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Dienstag, 21. Juli 2026

WM Wrap Up: Dass Rudi Völler seinen Job behält

 Der DFB so: Nach diesem Desaster müssen wir gründlich aufräumen. Also behalten wir Rudi Völler... weil das am meisten Sinn ergibt.

Fangen wir mal ganz vorne an: Rudi Völler war sowieso kein Revoluzzer... oder wenigstens ein Reformator. Das ist ein Blitzableiter. Er "gilt als emotionales und verbindendes Element im deutschen Fußball". Das ist eine wunderbar treffende KI Antwort. Die liegt doch nicht immer falsch. Aber wie soll dieser 66 Jahre alter Mann jetzt die nötige Innovation einbringen?

Vor allem ist er ja technisch gesehen Jürgen Klopps Vorgesetzter, musste aber auf dessen Segen warten, um den Job zu behalten. Aber warum sollte Klopp auch nicht mit Völler zusammenarbeiten, der sichert ihm ja eine Wohlfühloase. Der bietet dir vor dem Turnier eine Vertragsverlängerung an. Und dann muss er hinterher deine Entlassung verantworten.

Also das ist eigentlich das Schlimmste: Völler muss sich als leitender Angestellter für die Art und Weise, wie Julian Nagelsmann entlassen wurde, rechtfertigen. Und die können sich das schönreden, wie sie wollen: Wenn man dem Mann und seinem Team 6,8 Millionen Euro bezahlen muss, damit er geht, dann ist er nicht zurückgetreten... sondern dann wurde er entlassen.

Ganz praktisches Beispiel: Die Niederlande sind wenige Stunden nach der deutschen Mannschaft ausgeschieden. Aber Ronald Koeman übernahm wesentlich schneller als Nagelsmann die notwendige Verantwortung. Und weil er wirklich und von sich aus zurückgetreten ist, bekommt er nach niederländischem Recht keine Abfindung. 
Wenn Nagelsmann am Ende wirklich eingesehen hätte, dass er dieses Turnier verkackt hat, wäre er wirklich zurückgetreten. Und dann hätte er auf eine Abfindung verzichtet. Der DFB hat aber noch nicht mal die Eier, das auch offen so zu benennen. Aber gut, wer 2026 Eier zeigt, muss damit rechnen, dass Merz die leckt... da würde ich das auch lassen.

Für diese 6,8 Millionen Euro, die jetzt dem DFB an allen Ecken und enden fehlen, muss Völler sich jetzt eigentlich rechtfertigen. Das wird am Ende Geld sein, welches vor allem dem Breitensport fehlen wird. Da hätte er dann wenigstens dem DFB die 3 Millionen, die ihm bis 2028 überwiesen werden, erlassen können.

Hier muss man auch nochmal festhalten, dass Nagelsmann genug Geld verdient haben sollte, dass er es sich leisten könnte, auf eine Abfindung zu verzichten. Und er wird ja auch zeitnah wieder einen interessanten Job für sich und seine Assistenten finden, bevor einer von denen in ernsthafte Schwierigkeiten gerät. Das Geld wird der DFB aber irgendwo streichen müssen, wo eben keine Millionen in der Hinterhand rumliegen. Also dass Nagelsmann auf dieses Geld besteht, ist richtig eklig.

Für mich ist es sowieso fragwürdig, dass man als Trainer der Nationalmannschaft unbedingt vor dem Turnier seinen Vertrag verlängern muss. Bei Vereinsmannschaften sehe ich es ja ein, dass es schwierig ist, seine Autorität zu erhalten, wenn man nur noch wenige Monate unter Vertrag steht. Das schaffen vielleicht Carlo Ancelotti und Pep GuardiolaJupp Heynckes hat es offensichtlich auch geschafft. Aber das ist schon verdammt viel verlangt. Als Vereinsprofi kannst du aber, wenn du erfolgreich gegen den Trainer gespielt hast, im nächsten Jahr wieder angreifen. Du hast oftmals nach der Entlassung des ungeliebten Trainers doch noch genügend Zeit, zumindest das Minimalziel zu sichern. Und wenn du zu erfolgreich, also Wolfsburg-esque, gegen den Trainer gespielt hast, kannst einfach den Verein wechseln.

Als Nationalspieler hast du im Normalfall 3 Chancen darauf, eine Weltmeisterschaft zu spielen. Wenn es für dich überdurchschnittlich gut läuft. Dazu kommen dann noch 3 Europameisterschaften. Aber mehr als 6 Turniere absolvieren nur die Ausnahmespieler... Dafür muss man 12-15 Jahre auf höchstem Niveau agieren, ohne dass ein jüngerer Spieler auftaucht, der das einfach besser kann. Oder man ist Lukas Podolski und wurde einfach im richtigen Moment geboren. 
Dass man als Nationalspieler ein Turnier wegwirft, nur weil der Vertrag des Trainers nach dem Turnier ausläuft, halte ich für extrem unwahrscheinlich. Ich meine, was hätte denn passieren sollen? Dass Deniz Undav in Interviews gegen die ihm zugedachte Rolle rebelliert? Oder das Leon Goretzka schlechte Stimmung verbreitet, weil er die ihm versprochene Rolle doch nicht übernehmen darf? Oh, wartet, das ist alles passiert, obwohl Nagelsmann's Vertrag verlängert wurde.

Nebenbei hat Didier Deschamps nachgewiesen, dass man eine Ansammlung großartiger Individualisten als Lame Duck souverän und diszipliniert ins Halbfinale führen kann. Aber gut, der hatte vorher auch Erfolge mit der Mannschaft vorzuweisen. 

Das ist nebenbei das andere Problem: Nagelsmann hatte jetzt technisch gesehen für 3 Turniere die Verantwortung. 2 davon waren im eigenen Land. Die EM vor 2 Jahren war in Ordnung und man konnte am Ende dem Schiedsrichter die Schuld am Ausscheiden geben. Aber man hatte den späteren Sieger des Turnieres vor echt schwierige Aufgaben gestellt. Das war zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber ein Viertelfinale ist, gemessen an den deutschen Ansprüchen, eben auch nicht überragend. Und das Nations League Final Four war... nun ja... dürftig. Dort verlor man beide Spiele. Das war ganz sachlich gesehen schon der erste deutliche Fingerzeig, dass die Entwicklung eher rückläufig ist. Denn 2024 war man gegen Spanien 90 Minuten lang auf Augenhöhe. Ein Jahr später konnte man gegen Portugal und Frankreich nur jeweils eine Halbzeit mithalten. Am Ende konnte man sich nebenbei bei Marc-André ter Stegen bedanken, dass man nur mit 1:2 gegen Portugal verloren hat.

Und ein weiteres Jahr später hatte man auf ein Mal Probleme mit Paraguay mitzuhalten. Also das ist ein ganz eindeutiger und stetiger Abwärtstrend, den man da in den letzten 2 Jahren erkennen muss. Den hätte man aber auch bei kritischer Betrachtung schon vor 12 Monaten wahrnehmen können.

Warum musste man den Vertrag überhaupt im Januar 2025 verlängern? Also vor dem Belastungstest Nations League... Warum hat man sich nicht wenigstens ein gewisses Sicherheitsnetz eingebaut? In dem man eine vernünftige und nachvollziehbare Abfindung von 13,12 in den Vertrag schreibt, falls man nicht mindestens das Viertelfinale erreicht. Nach den Erfahrungen der letzten Weltmeisterschaften wäre das doch irgendwie angemessen gewesen.

Und ganz ehrlich: Wenn Nagelsmann das nicht angenommen hätte, weil er, der offen vom Titel gesprochen hat, anscheinend doch Angst vor einem frühzeitigen aus hatte... dann hätten wir wenigstens gleich gewusst, dass er nicht der richtige Mann für den Job ist.  

Ernsthaft: Wäre es nicht mal geil, wenn ein Bundestrainer einen Vertrag unterschreibt, in dem er symbolische 1900 Euro Abfindung erhält, wenn er nicht mindestens das Viertelfinale erreicht? Damit würde dann auch ein Jürgen Klopp vorher ganz klar festlegen, was sein Mindestanspruch an ein erfolgreiches Turnier ist. Und wenn man wirklich extrem unglücklich im Achtelfinale ausscheidet, muss der DFB diese Klausel ja nicht ziehen.

Aber wie gesagt: Dass Jürgen Klopp gerne unter einem Rudi Völler arbeiten will, ist vollkommen nachvollziehbar. Das wird definitiv gut für in sein. Aber das bedeutet nicht, dass es auch gut für den DFB wird.
Aber der DFB ist auch der einzige Verband, bei dem eine gründliche interne Aufarbeitung immer wieder damit endet, dass die Verantwortlichen weitermachen dürfen. Das hat ja bei Jogi Löw und Hansi Flick schon super funktioniert, das wird bei Rudi jetzt auch werden...

Donnerstag, 12. Juni 2025

Das "wir" echt nicht verlieren können

 Macht es ja meistens nur noch schöner für mich. Also zumindest die letzten 10 Jahre. Aber trotzdem ist der Umgang mit Marc Cucurella doch einfach nur noch peinlich. Das muss man einfach mal so sagen.

 Dass die deutschen Fans den immer noch auspfeifen und eine Entschuldigung fordern, ist einfach peinlich. Wir tun also so, als wäre das der nächste Ruud Gullit. Oder als hätte der mit einer fiesen Grätsche einen unsrer Spieler ins Krankenhaus getretenToni Schumacher-Style. 

Aber im Wesentlichen soll der sich für eine eventuelle Fehlentscheidung des Schiedsrichters entschuldigen. Und das muss auch nochmal erwähnt werden: Wenn die Fifa ein paar Monate nach der EM bekannt gibt, dass sie für solche Szenen doch Elfmeter geben wollen, liegt das daran, dass die Auslegung der Handspielregel mal wieder geändert worden ist. Das passiert halt immer dann, wenn in einem großen Spiel auffällt, dass die aktuelle Auslegung Scheiße ist. Aber "wir" haben halt alle nur die Schlagzeilen gelesen. Also hier ist die Zusammenfassung während des Turniers. Als ihnen dann aufgefallen ist, dass die Auslegung doch wieder Kacke war, haben sie dann doch zugegeben, dass es für solche Szenen wieder Elfmeter geben sollte.

Und dann beweist Rudi Völler, dass er immer noch einer der größten Vollidioten des Landes ist. Denn wenn er gefragt wird, ob er die Pfiffe nachvollziehen kann, fängt er mit einem "Ich glaube, der hat ein Interview gegeben" an. Und in dem Interview hat er gelacht. Wie dreist. Wahrscheinlich war er einfach nur erleichtert, dass seine Mannschaft dieses schwierige Halbfinale auch etwas glücklich gewonnen hat.

Ein Thomas Müller hätte in der Situation exakt dasselbe Interview gegeben. All die Leute hätten ihn dafür gefeiert. 

Dann kommen haufenweise "Er hätte ja zum Schiedsrichter gehen und es zugeben können" Kommentare. Wenn ein Antonio Rüdiger das in einer ähnlichen Situation gemacht hätte, wäre er von genau denselben Leuten mit rassistischen Kommentaren überhäuft worden. Wie kann man so unpatriotisch sein! Da muss man sich doch einfach wegdrehen... also, nachdem das Handspiel nicht gepfiffen wurde, nicht davor.

