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Dienstag, 14. April 2026

Die Baumgart Entlassung ist schon konsequent

 Also logische Konsequenz. Es war halt absehbar.

Was soll ich sagen... #PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher. Dass die Ära Steffen Baumgart genau so verlaufen wird, wie sie verlief, habe ich hier direkt nach der Verpflichtung angekündigt.

Es gab halt etwa 1 1/2 Jahre lang unansehnlichen, aber intensiven Fußball. Man war spielerisch limitiert, aber konnte meistens kämpferisch überzeugen. Auch wenn da die Tendenz am Ende deutlich nach unten ging. Baumgart durfte die Offensive nach seinen Vorstellungen umbauen, indem er Benedict Hollerbach durch Oliver Burke ersetzte. Weniger Feinschliff, mehr Athletik. Fun Fact: Burke war mit 1,85 m der kleinste der 3 regelmäßig eingesetzten Stürmer. 

Eine spielerische Weiterentwicklung gab es nicht. Aber wer bei Baumgart eine spielerische Entwicklung erwartet, hat in den letzten 10 Jahren nicht aufgepasst. Baumgart lässt eine gewisse Art von Fußball spielen. Und er hat es ja auch geschafft, Union von den Abstiegsplätzen fernzuhalten. Die offensichtliche Frage war aber immer: Wie lange wird das bei einem ambitionierten Investorenklub in der Hauptstadt reichen? Die Antwort: 15 Monate.

Nebenbei war die "Ära Baumgart" ja auch kein Fehler. Und er ist keinesfalls "gescheitert", wie viele jetzt behaupten. Er hat die Mannschaft stabilisiert, als sie in den Abstiegskampf zu rutschen drohte. Aber Union ist halt ein Verein, der dich entlässt, wenn der Abstiegskampf am Horizont droht.

Also Baumgart hat den Verein ja übernommen, als man "nur noch" 6 Punkte Vorsprung vor dem Relegationsrang hatte. Zum Auftakt verlor er gegen Heidenheim. Jetzt hat er nur noch 7 Punkte Vorsprung und wieder gegen Heidenheim verloren... Da muss man dann die Notbremse ziehen.

Nebenbei ist Baumgart der "Anti-Horst-Steffen". Also Steffen wurde ja bei Werder Bremen entlassen, weil er es nicht geschafft hat, gegen die Mannschaften in der oberen Tabellenhälfte zu punkten. Und gegen Mannschaften aus Hamburg. Aber gegen die anderen Mannschaften aus der unteren Zone punktet man relativ konstant. Das bliebt auch unter Daniel Thioune so, der gegen St. Pauli und RB Leipzig verliert, aber gegen Heidenheim, Union und Wolfburg gewinnt.

Baumgart's Unioner haben absurderweise gegen Leipzig, Leverkusen und Freiburg gewonnen. Dazu kommt ein Unentschieden gegen den VfB Stuttgart. Die 7 Punkte Vorsprung kommen aus den Spielen gegen die Champions League Anwärter. Aber dafür gab es Niederlagen gegen Heidenheim und Gladbach

Das spricht dafür, dass Baumgart gut darin ist, seine Mannschaft gegen einen deutlich besseren Gegner ein- und aufzustellen, aber dass es Probleme gibt, wenn seine Mannschaft selbst das Spiel machen muss.
Die grundlegende Frage bleibt aber im Raum: Wenn abzusehen war, dass Union mehr erwartet, als Baumgart normalerweise liefert, warum hat man den überhaupt geholt? Man hat sich bei einer der wichtigsten Fragen nur von den Emotionen blenden lassen, anstatt sachlich zu betrachten, dass Baumgart für die Visionen, die man an der alten Försterei hat, nicht der richtige Mann ist.

Mein erster Gedanke war nebenbei: Hätte man das nicht im Sommer sauber einen Neuanfang mit einem neuen Coach starten können? Muss man jetzt wirklich das "Risiko" eines "Dead Coach Bounce" auf sich nehmen, anstatt im Sommer mit einem neuen Wunschkandidaten neu anzufangen? 7 Punkte sind doch relativ viel, da wird man schon nicht in den Abstiegskampf rutschen, selbst wenn man beinah alles verliert. 

Dann habe ich aber auf den Spielplan des an der Stelle Konkurrenten geguckt. Und dann fiel mir auf, dass die Bayern quasi der letzte richtig schwere Verein war, den St. Pauli noch im Spielplan hatte. Jetzt steht nur noch das Duell mit dem Konstrukt aus Leipzig an... Und Spiele gegen Köln, Heidenheim, Mainz und Wolfsburg. Für Mainz wird es am 32. Spieltag nur noch um die "goldene Kamera" gehen. Also die bessere Platzierung in der Fernsehgelder-Tabelle. Aber gegen 3 der letzten 6 darf man noch spielen. 

