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Montag, 28. Juli 2025

Die könne alles, außer Elfmeter

 Und sich an mein Skript halten. Aber ich hätte bedenken sollen, dass die Damen unsere Aufmerksamkeit so lange wie möglich genießen wollen und natürlich zumindest in die Verlängerung gehen. Das lief ja quasi die gesamte K.O. Phase schon so.

Aber wer nach diesem Turnier weiterhin behauptet, dass man sich diesen Sport ja nicht angucken kann, ist entweder extrem voreingenommen, oder ein Troll. Obwohl die natürlich in der Sache Recht haben: Das ist kein "richtiger Fußball", schließlich haben 2 Arsenal-Angreifer getroffen... in einem internationalen Finale. Das gab es bei den Herren so noch nie.

Dann kommt am Ende noch raus, dass Lucy Bronze mit einer Fraktur im Schienbein gespielt hat. Die ist hart im Nehmen... Dass der Kicker es dann als "Manko" bezeichnet, dass die willensstärkere Mannschaft gewonnen hat, ist absurd. Also ja, Spanien war technisch deutlich besser. Die hatten teilweise wunderbare Ballstafetten im Angebot. Die waren aber oft auch wunderbar ineffizient. Das war ja auch erwartbar. Dafür war England immer in der Lage physisch dagegenzuhalten und suchte den direkten Weg zum Tor. Gerade ab der 80. Minute, als Spanien doch etwas an Präzision verlor, lag eher ein englisches Tor in der Luft. Dieses Mal wurde aber Vicky eingewechselt und in der Verlängerung hatten die Spanierinnen wieder ein deutliches Übergewicht.

Nebenbei wäre das kein "Manko", sondern eine großartige Geschichte, wenn die deutsche Mentalität diesen Titel errungen hätte. Aber wenn England gewinnt, ist das was anderes. Also nur um mal festzuhalten, wie unterschiedlich die Maßstäbe sein können.

Claudia Neumann fiel nebenbei auf, dass beide Trainerinnen in der 120. Minute noch Wechseloptionen hatten, aber auf den klassischen "Ich wechsele extra jemanden ein, damit die dann verschießt" Kniff verzichteten. Natürlich, das sind halt 2 gute Trainer. Denen war bewusst, dass Elfmeterschießen in diesem Turnier so schon schwer genug ist, da muss man das nicht künstlich noch komplizierter machen, in dem man völlig kalte Spielerinnen in diese Situation zwingt.

Irgendwann werden wir Männer das auch noch erleben: Ein Finale, in dem beide Trainerinnen versuchen, mit ihren Wechseln das Spielgeschehen zu beeinflussen, anstatt nur ein Elfmeterschießen vorzubereiten... aber bis dahin werden noch einige Turniere ins Land ziehen.

Nebenbei... steht noch gar nicht fest, wo diese nächste EM ausgetragen wird, während wird das bei den Herren schon fürs übernächste Mal geklärt haben. Das sind so die Details, die einem verdeutlichen, wie weit weg wir noch von einem Equal Play sind.

Weiteres Beispiel? Es findet ja nicht nur die EM der Frauen statt, sondern auch die Afrika-Meisterschaft... und das Turnier in Südamerika. Was ja völlig absurd ist, weil ja mit Edina Alves Batista die wahrscheinlich beste Schiedsrichterin dieses Kontinents in Europa weilt. Wahrscheinlich verdient sie hier einfach deutlich mehr Geld. Stellt euch mal vor, das würde bei einer Herren-EM passieren. Da würden alle aufschreien, wie das denn sein kann...

Lustigerweise veröffentlicht Kicker.de dann einen Kommentar, der darauf hinweist, dass diese schöne neue Turnierwelt nur in Europa existiert, während die Zustände auf den anderen Kontinenten eher bescheiden sind... Während man es noch nicht mal schafft, einen halbwegs ordentlichen Ergebnisdienst auf seiner Startseite einzubetten. Also ja, wenn man gezielt danach sucht, findet man die Daten auf deren Seite. Man muss aber wirklich gründlich danach suchen. Und wir reden hier von einer Seite, die jedes noch so irrelevante Testspiel einbettet, aber für diese wichtigen Turniere war kein Platz. 

Dass man selber Teil dieses Problems ist, welches sie in diesen Kommentar beschreiben, wird ihnen nicht auffallen. Aber denen fällt ja auch nicht auf, dass sie die Leistungen der Engländerinnen grundsätzlich anders bewerten, als die der Deutschen... Aber gut, wenn es schon kein wirkliches Equal Play gibt, muss doch wenigstens die Berichtserstattung genauso erbärmlich sein...

Alles in allem war das aber ein richtig schönes Turnier. Jetzt muss man halt nur 2 Jahre warten, um endlich wieder Fußball in seiner reinen Form zu genießen. Aber die Zeit werden wir schon irgendwie rumkriegen, ohne deswegen jetzt die Frauenbundesliga zu gucken...

Donnerstag, 24. Juli 2025

Das war besser, als erwartet.

 Also was die Deutsche Mannschaft so abgeliefert hat. Wo ich ja sonst immer der überkritische Zyniker bin, muss ich das auch einfach mal anerkennen. Am besten verdeutlicht man die allgemeine Leistungssteigerung an Franziska Kett: Zu Beginn des Turniers konnte sie sich nicht gegen Sarai Linder durchsetzen. Das ist, wenn man sich daran erinnert, wie leicht die Schwedinnen über die linke Seite durchbrachen, nicht das beste Vorbereitungs-Zeugnis ist. Verletzungen und Sperren spülten sie dann in die Startelf. Das machte sie auch gut, aber gegen Spanien sah es dann doch so aus, als müsste sie Lehrgeld zahlen. Aber sie biss sich regelrecht in die Zweikämpfe und damit auch ins Spiel.

Das sind genau die Geschichten, für die ich solche Turniere liebe. Und Kett wird das persönlich extrem weiterhelfen, dass jetzt alle wissen, dass sie auf diesem Niveau mithalten kann. 

Nebenbei war es doch der Spielverlauf, den ich vorhergesagt habe: Spanien spielte ruhig und dominant, bis die Deutschen irgendwann den entscheidenden Fehler machen, weil sie Kraft doch nachließ. Nur erzielten sie das Tor 50 Minuten später als erwartet. Dass ausgerechnet Ann-Katrin Berger diesen Fehler begeht, ist absurd. Aber eines muss man der Frau lassen: Die hat Eier. Sich direkt danach vor ein Mikro zu stellen und den Fehler anzunehmen, bracht verdammt viel Charakter. Und sie sagt auch direkt, dass es dann egal ist, wie viele Bälle man vorher abgewehrt hat. Beeindruckend.

Und wer jetzt all die deutschen Chancen als Argument gegen meine Prognose nimmt: Cata Coll musste in der 63. Minute ihre erste Parade des laufenden Turniers zeigen. (Ja, die war in der Vorrunde noch krank...) Klara Bühl hatte vorher eine große Chance, schießt aber vorbei. Wenn man Weltklasse sein will, muss man den machen. Der zweite Abschluss in Halbzeit 1 kam aber aus einer Abseitsposition. Was den Kommentator nicht davon abhielt, das auch als Torchance aufzuzählen, um sich die Statistik schönzureden.

Aber ja: Deutschland hätte das Spiel in der Schlussphase gewinnen können. Sie haben eine richtig starke Leistung angeboten. Man hätte aber nur durch einen Lucky Punch gewonnen. Dass dies im Fußball immer möglich ist, macht den Sport so faszinierend. 

Im anderen Halbfinale gewann dann Bayer Leverkusen. Ja, die spielen heimlich mit, tragen aber England-Trikots. Wir reden von der 2024er-Version der Werkself. Wobei selbst die nicht dieses absurde Selbstverständnis haben. Die Engländerinnen wissen, dass sie die deutlich fittere Mannschaft sind. Sie können das Tempo weiterhin hochhalten, wenn die Gegnerinnen deutlich nachlassen. Das wurde gegen Italien noch deutlicher, als bisher. Und sie bringen dann in der 77. Minute mit Chloe Kelly eine frische Unterschiedspielerin. England hat genau deswegen schon 5 Tore ab der 80. Minute erzielt. Nur so als Vergleich: Deutschland oder Italien kommen insgesamt auf 6 Tore.

Haben sie sich dieses Mal wirklich bis zur allerletzten Minute Zeit gelassen? Definitiv. Für mich war aber definitiv eher die Frage, "wann" die treffen, nicht "ob".

Und auch der Elfmeter, über den sich die Italienerinnen so aufregen, obwohl sie ihn in der gegnerischen Hälfte vehement gefordert hätten: Das war primär das Resultat der extremen Müdigkeit, als ein Fehler der Schiedsrichterin. Dass nach dem logischen Fehlschuss 2 Engländerinnen zum Ball stürmen, während die Italiener einfach nicht mehr hinterherkommen, ist auch bezeichnend.

Das führt jetzt zu einer wirklich interessanten Ansetzung. Das sind definitiv die beiden besten Mannschaften des Turniers. Die eine Mannschaft spielt den Gegner mit einer stoischen Ruhe müde. Die andere kämpft den Gegner kaputt. Beide treffen jetzt auf ein Team, gegen den dieser Ansatz logisch nicht funktionieren kann. Die offene Frage ist, ob sich physische oder technische Überlegenheit durchsetzen kann. Ich würde ja den besseren Jokern den Zuschlag geben, aber auch da haben beide Mannschaften starke Optionen.

Aber was diesem Turnier noch fehlt, ist ein Selma Paralluelo Treffer. Die macht in der Schlussphase das entscheidende Tor.

Dienstag, 22. Juli 2025

16 Teams ist das perfekte Teilnehmerfeld

Beim Verfolgen der Viertelfinale wurde mir eines bewusst: ein Turnier mit 16 hat die perfekte Größe. Denn auch wenn ich mich hinter der Maske des Zynismus verstecke, liebe ich es halt, guten und relevanten Fußball zu sehen. Aber gerade in letzter Zeit wurde mir mehr und mehr bewusst, dass ich keinen Nerv mehr für belanglosen Fußball habe.

Hier muss jetzt erstmal ein schizophrener Disclaimer rein, denn mir ist bewusst, dass man bei der Herren-WM nicht auf 16 Teilnehmer zurückgehen kann. Dafür ist der Sport viel zu groß. Und es geht ja, wie ich an anderen Stellen immer betone, nicht darum, das bestmögliche Turnier für uns Europäer zu erschaffen, sondern die globale Entwicklung zu feiern. 
Aber dass fast die Hälfte aller Verbände zur Herren-EM müssen, wird das Turnier auf ewig negativ beeinträchtigen.

Das erste Positive ist der Fakt, dass man nicht sein gesamtes Leben auf den Kopf stellen muss, um das Turnier zu verfolgen. Man musste erst 18 Uhr einschalten und war um 23 Uhr fertig. Wenn man wirklich mal verhindert ist, braucht man nach der Schicht oder nach dem Konzert nur eine Stunde, um alles Relevante zu erfahren. Und ab dem Viertelfinale gibt es nur noch ein Spiel pro Tag, welches abgesehen vom obligatorischen "Wir schalten ins deutsche Lager" komplett im Fokus steht.

Nächstes Jahr werden wir in der Gruppenphase 4 Spiele am Tag auf dem Menü haben. Da wird es von 17 bis 6 Uhr nur Fußball geben. Die werden Doppelschichten beim Public Viewing planen müssen. Selbst mein 21-jähriges Ich, welches 2006 quasi alle Spiele live verfolgt hat, würde da an seine Grenzen kommen.

Dann gab es mit Wales nur eine einzige Mannschaft, die man, bei allem Respekt, als Kanonenfutter bezeichnen kann. Alle anderen Mannschaften waren vor dem Turnier relativ dicht beieinander, auch wenn die Niederlande so zerstritten war, dass man das nur erahnen konnte. Und die Spanierinnen sind halt zu gut, von daher gab es nach ganz oben doch einen beachtlichen Skill-Gap.

Deswegen gab es richtige Hammergruppen. Und weil nur die ersten 2 in jeder Gruppe weiterkommen, gab es auch kein großes Taktieren. Deswegen gab es während des gesamten Turniers nur 2 Unentschieden und noch kein einziges 0:0. Beide Statistiken werden nächsten Sommer am 3. Tag eingestellt sein.

