Posts mit dem Label Gehirnerschütterungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gehirnerschütterungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 27. September 2021

Worst of des "Na, auch verloren" Wochenendes

 Aber hey, lasst uns mal einfach über Fussball reden...

 

Da gibt es ja auch genug.

Marco Rose, Vollidiot der Woche: Ok, fangen wir mit dem größten Aufreger an: dem Platzverweis für Mo Dahoud. Und dem Fakt, dass eigentlich alle sagen, dass Manuel Gräfe Deniz Aytekin (ich hab es echt nicht mit Namen...) komplett recht hatte. Also selbst Marco Rose bekannte hinterher, dass er es "in der Sache" richtig fand. Es war nur kacke, dass seine Mannschaft erwischt worden ist. Ich meine natürlich, dass so ein Spitzengetrete deswegen ruiniert wurde. Er will schon sehen, dass so ein Scheiß geahndet wird, nur halt beim Gegner oder bei anderen Ansetzungen...

Und halten wir mal fest: Aytekin Verhalten war zu 100 % richtig. Er hat die Dortmunder, wie man hier sehen kann, in Person von Raphael Guerreiro ermahnt und ihnen deutlich gemacht, dass er diesen Scheiß nicht mehr sehen will. Man kann in solchen Fällen aber auch nicht jeden Spieler einzeln ermahnen, sondern muss diese Warnung praktisch ans gesamte Team aussprechen. Sonst verlieren die Mahnungen jegliche Bedeutung und es ändert sich nichts. Dahoud hat diese Warnung nicht verstanden. Das ist dann aber auch nur seine eigene Dummheit.

Man sollte halt mal dringend etablieren, dass derartige Ermahnungen an die gesamte Mannschaft und nicht an den einzelnen Spieler gehen. Und dann eindeutig kommunizieren, dass das nächste derartige Vergehen zu einer Verwarnung eines Spielers führt.
Also hier könnte man mal wieder ganz praktisch bei anderen Sportarten lernen: In der NBA gibt es "Delay of Game" Verwarnungen. Die gehen immer ans gesamte Team. Wenn die Mannschaft dann zu oft ermahnt wird, gibt es einen Freiwurf, also praktisch einen gratis Punkt, weil man seinen besten Freiwerfer schicken darf, für den Gegner. Jeder weiß das. Jeder weiß Bescheid und kann sich darauf einstellen. Das Ergebnis: Mannschaften vermeiden unnötige Spielverzögerungen.
Wenn man "Ich ermahne die Dortmunder jetzt wegen exzessiven und gestenreichen Beschwerden, der nächste, der das macht, kriegt Gelb" Ansagen kommen würde, könnte das jede Mannschaft ein Mal machen... und dann würde dieser Scheiß endlich abgeschafft werden.

Apropos Raphael Guerreiro: Dass der beim entscheidenden Gegentor die Option hatte, den Ball mit rechts klar zu klären oder die linke Hacke zu nehmen um den Ball ins Zentrum zum Gegner zu spielen... ist so bezeichnend für die Dortmunder. Wenn die einfach mal konsequenter verteidigen würden, könnten die echt was reißen. Und ja, das Tor geht auf Guerreiros Kappe, auch wenn Jude Bellingham auch noch eine Chance hat, es zu verhindern. Bellingham war wenigstens bemüht, aber unglücklich. Guerreiro war leichtfertig und elegant. Und ja, von einem Bundesligaprofi kann ich erwarten, dass er den Ball mit rechts wegschlägt. Aber da die Dortmunder mehr damit beschäftigt sind auf den Schiedsrichter zu fluchen, ignorieren sie das eigentliche Problem: Zum Zeitpunkt des Platzverweises lagen sie schon 0:1 zurück, weil sie es einfach nicht schaffen konsequent zu verteidigen.

Timothy Chandler... Und täglich grüßt das CTE: Ich bin mir sicher, dass Oliver Glasner sich nicht bewusst war, wie richtig er mit seinem "wenn es immer solche Spiele gibt, verkürzt das unsere Lebenszeit" lag. Also nicht, weil das Spiel an die Nerven ging, sondern wegen all den Gehirnerschütterungen, die in der Zusammenfassung zu sehen waren. Und am aller krassesten ist es halt bei Chandler, der genäht werden musste und laut eigener Aussage "einen Brummschädel" hatte. Ganz ehrlich: Warum kritisiert niemanden den Arzt, der sagt "Das passt schon, damit kannst du weiter spielen"? Wir diskutieren zum Saisonauftakt immer mal kurz öffentlich darüber, dass wir mit Kopfverletzungen sorgsamer umgehen müssen... aber dann lassen wir solche Heldengeschichten unkritisch und unreflektiert durchgehen.

Aber wahrscheinlich muss ein Fußballer erst nach seiner Karriere durchdrehen, sich und seine Familie erschießen, damit wir dann mal so ein Gehirn angucken und feststellen: Damn, die ganzen Kopfverletzungen haben echt schlimme Folgen.

Hertha BSC Berlin: Ok, die gute Nachricht vorneweg: Das 0:6 war gar nicht das schlimmste, was den Berlinern an diesem Wochenende passiert ist. Als Timo Baumgartl (zugegeben, ein Unioner) bekannt gab, dass er ja "zum Glück schon Briefwahl gemacht" hat, wusste er noch nicht, wie wichtig das war. Denn in Berlin musste man am Ende eine Stunde anstehen, um sein Kreuz zu machen... Da war es teilweise leichter beim Reeperbahn Festival in die Klubs zu kommen und selbst da haben alle gejammert...
Aber zurück zur Hertha: Die stellen jetzt fest: Wenn es nicht gegen Bochum und Fürth geht, sehen die plötzlich wieder richtig Scheiße aus. Wer hätte das gedacht? Den Trainern haben die Spielplanersteller von der DFL echt einen Gefallen getan, dass man nacheinander gegen die beiden schlechtesten Mannschaften spielen darf. Da kann man seine Amtszeit echt extrem verlängern, denn 2 Siege in Folge sorgen halt für viel Sicherheit im Arbeitsmarkt. Aber für die Manager wie Fredi Bobic ist das echt suboptimal. Also der könnte ja erkannt haben, dass schon der Sieg gegen Fürth nicht wirklich souverän war... Und dass man die 6 Punkte nur geholt hat, weil die Gegner noch schwächer waren, als man selbst. Aber nach 2 Siegen den Trainer entlassen, ist halt auch keine Option. Und auch nach 2 Siegen in 3 Spielen sieht es schlecht aus... Also darf Pal Dardai weiterwurschteln, obwohl es gerade nicht danach aussieht, als würde er die Saison als Hertha-Trainer beenden können. Auch, wenn er das angeblich an ihm selbst liegt...

Apropos: VfL Bochum: Es ist nicht wichtig, ob man unentschieden spielt, sondern wie man unentschieden spielt... Also in so einer Saisonanalyse wird ja gerne auf die extremen Ergebnisse geschaut. Also ganz praktisch das 0:7 gegen die Bayern, bei denen man einfach nicht wettbewerbsfähig war. Davon wird es noch die eine oder andere Fortsetzung geben, das ist aber auch nicht wirklich schlimm. Genau genommen wird der VfL aber an diesem Wochenende abgestiegen sein. Also wenn ihnen am Ende ein oder 2 Punkte fehlen. Denn es wird vielleicht 8 Spiele geben, in denen der VfL besser ist, als der Gegner. Diese 8 Spiele muss man dann auch zwingend gewinnen, wenn man die Klasse halten will. Und dann hoffen, dass man in den restlichen Spielen auf glückliche Siege oder hart erkämpfte Unentschieden kommt, damit das dann in der Summe reicht. Jetzt waren sie zumindest 80 Minuten lang die bessere Mannschaft und haben trotzdem nur einen Punkt auf der Habenseite. Wenn man selbst diese Spiele nicht gewinnt, kann man schon mal für die 2. Liga planen...

