Posts mit dem Label Entlassungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Entlassungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 15. November 2023

Der Materrazo-Hoeneß tausch ist eine der absurdesten Geschichten der neueren Bundesligageschichte.

 Und sie könnte sich diese Saison wiederholen.

Also der Reihe nach. Der ganze Gedankengang, den ich jetzt ausführe, begann vor einigen Monaten, als ich darauf hinwies, dass der VfB Stuttgart in einem ziemlich fiesen Paradoxon steckte: Einerseits mussten sie ihren ursprünglichen Erfolgstrainer Pellegrino Materazzo nach 1 1/2 Jahren im permanenten Abstiegskampf irgendwann entlassen. Andererseits stand in dem Moment der Entlassung fest, dass er spätestens im Sommer bei einem Konkurrenten anheuern und diesen verstärken wird. Denn selbst in Stuttgart hat ja niemand infrage gestellt, dass Materazzo ein guter Trainer ist. Aber es hat dort halt nicht mehr funktioniert.

Aber er wartete gar nicht auf den Sommer, sondern heuert ziemlich direkt beim direkten Konkurrenten in Hoffenheim an. Das praktische Worst-Case-Szenario, denn man machte sich die Mission Klassenerhalt selber schwerer. Hoffenheim holte unter Pellegrino 1,69 und sicherten sich überraschend souverän den Klassenerhalt. Dies konnten sie am letzten Spieltag mit einem Unentschieden gegen die Stuttgarter.

Diese gingen einen eigentlich unnötigen Umweg über Bruno Labbadia, der eigentlich im verdienten Abstieg münden müsste, aber nur in die Relegation führte. Dies lag vor allem daran, dass ausgerechnet der ehemalige Hoffenheimer Sebastian Hoeneß am Ende übernehmen durfte. Bei Hoeneß war damals noch nicht ganz raus, ob er ein guter Trainer ist, weil er seine wirklichen Erfolge in der 3. Liga gefeiert hat. Und er wäre nicht der erste Trainer, der nur in den unteren Ligen gut aussieht. Jetzt kann man sich aber darauf einigen, dass er zumindest phänomenal viel Potenzial hat. Und wenn ich das von einem Hoeneß sage...

Beide Vereine mussten ihren an sich guten Trainer entlassen, weil es bei ihnen einfach nicht mehr gepasst hat. Das Schwierige an der Bundesliga ist ja, dass einem dies passieren kann, obwohl man an sich kompetente Leute angestellt hat. Manchmal nutzt ein Trainer sich einfach ab. Dann muss man reagieren, darf dabei aber nicht den Kopf verlieren. Hoffenheim hat dies direkt geschafft, Stuttgart am Ende auch.

Und jetzt... sind sie in ganz anderen Sphären unterwegs. Als sie liegen nach 11 Spieltagen auf Kurs Europacup. Letztes Jahr brauchte Stuttgart 28 Spieltage, um die 24 Punkte zu sammeln, die sie bereits jetzt auf dem Konto haben. Es würde mich schon wundern, wenn nicht mindestens einer der beiden nächstes Jahr durch Europa touren darf, schließlich trennen Freiburg auf Platz 8 und Stuttgart auf Platz 4 jetzt schon 10 Punkte. Auch wenn es dank der Aussetzer der Bayern und von RB Leipzig dieses Jahr eher ungewiss ist, dass die beiden Pokalfinalisten aus den Top 4 kommen, deswegen könnte Platz 7 nicht reichen. 

Es ist schon eine absurde Geschichte, dass beide Mannschaften von so einem Trainertausch profitieren. Und dass so ein Trainertausch überhaupt zustande kommt. Aber jetzt kommt meine dreiste Prognose: Das SOLLTE sich wiederholen, wenn sich 2 derzeitige Krisenvereine clever verhalten.

Wir reden offensichtlich von Union Berlin und dem 1. FC Köln, die mit Urs Fischer und Steffen Baumgart 2 der faszinierenderen Rohdiamanten auf der Trainerbank zu sitzen haben. Beide haben ihren Trainern auch durchaus viel zu verdanken. Union so viel, dass eine Entlassung eigentlich unvorstellbar ist. So viel dazu, ich habe den Post gestern um 3 geschrieben und wollte ihn um 13:12 veröffentlichen. Manchmal unternimmt die Realität alles, damit Passives Abseits Leser es eben nicht früher wissen.
Aber bei beiden läuft es halt richtig beschissen. Da passt gerade gar nichts zusammen. Unter normalen Umständen wären beide schon entlassen worden. Einer ist jetzt doch plötzlich weg.

Es kann auch einfach sein, dass Fischer mit dem neuen, relativ exquisiten Starensemble ein wenig überfordert ist. Er hat halt noch nie einen Spieler von der Marke Bonucci trainiert. Baumgarts intensive Art kann sich nach den Jahren einfach abgenutzt haben. Das wäre jeweils kein Vorwurf an die Trainer, das kann einem passieren.

Sein wir mal ganz ehrlich: Falls Union Berlin in der Winterpause (hier steht dann auf einmal ein noch) einen neuen Trainer sucht und falls Steffen Baumgart dann verfügbar ist, wird er der erste Name sein, der da fällt. Er passt mit seiner Mentalität und seiner Köpenicker Vergangenheit einfach zu gut zu diesem Verein, um nicht sofort gehandelt zu werden. 

Und falls sie in Köln im Winter nach einem neuen Trainer suchen, werden auch einige darauf hinweisen, dass der Fischer alles kann, was man gerade braucht. Wirklich absurd wäre es, wenn jeder abgebende Verein den Trainer unter der Bedingung abgibt, dass man den anderen haben kann. Oder wenn Union jetzt über drei Ecken in Köln anruft und fragt, ob Baumgart vielleicht verfügbar wäre, wenn sie dafür den Fischer haben können. Ob die Trainer dann zusagen oder erst mal Abstand gewinnen wollen, ist natürlich die nächste Frage.

Das ist natürlich nach wie vor ein extrem unwahrscheinliches Szenario. Schließlich könnten zumindest Baumgart noch den Umschwung schaffen. Vor allen Dingen müssten die beiden Trainersuchen ja so synchron passieren, dass nicht einer der beiden Parteien bereits Peter Neururer geholt hat. Und sich dann denkt: Verdammt, hätten wir doch noch 2 Wochen gewartet... Wobei ich es den Kölnern auch zutrauen würde, dass sie komplett in den Panikmodus zurückfallen, Baumgart direkt nach der Länderspielpause entlassen, weil das ja der beste Zeitpunkt ist und sich dann Labbadia holen... nur um in 3 Monaten zu merken, dass das ganz schön dumm war. Stuttgart ist schließlich auch rückfällig geworden, da kann Köln das auch.

Aber dass es für beide Mannschaften die beste Lösung wäre, ist zumindest mal eine Überlegung wert. Also war es anscheinend für mich, denn mir hat sich dieser Gedanke aufgedrängt.

Mittwoch, 12. Oktober 2022

Diese Entlassung tut richtig weh.

 Also allein schon, weil Armin Veh damit weiterhin Stuttgarts erfolgreichste Trainer der Moderne bleibt. (Und ja, Felix Magath war nie ein moderner Trainer). 2 Tage hätte Pellegrino Matarazzo noch im Amt halten müssen, damit er Veh überholt. Aber die Gefahr, dass man gegen Bochum gewinnt, obwohl sich eigentlich nichts geändert hat und man den dann noch 2 weitere Wochen behalten "muss", war halt zu groß.

Aber Materazzo brachte eine dringend benötigte Stabilität in den Verein. Er war der erste Trainer seit Bruno Labbadia, der länger als 2 Jahre oder deutlich mehr als 50 Spiele im Amt war. Labbadia wurde 2013 entlassen. Danach gab es laut Transfermarkt.de mit Interimslösungen 7 Trainer in 6 Jahren. Und keiner von denen erlebte mehr als eine Saisonvorbereitung. Also selbst Hannes Wolf übernahm mitten in der 2016/17er-Saison und musste im Januar 2018 wieder gehen. Aber der erlebte wenigstens 2 Winterpausen.

Da ist es auch kein Wunder, dass Matarazzo den Verein in der 2. Liga vorgefunden hat. Aber das war halt ein richtiger Glücksgriff. Also vor allem, wenn man bedenkt, dass er keinesfalls eine "sichere Anlage" war, sondern eher aus der Thomas Schneider, Alex Zorniger, Jürgen Kramny oder eben Hannes Wolf Kategorie kommt: Der VfB hat es seit Labbadia so oft mit nachgewiesenen Jugendtrainern versucht, dass man nicht zwingend erwarten konnte, dass sie weiterhin auf diese Karte setzen.

Materazzo führte den Verein zurück in die Bundesliga und dort souverän auf Platz 9. Er gab dem Verein eine klare Spielphilosophie und passte perfekt zu den von Sven Mislintat gescouteten Spielern. So erwirtschafteten die beiden während der Pandemie ein Transfer plus von 52 Millionen Euro. Für dieses Geld bekamen sie aber einen dramatischen Abstiegskampf bis zur allerletzten Sekunde... den man aber wenigstens auf das Verletzungspech schieben konnte, mit einem fitten Sasa Kalajdzic wäre ihnen das nie passiert.

Jetzt ist der Kader weitestgehend fit, steckt aber wieder ganz tief in der Scheiße, weil man den 2. großen Aderlass in Folge nicht verkraften kann. Da kommt dann selbst ein Materazzo an seine Grenzen. Aber man muss da nochmal festhalten: Dass Stuttgart selbst als Tabellenfünfzehnter noch Spieler im Wert von 38 Millionen verkaufen kann, sagt viel über die Arbeit des Duos Materazzo/Mislintat aus. Dass sie dies aber auch musste, ist dann bezeichnend für die Leute, die da vorher gewirtschaftet haben.

Irgendwann hat man auch keine andere Option mehr, als den Trainer zu entlassen. Und nach 1 1/2 Jahren im permanenten Abstiegskampf ist dieses "irgendwann" dann jetzt. Das ist einerseits richtig, andererseits auch richtig schlecht. Denn zunächst mal muss man für den kurzfristigen Effekt einen besseren Trainer finden, damit man die Klasse hält. Und danach muss man darauf hoffen, dass es nicht nur ein "Dead Coach Bounce" wird, sondern man tatsächlich auch einen ähnlich guten Trainer gefunden hat. Sonst droht einem wieder die "Jede Sommervorbereitung macht ein Neuer" Spirale, die langfristig in der 2. Liga enden muss.