Wo ich gestern auf Kicker.de geflucht habe: Das Re-Live von Portugal - Italien ist beim ZDF nicht mehr auffindbar. Fehlercode 404... Das ist schade, weil man genau diesen Effekt in dieser Schlussphase wunderbar nachvollziehen konnte: Portugal erzielte spät den Ausgleich. Bei einem Turnier mit 24 Teilnehmern würden sich jetzt beide mit diesem Ergebnis arrangieren. Denn Italien wäre mit 4 Punkten als bester Gruppenvierter quasi sicher weiter. Es gibt theoretische Szenarien, in denen man mit 4 Punkten ausscheidet, aber das passiert nur, wenn alle 4 Mannschaften auf diese 4 Punkte kommen. Und auch Portugal wäre mit einem Sieg gegen bereits ausgeschiedene Belgierinnen genauso sicher weiter.

Stattdessen spielten beide Mannschaften in der Nachspielzeit voll auf Sieg. Italien war sich bewusst, dass sie noch ein Spiel gegen die Spanierinnen verlieren werden. Portugal wollte sich nicht darauf verlassen, dass Spanien sich im letzten Gruppenspiel mit einem humanen Sieg zufriedengibt, anstatt aufs 3:0 zu gehen. 
Während man bei den Männern taktiert hätte, führte die extreme Intensität zu einem Platzverweis und 3 klaren Chancen in der Schlussphase.

Ein weiteres positives Beispiel waren die extremen Emotionen nach dem Schweizer Ausgleich. Und das auf BEIDEN Seiten. Die einen feiern das Weiterkommen, die anderen müssen nach Hause fahren. In einem System mit den besten Gruppendritten kommen beide weiter.
Nicht nur das. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die Schweizerinnen bei einer knappen Niederlage mit 3 Punkten und +0 Toren die besten Gruppendritten gewesen wären. Die 4 besten Gruppendritten kamen bei der EM im letzten Sommer weiter.

Hier muss man nochmal festhalten, dass man im aktuellen System bei den Männern mit 3 Unentschieden quasi garantiert weiterkommt. Slowenien hat das vorgemacht, während die Ukraine mit 4 Punkten ausgeschieden ist. Portugal kam 2016, ohne nach 90 Minuten ein einziges Spiel zu gewinnen, bis ins Finale. Bei der WM 1990 war es die Niederlande, die ohne Sieg ins Achtelfinale einzogen, um dort unseren Rudi zu bespucken. Nur um zu verdeutlichen, dass dies kein absurder Sonderfall ist. Seit der Einführung der 3 Punkte Regel in 3 von 4 Turnieren mit den besten Gruppendritten ist dieses Szenario eingetreten. Das ist viel zu häufig.

Es geht also, weil man sich nicht ohne Sieg durchmogeln kann, gleich richtig zur Sache. Und weil es "nur" 16 Teilnehmer gibt, kommt es schon am ersten Spieltag zu richtig geilen Ansetzungen. Nächsten Sommer gibt es dagegen 16 Gruppen. Damit ist ausgeschlossen, dass die 15 besten Mannschaften sich in der Gruppe aus dem Weg gehen. Die USA und Mexiko sind gerade Teil dieser Top-15, ich habe also bedacht, dass es 3 Gastgeberländer gibt. Das Best-Case-Szenario wäre ein Duell zwischen Uruguay in Spanien. 

Aber selbst wenn es dieses "Hammer-Los" gibt, ist der Rest des Teilnehmerfeldes so schwach, dass selbst der Verlierer mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit die K.O. Phase erreichen wird. Ich lehne mich mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass selbst Deutschland dies schaffen wird. Diese Gruppenphase zieht sich nebenbei über 15 Tage... Da bekommt man doch richtig Bock, jede Nacht 8 Stunden vorm Fernseher zu hängen.

Und in dieser K.O. Phase setzt sich dieses Problem dann fort. In dem aktuellen Turnier gab es schon in der ersten Runde nur gute und enge Spiele. Bei der WM im nächsten Jahr werden wir im Sechzehntelfinale quasi nur David gegen Goliath sehen. Und natürlich ist dann so eine Sensation immer eine faszinierende Geschichte. Im Wesentlichen lassen sich diese Spiele aber auf "der Außenseiter verbarrikadiert sich erfolgreich am eigenen 16er und dem Favoriten fällt nichts ein" runterbrechen. Also Spanien gegen Marokko halt. Für die Freunde des guten Fußballs ist das nichts. Dass der Außenseiter wie Italien gerade in Führung geht, weil sie überraschend gut mitspielen und hoch pressen, ist quasi ausgeschlossen. 

Die Fussball-WM nächsten Sommer hat 104 Spiele im Plan stehen. Von denen werden, falls die Achtelfinale günstig fallen und es da 6 spannende Ansetzungen gibt, 13 relevante Spiele geben... Bei der aktuellen EM gibt es 31 Spiele, dafür gab es schon am ersten Spieltag relevante Klassiker wie Frankreich - England oder Deutschland - Schweden.

Damit steht quasi jetzt schon fest, dass wir diesen Sommer das bessere Turnier verpasst haben und uns nächstes Jahr das schlechtere Turnier schönsaufen werden. Aber wenigstens gibt es dann richtigen Fußball.

Sonntag, 20. Juli 2025

Worst of der wirklich faszinierenden Viertelfinale

 Das war ziemlich gut.

Also außer Kathrin Hendrich, die fürs Haare ziehen einen Platzverweis bekommen hat. Das wurde als Tätlichkeit gewertet. Solange Knowles approves. Aber die Deutschen hatten das mit der Unterzahl ja trainiert. Also unter Wettbewerbsbedingungen...

Die Französinnen hatten anscheinend den Anstand, darauf zu warten, dass die Open-Air-Konzerte beendet waren, bevor sie richtig aufs Tempo drückten. Pünktlich um 10 fingen die dann an, das deutsche Tor ins Visier zunehmen. Und dann haben sie nicht mitbekommen, dass das 2:1 vom VAR kassiert wurde und sie nach 5 starken Minuten wieder in den Verwaltungsmodus schalteten. 

Nebenbei muss an der Stelle auch noch erwähnt werden, dass Deutschland doch eine dritte Weltklassespielerin hat. Denn was Ann-Katrin Berger so alles rausgefischt hat, war beeindruckend. Auch wenn es bei der Parade des Turniers die eigene Spielerin war, die sie zur Großtat zwang. Mit einer anderen Torhüterin scheidet man hier aus.

Am Ende reichte das zum Weiterkommen im Elfmeterschießen, obwohl Christian Wück alles versucht hat, um das zu sabotieren. Also um mal die Absurdität vorzuführen: Deutschland spielte, inklusive Nachspielzeiten, 125 Minuten lang in Unterzahl. Dass die das so gut verteidigt haben, ist eine absurde Leistung. Aber Wück gönnte sich trotzdem den Luxus, Linda Dallmann und Sara Däbritz erst in der 120. Minute zu bringen. Exklusiv fürs Elfmeterschießen.

Gerade bei Däbritz ist das völlig absurd. Die Frau war mal zumindest mal Weltklasse, bevor sie durch schwere Verletzungen gestoppt wurde. Die Frau war beim letzten Europameister-Titel zumindest dabei. Dann hat sie eine olympische Goldmedaille zu Hause. Sie hat zuletzt für Olympique Lyon gespielt und wechselt jetzt zu Real Madrid. Und klar, sie war da zuletzt nicht unbedingt Stammkraft, aber das ist ein Niveau, welches Jule Brandt erst noch nachweisen muss. Dann traut ein Wück dieser Superveteranin nicht mal zu, das Spiel für 15 Minuten zu stabilisieren. Und das obwohl eine Elisa Sneß für 2 kämpfen musste. Natürlich landete der erste Ballkontakt von Däbritz an der Latte. 
Wie viele in allerletzter Sekunde Eingewechselte müssen eigentlich noch verschießen, bis die Trainer endlich merken, dass dies fahrlässig ist? Nur so als Vergleich: Frankreich brachte die letzten frischen Kräfte in der 112. Minute.

Nun kann man natürlich behaupten, dass 50 % doch eine gute Erfolgsquote ist... Und Dallmann hat ja getroffen. Das liegt aber nur an der absurden Geschichte, dass bei dieser EM die gestern vorgeschlagenen Coca-Cola Eckbälle durch Coca-Cola Elfmeter ersetzt werden müssten. Die absurd schlechte Elfmeterbilanz dieses Turniers rechtfertigt aber Wücks Entscheidungen nicht wirklich. Aber wie das im deutschen Fußball so üblich ist, werden schlechte Trainerentscheidungen durch überragende Torhüter ausgeglichen. 

Random Fun Fact: Die restlichen Viertelfinale sind schon nicht mehr auf der Startseite von Kicker.de vertreten. Nicht nur das, auch auf der Unterseite "Frauen-EM" finde ich sie nicht. Ich muss auf 2 Links klicken, um eine Seite zu finden, auf der ich die Spiele aufrufen kann... Aber Spanien - Deutschland aus dem Jahr 1966 finde ich sofort. Ich muss mal dringend zu Sportschau.de wechseln... Anyhow.

Spanien gegen Schweiz war das langweiligste Viertelfinale. Das hatte 2 Gründe: Zum einen gingen die Schweizerinnen ihren Gegenspielerinnen auf die Socken und auf die Nerven. Das ist also tatsächlich machbar. Vor allem, und das ist eher beängstigend, verteidigten dir Spanierinnen mit einer ganz neuen Seriosität. In der Vorrunde konnte man denen durchaus Arroganz vorwerfen. Aber gegen die Schweiz haben sie etwas von der offensiven Brillianz aufgegeben, um hinten gar nichts zuzulassen.

Cata Coll musste nur ein einziges Mal eingreifen. Aber bei dem Schuss stand Alayah Pilgrim vorher, wie sie das meistens tat, im Abseits. Ansonsten hatten die Schweizerinnen nur Verzweiflungsversuche aus 30 Metern von Sydney Schertenleib im Notizblock. 

Dabei war die "Die kassieren 2 Tore, kommen aber trotzdem weiter" Prognose von Kathrin Lehmann gar nicht so verkehrt. Also das erwähne ich primär, weil jetzt ja die ersten männlichen Kommentare jegliche Expertise absprechen. Die Leistungen der Vorrunde geben diesen Spielverlauf her. Dass die Spanierinnen einfach so den Hebel umlegen, war nicht zu erwarten. Deswegen gebe ich hier jetzt meine eigene Prognose ab: Spanien kassiert kein Gegentor mehr, trifft aber selbst erst ab der 60. Minute. Die sind in den Vincente del Bosque Modus gewechselt und spielen die Gegnerinnen in aller Ruhe müde, um dann irgendwann zuzuschlagen. Was, wenn man taktisch und technisch auf dem Niveau der Spanierinnen ist, eine effektive und sichere Variante ist, um Spiele und Turniere zu gewinnen.

Schweden - England war ein Instant Classic. Zunächst muss man festhalten, dass die Schwedinnen nicht nur DIE Traditionsmannschaft sind und die erste Frauen-EM gewannen, sondern sie sind auch immer noch richtig gut. Sie wurden halt nur ein wenig zu oft "nur" Zweiter oder Dritter. Bei der EM standen sie seit dem Titelgewinn 8 Mal im Halbfinale. Dazu kommen 4 Halbfinalteilnahmen bei einer WM und 2 olympische Silbermedaillen. Da würden die englischen Männer irgendwas von "30 years of hurt" heulen. Aber die Fans der Schwedinnen ertragen das einfach...
England ist dagegen die aufstrebende Supermacht. Die Professionalisierung der Liga geht in rasanten Schritten voran. Die Ausbildung ist nicht ganz auf Barca Niveau, aber es werden in der Breite mehr Topspielerinnen ausgebildet. Es wird kein Turnier mehr geben, bei dem die nicht zum Favoritinnenkreis gehören.

Und diese beiden Großmächte lieferten sich dann eine epische Schlacht. Schweden ging früh mit 2:0 in Führung und verteidigte diese beherzt und diszipliniert. England wurde aber immer dominanter. Und am Ende drehten die englischen Joker, vor allem Chloe Kelly, das Spiel, während die ebenfalls eingewechselte Smilla Holmberg bei beiden Gegentoren ein wenig überfordert war. Und ja, das ist die 18-jährige, die gegen Deutschland noch so extrem stark ausgesehen hat.

