: Der ist halt, gerade wegen seiner tragischen Turniergeschichte, nur eine Dortmund-Legende und keine Legende des Weltfußballs. Denn diese haben halt immer ihre Weltmeisterschaften und die daraus folgenden Geschichten. Positive wie negative. Zinedine Zidane hat 2 legendäre Finalauftritte in seiner Vita. Das sind, bei aller sonstigen Brillianz, die Spiele, an die man als Erstes denkt. Was faszinierend ist: Einer der feinsten Fußballer aller Zeiten ist hauptsächlich für den Einsatz mit seinem Kopf bekannt. Und zwar nicht im "big brain play" Modus, sondern im "Nutze Kopf, ramme ihn gegen etwas" Modus.

Roger Milla ist am Ende bekannter als George Weah. Warum? Nun ja, der eine hat seine Tänze an der Eckfahne in der K.O. Phase der WM aufgeführt, der andere wurde "nur" Fußballer des Jahres... In einem ungeraden Jahr, als es halt keine Welt- oder Europameisterschaft gab. Was heute schon keiner mehr weiß: Milla war während seiner legendären WM nur der Edeljoker, weil er auch damals schon zu alt für den Scheiß war. Großes Lob ans ZDF, die ihn als "Miller" ankündigten... Und wenn man sich Milla's Karriere genau anguckt, ist das ein französischer "Marius Ebbers Angreifer", der auch nur in der. 2. Liga so richtig gut war.

Nur um zu verdeutlichen, wie sehr so eine WM das Narrativ seiner Karriere prägen kann. Und im Falle von Jamal Musiala werden wir uns im Jahr 2034 noch dunkel daran erinnern, dass seine tragische WM Geschichte mit 3 Finalniederlagen bei dieser beschissenen WM im November begonnen hat. Bei Messi und Ronaldo werden das die letzten Bilder sein, die wir im Nationalmannschaftstrikot bekommen werden. Bei Ronaldo könnten es die letzten relevanten Spiele seiner Karriere sein.

Eigentlich sollte man sich jetzt zurücklehnen und jede Sekunde, die die beiden bei diesem Turnier auf dem Platz stehen, genießen, während man die gesamten Karrierehighlights in der Vorberichtserstattung serviert bekommt. Stattdessen hat man einfach nur kein Bock auf dieses Turnier.

Das sind, verglichen mit den toten Gastarbeitern und den homophoben Aussagen Luxusprobleme. Aber es sind halt auch Folgeprobleme. Ich bin halt jemand, der Messis gesamte Karriere verfolgt hat. Also als Messi jung war, ging das mit den verfügbaren Streamangeboten los und man konnte, soweit man seinen Rechner regelmäßig formatierte, alle Spiele irgendwie sehen... während man vorher auf dieses einmalige TV Ereignis warten musste, dass Messi gegen einen Deutschen Verein spielt und dieses Spiel auch im frei empfangbaren Fernsehen übertragen wird. Jetzt... muss ich plötzlich hoffen, dass Paris St.Germain in der Champions League weit kommt... oh shit, die gehören auch dem Katar.

Montag, 14. November 2022

Passives Abesits Leser wissen es früher: Karlheinz Rummenigge ist ein egoisitsches Arschloch

 Was ist der Preis für eine WM im Winter? Wir stellen fest: 2 Rolexuhren und ein Sponsorendeal mit den Bayern. Das hat man als Katarische Scheich ja mal über, damit kann man leben.

Ernsthaft, dass jetzt rauskommt, dass alles so hinter den Kulissen abgelaufen ist, ist echt faszinierend. Also wie sich die europäischen Vereinsmannschaften da haben kaufen lassen. Am ganz offensichtlichsten halt Paris St. Germain, die quasi direkt nach der Vergabe übernommen worden sind und deswegen vorher die Unterstützung der Franzosen bekommen haben. Ok, die Franzosen haben auch ein paar Kampfjets in die Wüste verkauft, auf denen sie sonst sitzen geblieben wären, aber die Übernahme des maroden Lieblingsklubs war bestimmt auch hilfreich. Details gibt es hier.

