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Dienstag, 8. Oktober 2024

Bekommt Deutschland ein Torwartproblem?

 Wenn nicht jetzt, dann gleich?

Die Verletzung von Marc-André ter Stegen zeigt uns gerade, dass die Torhüterposition überraschend dünn besetzt ist. Also, das muss dazu gesagt werden, für deutsche Verhältnisse... Denn zum ersten Mal seit Ewigkeiten sitzt kein Weltklassemann auf der Bank oder steht im Tor.

Klingt übertrieben? Aber guckt euch mal die Liste der Torhüter an. Dann nehmt die "Eintagsfliegen", die bei den Testspielen der C-Mannschaft gegen Dänemark ran durften... dann bleiben wir bei:

Sepp Meier: Welt- und Europameister. 3-maliger Champions League Sieger. Der Beste seines Faches.

Toni Schumacher: Stand in 2 WM-Finalen, Europameister, Deutscher Meister mit dem 1.FC Köln. Laut Kicker Rangliste 9-mal Weltklasse und 6-mal innerhalb von 7 Jahren "Torwart des Jahres". Oh und Zweitbester Spieler der WM 1986 als Torwart.

Bodo Illgner: Weltmeister, zweiter bei der EM, zweifacher Champions League Sieger mit Real Madrid.

Andreas Köpke: Europameister. Aber die eine Ausnahme, weil er die Angewohnheit hatte, sich für richtig schlechte Vereine zu entscheiden, weshalb er alleine 7-mal abgestiegen ist. Am besten lässt sich seine Karriere mit dem gescheiterten Doppelwechsel zum VfB Stuttgart und Barcelona zusammenfassen. Aber...

Oliver Kahn saß 1996 schon auf der Bank. Er hätte 1998 schon im Kasten stehen müssen, weil er spätestens da der bessere Torhüter war. Er legte eine legendäre Karriere hin und wurde, was vor 2006 eigentlich unvorstellbar war, nach der Karriere sogar sympathisch. 

Jens Lehmann war so gut, dass er einen Oliver Kahn verdrängte... weil er in der gesamten Champions League Saison kein einziges Gegentor kassierte. Wenn Arsenal ein Gegentor schlucken musste, stand immer Ersatzmann Manuel Almunia im Tor. Er war Teil der "Invincibles", verlor also mit Arsenal in der gesamten Premiere League kein einziges Spiel. Oh und Lehmann gewann den UEFA Cup mit Schalke und wurde Meister in 3 Ländern. Nach der Karriere ging er den gegensätzlichen Weg zu seinem jahrelangen Konkurrenten Kahn und entpuppte sich als Arschloch.

Danach kam schon Manuel Neuer, der das Torhüterspiel auf ein völlig neues Level gehoben hat. Bis zu seinem Skiunfall war der man ein Jahrzehnt lang sehr konstant Weltklasse.

Auf ihn folgte nach Jahren auf der Bank, ter Stegen, der in vielen anderen Ländern schon 100 Länderspiele auf dem Buckel hätte, aber nie an Neuer vorbeikam.

Wenn man sich also, wie 1998, gegen einen Weltklasse-Torhüter entscheiden wollte, konnte man den auf die Bank setzen. Aber keinen einzigen zur Verfügung haben... das gab es seit den 70ern nicht mehr. 

Jetzt steht, bei allem Respekt, Oliver Baumann im Tor. Ein guter Torhüter. Gehobener Bundesligadurchschnitt. Der ist aber auch schon 34 und wird niemals mehr als gehobener Bundesligadurchschnitt sein. Bernd Leno hat abgesagt, weil er zu alt für die Bank ist und er, sachlich gesehen, eh für kein Turnier infrage kommt. Janis Blaswich wurde als Nummer 3 nominiert, obwohl er in Salzburg stark in der Kritik steht... und sein ehemaliger Verein aus Leipzig ungeschlagen ist, seitdem er durch Péter Gulácsi ersetzt wurde. Ein Paradebeispiel für den Einfluss eines guten Torhüters auf den Erfolg einer Mannschaft. 

Als "junger Hoffnungsträger": Alexander Nübel. Der ist auch schon 28. Er hat bisher eine starke Saison beim VfB Stuttgart im Lebenslauf stehen. Ersteht aber jetzt schon bei 11 Gegentreffern in 6 Spielen. Und er muss sich anscheinend erstmal hinter Baumann anstellen, was Julian Nagelsmanns erster Fehler sein dürfte.

Vielleicht entwickelt sich Nübel noch zur Weltklasse. Aber mit 28 ist er es noch nicht. Internationale Klasse würde ich ihm geben, aber zu den Besten fehlt ihm noch ein Stückchen. Und der ist jetzt der designierte Thronfolger, falls ter Stegen nach der WM in den Ruhestand geht... Bei allem Respekt: Er ist der schlechteste Herausforderer, den Deutschland seit 1996 hatte.

Hier kommt aber das eigentliche Problem: Es kommt so richtig auch keiner nach. Die Lage ist so schlimm, dass Werder Bremen sich einreden wollte, dass Michael Zetterer nominiert werden könnte. Ein Torhüter, der sich erst mit 28 Jahren in der Bundesliga durchsetzen konnte. Kevin Trapp ist auch schon verdammt alt und hat sich auf höchstem Niveau, also bei Paris St. Germain, nicht durchsetzen können. Robin Zentner ist ein Torhüter für den Abstiegskampf. Kevin Müller hat seine erste Bundesligasaison gespielt... mit 33 Jahren. Moritz Nicolas hat letzte Saison die Chance, einen ebenfalls nicht überragenden Jonas Omlin zu verdrängen, nicht wirklich genutzt. Nicolas ist 26. 

Noah Atubolu zeigt sich immer wieder verdammt inkonstant. Für den SC Freiburg kann der, wenn er will, 15 Jahre im Tor stehen, aber ich sehe da keinen angehenden Weltklassetorhüter. Der ist aber, im Gegensatz zum Rest, wenigstens noch jung. Er ist aber auch der einzige deutsche U25 Keeper. Der muss also, Stand jetzt, 2026 oder 2028 übernehmen. Also das ist dann alternativlos. Das ist der Pfad, auf dem sich die Torhüternation bewegt.

Wirklich aufgefallen ist mir das vor ein paar Wochen, als Kaua Santos für Kevin Trapp übernehmen musste. Ich dachte mir da: wirklich? Die müssen ihren Ersatztorwart aus Brasilien importieren? Haben die extra einen Scout nach Flamengo geschickt, um nach Torwarttalenten zu suchen, anstatt sich im Ruhrpott umzugucken? Findet man keinen halbwegs brauchbaren Torhüter in der Region? Anscheinend nicht. Das kann kein gutes Zeichen für die Jugendarbeit sein.

An der Stelle muss ich zugeben, dass die Eintracht letzten Sommer Diant Ramaj für 5 Millionen an Ajax Amsterdam abgegeben hat, damit der da irgendwann Stammtorwart werden kann. Aktuell vertraut man da aber eher dem 40-jährigen Remko Pasveer. Ramaj war zum Ende der letzten Saison verletzt, dass er jetzt aber nicht an einem alten Sack vorbeikommt, ist kein gutes Zeichen. Aber mit einem Marktwert von 18 Millionen ist er, laut Transfermarkt, der zweit-wertvollste deutsche Torwart... nach dem verletzten ter Stegen.

Das einzige, worauf man sich immer verlassen konnte, waren Weltklasse Torhüter. Selbst wenn einer verletzt ausfallen sollte, stand sofort der Nächste bereit. Wenn die Karriere eines Rene Adlers durch zu viele Verletzungen ausgebremst wurde, kam sofort ein Neuer nach. Selbst ein für die Nationalmannschaft völlig irrelevanter 4. Torwart wie Bernd Leno wäre in England als Nummer 1 im Gespräch gewesen. 

Jetzt läuft alles auf das Duell Atubolu gegen Ramaj aus. Es gibt kaum noch hoffnungsvolle Talente. Während Neuer, Adler, ter Stegen und Leno mit Anfang 20 den Durchbruch in der Bundesliga geschafft haben, sind die Ersatztorhüter mittlerweile 28. Die Hälfte der Bundesliga-Torhüter kann gar nicht für Deutschland auflaufen (oder, im Fall von Neuer, will nicht mehr). Ein 34-Jähriger gibt sein Debüt mit dem Adler auf der Brust...

Da sieht man mal, wie krass es gerade im deutschen Tor bergab geht.

Dienstag, 11. Juni 2024

Lasst uns mal über Torhüter reden

 Also über die Deutschen. Und wie absurd, aber irgendwie auch normal, die derzeitige Situation ist.

Dafür müssen wir erstmal mit einem Mythos aufräumen. Nämlich dass es Torhüter schwerer haben, weil ja jeder Patzer direkt zu einem Gegentor führt. Das stimmt nicht. Das Problem hierbei ist: Wenn ein Fehler nicht zu einem Treffer führt, nennen wir das nur anders: "Kleinere Unsicherheit" zum Beispiel. Wenn zum Beispiel bei den letzten beiden, quasi identischen, Patzern von Manuel Neuer gegen Real Madrid und Griechenland einem eigenen Verteidiger und nicht dem Stürmer vor die Füße fällt, gibt es halt Eckball und nicht Anstoss. Da Manuel Neuer aber exakt dasselbe macht, begeht er auch denselben Fehler.

Oder wenn ein Torwart nicht konsequent genug rauskommt, der Kopfball aber am Tor vorbei geht. Oder wenn er einen sicher haltbaren Ball doch zur Ecke abwehrt. Wenn er den Ball bei der Spieleröffnung ins Seitenauß statt auf den Flügelspieler schlägt... das sind alles "Fehler", die es aber in keine Zusammenfassung schaffen.

Richtig ist: Der Torwart steht oft am Ende der Fehlerkette. Es ist eher selten, dass jemand seine Fehler noch ausbügelt. Das geht Innenverteidigern aber auch so.

Kommen wir jetzt also zur Lage im Deutschen Tor... wo wir uns zum ersten Mal seit 2008 Sorgen machen dürfen. Derzeit ist es erschreckenderweise das realistischte Szenario, dass Deutschland nach einem Neuer Patzer ausscheidet. 

Für den Kontext: 2008 hatte Jens Lehmann vor dem Turnier seinen Stammplatz bei Arsenal aufgrund einer Verletzung verloren und ihm fehlte die regelmäßige Spielpraxis. Das war das letzte Mal, dass kein verifizierter Weltklassetorhüter im Kasten stand. 

Jetzt hat Neuer dieses Niveau zuletzt eher selten nachgewiesen... Marc Andre ter Stegen aber schon. Also zumindest kommt das aus Spanien hier so an, bei Barca sollen alle sehr zufrieden mit ihm sein. Aber Neuer hat halt den besseren Ruf. Deswegen steht der schlechtere Torhüter im Kasten. Und wer das infrage stellt, guckt halt mit einem völlig verklärten Blick auf die Leistungen.
Also nur um das nochmal festzuhalten (oder in Neuers Fall genau eben nicht): Neuer hat zuletzt gegen Real Marid, Hoffenheim und Griechenland Gegentore verschuldet und gegen die Ukraine so krass gepatzt, dass alle darüber reden, obwohl gar kein Gegentor gefallen ist. ter Stegen hat dagegen eine sehr souveräne Saison gespielt.