In der Verlängerung war das Spiel dann eher zerfahren, aber es wurde von extrem intensiven Zweikämpfen geprägt. Die Torhüterin Hannah Hampton beendete das Spiel mit einer blutigen Nase. Dass Lauren James nach all den Tritten immer wieder aufgestanden ist, beweist nur, wie hart frau im Nehmen ist... Und sie war nicht die einzige, die heftig einstecken musste, beide Mannschaften haben hart ausgeteilt, aber wenig gejammert. Beide Mannschaften gingen weit über das vernünftige Belastungslevel hinaus, was, neben der extremen Drucksituation, erklärt, warum das Elfmeterschießen eher grotesk war. 

Bei Norwegen - Italien waren die Emotionen praktisch durch den Fernseher greifbar. Ada Hegerberg verschoss zunächst ihren zweiten Elfmeter, erzielte direkt danach den Ausgleich. Aber dem Außenseiter aus Italien gelang in letzter Minute durch die fast schon ausgewechselte Cristina Girelli der Siegtreffer. Und wie die Spielerinnen und das Stadion dann eskalierten, war ganz großes Kino.

Vor allem gab es kein Geplänkel mehr, sondern in jedem Spiel ging es heftig zur Sache. Spanien war die einzige Mannschaft, die wirklich dominieren und das Spiel frühzeitig entscheiden konnte. Frühzeitig heißt hier auch nur in der 71. Minute. Aber die Chauvinisten werden alles auf die Elfmeter reduzieren und einfach behaupten, dass die Frauen krass unfähig sind, anstatt das an sich großartige Turnier zu genießen. Aber das ist ja deren Verlust... 

Montag, 14. Juli 2025

Worst of der "Mathhias Sammer hat Rech" Vorrunde

 Also zumindest der Überschrift nach zu urteilen. Praktisch im Prinzip. Denn auch wenn ich Matthias Sammer für einen der fähigsten, kritischen Köpfe halte, will ich mir deswegen jetzt kein Abo holen... und so weit, dass man denen 50 Cent für einen Einzelartikel geben kann, sind die noch nicht.

Außerdem wird Sammer da kaum an den Frauenfußball gedacht haben, auch wenn die gerade ein Paradebeispiel fürs Schönreden abliefern.

Da war Klara Bühl (zumindest glaube ich, dass das ihre Reaktion war) nach dem Spiel dann "stolz" drauf, dass man gegen die Schwedinnen in Halbzeit 2 nur ein Gegentor gefangen hat. Schließlich war man in Unterzahl. Dass die Schwedinnen ihre Stars auswechselten und bei eigenem Ballbesitz in den Schonmodus geschaltet haben, wird ignoriert.

Christian Wück sah seine Mannschaft bis zum Platzverweis von Nora Nderlage auf Augenhöhe. Hier ist das Problem: mit dem Handspiel verhinderte Carlotta Wamser, wie Nderlage im bürgerlichen Leben genannt werden will, das sichere 3:1. Man liegt da quasi schon deutlich zurück. Wenn man jetzt beim Stand von 1:1 einen unglücklichen und fragwürdigen Platzverweis bekommt... Aber man hat zum 3. Mal innerhalb von 20 Minuten richtig beschissen verteidigt.

Apropos beschissen verteidigt: Wück sieht ein glückliches 1:2, weil der Schussversuch ja nur aus Tor geht, weil eine Deutsche beim Klärungsversuch angeschossen wird... Aber ganz ehrlich: wie Smilia Holmberg da an Bühl und Sarai Linder vorbeizieht, ist beängstigend einfach. Und da gibt es eine einfache Regel: wenn man erst im Strafraum versucht, wenigstens Widerstand zu leisten, fängt man sich regelmäßig Gegentore ein. Und das hat dann mehr mit der eigenen Unfähigkeit, als mit "Pech" zu tun.

Wahr ist: Die ersten 20 Minuten waren stark. Aber man hat sich in den entscheidenden Umschaltmomenten viel zu eng an das Lehrbuch Jogi Löws gehalten, obwohl wir seit 8 Jahren wissen, wie naiv das ist. Um es freundlich auszudrücken. Vor allem fand man nach dem Ausgleich nie zum eigenen Spiel zurück. Und sich jetzt auf die ersten 20 Minuten zu konzentrieren, wenn ein Großteil des Spiels Scheiße war, kann nicht der Ansatz sein. Hoffentlich analysieren sie das unter den kritischen Augen Rihannas gründlicher.

Lasst uns da mal ein praktisches Beispiel fürs Verklären von Mittelmaß zur Weltklasse anbringen: Dem Narrativ, dass Elisa Senß eine Lena Oberdorf vergessen lässt. Die Lücke sei "sportlich geschlossen", weil die Frankfurterin in 9 von 10 Länderspielen mitgewirkt hat. 

Und das geht jetzt nicht gegen Senß. Die hat bisher ein ordentliches Turnier abgeliefert. Aber eben auch nicht mehr. Und Lena Oberdorf ist eine der 2 verbliebenen Spielerinnen mit deutschem Pass, die wirklich Weltklasse verkörpern. Die andere ist die ebenfalls verletzte Giulia Gwinn. Der Rest der Mannschaft ist gut, aber nicht überragend. Wir reden uns aber trotzdem ein, dass wir um den Titel mitspielen, obwohl andere deutlich bessere Spielerinnen haben. Weil ja "das System" so gut und so wichtig ist. Dieses System hat beim ersten echten Stresstest einen klassischen Bluescreen produziert.

Eine Lea Schüller lässt schon in der Bundesliga zu viele Chancen liegen. Einer Liga, die international mehr und mehr den Anschluss verliert. In der Champions League kommt sie fast schon logischerweise auf 0 Treffer in 7 Spielen. Aber gut, da wird sie ja meistens auch nur eingewechselt.

Eine Jule Brand lässt immer wieder wunderbares Potenzial aufblitzen, muss aber aufpassen, dass sie nicht zum weiblichen Julian Brandt wird. Der Vergleich drängt sich nicht nur wegen des Namens auf. Und sie muss trotz ihrer 63 Länderspiele noch lernen, wie man konstant und seriös nach hinten mitarbeitet... Hoffentlich hilft ihr der Wechsel zu Olympique Lyon, aber da wird sie erstmal ihre Schwächen aufarbeiten müssen.

Nebenbei zeigt uns diese Entwicklung wahrscheinlich auch ein elementares Problem: Wer Weltklasse werden will, muss die Bundesliga verlassen. Und das so schnell wie möglich. Das ist keine gute Grundlage für langfristiges Wachstum. 

Und es kommt ja zumindest kurzfristig nichts nach. Also während woanders mit Vicky, Schertenleib, Beney, Wandeler und Gaupset 20-Jährige in die Startelf drängen, ist Wamser als 21-jähriges "Küken" eher die Notlösung. Selbst die steinalten Schwedinnen haben mit Holmberg eine 18-jährige, die zumindest gut genug ist, um Deutschland abzuschießen... 

Frankreich hat die Legende Wendie Renard durch Alice Sombath, Melween N'dongala, Thiniba Samoura und Lou Bogaert ersetzt, die alle höchstens 21 sind. Sonbath und Samoura bildeten in den letzten beiden Spielen die Innenverteidigung. Die anderen wurden regelmäßig eingewechselt.

In Deutschland guckt eine 20-jährige Franziska Kett nur zu, wie eine 32-jährige Kathrin Henrich eingewechselt wird...  Nur um zu verdeutlichen, dass die Dinge nur bedingt besser werden, falls es dieses eine Mal noch gegen Frankreich reicht. Und auch wenn Frankreich uns jetzt einreden will, dass unsere Mannschaft favorisiert ist, weil die vor 12 Jahren regelmäßig Titel gewonnen haben, sieht es in der Gegenwart so aus, dass ein Weiterkommen eine ordentliche Überraschung wäre.

Aber anstatt den Finger in die Wunde zu legen, wird uns überall eingeredet, dass das ja schon irgendwie werden wird. Denn jetzt, wo die Aufmerksamkeit gerade vorhanden ist, schon die Missstände anzusprechen, wäre doch völlig übertrieben. Das kann man doch dann machen, wenn keiner mehr hinguckt, da tut es dann nicht so weh. 

Das macht es dann in 2 Jahren auch wieder leichter, sich einzureden, dass man ja zur Elite gehört. Nur um dann wieder überrascht zu gucken, wenn man mit dem Halbfinale nichts zu tun hat... 

Montag, 7. Juli 2025

Ein doppeltes Worst of

 Quasi das Gegenteil von einem Doppel-Wumms...

 Fangen wir mit den Impressionen zur Frauen-EM an. Und da muss man festhalten: Die Auslosung ist echt... ungünstig. Denn die Gruppe A ist sichtbar schwächer als der Rest.

Die jungen Schweizerinnen sind noch 2 Jahre von einer wirklich relevanten Rolle entfernt. Und die alten Schweizerinnen sind einfach nicht so gut. Das Potenzial blitzt immer wieder auf, aber das 1:0 gestern fiel, auch wenn in dem Moment stark umgeschaltet wurde, eher aus dem Nichts. Erst danach kamen die Damen richtig ins Rollen.

Finnland ist hauptsächlich froh, dass sie überhaupt mitspielen dürfen. Island stellt eine Spielerin auf, die buchstäblich nur bei Einwürfen positiv auffällt. Aber ich habe noch keine einzige gelungene Aktion mit dem Ball am Fuß von Jonsdottir gesehen und ich habe beide Spiele live gesehen.

Norwegen ist die absolute Arschlochmannschaft. Das Real Madrid dieses Turniers. Die machen nicht mehr als nötig und wissen selbst nicht genau, wie sie die Gegnerinnen zu den Eigentoren zwingen. Wo die garantiert als Gruppensiegerin feststehen, würde es mich nicht überraschen, wenn die am 3. Spieltag gar nicht antreten und die 0:3 Niederlage akzeptieren.

Keine dieser Mannschaften wird sachlich gesehen etwas mit dem Halbfinale zu tun haben. Was absurd ist, denn in Gruppe D spielen mit England, Frankreich und den Niederlanden 3 Mannschaften mit berechtigten hohen Ansprüchen. Deutschland und Schweden muss man auch zu den Titelfavoritinnen zählen. Dänemark wäre in Gruppe A ebenfalls der klare Favorit. Diese Mannschaften verteilen sich nicht nur auf 2 Gruppen, sondern treffen im Viertelfinale aufeinander... 

Dazu kommt ja, dass die Gruppe A die exponierteste Stelle hat. Denn man durfte nicht nur den Auftakt geben, sondern auch die beste Sendezeit am Sonntagabend für sich beanspruchen. Und dann kommen die sexistischen Arschlöcher und behaupten, dass das Niveau ja grausam sein muss, weil sie Island gegen Finnland gesehen haben. Das reicht ja auch, um das gesamte Turnier zu beurteilen... Genau.

Allen, die das behaupten, sollte man die Highlights von Spanien - Portugal an den Kopf werfen. Und natürlich sind die Portugiesinnen überfordert. Aber man kann dort wunderbar erkennen, auf welchem Niveau und mit was für einem Tempo die Damen agieren können.

Und natürlich ist nicht jedes Spiel der Gruppenphase hochwertig. Am Ende hoffen einige Mannschaften auch einfach, dass sie nach 2 Spieltagen irgendwie auf 2 Punkte kommen... Und Norwegen liegt trotz dieser Einstellung irgendwie bei 6. Aber das ist doch bei jedem beliebigen Männerturnier genauso. Nur dass da dann niemand die Kommentarspalten mit "das kann sich ja keiner angucken" Kommentaren voll jammert. Aber die behaupten alle trotzdem, dass das ja kein Sexismus sei...

Nebenbei müssen wir mal über Edina Alves Batista reden. Der Gastschiedsrichterin aus Brasilien. Und dass die in Südamerika mindestens eine Schiedsrichterin haben, die so gut ist, dass "wir Europäer" die unbedingt bei diesem Turnier haben wollen, ist ein gutes Zeichen für die Entwicklung des Sportes. Aber es ist ein eher schlechtes für den DFB, dass bei den 12 besten Schiedsrichterinnen Europas anscheinend keine einzige Deutsche dabei ist. Und das ist ja keine Ausnahme, sondern ein Trend, denn schon bei der letzten EM wurde nur ein einziges Spiel von Riem Hussein gepfiffen.