Lustigerweise hat Union quasi dasselbe Restprogramm. Man spielt gegen Augsburg statt Heidenheim. Aber die restlichen Gegner sind exakt dieselben. Was aber ein schlechtes Zeichen für Baumgart gewesen wäre, da man ja von ihm "nur einen Sieg gegen Leipzig" erwarten kann. 

Die Konstellation mit den Mainzern ist nebenbei wirklich absurd. Also machen wir uns nichts vor: Die sind gerettet. Also es sind ja nicht "nur" die 8 Punkte auf St. Pauli. Es sind auch die 5 auf Bremen und die 3 auf Gladbach. Dass all diese Mannschaften plötzlich einen Lauf hinlegen, ist doch eher unwahrscheinlich.
Die haben aber auch noch spannende Europacup-Abende vor sich. Mindestens einen. Wenn alles normal läuft, eher noch 3. Im Idealfall sogar 4. Die spielen aber noch gegen Gladbach, St. Pauli, Union und Heidenheim. Und gegen die Bayern... Am Ende könnte der Alkoholpegel der Muskelkater in Mainz den Abstiegskampf entscheiden. 

Das ist aber auch die Stelle, an der jegliche Prognosen reine Kaffeesatzleserei werden. Also es ist unfassbar schwierig, einzuschätzen, in welcher Verfassung die einzelnen Mannschaften den Schlussspurt antreten werden. Der Spielplan von Werder Bremen wirkt relativ fies, vor allem weil die ja gegen die obere Hälfte so schlecht aussehen. Aber Hoffenheim ist gerade krass am Einbrechen und hat nur eines der letzten 7 Spiele gewonnen. Wie werden die auftreten, wenn die Champions League Chance endgültig verspielt wurde? Schaffen sie es in Augsburg, die Spannung hochzuhalten, wenn der Klassenerhalt gesichert wurde? Mich würde es nicht überraschen, wenn Augsburg den Klassenerhalt mit 10 Siegen ohne Sieg in Serie feiert. Das bedeutet dann, dass Bremen, Gladbach und Union noch "unerwartet" punkten... Oder spielt der VfL Wolfsburg plötzlich befreit auf, wenn der Abstieg auch rechnerisch besiegelt ist? Das wäre die lustigste Pointe der Saison: die gewinnen plötzlich gegen die Bayern und drucken "Real Madrid Besieger"-Besieger Shirts... Sie müssen ja nur 3 davon drucken, um den Markt abzudecken...

Dienstag, 30. September 2025

Die absurde Karriere des Horst Steffen

Es ist schon absurd. Wir haben gerade vier Ex-Profis mit durchaus vergleichbaren Spieler-Biografien auf den Trainerbänken sitzen. Alle vier absolvierten zwischen 180 und 254 Bundesligaspiele. Sie spielten nie für die ganz großen Vereine. Einer ist bereits ein etablierter Bundesligatrainer, die anderen verdienen sich jetzt gerade die ersten Sporen. Aber ihr Weg zu diesem Posten war extrem unterschiedlich.

Die Rede ist von Steffen BaumgartEugen Polanski, Sandro Wagner und Horst Steffen.

Baumgart fällt, was mich selbst doch überrascht, in die Kategorie "Marius Ebbers Angreifer": Er hat mehr Zweitliga- als Bundesligatore erzielt. Polanksi hatte eine interessante Karriere, weil er unter Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel spielen durfte. Steffen spielte in Uerdingen, nachdem Bayer da ausgestiegen ist. Und für den MSV Duisburg. Mehr "Arbeiterkarriere" kann man als Bundesligaprofi nicht machen. Wagner ist so ein bisschen der Ausreißer, da er in der einen Saison beim FC Bayern mehr Europacup Spiele absolviert hat, als die andern 3 zusammen... Zumindest, wenn man den UI Cup rausrechnet.