Um nochmal eine kleine Medienübung mit Rudi Völler zu machen: Die korrekte Antwort wäre gewesen: Wir sollten aufhören, den Spieler für einen Fehler des Schiedsrichters zu bestrafen. Er kann nichts dafür, dass der Elfmeter nicht gegeben wurde und er hat ja auch nicht aktiv, zum Beispiel mit dem Versuch einer Schwalbe, versucht zu betrügen. Er hat einfach seinen Arm nicht schnell genug weggezogen, das kann passieren. Und er hat sich danach genau so verhalten, wie jeder deutsche Nationalspieler es auch getan hätte. Deswegen muss man ihn auch einfach mal in Ruhe lassen. 

Und hier muss man nochmal festhalten: Rudi ist quasi der höchste Fußballdiplomat in diesem Land. Er hat ja keine wirkliche Funktion, außer lächeln und winken. Und wahrscheinlich im Hintergrund irgendwie die Stimmung heben. Aber es soll eben auch zwischen den Mannschaften kommunizieren. Und das wäre jetzt mit einem Jahr Abstand genau der Moment gewesen. Stattdessen hat er mal wieder bewiesen, dass er nur die Stimme des Volkes ist... und dieses Volk kann halt nicht verlieren...

Auch wenn "wir" mittlerweile selbst dann verlieren, wenn der Gegner "gar keinen Bock" hatte zu gewinnen. Wir könnten uns mittlerweile dran gewöhnt haben.

Donnerstag, 30. November 2023

Rudi Völler hat das dümmste gemacht, was er je gemacht hat.

 Und das soll schon was heißen... denn der ist einer der absoluten Hall of Shamer dieses Blogs. Der wird schon nichts Schlimmes gemacht haben. Also nichts Schlimmeres. 

Also außer den designierten nächsten Arbeitgeber von Thomas "Ich kann im Fernsehen nicht mehr so reden, wie zu Hause" Gottschalk zu besuchen. Im DFB-Outfit. Also theoretisch wichtigster Pressesprecher des Verbandes. Und als Ikone.

Wie schlimm ist die Lage? Nun ja, die TAZ wendet sich gegen Rudi Nationale. Und nicht nur das Feuilleton wendet sich zumindest in kleinen Teilen von ihm ab... selbst die größten Traditionsfans unter den Medienanstalten von 11 Freunde hinterfragt ihn kritisch. Die schwärmen doch sonst eher für derartiger Charaktere.

Rudi Völler ist also beim rechtsextremen Verschwörungssender Nius aufgetreten. Der Medienplattform, die Julian Reichelt eine eigene Sendung gibt. Wir waren den fast los. Bei Nius werden die Folgen des Klimawandels verharmlost und dann gegen die Asylbewerber geherzt.

Das ist perspektivisch gesehen total clever, denn der Klimawandel führt dann ja zu den nächsten Asylbewerbern, weil man in noch mehr Ländern der Erde einfach keine Landwirtschaft mehr betreiben kann. Ein erfolgreiches Aufhalten des Klimawandels könnte denen also die Schlagzeilen in 30 oder 40 Jahren kosten. Das kann ja nicht gewollt sein. Die schaffen sich jetzt schon ihre Existenzberechtigung im Jahr 2055.

Und Rudi setzt sich da hin, um mit Waldemar Hartmann über die gute, alte Zeit zu quatschen. Eine weitere Gestalt, die wir schon fast losgeworden sind. Und er gibt damit all den anderen Verschwörungstheoretikern und Rassisten mehr Legitimität. Denn jeder, der jetzt über Rudi da reinzappt und hinterher beim Reichelt hängen bleibt, wird sich ja denken: Wenn so jemand wie der Rudi da zu Gast ist, müssen die ja seriös sein.

Nur um die widersprüchlichen Interessen deutlich zu machen: Ein Blick auf den Twitter Account von Nius reicht, um zu erkennen, dass die mit der Angst vor der Überfremdung Auflagen generieren. Das sind genau die Organisationen, die diese Stimmung manifestieren. Wenn ich dann nach dem Rudi Interview die tägliche Dosis Rassismus in schnell verdaulichen Häppchen verabreicht wird und dich danach dann auf Bilder der Deutschen U 19 Nationalmannschaft stolpere...  dann müssen die sich die heranwachsenden, Deutschland richtig gut vertretenden Männer mit rassistischen Kommentaren beschäftigen. Weil es halt nicht reicht als in Deutschland geborener für Deutschland richtig gute Leistungen zu bringen, man muss auch noch richtig Deutsch aussehen. Und Rudi, der eigentlich primär dagegen angehen sollte, trägt da indirekt seinen Beitrag mit bei. 

Die Rassisten beweisen nebenbei mal, wie unfassbar dumm die sind. Denn einer der Lieblingskommentar unter den Bildern der Jungen mit Migrationshintergrund ist ja "Das haben wir jetzt von Merkels 'Wir schaffen das!'" Falls ihr jemanden kennt, der mit diesem Scheiß um die Ecke kommt, könnt ihr den wunderbar mit Fakten verwirren. Denn Merkels "Wir schaffen das!" stammt aus dem Jahr 2015. Die aktuelle Generation an U 19 Spielern wurde 2006 geboren. Durch die Bank. Solange also keiner von den durch die humanitäre Krise nach Deutschland gekommenen Menschen zeitnah eine Zeitmaschine erfindet, um dann in der Vergangenheit hier einen Sohn zu zeugen, hatte diese Krise keinerlei Einfluss auf den aktuellen Kader. 

Wenn ihr wirklich jemanden die Schuld für diesen Kader geben wollt, dann müsst ihr schon bei Jean Löring anfangen. Jean Who? Nun ja, den mittlerweile verstorbenen Mäzen und Präsidenten von Fortuna Köln. Also der war schon damals Mäzen, als das noch "cool" und "traditionell" war. Und der hat 1992 Charles Akonnor aus Ghana verpflichtet. Akonnor hat dann die nächsten 13 Jahre in Deutschland verbracht und anscheinend kurz vor seinem Wechsel nach Dänemark mit einer deutschen Frau einen deutsch-ghanaischen Sohn gezeugt. Dieser Sohn heißt Charles Herrmann und spielt jetzt für Borussia Dortmund und eben die Deutsche U 19.

Die eine gute Nachricht für alle die Rassisten ist ja, dass, wie hier letztens ausgeführt wurde, vielleicht 2 von den da jetzt auflaufenden Spielern am Ende auch im Herrenbereich den Adler auf der Brust tragen werden... Das ist also alles nur halb so wild...

Und nur um das auch nochmal verdeutlichen: keiner von den durch die Flüchtlingskrise ans Land gespülten Kinder wird für eine Deutsche Jugendnationalmannschaft auflaufen. Jedenfalls nicht so einfach. Denn die bekommen alle nur eine Aufenthaltsgenehmigung und keinen Personalausweis. Um den etwas weiteren Fokus zu nutzen: Nura wurde zum Popstar, aber hat immer noch keinen Deutschen Pass. Immerhin hat sie mittlerweile eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung und muss sich nicht mehr regelmäßig beim Amt melden, nachdem sie Millionärin geworden ist. Also zumindest gehe ich davon aus, dass bei SXTN eine Million für sie rumgekommen sein sollte.

Natürlich wird es für talentierte Fußballer einfacher werden, einen deutschen Pass zu bekommen. Schließlich hat das selbst bei Paolo Rink damals geklappt. Aber der sah halt auch zu Deutsch aus, um ein Brasilianer zu sein... und hat zumindest im Nationalmannschaftstrikot auch richtig deutsch gespielt. Aber es ist eben kein Selbstläufer, dass diese Kinder dann irgendwann für Deutschland spielen dürfen.

Nebenbei, und auch das muss nochmal festgehalten werden, hat ein in Essen geborener Leroy Sané wesentlich mehr Probleme als ein in Gliwice geborener Lukas Podolski oder ein in Opole geborener Miroslav Klose

Aber dass die deutsche Nationalmannschaft mittlerweile einen derart diversen Hintergrund hat, hat nichts mit Merkels Flüchtlingspolitik zu tun, sondern ist das ganz logische und ganz normale Ergebnis von der Globalisierung und der allgemeinen Ausbeutung, von der wir im Großen und Ganzen doch sehr profitiert haben.
Wenn man sich bewusst wird, dass mit Souleymane Sané und Charles Akonnor bereits 2 ehemalige Bundesligaspieler deutsche Nationalspieler gezeugt haben, dürfte das Bosman-Urteil einen größeren Einfluss auf die Nationalmannschaft haben, als das "Wir schaffen das". Also zumindest für die nächsten 15 Jahre.

Aber schlagen wir den Bogen zurück zu Rudi Völler: Worauf man jetzt ja vergeblich wartet, ist eine Reaktion vom DFB. Es gibt keine Einordnung und keine Kritik an diesem Auftritt. Die hoffen einfach nur, dass das unbemerkt vorbeizieht. Das ist ja genau die Reaktion, die man von starken Führungspersönlichkeiten sehen will. Aber die werden den Zusammenhang zwischen "Wir legitimieren mit unserer Präsenz rassistische Plattformen" und "Unsere Nationalspieler werden rassistisch beleidigt" nicht erkennen. Da war also auch nicht mehr zu erwarten.

Montag, 11. September 2023

Es ist tatsächlich passiert

 Das unvorstellbare: Ein Deutscher Nationaltrainer wird entlassen. Er tritt nicht zurück, denn Hansi Flick fand ja bis zum Ende, dass "wir das gut machen" und er der richtige ist. Das sahen aber am Ende nur noch die Deutschen so, die sich über ein Vorrundenaus gefreut hätten. Also da war ich echt mal seiner Meinung.

Also um mal den eigentlichen Skandal an dieser Personalie zu verdeutlichen: Flick hatte nicht mal den Anstand, zurückzutreten. Trotz eines verkackten Turniers und einer historischen Pleitenserie. Obwohl die Leistungskurve unfassbarer weise weiter nach unten zeigt und jede Niederlage noch peinlicher wird, als das Spiel davor, stellt der sich vor die Mikros und behauptet, dass er einen guten Job macht. Wenn der Mann einen Funken von Selbstreflexion gehabt hätte, wäre er im Juni mit einem "Tut mir leid, ich schaff's nicht" zurückgetreten. Stattdessen wartet er, bis er rausgeworfen wird. Was erstmal wie ein kleines Detail wirkt, das bedeutet aber auch, dass der DFB ihm jetzt eine Abfindung bezahlen muss... oder ihm weiterhin das Gehalt überweist, bis jemand anderes ihn verpflichtet. Natürlich könnte der DFB hier einige Sicherheitsmechaniken eingebaut haben... aber wir reden hier von einer deutschen Organisation, die alle 15 Jahre mal einen neuen Vertrag mit einem neuen Trainer aushandelt. Ich bezweifele, dass die sich auf eine mögliche Entlassung vorbereitet haben. Das sind halt Millionen von Euros, die man auch in die Breitenförderung stecken könnte...

Aber ja, mit 280 Tagen Verzögerung hat man beim DFB endlich eine richtige und konsequente Entscheidung getroffen. Besser spät, als nie.  Aber es ist einfach unfassbar, was Flick so alles "überlebt" hat, ohne dass er von Bord gehen muss.

