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Mittwoch, 10. Juni 2026

WM Vorschau: Ich war noch nie so wenig Bock auf eine WM

Das letzte Mal war der politische Diskurs wenigstens halbwegs interessant. 3 1/2 Jahre später wissen wir aber, dass Sportswashing halt funktioniert und niemand nach der WM weiterverfolgt hat, wie das mit den Menschenrechten in Qatar jetzt weitergeht. Und dieses "niemand" schließt ja auch mich mit ein. Dass so ein Fußballturnier irgendwie die Welt verbessern und die Zustände vor Ort verändern können, wurde auch dank Russland eindeutig widerlegt. 

Wobei dieses Turnier jetzt für mich ja schon ein finaler Belastungstest ist: Ist eine Fifa-WM wirklich too big to fail? Denn dieses Mal gibt es ja kein Sportswashing, sondern Turbokapitalismus im Endstadium. Die Welt zu Gast bei Abzockern. Jetzt ist es natürlich einfach, den Städten Vorwürfe zu machen, wenn sie die Bahntickets von der Innenstadt zum Stadion von 12 Dollar auf 105 Dollar erhöht haben... Bis einem dann bewusst wird, dass das die einzige Möglichkeit für die Stadt ist, den Spaß zu refinanzieren. Denn von den restlichen 11 Milliarden bekommen sie halt nichts ab. Denn bei diesem Turnier zocken sich ja alle Gegenseitig ab... und am Ende gemeinsam die Fans.

Die Fifa zahlt wie immer nichts dafür, dass sie dieses Turnier austragen. Aber anders als in Deutschland gibt es auch kein halbwegs vernünftiges Steuersystem, welches dafür sorgt, dass zumindest ein Teil der Umsätze, die diese WM so machen wird, auch bei den Kommunen ankommt.

Das muss man sich nochmal vor Augen führen: Die Fifa hat völlig absurde Ticketpreise UND völlig absurde Parkplatzpreise aufgerufen... aber von dem Geld bleibt dann nichts vor Ort hängen. Dennoch wird man hinter mit dem heftigsten Gewinn und den größten Umsatz aller Zeiten prahlen. Nun ist das natürlich ein USA-Problem, welches uns aber nur verdeutlicht, wie kaputt dieses Land ist. 

Der entscheidende Unterschied zu Qatar: Der gemeine, politisch desinteressierte Fan kann diese Probleme nicht einfach ignorieren. Also um das nochmal zu verdeutlichen: Ein Finalticket Kategorie 1 kostete damals 1390 Euro. Jetzt gibt es die billigsten Finaltickets für 1759 Euro... Und die gelten nicht als Fahrschein. Die Dollars für die Anreise kommen da noch dazu. Dazu dürften die Hotelpreise eskalieren...

Aber da scheint es schon das erste Problem zu geben... denn der große Ansturm bleibt anscheinend aus. Denn dies wird ein Turnier werden, dass sich die Mittelschicht einfach nicht mehr leisten kann. Also außer man lebt in New York, die haben einen Sozialisten gewählt. Da ist jetzt also Land unter und man kann für 50 $ eine WM Spiel erleben... inklusive Bahnfahrt. Fair.

Aber kann so eine WM funktionieren, wenn die großen Fangruppen ausbleiben, weil sie sich dieses Fest einfach nicht mehr leisten können? Kann da überhaupt Stimmung entstehen?
Eine meiner Lieblings-Fußball-Erfahrungen war ja sowohl 2006 als auch 2024 einfach entspannt vom Marktplatz zum Stadion zu laufen und zu genießen, wie die Fans sich und ihre Mannschaften feiern. Das hab ich gerade beim Conference League Finale wiederholen dürfen. Aber wie soll das funktionieren, wenn die WM Stadien in Kleinstädten liegen? Wenn die Tickets zum Stadion dann so absurd viel Geld kosten, dass einfach hinfahren und feiern keine Option ist?

Da frage ich mich ernsthaft, ob es überhaupt Fans gibt, die ohne Ticket einfach nur die Stadt belagern und dort dann 2-3 Tage feiern. Wenn alles, was eine WM so besonders macht, ausfällt, ist es dann noch eine WM?
Und ja, das Best-Case-Szenario wäre halt eine WM mit mauer Stimmung vor halbleeren Rängen. Denn nur dann könnte sich vielleicht doch noch mal was ändern.

Viel Schlimmer: Das Turnier sollte eigentlich mit einer Triggerwarnung kommen. Also buchstäblich, denn die ganze Nation hat ja den Finger am Abzug.
Die Bedrohung, dass irgendein durchgeknallter die WM nutzt, um wild um sich zu ballern, ist viel zu real. Auch das muss man sich vor Augen führen: Dass der WM Monat ohne Amoklauf abläuft, ist statistisch ausgeschlossen. Denn es gab dieses Jahr schon mehr als 150 davon. 23 mit 4 oder mehr Toten. Könnt ihr euch noch an Columbine erinnern? Es ist mittlerweile so "normal" geworden, dass das in den deutschen Nachrichten gar nicht mehr auftaucht. Es bleibt zu hoffen, dass es zwischen den Amokläufen, die in diesem Land zum Alltag gehören, und den Fanfesten genügend räumlicher Abstand besteht.

Aber jetzt haben die unbehandelten Psychopathen auf einmal die Chance auf eine ganz große Bühne... Lustiger (oder doch eher rassistischer?) Weise macht sich das Kicker-Sonderheft Sorgen darum, dass es im Rahmen des allgemeinen Drogenkrieges in Mexiko zu Vorfällen kommen könnte. Die Tagesschau berichtete vor 4 Monaten. Dass in den USA jeder 15. schon mal einen Amoklauf live erleben durfte, muss man dagegen beim MDR suchen... Nebenbei ist ja auch nicht absehbar, ob ein "Linker", der seine Arztrechnung nicht bezahlen kann, durchdreht... oder ein ICE Agent und MAGA Fanatiker frei dreht. Das Land ist tief gespalten und die Lage hochbrisant. Und da haben wir den senilen Rassisten im Weißen Haus noch gar nicht erwähnt...

Ganz ehrlich: Ich hoffe inständig, dass das ein "PassivesAbseitsLeserwissenesexklusiv" wird. Aber der Rest hat sich ja dafür entschieden, dieses Problem komplett zu ignorieren. Ich will wenigstens offen die Daumen drücken, dass nichts passiert.
Auch hier muss man nochmal den Vergleich zur WM in Qatar ziehen: Solange man da nicht zur LBGTQ+ Community gehörte, war das nicht nur eine günstige, sondern auch eine verdammt sichere WM. Gut, man musste sich damit arrangieren, den Scheiß nüchtern zu gucken, aber das dürfte ja eher zu allgemeinen Sicherheit beigetragen haben. 
Jetzt... ich sage das mal so: Wenn man sich das Turnier vor Ort anguckt, sollte man sich vorher irgendwie darauf vorbereiten, wie man im Falle eine Eskalation reagiert. Die Einheimischen haben da einen klaren Vorteil, für die ist das quasi zum Schulfach erhoben worden...

Das dürfte nebenbei auch Teil des "Bauchgefühls" sein, von dem Rudi Völler gerade gesprochen hat, nachdem der Schiedsrichter aus Somalia nicht einreisen durfte. Wenn ich mit Rudi Völler übereinstimme, muss die Lage wirklich extrem sein...

Und ganz nebenbei führt das Gastgeberland auch noch einen völkerrechtswidrigen Krieg gegen ein Teilnehmerland. Hier ist ein apokalyptisches Szenario für die Fifa: Wenn die USA und der Iran jeweils 2. in ihrer Gruppe werden, treffen die im Sechzehntelfinale aufeinander. Das dürfte dann das erst mal sein, dass 2 gegeneinander Krieg führende Nationen bei einer WM aufeinandertreffen... aber zum Glück ist der Sport ja unpolitisch... 

Donnerstag, 15. Juni 2023

Und jetzt etwas komplett anderes

 Wobei man bei den derzeitigen Leistungen ja doch hinterfragen muss, ob die Energie Cottbus schlagen würden... Aber ja, heute kümmern wir uns um die Aufstiegsregelung der Regionalligen und kommen dabei auf das eigentliche Problem.

Claus Dieter Wollitz flucht ja schon vorher auf den DFB, weil die Aufstiegsregelung für alle halt brutal ist. Man muss an der Stelle auch fairerweise einschieben, dass er nach dem Scheitern nur die eigenen Fehler durchgeht, was ein vernünftiger Ansatz ist. Aber es ist schon lustig, dass das inhaltlich sinnvolle Interview in einer bescheidenen Audioqualität kommt.

Aber Wollitz schlägt damit in dieselbe Kerbe, in die ja alle immer wieder schlagen: Der Meister der Regionalligen muss aufsteigen. Alles andere ist unfair. Das muss sich doch was tun.

