Wir unterbrechen die Quo Vadis Serie für eine andere, ebenfalls unwichtige Institution: Den Positionsbeschreibungen.
Also weil es sich ja schon in einen Quo Vadis Parts (Sollte Schalke 04 Geld für einen Torwart ausgeben?) hinein geschmuggelt hat und ich den Gedanken schon mehrfach hatte, wollte ich ihn mal festhalten: Wie wichtig sind eigentlich die meisten Bundesligatorhüter? Und dann wollte ich diese Frage mit ein paar "Fakten" hinterlegen.
Meiner Meinung nach ist es in 80% der Fälle ziemlich egal, wer wirklich im Tor steht. Also klar, man sollte keinen absoluten Vollpfosten zwischen den Pfosten stehen haben. Aber den wenigsten Bundesligisten geht es ja so. Das dichteste Beispiel für "Der ist halt nicht gut genug" war Tomas Koubek in Augsburg. Aber selbst da bleibt festzuhalten: Auch mit ihm stand Augsburg seit dem 10. Spieltag über den ominösen Strich. Obwohl man einen Torhüter auf der Linie hatte, der sehr viel Unruhe und Unsicherheit ausgestrahlt hat.
Genau diese Personalie zeigt aber, wie gefährlich es ist 7,5 Millionen Euro in einen Torwart zu investieren. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass man hinterher nicht relevant besser da steht als vorher, ist verdammt hoch.
Und wenn man sich Torhüterleistungen über die Jahre anschaut, fällt einem auf, dass dieselben Spieler dann sehr unterschiedliche Leistungen bringen. Nehmen wir mal spaßeshalber Jiri Pavlenka. Die letzten 2 Jahre war das jemand, der an der internationalen Klasse gekratzt haben soll. Selbst in seinem schlechteren Jahr hatte er noch einen Notenschnitt von 2,85. Dieses Jahr kam er dann auf einen eher grausamen Schnitt von 3,17. Und es wurde darüber diskutiert, ob man den nicht "als Zeichen an die Mannschaft" auf die Bank setzen sollte.
Woran könnte das gelegen haben? Vielleicht daran, dass Niklas Moisander und Theodor Gebre Selassie mittlerweile halt alt geworden sind. Dass man sich mit Ömer Toprak ein eingeplanter Fixpunkt für die Defensive immer wieder verletzungsbedingt passen musste. Und das Davy Klaassen sich eine grausame Halbserie als Stabilisator im Mittelfeld gönnte. Als dies sorgte dafür, dass auch der vorher stabile Pavlenka von der allgemeinen Verunsicherung anstecken lies. Denn er ist halt doch kein Führungsspieler, sondern nur ein Mitläufer: Wenn es gut läuft, sieht er auch gut aus... sonst halt eher nicht so.
Ein anderes offensichtliches Beispiel hier für ist Alexander Nübel: Solange die Abwehr stabil stand, sah er aus wie der designierte Neuer-Nachfolger. Als um ihn herum alles zusammenbrach, ging auch er mit unter. Jetzt wird ihn auf Schalke niemand wirklich vermissen.
Genau so geht das halt bei fest allen Torhütern in unserer ersten Liga. Und das ist nicht mal was ungewöhnliches oder problematisches. Es ist nur etwas, dessen man sich bewusst sein muss. Nehmen wir als letztes Beispiel mal den Kader des SC Freiburgs: Dort teilten sich verletzungsbedingt Alexander Schwolow und Mark Flekken die Position zwischen den Pfosten. Und am Ende hat Flekken, also die eigentliche Nummer 2, sogar den etwas besseren Notenschnitt. Trotzdem wird über einen Wechsel von Schwolow für 8 Millionen Euro spekuliert.
Ich werfe hier mal folgende These in den Raum: Für Freiburg ist es vollkommen egal, wer von den beiden nächste Saison im Kasten steht. Wichtig ist, dass die defensiven Stabilisatoren Heintz, Günter und Koch bleiben. Nebenbei fällt einem dabei auf, wie fies die Notenverteilung im Kicker ist, denn das alle alle drei einen schlechteren Notenschnitt haben als alle Torhüter außer Kubek und Rune Jarstein, erscheint irgendwie unfair. Aber es gibt halt überhaupt nur 3 Verteidiger mit einem 2,X Notenschnitt. Vielleicht sollte man da mal als Kicker drüber nachdenken, ob man die falschen Ansprüche stellt. Gerade wenn man feststellen sollte, dass die Verteidiger am Ende wichtiger sind als die Torhüter.
Jedenfalls wird sowohl Schwolow als auch Flekken nächste Saison wesentlich schlechter aussehen, wenn die 3 erwähnten Verteidiger den Verein verlassen und der SC Freiburg sie nicht adäquat ersetzt bekommt. Denn sowohl Flekken als auch Schwolow sind ganz normale Bundesligatorhüter.
Dessen muss man sich halt bewusst sein, wenn sein Verein gerade einen neuen Torhüter suchen will oder muss: Es gibt da nur verdammt wenige, die wirklich einen Unterschied machen und solange man nicht komplett ins Klo greift, ist es ziemlich egal, wen man dann verpflichtet.
Posts mit dem Label Positionsbeschreibungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Positionsbeschreibungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Donnerstag, 9. Juli 2020
Donnerstag, 28. November 2019
Hall of Shame / Positionsbeschreibung: Schalke 04 Angreifer
Wisst ihr, was ich viel zu lange nicht gemacht habe und was dringend mal wieder dran ist? Unmotiviert auf Schalke 04 rumhacken.
Unmotiviert stimmt natürlich gar nicht, die Motivation kommt von meinem Stammleser der ersten Stunde Phil, der Mark Uth unter der Kategorie "Marius Ebbers Angreifer" einsortieren wollte. Was fachlich falsch ist, der ist ein:
SCHALKE 04 ANGREIFER!!!!
Ok, hier eine kurze Definition dieses Spielertyp: Wir reden von einem Stürmer, der seine Bundesligatauglichkeit bereits nachgewiesen hat. Idealer Weise, in dem er 10 Tore geschossen hat. An Toren kann man so was ja bei Stürmern relativ gut messen. Dann wechselt dieser Spieler mit einem gewissen Hype zu Schalke 04, erreicht dort aber nie wieder dieses Niveau. Es gibt in diesem Jahrtausend überraschend viele Spieler, auf die dies zutrifft und man muss die Regeln erstaunlich selten brechen.
Mark Uth: Das erste, was mir auffällt, ist ja: Mark Uths Fussballdaten.de Profil ist kaputt. Sein Wechsel nach Schalke hat hat ihn derart ruiniert, dass er seit 2016 keine Bundesligaspiele mehr absolviert haben soll... und dass er als Schalke II Spieler geführt wird. Ich hoffe mal, dass dies kein generelles Problem ist, denn Fussballdaten.de ist meine Primärquelle...
Auf Transfermarkt.de bekommt man dann raus, dass Uth 14 Tore in seiner letzten Saison für Hoffenheim erzielt hat. Wikipedia teilt uns dann mit, dass es seit dem 2 Tore von ihm im Schalker Trikot gab. Ein beeindruckender Leistungsabfall, den man als Ausnahme abheften könnte, wenn es davon nicht so viele geben würde.