Und im Gegensatz zu Jogi Löw hatte er halt als Cheftrainer keine erfolgreiche Vorgeschichte im Verband im Lebenslauf stehen. Also dass man einem Weltmeistertrainer solche Aussetzer vertraut, ist vielleicht nachvollziehbar, schließlich stand man zu häufig gemeinsam in einem Halbfinale...
Aber Flicks einziger Erfolg als Cheftrainer war die von Sekunde zu Sekunde absurder werdende Pandemie Saison. Also der ultimative Dead Coach Bounce der Geschichte. Anscheinend war die Mannschaft so was von froh, dass Niko Kovac sie nicht mehr trainierte, dass jeder noch so inkompetente Trainer die ins Champions League Finale geführt hätte. Das wurde hier nebenbei bereits ausgeführt, bevor Flick Nationaltrainer wurde... PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher. Also es ist echt faszinierend, dass die "Er bekommt die Restverteidigung nicht in den Griff und kassiert zu viele Gegentore" Problem schon in der 2. Bayern-Saison existiert hat.

Das konnte man als DFB natürlich nicht ahnen, deswegen war es an sich richtig, Flick zu holen. Wie ich bereits mehrmals ausgeführt habe, hat der alleine mehr Vereinstitel geholt, als alle anderen Nationaltrainer zusammen. Dass man bedingungslos an dem festhält, ist das eigentliche Problem.

Also um mal das offensichtliche anzusprechen: Der DFB sollte den Inhalt der Amazon Prime Serie schon seit Januar kennen. Bei der eigenen Auswertung sollten doch all die Dinge, die wir jetzt sehen können, zum Vorschein gekommen sein. Und selbst wenn man so blind ist, dass man das alles nicht gesehen hat, dann hat man doch die Vorschau vor 3 Monaten zugesendet bekommen...
Und nach allem, was wir von der Doku wissen, ist Flick bei 2 elementaren Aufgaben komplett gescheitert: Es ist ihm nicht gelungen, die Mannschaft aufs gemeinsame Ziel zu fokussieren und als Führungsperson zu vereinen. Dazu sind seine Motivationsmaßnahmen gescheitert. Das ist halt einfach mal ein elementares Versagen des Trainers.

Des Weiteren hat man als Deutschland ja frische Erfahrungswerte hat, dass das Festhalten am Trainer in dieser Situation die Probleme nicht löst. Denn wie bereits erwähnt hat selbst Jogi Löw es nicht geschafft, den Kurs zu korrigieren. Wenn selbst ein Trainer mit jahrzehntelanger Turniererfahrung, der die Mannschaft bis zum krassen Aussetzer immer ins Halbfinale geführt hat, diesen Tiefschlag nicht verarbeiten kann, wie soll es dann ein Frischling wie Flickhinbekommen?

Dessen gesamte Erfahrung als Cheftrainer sich nebenbei auf 18 Monate beim Rekordmeister runterbrechen lassen... und 5 Jahre in Hoffenheim, bevor die den Profifußball erreichten. Aber hey, er hat den Trainerlehrgang als Jahrgangsbester absolviert. Gemeinsam mit Thomas Doll. Damit reiht er sich am Ende doch nahtlos in die beeindruckende Reihe der in der Realität versagenden Streber wie Karsten Baumann, Michael Frontzeck, Andre Schubert, Robin Dutt, Dirk Schuster, Holger Stanislawski, Frank Kramer, Florian Kohfeldt und Domenico Tedesco ein. Diese Liste von RP ist nicht mehr ganz aktuell, aber es ist trotzdem faszinierend, wie wenige der Jahrgangsbesten hinter wirklich einen festen Platz in der Bundesliga gefunden haben. Vielleicht sollte man mal die Trainerausbildung grundlegend hinterfragen, wenn es dir eher schadet, diesen Kurs mit sehr gut zu absolvieren, muss irgendwas falsch laufen.

Also ja: Es ist nach wie vor nicht nachvollziehbar, warum Flick nicht direkt nach der WM entlassen wurde. Dass er die Testspiele im Sommer auch noch überstanden hat, ist völlig absurd. Dass er die "Keine Experimente mehr" Phase mit Niklas Süle als Linksverteidiger beginnt, obwohl er einen Robin Gosens auf der Bank hat... da hat er wohl doch mitbekommen, dass Gosens jetzt für Union Berlin aufläuft, damit ist der halt keine Option mehr. Und dann überkorrigiert er die Gündoğan Entscheidungen. Also um das an der Stelle mal festzuhalten: Dem Deutsch-Türken endlich die Schlüssel für den Saftladen zu übergeben und das System komplett an ihm auszurichten, war eine überfällige Entscheidung. Das hätte bereits 2021 passieren müssen, als wir aber lieber einen alternden Thomas Müller in die Rolle pressten, die Gündoğan bei Manchester City übernehmen kann. 

Aber Gündoğan ist halt auch eines der entscheidenden Symptome, woran es in dieser Mannschaft krankt: Die fehlende Verpflichtung zur Nationalelf, die sich über die Jahre eingeschlichen hat. Das begann mehr oder weniger mit Toni Kroos, der am Ende nur noch angereist ist, wenn er selber Bock hatte und trotzdem ein Fixpunkt zur WM sein sollte. Und der dann verdammt früh in den Ruhestand gegangen ist. Letzteres ist wenigstens konsequent.
Aber Gündoğan hat halt zuletzt immer wieder entschieden, dass seine "persönlichen Probleme" oder das Ausnüchtern des Katers wichtiger ist, als dieser Mannschaft auf dem Platz zu helfen. Sind ja nur bedeutungslose Testspiele, da kann ich mich ja auch auf die Bank setzen. Ich muss schließlich noch entscheiden, ob ich nächstes Jahr für City oder für Barca spielen will, da kann ich mich nicht von Polen ablenken lassen.
Und DEN machen wir jetzt plötzlich zum Kapitän? Also als Belohnung dafür, dass er die ersten 4 Partien nach der Katastrophe erstmal ausgelassen hat?
Man kann ja Joshua Kimmich viel vorwerfen. Also vor allem, dass er nur seine eigene Version von einem Mittelfeldspieler auf den Platz bringen will und sich de facto weigert, die Rolle des absichernden 6ers zu übernehmen. Aber Kimmich hat sein Gesicht und seinen Arsch in all den Freundschaftsspielen hingehalten. Der war immer bereit für Deutschland aufzulaufen, obwohl auch er ein Wahnsinnspensum wie Gündoğan abspulen musste. Und dann führt Flick das endgültig ad absurdum und demontiert den einzigen Spieler, der immer für ihn da war...
Dabei hätte es doch einen Mittelweg gegeben: Festzulegen, dass Gündoğan auf der 10 übernimmt und wir uns ab sofort um ihn herum einspielen und Kimmich weiterhin die Binde tragen lassen... Nebenbei sollte Empathie Flicks große Stärke sein. Nur so am Rande.

Jetzt kommt aber die letzte Pointe: Man hätte Flick in jedem Moment der letzten 280 Tage entlassen können oder müssen. Man hatte genügend Freiraum und Zeit. Oder man hätte sich wenigstens am Sonntag schnell und konsequent zum notwendigen Schritt durchringen können und morgens um 11 bekannt geben, was wir eh alle geahnt haben. Damit das dann direkt im Doppelpass ausdiskutiert werden kann.
Stattdessen... haut man die Nachricht direkt in die letzten Minuten eines sensationellen WM-Finales im Basketball. Einem Finale, dass Deutschland gerade gewinnt. Weil das irgendwie an die Bild durchgesickert ist. Und die meisten Menschen bekommen ihre Bildung aus der Bild. Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht, aus Angst, Hass, Titten und Trainerentlassungen. Deswegen musste man mit dieser Nachricht in die Crunch Time dieses Finales hineinplatzen. Das ging halt nicht anders. Also Flick vorher zu entlassen, war halt keine Option. 

Das ist natürlich eine kleine Randnotiz. Also für beide, denn das wird im Jahresrückblick das letzte Mal erwähnt werden und danach wird man nur noch über den sensationellen Titel sprechen. Trotzdem beweist es irgendwie, wie weit weg von dieser Welt der DFB agiert. Die gesamte Flick-Personalie im Jahr 2023 zeigt uns nur, wie kaputt dieser Verband ist. Und auch jetzt wird man ja keinen Matthias Sammer holen, weil der erst mal alle entlassen würde...

Mittwoch, 28. Juni 2023

Wie kaputt der DFB eigentlich ist

 Sieht man ja an den Aussagen von Rudi Völler. Und damit auch an der gesamten Personalie "Rudi Völler". Der ist halt so was von eine Fehlbesetzung, wenn man eine Aufbruchsstimmung erzeugen will.

Also einer der sinnvollsten Sätze zur Nationalmannschaft kam ja von Didi Hamann, der gerne einen Carlo Ancelotti oder einen Zinedine Zidane als neuen Nationaltrainer. Auch wenn ich mir Zidane in der Rolle gar nicht vorstellen kann und man, so dumm das klingt, als Nationaltrainer vielleicht die Sprache sprechen sollte, die die alle verstehen... obwohl, das hat Jogi Löw ja auch nicht aufgehalten.

Aber die Logik, dass mal jemand von außen auf den DFB gucken sollte, ist mehr als nachvollziehbar. Das ist halt so was von dringend nötig. Aber die gesamten Strukturen sind halt so kaputt, dass dieser "jemand" nicht unbedingt auf der Trainerbank sitzen sollte.

Man müsste mal dringend auf der Position des Managers jemand externes einstellen, der wirklich kritisch auf all die Grundlagen guckt. Der ganz sachlich fragt, was "wir" früher anders gemacht haben und was "die anderen" jetzt besser machen. Es würde sogar helfen, wenn dieser jemand gar keine Fußballvergangenheit hat, sondern als reiner Logiker, Wissenschaftler oder Wirtschaftler da rangeht. Solange es nicht Friedrich Merz ist, der behaupten wird, dass der grüne Rasen Schuld ist, kann das nicht schaden.

Nebenbei haben selbst die Frauen gerade "nur" 2:1 gegen Vietnam gewonnen. Also ich persönlich hoffe ja darauf, dass sie die Kohlen aus dem Feuer holen und mit der Regenbogenbinde ein erfolgreiches Turnier spielen, damit allen auffällt, dass es gar nicht an der Binde lag... Aber das erste Testspiel reiht sich eher in die Leistungen der A- und U21-Nationalelf ein.

Und man muss auch an der Stelle festhalten, dass auch die Damen ihre absolut überragende Rolle im europäischen Fußball bereits eingebüßt haben. Die anderen Nationen haben da auf- und überholt. Sowohl auf Vereins, als auch auf Verbandsebene. Wenn jemand den Laden richtig aufräumt, könnte er da auch gleich mit kehren.

Und Rudi Völler ist, zur allgemeinen Überraschung von niemanden, nicht diese Person. Also er war am Ende nicht mehr die Person, die Bayer Leverkusen voranbringt, sondern wurde dort hauptsächlich in der Rolle des verwirrten, alten Onkels, der gelegentlich laut flucht, gebraucht. Oh und wo wir schon dabei sind: Der hat als Trainer, Sportdirektor, Teamchef, Geschäftsführer Sport und Klubrepräsentant 0 Titel geholt. Nicht eine einzige Trophäe durfte er sich in den Schrank stellen, seitdem er die Fußballschuhe an den Nagel gehängt hat. Das war vor 27 Jahren...

Und natürlich holt Bayer Leverkusen nicht unbedingt viele Titel. Also nicht im Fußball, bei Olympia sieht das anders aus. Trotzdem hatte man ja immer auch gutes Geld zur Verfügung. Und man wurde ja oft genug Zweiter, um den Titel "Vize-Kusen" zu patentieren. Gerade 2002 war es ja extrem bitter und knapp. Andererseits... war Völler da mit der Nationalmannschaft unterwegs, um auch dort "nur Zweiter" zu werden. 