Und dann wird allen aber bewusst, dass man dafür die Ligen auf 4 herunter kürzen müsste. Denn 4 Absteiger aus einer 20er-Liga scheint vernünftig, aber ein Viertel der gesamten Liga herunterzuschicken ist halt keine Option. Allein deswegen wird der 5. Absteiger niemals kommen. Die Drittligisten werden das verhindern. Also müsste man die Regionalligen neu aufteilen.

Der nächste auf den ersten Blick logische Schritt ist es ja, dann die Regionalliga Bayern abzuschaffen. Also das war auch immer mein erster Impuls: Warum gönnen die sich eine eigene Regionalliga, wenn das alles nur unnötig kompliziert macht. Das ist doch total unfair.

Aber dann wurde mir halt auch bewusst, dass die Bayern den mitgliederstärksten Landesverband beim DFB stellen. Die haben 1,6 Millionen Mitglieder. Und klar, andere Bundesländer haben ihre Verbände in kleinere Zellen unterteilt... Also in Nordrhein-Westfalen spielen in der Summe mehr Spieler. Dafür, dass die ihre Macht lieber aufteilen, können aber die Bayern nichts.

Nordrhein-Westfalen bringt uns zu einem anderen Problem. Denn in diesem Bundesland leben mehr Menschen, als in all den eigentlich gar nicht mehr so neuen Bundesländern und Berlin zusammen. Trotzdem hat die ehemalige DDR ihre eigene Regionalliga, das ehemalige Braunkohlegebiet aber nicht...

Und hier kommt jetzt der ganz harte Cut: Die Aufteilung der Regionalligen ist eines dieser "Wir haben halt die Wiedervereinigung verkackt" Symptome. Dass 30 Jahre später die aus der DDR hervorgegangenen Verbände auf ihre eigene Liga bestehen, kann halt einfach nicht funktionieren, wenn die Infrastruktur und die Bevölkerungszahlen diese Liga einfach nicht hergeben.

Also all die Leute, die für eine 4-gleisige Regionalliga sind, denken wahrscheinlich, dass man die Linien irgendwo in der Mitte ansetzen würde und dann geografisch faire Grenzen zieht. Auf der DFB Karte scheint das ja auch einfach machbar. Dann bleibt der Nord/Osten so, wie er ist. Bayern, Baden-Württemberg und Hessen machen den Süden, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das eine Fußballfeld, welches wir das Saarland nennen, machen den Westen und der Norden besteht aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen. Klingt doch direkt fair.

Bis einem bewusst wird, dass im NOFV 13 Millionen Menschen leben, und in Bayern und Baden-Württemberg 23 Millionen. Sprich: Eine faire Aufteilung ist so nicht möglich.

Diese "Faire Aufteilung" würde halt sachlich gesehen eher so aussehen: Sachsen und Thüringen gehen zu den Bayern und bilden mit denen eine Regionalliga. Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern wechseln in den Norden. Der Südwesten besteht aus Baden-Württemberg und Hessen. Der Rest nennt sich Regionalliga West. Dann würde jede Regionalliga ungefähr 1/4 der deutschen Bevölkerung repräsentieren.

Dass diese Aufteilung so niemals kommen wird, liegt aber nur bedingt an den Bayern, sondern auch ganz klar am NOFV. Denn die Vereine dort wollen nicht, dass ihnen die ganzen lukrativen Ostdebys genommen werden. Aber sprecht mal auf einem DFB Bundestag an, dass der NOFV gesprengt und anders aufgeteilt werden müsste. Oder dass sie zumindest ihre eigene Regionalliga aufgeben und sich da aufteilen müssten. Die Vereine und Vertreter würden auf die Barrikaden gehen.

Vor allem geht es ja auch viel zu vielen Vereinen im NOFV mit dieser Regelung viel zu gut. Also als de facto Leipziger kann ich euch sagen, dass sowohl Chemie als auch Lok extrem froh darüber sind, dass sie mittlerweile 2 bis 3 Mal im Jahr auf halbwegs ordentlichem sportlichen Niveau und weitestgehend friedlich ihre Derbys vor 5.000 Fans austragen können. Die wollen gar nicht aufsteigen, die wollen nur ganz entspannt in der Regionalliga spielen. Und ja, die würden natürlich in dieselbe Regionalliga eingeteilt werden, aber ob beide das Niveau haben, um dort dann auch die Klasse zu halten, ist fraglich. Mich würde es schon überraschen, wenn sich mehr als 6 der derzeitigen Teilnehmer der Regionalliga Nord/Ost in der Neuaufteilung langfristig etablieren würden.

Man muss sich dann auf ein Mal mit Vereinen messen, die ganz andere wirtschaftliche Voraussetzungen haben. Da würden verdammt viele dieser NOFV Vereine in der Oberliga verschwinden. Wollitz sagt da, bevor er zu seinem DFB Rant ausholt, eine ganz bittere Wahrheit: Energie Cottbus ist halt der einzige Verein, der sich vorher den Aufstieg als Ziel "auf die Fahnen geschrieben" hat. Alle anderen würden einen Aufstieg vielleicht mitnehmen, aber sie arbeiten gar nicht gezielt darauf hin.

Was auch vernünftig ist, gerade in Leipzig hat dieses Verlangen unbedingt aufsteigen zu wollen zu verdammt vielen Pleiten und Konkursverfahren geführt. Es tut halt allen Beteiligten in der Stadt gut, dass RB Leipzig den "Hier muss doch eigentlich was mit Profifußball gehen" Druck vom Kessel genommen hat. So können Lok und Chemie einfach und wirtschaftlich gesund in der Regionalliga existieren.

Natürlich würde man, siehe BFC Dynamo letztes Jahr, trotzdem über die Aufstiegsspiele flucht, wenn man sie denn bestreiten darf. Auf die Idee, dass man in einer fair aufgeteilten Regionalliga nie Meister geworden wäre, kommt halt auch niemand.

Wenn jetzt der DFB die eine Lösung gefunden hat, von der 17 der 18 NOFV Mitglieder in der Regionalliga profitieren, dann sind das keine Arschlöcher, sondern dann machen die ihren verdammten Job. Und zwar an der Stelle sogar mal richtig und vernünftig.

Aber für Wollitz und Christian Beck ist es halt einfacher, das leichte Feindbild "DFB" anzugreifen, als praktisch alle Vereine in seiner Liga ans Bein zu kacken. Es ist halt auch leichte, das ganze emotional rauszukotzen, anstatt eine wirkliche Debatte über die eigentlichen Probleme zu reden. Vor allem, wenn alle dieses grundlegende Problem lieber ignorieren.

Und ja, dass die schwachsinnige Aufstiegsregelung existiert, liegt halt auch ganz klar an der Regionalliga Nord/Ost. Das traut sich halt nur keiner zu sagen.

Mittwoch, 21. Dezember 2022

Was wird die Task Force am Ende rausfinden?

 Das ist doch die wichtigste Frage:


Woran hat es gelegen?

Und klar, die offensichtlichen Antworten wie "Wir haben halt keinen guten Trainer" und "Uns fehlt der Mittelstürmer" liegen auf dem Tisch. Also zumindest eine der beiden, die andere wird ja noch ignoriert. Aber dafür braucht man ja keine Task Force, das kriegt ja jeder Blogger raus.

Vor allem hatten wir schon immer richtig schlechte Trainer und waren trotzdem erfolgreich. Und nur mit dem fehlenden Mittelstürmer kann man ja kein Vorrundenaus erklären. Man muss sich also wirklich fragen, was 2014 noch anders war.

Die Antworten sind einfach, aber unbequem. Erstens: Damals gab es noch Raportagen. Von 2006 bis 2014 kommentierte der Blumentopf wortgewannt und gekonnt die Deutschen Spiele. In Reimform. Am Ende oft kurz nach dem Abpfiff. 2016 war man noch halbwegs erfolgreich, aber spielte auch nicht wirklich überzeugend. Alles nach dem logischen Motto: Wenn hinterher keiner darüber rappt, muss ich mir auch keine Mühe geben. Vor allem löste sich diese großartige Band 2016 komplett auf. Seit dem geht halt nix mehr. Also auf Nationalmannschaftsebene zumindest Roger hat noch ein geiles Album gemacht. Der logische erste Schritt ist also: Die Task Force muss Blumentopf aus dem Ruhestand zurückholen. Man kann ja für die EM den Zustand "Nur die Band, keine Raportagen" verwenden, und wenn das auch nicht reicht, müssen die halt zurück zur Sportschau.

Noch viel wichtiger fürs ganze Land ist aber folgender Fakt: Als wir 2014 Weltmeister wurden, hatten wir noch keine Nazis im Bundestag. Die AfD scheiterte 2013 gerade so mit 4,7 % der Stimmen. Ok, das funktioniert so richtig nur, wenn man ignoriert, dass es auch in der CDU/CSU Nazis wie Erika Steinbach gab. Aber so ein richtig großes Sammelbecken für Nazis im Bundestag gab es halt noch nicht. Mittlerweile hat man ja den Vorteil, dass die CDU Nazis zur AfD übergetreten sind, man könnte also richtig ausmisten. Aber in der Partei geht es ja immer weiter nach rechts. Also so weit, dass es sogar dem Verfassungsschutz auffällt. Oder sind die immer noch nicht rechts genug, um vom Verfassungsschutz ignoriert zu werden? Dieser Zustand ist bestimmt nicht mehr weit weg, man muss sich also schnell drum kümmern.