Die einzige offene Frage ist ja, ob ter Stegen nicht schon bei der letzten WM der bessere Torhüter war.

Aber ich habe mich hier ja ausführlich darüber ausgelassen, dass es ja auch bei den Vereinen selten einen echten Konkurrenzkampf gibt und dass man aus Prinzip an der Nummer 1 festhält, obwohl es bessere Optionen gäbe. Aber nach diesen Optionen schaut man sich gar nicht erst um. Und ja, Marcel Schuhen ist auf dem Markt, es will ihn aber niemand haben.

Genau das passiert halt auch in der Nationalmannschaft. Also beinah immer wieder. Es war ja damals eine Sensation, dass Jürgen Klinsmann vor der WM 2006 wirklich einen offenen Zweikampf im Tor ausgerufen hat. Und es war ein Skandal, als er sich für Spieler, der eine historisch gute Champions League Saison spielte, entschied... und gegen Oliver Kahn. Also für noch mehr Lehmann Kontext: Der kassierte damals in der K.O. Phase kein einziges Gegentor, weil er beim Stand von 0:0 unglücklicherweise vom Platz flog... Dem Schiedsrichter war die weiße Weste wichtiger, als der Vorteil für Barca, die garantiert das erste Tor erzielt hätten, wenn er das Spiel nicht unterbrochen hätte.

Kahn war jedenfalls der letzte Torhüter, der seinen Stammplatz in der Nationalmannschaft verloren hat. Alle anderen treten einfach irgendwan zurück. Deswegen ist es auch gar nicht so ungewöhnlich, dass der bessere Torwart auf der Bank platz nimmt.

1994 nannte Berti Vogts es einen Fehler, auf Bodo Illgner gesetzt zu haben und nicht auf Andreas Köpke. Aber Illgner war Weltmeister, so jemanden setzt man nicht auf die Bank. 1998 war es dann Köpke, der spielte, obwohl Oliver Kahn der bessere Torhüter war. Aber Köpke war halt Europameister, so jemanden... Beide Turniere endeten im Viertelfinale.

Aber warum sollte man von den Fehlern der anderen lernen, wenn man selber die selben machen kann? Ist doch viel spannender so.
Was mich daran aber am meiten fasziniert: Wenn Neuer dann im (der Gastronom in mir ist optimistisch) Viertel- oder Halbfinale kritisch patzt, werden alle entsetzt gucken. DAS war ja so nicht zu erwarten... obwohl es sachlich gesehen eher eine Überraschung wäre, wenn Neuer fehlerfrei durchs Turnier kommt. Diejenigen, die es wirklich mit Deutschland halten, sollten eher hoffen, dass er nicht in einem kritischen Moment patzt...

Aber das ist ja das andere Phänomen in diesem Land, welches hier auch schon ausführlich dargelegt wurde: Alle Torhüter außer Neuer müssen sich mit dem Mythos aus dem Jahr 2014 messen. Damals hat er das Torhüterspiel auf ein neues Niveau gehoben. Und es stellen nur ein paar Buffon-Groupies infrage, dass Neuer von 2014 bis 2020 der beste Torhüter der Welt war. Niemand stellt infrage, dass er als einer der Besten aller Zeiten in die Geschichte eingeht. Aber am Ende wird sich der eine oder andere eingestehen, dass er ein paar Jahre zu spät aus der Nationalmannschaft zurückgetreten ist. Denn mit dem 2014er Mythos kann er selber seit einigen Jahren nicht mehr mithalten. Er ist aber auch der einzige, der sich nicht mit diesem Mythos messen muss.

Dienstag, 28. Mai 2024

Das Marcel Schuhen Mysterium

 Oder eine Fortsetzung zu meiner Analyse der Situation der Stammtorhüter vor einigen Monaten.

"Damals" habe ich ja durchaus streitbar ausgeführt, dass einige Bundesligatorhüter nur im Kasten stehen, weil sie halt schon immer da waren. Deswegen werden sie irgendwann zu Führungsspieler, zum Kapitän und gelten als unersetzlich... was auch direkt dazu führt, dass keine echte Konkurrenz verpflichtet wird.

Dabei ist es am Ende oftmals erschreckend egal, wer wirklich im Tor steht. Also Bayer Leverkusen wurde mit Lukas Hradecky souverän Meister und stürmte mit Matej Kovar ins Finale der Europa League. Erst nach der Finalniederlage zog Xabi Alonso den Schwanz ein und stellte doch seinen besseren Keeper und nicht den Pokal-Keeper in Berlin ins Tor. Aber wenn Kovar 34 statt 1 Bundesligaspiel bestritten hätte, wäre Bayer doch trotzdem Meister geworden, weil die Stabilität und Souveränität nicht im Tor begann, sondern im Tor endete.

Und das ist erschreckend häufig der Fall. Wenn man auf dem Transfermarkt einen Stabilisator für die Defensive (nennen wir ihn Granit Xhaka) findet, steigt der Notenschnitt von 3,09 auf 2,94, ohne dass sich der Torwart groß weiterentwickelt. Oder wollt ihr mir wirklich erzählen, dass Hradecky sich mit seinen 34 Jahren nochmal deutlich verbessert hat? Und dann wird man mit einem ordentlichen Torhüter auf einmal Meister...

Nebenbei muss ich hier jetzt nochmal einschieben, dass man entgegen meiner damaligen Behauptung doch einen deutlichen Unterschied zwischen den RB Leipzig Torhütern bemerkt. Mit Janis Blaswich lag man auf Platz 5, mit Péter Gulácsi war man plötzlich unschlagbar. An der Stelle muss ich zugeben, dass ich den Ungarn falsch eingeschätzt habe, der ist tatsächlich ein Unterschiedspieler.

Jetzt betritt Marcel Schuhen den Chat. Der hat gerade auf den ersten Blick eine der grausamsten Bundesligajahre aller Zeiten hinter sich. Darmstadt kassierte 86 Gegentore. Auf einen ähnlich schlechten Wert kam zuletzt Schalke 04 in der Saison 2020/21. Getoppt wurde dieser Wert zulerzt 1979/80 von Dieter Burdenski. Sollte es uns eigentlich zu denken geben, dass wir in den letzten 4 Jahren 3 der schlechtesten Defensive der letzten 40 Jahre erleben durften? Denn Greuther Fürth kassierte ja auch über 80 Gegentore... Und zwischen Schalke 2021 und Werder 1980 kassierte NIEMAND 80 Tore. Das sind Zahlen, die sonst nur in den Wilden 70ern erreicht wurden...

Die meisten Vereine werden auf die 86 Gegentore schauen und sich denken: Der taugt nichts. Wer so oft hinter sich greift... Bei einem genaueren Blick war Schuhen aber nur ein einziges Mal richtig schlecht. Ausgerechnet im Heimspiel gegen Bochum, wo man also wirklich hätte punkten können, schrieb sich Schuhen seine einzige 5,0 ins Notenheft. Er hat dann noch eine 4,5 gegen Augsburg in Angebot... Ansonsten waren seine Leistungen immer mindestens ordentlich.

Und das hinter einer Vordermannschaft, die weit weg von Bundesligatauglich war. Ich verlinke hier mal demonstrativ das den Abstieg endgültig besiegelnde Tor: Schuhen hielt den Traum vom Klassenerhalt mit mehreren starken Paraden am Leben, aber Matej Maglica stolpert an einer einfachen, flachen Hereingabe vorbei, weshalb Nikola Dovedan aus 5 Metern einschieben musste. Da kannst du ganz sachlich als Torhüter einfach nichts machen. Schuhen wurde vom Kicker zum Spieler des Spiels gekürt.
Als logisches Ergebnis saß Schuhen die Wochen darauf auf der Bank... Und Hoffenheim machte aus 6 Chancen 6 Tore, bevor sie den Spielbetrieb einstellten. Da konnte man kurz erahnen, wie viel schlimmer die Saison ohne Schuhen gelaufen wäre.

In der "Gesamtabrechnung" kommt da dann nach Notenschnitt Platz 13 unter den qualifizierten Torhütern raus. Minimal schlechter als Manuel Riemann, Frederik Rönnow oder Kevin Trapp. Aber besser als Manuel Neuer...
Wisst ihr, was an der Stelle mal ein spannendes Experiment wäre? Wie würde Schuhen hinter einer halbwegs kompetenten Abwehr aussehen? Wie viele Gegentore würde er kassieren, wenn er von richtigen und gestandenen Bundesligaspielern umgeben wäre? Also stellt euch den Mann mal in Bremen vor. Würde Werder wirklich schlechter abschneiden?

Theoretisch sollten sich die letzten 10 der Tabelle mal gründlich mit Schuhen beschäftigen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der absurd viel Geld kosten würde. Und schlechter als Zentner oder Zetterer ist er bestimmt nicht. Man könnte da einen wirklichen und offenen Konkurrenzkampf ausrufen.

Aber das will ja im Tor niemand. Deswegen beschäftigt sich Werder Bremen lieber mit Markus Kolke oder Phillip Kühn... 2 Torhütern, die gerade aus der 2. Liga abgestiegen sind. Die wollen eine Ablöse für Kolke zahlen, obwohl der gerade mit seinem Patzer den Abstieg von Hansa Rostock besiegelt hat. Was jetzt keine übertriebene Kritik an Kolke sein soll, der hat jahrelang überragend gespielt und "wir" sind ja nur "seinetwegen" überhaupt aufgestiegen. Aber die Leistungskurve zeigte in den letzten 2 Jahren eher nach unten. Und jetzt will Werder den?
Aber Werder will halt nicht an der Hierarchie wackeln. Das ist denen wichtiger, als ein potenzielles Upgrade günstig zu verpflichten.

In Mainz wird Zentner im Tor stehen, weil der sich halt vor Jahren gegen Florian Müller durchgesetzt hat. Und wer sich gegen ein großartiges Talent durchsetzt, muss ja ein Guter sein. Wolfsburg guckt sich lieber in Liga 2 um und verpflichtet den Schalker Torhüter Marius Müller als "Konkurrent" für den Neuzugang Kamil Grabara. Denn der bringt die wichtigste Qualifikation mit: Er ist eben kein richtiger Konkurrent.

Die Aufsteiger werden mit ihren Aufstiegshelden im Tor in die Saison gehen. Was nebenbei auch gut für Schuhen sein dürfte, denn es ist mehr als fragwürdig, ob Kiel und St. Pauli besser sein werden als Darmstadt. Und noch so eine Saison hinter einer überforderten Hintermannschaft dürfte seinen Ruf endgültig ruinieren.

Der SC Freiburg hat wenigstens die Ausrede, dass man einen verdammt jungen Torhüter hat, von dem man noch einige Entwicklungsschritte erwarten kann. Aber wenn Noah Atubolu diesen Schritt nächste Saison nicht geht und der SC ohne Christian Streich in den Abstiegskampf rutscht, wäre es dann nicht geil eine wirkliche Option für den Notfall in der Hinterhand zu haben?