Aber um das mal eiskalt zu sagen: Vor Völler wurde man 1988 Uefa-Cup Sieger und 1993 den DFB-Pokal. Und dann kam Völler erst als Spieler und dann als Verantwortlicher. Aber obwohl er nur das "Hallenmasters" mit dem Verein gewinnen konnte, galt er irgendwie als Legende, die man ins Management einbinden muss. Nur um dann mit seinem Verein das Scheitern im Titelrennen zu perfektionieren. Und dann ließ er als Nächstes die Konkurrenz an sich vorbeiziehen.

Denn Frankfurt, Wolfsburg, Leipzig, Borussia Dortmund, Schalke und Co. haben ja alle im DFB-Pokal bewiesen, dass man trotz der erdrückenden Dominanz der Bayern in der Liga den einen oder anderen Titel in 25 Jahren holen kann. Und abgesehen von Dortmund waren all diese Vereine in einer schlechteren Position als Bayer Leverkusen, als Rudi Völler ins Management wechselte. Verdammt viele dieser Vereine haben Leverkusen überholt. Und nur so für die Vollständigkeit: der 1. FC Nürnberg hat in den letzten 25 Jahren mehr Titel geholt, als Rudi Völler.

Es gibt also ganz sachlich gesehen keinerlei Hinweise darauf, dass Völler in leitender Position dir irgendwie dabei hilft, irgendwelche Titel zu gewinnen. Er kann nachweislich gut Brasilianer scouten lassen und schafft denen ein Umfeld, in dem sie funktionieren, selbst wenn sie vorher bei Real Madrid gescheitert sind... aber wie hilft einem das bei dem Ziel Europameister zu werden?

Völler hat halt einfach einen legendären Ruf, weil er 1990 Weltmeister wurde. "Beide ham wir unsern Rudi, wir haben ihren nie bespuckt." Das ist aber auch alles. Oh und er hat die erste Ausgabe der Champions League gewonnen, Ehre, wem Ehre gebührt. Aber man muss am Ende auch festhalten, dass "nur 3 Titel" in seiner Vita stehen. Die holt ein İlkay Gündoğan in einer Saison... (Auch wenn es mehr Titel sind, als Harry Kane geholt hat...) Er war sicherlich ein guter Spieler, aber war er wirklich so überragend, dass man den auch mit Mitte 60 noch vergöttern muss? Anscheinend.

Aber da sind wir ja wieder bei dem ewigen Grundproblem: Unser Faszination mit schlechten Trainern. Oder der Frage, ob gute Trainer einfach nicht zur Nationalmannschaft wollen. Wobei man festhalten muss, dass ein Ralf Rangnick, der für die Position des aufräumenden Sportdirektors perfekt gewesen wäre, nach Österreich zu deren Verband gegangen ist. Den hätte man haben können. Garantiert. 

Fun Fact: Die 11 Freunde haben in einem Kommentar geschrieben, dass "ein Bes­serer war zum dama­ligen Zeit­punkt auch nicht auf dem Markt" gewesen sein soll... während Thomas Tuchel arbeitslos war. Ich wiederhole mich da gerne: Dass der DFB es anscheinend nicht mal versucht hat, Tuchel von der einzigartigen Chance "seine Nationalmannschaft" bei einem Turnier "im eigenen Land" zu betreuen, beweist nur, wie dumm die Verantwortlichen da sind. Und dass dann ein Fachmagazin den Namen Tuchel komplett ausblendet, wenn es um den Posten des Nationaltrainers geht, und so einen Scheiß schreibt, ist bezeichnend für den Zustand des Fachjournalismus in diesem Land.

Jedenfalls, und auch das ist hier keine Neuigkeit, ist es für den DFB wichtiger Welt- oder Europameister geworden zu sein. Eine erfolgreiche Vergangenheit, egal in welcher Funktion, ist wichtiger, als eine tatsächliche Qualifikation als Trainer oder Manager. Die einzigen Ausnahmen sind Sepp Herberger und Erich Ribbeck. Ribbeck wurde aber sicherheitshalber mit Uli Stielike ein Europameister zur Seite gestellt. Denn ohne diese Turniererfahrung kann man ja kein erfolgreicher Nationaltrainer sein.

Und jetzt fällt es einem halt endgültig auf die Füße, dass man sich einfach weigert, ordentliche und kompetente Menschen einzustellen. Unabhängig von ihrer Verbindung zum Verband. Einfach nur, weil die nachgewiesen gute Arbeit geleistet haben. Und das halt auch auf der Manager-Ebene.

Deswegen wird der Nachfolger von Hansi Flick halt auch Stefan Kuntz werden, auch wenn der in der Türkei gerade böse verkackt. Aber der wurde halt 1996 Europameister... und hat die U21 erfolgreich betreut. Was will man mehr? Denkt an mich, wenn diese Entscheidung nach der EM getroffen wird...

Um nochmal deutlich zu machen, wie verwirrt Rudi Völler mittlerweile ist: Bei seinem Amtsantritt war er noch sehr optimistisch, dass man um den EM Titel mitspielen kann. Nach dem Kolumbien Spiel spricht er der Mannschaft dann die nötige Qualität ab. Jetzt ist "Das Material" doch gut genug, um "im September die Kurve zu kriegen." Was denn nun?

Völler dreht sich da komplett im Kreis... und den einzigen, den er von der Kritik ausnimmt, ist halt der Trainer, obwohl das doch genau die Personalie ist, die er am ehesten unter die Lupe nehmen sollte. Also zumindest, wenn er seinen Job ordentlich macht.

Als Nächstes fällt mir auf, dass die nächsten Testspielgegner Japan und die USA sind. Die USA haben sogar ein Heimspiel. Da frage ich mich doch auch wieder, wer diese Pläne macht. Vielleicht hat man ja irgendwelche Verpflichtungen... aber ist es wirklich notwendig, ein Jahr vor einem Turnier in der Heimat Werbung für den Sport auf einem anderen Kontinent zu machen? Es wird vor allem dann lustig, wenn auch das Team USA hauptsächlich aus Europa-Legionären besteht. Die können dann im selben Flugzeug um die Welt fliegen. Das wird schön. Und nebenbei wird so viel geflogen, dass man nur ein Testspiel absolvieren kann. Hey, immerhin kann man sich damit auch nur ein Mal blamieren, dass wäre doch ein Fortschritt.

Aber ganz ehrlich: Wäre es nicht sinnvoller, vor der EM... radikale Idee... gegen Gegner zu spielen, auf die man auch beim Turnier treffen könnte? Oder die einen ähnlichen Stil und auf einem ähnlichen Niveau spielen, wie die Konkurrenz im Turnier? Also, damit man sich auf genau dieses Turnier vorbereitet.
Und klar, das ist etwas schwieriger, wenn man als einziger keine Qualifikation spielen muss.

Aber gut, wenn man gegen die europäische Konkurrenz keine Chance mehr hat, muss man sich halt das Selbstvertrauen gegen andere Gegner holen... Aber auch diese Ansetzungen sollte man mal kritisch hinterfragen. Aber dafür ist Völler halt definitiv der falsche Mann.

Donnerstag, 22. Juni 2023

Läuft wie ein Länderspiel

 Oder: Anscheinend kann man als Bundestrainer einfach nicht entlassen werden. Und zurücktreten ist für Hansi Flick auch keine Option, obwohl bei seiner "Vorleistung" selbst CSU-Abgeordnete über einen Rücktritt nachdenken würden.

Um das mal ganz deutlich zu sagen: Irgendjemand muss nach diesem Lehrgang entlassen werden. Und wenn es nur irgendeine Dam ist, die man als Bäuerinopferin raushauen kann. Also einfach nur, weil dieser Lehrgang, wie Niclas Füllkrug es deutlich ausgesprochen hat, vollkommen sinnlos war. Eine reine Zeitverschwendung. Alles, was wir jetzt wissen, ist ja, dass es so nicht weitergehen kann.. Und wer das vorher noch nicht wusste, sollte beim DFB keinerlei Entscheidungsgewalt haben.

Wobei man da nochmal festhalten muss: Dass Füllkrug relativ wenig gespielt hat, ist wahrscheinlich die richtigste Entscheidung, denn es geht ja immernoch darum, dass Havertz, Gündogan, Kimmich und Musiala sich endlich einspielen können.

Da war die Aufstellung gegen Kolumbien schonmal grundlegend interessant. Also die Frage, ob Gündogan als Halbstürmer hinter Havertz funktionieren kann, muss dringend mal geklärt werden. Es wäre natürlich hilreich gewesen, wenn er dann auch einen Kimmich hinter sich gehabt hätte.

Man muss ja auch mal festhalten, dass Gündogan bei Man City genau diese Rolle durchaus gespielt hat. Also wenn die Automatismen stimmen, wäre das durchaus eine vorstellbare Aufstellung. Vielleicht mit Musiala rechts neben Gündogan, vielleicht mit Musiala neben Kimmich. Oder man stellt fest, dass man doch einen noch richtigen Stürmer braucht und zieht Havertz zurück neben Gündogan und bringt doch Füllkrug. Aber das hätte man alles genau jetzt ausprobieren müssen. Also 3 Spiele lang und nicht nur 60 Minuten.

Stattdessen hat Hansi Flick dem Präsidenten Neubauer versichert, "dass wir im September eine Mannschaft sehen werden, die anders auftritt als zuletzt." Dabei muss man festhalten, dass "anders" nicht dringend "besser" bedeutet. Noch hat man nur gefühlt alle Möglichkeiten, sich in Testspielen zu blamieren, durchgespielt. Da geht bestimmt noch was.

Der Hauptgrund, warum man Flick entlassen sollte, steckt für mich nebenbei in einer beinah nebensächlichen Aussage: "Ich werde kompromisslos meinen Weg gehen." Wenn Flick das, was er gerade anbietet, als kompromisslos bezeichnet, dann ist der Mann einfach zu dumm um diesen Posten zu übernehmen. Denn anscheinend fehlen ihm dann grundlegende Deutschkenntnisse.

Kompromisslos wäre es gewesen, einen Gündogan hin und wieder aufzustellen und nicht 4 Länderspiele am Stück pausieren zu lassen. Also ohne, dass der jemals offiziell verletzt war. An der Stelle muss halt noch ein kleiner Disclaimer rein, weil wir nicht genau wissen, wie die "familiären Probleme" die Gündogan hatte, ausgesehen haben. Aber wenn es was wirklich ernstes gewesen wäre, hätte man das ja durchaus kommunizieren können. Für mich klingt das halt nach "Oh, die Jugendweihe meines 3. Cousins ist so wichtig, dass ich da mal die Beine hochlegen muss."

Und es gibt halt keinerlei Entschuldigungen dafür, dass Gündogan gegen Polen nicht im Einsatz war. Oder dass Kimmich und Gündagon insgesamt 0 Sekunden lang gemeinsam auf dem Platz standen. Das sind alles Kompromisse, die Flick eingegangen ist. Damit ist seine Aussage widerlegt. 