Aber für uns viel spannender ist die Rolle von Karl-Heinz Rummenigge. Denn der hat das gemacht, was er immer gemacht hat: Den größtmöglichen Vorteil für seine Bayern herausgeholt. Das ist auch an sich nichts Schlimmes, man sollte sich nur dessen bewusst sein, wenn er sich als moralische Instanz präsentieren will: Dem ist echt alles egal, solange es den Bayern hilft.

Wir wissen jetzt also folgendes: Die ECA hat sich nach Katar einladen lassen. Dort hat Kalle zwei teure Uhren von einem Freund geschenkt bekommen und im Wesentlichen den Deal mit Qatar Airways eingetütet. Also klar, offiziell wurde das erst 2018 bekannt gegeben, aber man musste ja den Deal mit Lufthansa, die 14 Jahre lang Sponsor war, ordentlich abwickeln.

Oh und wo wir schon dabei sind: 2010 wurde die WM nach Katar vergeben, seit 2011 reisen die Bayern da im Winter hin. Die Kataris haben also sofort damit begonnen, die Bayern auf ihre Seite zu ziehen. Und die Bayern sagten: Aber gerne doch. Und 2013 schickte man dann Franz Beckenbauer da hin und ließ ihn seine Expertise verbreiten. Also nur um mal zu verdeutlichen, wie lange die Bayern-Offiziellen schon daran arbeiten, dass diese WM in der Wüste stattfinden kann.

Die wirklich spannende Neuigkeit ist jetzt, dass wir damals anscheinend wirklich kurz vor einer Neuvergabe standen. Die brauchten auf jeden Fall die Zustimmung der großen Vereine, um die WM in den Winter zu verlegen. Diese großen Vereine sind in der ECA organisiert. Rummenigge war der Vorsitzende dieser Lobbyvereinigung. Der hatte also verdammt viel Einfluss. Diesen kann man sich anscheinend für 2 Rolex Uhren kaufen. Denn wenn Rummenigge sich eindeutig gegen eine WM im Winter positioniert hätte, hätte er uns dieses Scheiß-Turnier ersparen können. Aber das bringt ja seinen Bayern keinen fetten Sponsorendeal... und ihm keine Rolex. Da ist es schon schwierig, zu seinen Überzeugungen zu stehen. Wobei das falsch ist, er steht ja ganz klar zu seinen Überzeugungen: Alles für den FC B, der Rest ist egal.

Wirklich spannend wird jetzt ja die Reaktion der Bayern Fans und Ultras. Was natürlich in der ersten Instanz enttäuschend ist, denn man sieht überall "Boycott Qatar!" Aufrufe, aber in keinem Stadion wurde bisher der Bogen zu Rummenigge als Mittäter gespannt. Wobei das jetzt verdammt wichtig wäre, denn daran erkennt man, wie kaputt der Fußball im Allgemeinen ist und dass es bei weitem nicht nur an der Fifa liegt.

Und wir wollen an der Stelle festhalten, dass der Deal mit der Fluggesellschaft vorher schon in der Kritik stand. Also bevor die Fanszene im größeren Rahmen gegen die WM aufgestanden ist. Chefkritiker Ott durfte sich dafür gerade von Uli Hoeneß beleidigen lassen. Das ist doch DER Traum von jedem Bayern Fan. Nicht nur allgemeine Beleidigungen wegen beschissener Stimmung, sondern eine ganz persönliche. Dafür wird man dort doch Mitglied...

Die Debatte über den Deal mit Qatar Airways sollte jetzt richtig in die Luft gehen. Denn all die Leute, die zuletzt in der Allianz-Arena gegen die WM Stimmung gemacht haben, (also was man in der Allianz-Arena so Stimmung nennt...) müssten jetzt konsequenterweise auch gegen Rummenigge Stimmung machen. Aber das mit der Konsequenz ist halt so eine Sache, das fordert man nur von den anderen Vereinen und Fans, bei seinem eigenen Herzensklub drückt man halt ein Auge zu.