Sebastian Griesbeck: Die SpVgg Greuther Fürth hat ja noch nicht wirklich viel gerissen. Gerade in Heimspielen sieht es echt finster aus, da die immer noch auf ihren ersten Heimsieg warten. Und ja, ich finde es bedenklich, wie extrem man da das bedeutungslose 1:3 gegen die Bayern feiert...
Aber eine historische Leistung hat Griesbeck ja doch geschafft: Er hat den letzten Uraltrekord von Gerd Müller gerettet: Wenn er nicht mit vollem Einsatz und totaler Hingabe das 0:3 erzielt, trifft Robert Lewandowski im 16. Spiel und Folge. Damit hat wenigstens ein Bayer die richtigen Prioritäten...

Donnerstag, 17. Juni 2021

Ok, das war's dann

 War auch schön, auch wenn unsere Beziehung zuletzt ja schon eher kompliziert. Ich habe dich ja hauptsächlich kritisiert und dich bewusst als ehemaliges Fachmagazin bezeichnet... und habe mich immer wieder gewundert, warum Menschen, die sich offensichtlich nicht wirklich mit Fußball beschäftigen, so häufig im Kicker schreiben dürfen

Aber es gab halt immer die eine Sache, für die es sich doch gelohnt hat. Bevor ich am Montag über die Schiedsrichter-Entscheidungen und das Eingreifen des VARs diskutiert habe, informierte ich mich vorher über die Ansichten des Kickers zu diesem Thema. Und deren Beurteilungen habe ich auch immer vertraut.

Jetzt ist das definitiv auch vorbei. Der Kicker hat heute eindrucksvoll nachgewiesen, dass er auch bei Regelauslegungen einfach nur Scheiße labert.

Also man muss ja nicht zwingend einen Elfmeter gegen sein eigenes Land fordern. Das ist halt immer schwierig. Und ich kann ja auch nachvollziehen, dass das am Ende auch immer Fußballfans sind und es schwieriger ist, die Journalistische Distanz zu wahren. Alles kein Thema.

Aber wenn ein Verteidiger bei einer Grätsche von hinten erst den linken und dann den rechten Fuß berührt, bevor er den Ball spielt... dann muss ich mindestens sagen "Wow, da kann es Elfmeter geben." Selbst durch die Nationenbrille muss man da mindestens eine "klassische 50-50 Szene" sehen.

Unser ehemaliges Fachmagazin dagegen... verschweigt die Szene bei der Analyse des Schiedsrichters komplett. Und in der Einzelkritk von Mats Hummels wird dann ein "Herausragend, wie er das Tempo-Defizit gegen Mbappé mit mutigem Tackling kompensierte." In diesem Moment hat der Kicker einen treuen, aber halt kritischen Leser verloren. 

Wer an der Stelle was anderes schreibt als "Deutschland hatte Glück, dass es da keinen Elfmeter gab", der ist offensichtlich nicht an einer sachlichen Berichtserstattung über das Spiel interessiert. Der soll das dann auch aber so Kennzeichnen und sich als "deutsches Fußball-Propaganda-Blatt" verkaufen. Und wer dafür Geld geben will, der soll dies tun.

Und ja, die Berichtserstattung über Deutschland (oder deutsche Vereinsmannschaften, wenn sie im Europapokal weit kommen) war schon immer kritisch. Aber das ist halt ein völlig neues Niveau. Obwohl, genau genommen ist es gar nicht schlimmer, als damals, als der Kicker damals für seine Manuel-Neuer-Wichsvorlage ausgerechnet das Motiv genommen hat, in dem Neuer den legendären Schlag von Toni Schumacher nachstellte. Das ist halt auch nur so ein "Jetzt reicht es endgültig...", weil es eben kein bedauerlicher Einzelfall ist.

Vor allem, weil ich ja auch die Folgeschäden sehe. Also ich werde mich halt tierisch aufregen, wenn der Kicker dann am Ende das "Aber der VAR hat doch wunderbar funktioniert und in allen kritischen Situationen eingegriffen" bilanziert. Denn machen wir uns nichts vor: Die richtige Anweisung wäre gewesen "Du Schiri, der hat beide Füße touchiert, das solltest du dir nochmal angucken, denn das hast du in Realgeschwindigkeit bestimmt nicht so gesehen." Und wenn der Schiedsrichter dann sagt "Ist mir zu wenig um meine Entscheidung zu revidieren..." Dann ist das eine Entscheidung, die alle Franzosen nicht nachvollziehen können, aber wenigstens hat er es sich nochmal angeguckt...


Das wirklich traurige ist nebenbei: "Der Kicker" ist noch nicht mal der "Vollidiot der Woche". Dieser Titel geht an... Drumroll pls... Das französische Ärzteteam. WHAT THE FLYING FUCK? Wie kann einen Spieler, der 10-15 Sekunden bewusstlos war, einfach weiterspielen lassen? 3 Tage nachdem Christian Eriksen auf dem Platz wiederbelebt werden musste?? DREI TAGE! 

Und als Arzt sollte man die Folgen von Gehirnerschütterungen kennen. Da sollte man wissen, dass ein weiterer leichter Schlag auf dem Kopf (sagen wir mal durch einen Ball, der mehr oder weniger scharf in deine Richtung geschlagen wird) dazu führen kann, dass man dann plötzlich umkippt. Was hatten die französischen Betreuer sich da gedacht? Hey, wir wollen mal allen zeigen, dass wir das genauso gut können, wie der Boesens

Kopfverletzungen sind etwas verdammt gefährliches. Etwas, worüber man im Fußball viel, viel mehr aufklären müsste. Mit einer potenziellen Gehirnerschütterung einfach weiterzuspielen ist echt das Dümmste, was man als Arzt machen lassen kann. Und die Franzosen haben gerade mal wieder eindrucksvoll nachgewiesen, dass man den eigenen Ärzten da nicht trauen kann. Und ja, Benjamin Pavard wird im nächsten Spiel wieder in der Startelf stehen, obwohl man bei einer Gehirnerschütterung erstmal mehrere Tage Ruhe verschrieben werden sollten.

Aber es gibt ja kein "Concussion Protocol" und keine neutralen Ärzte, die sicherstellen, dass auf die Gesundheit und Sicherheit der Spieler geachtet wird. Wir sind hier bei der UEFA, die traumatisierte Spieler selber entscheiden lässt, ob sie weitermachen wollen. Die lassen dann auch Spieler, die unter einer Gehirnerschütterung leiden, selbst entscheiden, ob es weiter gehen kann oder nicht. Oder halt Mannschaftsärzte, die nur an den Erfolg ihrer Nationalmannschaft und nicht an die Gesundheit ihrer Spieler denken. Denn das muss man an der Stelle auch bedenken: Diese Ärzte machen die Spieler nicht "gesund", sie sorgen dafür, dass die Spieler auf dem Platz stehen können... Nur 3 Tage nach dem erschütternden Vorfall von Eriksen heißt es schon wieder: Sei keine Memme, stecke das weg wie ein Mann und spiel weiter. 

Selbst die "Nach Corona wird der Fußball ein anderer werden" Illusion hat länger gehalten als 3 Tage...

Donnerstag, 17. Dezember 2020

Worst of der "manches änder sich nie" englischen Woche

 Fangen wir mal direkt mit den Augsburgern an, die meine Ausführungen vom Dienstag anscheinend unbedingt belegen wollten... und gegen Bielefeld ein ähnlich grausam geführtes Spiel wie am Sonntag halt eiskalt mit 1:0 in der Schlussphase gewannen. Das Spiel war zwar nicht das schlechteste der Woche, aber das lag nur daran, dass Bielefeld sich wenigstens bemüht hat... Die sind halt nur auch zu schlecht. Das ist auch kein Vorwurf, die können ja nichts dafür, dass der Hamburger SV den Aufstieg schon wieder verkackt hat und deswegen dieser eigentliche Zweitligist in der Bundesliga mitwurschteln muss. Aber sie kommen halt doch deutlich an ihre Grenzen. Und Augsburg hat sich offensichtlich endgültig dagegen entschieden selber am Spiel teilzunehmen.