Schritt 2 lautet also: Die AfD aus dem Bundestag kicken. Wenn das passiert und der Topf zurückkehrt, werden wir 2026 Weltmeister. Garantiert. Und ich würde mich definitiv darüber freuen. Also Kalle und Rudi: Fangt an mit der Arbeit, ihr habt viel zu tun.

Dienstag, 27. September 2022

Kann man gleichzeitig recht haben und Bullshit labern?

 Uli Hoeneß kann. Deswegen ist er einer der absoluten Hall of Shamer dieses Blogs. Selbst im Ruhestand liefert er noch 2 Mal im Jahr absurdes Material. Also zuletzt wollte er einem Journalisten Hausverbot geben, weil ihm die Fragen zu kritisch waren. Jetzt äußert er sich zur WM in Katar.

Und grundlegend hat er ja recht: Die Debatte über die WM ist scheinheilig. Aber nicht so, wie Hoeneß das meint. Sie ist scheinheilig, weil wir uns eigentlich darüber aufregen, dass diese Ölscheiche sich jetzt unsere Partys kaufen und wir uns deswegen mit deren Arbeitsbedingungen beschäftigen müssen. Wenn die sich weiterhin absurde Türmer gebaut und ihre Sklaven dabei umgebracht hätten, wäre uns das egal. Und ja, in Katar herrscht seit ziemlich genau 50 Jahren eine absolute Monarchie. Da arbeiten seit 40 Jahren 2 Millionen Immigranten unter furchtbaren Bedingungen für 200.000 Eingeborene. Aber man kriegt halt nicht raus, wie viele Menschen bei Bau der Katara Towers gestorben sind, weil es uns einfach nicht interessiert. Jetzt müssen wir uns damit beschäftigen, weil sie sich halt von dem Reichtum, den wir ihnen gegönnt haben, unser Volksfest gekauft haben.

Und machen wir uns nichts vor: Die WM konnten sie sich kaufen, weil wir jahrelang einfach nur das günstigste Öl haben wollten, damit wir uns unser schönes Leben leisten können. Deswegen wurden all die Despoten gestützt und deswegen lagern all die Rohstoffe jetzt bei diesen Despoten. Auch da hat Hoeneß recht: Man müsste viel mehr über eine Verkehrswende als über einen WM-Boykott diskutieren. Man müsste eigentlich im Winter kalt duschen. Aber das hätte ja Einfluss auf das eigene Leben, da macht man lieber so nen paar Pseudoaufrufe und guckt dann heimlich mit ner VPN und nem illegalen Stream zu Hause die WM in der Badewanne. Dafür hat man dann ja mal was getan, um die Welt zu verbessern. Oder anders ausgedrückt: Was glaubt ihr, wie groß die Schnittmenge zwischen der "Wir müssen die WM boykottieren!" und der "Wir brauchen die Weihnachtsmarktbeleuchtung!" Fraktion ist?

Die WM hat jetzt die Chance, eine Lupe auf diese Arbeitsbedingungen zu legen. Aber das Problem ist halt: Ab Januar wird es uns wieder egal sein, wie die Bedingungen vor Ort sind.

Mein persönlicher Favorit ist ja, dass man die WM öffentlich zeigt und die Hälfte des Gewinns an Reporter ohne Grenzen spendet. Also einem Verein, der sich darum kümmern wird, dass auch nach der WM noch hingeguckt wird. Wenn es in Leipzig eine Kneipe gibt, die das anbietet, würde ich da hingehen. Und Reporter ohne Grenzen hat gerade eine Spendenkampagne, wo es um Saudi Arabien geht, die würden also genau das machen, was die Boykottier-Fraktion will. Das wäre genau die Variante, die WM zu zeigen und es für die Kataris so unangenehm wie möglich zu machen.

Und hier fängt halt Hoeneß an, Bullshit zu labern um sein Gewissen rein zuhalten: Der Glaube, dass die WM in Katar oder das Engagement der Bayern schon irgendwas verändert hat. Dass man ja zu den Guten gehört, wenn man sich von denen Geld geben lässt.

Also lass mal zunächst das Großereignis auseinander nehmen. Also natürlich hat die WM dafür gesorgt, dass wir beim Katar gerade etwas genauer hingucken. Aber ändert sich dadurch irgendwas? Lasst mal kurz die jüngeren Vergleiche nehmen: China ist nach seinen Olympischen Spielen noch autoritärer geworden. Also es konnten ja während der Winterspiele deutsche Athleten am eigenen Körper erfahren, was "Lockdown" und "Quarantäne" auf Chinesisch wirklich bedeuten, aber die fahren immer noch eine 0-Covid-Politik. Also es kann dir da noch im Jahr 2022 passieren, dass du in der Fabrik eingesperrt wirst. Oh und man droht ständig mit einer Invasion von Taiwan.

Das bringt uns direkt zu Russland, die seit der Austragung ihrer WM einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg begonnen haben. Ihr habt es bestimmt mitbekommen. 

Selbst in England, wo das letzte EM Finale ausgetragen wurde, wird man verprügelt und verhaftet, wenn Kritik an der königlichen Familie äußert. Oh und in Brasilien könnte es in den nächsten Wochen zu einem Putsch kommen, damit Bolsonero an der Macht bleibt.

Kurz gesagt: In keinem der Länder hat sich die Lage nach dem Großevent gebessert. Und das liegt hauptsächlich an uns, weil wir halt nur zur WM oder zur Olympiade da hingucken und danach abschalten. Sportswashing funktioniert, weil uns die Zustände vor Ort egal sind und weil wir eigentlich nur unseren Wohlstand genießen wollen. Erst wenn wir uns als Gesellschaft grundlegend ändern und allgemein den Fokus auf Nachhaltigkeit und ein gerechtes Weltwirtschaftssystem legen, wird dies nicht mehr funktionieren. Aber solange wir uns an der Zapfsäule über den Preis beschweren, der halt hochgehen wird, wenn die Dinge im Nahen Osten ändern, wird da nichts passieren.

Nebenbei gibt es gerade eine große Protestwelle im Iran, weil dort eine Frau von der Sittenpolizei umgebracht wurde. Und ins Sri Lanka musste der Präsident aus seiner eigenen Villa fliehen. Die Proteste dort gehen unter Ausschluss der westlichen Öffentlichkeit weiter. Es passiert also eher etwas in den Ländern, denen wir nicht in den Arsch kriechen, während die Nationen, deren Legitimation wir durch eine Großveranstaltung stärken, autoritärer werden.

Das Regime in Katar wird durch die WM an Ansehen gewinnen, weil die Großinvestoren sagen werden: "Ein verlässlicher und stabiler Partner... UND die durften ja sogar eine WM austragen." während all die jetzt so lauten Kritiker die Probleme einfach wieder ignorieren werden.


Aber kommen wir mal zu dem viel dreisteren Punkt von Uli Hoeneß: Dass der kleine und bescheidene FC Bayern ja die Menschenrechtslage schon verbessert hat, weil deren Frauen-Mannschaft in kurzen Hosen spielen durfte. "Das war eine Sensation und ein Durchbruch für den Frauenfußball." Ja, genau.

Man kann sich halt alles schönreden. Das sind halt genau die Aktionen, die man als Scheich der westlichen Welt präsentieren will: Guckt mal, hier tut sich was. Aber machen wir uns nichts vor: Wenn die Frauen alleine nach Katar zum Training geflogen wären, wäre dies unter Ausschluss der Öffentlichkeit passiert. Und wenn sie gemeinsam mit den Männern geflogen wären, hätte man sie weitestgehend aus dem öffentlichen Programm rausgeschnitten. Also wir als westliche Welt hätten die Bilder von den Frauen in kurzen Hosen sehen dürfen, aber die Frauen vor Ort hätten davon nichts mitbekommen.

Und nur um mal zu verdeutlichen, wie gut das funktioniert: Versucht mal Bilder von Testspielen der Frauen in Katar online zu finden. Also wirkliche Beweisfotos, dass die da in kurzen Hosen unterwegs waren. Alles, was ihr findet, ist ein "internes Testspiel auf Bundesliganiveau" und ein einziges Bild mit einheimischen Mädchen auf der deutschsprachigen FC Bayern Seite... Die einheimischen Mädchen erkennt ihr an den langen Hosen. Und die Information, dass das Trainingslager im letzten Winter abgesagt wurde.

Und versteht mich nicht falsch: Aus "deutscher" Sicht ist es super, dass die Bayern da Equal Play betreiben und den Frauen da exakt die gleichen Bedingungen gibt, wie ihren Männern. Es wäre natürlich auch möglich, dass in einem humaneren System zu machen, aber immerhin ziehen sie das durch. Aber zu glauben, dass dieses eine Training und das eine daraus resultierende Foto, welches in der arabischen Welt garantiert nicht verfügbar ist, die Lage vor Ort verändert, ist naiv.