Als Trainer ist die Biografie von Baumgart spannend, da sie seine Spielerkarriere spiegelt. Er startete in der 2. Liga der ehemaligen DDR. Danach in der NOFV Oberliga und in der 2. Liga, bevor er mit Hansa Rostock aufstieg. Er hat sich buchstäblich nach oben gearbeitet. Auch als Trainer arbeitete er in der Landesliga beim SSV Köpenick-Oberspree. Beim Berliner AK 07 arbeitete er in der Regionalliga. Und danach startete er mit Paderborn von der dritten in die erste Liga durch... Eigentlich von der 4., sportlich war man abgestiegen. Sowohl als Trainer, als auch als Spieler, wollte den niemand in der ersten Liga sehen, er hat sich davon aber nicht aufhalten lassen. Jetzt hat er sich zumindest so weit etabliert und stabilisiert, dass er noch haufenweise Angebote von verzweifelten Abstiegskandidaten bekommen wird, wenn Union Berlin ihn irgendwann entlassen wird. Von seinem ersten, sachlich gesehen gescheiterten Experiment in Magdeburg bis zum Bundesligadebüt vergingen 10 Jahre. Von seinem Karriereende, ebenfalls in Magdeburg, bis zum ersten Spiel an der Seitenlinie vergingen etwa 12 Jahre. Das ist schon unfassbar viel.

Denn normalerweise sieht die Trainerkarriere der ehemaligen "Bundesliga-Stars" sieht ja eher wie die von Eugen Polanski aus: Man kommt nach seiner aktiven Karriere bei einem seiner Ex-Vereine unter. In Polanskis Fall war das sein Jugendverein Borussia Mönchengladbach. Dort arbeitet man sich von der U17 bis zur 2. Mannschaft hoch und wartet ganz entspannt ab, dass eine Krise Panik auslöst. Und wenn das nicht klappt, rutscht man zurück ins zweite Glied und wartet entspannt auf die nächste Krise. Jahrzehntelang war dies die einzige wirkliche Variante, einen Fuß in die Bundesligatür zu bekommen. Dann fiel irgendwann den gut geführten Vereinen auf, dass man doch richtige Experten als Jugendtrainer braucht und dadurch wurden dann Thomas Tuchel und Hannes Wolf in die Liga gespült. Um ein Positiv- und ein Negativbeispiel zu nennen. Im Normalfall dauert dieser Vorgang so 7 Jahre.

Sandro Wagner ist auch hier ein Sonderfall, weil er ja praktisch von der Kommentatorenkabine auf die Trainerbank gelobt worden ist.

Und dann gibt es halt Horst Steffen. Die Vereine, bei denen er Eindruck hinterlassen hat, sind in der Versenkung verschwunden. Da kann man dann schlecht als Jugendtrainer anfangen. Er war tatsächlich auch in Gladbach, aber anscheinend hat man ihn da nicht zugetraut, höhere Aufgaben zu übernehmen.

Danach begann dann seine "Wanderschaft" bei den Stuttgarter Kickers, Preußen Münster und dem Chemnitzer FC. Bei nur einer einzigen Vertragsverlängerung deutete wenig auf eine langfristige und erfolgreiche Trainerkarriere hin. Es sah eher so aus, als würde Steffen sich dank seines guten Namens bei unterklassigen Vereinen die Altersvorsorge sichern.

Der nächste Schritt dieser Rentensicherungsmaßnahme war 2018 die SV Elversberg. Danach kommt dann wahrscheinlich nicht mehr viel... Aber plötzlich startete man komplett durch. Es ging von der Regionalliga in die Relegation zur höchsten deutschen Spielklasse. Und vor allem hatte man auch langfristigen Erfolg. 7 Jahre am Stück ging es praktisch nur aufwärts. Das schafft man sonst nur mit Investoren-Millionen. Das war so nicht zu erwarten.

Nun stellt sich die entscheidende Frage: War Steffen schon immer ein guter Trainer, der durch chaotische Vereine aufgehalten wurde? Also die Stuttgarter Kickers und der Chemnitzer FC sind jetzt nicht die stabilsten Vereine... Oder hat er einfach nur all diese Jahre gebraucht, um das Trainerhandwerk zu erlernen und sich zu verbessern. 

Wir reden hier nebenbei von unfassbaren 22 Jahren zwischen der letzten Station als Spieler und der ersten als Bundesliga-Trainer.
Und wenn das Potenzial schon immer da war, warum hat vorher niemand zugeschlagen? Ich meine, wir hatten doch einige richtig schlechte Trainer, denen trotzdem immer wieder einen Job angeboten wurde. Michael Frontzeck stand bei 3 unterschiedlichen Bundesligisten an der Seitenlinie: Alemannia Aachen, Arminia Bielefeld und Borussia Mönchen... wartet mal... kurz Zeitlinien abchecken. Horst Steffen und Michael Frontzeck begannen beide am 1.7.2009 in Gladbach. Man hätte sich damals auch einfach für den anderen entscheiden und Frontzeck zur U17 schicken können... Aber nur einer der beiden hat mit Max Eberl zusammengespielt.

