Es ist ja schon ein wenig faszinierend: Da gehen im Sommer 2020 2 Weltmeister aus dem Jahr 2014 in den Ruhestand. Und beide in einem relativ jungen Alter. Bein Andre Schürrle steht sogar noch eine 2 vorne, bei Benedikt Höwedes steht die 2 noch hinten, was halt eigentlich auch kein Alter ist um die Schuhe an den Nagel zu hängen.
Ein Rudi Völler wurde an der Stelle behaupten: "Die haben den Fußball nie geliebt"... was wie fast alles, was Völler so von sich gibt, absoluter Blödsinn ist.
Aber der moderne Medizinische Standart hätte bei beiden noch 2-3 Jahre Fußball auf hohem Niveau zugelassen. Also Cristiano Ronaldo hält sich ja mit seinen 35 Jahren immer noch in der Weltspitze. Und ja, ich befürchte seit 2 oder 3 Jahren, dass der Mann einbricht und wir nur noch ein Phantom früherer Tage zu sehen bekommen.
Nebenbei ist Ronaldo laut Transfermarkt.de bei 69.000 Spielminuten angekommen... Und trotzdem ist er noch hoch motiviert.
Also mein erster Gedanke war einfach die Spielminuten von Höwedes zu zählen, der ja im Gegensatz zu Schürrle immer fit und meistens Stammspieler war, und dann rauszukriegen, dass ein Höwedes einfach auf mehr Minuten kommt als ein Franz Beckenbauer, obwohl letzterer erst mit 37 in Rente ging. Um dann pseudomäßig nachzuweisen, dass ein Spieler mit 32 Jahren heute wesentlich älter ist als vor ein paar Jahren. Dann musste ich feststellen, dass Beckenbauer auf 52.000 Minuten kommt, Höwedes nur auf 38.000. Ein Anstieg der Einsatzzeiten ist also nicht das Problem.
Nebenbei überrascht mich die Erkenntnis, dass Beckenbauer auf so viele Minuten kommt. Weil ich ja irgendwie immer noch davon ausgehe, dass dank der Eskalation des internationalen Rahmenterminkalenders einiges an Spielen dazu kam. Also um das praktisch festzumachen: Ein Beckenbauer kam in seiner hoch dekorierten Karriere auf 76 Europacup Einsätze für den FC Bayern und dem HSV. Ein Philipp Lahm kommt dagegen auf 130 Einsätze auf der Internationalen Bühne für die Bayern und den VfB Stuttgart. Und er kommt da auf 4.000 zusätzliche Minuten. Und so kommt ein Lahm dann auch in 16 Jahren "Profikarriere" auf mehr Minuten als Franz Beckenbauer in seinen 19. Und ging dementsprechend auch einiges früher in dem Ruhestand. Da passt das Bild mit dem "Die spielen halt mehr, haben also mit Anfang 30 schon mehr Minuten auf dem Buckel, als die Helden der 70er mit 38"...
Das hilft uns aber halt nur nicht bei Schürrle und Höwedes weiter. Also bei dem Erklärungsversuch, warum die beiden schon so früh in den Ruhestand gegangen sind.
Gehen wir das also mal anders an: Was haben die beiden denn neben dem Karriereende im Jahr 2020 noch gemeinsam? Und da fällt einem halt sofort auf, dass sie beim WM Finale 2014 gemeinsam die linke Seite beackert haben. Dass beide aber formell gesehen keine absoluten Leistungsträger waren. Also Höwedes war eher die Notlösung als Linksverteidiger, weil es in diesem Land anscheinend niemand gibt, der das wirklich gut kann. Also übernahm er diese unangenehme Rolle und erfüllte sie als ehrlicher Arbeiter.
Schürrle war im Finale wie meistens nur Einwechselspieler. Als erste Wechseloption kommt er trotzdem auf 90 gespielte Minuten im WM Finale, für die Startelf reichte es aber trotzdem übers gesamte Turnier nicht.
Und das ist dann die Stelle, an der die Gemeinsamkeiten wirklich interessant werden: Beide waren halt als Rollenspieler Weltmeister, welches der vielleicht wichtigste Titel für alle Fußballer ist. Und nebenbei der einzige relevante Titel, der einem Ronaldo noch fehlt.
Beide verpassten aber hinterher die ganz große "Weltklasse" Karriere. Bei Schürrle gab es mit seinen 23 Jahren noch die Hoffnung auf einen ganz großen Durchbruch... Und es wurden halt auch insgesamt 93 Millionen Euro bewegt, damit er es bei mehreren Vereinen versuchen konnte. Das macht Schürrle zu einem der "Umsatzstärksten" und "Teuersten" deutschen Fußballer aller Zeiten. Also Leroy Sané ist jetzt schon bei 97 Millionen. Kai Havertz wird diese Summen pulverisieren. Aber Schürrle spielte auf dem Transfermarkt in derselben Liga. Das macht ihn halt eher zum deutschen Robbie Keane... also in 15 Jahren wird niemand mehr nachvollziehen können, warum so viel Geld mit diesen Spielern bewegt worden ist... aber es ist halt passiert.