Und zumindest Augsburg und Mönchengladbach haben eigentlich keine Ausreden. Finn Dahmen und Jonas Omlin streiten sich um den Titel "Schlechtester Stammtorwart"... also zumindest nach Kicker-Notenschnitt. Omlin ist da bei einer 3,71... Sein Ersatzmann Moritz Nicolas hat auch keine Bäume ausgerissen. Das sind 2 Vereine, die sich unabhängig von Schuhen um ein Upgrade kümmern sollten. Gerade in Gladbach ist das wirklich lustig, weil die ja angeblich jeden Stein umdrehen wollen. Und dort ist es auch am offensichtlichsten, dass es seit dem Abgang von Yann Sommer bergab geht. Da ist der Schluss, dass man auf dieser Position ein Upgrade braucht, naheliegend. Gucken wir mal, ob die da auch drauf kommen.

Wie nebenbei auch der VfL Bochum, wo noch niemand genau weiß, wie die Situation um Manuel Riemann ausgehen wird. Aber ich bleibe dabei: Selbst wenn Riemann bleibt, dürfte Schuhen ein Upgrade sein.

Nun kann es natürlich auch sein, dass Schuhen gar nicht auf dem Markt ist, weil er loyal zu Darmstadt steht, wo er ja auch schon seit 5 Jahren spielt. Aber wenn man sich die Gerüchteküche so anschaut, scheint sich ja niemand auch nur im Ansatz mit ihm zu beschäftigen, da wird die Loyalität nicht mal getestet. Und das ist schon ein eher fahrlässiges Vorgehen.

Aber am Ende ist es bei den Stammtorhütern halt wichtiger, den Status Quo zu erhalten, als einen wirklichen Konkurrenzkampf auszurufen. Und deswegen werden nächste Saison schlechtere Torhüter als Schuhen in der Bundesliga spielen.

Mittwoch, 11. Oktober 2023

Manuel Reimann ist der faszinierendste Torhüter der Bundesliga

 Ernsthaft, jetzt entscheidet der schlechteste Keeper der Bundesliga die Meisterschaft... weil er vollkommen willkürlich 2 Elfmeter hält. 2 extrem beschissen getretene Elfmeter. Aber die Bundesligaspieler haben so viel Angst vor dem, dass sie ihre Elfmeter beschissen treten. Dummerweise wird das bei der EM niemanden interessieren, die schicken dann einfach Engländer zum Punkt...

Aber ernsthaft, Manuel Riemann wird gerade vom Internet im Ruhrpott für seine Glanzleistung am Wochenende gefeiert. Unter anderem von genau den Bochum Fans, die ihm letztes Jahr vom Hof jagen wollten. Denn letztes Jahr hat er ja alles für ihn mögliche unternommen, um den Klassenerhalt für die Konkurrenz zu ermöglichen. Aber die Schalke hat den einen noch schlechteren Torhüter, womit seine Bemühungen vergebens waren. Und jetzt feiern ihn die eine Heldentat.

Also um das mal festzuhalten: Schwolow, Gikiewicz, Müller und Sommer haben ihren Stammplatz in der Bundesliga im Sommer verloren. Pavlenka durfte seinen behalten, weil Werder Bremen halt kollektiv am Abstieg arbeitet. Und Manuel Riemann als Nummer 17 im Notenschnitt blieb ebenfalls.

Jetzt kam Riemann wieder souverän auf einem 3,5er-Schnitt. Er brauchte die 1,0 aus dem RB Leipzig spiel ganz dringen, um Sven Ulreich hinter sich zu lassen. Dass wirklich absurde bleibt dabei die eine Saison als Aufsteiger, in der Riemann plötzlich der 2. Beste Keeper der Bundesliga war. Aber eigentlich ist er ein Torhüter, der in der Bundesliga nichts verloren hat. Das ist ein durchschnittlicher Zweitligatorhüter mit einer überragenden Begabung zum Elfmeter-Killen.

Trotzdem könnte er gerade die Meisterschaft entschieden haben. Also wenn RB Leipzig am Ende 2 Punkte auf die Bayern fehlen, wissen alle ganz genau, wo sie die liegen gelassen haben: bei den 2 Elfmetern im Heimspiel gegen Bochum. 

Und hier kommt das wirklich absurde: Das wäre nicht das erste Mal. Denn auch letzte Saison hatte er ein überragendes Spiel, in dem der Kicker ihn die Note 1,5 gab. Ein Spiel in dem er seinem Verein einen Punkt festhielt. Ein Spiel, in dem er die Dortmunder zur Verzweiflung trieb. Dortmund fehlte am Ende ein Punkt zur Meisterschaft. Aber wenn man Manuel Riemann nicht überwinden kann, hat man es auch einfach nicht verdient...

Das wäre nebenbei selbst den Bayern mal so ergangen, denn Riemann "Stern" ging ja 2007 im DFB-Pokal gegen den Rekordallesgewinner auf. Weil die Bayern aber die Bayern sind, gewinnen sie natürlich den Pokal, obwohl sie Riemann berühmt schießen. Das ist der qualitative Unterschied.

Für die Bochumer selber ist das alles relativ egal. Also sie hätten letztes Jahr auch mit 34 Punkten die Klasse gehalten. Und sie müssen ihre Punkte eigentlich woanders holen. Und wenn er zwischendurch noch 5-mal patzt, kostet er den VfL mehr Punkte, als er an diesem Wochenende gewonnen hat. Dann werden die Bochum Fans ihn wieder verfluchen. Also fairerweise eine Minderheit der Bochum-Fans, denn viele erinnern sich ja daran, dass sie mit Riemann die 3 besten Jahre der jüngeren Geschichte hatten. Auch wenn er im dritten Jahr objektiv schlecht war.

Wirklich absurd wird das ganze ja, wenn man sich den VfB Stuttgart anguckt. Mag jetzt auf den ersten Blick keinen Zusammenhang geben, aber Florian Müller stand im Notenschnitt fast direkt neben Riemann... und sitzt jetzt dort, wo er eigentlich hingehört: auf der Ersatzbank. Was nebenbei kein Vorwurf sein soll, aber seine persönliche Karriereprognose lautet halt: Ist als Stammtorhüter in der Bundesliga überfordert. In einem stabilen System (wie in seinem einem Jahr in Freiburg), kann er mitlaufen. Aber er ist nicht gut genug, um einer fragilen Abwehr wirklich halt zu geben.

Nebenbei spielten mit Schwolow, Baumann und Müller 3 der schlechteren Bundesligatorhüter mal erfolgreich in Freiburg. Und was macht Mark Flekken eigentlich gerade in England? Nur um mal zu erwähnen, wie gut einen so ein System aussehen lässt. Und ja, Noah Atubolu hat noch seine Probleme, aber die Erfahrungen zeigen, dass er in diese Rolle wachsen kann, weil er ein stabiles Umfeld hat. Freiburg wird auch ihn wie einen stabilen Bundesligatorhüter aussehen lassen.

Jedenfalls hat Stuttgart den Wackelkandidaten Müller gerade durch Alexander Nübel ausgetauscht und präsentiert sich plötzlich wie ein Spitzenteam. Klar, das liegt auch daran, dass Serhou Guirassy gerade trifft, wie er nie wieder treffen wird. Aber seit der desaströsen 2 Halbzeit gegen Leipzig hat Stuttgart 3 Tore in 6 Spielen kassiert... und alle 6 Spiele gewonnen. Und das, obwohl man theoretische Stabilisatoren wie Endo, Mavropanos und Sosa abgegeben hat. Also ich habe mir wegen der Abgänge in der Defensive echte Sorgen um den VfB gemacht, aber Nübel regelt das gerade.

Und Nübel ist jetzt kein Jahrhunderttalent. Kein Torhüter, der sich bei den Bayern durchsetzen sollte und die Nummer 1 in der Nationalelf wird. Aber ist gerade der offensichtliche Beweis, wie sich ein guter Bundesligatorhüter auf die Abwehrleistungen auswirken kann. Jetzt stelle man sich vor, was in Bochum möglich wäre, wenn die einen guten Torhüter finden.

Aber das wird nie passieren, denn Riemann hat sich den Posten bis zu seinem selbst gewählten Ruhestand gesichert. Der ist und bleibt der Kapitän auf diesem Schiff und wird mit ihm untergehen. Und das definitiv auch zurecht, er hat sich diesen Posten irgendwie auch verdient.

Torhüter bleiben halt die am schwierigsten zu bewertende Position in der Bundesliga. Denn einerseits gibt es halt einige richtige Ladenhüter, die den Posten nur ausführen, weil sie schon immer da sind. Also Oliver Baumann steht seit Jahren für die rückläufige Entwicklung in Hoffenheim. Der ist da mal hin gewechselt, weil er dachte, dass er in diesem Dorf eher europäisch spielen und sich für die Nationalmannschaft empfehlen kann, als in Freiburg. Das war 2014, das war Jogi Löw schon eine Weile Nationaltrainer. Baumann war seit dem nie das eigentliche Problem in Hoffenheim, er war aber auch nie die Lösung. Deswegen ist er immer im Tor geblieben...  Hin und wieder hält er mal überragend einen Punkt fest, aber meistens macht es keinen wirklichen Unterschied, ob er oder jemand anderes im Tor steht. Aber mittlerweile ist der Kapitän von dem Schiff. Einfach nur, weil er schon immer da ist.

Und natürlich würde ein Wechsel auf dieser Position und das damit verbundene Aufbrechen der Hierarchie das Risiko mit sich bringen, dass man nur den nächsten Florian Müller findet. Andererseits bedeutet auch ein Festhalten an Baumann, dass man mit dem abwärts tendierenden Status Quo zufrieden ist.
Wenn man sich dann in der Bundesliga umschaut, fällt einem auf, dass es doch einige Torhüter gibt, die einfach nur im Tor stehen, weil sie schon immer da waren: Hradecky, Pavlenka, und Zentner fallen mir als offensichtlichste Namen ein. Abgesehen von Pavlenka sind das Torhüter, die "in Ordnung" sind, aber es wird ja in den Vereinen auch nie ein ernsthafter Versuch unternommen, diese Position zu verbessern, wenn man eine "ordentliche" Option hat. Und Werder will sich halt einreden, dass sie einen ordentlichen Torhüter haben.

Am deutlichsten wird das bei Peter Gulasci und Janis Blaswich. Blaswich hätte nie eine Chance bekommen, wenn Gulasci sich nicht schwer verletzt hätte. Jetzt soll er der 5. beste Torhüter der Liga sein und Gulasci kommt nicht mehr an ihm vorbei. Die eigentliche Wahrheit lautet, dass es egal ist, wer von den beiden spielt, weil beide durchschnittliche Torhüter in einem stabilen, individuell hervorragend besetzten System sind. Trotzdem wird RB im nächsten Sommer nicht, was die eigentlich logische Konsequenz wäre, einen Nübel für 20+X Millionen verpflichten, auch wenn man sich jetzt gerade ausmalen kann, wie ein solcher Torhüter sich auf die eigene Mannschaft auswirkt. Man gibt sich halt mit den ordentlichen Optionen zufrieden. Dabei würden sie auf allen anderen Positionen nach einem Upgrade suchen, wenn sie 2 beliebige, durchschnittliche Spieler zur Auswahl haben. Aber fürs Tor reicht es ja.

Der Artikel hat sich mal wieder in eine überraschende Richtung entwickelt. Aber jetzt frage ich mich, ob englische oder spanische Mittelklasse-Vereine ebenfalls an ihren durchschnittlichen Torhütern festhalten. Der Fakt, dass der FC Brentford gerade 13 Millionen ausgegeben hat, um in die "In Freiburg sah der doch gut aus" Fall zu treten, spricht dagegen. 