Was die deutsche Nationalmannschaft halt eigentlich bräuchte, ist eine einfache Zusage: Wer zum Turnier will, muss vorher bei allen Testspielen anwesend sein. Selbst wenn du irgendwelche Verletzungen hast, kommst du zum Lehrgang. Und wenn du einsatzfähig bist, dann spielst du. Wenn du darauf keinen Bock hast, dann sage das gleich, dann planen wir mit anderen. Natürlich hätte das dazu geführt, dass Gündogan zurücktritt und Thomas Müller bleibt, aber immerhin wüsste man dann, wer wirklich Bock hat.

Und dieses ewige Rumgeeiere mit den Testspielen in "Die werden so nie wieder gemeinsam auflaufen" Formationen wäre endlich vorbei. Denn der eigentliche Schluss ist doch, dass man sich das nicht mehr leisten kann. Früher ging das, jetzt braucht man die Testspiele, um sich einzuspielen.

Noch viel dringender als Hansi Flick müsste nebenbei Rudi Völler entlassen werden. Denn der beweist gerade, dass er nur einen Gehaltsscheck einsteckt, ohne irgendetwas zu machen oder zu bewirken. Er labert halt am Ende nur Scheiße... was niemanden überraschen sollte. Eigentlich sollte er doch diesen Sauhaufen auf Vordermann bringen. Und vor allem sollte er derjenige sein, der jetzt die konsequente Entscheidung trifft und Flick rauswirft. Stattdessen verteidigt er Flick und schiebt den Spielern die Schuld zu. Also er spricht ihnen die grundlegend notwendige Qualität ab.

Schlüsselzitat: "Hansi Flick ist wirklich die ärmste Sau, weil er diese Spieler zur Verfügung hat." Das ist wahrscheinlich das dümmste, was Rudi je gesagt hat... und der gilt in diesem Blog als Hall of Shamer. Wir müssen nochmal festhalten, dass Rüdiger, Havertz, Gündogan, Goosens und all die Bayern-Stars in den letzten 4 Jahren in einem Finale der Champions League standen. Der Kader ist immernoch verdammt gut besetzt.
Vor allem ist es aber einzig Flicks Schuld, dass Kimmich und Gündogan nie gemeinsam auf dem Platz standen. Und natürlich klinge ich dabei wie eine kaputte Schallplatte, aber das ist halt die entscheidende Personalie im Zentralen Mittelfeld. 

Oder anders ausgedrückt: Er hätte bessere Spieler zur Verfügung gehabt, er hat sich nur geweigert, diese gemeinsam aufzustellen. Damit ist auch Völlers Aussage widerlegt. Damit ist auch der nutzlos und gehört entlassen.

Montag, 16. Januar 2023

Das hätte ich mir nicht besser ausmalen können.

 Ernsthaft. Also nur um das mal festzuhalten: Ich arbeite nicht heimlich in der Task Force des DFBs und habe deren Entscheidungen manipuliert. Die kamen da von ganz alleine drauf.

Das begann ja schon mit dem Fakt, dass Hansi Flick weiterwurschteln darf. Der hat vielleicht doch nur den epischten Dead Coach Bounce aller Zeiten erlebt. Vielleicht hatten die Bayern am Ende wirklich Glück, dass der nicht weitermachen wollte, denn genau genommen waren die 86 Spiele als Bayern-Trainer sein einziger Leistungsnachweis in allererster Reihe. Und klar, theoretisch war das Final Four für die Champions League während der Pandemie die beste Bewerbung für ein Turnier, dass man als Trainer abgeben kann. Trotzdem hat er das bei der WM am Ende verkackt.

Auch wenn man irgendwo festhalten muss, dass die deutsche Nationalmannschaft ausgeschieden ist, obwohl sie in jedem Spiel besser war, als der Gegner. Aber das ist halt auch kein Zufall, wenn man seine Offensive um einen Thomas Müller aufbaut und bedingungslos an dem festhält. Einem Angreifer, der seit über 1.400 Turnierminuten auf einen Treffer wartet. Dann geht die Torausbeute halt runter.

Aber Thomas Müller macht ja auch weiter. Was mich völlig irritiert, denn ich bin plötzlich im Mainstream angekommen. Nicht nur, weil Beyoncé das Album des Jahres gemacht hat, was selbst der Feuilleton so sieht. Auch die der deutsche Pöbel hat mittlerweile, mit 8 Jahren Verspätung erkannt, dass Müller einfach nicht mehr gut genug ist, wenn er das Nationalmannschaftstrikot trägt. Es gibt noch ein paar Vereinzelte, die darauf hinweisen, dass er auf der falschen Position gespielt hat, aber selbst die schweigen dann, wenn man darauf hinweist, dass er auch hinter der Spitze (2021) und als Rechtsaußen (2018) versagt hat. Er hat quasi alle Positionen, auf denen er realistisch eingesetzt werden kann, durchgespielt und war jeweils einfach nicht gut. Er macht aber trotzdem weiter.

Wobei man an der Stelle sagen muss: So wie er das gesagt hat, ist die Kritik des Pöbels völlig übertrieben. Denn wenn man sich seine "Ich will zur Verfügung stehen" und vor allem das "Ich kann damit umgehen, falls ich nicht nominiert werde" gründlich lesen würde, aber das ist ja auch so ein deutsches Problem: Wenn Christian Drosten sagt, dass die Pandemie für ihn beendet ist, jubeln wir auch alle laut, obwohl vorher ein "damit dann" kam. Bei Müller ist das ähnlich. Also er wäre durchaus auch gewillt der Mannschaft in einer auf dem Platz kleineren Rolle zu helfen. Jetzt muss ich darauf hoffen, dass Hansi Flick ihn nicht nur nominiert, sondern auch weiterhin aufstellt. Aber der Mann ist loyal, der wird das schon regeln.

Und dann sickerte noch die größte Sensationsnachricht des neuen Jahres durch: Der Rat der alten, weißen Männer entscheidet sich für einen alten, weißen Mann als Sportdirektor. Wer hätte das gedacht? Rudi Völler soll diesen Posten jetzt übernehmen und mal so richtig aufräumen. RUDI VÖLLER! Es gibt beinah keine bessere Wahl für mich. Also Karl Heinz Rummenigge wäre noch geiler gewesen. Aber sonst?

Völler hat sich ja eigentlich in den verdienten Vorruhestand verabschiedet. Der fiel in den letzten Jahren nur dadurch auf, dass er emotional übertriebenen Blödsinn erzählt hat. Genau das brauchen wir doch! Also wir "Content Creator", die sich kritisch mit den Leuten beim DFB auseinandersetzen. 

Nebenbei, also nur so als lustige Randnotiz, war Völler zuletzt als Lobbyist für die Vereinsmannschaften unterwegs. Also wenn es nach dem gegangen wären, hätten wir vor der WM noch weniger Testspiele mit dem Bundesadler gehabt. Der hat sich halt lauthals beschwert, dass Nationalspieler während der Pandemie um die Welt fliegen. Und jetzt wechselt er seine Sicht auf solche Spiele um 180 Grad, weil es ja elementar wichtig ist, dass die nicht mehr Mannschaft Gelegenheiten bekommt, sich einzuspielen. 

An der Stelle muss ich erwähnen, dass ich prinzipiell kein Problem mit einem alten, weißen Mann per se hätte. Und alle, die sich übertrieben aufregen, dass diese "Gattung" ja so weit zurückgedrängt wird: Die letzte Nachricht des letzten Jahres war "Sensation! Alter, weißer Mann ist gestorben". Denen geht es im Großen und Ganzen noch gut. Mir würden auch alte, weiße Männer einfallen, die dem DFB definitiv helfen könnten. Dummerweise war der DFB so langsam, dass der jetzt in Österreich angestellt ist. Aber klar, ein Ralf Rangnick als Vordenker beim DFB wäre eine richtig progressive Lösung gewesen. Das ist halt auch jemand, der mal neue Ideen entwickelt hat. Rudi Völler gehörte schon zur alten Garde, als er noch jung war. Dessen letzter progressiver Gedanke stammt doch aus dem Jahre... ähm... Error 404, File not found. Also ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass Rudi mal mit einer neuen, frischen Idee um die Ecke kam, wo dann alle gesagt haben: Das müsste man mal ausprobieren!

Der ist halt eine Ikone, die als Ikone das Licht auf sich zieht und dadurch dann für relative Ruhe sorgt und damit den Druck von anderen nimmt. Vielleicht hat er intern bei Bayer anders gewirkt. Aber wenn er dies gemacht hat, so hat er das zumindest in den letzten 5 Jahren sehr gut versteckt.

Das Lustigste an der ganzen Sache ist ja, dass Joshua Kimmich auch erkannt hat, wie beschissen das gerade läuft. Also er hat verstanden, dass die große Revolution ausbleiben wird. Dass die vorhandenen Probleme nicht zeitnah gelöst werden. Dass er die EM 2024 schonmal abschreiben kann, weil Müller halt noch spielen wird. Der will aber unbedingt mindestens einen Titel holen, deswegen geht er halt davon aus, dass er einfach spielen wird, bis er 45 ist. Der Klügere gibt nach... und der Klügere ist definitiv nicht Kimmich. Aber bis er 45 ist, dürfte zumindest Rudi Völler im Ruhestand sein und vielleicht kommt dann der große Aufbruch.

Donnerstag, 2. September 2021

Rudi Völler schaltet in den Karl-Heinz Rummenigge Modus

 War ja immer klar, dass Völler dessen Rolle übernehmen würde, sobald Rummenigge in den Ruhestand wechselt. Er hat das mit haufenweise dämlichen und unreflektierten Aussagen lange genug angekündigt.

Jetzt übernimmt Völler also die "Die Nationalmannschaften müssen für die Vereinsmannschaften zurückstecken" Rolle. Nur die Verbände müssen Rücksicht nehmen, wenn es um die Spieler geht. Bei den Vereinen kann alles so weitergehen, wie bisher.

Völler spricht ja selber an, dass Länderspiele abgesagt worden sind. Unter anderem im März. Aber auch im Frühjahr 2020 wurden derartige Events abgesagt. Also von November 2019 bis September 2020 gab es gar keine Länderspiele. Die längste Pause seit dem Ende des 2. Weltkrieges.

Gleichzeitig wurde aber haufenweise Fußball gespielt. Also auf Vereinsebene. Die Bayern als herausragendste Mannschaft musste auf 2 Heimspiele verzichten. Alles andere wurde für die Fernsehstationen ausgetragen, damit sich das Rad weiterdrehen kann.

Selbst vollkommen sinnlose oder unfaire Veranstaltungen wie die Supercups, die Klub-WM oder die Relegation wurden abgesagt, anstatt da mal zu sagen: Ok, da verzichten wir ein Mal wegen der Pandemie darauf. Das wäre garantiert mit Verlusten verbunden, aber umsetzbar gewesen. Aber es ist immer weiter die Hand aufgehalten worden.

Am Ende sollen wir wahrscheinlich noch begeistert sein, dass die Superleague Idee nicht umgesetzt worden ist. Wie bescheiden und rücksichtsvoll doch die großen Vereine sind.

Natürlich sagen die Verbände und die Fifa jetzt: Wir haben lange genug zurückgesteckt. Wir müssen uns auch an unsere Verträge halten, wie ihr es gemacht habt. Und wir müssen im Jahr 2022 eine Weltmeisterschaft abhalten, für die es eine ordentliche Qualifikation geben muss. Und das ist alles völlig legitim.

Wenn man vorher selber alles durchgedrückt hat, kann man sich darüber nicht mehr aufregen. Das ist einfach mal moralisch verwerflich. Aber so ist der Profifußball halt.