5 Jahre nach dem Karriereende von Bibiana Steinhaus-Webb scheint man auch bei den Schiedsrichtersinnen den Anschluss zu verlieren. Genauso wie bei den Vereinen, die International auch nur noch die 2. Geige spielen... und wie genau genommen und als logische Konsequenz auch in der Nationalmannschaft, die ihren letzten von beeindruckenden 8 EM Titeln vor 12 Jahren holte...  Während hier also seit Jahren während der Turniere ein Hype herbeigeredet wird, wurde in den anderen Ländern richtig investiert. Und diese Länder haben "uns" eiskalt überholt.

 

Auf der anderen Seite der Kommerzialisierung ist es nebenbei absurd, wie viel Fußball in den USA gespielt wird: Klub-WM, Gold Cup Finale und MLS.  Warum sollte man die nationale Liga auch pausieren lassen, nur weil die Nationalmannschaft im eigenen Land spielt...

Am Ende geht es aber doch um zu viel Geld, deswegen muss Jamal Musiala in die Startelf. Zum ersten Mal seit dem 4.4. gegen St. Pauli. Obwohl man in der Gruppenphase einen deutlichen "lasst den mal lieber pausieren" Warnschuss bekommen hat. Aber jetzt kann man die Schuld ja bei Donnaruma suchen, anstatt sich zu fragen, wie sehr der mangelnde Rhythmus und die fehlende Fitness sich auf diese Situation ausgewirkt haben könnte.

Klingt übertrieben? Vielleicht. Aber seit mal ehrlich: wenn Musiala sich bei einem Nations League oder Confederations Cup Spiel verletzt hätte, würde Karl-Heinz Rummenigge auf die Barrikaden gehen und eine Abschaffung dieser sinnlosen Wettbewerbe fordern... Da aber dieses Mal das Geld auf dem Konto der Bayern landet, hört man da nichts.

Den großartigsten Beitrag lieferte dann aber Georg Holzner ab. Der rechnet wie immer erst nach dem Ausscheiden vor, wie bescheiden die internationale Bilanz der Bayern gerade ist. Er weist darauf hin, dass man wirklich nur Bratislava und Celtic geschlagen hat. Was man vorher natürlich lieber verschwiegen hat, weil man sich und seinen Lesern die Chancen schön schreiben musste.

Wirklich absurd wird es dann, wenn Holzner Vincent Kompany vorwirft, dass er ja den Gruppensieg leichtfertig weg rotiert hat... ähm... dem ist bewusst, dass man als Gruppensieger gegen Chelsea gespielt hätte? Dem wieder erstarkten Tabellenvierten aus England. Eine Mannschaft, die deutlich besser ist als Celtic oder Bratislava... Also nur um zu verdeutlichen, dass die beim Kicker wirklich die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches haben. Aber zum Glück verstecken die mittlerweile das Meiste hinter einer Paywall, da fällt mir nicht mehr so häufig auf, wie unfähig die sind.

Donnerstag, 3. Juli 2025

Worst of des "endlich wieder Fußball" EM Auftaktes

 Es braucht ja nicht viel. 22 Spielerinnen und ein Ball. Und dann legt man den Fokus auf das Spiel, auch wenn es nur das Äquivalent von Schottland - Ungarn ist.

Und ja, das "Nicht Auftaktspiel" zwischen Island und Finnland war nicht gut. Das waren 2 Mannschaften, die diszipliniert verteidigen, aber keine Ahnung hatten, wie sie selbst in den gegnerischen Strafraum kommen wollen. Die einzige ernstzunehmende Variante der Isländerinnen waren weite Einwürfe von Jonsdottir, mit denen die finnische Verteidigung so gar nicht zurechtkam.

Aber der Fokus der Übertragung lag fast ausschließlich auf dem Rasen. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht, wenn man sich die Klub-WM anguckt. Dort wird viel zu oft zu den korrupten Arschlöchern auf der Ehrentribüne gesprungen. Menschen wie David Beckham, die mehr Geld besitzen, als sie ausgeben können, aber sich trotzdem an die Scheichs aus Qatar verkauft haben. Und natürlich auf Gianni Infantino als Oberbösewicht.

Das ist ja mittlerweile der Standard. Aber neu sind die ständigen Werbeeinblendungen. Wir haben echt den "diese Auswechslung wird ihnen präsentiert von" Kipppunkt erreicht. Aber teilweise werden sogar im laufenden Spiel extra Werbung eingeblendet. Während Lionel Messi das erste Mal aufs Tempo drückt, zieht das Produktionsteam die emotionale Bremse...

Bei der Frauen-EM gab es in ruhigen Momenten die Hinweise auf die Sportschau App und auf die tolle Doku und ansonsten 96 Minuten lang nur Fußball. Da merkt man erst, was man vermisst hat.

Diese Doku ist nebenbei weird. Also es geht um die "neue Generation". Und dann nennt man direkt Giulia Gwinn und Jule Brand. Über die hat man das letzte Mal schon eine Doku gemacht...

Gwinn war 2019 das erste Mal dabei. Sie ist mittlerweile die Kapitänin. Brand spielt ihr 4. großes Turnier. Und beide haben schon über 60 Länderspiele auf dem Buckel. Das sind keine neuen, aufstrebenden Stars, sondern die etabliertesten Gesichter dieser Mannschaft.

Anyhow, das wirkliche Auftaktspiel war doch auf einem ganz anderen Level. Die Schweiz hatte gerade in Halbzeit 1 genau den Plan, den man im frühen Spiel vermisst hat. Sie kombinierten sich immer wieder in aussichtsreiche Abschlusspositionen. Leider verpasste man es das 2. Tor nachzulegen und nach 50 Minuten ging ihnen schon die Luft aus. Das anfangs super präzise Aufbauspiel wurde von Minute zu Minute ungenauer. So konnte Norwegen ihre körperliche Dominanz in 2 schnelle Tore umwandeln, ohne aber wirklich zu überzeugen.

Das faszinierende daran sind die angeblichen Beschwerden über das zu harte Training der lebenden Legende Pia Sundhage. Anscheinend braucht man aber ein anderes Fitness-Level, wenn man auf diesem Niveau mithalten will.

Montag, 16. Juni 2025

Wann geht diese ominöse EM denn endlich los?

 Wo ich gerade mit einem frisch gebrochenem Arm vorm Rechner sitze und erstaunlich viel Zeit hätte..

02.07.? Das ist ja noch Ewigkeiten hin. Deswegen gibt es noch kein Sonderheft. Da hat der Kicker ja mal richtig Zeit, um zu recherchieren. Und ich habe die Zeit, meine Vorschau mit 3 Fingern zu tippen...

Mir stellt sich da eine spannende Frage: Werden wir das merken? Wird es einen qualitativen Unterschied ausmachen, dass die Spielerinnen wirklich auf das Turnier vorbereiten können. Dass sie im Zweifelsfall all die kleinen Wehwehchen, die sich während einer Saison so ansammeln, auskurieren können.

Also hier die reine Mathematik: der letzte Spieltag der Frauenbundesliga wurde am 11.05. ausgetragen. Das Champions League Finale am 24.05.. Bedeutet: selbst die Extremsportlerinnen haben mindestens 38 Tage Ruhe. Für die Normalsterblichen sind es sogar 52 Tage. Da verliert Mann ja jegliche Form.

Nur so als Vergleich: zwischen dem vorletzten Champions League Finale und dem EM Start bei den Männern lagen nur 13 Tage. Die Bundesliga endete am 18.05. also immerhin 27 Tage vor dem großen Turnier. Aber das sind immernoch deutlich weniger, als die Champions League Finalistinnen...

Fun Fact: zwischen dem Finale und dem nächsten Turnierstart im Sommer 2026 liegen wieder nur 12 Tage. Dazu kommt die Bonusbelastung Klub-WM... Die Leute von TheRinger haben da mal nachgerechnet und festgestellt, dass Marco van Basten in seiner Ballon d'Or Saison 1992 3228 Minuten für den AC Mailand im Einsatz war. Bei Lionel Messi 2016 waren es dann plötzlich 5062 Minuten. Und ein einziges Länderspiel mehr. Also falls wirklich noch jemand daran glaubt, dass die Nationalmannschaften Schuld sind...

Ein Kylian Mbappé hat jetzt 48% mehr Minuten auf dem Buckel, als ein 24-jähriger Thierry Henry. Die Zahlen sind völlig bekloppt, aber die Tendenz ist weiter steigend.

Und gleichzeitig könnte man sich beim Frauenfußball angucken, wie ein halbwegs gesunder, noch nicht völlig durch kommerzialisierter Spielplan aussehen würde. Also das, was die Ultras immer fordern, wo sie aber trotzdem nie hingehen...

Das ganze führt zu einer völlig absurden Debatte: sollte Lena Oberdorf ohne jegliche Spielpraxis zum Turnier fahren, nachdem sie ihren Kreuzbandriss auskuriert hat. Christian Wück hätte das gerne gesehen, aber die Bayern waren dagegen. Obwohl sie wahrscheinlich im Juni für die Bayern auflaufen würde, wenn es da Gelegenheiten gäbe. In dieser einen Ausnahme könnte der großzügige Rahmenterminplan ein Nachteil sein. 

Aber im Großen und Ganzen wird es den Star-Spielerinnen guttun, dass sie ausgeruht zum Turnier kommen. Und die Trainer*innen werden davon profitieren, dass sie eine ordentliche Vorbereitung mit dem gesamten Kader planen können. Sowas werden wir bei den Herren nie wieder erleben, Wir sollten es genießen, bevor Fifa und Uefa auch dieses Spiel ruinieren.

Montag, 1. August 2022

Worst of des "Und dann entscheidet am Ende die Bank" Finales

 Das ist ja das faszinierende am Fußball: erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Da nimmt gerade Alex Popp die Rolle als Gesicht voll an, nur um dann kurz vor dem Finale verletzt auszufallen. Dann ist Popp trotzdem häufiger im Bild als Beth Mead, die definitiv ihr schlechtestes EM Spiel ablieferte... Das 1:0 fällt in genau dem Moment, in dem Mead draußen behandelt wird. Und das 2:1 schießt dann diejenige, die nur auf dem Platz steht, weil der Star doch verletzt rausmusste. So ein Skript muss man erstmal schreiben.

Und als übersehenes Bonusfeature hält Lina Magull zwar beim Ausgleich ihren müde Fuß nach starkem Laufweg in den Ball... aber eigentlich fällt das Tor, weil Lohmann und Waßmuth sich sauber durch kombinieren. Oder anders ausgedrückt: Dieses Spiel sollte als Lehrbuchbeispiel genutzt werden, um Trainern (bevorzugt für, natürlich Gareth Southgate) beizubringen, wie sie das Spiel durch das Einwechseln frischer Offensivkräfte beeinflussen können. Sonst war ich ja immer dagegen, mehr Auswechslungen zu erleben, weil zu viele Vollpfosten diese nur als Möglichkeit zum Zeitspiel nutzen. Aber wenn alle Trainer immer so wechseln würden...

Natürlich wurde das Turnier am Ende auch durch ein Kacktor des Monats entschieden. Und ja, wenn Arnd Zeigler Eier hat, nominiert er dieses Ding. Das ist auch gar nichts Böswilliges, denn auch wenn die Deutschen so einen Ball über die Linie gestochert hätten, wäre es ein Kacktor gewesen und es sollte nominiert werden. Und das 1:0 der Engländerinnen wird ja auch selbstverständlich für das Tor des Monats nominiert, weil es so schön war... Aber auch wenn es nur mit kurzer Ankündigung kam, so hat Chloe Kelly dann doch angekündigt, dass die Engländerinnen das Spiel dann doch vor dem Elfmeterschießen entscheiden wollen und dafür nochmal die komplette Unterstützung des Stadions brauchen.

An der anderen Stelle merkt man halt dann auch, wie so ein Kader an seine Grenzen kommt. Also reine Mathematik: Ein EM Kader besteht, weil Frauen härter als Männer sind, nur aus 23 Spielerinnen. Oder gab es einen anderen Grund, warum die Frauen keine Coronaausnahmen bekommen haben, die letztes Jahr noch völlig normal waren? Was Martina Voss-Tecklenburg nebenbei vorher angesprochen hat. Von den 23 Kaderplätzen gehen 2 an die "Nur im Notfall benutzen" Ersatztorhüter. Was nebenbei ziemlich absurd ist. Also es hat noch nie jemand seinen dritten Torwart wirklich eingesetzt, trotzdem wird man gezwungen ihn zu nominieren. Also bei Deutschland 1996 war die Lage so schlimm, dass die Oliver Reck ein Feldspielertrikot bereitgelegt haben. Und Nordkorea wurde dafür bestraft, dass man heimlich einen weiteren Angreifer nominierte, anstatt einen Spieler, den man eh nicht braucht. Und sein wir mal ganz ehrlich: Wenn die Trainer frei wählen dürften, würden sie nie einen dritten Torwart mitnehmen.