Hätte ich nebenbei gleich auf den Spielplan geguckt, wäre mir dieses Spiel schon vorher als passendes Argument für die Belanglosigkeit der Augsburger UND ihres Gegners genannt. Denn wenn ihr auf einer Blinden Deutschlandkarte beide Orte einzeichnen sollt, seid ihr bestimmt auch überfordert... Also klar, Augsburg liegt irgendwo in Bayern, aber das ist ein verdammt großes Bundesland. Und Bielefeld liegt neben Paderborn, was einem auch nicht weiter hilft. Und das, obwohl beide Städte gerade einen Bundesligisten stellen.

Es stand quasi vorher schon fest, dass das Spiel extrem grausam werden würde, weshalb die Sportschau es mit einem "bleiben sie dran, danach kommt Liverpool - Tottenham" ankündigte. 

Und ja, bei all den Verbesserungen in der Bundesliga bleibt festzuhalten: Es gibt sie noch, diese komplett grausamen Begegnungen. Der eigentliche "Höhepunkt" war Herha BSC Berlin - Mainz 05. Ein Spiel, welches bei kritischer Betrachtung ohne einen Torschuss auskam. Also ja, Barreiro lenkte einen Ball an die Latte, aber dieser "Versuch" ging bei kritischer Betrachtung nicht aufs Tor, sondern ans Gehäuse. 

An der Stelle sei mal wieder die großartige Online Datenbank von Kicker.de "gelobt", bei der man sich natürlich nicht anzeigen lassen kann, wie viele Bälle wirklich aufs Tor kamen... Und weil die alles, was grob Richtung Tor fliegt, als Torschuss zählen, kommen die auf 16... Bestes Fachmagazin der Welt...

Wahrscheinlich haben sie auf Kicker.de sogar den kläglichen Versuch der Bielefelder, der nicht aufs Tor sondern ins Seitenaus ging, als "Torschuss" gewertet...

Man sollte nebenbei erwähnen, dass Hertha a) ein Heimspiel hatte und b) für ihre Offensivspieler Matheus Cunha und Krzysztof Piatek 42 Millionen Euro Ablöse ausgegeben hat und c) gegen einen der offensichtliche Abstiegskandidaten spielte... mit so einem Potenzial so wenig abzuliefern... schaffen sonst nur von Jogi Löw betreute Mannschaften. Beeindruckende Leistung von Bruno Labbadia

An sonsten merkte man Mark Uth noch deutlich die folgen seiner Gehirnerschütterung an. Schließlich hat er sich öffentlich darauf gefreut, dass Schalke Spiel live zu sehen. Das kann man nur, wenn man aus einem 12-monatigen Koma erwacht ist... 

Die beste Nachricht aus Schalker Sicht: Man hat Armine Harit jetzt schon begnadigt und stellt ihn wieder auf. Was auch nur bedeutet, dass man ihn nochmal suspendieren kann, bevor er dann in der Relegation zum Retter wird... Und jetzt gibt es als absolutes Überhighlight der Saison: Schalke - Bielfeld.  

Wo wir schon bei "guten Nachrichten für die Schalker" sind: Die letzte Mannschaft, die mit 4 Punkte aus 12 spielen und ohne Sieg in die Saison gestartet ist, war der HSV in der Saison 2016/17. Das war damals, zu den glorreichen Zeiten, als der HSV noch gerade so die Klasse gehalten hat. Ob man diesem Ideal allerdings wirklich nacheifern muss...

Apropos Gehirnerschütterungen und "manches ändert sich nie": Einerseits gibt es da jetzt Fortschritte, weil bei Kopfverletzungen eine zusätzliche Auswechslung erlaubt sein soll. Ein guter Ansatz. Aber den entscheidenden Punkt verpasst man halt: Neutrale Ärzte stellen, die überprüfen ob ein Spieler eine Gehirnerschütterung hat oder nicht... und ob er überhaupt schon wieder Einsatzfähig ist. Denn Nasssim Boujellab  „ hat bis 7 Uhr morgens nicht schlafen können vor Kopfschmerzen“, spielte gestern aber trotzdem. Das sind jetzt in der Ferndiagnose ebenfalls eindeutige Anzeichen für eine Gehirnerschütterung und dann ist es Wahnsinn 3 Tage danach schon wieder zu spielen. Absoluter Wahnsinn. Aber es wird uns als aufopferungsvolle Heldengeschichte verkauft. Weil wir uns halt mit diesem unangenehmen Thema einfach nicht beschäftigen wollen...

Wenn man wirklich etwas gegen Kopfverletzungen unternehmen und Spieler schützen will, stellt man als DFL zu jedem Spiel einen neutralen Arzt, der feststellt, ob der Spieler wahrscheinlich eine ernste Kopfverletzung hat... und den danach dann auch entsprechend krank schreibt... Wie die NFL das macht. Das ist die einzige Lösung, die wirklich funktioniert. Alles andere ist offensichtlich nicht zielführend.

An sonsten versucht Bayer Leverkusen jetzt öffentlich "Druck" auf die Bayern auszuüben, denn man kommt ja als Tabellenführer... Die Bayern werden sich jetzt bestimmt auch ganz intensiv mit der wichtigsten Frage beschäftigen: Holen wir Bayer jetzt schon ein? Oder warten wir noch, es ist schließlich Bayer, die können wir auch noch am 34. Spieltag von der Spitze stoßen...

Die Bayern werden sich gestern gedacht haben: Wie niedlich, die verschießen all ihr Pulver gegen Köln, anstatt das Spiel humorlos und Kraft sparend zu gewinnen...

Kommen wir zur wichtigsten Frage des Wochenende: Warum wurde bei Oliver Baumann ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, bei Christoph Krämer aber nicht? Die Antwort ist banal, aber schlüssig: Bei Baumann's Vergehen durfte man auf den VAR zurückgreifen, bei Krämers aber nicht... warum?

Nun ja... diese Woche hat mal wieder eindrucksvoll nachgewiesen, warum der VAR nicht funktioniert: Weil die Stellen, an denen er eingreifen darf, vollkommen willkürlich sind. Nehmen wir mal die 2 Beispiele:

1.) Wenn Manuel Gräfe Florian Niederlechner für seinen "Schlag ins Gesicht" direkt Rot gibt, darf er das hinterher nochmal überprüfen und feststellen "Oh, das habe ich ja völlig falsch eingeschätzt..." Da er ihn aber "nur" mit Gelb-Rot vom Platz stellt, hat er diese Möglichkeit einfach nicht... Der Einfluss auf den weiteren Spielverlauf ist aber jeweils derselbe: Augsburg muss zu 10. weiter spielen, was in den meisten Fällen eine entscheidende Schwächung ist. Warum man nicht allgemein sagt "Bei Platzverweisen kann der VAR zur Hilfe genommen werden", ist einfach unverständlich.
Natürlich kommen dann die ganz tollen Experten und heulen "Was, wenn die erste Verwarnung unberechtigt war?" Na dann ist man als Profi immer noch der Dumme, wenn man danach so hinlangt, dass man eine weitere Verwarnung bekommt. Die Gelbe Karte ist ja als Hinweis gedacht, dass man sich ein wenig zurückhalten sollte.

Dasselbe bei Beispiel 2.) Wenn jetzt einem Frankfurter Spieler tief in der eigenen Hälfte der Ball an die Hand gesprungen wäre und daraus dann die Spieleröffnung zum 2:1 entstanden wäre, hätte der VAR das Tor zurück genommen. Wenn es aber nur durch einen nicht regelkonform ausgeführten Freistoß entsteht, kann man da halt nichts machen.

Und natürlich muss sich Gladbach eigentlich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie trotz des falsch ausgeführten Freistoßes noch genügend Raum und Zeit hatten um den Gegentreffer zu verhindern. Aber das wäre bei einem Handspiel tief in der eigenen Hälfte genau dasselbe. Und da hat der VAR teilweise schon eingegriffen.