Also ja, es hätte eine gute Lösung gegeben: Die Supercups und die Klub-WM absagen, die Champions League ab dem Viertelfinale im Turniermodus ohne Rückspiel austragen und dadurch dann den Platz für die Qualifikationsspiele der Nationalmannschaften zu schaffen, in dem man den Rahmenterminkalender entspannt. Aber derartige Ideen wurden ja nicht mal gedacht, geschweige denn ausgesprochen. Dass die Vereine zurückstecken, ist halt keine Option. Und nur deswegen gibt es jetzt nur schlechte Lösungen.

Nebenbei gibt es einen anderen Fakt, der immer vollkommen ignoriert wird: Die ganze Situation ist nur wegen der unendlichen Gier so "schlimm", wie sie ist. Denn Länderspiele hat es ja schon immer gegeben. Und mittlerweile dürfte fliegen in der ersten Klasse noch angenehmer sein als in den 80er oder 90er Jahren. Und natürlich könnte man darüber diskutieren, ob man die Qualifikation nicht in 2 Gruppen aufteilen könnte, wie das früher der Fall war. Andererseits haben die Südamerika keine EM-Qualifikation und können deswegen einfach wesentlich früher anfangen sich mit der WM zu beschäftigen. Die verbrauchen ja nicht mehr Termine im Kalender, sie strecken ihr Qualifikation nur auf 3 Jahre...

Aber problematisch ist es nicht, weil mehr Spiele abgehalten werden als 1994. Sondern, weil wir Europäer halt einfach mal mehr Spieler dahin schicken. Weil halt jegliche Ausländerbeschränkung über die Jahre abgeschafft worden ist. 

Im Jahr 1994 hätte eine am Ende nur überdurchschnittliche Bayer Leverkusen 5 Nationalspieler für die A-Mannschaften abgestellt. Ihre 3 Ausländer und Ulf Kirsten. Plus einen weiteren Deutschen. Die restlichen 18 Mann hätten sich in Ruhe auf den nächsten Spieltag vorbereiten können. Mittlerweile schickt man aber halt 10 Spieler. Plus 3 U 21 Nationalspieler... von denen 2 für die Niederlande auflaufen. Weil es mittlerweile normal ist, junge Talente aus den Nachbarligen zu holen. Gibt ja auch keinen Grund, warum nicht, der niederländische U21 Spieler nimmt ja keinen Topstar den Platz weg. 

Aber auch deswegen haben die Nationalmannschaften mittlerweile ein Problem. Weil Bayer Leverkusen alleine 3 Spieler nach Südamerika fliegen lässt. Und es könnten sogar 5 sein, wenn Lucas Alario und Paulinho nicht verletzt gewesen wären. Es dürfen mittlerweile 20 Bundesligaspieler auf andere Kontinente reisen, um ihr Heimatland zu repräsentieren.
Die einzigen Vereine, die nicht betroffen sind, sind die Spielvereinigung Greuther Fürth, Hertha BSC Berlin, Arminia Bielefeld und der SC Freiburg

Und nur um das ein Mal festzustellen: Das soll kein NPDesques "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus aus der Bundesliga!" Post werden. Ich finde es gut, dass die Bundesliga mittlerweile ein wirklich bunter und diverser Haufen geworden ist. Dass die Frage "Wo kommst du her" nicht mehr relevant ist, sondern nur noch die Frage "Bist du gut genug?"... oder erschließt du uns vielleicht ein paar neue Märkte, weil unsere Spiele auch im Ausland gezeigt werden, wenn du bei uns unter Vertrag stehst. Das passiert halt auch. 

Aber dass es mittlerweile nur noch um die Qualitäten geht, die du einbringst, ist ein entscheidender Fortschritt. Und es nimmt auch viel Risiko aus solchen Verpflichtungen. Also gerade Bayer Leverkusen galten ja jahrelang als DIE EXPERTEN, wenn es um Verpflichtungen von Südamerikanern ging. Sie waren die einzige, die es halbwegs konstant schafften, Brasilianer zu integrieren. Womit sie sich auch berechtigterweise brüsten. Demonstrativ sei hier mal Zé Roberto genannt, der bei Real Madrid gescheitert war und in Leverkusen zum Musterprofi reifte.

Wenn man aber unbedingt will, dass die Bundesliga eine bunt durchmischte, international geprägte Liga sein soll, muss man halt auch damit Leben, dass die Abstellungen für die Nationalmannschaften mittlerweile ein größeres Problem sind. Dafür erschließt man ja auch all die schönen Märkte mit diesen Spielern. Und die Qualität der Liga wird auch gesteigert. Man kann aber halt nicht ausschließlich Vorteile erwarten.

Das eigentliche Problem sind doch nicht die Abstellungen, sondern die mangelnde Flexibilität der DFL, obwohl sie ja zumindest halbwegs reagieren und das Freitags-Spiel auf den Sonntag legen. Aber die oben erwähnten Bielefeld und Berliner spielen am Sonntag... Gegen Bochum, deren Silière Ganvoula einerseits bisher 7 Minuten gespielt hat, andererseits "nur" nach Afrika fliegen muss, also keine Jetlag wegen der Zeitverschiebung überstehen muss. Und gegen Borussia Mönchengladbach, die Ramy Bensebaini nach Algerien fliegen lassen müssen. Wieder gilt hier: keine Zeitverschiebung.

Nur um das mal zu verdeutlichen: Bensebaini spielt am 14.9. in Burkina Faso. Ganvoula am selben Tag im Senegal. Beide haben danach 4 Tage Zeit um sich wieder zu akklimatisieren. 

Währenddessen müssen Giovanni Reyna, Charles Aranguiz, Piero Hincapie und Exequiel Palacios um den gesamten Globus fliegen um schon am Samstag zu spielen, obwohl die USA noch am In der Nacht auf Donnerstag ein Pflichtspiel haben. Auch der letzte Spieltag der Südamerikaner findet am Donnerstag statt. Die Amerikaner spielen in Austin, Texas. Google Earth spuckt 14 Stunden Flugzeit aus...

Das ist einfach dämlich. Aber halt von der DFL. Die Kritik von Rudi Völler sollte ausschließlich in deren Richtung gehen. Damit sollte er anfangen und nicht beenden. Mit der glasklaren Forderung: Terminiert den Spieltag nach der Länderspielpause erst, nachdem die Kader für die Nationalmannschaft bekannt gegeben wurden. Natürlich ist das suboptimal für die 2.000 Gästefans aus Dortmund, die 14 Tage vor Spielbeginn noch nicht genau wissen, ob sie die 82 Kilometer vom Signal Iduna Park in die BayArena am Samstag oder am Sonntag zurücklegen müssen.

Oh und Borussia Dortmund muss sich damit arrangieren, dass sie am Sonntag und am Mittwoch spielen müssen. Weil es natürlich keinerlei Spielraum gibt, da der Rahmenterminkalender so verdammt vollgepackt ist. Aber das wird ja besser, wenn die Champions League Reform kommt... Da man an einen Samstag-Dienstag-Modus gewöhnt ist, sollte dies kein Problem sein.

Aber um das mal festzuhalten: Alle Probleme mit den Abstellungen existieren hauptsächlich wegen der nie nachlassenden Gier der Vereinsmannschaften. Man muss entweder damit leben, dass der extrem aufgeblähte Spielplan und die gestiegene Anzahl zu einigen Engpässen im Spielplan führt. Oder man muss als DFL seine Spielpläne flexibler gestalten. Aber "Warnungen an die Verbände" zu senden, ist einfach nur das sinnloseste, was man machen kann. Weshalb Rudi Völler natürlich genau damit beginnt. Auf den Mann ist halt verlass...

Mittwoch, 2. Januar 2019

Das ausgerechnet Rudi Völler meinen Blog liest

Dabei kritisiere ich den doch fast so häufig wie Karlheinz Rummenigge...
Ok, wahrscheinlicher ist, dass die neue Generation bei Bayer um Simon Rolfes und vor allem Fernando Carro. Es ist nebenbei auch minimal faszinierend, dass Bayer immer wieder diese ziemlich unbekannten Typen ohne offensichtliche Bindung zum Fußball findet, die dann im Hinter- oder Vordergrund arbeiten. Also genau genommen angefangen bei Raimund Calmund, von dem man eigentlich nur weiß, dass er vor seiner Zeit bei Bayer mal schlank war... Gefolgt von Namen wie Michael Reschke und Jonas Boldt. Und jetzt ist es halt (falls das der richtige Name ist) Carro. Auch wenn man dessen Namen echt googlen muss.

Aber eigentlich geht es ja um die Entlassung von Heiko Herrlich: Leverkusen hat anscheinend tatsächlich beschlossen, dass man nach der Hinrunde ein Fazit ziehen will und sich dann zum Trainer positioniert. Was... genau genommen nur wenige Stunden dauerte, denn am Morgen nach dem 17. Spieltag wurde er bereits entlassen. Völlig absurd wird es dann, wenn sein Nachfolger bereits am selben Tag vorgestellt wird... Leverkusen hat also definitiv schon vor dem 17. Spieltag sehr konkret mit Herrlichs Nachfolger verhandelt... das ist ja für mich immer der Punkt, an dem man sich von Trainer trennen sollte... Also das ist halt, als würde man bereits mit seiner nächsten Freundin schlafen, aber abends nach Hause kommen und seiner aktuellen Lebensgefährtin vorgaukeln, dass ja alles in Ordnung sei. Nennt mich altmodisch, aber so was gehört sich einfach nicht.

Wenn Leverkusen sich nach dem Hinrundenfinale wirklich zu einer gründlichen (und gemeinsamen) Analyse verabredet hätte, wäre Herrlich erst am 27. oder 28. entlassen worden. So wurde die Entscheidung noch mal kurz diskutiert (wenn überhaupt) und vor allem abgenickt. 
Die Entlassung erinnerte schon sehr stark an den "Black Monday" in der NFL, wo auch spätestens am Tag nach dem letzten Saisonspiel und immer nach "gründlicher Analyse" die Trainer reihenweise entlassen werden. Und Leverkusen hat dieses Konzept halt 1:1 übernommen. Schließlich dürfte Herrlich der erste nicht-Schalke Trainer der Bundesligageschichte sein, der nach 2 Siegen in Folge (und 4 Siegen aus den letzten 5 Pflichtspielen) entlassen worden ist. So was macht sonst nur Clemens Tönnies...

Sachlich gesehen ist diese Entscheidung trotzdem nachvollziehbar. Denn das einzige Talent, welches diese Saison einen wirklichen Schritt nach vorne gemacht hat, ist Kai Havertz... während Leon Baily, Julian Brandt, Jonathan Tah und Tim Jedvaj eher stagnieren. Wenn überhaupt. Dazu kommt Wendell, der sich unter Herrlich eher zurück entwickelt hat... und Benjamin Henrichs, mit dem Herrlich so wenig anfangen konnte, dass er an den AS Monaco verkauft werden musste.
Um das mal zu verdeutlichen: Bayer Leverkusen musste ein Talent, welches bereits für die Deutsche A-Nationalmannschaft gespielt hat, gehen lassen. Und zwar nicht, weil die Großen ein Auge auf ihn geworfen hat, sondern weil der Trainer keine Verwendung für ihn hatte. Das war genau der Moment, in dem einem hätte auffallen können, dass Herrlich zum Problem wird.