Jetzt darf man in einem Spiel mit Verlängerung mittlerweile 6 Mal wechseln, hat aber realistisch gesehen 8 Optionen zur Auswahl. Also es ist ja alles andere als "normal", dass man ohne Verletzungen und Sperren durch das Turnier kommt. Im Fall von Deutschland hatte man also 8 Spielerinnen, von denen man 6 einwechseln konnte. Da guckt man dann buchstäblich auf das Ende seiner Bank und fragt sich: Wer sitzt da eigentlich noch? Und ja, das "was wäre wenn?" beim Ausfall von Popp und Bühl ist gar nicht so sehr das "Was hätten die in der Startelf gerissen?" Sondern viel mehr ein: Was wäre passiert, wenn auch Deutschland von der Bank so viele frische Offensivkräfte wie die Schüller bringen könnte? Und wie gesagt: Die Hoffnung bleibt, dass mehr Trainer dieses taktische Mittel als genau das erkennen.

Das Paradebeispiel dabei ist und bleibt ja das Jobsharing von White und Russo. Die eine wurde im Durchschnitt in der 58. Minute für die andere ausgewechselt und es ging immer ein Ruck durch die englische Mannschaft. Aber sonst legt ja kaum jemand seine Taktik auf solche Wechsel aus, auch wenn Mann ja durchaus einen Kader hätte, der das hergibt. 

Ansonsten müssen wir, weil es halt doch ein richtiges Fußballspiel war, doch mal über den VAR und die Leistung der Schiedsrichterin reden. Also ich finde es faszinierend, dass die eine 5 bekommt, weil sie den Handelfmeter nicht gegeben hat. Mein wirkliches Problem mit ihrer Leistung ist eher, dass sie das Spiel nicht mit 11 gegen 11 beenden kann, wenn sie ihre Linie aus der "Anfangsphase" durchzieht. Denn sie gibt 2 Engländerinnen sehr früh und sehr zügig Gelb. Und bei der Linie muss man dann auch über Rot für Russo reden, da reicht ihr aber eine Gelbe und sie pfeift eher großzügig. Und ich bin mir auch relativ sicher, dass Stanway ein weiteres taktisches Foul begeht...

Aber ihr dann aus dem Elfmeter einen Strick zu drehen? Also nur für Kontext: Der deutschsprachige Live-Kommentator entscheidet sich beim Sichten des Live-Feeds gegen einen Elfmeter... obwohl der durch die deutsche Brille guckt. Und dann findet die deutsche Redaktion nach 15 Minuten suchen kurz vor der Pause die eine Einstellung, in der man dann doch ein strafbares Handspiel sieht, und alle schreien jetzt "Warum werden immer wir Deutschen bestraft." Und schiebt das auf die Schiedsrichterin, obwohl sie doch nichts dafür kann, dass ihr niemand dieses Bild geliefert hat. Wir sind hier halt auch nicht bei Arsenal, wo so lange auf den Videobeweis geguckt wird, bis die Entscheidung gegen dich ausfällt... Aber im Wesentlichen sagt ihr: Wir hätten das Spiel 15 Minuten lang unterbrechen müssen, bis wir wirklich alle Einstellungen gründlich gesichtet wurden. Wenn dann aber eine VAR Überprüfung länger als 90 Sekunden dauert, jammert ihr auch, dass das alles viel zu lange dauert,

Und nur um das mal zu verdeutlichen: Ja, man kann da Elfmeter geben. Aber wenn einer deutschen Verteidigerin so ein Ball aus so kurzer Distanz an den Arm springt, seht ihr da alle nichts Verbotenes. Das ist wie beim 1:1 der Engländerinnen gegen Spanien, wenn ihr euch nochmal ein "neutrales" Beispiel angucken wollt.
Und klar, der Kicker sieht da sofort ein Handspiel. Aber der Kicker hat gerade bei Deutschlandspielen halt mit sachlichem Journalismus so viel gemeinsam, wie sonst nur die Bild. Das muss bei solchen Szenen immer bedacht werden. Ich garantiere euch, dass der Kicker da im deutschen Strafraum saubere Verteidigungsarbeit gesehen hätte. Wir reden hier schließlich über dieselben "Experten", die ein herausragendes Tackling sehen, wenn Mats Hummels einen klaren Elfmeter verursacht...
Ich sage auch ganz offen: Wenn die Einstellung, die kurz vor der Pause gezeigt wurde, gleich auftaucht, gehe ich da auch mit, dass die Entscheidung überstimmt werden muss. Die eigentliche Frage ist: Warum sehen wir die erst mit 10 Minuten Verzögerung? Und können wir der Person auf dem Platz einen Vorwurf machen, dass sie diese Einstellung nicht sehen konnte? Klar, können wir, die Entscheidung ging schließlich gegen Deutschland. Ach wie schön, es war dann doch ein richtiges Fußballturnier... Mehr kann man doch gar nicht verlangen.

Donnerstag, 28. Juli 2022

Worst of des "Von Äpfeln und Birnen" Halbfinales

Das wird der schönste Feiertag des Sommers: ausverkauftes Haus in einem legendären Stadion. Dazu mit der Ansetzung England - Deutschland einen echten Klassiker im Finale. Da kann man dann doch sogar die Hackfresse von Oliver Bierhoff ertragen, die bei der Gelegenheit garantiert auch einmal gezeigt wird... dabei habe ich mich doch auf dieses Turnier gefreut, weil man auf genau diese Gestalten verzichten konnte. Naja, immerhin wird Boris Johnson nicht gezeigt werden.

Gefühlt ist ja ganz England eingeladen... alle außer Gareth Southgate... Der hat garantiert Hausverbot. Ich stelle mir ja gerade vor, wie Southgate ein ähnlich motivierendes Video an die englische Nationalmannschaft schicken will, wie Jürgen Klopp das gerade gemacht hat... nur um ein "Wir wollen gar nicht wissen, wie man ein wichtiges Spiel in diesem Stadion nach Elfmeterschießen verliert" zurückzubekommen...

Falls jemand England - Schweden nicht gesehen hat, muss man dringend erwähnen, dass dieses Spiel an sich kein 4:0 war. Also so viel schwächer waren die Schwedinnen einfach nicht. Die stellten gerade in der Anfangsphase wirklich fiese Fragen und hätten locker in Führung gehen können. Aber die Engländerinnen sind halt einfach mal in der Lage sich in einen Rausch zu spielen und dann gibt es am Ende halt so ein drastisches Ergebnis bei raus. 

Bei Deutschland - Frankreich wurde mir dann wieder bewusst, dass das Spielniveau gar nicht so entscheidend bei der Frage ist, ob man durch so ein Spiel unterhalten wird. Also ich fand es ganz praktisch spannender als die letzten Champions League Finale. Einfach nur, weil mir gerade in diesem Sommer echt egal war, wer da gewinnt. Und um das explizit zu sagen: Das bedeutet nicht, dass das Champions League Finale schlecht war.

Aber unterhaltsamer Fußball definiert sich im Wesentlichen durch 2 Faktoren: 1.) Man muss eine Mannschaft sympathischer finden als die andere und ihr deswegen den Sieg gönnen. Dabei kann es auch einfach sein, dass eine der beiden Mannschaften der Hamburger SV in der Relegation ist und man ausschließlich mitfiebert, weil man die scheitern sehen will.
2.) Man braucht 2 Mannschaften, die sich auf Augenhöhe bewegen und sich ein gleichwertiges Duell liefern. Also man kann die Bayern ja eventuell sympathisch finden, aber die Spiele in der Bundesliga werden dadurch dann nicht spannend, wenn es nur darum geht, ob die Bayern das verkacken oder nicht... und nicht, ob der Gegner sie wirklich fordert.

Wenn beide Faktoren gegeben sind, kann jedes Fußballspiel der Welt plötzlich zur hoch spannenden Angelegenheit werden... wie jedes Wochenende tausende Eltern am Spielfeldrand in der Kreisklasse beweisen, das sind ja alles keine neuen Erkenntnisse.

Deutschland - Frankreich hat beides geliefert. Auch wenn ich natürlich für Frankreich war. Die Unterschiede in Zweikampfquote, Passquote und Ballbesitz waren minimal. Die ganz großen heraus gespielten Chancen waren gerade in Halbzeit 1 Mangelware. Deutschland traf wie immer mit dem ersten schnell vorgetragenen Angriff, Frankreich traf technisch gesehen, ohne aufs Tor zu schießen. Und gerade als es so aussah, als würden die Französinnen sich ein Übergewicht (Bodyshaming? Anyone?) entwickeln, entschied das Durchsetzungsvermögen von Alexandra Popp das Spiel.

Aber gut, Spielberichte könnt ihr ja auch woanders lesen. Kommen wir zu den Äpfeln und den Birnen. Was mir in den letzten Tagen häufiger aufgefallen sind (und ich mache es ja auch selber), sind ja Vergleiche zu den Männern. Also bei Ellen White wurde schon häufiger erwähnt, dass sie jetzt in Wembley mit Wayne Rooney gleichziehen kann und dann mit 51 Toren englischer Rekordtorschütze wird. Und da kommen dann alle gleich mit "Das kann man doch nicht vergleichen, die spielt ja gegen viel schlechtere Gegnerinnen. Da hätte Rooney doch viel mehr Tore gemacht!"

Und dann kommt halt dieses deutsche Totschlagargument: Man kann doch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen! Damit ist die Diskussion dann immer beendet. Wobei dies totaler Schwachsinn ist: Natürlich kann ich Äpfel mit Birnen vergleichen. Das ergibt wahrscheinlich sogar mehr Sinn, als Äpfel mit Äpfeln zu vergleichen. Denn Vergleichen bedeutet ja nicht mehr als "Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausstellen." 

Wenn White jetzt tatsächlich das 51. Tor am Sonntag erzielt, wird sie dadurch nicht genauso gut oder besser als Rooney, aber man kann erkennen, dass sie für diese Mannschaft dieselbe Bedeutung hat, wie Rooney. Und da der Mann da natürlich der bekanntere ist, kann man diesen Vergleich nutzen, um auch uns Laien dies zu verdeutlichen. Und dann versteht man auch, warum White am Sonntag wieder in der Startelf stehen wird, obwohl Alessia Russo als Einwechselspielerin schon 4 Tore erzielt hat und wesentlich besser in Form ist. Denn eine Rooney setzt man halt nicht einfach auf die Bank.

Um ein paar kurze historische Beispiele zu bringen: Als Marta bei der letzten WM den Torrekord von Mirsolav Klose brechen konnte, verdeutlichte das nur, wie unfassbar gute die bei diesem Turnier über die Jahre war. Und wie unfassbar es ist, dass sie es nie gewinnen konnte... Wobei man an der Stelle auch mal erwähnen muss, dass da auch das "Aber die wesentlich schlechteren Gegner!" Argument absurd wird. Also niemand hat jemals Klose den Vorwurf gemacht, dass er 3 seiner 15 Tore gegen völlig überforderte Saudis im ersten Gruppenspiel erzielt hat. Eine Mannschaft, gegen die Marta natürlich nicht treffen könnte, weil die ihr den Kopf abhacken würden, wenn sie in den Strafraum eindringt. 

Andere lustige Statistik: Die Deutschen Frauen holten zwischen 2001 und 2009 alle Europa- und Weltmeistertitel. 5 Turniere in Folge. Das ist eine noch krassere Bilanz, als die Spanier von 2008 bis 2012 erringen konnten, da waren es "nur" 3 Turniere in Folge. Die meisten von uns haben die 5 Turniere der Frauen, wenn überhaupt, nur am Rande mitbekommen. Aber an die Dominanz der Spanier können wir uns alle noch erinnern, da haben wir schließlich alle nach dem einen Patzer in der Karriere von Philipp Lahm geweint. Die einen vor Freude, der Rest... Wir können uns noch daran erinnern, wie unfassbar nervig das war ständig an diesen Spaniern zu scheitern, obwohl es doch immer so knapp wirkte. Diesen Vergleich kann man jetzt nutzen, um zu verdeutlichen, wie unfassbar dominant unsere Damen zu Beginn dieses Jahrtausends waren. Und dann kann man auch festhalten, dass dieser Vorsprung, den man zumindest in Europa jahrzehntelang hatte, mittlerweile aufgebraucht ist, weil man seit 2009 "nur" 1 von 5 Turnieren gewinnen konnte.