Oder Horst Steffen zumindest als Interimstrainer befördern können, als man Frontzeck 2011 völlig überraschend entlassen musste. Wobei man zur Verteidigung von Max Eberl sagen muss: Er holte einen gewissen Lucien Favre, der sich für Gladbach als sehr guter Griff entpuppte. 

Es ist aber schon absurd, dass sich Steffen praktisch in derselben Situation befand, wie Polanski jetzt, nur dass er damals dann "übergangen" wurde. Dass er danach dann den Weg über die Dörfer gegangen ist, um doch zum Bundesligatrainer zu werden, dürfte ein einzigartiger Vorgang sein. Auch die 22 Jahre, die das gedauert hat, wird niemand jemals überbieten. Vor allem bei den Millionengehältern, die heutzutage jeder Bundesligaspieler überwiesen bekommt, dürften verhindern, dass nochmal jemand so hartnäckig an dieser Vision arbeitet.

Vor allem zeigt dies aber mal wieder eins: Es ist wichtiger, die richtigen Leute zu kennen, als ein wirklich guter Trainer mit einer erfolgreichen Vita zu sein. Und dass man unter den richtigen Trainern gespielt hat... Also Polanskis relevante Vorqualifikation ist ja, dass er von Jupp Heynckes, Thomas Tuchel, Julian Nagelsmann und Huub Stevens gelernt haben könnte. Während Horst Steffen "nur" bei Friedhelm Funkel zur Schule ging... sowohl in Uerdingen, als auch in Duisburg... und bei Wolfgang Frank... 9 Spiele lang... Moment mal: haben wir tatsächlich noch einen Schüler von Wolfgang Frank ausgegraben? Unfassbar.

Also für alle, die das vergessen haben: Wolfgang Frank war quasi der Mentor von Jürgen Klopp. Und dessen Erfolg hat dazu beigetragen, dass all seine Ex-Spieler mit Angeboten überhäuft wurden. Marco Rose, Sandro Schwarz, Thorsten Lieberknecht und Jürgen Kramny sind die anderen "Lehrlinge". So richtig erfolgreich in der Bundesliga war aber nur Rose... 

Dass dieser Beitrag bei Wolfgang Frank endet, habe ich selber nicht kommen sehen. Was auch nur beweist: Es ist einfach nicht zu erklären, warum es 22 Jahre gedauert hat, bis Steffen endlich in der Bundesliga coachen darf.

Montag, 6. Januar 2025

Steffen Baumgart wird bei Union Berlin scheitern

 Das ist ja mal direkt ein Hottake zum neuen Jahr. Das wird entweder unter "PassivesAbseitsLeserwissenesfrüher" oder "-exklusiv" fallen. 

Aber lasst mal direkt den Elefanten im Raum adressieren: wenn die bei Union doch auf hohes Pressing stehen, hätten sie auch Bo Svensson behalten können. Denn Baumgart steht für genau die Art schnellen und aggressiven Fußball, den Svensson mit dieser Mannschaft nicht umsetzen konnte. 

Auch stellt sich die Frage, ob der Kader zu Baumgarts Idee von Offensivspiel passt. Es gibt ja Gründe, warum der immer wieder Davie Selke holt: Der passt mit seinem 1,95 m perfekt zu Baumgarts Idee eines Zielspielers. Dass er fußballerisch eher limitiert ist, ist da egal. Jetzt hofft man quasi darauf, dass Baumgart die eher im Sande verlaufende Karriere von Jordan wiederbeleben kann. Zuletzt war der in Berlin eher ein Ergänzungsspieler. Auch die Leihe nach Gladbach verlief nicht so positiv, dass die ihn behalten wollen. Die Voraussetzungen sind also eher schlecht.

Der eigentliche Lichtblick in der zugegeben sehr trägen Offensive war ja Benedict Hollerbach. Der taugt aber nicht zum Zielspieler. Man muss also entweder doch auf dem Transfermarkt zuschlagen... oder hoffen, dass Baumgart die Spieler weiterentwickelt oder reanimiert. 

Union glaubt ja, dass er diese fördern kann... Aber spricht die Bilanz wirklich für Baumgart?
Gucken wir uns mal die Bilanz in Köln an. Wie viele Spieler hat er da deutlich besser gemacht?