Die Fifa hat das so fest gelegt, weil sie nicht will, dass wir in endlosen VAR Unterbrechungen ertrinken. Das ist auch vernünftig. Aber könnte man dann nicht einheitliche, konstant anwendbare Regeln finden, die dies verhindern? Einfachstes Beispiel: Der VAR kommt bei Toren nur in der Hälfte der Verteidigenden Mannschaft zum Einsatz. Mit der einfachen Begründung: Wenn der Schiedsrichter eine Kleinigkeit in der anderen Hälfte übersieht, sind die Fehler der verteidigenden Mannschaft immer noch größer und relevanter als der des Schiedsrichters.
Natürlich kommen dann die ganz tollen Experten und heulen "Was, wenn ein Ball in die Tiefe aus des Gegners Hälfte zum Gegentor führt"... da sage ich dann nur: Wenn du gegen schnellere Stürmer taktisches Harakiri begehst, machst du das auf eigene Verantwortung. Es zwingt dich ja niemand dazu eine Abseitsfalle auf Höhe der Mittellinie aufzustellen...

Das wäre auch nicht perfekt, aber jeder Spieler könnte vorher darüber informiert werden und es wäre nachvollziehbar, wann man auf den VAR hoffen darf und wann man sich an die eigene Nase fassen muss.

Nebenbei ist auch Kramers „Dann gab es eine Situation, die in meiner Karriere schon zwei Millionen Mal abgepfiffen wurde" Aussage lustig. Also was Kramer bei seiner Übertreibung verschweigt: Er hat es halt auch schon 3 Millionen Mal versucht... Er erinnert sich aber nur an die Fälle, in denen er zurück gepfiffen wurde, nicht an die, wo er den Angriff eröffnen konnte...

Montag, 14. Dezember 2020

Und jährlich grüßt die Gehirnerschütterung

Und man fragt sich: Ist das jetzt der Zeit für schlechten Humor? Oder doch eher für emotionale "Werde schnell wieder gesund" Tweets?

Dass erste Mal schmunzeln musste ich ja, als Erik Meijer in der Halbzeitanalyse sagte "Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals bewusstlos zu Boden gegangen sein"... das geht es ihm wie Mark Uth, erinnern kann der sich garantiert auch nicht... Dann dachte ich "Jetzt ist der Uth wieder bei Bewusstsein... Dass heißt, er muss das Elend sehen.."

Sind solche Gedanken nur erlaubt, weil Uth doch wieder zu Bewusstsein gekommen ist? Oder sind sie trotzdem unangebracht, weil die Langzeitfolgen und -gefahren unabhängig vom kurzzeitigen Bewusstsein passieren... aber sie werden halt nur kurzzeitig im Bewusstsein bleiben...

Hier ist das faszinierende: Dass sich das damals noch geplante Worst Of um Wirkungstreffer im Kopfbereich drehen würde, stand schon am Sonntag morgen fest. Mit Florian Kohfeldt als "Vollidiot der Woche"... denn der konnte zwar die Regel, die zum Elfmeter gegen ihn führte, anerkennen... aber verstehen wollte er sie nicht uns laberte etwas von "Aus fußballerischer Sicht würde ich ihn nicht geben"... Dabei galt Kohfeldt doch immer als einer der Intelligenten... Da müsste er doch wissen, wie wichtig so ein Gehirn ist... und wie gefährlich Kopfverletzungen sein können... Also zumindest ist es einer der Menschen, denen ich zutrauen würde, dass er sich da mal belesen hat.

Da landen wir wie das hier ein Mal jährlich der Fall ist, bei CTE. Also es ist echt irgendwie zynisch, dass der letzte Passives Abseits Beitrag zum Thema Gehirnerschütterungen um einen Werder Profi ging... also spätestens da hätte sich Kohfeldt als leitender Angestellter mit den Gefahren für Kevin Vogt beschäftigen müssen, interessierte sich aber nur dafür, dass er den Mann möglichst schnell wieder einsetzen kann, weil es ja um den Klassenerhalt geht... und dafür stirbt man doch gerne an potenziellen Langzeitfolgen einer Gehirnerschütterung. Als Leihspieler, der im Sommer dann doch zu seinem angestammten Verein zurück kehrt... lohnt sich das doch richtig.

Um den jährlichen Medizinkurz zu wiederholen: Chronisch-traumatische Enzephalopathie ist der Fachbegriff für Langzeitschäden im Gehirn, welche meistens durch Gehirnerschütterungen ausgelöst werden. Und Sportler gelten als allgemein stark gefährdet, wenn es um "Spontanes, tödliches Zusammenbrechen" als Spätfolge geht.

Nun kennt man das Problem hauptsächlich aus der NFL, weil das halt, im Gegensatz zum Fußball, keine Vollkontakt- sondern ein Kollisionssport ist. Und wenn man sich die Einzelfälle, die an den Spätfolgen leiden, so anguckt, sind das oft richtig hässliche und richtig entsetzliche Dramen.

Aber anscheinend warten wir im Fußball darauf, dass ein ehemaliger Profi richtig durchdreht und seine Frau und Kinder erschießt, bevor wir uns darüber Gedanken machen, ob man da nicht was gegen unternehmen könnte. Einfache Altersdemenz und Alkoholprobleme nach der Karriere wie bei Gerd Müller reicht da nicht aus. Und es wird auch niemand Müllers Gehirn untersuchen, um herauszukriegen, ober es vielleicht schon Ende der 70er CTE Fälle im Fußball gab... Und da sind wir dann auf ein Mal auf einer Linie mit Horst Seehofer: Bevor wir bei Studien unangenehme Erkenntnisse gewinnen können, geben wir diese Studien lieber nicht in Auftrag.

Das eigentlich Schockierende an der Situation am Sonntag war ja: Felix Uduokhai hat nichts falsch gemacht... und trotzdem 2 Gegenspieler am Kopf verletzt... Denn auch Nassim Boujellab hatte seinen Turban dank eines spontanen Rendezvous mit Uduokhai. Und als Sahne auf der Kirsche bekam Florian Niederlechner als Überreaktion von Dr. Manuel Gräfe einen Platzverweis, weil er Salif Sané mit der Hand unglücklich im Gesicht trifft...

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Der ungefährlichste Vorfall war der einzige, der zu einem Freistoß und einer persönlichen Strafe führte... Und die war dann auch noch plötzlich übertrieben.

Was kein Vorwurd an Gräfe sein soll, bei dem Spielverlauf da so zu reagieren ist mehr als nachvollziehbar. Dass man so was dann nicht mit dem VAR überprüfen kann ist albern. Aber so ist der VAR halt. Und das ist ja auch nebensächlich.

Wir stehen zum 2. Mal in diesem Jahr vor der Frage: Wann wollen wir eine seriöse Debatte über Gehirnerschütterungen und Kopfschutz mal in Angriff nehmen? Wollen wir wirklich darauf warten, dass ein Spieler wie Uth nach einem ganz normalen Zweikampf zum Pflegefall wird? Oder bis ein ehemaliger Profi mit Mitte 40 spontan umkippt und dann alle hinter entsetzt feststellen: "Das lag an all den Gehirnerschütterungen, die er sich in den Jahren auf dem Platz eingefangen hat"...

Oder man nutzt diesen Schockmoment um einen Diskussion über Helme loszutreten. Aber dann fällt mir auf, dass wir in einer Welt leben, wo viel zu viele Menschen gegen das Tragen von Stofffetzen im Gesicht sind, auch wenn das offensichtlich sinnvoll wäre.

Und wahrscheinlich ist die Starfriseur-Lobby da auch einfach zu mächtig. Denn die wären natürlich ihr wichtigstes Klientel los, wenn sie nur noch Kurzhaarfrisuren desingen könnten. Und die werden dann auch noch in den entscheidenden Momenten von Helmen verdeckt. Und alles, was etwas aufwendiger wäre, würde ja durch das Tragen des Helmes während des Spiels ruiniert werden. Also doch lieber Hirntote... Da kann man halt nichts machen, da muss man die Prioritäten richtig legen.