Und dann kommt der völlig absurde Fakt dazu, dass man gerade in dieser "Schwächephase" erstmals Olympiasieger wurde, was bei den Frauen halt ein wesentlich relevanteres Turnier ist, als bei den Männern. Fußball ist halt manchmal bekloppt. Aber durch die Vergleiche schafft man Kontext und erläutert Narrative. Genau dafür sollten die da sein.

Kommen wir also zu dem für mich spannendsten Vergleich bei diesem Turnier: Alexandra Popp und Beth Mead haben vor dem Finale bereits 6 Tore erzielt. Das sind mehr, als Patrick Schick und Cristiano Ronaldo im gesamten Turnier!!! Und die haben ja noch ein Spiel vor sich!

Diesen Vergleich kann man wunderbar nutzen, um die Unterschiede der Turniere zu verdeutlichen. Es bleibt festzuhalten, dass sowohl Schick als auch Ronaldo bereits vor dem Halbfinale abreisen mussten. Genauso wie Lukaku, Benzema und Forsberg. Also 5 der 6 Angreifer, die 4 Tore oder mehr erzielt haben. Damit stellt man einfach mal fest, dass dies halt nicht das Turnier der Offensivspieler war. Und dann mussten sich die Jungs von der UEFA auf ein Mal einen Spieler des Turniers suchen. Ähm... also... Gianluigi Donnaruma hat 2 Elfmeter gehalten!!! Nehmen wir den! Und man muss dabei zwingend festhalten, dass Donnaruma keine Oliver Kahn Imitation abgeliefert hat und die Mannschaft, wie Kahn halt 2002, eigenhändig im Turnier gehalten hat. Aber von den Finalteilnehmern war er halt der Auffälligste.
Der Optimist sagt da halt, dass die EM durch taktisch disziplinierte Mannschaftsleistungen geprägt wurden... Der Pessimist nennt das langweilig. Gerade die letzten 3 Verlängerungen waren hauptsächlich langweilig.

Diesen Sommer machen Popp und Mead untereinander aus, wer Spielerin des Turniers wird. 2 Offensivspielerinnen, die für Kaltschnäuzigkeit und Durchsetzungsvermögen stehen. Genau das, was den Schwedinnen und Französinnen gefehlt hat. Man konnte ohne so eine Spielerin 2021 Europameister werden. Dieses Jahr hat man dann am Ende keine Chance.

An der Stelle muss man nochmal kurz einschieben, wie unfassbar Schade es ist, dass sich Marie-Antoinette Katoto das Kreuzband gerissen hat. Die hätte sich als 3. Persönlichkeit genau da einreihen können.

Damit hat dieses Turnier genau das, was im letzten Sommer gefehlt hat: 2 herausragende Persönlichkeiten, die sich jetzt auch noch im direkten Duell gegenüberstehen. So wie Ronaldo und Kahn 2002. Oder Ronaldo und Zidane 1998. Oder Modric und Griezman 2018.

Natürlich sind solche Narrative immer grobe Vereinfachungen. Aber sie sind halt trotzdem großartige Werkzeuge, um die Geschichte so eines Turniers zu erzählen. Und am Ende ist gerade bei den Turnieren im Sommer die erzählte Geschichte wichtiger als die absolute Qualität auf dem Platz.

Und das Finalduell Russo gegen Popp ist eine großartige Geschichte. Als letzter Vergleich und finale Prognose: Im Gegensatz zum letzten Finale in Wembley vor knapp 12 Monaten wird diesmal nicht der Ängstliche verlieren, sondern die Mutige gewinnen. Und dann kann man hinterher auch einfach mal feststellen, dass dies das unterhaltsamere Turnier war...

Sonntag, 24. Juli 2022

Worst of des "Ungefähr so sieht das halt aus" Viertelfinales.

 Also ja. Entweder man kann damit was anfangen, oder man will halt vom Frauenfußball nichts wissen. Aber als Turnier an und für sich hat dieses Viertelfinale sehr gut funktioniert.

Allein schon, dass alle Spiele erst in der Schlussphase endgültig entschieden wurden. Das ist halt schon ideal. Und dann hatte jedes Spiel seine eigene Geschichte.

Die Spanierinnen schaffte es fast, sich gegen die wütenden Angriffe und der auch wirklich großartigen Stimmung zu wehren und die Gastgeberinnen rauszuschmeißen. Und das 1:1 ist eines dieser Szenen, bei denen man froh ist, neutraler Beobachter zu sein, denn in Spanien wird man noch in 10 Jahren behaupten, dass der VAR da hätte eingreifen müssen. In England wird man ganz entspannt von "britischer Härte" sprechen. Und das Schöne am Fußball ist: Beide haben recht. Am Ende sind die Engländerinnen der glücklichste Viertelfinalteilnehmer.

Österreich hat dann häufiger das Aluminium getroffen, als die Deutschen das Tor. Also nur um festzuhalten, wie knapp das am Ende war. Und klar, Deutschland war besser, aber am Ende hatte man genaugenommen doch nur die bessere Torhüterin und mehr Glück. Also alles wie bei den Männern.

Die Belgierinnen lieferten dann genau die Abwehrschlacht, die man von einem Außenseiter erwartet. Und zur allgemeinen Überraschung hatten auch die eine Torhüterin, die bis in die Nachspielzeit alles hielt, was es zu halten gab. 

Frankreich schaltete in Halbzeit 1 kollektiv in den Gomez der Woche Modus. Aber in den ersten 45 Minuten sind sie die mit Abstand beste Mannschaft in diesem Turnier. Aber in der 2. Halbzeit wirken sie dann plötzlich wie eine durchschnittliche Mannschaft. Ernsthaft, die haben in der ersten Hälfte 8 ihrer 9 Tore erzielt. Und das letzte erst in der Verlängerung. Ich habe selten eine Mannschaft gesehen, die nach 45 Minuten so konsequent die Arbeit einstellt.

Apropos Verlängerung: Da ist in allein in dem Frankreich - Niederlande Spiel mehr passiert, als bei den 3 letzten Verlängerungen im letzten Sommer zusammen... Was natürlich nicht schwer ist. Denn die französische Trainerin Corinne Diacre hat etwas völlig Absurdes gemacht: Sie hat trotz eigener Führung 3 frische Kräfte gebracht, um für Entlastung zu sorgen. Und dann passierte genau das, was man eigentlich erwarten konnte: Die auf müde Verteidigerinnen zulaufende Ouleymata Sarr hatte direkt 3 starke Szenen, in denen sie zumindest das 2:0 machen kann. Und negative Folgen gab es keine. Man sollte diese Szenen vielleicht mal Gareth Southgate zeigen, damit der vielleicht versteht, was passiert, wenn man seine Offensivkräfte nicht erst in der allerletzten Sekunde und nur fürs Elfmeterschießen einwechselt.

Und nur um mal zu erwähnen, wie absurd das Ganze war: Entgegen der Angaben bei Kicker.de wurde nicht nach dem Seitenwechsel 4 frische Spielerinnen eingewechselt, sondern während der Unterbrechung. Also als die Zeit angehalten war. Selbst die in Führung liegenden Französinnen verzichteten darauf, die Wechsel zu nutzen, um an der Uhr zu drehen. Die wollten das Spiel lieber entscheiden. Und wo wir schon beim Thema liegen sind: Lediglich Wendie Renard tat dies kurzzeitig, weil sie nach einem Luftzweikampf auf die Hüfte fiel. Könnt ihr euch das vorstellen? Eine Verlängerung, die nicht nur aus Auswechslungen, Behandlungspausen und dreistem Zeitspiel besteht?

Wenn man sich ansieht, wie die frisch eingewechselte Rechtsverteidigerin Marion Torrent noch nachrücken und für Entlastung sorgen kann, fällt einem wieder auf, wie grob fahrlässig es ist auf solche Impulse zu verzichten... Trotzdem werden wir es in einem halben Jahr wieder sehen.
Nebenbei ist das ja auch nicht "der Standard". Schließlich wechselten die Engländerinnen in der 116. und 117. Minute, nur um das Ergebnis über die Zeit zu retten. Trotzdem ist es immer wieder schön, wenn man so was mal zu sehen bekommt.

Aber kommen wir zum eigentlichen: Das ist dann jetzt endlich das erste Halbfinale seit der EM in Frankreich. Damals hat Bastian Schweinsteiger noch gespielt und ihr habt alle geglaubt, dass Jogi Löw ein guter Trainer ist. Das sind in der Summe 4 Turniere in Folge. Also die EM 2017, die WM 2018, die WM 2019 und die EM 2021. Eine vergleichbar lange Serie ohne deutsche Halbfinalteilnahme hat es noch nie gegeben. Also noch nie bedeutet hier auch: Selbst als man zwischenzeitlich wegen Adolf nicht eingeladen wurde und man die Trümmer des 2. Weltkrieges beseitigen musste, dauerte es nur 1 Turnier (an dem man halt nicht mal teilnehmen durfte) bis man wieder ins Finale einzog. 

Es ist an der Stelle einfach nur unfassbar, wie verwöhnt der gemeine Fan der deutschen Nationalmannschaft halt ist. Also selbst in den fußballerisch schlimmsten Jahren der Herrengeschichte stolperte man halt in ein WM-Finale... und die deutschen Frauen gewannen zwischenzeitlich 8 von 9 Europameisterschaften. Damit ist es eigentlich unmöglich, auch nur 2 aufeinander folgende Turniere ohne Halbfinalteilnahme zu finden. Ich erwähne das auch nur, um zu verdeutlichen, wie herausragen die Trainerleistungen von Jogi Löw und Steffi Jones waren, die das ja irgendwie zu verantworten haben.

Aber hey, wenigstens da gilt dann wirklich das Konzept vom "Equal Play." Also ich habe hier ja vor einigen Jahren aufgelistet, wie absurd schlecht die Bilanz der Nationaltrainer auf Vereinsebene so ist. Und dass Hansi Flick in einem Jahr mehr Titel geholt hat, als alle seine Vorgänger zusammen. Und dass die einzige relevante Qualifikation "Kontakte zum DFB" sind.

Bei den Frauen... ähm... Gero Bisanz wurde Meister in der Landesliga Mittelrhein. Das steht buchstäblich als einziger Erfolg vor den Europameistertiteln auf seiner Wikipediaseite. Tina Theune hat einfach nur die DFB-Frauen trainiert. Silvia Neid folgte ihr, weil sie halt vorher 9 Jahre Co-Trainerin und davor eine verdiente Spielerin war. Bei Steffi Jones dachten sich alle: Hey, die war ja quasi die "deutsche Kaiserin", da kann die auch den Trainerjob übernehmen, wie der Franz das gemacht hat. Lief katastrophal. Dann kam als Paniklösung Horst Hubresch aus der U21 der Männer. Weil der aber schonmal richtige Vereinsmannschaften trainiert hat, konnte er das nur Interimsweise machen. Und jetzt ist halt Martina Voss-Tecklenburg dran, die man von der schweizer Nationalmannschaft abgeworben hat und die vorher (immerhin) 3 Titel auf Vereinsebene geholt hat. Die aber auch in der deutschen Bundesliga seit Januar 2012 keine Angebote mehr bekommen hat. Ihre Vorqualifikation gleicht also eher der von Jogi Löw: Nicht gut genug für die erste Liga, aber für die Nationalelf reicht's.

Nur um das mal zu vergleichen: Die bereits erwähnte und anscheinend auch durchaus umstrittene Corinne Diacre wurde von einem französischen Zweitligisten abgeworben. Die hat vorher eine Herrenmannschaft trainiert und wurde dort Trainer des Jahres. Als die FA beschloss, dass sie die Damenmannschaften jetzt mal richtig aufstellten, holten sie die amtierende Titelträgerin aus den Niederlanden. Die war nebenbei auch schon 2 Mal Meister und Pokalsieger. Oder anders ausgedrückt: Sarina Wiegman holte auf Vereinsebene allein mehr Titel, als alle deutschen Trainerinnen zusammen. Der schwedische Trainer Peter Gerhardsson hat jahrelang in der schwedischen Allsvenskan trainiert. Also auch bei den Männern. Mark Parsons von der Niederlande trainierte jahrelang in der amerikanischen Profiliga der Frauen, nur um ein weiteres Beispiel zu nennen.