Da bleibt natürlich der eine Erfolgsfall hervorzuheben: Dass Ellyes Skhiri so gut wird, hat selbst in Köln niemand erwartet. "so gut" heißt hier, dass die Eintracht ihn plötzlich auf dem Radar hatte. "Niemand erwartet" heißt, dass er ablösefrei gegangen ist, was schon für eine krasse Fehlplanung spricht. Andererseits... war Skhiri schon vor Baumgart unumstrittener Stammspieler teil der Nationalmannschaft Marokkos.

Aber auf die Transferbilanz gucken, ist vielleicht gar nicht so falscher Ansatz, um die Spielerentwicklung zu beurteilen: Wie viele Spieler hat Baumgart denn so weit nach vorne gebracht, dass sie mit viel Gewinn verkauft werden konnten? Und wie viele dieser Spieler sind dann mit Baumgarts Hilfe groß durchgestartet?

Da haben wir dann... Sebastiaan Bornauw. 5,25 Millionen hat der 1. FC Köln an diesem Transfer verdient. Das ist beinah ein reiner Inflationsausgleich, denn Bornauw ist immer noch derselbe Verteidiger, wie damals: souverän und robust gegen den Ball. Starkes Kopfballspiel, aber mit dem Fuß sehr begrenzt. Dass der nach 2 Jahren so viel mehr wert sein soll, liegt mehr an der größeren Plattform und höheren Liga, in der er sich bewiesen hat, als an einer großartigen Entwicklung. Hätte diese stattgefunden, wäre er für 20 Millionen nach Dortmund gegangen.

Apropos Dortmund: die haben 5 Millionen für Salih Özcan bezahlt... warum die den überhaupt haben wollten, bleibt ein Rätsel, denn sachlich gesehen war der eher ein Spieler für Wolfsburg... wo er jetzt auf der Bank sitzt. Dazu kommen 7 Millionen für Ismail Jakobs, der mittlerweile in der Türkei gelandet ist. Das sind im Wesentlichen die beiden Jugendspieler, die Baumgart vorangebracht hat. Für 2 Jahre ordentlich, aber nicht überragend. Keiner der von ihm geförderten Spieler bringt internationales Niveau. Kein einziger Deutscher Nationalspieler wurde gefördert und hervorgebracht. 

Dazu kommen die Fälle, in denen diese Förderung komplett im Sande verlaufen ist: das schmerzhafteste Beispiel Stefan Tigges. Ich habe ja damals prognostiziert, dass beide Parteien von dem Tausch von Anthony Modeste und Tigges profitieren würden. Wobei mich im Nachhinein vor allem überrascht, wie positiv ich Modeste gesehen habe. Dass er sich einfach nur für ein Jahr richtig Mühe gegeben hat, um wieder einen fetten Vertrag angeboten zu bekommen, und danach in der Versenkung verschwindet, hätte man ahnen können. Es gab da keine "große Weiterentwicklung", sondern lediglich eine Wiederholung der 2016/17er Saison. Modeste ist das personifizierte "Contract Year Phenomenon". Nur, dass man als Fußballer dafür keinen auslaufenden Vertrag braucht.

Aber gerade mit der "Modeste wird wie immer wieder nachlassen" Erkenntnis sollte doch der Tausch gegen den wesentlich jüngeren Tigges noch besser aussehen... Der muss jetzt nicht mal viel liefern, um besser als Modeste in Dortmund abzuschneiden. Wenn Baumgart denn jetzt fördern und entwickeln kann, spielt Köln noch in der Bundesliga. Kurz auf die Tabelle geguckt: Tun sie nicht. 

Nebenbei lässt sich das gesamte letzte Jahr mit Baumgart genau darauf reduzieren: Aufgrund des ganzen Chaos um die Transfersperre und den Abschieden von Skhiri, Ondrej Duda und Jonas Hector war Baumgart in der Saison 2023/24 extrem als Entwickler gefordert. Er ist an dieser Aufgabe einfach mal gescheitert. So krass, dass er nicht mal das Jahr 2024 erreicht hat.

Und in Hamburg ist die Bilanz dann eher noch desaströser. Denn da hatte er zum ersten Mal in seiner Karriere einen, relativ zur Konkurrenz, richtig guten Kader. Da hätte er nur 2 oder 3 der jüngeren Spieler besser machen müssen, um souverän den Aufstieg zu sichern. Stattdessen holt er Marco Richter und Davie Selke... 