Dienstag, 28. Januar 2020

Der Rattenschwanz mit Kevin Vogts Gehirn

Oder: Warum mache ich mir so viele Gedanken über die Gesundheit anderer...

Und natürlich bin ich da auch nicht der einzige. Florian Kohfeldt gab bei der Pressekonferenz vorher bekannt, dass man höchste Vorsicht hat walten lassen hat, weil es halt "etwas ganz anderes ist als bei einer Muskelverletzung."Kevin Vogt hat alle Test erfolgreich absolviert und ist deswegen aufgelaufen.

Auch wenn meine Bildung zu dem Thema natürlich nur aus dem Internet kommt, ist sich das ziemlich einig: 8 bis 10 Tage reichen definitiv nicht aus. Die Rückkehr in den Sport sollte "im Rahmen eines interdisziplinär überwachten Prozesses mit schrittweiser Steigerung der körperlichen und geistigen Belastung" passieren. Denn die das Hirn schützende Flüssigkeit braucht Wochen um sich angemessen zu regenerieren. Empfohlen wird mit Nordic Walking einzusteigen. Ein Fußballspiel auf Bundesliganiveau dürfte das krasse Gegenteil von Nordic Walking sein.

Anders ausgedrückt: Wenn man einen Hirnexperten dazu fragt, ob Vogt nach der Nummer vom letzten Spieltag mit 2 heftigen Schlägen gegen den Kopf, wieder spielen kann, dürfte die Ferndiagnose mit einem "Nein" anfangen.

Aber das ganze ist halt ein Riesenproblem, welches mehr als eine Ebene hat. Denn es ist auf nicht so, dass ich unbedingt auf der Medizinischen Abteilung von Werder Bremen zumhacken will. Die haben ja so schon genug mit ihrem Lazarett zu tun.

Eine durchaus mögliche Variante ist ja auch, dass Kevin Vogt trotz der Warnungen der Ärzte gesagt hat: Ich bin ein richtiger Mann, ich kann spielen. Auch wenn die Ärzte mir davon abraten, die Tests sagen ja, dass es nicht so schlimm ist. Die Mannschaft braucht mich halt. Und wer lässt sich schon wegen einer Gehirnerschütterung wochenlang krank schreiben. Das geht schon.

Dieses "Ertrag es wie ein Mann, auch wenn es unvernünftig ist" prägt halt immer noch unsere Betrachtung von Profisportlern. Das belegt ja auch irgendwie die Berichtserstattung: Zumindest bin ich auf niemanden getroffen, der die Entscheidung zu spielen hinterfragt hat. Und wenn die Ärzte ihn gesund geschrieben haben... die werden schon wissen, was sie tun.

Wirklich? Also wir reden hier schon von Teamärzten. Das ist euch bewusst, oder? Und Profisport ist halt ein Millionengeschäft, da steht man schon gehörig unter Druck. In den meisten Fällen geht es nicht darum Spieler gesund zu pflegen, sondern sie wieder fit zu bekommen.

Nur so als krasses Beispiel: Pep Guardiola hat damals Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt vorgeworfen, dass es (Zitat des Arztes) nicht sein kann, "dass die Verletzungen bei uns sechs Wochen dauerten und in Spanien nur 14 Tage." Also ja, Guardiola ging die Genesung nicht schnell genug. Und es ging nie darum die Spieler wieder gesund werden zu lassen.

Aber das ganze wird ja auch teilweise von den Spielern forciert. Also gerade wäre es den Bayern eigentlich lieber, wenn ein Niklas Süle seinen Kreuzbandriss halbwegs ordentlich auskuriert und erst zur neuen Saison wieder einsteigen würde. Süle hat sich selber aber das ehrgeizige Ziel "Europameisterschaft" gesetzt und arbeitet hart daran, dass er dafür rechtzeitig wieder fit wird. Ob es vernünftiger wäre dem Knie mehr Ruhe zu gönnen, können wir alle nicht abschätzen.

Solche Geschichten sind ja nichts ungewöhnliches. Und wenn man als Fußballprofi in seinem Leben vielleicht 2 Europameisterschaften spielt, ist es auch nachvollziehbar. Dazu kann es einem ja passieren, dass man in der Nationalmannschaft von einem Inkompetenten Trainer betreut wird, was die eh schon raren Chancen so einen Titel zu holen weiter schmälert. Da muss man jede Gelegenheit mitnehmen.
Genau so wie es nachvollziehbar ist, wenn Verein, medizinische Abteilung und Spieler alles versuchen um bei den Saisonhöhepunkten wie einem Champions League Halbfinale auf dem Platz zu stehen. Aber zu glauben, dass da immer die medizinische Vernunft waltet, halte ich für naiv.

Und solange es nur um Knochen und Bänder geht, bekommt man ja auch entsprechendes Schmerzensgeld. Aber überlegt euch einfach mal, wie viele Profis am Ende ihrer Karriere feststellen: Für ein bisschen Golf spielen reicht es noch gerade so, aber richtiges Bewegen ist nicht mehr drin. Und dann muss man sich mit Ende 30 mit künstlichen Hüftgelenken auseinander setzen...
Leistungssport ist halt Raubbau am Körper. Immer gewesen. Dies ist allen bewusst. Auch den Ärzten, die diesen Raubbau medizinisch überwachen.

Und dann landet man noch bei dem ganz hässlichen Thema, über das im Fußball keiner reden will. Zusammengefasst in dem Fakt, dass die Spieler des SC Freiburgs auf der Gästeliste der berühmten Freiburger Universität standen. Also den Ärzten, die unsere Radprofis mehr als gut versorgt haben. Und die für Flächendeckendes Doping stehen.
Nun gilt natürlich die Unschuldsvermutung, die in Kombination mit dem Fakt, dass wir uns einfach nicht für Doping im Fußball interessieren, dazu führt, dass der Fußball sauber ist und ewig sauber bleibt.

Aber wenn man den Fokus mal etwas weiter stellt... und da reicht ja der "Dopingskandal" von Juventus Turin. Man muss ja nicht zwingend zum Staatsdoping der Russen oder damals in der DDR ausholen... Dann fällt einem vor allem eines auf: Die Mannschaftsärzte waren da immer involviert. Sie waren elementar wichtig um die nicht immer zwingend gesunden Hilfsmittel zu verabreichen und deren Einnahme zu kontrollieren. Damit auch ja nur die nicht nachweisbare Dosis genommen wurde. Und beim Doping wurden auch immer wieder Dinge forciert, die ziemlich ungesund waren.

Aber wir reden uns ja fleißig ein, dass unsere Ärzte moralisch integrer wäre als die der Russen oder damals in der Zone. Die sind von einem ideologischen System dazu getrieben worden, bei uns geht es ja nur ums Geld scheffeln... oder so.
Gut, dass es auch genügend Amerikanische Ärzte im Dopingsumpf gibt, könnte dieses Argument widerlegen. Aber wir Deutschen sind ja nicht so. Das sind immer die andern.

Es gibt halt so viele Teamärzte, die für an moralisch fragwürdigen Aktionen im Namen des Erfolges teilgenommen haben, dass mein Vertrauen in die nur bedingt vorhanden ist. Sportler wirklich gesund zu pflegen steht auf deren Prioritätenliste in den wenigsten Fällen ganz oben.

Nur um das nochmal zu verdeutlichen: Es gibt gute Gründe, warum die NFL als erste Sportliga bei Kopfverletzungen auf neutrale Neurologen setzt. Die haben eingesehen, dass das genau die Stelle ist, bei der man die Verantwortung für die Gesundheit der Spieler nicht den Teamärzten überlassen kann.