Apropos Ausnahmen. Der nächste ist eine:
Breel Embolo: Alle waren sich ziemlich sicher, dass Breel Embolo eines dieser "Die können nicht scheitern" Talente ist. Einer dieser Spieler, die selbst Heiko Herrlich nicht versauen kann. Dann ging er nach Schalke. Und zugegebener Weise wurde ihm das Bein gebrochen. Auf ziemlich brutale Weise in seiner Debütsaison. Dass Embolo aber selbst 2 Jahre danach noch nicht wieder auf die (hust, hust) Beine kam, könnte dann auch an Schalke liegen. Und natürlich ist diese Nominierung auch mit der Hoffnung verbunden, dass Embolo dieses oder nächstes Jahr für Gladbach die 10 Tore Marke knackt, denn technisch gesehen kann ich ihn erst danach auf diese Liste packen.
Guido Burgstaller: Und all so häh? Der hat doch nur für Schalke in der Bundesliga gespielt? Und das sogar in der ersten Saison ziemlich gut! Stimmt. Es beweist aber nur, wie komplex die Schalke 04 Angreifer DNA ist. Natürlich muss Burgstaller erst Mal nachweisen, dass er kein einfacher Marius Ebbers Angreifer ist. Das wäre ja zu einfach. Also erzielt er direkt 9 Tore in der ersten Halbserie. Und dann 11 in seiner ersten vollen Saison. Damit halt Schalke doch endlich den Stürmer für die nächsten Jahre gefunden! Nun ja... mittlerweile versuchen die irgendwie Platz in ihrem Budget frei zu schaufeln, damit sie im Winter einen neuen Angreifer verpflichten können... weil Burgstaller seit 1 1/2 Jahren... nun ja... wie ein Spieler auftritt, der vor 1 1/2 als Hoffnungsträger für den Schalker Angriff verpflichtet worden ist...
Eric Maxim Chupo-Moting: Erinnert ihr euch noch an den? Also an die Mainzer Version, die, wenn sie fit war, 10 Tore pro Saison erzielte. Also 2 Mal... Als Schalker Fan war man ein Mal dicht dran, aber nach 2 weiteren weitgehend ereignislosen Jahren ging Chupo-Moting ablösefrei nach England. Und heute spielt er, als einer der absurdesten Plottwist, seinen Part in einer der teuersten Offensivreihen aller Zeiten bei Paris St.Germain. Klar, als Ergänzungsspieler, aber wenn jemand einem Schalker Fan gesagt hätte: 2020 spielen Chupo-Moting und Julian Draxler zusammen in Paris. Hätte der gesagt "Auf keinen Fall, der eine ist unsere Zukunft und wird für immer bleiben..."
Chinedu Obasi: Das hätte man kommen sehen können. Schließlich war Obasis eine Gute Saisonschon eine Weile her in der 2. Liga. Aber er war Teil dieser absurden Hoffenheimer Himmelstürmer und genoss deswegen einen guten Ruf. Und hey, Schalke kann sogar behaupten, dass er sich auf Schalke verbessert hat. Immerhin traf er in der Rückrunde ein Mal.
Hmm... wer hätte 2009 gedacht, dass Obasi nur ein "Marius Ebbers Angreifer" ist? Da schien so viel mehr möglich... Aber dann kam halt Schalke...
Franco di Santo: Gefühlt finanziert sich Werder Bremen ja dadurch, dass sie Spieler in ihrem System gut aussehen lassen und sie dann nach Schalke verkaufen, ohne das Schalke dadurch besser wird. Nirgends wurde dies so deutlich wie bei di Santo, für den Schalke nach seiner ersten ordentlichen Saison 8,5 Millionen Euro hinblätterte. Nur um als Gegenwert 5 Tore in 3 1/2 Jahren zu bekommen. So sieht ein ganz normaler Schalke-Transfer aus...
Ciprian Marica: Langsam gehen einem echt die dummen Sprüche aus. Vor allem, weil man im wesentlichen immer dasselbe schreibt. Aber das ist ja das faszinierende daran: Marica knackte 2010 die 10 Tore Marke, wechselte ein Jahr später nach Schalke... und war nach 2 Jahren auf Schalke (und 5 Toren) direkt 2 Monate arbeitslos.
Raffael: Dies ist ein doppelt faszinierendes Exemplar. Denn wenn man sich an die Berliner Version erinnert, kommen die Hertha Fans ins Schwärmen. Und in Gladbach ist er seit Jahren Fixpunkt in der Offensive. Auch wenn er inzwischen in ein gewisses Alter gekommen ist, in dem die Lichtblicke rarer werden. Dazwischen gab es 6 Monate im Schalker Trikot, die niemanden in Erinnerung bleiben... Ernsthaft, wenn ich Raffael und Schalke in der Bildersuche eintippe, ist das 3. Bild bereits im Gladbach Trikot. Insgesamt scheint es davon 5 zu geben. Es dürfte mehr Bilder von Raffael in Spielen gegen Schalke geben, als im Schalker Trikot...
Ailton: Eigentlich ist Ailton ja der Überklassiker. Er kam als Torschützenkönig vom Meister. Und er wurde auf Schalke nicht glücklich. Hier ist das faszinierende: In seiner einen Schalker Saison war er eigentlich richtig gut. Überlegt selber mal kurz, wie viele Angreifer in diesem Jahrtausend 14 Tore in einer Saison auf Schalke erzielt haben... Fallen euch mehr als 4 ein? Wird euch dann bewusst, dass einer der 4 Ailton ist? Aber trotzdem war er halt nach einer Saison schon wieder weg, weil ein torgefährlicher Stürmer halt so gar nicht nach Schalke passt... oh und praktisch gesehen halbierte er immer noch seine Torquote, das sollte also trotz der 14 Tore für eine Nominierung reichen. Oh und Ailton war nach seinem Wechsel zu Schalke nie wieder derselbe. Was ehrlicher Weise mehr an ihm gelegen haben dürfte, ich erwähne es trotzdem.
Und als Bawful Bonus Kandidat: Viktor Agali: Ok, Agali hat nur gefühlt in jedem seiner Hansa Jahre 18 Tore erzielt. Praktisch kam er insgesamt auf diese 18 Tore, aber so ist das halt als Fan. Trotzdem hat er mehr Tore für Hansa als für Schalke erzielt... deswegen wird er hier erwähnt. Außerdem habe ich damit meine Standart Hansa Referenz eingebaut...
Damit sind wir auch schon am Ende. Das Ende bedeutet: 9 Stürmer haben ihre Karriere durch einen Wechsel zu Schalke entweder aufs Spiel gesetzt oder ruiniert. Das ist eine beeindruckende Bilanz für einen einzelnen Verein. Da kommen nicht mal die Bayern-Talentverschwender ran (obwohl die eventuell als nächstes dran sind).