Das sind vielleicht auch, neben Christopher Antwi-Adjei, die Paradebeispiele für Baumgarts Förderung: Er nimmt Spieler, die vom Leistungsniveau irgendwo zwischen 1. und 2. Liga pendeln. Er bringt die dann häufig tatsächlich auf Bundesliganiveau. Er bringt mit seinem einfachen, aber intensiven Fußball diese Spieler und die Mannschaft zum Funktionieren. In der einen Saison, in der das perfekt gelaufen ist, ging es sogar nach Europa. Aber im Normalfall ist man froh, wenn man im unteren Mittelfeld landet. Spieler aber wirklich so essenziell besser zu machen, dass die wirklich in der Bundesliga mithalten können, gelang ihm nur ganz selten. 

Das bedeutet jetzt nicht, dass Baumgart ein schlechter Trainer ist. Wenn man mit relativ geringen finanziellen Mitteln eine Mannschaft stabilisieren muss, kann man den sofort holen. Wenn man mit dem Existenzkampf in der Bundesliga "zufrieden" ist, weil man erkannt hat, dass das alles ist, was wirtschaftlich noch stemmbar ist, ist Baumgart dein perfekter Trainer. 

Aber ein Investorenverein wie Union Berlin wird sich damit nicht zufriedengeben. Und ja, wenn die eine natürliche und normale Entwicklung genommen hätten, wäre Baumgart genau der richtige Mann. Aber dieser Verein hat einige Entwicklungsschritte übersprungen. Er steckt mal so nebenbei 20-30 Millionen Euro in die Ablösen seiner Neuzugänge... Die zwischen 2021 und 2023 haben die jede Saison mehr Geld in Transfers gesteckt, als Baumgarts Vereine in seiner gesamten bisherigen Karriere. Da muss man auch von einer ganz anderen Erwartungshaltung ausgehen: Einfach nur graues Mittelfeld wird da nicht reichen. Deswegen haben sie ja Bo Svensson entlassen.
Und der Unterschied zwischen Svensson und Baumgart ist einfach nicht so relevant, dass man den einen unbedingt entlassen muss, wenn er an sich im Soll liegt, um den anderen zu holen.

Sonntag, 29. Dezember 2024

Nur bei den Romantikern

 Den Alternativen. Den Guten... wird Weihnachten, also zum Fest der Liebe, der Trainer entlassen. Natürlich. Am Ende sind die halt auch brutale Realisten.

Aber ganz ehrlich: Auf den zweiten Blick ergibt das nicht nur Sinn... es ist sogar das, was ich sonst immer fordere: Die Trainer nicht dann zu entlassen, wenn man in einer brenzligen Situation steckt, sondern sobald man merkt, dass die Zusammenarbeit nicht in die richtige Richtung geht und man mangelnde Fortschritte beanstanden muss. Zumindest wenn es nicht danach aussieht, als würde der Trainer langfristige Lösungen für diese Probleme präsentieren können.

Lasst uns an der Stelle eines festhalten: Union Berlin wäre auch mit Bo Svensson nicht abgestiegen. Und solange sie nicht Jürgen Klinsmann holen, werden sie es auch mit dem neuen Trainer nicht... Den Trainer als relativ junger Erstligist mit 7 Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang zu entlassen, scheint absurd.

Aber im ehemaligen Fachmagazin wurde gemutmaßt, dass Svensson "die verbleibenden zwei Hinrundenspiele gegen die in der Tabelle schlechter dastehenden Teams aus Augsburg und Heidenheim bekommt, um den Negativtrend zu stoppen." Aber... da drohen Union ja 2 Siege. Auch wenn gar nichts besser geworden ist. Dann muss man den Trainer plötzlich behalten, das kann ja nicht wirklich der Plan sein.

Also zumindest nicht, wenn sich die Vorstellungen vom Fußball nicht decken, was hier halt der Fall ist. Bo Svensson will aggressives und aufwändiges Pressing sehen... der Kader gibt aber nur die bestmögliche Imitation von Real Madrids absurder Spielphilosophie her. Das passt einfach nicht zusammen.

Dazu konnte Svensson schon in Mainz nicht wirklich nachweisen, dass er eine Mannschaft wirklich weiterentwickeln kann. Sie stabilisieren? Garantiert. Ihnen ein halbwegs stabiles, funktionales System aufzwingen? Auch. Aber sein erwartbares Limit hat er in Berlin auch erreicht. Und Union bleibt ein Verein, der nach Höherem strebt.

Das lässt sich ja auch daran festmachen, dass er keinen Platz für László Bénes findet. Das ist der kreativste Mittelfeldspieler, den die haben. Wenn es spielerische Fortschritte geben soll, was zwingend notwendig ist, damit es weiter nach oben gehen kann, muss Union Bénes integrieren. Und Svensson ist es nicht zuzutrauen, dass er diese Entwicklung anleiten kann.