Wenn die vor Ort ein Testspiel gegen eine einheimische Mannschaft, die ebenfalls in kurzen Hosen spielt, abhalten würden. Wenn dieses Testspiel dann auch mit Bildern in den örtlichen Tageszeitungen erwähnt wird, dann kann man sich auf die Schulter klopfen. Aber das wird halt nicht passieren. Stattdessen nutzt Katar dieses Trainingslager nur für ihre eigene Außenwirkung und Uli Hoeneß hilft ihnen dabei.

Samstag, 29. Januar 2022

Das große Problem mit den Boykott Aufrufen

 Sie sind so willkürlich und selektiv.

Also klar, gerade ist es in ganz großer Mode, einen Boykott der Großveranstaltungen zu fordern. Eine WM in Qatar geht halt gar nicht, auch wenn viele Gründe dafür fragwürdig sind. Und Olympische Spiele in China sind auch nicht machbar. Obwohl wir 2008 damit noch kein Problem hatten. Sind die Zustände in China seit 2008 wirklich schlimmer geworden? Oder tun wir jetzt auf einmal so, als würde es uns interessieren?

Oh und wenn wir schon dabei sind: Warum interessieren wir uns für LBGTQ+ Rechte in Russland, aber was denen in Kamerun droht, ist uns komplett egal. Es gab praktisch keine Boykottaufrufe zum Africa Cup in diesem Land, obwohl die Lage dort auch weit weg von gut ist. Also natürlich haben die Spitzenteams der Premiere League versucht, die Abstellung ihrer Spieler zu verhindern oder hinauszuzögern. Aber dabei ging es ausschließlich darum, dass sie ihre eigenen Spieler nicht mitten in der Saison abstellen wollen. Was in Kamerun passiert, ist uns allen egal. Selbst die Nachricht, dass bei den Spielen eine Massenpanik ausgelöst wird, schafft es ja kaum auf Tagesschau.de. Wir zählen ja bei jeder Gelegenheit all die Toten bei den WM-Vorbereitungen in Qatar. Aber wenn während des Turniers Fans sterben, nehmen wir das mit einem Schulterzucken zur Kenntnis? Ich sag das mal so: Wer den Africa Cup in Kamerun unkritisch durchwinkt, darf sich hinterher nicht über die WM in Qatar aufregen...

Richard Lewis gibt uns hier einen epischen Rant über Sportswashing, der mehr oder weniger diesen Beitrag triggert. Richard Lewis ist ein Esports Journalist und muss sich gerade damit anfreunden, dass eine der größten Esports Organisationen vom selben Staatsfond gekauft wurde, der sich Newcaslte United gegönnt hat.

Das Problem ist halt nicht die WM in Qatar. Das Problem ist, dass es einfach kein sauberes Geld mehr gibt. Wenn man sich die Kolonialgeschichte beschäftigt, gab es dieses saubere Geld wahrscheinlich nie. Also nehmen wir es mal ganz praktisch: Ist ein Investor, der nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion durch korrupte Geschäfte zu unfassbaren Reichtum kam, wirklich so viel schlimmer als ein Investor aus dem Nahen Osten, der durch Ölquellen an sein Geld kommt?

Oder anders ausgedrückt: Wir tippen auf unseren von chinesischen Kindern produzierten Smartphones die Boykott-Aufforderungen und teilen die dann auf Facebook, obwohl Meta mit ziemlicher Sicherheit auch ein Schweinekonzern ist. Oder, wenn wir uns das nicht trauen, wir nutzen Telegramm dafür, weil wir glauben, dass das sicherer ist, da nur der Russe mitliest und deren Sitz in Dubai liegt. Und ja, ich teile all das auf einen von Google gehosteten Blog, was auch nicht besser ist...

Mal ganz praktisch betrachtet: Kann ich mich über die WM in Qatar aufregen, während die Bayern das Geld von Qatar Airways akzeptieren und ihr Trainingslager nach dort verlegen? Und klar, ein einzelner Fan geht dagegen vor, aber er hat halt auch keinen wirklichen Rückhalt in der Szene. Er ist eher ein Don Quichote. 

Nebenbei versucht Unsere Kurve e.V. ein Werbeverbot für Wettanbieter durchzusetzen. Also dass Oliver Kahn sein Gesicht nicht mehr dafür hergeben soll, weil denen auffällt, dass wir uns eine Generation von Glücksspielsüchtigen heranziehen.

Das Problem ist halt: Wenn man auf all das dreckige Geld verzichtet, spielt man halt nicht mehr im Konzert der Großen mit. Das muss all denen, die derartiges fordern, bewusst sein. So gut die Bayern wirtschaften, sie brauchen dieses Geld, um nicht den Weg von Arsenal London zu gehen und demnächst nur noch in der Europa League um den Titel mitzuspielen. Und der Rest der Liga braucht das dreckige Geld, damit der Abstand zu den Bayern nicht noch größer wird und man wenigstens in der Europa League mitspielen kann. Und in England brauche ich das dreckige Geld, damit ich nicht aus der Premiere League absteige.

Wir wollen alle die tollen Fußballer in wunderschönen, hochmodernen Tempeln spielen sehen, aber das funktioniert halt nur mit dreckigem Geld. Es wird sich ja mittlerweile gerne über die koruppte Fifa aufgeregt. Aber dass genau diese Fifa mit ihrer WM Vergabe 2006 die Grundlage für den derzeitigen Erfolg der Bundesliga geschaffen hat, weil sie als riesiges Investionsprogramm in die Stadien funktionierte, ignorieren wir gerne. Unsere WM Bewerbung war ja als einzige sauber...

Ok, wenden wir uns vom Fußball ab, wenn der dieses Problem hat. Nur... alle anderen Sportarten haben diese Probleme doch auch. Also die NBA steckt so tief im Arsch der chinesischen Regierung, dass man eine Massenpanik bei denen auslöst, wenn man sich kritisch zur Lage in Hongkong äußert. LeBron James ist sonst einer der politisch aktivsten Sportler der Welt... aber wenn er was zu China sagen soll, hält er plötzlich doch das Maul und dribbelt einfach nur, was sich all die konservativen Amerikaner so sehr wünschen würden.

In der NFL ist es kein Problem einen neuen Job zu finden, während mehrere Vergewaltigungsvorwürfe gegen einen im Raum stehen, aber wenn man gegen Rassismus protestiert, fliegt man raus. Da hat ein Coach gerade seinen Job verloren, weil er sich bereits vor Jahren in EMails als Arschloch geoutet hat. Was auch nur bedeutet: Die Besitzer der einzelnen Franchises haben überhaupt kein Problem damit, homophobe und rassistische Menschen anzustellen, sie haben nur ein Problem damit, wenn es rauskommt.

Ok, dann halt allgemein kein Sport mehr. Also das Medium der Moderne: Computerspiele. Da sind zunächst mal Lootboxen eine der schlimmsten Ideen der Gegenwart. Wenn ich gegen Werbung für Wettanbieter bin, weil ich mir Sorgen mache, was das mit unseren Kindern und deren Umgang mit Glücksspiel anstellt, muss ich auch die großen Computerspiele boykottieren, weil die mittlerweile alle mit "Surprise Mechanics" kommen. Und wenn ihr euch Videos anguckt, wie Spieler ausflippen, weil sie Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi aus einem einarmigen Banditen ziehen, versteht ihr, was ich meine. Und ja, es machen Leute Geld damit, in dem sie derartiges aufnehmen und teilen... 

Aber die systematische Konditionierung unserer Kinder zu Slot-Machine-Zombies ist vielleicht nicht mal das Schlimmste. Gefühlt jeder große Publisher hat Probleme mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Die Summen, die die bezahlen, um das unter den Tisch zu kehren, sind der absolute Wahnsinn.  

Oh und das Geld... kommt ebenfalls von den Saudis. Oder in Riots Fall, die mit League of Legends den größten Esports betreiben, von der chinesischen Regierung. Obwohl Tencent so erfolgreich ist, dass sie Geld an die chinesische Regierung spenden dürfen

Dann halt kein Sport und keine Computerspiele, sondern Musik. Werfen wir Spotify an, obwohl die die Künstler grausam bezahlen und wissentlich Fakenews zur Covid Lage verbreiten lassen. Das wird ihnen zumindest von Künstlerseite vorgeworfen... (Edit: Ich habe diesen Beitrag bereits am Samstag angefangen, es sieht so aus, als würde Spotify zumindest da reagieren... Wenn sie jetzt noch dafür sorgen, dass die Künstler auch angemessenes Geld verdienen und das nicht alles bei ihnen landet...) Dazu haben Künstler, die auf große Welttournee gehen, einen absolut katastrophalen Klimaabdruck, weil sie ja nicht nur ihr Ensemble, sondern auch ihr aufwendigeg Bühnenbild durch die Welt kutschieren. Da bleibt einem wohl nur der Plattenladen um die Ecke. Verdammt, Schallplatten werden auch aus Erdöl hergestellt... Oh und Diktatoren hatten auch immer die Angewohnheit, sich Superstars nach Hause einzuladen, was denen dann im Nachhinein peinlich ist...