Und auf der anderen Seite sind sich alle nach wie vor einig, dass Materazzo ein guter Trainer bleibt. Den spült man jetzt in den Arbeitsmarkt. Und ganz sachlich betrachtet, wird er jetzt überall im Gespräch sein, wo Thomas Tuchel ablehnt. Also falls ich nicht irgendjemanden übersehe, ist er die Nummer 3 der arbeitslosen deutschen Trainer. Deutlich vor Domenico Tedesco. Aber knapp hinter Peter Neururer. Adi Hütter dürfte nach seiner Leistung in Frankfurt noch genügend Kredit haben, dass er in einer ähnlichen Kategorie angesiedelt wird.

Das bedeutet halt auch, dass Materazzo im Sommer zur Konkurrenz wechseln wird. Also der wird definitiv ein gutes Angebot von einem ordentlichen Bundesligisten bekommen. Und das sind wiederum schlechte Nachrichten für Niko Kovac, der wahrscheinlich gerade der schlechteste Trainer bei einem halbwegs ordentlichen Verein ist. Noch schlimmer für den VfB wäre es ja, wenn er sich von Schalkes Mythos locken lässt und nach Gelsenkirchen locken lässt. Also zu einem auch auf längere Sicht direkten Konkurrenten für die Stuttgarter: Eine Mannschaft, die auch auf einen sicheren Mittelfeldplatz hofft. Um die Saisonziele optimistisch auszudrücken.

Dienstag, 16. April 2019

Das Dardai Dilemma

Oder: Wie man's macht, macht man's verkehrt.

Pal Dardai ist ja gerade in seiner 5. Saison bei der Hertha. Und seit Dardai den Titel "Interimstrainer" losgeworden ist, hat die Hertha nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun. Was für einen Verein, der alleine in diesem Jahrzehnt 2 Mal abgestiegen ist, keine Selbstverständlichkeit ist. Dardais Bilanz sieht mit Platz 7, 6 und 10 mehr als ordentlich aus. So einen guten Trainer muss du erst Mal finden...

Und ja, es ist durchaus möglich, dass Dardai vor 2022 wieder Cheftrainer in Berlin wird, weil er die Hertha wieder vor dem Abstieg retten muss... oder dass er nach Stuttgart geht, weil die von einer derartigen Bilanz träumen.

Aber Dardais Bilanz kommt mit einem entscheidenden Markel: Platz 16, Platz 16, Platz 13, Platz 11 und Stand jetzt Platz 13. Oder 17, 18, 19 und 19. Das sind die Anzahl der Punkte, die Hertha unter Dardai in der Rückrunde holte. Das ist jeweils schlechter als in der Hinrunde. Im Best Case Szenario holt Dardai in der Rückrunde 5 Punkte weniger, im Worst Case 14...

Und wir reden halt von Berlin, einer Stadt mit erstaunlichen Möglichkeiten. Klar, Berlin ist unter Dardai zur Grauen Maus geworden... und das ist nice... Aber auf Dauer kann das nicht das Ziel sein. Dardai allerdings nachgewiesen hat, dass er seine Mannschaft im Saisonverlauf nicht besser machen kann, was aber für die Hertha zwingend erforderlich ist, wenn sie den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung machen will. Er kann wunderbar dafür sorgen, dass sein Team eine außerordentliche Frühform an den Tag legt und sich dadurch ein Polster aufbaut, welches ihr den Klassenerhalt sichert. Deswegen wird, obwohl meine ursprüngliche 10 absurde Thesen Theorie, dass Dardai keine komplette Saison konstant trainieren kann, doch noch wahr geworden, auch wenn Dardai nie in den Abstiegskampf abgerutscht ist. Also kein I Told you so... aber fast...

Dieses Phänomen lässt sich am besten an Ondreij Duda festmachen: Der begann im Sommer überragend mit 6 Toren in 8 Spielen... Hat aber seine Form nicht annähernd halten können. Und da ist er ja keine Ausnahme.

Oder überlegt einfach mal wie viele relativ große Talente die Hertha im Sommer hatte... da wird seit Jahren so getan, als hätten die herausragende Jahrgänge in der Pipeline... wo alle dachten, dass sie in dieser Saison den nächsten Schritt machen. Nehmen wir (auch wenn der schon seit Jahren da ist) Marvin Plattenhardt, der ja nicht erst seit gestern deutscher Nationalspieler ist... Hätte Dardai den nicht mittlerweile auf ein Niveau bringen müssen, wo er für Mannschaften, die konstant international spielen, interessant wird... Aber der stagniert halt auf dem allgemeinen Hertha Niveau... genau so wie Arne Meier... oder, oder, oder... Ich sag das mal so: Wenn ich einen Trainer suche, der meine durchaus vorhandenen Talente nicht weiter entwickelt, dann nehme ich doch Heiko Herrlich.

Lasst uns das mal mit 2 Gegenbeispielen vergleichen, die derzeit beweisen, dass sie eine Mannschaft über den Verlauf der Saison hinweg und ohne große Impulse von außen weiterentwickeln können: Ralf Rangnick und Julian Nagelsmann.

RB Leipzig dürfte derzeit die 2. Beste Mannschaft in Deutschland sein. Mindestens. In der Konferenz bei Sky fiel der wunderbare Satz: Wenn die nicht so oft verloren hätten, könnten die um die Meisterschaft mitspielen... was auch auf Hannover 96 zutrifft, aber es geht ja ums Prinzip:
Wenn Leipzig schon zu Saisonbeginn so gut gewesen wäre, wie sie es jetzt sind. Aber dies bedeutet auch: Man sieht in der Mannschaft eine klare Entwicklung. Sowohl individuell als auch taktisch.

Und in Hoffenheim kann man dies am besten an der individuellen Entwicklung von Ishak Belfodil festmachen. Der gibt quasi gerade den Anti-Duda: In der Winterpause wollte er persönlich eigentlich schon wieder weg, aber jetzt merkt man die Arbeit von Nagelsmann und er steht bei 9 Rückrundentoren. Und nur um zu beweisen, dass das keine Ausnahme ist: Andrej Kramaric trifft unter Nagelsmann das dritte ja in Folge in der Rückrunde wesentlich besser als in der Hinrunde...
Nebenbei reden wir von genau dem Belfodil, den Übertrainer Florian Kohfeldt nicht zum funktionieren gebracht hat und bei dem sich im Sommer alle gefragt haben: Was will ein Champions League Teilnehmer denn mit dem? Aber Nagelsmann braucht halt ein halbes Jahr um diese Frage zu beantworten.

Vielleicht sollte sich Nagelsmann Dardai als Co-Trainer sichern und ihn die Grundlagen legen lassen, damit seine Mannschaft 2 starke Halbserien spielen können... Denn Rangnick und Nagelsmann kommen natürlich mit dem Problem, dass sie gerade international so richtig verkackt haben und definitiv noch lernen müssen, wie sie ihre Entwicklung der Mannschaft mit der Zusatzbelastung Europapokal in Einklang bringen.

Nur um mal zu erwähnen, dass dieses Dardai Dilemma gar nicht so außergewöhnlich ist, sondern eventuell sogar zum entscheidenden Entwicklungsschritt eines Trainers gehört: Selbst Trainerlegenden wie Thomas Schaaf hatten eingangs in Bremen große Probleme ihre Hinrunden zu bestätigen. Zyniker werden behaupten, dass er das in all den Jahren nur ein Mal geschafft hat, aber die gibt es hier ja zum Glück nicht... Bruno Labbadia hat ja auch deswegen so eine geringe Halbwertszeit. Peter Bosz macht das alles immer im Zeitraffer. Sandro Schwarz hat gerade die 2. Saison in Folge das Problem, dass seine Mannschaft in der Rückrunde nur in Ausnahmefällen bundesliga-tauglich aussieht. Und ja, Schwarz hat gerade extremes Glück, dass der Spielverlauf gegen Freiburg so absurd war, wie er war, das Ergebnis überdeckt vieles, was Mainz zum 2. Mal in Folge im März und April abliefert. Und letztes Jahr um diese Zeit haben wir uns alle gefragt, ob es eigentlich vernünftig ist den Mann nicht zu entlassen.
Selbst ein Dieter Hecking muss sich irgendwie fragen lassen, warum seine Mannschaft in der Rückrunde schon wieder nachlässt. Selbst ihm passiert das seit 2014/15 (der letzten Saison, in der Hecking in der Rückrunde einen Punkt mehr als in der Hinrunde holte) immer wieder...

Nebenbei sind das alles Statistiken, die sich Michael Preetz mal genau angucken sollte. Denn wenn eine sichtbare Weiterentwicklung innerhalb der Saison der Anspruch sein soll, kann man Hecking schlecht als die Traumlösung verkaufen...

Aber das ist ja das nächste Problem des Leistungssports: Wenn (Extrembeispiel) Preetz einen Alexander Zorniger aus dem Exil holt, bei dem man nach einem Halben Jahr genau die Entwicklung zu sehen bekommt, die Hertha dringend braucht um voranzukommen, aber der Weg dahin eher schmerzhaft ist... dann werden alle nach der stabilen "Wir sichern uns erst Mal den Klassenerhalt mit einer starken Hinrunde und gucken dann weiter" schreien und behaupten, dass Dardai zu entlassen unfassbar dumm war.

Nebenbei wollte ich zum Schluss nochmal eines erwähnen: In diesem Ominösen Früher wo alles besser war sind solche Trainer wesentlich schneller (also bereits in ihrer ersten, spätestens in der 2. Rückrunde) vorgeführt, sind dann in den Abstiegskampf gerutscht und wurden wesentlich schneller entlassen. Da es in einer Liga, in der selbst Nürnberg mit einem Sieg aus 24 Partien nicht hoffnungslos abgeschlagen ist, quasi unmöglich ist in den Abstiegskampf zu rutschen, haben diese Trainer ein wesentlich entspannteres Leben... Was aber nicht bedeutet, dass die Liga dadurch besser wird, eher im Gegenteil.

Mittwoch, 2. Januar 2019

Das ausgerechnet Rudi Völler meinen Blog liest

Dabei kritisiere ich den doch fast so häufig wie Karlheinz Rummenigge...
Ok, wahrscheinlicher ist, dass die neue Generation bei Bayer um Simon Rolfes und vor allem Fernando Carro. Es ist nebenbei auch minimal faszinierend, dass Bayer immer wieder diese ziemlich unbekannten Typen ohne offensichtliche Bindung zum Fußball findet, die dann im Hinter- oder Vordergrund arbeiten. Also genau genommen angefangen bei Raimund Calmund, von dem man eigentlich nur weiß, dass er vor seiner Zeit bei Bayer mal schlank war... Gefolgt von Namen wie Michael Reschke und Jonas Boldt. Und jetzt ist es halt (falls das der richtige Name ist) Carro. Auch wenn man dessen Namen echt googlen muss.