Das macht aber vor allem die Leistung von 3 Spielern noch viel herausragender: Ebbe Sand, Kevin Kuranyi und Klaas Jan Huntelaar. Das sind die 3 Angreifer, die nach Schalke gewechselt sind und danach konstant Leistungsträger waren. Die es geschafft haben für diesen Verein, der eigentlich jeglichen Esprit und jegliche Torgefahr aus seinen Angreifern heraus saugt, über 70 Tore zu erzielen. Das ist eine unfassbare sportliche Leistung, die man auch mal angemessen würdigen sollten.
Da fällt mir auf: Ist das jetzt eigentlich noch ne Positionsbeschreibung, oder ein Eintrag in die Hall of Shame? Passen wir die Überschrift an und machen beides draus...
Unmotiviert stimmt natürlich gar nicht, die Motivation kommt von meinem Stammleser der ersten Stunde Phil, der Mark Uth unter der Kategorie "Marius Ebbers Angreifer" einsortieren wollte. Was fachlich falsch ist, der ist ein:
SCHALKE 04 ANGREIFER!!!!
Ok, hier eine kurze Definition dieses Spielertyp: Wir reden von einem Stürmer, der seine Bundesligatauglichkeit bereits nachgewiesen hat. Idealer Weise, in dem er 10 Tore geschossen hat. An Toren kann man so was ja bei Stürmern relativ gut messen. Dann wechselt dieser Spieler mit einem gewissen Hype zu Schalke 04, erreicht dort aber nie wieder dieses Niveau. Es gibt in diesem Jahrtausend überraschend viele Spieler, auf die dies zutrifft und man muss die Regeln erstaunlich selten brechen.
Mark Uth: Das erste, was mir auffällt, ist ja: Mark Uths Fussballdaten.de Profil ist kaputt. Sein Wechsel nach Schalke hat hat ihn derart ruiniert, dass er seit 2016 keine Bundesligaspiele mehr absolviert haben soll... und dass er als Schalke II Spieler geführt wird. Ich hoffe mal, dass dies kein generelles Problem ist, denn Fussballdaten.de ist meine Primärquelle...
Auf Transfermarkt.de bekommt man dann raus, dass Uth 14 Tore in seiner letzten Saison für Hoffenheim erzielt hat. Wikipedia teilt uns dann mit, dass es seit dem 2 Tore von ihm im Schalker Trikot gab. Ein beeindruckender Leistungsabfall, den man als Ausnahme abheften könnte, wenn es davon nicht so viele geben würde.
Apropos Ausnahmen. Der nächste ist eine:
Breel Embolo: Alle waren sich ziemlich sicher, dass Breel Embolo eines dieser "Die können nicht scheitern" Talente ist. Einer dieser Spieler, die selbst Heiko Herrlich nicht versauen kann. Dann ging er nach Schalke. Und zugegebener Weise wurde ihm das Bein gebrochen. Auf ziemlich brutale Weise in seiner Debütsaison. Dass Embolo aber selbst 2 Jahre danach noch nicht wieder auf die (hust, hust) Beine kam, könnte dann auch an Schalke liegen. Und natürlich ist diese Nominierung auch mit der Hoffnung verbunden, dass Embolo dieses oder nächstes Jahr für Gladbach die 10 Tore Marke knackt, denn technisch gesehen kann ich ihn erst danach auf diese Liste packen.
Guido Burgstaller: Und all so häh? Der hat doch nur für Schalke in der Bundesliga gespielt? Und das sogar in der ersten Saison ziemlich gut! Stimmt. Es beweist aber nur, wie komplex die Schalke 04 Angreifer DNA ist. Natürlich muss Burgstaller erst Mal nachweisen, dass er kein einfacher Marius Ebbers Angreifer ist. Das wäre ja zu einfach. Also erzielt er direkt 9 Tore in der ersten Halbserie. Und dann 11 in seiner ersten vollen Saison. Damit halt Schalke doch endlich den Stürmer für die nächsten Jahre gefunden! Nun ja... mittlerweile versuchen die irgendwie Platz in ihrem Budget frei zu schaufeln, damit sie im Winter einen neuen Angreifer verpflichten können... weil Burgstaller seit 1 1/2 Jahren... nun ja... wie ein Spieler auftritt, der vor 1 1/2 als Hoffnungsträger für den Schalker Angriff verpflichtet worden ist...
Eric Maxim Chupo-Moting: Erinnert ihr euch noch an den? Also an die Mainzer Version, die, wenn sie fit war, 10 Tore pro Saison erzielte. Also 2 Mal... Als Schalker Fan war man ein Mal dicht dran, aber nach 2 weiteren weitgehend ereignislosen Jahren ging Chupo-Moting ablösefrei nach England. Und heute spielt er, als einer der absurdesten Plottwist, seinen Part in einer der teuersten Offensivreihen aller Zeiten bei Paris St.Germain. Klar, als Ergänzungsspieler, aber wenn jemand einem Schalker Fan gesagt hätte: 2020 spielen Chupo-Moting und Julian Draxler zusammen in Paris. Hätte der gesagt "Auf keinen Fall, der eine ist unsere Zukunft und wird für immer bleiben..."
Chinedu Obasi: Das hätte man kommen sehen können. Schließlich war Obasis eine Gute Saison
Hmm... wer hätte 2009 gedacht, dass Obasi nur ein "Marius Ebbers Angreifer" ist? Da schien so viel mehr möglich... Aber dann kam halt Schalke...
Franco di Santo: Gefühlt finanziert sich Werder Bremen ja dadurch, dass sie Spieler in ihrem System gut aussehen lassen und sie dann nach Schalke verkaufen, ohne das Schalke dadurch besser wird. Nirgends wurde dies so deutlich wie bei di Santo, für den Schalke nach seiner ersten ordentlichen Saison 8,5 Millionen Euro hinblätterte. Nur um als Gegenwert 5 Tore in 3 1/2 Jahren zu bekommen. So sieht ein ganz normaler Schalke-Transfer aus...
Ciprian Marica: Langsam gehen einem echt die dummen Sprüche aus. Vor allem, weil man im wesentlichen immer dasselbe schreibt. Aber das ist ja das faszinierende daran: Marica knackte 2010 die 10 Tore Marke, wechselte ein Jahr später nach Schalke... und war nach 2 Jahren auf Schalke (und 5 Toren) direkt 2 Monate arbeitslos.
Raffael: Dies ist ein doppelt faszinierendes Exemplar. Denn wenn man sich an die Berliner Version erinnert, kommen die Hertha Fans ins Schwärmen. Und in Gladbach ist er seit Jahren Fixpunkt in der Offensive. Auch wenn er inzwischen in ein gewisses Alter gekommen ist, in dem die Lichtblicke rarer werden. Dazwischen gab es 6 Monate im Schalker Trikot, die niemanden in Erinnerung bleiben... Ernsthaft, wenn ich Raffael und Schalke in der Bildersuche eintippe, ist das 3. Bild bereits im Gladbach Trikot. Insgesamt scheint es davon 5 zu geben. Es dürfte mehr Bilder von Raffael in Spielen gegen Schalke geben, als im Schalker Trikot...