Na gut, dann lehnen wir uns zurück und gucken einen Film. Das ist schließlich die Branche, die das #metoo in Bewegung gesetzt haben, weil ihr Umgang mit den Mitarbeiterinnen so vorbildlich ist. Und Disney hat sich ja nur bei China für die Zusammenarbeit bei Mulan bedankt... Also explizit bei den Leuten, die da Konzentrationslager betreiben. Oh und ratet mal wer 500 Millionen in Disney investiert hat? Genau dieselben Saudis, die sich Newcastle United gegönnt haben... 

Es gibt das lustige "Wikipedia Spiel", in dem man von jedem Artikel in 3 Klicks zu Adolf Hitler kam. Mittlerweile kommt man immer innerhalb von 3 Klicks zu den Chinesen oder Saudis, weil die halt überall mit drinstecken. Das ergibt ja auch Sinn: Noch können die Saudis ihren Wohlstand auf dem Öl. Allerdings dürfte ihnen im Gegensatz zu uns bewusst sein, dass dieses Öl ein fossiler Brennstoff ist und dass sie nicht ewig auf ihm sitzen bleiben können. Also investieren sie jetzt, wo sie noch endlosen Reichtum haben, um dann später, wenn sie sich nicht mehr aufs Öl verlassen können, überall vernetzt zu sein. Und nebenbei ist das alles auch eine wunderbare Imagekampagne.

Jetzt müssen wir die Saudis machen lassen, weil wir ihr Öl brauchen. In 50 Jahren müssen wir die Saudis machen lassen, weil sie überall mit drin hängen. Mittlerweile reißen sie sich halt auch unsere Lieblingsspielzeuge unter den Nagel. Aber genau genommen können wir seit 50 Jahren kein Auto ohne deren Hilfe betreiben. Dennoch schaffen wir es nicht mal, ein Tempolimit auf den Autobahnen durchzusetzen, weil mit unseren tollen Volkswagen durch die Gegend rasen doch wichtiger ist. Jede Verkehrswende scheitert an der Bequemlichkeit. In Deutschland protestiert man meist erfolgreich gegen den Ausbau von Windenergie, weil man die zwar haben will, aber doch bitte nicht im eigenen Wald... Und dann ist man überrascht, wenn man an der Pipeline fragwürdiger Gestalten hängt. Aber wenn die Ölscheiche dann mit dem Geld, welches wir ihnen bereitwillig und ohne schlechtes Gewissen in den Arsch gesteckt haben, eine WM austragen wollen, hört der Spaß auf?

Um dann mal eine wirklich abstruse These in den Raum zu werfen: Unser Lebenswandel fällt uns halt jetzt auf die Füße. Also einerseits, weil die Flüchtlinge als Folge des Klimawandels vor unserer Tür stehen. Das wird ja auch eher schlimmer als besser werden. Auf der anderen Seite haben wir direkt neben diesem Chaos und Elend einige wenige, die dank unserer Lebensweise zu den reichsten Dynastien der Menschheitsgeschichte aufgestiegen sind, weil uns Moral und Anstand in den letzten 100 Jahren vollkommen egal waren. Und eine WM in Qatar ist halt auch nur die schmerzhafte, aber logische Konsequenz dieses Lebenswandels. Damit wollen wir aber nicht konfrontiert werden, also boykottieren wir eher das im großen irrelevante Symptom, anstatt über das Problem an sich zu reden.

Ganz zynisch betrachtet sollten wir das ganze optimistisch sehen: Jeder Dollar, den die Saudis oder Qatar in eine Weltmeisterschaft oder einen Fußballverein stecken, landet nicht in den Taschen von Terroristen und kann damit die Lage in den Nachbarländern nicht destabilisieren. 

Nebenbei verdient Deutschland ja an dem Elend der Regionen. Also die Rüstungsexporte haben einen neuen Höchsstand erreicht. Die Deutsche Bank feiert mitten in der Pandemie neue Rekordgewinne. Die Superreichen verdienen auch im Westen am Elend der Gemeinheit.

Wenn man diesen Zustand boykottieren will, kann man sich eigentlich nur noch in seinem Zimmer einschließen und gutes deutsches Bier von der Lokalmarke herunterwürgen. Wobei... meine Lokalmarke "Sternburg" gehört auch schon zur Radeberger Gruppe... würg.

Würglich albern wird es jetzt, wenn man die Athleten zu einem Boykott auffordert. Ihr könnt euch doch nicht zur Marionette von diesen Arschlöchern machen, denen wir diese Möglichkeiten gegeben haben. Das wäre doch unverantwortlich! Macht da nicht mit! Bleibt zu Hause! Das funktioniert nur, wenn man an Sporter höhere moralische Maßstäbe ansetzt, als an sich selbst.

Diese Athleten arbeiten praktisch ihr ganzes Leben und gezielt 4 Jahre lang auf ein Event wie die Olympischen Spiele hin. Sie geben dafür ihre Kindheit auf. Ertragen im Zweifelsfall sexuelle Misshandlungen, die es sonst nur in der katholischen Kirche geben würde. Und die sollen jetzt auf die Erfüllung ihres Lebenstraumes verzichten, weil wir mit unserer Lebensweise ein ungerechtes und ungesundes System erschaffen haben, welches jetzt auf uns zurückkommt? Die sollen ihren Reichtum gefährden, während wir weiterhin die Billigprodukte aus China kaufen? Während wir nicht mal im Ansatz gewillt sind unsere Lebensweise zu ändern?

Und wenn dann dieses Event in 4 Jahren von einem nicht ganz so offensichtlichen Schweinestaat veranstaltet wird, dürfen sie wieder teilnehmen und wir jubeln ihnen zu?

Am Ende soll das nicht bedeuten, dass diese Debatten über die Zustände in der Welt sinnlos sind. Und wenn man mit Boykott Aufrufen diese Debatten in Gang setzt, hat man vielleicht doch was erreicht. Man sollte sich aber bewusst sein, dass man hier über ein globales Problem und ein krankes System redet, welches man nicht durch den Boykott eines einzelnen Sportevents verbessert, diskutiert.

Aber der Sport ist am Ende auch nur ein Abbild unserer Gesellschaft. Die Zustände bei der Fifa sind nicht besser oder schlechter als sonst überall. Es fällt uns bei der Fifa nur etwas schwerer wegzuschauen.

Montag, 14. Oktober 2019

Ilkay Gündogan fasziniert mich.

Also ernsthaft... wie kann man überrascht sein, dass ein Foto mit einem Politiker als politisch angesehen wird? Ok, bei Angela Merkel vielleicht, aber bei allen anderen Politikern auf der Welt... ist ein Foto mit einem Präsidenten immer genau das: Ein politisches Statement.

Vor allem hätte er zumindest aus dem Vorall mit Mesut Özil lernen können, dass solche Äußerungen, in welcher Form auch immer, Reaktionen auslösen... Und das man sie sich zumindest sparen sollte, wenn man zeitnah danach im Patriotischen Dienst ein anderes Land repräsentieren muss.

Und was an einem "Für unsere Nation, vor allem für jene, die für unser Land ihr Leben riskieren" Statement, welches unter dem Bild steht, unpolitisch sein soll. Selbst wenn es den keine Offensive gegen die Kurden geben würde... ist das immer noch ein deutliches Statement pro türkischen Nationalismus und Militarismus. Was ich einem türkischen Nationalspieler, der von deren System profitiert hat, nie vorwerfen würde. Aber dass Gündogan als deutscher Nationalspieler sich jetzt wundert, wenn das für Aufsehen und Unruhe sorgt...
Und wenn er den Text unter dem Bild nicht gelesen hat, sondern einfach nur das Foto von Freunden geliked hat... sollte er sich unbedingt mal mit seinem Verhalten in den Sozialen Netzwerken auseinander setzen. Nur so als allgemeiner Tipp: Erst alles lesen, dann liken.

Das aller faszinierendste ist aber... dass er angibt „ein absoluter Pazifist und gegen jede Art von Krieg“ zu sein. Vielleicht habe ich eine falsche Vorstellung vom absoluten Pazifismus, aber wenn man so was sein will, teilt und liked man doch nie im Leben Bilder mit militärischen Grüßen. Egal von welcher Armee. Denn als absoluter Pazifist ist man gegen jede Armee der Welt. Und auch gegen jegliche Anspielungen in diese Richtung. Dafür steht das "absolut"...
Natürlich ist Gündogan im Krisenmanagement-Modus. Und da sagt man halt alles, was einem einfällt und die Vorfälle irgendwie relativieren. Selbst wenn bei genauerem Hinsehen deutlich wird, dass sich die Aussagen komplett widersprechen. Man hofft im Wesentlichen, dass niemand so genau hinsieht. Funktioniert bei allen anderen ja auch.
Und hey, dazu kommt, dass Gündogan seinen Partner in Crime Emre Can mit 2 Toren gerettet hat. Man stelle sich mal den Shitstorm nach einem 0:0 vor... mit dem Platzverweis von Can als Hauptursache... Dann hätten wir wieder all die schönen Vorwürfe aus der Özil Debatte hervorkramen können. Was will man denn mehr?