Aber eigentlich geht es ja um die Entlassung von Heiko Herrlich: Leverkusen hat anscheinend tatsächlich beschlossen, dass man nach der Hinrunde ein Fazit ziehen will und sich dann zum Trainer positioniert. Was... genau genommen nur wenige Stunden dauerte, denn am Morgen nach dem 17. Spieltag wurde er bereits entlassen. Völlig absurd wird es dann, wenn sein Nachfolger bereits am selben Tag vorgestellt wird... Leverkusen hat also definitiv schon vor dem 17. Spieltag sehr konkret mit Herrlichs Nachfolger verhandelt... das ist ja für mich immer der Punkt, an dem man sich von Trainer trennen sollte... Also das ist halt, als würde man bereits mit seiner nächsten Freundin schlafen, aber abends nach Hause kommen und seiner aktuellen Lebensgefährtin vorgaukeln, dass ja alles in Ordnung sei. Nennt mich altmodisch, aber so was gehört sich einfach nicht.

Wenn Leverkusen sich nach dem Hinrundenfinale wirklich zu einer gründlichen (und gemeinsamen) Analyse verabredet hätte, wäre Herrlich erst am 27. oder 28. entlassen worden. So wurde die Entscheidung noch mal kurz diskutiert (wenn überhaupt) und vor allem abgenickt. 
Die Entlassung erinnerte schon sehr stark an den "Black Monday" in der NFL, wo auch spätestens am Tag nach dem letzten Saisonspiel und immer nach "gründlicher Analyse" die Trainer reihenweise entlassen werden. Und Leverkusen hat dieses Konzept halt 1:1 übernommen. Schließlich dürfte Herrlich der erste nicht-Schalke Trainer der Bundesligageschichte sein, der nach 2 Siegen in Folge (und 4 Siegen aus den letzten 5 Pflichtspielen) entlassen worden ist. So was macht sonst nur Clemens Tönnies...

Sachlich gesehen ist diese Entscheidung trotzdem nachvollziehbar. Denn das einzige Talent, welches diese Saison einen wirklichen Schritt nach vorne gemacht hat, ist Kai Havertz... während Leon Baily, Julian Brandt, Jonathan Tah und Tim Jedvaj eher stagnieren. Wenn überhaupt. Dazu kommt Wendell, der sich unter Herrlich eher zurück entwickelt hat... und Benjamin Henrichs, mit dem Herrlich so wenig anfangen konnte, dass er an den AS Monaco verkauft werden musste.
Um das mal zu verdeutlichen: Bayer Leverkusen musste ein Talent, welches bereits für die Deutsche A-Nationalmannschaft gespielt hat, gehen lassen. Und zwar nicht, weil die Großen ein Auge auf ihn geworfen hat, sondern weil der Trainer keine Verwendung für ihn hatte. Das war genau der Moment, in dem einem hätte auffallen können, dass Herrlich zum Problem wird.

Denn Leverkusen existiert als Verein nur (abgesehen davon, dass sie als Traditionsverein die meisten Olympiasieger Deutschlands ausgebildet haben), um Talente aus- oder weiterzubilden... und sie dann bevorzugt an den FC Bayern zu verkaufen. Selbst bei ihren Managern funktioniert das genau so... (Ernsthaft, würde es irgendjemanden überraschen, wenn Boldt in München unterschreiben sollte?) Wenn man jetzt einen Trainer hat, der bei 4 von 5 Talenten an genau dieser Weiterbildung scheitert. Dazu war von Paulinho bisher nichts zu sehen. Und einige dieser Talente gelten als Sichere Anlage. Also Brandt war der einzige Lichtblick bei der WM und damit in der Poleposition für die Özil-Nachfolge als Fixpunkt beim Neuaufbau. Leon Baily sollte spätestens nächsten Sommer für 40+X Millionen nach England verkauft werden. Und spätestens dann sollte Paulinho so weit sein, dass man keinen Nachfolger für teures Geld holen muss. Nichts von dem ist passiert. Da muss man schon gar nicht mehr auf die Tabelle gucken um zu merken, dass das Ergebnis der Analyse nicht gut ausfallen kann.

So sehr man also den Progressiven und vom Tagesereignissen abgekoppelten Ansatz loben muss, der ja bereits bei Roger Schmidt angewendet worden ist, so zeigt er am Ende doch ein strukturelles Problem bei Bayer. Denn effektiv muss die Entscheidung Herrlich im Winter idealer Weise durch Peter Bosz zu ersetzen bereits vor dem 8.12. gefallen sein. Also dem Tag, an dem Bayer seine "Siegesserie" begann. Und wenn man Herrlich nach einem 1:1 beim hoffnungslos überforderten Tabellenletzten entlassen hätte, wäre das auch nachvollziehbar gewesen. Und auch das Rudi Völler Interview vom 20.12. belegt im Nachhinein nur, dass die Entscheidung bereits getroffen worden ist. Völler hatte halt den kurzen Strohhalm gezogen und musste die "Wir wissen es, können aber dazu nichts sagen" Haltung dann nach außen verkaufen. Dafür ist er halt das Gesicht von Bayer 04 Leverkusen. Und es ist eines dieser Interviews, bei denen man nur schlecht aussehen kann.

Aber dass man es sich dieses Jahr leisten kann den Trainerwechsel im Zweifelsfall in Ruhe durchzuführen, wurde hier am Beispiel Domenico Tedesco ausführlich erörtert. Leverkusen hat sich dieselben Fragen gestellt und kam zu dem Schluss, dass man den Trainer wechseln muss. Auf Schalke kam man zu einem anderen Ergebnis beides ist legitim. Dass Herrlich den Krisengipfel der Jungtrainer gewann und trotzdem entlassen wurde, während der Verlierer weiterarbeiten darf, ist nebenbei absurd.

Dennoch ist die Haltung, dass man den neuen Trainer in der Winterpause mit eigener kleiner Vorbereitung starten lässt, durchaus vernünftig. Es ist quasi ein ideales Szenario. Gerade, wenn man einen "Konzepttrainer" wie Peter Bosz verpflichten will. Hier zeigt sich aber ein strukturelles Problem, welches Bayer sich geschaffen hat, das aber von keinem angesprochen wird: Man musste den eigentlich schon entlassenen weiter wurschteln lassen, um Bosz diesen Einstieg zu ermöglichen, denn die Optionen als Interimstrainer hießen... Jupp Heynckes (als würde der nochmal ans Telefon gehen...), Markus von Ahlen und Iraklis Metaxa. Die letzten beiden sagen euch nichts, aber es sind halt die U19 Trainer, die auf Transfermarkt.de angegeben werden. Und einen U23 Trainer... hat man halt nicht, weil man die 2. Mannschaft abgemeldet hat.

Und natürlich sind die 2. Mannschaften immer die Mittelkinder, um die sich keiner kümmern will. Die personifizierte Beschäftigungstherapie für verdiente Vereinsikonen. Aber sie ist halt auch die Schnittstelle zwischen Jugendarbeit und Männerfußball.
Und dass dann der verdiente Ex-Spieler, der bisher die 2. trainiert hat, als Iterimstrainer die Profis Interimsweise übernimmt, war früher genau der Standartweg um Bundesligatrainer zu werden. Und wenn es halt nicht klappte, rückte man ohne größeren Schaden zurück ins 2. Glied. Falls man das nicht sowieso immer so geplant hat, weil man ja nur seinen Ruhestand finanzieren will und eine ruhige Beschäftigung sucht, aber gar nicht ernsthaft die Ambitionen hat ins Profigeschäft zurückzukehren...

Wenn Leverkusen einen grundsoliden, im Verein integrierten und im Herrenfußball erfahrenen Trainer in der Hinterhand gehabt hätten, hätten sie sich das unwürdige Theater ersparen können. Und sie hätten ihre Kronjuwelen nicht mehr unter einen Übungsleiter arbeiten lassen, dem man nicht mehr vertraute. Aber man wollte ja die 600.000 Euro im Jahr sparen.
Natürlich hat man am Ende das Glück gehabt, dass Herrlich noch die 4 Siege aus 5 Spielen holte, anstatt wirklich unter reinzurutschen. Deswegen musste man sich auch nicht mit dem Szenario, dass Bosz als Feuerwehrmann sofort einsteigen muss und seine 2 Auftaktspiele in einer englischen Woche verliert, auseinander setzen. Aber das war halt auch reines Glück, auf das man sich nicht verlassen sollte.

Es ist halt faszinierend, wie eine 2014 getroffene Entscheidung auf ein Mal auf die aktuelle Saison Einfluss nehmen könnte.

Dienstag, 22. November 2016

Der Darmstadt-Coach-Bounce-Effekt

Oder wie man einen Trainer am Effektivsten entlässt.

Was wiederum auch nur bedeutet, dass wir diese Woche aufs Worst of verzichten müssen. So schön dieses Wochenende alleine von den Ansetzungen war: Ich habe übers gesamte Wochenende verteilt 15 Minuten Fußball gesehen... davon 5 durch eine Fensterscheibe, während ich auf meine Familie gewartet habe...
Und wenn man nichts gesehen hat, kann man auch nur schlecht urteilen.

Was aber definitiv auffällig war, ist folgende Randnotiz: Darmstadt trat bereits zum 3. Mal in dieser Saison beim Debütantenball eines neuen Trainers auf.

Das kann bei 4 Trainerentlassungen im Jahr kein Zufall mehr sein. Also anders als letzte Saison, wo man halt zufällig als erstes nach der Winterpause gegen Hannover 96 spielen durfte und das Schaaf-Debüt also nichts mit dem Spielplan zu tun gehabt hat.

Wenn man sich das anguckt, versteht man auf ein Mal auch Max Eberls ""Ich will auch Kontinuität, wenn es (...) beschissen läuft." Zitat. Der will sich damit gar nicht für den Posten als Sportdirektor in Hamburg bewerben, der meint etwas ganz anderes:

Als guter Manager entlässt man den Trainer ja nicht primär, wegen der Niederlage. Die sind nur das offensichtliche Symptom. Man entlässt den Trainer, weil man das Zutrauen in ihn und seine Fähigkeiten verloren hat. Man glaubt nicht mehr, dass man mit diesem Trainer in Zukunft die nötigen Punkte holen wird und sucht deswegen einen Neuen.