Der einzige Verband, bei dem es wichtiger ist, 100 Länderspiele gemacht zu haben, als wirklich konstant nachgewiesen zu haben, dass man eine gute Trainerin ist, bleibt der DFB. Aber da dies bei den Männern genau so läuft, kann sich da halt auch niemand beschweren... 

Bei den ganzen vorher erwähnten und ja auch als selbstverständlich hingenommenen Erfolgen ist das irgendwie auch nur fair. Also man will gar nicht wissen, wie viele Weltmeistertitel Deutschland geholt hätte, wenn man auf die durchaus vorhandenen fähigen Trainer aus den Vereinsmannschaften gesetzt hätte.

Dienstag, 19. Juli 2022

Worst of einer doch recht enttäuschenden Vorrunde

 Ganz ehrlich... da hatte ich mir irgendwie mehr erwartet. Wobei das ja schon nach dem ersten Spieltag abzusehen war. Denn allein schon, dass es in Gruppe A und B Spiele um die "Goldene Ananas" gab. Also sowohl bei England - Nordirland als auch bei Deutschland - Finnland ging es ja nur um die Ehre.

Und Gruppe C sah dann auch so furchtbar eindeutig aus, da denkt man sich, dass die beiden überlegenen Mannschaften doch nur übers Torverhältnis den Gruppensieg entschieden haben. Aber dann fällt einem auf, dass das Ergebnis der Niederländerinnen definitiv zu hoch ausgefallen ist, denn da stand es bis zur 84. Minute Unentschieden... und die Schweizerinnen hätten durchaus in Führung gehen können, dann wären die weitergekommen. Dann kassieren die aber 3 Tore in 11 Minuten und es sieht nach einem souveränen Sieg des Favoriten aus.

Gruppe D war eigentlich die enttäuschende. Also von den Voraussetzungen war es eigentlich das spannendste: Island lag gegen den größten Favoriten früh zurück, was bedeutete... dass sie mit 2 Punkten ins Viertelfinale einziehen würden. Also sowohl Belgien als auch Italien mussten gewinnen um dieses Weiterkommen zu verhindern. Aber gerade in der ersten Halbzeit sah es eher danach aus, als würden beide mit einem Unentschieden weiterkommen... Zu Beginn der 2. Halbzeit nahm das Spiel dann endlich Tempo auf und es passierte in den ersten 10 Minuten mehr, als in den ersten 45 Minuten. Allerdings war Italien dann zwar drückend überlegen, aber im Strafraum einfach zu ungefährlich. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie 2 Tore erzielen mussten.

Und dass sie als Vollprofis gegen eine Mannschaft antraten, die teilweise aus Spielerinnen mit einem Clark Kent Job besteht, sollte man halt auch nicht außer Acht lassen. Was den Respekt vor den Belgierinnen nicht schmälern sollte, aber Italien gehört doch eher zu den Enttäuschenden.

Nebenbei haben sich Island Dottirs ohne eine Niederlage verabschiedet, weil sie in der 102. Minute den Ausgleich erzielten. Manchmal braucht der VAR eben länger. Ich fand es superfaszinierend, dass die Kommentatorin dann Mitleid mit den Isländerinnen hatte, die halt ohne Niederlage ausscheiden. Das wäre ihnen mit 24 Teilnehmern garantiert nicht passiert. Aber ganz ehrlich: Eine Mannschaft, die kein einziges Spiel gewinnt, kann halt auch nicht ins Viertelfinale einziehen. 

Dabei waren die Isländerinnen eine der positiven Überraschungen. Allein schon, weil sie die für Isländer ganz normale Unterstützung von den Rängen bekommen haben. Und weil sie halt auch in jedem Spiel mithalten konnten. Andererseits "schonte" Frankreich halt auch 5 Spielerinnen und es reichte trotzdem nicht zu einem Sieg.

Wenn wir über Enttäuschungen reden, kommen wir direkt zu Dänemark und Norwegen, die sich quasi geschlossen für das "Wir haben den Urlaub schon gebucht" Team beworben haben. Während Pernile Harder wenigstens behaupten kann, dass sie das eine (!) Turniertor der Däninnen erzielt hat und an quasi allen gefährlichen Aktionen beteiligt war, hätte Ada Hegerberg auch einfach weiter streiken können. 

Wenn diese Norwegen, Dänemark und Italien ihre erwartbaren Leistungen abrufen, sehen wir ein wesentlich spannenderes Turnier. Und dahinter stellt man halt doch fest, wie groß der Unterschied zwischen den geförderten Nationen mit ordentlicher Struktur (also England, Frankreich, Deutschland, Spanien, Schweden und die Niederlande) und dem Rest ist. Als konkretes Beispiel: Die Portugiesinnen hätten eine richtig gute Rolle als größte Überraschung spielen können, wenn die halbwegs Standards verteidigen würden. Stattdessen kassierten sie 7 Gegentore nach Ecken und Freistößen. 

Jetzt kommt man aber beim "Durchzählen" schon zum nächsten "Problem": Das sollten eigentlich 8 Mannschaften sein, es sind aber nur 6. Damit haben wir, bei allem Respekt, 2 Viertelfinale, die ungefähr so aussehen sollten, wie die Gruppenspiele vorher: Sehr dominante und überlegene Favoritinnen fahren einen souveränen 3:0 Sieg ein. Selbst eine knappe Niederlage für Österreich und Belgien wären schon eine Überraschung. Aber das "Deutschland Spiel" wird trotzdem (verständlicherweise) die höchsten Einschaltquoten haben. Dann sehen die alle dieses einseitige Spiel und denken sich: "Das ist jetzt also dieser Frauenfußball, von dem alle geredet haben, was soll daran jetzt so toll sein"... da gucke ich lieber Deutschland gegen Algerien als WM Achtelfinale, das ist wenigstens spannend... 

Dabei sollte man sich eigentlich den Mittwoch und den Samstag im Kalender markieren, wenn man wirklich sehen will, was in diesem Turnier alles geht. Denn da gibt es Duelle auf Augenhöhe. Da werden England und Frankreich (gerade letztere kamen bisher eher im Schongang durch) das erste Mal richtig gefordert werden. 

Nebenbei... muss ich gerade nochmal über die Präsentation reden. Es ist schon verdammt peinlich, dass das ZDF nicht hinbekommt, Bild und Ton zu synchronisieren. Vor allem, weil der Ton vor dem Bild kommt. Da schreit Claudia Neumann dann schon Tor, bevor der Kopfball abgegeben wird. Und das passiert nicht nur bei einem Video. Get that shit fixed.

Montag, 11. Juli 2022

Worst of des ersten EM Spieltages

 Die gute Nachricht vorneweg: So wie das gerade läuft, ist es nicht sooo schlimm, dass ich diese Woche im Ausland unterwegs bin und deswegen deutlich weniger sehen werde... Denn dieses Turnier leidet gerade an einem ganz großen Favoriteninnenproblem. Am ersten Spieltag trafen halt hauptsächlich die Kandidatinnen für höhere Aufgaben auf Mannschaften, die froh sind, dass sie mitspielen dürfen. Da sich keine eine Blöße gab, haben wir jetzt das Problem, dass es in Gruppe A und B realistisch nur noch darum geht, wer erster wird.

Gerade das Dänemark sich direkt für die "Wir haben den Urlaub schon gebucht" Elf beworben hat. Die sollten doch die "deutsche" Gruppe eigentlich zur Todegruppe erheben. Entweder die Deutschen sind wirklich verdammt gut, oder aber das Thema ist jetzt schon durch. 

Das eigentlich spannendste Spiel war damit... Portugal gegen die Schweiz, wo die Portugiesinnen einen 2 Tore Rückstand aufgeholt haben und am Ende beide auf Sieg spielten. Aber wahrscheinlich wird für beide spätestens im Viertelfinale Schluss sein.
Beim Rest bleibt halt festzuhalten: Es war schon beeindruckend, wie konsequent aufs 3. und 4. Tor gespielt wurde. Also außer bei den Engländern, die sich nach dem 1:0 erfolgreich einredeten, dass es schon reichen wird. 

Was auch auffällig ist: Quasi alle Mannschaften (Frauschaften?) versuchen mitzuspielen, auch wenn es nicht immer funktioniert. Also man kann sich das 2:0 der Norwegerinnen aus der arroganten Position angucken, dass so ein leichtsinniger Ballverlust bei den Männern nie passieren würde. Das stimmt auch. Allein schon, weil der nordirische Torhüter jeden Ball blind nach vorne schlagen würde, in der Hoffnung, dass der Stürmer den Ball dann fest macht und ein Foul zieht. Ob das dann wirklich "besser" ist, muss jeder selber entscheiden. Ich muss zugeben: Ein Turnier, bei dem nicht gejanckert wird, kriegt eine eigene Dynamik.

Die 2. Auffälligkeit: Die Ecken werden wesentlich dichter vors Tor gezogen, weil halt die Strafraumbeherrschung der Torhüterinnen deutlich ausbaubar ist. Das ist schon die Schwachstellenposition bei diesem Turnier. Die fallen im Vergleich zu dem Rest schon merklich ab.

Alexandra Popp hat dann jetzt mehr EM Tore erzielt, als Thomas Müller. Wie faszinierend. Also die beiden sind ja schon vergleichbar. Beide sind Legenden im Nationalmannschaftsdress, mit über 100 Einsätzen und beide gewannen ihren persönlich wichtigsten Titel im Maracanã. Er 2014, sie 2016. Für beide liefen ihre EM Auftritte bisher sehr beschissen. Also gut, so richtig beschissen lief es nur für Popp, die bisher einfach jedes Kontinentalturnier aus Verletzungsgründen verpasst. Und nach ihrer Einwechslung brauchte sie nicht mal 30 Minuten, um diesen Missstand zu beenden... Thomas Müller wartet nach 15 Spielen weiterhin auf ein Erfolgserlebnis. Vielleicht wird es 2024 ja was...
Was soll ich sagen... wenn ich keinen Ansatz zum Müller-Bashing finden würde, wäre es ja kein richtiges Turnier. Und es ist schon schlimm genug, dass Boris Johnson es nicht fürs "Burrying" verwenden konnte, sondern wirklich zurücktreten musste, obwohl in seinem Land eine EM stattfindet. 

Ansonsten muss natürlich noch die Serie "Frauen machen das einfach" eingeführt werden. Und da reden wir noch nicht mal direkt über "Während der Menstruation in weißen Hosen spielen"... obwohl ja auch darüber anscheinend geredet werden muss. Dabei muss man auch mal bedenken, dass so ein Turnier 25 Tage dauert. Sprich: Die Wahrscheinlichkeit, dass Frau während dieses Turniers mit der Periode zu kämpfen hat, ist erschreckend hoch. Da fragt man sich schon, warum die Frauen nicht vorher darauf kamen, dass weiße Hosen bei so einem Turnier nicht ganz so geschickt sind... Und wir sind hier ja nicht in Wimbledon, wo die Veranstalter ignoranter Weise darauf bestehen, dass die Frauen in Weiß spielen...

Aber eigentlich sollte es hier um Ana Hegerberg gehen. Also für Kontext: Hegerberg ist eine der besten Fußballerinnen der Welt. Sie gewann 2016 die Wahl zu Eurpas Fußballerin des Jahres und 2018 den Ballon d'Or. Aber weil der Kampf um die gleichen Prämien für die wesentlich erfolgreichere Frauenmannschaft zu frustrierend verlief, trat sie 2017 im besten Alter aus der Nationalmannschaft zurück. Jetzt gehören die Norwegerinnen zu den Mannschaften, die die gleichen Prämien bekommen und sie ist zurück.
Nur mal so für Kontext: das ist, als würde Robert Lewandowski oder Luka Modrić zur WM in Qatar "Nein" sagen. Das ist etwas, was ja bei gerade dieser WM ausführlich diskutiert wird, aber sein wir ehrlich: Abgesehen von den Italienern wird das keiner machen. Als Mann sagt man sich da "Na klar, die Zustände sind Scheiße, aber deswegen verzichtet man doch nicht auf eine WM..." Sowas macht man doch nicht...

Mittwoch, 6. Juli 2022

Almuth Schult stellt eine interessante Frage in den Raum:

 Ist es überhaupt richtig, ständig von Frauen-Turnieren zu sprechen, wenn es doch eigentlich auch nur ein Fußballturnier ist?