Der Umgang mit Kevin Vogt bringt mich irgendwie zu der Frage, ob sich die DFL nicht auch den einen oder anderen neutralen Neurologen leisten sollte. Denn Kopfverletzungen im Fußball sind definitiv auf dem Vormarsch. Und es ist allgemein nichts ungewöhnliches, wenn ein Spieler 8 Tage danach wieder Gesund geschrieben wird.

Nur um das mal festzuhalten: Als Mitch Langerak damals Robert Lewandowski "krankenhaus reif geprügelt hat", spielte der Bayern Angreifer ebenfalls 8 Tage später wieder... Weil halt ein Champions League Halbfinale auf dem Spielplan stand. Da steckt alles drin, was man braucht: ein Saisonhöhepunkt jagt den nächsten, Pep Guardiola als chronisch ungeduldiger Trainer, ein ehrgeiziger Angreifer, der immer spielen will und Müller-Wohlfahrt als Stimmer der Vernunft war da gerade seit ein paar Wochen zurückgetreten.
Glaubt da wirklich jemand, dass es medizinisch vernünftig war Lewandowski auflaufen zu lassen? Gemacht wurde es trotzdem...

Montag, 20. Januar 2020

Worst of des "Die wirklich wichtigen Fragen zum Rückrundenauftakt." Wochenendes

Fangen wir direkt mit dem wichtigsten an:
Kann Erling Haaland noch Robert Lewandowski und Timo Werner einholen und Torschützenkönig werden?
Würde dies bedeuten, dass er in seinem ersten Halbjahr direkt 40 Tore erzielt?
Könnten 40 Tore am Ende nicht mal für die Torjägerkanone reichen?
Oder ist es am Ende gar nicht so außergewöhnlich beim Debüt gegen Augsburg direkt 3 Tore zu erzielen? Also das kann ja quasi jeder Dortmunder Angreifer, der halbwegs was taugt. Vielleicht... sollte man die Kirche mal im Dorf lassen.

Aber diese Fragen wurden nur gestellt, weil sie so harmlos sind und jetzt der ernsthafte Teil kommt. Dabei geht es, was natürlich niemanden überraschen wird, um Niklas Moisander, Kevin Vogt und wie immer Florian Kohfeldt. Denn die stellen definitiv die falschen Fragen. Wunderbar auf den Punkt gebracht von Kohfeldt sebst:

"Aber wer hat diese Regel erfunden ohne Spielraum für den Schiedsrichter? Warum machen Leute die Regeln, die überhaupt nicht verstehen, was auf dem Platz passiert? Das ist Irrsinn, einfach Irrsinn."

Nun mag das an den Schmerzmitteln liegen, die Kohfeldt nehmen musste um auf der Bank zu sitzen, aber seine Aussagen sind Bullshit, einfach Bullshit.

Also erstens: Regeln ohne Spielraum sind die einzigen, die wirklich funktionieren. Das sieht man ja am Handspiel: Da wird gefühlt jede Woche drüber diskutiert, weil es keine eindeutige und immer anwendbare Regel gibt, sondern verdammt viel Spielraum.
Und dann ist die Logik, dass Emotionen erlaubt sein müssen und man da ja "Fingerspitzengefühl" zeigen muss, absoluter Wahnsinn. Also auf die Reaktion von Moisander einfach unangemessen.

Der tut jetzt natürlich so, als hätte er seinen am Boden liegenden Kollegen helfen wollen. Was ich als legitim empfinden würde. Also wenn er einen Düsseldorfer bei Seite geschubst hätte um seinen bewusstlosen Kumpel in eine Stabile Seitenlage zu bringen und dafür vom Platz fliegt, wäre ich voll auf seiner Seite. Aber hier ist die Wahrnehmung von Schiedsrichter Felix Brych: "Der Bremer Spieler läuft offensiv auf seine Gegenspieler und mich zu und fordert Sanktionen."

Gerade der letzte Teil ist einfach nur entlarvend: Moisanders Vorstellung davon seinem verletzten Nebenmann zu helfen ist es... einen Platzverweise für seine Gegner zu fordern. In der 95. Minute, also einer Phase, in der er von der Überzahl nicht mal mehr profitieren wird. Was dann ja eindrucksvoll nachgewiesen wurde, denn die doppelte Unterzahl (Moisander flog vom Platz, Vogt verließ den auf einer Trage und Kohfeldt hatte (logischer Weise) schon drei mal gewechselt) schadete den Bremern kurzfristig ja auch nicht.

Wie asozial ist bitte die Logik, seine Mitspieler zu helfen, in dem man als erste Reaktion Strafen für die Anderen sorgt? Und warum wird er dafür nur verteidigt, als hätte er das richtige und vernünftige gemacht? Der (zugegeben dann die Kurve kriegende) Kommentar von Thiemo Müller beginnt mit "Selbstverständlich ist es menschlich nachvollziehbar", kriegt danach aber die Kurve. Also ich sag das mal so: Wenn mein Freund bewusstlos am Boden liegen würde, laufe ich nicht auf die Ordnungshüter und Sanitäter zu und schreie die an. Ich sorge dafür, dass die durchkommen... Oder ich kotze schockiert in die Ecke, weil ich das ganze selber nicht vertrage...

Um einen extremen Vergleich zu bringen: Moisander wäre in diesem Moment der Typ, der bei einem Autobahnunfall einen Uturn hinlegt und dem Krankenwagen in der Rettungsgasse entgegen fährt, nur um diesen dann Lichthupe zu geben und ihn hinterher zu fragen, warum er nicht schneller helfen konnte. Eine sehr menschliche Reaktion...

Aber Profifußballer sind halt dermaßen asozial, dass der "Ich renne zum Schiedsrichter" Reflex echt so sehr im Blut haben, dass sie ihn in jedem noch so unpassenden Moment anwenden. Und ihre Reflektionsgabe gibt es einfach nicht her mal zu erkennen, dass das absolut dämlich ist. Und dass das keiner sehen will.

Hoffentlich ziehen die Schiedsrichter das dieses Mal durch, auch wenn es erst Mal zu mehr Platzverweisen und Sperren führen wird. Die Moisander-Aktion ist halt echt der deutlichste Beweis, dass wir derartige Erziehungsmaßnahmen dringend brauchen.

Vor allem geht bei all dem Bremer Geschrei die eigentlich wichtigste Frage unter. Also für etwas Perspektive: Ich habe die Sportschau Zusammenfassung gesehen und als die explizit zeigten, wie Kevin Vogts Auge nach einem Gesichtstreffer aussah, dachte ich mir: Hier passiert gleich was richtig Dummes. Entweder Vogt schießt benommen ein Eigentor, oder es knallt gleich noch mal ordentlich... und Vogt wird mit ner Trage vom Platz getragen. Ich hatte auf das Eigentor gehofft, weil es ungefährlicher gewesen wäre.

In der nächsten Szene torkelt Vogt dann leicht benommen durch den eigenen Strafraum und wird von Torhüter Jiri Pavlenka abgeräumt. Was dann zu der Eskalation führt, über die jetzt alle reden.

Die eigentliche Frage wird aber gar nicht gestellt: Warum darf ein Spieler, der Anzeichen einer Gehirnerschütterung zeigt, überhaupt auf dem Platz herum irren? Das ist in Zeiten von CTE "Irrsinn."
Wer mit dem Begriff "CTE" noch nichts anfangen kann, weil wir es einfach ignorieren, dass zum Beispiel ein Lewandowski auch schon auf seine 5 Gehirnerschütterungen kommt, sollte sich diesen Artikel durchlesen. Da sieht man das offensichtlich traurigste Ergebnis regelmäßiger Schläge im Kopfbereich.
Selbst die sonst absurd ignorante NFL hat mittlerweile anerkannt, dass Gehirnerschütterungen und deren Spätfolgen ein richtig fieses Problem darstellen. Und das "Härte zeigen, sich kurz schütteln und weiterspielen" keine Option ist. Die haben ein "Concussion Protocol", welches die Spieler schützt. Mit neutralem Arzt, weil man den Vereinsmedizinern nicht trauen kann und die halt 3 Minuten dauern. Dazu kommt ein Rehabilitationsplan für die nächsten Wochen. (Random Thought: Dass neutrale Mediziner und Behandlugsprotokolle die Verletzungssimulation als Zeitspiel abschaffen würde, habe ich schon 2014 erwähnt... Das wird aber auch nie passieren, selbst wenn es die einfachste Lösung wäre das Zeitspiel einzudämmen...)