Bei Höwedes war halt gleich abzusehen, dass es bei ihm "nur" zum "Schalke-Idol" reicht. Und das ist noch nicht mal eine Beleidigung. Es ist eher eine Beleidigung für ihn, dass Domenico Tedesco ihn vom Hof gejagt hat. Aber "Leistungsträger bei Juventus" überstieg dann halt doch seinen Horizont.
Und damit dürfte beiden in diesem Sommer eines bewusst geworden sein: Sie könnten noch ein paar Jahre fernab der Heimat vor sich hin kicken... Angebote hätten sie dafür garantiert gefunden. Aber Titelkandidaten werden eher einen großen Bogen um sie machen. Und damit steht auch fest: Das WM Finale 2014 wird ihr absoluter Karrierehöhepunkt bleiben. Das definierende Spiel, mit dem sie jeder in Verbindung bringen wird. Der emotionale Höhepunkt, den man aber nie wieder auch nur annähernd erreichen wird.
Wenn einem das bewusst geworden ist, fällt es einem eventuell schwer sich weiter zu quälen und zu schinden. Und man hat ja als Profi mittlerweile auch garantiert so viel Geld verdient, dass man dann auch einfach aufhören kann, bevor man jedes Jahr einen Schritt langsamer wird.
Das ist halt auch der entscheidende Unterschied zu einem Cristiano Ronaldo: Der spielt weiterhin jedes Jahr um jeden Titel mit. Und um den Titel "Bester Spieler der Welt". Und solange das noch im Rahmen seiner Möglichkeiten liegt, hält halt auch sein Antrieb und das Adrenalin. Aber ich stelle da mal folgende These in den Raum: Sobald es bei ihm "nur" noch für die Europa League reicht, weil er mit 41 dann doch zu alt für den ganz großen Fußball ist, wird er auch in den Ruhestand gehen.
Natürlich ist das "für ganz oben reicht es nicht mehr, also gehe ich in den Ruhestand" Prinzip keine allgemein anwendbare Regel. Also es gibt ja genügend Schweinsteigers, die sich zu ihrem Karriereausklang auf das eine oder andere an sich unnötige Abenteuer einlassen. Und es gab halt immer auch beide Extreme, auch wenn der frühe Ruhestand mittlerweile leichter finanzierbar ist. Aber es fällt mir halt schon auf, dass Höwedes und Schürrle unabhängig voneinander zum selben Schluss kommen. Und reiner Zufall kann das nicht sein.
Aber ein Trend? Das ist eine spannende Frage. Also nehmen wir mal einen weiteren Mitstreiter, der eigentlich seit 2014 in einer leistungstechnischen Abwärtsspirale fest hängt: Mesut Özil. Also seit dem Özil bei Arsenal London Stück für Stück nachließ, wurde deren genau genommen eh schon begonnener Negativlauf weiter beschleunigt. So dass Özil heute meistens auf der Bank sitzt und Arsenal auf günstigste Sternenkonstellationen hoffen muss, um sich für die Champions League zu qualifizieren.
Und auch Özil, der mal einer der besten Vorlagengeber der Welt war, steht jetzt vor der Entscheidung: Tut er sich das noch an? Will er wirklich zu international irrelevanten Vereinen wechseln um dann da noch nen Weilchen vor sich hinzukicken? Oder sagt der sich im nächsten Sommer: Reicht eigentlich...
Ein weiterer Name, der eine ähnliche Entscheidung treffen könnte, ist Mario Götze. Auch da würde mich ein vorzeitiges Karriereende nicht mehr überraschen, weil auch da abzusehen ist, dass er nie wieder auf sein ehemals überragendes Niveau kommen wird.
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Dienstag, 4. August 2020
Montag, 3. August 2015
Ist Rudi Völler der Neue Franz Beckenbauer?
Oder bin ich zu empfindlich?
Und ja, jedes Mal, wenn der Völler irgendwas in ein Mikro erbricht, denke ich mir: Zum Glück gibt es davon nur einen... mehrere wären davon echt nicht zu ertragen.
Ich habe immer noch das Gefühl, dass Völler immer noch in den 90ern hängen geblieben ist... Und sage an der Stelle mal: Guckt euch einfach mal die Profis aus den 90ern an. Und vergleicht die mit den Profis von heute. Es gibt gute Gründe, warum es von damals keine oben ohne Fotos gab...