Nehmen wir hier mal als Paradebeispiel eines guten Managers Dietmaer Beiersdorfer... hey... man soll ja auch viel von Fehlbeispielen lernen können.
Dass Bruno Labbadia entlassen werden soll... gut... genau genommen stand das schon im Sommer fest, aber Details. Spätestens nach dem 0:3 gegen RB Leipzig musste man da ernsthaft drüber nachdenken. Natürlich hauptsächlich, weil man damals noch nicht daran glaubte, dass der Abstand zwischen RB und dem HSV qualitativ (also Trainer unabhängig) so groß sein würde.
Danach versuchte man seine Überzeugungen zu verdrängen und gab dem besten HSV-Trainers dieses Jahrtausends noch eine letzte Chance gegen Freiburg. Auch diese wurde... nun ja... vergeigt...

Also guckte Beiersdorfer, der ja auch eigentlich für das Große Ganze verantwortlich ist, das erste Mal auf den Spielplan... und stellte fest: Oh, fuck, die Bayern kommen als nächstes...

Und da wurde es halt auf ein Mal problematisch. Also ja, die Entlassung von Bruno Labbadia war quasi sicherer als das anstehende Schützenfest des Rekordmeisters. Aber Beiersdorfer wollte halt, dass sich weder der Interims-Jugendtrainer noch der eigentlich fest anzustellende Nachfolger direkt mit einer heftigen Klatsche verbrennt... und der HSV weiß ja Trainer unabhängig, wie man sich amtlich abschießen lässt... 

Also traf Beiersdorfer die strategisch richtigste Entscheidung und... ließ den Trainer weitermachen... Als quasi Interimslösung, während er schon mal mit Markus Gisdol verhandelte... nebenbei eine echt moralisch einwandfreie Aktion vom Gisdol... was dann zu der völlig absurden Situation führte, dass man seinen Trainer nach der besten Saisonleistung entlassen musste. Aber das konnte ja nun wirklich keiner Ahnen... also dass diese Mannschaft sich ausgerechnet gegen die Bayern wehrt...

Aber ja: Wenn man das Spiel gegen die Bayern nicht eh schon als hoffnungslose Niederlage abgeschrieben hätte, wäre Bruno schon eine Woche früher entlassen worden...

Wie kommt jetzt, wo wir uns drauf geeinigt haben, dass nicht primär die Niederlagen, sondern die Entwicklungsmöglichkeiten der nächsten Wochen, zu Trainer Entlassungen führen und man zumindest nicht nach einem ungünstigen Spiel zu Einstieg für einen Trainer sucht, Darmstadt in Spiel?

Nun ja... also wenn man die Bundesliga-Manager ehrlich eine Voraussage machen ließe, gegen wen sie mit wie vielen Punkten rechnen, damit man auf die 40 kommt, die man brauchen will... würde jeder gegen die Bayern mit 0 rechnen... und gegen Darmstadt mit Vier. Mindestens... Gegen die wird man schon irgendwie mindestens ein Spiel gewinnen...

Das bringt einen als Manager schon irgendwie in Zugzwang. Also man geht als Berufsoptimist wahrscheinlich sogar davon aus, dass es gegen Darmstadt sogar noch mit dem alten Trainer irgendwie reicht. Das Problem ist halt: Das hilft dir nicht. Und einen Trainer nach einem Sieg entlassen... nun ja... das wirkt noch blöder als einen Trainer nach der mit Abstand besten Saisonleistung zu entlassen... auch wenn diese Leistung wenigstens in einer Niederlage endet.

Und auch wenn sich die Bilanz mit einem Sieg, einem Unentschieden und einer Niederlage nicht mal großartig berauschend liest... so haben doch Alexander Nouri und (irgendwie auch, keiner versteht warum) Valerien Ismael die Grundlage für ihre Beförderung zum Cheftrainer gegen Darmstadt gelegt... ohne wirklich (also offensichtlich) zu überzeugen. Und Maik Walpurgis hat aufs Erste den Bock umgestoßen.

An der Stelle fällt einem auch auf, wie sicher Andre Schuberts Arbeitsplatz wirklich ist: Gegen Darmstadt "darf" er oder sein Nachfolger erst am 21.1. (oder... direkt nach der Winterpause... das ist quasi ein doppelt idealer Zeitpunkt für einen Trainerwechsel) antreten... Wenn er also nach der "Herbstmeisterschaft" nicht entlassen wird, kann er erst Mal richtig durchatmen: Dann vertraut Eberl ihm wirklich...

Und ja, wenn Markus Kauczinski die auch für ihn durchaus möglichen Punkte gegen Darmstadt geholt hätte... hätte das die Entlassung wahrscheinlich nur weiter hinausgezögert, als den Ingolstädtern wirklich zu helfen. Ob der Trainerwechsel allerdings wirklich was gebracht (also wenigstens einen Dead Coach Bounce ausgelöst) hat, oder man halt nur gegen die "andere schwächste Mannschaft der Bundesliga" gepunktet hat, werden die nächsten Wochen zeigen müssen...

Donnerstag, 16. April 2015

Game of Coaches

Valar entlassis... oder so...

Jetzt Titelmelodie summen:
De de dededee de dede de...

Frei nach Tayfun Korkut: "Man spielt das Spiel um zu gewinnen, oder man wird entlassen."

Aber ernsthaft, selbst der notorische Serienmörder George R.R. Martin wird sich nach diesem Tag umgucken und fragen: "War das nicht ein bisschen übertrieben?"

Wobei auch jede Nachricht an diesem Tag völlig überzogene Reaktionen nach sich ziehen muss... ich sage nur Martin Kind's "Wir bleiben Handlungsfähig"... Hat an und für sich gar nichts mit dem Trainerbeben zu tun... aber ich sehe Kind wirklich auf heißen Kohlen in seinem Büro sitzen... nach dem Motto: "Ich muss irgendwas machen... ich kann das ja nicht ohne eigenen Beitrag so stehen lassen... aber wenn ich jetzt den Trainer entlasse, gelte ich entweder als Trittbrettfahrer... oder es kriegt überhaupt niemand mit..." Da entschied er sich, der Welt mitzuteilen, dass man durchaus noch Handeln kann, auch wenn man diese Woche als gefühlt einziger nicht handeln will...

Oder Bruno Labbadias "Ich war mit meiner Frau in Frankfurt." Wie jetzt, Thomas Schaafs Stuhl hat auch gewackelt? Wobei die bedenklichste Aussage ja das "Ich habe Bock drauf" ist... Fetisch Confirmed?

Oh und nur so nebenbei: Die Zorniger-Stuttgart Geschichte geht in dem ganzen Drama völlig unter... Und wäre eigentlich irgendjemand wirklich überrascht, wenn am Wochenende auf Schalke ein neuer Trainer sitzt...

Aber dass das Rennen um Tuchel auf ein Mal zu einem Rennen um Tuchel und Klopp erweitert werden würde... für die 17 anderen Bundesligisten gibt es jetzt im Sommer 2 gute Gründe seinen Trainer zu entlassen... Irgendwo sitzt Horst Heldt und lacht gehässig: "Und ihr habt all die Jahre gedacht, ich würde auf Tuchel aussein.... NEIN! Ich wollte die ganze Zeit Klopp haben..."

Dass Jürgen Klopps Pressekonferenz im wesentlichen aus einem "All die Gründe, die euch so einfallen, gibt es gar nicht, aber ich trete trotzdem zurück" besteht... Wenn es keinen Riss in der Mannschaft gibt und er nicht Müde ist... warum tritt er dann zurück? Und ein Sabbat-Jahr will er ja auch nicht einlegen... Was hat der vor?
Und vor allem: Bevor die Bayern 3:1 in Porto verlieren... und damit ganz plötzlich auch noch zum Mitspieler werden könnten... Wusste Klopp vielleicht einfach mehr als wir? Und das wirkliche Beben könnte erst noch folgen, wenn die Bayern im Rückspiel genau so spielen wie gestern... Dortmund sollte alles daran setzen, dass sie Tuchel unter Vertrag nehmen, bevor das Rückspiel stattfindet... Nur um sicher zu sein... Natürlich gibt es aus München aussagen, dass man Pep Guardiola niemals entlassen würden... aber wir reden von dem Verein, der Ottmar Hitzfeld entlassen hat... Und Felix Magath, weil er "nur 2 Mal das Double" geholt hat... Wenn man diese Maßstäbe an ein mögliches Viertelfinal-Aus gegen Porto ansetzt... ich sag's ja nur...

Aber der epischte Verlierer in diesem Spiel ist wie immer... der Hamburger SV... Denn die haben ja (laut eigener Pressemitteilung) Thomas Tuchel abgesagt, um Bruno Labbadia zu verpflichten... Nur um zu beweisen, dass sich die Geschichte (also falls Tuchel nach Dortmund geht) immer wiederholt. Die älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch: Vor ziemlich genau 7 Jahren beschäftigte man sich in Hamburg schon mal mit einem jungen und aufstrebenden Trainer aus Mainz. Auch damals verhandelte Dietmar Beiersdorfer mit jenem Jungstar... und am Ende gab es eine Absage und der Trainer entschied sich für die Dortmunder... Hamburg musste sich mit Marin Jol begnügen hatte in den nächsten 7 Jahren 14 Trainer... 2 davon doppelt... Dortmund wurde dagegen mit einem Trainer 2 Mal Meister... jetzt steht man wieder vor derselben Entscheidung und kriegt es einfach nicht hin, den besten Mann zu verpflichten... denn der geht lieber nach Dortmund...
Oh und ganz nebenbei... verpflichtet man den wohl besten Co-Trainer der Liga, nur damit der nach 2 Spieltagen wieder entlassen wird... Frei nach dem Motto: "Kompetente Hilfe? Brauchen wir hier nicht..."
Wenn man dann noch bedenkt, dass man sich das ganze Drama hätte ersparen können, wenn man entweder Mirko Slomka nicht nach 3 Spieltagen völlig über-motiviert entlassen hätte... oder sich dann wenigstens gleich für Labbadia entschieden hätte... Und ja, bei diesem großen Spiel um die Trainer gibt es nur einen großen Verlierer: Dietmar Beiersdorfer...

Montag, 23. März 2015

Was hat euch weniger überrascht?

 Dass Manuel Neuer (laut Kicker zum 4. Mal) gegen Borussia Mönchengladbach patzte, oder dass der Hamburger SV seinen Trainer entlassen hat? Kann es sogar einen Zusammenhang geben? Also dass der HSV immer, wenn Manuel Neuer patzt, seinen Trainer entlässt... kurz nachgerechnet... das kann nicht passen, denn so oft patzt Manuel Neuer nicht...