Und das ist dann eine Frage, die wirklich schwierig zu beantworten ist. Das fängt schon direkt damit an, dass Schult selber den Begriff Frau an der Stelle als "Abwertung" betrachtet. Kann man es nicht einfach als Abgrenzung zum doch recht pervers gewordenen Männerfußball sehen? Wie ich bereits gestern erörtert habe, sollten die Ultras sich eigentlich auf dieses Turnier freuen, gerade weil es anders wird, als die Turniere, die sie sonst zu sehen bekommen. 

Bei all der Korruption, den Menschenrechtsverletzungen, der Verschwendung von Steuergeldern und den homophoben Staatspräsidenten, die so ein Männerturnier mit sich bringt, will man doch gar nicht "mit DENEN" in einen Topf geworfen werden. Und ja, ich bin auch felsenfest davon überzeugt, dass man diese schöne, alte Welt viel mehr in den Vordergrund stellen sollte. Dieses "Hier gibt es all das noch" in die Promo einbauen sollte. 

Laura Freigang sagte dazu ja letztens, dass es vielleicht gar nicht so schlimm ist, dass das alles eine Nummer kleiner ist, weil der Sport dadurch auch unbeschwerter ist. Und sagt halt wörtlich, dass man damit seine eigene Position stärken. Jetzt hat man die Chance, seine eigene Identität als schönstes und wichtigstes Turnier in diesem Sommer zu finden. Aber gerade auch, weil halt so wenige Männer am Start sind.

Dazu geht Schults Vorschlag ja vollkommen gegen den allgemeinen Trend der Feminist*innen. Deren Ziel ist es ja sonst, die Leistungen und Möglichkeiten der Frauen sprachlich sichtbar zu machen und dadurch eine Veränderung in der Gesellschaft zu erreichen. Also das Gendern ist nicht das Ziel, sondern das Werkzeug.

Also machen wir es mal konkret: Als Junge bekommt man mit 11 Jahren mit, dass solche großen und tollen Turniere im Sommer stattfinden. Da sitzt man dann mit riesigen Augen vorm Fernseher und will da irgendwann auch mitmachen. Und 3 Tage später meldet man sich beim Fußballverein um die Ecke an... nur um 3 Wochen später zu erkennen, dass es für die Nationalmannschaft wohl nicht reichen wird. So lief das zumindest damals bei mir.

Wenn ich aber 1996 ein deutsches Mädchen gewesen wäre... hätte ich niemals mitbekommen, dass solche Turniere auch für mich ausgetragen werden, weil der Frauenfußball damals unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Mir wurde dieser Traum, dass ich auch an so einem Turnier teilnehmen kann, nicht in den Hinterkopf gepflanzt.

Nun hat sich seit damals ja schon einiges getan. Also zwischenzeitlich in Deutschland und mittlerweile in der restlichen Welt, die "uns" den Status als in Europa führende Frauenfußballnation gerade abgenommen haben. Aber an den derzeit geführten Debatten (und dem Fakt, dass der DFB zu der Hälfte der Verbände gehört, die nicht dieselben Prämien zahlen), sieht man ja, dass noch einiges an Weg vor "uns" liegt. Aber der jetzigen Generation an 11-Jährigen ganz selbstverständlich zu vermitteln, dass sie dabei sein können, könnte ein wichtiger Schritt sein. Dafür kann man aber halt auch die Sprache benutzen.

Wenn wir den Sexismus irgendwann überwunden haben und die Frauen dann überhaupt noch mit den furchtbaren Männerturnieren in einem Atemzug genannt werden wollen, dann können wir diese Details wirklich nur an den Jahreszahlen festmachen. Also ja, das Ziel ist ganz klar Almuth Schults Vision, dass wir einfach über Fußball reden. Die spannende Frage bleibt aber: Wie erreichen wir dieses Ziel?

Dienstag, 5. Juli 2022

Eigentlich müssten all die Ultras jetzt die Frauenfußball EM gucken.

 Die hat ja alles, was die sonst so fordern...

Erstens findet sie im Sommer statt. Und der allererste Kritikpunkt an der WM in Qatar war ja, dass es nicht sein kann, dass wir unsere Gewohnheiten umstellen müssen, weil das Turnier an einem Ort stattfinden soll, wo es im Sommer einfach zu warm ist. Das geht ja gar nicht. Wir haben da Weihnachtsmarkt, danach müssen sich alle richten!!!

Dann wird zumindest das Eröffnungsspiel und das Finale in legendären Fußballtempeln ausgetragen. Diese heiligen Hallen mit epischer Geschichte, die es außerhalb von Europa kaum gibt. Also vielleicht im Aztekenstadion, aber sonst... 

Als Nächstes gibt es einen vernünftigen Turniermodus mit einem 16er-Teilnehmerfeld. Keine besten Gruppendritten. Keine dummen Dreiergruppen. All den Scheiß, der die Vorrunde bei den Männerturnieren ruiniert, wird sich hier gespart. Man muss tatsächlich auch Spiele gewinnen und kommt nicht mit 3 Unentschieden garantiert weiter. Und ja, ich weiß, theoretisch kann man mit 2 Punkten das Viertelfinale erreichen, wenn der Gruppenerste alles gewinnt und die 3 anderen Mannschaften gegeneinander nur Unentschieden spielen. Oder man kann auch mit 3 Unentschieden Gruppensieger werden. Es gibt aber einen Unterschied zwischen einem theoretischen Konstrukt, welches noch nie eingetreten ist, und der praktischen Garantie, dass man mit 3 Unentschieden in die K.O. Phase einzieht. Oder dass 4 Punkte sicher reichen.

Das ruiniert ja auch spätestens den zweiten Vorrundenspieltag. Denn wenn 4 Punkte praktisch garantiert reichen, kann ich im 2. Spiel trotz der Auftaktniederlage auf ein Unentschieden gehen. Ich darf das Spiel dann nur nicht verlieren. Wenn es dann also nach 80 Minuten 1:1 steht, werden beide Mannschaften im Zweifelsfall auf Halten spielen. Und ein Modus, in dem beide Mannschaften taktisch auf Ergebnis halten spielen können, ist einfach Scheiße.

Aber diesen Sommer ist man wieder richtig am Arsch, wenn man das Auftaktspiel verliert. Und die Lage wird richtig verzweifelt, wenn man nur mit einem Punkt in den letzten Spieltag geht. Klar, man kann dann noch weiterkommen, aber es wird verdammt eng. Genau so sollte ein Turnier im Sommer laufen. Aber die aufgeblähten Turniere bei den Männern verhindern dies. Diesen Sommer könntet ihr das alles wieder sehen.

Dazu kommt als gratis Bonusfeature ein Promovideo mit der wunderbaren Joy Crookes.

Falls jemand fragt, ich bin dann offiziell für England.

Und nur so als kurzen Einschub: Warum kriegen wir das nicht hin? Warum verpflichten wir nicht Nura, um ein gut produziertes Promovideo für die Damen zu machen? Oder Joy Denalane, wenn die Dame unbedingt in Berlin geboren sein muss...

Anyhow, zurück zum eigentlichen: Wenn man als Ultra eine ehrlichere Version des Sports sehen will, muss man doch eigentlich diesen Sommer einschalten. Und klar, das Niveau wird deutlich schlechter sein, als bei den Herren. Aber die Ultras behaupten doch sonst auch immer, dass es ihnen egal ist, ob dieses Spitzenniveau erreicht wird, solange der Sport nicht komplett durch kommerzialisiert ist.

Jetzt könnte man ein deutliches Statement an alle Funktionäre schicken, in dem man dieses Turnier angemessen feiert. Sich das Kicker Sonderheft kauft... oh warte, so etwas gibt es ja nicht mal. Und ja, ich habe versucht mir in Leipzig die EM-Ausgabe von FFussball zu holen... aber die gab es nirgends. Und jetzt ist sie im Onlineshop vergriffen.

Jetzt könnte man Viewing Partys im Vereinsheim organisieren und sich den Spaß gemeinsam angucken. Und man müsste dann nicht mal auf Unrechtsstaaten und Korruption fluchen, sondern könnte wirklich das Geschehen auf dem Platz genießen. Und wenn man richtig viel Glück hat, kommentiert nicht mal Tom Bartels oder Bela Rethy... Wobei es ja eigentlich ein gutes Zeichen wäre, wenn die Öffentlich Rechtlichen ihre "Besten" schickt... Dass diese "Besten" dann nicht "gut" sind, ist ja ein anderes Problem.

Aber am Ende wird das alles erst im Winter wieder passieren, auch wenn man dann ein schlechtes Gewissen hat. Auch wenn man jetzt gerade behauptet, dass man es im Winter ja auf gar keinen Fall machen wird, weil das alles zu schlimm geworden ist, spätestens wenn Deutschland dann spielt, ist das alles wieder vergessen und die Fahnen werden wieder ausgepackt.

Nebenbei muss man an der Stelle der Herrenmannschaft mal ein großes Kompliment aussprechen. Dass die jegliche "Equal Pay" Debatten eiskalt beendet haben, weil sie einfach so lange im Achtelfinale ausscheiden und damit gar keine Prämien bekommen, bis der DFB sich endlich bewegt, ist schon ein starkes Statement...
Nur schade, dass die Frauen in der Phase ihren Vorsprung auf ihre direkte Konkurrenz verspielten und nicht mehr automatisch zu den Titelfavoriten zählen.

An der Stelle muss ich natürlich auch zugeben, dass für mich selber der Einstieg in dieses Turnier schwierig wird. Das Problem ist halt: Bei so einem Turnier geht es eigentlich nie um die sportliche Qualität, sondern um die persönlichen Storylines. Das ist etwas, was mir bei der letzten WM aufgefallen ist, in die ich dann doch ein wenig reingestolpert bin. Als ich dann verstanden habe, dass die Amerikanerinnen da vor Ort für mehr Gerechtigkeit kämpfen, hatte ich halt meine Storyline. Und dann fand ich das Turnier auf einmal auch spannend und interessant. Gut, fairerweise nur interessant genug für einige wenige Beiträge, aber man muss sich ja Platz für Steigerungen lassen...

Und ja, ich wollte mir auch abgewöhnen, bei jedem Beitrag dann ein "Bei den Männern" einzubauen, aber auch da kann man sich ja noch Platz für Steigerungen lassen. Also: Bei den Männern sind diese Geschichten vorher immer klar. Also selbst bei den "Exoten" weiß ich immer ziemlich genau, dass dies halt das erste Turnier von nehmen wir die Legende Dwight Yorke ist. Dass dieser europäische Star sein ganzes Leben davon geträumt hat, seine Nation ein Mal bei einer WM zu vertreten.  Was Trinidad & Tobago 2006 dann auch wirklich gelang. Aber aus genau diesen Geschichten zieht dann auch die langweiligste Ansetzung seine Energie. 

Jetzt habe ich allerdings noch keine Ahnung, wie die Lage im isländische und belgischen Frauenfußball aussieht. Und ich habe so richtig auch keine Möglichkeit da irgendwas herauszufinden. Auf Kicker.de gibt es nur einen kurzen Kommentar zu den deutschen Gegnerinnen. Also als Teil einer längeren Kolumne. Auf Sport1.de ist es richtig schwierig überhaupt was zur Frauen-EM zu finden... Also klar, man kann es als Zeichen der Gleichberechtigung betrachten, dass da die Artikel ganz normal unter EM geführt werden... Gleichberechtigt sind sie aber auch höchstens mit der U21... Aber hey, ich kriege raus, wer sich alles für die WM 2027 bewirbt, bis dahin scheinen sich dann auch die mit diesem Sport beschäftigen zu wollen...

Das ist nebenbei genau das, was die mit "mangelnder Sichtbarkeit" meinen... Da gibt es ein Turnier mit mindestens 500.000 verkauften Tickets, welches teilweise vor 70.000 Fans ausgetragen werden soll, und auf einem der größten deutschen Sportportale findet man dazu... einen einzigen Artikel...

Ich frage mich ja schon, ob es so viel Aufwand gewesen wäre, sich von den ausländischen Kollegen einen kurzen Artikel schicken zu lassen, in dem kurz und kompakt die einzelne Mannschaft vorgestellt wird, den man dann Online bereitstellen kann. Und wenn dann die entsprechenden Mannschaften im Ticker stehen, verlinkt man darunter kurz diesen Artikel. 

Guckt mal, 90min.de kriegt das doch auch hin... Vielleicht sollte ich auch Kicker.de einfach mal absetzen und auf ordentliche Seiten gehen...