Ailton: Eigentlich ist Ailton ja der Überklassiker. Er kam als Torschützenkönig vom Meister. Und er wurde auf Schalke nicht glücklich. Hier ist das faszinierende: In seiner einen Schalker Saison war er eigentlich richtig gut. Überlegt selber mal kurz, wie viele Angreifer in diesem Jahrtausend 14 Tore in einer Saison auf Schalke erzielt haben... Fallen euch mehr als 4 ein? Wird euch dann bewusst, dass einer der 4 Ailton ist? Aber trotzdem war er halt nach einer Saison schon wieder weg, weil ein torgefährlicher Stürmer halt so gar nicht nach Schalke passt... oh und praktisch gesehen halbierte er immer noch seine Torquote, das sollte also trotz der 14 Tore für eine Nominierung reichen. Oh und Ailton war nach seinem Wechsel zu Schalke nie wieder derselbe. Was ehrlicher Weise mehr an ihm gelegen haben dürfte, ich erwähne es trotzdem.
Und als Bawful Bonus Kandidat: Viktor Agali: Ok, Agali hat nur gefühlt in jedem seiner Hansa Jahre 18 Tore erzielt. Praktisch kam er insgesamt auf diese 18 Tore, aber so ist das halt als Fan. Trotzdem hat er mehr Tore für Hansa als für Schalke erzielt... deswegen wird er hier erwähnt. Außerdem habe ich damit meine Standart Hansa Referenz eingebaut...
Damit sind wir auch schon am Ende. Das Ende bedeutet: 9 Stürmer haben ihre Karriere durch einen Wechsel zu Schalke entweder aufs Spiel gesetzt oder ruiniert. Das ist eine beeindruckende Bilanz für einen einzelnen Verein. Da kommen nicht mal die Bayern-Talentverschwender ran (obwohl die eventuell als nächstes dran sind).
Das macht aber vor allem die Leistung von 3 Spielern noch viel herausragender: Ebbe Sand, Kevin Kuranyi und Klaas Jan Huntelaar. Das sind die 3 Angreifer, die nach Schalke gewechselt sind und danach konstant Leistungsträger waren. Die es geschafft haben für diesen Verein, der eigentlich jeglichen Esprit und jegliche Torgefahr aus seinen Angreifern heraus saugt, über 70 Tore zu erzielen. Das ist eine unfassbare sportliche Leistung, die man auch mal angemessen würdigen sollten.
Da fällt mir auf: Ist das jetzt eigentlich noch ne Positionsbeschreibung, oder ein Eintrag in die Hall of Shame? Passen wir die Überschrift an und machen beides draus...
Mittwoch, 23. Oktober 2019
Positionsbeschreibung: Marius Ebbers Angreifer.
Da wird einem plötzlich bewusst, dass man diesen Begriff viel zu oft verwendet. Und dass die eigentlich geplante Serie bis jetzt bei einem Beitrag seit 2017 ist. Und dass damals schon dieser Beitrag angekündigt worden ist. Macht doch Hoffnung für die "Passives Abseits vs Tradition" Serie.
Um euch kurz daran zu erinnern, worum es hier gehen soll: Die klassischen Positionsbeschreibungen sind im Modernen Fußball ja völlig überholt. Viel zu statisch in einem immer komplexer werdenden System. Das Problem an den "neuen" Begriffen wie "abkippender 6er" oder "falsche 9" ist aber, dass sie lediglich die Rolle eines Spielers in einem System beschreibt. Viel spannender und lehrreicher ist es doch, sich die Rollen eines Spielers in verschiedenen Systemen anzugucken und dadurch dann Muster zu erkennen, die einem bei der Einordnung von Spielern weiter hilft.
Und damit machen wir jetzt weiter:
Der Marius Ebbers Angreifer
Marius Ebbers ist jetzt ja doch schon eine Weile im Ruhestand. Aber er hatte zu seiner aktiven Zeit eine gewisse Sonderrolle: Er war als Stürmer gut genug um praktisch jeden Verein in die Bundesliga zu schießen. Dort dann aber zu schlecht, um sich wirklich durchzusetzen und den Klassenerhalt zu sichern. Deswegen stehen bei seinem Erfolgen 3 Aufstiege... und sonst nichts.
Marius Ebbers war aber als Zweitligastürmer so absurd gut, dass er selbst den FC St.Pauli und Alemannia Aachen in die Bundesliga schoss, also 2 Vereine die in dieser Liga praktisch gar nichts verloren haben. Das Problem war aber halt, dass er stets postwendend wieder abstieg.
Und so einen Spieler zu haben, ist einerseits schön, weil man ja aufsteigt, andererseits ein riesiges Problem, weil man diesen Spieler dann irgendwie absägen muss, wenn man auch die Klasse halten will. Das ist für alle Beteiligten eine eher unangenehme Situation. Denn der Spieler ist ja auf Grund seiner Leistungen auf dem Weg zur Legender bei den Fans. Er wird auch innerhalb der Mannschaft eine gewisse Führungsrolle einnehmen. Die Vereinsführung ist ihm auch irgendwie zu Dank verpflichtet. Und der Spieler selber geht natürlich davon aus, dass ihm dieses Mal endlich der Durchbruch gelingt und wird deswegen seinen Platz nicht freiwillig räumen. Solche Spieler auf die Bank zu setzen ist immer ein schwieriges Unterfangen.
Wenn man es allerdings nicht macht, schafft man sich am anderen Ende Probleme. Also man sieht ja gerade an Paderborn, was einem passiert, wenn man darauf hofft, dass die Aufstiegshelden den nächsten Schritt machen... und der dann kollektiv nicht kommt. Nebenbei passiert es Uwe Hünemeier ja bereits zum 2. Mal, dass er überraschend aufsteigt und dann in der Bundesliga überfordert ist. Dies passiert also nicht nur bei Angreifern, sondern technisch gesehen auf allen Positionen.
Bei Angreifern ist es halt nur am auffälligsten, weil die die eindeutigste Statistik haben: Tore. Also ein Marius Ebbers Angreifer erzielt in seiner Karriere mehr Zweitligatore, als er Bundesligaspiele absolviert. Das kann man schön einfach festhalten. Bei Ebbers sind es 102 Zweitligatore und 77 Bundesligaspiele. Anhand dieser Fixpunkte kann man dann schön die aktuellen Stürmer durchgehen:
Simon Terodde ist bei 118 Zweitligatoren und 43 Bundesligaspielen. Mit seinen 31 Jahren wird er diese Kategorie selbst dann nicht mehr verlassen, wenn er jetzt 2 Jahre am Stück unumstrittener Stammspieler ist. Faszinierender Weise wurde bei Terodde, als er im Winter zum hoffnungslos abgeschlagenen 1.FC Köln ging, offiziell davon geredet, dass das ja kein Vorgriff auf die nächste Saison und das Projekt Wiederaufstieg sein soll. Praktisch gesehen war es genau das.
Köln hat zusätzlich noch Dominick Drexler im Kader, der jetzt ja leider verletzt ist, der aber auch mit 29 Jahren nachweisen muss, dass er wirklich noch den Sprung in die Bundesliga schaffen kann.