Also nur so als erster spontaner Vergleich: der FC Arsenal könnte gerade als Vizemeister seinen 25-jährigen Stammtorwart auf die Bank verbannt haben, weil ihr Leihspieler vom FC Brentford zurückgekehrt vom FC Brentford ausgeliehener Torhüter vielleicht einfach besser ist. Mit Brentford, Arsenal, Brighton, Burnley, Chelsea, Luton Town, Manchester United, Nottingham Forrest und Tottenham haben 9 Premiere League Mannschaften im Sommer neue Torhüter geholt, die jetzt auch spielen. Tottenham hat nebenbei mit Hugo Lloris einen Weltmeister auf die Bank gesetzt. Wann ist es in Deutschland das letzte Mal passiert, dass ein Weltmeister seinen Platz unfreiwillig räumen musste?

In der Bundesliga haben jedenfalls "nur" Freiburg, Augsburg und Stuttgart vor der Saison auf neue Torhüter gesetzt. Dabei waren Augsburg und Stuttgart die einzigen, die aus eigenem Antrieb nach einem Upgrade suchten. Der Rest der Liga dachte sich: Das wird schon gut weiter gehen.

Mittwoch, 27. Januar 2021

Nachschlag zu den Torhütern: Warum ist Manuel Neuer eigentlich Weltklasse?

Wie konnte das passieren? Vor allem: Warum musste ich da erst von meinem Bruder drauf hingewiesen werden? 

Wir haben es uns alle in der "Der Mann ist halt Weltklasse" Ecke gemütlich gemacht, dass man gar nicht mehr hinterfragt, ob das angemessen ist. Stattdessen feiert der Kicker ihn dafür, dass nur Franz Beckenbauer und Uwe Seeler öfters in dieser Kategorie auftauchten. Und dass er Beckenbauer in einem Jahr einholen wird, denn kritisch hinterfragt wird er ja nicht.

Also klar, es wird darauf hingewiesen, dass die Bayern zuletzt 1991/92 so viele Gegentore kassiert haben, wie diese Saison. Aber das hat doch nichts mit dem Torhüter, Kapitän, Veteran und Führungsspieler zu tun.

Und 2 Spiele lässt der Kicker völlig unter den Tisch fallen: das 4:1 gegen Hoffenheim am bereits 2. Spieltag. Und natürlich das legendäre 0:6 gegen Spanien mit der Nationalmannschaft. Und natürlich musste sich Neuer keines der 10 Gegentore, die er in diesen beiden Spielen kassiert hat, persönlich ankreiden lassen. Er hat aber trotzdem 10 Gegentore in 2 Spielen kassiert. Das sollte einem Weltklasse-Torhüter einfach nicht passieren.

Stellen wir uns mal kurz vor ein Marc Andre ter Stegen hätte beim 0:6 zwischen den Pfosten gestanden. Da hätte es dann am Montag geheißen: Konnte den kompletten Einbruch gegen Spanien nicht verhindern. Das muss man ihm ankreiden.

Aber Neuer, der diese Mannschaft als Kapitän aufs Feld geführt hat, kann da natürlich nichts machen, wenn seine Vorderleute komplett streiken. Das kann man doch von dem nicht erwarten. 

An der Stelle muss man natürlich auch nochmal erwähnen, dass Neuer immer noch einer der wenigen Unterschied-Torhüter ist: Ohne den hätten die Bayern nicht den Vorsprung, den sie jetzt doch genießen. Vielleicht wären sie nicht mal Tabellenführer. Nur, weil er an der Weltklasse für ein halbes Jahr vorbeischrammt, heißt das ja nicht, dass er nicht mehr gut ist. Und ja, bei anderen reichen auch 2 beschissen gelaufene Spiele, um sie aus dieser Kategorie zu entfernen. Wir reden halt auch von dem höchsten Lob, welches eine Rangliste aussprechen kann. Da kann man auch hohe Ansprüche stellen.

Aber von einem Weltklasse-Torhüter muss man doch in solchen Spielen eine andere Ausstrahlung erwarten. Da muss man auch mal erwarten dürfen, dass er, so plakativ das klingt, seine Abwehr einnordet, anschreit und stabilisiert. Er ist halt als Torwart auch immer Dirigent. Die Kapitänsbinde wurde ihm ja nicht zum Spaß verliehen. Nichts davon ist passiert. 2 Mal in einem halben Jahr.

Es ist natürlich davon auszugehen, dass Neuer diesem Problem in der Rückrunde aus dem Weg gehen wird. Aber dass diese beiden heftigen Klatschen im Halbjahreszeugnis so gar nicht auftauchen, ist schon faszinierend.

Also nur mal als Vergleich: Bei Matthias Ginter wird "das Mitwirken beim 0:6" erwähnt. Die Kicker Redaktion hat also nicht komplett vergessen, dass dieses Spiel stattgefunden hat. Bei Leon Goretzka wurde es dann wieder verschwiegen... Vielleicht ist das ja ein gewisser Bayern-Bonus...

Dienstag, 26. Januar 2021

Bundesligatorhüter - Revisited

 Auch wenn der Originalbeitrag noch gar nicht soo alt ist... so muss ich mich halt doch mal selber feiern, weil ich eventuell doch mal recht hatte. Und ja, ich weise auch immer wieder darauf hin, dass echte Experten das nicht müssen, aber echte Experten erkennen auch den Unterschied zwischen Thuram und Plea... und wenn man wie ich in relativer Häufigkeit Namen verwechselt, muss man auch mal darauf hinweisen, dass man manchmal auch was Sinnvolles schreibt...

Und als ich am Montag die Kicker Rangliste der Torhüter in der Hand hatte, musste ich schon schmunzeln. Weil meine Prognose, dass es egal ist, wer in Freiburg im Tor stehen wird, so was von wahr geworden ist.

Also praktisch sollte der SC Freiburg ja Probleme bekommen, wenn sie mit Alexander Schwolow einen absoluten Fixpunkt abgeben müssen. Und Hertha BSC Berlin sollte wesentlich stabiler auftreten, wenn sie einen gestandenen, aber trotzdem noch entwicklungsfähigen Torhüter im Kasten haben. Stattdessen ist Hertha das reinste Chaos und Schwolow hat keinerlei Einfluss auf die Entwicklung der Mannschaft. Er spielt meistens solide, hilft aber nicht wirklich und kann den Einbruch der Mannschaft nicht verhindern.

In Freiburg trat dann aber das Worst-Case-Szenario ein: Kurz vor dem Bundesligastart verletzte sich der designierte Nachfolger Mark Flekken schwer und man stand plötzlich ohne einen Bundesligatorhüter da. Also holte man sich Florian Müller, der gerade den Kampf um das Mainzer Tor verloren hatte.

Und genau dort wird es wirklich spannend. Also im Sommer kamen die Mainzer nach gründlicher Untersuchung zu dem Schluss, dass Robin Zentner der bessere Torhüter ist. Und wer, wenn nicht die Mainzer, soll das beurteilen können? 6 Monate später steht Müller in der Rangliste auf Platz 10, Zentner fehlt dagegen komplett. Hat sich Mainz jetzt für den falschen Torhüter entschieden?

Wahrscheinlich nicht. Also wenn sich die Freiburger Zentner gesichert hätten, würde der jetzt eine sehr solide Saison spielen, weil er von dem sehr soliden System profitiert. Und Müller würde all die Gegentore in Mainz kassieren.

Der Punkt, an dem ich natürlich falsch lag, sind Dominique Heintz und Robin Koch. Also die Freiburger Innenverteidiger der Vorsaison. Denn in der Rangliste stehen Manuel Gulde und Philipp Lienhardt. Und natürlich Christian Günter, bei dem sich irgendwann die Frage stellen wird, was für eine Karriere er hingelegt hätte, wenn er nicht 5 Jahre als Stammspieler in Freiburg verbracht hätte, sondern seine 2. gute Saison als Sprungbrett genutzt hätte. Soll kein Vorwurf an Günter sein, gibt Schlimmeres als als Fixpunkt in Freiburg zu spielen.

Aber das eigentlich faszinierende ist an der Stelle die Arbeit von Christian Streich. Denn das den Freiburgern so viele Stabilisatoren weggebrochen sind, hat man nur kurzfristig zu Saisonbeginn gemerkt. 

Aber zurück zu den Torhütern: Auch diese Hinrunde belegt, dass es, abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen wie Neuer und Sommer fast egal ist, wer da im Kasten steht. Man könnte die Torhüter fast beliebig austauschen, wie es ja im Falls Augsburg - Union buchstäblich passiert ist, ohne dass man einen Unterschied auf dem Platz bemerkt. Also klar Berliner haben eine faszinierende Entwicklung als Mannschaft genommen, aber im Kasten ist die Situation genau so wie im Vorjahr: Manchmal hält der Torwart einen Ball überragend, manchmal winkt er einen haltbaren durch. Und das ist der Status Quo bei mindestens 13 von 18 Bundesligisten.

Viel wichtiger ist es doch, dass der Torwart möglichst selten in die Position gebracht wird, wo er dir den Arsch retten muss. Ob ihm das dann gelingt, ist am Ende auch immer eine Frage von Glück.

Ganz deutlich wird das ja gerade auch wieder in Dortmund. Also da macht es halt auch buchstäblich keinen Unterschied, ob Roman Bürki oder Marvin Hitz im Tor steht. Das wurde hier bereits vor knapp einem Jahr thematisiert. Damals dachte ich noch, dass es ein schlechtes Zeichen für deine Kaderplanung ist, wenn man 2 gleich gute Torhüter, aber halt keinen überragenden, hast. Mittlerweile wurde mir bewusst. Es gibt nur ganz wenige überragende Torhüter, die in der Bundesliga spielen wollen. Und wahrscheinlich gibt es auch international nur 4 oder 5 Torhüter, die wirklich einen Unterschied ausmachen. 

Das macht die Bewertung von Torhütern aber so verdammt schwierig. Sorgt er für die Stabilität in der Abwehr, oder profitiert er nur von dieser? Bringt er diese Stabilität mit, wenn er den Verein wechselt? Macht es wirklich einen Unterschied, wenn man einen seit Jahren in der Kabine etablierten Torhüter absägt, wenn der für vielleicht sogar viel Geld verpflichtete Neuzugang nur unwesentlich besser ist?

Dabei wäre einem wesentlich mehr geholfen, wenn man das Geld in Spieler investiert, die verhindern, dass man sich auf den Torhüter verlassen muss.

Donnerstag, 9. Juli 2020

Positionsbeschreibung: Bundesligatorwart

Wir unterbrechen die Quo Vadis Serie für eine andere, ebenfalls unwichtige Institution: Den Positionsbeschreibungen.
Also weil es sich ja schon in einen Quo Vadis Parts (Sollte Schalke 04 Geld für einen Torwart ausgeben?) hinein geschmuggelt hat und ich den Gedanken schon mehrfach hatte, wollte ich ihn mal festhalten: Wie wichtig sind eigentlich die meisten Bundesligatorhüter? Und dann wollte ich diese Frage mit ein paar "Fakten" hinterlegen.