Aber dem Vogt guckt keiner ins Gesicht und denkt sich: Den müssten wir mal kurz untersuchen, bevor noch schlimmeres passiert. Lasst mal kurz testen, ob dessen Reaktionen noch funktionieren. Aber im Fußball bin ich ja der einzige, der sich über die Folgen von Gehirnerschütterungen Gedanken macht. Immer und immer wieder.
Und um uns im Kreis zu drehen: Wenn dann deswegen schlimmeres passiert, reden wir lieber über die einzig vernünftige Sanktion für die absolut dämlich Reaktion des Mitspielers... wie nennt man so was? Kann der Florian mir da mal helfen? "Irrsinn, einfach Irrsinn."


Puh... wo wir das erledigt haben... noch was lustiges.Florian Grillitsch, Zitat der Woche: "eine Halbzeit reicht in der Bundesliga nicht."
Das ist so ein schöner Mythos, der diese Woche aber auch beeindruckend widerlegt worden ist...denn wenn man ehrlich ist, haben RB Leipzig, Bayern München UND Borussia Dortmund allesamt höchstens eine Halbzeit wirklich seriös und angemessen gespielt. Der Auftritt in der ersten Halbzeit war jeweils mehr als dürftig. Aber es reichte bei allen dennoch für 3 Punkte. Und für die beiden Spitzenmannschaften sogar für souveräne Siege...
Und alle anderen Bundesligisten sind kaum in der Lage mehr als eine gute Halbzeit zu spielen. Die verlieren allesamt irgendwie unterwegs den Faden... wenn man Wolfsburg heißt, passiert das bereits in Minute 3, als Augsburg erst in der 65.. Andere finden den Faden erst in der Pause. Also ja, eine gute Halbzeit muss genau genommen in der Bundesliga reichen, denn mehr haben wenige im Angebot... Beste Liga und so...

Mittwoch, 20. September 2017

Das sinnlose an der Casteels-Gentner Debatte ist ja...

Das so verdammt viele mit einem "Das ist ja ein Torhüter, der muss das dürfen" reagieren...

Also... vergleicht einfach mal die Szene in Stuttgart mit dem Platzverweis für Naiby Keita bei Leipzig - Gladbach. Die Argumentation ist jedes Mal dieselbe: "War keine Absicht, er hat ihn halt nicht gesehen...tut ihm leid..."

Der entscheidende Unterschied ist: bei Feldspielern sehen dann alle Beteiligten (also sogar die Leipziger) ein, dass es dafür Rot gibt. Und 3 Spiele Sperre ohne jegliche Vorstrafe... Das ist für einen Ersttäter verdammt viel...
Für weniger... Bei Torhütern scheint es die Grundlage zu geben "Solange der keinen umbringt..."

Anders ausgedrückt: Stellt euch mal vor, was los gewesen wäre, wenn ein Angreifer so in den gegnerischen Torwart rauscht. Weil er eine scharfe Flanke unbedingt erreichen will. Ihr könnt mal bei Peter Cech nachfragen, wie das ausgehen kann... genau so hässlich.
In England hat da gerade jemand für Rot gesehen... Beim Spiel Liverpool - Manchester City. Auch darüber wollte niemand ernsthaft diskutieren...

Und ja, ich glaube Koen Casteels sofort, dass das keine Absicht war... der ist halt einer dieser Torhüter aus der Bremer Schule, bei denen sieht einfach nichts nach Absicht aus. Aber wenn wir ab sofort die Absicht bei Foulspiel Entscheidungen in den Mittelpunkt stellen... und bei der Verteilung von persönlichen Strafen...

Dann kommt Casteels sofort mit der "Das wird dir in der D-Jugend so bei gebracht, da müssen wir dann das Training umstellen." Worauf ich dann frage: Warum sollte es den Torhütern besser gehen, als dem dreckigen Rest?

Also... nur mal so als Beispiel... der Ellenbogen in Luftzweikämpfen wird mittlerweile konsequent abgepfiffen und mit Gelben Karten bestraft. Das sind auch Bewegungsabläufe, die du früher als Angreifer in der Jugend gelernt hast. Und dann gab es nicht mehr 2 Spieler im Jahr, die mit Gesichtsmaske auflaufen mussten, sondern 2 Spieler pro Monat. Also wurden die Regeln angepasst.

Dabei würde ich nicht mal davon ausgehen, dass die Fußballprofis heute im Luftzweikampf bösartiger zu Werke gehen, als vor 20 Jahren... aber sie gehen halt mit einer viel höheren Intensität in diese Zweikämpfe. Und diese Intensität hält der Schädel irgendwann nicht mehr aus. Also wurden die Regeln angepasst um die Gesundheit der Spieler zu schützen.

Das vergessen ja viele auch gerne. Aber der eigentliche Hauptgrund, warum man Schiedsrichter und Regeln braucht. ist ja die Gesundheit der Spieler.

Anders ausgedrückt: "Als gefährliches Spiel gilt jede Aktion beim Versuch den Ball zu spielen, durch die jemand verletzt werden könnte (einschließlich des Spielers selbst)"... warte was? Wie konnte so jemals ein Bundesligaspiel mit Beteiligung von Mario Gomez stattfinden? Einem Spieler, der sich selbst beim Torschuss verletzt... Ernsthaft, die Formulierung ist ziemlich... dämlich... Also technisch gesehen kann ich meinen Gegenspieler auch verletzten, wenn ich den Ball mit 100 km/h in seine Richtung schieße und ihn zufälliger Weise im Gesicht treffe... Also... ab sofort... Torschüsse abpfeifen?

Aber der grundlegende Geist der Regel ist natürlich trotzdem eine elementare Grundlage des Fußballs. Und dass die Gesichtsverletzungen zunehmen... kann man ignorieren, muss man aber nicht... Ich sage das mal so: Dieselbe Debatte haben wir vor 2 Jahren schon mal geführt. Damals war es Robert Lewandowski, der einen Termin beim Schönheitschirugen brauchte, nur damit er hinterher wieder so hässlich aussieht, wie vorher... Und all so "Dafür muss Mitch Langerak Rot sehen..." Wie kann man da weiter laufen lassen?

Die spannende Frage ist ja: Wie lange muss man bei solche Momenten von "tragisch" reden? Wie oft muss man sich das ansehen, damit man feststellt, dass es eine logische Konsequenz der gesteigerten Geschwindigkeit im Fußball ist? Und dann muss man sich halt auch fragen, wie man diese Konsequenzen wieder unterbindet.

Die einfachste und offensichtlichste Lösung für das Problem sind natürlich... Helme wie beim Rugby. Oder bei Chech.
Es ist schon absurd... Also die Rugby Spieler gelten immer als die härtesten Profis der Welt, weil sie diesen Vollkontakt quasi ohne Schutzkleidung bestreiten... aber einen Helm haben die trotzdem alle auf... Und dabei gibt es dort das Konzept "Kopfball" gar nicht... In 20 Jahren werden diese Helme selbstverständlich getragen werden... also zumindest, wenn wir uns jetzt fragen, was man eigentlich gegen solche Zusammenstöße unternehmen muss.
Um mal eine Prognose zu wagen: Das nächste neu arrangierte Gesicht eines Angreifers durch einen Torhüter wird nicht 2 Jahre lang auf sich warten lassen...

Was man dabei halt auch bedenken muss... diese "Ihr hebt das Linke Knie" Lehre... kommt ja genau genommen aus Zeiten, in denen man als Torwart nicht standardmäßig dieses Gesicht auf Kniehöhe hatte... Weil man als Torwart auch 10 CM weniger hoch kam... Und mit Spielern in einem Bereich kollidiert ist, in dem man auch den Schutz brauchte.