Rouwen Hennings ist bei 62 Zweitligatoren und 53 Bundesligaspielen. Der müsste bald mal wieder absteigen, sonst wird das eng und er ein ganz normaler Bundesligastürmer. Wer will denn das bitte schön sein?
Union Berlin hat Sebastian Polter, der die Voraussetzungen stand jetzt gerade nicht erfüllt, aber bei Union nur noch Ergänzungsspieler ist und damit wohl bald wieder in die 2. Liga abgegeben wird. Der kann sich das quasi als Karriereziel setzen...
Als weiteres historisches Beispiel fällt mir Michael Turk mit 81 Bundesligaspielen und 96 Zweitligatoren ein.
Nur um mal zu erwähnen, dass die Liste derartiger Angreifer gar nicht mal so kurz ist. Was mich aber an diesen Spielern am meisten fasziniert: Warum tun sie sich das immer wieder an? Also sind die Aufstiegsjahre so geil, dass sie die Frustration des folgenden Abstieges als Bankdrücker aufwiegen? Warum wechselt man danach dann wieder in die 2. Liga, wenn es doch sinnvolle andere Alternativen gäbe, in denen man diesen Kreislauf durchbrechen kann.
Anders ausgedrückt: Warum wechselt keiner dieser Spieler zu Stade Renne nach Frankreich? Oder zu Heracles Almelo in Holland? Oder nach Österreich oder in die Türkei? Also in einer Liga, deren durchschnittliches Niveau so weit unter der Bundesliga liegen dürfte, dass man dort dann eben bei einem Mittelklasse Team mit gelegentlichen Ambitionen nach Oben mitspielen kann.
Solche Wechsel würden für alle Beteiligten extrem viel Sinn ergeben. Da würden alle von profitieren. Und wenn man nicht unbedingt will, muss man ja nicht mal ins Ausland ziehen. Also als Hennings wäre es kein Problem in Düsseldorf zu wohnen und in Holland zu spielen. Bei Twente Enschede. Ein Emil Bergreen hat genau das gemacht, als seine Karriere in der Bundesliga, auch Verletzungsbedingt, ins Stocken geriet. Dass Deutsche Profis gehen diesen Schritt zum Nachbarn nur sehr selten. Also nicht als Talent und Zwischenschritt in der persönlichen Entwicklung, sondern als Erkenntnis, dass es halt nur für diese Liga reicht. Beim Transfermarkt.de durchklicken fällt mir nur Steffen Schäfer auf, der vom 1.FC Magdeburg zu VVV Venlo gewechselt ist.
Ich frage mich halt auch, ob das an der mangelnden Bereitschaft der Spieler liegt, oder ob die Vereine der Nachbarländer diesen potenziellen Markt für Verstärkungen einfach nicht wahr nehmen... oder ob das Preisgefälle zwischen 2. Liga und Holländischer Liga einfach so gewaltig ist, dass es finanziell nicht machbar ist. Ein cleverer Manager würde den Karriereverlauf der Aufstiegshelden zumindest mal im Blick behalten und versuchen an diese Spieler zu kommen.
Jedenfalls ist es bei den Marius Ebbers Angreifern genau so wie bei den Martin Harnik Angreifern: Man kann dieses Konzept auf jedes Niveau anpassen. Egal in welche Liga man aufsteigt, man muss hinterher kritisch hinterfragen, ob die Spieler, die den Aufstieg gefeiert haben, wirklich auch in der Lage sind auf dem nächsthöheren Niveau mitzuhalten. Und wenn man dann zu dem Schluss kommt, dass es auf dem nächsten Level nicht mehr reicht, muss man seine Herangehensweise anpassen. Oder sich um neue, bessere Besetzungen kümmern.
Und auch als Fan ist es halt wichtig nach einem Aufstieg vernünftige Erwartungen an seine Spieler und den Verein zu stellen. Und gegebenfalls nachzuvollziehen, warum eure Lieblingsikone nur noch Ergänzungsspieler ist und durch diesen komische Lukebakio ersetzt worden ist...
Um euch kurz daran zu erinnern, worum es hier gehen soll: Die klassischen Positionsbeschreibungen sind im Modernen Fußball ja völlig überholt. Viel zu statisch in einem immer komplexer werdenden System. Das Problem an den "neuen" Begriffen wie "abkippender 6er" oder "falsche 9" ist aber, dass sie lediglich die Rolle eines Spielers in einem System beschreibt. Viel spannender und lehrreicher ist es doch, sich die Rollen eines Spielers in verschiedenen Systemen anzugucken und dadurch dann Muster zu erkennen, die einem bei der Einordnung von Spielern weiter hilft.
Und damit machen wir jetzt weiter:
Der Marius Ebbers Angreifer
Marius Ebbers ist jetzt ja doch schon eine Weile im Ruhestand. Aber er hatte zu seiner aktiven Zeit eine gewisse Sonderrolle: Er war als Stürmer gut genug um praktisch jeden Verein in die Bundesliga zu schießen. Dort dann aber zu schlecht, um sich wirklich durchzusetzen und den Klassenerhalt zu sichern. Deswegen stehen bei seinem Erfolgen 3 Aufstiege... und sonst nichts.
Marius Ebbers war aber als Zweitligastürmer so absurd gut, dass er selbst den FC St.Pauli und Alemannia Aachen in die Bundesliga schoss, also 2 Vereine die in dieser Liga praktisch gar nichts verloren haben. Das Problem war aber halt, dass er stets postwendend wieder abstieg.
Und so einen Spieler zu haben, ist einerseits schön, weil man ja aufsteigt, andererseits ein riesiges Problem, weil man diesen Spieler dann irgendwie absägen muss, wenn man auch die Klasse halten will. Das ist für alle Beteiligten eine eher unangenehme Situation. Denn der Spieler ist ja auf Grund seiner Leistungen auf dem Weg zur Legender bei den Fans. Er wird auch innerhalb der Mannschaft eine gewisse Führungsrolle einnehmen. Die Vereinsführung ist ihm auch irgendwie zu Dank verpflichtet. Und der Spieler selber geht natürlich davon aus, dass ihm dieses Mal endlich der Durchbruch gelingt und wird deswegen seinen Platz nicht freiwillig räumen. Solche Spieler auf die Bank zu setzen ist immer ein schwieriges Unterfangen.
Wenn man es allerdings nicht macht, schafft man sich am anderen Ende Probleme. Also man sieht ja gerade an Paderborn, was einem passiert, wenn man darauf hofft, dass die Aufstiegshelden den nächsten Schritt machen... und der dann kollektiv nicht kommt. Nebenbei passiert es Uwe Hünemeier ja bereits zum 2. Mal, dass er überraschend aufsteigt und dann in der Bundesliga überfordert ist. Dies passiert also nicht nur bei Angreifern, sondern technisch gesehen auf allen Positionen.