Meiner Meinung nach ist es in 80% der Fälle ziemlich egal, wer wirklich im Tor steht. Also klar, man sollte keinen absoluten Vollpfosten zwischen den Pfosten stehen haben. Aber den wenigsten Bundesligisten geht es ja so. Das dichteste Beispiel für "Der ist halt nicht gut genug" war Tomas Koubek in Augsburg. Aber selbst da bleibt festzuhalten: Auch mit ihm stand Augsburg seit dem 10. Spieltag über den ominösen Strich. Obwohl man einen Torhüter auf der Linie hatte, der sehr viel Unruhe und Unsicherheit ausgestrahlt hat.
Genau diese Personalie zeigt aber, wie gefährlich es ist 7,5 Millionen Euro in einen Torwart zu investieren. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass man hinterher nicht relevant besser da steht als vorher, ist verdammt hoch.

Und wenn man sich Torhüterleistungen über die Jahre anschaut, fällt einem auf, dass dieselben Spieler dann sehr unterschiedliche Leistungen bringen. Nehmen wir mal spaßeshalber Jiri Pavlenka. Die letzten 2 Jahre war das jemand, der an der internationalen Klasse gekratzt haben soll. Selbst in seinem schlechteren Jahr hatte er noch einen Notenschnitt von 2,85. Dieses Jahr kam er dann auf einen eher grausamen Schnitt von 3,17. Und es wurde darüber diskutiert, ob man den nicht "als Zeichen an die Mannschaft" auf die Bank setzen sollte.
Woran könnte das gelegen haben? Vielleicht daran, dass Niklas Moisander und Theodor Gebre Selassie mittlerweile halt alt geworden sind. Dass man sich mit Ömer Toprak ein eingeplanter Fixpunkt für die Defensive immer wieder verletzungsbedingt passen musste. Und das Davy Klaassen sich eine grausame Halbserie als Stabilisator im Mittelfeld gönnte. Als dies sorgte dafür, dass auch der vorher stabile Pavlenka von der allgemeinen Verunsicherung anstecken lies. Denn er ist halt doch kein Führungsspieler, sondern nur ein Mitläufer: Wenn es gut läuft, sieht er auch gut aus... sonst halt eher nicht so.
Ein anderes offensichtliches Beispiel hier für ist Alexander Nübel: Solange die Abwehr stabil stand, sah er aus wie der designierte Neuer-Nachfolger. Als um ihn herum alles zusammenbrach, ging auch er mit unter. Jetzt wird ihn auf Schalke niemand wirklich vermissen.

Genau so geht das halt bei fest allen Torhütern in unserer ersten Liga. Und das ist nicht mal was ungewöhnliches oder problematisches. Es ist nur etwas, dessen man sich bewusst sein muss. Nehmen wir als letztes Beispiel mal den Kader des SC Freiburgs: Dort teilten sich verletzungsbedingt Alexander Schwolow und Mark Flekken die Position zwischen den Pfosten. Und am Ende hat Flekken, also die eigentliche Nummer 2, sogar den etwas besseren Notenschnitt. Trotzdem wird über einen Wechsel von Schwolow für 8 Millionen Euro spekuliert.
Ich werfe hier mal folgende These in den Raum: Für Freiburg ist es vollkommen egal, wer von den beiden nächste Saison im Kasten steht. Wichtig ist, dass die defensiven Stabilisatoren Heintz, Günter und Koch bleiben. Nebenbei fällt einem dabei auf, wie fies die Notenverteilung im Kicker ist, denn das alle alle drei einen schlechteren Notenschnitt haben als alle Torhüter außer Kubek und Rune Jarstein, erscheint irgendwie unfair. Aber es gibt halt überhaupt nur 3 Verteidiger mit einem 2,X Notenschnitt. Vielleicht sollte man da mal als Kicker drüber nachdenken, ob man die falschen Ansprüche stellt. Gerade wenn man feststellen sollte, dass die Verteidiger am Ende wichtiger sind als die Torhüter.
Jedenfalls wird sowohl Schwolow als auch Flekken nächste Saison wesentlich schlechter aussehen, wenn die 3 erwähnten Verteidiger den Verein verlassen und der SC Freiburg sie nicht adäquat ersetzt bekommt. Denn sowohl Flekken als auch Schwolow sind ganz normale Bundesligatorhüter.

Dessen muss man sich halt bewusst sein, wenn sein Verein gerade einen neuen Torhüter suchen will oder muss: Es gibt da nur verdammt wenige, die wirklich einen Unterschied machen und solange man nicht komplett ins Klo greift, ist es ziemlich egal, wen man dann verpflichtet.

Mittwoch, 11. März 2020

Hat die Bundesliga ein Torhüter-Problem?

Also kollektiv?
Und ja, ich habe einfach keinen Bock auf Politik und Viren. Und auf Kohfeldt. Also beschäftigen wir uns mal mit etwas harmlosen und neuem: Der ständig nachlassenden Qualität der Bundesliga. Oh, warte, auch das ist hier ständig ein Thema...

Dass ist natürlich wie alles immer ein schleichender Prozess. Also warum zum Beispiel ein Roman Bürki mit all seinen Unsicherheiten als gehobenes Bundesliganiveau gilt. Und natürlich ist Bürki ein gestandener Bundesligatorwart. Also so jemand, der in der Bundesliga gut mitspielen kann. Aber gerade kommt er halt auch auf einen Notenschnitt von 3,16 und einem überragenden Spiel in der Saison. In dem ist er dann auch direkt ausgewechselt worden. Von einem Spitzentorwart kann man mehr erwarten. Und ganz ehrlich: Für Dortmund würde es keinen Unterschied machen, wenn sie den Rest der Saison auf Marvin Hitz setzen müssten. Das kann man jetzt als Lob für die Breite des Kaders betrachten... aber gerade im Tor willst du ja keine Breite, sondern einen überragenden Kandidaten.

Bei RB Leipzig frage ich mich seit Jahren, ob Peter Gulacsi wirklich mit dem Verein mit gewachsen ist, oder ob die Bundesliga einfach nicht mehr gut genug ist um dessen Schwächen zu offenbaren. Aber hier ist halt auch das Problem: Wenn man nur in 2-3 internationalen Partien wirklich gefordert wird, wird man dazwischen auch nie in Frage gestellt.
Nun muss ich natürlich zugeben, dass das eine reine Gefühlssache bei mir ist. Also ich glaube halt einfach, dass RB nochmal den Stammtorwart tauschen wird, bevor sie zu wirklichen internationalen Erfolgen durchstarten. Andererseits würde ich darauf kein Geld wechseln und es Gulacsi sogar gönnen.
Und er ist einer von den 4 oder 5 Torhütern, bei denen ich mir aktuell die wenigsten Sorgen mache. Also Manuel Neuer steht halt gerade mal wieder über allem. Yann Sommer ist aus irgendwelchen Gründen immer noch in Gladbach. Das wäre einer der ersten Kandidaten, den ich mir als Champions League Titelaspirant angucken würde. Lukas Hradecky hat den Sprung von "Kann in der Bundesliga mitspielen" zu "kann oben mitspielen" geschafft. Aber dahinter wird es halt ganz schnell überraschend finster.

Wenn man dann noch bedenkt, dass nur 2 Torhüter in der Spitzengruppe überhaupt durch deutsche Spieler besetzt werden. Und einer davon war Alexander Nübel. Dessen Kontrahent zunächst in einer 3 Spiele Sperre nicht so überzeugen konnte, dass Schalke in der Rückrunde und trotz des feststehenden Wechsels zunächst wieder auf Nübel setzte... Und dann spielte der so schlecht, dass jetzt doch wieder Markus Schubert im Kasten steht.
Wie oft erlebt man es, dass eine Mannschaft, die mindestens in die Europa League will, so oft den Torwart wechselt. Nebenbei frage ich mich ja, ob Schalke darüber nachgedacht hat, im Winter Ralf Fährmann zurückzuholen... weiter verliehen haben sie ihn jedenfalls. Da fragt man sich schon, wie der das Problem ab Sommer lösen soll...

Dahinter kommen direkt 3 Kandidaten, die wenig dafür können, dass sie dieses Jahr zum nachlassenden Niveau beitragen. Denn Wolfsburg, Hoffenheim und Freiburg mussten verletzungsbedingt auf ihre Nummer 1 verzichten. Was dazu führte, dass ein 34 jähriger Philipp Pentke zu seinem Bundesligadebüt kam... Und besser kann man das nachlassende Niveau nicht beschreiben: Vor 2 Jahren saß der noch in der 2. Liga auf der Bank, jetzt steht er in der ersten im Tor. So was wird dann ja immer als wunderbare Erfolgsgeschichte beschrieben... Weil halt keiner darüber reden will, dass es auch daran liegt, dass das allgemeine Niveau nachlässt.
Aber hier ist das eigentlich faszinierende: Auf dem ersten Blick hat sich keiner der 3 Vereine verschlechtert, weil man auf die Nummer 2 setzen musste. In Wolfsburg kommen beide auf einen Notenschnitt von 3,00, bei den andern beiden Vereinen ist die Nummer 2 laut Kickernotenschnitt jeweils besser.
Was mich ja zu der nächsten Frage bringt: Wie kommt man als Torwart eigentlich auf seine Noten? Also kann es sein, dass einem neuen oder jungen Torhüter einfach mehr verziehen wird und man ihn trotzdem die besseren Noten gibt?

Timo Horn steht vor einem entscheidenden Schritt in seiner Karriere: Wir aus dem wirklich nochmal zumindest eine Nummer 2 im Land? Oder wird er doch nur eine Kölner Legende, steht da 15 Jahre im Tor und wechselt nach dem 3. Abstieg irgendwo anders auf die Bank... also wird er wirklich ein Bundesligatorwart, oder nur der nächste Sven Ulreich?

Union hat den "Vorteil" des Aufsteigers. Anscheinend ist Rafal Gikiewicz nicht die Torwart Version des Marius Ebbers Angreifers. Das ist der allgemeine Vorteil, den die Berliner gegenüber dem SC Paderborn haben. Mich würde es aber auch nicht überraschen, wenn die spätestens 2021 nach einem Upgrade suchen.

Kevin Trapp ist Deutscher Nationaltorhüter... allerdings wurde er auch von den ganz großen Vereinen gewogen und als zu leicht eingestuft. Und klar, als Identifikationsfigur in Frankfurt funktioniert er wunderbar. Das bringt mich aber auch irgendwie zu der Frage: Kann es wichtiger sein, dass dein Torwart eine Identifikationsfigur und ein relativer Fixpunkt ist? Ist es dann am Ende egal, wie gut er wirklich ist?
Nebenbei bedeutet dies auch: Die Nummer 3 in Deutschland ist nicht mehr gut genug für die Champions League. Dazu kommen wir noch, aber das war mal anders... zumindest gefühlt.

Bei Hertha steht plötzlich nach gefühlt 100 Jahren wieder Thomas Kraft im Tor. Obwohl dort quasi alle zu dem "Ist auf der Bank besser aufgehoben" Schluss gekommen sind. Fun Fact: Rune Jarstein ist mit seinen 3,12 trotzdem der Notenbeste Spieler im Kader... Das hat was vom Berliner Abitur, was die da abliefern. Und Kraft wurde halt auch nur auf Grund des vorherrschenden Chaos in die Truppe gespült, nicht weil er zwingend besser ist als Jarstein.