Wobei man hier natürlich auch festhalten muss, dass das vielleicht auch ein Bénes Problem sein kann. Der scheitert ja nicht zum ersten Mal beim Versuch, sich in der Bundesliga durchzusetzen und war bisher nur in der 2. Liga wirklich gut. Vielleicht ist das die Mittelfeldversion eines Marius Ebbers Angreifers. Aber an der Stelle ist Bénes auch "nur" das offensichtliche Symptom und nicht das einzige Problem.

Vor allem fällt einem jetzt ein weiteres Problem auf: Die nächste Transferperiode steht an. Würden Bénes und Svensson vielleicht einen Wechsel des Spielers forcieren, wenn der Trainer im Amt bleibt? Unwahrscheinlich, weil der ja erst seit 6 Monaten da ist. Viel relevanter: Svensson würde jetzt auf die Einkäufe Einfluss nehmen. Die würden Spieler verpflichten, die in sein Spielsystem passen, obwohl man von diesem System nicht überzeugt ist. Oder man holt Spieler, die nicht zum Trainer passen, was auch ungeschickt ist. Und man hat dann einen Trainer, der 3 Spieler hat, die in sein System passen, die restlichen aber nicht weiter entwickeln kann, damit sie auch und damit das Ganze stabil funktioniert. Das kann auch keine Lösung sein.

Da ist die unromantische Lösung mit dem kalten, harten und etwas überraschenden Cut schon die Beste. Auch wenn dir die Journalisten dann mangelnde Langfristigkeit vorwerfen, zeigt es auch, dass der Verein gewillt ist, proaktiv zu handeln, anstatt nur zu reagieren. Das ist an sich etwas Gutes.

Oh und Steffen Baumgart ist gerade verfügbar... Auch wenn der dieselben Probleme mit der unpassenden Spielphilosophie und der mangelnden Weiterentwicklung mit sich bringt, wird Union dieser Traumkonstellation kaum aus dem Weg gehen können. Da kickt dann doch wieder die Romantik rein.

Mittwoch, 15. November 2023

Der Materrazo-Hoeneß tausch ist eine der absurdesten Geschichten der neueren Bundesligageschichte.

 Und sie könnte sich diese Saison wiederholen.

Also der Reihe nach. Der ganze Gedankengang, den ich jetzt ausführe, begann vor einigen Monaten, als ich darauf hinwies, dass der VfB Stuttgart in einem ziemlich fiesen Paradoxon steckte: Einerseits mussten sie ihren ursprünglichen Erfolgstrainer Pellegrino Materazzo nach 1 1/2 Jahren im permanenten Abstiegskampf irgendwann entlassen. Andererseits stand in dem Moment der Entlassung fest, dass er spätestens im Sommer bei einem Konkurrenten anheuern und diesen verstärken wird. Denn selbst in Stuttgart hat ja niemand infrage gestellt, dass Materazzo ein guter Trainer ist. Aber es hat dort halt nicht mehr funktioniert.

Aber er wartete gar nicht auf den Sommer, sondern heuert ziemlich direkt beim direkten Konkurrenten in Hoffenheim an. Das praktische Worst-Case-Szenario, denn man machte sich die Mission Klassenerhalt selber schwerer. Hoffenheim holte unter Pellegrino 1,69 und sicherten sich überraschend souverän den Klassenerhalt. Dies konnten sie am letzten Spieltag mit einem Unentschieden gegen die Stuttgarter.

Diese gingen einen eigentlich unnötigen Umweg über Bruno Labbadia, der eigentlich im verdienten Abstieg münden müsste, aber nur in die Relegation führte. Dies lag vor allem daran, dass ausgerechnet der ehemalige Hoffenheimer Sebastian Hoeneß am Ende übernehmen durfte. Bei Hoeneß war damals noch nicht ganz raus, ob er ein guter Trainer ist, weil er seine wirklichen Erfolge in der 3. Liga gefeiert hat. Und er wäre nicht der erste Trainer, der nur in den unteren Ligen gut aussieht. Jetzt kann man sich aber darauf einigen, dass er zumindest phänomenal viel Potenzial hat. Und wenn ich das von einem Hoeneß sage...

Beide Vereine mussten ihren an sich guten Trainer entlassen, weil es bei ihnen einfach nicht mehr gepasst hat. Das Schwierige an der Bundesliga ist ja, dass einem dies passieren kann, obwohl man an sich kompetente Leute angestellt hat. Manchmal nutzt ein Trainer sich einfach ab. Dann muss man reagieren, darf dabei aber nicht den Kopf verlieren. Hoffenheim hat dies direkt geschafft, Stuttgart am Ende auch.