Aber wo wir schon beim Thema sind: Dass Fortuna Düsseldorf jetzt ein Statment abgeben müssen... Weil es ja auf dem eigentlichen Bildern um ihre Spieler geht. Zunächst mal bleibt festzuhalten: Ayhan und Karaman Vorwürfe zu machen ist absurd. Denn die sind halt türkische Nationalspieler. Im Auftrag ihrer Nation unterwegs. Da ist die Gruppendynamik und der Druck ein ganz anderer.

Also mal nen ganz dummes Beispiel: Wenn jetzt, nehmen wir das buchstäblich dümmste Beispiel, Horst Seehofer nach einem Länderspiel Angie-Like in die Kabine zum Fototermin will und dann ein Spieler sagt "Das ist ein hetzender Vollidiot, mit dem will ich nicht auf einem Bild sein, der soll meine Beliebtheit nicht für sich nutzen!"... dann gucken den doch alle Bayern-Spieler in der Kabine an... und sagen ihm: Geh schon mal Duschen, wir kommen dann gleich nach.

Als letzter faszinierender Akt des Dramas... ermittelt die UEFA gegen den politischen Gruß, weil die ja gegen jegliche Form von politischen Aussagen sind. Also zunächst mal nutzt jedes Land auf der Welt seine Nationalmannschaft als Aushängeschild. Also als "guckt mal wie toll wir doch sind" Imagekampagne. Deswegen sind Politiker bei solchen Veranstaltungen, sobald sie denn relevant werden, auch vor Ort.
2.) nutzt ja auch die UEFA jede Gelegenheit um sich mit Staatsoberhäuptern ablichten zu lassen. Also die sitzen auf den Ehrentribünen meistens in unmittelbarer Nähe der sympathischen Präsidenten verschiedenster Nationen. Und ja, das Bild führt demonstrativ zu Infantino, als dieser schon Fifa-Präsident war. Aber auch Aleksander Ceferin wird 2020 (bei seinem ersten Turnier, dafür kann er dann aber gleich ganz Europa abgrasen) die Gelegenheiten nutzen und sich entsprechend ablichten lassen. Aber das ist dann natürlich kein politisches Statement. Zumindest nicht, wenn Angela Merkel im Bild ist.

Dienstag, 24. Juli 2018

Was hat denn bitte der Hoeneß genommen?

Zu tief in Horst Seehofers Glas geguckt?

Ich meine ernsthaft, WTF? Der hat es geschafft, dass sein eigener Haus und Hof Blog sich gegen ihn wendet...
Dass Özil bei der EM ein gutes Viertel- und Halbfinale gespielt hat, hat dem Uli Hoeneß wahrscheinlich einfach niemand mitgeteilt... wahrscheinlich erinnert der sich nur an die verschossenen Elfmeter...
Und genau das ist ja Özils Problem. Hoeneß kippt genau das Benzin ins Feuer, an dem Özil am Ende verzweifelt ist. Dessen Argumentation wird genau dadurch nur noch bestätigt: Wir sehen immer nur die schlechten Leistungen des Dreckstürken, was er alles gut gemacht hat, ignorieren wir. Danke, dass sie Özil bestätigen... Dass Hoeneß Wahrnehmung sich mit der betrunkenen Mehrheit deckt, ist der Grund, warum wir diese Diskussion führen müssen...
Und es ist natürlich auch wieder Munition für all die rechten Giftmischer. Genau das, was wir jetzt gerade brauchen.

Vor allem, es ist der Hoeneß... der selber als staatlich anerkannter Steuerhinterzieher sich ausgiebig darüber ausgeheult hat, wie schlimm ihn doch die Medien behandelt haben. Schlüsselzitat:

"Aber was in den letzten 14 Monaten auf einen Mann und seine Familie, der am Boden lag und liegt, an Häme, an Pranger niedergeprasselt ist, das konnten meine Familie und ich keinen Tag länger ertragen."

Vielleicht sollte sich der Hoeneß mal daran erinnern, wie es ihm aus eigener Perspektive (meine Wahrnehmung war natürlich eine andere) ergangen ist, nachdem er einen wesentlich dramatischeren "Fehler" begangen hat als Özil. Vielleicht sollte er mal darüber reflektieren, wie er sich damals gefühlt hat, als er durchs Dorf getrieben wurde... Und das sein eigenes Schuldbewusstsein am Ende auf Augenhöhe mit Özils ist und in einem "Freispruch wäre normal gewesen" endet... Also gerade der Typ sollte doch genau wissen, wie es ist, wenn man seinen eigenen Fehler als völlig überbewertet ansieht...

Und ja, ich packe das immer wieder aus, wenn der Hoeneß sich zu sozialen Themen äußert: Der Mann hat jegliches Recht sich als Moralische Instanz aufzuspielen verloren.

Vielleicht sollte der Typ auch einfach mal vor seiner eigenen Vereinstür kehren... Also nur so als Gedanke... Wir haben gerade eine WM erlebt, bei der die Profis des VfB Stuttgarts mehr Tore erzielt haben, als die des FC Bayerns... bei denen Leute wie Robert Lewandowski, Jerome Boateng und Thiago Özils Nicht-Leistungen in den Schatten gestellt haben... Oder nehmen wir einfach mal... Thomas Müller, der den letzten beiden Turnieren jeweils schlechter abgeschnitten hat als Özil... aber man stelle sich vor, jemand würde mit Hoeneß mit der Theorie konfrontieren, dass Müller nicht mehr ins Nationalteam gehört... Der würde mit "So ein verdienter Spieler" anfangen... genau das ist Özil halt auch... Nur dass auf dem einen verdienten Spieler ständig rumgehackt wird und auf den anderen nicht...
Und an der Stelle funktioniert halt auch das "lasst uns nur über das sportliche reden" nicht. Denn wenn Özil Stefan Meier heißen würde und guter Christ wäre, hätten weder wir noch er das Problem, über welches wir jetzt diskutieren... Und ja, dann hätte er sich auch mit einem Russischen Diktator ablichten lassen dürfen. Weil Stefan Meier natürlich russische Vorfahren hat und keine türkischen...

Weder Hoeneß, noch ich, können halt nachvollziehen, wie es ist in einer derart exponierten Stellung einen Migrationshintergrund zu haben. Und wenn man sich jahrelang darin gesonnt hat, dass die Nationalmannschaft als Musterbeispiel der Integration gilt (Siehe unser guter Nachbar Boateng...), dann kann man jetzt, wo es mal nicht läuft, nicht behaupten, dass das alles kein Thema ist... Denn gelungen Integration zeigt sich ja gerade in den schwierigen Momenten...

Und natürlich kann man die Özil-Aussagen kritisch betrachten... aber halt nicht so... Das war echt das Dümmste, was man zu diesem komplexen Thema sagen konnte...

Montag, 23. Juli 2018

Mesut Özil ist doch ein perfekt integrierter Deutsche

Gebt dem den nächsten Bambi...
Der ist so deutsch, dass es für ihn keinen Zusammenhang zwischen Politik und Politikern gibt... Das kann auch nur jemand glauben, der bewusst nur Angela Merkel als Kanzlerin erlebt hat... die ja die Trennung zwischen sich und der Politik perfektioniert hat...

Und ganz ehrlich: Das ist der einzige Vorwurf, den ich jetzt dem Mesut Özil mache: Dass er nicht anerkennen will, das ein Treffen mit einem Staatspräsidenten immer auch ein politisches Thema ist... denn alles, was Politiker in ihrem Leben machen hat halt einen Einfluss auf ihren "Arbeitsbereich".

Wenn das Özils eigene Ansichten sind (und nicht das vom Berater empfohlene Statement), wovon man bei der Intensität des 3. Parts zwingend ausgehen muss... dann muss man sich eigentlich bei ihm bedanken, dass er während der WM geschwiegen hat... denn wie viel Unruhe hätte er in das Turnier gebracht, wenn er vor Ort vom "Krisenmanagement bei Mercedes" gesprochen hätte... Dann hätte der Sponsor auf ein Mal darauf bestanden, dass der Spieler nach Hause geschickt wird...
Oder wenn er während des Turniers Richtung Reinhard Grindel geschossen hätte... um diesen vorzuwerfen, dass der sich nur in Özils Präsenz sonnt, wenn es ihm gerade passt und dass der politisch für alles Stand, was die aktuelle Generation an Nationalspielern überwinden wollte... Gerade das "Wenn wir Gewinnen, bin ich Deutscher, und wenn wir verlieren Immigrant" Gefühl können wir halt gar nicht nachvollziehen.