Was aber am wenigsten überrascht... ist doch die Tatsache, dass der HSV natürlich keinen Plan in der Schublade hat...
 Zunächst mal ist mir bewusst, dass ein echter Experte nicht im Nachhinein darauf hinweisen muss, dass er das schon vorher gesagt hat... aber hey, dass Joe Zinnbauer wahrscheinlich vor Vitkor Skripnik entlassen werden wird, habe ich schon Ende November geschrieben... Damals war der allgemeine Tenor, dass Zinnbauer der große aufgehende Stern ist und Skripnik eher eine Notlösung... völlig überraschender Weise wusste Werder genau, was sie taten, als sie einen in 16 Jahren im Verein aktiven Mitmenschen zum Chef-Trainer beförderten. Und genau so wenig überrascht es, dass Zinnbauer nach 8 Siegen in der 2. Mannschaft doch (noch) nicht zu höheren berufen ist.

Und Zinnbauer mache ich da gar keinen Vorwurf. Der ist halt quasi ein Trainer-Azubi. Solche jungen und aufstrebenden Talente in der 2. Mannschaft zu parken und sich über Jahre entwickeln zu lassen, ist perspektivisch das Cleverste, was man machen kann... aber man sollte die Leute da vielleicht erst Mal ein Jahr oder länger bei der täglichen Arbeit beobachten... damit man als Verein auch sehen kann wie die Leute arbeiten, wenn es gerade nicht gut läuft. Und ob er es schafft, auf die Probleme, die eine lange Saison so mit sich bringt, zu lösen... zum Beispiel der Fakt, dass Leistungsträger aus körperlichen oder psychischen Tiefs geholt werden müssen... und genau das ist Zinnbauer bei Pierre-Michel Lasogga und Rafael van der Vaart nicht geglückt.

Und jetzt kommt mir nicht mit "Ja, aber bei Thomas Tuchel hat es doch auch funktioniert." Nein, hat es nicht... natürlich wirkt ein Tuchel immer noch verdammt jung. Aber bevor der in Mainz Cheftrainer wurde, hat er 9 Jahre lang im profi-nahen Umfeld erfolgreich gearbeitet. In Stuttgarts (nachweislich hervorragender) Jugendabteilung, Augsburgs Reserve und der Mainzer Jugend. In diesen 9 Jahren konnte man durchaus erkennen, ob Tuchel ein auch auf höherem Niveau brauchbarer Trainer ist. Wahrscheinlich wurde er sogar mit dem Versprechen "wenn wir mal wieder einen Cheftrainer brauchen, bist du unser erster Ansprechpartner" zum Posten des U-19 Coaches gelockt... Vorstellbar ist es auf jeden Fall... und verwerflich wäre es auch nicht.

Vor 9 Jahren war Zinnbauer noch Trainer beim VfB Oldenburg. Und ganz ehrlich: wer von euch könnte aus dem Kopf sagen, auf welchem Niveau Oldenburg spielt? Wenn es euch interessiert: Zinnbauer kämpfte bis 2010 um den Aufstieg in die viertklassige Regionalliga...

Ein eher passender Vergleich ist da schon eher sein ehemaliger Mitspieler Jürgen Klopp, der von heute auf morgen vom Spieler zum Cheftrainer befördert worden ist... Aber Kloppo war vor dieser ungewöhnlichen Entscheidung schon 11 Jahre im Verein. Die suchten quasi nach einem Nachfolger für den vielleicht am meisten unterschätzten Taktischen Erfinder namens Wolfgang Frank. Klopp nennt den nicht um sonst seinen "Lehrmeister"... Da fragte man sich in Mainz: "Wer hat das, was Frank uns damals beigebracht hat, am besten verstanden? Klopp? Oder doch Thorsten Lieberknecht? Hey, erinnert ihr euch noch an den Zinnbauer, könnte der das nicht auch?" (Ernsthaft, wenn ihr später mal Bundesligatrainer werden wolltet, obwohl es dafür als Spieler nie gereicht habt, müsst ihr quasi mindestens ein Jahr unter Frank gearbeitet haben... krass, wie viele Trainer der auf ihrem Weg beeinflusst hat... und vor allem: Wie konnte der eigentlich nie Angebot aus der Bundesliga bekommen?) Und am Ende hat man sich für Klopp entschieden... aber man wusste halt auch nach 11 Jahren genau, was für einen Typen man da bekommt.

Vor allem: Klopp ist ein Jahrhunderttalent unter den Trainern. So einen bekommt man wahrscheinlich nur ein Mal in einer Generation zu sehen. Ernsthaft, der hat von heute auf morgen den Sprung vom Abwehrspieler, der auf Augenhöhe mit seinem Mitspielern stand, zu deren direkten Vorgesetzten gemeistert. Und das, obwohl alles wussten, dass er definitiv einer der schlechteren Fußballer in dem Kader ist. So etwas wird man nicht wieder finden.
Vor allem: Mainz stand im Abstiegskampf... und Klopp war da als Abwehrchef durchaus dran beteiligt... Stellt euch einfach vor, Heiko Westermann würde morgen zum Trainer vom HSV befördert werden... da könnte Westermann noch so viel Ahnung von Taktik haben, die allgemeine Reaktion seiner ehemaligen Mitspieler wäre ein "Ach, komm, hör auf, du kannst das doch selber nicht besser..."

Klopps Weg zu kopieren ist unmöglich. Und zu erwarten, dass das funktioniert, ist naiv... Aber hat Hamburg genau das gemacht...

 Das ist, als würde ich von einem Offensivspieler aus der Barcelona Jugend erwarten, dass er sich da in der ersten Mannschaft mit 18 durchsetzt und Schlüsselspieler wird... Lionel Messi konnte das schließlich auch. Und wenn das Talent nicht mit spätestens 19 den Durchbruch geschafft hat, ist es komplett unbrauchbar und sollte am besten seine Karriere beenden... Viel wahrscheinlicher ist es aber, dass das Talent erst mal woanders weitergebildet werden muss und noch einiges an Zeit braucht, bevor es sich auf aller höchstem Niveau durchsetzen kann...

Aber zurück zum Plan: Hamburg hat es wirklich geschafft, einen richtig guten in der Schublade zu haben. Also einen, der so absurd ist, dass ich da in meinen wildesten Träumen nicht drauf gekommen wäre: Der neue Cheftrainer "bis auf weiteres"... ist Peter Knäbel... und der hat noch weniger praktische Erfahrung als Zinnbauer...
Jetzt kommt's: Michael Oenning wäre eine bessere Option als Knäbel... vor allem, weil Knäbel eigentlich als "Direktor Profifußball" ein anderes Aufgabenfeld (nämlich die ach so wichtige langfristige Ausrichtung des Vereins) hat... Er ist quasi derjenige, der im schlimmsten Fall den Neuaufbau in Liga 2 organisieren muss... und ja, Knäbel kam noch nach Joe Zinnbauer, man kann ihm die Misere also kaum vorwerfen... Aber wie er das Gesicht des Neuanfangs werden soll, wenn er den ersten Abstieg in der Vereinsgeschichte als Cheftrainer zu verantworten hat...
 Und ja, Hamburg denkt sich gerade: Hey, nur weil die Idee das erste Mal nicht geklappt hat, muss sie ja das 2. Mal nicht zwingend schlechter sein...

Ernsthaft... kam niemand auf die Idee mal bei Jens Keller oder Alexander Zorniger anzurufen? Aber die würden ja eine Anstellung über den Sommer hinaus haben wollen... und da wartet man doch lieber auf Thomas Tuchel...

Viel wichtiger... warum sollte Tuchel sich das antun... Er wird demnächst (wenn auf Schalke das nächste Mal ein Trainer entlassen wird... und wie lange kann das schon dauern) ein wesentlich besseres Angebot bekommen. Und auch, wenn er vielleicht 1 Jahr lang arbeitslos sein wird... sein Ruf ist so hervorragend, dass er bei jeder Trainerentlassung nicht nur im Gespräch sein wird... sondern sofort die erste Option ist. Sobald Tuchel sagt "Ich will den Job", werden alle anderen Bewerber zurückgestellt werden... Und das werden die sogar einsehen...
Was wiederum dazu führt, dass Tuchels nächster Arbeitgeber ganz klar das Ziel "Europa Cup" vor Augen haben muss... Und Hamburg steht vor 3 oder 4 Jahren des Neuaufbaus. Die müssen erst Mal froh sein, wenn sie das "Niemandsland" erreichen. Oder glaubt irgendjemand, dass in Hamburg schlagartig alles besser wird, weil die groß-verdienenden Versager ablösefrei den Verein verlassen? Die sind zum größten Teil nur deswegen noch da, weil die Hamburger es nie geschafft haben, bessere Leute zu verpflichten... jetzt soll ihnen das ohne neues Geld gelingen?

Warum sollte Tuchel, der am Ende keinen Bock mehr auf das Mainzer Mittelmaß hatte, sich mit schlechteren Voraussetzungen in Hamburg zufrieden geben? Und: Wenn er den HSV wirklich als "den Schlafenden Riesen" betrachten würde, würde er dann nicht nach Möglichkeiten suchen, den Verein schon jetzt zu übernehmen... um den sonst viel zu wahrscheinlichen Abstieg zu verhindern?

Aber hey, vielleicht will Tuchel ja allen beweisen, dass er sogar unter schwierigsten Umständen Erfolge liefern kann... das scheint zumindest die eine Karte zu sein, auf die der HSV alles setzt... Das ist kein Plan, das ist pure Verzweiflung...

Dienstag, 7. Oktober 2014

Passives Abseits Hall of Shame: Die Entlassung von Jens Keller

Oder anders ausgedrückt: NUR AUF SCHALKE...

Um mal so ein paar Dinge zu relativieren: Jens Keller wurde 11 Tage nach dem Sieg im größten deutschen Derby entlassen...
Wem das nicht reicht... er wurde ebenfalls 4 Monate nach der besten Rückrunde der Vereinsgeschichte rausgeschmissen...
Während er de facto in der neuen Champions League Saison noch ungeschlagen ist...
Nachdem er es als erster Schalker Trainer geschafft hat, sich 3 mal in Folge für die Champions League Gruppenphase zu qualifizieren...
Weil er nach 7 Spieltagen lächerliche 4 Punkte hinter dem erklären Saisonziel zurückliegt (und, was man ihm als einziges wirklich vorwerfen kann, aus dem DFB Pokal ausgeschieden ist)... was lächerlich wenig ist... selbst wenn man zur Winterpause 4 Punkte Rückstand hätte, könnte man das immer noch ganz locker aufholen... wenn man den Trainer stärkt...
Aber das hatte ja auf Schalke niemand vor... statt der verdienten Vertragsverlängerung ging er als "Lame Duck" in die neue Saison. Und ALLE rechneten damit, dass spätestens zur neuen Saison Thomas Tuchel übernimmt...
Unter diesen Umständen überhaupt so viel aus dieser Mannschaft herauszuholen... ist eine richtig starke Trainerleistung...