Bei Angreifern ist es halt nur am auffälligsten, weil die die eindeutigste Statistik haben: Tore. Also ein Marius Ebbers Angreifer erzielt in seiner Karriere mehr Zweitligatore, als er Bundesligaspiele absolviert. Das kann man schön einfach festhalten. Bei Ebbers sind es 102 Zweitligatore und 77 Bundesligaspiele. Anhand dieser Fixpunkte kann man dann schön die aktuellen Stürmer durchgehen:
Simon Terodde ist bei 118 Zweitligatoren und 43 Bundesligaspielen. Mit seinen 31 Jahren wird er diese Kategorie selbst dann nicht mehr verlassen, wenn er jetzt 2 Jahre am Stück unumstrittener Stammspieler ist. Faszinierender Weise wurde bei Terodde, als er im Winter zum hoffnungslos abgeschlagenen 1.FC Köln ging, offiziell davon geredet, dass das ja kein Vorgriff auf die nächste Saison und das Projekt Wiederaufstieg sein soll. Praktisch gesehen war es genau das.
Köln hat zusätzlich noch Dominick Drexler im Kader, der jetzt ja leider verletzt ist, der aber auch mit 29 Jahren nachweisen muss, dass er wirklich noch den Sprung in die Bundesliga schaffen kann.
Rouwen Hennings ist bei 62 Zweitligatoren und 53 Bundesligaspielen. Der müsste bald mal wieder absteigen, sonst wird das eng und er ein ganz normaler Bundesligastürmer. Wer will denn das bitte schön sein?
Union Berlin hat Sebastian Polter, der die Voraussetzungen stand jetzt gerade nicht erfüllt, aber bei Union nur noch Ergänzungsspieler ist und damit wohl bald wieder in die 2. Liga abgegeben wird. Der kann sich das quasi als Karriereziel setzen...
Als weiteres historisches Beispiel fällt mir Michael Turk mit 81 Bundesligaspielen und 96 Zweitligatoren ein.
Nur um mal zu erwähnen, dass die Liste derartiger Angreifer gar nicht mal so kurz ist. Was mich aber an diesen Spielern am meisten fasziniert: Warum tun sie sich das immer wieder an? Also sind die Aufstiegsjahre so geil, dass sie die Frustration des folgenden Abstieges als Bankdrücker aufwiegen? Warum wechselt man danach dann wieder in die 2. Liga, wenn es doch sinnvolle andere Alternativen gäbe, in denen man diesen Kreislauf durchbrechen kann.
Anders ausgedrückt: Warum wechselt keiner dieser Spieler zu Stade Renne nach Frankreich? Oder zu Heracles Almelo in Holland? Oder nach Österreich oder in die Türkei? Also in einer Liga, deren durchschnittliches Niveau so weit unter der Bundesliga liegen dürfte, dass man dort dann eben bei einem Mittelklasse Team mit gelegentlichen Ambitionen nach Oben mitspielen kann.
Solche Wechsel würden für alle Beteiligten extrem viel Sinn ergeben. Da würden alle von profitieren. Und wenn man nicht unbedingt will, muss man ja nicht mal ins Ausland ziehen. Also als Hennings wäre es kein Problem in Düsseldorf zu wohnen und in Holland zu spielen. Bei Twente Enschede. Ein Emil Bergreen hat genau das gemacht, als seine Karriere in der Bundesliga, auch Verletzungsbedingt, ins Stocken geriet. Dass Deutsche Profis gehen diesen Schritt zum Nachbarn nur sehr selten. Also nicht als Talent und Zwischenschritt in der persönlichen Entwicklung, sondern als Erkenntnis, dass es halt nur für diese Liga reicht. Beim Transfermarkt.de durchklicken fällt mir nur Steffen Schäfer auf, der vom 1.FC Magdeburg zu VVV Venlo gewechselt ist.
Ich frage mich halt auch, ob das an der mangelnden Bereitschaft der Spieler liegt, oder ob die Vereine der Nachbarländer diesen potenziellen Markt für Verstärkungen einfach nicht wahr nehmen... oder ob das Preisgefälle zwischen 2. Liga und Holländischer Liga einfach so gewaltig ist, dass es finanziell nicht machbar ist. Ein cleverer Manager würde den Karriereverlauf der Aufstiegshelden zumindest mal im Blick behalten und versuchen an diese Spieler zu kommen.
Jedenfalls ist es bei den Marius Ebbers Angreifern genau so wie bei den Martin Harnik Angreifern: Man kann dieses Konzept auf jedes Niveau anpassen. Egal in welche Liga man aufsteigt, man muss hinterher kritisch hinterfragen, ob die Spieler, die den Aufstieg gefeiert haben, wirklich auch in der Lage sind auf dem nächsthöheren Niveau mitzuhalten. Und wenn man dann zu dem Schluss kommt, dass es auf dem nächsten Level nicht mehr reicht, muss man seine Herangehensweise anpassen. Oder sich um neue, bessere Besetzungen kümmern.
Und auch als Fan ist es halt wichtig nach einem Aufstieg vernünftige Erwartungen an seine Spieler und den Verein zu stellen. Und gegebenfalls nachzuvollziehen, warum eure Lieblingsikone nur noch Ergänzungsspieler ist und durch diesen komische Lukebakio ersetzt worden ist...
Mittwoch, 1. November 2017
Positionschbeschreibung: Martin Harnik Angreifer
Zeit für eine neue Serie... Vielleicht fällt ja noch irgendjemand ein besserer Name ein...
Wir sind uns ja alle einig, dass die klassischen Positionsbeschreibungen im Fußball völlig veraltet und unangebracht sind. Weil sie das, was auf dem Fußballplatz passiert, in keinster Weise abdecken.
Was die ganze Sache noch viel schlimmer macht: Es gibt gefühlt tausend unterschiedliche Interpretationen derselben Position. Da muss mal dringend jemand für Ordnung sorgen. Fangen wir also an.
Mit einem direkten Mea Culpa Martin Harnik. In Diskussionen über Diskussionen über meine Gedankengänge (Das sind mal Metaebenen) wurde mir bewusst, dass ich den Hannoveraner in die Marius Ebbers (Positionsbeschreibung folgt) Kategorie geschoben habe. Also ein Zweitligastürmer, der nach einer überragenden Saison aufsteigt, in der Bundesliga einfach überfordert ist. Das war nie meine Absicht.
Martin Harnik ist schon ein etablierter Bundesligaspieler. Seine Leistungsdaten lassen da keinerlei Zweifel zu: 5 Jahre in Folge sammelte Harnik Scorerpunkte im zweistelligen Bereich. Das schafft man als Ebbers-Spieler gerade so in seiner gesamten Karriere. Und dann ist da noch die eine anscheinend völlig absurde Saison, in der er 17 Tore erzielte? Was war denn da los?
Nun ja, das werden wir uns genau angucken. Und daran das eigentliche Problem des Martin Harnik Angreifers Allgemein festmachen.
In dem wir erst Mal auf die 4 Saisons nach den Ausreißer nach oben gucken.
Dass ist dann die Phase, in der es für den VfB konstant bergab ging. Bis man, wie jeder wissen sollte, in der 2. Liga angekommen ist. Und wer lieferte (abgesehen von der dann wirklich furchtbaren letzten Saison) konstant ab: Martin Harnik.
Das Problem war halt auch: Harniks Rolle im Angriff wurde in der Zeit immer wichtiger. Und das war halt das eindeutigste Symptom dafür, dass es bergab ging...