Beim FC Augsburg fragt man sich irgendwie schon seit Oktober, wie lange man da noch an dem Fehleinkauf zwischen den Pfosten festhalten will. Es war quasi allen bewusst, dass Andre Luthe die bessere Option ist, aber man wollte sich nicht eingestehen, dass man im Sommer daneben gelegen hat. Und Trainer Martin Schmidt wird ausgerechnet nach diesem überfälligen Schritt entlassen... Die Augsburger Torwartsituation ist nebenbei seit dem Wechsel von Marvin Hitz zu Dortmund eher traurig.

In Mainz übernimmt Florian Müller jetzt zum wievielten Mal? Nebenbei hat mich dieses Video zu diesen Beitrag inspiriert. Da heißt es nach der Auswechslung von Robin Zentner mit einem "es scheint, als hat Mainz 2 gleichwertige Torhüter"... nur damit Müller beim 1:1 direkt wieder zumindest unglücklich aussieht.
Und Müller ist halt vor allem der Grundlegende Beweis für das eigentliche Problem: Müller hat als Deutscher U21 Torhüter durch die Verletzung von Rene Adler den Platz zwischen den Pfosten eingenommen. Das war in der Saison 2015/16. Früher war unsere Jugendarbeit im Tor so gut, dass ein U21 Torwart seine Position nie wieder abgeben musste. Ein Rene Adler kannte das ja aus beiden Positionen: Zunächst verdrängt er als aufstrebendes Talent über Nacht Hans Jörg Butt, weil dieser gesperrt fehlte. Butt bekam bei Bayer nie wieder eine Chance. Dann traf es irgendwann Adler selber, der durch einen jüngeren Bernd Leno ersetzt worden ist. Wieder überzeugte das Talent so sehr, dass der verletzte Stammtorhüter nie wieder eine Chance bekam... Und selbst als Nationaltorwart war man vor einer derartigen Degradierung nie sicher.
Müller verliert dagegen seinen Stammplatz nach 3 Spieltagen an Zentner, obwohl Zentner weit weg davon ist, für die Nationalmannschaft berufen zu werden.
Und wie man bei 2 angeblich gleich starken Torhütern auf den Älteren setzen kann, ist ein anderes Rätsel. Oder das Gerede ist halt nicht ernst zu nehmen.

In Düsseldorf startete Zack Steffen stark, ließ aber auch stark nach. Und ist jetzt auch schon eine Weile verletzt. Ersatztorwart Florian Kastenmeier erzielte direkt bei seinem Debüt auch sein erstes Tor und ist damit immer noch statistisch gesehen mit der gefährlichste Angreifer der Rückrunde von... Werder Bremen.

Und dort hat Jiri Pavlenka halt das Pech, dass er einen Vollidioten als Cheftrainer hat, der es einfach nicht schafft eine gewisse Stabilität in die Verteidigung von Standards zu bekommen. Obwohl das eigentlich die einfachste Arbeit sein sollte, schließlich reden wir von "ruhenden Bällen"... wenn man da als Trainer über Monate keine vernünftigen Lösungsansätze hat... Ist vielleicht auch der Torwart das Problem, dem die nötige Präsenz fehlt.
Lustiger Weise las ich irgendwann im Oktober den ersten "Was könnte Kohfeldt jetzt tun" Artikel... und da wurde über einen Torwartwechsel spekuliert, damit er wenigstens ein Zeichen setzen kann. Denn da hatte er immerhin, im Gegensatz zu all den anderen Positionen, eine Alternative. Jetzt muss er auf diese zurück greifen, weil seine Nummer 1 verletzt ist.

Die Personalie Pavlenka zeigt halt auch ein eigentliches Problem: Torhüter sind in den meisten Fällen einfach nur Mitläufer. Wenn es gut läuft, halten die auch mal einen Ball fest. Und wirken überraschend souverän. Wenn der eine wirklich gute Spieler dann in der nächsten Saison weg ist, sieht derselbe Torhüter, der vorher angeblich internationale Klasse hatte, wie ein Depp aus. Genau genommen lassen sich 80% der Bundesligatorhüter auf genau diese Rolle beschränken. Und dann wird dir auf ein Mal bewusst, dass es, bis auf wenige Ausnahmen, komplett egal ist, wer bei dir im Tor steht.

Die spannende Frage ist halt, ob das nicht eigentlich schon immer so war. Also genau genommen ist der Torwart ja die Position, bei der Konstanz am wichtigsten ist. Es bringt dir genau genommen wenig Millionen in einen Torwart zu stecken, der dann ein wenig besser ist als der Vorgänger... dafür dann aber einen Fixpunkt im Team, gerade was Kommunikation betrifft, zu verlieren. Dann ist Vertrautheit auf ein Mal wichtiger als Qualität. Und dann lässt das Niveau vielleicht gar nicht mehr nach, sondern war halt schon immer bescheiden. Ich meine, Oliver "Pannen-Oli" Reck und Tomislav "Wtf was für ein Eigentor" Piplica waren ja auch Jahrelang Stammtorhüter.

Die Fälle Nübel, Schubert und Müller zeigen allerdings: Die Qualität der Ausbildung lässt anscheinend nach. Dass man lieber auf 34 jährige Zweitligatorhüter setzt, statt auf die eigene Jugend, ist ebenfalls kein gutes Zeichen.
Dabei bin ich ja echt nicht der Typ, der die "Wir sind keine Torhüternation mehr, wie konnte das passieren" Panikwelle mit reitet. Eher im Gegenteil: 2 der 3 weltbesten Torhüter sind immer noch Deutsche. (Marc-Andre ter Stegen und Neuer halt). Und als Nummer 3 hatte man früher auch einen Oliver Reck, der weit weg von Weltklasse war. Da ist man mit Bern Leno noch besser aufgestellt.
Aber man muss halt jetzt anhand der doch eher bescheidenen  Leistungsnachweise der nächsten Generation schon fragen, ob die Ausbildung und Förderung der Talent noch up to date ist. Denn wenn man das Ausnahmetalent Neuer und den einen oder anderen passenden Import rausrechnet, ist die Position Torwart in der Bundesliga gerade richtig bescheiden besetzt.

Mittwoch, 20. September 2017

Das sinnlose an der Casteels-Gentner Debatte ist ja...

Das so verdammt viele mit einem "Das ist ja ein Torhüter, der muss das dürfen" reagieren...

Also... vergleicht einfach mal die Szene in Stuttgart mit dem Platzverweis für Naiby Keita bei Leipzig - Gladbach. Die Argumentation ist jedes Mal dieselbe: "War keine Absicht, er hat ihn halt nicht gesehen...tut ihm leid..."

Der entscheidende Unterschied ist: bei Feldspielern sehen dann alle Beteiligten (also sogar die Leipziger) ein, dass es dafür Rot gibt. Und 3 Spiele Sperre ohne jegliche Vorstrafe... Das ist für einen Ersttäter verdammt viel...
Für weniger... Bei Torhütern scheint es die Grundlage zu geben "Solange der keinen umbringt..."

Anders ausgedrückt: Stellt euch mal vor, was los gewesen wäre, wenn ein Angreifer so in den gegnerischen Torwart rauscht. Weil er eine scharfe Flanke unbedingt erreichen will. Ihr könnt mal bei Peter Cech nachfragen, wie das ausgehen kann... genau so hässlich.
In England hat da gerade jemand für Rot gesehen... Beim Spiel Liverpool - Manchester City. Auch darüber wollte niemand ernsthaft diskutieren...

Und ja, ich glaube Koen Casteels sofort, dass das keine Absicht war... der ist halt einer dieser Torhüter aus der Bremer Schule, bei denen sieht einfach nichts nach Absicht aus. Aber wenn wir ab sofort die Absicht bei Foulspiel Entscheidungen in den Mittelpunkt stellen... und bei der Verteilung von persönlichen Strafen...

Dann kommt Casteels sofort mit der "Das wird dir in der D-Jugend so bei gebracht, da müssen wir dann das Training umstellen." Worauf ich dann frage: Warum sollte es den Torhütern besser gehen, als dem dreckigen Rest?

Also... nur mal so als Beispiel... der Ellenbogen in Luftzweikämpfen wird mittlerweile konsequent abgepfiffen und mit Gelben Karten bestraft. Das sind auch Bewegungsabläufe, die du früher als Angreifer in der Jugend gelernt hast. Und dann gab es nicht mehr 2 Spieler im Jahr, die mit Gesichtsmaske auflaufen mussten, sondern 2 Spieler pro Monat. Also wurden die Regeln angepasst.

Dabei würde ich nicht mal davon ausgehen, dass die Fußballprofis heute im Luftzweikampf bösartiger zu Werke gehen, als vor 20 Jahren... aber sie gehen halt mit einer viel höheren Intensität in diese Zweikämpfe. Und diese Intensität hält der Schädel irgendwann nicht mehr aus. Also wurden die Regeln angepasst um die Gesundheit der Spieler zu schützen.

Das vergessen ja viele auch gerne. Aber der eigentliche Hauptgrund, warum man Schiedsrichter und Regeln braucht. ist ja die Gesundheit der Spieler.

Anders ausgedrückt: "Als gefährliches Spiel gilt jede Aktion beim Versuch den Ball zu spielen, durch die jemand verletzt werden könnte (einschließlich des Spielers selbst)"... warte was? Wie konnte so jemals ein Bundesligaspiel mit Beteiligung von Mario Gomez stattfinden? Einem Spieler, der sich selbst beim Torschuss verletzt... Ernsthaft, die Formulierung ist ziemlich... dämlich... Also technisch gesehen kann ich meinen Gegenspieler auch verletzten, wenn ich den Ball mit 100 km/h in seine Richtung schieße und ihn zufälliger Weise im Gesicht treffe... Also... ab sofort... Torschüsse abpfeifen?

Aber der grundlegende Geist der Regel ist natürlich trotzdem eine elementare Grundlage des Fußballs. Und dass die Gesichtsverletzungen zunehmen... kann man ignorieren, muss man aber nicht... Ich sage das mal so: Dieselbe Debatte haben wir vor 2 Jahren schon mal geführt. Damals war es Robert Lewandowski, der einen Termin beim Schönheitschirugen brauchte, nur damit er hinterher wieder so hässlich aussieht, wie vorher... Und all so "Dafür muss Mitch Langerak Rot sehen..." Wie kann man da weiter laufen lassen?

Die spannende Frage ist ja: Wie lange muss man bei solche Momenten von "tragisch" reden? Wie oft muss man sich das ansehen, damit man feststellt, dass es eine logische Konsequenz der gesteigerten Geschwindigkeit im Fußball ist? Und dann muss man sich halt auch fragen, wie man diese Konsequenzen wieder unterbindet.

Die einfachste und offensichtlichste Lösung für das Problem sind natürlich... Helme wie beim Rugby. Oder bei Chech.
Es ist schon absurd... Also die Rugby Spieler gelten immer als die härtesten Profis der Welt, weil sie diesen Vollkontakt quasi ohne Schutzkleidung bestreiten... aber einen Helm haben die trotzdem alle auf... Und dabei gibt es dort das Konzept "Kopfball" gar nicht... In 20 Jahren werden diese Helme selbstverständlich getragen werden... also zumindest, wenn wir uns jetzt fragen, was man eigentlich gegen solche Zusammenstöße unternehmen muss.
Um mal eine Prognose zu wagen: Das nächste neu arrangierte Gesicht eines Angreifers durch einen Torhüter wird nicht 2 Jahre lang auf sich warten lassen...