Denn Leverkusen existiert als Verein nur (abgesehen davon, dass sie als Traditionsverein die meisten Olympiasieger Deutschlands ausgebildet haben), um Talente aus- oder weiterzubilden... und sie dann bevorzugt an den FC Bayern zu verkaufen. Selbst bei ihren Managern funktioniert das genau so... (Ernsthaft, würde es irgendjemanden überraschen, wenn Boldt in München unterschreiben sollte?) Wenn man jetzt einen Trainer hat, der bei 4 von 5 Talenten an genau dieser Weiterbildung scheitert. Dazu war von Paulinho bisher nichts zu sehen. Und einige dieser Talente gelten als Sichere Anlage. Also Brandt war der einzige Lichtblick bei der WM und damit in der Poleposition für die Özil-Nachfolge als Fixpunkt beim Neuaufbau. Leon Baily sollte spätestens nächsten Sommer für 40+X Millionen nach England verkauft werden. Und spätestens dann sollte Paulinho so weit sein, dass man keinen Nachfolger für teures Geld holen muss. Nichts von dem ist passiert. Da muss man schon gar nicht mehr auf die Tabelle gucken um zu merken, dass das Ergebnis der Analyse nicht gut ausfallen kann.

So sehr man also den Progressiven und vom Tagesereignissen abgekoppelten Ansatz loben muss, der ja bereits bei Roger Schmidt angewendet worden ist, so zeigt er am Ende doch ein strukturelles Problem bei Bayer. Denn effektiv muss die Entscheidung Herrlich im Winter idealer Weise durch Peter Bosz zu ersetzen bereits vor dem 8.12. gefallen sein. Also dem Tag, an dem Bayer seine "Siegesserie" begann. Und wenn man Herrlich nach einem 1:1 beim hoffnungslos überforderten Tabellenletzten entlassen hätte, wäre das auch nachvollziehbar gewesen. Und auch das Rudi Völler Interview vom 20.12. belegt im Nachhinein nur, dass die Entscheidung bereits getroffen worden ist. Völler hatte halt den kurzen Strohhalm gezogen und musste die "Wir wissen es, können aber dazu nichts sagen" Haltung dann nach außen verkaufen. Dafür ist er halt das Gesicht von Bayer 04 Leverkusen. Und es ist eines dieser Interviews, bei denen man nur schlecht aussehen kann.

Aber dass man es sich dieses Jahr leisten kann den Trainerwechsel im Zweifelsfall in Ruhe durchzuführen, wurde hier am Beispiel Domenico Tedesco ausführlich erörtert. Leverkusen hat sich dieselben Fragen gestellt und kam zu dem Schluss, dass man den Trainer wechseln muss. Auf Schalke kam man zu einem anderen Ergebnis beides ist legitim. Dass Herrlich den Krisengipfel der Jungtrainer gewann und trotzdem entlassen wurde, während der Verlierer weiterarbeiten darf, ist nebenbei absurd.

Dennoch ist die Haltung, dass man den neuen Trainer in der Winterpause mit eigener kleiner Vorbereitung starten lässt, durchaus vernünftig. Es ist quasi ein ideales Szenario. Gerade, wenn man einen "Konzepttrainer" wie Peter Bosz verpflichten will. Hier zeigt sich aber ein strukturelles Problem, welches Bayer sich geschaffen hat, das aber von keinem angesprochen wird: Man musste den eigentlich schon entlassenen weiter wurschteln lassen, um Bosz diesen Einstieg zu ermöglichen, denn die Optionen als Interimstrainer hießen... Jupp Heynckes (als würde der nochmal ans Telefon gehen...), Markus von Ahlen und Iraklis Metaxa. Die letzten beiden sagen euch nichts, aber es sind halt die U19 Trainer, die auf Transfermarkt.de angegeben werden. Und einen U23 Trainer... hat man halt nicht, weil man die 2. Mannschaft abgemeldet hat.

Und natürlich sind die 2. Mannschaften immer die Mittelkinder, um die sich keiner kümmern will. Die personifizierte Beschäftigungstherapie für verdiente Vereinsikonen. Aber sie ist halt auch die Schnittstelle zwischen Jugendarbeit und Männerfußball.
Und dass dann der verdiente Ex-Spieler, der bisher die 2. trainiert hat, als Iterimstrainer die Profis Interimsweise übernimmt, war früher genau der Standartweg um Bundesligatrainer zu werden. Und wenn es halt nicht klappte, rückte man ohne größeren Schaden zurück ins 2. Glied. Falls man das nicht sowieso immer so geplant hat, weil man ja nur seinen Ruhestand finanzieren will und eine ruhige Beschäftigung sucht, aber gar nicht ernsthaft die Ambitionen hat ins Profigeschäft zurückzukehren...

Wenn Leverkusen einen grundsoliden, im Verein integrierten und im Herrenfußball erfahrenen Trainer in der Hinterhand gehabt hätten, hätten sie sich das unwürdige Theater ersparen können. Und sie hätten ihre Kronjuwelen nicht mehr unter einen Übungsleiter arbeiten lassen, dem man nicht mehr vertraute. Aber man wollte ja die 600.000 Euro im Jahr sparen.
Natürlich hat man am Ende das Glück gehabt, dass Herrlich noch die 4 Siege aus 5 Spielen holte, anstatt wirklich unter reinzurutschen. Deswegen musste man sich auch nicht mit dem Szenario, dass Bosz als Feuerwehrmann sofort einsteigen muss und seine 2 Auftaktspiele in einer englischen Woche verliert, auseinander setzen. Aber das war halt auch reines Glück, auf das man sich nicht verlassen sollte.

Es ist halt faszinierend, wie eine 2014 getroffene Entscheidung auf ein Mal auf die aktuelle Saison Einfluss nehmen könnte.

Montag, 22. Februar 2016

Worst of des "Es sind nur ein Paar Meter" Spitzenspiels

Doch es ist so weit weg. (Yeah, eine Mono und Nikitaman Referenz... geht gut los).

Aber fangen wir mit dem wichtigsten an: Rudi Völler, Vollidiot der Woche.

Direkt gefolgt von Roger Schmidt.

Ich meine ganz ehrlich... wir reden von (laut der Bild Zusammenfassung, und ja, ich nutze die nicht nur, weil sie Online ohne auf Bild.de zu gehen verfügbar ist, freundliche Grüße an Welt.de, sondern auch, weil die Zahl mir besser passt.) 4,55 Meter. Wir reden von einer Fallhöhe, die Boygroup-Groupies keine Hoffnung machen würde... Holunders hätten 4,55m nie so bewegt... (Yeah Blumentopf Referenz... das wird mein bester Post ever!)
Wenn ein Bänker in 4,55 Meter Höhe aus dem Fenster springen wollen würde, würde niemand "Jump you fuckers" Schilder hochhalten, sondern alle brüllen "Geh weiter hoch!!"

Aber jetzt mal ernsthaft. Wie Bayer Leverkusen sich aufführt, ist einfach lächerlich. Dass Rudi Völlers Interviews wie ein Autounfall sind (man sollte eigentlich nicht anhalten um zu gaffen, macht es aber trotzdem), ist ja mittlerweile bekannt. Aber dass sich beide jetzt wegen so etwas derart echauffieren... wenn die Probleme ganz woanders liegen...

Ich meine, Roger Schmidt fordert "Gerechtigkeit" für seine Mannschaft... also eine Verwarnung für Stefan Kießling wegen seines taktischen Fouls?

Gehen wir mal ins Detail, was da passiert ist. Kießling verliert den Zweikampf gegen Sven Bender. Kießling macht instinktiv das, was man als Profifußballer halt so macht: Er fährt den Körpereinsatz so weit hoch, dass ein Foul gepfiffen werden müsste. Damit der schnelle Gegenangriff unterbrochen wird. Das sind halt die Automatismen im Profigeschäft...

Etwas, das viel zu oft passiert und viel zu selten bestraft wird. Auch wenn Kießlings Einsteigen noch kein klassisches taktisches Foul ist, so ist das doch ein ständig angewandtes Mittel um den Gegenangriff zu unterbrechen. Es ist eine der 2 mir bekannten Sportarten (neben dem Basketball), in dem die Foul spielende Mannschaft von der Regelüberschreitung profitiert.

An der Stelle macht Felix Zwayer seinen eigentlichen Fehler. Er sollte eigentlich erkennen, dass der einzige Spieler, der an den Ball kommen kann, ein Dortmunder ist. Er muss da quasi eigentlich gar nicht pfeifen, sondern kann den Vorteil weiterlaufen lassen.
Was Matthias Ginter dann macht, ist eigentlich Roger Schmidts feuchter Traum. Er schaltet schnell und ermöglicht so den eigentlich unterbundenen Konter. Und an der Stelle wird die Argumentationslinie von Schmidt und Völler halt völlig verlogen. Sie regen sich tierisch über etwas auf, was sie von ihren eigenen Spieler selbstverständlich fordern würden. Und ignorieren dabei völlig das eigentliche Problem ihrer Mannschaft: Dass die (in Person von Stefan Kießling) am Boden liegen bleibt und sich ärgert. DESWEGEN kassiert Leverkusen den Gegentreffer: Die Diskrepanz in der Reaktion auf den Freistoß ist eklatant.

Und Zwayer macht in dem Moment alles richtig. Das Letzte, was du als Schiedsrichter doch willst, ist der Foul spielenden Mannschaft einen Vorteil verschaffen. Für alle Freunde des Fußballs ist es richtig, in dem Moment Kulanz zu zeigen.
Anders ausgedrückt: Wenn Leverkusen in Dortmunds Situation zurück gepfiffen worden wäre, hätte Rudi auch von einer 1000%igen Fehlentscheidung gesprochen...
Vor allem wird Dortmund dafür belohnt, dass sie nicht Jammern, Meckern und Strafen fordern... was auch eine viel zu häufige Reaktion in der Liga ist.

Das der Völler danach noch einen draufsetzt... und Zwayer an den Pranger stellt, weil der mit etwas gedroht hat, was es in der Bundesligageschichte noch nie gab. Man sollte dem Zwayer ein Denkmal bauen. Vor jedem Amateurplatz in Deutschland. Es reicht ja eine 30 cm Statue aus Pappmaschee...

Klar, in der Bundesliga ist so was noch nie passiert... also "so was" heißt natürlich, dass sich ein Trainer erst wie ein aggressives Arschloch und dann wie ein bockiges Kind aufführt... Denn wenn man den Kicker Ausführungen glauben schenkt, stellte sich die Frage, warum Roger Schmidt auf die Tribüne gehört, vorher schon nicht... Es war eher die Frage, warum er noch an der Seitenlinie stand. Und damit hat Schmidt dann auch einfach kein Recht, sich zum Opfer zu machen, dem man eine Erklärung schuldet...

Hier kommt halt das eigentlich traurige: Unsere eigentliche Nationale Fußballikone hat mal wieder nachgewiesen, dass er als Vorbild absolut unbrauchbar ist... Versteckt eure Kinder, Rudi kommt...

Ich meine, habt ihr eigentlich eine Ahnung, wie oft man sich als Breitensport-Schiedsrichter mit Trainern wie Roger Schmidt an diesem Wochenende auseinander setzen muss... Nur mal so als Argument: Als ich noch in Leipzig aktiv gespielt habe, wurden extra die Regeln geändert. Coaching Zonen eingeführt. Und die Leute, die in die Coaching Zone betreten durften, mussten auf den Spielberichtsbogen stehen. Das fand ich im ersten Moment viel zu übertrieben. Bis mir halt bewusst wurde, wie oft es Probleme mit Menschen auf der Trainerbank kam, die hinterher nichts mit den Mannschaften zu tun haben wollten.
Wenn sich jetzt mal wieder ein Kreisklasse Trainer aufführt wie Roger Schmidt... dann kann der Schiedsrichter sagen "Gehen sie jetzt in die Kabine. Oder ich breche das Spiel ab... wie der Zwayer halt." Und wenn er das wirklich durchzieht, hat er in offizielle Bestätigung "von oben", richtig gehandelt zu haben.