Lasst uns bei der Gelegenheit dann endlich mal einen genaueren Blick auf die überragende Saison werfen. Die ging eigentlich ganz normal los: In der Hinrunde erzielte Harnik seine erwartbaren 5 Tore. Und dann eskalierte er mit 12 Rückrundentreffern. Man könnte jetzt natürlich behaupten: Manchmal hat man halt nen Lauf... Und das hat da bestimmt mit rein gespielt.
Bei genaueren Hingucken ist in der Winterpause allerdings was anderes passiert: Vedad Ibisevic wurde von der TSG 1899 Hoffenheim verpflichtet. Und ja, es gab eine Zeit, wo der VfB die besten Spieler des Dorfvereines abwerben konnte... quasi als Retourkutsche für all die Jugendspieler, die den anderen Weg genommen haben...
Mit Vedad Ibisevic hatte der Martin Harnik auf ein Mal den Alpha-Angreifer, um den er herum spielen konnte. Und das funktionierte ( den "Wir kommen mit der Zusatzbelastung nicht zurecht" Faktor eingerechnet... und hey, man stand in der Saison im Pokalfinale) 2 Jahre sehr sehr gut. Bis Ibisevic einen Einbruch erlitten hat..
Der Tag, an dem dies passierte (und damit Harnik zum Sturmführer werden musste) lässt sich auch ziemlich genau festmachen: Am 29.01.2013 war Ibisevic der Spieler des Spiels. Weil er gegen die Bayern ein Tor erzielte... Was damals niemand ahnen konnte: Es sollte die letzte ordentliche Leistung des Bosniers im VfB Trikot bleiben.
Während Ibisevic ein Leistungsträger für den VfB war (an dem man sich dann als Harnik orientieren konnte), standen die Schwaben noch auf den 10. Platz. Sie hatten sich 2 Jahre in Folge fürs europäische Geschäft qualifiziert und orientierten sich eher nach oben als nach unten.
Als Harnik dann den besten Angreifer gegen musste... In der Rückrundentabelle landete man schon auf dem Relegationsrang...
Während Ibisevic neben einem Salomon Kalou seine Karriere reanimierte und wieder in die Europa League einziehen durfte... weil er selber die Harnik Rolle übernommen hat.
Dies ist das wirklich faszinierende an einem Martin Harnik: Er kann ein richtig erfolgreicher und verdammt wichtiger Bundesligastürmer sein. Aber halt nur als Rollenspieler und nicht als Alphatier.
Und solche Angreifer aus der Kategorie "Martin Harnik" sind verdammt wichtig für eine Mannschaft. Denn einerseits: solange man nicht Real Madrid oder Barcelona heißt, oder einen Scheich in der Hinterhand hat, kann man es sich einfach nicht leisten nur absolute Superstars fürs die Offensive zu verpflichten.
Andererseits sind solche Rollenspieler auch im Angriff wichtig für die Balance einer Mannschaft...
Denn still und heimlich... fällt selbst ein Thomas Müller in diese Kategorie. Nur halt auf Champions League Niveau: Wenn Müller dein bester Offensivspieler ist, wirst du im internationalen Vergleich nicht sonderlich gut abschneiden. Wenn du aber richtig gute Offensivspieler durch einen Müller (die Version, die in Form ist, natürlich) ergänzen kannst, wirst du sehr häufig sehr weit kommen.
Weitere aktuelle Beispiele sind Maximilian Phillip, Yuya Osako, Fin Bartels, Lars Stindl und Stefan Kießling... Nur um an den letzten beiden mal zu verdeutlichen, dass man in dieser Rolle in der Hierarchie der Mannschaft auch noch ziemlich weit nach oben rutschen kann, wenn man sich seiner Rolle bewusst ist...
All diese Spieler machen eine Mannschaft besser, wenn sie von guten Spielern umgeben sind. Aber du willst sie nicht als bester Angreifer in deiner Mannschaft sehen... es sei denn du willst um den Abstieg mitspielen...
Und ja, diese Perspektive kannst du technisch gesehen auf jede Mannschaft der Welt bis runter zur Kreisklasse anwenden: Habe ich meinen Martin Harnik Angreifer in meinen Reihen? Und wenn ja, kann ich ihn auch richtig einsetzen, oder überfordere ich ihn vielleicht doch eher? Wenn man beide Fragen mit Ja beantworten kann, kann man sorgenfrei ins Offensivspiel gehen.
Es ist halt auch verdammt wichtig, solche Spieler zu identifizieren... und dann richtig um sie herum zu planen. Also auf 2 Ebenen: Einerseits, wenn man darüber nachdenkt, einen Angreifer zu verpflichten, der all seine Offensivprobleme lösen soll... dann wird man mit ziemlicher Sicherheit scheitern. Wenn man dagegen einen Spieler sucht, der das vorhandene Offensivpersonal geschickt ergänzt, sucht man halt genau einen Harnik.
Aktuelles Beispiel ist hier halt der 1.FC Köln, die ihren "der kann neben einem Anthony Modeste wunderbar funktionieren und bringt diesen auch zum funktionieren" Osako mit Jhon Cordoba kombinieren wollten... nur um festzustellen, dass Cordoba mit Glück und vielleicht in die Harnik Kategorie fällt... und schon bricht da alles zusammen.
Auf der anderen Seite muss man sich auch seinen eigenen Kader kritisch angucken: Wie ist meine Offensive aufgestellt? Habe ich den Fixpunkt in der Offensive bereits im Kader oder sollte ich mir da nicht doch Hilfe suchen?
Genau das hat Hannover ja überragend erkannt und gemacht: Anstatt sich zu sagen "Ach, das wird schon gut gehen, hat ja in Liga 2 auch funktioniert" hat man mit 9 Millionen Euro Ablöse richtig viel Geld in die Hand genommen (also für Hannoveranische Verhältnisse...) und sich mit Jonathas genau den Fixpunkt für seine Offensive geholt.
Da habt ihr es: Den Martin Harnik Angreifer. Ein wichtiger Baustein für eine Offensive... aber halt auch nicht mehr.
Wir sind uns ja alle einig, dass die klassischen Positionsbeschreibungen im Fußball völlig veraltet und unangebracht sind. Weil sie das, was auf dem Fußballplatz passiert, in keinster Weise abdecken.
Was die ganze Sache noch viel schlimmer macht: Es gibt gefühlt tausend unterschiedliche Interpretationen derselben Position. Da muss mal dringend jemand für Ordnung sorgen. Fangen wir also an.
Mit einem direkten Mea Culpa Martin Harnik. In Diskussionen über Diskussionen über meine Gedankengänge (Das sind mal Metaebenen) wurde mir bewusst, dass ich den Hannoveraner in die Marius Ebbers (Positionsbeschreibung folgt) Kategorie geschoben habe. Also ein Zweitligastürmer, der nach einer überragenden Saison aufsteigt, in der Bundesliga einfach überfordert ist. Das war nie meine Absicht.