Was man dabei halt auch bedenken muss... diese "Ihr hebt das Linke Knie" Lehre... kommt ja genau genommen aus Zeiten, in denen man als Torwart nicht standardmäßig dieses Gesicht auf Kniehöhe hatte... Weil man als Torwart auch 10 CM weniger hoch kam... Und mit Spielern in einem Bereich kollidiert ist, in dem man auch den Schutz brauchte.

Die andere Option ist halt... sachlich über die Regeln zu reden. Da gehört halt auch dazu, den Mythos "Die Torhüter genießen einen besonderen Schutz" abzuschaffen. Es gibt genau eine einzige Sonderregel für Torhüter: Die dürfen den Ball im Strafraum mit der Hand spielen. Das war's.
Und wenn man die Regeln über Gliedmaßen und Gesichter anwendet... ist das halt ein Elfmeter... Und auf Grund der Intensität auch Rot...

Aber hey, warum von anderen Sportarten lernen, welche langzeitfolgen "Chronic traumatic encephalopathy" haben, wenn man doch auch seine eigenen Idole an so einem Blödsinn sterben lassen kann... Und ja, ich sage jetzt dasselbe wie vor 2 Jahren: Bei der Anzahl von Gehirnerschütterungen, die Robert Lewandowski jetzt schon gesammelt hat, ist er einer der absoluten Spitzenkandidaten auf einen plötzlichen Hirntot mit 40 Jahren... Er wäre da auch nicht der erste... Aber solange es nur unbekannte Amerikaner oder Engländer trifft... who cares...

Das klingt jetzt natürlich total finster und deprimierend. Aber das ist die bittere Konsequenz der "Das gehört dazu, da muss man durch", "von Torhütern wird Präsenz und Dominanz verlangt" Argumentation...

Und ja, Langzeitschäden fürs Gehirn gehört zu den Sachen, die man beim Profisport immer im Hinterkopf haben sollte. Natürlich hoffe ich wirklich darauf, dass Lewandowski und Gentner nicht irgendwann an den Spätfolgen zu Grunde gehen. Aber ich befürchte halt auch, dass wir die eigentlich dringend notwendige Debatte erst führen werden, wenn ein bekannter, für die Bundesliga relevanter Spieler plötzlich umkippt.

Aber von CTE wird man im Kicker trotzdem nichts lesen. Wäre ja noch schöner... wenn das ehemalige Fachmagazin wirklich mal auf relevante Gefahren des Vollkontaktsports (zu dem Fußball halt mittlerweile gehört) hinweisen würde... Das fällt ja mal so gar nicht ihn ihren Aufgabenbereich...

Montag, 22. Juni 2015

Dieser ergeizlose, geldgeile Sack!!!

Da wechselt der einfach zu den Bayern... als Torwart!!! Wo er da doch eh nur auf der Bank verrotten wird. Dabei hätte er doch noch bei so vielen Bundesligisten... oh warte, wir reden von Sven Ulreich...

Es ist immer wieder überraschend, wie schnell der gemeine Fan über Fußballprofis urteilt. Ohne sich auch nur ein bisschen mit dem Menschen zu beschäftigen. Und geldgeiler Legionär ist da eine beliebtes Fazit. Wenn man überhaupt ein Fazit ziehen kann, ohne sich mit etwas zu beschäftigen...

Also... gucken wir uns mal die Personalie Sven Ullreich zum Rekordmeister genauer an. Zum einen rein sportlich: Natürlich wird Ulreich einen Manuel Neuer niemals verdrängen können. Und das weiß der auch. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass er in einem Champions League Finale auf dem Feld stehen wird, exponentiell gestiegen. Von 0.000000000000000001% auf 0.000000001%... aber immerhin...
Denn eines steht doch mal fest: ein Stammkeeper Sven Ulreich wird sich niemals für die Champions League, geschweige denn das Finale, qualifizieren. Wenn er noch mal irgendwie an diesem Wettbewerb teilnehmen will... muss er halt schummeln und sich mit dem Bankplatz begnügen...

Aber gehen wir noch mal einen Schritt weiter: Bei wie vielen Bundesligisten wäre Sven Ulreich (mit seiner Allergie gegen Flanken) überhaupt Stammtorwart? Letzte Saison wären dass Werder Bremen, Stuttgart und der SC Paderborn... alle anderen haben einen besseren (oder im Falle von Mainz zumindest jüngeren, entwicklungsfähigen) Torwart in ihren Reihen...
Und wenn ihr dieses Urteil als "zu hart" erachtet... der Mann hat zwischenzeitlich seinen Stammplatz an Thorsten Kirschbaum verloren... Für diejenigen, die mit dem Namen nichts anfangen können: Kirschbaum hat 2013 (nach 111 Zweitligaspielen) quasi dieselbe Entscheidung getroffen, wie Ulreich: Ich sitze lieber auf dem höheren Niveau (also Bundesliga) auf der Bank, als in der tieferen Liga vielleicht Stammspieler zu sein...
Und wer seinen Stammplatz (zwischenzeitlich) an einen Mann vom Kaliber eines Kirschbaums verliert, der sollte sich echt Gedanken machen... und auch der Verein sollte sich echt Gedanken machen...

In dem Moment werden einige Stuttgart-Fans hysterisch lachend an Bernd Leno denken... Den verkaufte man 2012 für 7,5 Millionen nach Leverkusen... nachdem er schon nachgewiesen hatte, dass er auf Champions League Niveau halten kann... weil man darauf gehofft hat, dass Ulreich sich noch entwickelt... und weil Ulreich halt eine Identifikationsfigur für den Verein war... schließlich kam er als 10 jähriger zum VfB...

Das Problem ist halt: Ulreich ist immer noch derselbe Torwart wie vor 2 Jahren, während Leno... nun ja, dasselbe wie Ulreich, nur auf Nationalmannschaftsniveau, ist...
Und ja, eine Abwehr, die einen Ulreich hinter sich weiß, verfällt bei jeder hohen Flanke in Panik... weil sie halt wissen, dass da in Sachen Strafraumbeherrschung nichts kommt und sie alles alleine richten müssen. Das war auch vor 2 Jahren schon so. Das wird wohl auch ewig so bleiben.

Dass eine junge Abwehr durch einen Torwart von Ulreichs Niveau keinerlei Sicherheit bekommt, hat die letzte Saison eindrucksvoll bewiesen. Und um mal ein prominentes Beispiel zu nennen, wie groß der Einfluss eines ordentlichen Torwarts sein kann: Könnt ihr euch noch daran erinnern, wie wild die Hoffenheimer verteidigt haben, als Tim Wiese, Koen Casteels und Jens Grahl ihre Torhüter waren? Wie haben die Hoffenheimer dieses Problem gelöst? Mit einem Innenverteidiger aus Braunschweig... und einem richtig seriösen Torwart mit Oliver Baumann.

Stuttgart hatte quasi, wenn sie wirklich mal wieder in sicherere Gefilde kommen wollen, eine einfache Entscheidung zu treffen: Wechseln sie die (talentierte) Innenverteidigung um Antonio Rüdiger und Timo Baumgartl aus? Oder wechseln sie den Torwart? Das mag bei all den Gegentoren, die Baumgartl verschuldet hat, absurd klingen, aber die beiden haben größere Entwicklungsmöglichkeiten als Ulreich... Sie brauchen halt nur jemanden hinter ihnen, der ihnen Halt gibt.

Ein Wechsel im Stuttgarter Tor wäre so oder so einfach nötig gewesen. Dass ist halt die Position, auf der man sich am einfachsten verbessern kann... solange man nicht Lukas Kruse holt. Aber es gibt garantiert auf der einen oder anderen Bundesliga-Ersatzbank einen besseren Torwart als Ulreich: Jaroslav Drobny... und was macht eigentlich Tom Starke? Roman Weidenfeller/ Mitch Langarek (davon ausgehend das Roman Bürki sich durchsetzen wird), Fabian Giefer (nachdem Ralf Fährmann sich auch Schalke wohl als Nummer 1 durchgesetzt hat): Alles Torhüter ohne Stammplatz... die in Stuttgart gegen die Ulreich einen einzigen Vorteil hat:

Er ist der Platzhirsch. Und ein Kind des Vereins. Das dürfte auch der einzige Grund sein, dass Stuttgart (nach dem sie Leno haben ziehen lassen) keinen wirklichen Konkurrenten, sondern eine Nummer 2 geholt hat. Und damit auch der einzige Grund, warum er noch Stammtorwart in Stuttgart war.

Als Kind des Vereins gilt er nebenbei als überaus loyal. Und ja, Ulreich wurde in die 2. Mannschaft zurückversetzt, nachdem er bereits eine Halbserie im Tor gestanden hatte (als er Raphael Schäfer verdrängt hatte) um einem Jens Lehmann Platz zu machen. Wie viele Teenager hätten das schweigend ertragen? Ich frag ja nur?

Fast zusammenhangloser Gedanke: Die Personalie Raphael Schäfer zeigt nebenbei genau das auf, was den Stuttgartern bevorstehen könnt, wenn sie Ulreich behalten würden: Der war in Nürnberg Kapitän, Identifikationsfigur, Stammkeeper, Meinungsmacher... und am Ende einfach (fast) nicht mehr wegzukriegen, obwohl er (was das Jahr in Stuttgart bewiesen haben sollte) eigentlich nicht gut genug war, um genau diese Rolle bei einem Bundesligisten zu übernehmen... die logische Konsequenz: Nürnberg ist kein Bundesligist mehr.

Aber zurück zu Ulreich: Vielleicht hat er ja auch genau das erkannt. Also dass er seinem Verein als Stammkeeper nicht mehr weiterhelfen kann. Und dass er den Platz für einen Neuanfang räumen muss. Und dann kam auf ein Mal das Angebot von den Bayern...
Dann wäre Ulreich auf ein Mal das Gegenteil von dem geldgierigen Legionär: Er ist sogar gewillt, seine große Liebe zu verlassen, weil das für den Verein besser ist... und nimmt dafür sogar einen Bankplatz in Kauf...

Natürlich ist gerade der letzte Paragraph reine Spekulation. Schließlich kennen wir alle den Menschen Ulreich nicht. Aber genau deswegen sollten wir nicht vorschnell über ihn Urteilen, ohne mal verschiedene mögliche Motivationen wenigstens durchzudenken... Aber es ist  auch möglich, dass ich mir gerade mehr Gedanken zu dem Wechsel gemacht hat und Ulreich nur gesehen hat: "Geil, 3 Millionen Jahresgehalt, die nehme ich..."

Dienstag, 18. November 2014

Wie man sein Karma ruiniert...

Es ist schon faszinierend... Wenn es einen Fußball-Gott gibt, hat der denselben zynischen Humor wie ich...

Die Bayern haben ja bekanntlich den am besten besetzten Kader Deutschlands... was sich auch in der Torhüterposition manifestierte. Dort hatte man letztes Jahr mit Manuel Neuer den wohl besten seiner Zunft. Und Neuers Back Up war Tom Starke... der kam als Stammtorhüter aus Hoffenheim... und er stand bei den Hoppenheimern nicht nur im Tor (und wechselte danach zu den Bayern), weil er mit Dietmar Hopp und Franz Beckenbauer Golf spielt... das ist ein richtig guter Bundesliga-Profi...