Stattdessen regen sich Völler und Schmidt auf, weil sie die ganz normale Kreisklasse Behandlung abbekommen haben... nachdem sie sich wie Kreisklasse Offizielle aufgeführt haben. Selbst Schuld. Ein bisschen Anstand, Würde, Perspektive und Relation... dann hätte man das Problem nicht. Allerdings rede ich gerade von Rudi Völler und Selbstreflektion...

Montag, 3. August 2015

Ist Rudi Völler der Neue Franz Beckenbauer?

Oder bin ich zu empfindlich?

Und ja, jedes Mal, wenn der Völler irgendwas in ein Mikro erbricht, denke ich mir: Zum Glück gibt es davon nur einen... mehrere wären davon echt nicht zu ertragen.

Ich habe immer noch das Gefühl, dass Völler immer noch in den 90ern hängen geblieben ist... Und sage an der Stelle mal: Guckt euch einfach mal die Profis aus den 90ern an. Und vergleicht die mit den Profis von heute. Es gibt gute Gründe, warum es von damals keine oben ohne Fotos gab...

Am interessantesten ist dabei eigentlich Simon Rolfes Eröffnungsstatement im Aktuelle Sportstudio auf die Frage "Was hat am meisten Spaß gemacht?" direkt mit "Nicht laufen" anfängt. Das erste, was Rolfes auffällt, ist, dass er im Urlaub keinen Trainingsplan mehr hat. Zum ersten Mal seit wahrscheinlich 15 Jahren.
Ich bezweifele mal ganz stark, dass Rudi das Konzept Trainingspläne für den Urlaub überhaupt kannte.

Und ja, in diesem Jahrtausend bist du 24/7 Fußballprofi. Und das 365 Tage im Jahr. Du musst selbst im Urlaub darauf achten, dass du nichts verlierst. Und nicht zunimmst. Und wenn du es doch tust... kriegst du ziemlich schnell ein Problem.

Dazu stehst du mittlerweile 24/7 unter Beobachtung. Um ein einfaches Paradebeispiel zu nennen: Die Hamburger kassieren mal wieder eine deftige Klatsche. Bekommen aber, um den Kopf mal frei zu kriegen, 2 Tage Urlaub. 2 ihrer Spieler nutzen dieses "ihr müsst die Köpfe mal frei kriegen" wörtlich und fliegen nach Mallorca. Dort werden sie dann von Fans fotografiert und hinterher aus dem Kader geworfen... Und ja, dass sind die Realitäten, mit denen man sich heutzutage als Fußballprofi jeden Tag beschäftigen muss: Du könntest aus dem Kader fliegen, weil du im falschen Moment deine Schwester besuchst... schließlich hat Sport1 seine eigene "Urlaubsbilder" Rubrik.

Selbst als nicht Weltstar kannst du heute nicht mehr ganz entspannt Urlaub machen. Während es von Rudi keinerlei Urlaubsbilder gibt. Und jetzt stellt euch mal vor, ihr werdet beim Urlaub erwischt, wie ihr euch ordentlich die Kante gebt... Was für ein Shitstorm dann losgetreten wird. "Wie kann der sich wie ein ganz normaler 21 Jähriger verhalten, wenn der doch Profi ist?"

Dass der Druck heutzutage ein ganz anderer ist. Sowohl physisch als auch psychisch. Gerade wenn man mit einem Traditionsverein wie dem Hamburger SV auf Absturzkurs ist. Ignoriert ein Rudi Völler... nun ja völlig...

Erschwerend kommt hinzu: Gerade die Liebe zum Sport und den Vereinen hat doch Marcel Jansen zu dem Schluss kommen lassen, dass er seine Karriere beenden muss. Jansen ist eben nicht der Standart-Söldner, der selbst Rudi am Ende irgendwie war. Jansen hatte in seiner Karriere insgesamt 3 Vereine. 3 deutsche Traditionsvereine. Wenn einer dieser Drei ihm ein Angebot gemacht hätte, hätte er wohl auch weiter gespielt. Bei einem hätte er es garantiert gemacht.

Für Jansen wäre es halt keine Option mit 34 Jahren als Weltmeister zu einem (damals) international völlig irrelevanten Werksklub zu gehen, ohne irgendeine Bindung zu diesem Verein zu haben. Nach dem Motto: Hauptsache die Kohle stimmt. Ein Rudi Völler hat halt genau das gemacht... seine Karriere damit noch mal um 2 Jahre verlängert. Und ja, damals war nicht abzusehen, dass sie den Rudi bis heute nicht los werden würden...

Jansen hat einfach eine andere Entscheidung getroffen. Er wollte in den späten Jahren seiner Karriere nicht zum Sölnder-Normaden werden. Er wollte sein soziales Engagement in der Stadt Hamburg, in der er fest verwurzelt ist, nicht aufgeben, nur um irgendwo bedeutungslosen Fußball zu spielen. Und ja, es würde sich niemand an die späten Jahre von Marcell Jansen in Portugal oder in der Türkei erinnern. Oder bei irgendwelchen Mittelklassse-Premiere League-Vereinen.

Das ist eine Entscheidung, die mich wirklich überrascht hat. Die man aber respektieren und ehren sollte. Und von mangelnder Liebe zu sprechen, ist, wenn man sich so sehr mit einem Verein identifiziert wie Jansen, obwohl man dort eigentlich nur Scheiße erlebt hat, einfach Schwachsinn...

Leider bin ich von Rudi kaum noch was anderes gewöhnt.

Dienstag, 14. Juli 2015

Manche Zusammenhänge sind echt lustig

Aber leider auch viel zu komplex, um sie in Zusammenhang zu bringen.

Rudi Völler ist zum Beispiel so ein Experte. Der gerne behauptet, dass Spieler heute mehr simulieren als früher. Und das früher alles besser war... Das lustigste ist ja die Reaktion: "Bist du früher mal umgefallen"... und "Der Cleber wäre bei dir am Boden gelegen."

Nun ja... gucken wir uns einfach mal die wichtigste Szene in Völlers Karriere an:
Lustig oder?

Yapp, derjenige, der sich heute hinstellt und jammert, dass die Spieler viel zu schnell umfallen, ist da in dem Moment einfach mal zu Boden gegangen und hat dafür einen Elfmeter bekommen. Wenn sie einen Argentinier fragen, wird der ihnen sagen: "Ein richtiger Mann bleibt das stehen."

Und dann das ganze: Früher wurde weniger getäuscht... Italien war in den 90ern als Schwalbenliga verschrien. Wenn ich euch heute erzähle, dass ein Filippo Inzaghi (also der italienische Vorzeigestürmer der 90er Jahre) jedes seiner knapp 200 Tore aus Abseitsverdächtiger Position erzielt hat und all seine Torvorlagen zu unrecht geschundene Elfmeter waren, werdet ihr mir das wahrscheinlich glauben. 

Oh und das Wort des Tages "Jankern" habe ich nicht wegen den aktuellen Stürmern erfunden. Leute, die sich darauf spezialisiert haben, im richtigen Moment dramatisch umzufallen, hat es schon immer gegeben... und wird es auch immer geben. Und solche Leute wurden auch von Trainer Rudi Völler aufgestellt. Er sollte sich also nicht so echauffieren.

Am Lächerlichsten wird es aber, wenn dann die "Journalisten" behaupten, dass bei ihm (also unserem Nationalhelden) natürlich der Verteidiger am Boden liegen würde. Wir müssen mal eines fest halten: Wenn der Rudi aus den 90ern heute noch spielen würde, würde permanent am Boden liegen. Und es würde ihm verdammt viel weh tun. Und er würde verdammt viel heulen. Denn was Fußballprofis in Zweikämpfen an Schlägen einstecken müssen, ist nicht mehr feierlich.

Ich muss mal dem "er trifft ihn doch nur mit der Hand im Gesicht, da muss man doch kein Gelb für geben" Argument der Alten eines entgegenbringen: Die Anzahl der Gesichtsverletzungen nimmt immer weiter zu. 

Das Paradebeispiel ist ja Mitch Langerak gegen Robert Lewandowski. Wenn es zu solchen Szenen kommt, sprechen die Leute gerne und schnell von Körperverletzung. Was absoluter Bullshit ist. Langerak kommt eine halbe Sekunde zu spät. Deswegen kommt er halt nicht an den Ball, sondern trifft Lewandowski. Aber er geht halt mit voller Geschwindigkeit zum Ball. Und volle Geschwindigkeit heißt im Profifussball halt: Der Gegner muss sich sein Gesicht neu richten lassen.

Und wollt ihr mal die andere Seite des "er kommt halt eine halbe Sekunde zu spät" Phänomens sehen... dann googlet mal Petr Cech Schwere Kopfverletzung. Stephen Hunt wollte ihn bestimmt auch nicht weh tun. Aber er bricht ihm halt den Schädel, Und Cech trägt seit dem seinen mittlerweile berühmten Helm. Das sollten alle Profis tun.

Und ja, Kopfverletzungen sind eine richtig gefährliche Sache. Die Langzeitschäden von Gehirnerschütterungen sind immer noch nicht nachhaltig erforscht. Nur so als Beispiel: Die Amerikanische Football Liga NFL hat nach 20 Jahren endlich eingesehen, dass die geistigen Langzeitschäden vieler ehmaligen Football Profis doch mit den permanenten zusammenstößen auf ihrem Arbeitsplatz zusammenhängt.

Das steht uns im Fußball auch noch bevor. Deswegen ist es auch sinnvoll in Kopfballduellen eher schneller als langsamer Gelb zu geben. Wir brauchen da eine Kultur, die ganz klar fest legt: Wenn ich im Luftduell (ob Absicht oder nicht ist dabei egal) meinen Gegner ins Gesicht schlage (und ja, auch die harmloseren Zweikämpfe ohne Ellenbogeneinsatz haben immer noch die Intensität eines Schlages...) kriege ich dafür Gelb. Wenn ich mit der Intensität eines Langerak zuschlage, riskiere ich eine Rote. Das müssen alle Profis wissen. Das muss auch hinterher bei den Analysen genau so gehandhabt werden: Die Hand war im Gesicht, das ist gefährlich für die Gesundheit des Spielers, deswegen gibt es Gelb... und da gibt es auch nichts zu diskutieren. Und wenn das ein Halbes Jahr lang konsequent durchgezogen wird, stellen sich die Profis beim Luftkampf auch drauf ein.

Es geht halt um die langfristige Gesundheit unserer Profis. Es geht darum, dass die nicht später Pflegefälle werden... oder spontan Tod umfallen. Googlet einfach mal Chronic Traumatic Encephalopaty. Und dann rechnet mal nach, wie viele Gehirnerschütterungen ein Lewandowski schon hatte... und rechnet mal hoch, wie viele das bis zum Karriereende noch werden. 

Fußball ist halt mittlerweile auch ein Vollkontaktssport. Und da wird man irgendwann mit solchen Problemen wie Langzeitschäden konfrontiert. Man sollte dies auf keinen Fall mit einem "Die simulieren heute viel zu viel" abwatschen.