Am interessantesten ist dabei eigentlich Simon Rolfes Eröffnungsstatement im Aktuelle Sportstudio auf die Frage "Was hat am meisten Spaß gemacht?" direkt mit "Nicht laufen" anfängt. Das erste, was Rolfes auffällt, ist, dass er im Urlaub keinen Trainingsplan mehr hat. Zum ersten Mal seit wahrscheinlich 15 Jahren.
Ich bezweifele mal ganz stark, dass Rudi das Konzept Trainingspläne für den Urlaub überhaupt kannte.
Und ja, in diesem Jahrtausend bist du 24/7 Fußballprofi. Und das 365 Tage im Jahr. Du musst selbst im Urlaub darauf achten, dass du nichts verlierst. Und nicht zunimmst. Und wenn du es doch tust... kriegst du ziemlich schnell ein Problem.
Dazu stehst du mittlerweile 24/7 unter Beobachtung. Um ein einfaches Paradebeispiel zu nennen: Die Hamburger kassieren mal wieder eine deftige Klatsche. Bekommen aber, um den Kopf mal frei zu kriegen, 2 Tage Urlaub. 2 ihrer Spieler nutzen dieses "ihr müsst die Köpfe mal frei kriegen" wörtlich und fliegen nach Mallorca. Dort werden sie dann von Fans fotografiert und hinterher aus dem Kader geworfen... Und ja, dass sind die Realitäten, mit denen man sich heutzutage als Fußballprofi jeden Tag beschäftigen muss: Du könntest aus dem Kader fliegen, weil du im falschen Moment deine Schwester besuchst... schließlich hat Sport1 seine eigene "Urlaubsbilder" Rubrik.
Selbst als nicht Weltstar kannst du heute nicht mehr ganz entspannt Urlaub machen. Während es von Rudi keinerlei Urlaubsbilder gibt. Und jetzt stellt euch mal vor, ihr werdet beim Urlaub erwischt, wie ihr euch ordentlich die Kante gebt... Was für ein Shitstorm dann losgetreten wird. "Wie kann der sich wie ein ganz normaler 21 Jähriger verhalten, wenn der doch Profi ist?"
Dass der Druck heutzutage ein ganz anderer ist. Sowohl physisch als auch psychisch. Gerade wenn man mit einem Traditionsverein wie dem Hamburger SV auf Absturzkurs ist. Ignoriert ein Rudi Völler... nun ja völlig...
Erschwerend kommt hinzu: Gerade die Liebe zum Sport und den Vereinen hat doch Marcel Jansen zu dem Schluss kommen lassen, dass er seine Karriere beenden muss. Jansen ist eben nicht der Standart-Söldner, der selbst Rudi am Ende irgendwie war. Jansen hatte in seiner Karriere insgesamt 3 Vereine. 3 deutsche Traditionsvereine. Wenn einer dieser Drei ihm ein Angebot gemacht hätte, hätte er wohl auch weiter gespielt. Bei einem hätte er es garantiert gemacht.
Für Jansen wäre es halt keine Option mit 34 Jahren als Weltmeister zu einem (damals) international völlig irrelevanten Werksklub zu gehen, ohne irgendeine Bindung zu diesem Verein zu haben. Nach dem Motto: Hauptsache die Kohle stimmt. Ein Rudi Völler hat halt genau das gemacht... seine Karriere damit noch mal um 2 Jahre verlängert. Und ja, damals war nicht abzusehen, dass sie den Rudi bis heute nicht los werden würden...
Jansen hat einfach eine andere Entscheidung getroffen. Er wollte in den späten Jahren seiner Karriere nicht zum Sölnder-Normaden werden. Er wollte sein soziales Engagement in der Stadt Hamburg, in der er fest verwurzelt ist, nicht aufgeben, nur um irgendwo bedeutungslosen Fußball zu spielen. Und ja, es würde sich niemand an die späten Jahre von Marcell Jansen in Portugal oder in der Türkei erinnern. Oder bei irgendwelchen Mittelklassse-Premiere League-Vereinen.
Das ist eine Entscheidung, die mich wirklich überrascht hat. Die man aber respektieren und ehren sollte. Und von mangelnder Liebe zu sprechen, ist, wenn man sich so sehr mit einem Verein identifiziert wie Jansen, obwohl man dort eigentlich nur Scheiße erlebt hat, einfach Schwachsinn...
Leider bin ich von Rudi kaum noch was anderes gewöhnt.
Und ja, jedes Mal, wenn der Völler irgendwas in ein Mikro erbricht, denke ich mir: Zum Glück gibt es davon nur einen... mehrere wären davon echt nicht zu ertragen.