Martin Harnik ist schon ein etablierter Bundesligaspieler. Seine Leistungsdaten lassen da keinerlei Zweifel zu: 5 Jahre in Folge sammelte Harnik Scorerpunkte im zweistelligen Bereich. Das schafft man als Ebbers-Spieler gerade so in seiner gesamten Karriere. Und dann ist da noch die eine anscheinend völlig absurde Saison, in der er 17 Tore erzielte? Was war denn da los?
Nun ja, das werden wir uns genau angucken. Und daran das eigentliche Problem des Martin Harnik Angreifers Allgemein festmachen.
In dem wir erst Mal auf die 4 Saisons nach den Ausreißer nach oben gucken.
Dass ist dann die Phase, in der es für den VfB konstant bergab ging. Bis man, wie jeder wissen sollte, in der 2. Liga angekommen ist. Und wer lieferte (abgesehen von der dann wirklich furchtbaren letzten Saison) konstant ab: Martin Harnik.
Das Problem war halt auch: Harniks Rolle im Angriff wurde in der Zeit immer wichtiger. Und das war halt das eindeutigste Symptom dafür, dass es bergab ging...
Lasst uns bei der Gelegenheit dann endlich mal einen genaueren Blick auf die überragende Saison werfen. Die ging eigentlich ganz normal los: In der Hinrunde erzielte Harnik seine erwartbaren 5 Tore. Und dann eskalierte er mit 12 Rückrundentreffern. Man könnte jetzt natürlich behaupten: Manchmal hat man halt nen Lauf... Und das hat da bestimmt mit rein gespielt.
Bei genaueren Hingucken ist in der Winterpause allerdings was anderes passiert: Vedad Ibisevic wurde von der TSG 1899 Hoffenheim verpflichtet. Und ja, es gab eine Zeit, wo der VfB die besten Spieler des Dorfvereines abwerben konnte... quasi als Retourkutsche für all die Jugendspieler, die den anderen Weg genommen haben...
Mit Vedad Ibisevic hatte der Martin Harnik auf ein Mal den Alpha-Angreifer, um den er herum spielen konnte. Und das funktionierte ( den "Wir kommen mit der Zusatzbelastung nicht zurecht" Faktor eingerechnet... und hey, man stand in der Saison im Pokalfinale) 2 Jahre sehr sehr gut. Bis Ibisevic einen Einbruch erlitten hat..
Der Tag, an dem dies passierte (und damit Harnik zum Sturmführer werden musste) lässt sich auch ziemlich genau festmachen: Am 29.01.2013 war Ibisevic der Spieler des Spiels. Weil er gegen die Bayern ein Tor erzielte... Was damals niemand ahnen konnte: Es sollte die letzte ordentliche Leistung des Bosniers im VfB Trikot bleiben.
Während Ibisevic ein Leistungsträger für den VfB war (an dem man sich dann als Harnik orientieren konnte), standen die Schwaben noch auf den 10. Platz. Sie hatten sich 2 Jahre in Folge fürs europäische Geschäft qualifiziert und orientierten sich eher nach oben als nach unten.
Als Harnik dann den besten Angreifer gegen musste... In der Rückrundentabelle landete man schon auf dem Relegationsrang...
Während Ibisevic neben einem Salomon Kalou seine Karriere reanimierte und wieder in die Europa League einziehen durfte... weil er selber die Harnik Rolle übernommen hat.
Dies ist das wirklich faszinierende an einem Martin Harnik: Er kann ein richtig erfolgreicher und verdammt wichtiger Bundesligastürmer sein. Aber halt nur als Rollenspieler und nicht als Alphatier.
Und solche Angreifer aus der Kategorie "Martin Harnik" sind verdammt wichtig für eine Mannschaft. Denn einerseits: solange man nicht Real Madrid oder Barcelona heißt, oder einen Scheich in der Hinterhand hat, kann man es sich einfach nicht leisten nur absolute Superstars fürs die Offensive zu verpflichten.
Andererseits sind solche Rollenspieler auch im Angriff wichtig für die Balance einer Mannschaft...
Denn still und heimlich... fällt selbst ein Thomas Müller in diese Kategorie. Nur halt auf Champions League Niveau: Wenn Müller dein bester Offensivspieler ist, wirst du im internationalen Vergleich nicht sonderlich gut abschneiden. Wenn du aber richtig gute Offensivspieler durch einen Müller (die Version, die in Form ist, natürlich) ergänzen kannst, wirst du sehr häufig sehr weit kommen.
Weitere aktuelle Beispiele sind Maximilian Phillip, Yuya Osako, Fin Bartels, Lars Stindl und Stefan Kießling... Nur um an den letzten beiden mal zu verdeutlichen, dass man in dieser Rolle in der Hierarchie der Mannschaft auch noch ziemlich weit nach oben rutschen kann, wenn man sich seiner Rolle bewusst ist...
All diese Spieler machen eine Mannschaft besser, wenn sie von guten Spielern umgeben sind. Aber du willst sie nicht als bester Angreifer in deiner Mannschaft sehen... es sei denn du willst um den Abstieg mitspielen...
Und ja, diese Perspektive kannst du technisch gesehen auf jede Mannschaft der Welt bis runter zur Kreisklasse anwenden: Habe ich meinen Martin Harnik Angreifer in meinen Reihen? Und wenn ja, kann ich ihn auch richtig einsetzen, oder überfordere ich ihn vielleicht doch eher? Wenn man beide Fragen mit Ja beantworten kann, kann man sorgenfrei ins Offensivspiel gehen.
Es ist halt auch verdammt wichtig, solche Spieler zu identifizieren... und dann richtig um sie herum zu planen. Also auf 2 Ebenen: Einerseits, wenn man darüber nachdenkt, einen Angreifer zu verpflichten, der all seine Offensivprobleme lösen soll... dann wird man mit ziemlicher Sicherheit scheitern. Wenn man dagegen einen Spieler sucht, der das vorhandene Offensivpersonal geschickt ergänzt, sucht man halt genau einen Harnik.
Aktuelles Beispiel ist hier halt der 1.FC Köln, die ihren "der kann neben einem Anthony Modeste wunderbar funktionieren und bringt diesen auch zum funktionieren" Osako mit Jhon Cordoba kombinieren wollten... nur um festzustellen, dass Cordoba mit Glück und vielleicht in die Harnik Kategorie fällt... und schon bricht da alles zusammen.
Auf der anderen Seite muss man sich auch seinen eigenen Kader kritisch angucken: Wie ist meine Offensive aufgestellt? Habe ich den Fixpunkt in der Offensive bereits im Kader oder sollte ich mir da nicht doch Hilfe suchen?
Genau das hat Hannover ja überragend erkannt und gemacht: Anstatt sich zu sagen "Ach, das wird schon gut gehen, hat ja in Liga 2 auch funktioniert" hat man mit 9 Millionen Euro Ablöse richtig viel Geld in die Hand genommen (also für Hannoveranische Verhältnisse...) und sich mit Jonathas genau den Fixpunkt für seine Offensive geholt.
Da habt ihr es: Den Martin Harnik Angreifer. Ein wichtiger Baustein für eine Offensive... aber halt auch nicht mehr.
Abonnieren
Posts (Atom)