Und als Notfallplan gab es einen gewissen Lukas Raeder (der laut Fussballdaten.de sogar eine Torvorlage auf seinem Konto hat... nicht sein Kerngebiet... aber trotzdem nett...) und mit Raif Husic die Nummer 1 der Deutschen U18  Nationalmannschaft. Das sollte doch reichen...

Da sich Tom Starke aber in der für ihn entscheidenden Phase verletzt hatte... war das den Bayern nicht mehr sicher genug... und deswegen holten sie sich Pepe Reina als Nummer 2. weil es ja absolut wichtig ist, dass man gegen Eintracht Braunschweig einen Mann von internationalem Niveau im Kasten stehen hat... sonst fühlen sich die Balljungen, die dem die Bälle zuspielen müssen, damit der nicht ganz einfriert, beleidigt... und das geht ja mal gar nicht...

Das Ergebnis? Der vorher menschlich so hoch gelobte Starke wollte auf ein Mal unbedingt weg, weil er zwar Titel holen wollte, doch dies auf der Tribüne zu erleben, war ihm dann doch auch ein bisschen zu doof.
Lukas Raeder sammelt seine Torvorlagen mittlerweile in Portugal und der Deutsche U18 Nationaltorwart seine Erfahrung auf der Ersatzbank von Werder Bremen...

Und vor allen Dingen (und jetzt wird's lustig): Alle im Bayern-Kader stehenden Torhüter sind gerade (laut Transfermarkt.de) verletzt (und ja, auch 2 von 3 Torhütern der 2. fallen gerade aus...)... Heinz Müller sei Dank standen diese Saison schon 6 unterschiedliche Torhüter auf dem bayrischen Trainingsplatz... Und all das nur, weil Pep Guardiola unbedingt einen alternden Spanischen Ladenhüter holen musste...

Natürlich ist die Ersatztorhüter Position die am schwersten zu besetzende bei den Bayern... schließlich ist davon auszugehen, dass Neuer dort noch 10 Jahre im Kasten stehen wird... man brauch halt so jemanden, der gut ist, sich aber bereitwillig 5 Jahre lang auf die Bank setzt... so wie Bernd Dreher und Uwe Gospodarek... und das ich diese Namen kenne, macht mir echt Sorgen...
Und dahinter hat man dann... für den absoluten Notfall... die aktuelle Nummer 1 der U18, die im Training mit diesen Klasse Leuten mehr lernen kann als irgendwo anders... und wenn der dann 21 ist, wird er für 1-2 Millionen verkauft...

Anders ausgedrückt... die Bayern brauchen alles, was sie schon gehabt hatten... was ihnen aber nicht genug war... weil ihr Talent aus der Hinterhand gegen Braunschweig wirklich im Tor stehen musste...
Glaubt eigentlich irgendjemand ernsthaft, dass es in 28 von 34 Bundesligaspielen wirklich relevant ist, wer da im Kasten steht? Gut, die Feldspieler müssen ihren Torwart wieder flach anspielen, wenn es nicht mehr Neuer ist... aber sonst?

Und wenn am Wochenende wirklich Leopold Zingerle im Kasten stehen muss... ist das der klare Beweis, dass man sich mit zu viel Gier auch einfach mal eine gute Sache kaputt machen kann...

Dienstag, 5. November 2013

Es ist faszinierend, wie wir Torhüter wahrnehmen

Am Wochenende hielt Timo Hildebrandt zum 100. Mal seinen Kasten sauber. Der einzige aktive Keeper mit mehr weißen Westen? Manuel Neuer... und der ist Bayern-Torwart...
In logischer Konsequenz sollte Hildebrandt doch zu den besten Deutschen Torhütern gelten, oder? In Wahrheit steht er mehr oder weniger ständig in der Kritik. Um ihn selber zu zitieren: "Wenn eine Mannschaft viele Treffer einstecken muss, landen die meisten Beobachter eben sehr schnell beim Torwart. Der ist dann zu schlecht, wahrscheinlich auch noch zu klein und sowieso zu alt."

Natürlich hat Hildebrandt einen schwereren Stand auf Schalke weil er quasi der erste Stamm-Torwart seit genau eben Manuel Neuer ist... und natürlich hat er auch seine Fehler gemacht. Hauptsächlich natürlich den Schritt ins Ausland zu wagen... und dann bei dem einen Verein zu landen, der lieber eine spanische Legende als einen Deutschen Torwart zwischen den Pfosten hat... Trotzdem dürfte Hildebrandt (aktuell noch vor Roman Weidenfeller) der unterschätzteste Deutsche Torwart sein. Er liegt in den Serie "Minuten ohne Gegentor" nicht rein zufällig auf Platz Eins der Bundesligageschichte... Trotzdem gibt es auf Schalke immer wieder Stimmen unter den Fans, die ihn loswerden wollen... und durch Lars Unnerstall ersetzen...

Roman Weidenfeller ist dagegen der lebende Beweis, dass man auch noch in den 30ern zu einem Torwart von mindestens internationaler Klasse reifen kann... Und sein wir ganz kurz ehrlich: bis zur letzten Saison hätte niemand wirkliche Argumente für den Nationaltorwart Weidenfeller gefunden... der sah hinter einer stabilen Abwehr gut aus... aber unsere Nationalmannschaft hat keine stabile Hintermannschaft... Dann hat er allerdings international überragende Spiele abgeliefert... und auf ein Mal wird ihm bewusst, wie lange es dauert bis es der Welt auffällt, dass man ein guter Torwart geworden ist...

Aber die Wahrnehmung von Torhütern ist allgemein fragwürdig... Ron Robert Zieler hat letzte Saison 62 Gegentore bekommen... Und diese Saison werden es nicht zwingend weniger... und trotzdem fragen wir uns, ob nicht ein Zieler (anstelle von Weidenfeller) mit zur WM sollte... immerhin weiß der, wie es sich anfühlt hinter einem Hühnerhaufen zu stehen... und bevor ihr selber nachschlagt: Weidenfeller hat mehr Champions League Finale als Zieler Champions League Spiele bestritten...

Bei Werder Bremen wird das Nachfolgerproblem nebenbei gerade zu absurd. Schließlich trauern einige Fans dort Tim Wiese nach... obwohl der in Bremen die Wiese-Rolle patentiert hat...

Und ja, wir wissen heute, dass dies der letzte relevante Champions League Auftritt von Werder war...


Sebastian Mielitz ist nun bestimmt kein Heiland auf der Torhüter-Position... aber er kassierte auch nur 8 Gegentore mehr als Wiese... sprich: Wiese wäre es auch nicht...

Aber hey, neu ist daran... nichts. Oder wie können wir uns sonst erklären, dass die größten Bayern zwischen Sepp Maier und Oliver Kahn (also zwischen 1978 und 2000) keinen einzigen Stammkeeper der Nationalmannschaft stellen konnten? Stattdessen wurde Bodo Illgner Weltmeister... Und Andreas Köpke Europameister... 

Jetzt kommt eine Statistik für die Ewigkeit Andi Köpke ist mit JEDEM seiner 6 Deutschen Profivereine (davon 2 Mal mit dem 1.FC Nürnberg) abgestiegen... Am Ende muss der VfB Stuttgart echt froh sein, dass Köpke nach einem endlosen Wechseltheater im Jahre 1996 doch zu Olympique Marseille wechselte...
Trotzdem gilt Köpke als einer der großen deutschen Torhüter... und derzeit als der best mögliche Mentor für unsere Nationalkeeper... bei seiner Vereinswahl hatte er halt ein bischen Pech gehabt... 6 MAL... Ich behaupte ja sonst immer, dass die Wiederholung von Glück Können ist... was muss dann logischer Weise die Wiederholung von Pech sein?

Den Nürnberger Fans ist das egal... sie haben Köpke trotzdem zur "Torhüterlegende des Jahrhunderts" gewählt... vor ehmaligen Meister-Keepern... und vor Rafael Schäfer, der mit dem Club Pokalsieger wurde und nie abgestiegen ist, der aber von den Fans trotzdem kaum respektiert wird... weil er letztens gesagt hat, dass der Klassenerhalt wichtiger wäre als der Derby-Sieg gegen Fürth.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wir wissen nicht wirklich, was einen guten Torwart ausmacht. Und wir können uns meistens selber nicht erklären, warum wir uns für den einen und gegen den anderen entschieden haben... 
 Aber hey, die Engländer werden auf dieses Problem nur neidisch gucken... die wissen definitiv nur, was einen schlechten Torwart ausmacht und wie man den zielsicher nominiert...

Mittwoch, 7. November 2012

Wo wir Deutschen ja immer richtig gut waren...

Eines konnten wir ja immer. Selbst in den richtig finsteren Jahren als ein Alexander Zickler als Heiland gefeiert wurde... hatten wir wenigstens immer richtig gute Torhüter. Man könnte behaupten, dass seit Sepp Meier kein Torwart in unserer Bude stand, der nicht mindestens Weltklasse war...
Unsere Torhüter standen immer für das, was halt in dem Moment gerade modernes Torwartspiel war. Und gerade jetzt wächst eine junge Generation an überragenden Torhütern heran. Unsere Nummer 4, 5, und 6 würde wahrscheinlich von jeder Nationalmannschaft mit Kusshand genommen werden... zumindest um sich hinter dem einem guten Torwart bereit zu halten...  Und gerade die Engländer...

Nun bin ich aber einfach mal die Aufstellungen der Premiere League am Wochenende durchgegangen... de Gea, Mannone, Schwarzer, Howard, Begovic, Mignolet, Guzan, Tremmel, Chech, Friedel, Al-Habsi, Jääskeläinen, Julio Cesar und Krul... 14 von 20 Premiere League Torhütern kommen definitiv nicht aus England. Und der einzige Deutsche ist Gerhard Tremmel... Selbst die Amis, die keine Ahnung vom Fußball haben sollten... stellen mehr Premiere League Torhüter als wir...
Und es ist ja nicht so, dass Englische Vereine keine Kohle für junge, entwicklungsfähige Torwarttalente ausgeben...
Dass die Bayern immer den Hoeneß-bedingten Grundanspruch auf DEN derzeit besten deutschen Torhüter haben, stelle ich da noch nicht mal in Frage. Und im Falle Manuel Neuer haben sie bewiesen, dass sie da sogar Manchester United ausstechen können. Aber warum interessiert sich keiner für den Rest?

Wie viele deutsche Torhüter haben sich denn bisher im Ausland durchgesetzt? Hans-Jörg Butt, Robert Enke und Timo Hildebrandt haben es versucht... und das waren alles Spieler aus dem Deutsche Nationalmannschaftskader... Durchsetzen konnten sie sich nicht. Der einzige, der es wirklich geschafft hat (wenn auch erst im 2. Versuch) war Jens Lehmann. Dazu fällt einem noch Bodo Illgner ein... aber danach?
Ja, wir als Torhüternation und Exportweltmeister haben seit diesem einen legendären Typen, der in England mit gebrochenen Schlüsselbein durchgehalten hat, nur noch 2 Torhüter verkauft. Obwohl die ganze Welt doch so neidisch auf unsere großartigen Keeper sein soll... sagen wir es so: das passt irgendwie nicht zusammen.