Ich habe immer noch das Gefühl, dass Völler immer noch in den 90ern hängen geblieben ist... Und sage an der Stelle mal: Guckt euch einfach mal die Profis aus den 90ern an. Und vergleicht die mit den Profis von heute. Es gibt gute Gründe, warum es von damals keine oben ohne Fotos gab...
Am interessantesten ist dabei eigentlich Simon Rolfes Eröffnungsstatement im Aktuelle Sportstudio auf die Frage "Was hat am meisten Spaß gemacht?" direkt mit "Nicht laufen" anfängt. Das erste, was Rolfes auffällt, ist, dass er im Urlaub keinen Trainingsplan mehr hat. Zum ersten Mal seit wahrscheinlich 15 Jahren.
Ich bezweifele mal ganz stark, dass Rudi das Konzept Trainingspläne für den Urlaub überhaupt kannte.
Und ja, in diesem Jahrtausend bist du 24/7 Fußballprofi. Und das 365 Tage im Jahr. Du musst selbst im Urlaub darauf achten, dass du nichts verlierst. Und nicht zunimmst. Und wenn du es doch tust... kriegst du ziemlich schnell ein Problem.
Dazu stehst du mittlerweile 24/7 unter Beobachtung. Um ein einfaches Paradebeispiel zu nennen: Die Hamburger kassieren mal wieder eine deftige Klatsche. Bekommen aber, um den Kopf mal frei zu kriegen, 2 Tage Urlaub. 2 ihrer Spieler nutzen dieses "ihr müsst die Köpfe mal frei kriegen" wörtlich und fliegen nach Mallorca. Dort werden sie dann von Fans fotografiert und hinterher aus dem Kader geworfen... Und ja, dass sind die Realitäten, mit denen man sich heutzutage als Fußballprofi jeden Tag beschäftigen muss: Du könntest aus dem Kader fliegen, weil du im falschen Moment deine Schwester besuchst... schließlich hat Sport1 seine eigene "Urlaubsbilder" Rubrik.
Selbst als nicht Weltstar kannst du heute nicht mehr ganz entspannt Urlaub machen. Während es von Rudi keinerlei Urlaubsbilder gibt. Und jetzt stellt euch mal vor, ihr werdet beim Urlaub erwischt, wie ihr euch ordentlich die Kante gebt... Was für ein Shitstorm dann losgetreten wird. "Wie kann der sich wie ein ganz normaler 21 Jähriger verhalten, wenn der doch Profi ist?"
Dass der Druck heutzutage ein ganz anderer ist. Sowohl physisch als auch psychisch. Gerade wenn man mit einem Traditionsverein wie dem Hamburger SV auf Absturzkurs ist. Ignoriert ein Rudi Völler... nun ja völlig...
Erschwerend kommt hinzu: Gerade die Liebe zum Sport und den Vereinen hat doch Marcel Jansen zu dem Schluss kommen lassen, dass er seine Karriere beenden muss. Jansen ist eben nicht der Standart-Söldner, der selbst Rudi am Ende irgendwie war. Jansen hatte in seiner Karriere insgesamt 3 Vereine. 3 deutsche Traditionsvereine. Wenn einer dieser Drei ihm ein Angebot gemacht hätte, hätte er wohl auch weiter gespielt. Bei einem hätte er es garantiert gemacht.
Für Jansen wäre es halt keine Option mit 34 Jahren als Weltmeister zu einem (damals) international völlig irrelevanten Werksklub zu gehen, ohne irgendeine Bindung zu diesem Verein zu haben. Nach dem Motto: Hauptsache die Kohle stimmt. Ein Rudi Völler hat halt genau das gemacht... seine Karriere damit noch mal um 2 Jahre verlängert. Und ja, damals war nicht abzusehen, dass sie den Rudi bis heute nicht los werden würden...
Jansen hat einfach eine andere Entscheidung getroffen. Er wollte in den späten Jahren seiner Karriere nicht zum Sölnder-Normaden werden. Er wollte sein soziales Engagement in der Stadt Hamburg, in der er fest verwurzelt ist, nicht aufgeben, nur um irgendwo bedeutungslosen Fußball zu spielen. Und ja, es würde sich niemand an die späten Jahre von Marcell Jansen in Portugal oder in der Türkei erinnern. Oder bei irgendwelchen Mittelklassse-Premiere League-Vereinen.
Das ist eine Entscheidung, die mich wirklich überrascht hat. Die man aber respektieren und ehren sollte. Und von mangelnder Liebe zu sprechen, ist, wenn man sich so sehr mit einem Verein identifiziert wie Jansen, obwohl man dort eigentlich nur Scheiße erlebt hat, einfach Schwachsinn...
Leider bin ich von Rudi kaum noch was anderes gewöhnt.
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