Die andere Option ist halt... sachlich über die Regeln zu reden. Da gehört halt auch dazu, den Mythos "Die Torhüter genießen einen besonderen Schutz" abzuschaffen. Es gibt genau eine einzige Sonderregel für Torhüter: Die dürfen den Ball im Strafraum mit der Hand spielen. Das war's.
Und wenn man die Regeln über Gliedmaßen und Gesichter anwendet... ist das halt ein Elfmeter... Und auf Grund der Intensität auch Rot...

Aber hey, warum von anderen Sportarten lernen, welche langzeitfolgen "Chronic traumatic encephalopathy" haben, wenn man doch auch seine eigenen Idole an so einem Blödsinn sterben lassen kann... Und ja, ich sage jetzt dasselbe wie vor 2 Jahren: Bei der Anzahl von Gehirnerschütterungen, die Robert Lewandowski jetzt schon gesammelt hat, ist er einer der absoluten Spitzenkandidaten auf einen plötzlichen Hirntot mit 40 Jahren... Er wäre da auch nicht der erste... Aber solange es nur unbekannte Amerikaner oder Engländer trifft... who cares...

Das klingt jetzt natürlich total finster und deprimierend. Aber das ist die bittere Konsequenz der "Das gehört dazu, da muss man durch", "von Torhütern wird Präsenz und Dominanz verlangt" Argumentation...

Und ja, Langzeitschäden fürs Gehirn gehört zu den Sachen, die man beim Profisport immer im Hinterkopf haben sollte. Natürlich hoffe ich wirklich darauf, dass Lewandowski und Gentner nicht irgendwann an den Spätfolgen zu Grunde gehen. Aber ich befürchte halt auch, dass wir die eigentlich dringend notwendige Debatte erst führen werden, wenn ein bekannter, für die Bundesliga relevanter Spieler plötzlich umkippt.

Aber von CTE wird man im Kicker trotzdem nichts lesen. Wäre ja noch schöner... wenn das ehemalige Fachmagazin wirklich mal auf relevante Gefahren des Vollkontaktsports (zu dem Fußball halt mittlerweile gehört) hinweisen würde... Das fällt ja mal so gar nicht ihn ihren Aufgabenbereich...

Dienstag, 14. Juli 2015

Manche Zusammenhänge sind echt lustig

Aber leider auch viel zu komplex, um sie in Zusammenhang zu bringen.

Rudi Völler ist zum Beispiel so ein Experte. Der gerne behauptet, dass Spieler heute mehr simulieren als früher. Und das früher alles besser war... Das lustigste ist ja die Reaktion: "Bist du früher mal umgefallen"... und "Der Cleber wäre bei dir am Boden gelegen."

Nun ja... gucken wir uns einfach mal die wichtigste Szene in Völlers Karriere an:
Lustig oder?

Yapp, derjenige, der sich heute hinstellt und jammert, dass die Spieler viel zu schnell umfallen, ist da in dem Moment einfach mal zu Boden gegangen und hat dafür einen Elfmeter bekommen. Wenn sie einen Argentinier fragen, wird der ihnen sagen: "Ein richtiger Mann bleibt das stehen."

Und dann das ganze: Früher wurde weniger getäuscht... Italien war in den 90ern als Schwalbenliga verschrien. Wenn ich euch heute erzähle, dass ein Filippo Inzaghi (also der italienische Vorzeigestürmer der 90er Jahre) jedes seiner knapp 200 Tore aus Abseitsverdächtiger Position erzielt hat und all seine Torvorlagen zu unrecht geschundene Elfmeter waren, werdet ihr mir das wahrscheinlich glauben. 

Oh und das Wort des Tages "Jankern" habe ich nicht wegen den aktuellen Stürmern erfunden. Leute, die sich darauf spezialisiert haben, im richtigen Moment dramatisch umzufallen, hat es schon immer gegeben... und wird es auch immer geben. Und solche Leute wurden auch von Trainer Rudi Völler aufgestellt. Er sollte sich also nicht so echauffieren.

Am Lächerlichsten wird es aber, wenn dann die "Journalisten" behaupten, dass bei ihm (also unserem Nationalhelden) natürlich der Verteidiger am Boden liegen würde. Wir müssen mal eines fest halten: Wenn der Rudi aus den 90ern heute noch spielen würde, würde permanent am Boden liegen. Und es würde ihm verdammt viel weh tun. Und er würde verdammt viel heulen. Denn was Fußballprofis in Zweikämpfen an Schlägen einstecken müssen, ist nicht mehr feierlich.

Ich muss mal dem "er trifft ihn doch nur mit der Hand im Gesicht, da muss man doch kein Gelb für geben" Argument der Alten eines entgegenbringen: Die Anzahl der Gesichtsverletzungen nimmt immer weiter zu. 

Das Paradebeispiel ist ja Mitch Langerak gegen Robert Lewandowski. Wenn es zu solchen Szenen kommt, sprechen die Leute gerne und schnell von Körperverletzung. Was absoluter Bullshit ist. Langerak kommt eine halbe Sekunde zu spät. Deswegen kommt er halt nicht an den Ball, sondern trifft Lewandowski. Aber er geht halt mit voller Geschwindigkeit zum Ball. Und volle Geschwindigkeit heißt im Profifussball halt: Der Gegner muss sich sein Gesicht neu richten lassen.

Und wollt ihr mal die andere Seite des "er kommt halt eine halbe Sekunde zu spät" Phänomens sehen... dann googlet mal Petr Cech Schwere Kopfverletzung. Stephen Hunt wollte ihn bestimmt auch nicht weh tun. Aber er bricht ihm halt den Schädel, Und Cech trägt seit dem seinen mittlerweile berühmten Helm. Das sollten alle Profis tun.

Und ja, Kopfverletzungen sind eine richtig gefährliche Sache. Die Langzeitschäden von Gehirnerschütterungen sind immer noch nicht nachhaltig erforscht. Nur so als Beispiel: Die Amerikanische Football Liga NFL hat nach 20 Jahren endlich eingesehen, dass die geistigen Langzeitschäden vieler ehmaligen Football Profis doch mit den permanenten zusammenstößen auf ihrem Arbeitsplatz zusammenhängt.

Das steht uns im Fußball auch noch bevor. Deswegen ist es auch sinnvoll in Kopfballduellen eher schneller als langsamer Gelb zu geben. Wir brauchen da eine Kultur, die ganz klar fest legt: Wenn ich im Luftduell (ob Absicht oder nicht ist dabei egal) meinen Gegner ins Gesicht schlage (und ja, auch die harmloseren Zweikämpfe ohne Ellenbogeneinsatz haben immer noch die Intensität eines Schlages...) kriege ich dafür Gelb. Wenn ich mit der Intensität eines Langerak zuschlage, riskiere ich eine Rote. Das müssen alle Profis wissen. Das muss auch hinterher bei den Analysen genau so gehandhabt werden: Die Hand war im Gesicht, das ist gefährlich für die Gesundheit des Spielers, deswegen gibt es Gelb... und da gibt es auch nichts zu diskutieren. Und wenn das ein Halbes Jahr lang konsequent durchgezogen wird, stellen sich die Profis beim Luftkampf auch drauf ein.

Es geht halt um die langfristige Gesundheit unserer Profis. Es geht darum, dass die nicht später Pflegefälle werden... oder spontan Tod umfallen. Googlet einfach mal Chronic Traumatic Encephalopaty. Und dann rechnet mal nach, wie viele Gehirnerschütterungen ein Lewandowski schon hatte... und rechnet mal hoch, wie viele das bis zum Karriereende noch werden. 

Fußball ist halt mittlerweile auch ein Vollkontaktssport. Und da wird man irgendwann mit solchen Problemen wie Langzeitschäden konfrontiert. Man sollte dies auf keinen Fall mit einem "Die simulieren heute viel zu viel" abwatschen.