Ich hoffe mal, dass sich all die anderen Top-Trainer diese Verhältnisse auf Schalke genau angucken  und um Schalke einen großen Bogen machen... Denn das sind keine Neuigkeiten, Jens Keller hat den Job genau so bekommen, wie er ihn verloren hat... (ernsthaft, vergleicht mal meinen Post zum Ende der "Ära Stevens" mit dem heutigen... es ist haargenau dasselbe... und niemand hat irgendwas gelernt...) Ralf Rangnick und Mirko Slomka wurden bei ähnlicher "Erfolgslosigkeit" entlassen...

Klar, das Potenzial (vor allem von den Fans) ist riesig, aber man muss schon extrem bekloppt oder masochistisch veranlagt sein, wenn man sich diesen Verein als Trainer freiwillig antut...
Oder ein Ausländer... wobei... dass Schalke am Tag der Entlassung schon Roberto di Matteo am Start hat... die haben also schon Vertragsgespräche mit Nachfolgern geführt, bevor sie den Besten Trainer (gemessen an der letzten Rückrunde und den 3 Champions League Teilnahmen...) ihrer Vereinsgeschichte entlassen haben... SO. EIN. DRECKSVEREIN.

Und nur so nebenbei: Borussia Dortmund steht in der Tabelle hinter Schalke... hat aber die deutlich höheren Ansprüche... trotzdem hinterfragt dort niemand Jürgen Klopp... nun kann man natürlich auch behaupten, dass der auch viel mehr geleistet hat... der hatte aber auch viel mehr Zeit... Aber auch Jürgen Klopp hatte mal eine Phase, in der er 9 Spiele in Folge nicht gewonnen hat... und wenn Clemens Tönnies Dortmunds Präsident wäre, würde Klopp jetzt auch kurz vor der Entlassung stehen (oder er hätte die Sieglos-Serie nicht überlebt)... es gibt einen guten Grund, warum Schalke seit über 50 Jahren keine Meisterschaft mehr geholt hat... und die Fans oder die Wirtschaftlichen Voraussetzungen sind es nicht...

Der große Gewinner dürfte am Ende Jens Keller sein... denn der wird jetzt (gemeinsam mit Tuchel) jeden frei werdenden Trainerposten angeboten bekommen... und dann kann er in einem ruhigeren Umfeld seine Arbeit auf Schalke bestätigen... und das hat er sich verdient... bleibt zu hoffen, dass alle anderen guten Trainer einen großen Bogen um Schalke machen und auf seriöse Angebote warten...

Donnerstag, 25. September 2014

Gute Nachrichten aus Stuttgart

Deren Vereinsführung lernt von der Besten... Die wissen, dass man einen verdienten Mitarbeiter erst mal das volle Vertrauen aussprechen muss, bevor man ihn entlassen kann...

Und ja, wenn man sich die Aussagen, die die VfB-Führung jetzt so von sicht gibt, anhört, dann stand am Sonntag schon fest, dass Fredi Bobic diese Woche entlassen werden wird...

Warum man das nicht gleich am Sonntag entschieden hat? Vor allem: Warum man den zu entlassenden Manager noch ein 2 Seitiges Kicker-Interview geben lässt... dass schon 3 Tage später völlig überholt ist... Und eigentlich nur noch beweist, wie Planlos dort agiert wird...

Ich frage mich ja... ob die das Interview am Montag (oder im schlimmsten Fall sogar vorher) gelesen haben... und sich dachten "ach, wie naiv... der glaubt anscheinend wirklich, dass wir noch auf ihn setzen... schön..."

Das nächste Problem ist halt... was wird sich der nächste Manager denken, wenn er von Bernd Wahler als "Mann unseres Vertrauens" vorgestellt wird? Wahrscheinlich irgendwas zwischen "Das war doch vor 5 Tagen noch Bobic" und "Verdammt, ich werde nächste Woche entlassen"...

Das wirklich Lustige ist ja: Dem Aufsichtsrat wird ja gerne fehlende sportliche Kompetenz vorgeworfen... weil die allesamt nur aus der Wirtschaft kommen... Aber die Art und Weise, wie Bobic entlassen worden ist... Das ist keine Frage von sportlicher Kompetenz...

Und ja, vielleicht ist es ein automatischer Reflex, Leuten direkt nach dem Spiel erst mal das Vertrauen auszusprechen... oder allgemein in Krisenzeiten... wie Angela Merkel das immer so schön macht... Aber dann muss man sich den Bobic doch nach dem Spiel zu einem Krisengipfel ranholen... anstatt ihn zur größtmöglichen Presse zu schicken... das ist... einfach nur erbärmlich... und sollte nicht von der eigenen Inkompetenz ablenken...

Dienstag, 17. September 2013

Da will man in aller Ruhe eine Champions League Review schreiben

Und dann passiert auf ein Mal doch was relevantes. Der Hamburger SV trennt sich von seinem langjährigen Erfolgscoach Thorsten Fink. Und hey, wenn man in den letzten 10 Jahren Elf unterschiedliche Verantwortliche auf der Bank sitzen hat, dann muss man die 64 Bundesligaspiele schon als Äre bezeichnen. Vor allem wenn man bedenkt, dass sich wahrscheinlich kein anderer HSV-Trainer in 2 Jahren so oft hat abschießen lassen.

Andererseits: was kann Fink dafür, dass er mit Heiko Westermann und Rafael van der Vaart als Führungsspieler arbeiten muss? Da könnte man Rene Adler auch vorwerfen, dass er viele Gegentore kassiert, weil die Spieler vor ihm nicht ordentlich verteidigen.

Aber der Frage, ob all die Chelsea-Talente wirklich nichts taugen, oder ob sie einfach keinen Trainer hatten, der sie nach vorne bringen konnte, wird woanders beantwortet werden. 

Was Fink hätte ahnen können: Oliver Kreuzer greift rigoros durch, wenn man die Stadt nach heftigen Pleiten einfach so verlässt. Und ganz ehrlich: bei dem Kurs, den er in Sachen Suspendierungen und Aussortieren fährt, muss er das auch. Denn wenn er Dennis Aogo für einen Kurztrip nach Mallorca nach Schalke schickt (Aogo wird nebenbei DER Gewinner der HSV Saison werden... nur so nebenbei), dann muss er auch Thorsten Fink für einen Kurztrip nach München rausschmeißen. Und bei einer alles andere als stabilen und charakterstarken Mannschaft gibt es garantiert sinnvolleres als zu sagen: Ihr macht das schon, ich bin mal ein paar Tage zu Hause. Das einzige was überrascht, ist, dass Oliver Kreuzer dafür selber nach München fliegen musste. In dem Moment, wo Fink zu sagte: "Ok, hier ist alles erledigt, ich fliege dann mal nach Hause" hätte Kreuzer ihn doch gleich sagen können: "Wenn du das wirklich vor hast, kannst du auch gleich da bleiben, dann bist du nicht mehr der richtige Mann für uns."

Aber hey, der nächste Trainer wird garantiert genau der richtige für den Hamburger SV. Schließlich ging die Tendenz auf der Trainerbank in den letzten Jahren deutlich nach oben. Wie das halt so ist, wenn man von Michael Oenning kommt... Aber wenn man diese Tendenz beibehält, verpflichtet man jetzt einen Jose Mourinho... oder zumindest einen Christian Streich... Das Problem ist nur: wo nehmen wir so einen Mann her?

Da wir vom klammen HSV reden (und das Ablöse in einen Trainer stecken auch nur bedingt funktioniert hat), wird man sich wohl auf dem Arbeitsamt bedienen. Und Jupp Heynckes wird bei so einem Angebot nicht schwach werden... anscheinend wird noch nicht mal Felix Magath trotz der großen gemeinsamen Vergangenheit dem Verein noch helfen wollen... Also wird es wohl doch eher Markus Babbel. Da kann man auch auf Bruno Labbadia zurückgreifen... oder enttäuscht feststellen, dass Friedhelm Funkel schon vergriffen ist. Oder anders ausgedrückt: Es ist viel zu wahrscheinlich, dass der HSV auf dem Weg zur nächsten Übergangslösung ist und dementsprechend Zeitnah den nächsten Trainer suchen muss...

Samstag, 22. Juni 2013

Worsties: Hat Klaus Allofs den Transfermarkt für immer verändert?

Ok, vielleicht ein bisschen übertrieben... Schließlich bezahlte Chelsea London "schon" 2011 angebliche 15 Millionen für einen gewissen Andre Villas-Boas nur um ihn noch in der selben Saison wieder zu entlassen.

Aber Klaus Allofs kaufte Dieter Hecking aus seinen laufenden Vertrag. Mitten in der Saison. (Nur so nebenbei, dass "passierte" Hecking nicht zum ersten Mal, auch Alemannia Aachen verließ er über Nacht in Richtung Hannover.) Das Porblem war halt: Klaus Allofs brauchte einen guten Trainer.
Denn ob er selbst ein guter Manager ist, der Millionen wirklich in gute Beine investieren kann, muss er erst noch zeigen. Die Liste der Fehleinkäufe (Gostavo Nery, Carlos Alberto, Pierre Wome, Markus Rosenberg, Boubacar Sanogo, Marcelo Moreno, Mikael Silvester, Wesley. Mehmet Ekici, Eljero Elija und Ivan Perisic) ist mittlerweile fast so lang wie die Liste seiner Treffer. Und die Tendenz war zuletzt eher steigend. Nur erinnert man sich halt lieber an die Treffer als an die Fehlgriffe...

Also musste Allofs erst Mal sicher sicherstellen, dass er einen guten Trainer hat. Damit der aus der zusammengestellten Mannschaft wenigstens das Maximale herausholt. Das Problem: Wo nimmt man den her?

Da gibt es genau 2 Varianten: Entweder man verpflichtet einen jungen Hoffnungsträger aus den eigenen Reihen und bestaunt dann seinen Aufstieg in die Trainer-Elite. In Wolfsburg hätte dieses Trainertalent Lorenz Günther Köstner geheißen... Der mag zwar vieles sein, aber er ist definitiv kein Repräsentant der neuen, innovativen Trainergeneration.