Und ja, aus Özils Sicht ist es nicht nachvollziehbar, dass dieselbe Aktion wie 2011 im Jahr 2018 auf ein Mal so große Wellen schlägt. Und einen Özil trifft es halt auch, wenn all die Ressentiments aus seiner Jugend wieder ausgegraben werden. Denn in einer Sache hat er definitiv Recht: Dieses einfach Foto hat viel zu große Wellen geschlagen. Und das liegt nicht daran, dass Özil dazu nicht äußern wollte, sondern eher daran, dass wir uns als Gemeinschaft zurück entwickelt haben: Im Jahr 2018 haben wir dank Horst und Alice wieder ein Klima, in dem man sich als Özil dafür rechtfertigen muss, dass man 2 Herkunftsländer hat. Und in dem man dafür angegriffen wird, dass man beiden Ländern Respekt zollen will. Da waren wir 2011 einfach weiter.

Das faszinierendste ist ja, dass der Kicker (ohne den letzten Teil gelesen zu haben... der der heftigste ist... vielleicht bringt sie das zum einlenken) jetzt einem Özil vorwirft keinerlei Selbstkritik zu zeigen... also zum einen reagiert man halt so, wenn man gefühlt von allen als Fußabtreter benutzt wird. Das löst halt eine gewisse Trotzreaktion aus... zum anderen: Wo bleibt denn die Selbstkritik vom Kicker? Das Eingeständnis, dass man sich selbst zu sehr auf dieses Foto versteift hat, welches eigentlich keinen Einfluss auf die Mannschaft haben sollte. Anstatt mal zu sagen: Ok, nach dem Foto mit dem deutschen Präsidenten und dem gemeinsamen Statement mit dem Deutschen Staatsoberhaupt kümmern wir uns wieder um Fußball...
Wenn der Kicker sich selber kritisch hinterfragen würde, könnte er an dem Punkt kommen, dass Özil recht hat... dass er, als bester Offensivspieler im Spiel gegen Südkorea, zumindest wenn man die sachlichen Parameter anwendet, eine 5 bekommen hat, weil er halt der Scheiß-Türke ist (und weil Mats Hummels seine Vorlage nicht genutzt hat...). Dass man es als ehemaliges Fachmagazin nicht geschafft hat die Emotionale Debatte auszublenden, wenn man die Leistungen auf dem Platz sachlich bewerten soll, könnte man einfach mal eingestehen. Dass man seinen Beitrag dazu geleistet hat... einer der Gründe ist, warum Özil sich so fühlt, wie er sich fühlt... Dass man sich an der Treibjagd munter (wenn auch nicht so drastisch wie die anderen) beteiligt hat... aber nein, Özil ist derjenige, der Selbstkritik zeigen muss... Natürlich. Der ist ja auch der einzige, der einen Fehler begangen hat...

Wie kann man eigentlich so dreist sein und von anderen Fordern, was man bei sich selbst verweigert?

Donnerstag, 10. November 2016

Weil Fußball halt auch nur die schönste Nebansache der Welt ist II: Was für einen Scheiß wählen die sich eigentlich zusammen?

Also die Amis. Ne warte, die Briten... oder doch die Vorpommeranzen?

Yeah... holy shit...

Diese Wahl in Amerika war ja wirklich faszinierend. Auf ganz vielen Ebenen. Aber da es uns relativ egal sein kann, wie die ihr eigenes Land kaputt machen (und es ist ja auch ihr gutes Recht dies zu tun... also technisch gesehen können wir uns darüber gar kein Urteil erlauben...), sollten wir uns mal damit beschäftigen, was all diese Wahlergebnisse eigentlich für uns bedeuten.

Und wenn man sich so die Berichtserstattung anguckt... oder die Sozialen Medien... denkt man, dass die Welt jetzt unter geht.  Und dass eine Janelle Monae dies glaubt, ist auch verständlich. Für die ist als progressive Afroamerikanerin wirklich eine Welt untergegangen.

Aber für uns... wird sich überraschend wenig ändern.
Denn einerseits hat der amerikanische Präsident überraschend wenig Macht. Er wird uns zwar als mächtigster Mann der Welt verkauft... aber genau genommen macht er erstaunlich wenig... und ein Barrack Obama hat das ja mitbekommen, als er gegen die Polizeigewalt gegen Minderheiten (hauptsächlich der Minderheit, der er angehörte) nichts unternehmen konnte, außer mal eine Rede zu halten.

Und Außenpolitisch... Klar, Mexiko wird ziemlich schnell mitbekommen, ob Trump das wirklich durchzieht... aber... wir Europäer? Also der gefühlt erste Satz, den Trump gesagt hat, war ja "Wir wollen großartige Beziehungen, aber Amerika steht an erster Stelle"... Wisst ihr wer das quasi auch gesagt hat? Barrack Obama... der hat, als er den FUCKING FRIEDESNOBELPREIS entgegengenommen hat, eine Rede gehalten, in der er uns erklärt hat, dass Amerika das Recht hat seine Werte mit Waffengewalt zu verteidigen... und da wundert sich die Kommission, dass Bob Dylan sich nicht bei denen meldet...
Die "America First" Doktrin funktioniert doch unabhängig vom Präsidenten. Da gibt es eigentlich nur eine Dynastie, die noch schlimmer ist, als der ganze Rest... aber der Rest bewegt sich seit Jahren echt auf Augenhöhe.

Überhaupt Obama... könnt ihr euch noch an die Allgemeine Euphorie in Europa erinnern, als der gewählt worden ist? Ist davon irgendwas übrig geblieben?
Wir werden erschreckend wenige Unterschiede zwischen Obama und Trump mitbekommen. Vor allem gemessen an dem Hype, der vorher und nachher darum gemacht wurde...

Was nicht bedeutet, dass wir uns nicht fragen sollten, wie das passieren konnte. Aber wir sollten halt nicht entsetzt und schockiert auf dieses Ereignis gucken. Es nicht für eine unaufhaltsame Naturkatastrophe betrachten. Und vor allem nicht als ein einzelnes, isoliertes und fremdes Phänomen.

Die Demokratie, die mir so am Herzen liegt, ist gerade richtig am Arsch. Dafür muss ich gar nicht nach Amerika gucken. Die Briten haben sich in einem Volksentscheid von der EU verabschiedet. Die AfD liegt in Mecklenburg Vorpommern vor der CDU und in Sachsen-Anhalt vor der SPD. Die Franzosen werden, wenn das so weiter geht, als nächstes von LePen regiert...

Und diese Bewegungen funktionieren ja alle nach demselben Prinzip: Die Leute werden auf eine Emotionalen Ebene abgeholt, gegen die man mit sachlichen Argumenten keine Chance mehr hat. Trump hat gefühlt nur gelogen. Und sich dabei auch noch ständig widersprochen. Also die Hälfte seiner Lügen war ja "Das hab ich nicht gesagt!" Selbst wenn es sein eigener Twitteraccount zitiert wurde.
Die Brexit Fraktion hat stumpf alle Nachteile und Kosten der EU ins Scheinwerferlicht gestellt und dabei gnadenlos übertrieben.
Die AfD hat die Flüchtlingskrise in den Mittelpunkt gestellt, obwohl Meck-Pomm 2,03% aller Frlüchtlinge aufnehemn muss... Ja, wir haben eine Flüchtlingskrise, aber nicht in Mecklenburg Vorpommern...

Und hier die Preisfrage: Wie geht man dagegen an. Also wenn den Mecklenburger Politikern einfach nicht mehr geglaubt wird?
Das ist genau der Punkt, an dem die Trump-Wahl für uns interessant wird. Denn wenn wir nicht die richtigen Schlüsse aus diesen Vorgang ziehen, zieht die AfD mit 20% in den Bundestag ein... und dann sind alle wieder entsetzt, obwohl es eigentlich logisch ist.

Das erste und aller wichtigste: Die "Millennials" müssen wählen gehen. Und ja, die Leute, die heute auf die Straße gehen, waren halt gestern nicht (ausreichend) in der Wahlkabine. Dasselbe Problem haben die jungen Briten gerade. Da haben damals auch hauptsächlich die Alten und Verbitterten für den Ausstieg gestimmt... und die Jugend ist zu Hause geblieben. Wer aber nicht mit macht, kann sich hinterher nicht beschweren, dass ihm das Ergebnis nicht passt.

Und ja, Donald Trump, die Brexit Experten und die AfD mobilisiert zum Teil Leute, die vorher einfach mit dem System abgeschlossen haben. Die man wahrscheinlich auch nie wieder zurück ins Boot bekommt. Aber genau deswegen ist es jetzt wichtiger als je zu vor, dass alle anderen wählen gehen und diesen Leuten nicht das Feld überlässt. Denn bis diese Wähler gemerkt haben, dass ihr Protest ihnen gar nichts bringt sondern eher schadet, wird noch einiges an Zeit vergehen... Und wie sehr es ihnen schadet, liegt an unseren Kreuzen...