Und jetzt... sind sie in ganz anderen Sphären unterwegs. Als sie liegen nach 11 Spieltagen auf Kurs Europacup. Letztes Jahr brauchte Stuttgart 28 Spieltage, um die 24 Punkte zu sammeln, die sie bereits jetzt auf dem Konto haben. Es würde mich schon wundern, wenn nicht mindestens einer der beiden nächstes Jahr durch Europa touren darf, schließlich trennen Freiburg auf Platz 8 und Stuttgart auf Platz 4 jetzt schon 10 Punkte. Auch wenn es dank der Aussetzer der Bayern und von RB Leipzig dieses Jahr eher ungewiss ist, dass die beiden Pokalfinalisten aus den Top 4 kommen, deswegen könnte Platz 7 nicht reichen. 

Es ist schon eine absurde Geschichte, dass beide Mannschaften von so einem Trainertausch profitieren. Und dass so ein Trainertausch überhaupt zustande kommt. Aber jetzt kommt meine dreiste Prognose: Das SOLLTE sich wiederholen, wenn sich 2 derzeitige Krisenvereine clever verhalten.

Wir reden offensichtlich von Union Berlin und dem 1. FC Köln, die mit Urs Fischer und Steffen Baumgart 2 der faszinierenderen Rohdiamanten auf der Trainerbank zu sitzen haben. Beide haben ihren Trainern auch durchaus viel zu verdanken. Union so viel, dass eine Entlassung eigentlich unvorstellbar ist. So viel dazu, ich habe den Post gestern um 3 geschrieben und wollte ihn um 13:12 veröffentlichen. Manchmal unternimmt die Realität alles, damit Passives Abseits Leser es eben nicht früher wissen.
Aber bei beiden läuft es halt richtig beschissen. Da passt gerade gar nichts zusammen. Unter normalen Umständen wären beide schon entlassen worden. Einer ist jetzt doch plötzlich weg.

Es kann auch einfach sein, dass Fischer mit dem neuen, relativ exquisiten Starensemble ein wenig überfordert ist. Er hat halt noch nie einen Spieler von der Marke Bonucci trainiert. Baumgarts intensive Art kann sich nach den Jahren einfach abgenutzt haben. Das wäre jeweils kein Vorwurf an die Trainer, das kann einem passieren.

Sein wir mal ganz ehrlich: Falls Union Berlin in der Winterpause (hier steht dann auf einmal ein noch) einen neuen Trainer sucht und falls Steffen Baumgart dann verfügbar ist, wird er der erste Name sein, der da fällt. Er passt mit seiner Mentalität und seiner Köpenicker Vergangenheit einfach zu gut zu diesem Verein, um nicht sofort gehandelt zu werden. 

Und falls sie in Köln im Winter nach einem neuen Trainer suchen, werden auch einige darauf hinweisen, dass der Fischer alles kann, was man gerade braucht. Wirklich absurd wäre es, wenn jeder abgebende Verein den Trainer unter der Bedingung abgibt, dass man den anderen haben kann. Oder wenn Union jetzt über drei Ecken in Köln anruft und fragt, ob Baumgart vielleicht verfügbar wäre, wenn sie dafür den Fischer haben können. Ob die Trainer dann zusagen oder erst mal Abstand gewinnen wollen, ist natürlich die nächste Frage.

Das ist natürlich nach wie vor ein extrem unwahrscheinliches Szenario. Schließlich könnten zumindest Baumgart noch den Umschwung schaffen. Vor allen Dingen müssten die beiden Trainersuchen ja so synchron passieren, dass nicht einer der beiden Parteien bereits Peter Neururer geholt hat. Und sich dann denkt: Verdammt, hätten wir doch noch 2 Wochen gewartet... Wobei ich es den Kölnern auch zutrauen würde, dass sie komplett in den Panikmodus zurückfallen, Baumgart direkt nach der Länderspielpause entlassen, weil das ja der beste Zeitpunkt ist und sich dann Labbadia holen... nur um in 3 Monaten zu merken, dass das ganz schön dumm war. Stuttgart ist schließlich auch rückfällig geworden, da kann Köln das auch.

Aber dass es für beide Mannschaften die beste Lösung wäre, ist zumindest mal eine Überlegung wert. Also war es anscheinend für mich, denn mir hat sich dieser Gedanke aufgedrängt.