Oder man besucht das Arbeitsamt. Das Problem der Meisten Trainer auf dem Arbeitsamt: Die meisten Kandidaten haben etwas entscheidendes Falsch gemacht. Schließlich wurden sie entlassen. Der Top-Kandidat war nicht ohne Grund jahrelang Peter Neururer.

Natürlich gibt es auch noch eine dritte Variante: Man bedient sich im Altenheim. Da kann man dann einen Jupp Heynckes finden... oder einen Otto Rehagel. Den ganz alten Otto Rehagel. Zukunftsträchtige Lösungen sehen irgendwie anders aus...

Wenn man sich jetzt also zwischen Neuruer und Rehagel entscheiden muss... (Ok, wenn man noch ein paar Monate gewartet hätte, wäre immerhin Huub Stevens frei gewesen... der ist aber auch seit langem nicht mehr jung und gilt nur auf Schalke als Hoffnungsträger) Suche ich doch eine andere Lösung.

Gute Trainer werden halt immer seltener Arbeitslos sein. Es sei denn sie gönnen sich ein Sabbat Jahr (und ja, natürlich finden die Bayern den vielleicht besten arbeitslosen Trainer aller Zeiten. So sind sie halt.) Ganze 6 Trainer mussten in dieser Saison ihren Stuhl räumen. Nur mal so zum nachrechnen: 2011 waren es noch 15.
Augsburg hat jetzt zum 2. Mal hintereinander nachgewiesen, dass es selbst im extremsten Abstiegskampf richtig sein kann, an seinen Trainer festzuhalten.

Und die Trainer werden sich ihrer neuen Beliebtheit bewusst: Jos Luhukay wechselte nach der laufenden Saison trotz Vertrag nach Berlin. Dafür wurde Markus Weinzierl aus Regensburg losgeeist. Thorsten Fink wurde ebenfalls für eine Ablösesumme aus Basel nach Hamburg gelotst (was meine Überschrift hinfällig macht.). Dass Armin Veh mit Schalke flirtete, war ein relativ offenes Geheimnis. Verdammt, selbst der Freiburger Christian Streich soll mit denen gesprochen haben...
Frank Kramer war in dieser Saison für 2 Bundesligamannschaften (Wenn man Hoffenheim und Fürth denn so bezeichnen will) zuständig. Entlassen wurde er dabei nicht.

Die Trainer nehmen also wahr, dass sie nicht mehr nur das schwächste und am einfachsten auszuwechselnde Glied sind. Und auf ein Mal müssen sich die Vereine Gedanken machen, wie sie ihre Übungsleiter bei Laune halten.

Und nur so nebenbei: Die 4 Vereine, die ihre Trainer ganz klassisch entlassen haben... sind Wolfsburg, Schalke, Hoffenheim und Fürth... oder anders ausgedrückt: Vereine mit Führungskräften wie Clemens Tönnies...

Auf jeden Fall eine Interessante Entwicklung... die ihren Höhepunkt noch lange nicht erreicht haben dürfte: Irgendwann werden Vereine genau so viel Ablöse in ihre Trainer stecken, wie in ihr kickendes Personal.

Sonntag, 16. Dezember 2012

Wahnsinn was Schalke für ein Chaos ist

und vor allem, wie schnell das passieren konnte.

Wir erinnern uns: Am 8. Spieltag hat Schalke Dortmund geschlagen. Im "Sie haben das Ding doch schon wieder umbenannt oder?" Park. AUSWÄRTS. Dass ein Trainer, der sein wichtigstes Auswärtsspiel gewinnt, nicht mal das Rückspiel (geschweige denn den Rückrundendstart) erlebt... geht wohl sonst auch nur bei den Bayern (Weil deren Derby halt gegen die 60iger... und Auswärts da irgendwie doch zu Hause ist... und die Ansprüche ganz andere... ihr wisst schon, die Bayern halt). Und halt auf Schalke. Wo man sich selbst als Jahrhunderttrainer keine 8 schlechten Spiele (nach 9 vorher überragenden Zitat Tönnies im Doppelpass "Wir haben natürlich eine Sensationelle Hinrunde gespielt.") leisten darf. Obwohl man sich gleichzeitig souverän fürs Champions League Achtelfinale qualifiziert. Als "Wir gehen sogar Barca aus dem Weg" Gruppenerster.

Und Schuld hat Stand jetzt natürlich der Trainer. Weil er halt das gemacht hat, wofür er geholt wurde: Knurren und knappe Siege einfahren. Huub Stevens ist kein Trainer, der mit einer komplett neuen Spielidee Champagner-Fußball spielen lässt... und keiner der seine Spieler "A la Christian Streich" herzt. Aber das wusste man doch vorher. Aber hey, Schalke ist ja auch der Verein, der überrascht guckt, wenn Felix Magath den Kader auf 45 Mann aufbläht, nachdem man ihm den Schlüssel zur Stadt überreicht... Und die mit Ralf Rangnick und Mirko Slomka schon 2 Trainer entlassen haben, nur weil sie dann doch zu erfolgreich waren... oder so.

Sicherlich hat auch Huub Stevems seine Fehler gemacht (ich sag mal mangelnde Rotation...)... aber nur Stevens? Die ganze Debatte kam doch nur ins Laufen, weil Horst Heldt es nicht geschafft hat, den Vertrag mit Stevens zu verlängern. Ein Trainer, der einem Huntelaar und einen Holtby sagen kann: "Is mir egal, ich bin im Zweifelsfall länger da als ihr" hat eine ganz andere Wirkung auf seine Mannschaft. Und da sind wir schon beim nächsten Thema:

Holtby und Huntelaar. Die träumen so sehr vom großen internationalen Vereinen, dass sie zum einen Vergessen, dass sie ja bei einem Spielen... und vor allen Dingen, dass Leistung im Liga-Alltag irgendwie die Grundlage für alles ist. Gerade bei Huntelaar ist die Diskrepanz einfach nur krass: 9 Scorerpunkte in 6 Champions League Spielen (also dem Schaufenster für einen neuen Verein) zeigen doch deutlich, dass er kann, wenn er will... aber auf der anderen Seite stehen 2 mickrige Bundesligatore. Bei Lewis Holtby ist der Leistungsabfall einfach am krassesten. Nach dem Dortmund-Spiel wollten selbst die sachlichsten Experten schon darüber diskutieren, wie man den in die Nationalmannschaft einbauen kann... Seit dem hat er einfach mal kein einziges gutes Bundesligaspiel mehr abgeliefert... Wirklich grotesk wird es dann, wenn Huntelaar mit Arsenal London in Verbindung gebracht wird. Also genau mit dem Verein, den Schalke in der Champions League gerade hinter sich gelassen hat. In eine Liga, die international gerade den Anschluss zu verpassen scheint. Aber hey, mehr Geld kann man dort wahrscheinlich immer noch verdienen.
Wenn die beiden in der Bundesliga die Leistung bringen würden, die ihren Gehaltsvorstellungen angemessen wären... Aber auch hier gelang es Horst Heldt nicht, frühzeitig für klare Fakten zu sorgen. Und bergab geht es mit den Schalkern, seitdem über die Verträge diskutiert wird...

Wo wir beim Thema diskutieren sind: die Medien nehmen auch jede Steilvorlage auf. Und auf Schalke wehrt sich so richtig niemand dagegen. Als Jürgen Rollamann die Trainerdiskussionen als "perfide und schmutzig" bezeichnete, meinte er vor allem solche Artikel wie er im Donnerstags-Kicker stand: Dort darf der Kicker darüber spekulieren, ob Co-Trainer Markus Gisdol denn der Top-Kandidat auf die Stevens-Nachfolge ist... Ohne, dass Stevens zu diesem Zeitpunkt überhaupt entlassen wurde... Und der große Einspruch der Schalker Führungsetage blieb bis heute aus... Obwohl sie auch Gisdol entlassen haben... Wenn man seinen Trainer wirklich stützen will, geht man da anders vor...

Stattdessen wurde von oben eine völlig übertriebene Erwartungshaltung geschürt. Anstatt bei dem großen Feind aus Dortmund zu lernen (die gefühlt erst nach der Titelverteidigung das erste Mal von der Meisterschaft geredet haben), wurde in Gelsenkirchen schon Ende August das M-Wort freigegeben...

Kommen wir zum zahlenden Publikum: Selbst als Schalke noch erfolgreich gespielt hat und zu Hause Mainz 3:0 geschlagen haben, gab es Pfiffe aus dem eigenen Publikum. Obwohl eigentlich jeder wusste, dass die Mannschaft mit dem Abgang von Raul stark verjüngt wurde. Und so eine Mannschaft sollte man als Fan vielleicht mal bedingungslos unterstützen... und ihnen ein paar Leistungsschwankungen zugestehen... aber nicht auf Schalke... Am Ende waren die Fan-Pfiffe so erfolgreich, dass sie Huub Stevens zu einem Torwartwechsel bewegten... Der allerdings auch nichts brachte, weil Schalke es verpasst hat, wenigstens einen guten Torwart zu verpflichten...

Und so stehen die Schalker vor dem Nichts. Obwohl sie im Champions League Achtelfinale stehen. Aber keine Sorge, Horst Heldt hat ja einen Plan. Weil das ja mit Ciprian Marica und Timo Hildebrandt so gut geklappt hat, bedient sich Heldt mal wieder bei seiner Stuttgart-Connection. Aber es ist wider erwarten nicht Markus Babbel... zumindest noch nicht... was das ist aber in dem Moment nicht die gute Nachricht... denn die nicht Interimslösung bis zu Saison-Ende soll Jens Keller sein. Der kommt mit der überragenden Erfolgsbilanz von 2 Bundesligasiegen... Und nur um zu verdeutlichen, wie planlos die Schalker Führung ist, hier noch einmal Clemens Tönnies: "Wir werden uns angucken, wie Jens Keller arbeitet und wer Erfolg hat, hat immer recht." Normalerweise sollte man vorher von einem Trainer überzeugt sein und nicht erst nach seiner Installation mal gucken, wie der sich so macht.

Es wäre (auch wenn es moralisch noch viel böser wäre) was ganz anderes, wenn Schalke einen Bernd Schuster oder Christian Gross aus den Hut zaubern könnte... aber jetzt darf (oder muss) Jens Keller eine Mannschaft auf ein Champions League Achtelfinale vorbereiten... und so weit ist der in seiner Trainerkarriere eigentlich einfach noch nicht... aber hey, wenn sie auf Schalke einen Plan hätten, wäre das Leben doch so viel langweiliger...