Die Briten haben wiederum gelernt, dass man nicht einfach davon ausgehen kann, dass das Volk schon keine Dummheiten machen wird. Die Anti-Brexit Bewegung hat sich halt viel zu sehr drauf verlassen, dass die Wähler sich im entscheidenden Moment schon nicht über den Tisch ziehen lassen. Dass der Wähler über die Konsequenzen seines Handelns nachdenkt. Deswegen wurde sich auch viel zu wenig Mühe dabei gegeben, die Vorteile der EU (ich sag mal Friedensnobelpreis... hat irgendein Brexit Gegner den Fakt, dass die EU der Grundlpfeiler unseres selbstverständlichen Friedens ist, in den Vordergrund gestellt? Nicht, dass ich es mitbekommen hätte.) in den Vordergrund zu stellen.
Man muss sich schon wirklich Mühe geben, denen von der Demokratie frustrierten echte demokratische und produktive Angebote zu bieten. Anstatt sich darauf zu verlassen, dass die am Ende schon für einen Stimmen werden. Und das wird richtig schwer. Es ist aber... Alternativlos. Denn sie zu ignorieren ist extrem schmerzhaft.

Die Amerikaner haben uns an der Stelle was anderes gelehrt: Hillary Clinton war der stereotypische demokratische Konsens-Kandidat. Ein absoluter Politik-Profi. Aus dem Herzen des Establishments. Also so tief im Herzen verwurzelt, die hat schon mal im Weißen Haus gelebt. Was eigentlich für einen Präsidentschaftskandidaten unvorstellbar ist. Und ja, nebenbei war sie auch die erste Frau.
Die Leute wollten aber (offensichtlich) weg vom Status Quo. Deswegen behaupten heute auch alle, dass Bernie Sanders die Wahl gewonnen hätte...

Und machen wir uns nichts vor: Trump hat die Wahl nicht gewonnen, Clinton hat sie verloren.
Die wichtige Lektion: Wenn man einfach weiter in seinem eigenen Politischen Mief vor sich her dünstet, wird man das Problem des aufkommenden Extremismus nur noch verstärken. Man muss schon ein klares Profil stellen. Und klare Programme vorgeben... Wir brauchen wieder Volksparteien, die sich voneinander unterscheiden...

An der Stelle kriege ich ja richtig Angst. Also dass wir uns jetzt so sehr auf die Probleme der anderen Versteifen, dass wir die vor unserer eigenen Haustür deswegen nicht mehr wahr nehmen. Dass die Politiker, die mit ihrer Art Politik zu machen, jetzt nicht in der Lage sind, den Hebel umzulegen und sich Werte und Profile zuzulegen. Und dass dann 2017 alle über uns den Kopf schütteln...

Das Allerwichtigste an der US Wahl ist für uns ja, dass sie jetzt vorbei ist. Das wir mit diesen Medienzirkus nicht mehr unsere eigenen Problemkinder überdecken können.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Ist das eigentlich noch Zynismus oder doch nur noch traurig?

am Sonntag hat Miroslav Klose das Römer Derby entschieden. Irgendwie gönne ich ihm das sogar... abgesehen von den seinem Verhalten vor dem Wechsel zu den Bayern (man trifft sich einfach nicht am Abend vor einem Uefa-Cup Halbfinales mit seinem nächsten Arbeitgeber... und wenn man es tut, sollte man besser am nächsten Tag 3 Tore schießen...) hat er sich immer korrekt verhalten... Und der Miro ist kein Hochbegabter, wie Mario Götze, sondern ich würde sogar behaupten, er hat nicht mehr Talent als der beste Spieler eurer eigenen Stadtligamannschaft. Er hat sich schon jedes Bundesliga Tor hart erarbeitet und ist am Ende eigentlich weit über seinen Möglichkeiten angekommen...

Mein Problem mit Klose in Rom ist eigentlich ein anderes... es beginnt bei Lazio und seinen Fans...
Wenn ein nicht unwesentlicher Teil des Lazio Anhanges seine politischen Visionen durchgesetzt hätte, wäre Miro Klose jetzt Angestellter in einem Konzentrationslager... auf Lebenszeit... die dadurch drastisch verkürzt wird... so etwas wie Deutsch-Polen würde es unter Mussolini und Hitler nicht geben... mit etwas Konsequenz müssten die Lazio Fans unseren Nationalhelden also aus dem Stadion jagen und "Ab nach Ausschwitz mit dir" singen... und wenn er zum AS Rom gewechselt wäre, hätten sie es am Wochenende garantiert gemacht...

Aber Fußball Fans sind zum Glück in ihren Moralvorstellungen flexibel. In den Fankurven gab schon immer den "Scheißneger" und den "Guten Instinktfußballer"... und Teilweise handelte es sich dabei sogar um den selben Spieler, der nur zwischendurch den Verein gewechselt hat...

Die Lektion, die man aus dem Klose Wechsel ziehen sollte... Politik hat im Fanblock nichts verloren. Einfach weil die Fans im Zweifelsfall mehr an ihrem Verein als an ihrer politischen Überzeugung hängen... Warum es trotzdem immer wieder (und ja nicht nur in Italien) zu extremen politischen Äußerungen kommt? Äußerungen, die im Zweifelsfall auch die eigene Mannschaft beleidigen, denn sein wir ehrlich, jedes Team das mindestens Oberliga spielt hat doch mittlerweile mindestens einen Spieler dabei, der gegen das Deutsche Reinheitsgebot verstößt? Gute Frage... und vielleicht traut sich irgendwann ein Soziologe oder Politologe die Ultra-Blocks mit solchen Fragen zu konfrontieren... ich bin dafür nicht bekloppt genug...

Dienstag, 9. November 2010

Die Mauer in unseren Köpfen

ja, sie steht noch. Und das obwohl man heutzutage von Chemnitz aus eine Weltkarriere als Fussballer starten kann... Dennoch gibt es Dinge, die immernoch nicht gehen. Wie z.B. einen Ostverein erfolgreich trainieren und dann hinterher in den Westen wechseln. Nun gab es ja noch nicht so viele Ostvereine in der Bundesliga, aber wieviele Trainer haben, nachdem sie bei Energie Cottbus oder Hansa Rostock trainiert haben, eine Chance bei einem Westverein bekommen? Frank Pagelsdorf eine beim Hamburger SV, bevor er nach Arabien abgeschoben wurde und Armin Veh, bei dem alle schockiert waren, dass der VfB Stuttgart ihn als Interimstrainer ausgrub.

Aber machen wir es mal konkret an 2 Trainerkarrieren fest, eine im Westen, die andere im Osten:
Bruno Labbadia: Dessen Leistungen als Trainer waren im wesentlichen: in der Rückrunde den Aufstieg mit Greuther Fürth verpassen. (ist Ok, kann passieren... passiert ja beinah jährlich.) Die Rückrunde mit Leverkusen zu verkacken und das internationale Geschäft zu verpassen. (das Rückrunden in Leverkusen nicht so ganz einfach sind hat ja selbst Heynckes gemerkt, aber von Platz 5 auf Platz 9...) Und zu guter letzt schaffte er es auch mit dem Hamburger SV das internationale Geschäft nach guter Hinrunde zu verspielen. (es ist Hamburg, wann sind die das letzte mal nicht in der Rückrunde nicht abgestürzt?) Also alles, was Bruno Labbadia im westentlichen erreicht hat, war das verpassen des jeweiligen Saisonziels. Dennoch dachten alle irgendwie, dass er ein guter Trainer ist und er bekam jeweils ein besseres Jobangebot und seinen persönlichen Aufstieg, den er mit seinen Mannschaften stets verpasst hat. Ganz ehrlich, es hat mich überrascht, dass Bayern München ihn diesen Sommer nicht geholt hat... das wäre doch die logsiche Entwicklung gewesen.

Auf der anderen Seite des Spektrums: Petrik Sander. Dessen Leistungen sind einfach zusammenzufassen: Aufstieg in die Bundesliga und der sichere Klassenerhalt mit Energie Cottbus. ENERGIE COTTBUS!!! Das hat sonst nur Ede Geyer geschafft... Da muss man doch zumindest Angebote von den Bochums und Bielefelds bekommen, oder? Falsch. VfR Aalen (was man zugegebener Weise als Fehlschlag einordnen muss) und ein Himmelfahrtskomando mit der TuS Koblenz sind die Aufgaben, die Petrik Sander seit dem übernehmen konnte.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn Fürth im Osten liegen würde, hätte Labbadia nie ein Angebot von einem Bundesligisten bekommen und wenn Cottbus im Westen liegen würden, wäre Sander heute Experte im ZDF, designierter Bundestrainer und könnte ganz entspannt auf die Angebote der schlafenden Riesen der Bundesliga warten.

Die spannende Frage ist ja: Warum? Im Abstiegskampf werden genug Trainer entlassen, warum fällt also nie der Name Sander bei der Suche nach einem Feuerwehrmann? Fällt irendjemand eine bessere Antwort als "Weil Cottbus halt ein Drecks-Ost-Verein ist." ein? Wenn ja, teilt sie mir bitte mit...