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Immerhin hat Magath recht behalten

es gab keine Krisensitzung am Donnerstag... bei einer Krisensitzung trifft man sich, um gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Stattdessen ging es heute im Treffen zwischen Martin Winterkorn und Felix Magath anscheinend nur noch darum, wie man dieses Drama möglichst geräuschlos beendet. Schließlich musste Magath am Ende darauf hoffen, dass die Spieler sich für ihn aussprechen... und dass da bei seinem Führungsstil wenig kommen dürfte, sollte ihn selbst am wenigsten überraschen.

Bleibt die Offene Frage: war's das jetzt? Muss ich mich nach Michael Meier vom 2. definitven Hall of Shamer verabschieden? Eins steht fest: Magath ist ein Kind der Bundesliga. 815 Bundesligaspiele lang war er in der Verantwortung als Trainer. Dazu kommen nochmal 306 Spiele als aktiver... das sind Zahlen, an die sonst nur Otto Rehagel rankommt. Aber wird er jemals wieder ein Angebot bekommen?

Bestimmt. Irgendein verzweifelter Club im Abstiegskampf wird ihn garantiert anrufen... so wie Hertha halt letztes Jahr bei Otto... Oder gefühlt alle Abstiegskandidaten bei Peter Neururer in den 90ern... Aber tut sich ein dreifacher Meistertrainer wirklich Abstiegskampf in Köln oder Augsburg an?
Der dreifache Meistertrainer würde nebenbei garantiert noch brauchbare Angebote geben... und es gibt ja auch noch ein paar Vereine, bei denen er noch nie war... Aber wird Magath von seinem mittlerweile selbstverständlichen Alleinherrscherstatus abweichen? Kann so ein Mann, dem auf Schalke der Schlüssel ins Vereinsheim gegeben wurde (erinnert ihr euch noch? Die wussten am Ende gar nicht genau, ob sie Magath überhaupt entlassen können, oder ob sie ihn dafür mit zu viel Macht ausgestatten hatten...) überhaupt noch den einfachen Trainer spielen?

Bleibt das Ausland... dort dürfte sein Ruf noch nicht so weit ramponiert sein wie hierzulande. Und Magath wäre doch die Idealbesetzung für die Trainer-Manager Posten in Paris oder bei Manchester City... allerdings haben die irgendwie doch noch zumindest bekanntere Kandidaten auf ihrer Liste, bevor sie Magath anrufen...

Wer nebenbei den Anfang von Magaths Karriere noch kennt, wird sich über das Ende kaum wundern... Oder um Wikipedia zu zitieren:
In der folgenden Saison führte er den Club, den er auf Platz 17 übernommen hatte, ins Achtelfinale des UEFA-Pokals. Nachdem sich einige Spieler über das nach ihrer Meinung zu harte Training und über mangelhafte Kommunikation mit dem Trainer beschwert hatten und der Verein sich überdies im Abstiegskampf befand, wurde Magath im Mai 1997, zwei Spieltage vor Saisonende, nach einer 0:4-Heimniederlage gegen den 1. FC Köln beurlaubt.
Ja, schon seine erste Trainerstation diente als Blaupause für seine Karriere. Das Schema war immer dasselbe: der übernimmt eine Mannschaft in der schlimmsten Krise, führt diese mit überhartem Training und brutaler Disziplin zu unerwarteten Erfolg und irgendwann lehnt sich die Mannschaft gegen diesen Führungsstil auf und bricht wieder ein... Eigentlich schien er dieses Abnutzungsproblem mit seinen Jungen Wilden in Stuttgart gelöst zu haben... oder er wechselte nur früh genug zu den Bayern... die dreieinhalb Jahre, die es die Stuttgarter mit ihm ausgehalten haben, werden jedenfalls wohl ewig ein Rekord bleiben...
Vielleicht hat der Manager Magath ja genau deswegen jedes Jahr die halbe Mannschaft ausgetauscht... weil er wusste, dass ihm die Spieler eh nicht länger folgen werden und er regelmäßig neue Mannschaften braucht... warum also den Verein wechseln, wenn man auch die Spieler austauschen kann?

Mittwoch, 22. Februar 2012

Nichts is vergänglicher als dein Erfolg von gestern

Heute am Beispiel Rico Schmitt. Der Name muss euch erstmal nichts sagen, weil er von der Bundesliga relativ weit weg ist. Rico Schmitt hat Erzgebirge Aue zurück in die 2. Liga geführt. Was an und für sich schon mal eine Leistung war, die es zu würdigen gilt. Aber dann war er mit seiner Mannschaft so erfolgreich, dass sich die Vereinsführung Gedanken machen musste, wie sie die Bundesliga stemmen könnten. Aue (niemand von euch wüsste, wo Aue liegt, wenn sie nicht das "Erzgebirge" in ihrem Namen tragen würden...) spielte lange um den Aufstieg mit und wurde am Ende Fünfter. Das ist nicht mal ein Jahr her. Und nein, Aue ist für gewöhnlich kein Verein, der um den Bundesligaaufstieg mitspielt... Jetzt wurde Rico entlassen... Weil er eine Saison lang so spielen lässt, wie man es von dem Kader erwarten kann: gegen den Abstieg. Der wohl erfolgreichste Trainer seit der Wende wird entlassen, weil er "nur" 2 Punkte vor dem Relegationsplatz liegt...

All die vorherigen Leistungen sind auf einmal egal. Das Vertrauen in einen Trainer, der 2 Jahre überragende Arbeit gemacht hat, geht in 6 Wochen verloren... Und wenn so ein Trainer nicht mal auf den Relegationplatz zurückfallen darf, betreibt man als Verein offiziell einen Schleudersitz. Wahrscheinlich werden sie in 2 Jahren (und 4 weiteren Trainern) feststellen, dass das eine schlechte Entscheidung war...

Das es auch anders geht, beweist gerade der 1.FC Kaiserslautern. Dort sind sie sich bewusst, dass schon der Bundesligaaufstieg eine große Leistung war. Und mit den Roten Teufeln anno 2011 Platz 7 zu erreichen ist herrausragend. Dementsprechend ruhig kann Marco Kurz derzeit arbeiten. Jetzt ist er 16., trainiert die schlechteste Offensive der Liga und trotzdem ist sein Vertrag verlängert worden. Die wollen das gemeinsam durchstehen. Selbst wenn sie absteigen sollten, sie wissen halt, wie gut ihre Offensive ist... Und damit weiß jeder Spieler, dass er sich nicht hinter dem Trainer verstecken kann. Denn der wird wahrscheinlich (den Satz hatten wir letzte Woche schon) länger da sein als die Spieler...

Das emotionale Ergebnis: ich hoffe das Kaiserslautern die Klasse hält und Aue absteigt. Nur damit man am Ende auf einen Beweis zeigen kann, dass am Erfolgstrainer festhalten nicht verkehrt sein kann... Und dass einen das Schleudersitzprinzip nicht weiter hilft.

Dienstag, 20. September 2011

In Hamburg wurde endlich eine richtige Entscheidung getroffen

bleibt nur die spannende Frage, wer eigentlich wirklich glaubte, dass Michael Oenning DIE Lösung für den Hamburger SV sei... Letztendlich hat er ein Bundesligaspiel mit dem Verein gewonnen... zu Hause gegen letzte Saison auswärts hilflose Kölner... Danach wurde krampfhaft versucht den Stillstand bis zum Saisonende und dann den Rückschritt in der neuen Saison als Fortschritt zu verkaufen...

Natürlich hat sich der HSV bei der Entlassung so dumm wie möglich angestellt... aber den Trainer nach den Aussagen, die in den letzten Tagen gefallen sind, wirklich noch bis zum Stuttgart Spiel zu behalten... wenn ihm doch niemand (inklusive der eigenen Mannschaft) mehr den Umbruch zutraut und alle wissen, dass er hinterher höchstwahrscheinlich weg ist... Auch keine gute Option.

Normalerweise bin ich ja kein Freund von der Lösung "Trainer entlassen". Normalerweise löst man die fundamentalen Probleme innerhalb einer Mannschaft nicht, und alles was man bekommt, ist der "Dead Coach Bounce" In der Börse gibt es den Ausdruck, dass selbst eine Tote Katze nocheinmal nach oben prallt, wenn sie auf den Boden aufschlägt. Und mit Trainerwechseln ist es häufig ähnlich: Die Mannschaft wird kurzzeitig durch den neuen Coach motiviert, spielt mal ein paar Wochen vernünftig und verfällt danach wieder in den alten Trott...

Man kann also durchaus davon ausgehen, dass die Hamburger den VfB Stuttgart am Wochenende schlagen wird... dennoch werden die Grundlegenden Probleme nicht gelöst werden. (Heiko Westermann kann nur in Interviews von Führungsspielern reden, ist aber selber keiner, Mladen Petric soll die Offensive als Vorbild anführen und Paolo Guerrero ist immernoch da.)

Der Hamburger SV hat viele tief gehende Probleme... und sicherlich könnte ein gute Coach helfen... das Problem mit den guten Trainern ist aber... die haben entweder schon einen Job, oder sind halt viel zu teuer und zu gut um beim Bundesliga 18. anzuheuern...
Die Gladbacher beweisen gerade, dass ein guter Coach viel verbessern kann... und Lucien Favre ist weit über den Dead Coach Bounce Status hinaus... Da haben die Gladbacher aber auch echt Glück gehabt, dass die Hertha mit Favre das Abstiegsjahr so verkackt hat... Die anderen guten Trainer werden halt relativ selten entlassen... Und natürlich könnte man diesen Trainer selber intern ausbilden, dafür bräuchte man aber als Verein ein Konzept...

So ist es am Ende wahrscheinlicher, dass irgendwer zwischen Huub Stevens und Lothat Matthäus den HSV übernimmt, das wieder ein halbes bis dreiviertel Jahr laufen wird und der HSV dann wieder einbricht... weil Westermann, Jarolim und Guerrero immernoch da sein werden... Ich würde ja auf den Namen Dermont Drummy tippen. Und wenn ihr jetzt denkt, der ist Trainer der Chelsea Reserve, liegt ihr richtig...
 Zugegeben: Im Vergleich zu Micheal Oenning sind all diese Kandidaten garantiert eine Verbesserung... Aber die ich nenn sie mal "Jürgen-Klopp-Lösung" mit der der Verein auf Jahre glücklich werden kann, sind sie allesamt nicht...

Die eigentlich spannenste Frage lautet aber: Was wird eigentlich aus dieser wunderbaren Twitterseite, jetzt wo Oenning arbeitslos ist? Allein diese Seite lässt mich darauf hoffen, dass im Abstiegskampf doch wieder jemand auf Oenning zurückgreift...